Time of Lust 1-4 | Erotik Paket Bundle | Alle vier Teile in einem Paket | Erotischer SM-Roman - Megan Parker - E-Book

Time of Lust 1-4 | Erotik Paket Bundle | Alle vier Teile in einem Paket | Erotischer SM-Roman E-Book

Megan Parker

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Beschreibung

Lesezeit: 3345 Minuten 4 Bücher in einem Paket. Das Power Erotik Paket Bundle. 1792 Seiten voller Sex, Erotik und SM. ### Time of Lust 1 ### Als das junge New Yorker Model Zahira dem geheimnisvollen Santiago begegnet, verfällt sie ihm mit allen Sinnen. Schwer verliebt folgt sie ihm auf seine Privatinsel "Ivory". Doch das vermeintliche "Paradies" offenbart sich ihr anders als erwartet. Der reiche Santiago verlangt Unterwerfung und absolute Hingabe. Zahira erlebt Ekstase und Lust, aber auch Angst und Schmerz, denn sie ist seiner Willkür und seinen Männern ausgeliefert ... Kann sie sich Santiagos Verführungskraft widersetzen? ### ### Time of Lust 2 ### Schwer verwundet und tief verletzt verlässt Zahira die "TraumInsel Ivory". Sie flieht mit David nach New York in ihr junges Model-Leben und glaubt, in ihm ihre große Liebe gefunden zu haben. Doch schon bald wird ihr klar, dass er ihr Verlangen nicht stillen kann. Sie sehnt sich nach Dominanz, Erniedrigung und Schmerz. Mit Liebes-Abenteuern strebt sie heimlich nach Befriedigung. Doch ihre Sehnsucht nach Santiago bleibt. Und plötzlich steht er vor ihr ... Sein Zorn ist groß! Seine Anziehungskraft unermesslich. Trotzdem folgt sie ihm nach "Ivory", doch dort weht jetzt ein neuer Wind! ### ### Time of Lust 3 ### Zahira glaubt, in grenzenloser Hingabe ihr Glück mit Santiago gefunden zu haben, während er seine dunkelsten Seiten entfaltet. Eine feudale Geburtstagsparty bildet den Höhepunkt. Härter denn je kämpfen die Mädchen mit Eifersucht, Schmerz, Demütigung und qualvoller Lust zum Vergnügen der Männer. Doch dann trifft ein Unglück Santiago mitten ins Herz. Er fällt eine Entscheidung, die Zahira lang ersehnt hatte ... Aber kann ihr geheimster Traum noch wahr werden? ### ### Time of Lust 4 ### Während Santiago Hochzeitspläne schmiedet, ringt Zahira mit der Entscheidung, sich endgültig von ihm zu trennen ... Durch eine glückliche Fügung gelingt ihr Vorhaben, und das mit einem unglaublichen "Andenken"! Endlich ist Zahira glücklich! Aber der Schein trügt ... Denn bald stellt sie fest, dass sie die unerbittliche Dominanz Santiagos schmerzhaft vermisst ... Was kann sie tun, um wieder diese sexuelle Lust zu spüren, die ihr in ihrer neuen Welt so sehr fehlt? ### Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Impressum:

Time of Lust 1-4 | Erotik Paket Bundle | Alle vier Teile in einem Paket | Erotischer SM-Roman

von Megan Parker

 

Megan Parker wurde 1973 in Wien geboren, wo sie auch heute noch lebt. Ihre Leidenschaft für ferne Länder, Fotografie und spannende Geschichten, die nicht nur das Leben, sondern vor allem die Fantasie in so wundervoll schillernden Farben schreibt, brachte sie zum Schreiben. Waren es anfänglich noch blumige Reiseberichte, fand Megan im Jahr 2010 zur erotischen Literatur. Hier zeigte sich schnell, dass der Reiz für sie nicht in romantischen Lovestorys, sondern vielmehr im lustvollen und krassen Zusammentreffen naiver, hingebungsvoller Liebe und gnadenloser Dominanz liegt, wie es in ihrer Romanreihe „Time of Lust“ vielfach dargestellt ist.

 

Lektorat: Nicola Heubach

 

 

Originalausgabe

© 2018 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © conrado @ shutterstock.com

Umschlaggestaltung: www.heubach-media.de

 

ISBN 9783964770332

www.blue-panther-books.de

Megan Parker

Time of Lust | Band 1 | Gefährliche Liebe | Roman

GefangenenTransport

Binnen Sekunden erlag ich seinem Charme, als ich von ihm auserwählt wurde ... kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag, auf dem Flug von Paris nach New York. Wir saßen einander schräg gegenüber, was im Flugzeug eher ungewöhnlich ist, sich aber wirklich so zugetragen hat ...

Die zwei Monate in Frankreich waren viel zu schnell vergangen. Erstmals hatte ich trotz meiner etwas zu geringen Größe auch Laufsteg-Jobs erhalten, denn ein bekannter Modemacher hatte sich in meine zierliche Figur verliebt. Er mochte besonders meine kleinen wohlgeformten Rundungen, die in seinen Dessous sehr schön zur Geltung kamen. Meine langen pechschwarzen Haare ließ er mehrfach glätten und dadurch edel und schwer erscheinen. Er meinte, dann könne man mein Gesicht besser hervorheben und die Betonung auf meine sinnlichen Lippen legen, die selbst bei meinem breitesten Lächeln kaum an Volumen verloren. Die wichtigste Modenschau war gerade erst diesen Nachmittag gewesen ... Er ließ mich als »First Face« laufen und am Ende der Show durfte ich als Einzige an seiner Hand noch mal auf den Catwalk, um den Applaus des Publikums zu genießen.

Das Model-Leben machte mir Spaß ... weit mehr Spaß, als alles andere. Ich liebte es, die Blicke der Männer auf mich zu ziehen, auch privat, so wie jetzt gerade auf dem Weg durch die große Abflughalle. Nur wenige Frauen hätten sich wohl auf einem Langstreckenflug für meine hochhackigen Schuhe oder dieses knappe rote Kleid entschieden. Aber ich war siebzehn, hatte eben erst einer wirklich anstrengenden zweijährigen Beziehung ohne Zukunft den Rücken gekehrt und endlich wieder Augen für die schönen Seiten des Lebens. Blicke der Bewunderung zauberten mir das Lächeln ins Gesicht, das die Fotografen so sehr an mir schätzten, und über die versteckten neidischen Gesten mancher mit sich selbst unzufriedener Frauen sah ich großzügig hinweg.

Meine Freundin Catherine hatte mir durch ihre Beziehungen als Stewardess einen Standby-Sitzplatz in der Business-Class organisiert. Noch nie zuvor war ich Luxus-Klasse geflogen und entsprechend groß war anfangs meine Freude darüber. Doch sie sollte nicht lange währen. Zirka eine Stunde vor Abflug wurde ich informiert, dass aufgrund eines VIP-Transportes mein Sitzplatz von der Justizwache benötigt und somit meine Buchung auf Economy-Class geändert wurde. Bye bye, sweet comfort. Schon beim Einsteigen in den Flieger bereute ich mein sexy Outfit. Von allen Seiten wurde gerempelt und gedrängt, ich fühlte weit mehr Körper an mir, als mir lieb war. Die ganze Zeit über hatte ich meinen wachsamen Blick auf den Boden gerichtet, damit mir niemand auf die wertvollen Schuhe trat. Schließlich fand ich meinen Platz neben einer jungen Familie. Die Frau war gerade dabei, dem Baby ein Fläschchen aufzuschütteln. Schnell setzte ich mich neben sie und beobachtete die Hektik der Leute aus halbwegs sicherer Distanz.

Als es etwas ruhiger wurde, sah ich Catherine im Durchgang zur Business-Class und stahl mich unauffällig zu ihr hinter den Vorhang. Sie begrüßte mich überschwänglich, drückte mir links und rechts Küsschen auf die Wange und auch ich freute mich wirklich, sie nach fast zwei Monaten endlich wiederzutreffen. Cathy war für die First-Class eingeteilt und leider sehr beschäftigt. Sie versprach, etwas später bei mir vorbeizusehen, wenn es ihre Zeit erlaubte. Ich wollte sie nicht weiter stören und machte mich auf den Weg zurück zu meinem Platz, als mir plötzlich eine andere Stewardess entgegeneilte und ganz aufgelöst über ein kleines Malheur berichtete.

»Miss, bitte entschuldigen Sie, es gibt da ein Problem mit Ihrem Sitzplatz ... wir müssen ihn erst reinigen. Vielleicht finden wir für Sie inzwischen eine Ausweichmöglichkeit.« Die Dame mit dem Baby hatte das Fläschchen komplett über meinen Sitz verschüttet.

Cathy mischte sich hilfsbereit in unser Gespräch und hatte auch rasch eine Lösung für mich, eine Lösung, die mein Leben verändern sollte ...

