Verlag: Lyx.digital Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

This is Love - Travis & Viola E-Book

Kennedy Fox  

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E-Book-Beschreibung This is Love - Travis & Viola - Kennedy Fox

Liebe ist Krieg ... Zwei Wochen mit der Frau, die ihn am meisten hasst, auf engstem Raum zu verbringen ist selbst für Travis King genug. Er ist bereit sich geschlagen zu geben. Er will der kleinen Schwester seines besten Freunds und Mitbewohners beweisen, dass Schluss mit Spielchen ist. Ab jetzt gelten ihre Regeln. Doch Viola hat vielleicht die Schlacht gewonnen. Aber der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Denn ihn zu hassen ist ihr Prinzip. Doch sie für immer zu lieben ist seins. "Superheiß und so romantisch! Kennedy Fox schafft die perfekte Mischung." Shayana Renees Spicey Reads Abschlussband der Checkmate-Reihe um Viola und Travis von USA-Today-Bestseller-Autorin Kennedy Fox

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Inhalt

Titel Zu diesem Buch123456789101112131415161718192021EpilogLeseprobeDie AutorinDie Romane von Kennedy Fox bei LYXImpressum

KENNEDY FOX

This is Love

Travis & Viola

Roman

Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler

Zu diesem Buch

Zwei Wochen mit der Frau, die ihn am meisten hasst, auf engstem Raum zu verbringen ist selbst für Travis King genug. Er ist bereit sich geschlagen zu geben. Er will der kleinen Schwester seines besten Freunds und Mitbewohners beweisen, dass Schluss mit Spielchen ist. Ab jetzt gelten ihre Regeln. Doch Viola hat vielleicht die Schlacht gewonnen. Aber der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Denn ihn zu hassen ist ihr Prinzip. Doch sie für immer zu lieben ist seins.

»Superheiß und so romantisch! Kennedy Fox schafft die perfekte Mischung.« Shayana Renees Spicey Reads

Schachmatt

[ʃaχˈmat] Substantiv

(Schach)

1. Eine Stellung, in der ein König im Schach steht und es für den Spieler keinen regelgerechten Zug mehr gibt. Ein Spieler, dessen König schachmatt gesetzt wurde, verliert die Partie.

2. Totale Niederlage

1

TRAVIS

Zehn Stunden zuvor …

Ich drücke die Handflächen auf die Augen und atme tief aus.

Ich darf nicht die Kontrolle verlieren. Ich darf nicht die Kontrolle verlieren.

Ich wünschte, ich hätte Viola erzählt, was auf der Arbeit passiert ist, und mit ihr darüber geredet, statt dichtzumachen. Nicht dass sie irgendetwas hätte tun können, aber sie war schon immer eine gute Zuhörerin, sogar als größte Nervensäge. Als wir Kinder waren, hat sie sich immer Zeit genommen, um meinem Geschwafel zuzuhören. Ich habe nicht viel mit meinen Eltern geredet und hatte gelernt, meine Gefühle zu verbergen. Aber mit Viola fühlte es sich ganz natürlich an, offen und ehrlich zu sein.

Das war, bevor ich alles vermasselt und sie verletzt habe.

Ich sollte jetzt einfach schlafen gehen, allerdings bin ich zu unruhig, weil ich an dieses Miststück Alyssa denke. Was mich auf den verdammten Blake bringt, der mir meinen Traum zerstört hat, im Unternehmen aufzusteigen, doch ich werde mich nicht kampflos geschlagen geben.

Ich beschließe, dass ich wohl etwas essen sollte, aber ich war nicht mehr einkaufen seit Drew weggefahren ist, und heute Abend ist er nicht zu Hause, also ist das Angebot begrenzt.

Ramen-Nudeln oder Erdnussbutter und Marmelade auf angeschimmeltem Brot.

Ich rümpfe die Nase, schließe die Schranktür und schnappe mir meine Autoschlüssel. Ich muss wieder einen klaren Kopf bekommen.

Die Musik habe ich voll aufgedreht und fahre mit heruntergelassenem Fenster stadtauswärts den Highway hinunter. Die Abendbrise fühlt sich gut an, und die Musik betäubt meine Gedanken. Ich lasse mich von der Straße führen.

Stunden später bin ich kurz vor Sacramento und halte bei einem Diner, das rund um die Uhr geöffnet hat. Es sieht alt und heruntergekommen aus, aber ich bin völlig ausgehungert, also kann ich nicht zu wählerisch sein.

Sobald ich eine freie Sitznische finde, bestelle ich mir eine Tasse Kaffee und Wasser. Das Klirren von Besteck und Gespräche erfüllen den Raum. So spät sind nur wenige Leute am Tresen – dem Aussehen nach Lkw-Fahrer – und einige Paare sitzen in den Nischen. Um diese Uhrzeit sollte ich nicht überrascht sein.

Die Kellnerin kommt mit meinen Getränken zurück und nimmt meine Essensbestellung auf, Pfannkuchen und Speck. Sie sieht kaum von ihrem Block auf, als sie es hinkritzelt, und geht davon, bevor ich ihr die Speisekarte zurückgeben kann.

Ich bin versucht, Viola eine SMS zu schicken und mich zu vergewissern, dass sie okay ist, doch ich bremse mich und beschließe, dass ich besser persönlich mit ihr über das Ganze rede. Ich weiß nicht, was wir machen sollen, jetzt, wo Drew früher nach Hause gekommen ist. Und obwohl ich den Bro Code gebrochen und mit der kleinen Schwester meines besten Freundes geschlafen habe, will ich nicht, dass er es von jemand anderem erfährt als mir. Weil ich weiß, dass ich ihm wenigstens so viel schulde, müssen wir uns überlegen, wie wir es ihm beibringen wollen. Oder was ich ihm sagen werde.

Die Wahrheit ist, Viola und ich sind kein Paar. Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit – eine sehr schwierige, aber nichtsdestotrotz eine Geschichte, die uns miteinander verbindet, seit wir klein waren. Je länger ich darüber nachdenke, desto lieber würde ich mir selbst eine reinhauen für jede verletzende Bemerkung, die ich ihr an den Kopf geworfen habe. Sie hatte es nicht verdient, oder jedenfalls meistens nicht, trotzdem immer sofort gekontert.

Das ist, was ich am meisten an ihr liebe. Sie hat sich meinen Mist nie gefallen lassen und ist das einzige Mädchen, das mich bei jeder verdammten Gelegenheit herausfordert. Vielleicht hat das die Leidenschaft all die Jahre am Leben gehalten, doch jetzt habe ich diese Spielchen satt. Ich habe sie vor vielen als beste Freundin verloren und will verdammt sein, wenn ich sie jetzt wieder verliere.

Die Kellnerin stellt achtlos meine Teller vor mich hin und murmelt, dass sie gleich zurück sei, um mir Kaffee nachzuschenken. Ich gieße Sirup über meine Pfannkuchen und beginne zu essen, als ich hinter mir eine Stimme höre, die ich kenne.

Ich drehe leicht den Kopf und lausche wieder. Das kann nicht sein.

»Du Blödmann! Du kannst mich doch nicht einfach hier sitzen lassen!«

»Lass mich los, du durchgeknalltes Dreckstück!«

Diese Stimme habe ich definitiv schon gehört. Panik steigt in mir auf, ich lege die Gabel hin und schlüpfe aus der Nische. Dann sehe ich ihr vertrautes Gesicht und fluche leise.

Die verdammte Mia Montgomery schon wieder.


Sie streitet gerade mit einem Typen und zerrt an seiner Lederjacke. Sie weint und fleht, aber er stößt sie einfach weg und geht zur Tür hinaus. Es schockiert mich, sie hier zu sehen, besonders mit einem anderen Mann. Es macht mich stinksauer, um genau zu sein, wo Drew und sie erst vor wenigen Tagen Schluss gemacht haben.

»Du bist ein verdammtes Arschloch, Will!«, ruft sie und eilt ihm durch die Tür nach, in einem superkurzen, tief ausgeschnittenen Kleid.

