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Ein reichhaltiges und lesenswertes Standardwerk bereits in 5. Auflage! Therapeutisches Reiten umfasst psychologische, psychotherapeutische, pädagogische, sozial-integrative und rehabilitative Maßnahmen mit und auf dem Pferd. Zielgruppen sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit seelischen, körperlichen und sozialen Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Behinderungen. Beim Therapeutischen Reiten steht die Entwicklungsförderung im Mittelpunkt, reiterliche Fähigkeiten sind dagegen nachrangig. Das Autor:innenteam gibt einen umfassenden Überblick über Ansätze und Anwendungsbereiche des Therapeutischen Reitens wie z.B. in der Hippotherapie, Logo- und Ergotherapie, der Psychomotorik sowie in psychotherapeutischen Berufsfeldern. Anschauliche Fallbeispiele aus der Praxis und Hinweise zu Voraussetzungen und Hilfsmitteln im Therapeutischen Reiten runden den Band ab. Neu in dieser Auflage ist ein Beitrag, der einen Überblick über aktuelle Studien zur Wirksamkeit von pferdegestützten Interventionen in therapeutischen Kontexten gibt.
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Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2026
Marianne Gäng / Sibylle Schürch-Gäng (Hg.)
Therapeutisches Reiten
Mit Beiträgen von
Christina Bär, Susanne Blume, Georgina Brandenberger, Ruth Brühwiler Senn, Dorothée Debuse, Christina Diercks-Kowalewski, Marianne Gäng, Sabine Häuser, Karin Hediger, Gondi Kunz-Schindler, Eva Schneider-Schunker, Christiane Schüller, Dorothee Schütte, Petra Schwaiger, Beate Seide und Barbara Vorsteher
5., aktualisierte Auflage
Mit zahlreichen Abbildungen
Ernst Reinhardt Verlag München
Marianne Gäng (1934–2019), war Dipl.-Soz.-Päd., Ausbildungsleitung für Reitpädagogik und Reittherapie, Gründerin und Präsidentin der Schweizer Gruppe Therapeutisches Reiten (SG-TR), Rodersdorf (Schweiz).
Sibylle Schürch-Gäng ist Reitpädagogin / Reittherapeutin SG-TR und ehemalige Ausbildungsleitern.
Hinweis: Soweit in diesem Werk eine Dosierung, Applikation oder Behandlungsweise erwähnt wird, darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt darauf verwandt hat, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht. Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen oder sonstige Behandlungsempfehlungen kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen werden. – Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnungen nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
ISBN 978-3-497-03348-5 (Print)
ISBN 978-3-497-62049-4 (PDF-E-Book)
ISBN 978-3-497-62050-0 (EPUB)
5., aktualisierte Auflage
© 2026 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München
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Printed in EU
Coverbild unter Verwendung eines Fotos von Claudia Trochsler
Satz: Sabine Ufer, Leipzig
Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, Kemnatenstr. 46, D-80639 München
Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: [email protected]
Inhalt
Vorwort
Von Sibylle Schürch-Gäng
Geleitwort
Von Gerd Hölter und Marietta Schulz
Teil I: Ansätze und Aspekte
Therapeutisches Reiten – Interventionen mit dem Pferd
Von Marianne Gäng
Das Pferd in der Therapie: Erkenntnisse aus der Wissenschaft
Von Karin Hediger
Personzentrierter Ansatz und körperorientierte Interventionen im Therapeutischen Reiten
Von Ruth Brühwiler Senn
Psychologische Grundlagen beim Therapeutischen Reiten
Von Barbara Vorsteher
Pferdegestützte Therapie in der Jugendpsychiatrie
Von Georgina Brandenberger
Der therapeutische Einsatz des Pferdes bei Frauen mit Anorexia Nervosa
Von Gondi Kunz-Schindler und Eva Schneider-Schunker
Der Einsatz des Pferdes in der Arbeit mit traumatisierten Menschen
Von Gondi Kunz-Schindler und Eva Schneider-Schunker
Bindungsgeleitete Interventionen im Therapeutischen Reiten
Von Petra Schwaiger
Freie Interaktionen zwischen Klient und Pferd in der pferdegestützten Psychotherapie
Von Karin Hediger
Therapeutisches Reiten und pferdegestützte Rehabilitation bei vorwiegend körperlich kranken Menschen
Von Beate Seide
Hippotherapeutische Aspekte im Therapeutischen Reiten
Von Dorothee Schütte
Therapeutisches Reiten als Ergänzung der Ergotherapie
Von Christiane Schüller
Therapeutisches Reiten und Logopädie
Von Susanne Blume
Indikationen und Kontraindikationen beim Therapeutischen Reiten
Von Beate Seide
Selbstvertrauen stärken mit Pferden
Von Christina Diercks-Kowalewski
Teil II: Praxisbeispiele
Therapeutisches Reiten mit Kindern aus der Psychomotorik-Therapie
Von Christina Bär
Drei Fallbeispiele für hippotherapeutische Aspekte im Therapeutischen Reiten
Von Dorothee Schütte
Die Prinzipien der Langzügelarbeit beim Therapeutischen Reiten
Von Sabine Häuser
Aufsitzhilfen im Therapeutischen Reiten für Menschen mit physischen Defiziten
Von Dorothée Debuse
Anhang
Adressen von Ausbildungsinstituten
Die Autorinnen
Bildnachweis
Vorwort
Marianne Gäng war seit 1983 Autorin und Herausgeberin von Büchern zum Thema Heilpädagogisches und Therapeutisches Reiten. 2019 verstarb sie völlig unerwartet. Nach Absprache mit dem Ernst Reinhardt Verlag in München übernehme ich, Sibylle Schürch-Gäng, Reitpädagogin / Reittherapeutin SG-TR, ehemalige Ausbildungsleiterin und Tochter von Marianne Gäng, seitdem die Koordination der Beitragsarbeiten zu den neuen Auflagen des vorliegenden Buches, das die Vielfalt des Therapeutischen Reitens abbilden soll.