»Das Flugzeug ist randvoll, aber wenn es dir nichts ausmacht, könntest du – bis der Sitz getrocknet ist – einen Platz von uns nehmen. Er ist fast genauso bequem wie alle anderen, nur lässt sich die Rückenlehne nicht verstellen. Aber dafür bist du vorn in der Business-Class.«

Ich erklärte mich einverstanden ... was wäre mir auch anderes übrig geblieben. Und da mittlerweile schon alle etwas unter Zeitdruck standen, begab ich mich allein zu dem besagten Einzelplatz. Schnell stellte ich fest, dass dieser einen gravierenden Nachteil aufwies: Ich blickte wie ein Geisterfahrer in die verkehrte Richtung, hinter mir die erste Klasse, beziehungsweise die Toilette der ersten Klasse, und vor mir der riesige Passagierraum der Business-Class.

Als ich mich setzte, hatten bereits die meisten Fluggäste ihr Handgepäck verstaut und warteten angeschnallt auf die Willkommensdurchsage des Piloten. Die Triebwerke liefen und die Uhr zeigte zwanzig Minuten Verspätung an. Ich fühlte mich beobachtet. Nicht nur von den beiden älteren, gut gekleideten Damen, die mir gegenübersaßen, sondern auch von unzähligen anderen Passagieren, deren Blicke auf mich gerichtet waren. Vielleicht hielten sie mich für eine Stewardess in neuer Uniform? Etwas freizügig für diese Airline!

Als ich zur Seite sah, fiel mir auf, die drei Plätze der ersten Reihe im Mittelblock waren noch nicht belegt. Offensichtlich warteten wir auf jemanden, denn ich wusste nur zu gut: Das Flugzeug war ausgebucht. Mehrere Stewardessen rannten aufgeregt hin und her. Gern hätte ich Cathy gefragt, was los war. Aber auch sie schien zu beschäftigt. Als deutlich wurde, dass die ganze Aufregung vom hinteren Ende der Maschine kam, waren auch schon einige Polizeiuniformen zu erkennen. Da fiel es mir wieder ein ... von der Justizwache sollte ein Häftling nach Amerika überstellt werden. Hierfür wurden also die drei Plätze freigehalten.

Kurz darauf begann eine Zurschaustellung sondergleichen. Unter den Blicken von über hundert neugierigen Passagieren lief zuerst eine Stewardess den Gang nach vorn, dahinter ein Polizist in dunkler Uniform, gefolgt von einem Mann im schwarzen Anzug, dann wieder ein Polizist und zwei Stewardessen. Ich fragte mich, warum sie von hinten einsteigen mussten und nicht den weitaus kürzeren Weg von vorn gewählt hatten. Vielleicht wollten Sie die Gäste der ersten Klasse nicht belästigen? Direkt neben mir blieb die anführende Stewardess stehen und der vordere Wachebeamte bog in die erste Reihe. Er gab die Sicht frei auf den schwarz gekleideten Mann ... in Handschellen. Für den Bruchteil einer Sekunde traf dessen Blick meine Augen und ... mein Herz blieb stehen. Gott, war er schön! Ich konnte sein Gesicht sehen ... und den bitterernsten Ausdruck darin. Zwischen seinen kräftigen dunklen Augenbrauen bildete sich eine angespannte Zornesfalte und seine Hände waren zu Fäusten geballt. Von seinen schwarzen, glatt nach hinten gekämmten Haaren fielen ihm durch die gesenkte Kopfhaltung einzelne Strähnen ins Gesicht. Scheinbar selbst entsetzt über die erniedrigende Vorführung, hatte er die Kiefer fest zusammengebissen und seine vollen Lippen aufeinandergepresst. Er wurde von den Beamten auf den mittleren Platz gewiesen und angeschnallt. Sofort lehnte er den Kopf nach hinten und schloss die Augen. Er versuchte offensichtlich, sich zu beruhigen. Noch immer waren seine Fäuste angespannt.

Mit Gewalt löste ich meinen Blick von ihm und sah zur anderen Seite aus dem Fenster. Mein Herz begann wieder zu schlagen ... langsam und laut. Ich musste durch meinen Mund atmen, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Sein Anblick hatte mich so sehr berührt, dass ich in der Sekunde bereit gewesen wäre, die eben mit angesehene Erniedrigung auf mich zu nehmen, nur um sie ihm zu ersparen. Er war viel zu schön, um leiden zu müssen.

Während das Flugzeug zur Startbahn rollte, schossen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Vor allem quälte mich die Frage, was ein so gutaussehender Mann verbrochen haben könnte. Wenn ich genauer überlegte ... es konnte alles sein ... Vielleicht handelte es sich aber auch um ein einfaches Steuerdelikt.

Das Flugzeug hob ab und es war für mich ein ausgesprochen unangenehmes Gefühl, dabei entgegen der Flugrichtung zu sitzen. Mit geschlossenen Augen versuchte ich, etwas Entspannung zu finden und als wir endlich auf der richtigen Höhe waren, hatte sich mein Herz größtenteils beruhigt. Ich öffnete meine Augen und unwillkürlich wanderte mein erster Blick wieder zu ihm. Genau wie zuvor berührte dieses Bild mein Innerstes ... so sehr, dass ich es kaum ertragen konnte und sofort wieder wegsehen musste. Seine Schönheit war atemberaubend. Obwohl er objektiv betrachtet extrem gefährlich aussah. Bestimmt war das Steuerdelikt reines Wunschdenken. Dieser Mann hätte genauso gut ein Mörder sein können. Mein Körper reagierte ähnlich wie vorhin, ich rang nach Luft und mein Herz pochte heftig. Auf der Suche nach Ablenkung legte ich meine langen glatten Haare auf die rechte Seite und sie bildeten zu meiner Erleichterung einen dichten Vorhang als Sichtschutz. Wenn er nun ein Mörder war, und damit musste ich im schlimmsten Falle rechnen, wie konnte er bei mir ein solches Gefühlschaos auslösen? Ich war fasziniert von seiner Ausstrahlung, dabei hatte er noch kein einziges Wort gesprochen. Wie gern wäre ich jetzt eine Stewardess gewesen, um ganz legal in seine Augen blicken zu dürfen und ihn ansprechen zu können. Ich hätte ihn respektvoll behandelt und nach seinen Wünschen gefragt ... Allein der Gedanke daran zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht ... ein Lächeln, das sich gar nicht mehr abstellen ließ und ich hatte echt Mühe, mich dabei hinter meinen Haaren zu verstecken.

Kaum waren fünf Minuten vergangen, wollte ich schon wieder zu ihm sehen. Es war wie eine Sucht. Ich nahm mir diesmal vor, meinen Blick ausschließlich auf seine Hände zu richten, um nicht erneut meine Vitalfunktionen zu beeinträchtigen. Möglichst unauffällig strich ich die Haare hinter mein Ohr und sah verstohlen zu ihm rüber. Seine Hände hatten sich inzwischen etwas entspannt, sie waren kräftig und doch schlank und sehr gepflegt, leicht sonnengebräunt, genau wie sein Gesicht. Ich spürte eine Sehnsucht in mir aufsteigen ... hätte ich doch einfach nur seine Hände berühren können. Es waren nicht die Hände eines Mörders. Ich träumte davon, zwischen seine Knie zu sinken und mein Gesicht in seine Hände zu legen. Und genau in diesem Moment wurde mein bis zum heutigen Tag sehnlichster Wunsch geboren ... der Wunsch, ihm zu gehören. Ich empfand keine Angst. Sein Antlitz war es wert, mein Leben zu riskieren. Wahrscheinlich würde ich bei der nächsten Gelegenheit, wo seine Augen auf meine trafen, ohnehin an einer Herzattacke sterben.

Die Stewardess unterbrach meine Gedanken, Essenswagen rollten an mir vorbei, sie begannen Getränke auszuschenken und die Sicht wurde mir von einem hässlichen Metall-Trolly verstellt. Ich verlangte nur ein Glas Wasser und lehnte jegliche Mahlzeit ab. Erstens hätte ich gar keinen Tisch zum Essen gehabt und zweitens konnte ich das meinem Magen in seinem jetzigen Zustand nicht antun. Hunger war das Letzte, was ich in dieser Situation hätte verspüren können. Plötzlich sah ich Cathy hinter mir im Durchgang zur ersten Klasse mit einer Kollegin tuscheln. Die Gelegenheit wollte ich nutzen. Ich schnallte mich ab und verschwand hinter dem Trennvorhang in der kleinen Kabine für die Crew. Ich musste Cathy fragen, wer der »Gefangene« war. Und nach dem Tratsch mit ihrer Kollegin war sie auch tatsächlich bestens im Bilde und fragte mich grinsend: »Wieso? Gefällt er dir, Zahira?«

Ich versuchte, meine Begeisterung zu unterdrücken. »Er sieht nicht schlecht aus ... Weißt du, was er getan hat?«

Sie schmunzelte. »Ja, das hat uns alle interessiert. Billy, der Co-Pilot wusste Bescheid. Er ist irgendein Multimilliardär aus Florida, der wegen Vergewaltigung in Frankreich angeklagt war. Der Fall wurde letzte Woche in allen Zeitungen ausgeschlachtet. Er nennt sich selbst Santiago.«

Vergewaltigung also, na großartig, damit hatte ich nicht gerechnet. »Und warum fliegen sie ihn jetzt in die Staaten?«, fragte ich neugierig und auch darüber hatte sich Cathy bereits informiert.