Ich folge ihr schnell und rufe ihren Namen. »Mia, warte!« Dann packe ich ihren Ellenbogen und drehe sie herum. »Was zur Hölle machst du hier?«

»Travis?« Sie macht große Augen. »Heilige Scheiße! Gott sei Dank, dass du da bist!« Sie klammert sich an meinen Arm und weint noch mehr. Es ist mir verdammt unangenehm, aber ich schiebe sie nicht weg.

»Ach, schau an. Du hast keine dreißig Sekunden gebraucht, um dir einen anderen Typen zu angeln«, brüllt Will. »Viel Spaß mit ihr, Mann. Sie ist so leicht zu haben, wie sie aussieht.«

»Fick dich, Arschloch!«, brüllt Mia, und ich brauche einen Augenblick, um den Typen zu erkennen, den sie da anschreit. Will Tamer.

»Okay, Mann. Das reicht jetzt. Geh einfach. Ich sorge dafür, dass sie sicher nach Hause kommt.«

Er lacht. »Ist mir doch scheißegal.«

Ich sehe rot dabei, wie er sie anschreit; es kostet mich meine ganze Kraft, ruhig stehenzubleiben. Wie er sie behandelt, erinnert mich viel zu sehr daran, wie mein Vater damals meine Mutter behandelt hat. Auch wenn Mia sich Drew gegenüber wie eine Schlampe aufgeführt hat, finde ich es nicht okay, wenn Männer so mit Frauen reden.

»Sie ist nur süchtig nach Aufmerksamkeit. Wollte mich nur benutzen, um ihre fünfzehn Minuten Ruhm zu bekommen.«

»Ach ja, Will, weil ein Sexvideo heutzutage ja so ungewöhnlich ist. Das ist genau, was ich gemacht habe, weil ich definitiv nicht wegen deinem Sieben-Zentimeter-Schwanz mit dir geschlafen habe. Wäre ja auch eine Schande, wenn die ganze Welt erfährt, dass Will Tamer nur zuckerfreien Kaugummi und abgelaufene Kondome in der Hose hat.«

»Mia«, zische ich warnend, damit sie endlich die Klappe hält. Je schneller er geht, desto eher kann ich sie hier wegbringen.

»Was hast du gesagt, Schlampe?« Er kommt einen Schritt auf uns zu und will sie packen, doch mir ist egal, wer er ist, ich erlaube nicht, dass er sie anfasst. Bei dem niederträchtigen Ton, in dem er mit ihr redet, balle ich unwillkürlich die Fäuste.

»Lass gut sein, Mann.« Ich hebe die Hand und schiebe Mia hinter mich. »Sie quatscht eine Menge, aber sie ist harmlos.« Ich versuche, die Situation zu entschärfen. Das Allerletzte, was ich jetzt brauche, ist schon wieder eine Schlägerei, doch er schluckt den Köder nicht.

»Verpiss dich, Muttersöhnchen.« Er stößt mir den Finger direkt auf die Brust, jetzt koche ich vor Wut. Auch an meinen besten Tagen ist Will Tamer keiner, mit dem ich mich anlegen will. Er ist Weltklasseboxer und gebaut wie ein verdammter Berg. Jeder in Nordkalifornien kennt ihn, und nur ein Vollidiot würde als Erster zuschlagen.

»Mia, geh wieder rein«, sage ich und halte Blickkontakt mit ihm. Der Typ ist eine tickende Zeitbombe.

»Aber Travis …«, wendet sie ein.

»Geh«, wiederhole ich entschiedener. »Geh ins Haus.«

»Ich würde auf dein neues kleines Sextoy hören, wenn ich du wäre«, sagt Will zu ihr, dehnt die Arme vor seiner Brust und lässt die Fingerknöchel knacken. »Es sei denn, du willst Blut auf deinen gefälschten Designerschuhen.«

Seine Worte hauen mich fast um. Er könnte mich in unter zwei Sekunden zerbrechen wie einen Zweig. Ich trainiere und stemme Gewichte, aber es ist absolut kein Vergleich. Seine Bizepse sind so dick wie mein Kopf.

Sie keucht entrüstet auf. »Die sind nicht gefälscht!«

»Herrgott, Mia!«, fahre ich sie an. »Geh in den verdammten Diner.«

»Wir haben hier offene Fragen zu klären.« Wills Stimme trieft vor Belustigung. Offenbar gibt Kämpfen ihm einen Kick, im Ring und außerhalb.

Wir bleiben beide stehen, als das Klappern ihrer Schuhe auf dem Asphalt uns sagt, dass sie wieder hineingeht. Ich will mich nicht mit diesem Typen prügeln, oder vielmehr, mich von ihm in den Boden stampfen lassen, aber irgendwie bin ich in ihr verdammtes Schlamassel hineingeraten.

»Bevor du das falsch verstehst, Mia ist nur eine Freundin.«

Er kommt einen Schritt näher.

»Sie ist die Ex meines besten Freundes. Also, warum auch immer ihr euch gezofft habt, lassen wir es einfach gut sein. Sie ist auch an ihren besten Tagen eine Katastrophe.«

»Das ist mir scheißegal, Mann.« Er kommt noch einen Schritt näher. »Sie hat ein Video von uns gemacht, und wenn sie es nicht zurückgibt, ist es deine Fresse, die ich einschlage.«

»Okay, ich sage ihr, dass sie es dir zurückgeben soll.«

»Es ist auf ihrem Handy. Ich will es.«

»In Ordnung. Kein Problem.«

»Du hast fünf Minuten. Entweder sie gibt es zurück, oder ich schlage dir den Schädel ein.«

Scheiße, und ich dachte schon, ich hätte ein Wutproblem, doch der spielt in einer ganz anderen Liga.

Ich kneife die Lippen zusammen und gehe langsam einen Schritt auf den Diner zu. Drinnen packe ich Mia und nenne ihr seine Forderungen.

»Ich brauche es, Mia. Gib ihm einfach dein Handy und besorg dir ein neues.«

»Ich habe es nicht mehr!« Sie verschränkt die Arme. »Das sage ich ihm doch schon die ganzen letzten fünfzig Kilometer.«

»Wo zur Hölle ist es?«

Sie zuckt die Schultern. »Irgendwo auf der Interstate 50 zwischen Riverton und Cedar Grove. Ich habe es aus dem Autofenster geworfen.«

Ich atme heftig ein, fahre mir mit der Hand durchs Haar und sehe mich um. Er beobachtet uns. Lässt uns keine Sekunde aus den Augen.

»Warum zur Hölle hast du das gemacht?« Jetzt bin ich wirklich sauer.

»Weil er ein Arschloch war! Er hat mir ständig gesagt, dass ich es ihm geben soll, also habe ich gesagt, ›na gut, dann hol’s dir‹, und habe es aus dem Fenster geworfen.«

»Scheiße, Mia«, zische ich leise.

»Ich konnte doch nicht wissen, dass er deswegen komplett ausrastet.«

»Du hast euch beide beim Sex gefilmt?«, flüstere ich. »Das ist nicht direkt, was ein Typ wie er im Internet sehen will.«

Sie zuckt die Schultern, und ihre Teilnahmslosigkeit stachelt meine Wut noch mehr an.

Zögernd gehe ich wieder zu ihm hinaus. »Sie sagt, sie habe es aus dem Fenster geworfen, was bedeutet, dass es auf keinen Fall viral wird.«

In seinem Kiefer zuckt eine Sehne, und ich sehe, wie er die Hände zu Fäusten ballt. »Blödsinn. Ich weiß, dass sie es in die iCloud geladen hat.«

Verdammt, Mia, murmele ich in mich hinein.

»Sie wird es nicht ins Netz stellen. Ich kenne Mia. Sie hat nur eine große Klappe.«

»Du denkst, dass ich dir das abkaufe?«

Bevor ich antworten kann, kommt Mia aus der Tür gerannt und beginnt, ihn zu beschimpfen. Ich kann sehen, dass uns Leute im Diner aus den Fenstern beobachten. Mia ist auf Hundertachtzig, und Will eine Sekunde davor, völlig auszurasten.