Gegenüber der 4. Auflage wurden die Beiträge teilweise aktualisiert und ergänzt. Neu konnte ich Prof. Dr. Karin Hediger für einen Beitrag zu aktuellen Erkenntnissen aus der Wissenschaft gewinnen. Der Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand bei verschiedenen Zielgruppen und zu Effekten und Mechanismen pferdegestützter Therapie. Es werden u. a. methodische Herausforderungen und offene Fragen aufgezeigt, und Forschungsergebnisse zu den Effekten bei Therapiepferden betrachtet.
In den weiteren Beiträgen und den Praxisbeispielen wird das zentrale Anliegen von Marianne Gäng verdeutlicht: eine positive, tragfähige Beziehung zum Pferd aufzubauen als Grundlage für die weitere Arbeit mit spezifischen Themen.
Um Therapeutisches Reiten verantwortungsvoll zu praktizieren, braucht es fachliches Wissen und Erfahrung im eigenen Grundberuf, auch um Risiken und Gefahren abschätzen zu können. Vor allem gilt es aber zu erkennen, welche Chancen und Möglichkeiten mit den entsprechenden Klienten und dem Pferd umsetzbar sind. Aus Sicht verschiedener Berufsgruppen innerhalb des Therapeutischen Reitens wird dies anschaulich geschildert.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude beim Entdecken von interessanten, neuen Aspekten des Therapeutischen Reitens und dass sich die daraus gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Arbeit integrieren lassen.
Sibylle Schürch-Gäng
Geleitwort
Als langjährige Kollegen und Diskussionspartner von Marianne Gäng ist es uns eine große Freude, einleitend die 5. Auflage ihres Standardwerks zum therapeutischen Reiten begleiten zu dürfen.
In den vier Jahren seit der letzten Auflage dieses Buches hat sich die Welt nicht komplett verändert, aber heutzutage werden u. a. mit dem Klimawandel, der Digitalisierung und den sog. Social Media die Konsequenzen von Entwicklungen deutlicher, die Bernhard Ringbeck schon in den Vorworten der ersten Auflagen angedeutet hat: eine zunehmende Reizüberflutung und Technisierung sowie eine Entfremdung von dem Lebendigen im Kontakt zu Menschen und der Natur. Wie kann auf diesem Hintergrund ein Geleitwort für die erneute Auflage eines Buches aussehen, das sich mit einem therapeutischen Verfahren beschäftigt, dessen zentrales Thema die Auseinandersetzung mit dem natürlichen Leben jenseits von Technik ist? Wir beleuchten hier zunächst kurz die aktuelle Bewertung des therapeutischen Reitens in dem System der Gesundheitsversorgung. Anschließend gehen wir – ebenfalls kurz – auf ein besonderes Alleinstellungs- und Unterscheidungsmerkmal dieser Therapieform näher ein, der triadischen Beziehungsgestaltung von PatientIn, TherapeutIn und Pferd. Im Ringen um eine passende Terminologie halten wir die auch international übliche Bezeichnung der Tier- bzw. Pferdegestützten Therapie (equine assisted therapy) für konsensfähig und sinnvoll.
Jenseits der kontroversen Diskussion über Wesen und Merkmale von (Heil)-Pädagogik und Therapie, von Gesundheit und Krankheit sind die Definition und Rahmenbedingungen für therapeutisches Handeln in unserem System der Gesundheitsversorgung eindeutig geregelt. Zentraler Gegenstand von Therapien ist „die Behandlung von Störungen mit Krankheitswert“. Krankheiten und z. T. auch Empfehlungen für ihre Behandlung werden in Klassifikationsystemen wie der ICD (,International Classification of Diseases‘) und den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften genauer beschrieben. Bewegungs-und körperorientierte Interventionen, zu denen auch das therapeutische Reiten gehören, finden insbesondere dann in diesen Systemen Berücksichtigung, wenn sie auf eine Verbesserung von organisch und funktionell bedingten Erkrankungen zielen wie es z. B. in der Hippotherapie der Fall ist. Wissenschaftliche Begründungen (und auch Abrechnungen) für das therapeutische Reiten und weitere ergänzende therapeutische Maßnahmen treffen in dem Moment auf Schwierigkeiten, wenn es um die sog. ‚Mediatorwirkungen‘ der Interventionen im Hinblick auf komplexere Bereiche der Persönlichkeit geht. Wie z. B. die Effekte auf das Selbstkonzept, auf Angst und Depression sowie auf allgemeine Resilienzfaktoren. Wie in der Psychotherapie auch, die ohne differenzierte Aussagen über das Warum bis zu 80 % als wirksam gilt, ist es bisher im therapeutischen Reiten ebenfalls weitgehend ungeklärt, was die eigentlichen Wirkfaktoren sind. Ist es das duldsame Therapiepferd, sind es die Rahmenbedingungen eines Reitstalls oder ist es die unverwechselbare Art der Beziehungsgestaltung in einer Triade von PatientIn, TherapeutIn und Tier? Die Darstellung zum ‚Status quo‘ der externen Evidenz des therapeutischen Reitens mag eher ernüchternd sein und dies weniger für die Hippotherapie als für eine psychotherapeutisch inspirierte Vorgehensweise. Dennoch sind die zahlreichen Beiträge in diesem Buch im Sinne einer ‚internen Evidenz’ eindrucksvoll und überzeugend. Sie sind auf dem langen Weg einer zunehmenden Akzeptanz dieses Therapieverfahrens und als Bereicherung der z. Zt. im deutschen medizinischen System dominierenden Forderung nach einer ausschließlich externen Evidenz unverzichtbar.
Forschungsarbeiten zur tiergestützten Therapie belegen, dass allein die Anwesenheit eines Tieres, besser noch der unmittelbare Körperkontakt, die Oxytocin- und Cortisol Ausschüttung stimulieren und so eine Stressreduktion und ein nachlassendes Angsterleben bewirken. Dieses Phänomen ist besonders im Kontakt mit lebendigen Wesen zu beobachten. Therapeutische Interventionen mit Pferden verdichten und verlängern über das Getragen-, Unterstützt – und Gehaltenwerden den Körperkontakt. So kann sich ein Bewegungsdialog mit einem unmittelbaren und ‚leibhaftigen‘ Feedback entwickeln. Am Beispiel der oft zitierten ca. 100 Impulse pro Minute im Schritt, die ReiterInnen nur zu etwa 20 % bewusst in einer vor-zurück, auf-ab und rotierenden Bewegung verarbeiten, kann man sich die Komplexität des gesamten Bewegungsgeschehens vergegenwärtigen. Die Verständigung zwischen den Bewegungspartnern geschieht analog, also auf einer entwicklungspsychologisch früh erfahrenen, nonverbalen Ebene.