»Tja, angeblich hat vor kurzem einer seiner Leibwächter die Tat gestanden und, obwohl das Opfer Santiago beschuldigte, wurde er freigesprochen. War ein ganz großer Skandal und jetzt wollen ihn die Franzosen nur noch loswerden.«

Ich schluckte. Meine Gedanken drehten sich im Kreis.

»Hast du das Kleid aus Paris?«, fragte Cathy. »Sieht super steil aus ... auch die High Heels!«

»Danke, ja, es ist von meinem Lieblings-Designer. Ich durfte es behalten.« Dieses rote Kleid war wirklich außergewöhnlich, es hatte schmale Träger, einen tiefen Ausschnitt und war aus hauchdünnem, weichen Jersey-Material mit gewollten Schnitten in der Taille und am Rücken, die meine Haut durchblicken ließen. »Aber Cathy, ich sag dir, die Schuhe sind der blanke Horror, mit diesen Fünfzehn-Zentimeter-Absätzen musst du erst mal gehen lernen ... Willst du’s probieren?«

»Das kann ich mir vorstellen, aber nicht jetzt. Komm, setz dich wieder hin, wir müssen abservieren«, drängte sie mich.

Ich stand hinter dem Vorhang und zögerte kurz bei dem Gedanken, dass er mich jetzt ansehen würde, wenn ich hindurchging. Doch dann fasste ich Mut, schob den schweren Stoff zur Seite und richtete meinen Blick kontrolliert auf das hintere Ende des Passagierraumes. Ich setzte einen Fuß vor den anderen und begann den Gang entlangzulaufen. Voller Stolz, dass ich ihn soeben eiskalt ausgeblendet hatte, fragte ich mich im selben Moment, was ich hier machte. Mein Sitzplatz war doch gleich hinter dem Vorhang. Ich blieb stehen, drehte mich um und strich verlegen meine langen Haare zurück. Wie peinlich war das denn! Vorhang auf und losrennen ... Vermutlich ein einstudierter Impuls, den ich vom Laufsteg noch in mir trug. Mit Blick zum Boden ging ich langsam zurück und setzte mich auf meinen Platz. Wieder ließ ich all meine Haare zur rechten Seite fallen und beschloss, ihn nie mehr anzusehen. So ein Schwachsinn, Zahira! Vergiss ihn einfach! Ich musste mich selbst zur Vernunft bringen. Und es funktionierte ... kurz.

Die Zeit verging. Der Raum wurde abgedunkelt und die meisten Leute schliefen. Sogar die beiden uniformierten Wachbeamten konnten sich irgendwann nicht mehr wach halten. Mein Verlangen, ihn noch mal anzusehen, flackerte wieder auf und das düstere Licht gab mir Mut. Santiago war in Gedanken ... Jedoch, überraschend plötzlich, als hätte ich ihn gerufen, drehte er seinen Kopf in meine Richtung. Er sah mir direkt in die Augen. Mein Herz stand still und ich vergaß zu atmen. Seine Miene war ernst, er fesselte mich mit seinem Blick ... Ich konnte nicht mehr wegsehen. Sekunden verstrichen ... Erst dann begann mein Blut langsam und laut durch meinen Körper zu pumpen. Ich wartete förmlich darauf, dass meine Adern platzten. Er ließ mich nicht los. Stattdessen lehnte er sich nach vorn und stützte sich mit den Unterarmen auf seine Knie. Sein Mund schenkte mir zum ersten Mal ein sanftes, schiefes Lächeln. Ich war jedoch wie gelähmt und konnte es nicht erwidern. Er saß gute zwei Meter von mir entfernt, aber in mir stieg jetzt doch ein Funken Angst auf. Wie konnten diese Polizisten nur schlafen? Gleichzeitig war ich so froh, dass sie schliefen ... In meiner Fantasie sah ich mich zu ihm hinübergleiten und zwischen seinen Beinen zu Boden sinken. Plötzlich nahm er seinen Blick von mir.

Sofort öffnete sich mein Mund, um nach Luft zu schnappen. Erschrocken stellte ich fest, dass in meinen tiefen Atemzügen ein ängstliches Zittern lag. Nur kurz hielt er seinen Kopf gesenkt – vielleicht um nachzudenken – und noch bevor ich meinen Mund wieder schließen konnte, hatte er erneut seine Augen auf mich gerichtet. Er versuchte, mir ein Zeichen zu geben. Mit zwei Fingern deutete er auf mich und danach auf die Toilettentür hinter mir. Jetzt schlug mein Herz erst recht wie wild und ich hatte ernsthaft Probleme, mir nichts anmerken zu lassen. Zum Glück schlief mein Vis-à-vis tief und fest, was ich allerdings von der Reihe hinter den Polizisten nicht behaupten konnte. Anscheinend wollte er sich mit mir auf der Toilette treffen. Ich sah ihn an, er zog eine Augenbraue hoch, hob kurz seine Schultern und nickte mir ganz leicht zu. So, als wollte er sagen, dass ich die freie Wahl hätte. Dann lehnte er sich wieder zurück und wandte den Blick von mir ab.

Was sollte ich jetzt tun? Eine solche Aktion würde mein Selbstvertrauen bei weitem übersteigen. Konnten die Wachen überhaupt zulassen, dass er mir auf die Toilette folgte? Würden sie ihm die Handschellen abnehmen? Mir schauderte. Aber ich war paralysiert von dem Gedanken, mit ihm allein sein zu können ... und beschloss, entgegen jeder Vernunft, mich darauf einzulassen.

Meine Augen wanderten prüfend in alle Richtungen, um die Lage einschätzen zu können. Als ich das Gefühl hatte, die Luft war rein, löste ich meinen Gurt und stand auf. Mit ernster Miene blickte er mich von unten herauf an ... Geblendet von seinem Antlitz drehte ich mich zur Seite und verschwand hinter dem Vorhang. Ich öffnete leise die Toilettentür und ließ sie hinter mir unverschlossen. Mein Herz klopfte laut und wieder rang ich nach Luft. Ich fürchtete, dass die Polizisten den kleinen Raum kontrollieren würden, bevor sie ihn hineingehen ließen und dann würde unser Plan auffliegen. Also musste ich mich verstecken. Gleich links neben der Tür war eine kleine Arbeitsfläche, auf die ich kletterte. Ich rollte mich zusammen, umfasste meine Knie mit beiden Armen und machte mich ganz klein. Zumindest auf den ersten Blick würde man mich so nicht gleich bemerken.

Sekunden verstrichen ... und plötzlich lief alles wie geplant. Jemand stieß die Tür auf, checkte den Raum, ohne einzutreten. Dann hörte ich Schlüssel, Handschellen klirren und kurz darauf betrat mein wahrlich schönster Albtraum die kleine Zelle. Seine Hände waren frei.

Meine Fingernägel bohrten sich vor Angst in meine Knie, aber ich spürte in der Aufregung keinen Schmerz. Er sah mich sofort und verschloss hinter sich die Tür. Jegliche Freundlichkeit war aus seinen Mundwinkeln gewichen. Der finstere Ausdruck in seinem Gesicht erschütterte meine zarte Seele, aber jetzt gab es kein Zurück mehr und ich war plötzlich selbst erstaunt über meinen Leichtsinn. Ich versuchte, mich mit dem Wissen zu beruhigen, dass ich im Notfall hätte schreien können.

Mit strengem Blick hielt er mir seine offene Hand einladend entgegen. Als hätten sie einen Befehl erhalten, lösten sich die verkrampften Finger von meinem Knie und legten sich zitternd in seine Hand. Er half mir hinunter auf den Boden und drängte mich, von sich gestreckt, mit dem Rücken gegen die Wand. Aus dieser geringen Distanz betrachtete er prüfend meinen ganzen Körper, um danach in meinen Augen zu verweilen. Nach wie vor und trotz all meiner Angst verzehrte ich mich nach ihm. Es war nur ein Schritt, den er auf mich zugehen musste ... Ich konnte es gar nicht fassen, nun hier mit ihm allein zu sein. Ich wusste auch nicht, was er erwartete und betete, dass er keinen »Quicky« von mir fordern würde – so, wie es an dieser Stelle in schlechten Filmen ohne Zweifel käme – denn ich war noch Jungfrau und hätte ihn rein technisch sicher enttäuscht. Aber ich hielt an dem Glauben fest, dass dafür die Zeit nicht ausreichen würde.