»Wovor hast du solche Angst? Dass die Leute sich fragen, warum ich jeden einzelnen Orgasmus vortäuschen musste? Oder vielleicht, was sie denken, wenn sie dich nach dem Kommen weinen sehen?«

Sie stürmt an mir vorbei, und ich packe sie schnell am Arm und ziehe sie hinter mich. Für ein zierliches Mädchen ist sie ganz schön entschlossen, wenn sie wütend ist.

»Du verdammtes Miststück », zischt Will. Er holt aus und schlägt zu, aber bevor er Mia treffen kann, ziehe ich sie aus dem Weg und fange den Schlag ab.

Sofort verliere ich das Gleichgewicht und kann Mia in der Ferne schreien hören. Dann prügelt er noch mal auf mich ein, noch bevor ich auf dem Boden aufschlage. Zum Glück wird von dem Schlag in den Bauch mein Kopf nach vorne gerissen, statt auf den Zementboden zu knallen.

Seinen nächsten Treffer kann ich abblocken, aber nur knapp. Um mich herum ertönen Aufregung und Geschrei, doch ich kann die Augen nicht lange genug öffnen, um einen Ausweg zu finden. Es ist offensichtlich, dass dieser Typ sich an Wut aufgeilt und erst aufhören wird, wenn ich ein lebloser Klumpen bin. Es ist ein Automatismus bei ihm, also tue ich das Einzige, was ich kann, um seine Raserei zu durchbrechen.

Es ist ein Bitchmove, ich weiß, aber ich hebe ein Knie und ramme es ihm mit letzter Kraft voll zwischen die Beine.

Sobald ich spüre, dass sein Gewicht sich von mir hebt, rolle ich unter ihm hervor und ziehe mich hoch. Er murmelt saftige Flüche, fasst sich an den Sack und ringt um Atem.

»Oh, mein Gott, Travis!« Mia läuft auf mich zu. Einige Kunden sind inzwischen auch herausgekommen, stehen hinter ihr und sehen zu. »Bist du …«

»Steig in den Wagen«, rufe ich.

»Was?«, fragt sie, und rennt hinter mich.

»Steig in den verdammten Wagen! Wir hauen hier ab.«

Ich ziehe die Schlüssel aus der Hosentasche und schließe die Türen auf, so schnell ich kann. Er dürfte noch eine Weile außer Gefecht sein, doch ich kann nicht riskieren, dass jemand wegen mir die Bullen ruft. Ich stecke schon auf der Arbeit tief in der Scheiße, ich brauche nicht auch noch eine Anzeige wegen Ruhestörung. Die können mich im Bezirksgefängnis einbuchten, mir ein Bußgeld aufbrummen, oder beides.

Wir steigen beide schnell ein, und ich lasse den Motor aufheulen, lege den Rückwärtsgang ein und setze wieder in die Einfahrt zurück. Mein Herz hämmert in meiner Brust, als wir mit quietschenden Reifen vom Parkplatz fahren und eine Staubwolke hinterlassen.

»Scheiße, was sollte das?« Ich bin so stocksauer, dass sie mich in diese Lage gebracht hat, dass ich nur schneller fahren und das Lenkrad fester packen kann. Vor Wut kann ich sie nicht einmal ansehen. Der letzte Rest Selbstbeherrschung, um den ich mich den ganzen Tag bemüht habe, verpufft allmählich, aber sie wagt nicht, ein Wort zu sagen. Wofür ich dankbar bin, denn ich bin kurz vor dem Ausrasten. Ich hoffe wirklich, dass sie versteht, was sie da angerichtet hat, und dass es ihr wenigstens ein bisschen leidtut. Doch als ich jetzt zu ihr hinüberblicke, bin ich nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist. Ich kenne Mädchen wie Mia, sie bringen nur Ärger.

»Musstest du unbedingt einen der stärksten Typen des Landes wütend machen?«, brülle ich, sobald wir die Stadt hinter uns gelassen haben und wieder auf dem Highway sind. Als ich mich das nächste Mal zu ihr umdrehe, ist sie blass, und ihre Brust hebt und senkt sich hektisch.

»Mia?« Ich strecke die Hand aus und schüttle ihr Knie, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. »Bist du okay?«

Sie schüttelt den Kopf, ohne mich anzusehen. »Ich glaube, mir wird schlecht.«

Sie steht unter Schock, und auf dem Highway gibt es keinen Standstreifen, um rechts ranzufahren.

»Mia, hör mir zu«, sage ich leise und versuche, meinen Ton zu ändern. »Dein Adrenalinspiegel sinkt gerade und du musst versuchen, ruhig zu bleiben. Hör auf meine Stimme. Atme durch die Nase ein und durch den Mund aus.«

Sie gehorcht und packt meine Hand, die immer noch auf ihrem Knie liegt. Ich will sie wegziehen, aber lasse sie doch liegen, weil ich mir wirklich Sorgen mache.

»Ich kann nicht glauben, dass das eben passiert ist.« Sie beginnt zu schluchzen und zu würgen, und mir wird klar, dass ich die nächste Ausfahrt nehmen muss, bevor sie mir noch alles vollkotzt.

»Durchhalten, Mia«, sage ich ruhig.

»Ich kann nicht.«

»Es ist okay. Wir schaffen das.«

Schließlich dreht sie sich um und schaut mich an. »Du bist nicht okay.«

Dass ich völlig steif dasitze ist offensichtlich, doch ich werde es nicht zugeben – oder jedenfalls nicht jetzt. »Das wird schon wieder.«

»Er hätte dich umbringen können, Travis! Ich habe noch nie gesehen, dass er sich außerhalb des Ringes so aufführt.«

»Tja, ich lebe noch.« Ich versuche, selbstbewusst zu klingen, aber wir wissen beide, wenn er mich lange genug zu Boden gedrückt hätte, wäre ich jetzt vielleicht tot. Mein ganzer Körper ist voller Prellungen, und ich hoffe nur, dass ich mich morgen noch bewegen kann.

An der nächsten Ausfahrt fahre ich ab und halte an einer Tankstelle, die fast leer ist. Es ist nach ein Uhr früh, doch die Straßenlampen tauchen den Parkplatz in einen geheimnisvollen orangen Schein. Die Angst ist deutlich in Mias Augen zu sehen, als sie in den wolkigen Nachthimmel starrt.

»Ich kann nicht glauben, dass du das für mich getan hast, Travis, nach allem, was war«, sagt sie wenig später. Ihre Stimme ist leise und aufrichtig, ihr Atem beruhigt sich endlich.

Ich zucke die Schultern, habe keine Lust, in die Details zu gehen, warum ich mich eingemischt habe. »Männer sollten Frauen nicht so anschreien.« Auch wenn sie es wahrscheinlich verdient hat, bin ich dazwischengegangen, als Will laut und aggressiv wurde. Bei jeder anderen Frau hätte ich wahrscheinlich dasselbe getan, aber weil sie nun mal Drews Ex ist, konnte ich es erst recht nicht ignorieren.

Sie atmet langsam aus und senkt den Kopf. »Ich bin so eine Idiotin.«

»Ja«, erwidere ich mit einem leisen Lachen, ihre Hand packt immer noch meine. »Stimmt.«

Ihr klappt die Kinnlade herunter, sie dreht sich mit großen Augen zu mir um und lacht auch. »Du solltest mir nicht zustimmen, du Idiot.«

»Nun, ich beschönige eben nichts. Wenn du mir auf die Nerven gehst, sage ich das auch.«

Sie lacht und ihre Schultern entspannen sich endlich. »Ich wette, den meisten Mädchen gefällt das an dir.« Ihr Blick bringt mich dazu, sie loszulassen, und sie gibt meine Hand ebenfalls frei. Mia und ich haben nicht viel Zeit miteinander verbracht, weil Drew öfter zu ihr gefahren ist, als sie ihn besucht hat. Mit ihr zusammen zu sein, fühlt sich ungut an, sogar für mich. Die Stimmung wechselt, doch mir ist egal, wie sie mich ansieht.

