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Im Dschungel Sumatras wird eine Gruppe von Harzsammlern von einem hungrigen Tiger verfolgt. Nacheinander werden die Männer angegriffen und tödlich verletzt. Die Gruppe bleibt so lange intakt, bis der in ihrer Vorstellung möglicherweise gottgesandte Tiger sie bedroht und für ihre Sünden bestraft. In dieser Situation zerbricht die Fassade der Unschuld des charismatischen Anführers der Gruppe, eines hochgeachteten Schamanen, der seine kriminelle Vergangenheit plötzlich selbst offenbart – eine Allegorie auf den Machtverlust Surkanos nach dem Staatsstreich von 1695.
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2015
Im Dschungel Sumatras wird eine Gruppe von Harzsammlern von einem hungrigen Tiger verfolgt. Nacheinander werden die Männer angegriffen und tödlich verletzt. Die Gruppe bleibt so lange intakt, bis der in ihrer Vorstellung möglicherweise gottgesandte Tiger sie bedroht und für ihre Sünden bestraft.
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Mochtar Lubis (1922–2004) war Journalist und Autor. Außerdem übersetzte er Werke von John Steinbeck, Upton Sinclair und Irwin Shaw. Fast zehn Jahre verbrachte er im Gefängnis oder unter Hausarrest. Nach seiner Rehabilitierung wurde er Chefredakteur der Literaturzeitschrift Horison.
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Mochtar Lubis
Tiger! Tiger!
Roman
Aus dem Indonesischen von Thomas Zimmer
E-Book-Ausgabe
Horlemann @ Unionsverlag
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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel Harimau! Harimau!.
Die deutsche Erstausgabe erschien 1992 im Horlemann Verlag.
Die Übersetzung wurde gefördert von der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Asien, Afrika und Lateinamerika e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen.
Originaltitel: Harimau! Harimau!
© by Horlemann Verlag 2024
Alle Rechte vorbehalten
Umschlag: Peerajit Ditta-in
Umschlaggestaltung: Bettina Wunderli
ISBN 978-3-293-30930-2
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Cover
Über dieses Buch
Titelseite
Impressum
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Inhaltsverzeichnis
TIGER! TIGER!
1 – Urwald bedeckte die ganze Insel: von der Küste …2 – Wak Katok griff nach seinem Vorderlader. Gewöhnlich nahm …3 – Sie standen bereits vor der Zeit des Morgengebets …4 – Am nächsten Morgen, geraume Zeit vor dem Sonnenaufgang …5 – Keiner von ihnen hatte die Nacht über ein …6 – Am darauffolgenden Morgen, nachdem sie ihr Gebet verrichtet …7 – Wak Katok führte die Gruppe auf dem kürzesten …WorterklärungenMehr über dieses Buch
Über Mochtar Lubis
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Urwald bedeckte die ganze Insel: von der Küste, an der sich die Wellen nach ihrem langen Weg vom Südpol brachen, bis hin zu den Berggipfeln, die hoch in den Himmel ragten und immer in dicke Wolken gehüllt waren.
Das Aussehen des Urwalds wechselte: Während man in Küstennähe überwiegend Mangrovenhölzer fand, nahm die Pflanzenwelt, je weiter landeinwärts und je höher es ging, einen ganz anderen Charakter an – bis man schließlich zu jenen hohen und mächtigen Bäumen gelangte, die wie einsame, schweigende Wächter ihren Dienst taten.
Nur selten einmal setzte ein Mensch seinen Fuß in den Urwald, in dem das Leben jahraus, jahrein gleich kräftig atmete. Er war die Heimat vieler wilder Tiere und Insekten, genauso wie der Pflanzen und jener Orchideen, die wie blühende Kronen auf den Baumwipfeln saßen. In dem oberen Teil des Urwalds lebten die Gibbons und die Schweinsaffen zusammen mit den Vögeln; darunter, auf dem Erdboden, hatten der schwarze Panther, der Elefant und der Bär ihr Reich, wogegen der Tapir, das Rhinozeros, die Schlange, das Krokodil, der Hirsch und Hunderte anderer Kreaturen sich lieber entlang des Flusses aufhielten. Nicht zu vergessen die Erde selber, in der Würmer und Insekten sich üppig vermehrten.