Die Bewegungsbeziehung in der Triade ist deswegen so besonders, weil das Pferd ein arteigenes Bewegungs- und Reaktionsrepertoire aufweist. Es kann sich einerseits an jedes Individuum individuell anpassen und andererseits arttypisch und instinktsicher selbst reagieren. Die Therapeutin kann wiederum leitend eingreifen oder geschehen lassen und begleitend beobachten. Der Wechsel von Sicherheitgeben durch Führung und Bindung und Gewährenlassen macht gleichermaßen die Entwicklung von Autonomie möglich. Therapeutisch ist sie darum in den verschiedenen Facetten des heilpädagogischen und therapeutischen Reitens nutzbar. Hiermit sind die pferdegestützten Interventionen wahrscheinlich auch einzigartig im Unterschied zum Einsatz anderer Tiere.
Marianne Gäng war es immer ein besonderes Anliegen, dass gut ausgebildete Fachpersonen mit gut ausgebildeten Pferden die Gestaltung und Prozessverantwortung für die therapeutischen Interventionen übernehmen. Ebenso bedeutsam war für sie die Dokumentation und Reflexion des Therapieprozesses. Hierfür sind die Konzeption und Realisierung der leicht veränderten 5. Auflage des Therapeutischens Reitens ein hervorragendes Beispiel.
Köln, im Juni 2025
Gerd Hölter und Marietta Schulz
Therapeutisches Reiten – Interventionen mit dem Pferd
Von Marianne Gäng
Die Geschichte des Pferdes im Einsatz für Bewegungstherapie geht weit zurück. In ärztlichen Schriften aus dem 16. Jahrhundert stehen jedoch meist die gesund erhaltenden und gesundheitsfördernden Aspekte des Reitens im Vordergrund, weniger die therapeutischen Möglichkeiten. Nachdem im 19. Jahrhundert das Reiten als Therapieform weitgehend in Vergessenheit geraten war, wurde es in den 1950er Jahren wiederentdeckt, zunächst als sogenannte „Hippotherapie“ (medizinisch ausgerichtet). Etwa Mitte der 1960er Jahre entwickelte sich mit Bezug zur Pädagogik und Heilpädagogik in Deutschland das Heilpädagogische Voltigieren / Reiten, in der Schweiz das Heilpädagogische Reiten mit Schwerpunkt auf der Mensch-Tier-Beziehung. Seit Anfang der 1970er Jahre wird das Heilpädagogische Voltigieren / Reiten auch in Österreich praktiziert.
Inzwischen gehören diese Formen der Therapie mit Pferden zum Angebot vieler Einrichtungen wie Kliniken, Sonderschulen, Reitställen oder Privathöfen.
Die Therapien mit dem Pferd werden von Fachleuten mit anerkanntem Abschluss in den entsprechenden Fachgebieten durchgeführt. Eine abgeschlossene Grundberufsausbildung prägt unseres Erachtens die persönliche Berufsidentität entscheidend, ist eine Art professioneller Boden und kommt immer wieder zum Tragen, besonders auch in weiterführenden (Zusatz-)Ausbildungen. Diesen wichtigen positiven Effekt möchten wir nutzbar machen.
So postulieren wir, dass z. B. ReitpädagogInnen sich auf pädagogischem / heilpädagogischem, ReittherapeutInnen sich aber auf therapeutischem / psychotherapeutischem Gebiet betätigen sollen. Im Rückschluss bedeutet das, dass in den (Zusatz-)Ausbildungen entsprechend differenzierte Inhalte und Methoden vermittelt und erlernt werden müssen.
Tab. 1: Therapien mit dem Pferd / Therapeutisches Reiten
Interventionen mit dem Pferd
Eingesetzt wird Therapeutisches Reiten unterstützend bei bestimmten psychiatrischen und psychosomatischen Krankheiten, bei psychischen Sekundärproblemen (z. B. in Folge von körperlicher Erkrankung oder nach Unfällen) sowie in Übergangs- und Verlustsituationen. Im Mittelpunkt steht die Begegnung und die Auseinandersetzung zwischen Patient und Pferd, die Mensch-Tier-Beziehung.
Der Patient wird über das (passive) Sitzen auf dem Pferderücken und durch das Getragenwerden auf dem geführten Pferd psychisch und physisch beeindruckt und angesprochen. Auf dem Handpferd zu reiten oder sogar selbst die Zügel in die Hand zu nehmen, bildet einen weiteren Entwicklungsschritt. Sämtliche Aktivitäten rund um das Pferd im natürlichen Umfeld werden in die Behandlung einbezogen. Dieses (psycho-)therapeutische Vorgehen findet meist in Einzelstunden statt. Die Mitbestimmung des Klienten unter Berücksichtigung von aktuellen Problemen, Tagesform und Ressourcen ist dabei erwünscht.
Je nach Ausgangsposition und Grunderkrankung werden einzelne Aspekte des Umgangs mit dem Pferd besonders betont und gezielt in einen therapeutischen Rahmen eingebettet. Das Pferd hilft dabei in jeder Situation, den Kontakt mit der Welt (wieder) aufzubauen. Die Betroffenen finden in einem zwanglosen Umfeld neue Möglichkeiten in der Bewältigung ihrer Handicaps und integrieren das Erlebte schrittweise in den Alltag.