»Die meisten bleiben nicht lange genug da, um das herauszufinden«, murmele ich etwas zu ehrlich.

»Warum? Sind Beziehungen nicht dein Ding?«

Ich hebe eine Braue. »Das fragst ausgerechnet du mich?«

»Was? Denkst du jetzt, ich sei ein schrecklicher Mensch?«

»Das habe ich nie gesagt, aber nach dieser Nummer eben bist du nicht die Richtige, um über Beziehungen zu reden.«

Sie seufzt. »Ich habe ihn nicht betrogen, wenn es das ist, was du denkst.«

»Ich habe gar nichts gedacht.«

»Das bezweifle ich. Ich kann mir vorstellen, was Drew über mich erzählt.« Ihre Mundwinkel senken sich, und ich spüre, dass sie sich gerade verletzlich fühlt, das hat sie sich allerdings selbst zuzuschreiben.

»Er liebt dich«, sage ich. »Er hält große Stücke auf dich.«

Sie nickt, vermeidet Blickkontakt. »Fernbeziehungen sind schwer. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer werden würde, aber mit Drews chaotischem Dienstplan und meinem Stundenplan an der Uni ist alles sehr viel komplizierter geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Selbst als er mich ein Wochenende besucht hat, war er die ganze Zeit über am Telefon, wegen der Arbeit, oder er hat über die Arbeit geredet.«

Sie seufzt und erzählt weiter, ohne meine Antwort abzuwarten.

»Er ist mit seinem Job verheiratet, und ich wurde einsam, aber wenn wir zusammen sind und alles toll ist, gibt es mir Hoffnung, dass alles schön bleibt. Bis es das irgendwann nicht mehr ist.«

Von ihrem Gerede dreht sich mir der Kopf. Ich spreche sonst mit niemandem über Beziehungskram, also sollte ich Pluspunkte bekommen, nur weil ich ihrem Geschwätz zuhöre.

»Nun, vielleicht ist es das Beste, wenn ihr beide einen klaren Schnitt macht. Manchmal muss man loslassen, auch wenn es wehtut, weil man weiß, dass es das Beste ist.«

»Wow«, sagt sie mit einem Lächeln und dreht sich zu mir um. »Wer hätte gedacht, dass Travis King poetisch ist?«

Ich lache und schüttle den Kopf. »Erzähl’s keinem.«

Sie lächelt mir aufrichtig zu und legt mir die Hand an die Wange. »Ich sage es niemandem. Das wird unser Geheimnis bleiben. Du bist gar nicht so übel, wie du alle Welt glauben machen willst.«

Ich verziehe die Mundwinkel nach unten. »Da wäre ich mir nicht so sicher.«

Sie greift nach meiner Hand und drückt sie. »Nun, ich schon.«

Mia starrt mir in die Augen. »Du bist genau die Ablenkung, die ich brauche …«

2

VIOLA

Gegenwart

Die verdammte Mia Montgomery schon wieder.

Was zur Hölle hat Travis mit ihr gemacht? Warum waren sie zusammen? Und warum war sie nackt?

Alles Fragen, auf die ich wahrscheinlich keine Antwort bekommen werde, zumindest nicht für eine Weile. Ich will Travis vertrauen. Ich will glauben, dass zwischen ihm und Mia nichts gewesen ist, aber die Umstände sehen gerade nicht gut aus.

Courtney bietet mir an, mich zu fahren, sobald sie sieht, wie schlimm mir die Knie zittern. Ich rufe Drew an, als wir zum Jeep hinübergehen, um herauszufinden, in welches Krankenhaus sie eingeliefert wurden.

»Placerville?«, keuche ich auf. »Warum zur Hölle hat man sie so weit weggebracht?«

»Es war das nächste Krankenhaus beim Unfallort«, informiert er mich. Er ist schon dort, in vollem Copmodus, aber man hat ihn noch nicht zu ihnen gelassen.

»Was hat er dort oben gemacht?« Und mit ihr?

»Keine Ahnung, Vi. Ich weiß auch nicht mehr als du.« Ich höre die Besorgnis in seiner Stimme und versuche, für uns beide ruhig zu bleiben.

»Okay, tut mir leid. Ich mache mir nur Sorgen.«

Courtney wirft mir einen Blick zu, sie weiß, dass ich ihm etwas vormache. Als wir in den Jeep steigen, schlägt sie leise vor, dass ich es Drew einfach sagen und es hinter mich bringen soll, doch solange ich nicht mehr weiß, will ich ihm nichts sagen. Wenn Travis mit Mia abhängt und zwischen den beiden etwas war, gibt es hier kein Geheimnis mehr zu wahren. Dann gibt es kein wir mehr. Aber ich muss versuchen, ihn nicht vorschnell und ohne Beweise zu verurteilen, egal wie einfach das wäre.

Ich kann nicht leugnen, dass mir vom Gedanken daran die Kehle austrocknet. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass der Sex mit Travis etwas ändern würde. Es ändert nicht, wer er ist, oder wer ich bin. Bevor ich also weiß, dass das, was in der vergangenen Woche zwischen uns passiert ist, etwas bedeutet hat und wo wir stehen, ist es wohl besser, so zu tun, als wäre es nie passiert. Auch wenn es leichter gesagt ist als getan.

Ich verliere mich in meinen Gedanken, als Drew am Telefon meinen Namen brüllt. »Viola!«

»Tut mir leid, ich bin noch da.«

»Du musst nicht hier rausfahren, weißt du? Ich kann dich über Mia auf dem Laufenden halten.«

Ich verdrehe die Augen. »Was ist mit Travis?«

»Ich dachte, der ist dir sicher egal.«

»Drew!«, schimpfe ich. »Ich bin kein Roboter. Natürlich ist es mir nicht egal.«

»Nun, an den meisten Tagen geht ihr zwei einander an die Kehle.«

»Aber deshalb will ich doch nicht, dass er verletzt ist … oder noch Schlimmeres.« Ich lasse den Kopf gegen die Stütze des Jeeps sinken und atme ein, versuche, mich auf die weiße Linie am Straßenrand zu konzentrieren. Vielleicht sollte ich es ihm einfach sagen. »Hör mal, Drew. Da ist etwas, was ich dir …«

»Oh, der Arzt kommt gerade raus. Ich rufe dich gleich zurück.« Er legt auf, bevor ich antworten kann.

»Das muss ein Zeichen sein«, murmele ich in mich hinein.

»Was?« Courtney fährt auf den Highway. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, was bedeutet, dass mein Hirn neunundfünfzig Minuten hat, um alles zu verstehen.

»Ich wollte es ihm sagen, und er hat mich weggedrückt, weil er den Arzt gesehen hat.«

»Was genau wolltest du ihm sagen?«

Ich zucke die Schultern und weiß, dass ich es nicht durchdacht hatte. »Keine Ahnung. Dass Travis und ich im ganzen Haus hassgevögelt haben, und ich also einen Grund habe, mir um ihn Sorgen zu machen. Obwohl ich mich jetzt frage, ob er Mia gevögelt hat, und ob ich nicht wieder anfangen sollte, ihn zu hassen wie die Pest.«

Sie reißt die Augen auf und packt das Lenkrad fester. »Dann ist es vielleicht ganz gut, dass er aufgelegt hat. Wie auch immer, alles wird gut. Kapiert?« Sie lächelt mir hoffnungsvoll zu, und wir fahren den Rest der Strecke schweigend.

Als wir endlich im Krankenhaus ankommen, habe ich einen nervösen Schmetterlingsschwarm im Bauch und keine Ahnung, was mich erwartet. Am Eingang nimmt Courtney meine Hand. Drew wartet dort bereits auf uns.

Sie lehnt sich zu mir und flüstert: »Wäre es unpassend zu erwähnen, wie scharf dein Bruder gerade aussieht?«

Ich sehe sie finster an.