In vielen Teilen des Urwalds lauerte die Gefahr; da gab es tückische, todesschwangere Sümpfe und dunkle Wälder, die noch genauso feucht und stickig waren wie vor Hunderten von Jahren. Doch fand man auch idyllische Flecken. Gleich einem Zauberwald im Märchen lagen diese Teile Jahrhunderte unberührt: kleine Wäldchen, der Boden mit weichem, grünem Moos bedeckt und so sauber, als käme von Zeit zu Zeit immer jemand, um zu putzen und aufzuräumen. Umgeben waren diese Haine von hohen, schlanken Cemara-Bäumen, die ihren Duft im ganzen Wald verströmten.
Durch eines dieser Wäldchen floss der kleine Seitenarm eines Flusses träge dahin. Das frische, klare Wasser schien mit glucksender Stimme die Menschen einzuladen, sich an seinem Ufer niederzulassen. Der Wald gab auch den Menschen ihr Auskommen: Man fand Schilf, Harz und zahlreiche Hölzer. Die Menschen, die vor langer Zeit den Urwald verlassen hatten, um Städte zu errichten, waren heute zurückgekehrt, um zu jagen und mit dem, was sie im Walde fanden, ihr Leben zu bestreiten.
Sie waren zu siebt und verbrachten bereits eine Woche im Wald, um Harz zu sammeln. Pak Haji Rakhmad war der Älteste von ihnen. Pak Haji, so rief man ihn gewöhnlich, war mit seinen sechzig Jahren im fortgeschrittenen Alter. Dennoch wirkte sein Körper gesund und kräftig, sein Augenlicht war immer noch gut, sein Gehör scharf wie eh und je. Wer ständig wie er die Berge mit einer Last Harz oder einem Bündel Schilf auf den Schultern erklomm und dabei die frische Luft der Natur einsog, der blieb gesund und kräftig. Pak Haji brüstete sich oft damit, noch nie im Leben krank gewesen zu sein. Er war stolz darauf, niemals Schmerzen im Rücken oder Kopfschmerzen zu verspüren.
Mit neunzehn hatte Pak Haji sein Dorf verlassen und war in die Welt hinausgezogen. Fünf Jahre hatte er als Matrose auf einem Schiff gedient, bevor er nach Indien gelangte, wo er lesen lernte.
Doch auch dort hatte es ihn nicht lange gehalten: Nach zwei Jahren zog er wieder fort, kam nach Japan, China und auf den afrikanischen Kontinent, lernte die Häfen der Weißen mit ihren pulsierenden Städten kennen.
Die Sehnsucht nach der Heimat hatte Pak Haji jedoch nie verlassen – nach zwanzig Jahren in der Fremde erfüllte er die Pflicht der Pilgerfahrt und kehrte schließlich in sein Dorf zurück. Er begann, wieder als Harzsammler zu arbeiten, denn dies war die Arbeit, die sein Vater ihn gelehrt hatte, als er dreizehn war. Immer wenn man ihn fragte, sagte Pak Haji, so schön es überall auf der Welt gewesen sei – am wohlsten fühle er sich immer noch daheim, hier in seinem kleinen Dorf, auch wenn er nur ein einfacher Harzsammler war.
Wak Katok zählte fünfzig Jahre. Er war von untersetzter, stämmiger Gestalt, sein Haar war noch voll und schimmerte jugendlich-schwarz. Er trug einen dichten, langen Bart und hatte dicke Muskelpakete an Armen und Beinen. Wer ihn sah, nahm an, er habe gerade die Vierzig erreicht. Wak Katok besaß volle, runde Lippen, und aus seinen Augen sprach Entschlossenheit. Er war geübter Pencak-Kämpfer und galt im Dorf gleichzeitig als großer Schamane. Nicht zuletzt sein Ruf, ein geschickter Jäger zu sein, zeichnete Wak Katok aus.
Von den jüngeren in der Gruppe war Sutan gerade zweiundzwanzig und hatte bereits eine Familie; Talib war siebenundzwanzig und besaß eine Frau und drei Kinder; Sanip zählte fünfundzwanzig Jahre, war ebenfalls verheiratet und hatte schon vier Kinder. Der jüngste unter ihnen war Buyung, gerade erst neunzehn. Allesamt gingen sie als Pencak-Schüler bei Wak Katok in die Lehre und erlernten von ihm auch die Kunst des Sihir, der schwarzen Magie, und des Gaib, des Okkultismus.
Gerade den Jüngeren galt Wak Katok als Vorbild, zu dem alle aufblickten, ein Führer, dem viele Achtung und Respekt entgegenbrachten. Niemand hätte gewagt, seine Worte und Taten anzuzweifeln. Wie selbstverständlich führte Wak Katok die kleine Gruppe der Harzsammler an.