Das Pferd in der Therapie: Erkenntnisse aus der Wissenschaft
Von Karin Hediger
Einleitung
In den letzten Jahren haben sich pferdegestützte Interventionen in unterschiedlichen therapeutischen Kontexten etabliert. Die positiven Effekte auf Klient:innen sind in der Praxis vielfach belegt. Doch wie belastbar sind diese Erfahrungen aus wissenschaftlicher Perspektive? Das vorliegende Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Wirksamkeit bei verschiedenen Zielgruppen und zu Wirkmechanismen pferdegestützter Therapie. Darüber hinaus werden methodische Herausforderungen und offene Fragen aufgezeigt. In den letzten Jahren gewinnen ethische Fragestellungen an Bedeutung und das Wohlergehen der Pferde rückt zunehmend in den Fokus. Es stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen eine pferdegestützte Intervention als verantwortungsvoll gilt – nicht nur gegenüber den Klient:innen, sondern auch gegenüber den Tieren. Im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbar miteinander verbunden betrachtet, werden in diesem Kapitel auch Forschungsergebnisse zu den Effekten bei Therapiepferden beleuchtet.
Effekte auf Patient:innen
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Studien, die sich mit den Effekten von pferdegestützter Therapie auf verschiedene Patient:innen beschäftigt. An dieser Stelle wird ein Einblick in Forschung zu denjenigen Populationen gegeben, bei denen die meisten Studien gemacht wurden, auch wenn pferdegestützte Therapie bei Menschen mit noch vielen weiteren Problemen eingesetzt wird.
Viele Studien beschäftigen sich mit der Wirkung auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). In einer Metaanalyse konnte gezeigt werden, dass die verschiedenen Arten tiergestützter Therapie bei der Reduktion von Symptomen einer PTBS und depressiven Symptomen ebenso gut wirkt wie eine Standard-PTBS-Psychotherapie (Hediger et al. 2021). Eine Metaanalyse, die nur pferdegestützte Interventionen einschloss, kam ebenfalls zum Schluss, dass PTBS-Symptome signifikant reduziert werden können, jedoch gab es keinen Vergleich mit anderen Interventionsformen (Palomar-Ciria / Bello 2023). Eine weitere Übersichtsarbeit mit zehn Studien zu pferdegestützten Interventionen mit Veteran:innen mit PTBS zeigt auf, dass sechs Studien eine Abnahme der PTBS-Symptome fanden, während zwei nur eine Tendenz fanden, und bei weiteren zwei Studien ein Wiederauftreten der Symptome bei den Probanden drei Monate nach der Intervention stattfand (Li / Sánchez-García 2023). Nebst diesen Übersichtsarbeiten sind Ergebnisse einzelner Studien spannend, um die Effekte etwas genauer zu verstehen. So zeigt beispielsweise eine Studie, dass sich die PTBS-Symptome von Kindern und Jugendlichen mit Missbrauchserfahrungen nach acht pferdegestützten Psychotherapiesitzungen verringerten (McCullough et al. 2015). Auch nach einem zehnwöchigen pferdegestützten Psychotherapieprogramm zeigten sich Verbesserungen bei den PTBS-Symptomen. Diese waren jedoch genauso groß wie die Verbesserungen in der Kontrollgruppe, in der die Kinder und Jugendlichen eine traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie erhielten (Mueller / McCullough 2017). Ein Gruppenprogramm pferdegestützter Therapie für Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch erlebt hatten, führte zudem zu einer signifikanten Verbesserung des Verhaltens und einer Reduktion der Depression. Bei den Jugendlichen zeigte sich zudem eine zusätzliche signifikante Reduktion der PTBS-Symptome, der Angst und der Dissoziation (Kemp et al. 2014).
Diese Ergebnisse zeigen, dass die pferdegestützte Therapie positive Effekte auf eine breite Palette von Problemen hat und sich auch positiv auf potenziell vorhandene komorbide Störungen auswirken kann. Interessanterweise wurde in einer Studie ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der pferdegestützten Sitzungen und dem Ausmaß der Verbesserung festgestellt. Zudem fanden die Autor:innen, dass insbesondere junge Kinder mit Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen von pferdegestützter Psychotherapie profitieren (Schultz et al. 2006). Die Aktivitäten mit den Pferden, die in den erwähnten Studien durchgeführt wurden, umfassten die Pflege der Pferde sowie Bodenarbeitsübungen. Teilweise war auch das Reiten Teil der Intervention.
Ebenfalls bereits einige Studien gibt es zu den Effekten von pferdegestützter Therapie bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Eine Metaanalyse mit 25 Studien kam zu dem Ergebnis, dass pferdegestützte Angebote die sozialen und verhaltensbezogenen Funktionen sowie die Sprachfähigkeiten von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen deutlich verbessern (Xiao et al. 2023). Innerhalb der Teilbereiche fielen die Ergebnisse jedoch uneinheitlich aus. So gab es den Metaanalysen zufolge erhebliche Verbesserungen in den Bereichen soziale Kognition, Kommunikation, Reizbarkeit und Hyperaktivität. Verbesserungen in den Bereichen soziales Bewusstsein, Manierismen, Motivation, Lethargie, Stereotypie oder unangemessene Sprache wurden hingegen nicht beobachtet. Darüber hinaus fehlten ausreichende Vergleichsdaten, um zu dem Schluss zu kommen, dass pferdegestützte Programme zu wesentlichen Verbesserungen der motorischen und sensorischen Funktionen führen (Xiao et al. 2023).
In einer Übersichtsstudie zu den Effekten pferdegestützter Angebote bei Menschen mit Demenz, die sechs Studien einbezog, zeigte sich, dass sich die Dauer und die durchgeführten Aktivitäten deutlich unterschieden. Die Studien zeigten jedoch insgesamt einen positiven Einfluss auf die neuropsychiatrischen Symptome und die Lebensqualität der Teilnehmenden. Das Wohlbefinden, die funktionellen Fähigkeiten, die soziale Teilhabe und die Kommunikation sowie die körperliche Gesundheit wurden verbessert. Die Übersichtsstudie legt somit nahe, dass pferdegestützte Angebote einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz haben können (Sebalj et al. 2024).