»Da seid ihr ja.« Drew kommt auf uns zu, legt mir einen Arm um die Schultern und drückt mich. Er bemerkt Courtney und wirft ihr ein kleines Lächeln zu. Natürlich schmilzt sie sofort dahin, und ich stoße sie in die Seite.

»Die Schwester sagte, wir könnten bald zu ihnen reingehen«, fährt Drew fort.

»Weißt du schon, was passiert ist? Oder wie schlimm ihre Verletzungen sind?« Ich suche in seinem Gesicht nach einer Reaktion, aber er spricht und bewegt sich völlig ruhig und beherrscht. Was bedeutet, dass Drew gerade halb tot ist vor Sorge.

»Mia war nicht angeschnallt, also ist sie ziemlich übel zugerichtet. Ihre Lunge ist kollabiert, und sie hat eine Kopfverletzung. Sie behalten sie bis morgen zur Beobachtung da, deshalb weiß ich noch nicht genau, wann sie entlassen wird.«

»Freut mich zu hören, dass sie überlebt«, sage ich trocken mit zusammengebissenen Zähnen, doch er versteht die Ironie nicht.

»Was ist mit Travis?«, unterbricht Courtney die Stille, und ich bin unglaublich dankbar, dass sie fragt.

»Die Airbags sind aufgegangen und haben ein paar Abschürfungen verursacht, und er hat sich beim Aufprall den Kopf am Fenster auf der Fahrerseite angeschlagen. Er war angeschnallt, aber die Wucht des Aufpralls hat ihm ein paar Rippen gebrochen. Er ist ziemlich lädiert, wird es allerdings überleben.«

Endlich kann ich aufatmen. Ich hatte innerlich den Atem angehalten, seit ich den Anruf bekommen habe. Zu sagen, dass ich erleichtert bin, ist eine Untertreibung.

»Er bleibt zur Beobachtung auf der Intensivstation, um sicherzustellen, dass es keine Schwellungen in seinem Hirn gibt. Aber wie ich Travis kenne, war sein Kopf schon so geschwollen wie sein Ego«, witzelt er und entlockt mir damit ein kleines Lächeln.

»Also, was genau ist passiert? Wissen sie das?« Ich bin ungeduldig, versuche jedoch, ruhig zu bleiben.

»Der Sheriff hat mir dies und das erzählt, aber bis sie den Unfall vollständig rekonstruiert haben, wissen sie nur, was die Zeugen ihnen erzählt haben. Im Prinzip ist er die Ausfahrt hinuntergefahren, und ein Sattelschlepper in der rechten Spur hat nicht die Spur gewechselt, also hat er abgebremst, um hinter ihn zu kommen. Der Fahrer des Wagens hinter ihnen war unaufmerksam und hat sie mit voller Geschwindigkeit von hinten gerammt und nach vorne in den Verkehr gestoßen. Zum Glück war um zwei Uhr früh nicht viel los auf dem Highway.«

Herr im Himmel.

Mein Herz hämmert in meiner Brust, als ich mir vorstelle, wie Travis so etwas durchmacht. Er hätte sehr viel schlimmer verletzt sein können, wenn mehr Verkehr gewesen wäre, oder wenn der Fahrer des Sattelschleppers plötzlich abgebremst hätte, oder der Wagen, der ihn gerammt hat, schneller gefahren wäre, oder …

»Viola.« Drews Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. »Er wird schon wieder.«

»Und sein kostbarer Challenger?«, fragt Courtney mit einem spöttischen Lächeln.

»Der ist Schrott.«

»Prioritäten, Courtney!«, tadle ich.

Drew sieht sie an und verkneift sich ein Lächeln. Das ist das erste Mal seit seiner Trennung, dass er einem Mädchen so viel Aufmerksamkeit schenkt. Sofort strahlt Courtney auf.

»Was? Es ist ja nicht so, als hätte ich zuerst nach seinem Auto gefragt!«

Wieder sieht er zu ihr hinüber, und ich frage mich, was er denkt, denn sein Gesicht verrät nichts.

Ich verdrehe die Augen über ihre Bemerkung und folge Drew, der uns einen Platz im Wartebereich sucht, bin jedoch froh, dass sie die Aufmerksamkeit von mir abgelenkt hat.

Wir sitzen da, starren den Fernseher an und wissen verdammt gut, dass keiner von uns sich auf die Gerichtsserie konzentrieren kann, die gerade läuft. Ich hasse das.

Ich hasse das Warten.

Ich hasse es, nichts zu wissen.

Ich hasse es, wenn man mich im Dunkeln lässt.

Es macht mich innerlich ganz krank, ich muss einfach etwas sagen. »Also, irgendeine Ahnung, warum Travis mit Mia unterwegs war?«

Courtney reißt die Augen auf und sieht zu Drew hinüber, doch er reagiert nicht.

»Das alles ergibt überhaupt keinen Sinn.« Er zuckt die Schultern, die Augen weiter auf den Bildschirm gerichtet, und beachtet uns überhaupt nicht. Es ist so eine typisch männliche Reaktion.

»Du wirkst nicht allzu besorgt darüber, dass dein Freund mit deiner Freundin in einem Wagen war, oder sie nackt auf seinem Rücksitz.«

Er lächelt schwach. »Ich weiß, dass er nicht mit ihr rumgemacht hat, also bin ich nicht allzu besorgt.« Er hält einen Augenblick inne. »Und technisch gesehen ist sie jetzt meine Ex, es sei denn, sie hätte es sich auf wundersame Weise wieder anders überlegt.« Die Traurigkeit in seinem Ton bleibt nicht unbemerkt.

Ich ignoriere die Bemerkung mit der Ex, doch Courtney horcht sofort auf.

»Travis baut eine Menge Mist, aber er würde mich nie so hintergehen«, stellt er voller Überzeugung fest.

»Bro Code«, fügt Courtney hinzu, und ich starre sie wütend an, ohne dass Drew es merkt.

»Es gibt bestimmte Menschen, mit denen man einfach nicht rummacht, und er würde so etwas nie hinter meinem Rücken tun.«

Bestimmte Menschen wie eine Ex oder eine kleine Schwester?

Mir fährt ein Dolch durch die Brust, als ich Drew über seine enge Freundschaft und Verbindung mit Travis reden höre.

Courtney wirft mir einen schnellen Blick zu, und ich weiß, dass wir beide dasselbe denken. Wenn wir nicht alle zusammen dasitzen würden, würde Courtney sehr viel heftiger für Drew schwärmen. Er hat keine Ahnung, wie er auf Mädchen wirkt, besonders auf Courtney. Obwohl sie mit Toby zusammen war, und Drew mit Unterbrechungen mit Mia, hatte sie immer eine Schwäche für ihn. Und nutzt jede Gelegenheit, um mich daran zu erinnern.

Schon bevor sie und Toby auf das Ende zusteuerten, war Courtney schwer in Drew verknallt. Kurz nachdem wir uns kennengelernt haben, kam sie mit zu uns und lief bei seinem Anblick fast gegen einen Trägerbalken.

»Alles okay mit dir?«, fragte er sie, ehrlich besorgt.

Sie blinzelte ein paarmal, und Drew ging einen Schritt auf sie zu.

»Alles gut«, sagte sie schließlich. »Habe nur nicht geschaut, wo ich hingehe.«

Er nickte und lächelte ihr auf seine berüchtigte charmante Art zu. Mit seinem dunklen zerzausten Haar und den Tattoos auf Armen und Brust braucht Drew nicht viel zu tun, um die Aufmerksamkeit eines Mädchens zu erregen. Er ist wie ein Fels gebaut und war der Grund, warum mich damals in der Highschool keine Jungs besuchen wollten. Er sah furchterregend aus, aber ich wusste, dass er auch eine softe Seite hatte.

»Hör auf, meinen Bruder anzustarren, als ob du ihm die Klamotten vom Leib reißen wolltest!«, stöhnte ich genervt, sobald Drew außer Hörweite war. Dass meine Freundinnen für ihn schwärmten, war etwas, woran ich mich in der Highschool gewöhnt hatte, und irgendwie ging es im College so weiter.