Der siebte in ihrer Reihe war Pak Balam, im gleichen Alter wie Wak Katok. Er sprach nie viel, und obgleich er von kleiner, schmächtiger Gestalt war, lobte ihn doch jeder als einen guten, unermüdlichen Arbeiter. Pak Balam war von der holländischen Regierung im Jahre 1926 zur Zeit der kommunistischen Aufstände gefasst und für vier Jahre nach Tanah Merah deportiert worden. Er war kinderlos geblieben, nachdem seine Frau Khadijah im Exil während der Schwangerschaft Malaria bekommen hatte. Seither kränkelte sie ständig, und dem Ehepaar mangelte es an Geld, da das meiste für Medizin ausgegeben wurde.
Die Gruppe machte sich immer zu siebt auf den Weg, um im Urwald Harz zu sammeln. Dabei betrieben sie kein gemeinsames Geschäft, jeder erhielt nach dem Verkauf den ihm zustehenden Anteil. Doch zu siebt fühlten sie sich sicherer und konnten einander besser bei der Arbeit helfen.
In den Augen der Dorfbewohner waren sie alle gute, ehrliche Menschen. Wak Katok wurde verehrt und geschätzt, wenngleich man ihn auch als Pencak-Kämpfer und Schamanen fürchtete. Im Dorf hieß es, dass einst jemand, der verrückt nach der Frau eines anderen gewesen sei, Wak Katok um ein Mittel gebeten habe, das Herz dieser Frau für sich zu gewinnen. Wak Katok hatte dem Mann aufgetragen, ihm ein Haar der Frau zu besorgen, damit er Gewalt über sie gewinne. In der Tat dauerte es nicht lange, und das Weib verließ Mann und Kind.
Zahlreiche Geschichten rankten sich um Mut und Stärke Wak Katoks im Kampf. Die Leute sagten, er habe in seiner Jugend einmal einen Bären in die Flucht geschlagen. Was aber Wak Katoks Kräfte als Magier anging, darüber wagte man nur hinter vorgehaltener Hand zu sprechen. Es hieß, er treffe sich von Zeit zu Zeit mit Dämonen und bösen Geistern.
Auch Pak Balam war überall hoch angesehen. Er galt als ein Nationalheld, der mutig zum Gewehr gegriffen hatte, um den Holländern entgegenzutreten. Jedermann wusste, dass Pak Balam kein Kommunist war. Im Gegenteil, er zählte zur Gemeinde der Moslems. Ein Kommunist hätte nicht nur Allah geleugnet, sondern jede Religion abgelehnt. Pak Balam und seine Freunde waren seinerzeit gegen die Unterdrückung durch die Holländer aufgestanden: Die Last der hohen Steuern hatte damals gedroht, das Volk zu erdrücken.
Pak Haji genoss im Dorf Ansehen aufgrund seines hohen Alters und weil er bereits auf der Hadsch – der Wallfahrt nach Mekka – gewesen war. Doch nur wenige verstanden ihn. Seit er von seiner langen Wanderung durch die Welt zurückgekehrt war, schien es, als sei ihm die Heimat zur Fremde geworden, und so lebte er abgeschieden für sich. Er wollte nicht heiraten, obgleich ihn seine Verwandtschaft ständig dazu drängte. Auch hegte Pak Haji nicht den Wunsch, etwa eine wichtige Stellung im Dorf zu übernehmen und zum religiösen oder politischen Führer zu werden.
Anfangs hatten die Leute geglaubt, Pak Haji sei arrogant und bilde sich womöglich etwas darauf ein, so lange Zeit in der Fremde verbracht zu haben, doch nach und nach gewöhnte man sich an den Eigenbrötler, und er war es zufrieden, dass ihm niemand weiter Beachtung schenkte.
Sutan, Buyung, Talib und Sanip galten durchweg als ordentliche und anständige junge Männer. Nichts unterschied sie von der großen Mehrheit der Menschen im Dorf: sie waren umgänglich, gingen zum Gebet in die Moschee; sie saßen, wie die anderen auch, beisammen, schlürften Kaffee und schwatzten; sie halfen gerne, wenn es beim Bau eines Hauses, einer Straße oder beim Ausheben eines Wasserloches galt, Hand anzulegen, und sie ließen sich auch nicht lumpen, einmal einen Schabernack zu treiben.