Pferdegestützte Therapie kann auch für von Sucht betroffene Menschen hilfreich sein. In einer Studie wurden 100 Patient:innen mit einer Substanzmittelabhängigkeit zufällig in eine Interventionsgruppe, die die pferdegestützte Therapie erhielt, und eine Kontrollgruppe, die die reguläre Versorgung erhielt, eingeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich zu ihrer Standardtherapie über einen Zeitraum von sechs Wochen wöchentliche pferdegestützte Therapiesitzungen. Nach der Intervention zeigte die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe stärkere Verbesserungen in der Emotionsregulation, der Selbstwirksamkeit und der wahrgenommenen Selbstachtung (Souilm 2023). In einer weiteren Studie verbesserten sich die sozialen Interaktionen sowie die Stimmung während der pferdegestützten Einheiten von Patient:innen mit einer Substanzmittelabhängigkeit (Machová et al. 2023).
In einer weiteren Studie wurden die Auswirkungen von pferdegestützter Therapie auf die Lebensqualität, die funktionelle Unabhängigkeit, die Schlafqualität, die Einnahme von Antiepileptika und die Häufigkeit von Anfällen bei Menschen mit Epilepsie untersucht (De Andrade Santos et al. 2024). Vierzehn Personen im Alter von vier bis 34 Jahren mit Epilepsie nahmen an einem pferdegestützten Programm mit 36 wöchentlichen Sitzungen à 30 Minuten teil. Das Programm führte zu signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität und Funktionsfähigkeit, insbesondere in der Selbstversorgung und sozialen Kognition. Darüber hinaus kam es zu einer Verringerung der Anfallshäufigkeit, die Schlafqualität wurde verbessert (De Andrade Santos et al. 2024).
Eine Metaanalyse, die die Auswirkungen der pferdegestützten Therapie auf das Gleichgewicht, die Motorik, die Spastik, die Körperhaltung und den Gang sowie die Lebensqualität von Menschen mit motorischen Störungen untersuchte, fand 27 Studien, die eingeschlossen wurden und von denen 15 in eine Metaanalyse einfließen konnten (De Andrade Santos et al. 2024). Die Autor:innen fanden statistisch nach der pferdegestützten Therapie signifikante Verbesserungen des Gehens, Laufens und Springens sowie der Grobmotorik bei Kindern mit Zerebralparese sowie der Mobilität bei älteren Menschen. Die Metaanalyse kommt damit zum Schluss, dass pferdegestützte Therapie vorteilhaft ist für Personen mit Beeinträchtigungen des Gleichgewichts, der grobmotorischen Funktionen, des Gangs, der Spastik und der Koordination. Diese Resultate sind insbesondere aus der Forschung zu Hippotherapie bekannt. Eine Metaanalyse mit 78 Studien zeigt, dass Forschung zu Hippotherapie meist Kinder mit Zerebralparese untersucht und die Fachpersonen meist Physiotherapeut:innen sind (Wood / Fields 2021). Die Bewegung des Pferdes ist dabei die Kernkomponente der Hippotherapie. Positive Effekte von Hippotherapie wurden in dieser großen Metaanalyse insbesondere im Bereich Bewegung und Mobilität gefunden, aber auch in der emotionalen Funktionsfähigkeit, im Muskeltonus, Energielevel und Schmerzen sowie zwischenmenschlichen Beziehungen. Allerdings zeigten sich in gewissen Bereichen wie beispielsweise der Kommunikation auch Verschlechterungen (Wood / Fields 2021). Eine ältere Metaanalyse kam ebenfalls zum Schluss, dass therapeutisches Reiten und Hippotherapie die Balance und Grobmotorik verbessern und bei psychomotorischen Störungen hilfreich sein kann (Stergiou et al. 2017).
Auch bei Patient:innengruppen mit weniger eng definierten Problemen, wie Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen psychischen Störungen, berichteten Eltern und Bezugspersonen, dass die Kinder und Jugendlichen durch die pferdegestützte Intervention eine stärkere Selbstidentität und ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickelten, sich die Emotionsregulation und die Leistung verbesserten und Fehlzeiten in der Schule abnahmen (Carlsson et al. 2024). Dies stimmt überein mit Ergebnissen, dass pferdegestützte Angebote für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen zu einer Verbesserung des Selbstwertgefühls, des Selbstvertrauens, der Durchsetzungsfähigkeit, der Lebenszufriedenheit und der Selbstkontrolle sowie zu einer Verringerung problematischer Verhaltensweisen wie Aggressivität und Durchsetzungsfähigkeit führt (Bachi et al. 2012; Lee et al. 2016; Punzo et al. 2022; Wilson et al. 2017).
Mechanismen
Doch warum wirken Pferde in der Therapie überhaupt? Es gibt verschiedenste Mechanismen, die die aus der Forschung bekannten Effekte von Tieren und Pferden in der Therapie erklären. Auf einige soll hier vertieft eingegangen werden, da neue Studien hierzu spannende Ergebnisse liefern.
Haben Sie sich schon einmal überlegt, zu welcher Therapeutin oder welchem Therapeuten Sie gerne gehen würden? Wahrscheinlich denken Sie dabei an Dinge wie Kompetenz, Persönlichkeit und Sympathie. Denn selbst wenn die Person kompetent ist, werden Sie wahrscheinlich keine weiteren Termine bei ihr ausmachen, wenn Sie sie nicht mögen. Das trifft auf die meisten Menschen zu: Die Beziehung ist zentral für den Erfolg einer Therapie.
Bei psychischen Störungen beispielsweise haben wir evidenzbasierte und wirksame therapeutische Interventionen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass nur ca. 3 % bis 30 % der Jugendlichen mit psychischen Störungen und weniger als 50 % der Erwachsenen psychologische Angebote in Anspruch nehmen (Borges et al. 2020; de Haan et al. 2012; Lu 2020). Wie Pfeiffer und In-Albon (2022) kürzlich gezeigt haben, sind einige der größten Hindernisse für die Aufnahme einer Psychotherapie die Angst von Kindern und Jugendlichen vor einer negativen Interaktion mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten und das mangelnde Vertrauen in die Therapeutin, den Therapeuten. Vertrauen jedoch ist nicht nur entscheidend für die Entscheidung, einen Therapeuten zu kontaktieren, sondern auch für den Aufbau einer therapeutischen Beziehung. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Therapiebeziehung ein zuverlässiger Prädiktor für den Erfolg einer Psychotherapie ist (Wampold / Fluckiger 2023). Somit sind der Aufbau von Vertrauen und einer Beziehung zum:zur Therapeut:in sowie die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit von Therapeut:innen zentral.