Langsam kam er mir diesen einen Schritt näher ... und sogar noch einen zweiten kleinen Schritt. Kaum zehn Zentimeter trennten uns voneinander und ich musste leicht zu ihm aufsehen. Seine Ausstrahlung war überwältigend. Ich dachte, er wollte mich küssen ... und suchte mit meinen Handflächen an der Wand hinter mir Halt. Doch sein Blick senkte sich seitlich hinunter zu meiner Taille und seine warme linke Hand schlich sich an einem dieser gewollten Designer-Ausschnitte in mein Kleid. Die Berührung elektrisierte mich und blitzartig breitete sich Gänsehaut auf meinem ganzen Körper aus. Mit seiner anderen Hand griff er mir an den Nacken und hielt meine Haare fest. Etwas zu fest. Viel zu fest. Ich konnte meinen Kopf nicht mehr bewegen und der Anblick seiner endlosen Schönheit war aus dieser Nähe kaum zu ertragen. Seine linke Hand streichelte über die vor Begierde prickelnde Haut auf meinem Rücken ... wanderte wieder nach vorn und über meine Bauchmuskeln hinunter ... in mein Höschen. Erschrocken schnappte ich nach Luft. Ich musste hektisch zwinkern ... aber er strahlte Ruhe aus und ließ sich nicht beirren. Seine Finger glitten zwischen meine Schenkel und befühlten meine Feuchtigkeit. Sie teilten ganz zärtlich meine Schamlippen und begannen, mich sanft zu massieren. Schnell musste ich mir eingestehen, dass mir das gefiel. Ich war nass vor Erregung ... mehr als nass. Es tat so weh, ihn dabei ansehen zu müssen, aber seine Augen hielten mich gefangen. Er atmete in mein Gesicht und kam mir mit seinen Lippen gefährlich nahe. Auch mein Mund öffnete sich und mein sehnsüchtiges Seufzen zeigte ihm mein Verlangen.

Als er merkte, dass ich keinen Widerstand leistete, wurde die strenge Hand in meinen Haaren etwas zärtlicher. Im selben Moment legte sich sein Gesicht schräg und seine feuchten, glühenden Lippen vereinnahmten meine. Er schenkte mir einen unendlich leidenschaftlichen Kuss ... der mir keinen Zweifel mehr ließ ... ich gehörte ihm. Jetzt und für den Rest meines Lebens.

Noch immer hielt ich mich an der Wand hinter mir fest und noch immer massierte seine linke Hand meine intimste Stelle. Er spürte meine Hingabe und ließ zur Belohnung ganz langsam einen Finger in mich gleiten. Ich musste mein Stöhnen unterdrücken und verlor dabei fast seine schönen Lippen. Jede einzelne Nervenzelle in meinem Unterleib sandte kleine Stromstöße aus und umschlang dabei seinen Finger mit sehnsüchtigen Zuckungen, die um seine Liebe flehten. Ich wollte nur noch, dass sein Körper mit meinem verschmolz. Plötzlich unterbrach ein dröhnendes Klopfen an der Tür unsere Innigkeit.

Santiago entfuhr ein etwas zu lautes »Verdammt ... JA!«, und ich hatte das erste Mal die Ehre, seine Stimme zu hören. Sie war laut, männlich und zornig. Sofort war sein Blick wieder auf mich gerichtet und erst jetzt stahl er mir ganz langsam seinen Finger aus meinem Körper ... nicht ohne dabei jegliche Regung in meinem Gesicht zu genießen. Er drehte sich zur Seite und ließ im Spülbecken etwas Wasser über seine Hand laufen.

»Du bist Jungfrau«, stellte er mit einem Seufzen fest, als hätte ich ihm damit etwas Schweres aufgebürdet. Ich konnte nicht sprechen und stand wie angewurzelt an der Wand. Er sah mich an und schenkte mir endlich wieder sein verführerisches, schiefes Lächeln. Ich wollte ihn jetzt nicht verlieren. Ich betete, dass das nicht alles gewesen sein sollte. Aber ich konnte nicht handeln ... nicht denken.

»Wie heißt du?«, fragte er interessiert.

Ich zwang mich, tief durchzuatmen. »Zahira.« Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und versuchte einen geordneten Satz über die Lippen zu bringen. »Bitte ... geh nicht ... ich ...« Meine Hand wollte nach ihm greifen, traute sich dann aber doch nicht und wurde von meiner anderen Hand auf halbem Wege abgefangen. Meine Finger verkrallten sich ineinander und ich wusste einfach nicht, wie ich ihn aufhalten sollte.

Er sah, wie ich mich quälte und ihm meine verkrampften Hände bittend entgegenstreckte und es hatte fast den Anschein, als hätte er ein wenig Mitleid mit mir.

»Wie alt bist du?«, wollte er wissen.

Ich log: »achtzehn«, und hoffte, dass er mich nicht für zu jung hielt, da er doch um einiges älter wirkte als ich.

Er nahm meine ineinander verkeilten Finger in seine Hand und setzte sich auf die zugeklappte Toilette. Dann zog er mich auf seinen Schoß und legte einen Arm um meine schmale Taille.

»Hast du keine Angst vor mir? Weißt du überhaupt, was ich getan habe?«, flüsterte er.

Ich antwortete zögernd: »Nein ... angeblich hast du ja nichts getan. Die eine Stewardess ist meine Freundin. Sie hat mir erzählt, was in den Zeitungen stand.«

Er presste kurz die Lippen zusammen und blickte zur Seite. »Ich finde dich wirklich ganz bezaubernd, Zahira ...«, dann sah er wieder in meine Augen, »... aber ich glaube, ich wäre nicht gut für dich. Mit einem Jungen in deinem Alter könntest du weit mehr Spaß haben.«

Ich schüttelte entschieden den Kopf. Schmerzliche Verlust­ängste übernahmen meinen Herzschlag und ließen Tränen in mir aufsteigen.

Santiago lächelte und streichelte über meine Wange. »Du denkst also, ich könnte dich glücklich machen?«

Jetzt konnte ich ihm endgültig nicht mehr in die Augen sehen. Ich drehte meinen Kopf seitlich und flüsterte in sein Ohr: »Ja.«

Ich fühlte sein Gesicht an meiner Wange ... und dass er nickte. Dann begann er mit samtiger Stimme zu erklären: »Ein Leben mit mir ist sehr schwierig, du darfst nicht eifersüchtig sein ... Ich würde nie dir allein gehören.« Vorsichtig griff er nach meinem Kinn, sodass ich ihn wieder ansehen musste. »Ich würde es aber sehr wohl von dir verlangen ... Willst du dich auf so ein ungerechtes Spiel einlassen?«

Ich blickte in seine großen dunklen Augen und wollte ihn am liebsten noch mal küssen, ich wollte mit meiner Hand nach seinem Gesicht greifen, hätte ihn gern zu mir herangezogen, aber er wich mir aus und wartete auf eine Antwort. Ich brauchte nicht lange nachzudenken, ich hätte alles akzeptiert, nur, um ihn wiedersehen zu können. Ich wollte mehr von ihm. Er sollte mein erster Geliebter werden ... dessen war ich mir absolut sicher. Voller Stolz über meine Entscheidung löste ich mich aus seiner Umarmung und kniete zwischen seinen Beinen nieder. Fast atemlos, aber erfüllt von tiefer Hingabe, flehte meine Stimme: »Bitte ... lass mich dir gehören.«

Er brauchte ein paar Sekunden, streichelte zärtlich über meine Wange und betrachtete mich skeptisch, bevor er zustimmend nickte. An seinem leicht schmerzlichen Gesichtsausdruck merkte ich, dass er zwar einverstanden war, ich ihm damit aber, ähnlich wie mit meiner Jungfräulichkeit, sichtlich Probleme bereitete.

Zum zweiten Mal klopfte es an der Tür und wir standen beide auf.

»Wie finde ich dich?«, fragte er leise.

Ich überlegte. Ich hatte nichts zu schreiben, wie sollte ich ihm meine Adresse oder Telefonnummer geben? Zum Glück rettete mich ein Geistesblitz. »Liberty Models N.Y., die haben meine Daten.«

»David wird sich bei dir melden ... Vertrau ihm!«

Zum Abschied legte er noch einmal seine Hand an mein Gesicht und küsste mich zärtlich auf die Stirn, um eindringlich einen letzten Wunsch zu äußern: »Wenn wir uns jetzt wieder setzen, dann möchte ich von dir, dass du mich für den Rest dieses Fluges nicht mehr ansiehst.«

Erwartungsvoll blickte er in meine Augen ... und ich nickte, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt den Grund dafür noch nicht verstand. Ich dachte, es wäre, um nicht aufzufallen. In Wahrheit waren die Handschellen sein Problem. Er fühlte sich seiner Würde beraubt, wenn meine Blicke ihn trafen. Erst viel später kam ich zu dieser Einsicht und heute wäre es selbstverständlich für mich, meine Augen in einer solchen Situation unaufgefordert von ihm abzuwenden.

Zum letzten Mal schenkte er mir den Anblick seiner ernsten Miene und öffnete gleichzeitig die Türverriegelung. Wieder hörte ich Schlüssel, als sie ihm Handschellen anlegten, und ich wartete ein paar Sekunden, bevor ich die Tür vorsichtig erneut von innen verschloss, in der Hoffnung, dass unser geheimes Treffen niemandem aufgefallen war. Ich sank zu Boden und war überwältigt von meinen Gefühlen. Wie konnte es bloß sein, dass er wegen Vergewaltigung anklagt war? Gab es eine Frau auf dieser Welt, die nicht freiwillig mit ihm geschlafen hätte?

Nach einer kurzen Erholungspause blickte ich in den Spiegel und richtete meine Haare, ich zog mein Kleid zurecht und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht, um wieder klar denken zu können. Dann kehrte ich mit wackeligen Beinen zu meinem Sitzplatz zurück.