Sie waren Väter, Ehemänner, Brüder und gute Freunde; sie lachten, sie weinten, sie träumten und sie hofften; sie konnten sich ärgern, traurig oder enttäuscht sein wie jeder andere im Dorf auch: Sie waren ganz gewöhnliche Menschen. Und heute arbeiteten sie im Urwald, um für sich und ihre Familien sorgen zu können.
Wak Katok griff nach seinem Vorderlader. Gewöhnlich nahm er das Gewehr selten mit, wenn er Harz sammelte und benutzte es nur, um Hirsche oder Schweine zu jagen. Doch diesmal, sagte er, habe er die Waffe dabei, um die Jungen das Waidwerk zu lehren: Seit zwei Monaten fraß ein Rudel Hirsche die Felder Wak Hitams leer, jenem Hof inmitten des Waldes, auf dem sie die Nächte verbrachten. Wak Katoks Vorderlader stammte aus der Zeit vor dem Krieg gegen die Holländer, funktionierte jedoch noch einwandfrei. Feine Gravuren schmückten den Lauf. Besonders Buyung hatte es die Flinte angetan, immer wieder bat er Wak Katok unterwegs, ihn das Gewehr schultern zu lassen: Solch eine Waffe war eine Zierde für jeden Mann. Schon ein Kris, ein Belati oder ein Parang, ein Dolch oder ein Langmesser an der Hüfte waren unverzichtbare Attribute männlicher Kleidung. Hängte man sich jedoch außerdem noch eine Flinte über die Schulter, dann waren dem Stolz über das eigene fesche Aussehen keine Grenzen mehr gesetzt.
Wak Katok gab Buyung gerne seine Flinte, denn er wusste, wie viel diesem daran lag. Außerdem pflegte und reinigte der Junge das Gewehr immer aufs ordentlichste. Jedes Mal, wenn Buyung die Büchse lieh, ging sie sauberer und blanker wieder in Wak Katoks Hände zurück als sie sie verlassen hatte. Immer wieder polierte Buyung dann den Lauf, scheuerte mit einem Läppchen über das Metall, bis es dunkelblau schimmerte und im Sonnenschein funkelte. Genauso verfuhr er mit dem über die Jahre schwarz gewordenen Kolben: So lange rieb Buyung, bis das edle Mahagoni-Holz so weich glänzte wie Samt. Nicht ein Körnchen Staub, nicht ein Restchen Pulver vom Laden ließ er zurück.
Schon seit geraumer Zeit wünschte sich Buyung ein eigenes Gewehr. Seit zwei Jahren sparte er jeden Pfennig für eine Büchse. Doch wollte er keinen Vorderlader wie den von Wak Katok kaufen, für die Jagd taugte der nicht viel: Erst musste das Pulver sorgfältig festgedrückt werden, bevor die Kugel eingeführt werden konnte – eine aufwendige Prozedur, die viel Zeit in Anspruch nahm, ehe man den ersten Schuss abfeuern konnte. Dabei zählte bei der Jagd jede Sekunde: Nicht selten geschah es, dass das Wild bereits wieder im Dickicht verschwunden war, bevor man zum Schuss kam. Außerdem verlangte der Vorderlader dem Schützen ein Höchstmaß an Präzision beim Anlegen und Feuern ab – Kimme, Korn, Schuss, getroffen – eine Gelegenheit zu einem zweiten Schuss gab es nicht.
Stolz erfüllte Buyung, wenn er daran dachte, wie geschickt er bereits mit dem Gewehr umzugehen verstand. Nur selten verfehlte er sein Ziel: Einmal hatte er ein Wildschwein im Visier gehabt und genau zwischen die Ohren gezielt – exakt dort war die Kugel eingedrungen, so dass dem Opfer der Schädel zerschmettert wurde. Wie hatte das Lob Wak Katoks Buyungs Brust schwellen lassen, als er ein andermal mit einer Kugel das Auge eines Wildschweins durchbohrte, welches sich gerade auf einen der Jäger aus dem Dorf stürzen wollte. Er selber hätte es nicht besser machen können, waren damals Wak Katoks Worte gewesen, und: An Buyungs Schießkunst sei nichts mehr zu verbessern. Um wie viel stolzer fühlte sich Buyung hernach noch, als sein Ruf, ein geschickter Jäger zu sein, im Dorf die Runde machte.