Nun gibt es Studien, die zeigen, dass Menschen in Anwesenheit eines Tieres als freundlicher, weniger bedrohlich, glücklicher und entspannter wahrgenommen werden als Menschen, die alleine abgebildet sind (Rossbach / Wilson 1992; Wells / Perrine 2001) und Studienteilnehmende eher bereit waren, mit einer:einem Therapeut:in persönliche Informationen zu teilen, wenn die / der Therapeut:in in Begleitung eines Hundes war, als wenn dieselbe:derselbe Therapeut:in allein war (Schneider / Harley 2006). Dazu haben auch wir eine Studie gemacht und untersucht, wie sich die Anwesenheit eines Hundes auf die Wahrnehmung der Vertrauenswürdigkeit einer Person und die Bereitschaft auswirkt, die Person als Psychotherapeut:in für einen Ersttermin zu kontaktieren im Vergleich zu Situationen, in denen die Person mit einer Pflanze, einer Lampe oder gar keinem Gegenstand präsentiert wurde. Wir haben herausgefunden, dass die Person als sehr viel vertrauenswürdiger eingeschätzt wird und die Teilnehmenden sehr viel eher bereit waren, mit dieser Person einen Ersttermin abzumachen, wenn sie mit einem Hund abgebildet ist im Vergleich zu den anderen Bedingungen. Nun beziehen sich diese Ergebnisse zwar auf einen Hund, wir gehen aber davon aus, dass mit Pferden ähnliche Effekte auftreten. Das Pferd bietet eine Möglichkeit zu einer gegenseitigen Beziehung an, bevor eine Beziehung zur:zum Therapeut:in aufgebaut werden kann. Und die Patient:innen können beobachten, wie der:die Therapeut:in die Beziehung zum Pferd gestaltet, ohne dass sie selbst Teil sein davon müssen und können darüber alternative Beziehungserfahrungen erleben.
Nebst der Tatsache, dass es mit einem Pferd vielen Patient:innen leichter fallen kann, einer Therapeutin Vertrauen entgegenzubringen und ein Beziehungsaufbau leichter gelingen kann, könnte der Einbezug eines Pferdes auch dazu beitragen, dass die Beziehung und die Therapiemotivation länger aufrechterhalten werden können. Neben der Schwierigkeit, dass viele Patient:innen sich schwer tun damit, in eine Therapie zu gehen, existiert zudem das Problem von Therapieabbrüchen oder dass Patient:innen nicht auf eine Therapie ansprechen. Die Forschung zeigt, dass die Dropout- und Nonresponse-Rate bei Kindern- und Jugendlichen mit psychischen Problemen zwischen 20 bis 75 % liegt (Karekla et al. 2019; Skar et al. 2022; Wright et al. 2021). Schwierigkeiten in der therapeutischen Beziehung erhöhen die Dropout-Raten (Yasinski et al. 2018).
Nebst dem erleichterten Beziehungsaufbau kommen hier weitere wichtige Faktoren ins Spiel, die oft mit pferdegestützter Therapie verbunden werden: Freude und Spaß. Der Einbezug von Pferden macht vielen Patient:innen Freude, viele Menschen haben generell eine hohe intrinsische Motivation, mit Tieren in Kontakt zu treten (Wohlfarth et al. 2013). Dass Freude und Spaß zentrale Wirkmechanismen im Kontakt mit Pferden sind, zeigt eine Studie, in der wir psychologische Effekte von Hippotherapie in der pädiatrischen Neurorehabilitation untersuchten (Hediger et al. 2025). Dazu analysierten wir Daten von 581 Kindern und Jugendlichen mit schweren neurologischen Erkrankungen, die in der stationären Neurorehabilitation Hippotherapie erhielten. Wir analysierten die vom Rehabilitationsteam festgelegten Therapieziele sowie die dokumentierten Reaktionen der Patient:innen und untersuchten, inwieweit die Ziele während der Hippotherapie erreicht wurden. Insgesamt wurden während der Hippotherapie 66 % der vordefinierten Ziele erreicht; kognitive Funktionen und Sozialverhalten waren die am häufigsten erreichten Ziele. Weiter haben wir gesehen, dass die am häufigsten dokumentierte Reaktion der Kinder „Spaß“ war. Dies wurde in 81 % aller Sitzungen dokumentiert. Die Studie zeigt damit deutlich, dass Hippotherapie nicht nur die üblicherweise angestrebten körperlichen Funktionen und Mobilität fördern kann, sondern auch verschiedene psychosoziale Effekte hat und dass der Einbezug eines Pferdes besonders wirksam sein könnte, um Spaß und Motivation zu fördern und damit die sozio-emotionalen Bedürfnisse der Patient:innen abzudecken (Hediger et al. 2025). Dies deckt sich mit den Ergebnissen einer Übersichtsarbeit, in der 22 % der Studien darauf hindeuten, dass Hippotherapie sich positiv auf Motivation und Selbstvertrauen von Patient:innen auswirkt, was manchmal als zugrundeliegender Mechanismus für die Wirkungen der Hippotherapie herangezogen wird (Frank et al. 2011). Freude und Spaß in der Therapie sind nicht einfach nur „nice to have“. Sie bilden die Basis dafür, dass Kinder und Jugendliche sich wohlfühlen in der Therapie und sind gleichzeitig zentrale Bedingungen dafür, dass Lernen stattfinden kann. Denn positive Emotionen und Spaß fördern das Lernen (Okada / Sheehy 2020; Valiente et al. 2012). Shurtleff und Kolleg:innen stellten gar die Hypothese auf, dass die Motivation und der Spaß, die sich aus dem Reiten ergeben, wichtiger sein könnten als die rhythmischen Bewegungen des Pferdes (Shurtleff et al. 2009). Darüber hinaus sind Spaß und Motivation entscheidend für die allgemeine Wirksamkeit der Therapie (Ryan / Deci 2017).