Kaum hatte ich meine Augen geschlossen, tippte mir jemand auf die Schulter. »Miss, Ihr Sitzplatz ist jetzt wieder in Ordnung!«

Schweren Herzens stand ich auf ... ohne Santiago anzusehen. Sein Wunsch bedeutete mir sehr viel. Die Stewardess begleitete mich nach hinten und als die junge Mutter sich bei mir für ihr Ungeschick ausschweifend zu entschuldigen begann, musste ich direkt lachen. Am liebsten wäre ich ihr um den Hals gefallen. Sie war etwas schockiert über meine Reaktion, aber ich erklärte ihr, dass alles in Ordnung wäre und meine überschwängliche Freude andere Gründe hätte.

Als das Flugzeug landete, sah ich auf der Rollbahn einen Einsatzwagen, bis ich jedoch endlich zum Ausgang gelangte, war er längst weg. Auf dem gesamten Weg durch die Ankunftshalle strahlte ich vor Glück und Dankbarkeit für dieses unerwartete Geschenk des Schicksals.

BodyGuards für Zahira

Zwei endlos lange Wochen war es her und seitdem war kein Tag vergangen, an dem ich nicht ständig an ihn denken musste. Ich war wie in Trance, süchtig nach Tagträumen, in denen er die Hauptrolle spielte, und überwältigt von einer völlig neuen Gefühlswelt, die sich in mir auftat. Obwohl mich anfangs hauptsächlich sein äußeres Erscheinungsbild verzaubert hatte, so waren es doch andere Attribute, nach denen ich mich jetzt sehnte. Seine erotische, männliche Stimme, seine einfühlsamen, aber doch sehr bestimmenden Worte, das gekonnte Spiel seiner Hände an meinem Körper. Aber vor allem der dominante Blick in seinen dunklen Augen war es, dem ich mich so bedingungslos ausgeliefert fühlte. Er ließ mein Herz höher schlagen, meinen Atem schneller fließen und brachte meine Hände zum Zittern. Es war ein berauschendes Gefühl, das in mir grenzenlose Begierde weckte, und ich wusste nicht, wie lange ich es ohne ihn noch aushalten würde. Ich hatte in diesen vierzehn Tagen drei Kilo abgenommen. Mein Kreislauf bereitete mir seit längerem Probleme, doch in letzter Zeit noch häufiger, was sich aber vor allem den vielen kleinen Schmetterlingen in meinem Bauch zuschreiben ließ. Ich wartete angespannt auf ein Lebenszeichen von ihm.

***

Es war ein Sonntagabend, als ich wieder einmal gedankenverloren auf meiner Couch saß und mir seine wundervollen Hände herbeisehnte ... da vibrierte mein Handy ... und eine unbekannte Stimme fragte nach mir.

»Zahira?«

Mit einem Schlag war ich hellwach. Kurz drückte ich das Handy an meine Brust, mit einem stummen »Bitte!« zum Himmel gerichtet, und entgegnete: »David?«

Er schenkte mir ein lachendes »Ja«, und ich war so glücklich. All die Verzweiflung der letzten Tage war vergessen. Seine Stimme klang angenehm und ich hörte aufgeregt zu, als er anfing zu reden.

»Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich musste bei deiner Agentur einiges in Bewegung setzen, bevor ich deine Telefonnummer bekam. Du hast nichts versäumt, Santiago ist noch in Haft, er kommt diesen Freitag raus und er möchte dich sehen. Bis dahin haben wir noch etwas Zeit, alles zu organisieren.«

Nervosität stieg in mir auf und es verschlug mir fast die Sprache, aber ich strahlte bis über beide Ohren. David kündigte an, er würde montagabends zu mir in die Wohnung kommen, dann könnten wir alles besprechen. Ich musste ihm nur versichern, allein auf ihn zu warten.

Zu mir in die Wohnung ... Santiago sagte, ich solle ihm vertrauen. Normalerweise war ich vorsichtiger, aber in diesem Fall ging ich, ohne wirklich lange nachzudenken, darauf ein und gab David meine Adresse.

***

Ehrlich gesagt, war ich mir am nächsten Abend, als es an meiner Tür klingelte, nicht mehr ganz sicher, wer sich hier vor wem in Acht nehmen wollte, denn David erschien in Begleitung von zwei weiteren Männern. Einer von ihnen blieb vor meiner Wohnungstür stehen und der andere kam mit herein. Ein Fahrer wartete beim Wagen ... eine schwarze Stretch-Limousine, die ich etwas später bei einem beiläufigen Blick aus dem Fenster meiner im sechsten Stock gelegenen Wohnung bemerkte.

David sah atemberaubend gut aus. Er wirkte deutlich älter als Santiago, extrem schlank, groß, auffallend hellhäutig und nur leicht muskulös. Seine blonden glatten Haare, von denen einzelne Strähnen ständig die Stirn umspielten, waren im Nacken modisch kurz angeschnitten und ließen ihn etwas jünger erscheinen, als er tatsächlich war. Er begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln und hatte mit seinem souveränen Auftreten sofort mein Vertrauen gewonnen. Ich konnte Santiago in ihm spüren, nur dass es etwas leichter war, mit David zu reden, weil mein Körper nicht so verrücktspielte. Er gab sich sehr einfühlsam und er merkte schnell, dass ich in den letzten zwei Wochen eine schwere Zeit durchgemacht hatte, und auch, wie froh ich war, dass zumindest er nun bei mir sein konnte, um mich meinem Ziel etwas näher zu bringen. Schon nach den ersten paar Minuten in meiner Wohnung hatte er mich durchleuchtet. »Du liebst ihn!«, war das Ergebnis seiner Analyse ... und ich brauchte nicht zu antworten, denn sofort kullerten ein paar Tränen aus meinen Augen.

David nahm mich ohne zu zögern in seine Arme, er hielt meinen Kopf fest an sich und versuchte, mich zu beruhigen. Aber jetzt löste sich erst recht die ganze Anspannung und unzählige meiner Tränen sickerten in sein weißes Hemd. Er küsste meine Haare und bat seinen jungen Gefährten, mir ein Glas Wasser zu bringen. Es war so ungewohnt, von einem fremden Mann gehalten zu werden, überhaupt wenn man sich schon zwei Wochen lang nach der Liebe eines anderen gesehnt hatte. Aber es fühlte sich auch unheimlich gut an, und ich musste mich bewusst zurückhalten, um nicht zu vergessen, in wessen Armen ich mich befand.

Wir setzten uns nebeneinander auf die weiße Leder-Couch und er ließ mich einen Schluck trinken. Ich drehte mich in seine Richtung, verschränkte meine Beine auf der breiten Sitzfläche und er griff nach meiner Hand.

»Du musst mehr auf deine Gesundheit achten ... Du wirkst so zerbrechlich«, befand David. »Auf deiner Setcard habe ich gelesen, du wirst in zwei Wochen achtzehn, bist eins einundsiebzig groß und wiegst fünfzig Kilo.«

»Ja«, antwortete ich, »zurzeit nicht ganz ... Ich konnte kaum etwas essen ... die letzten Tage.«

David nickte verständnisvoll und erklärte mir, dass er schon seit Jahren Santiagos Leibarzt war und davor als Schönheitschirurg in einer Privatklinik in Miami gearbeitet hatte.

»Es gibt ein paar Tests, die Santiago verlangt, wenn ein Mädchen mit ihm zusammen sein möchte ... eine Art Gesundheits-Check. Bist du einverstanden, wenn ich dich untersuche?«, fragte er vorsichtig.

Ich nickte etwas skeptisch.

Er ließ sich von dem jungen Mann vor der Tür eine Tasche bringen und kontrollierte zuerst an meinem linken Arm den Blutdruck. Danach musste ich meine Bluse vor ihm aufknöpfen, damit er mich abhören konnte und als er das kalte Stethoskop an meine Brust legte, trafen sich unsere Blicke. Zum ersten Mal registrierte ich bewusst seine schönen jadegrünen Augen und ich fühlte auch seine warmen Finger auf meiner Haut, als wollten sie mich rund um das metallische Plättchen vor der Kälte schützen. Es war entsetzlich still im Raum ... und das kalte Ding an meiner Brust ließ mich meinen nervösen Herzschlag nicht vor ihm verbergen. Ein sanftes Lächeln blitzte aus seinen Mundwinkeln, die sich daraufhin etwas nach unten zogen, aber er sagte nichts. Verlegen blickte ich zur Seite, um mir die Peinlichkeit zu ersparen.

Dann löste er vorsichtig eine Butterfly-Nadel aus einer neuen Verpackung, schnürte mit einer engen Manschette meinen Oberarm ab und entnahm ein Röhrchen Blut aus meiner Armbeuge. »Du wirst bei deiner Agentur als Beauty-Model geführt, hat man mir gesagt ... und machst hauptsächlich Foto-Shootings für Magazine«, erzählte er, um mich abzulenken.

»Ja, ich bin zu klein für den Laufsteg ... nur in Paris hatte ich Glück.«

»Sie haben mir auch ein FHM-Cover von dir gezeigt. Nur damit du es weißt, ich habe einen Abzug davon an Santiago schicken lassen.«

Ich nickte ... und lächelte stolz. Ein schöneres Bild von mir hätte er gar nicht kriegen können.