Sie ließ ihn nicht aus den Augen, als er den Flur hinunter zu seinem Schlafzimmer ging. »Da fallen mir noch ganz andere Sachen ein …« Sie hob die Mundwinkel. »Und diese Handschellen …«

»Okay, ich hab’s kapiert«, fiel ich ihr ins Wort. »Du willst mit ihm auf Fifty Shades of Grey machen.«

Sie kicherte. »Ich stehe eben auf scharfe Cops.« Sie zuckte die Schultern.

Ich lächle bei der Erinnerung. Sie war Toby absolut treu gewesen und würde nie fremdgehen, aber jetzt, wo es mit ihm aus ist, hoffe ich, dass sie endlich mal wieder ausgeht und sich amüsiert. Sie muss unter die Leute und sehen, wie das Leben ist, ohne dass jeder Schritt von ihrem Beziehungsstatus bestimmt wird. Jetzt, wo Drew zu haben ist, könnte er sie nach der üblen Trennung auf andere Gedanken bringen.

»Sind Sie die Freunde von Mia Montgomery?« Ein Arzt kommt zu uns herüber, und wir sehen alle auf.

»Ja«, sagt Drew und erhebt sich. Courtney und ich stehen ebenfalls auf.

»Sie ist immer noch ziemlich benommen von den Schmerzmitteln, die wir ihr gegeben haben, aber Sie können jetzt einzeln ein paar Minuten zu ihr.«

»Was ist mit dem Fahrer, Travis King?«, frage ich, bevor er weitergehen kann.

»Er ist auch auf ziemlich schweren Schmerzmitteln, ein paar Minuten dürften allerdings okay sein.«

»Gerade genug Zeit für dich, um ihm ein Kissen aufs Gesicht zu drücken«, neckt Drew. Der Arzt schaut missbilligend, sagt aber nichts dazu.

»Das war ganz schön brutal«, erwidere ich und folge ihm.

Er kichert. »Tut mir leid, ich wusste nicht, dass ihr beiden beste Freunde geworden seid, seit ich weggefahren bin.«

Courtney schnaubt hinter mir, ich drehe mich um und werfe ihr einen wütenden Blick zu.

»Äh, definitiv nicht. Heißt aber nicht, dass ich ihn tot sehen will.«

»Na gut, dann geh und sieh nach ihm, während ich bei Mia reinschaue.«

»Okay.«

»Mia Montgomery ist in 707, Travis King in 713, dort den Gang hinunter«, weist der Arzt uns an. Wir danken ihm beide. »Nur ein paar Minuten«, erinnert er uns.

Courtney geht mit mir zu Travis’ Zimmer, folgt mir jedoch nicht hinein.

»Ich warte draußen, damit ihr beiden alleine sein könnt.«

Ich spitze die Lippen und atme aus. »Okay.«

Ich klopfe leise an die Tür und öffne sie dann langsam. Ich bin nicht sicher, was mich erwartet, aber muss mich einfach davon überzeugen, dass er okay ist.

»Travis?« Leise gehe ich zu seinem Bett hinüber und nehme seine geschlossenen Augen und seinen Stirnverband in mich auf. »Kannst du mich hören?« Ich nehme seine Hand, spüre ihre Wärme an meiner, und warte auf eine Antwort.

Er hat eine Infusion an der anderen Hand, sein linkes Knie ist mit Kissen unter der Decke hochgelegt, und sein Gesicht ist zerschrammt und angeschwollen. Ich habe ihn noch nie so erlebt, zum ersten Mal sieht er verletzlich aus. Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, als ich ihn fast leblos daliegen sehe. Am liebsten würde ich jeden lädierten Teil von ihm küssen.

Ich setze mich auf die Bettkante, halte seine Hand und hoffe, dass er versteht, was ich ihm sagen will.

»Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber ich bin’s, V.« Ich kämpfe Tränen und Gelächter nieder. »Unglaublich, dass ich mich gerade selbst so genannt habe.«

Ich warte und hoffe, dass er reagiert und mit mir über unseren Insiderwitz lacht, doch er regt sich nicht. Ich beobachte, wie seine Brust sich hebt und senkt, während die Geräusche der Apparate den Raum erfüllen.

»Du siehst ziemlich schlimm aus, aber der Arzt sagt, du bist bald wieder auf den Beinen. Ehrlich gesagt zerreißt es mir das Herz.«

Ich schlucke, atme durch, und dann beginne ich zu schwafeln. »Ich weiß nicht, warum du und Mia zusammen wart, und ehrlich gesagt will ich es gar nicht wissen. Ich werde versuchen, dir zu vertrauen, Travis. Wegen unserer Vergangenheit fällt mir das schwer, doch ich werde versuchen, mehr wie Drew zu sein. Ihn beunruhigt überhaupt nicht, dass du mit Mia zusammen warst, und das hat mich daran erinnert, dass du zwar meistens ein Arschloch bist, aber Drew so etwas nicht antun würdest. Anscheinend gibt es da eine Art Bro Code.« Bei dem Gedanken schüttle ich den Kopf.

»Um ehrlich zu sein hoffe ich, du würdest mir das auch nicht antun, allerdings weiß ich nicht, wo wir stehen, und was das mit uns eigentlich ist. Wenn du hier entlassen wirst und nicht mehr an Apparate angeschlossen bist wie Darth Vader, werden wir reden müssen – und zwar ernsthaft – über uns. Ich muss wissen, woran ich mit dir bin, und wie es mit uns weitergehen soll. Ich will dir vertrauen, Travis, und ich werde mir wirklich größte Mühe geben. Bitte lass mich nicht bereuen, dass ich so offen zu dir bin.«

Ein paar Minuten sitze ich noch neben ihm und sehe ihm beim Schlafen zu. Mir wird klar, dass ich schon viel zu lange in seinem Zimmer bin, und drücke seine Hand. Ich wünschte, er würde zurückdrücken, doch er macht es nicht. Ich stehe auf und beuge mich über ihn, wobei ich darauf achte, seinen Brustkorb nicht zu berühren oder zu belasten, und drücke meine Lippen auf seine.

»Tschüss Travis«, flüstere ich.

Dann gehe ich zur Tür und wische mir das Gesicht ab, als mir die Tränen über die Wangen kullern. Ich kann nicht ertragen, ihn so verletzlich und gebrochen zu sehen; es tut zu weh. Bevor ich die Tür öffnen kann, kommt eine Schwester herein und mustert sofort mein Gesicht.

»Oh, es ist okay, Liebes.« Sie lächelt mir aufrichtig zu. »Mr King wird in ein paar Wochen vollständig genesen. Im Moment ist er noch von den Schmerzmitteln betäubt, aber ich lasse ihn wissen, dass Sie hier waren.«

Ich kann nur nicken und greife nach der Tür.

Ich hoffe wirklich, das bedeutet nicht Game Over.

3

TRAVIS

Das kontinuierliche Piepen holt mich in eine brutale Realität zurück, mit weiß getünchten Wänden und betäubenden Schmerzen im ganzen Körper. Ich zwinge mich, die Augen zu öffnen, und kann kaum genau bestimmen, was am meisten wehtut. Meine Kehle ist ausgedörrt und schmerzt, und der dichte Nebel in meinem Kopf, in dem ich schwimme, macht es schwer, mich in dem nüchternen Raum zu konzentrieren. Ich blicke auf die zahllosen Schläuche hinunter, die an meinem Arm befestigt sind. Erinnerungsfetzen schneiden durch die Verwirrung wie Glasscherben, die ich nicht zusammensetzen kann.

Das rhythmische Piepen des Gerätes, an dem ich hänge, und der leise Ton des Fernsehers lenken meine begrenzte Aufmerksamkeit zur Ecke des Raumes. Ich kann die Worte nicht verstehen, und es kostet mich meine ganze Kraft, nur den Kopf in Richtung des Geräusches zu drehen. Sobald ich mich konzentrieren kann, höre ich ein Rascheln und sehe, wie Drew sich im Stuhl aufrichtet. Er fährt sich mit einer Hand übers Gesicht und wirft mir ein kleines Grinsen zu. Er trägt seine blaue Uniform und Dienstmarke, und das verwirrt mich ein wenig.