Das Lob Wak Katoks über Buyungs Fähigkeiten bei der Jagd war für den Jungen so etwas wie eine offizielle Bestätigung. Denn schenkte man den Worten der älteren Leute im Dorf Glauben, so gab es auf der Jagd niemanden, der Wak Katok übertraf. Es hieß, er sei in der Lage, alle Spuren im Wald zu lesen – ein Blick auf den Boden, ein Schnuppern an der Fährte, und er wusste, um welches Wild es sich handelte.
Von klein auf hatte Buyung nichts anderes über Wak Katok vernommen als Lob und Ehrfurcht über dessen Größe und Stärke, und so schätzte er sich glücklich, als man ihm erlaubte, sich der Gruppe des großen Jägers anzuschließen und erste Unterweisungen in der Kunst des Pencak und der schwarzen Magie zu empfangen.
Den Geschichten über Wak Katok zufolge konnte er seine Gegner im Kampf töten, ohne sie überhaupt zu berühren, geschweige denn ein Messer zu verwenden: Es genügte offenbar, wenn er mit einer Bewegung der Hände oder Füße gegen den Kopf, die Brust oder den Magen des Widersachers zielte, dann brach dieser zusammen, lag augenblicklich ausgestreckt auf der Erde, tot wie ein Stück Holz.
Als Schamane war Wak Katok über die Grenzen seines eigenen Dorfes hinaus bekannt. Er konnte ganz gewöhnliche Krankheiten heilen, besaß aber auch die Kraft, Männer und Frauen von einem Voodoo-Zauber zu befreien; er konnte tödliche Magenkrämpfe herbeiführen; er war in der Lage, Amulette herzustellen, die übermenschliche Kräfte verliehen, die die giftigsten Schlangen zu harmlosen Würmern machten und jedem noch so wilden Tier seine Bestialität raubten; er verstand es, die Menschen in einen Zustand der Schwermut, Angst und Trauer fallen zu lassen, und auch der Kunst, Mann und Frau Schönheit und Anmut zu verleihen, war er kundig. Begab sich jemand auf eine lange und gefährliche Reise, dann wandte er sich vorher an Wak Katok, um sich durch dessen Formeln und Talismane Schutz zu sichern. Hatte einer einen Kampf auszutragen, so suchte er Wak Katok auf, denn dieser wusste, wie man die Waffen des Gegners nutzlos machte. Es schien nichts zu geben, dessen Wak Katok nicht fähig gewesen wäre – ja, man munkelte sogar, er besitze die Fähigkeit, unsichtbar zu werden.
Buyung und seine Freunde träumten davon, dass Wak Katok sie eines Tages in die allmächtige Kunst der Magie einführte. Woran Buyung besonders viel lag, war, an die magische Formel zu gelangen, mit deren Hilfe man sich eine Frau willens machte. Schon seit langer Zeit liebte er Zaitun, die Tochter des Moscheedieners Wak Hamdani. Dass Zaitun ihm nur selten etwas Beachtung schenkte, bekümmerte Buyung. Manchmal lächelte sie ihm zu, wenn sich beide auf dem Weg zur Badestelle trafen, warf ihm vielsagende Blicke zu. Doch dann war sie andererseits wieder kühl und abweisend und tat, als plaudere sie angeregt mit ihren Freundinnen, wenn sie sah, dass Buyung sich ihr von weitem näherte. In diesen Augenblicken glaubte Buyung, er sei nur Luft für Zaitun.
Bislang jedoch hatte sich Wak Katok geweigert, die ersehnte Formel preiszugeben. »Du bist noch zu jung«, waren seine Worte, und »dein Blut ist noch zu heiß«. »Nicht, dass dir plötzlich alle Frauen im Dorf verfallen. Diese Kunst ist jenem Manne vorbehalten, der von einer Frau erniedrigt wurde, oder dem, der eine Frau aufrichtig liebt und sich bereits entschlossen hat, sie zu heiraten. Nicht ist sie denen zugedacht, die die Ehefrau eines anderen Mannes an sich zu bringen suchen.«
Gerne hätten Buyung und seine Freunde auch die Fähigkeit erlernt, sich unsichtbar zu machen. Von Zeit zu Zeit träumte Buyung davon, was er täte, wenn er sich unbemerkt von allen bewegen könnte: Zuerst würde er sich heimlich Zaitun nähern, wenn sie schlief, oder wenn sie gerade badete – sein Herz schlug heftig bei dem Gedanken. Ach, wie leicht könnte er reich werden, verfügte er über diese Kunst.