»Gehst du nebenbei noch zur Schule?«, fragte er und bediente sich weiter an meiner Ader.

»Ja ... theoretisch noch ein Jahr, aber ich werde wahrscheinlich abbrechen. Mit etwas Glück wird mich eine internationale Kosmetik-Firma unter Vertrag nehmen. Sie sagten, meine Chancen stünden recht gut, ich würde genau ihren Vorstellungen entsprechen: lange kräftige Haare, kühle blaue Augen und eine makellos reine Haut. In zwei Monaten fällt die Entscheidung.«

David konnte sich nicht wirklich für mich freuen. »Wenn du bei Santiago bleiben möchtest – er lebt auf einer Privat-Insel vor der Küste von Miami, eine Stunde vom Festland entfernt – dann wirst du zumindest vorübergehend dein Leben hier aufgeben müssen. Santiago wird deine Wohnung sicher gern weiter bezahlen, solange du bei ihm bist, aber wir müssen überlegen, was du deinen Eltern erzählst, denn du kannst kein Handy mitnehmen. Es wäre gut, wenn sie sich mit einer E-Mail pro Monat begnügten.« Endlich hatte er das letzte Röhrchen mit meinem Blut gefüllt und entfernte die Butterfly-Nadel aus meiner Armbeuge.

Mein Mund blieb offen stehen. Eine Insel? Eine Privat-Insel? Irgendwie war ich freudig überrascht und schockiert zugleich. So schön eine Insel auch sein mochte, aber warum durfte ich mein Handy nicht behalten und warum musste ich mein Leben aufgeben? So lange hatte ich auf ein Vertragsangebot wie dieses gewartet und nun, wo alles kurz davor war, Realität zu werden, sollte ich aussteigen? Verängstigt sah ich David mit großen Augen an. »Ich weiß nicht, ob ich das kann ...«

Er wirkte plötzlich sehr ernst und sprach mit leisen, aber zielsicheren Worten. »Dann gehe ich jetzt wieder.«

»Nein!«, entgegnete ich erschrocken. Im selben Moment begann mein innerlicher Kampf ... Es schmerzte ... Ich sollte also meine Model-Karriere aufs Spiel setzten ... gerade jetzt! Angestrengt und nachdenklich zogen sich meine Augenbrauen zusammen und bildeten eine tiefe Sorgenfalte. Ich biss auf meine Lippen und versuchte, meine Traurigkeit vor David zu verbergen. Aber es gelang mir nicht.

»Wo leben deine Eltern?«, fragte er, um mich auf andere Gedanken zu bringen.

Ich seufzte. »Meine Mutter ist aus Kolumbien. Sie war früher auch Model und ist nach meiner Geburt zu meinem Vater nach Spanien ausgewandert. Mittlerweile ist sie von ihm getrennt und hat dort mit einem neuen Mann Zwillinge. Ich habe kaum noch Kontakt zu ihr. Es würde ihr vermutlich nicht mal auffallen, wenn ich mich ein halbes Jahr nicht melde. Meinem Vater schon eher. Wir telefonieren oder mailen zirka einmal pro Woche. Aber das ist auch gar nicht das Problem ... sondern mein Model-Vertrag!«

»Du wirst ja sehen ... Wenn die Entscheidung für deinen Vertrag erst in zwei Monaten fällt, bist du bis dahin bestimmt in der Lage, abzuwägen, was dir wichtiger ist«, bestärkte er mich.

Es war eine leere Versprechung, bloß um mich zu beruhigen. David wusste genau, in welcher Lage ich mich zwei Monate später befinden würde ... Vermutlich wechselte er deshalb auch so schnell das Thema. »Machst du Sport? Kannst du laufen?«

Ich nickte.

David nahm wieder meine Hand. »Wir müssen ein Belastungs-EKG machen und einen Lungenfunktionstest. Ich habe mich vorweg etwas erkundigt, in dem Fitness-Center hier um die Ecke bieten sie beides an. Edward wird dich übermorgen dorthin begleiten.«

Bestimmt sah er die vielen Fragezeichen in meinen Augen. Wer war Edward? Und ... brauchte man ein Belastungs-EKG und einen Lungenfunktionstest, um mit Santiago ins Bett gehen zu dürfen? »Ich will mit ihm keinen Marathon laufen«, entgegnete ich.

David lächelte. »Musst du auch nicht.«

»Wozu dann?«, flüsterte ich und durchbohrte ihn gleichzeitig mit meinen Blicken.

Aber er gab mir keine befriedigende Antwort. »Zu deiner Sicherheit.«

Zum Schluss zog er mehrere Phiolen verschiedenster Medikamente in eine Spritze und injizierte mir ein Serum in den Oberarm, das mich mit Vitaminen versorgen und mir wieder Kraft geben sollte. Danach hatte ich es überstanden ... zumindest verstaute er all seine Utensilien wieder in der Tasche.

»Nimmst du die Pille?«, fragte er beiläufig.

»Ja, schon seit zwei Jahren ... aber eigentlich nur für meine Haut«, beichtete ich ihm.

Er lächelte. Santiago hatte ihm bestimmt erzählt, dass ich noch nie richtig Sex hatte.

»Wir werden das ab deinem nächsten Zyklus auf eine Ein-Monats-Spritze umstellen«, gab er mir zu verstehen, »das ist sicherer.«

Klar, ich durfte ihm kein Kind anhängen ... war für mich ohnehin ausgeschlossen. Ich hatte auch kein Problem mit dieser Spritze ... so musste ich wenigstens an nichts denken.

»Wie alt ist Santiago eigentlich?«, fragte ich David.

»Das weißt du nicht?« Er schien überrascht.

»Nein, wir hatten nicht genügend Zeit ...«

»Sechsunddreißig.«

Ich nickte ... So ungefähr hatte ich ihn eingeschätzt. David war damals bereits vierundvierzig, aber das erfuhr ich erst später.

»Zahira, wenn du achtzehn bist, kannst du tun und lassen was du möchtest, trotzdem wollen wir deine Eltern nicht verärgern. Ich gebe dir bis Ende der Woche Zeit, um alles zu regeln. Pack einen Koffer nur mit dem Notwendigsten, du bekommst alles von uns. Ich lasse dir zwei Leibwächter hier, Edward und Marcus, sie stehen telefonisch in Kontakt mit mir. Also, wenn du irgendwelche Fragen haben solltest, wende dich am besten an Edward. Ihr fliegt Freitag in der Früh nach Miami, dort treffen wir einander und holen Santiago gemeinsam ab. Verändere nichts an deinem Äußeren und versuche, dich ein wenig zu erholen.« David gab mir einen zärtlichen Kuss auf die Wange und in der nächsten Minute stand ich allein in meiner Wohnung ... mit Edward. Marcus wachte vor meiner Tür.

Edward war nicht sehr gesprächig, er war angewiesen worden, nur über das Allernotwendigste mit mir zu reden. Und er sah gut aus. Zirka fünfundzwanzig Jahre oder älter, er hatte hellbraune lockige Haare, eine stattliche Figur und ein markantes, für sein Alter schon recht männliches Gesicht. Marcus wirkte etwas jünger, vielleicht durch sein schwarzes kurz geschorenes Haar.

***

Die Tage vergingen langsam und die beiden beobachteten mich ständig. In der Nacht schliefen sie abwechselnd auf meiner Couch. Ich erzählte meinen Freundinnen, dass ich nach Europa gehen würde. Meine Eltern ließen sich überzeugen, dass ich in der Schule an einem Projekt teilnahm, wo wir ein Semester lang ohne Fernsehen, Handy und Internet zu leben versuchten, aber wir durften einmal pro Monat E-Mails versenden, damit sich unsere Verwandten keine Sorgen machten. Edward begleitete mich wie angekündigt zu dem Gesundheits-Check und empfahl mir, einen Nachsendeauftrag für meine Post zu vereinbaren. Er versprach auch, dass zumindest einmal pro Monat jemand nach meiner Wohnung sehen würde.

***

Donnerstag war ich schon ziemlich aufgeregt und überlegte, was ich am nächsten Tag anziehen sollte, als es plötzlich an der Tür klingelte. Ein kleines Paket wurde abgegeben, zirka so groß wie eine Schuhschachtel. Obendrauf klebte ein Brief von David:

»Liebste Zahira, Santiago schickt dir dieses Kleid.

Er hätte gern, dass du es am Freitag für ihn trägst.

See you, David.«

Es musste sehr klein sein, wenn es darein passte, dachte ich. Gespannt öffnete ich die Schachtel und erblickte ein wunderschönes cremeweißes Seidenkleid. Es war extrem kurz, Neckholder zogen sich vom Hals über meine Brüste und verbreiterten sich bis zum Nabel, um sich dort in einem lockeren Volant zu vereinigen. Dazwischen nichts. Auch der Rücken war frei. Den meisten Platz in der Schachtel benötigten die perlmuttfarbenen High Heels, mit ein paar Riemen und mit Steinchen besetzt ... und ganz unten versteckt fand ich noch einen seidigen Slip. Ich musste schmunzeln. Noch nie hatte mich jemand so komplett eingekleidet. Aber alles passte wie angegossen und nun war meine Vorfreude kaum noch zu bändigen.