»Der King lebt.«

Es tut weh, als ich versuche zu lachen, und schließlich muss ich stattdessen husten. »Gerade so.«

»Siehst ganz schön fertig aus.«

Er auch, aber das sage ich ihm nicht. Drew muss schon eine ganze Weile dort sitzen.

Er inspiziert mich, seine Besorgnis ist ihm ins Gesicht geschrieben. »Wie fühlst du dich?«

»Total scheiße«, gebe ich zu. »Was ist passiert? Welchen Tag haben wir?«

Ich habe einen Kopfverband, und mir wird klar, dass ich auch einen am Bein habe. Übelkeit überwältigt mich eine Sekunde, und ich versuche, meine Position zu verändern, doch ich schaffe es nicht. Das Bett ist so hoch gestellt, dass ich praktisch aufrecht sitze, was höllisch unbequem ist. Mein Nacken ist verspannt, und das laute, pulsierende Dröhnen in meinem Kopf macht es mir noch schwerer, mich auf etwas anderes als auf die starken Schmerzen zu konzentrieren. Ich probiere, nach dem Plastikbecher mit Wasser zu greifen, der auf einem silbernen Tablett neben meinem Bett steht, aber er ist außer Reichweite.

»Ich hole ihn dir«, sagt Drew, schnappt ihn sich und reicht ihn mir. »Es ist Dienstagmorgen.«

Dankbar nehme ich den Becher und hasse es, dass ich auf seine Hilfe angewiesen bin. Schließlich trinke ich so schnell, dass ich anschließend nach Luft schnappen muss und sogar das tut weh. Dann endlich registriere ich, was er gesagt hat. Dienstag? Ich weiß, dass ich immer wieder bewusstlos war, aber vier Tage meines Lebens sind zu gefühlten Stunden verpufft.

Drew atmet tief durch, dann beginnt er mir den Unfallhergang in Polizeijargon zu erklären. Ich werfe ihm einen genervten Blick zu und lasse ihn wissen, dass ich nur Bahnhof verstehe. Also beginnt er noch mal von vorne, erklärt es mir langsamer und ohne zu viele Details, sodass ich es schließlich begreife.

»Du wurdest bei hoher Geschwindigkeit von hinten gerammt und auf die Gegenfahrbahn gestoßen. Ein paar gebrochene Rippen, eine Gehirnerschütterung, Quetschungen, Schnittwunden und jede Menge Schmerzmittel, wie man mir gesagt hat. Der Airbag ging auf und hat eine Menge Schaden angerichtet. Aber sie sagen, dass du es überlebst und dein Dickschädel wieder heilt.« Er lacht gezwungen. »Ich habe mir echt Sorgen gemacht, Mann. Sie haben gesagt, ihr hättet beide sterben können, ihr hattet wirklich Glück. Ich hatte das Schlimmste befürchtet. Wahrscheinlich habe ich schon zu viele Unfälle gesehen, bei denen die Leute nicht solches Glück hatten.« Er atmet tief ein und seine Augen werden feucht. »Und Mia …«

Scheiße. Ich hatte fast vergessen, dass sie bei mir war. Erinnerungsfetzen an diese Nacht beginnen an mir vorbeizuziehen, doch wenn ich versuche, mich an den Unfall zu erinnern, herrscht in meinem Kopf absolute Leere. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, seit ich von der Tankstelle gefahren bin.

Der egoistische Teil von mir ist dankbar, dass Viola nicht mit mir im Auto war. Ich könnte mir nie vergeben, wenn ihr bei mir etwas passiert wäre.

»Wie geht’s Mia?« Mein Herz pocht hart in meiner Brust bei der Erkenntnis, dass ich für eine weitere Person im Wagen verantwortlich war.

»Es geht ihr gut. Sie hatte Glück; das hattet ihr beide. Sie hätte leicht aus dem Auto geschleudert werden können, weil sie nicht angeschnallt war. Sie hat eine Kopfverletzung und eine Menge Prellungen«, erklärt Drew.

Sein Schmerz ist ihm anzusehen, als er über sie spricht. Ihre Beziehung war vom ersten Tag an toxisch, aber aus irgendeinem Grund liebt er sie bedingungslos. Das habe ich nie hinterfragt, doch er verdient etwas viel Besseres als sie. Sogar nach allem, was geschehen ist, weiß ich, dass ihr Wohlbefinden ihm immer noch am Herzen liegt.

»Tut mir leid, Mann«, beginne ich, erleichtert, dass sie nicht schlimmer verletzt ist. »Ich wünschte, ich könnte mich daran erinnern, was passiert ist, aber ich kann erklären, warum sie bei mir war.« Er hat mich nicht gefragt, doch sogar zugedröhnt mit Opiaten weiß ich, dass ich ihm das schuldig bin. »Mia und ich …«, versuche ich zu erklären, aber er fällt mir sofort ins Wort.

»Travis, hör auf. Ich vertraue dir mehr als irgendjemandem sonst. Du musst dich ausruhen und solltest deine Kräfte nicht damit verschwenden, mir etwas zu erzählen.«

Ich will ihm widersprechen, ihm sagen, dass ich ihm die Umstände erklären muss, die Mia und mich Donnerstagnacht zusammengeführt haben, doch weil ich von den Medikamenten und seiner Aufrichtigkeit erschüttert bin, fehlen mir die Worte.

»So verrückt es klingt, ich vermisse sie. Sie erlaubt mir nicht, für sie da zu sein, und trotz allem, was sie mir an unserem letzten Abend an den Kopf geworfen hat, will ich das mehr als alles andere für sie.«

»Weil du ein guter Mann bist«, stoße ich hervor. Das ist er wirklich, und so sehr es ihn auch schmerzen würde, es zu hören, Mia verdient ihn nicht. Drew verdient etwas Besseres.

Er zuckt die Schultern. »Ihre Eltern sind sofort gekommen, also bin ich gegangen, damit sie unter sich sein können. Ich weiß nicht, was Mia ihnen über uns erzählt hat, deshalb dachte ich, es sei das Beste, wenn ich mich fernhalte und sie sich erholen lasse.«

»Tut mir leid«, sage ich leise, und habe nicht die Kraft, ihm von Will Tamer zu erzählen. Verdammtes Miststück. Diese Einzelheiten hätte ich gerne vergessen, doch sie sind so klar wie der kalifornische Sommerhimmel.

»Deine Mom war am Samstag hier.« Er wechselt das Thema. Ich hebe die Brauen, bin überrascht, dass sie gekommen ist. »Sie ist stundenlang geblieben, aber die Schwester sagte, du würdest wahrscheinlich ein paar Tage noch nicht ansprechbar sein, also habe ich ihr geraten, nach Hause zu fahren und sich zu erholen, und ich würde sie anrufen, wenn du bereit für Besucher wärst.«

Ich schlucke schwer, Schuldgefühle durchfluten mich. Ich habe in letzter Zeit nicht mehr angerufen und nach ihr gesehen. ›Das Leben ist dazwischengekommen‹ ist nicht gut genug als Ausrede. Ich kann keine Worte finden und will einfach nur wieder einschlafen, doch meine Gedanken hören nicht auf, umherzuschweifen und zu fragen, was wenn.

»Viola hat auch nach dir gesehen«, fährt Drew fort. »Wundert mich ja, dass sie dich nicht per Zauberspruch ins Dauerkoma versetzt hat.« Er lacht leise, und der Gedanke, dass sie hier war, bringt mich zum Lächeln.

Viola.

Ich fühle mich Scheiße deswegen, wie die Dinge zwischen uns verblieben sind. Gott, sie fehlt mir. Ich kann mir nicht vorstellen, was sie darüber denkt, dass ich mit Mia zusammen war, aber definitiv nichts Gutes. Drew redet weiter, füllt den Raum mit seinen Worten, und ich versuche, ihm zuzuhören, doch mit jeder verstreichenden Minute fällt es mir schwerer. Meine Konzentration rinnt mir durch die Finger wie Wasser.