Die Väter Buyungs und Zaituns waren Freunde, unbeschwert waren die Kinder miteinander groß geworden. Buyung lächelte bei dem Gedanken, wie er Zaitun manchmal so geärgert hatte, dass sie zu weinen anfing. Doch die kurzen Jahre der Kindheit gingen schnell vorüber; plötzlich, Buyung mochte gerade zwölf sein, hatte Zaitun begonnen, ihn zu meiden. Aus ihr war eine junge Frau geworden; heute, wo sie beide erwachsen waren, konnten sie einander nicht mehr so fröhlich und unbeschwert gegenübertreten wie früher als Kinder.
Buyung wusste nicht, was Zaitun ihm gegenüber fühlte. Manchmal war sie freundlich und aufgeschlossen. Wenn ihre Mutter ihr dann auftrug, Buyungs Familie einen Korb mit Früchten zu bringen, und wenn Buyung es war, der die Gabe in Empfang nahm, dann konnte es vorkommen, dass sie ihn süß anlächelte und ihn Kakak – älterer Bruder – nannte, obgleich er doch nur ein Jahr älter war als sie. In diesen Augenblicken schien es Buyung, als wolle seine Brust bersten vor Glück: Ihm war, als sei er im siebten Himmel, als schwebe er, die Welt um ihn verschwand und machte einem himmlischen Orchester Platz.
Doch gab es auch Tage, an denen Zaitun Buyung keines Blickes würdigte, und wenn er sich dann näherte, während Zaitun mit seiner Mutter plauderte, dann tat sie, als gäbe es ihn nicht.
Wie, wenn nicht mit Hilfe der magischen Formeln Wak Katoks konnte man das Herz einer so stolzen jungen Frau erobern? Alles hätte Buyung gegeben, um in den Besitz der Zauberformeln Wak Katoks zu kommen.
Es war kein Geheimnis für Buyung, dass seine Eltern Zaitun gerne als Schwiegertochter in ihr Haus aufgenommen hätten. Eines nachmittags, als die Eltern sich allein wähnten, hatte Buyung gelauscht: Zaitun hatte soeben einen Korb Gemüse gebracht; nachdem sie fort war, hatte der Vater angehoben: »Sie ist schon eine richtige Frau geworden. Wie wohlerzogen sie wirkt.«
»Ja«, hatte die Mutter erwidert, »und zu Hause geht sie ihrer Mutter bei allem zur Hand. Sie ist eine geschickte Näherin, betet eifrig und kann lesen, sogar die Schule hat sie besucht.«
»Buyung ist jetzt bald ein Mann mit seinen neunzehn, vor keiner Arbeit scheut er sich.«
»Ach, ich weiß nicht, unser Buyung …«, hatte die Mutter zögernd abgewinkt. Sie hielt ihren Sohn eher noch für ein kleines Kind als für einen erwachsenen Mann.
Buyung selber dagegen fühlte sich durchaus nicht mehr wie ein Kind. Er war neunzehn, er hatte einige Jahre die Volksschule besucht, war in die Lehre des Koran eingeführt worden und konnte bereits für sich selber sorgen.
»Ich glaube, wir können ihn heiraten lassen.« Der Entschluss des Vaters schien festzustehen. »Was meinst du, ob Zaitun ihn mag?«
»Welches Mädchen im Dorf wäre nicht gerne Buyungs Braut?«, hatte die Mutter ein wenig entrüstet gefragt.
Lachend erwiderte der Vater: »In deinen Augen gibt es wohl keinen Jungen, der fescher wäre als Buyung, wie?« – Hier hatten die beiden ihre Unterhaltung beendet.
Wie wild hatte Buyung Herz geschlagen, als er diese Worte vernahm. Zu gerne hätte er gewusst, wie Zaitun über ihn dachte, ob sie fühlte wie er. Ein Gefühl aus Zaghaftigkeit und Schwermut hatte Buyung ergriffen – und doch, er wollte es zufrieden sein, schließlich wusste er nun, dass seine Eltern Zaitun zugetan waren, genauso wie er bereits umgekehrt die Gewissheit hatte, dass Zaituns Eltern viel an ihm lag. Jedes Mal, wenn Buyung auf Wak Hamdani traf, erkundigte dieser sich, wohin Buyung ging, wie ihm die Arbeit als Harzsammler gefiel, ob er bereits Fortschritte bei seinen Koranstudien gemacht habe und vieles mehr. Einmal hatte sich Wak Hamdani bei Buyung Rat geholt, wie man am besten einen Hund zur Jagd abrichtet. Wak Hamdani war ein passionierter Jäger, er wusste, warum er ausgerechnet Buyung fragte: Während alle anderen Hunde nur kläfften, wenn sie auf der Jagd ein Wildschwein aufgespürt hatten, sprang der von Buyung furchtlos sein Opfer an.