***

Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren meine beiden Bodyguards schon in Eile. Marcus telefonierte ohne Unterbrechung und Edward brachte seine Schlafstätte in Ordnung. Ich hatte Millionen von Schmetterlingen im Bauch. Endlich war der Tag gekommen, an dem ich mich für Santiago stylen durfte. All meine Bemühungen galten einzig und allein ihm. Meine Haare sollten perfekt sein, meine Haut seidig weich und makellos. Für ihn wollte ich nach einem Meer voller Rosen duften und ich konnte es gar nicht erwarten, ganz zum Schluss in das hübsche Kleid und die edlen High Heels zu schlüpfen. Wieder einmal würde ich komplett overdressed ein Flugzeug besteigen und damit Hunderte Blicke auf mich ziehen ... und trotzdem fühlte es sich diesmal anders an. Marcus und Edward wichen nicht von meiner Seite, sie verhielten sich wie Bodyguards der »Alten Schule«. Ständig hatte zumindest einer der beiden Männer seinen Arm um mich gelegt. Auch wenn sie nicht mit mir sprachen, ich fühlte mich grenzenlos beschützt und brauchte mich um absolut nichts zu kümmern.

***

Wir flogen First Class ... und landeten gegen Mittag im sonnigen Miami, wo angenehm tropisches Klima meinen leicht unterkühlten Körper empfing. Obwohl Edward gleich zu Beginn des Fluges aufmerksam eine flauschige Decke über mich gebreitet hatte, hatte ich doch ein wenig gefroren.

Eine schwarze Stretch-Limousine wartete bereits vor dem Flughafengebäude und als wir näher kamen, stieg David elegant gekleidet aus dem Wagen. Er begrüßte mich mit einem herzerwärmenden Lächeln und gab mir einen zärtlichen Kuss auf die Wange.

»Du siehst umwerfend aus, Zahira.«

Ich lächelte. »Danke.« Das hört jede Frau gern. Aber ich war nervös, um nicht zu sagen, mir war schlecht.

David verlangte mein Handy und die Schlüssel zu meiner Wohnung. Er warf einen Blick auf mein Gepäck, welches schon zuvor von Edward sorgfältig aussortiert worden war, sodass nur eine kleine gefüllte Reisetasche übrig geblieben war. Die Limousine bot Raum für zehn Personen, ich nahm neben David in der hintersten Reihe Platz. Mir gegenüber saß ein von auffallender Schönheit gezeichneter Mann, den ich noch nicht kannte. Er wurde mir als »Keathan« vorgestellt, Santiagos Anwalt, der nicht nur alle juristischen Angelegenheiten für ihn erledigte, sondern auch für seine Finanzen zuständig war. Keathan war wie Santiago ein eher südländischer Typ, vielleicht etwas muskulöser, aber trotzdem schlank. Seine mittelbraunen Haare trug er in lockeren, knapp kinnlangen Wellen.

Die Reihe davor teilten sich Edward und Marcus. Während der Fahrt musste ich ständig Keathan ansehen ... wie er sich mit David unterhielt. Wenn er lachte, sah er hinreißend aus. Er hatte beneidenswert perfekte Zähne. Seine Aufmerksamkeit galt jedoch David. Auf mich wirkte er fast ein wenig abweisend.

Als wir vor der Justizanstalt hielten, wurden alle wieder sehr ernst. David nahm mich an der Hand und auch Keathan stieg mit den beiden anderen Männern aus. Edward ergriff meinen Oberarm, hielt mich fest und blieb mit mir beim Wagen stehen. Ich fragte mich, warum keiner mit mir sprach, ich war doch kein kleines Kind ... Wenn sie wollten, dass ich hier stehen blieb, so konnte ich das auch allein. Man musste mich nicht ständig halten.

David und Keathan gingen über den Vorplatz zum Eingang der Anstalt. Wir warteten nicht lange. Keine fünf Minuten später öffnete sich das große Elektrotor und Santiago trat begleitet von zwei Wachbeamten hindurch. Er trug eine lockere weiße Hose, ein weit aufgeknöpftes weißes Hemd ... und Handschellen. Diese wurden jedoch sofort geöffnet und die beiden Beamten machten auf der Stelle kehrt und verschwanden wieder in der Anstalt.

Santiago sah mich kurz an, dann ging ihm David als Erster entgegen und Santiago schloss ihn in seine Arme. Er hielt ihn innig fest und küsste ihn ... auf den Mund. Es war kein freundschaftlicher Kuss, er dauerte lange, war sehr gefühlvoll und beide schienen es zu genießen. Erschrocken holte ich tief Luft. Santiago sollte schwul sein? Oder besser gesagt bi? Ihre Körper schmiegten sich aneinander und es war für mich ein äußerst gewöhnungsbedürftiger Anblick. Als David von ihm wieder zurückwich, wirkte er sichtlich aufgelöst ... zittrig fuhr er sich durch die Haare und drehte sich zur anderen Seite. Erst jetzt registrierte ich, dass die durch die Haft bedingte Trennung auch ihn belastet hatte. Dann streifte Santiago durch Keathans schöne Locken und küsste ihn ebenfalls leidenschaftlich ... genau auf dieselbe Weise. David stand dabei neben Santiago und hatte eine Hand auf dessen Schulter gelegt, so, als wollte er ihn nie wieder verlieren. In dem Moment war ich mir gar nicht mehr sicher, ob Santiago überhaupt noch Liebe für ein weibliches Wesen übrig haben konnte.

Doch dann kamen alle drei auf uns zu und mein Herz begann zu stolpern. Je weiter sich Santiago näherte, umso erdrückender wirkte seine Schönheit auf mich. Ganz in weiß war es sogar nahezu unerträglich. Ich kratzte mich zum Schein in meinen Haaren, um mir unauffällig eine Hand vors Gesicht halten zu können und mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Meine Knie wurden weich und jetzt war ich dankbar, dass mich jemand hielt. Doch plötzlich ließ mich Edward los. Santiago stand bereits vor mir und nahm mir meine schützende Hand aus dem Gesicht. Mit einer gekonnten Bewegung bog er sie hinter meinen Rücken. Seine andere Hand griff zärtlich an meine Wange. Ich sah zu ihm auf und konnte ein kleines Lächeln an seinen Mundwinkeln erkennen ... sein Kopf legte sich leicht schräg und seine geschmeidigen Lippen berührten meine. Im selben Augenblick gaben meine Knie nach und ich wurde ohnmächtig.

***

Als ich wieder erwachte, lag ich auf der hinteren Bank der Limousine, gegenüber von Santiago und Keathan. Ich hatte meinen Kopf in Davids Schoß und fühlte seine Hand an meiner Schulter. David merkte sofort, dass ich aufgewacht war und half mir in eine aufrechte Sitzposition. Er gab mir ein Glas Wasser ... Ich richtete mein Kleid und legte meine langen Locken auf die andere Seite. Ich sah zu Santiago, der ganz entspannt vor mir saß und mich anlächelte. Er brachte mich in Verlegenheit und seine wunderschöne Hand auf seinem Oberschenkel wirkte so einladend auf mich, dass ich nicht mehr widerstehen konnte ... So lange hatte ich es herbeigesehnt, schon im Flugzeug musste ich mich stundenlang beherrschen, um es nicht zu tun. Ich wollte mir meine Gefühle nicht mehr verbieten und sank hinunter auf den Boden der Limousine, zwischen seine Beine, und legte meinen Kopf seitlich in seinen Schoß. Santiago strich durch meine Haare und hielt danach meine Hand fest. Ich sah dies als ein Zeichen von Einverständnis, dass ich hier so bei ihm bleiben durfte. Endlich hatte ich das Gefühl, nur ihm zu gehören. Vergessen waren all die Vorwürfe der Justiz gegen ihn. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass er mir oder irgendeiner anderen Frau etwas antun könnte. Alles, was ich spürte, war meine Ergebenheit ... und seine Liebe ... als würde sie durch seine warme Hand in mich strömen.

Mit einem winzig kleinen Teil meines Herzens musste ich an Tyler denken, meinen Ex-Freund. Nie im Leben hätte er mir dieses Gefühl geben können. Tyler war aus wohlhabendem Elternhaus, er studierte Kunstgeschichte und man konnte ihn durchaus als Mädchenschwarm bezeichnen, denn er sah auch verdammt gut aus und rein optisch passten wir perfekt zusammen. Mit seiner anständigen und braven Art wäre er bestimmt der Traum jeder Schwiegermutter gewesen. Zudem hatte er noch diese eigenwillige Vorstellung von edler Keuschheit, also kein Sex vor der Ehe. Eifersucht war eines seiner wenigen Laster und auch der Hauptgrund, warum er vor meiner Abreise nach Paris mit mir Schluss gemacht hatte. Auf der einen Seite war er so schüchtern und zurückhaltend, dass er sich mir gegenüber nie traute, seine Meinung zu sagen ... gleichzeitig konnte ich deutlich beobachten, wie sehr es ihn verletzte, wenn andere Männer ein Auge auf mich hatten. Meistens war ich diejenige, die in unserer Beziehung sämtliche Entscheidungen traf, obwohl ich vier Jahre jünger war als er. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass er mir ein Mal sagte, wo es langging, dass er mit der Faust auf den Tisch schlug, wenn er verärgert war und dass er seine Stimme gegen mich erhob, wenn ich im Unrecht war. Ich hätte zu ihm aufsehen und ihn als richtigen Mann respektieren wollen, aber es gelang mir nicht. Teilweise hatte ich ihn sogar schon provoziert ... ohne Erfolg. Er blieb ruhig und sanft, bereit, selbst zurückzustecken für all meine Wünsche und Ideen. Umso mehr überraschte es mich, dass er es schließlich doch übers Herz brachte, unsere Beziehung so abrupt zu beenden und sich von dem Leid mit mir zu befreien. Seine Offenbarung war geradezu mitleidserregend, dennoch konnte ich seine Tränen nicht erwidern. Vermutlich wäre es ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen ...