Ein weiterer Vorteil des Einsatzes von Pferden ist, dass sie im entspannten Zustand eine niedrigere Atem- und Herzfrequenz als Menschen aufweisen (Bingold 2010). Durch die vegetative Bemühung des menschlichen Körpers, sich mit dem Interaktionspartner Pferd abzustimmen, reduziert sich die Atemfrequenz und man entspannt sich (Gehrke et al. 2016). Dies hilft den Patient:innen, Entspannung zu lernen, denn Affekt- und Aktivitätsregulation sind wichtig in verschiedenen Situationen.
Effekte auf Pferde
Während mittlerweile zahlreiche Studien die Effekte von Pferden oder Tieren generell auf verschiedene Patient:innen in unterschiedlichen Settings untersuchen, gibt es noch immer relativ wenige Studien, die sich mit den Auswirkungen auf die Tiere beschäftigen. Seit der Einsatz von Tieren zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Menschen jedoch zunehmend auch im Zusammenhang mit dem „One Health“-Ansatz diskutiert wird, der besagt, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammenhängt und eng verknüpft ist, rücken auch die Tiere in den Vordergrund. Aus ethischer Sicht dürfen Tiere nicht leiden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen zu verbessern (Zinsstag et al. 2021). Wenn man den „One Health“-Ansatz ernst nimmt, sollte man jedoch sogar noch einen Schritt weitergehen: Tiere sollten wenn möglich ebenfalls einen Nutzen haben, wenn sie in tiergestützten Interventionen eingesetzt werden (Hediger et al. 2019; Wohlfahrt / Hediger 2022).
In Untersuchungen zu den Effekten auf Pferde fand eine Studie beispielsweise keinen Unterschied im stressabhängigen Verhalten von Pferden, die von Freizeitreiter:innen, Reiter:innen mit physischen oder psychischen Problemen oder von Sonderschulkindern geritten wurden (Kaiser et al. 2006) und es gab keine Unterschiede im Verhalten oder dem Cortisolspiegel der Pferde zwischen traditionellen und therapeutischen Reiteinheiten (McKinney et al. 2015) oder zwischen Hippotherapieeinheiten und Reitstunden für Anfänger:innen (Potier / Louzier 2023). Auch Pferde, die von Veteranen mit PTBS geritten wurden, zeigten keinen höheren Stress im Vergleich dazu, wenn sie von erfahrenen Reiter:innen geritten wurden (Johnson et al. 2017). Eine weitere Studie fand jedoch heraus, dass Pferde geringere Cortisolspiegel aufweisen, wenn sie von Kindern mit Behinderung geritten werden, als wenn sie von gesunden Kindern geritten werden (Fazio et al. 2013).
Hier erscheint die Erkenntnis wichtig, dass die Reaktionen von Pferden auf Verhalten und Physiologie stärker von der Erfahrung der Menschen im Umgang mit Pferden abhängen als von einer psychiatrischen Diagnose (Merkies et al. 2018). Unerfahrene Patient:innen können somit eine größere Belastung für die Pferde darstellen.
Zudem nimmt nicht jedes Pferd eine Situation gleich wahr, genau wie es bei uns Menschen auch der Fall ist. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass verschiedene Pferde unterschiedlich auf die gleiche Aufgabe in der Hippotherapie reagieren und die Cortisolreagibilität von der Persönlichkeit des jeweiligen Pferdes abhängt (Pyle 2006). Die Flexibilität im Verhalten der Pferde ist zudem kontextabhängig und variiert zwischen den Einheiten. Auch der Bindungsstil der Menschen beeinflusst das Verhalten und die physiologischen Reaktionen der Pferde, wie Arrazola und Merkies zeigen konnten (2020). In ihrer Studie fanden sie zudem, dass die Pferde im Verlauf des Programms weniger Anschlussverhalten zeigten, sodass auch die Zeit ein Faktor sein kann (Arrazola / Merkies 2020).
Neben Studien, die untersuchen, ob der Einbezug von Pferden in die Therapie zu Stress bei den Tieren führt, gibt es bereits erste Studien, die sich mit den potenziell negativen und positiven Auswirkungen auf die Pferde beschäftigen. Eine Studie fand heraus, dass das Stresslevel von Pferden (gemessen über Cortisol und Herzratenvariabilität) während der pferdegestützten Therapie mit Veteranen genauso hoch war wie während der Kontrollbedingung. Das Wohlbefinden der Pferde, gemessen über die Oxytocinkonzentration, war nach den Einheiten der pferdegestützten Therapie jedoch nicht erhöht (Malinowski et al. 2018). Auch andere Autoren kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass der Einsatz in der Therapie für Pferde weder ein negatives noch ein positives Ereignis ist, wenn man sich das Verhalten und die Herzratenvariabilität der Pferde anschaut. Sie stellten jedoch fest, dass Patient:innen mit sowohl physischen als auch psychischen Problemen für die Pferde herausfordernder sind als Patient:innen mit ausschließlich psychischen Problemen (Mendonca et al. 2019). Eine erste große Studie hat nun jedoch erstmals zeigen können, dass Pferde während pferdegestützten Coachingeinheiten oder therapeutischen Reiteinheiten zwar verschiedene affektive Zustände aufwiesen, dass „Wohlbefinden” jedoch weitaus am häufigsten vorkam (Visser et al. 2025).
Es erscheint logisch, dass das komplexe Zusammenspiel der Beziehungen zwischen Pferd, Therapeut:in und Patient:in einen Einfluss auf die Pferde hat. Dies spiegelt sich in Studien wider, die untersuchen, ob eine Abstimmung der Herzraten von Patient:innen und Pferden in pferdegestützten Therapieeinheiten stattfindet. Eine Studie fand keine Korrelation der Herzraten und kam zu dem Schluss, dass externe Stimuli eine größere Rolle für Veränderungen der Herzrate der Pferde spielen als die Herzrate der Patient:innen (Drinkhouse et al. 2012). In einer neueren Studie wurde eine Synchronisation der Herzraten zwischen Pferden, Patient:innen und Therapeut:innen festgestellt, die jedoch von der Beziehungsqualität und -intensität abhängig war (Naber et al. 2018). Die Herzfrequenz von Therapeut:in und Pferd korrelierte signifikant. Dieser Effekt war jedoch größer, wenn Therapeut:innen mit einem vertrauten Pferd interagierten. Auch die Herzfrequenzen von Patient:innen und Pferden korrelierten, jedoch nur, wenn es sich um ein dem:der Patient:in vertrautes und von ihm:ihr bevorzugtes Pferd handelte. Dies zeigt, dass die Intensität der Beziehung ein wichtiger Faktor für den Synchronisationsprozess ist und nicht nur die Therapieergebnisse der Patient:innen beeinflusst, sondern auch zentral für das Wohlbefinden der Pferde sein kann.