Überlegte es Buyung recht, dann standen seine Chancen für eine Verbindung mit Zaitun nicht schlecht. Was ihn quälte, war allein die Ungewissheit, wie Zaitun über ihn dachte. Er fühlte, dass, wenn Zaitun ihm nicht so zugetan war wie er ihr, wenn ihr Herz kalt blieb, er sie dann nur widerwillig, besser gar nicht heiraten würde, auch wenn beide Eltern für die Verbindung eintraten. Buyung wusste wohl um die Tradition: Gewöhnlich wurden die Bräute von den Eltern zusammengeführt; dennoch wünschte er, sich seine Frau selber zu wählen, und umgekehrt sollte es ebenso sein.
Fast verlor Buyung den Verstand, wenn er darüber grübelte, wie Zaituns Herz zu gewinnen sei. Wie schön sie war! Heimlich hatte ihr Buyung einmal zugeschaut, als sie mit Freundinnen badete. Ihr langes schwarzes Haar reichte bis unter die zierlichen Hüften. Die Haut an ihren schlanken Fesseln war so braun wie eine Duku-Frucht. Ihre Zähne blitzten weiß, wenn sie lachte, den Mund umschlossen ein paar schimmernd-rote Lippen, obgleich sie kein Betel aß. Innerlich hatte Buyung schon entschieden, dass er, wenn sie später einmal verheiratet sein würden, ihr nicht erlauben würde, Betel zu kauen und Kalk zu essen, denn davon wurden die Zähne schwarz. Auch den Kautabak wollte er ihr verbieten. So etwas wie bei seiner Tante war Buyung nicht gewillt, zu dulden: Überall fand man achtlos fortgespuckte Klumpen des Priems – unter dem Kopfkissen, auf dem Tisch, in der Küche, auf der Treppe und gar bei Freunden. Ein ständiges Ärgernis für den Onkel: Faustgroße Betel-Klumpen kaue sie, schimpfte er, und ehe er sich versah, hatte sie bei solch einer Gelegenheit meist schnell den braunen Kloß ausgespuckt, kurz in der Hand gerollt und damit nach ihm geworfen. Nein, etwas derartiges wollte Buyung bei Zaitun einmal nicht erleben. Wie lieblich Zaituns Stimme klang. Als sie noch zusammen die Schule besuchten und Zaitun eine Klasse unter Buyung war, galt sie als die beste Sängerin. Sie besaß eine weiche, liebliche Stimme; selbst wenn sie Koranverse rezitierte, klang ihre Stimme mild und eindringlich – hundertmal interessanter als wenn Wak Hamdani las. Doch all das gehörte der Vergangenheit an. Schon lange hatte Buyung Zaitun nicht mehr singen gehört. Dabei hatte er einmal gelauscht, als sie zusammen mit Freundinnen am Fluss gewesen war. Eine traurige Melodie war an sein Ohr gedrungen: Ein Lied von Frauen, die voller Sehnsucht auf die Rückkehr des Geliebten in der Fremde warteten. Fast hätte Buyung sein Versteck verlassen, um Zaituns Gesang aus der Nähe zu hören. Doch jäh hielt er inne, als er daran dachte, was die Leute im Dorf sagen würden, wenn herauskam, dass er den jungen Frauen beim Baden nachspioniert hatte – er drohte, zum Gespött zu werden.
Nichts wünschte sich Buyung sehnlicher, als schneller erwachsen und so reif wie seine Freunde zu werden. Da war zum Beispiel Sutan, der sich besser als Buyung auf die Kunst des Silat verstand, obgleich sie doch beide bei Wak Katok in die Lehre gegangen waren. Auch sonst war Sutan ein Hansdampf in allen Gassen: Obgleich verheiratet, war er doch bei den Frauen immer Hahn im Korb. Dabei konnte ihm niemand den Vorwurf machen, er sorge nicht ordentlich für seine Familie – Sutan hatte ein wenig Landbesitz, sammelte Rattan und Harz und trieb nebenbei noch einen schwunghaften Viehhandel.