»Schlechte Neuigkeiten«, sagt er, und seine Worte holen mich zu ihm zurück, »der Challenger hat Totalschaden.«

»Verdammte Scheiße«, fluche ich, und die Erschöpfung senkt sich auf mich wie eine warme Decke. Meine Augenlider werden schwer, und ich kämpfe darum, wachzubleiben, treibe jedoch fort von Drews Stimme. Bald wird alles schwarz.

Ich wache in einem dunklen Zimmer auf und bin völlig desorientiert, wie spät oder welcher Tag es ist. Verdammt, ich habe keine Ahnung. Ich blicke mich um und sehe ein Essenstablett mit grüner Götterspeise und zwei Plastikbecher mit Flüssigkeit. Ich habe keinen Appetit, aber meine Kehle ist immer noch trocken.

Es gelingt mir, hinüberzugreifen und einen der Becher zu packen. Als ich den Apfelsaft austrinke, merke ich, dass ich pinkeln muss. Ich weiß nicht, ob ich einen Katheter habe oder nicht, also rutsche ich zum Bettrand, um mich auf den Weg zur Toilette zu machen.

Innerhalb von Sekunden wird mir klar, dass die Schmerzen zu groß sind, und ich nicht alleine aufstehen kann. Scheiße, wie ätzend ist das denn! Ich fühle mich wie ein jämmerlicher Schlappschwanz.

Da entdecke ich die Fernbedienung neben dem Bett, mit einem großen roten Knopf, und drücke ihn, um Hilfe zu holen.

»Station.«

»Äh, ja … ich glaube, ich brauche etwas Hilfe.«

Die Frau räuspert sich. »Womit kann ich Ihnen helfen, Mr King?«

Ich senke die Stimme zu einem Flüstern und fühle mich gedemütigt, dass ich überhaupt darum bitten muss. »Äh, Toilette.«

»Wie bitte? Reden Sie lauter, mein Lieber. Ich kann Sie kaum hören.«

Genervt stöhne ich auf und balle die Fäuste. Scheiße, ich mache es doch alleine. Als ich wieder versuche, aufzustehen, protestiert mein Körper mit schrecklichen Schmerzen, und Frustration überwältigt mich.

Ich gebe auf und antworte: »Pinkeln. Ich muss pinkeln, okay?«

»Ich schicke jemanden rein.«

Mindestens zehn Minuten vergehen und meine Blase fühlt sich an wie kurz vor dem Explodieren. Sie haben mich stundenlang mit Flüssigkeit und Medikamenten vollgepumpt, und das macht sich jetzt bemerkbar. Ich bin zwei Sekunden davor, auf den Boden zu pinkeln, als eine grauhaarige Frau hereinkommt.

»Schön zu sehen, dass Sie wach sind.« Sie lächelt. »Ich bin Nancy.«

Ich kann ihr nur ungeduldig zulächeln. Sie zieht die Decke weiter zurück und bringt sich vor mir in Stellung, um mich zu stützen.

»Das Atmen schmerzt«, sage ich ihr, bevor ich wieder versuche, aufzustehen.

»Bei gebrochenen Rippen ist das so. Sie werden wahrscheinlich steif sein, weil Sie so lange im Bett waren, also ist es sogar noch wichtiger, dass Sie anfangen, wieder zu gehen, jetzt, wo sie wach sind.« Sie gibt mir ihren Arm, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mich auf ihren zierlichen Körper stütze. Es kostet mich meine ganze Kraft, beim Aufstehen nicht vor Schmerzen zu schreien. Prompt wird mir schwindlig, mein Kopf fühlt sich an, als platzte er, und ich klammere mich an die Frau, als wäre sie meine einzige Rettung.

Wir gehen in kleinen Schritten den ganzen Weg hinüber ins Bad, das nicht weit weg ist, aber irgendwie fühlt es sich an, als würden wir nie dort ankommen. Sie zieht das Gerät und die Infusion hinter mir her und hat den anderen Arm um meine Taille geschlungen.

»Möchten Sie, dass ich mit reinkomme?«, fragt sie in ungezwungenem Ton.

»Nein«, sage ich, bevor sie mir hineinfolgt. »Danke, aber das sollte ich schaffen.« Ich entdecke das Metallgeländer an der Wand und halte mich daran fest.

»Ich warte draußen vor der Tür«, informiert sie mich und dreht mir den Rücken zu.

Das ist verdammt demütigend.

Ich brauche den zusätzlichen Halt, also greife ich danach – so fest, dass meine Knöchel weiß werden. Sobald ich fertig bin, verreibe ich antibakteriellen Schaum in den Händen und gehe hinaus, wo Nancy auf mich wartet. Sie legt den Arm um mich, und wir machen uns auf den langen Rückweg zum Bett. Eine Brise streicht mir über den nackten Hintern, und ich registriere, dass ich unter dem dünnen Krankenhaushemd nichts anhabe. Ich bin sicher, die Schwester hat schon einiges gesehen, während sie mit mir ins Bad gegangen ist, doch ich habe nicht die Energie, mir etwas daraus zu machen.

Sie muss mein Unbehagen spüren, denn sobald ich mich umdrehe und aufs Bett setze, decke ich mich schnell wieder zu.

»Keine Sorge, mein Lieber. In meinen dreißig Jahren als Schwester habe ich schon alles gesehen.« Sie grinst, doch das macht es nicht besser.

Ich bin ein stolzer Mann und nicht schüchtern, was meinen Körper angeht, aber diese Frau ist alt genug, um meine Großmutter zu sein.

Sie hilft mir, mich wieder im Bett zurechtzulegen, deckt mich zu und schiebt mir das Tablett heran.

»Sie sollten versuchen, etwas zu essen«, sagt sie.

Ich nicke, will diesen Kraftakt noch nicht angehen, diskutiere jedoch nicht mit ihr.

»Das ist für Ihre Morphiuminfusion.« Sie legt mir das Kabel und die Fernbedienung mit dem Rufknopf über den Schoß. »Wenn die Schmerzen stärker werden, drücken Sie diesen Knopf. Sie können alle siebzehn Minuten eine neue Dosis bekommen, wenn Sie sie brauchen.«

Ich bedanke mich bei ihr, und sie erinnert mich daran, den Knopf zu drücken, wenn ich noch etwas brauche. Wie wär’s mit Schnaps?

»Der Doktor wird sich Ihre Akte ansehen und gegen sieben oder acht Uhr nach Ihnen schauen. Solange ihre Werte stabil sind, sollten Sie problemlos in einem oder zwei Tagen entlassen werden können.« Ihr Lächeln ist aufrichtig, und sie hat ein liebenswertes Auftreten, genau wie meine Mutter.

»Und welcher Tag ist heute genau?«

»Donnerstag. Wir haben angefangen, Ihnen weniger Schmerzmittel zu geben und Ihren Katheter entfernt, also dürfte sich bald wieder alles normal anfühlen.«

Ich weiß, denn es hat sich eben angefühlt, als hätte ich Feuer gepinkelt. Als ich meine Beine hebe und mich ins Kissen zurücklehne, blicke ich hinüber und sehe mein Handy auf der Ablage. Nancy bemerkt es und reicht es mir. Ich versuche, es einzuschalten, doch es ist tot. Ich stoße ein frustriertes Stöhnen aus.

»Ist das ein iPhone?«

»Ja, Ma’am.«

Nancy lächelt und zwinkert mir zu. »Ich habe in der Schwesternstation ein Ladekabel für Sie. Sie wollen doch sicher dieses Mädchen anrufen, das uns mehrmals täglich nach Ihnen fragt.«

Sie lächelt, und als sie die neusten Werte in den Computer eingegeben hat, geht sie leise hinaus und schließt die Tür hinter sich. Ich blicke auf die Uhr und sehe, dass es kurz nach drei Uhr morgens ist. Wahrscheinlich werde ich jetzt nicht mehr viel schlafen können, aber mein Körper bettelt darum. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so erschöpft gefühlt.