Ein wichtiger Grundsatz in der tiergestützten Therapie ist der respektvolle und ethische Umgang mit den Tieren als Mitarbeitende. Wenn möglich, sollten sie selbst mitentscheiden dürfen, ob, wann und wie sie mit den Patient:innen in Kontakt treten. Die Forschung zeigt deutlich, dass Tiere, die Kontrolle über gewisse Bedingungen in ihrem Leben haben und Wahlmöglichkeiten erhalten, ein höheres Wohlbefinden aufweisen (Englund / Cronin 2023; Leotti et al. 2010; Rust et al. 2024). So zeigen Tiere mit Wahlmöglichkeiten beispielsweise mehr prosoziales Verhalten, positive Affekte sowie Aktivität und Spielverhalten. In der Therapie führte die Tatsache, dass die Tiere selbst entscheiden konnten, ob sie mit Menschen in Kontakt traten und sich zurückzogen, dazu, dass sie weniger stressabhängiges Verhalten und mehr Indikatoren für Wohlbefinden zeigten (Gut et al. 2018; Součková et al. 2023; Wirth et al. 2020).
Eine erste Studie zeigt, dass Pferde, die das Signal „Nein” erlernten, dieses gerne in den Therapieeinheiten einsetzen. Dies führte zu weniger Stress, mehr Entspannung und mehr positiven Emotionen (Naber et al. 2023). Gerade bei Pferden, die in der Therapie mitarbeiten, ist es wichtig, dass sie möglichst viel Selbstwirksamkeit und Mitsprache haben. Pferde sollen „nein” sagen und Grenzen aufzeigen dürfen. Ein klassisches Beispiel, das zu Dilemmata in der Therapie führt, ist, dass viele Patient:innen das Bedürfnis haben, das Pferd zu streicheln, während einige Pferde dies jedoch nicht mögen. Auch wenn es eine Herausforderung für die Planung der Therapieeinheit darstellt, wenn Pferde „nein” sagen, so führt dies zu äußerst wertvollen therapeutischen Themen, denn wer die Grenzen des Gegenübers wahrnimmt und zu respektieren lernt, kann auch mit den eigenen Grenzen achtsam umgehen.
Die Diskussionen und Studienbefunde zum Wohlbefinden der Pferde, die in der Therapie mitarbeiten, zeigen sich in verschiedenen Initiativen und Standards zum Umgang mit Pferden in der Therapie, wie beispielsweise den „Internationalen Richtlinien der IAHAIO zu Pflege, Ausbildung und Tierschutzanforderungen für Pferde in pferdegestützten Dienstleistungen”, die von der internationalen Dachorganisation aller Mensch-Tier-Beziehungs-Organisationen (IAHAIO) herausgegeben wird (abrufbar unter https://iahaio.org/iahaio-international-guidelines-on-care-training-and-welfare-require ments-for-equines-in-equine-assisted-services/). Aber auch an internationalen Kongressen wird das Wohlbefinden von Pferden in der Therapie diskutiert und neue Best-Practice-Ansätze vorgestellt. Es ist überaus spannend, sich mit den aktuellen Entwicklungen zu beschäftigen und es lohnt sich, den Blick auf den Partner Pferd und seine eigene Haltung immer mal wieder zu hinterfragen.
Ausblick
Das Feld der pferdegestützten Therapie entwickelt sich derzeit mit bemerkenswerter Dynamik – sowohl in der praktischen Anwendung als auch auf wissenschaftlicher Ebene. Die Zahl der Studien nimmt zu und es wird deutlich: Pferde in der Therapie sind längst kein Nischenthema mehr.
Dennoch ist die Evidenzlage trotz vielversprechender Ansätze bislang begrenzt, denn die pferdegestützten Angebote sind so vielfältig, dass es schwierig ist, sie zu vergleichen. In den Studien haben die Fachpersonen sehr unterschiedliche Grundberufe, die Pferde werden verschieden einbezogen und es werden sehr unterschiedliche Aktivitäten mit den Patient:innen durchgeführt. Auch die Dauer und die Anzahl der Einheiten sind je nach Programm sehr unterschiedlich. In Studien müsste in Zukunft genauer herausgearbeitet werden, welche Wirkkomponenten wichtig sind: Ist es überhaupt das Pferd, das wirkt, oder könnte es auch ein anderes Tier sein? Ist es eher die Zeit in der Natur, an der frischen Luft? Ist es die Bewegung oder die körpersprachliche Kommunikation der Pferde, die wirkt? Und natürlich müssten auch die Wechselwirkungen zwischen Therapeut:in, Patient:in und Pferd in all ihrer Komplexität in den Studien berücksichtigt werden. Dies verdeutlicht, dass eine pauschale Bewertung der Wirksamkeit pferdegestützter Therapie zum jetzigen Zeitpunkt schwer ist. Umso wichtiger ist es daher, pferdegestützte Therapie derzeit als Ergänzung zu etablierten und evidenzbasierten Therapieformen zu verstehen oder Pferde gezielt in diese zu integrieren, um beispielsweise Patient:innen erreichen zu können, die man mit klassischen Therapieangeboten nicht erreichen könnte.
Mit weiteren qualitativ hochwertigen Studien zu Wirkmechanismen, verschiedenen Zielgruppen, aber auch mit Blick auf die Pferde selbst, wird sich unser Verständnis vertiefen. Wir dürfen gespannt sein, welche neuen Erkenntnisse in den kommenden Jahren gewonnen werden und was wir noch alles über die besondere Rolle der Pferde in der Therapie lernen können.
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