Am besten wäre vielleicht, so zu werden wie Sanip, dachte Buyung. Sanip machte einen durch und durch zufriedenen und glücklichen Eindruck. Bei jeder Gelegenheit zog er seine Mundharmonika aus der Tasche und spielte ein Lied. Und wie Sanip spielen konnte! Bald schien es nichts mehr außer seiner Musik zu geben: mal traurig, mal heiter, voller Wehmut und Schmerz. Wenn sie gerade inmitten des Urwaldes um das Lagerfeuer kauerten und Sanip in Begleitung seiner Mundharmonika ein trauriges Lied anstimmte, dann hielt es bald auch Talib nicht mehr, und er stimmte mit ein. Im Nu hatte das Feuer auch Buyung ergriffen, er zog seine Bambus-Flöte hervor, und nun sangen sie alle drei zu einer herzzerreißenden Melodie. Die Töne der Mundharmonika, mal lauter, mal leise, und das langgezogene Klagen der Bambusflöte begleiteten die weinerliche Stimme Talibs, die von der Einsamkeit und der Sehnsucht nach dem, was der Mensch verloren hatte, sang. Zu siebt saßen sie dann um das Feuer, ein jeder mit seinen Erinnerungen, ein jeder mit seinen Träumen, während es um sie herum in dem dichten, dunklen Urwald lärmte. Auch Wak Katok, ihr Lehrer mit dem plumpen Körper und dem groben Gesicht, schien von den Liedern ergriffen zu sein: Sein Blick wurde leer, seine Gedanken begannen zu wandern, niemand wusste wohin.
Pak Haji saß an solchen Tagen meist nachdenklich da, hielt die Augen geschlossen und merkte nicht, wie ihm langsam die Zigarette in der Hand ausging.
Sanip war auch jemand, der Spaß verstand. Wenn ihm der Sinn danach stand, dann zog er seine Mundharmonika hervor, spielte und sang zwischendurch mit rauer Stimme dazu; dann stand er auf und spazierte so lange zwischen der Menge umher, bis kein Kind mehr still saß und ebenfalls aufstand, um mitzusingen und mitzutanzen. Sanip war ein Spaßvogel und hatte immer ein paar lustige Geschichten auf Lager. Häufig machte er sich über den Moscheediener lustig, dass die Zuhörer sich bogen vor Lachen.
Eigentlich war Buyung eifersüchtig auf Sanip. Seine Mimik, der runde, dicke Körper – er sah zu ulkig aus. Buyung konnte neidisch werden, wenn er sah, wie Sanip Späße machte, mit welcher Fertigkeit er auf seiner Mundharmonika blies. Auch Buyung hätte gerne so leicht wie Sanip ein Lied angestimmt, getanzt oder eine Geschichte erzählt. Neid und Bewunderung füllten Buyungs Herz, wenn er sah, wie alles, was Sanip unternahm, ihm leicht von der Hand ging. Drangen sie etwa in den Wald ein und es goss in Strömen, so dass der Weg glatt war und sie bis auf die Knochen nass wurden, dann war es Sanip, der sie alle aufmunterte: »He, verliert nicht den Mut. Auf Regen folgt immer wieder Sonnenschein!« Oder wenn Sutan unter der Last auf seinen Schultern stöhnte, dann rief ihm Sanip zu: »Kopf hoch, denk doch nur daran, was dir diese Ladung Harz auf dem nächsten Markt einbringt!«
Einmal war es vorgekommen, dass Buyung auf der Jagd einen Hirsch ausgemacht und mit Wak Katoks Gewehr danach geschossen hatte. Doch der Schuss war daneben gegangen, der Hirsch war geflohen. Den ganzen restlichen Tag hatten sie weiter auf der Lauer gelegen, doch war ihnen kein Wild mehr vor das Gewehr gekommen. Während Buyung sich unentwegt Vorwürfe machte, hatte Sanip ihn mit den Worten aufzuheitern versucht: »Weshalb bist du so traurig, Buyung? Der Hirsch wird irgendwann Junge bekommen, und in ein paar Jahren gibt es hier genug Wild, das du erlegen kannst.«
»Woher willst du wissen, dass es irgendwann Junge wirft?«, hatte Buyung erwidert, »was, wenn uns der Tiger zuvorkommt?«
»Oh«, hatte Sanip darauf zur Antwort gegeben, »wenn ein Hirsch von einem Tiger gefressen wird, dann sterben davon noch lange nicht alle Hirsche aus. Wichtig ist«, und dabei hatte er Buyung herausfordernd angeblinzelt, »dass du in Zukunft besser zielst.«