Santiago war anders. Er würde mit mir umgehen können, dessen war ich mir ganz sicher. Ich war förmlich besessen von meiner Erinnerung an unsere intime Szene im Flugzeug, von seiner kräftigen Hand in meinem Nacken, wie er mich an den Haaren riss und bewegungsunfähig machte ... als hätte er es nötig gehabt, mir seine Liebe aufzuzwingen. Allein der Gedanke daran ließ mich tiefer atmen und meine schöne Stellung zwischen seinen Beinen erst so richtig genießen.

Manchmal bedeckte er meine freiliegende Gesichtshälfte mit seiner ganzen Hand ... minutenlang ... Dann streichelte er wieder durch meine Haare. Irgendwann ergriff er meine Handgelenke und hielt sie fest. Ich sah zu ihm auf und bemerkte, wie wundervoll fremd mir sein schönes Gesicht noch war. Mein gedankliches Bild von ihm war in den letzten zwei Wochen doch etwas vom Original abgewichen. Jetzt mochte ich besonders die kleinen Falten um seinen Mund, die jeder Mimik einen intensiveren Ausdruck gaben und sich bei seinem nach unten gezogenen Lächeln tief in die Haut gruben. Ich war fasziniert von seinen schwarzen Haaren, die er genau wie letztes Mal streng nach hinten gekämmt trug, und die gemeinsam mit seinen markanten Augenbrauen die erhabene Strenge in sein Antlitz zauberten. Einzig seine großen dunklen Augen und die langen hübschen Wimpern waren die Verräter in seinem Gesicht, denn sie verwandelten jeden langsamen Augenaufschlag in einen Akt der Verführung ... vermutlich auch gegen seinen Willen.

Santiago übergab meine Handgelenke an David, der hinter mir saß und sie an meinen Rücken führte. Er hielt sie kurz fest und gab mir damit zu verstehen, dass ich so verharren sollte. Noch immer sah ich zu Santiago auf. Er legte seine warme Handfläche auf mein Gesicht, hielt mir die Augen zu, bedeckte meine Nase, meinen Mund. Er streichelte über meine Kehle, ergriff meinen ganzen Unterkiefer und drückte ihn kräftig. Mit der anderen Hand massierte er gleichzeitig meinen Hinterkopf. Santiago durfte mich überall berühren ... und so lange er wollte ... Aber, obwohl ich mit einem aufreizenden Dekolleté, das bis zu meinem Bauchnabel reichte, halb nackt vor ihm kniete, beschränkte er sich einzig auf mein Gesicht und meine Haare. Es erregte mich so sehr, ihm dabei in die Augen zu sehen, dass sich mein Mund öffnete und ich nur noch schwerfällig atmen konnte. Er spielte mit meinen Lippen, strich gefühlvoll mit seinem Daumen darüber und sie folgten geschmeidig seinen Bewegungen. Zwischen uns herrschte übereinstimmendes Schweigen und ich war so sehr auf ihn fixiert, dass ich Keathan daneben gar nicht wahrnahm. Immer wieder, wenn meine Erregung zu groß wurde, riss er mich an den Haaren in meinem Nacken, sodass ich nur noch den Himmel der Limousine im Blickfeld hatte und mich mit meinen Händen auf Davids Schuhen abstützen musste. Schließlich legte er meinen Kopf wieder in seinen Schoß und für den Rest der Fahrt bedeckte seine Hand mein Gesicht. Einzig sein kleiner Finger verlangte nach Einlass an meinen Lippen ... und genau damit hatte er meine gesamte Aufmerksamkeit für sich gebucht. Meine Erregung empfand ich schon fast als anstrengend ... bis wir endlich den Hafen von Fort Lauderdale erreichten.

David half mir hoch, jedoch meine Beine schliefen noch und ich knickte ein. Er gab Edward die Anweisung, mich zu tragen, wofür ich wirklich dankbar war, denn mit meinen High Heels hätte ich mich auf dem Holzsteg verdammt schwer getan. Gleich am ersten Pier, ganz weit draußen, lag Santiagos Yacht. »Seine Kleinste, die nur der Überfahrt dient«, erklärte mir Edward.

Santiago wollte selbst steuern und ich fand einen Platz zwischen Edward und Marcus. Meine langen gewellten Haare wehten im Fahrtwind und die Luft fühlte sich plötzlich kühler an. Edward legte schützend seinen Arm um mich und spendete mir Wärme. Ich überlegte, ob Santiago möglicherweise eifersüchtig sein würde, aber vertraute schließlich darauf, dass die Jungs wussten, was sie taten. Die Dämmerung brach über uns herein und das Boot glitt ruhig über die flache See. Santiago zündete sich eine Zigarette an und machte es sich im Kapitänssessel bequem ... Genau so hatte ich ihn mir immer vorgestellt ... den Mann meiner Träume.

Einmal drehte er sich kurz nach mir um und seiner Aufmerksamkeit entging natürlich nicht, dass Edwards Arm noch immer auf meinen nackten Schultern ruhte. In der Sekunde verbitterte sich sein Gesichtsausdruck, seine Augen formten flache Schlitze und ich hatte fast den Eindruck, dass er die Ohren etwas nach hinten zog, als würde er sie anlegen. Es genügte dieser eine Blick und Edward nahm seinen Arm von mir. Mein Herz klopfte, ich wollte doch nichts falsch machen. Edward war sauer und trotzig, er biss sich auf die Lippen, sah demonstrativ zur anderen Seite und seufzte.

»Steh auf!«, befahl ihm Santiago mit leicht gereizter Stimme, und inhalierte seine Zigarette.

Edward gehorchte ihm.

»Wenn du schon etwas tun willst, dann zieh dein Sakko aus, gib es ihr und verzieh dich unter Deck!«

Ich nahm verängstigt sein Sakko, wickelte mich ein und setzte mich wieder ... einen halben Meter von Marcus entfernt. Santiago machte erneut einen Zug an seiner Zigarette und sah mich verächtlich an. Ich hatte doch gar nichts getan! Wenn mir doch nur einer die Regeln erklärt hätte! Edward durfte vier Tage rund um die Uhr an meinem Leben teilhaben, auf meiner Couch schlafen, mich tragen, aber seinen Arm durfte er offenbar in Santiagos Gegenwart nicht um mich legen ...

Ivory - Insel deiner Träume

Nach einer knappen Stunde Bootsfahrt erschien am Horizont ein flacher Palmenhügel. Santiagos Insel. Sie war gar nicht so klein, wie man sich eine Privat-Insel vorstellte. Während wir uns näherten, nahm sie beachtliche Ausmaße an. Sie verfügte über eine traumhafte, gebogene Bucht mit weißem Sandstrand und regelmäßig angeordneten Palmen. Dahinter ragte ein sanfter Hügel mit gemischter Vegetation empor. Santiago drosselte die Geschwindigkeit und streckte seine Hand nach mir aus. Ich stand auf und er nahm mir Edwards Sakko ab. Sein starker Arm schlang sich um meine Taille und berührte dabei die nackte Haut in meinem tiefen vorderen Ausschnitt. Stolz zeigte er mir seine Insel.

»Das ist Ivory ...«, mit der Zigarette in der anderen Hand machte er eine weitläufige Bewegung, »... die Insel deiner schlimmsten Träume!« Grinsend und erwartungsvoll sah er in mein Gesicht, um sich kurz darauf selbst zu korrigieren: »... schönsten Träume ... wollte ich natürlich sagen!«

Verlegen lächelte ich ihn an.

Er küsste mich auf die Wange und flüsterte: »Träume mit dir können nur schön sein, Miss FHM!«

Ich fühlte mich zutiefst geschmeichelt und fragte mich, ob er wohl auch – oder zumindest nur ansatzweise – so sehr in mich verliebt war, wie ich in ihn. Er drückte mich an sich und ich schmiegte glücklich die Stirn an seinen Hals ...

Wir steuerten auf den einzigen Steg zu, der unweit der Sandbucht ins Meer ragte. Von dort aus führte ein steiniger, breiter Weg hinauf zu einer riesigen, modernen Villa. Sie war weiß, mit großen hohen Glasfronten, grundsätzlich rechteckig, aber in zwei Stufen versetzt in den Hang hineingebaut. Erdgeschoss und erster Stock bildeten die untere Stufe, darüber thronte ein gläsernes Penthouse.

Als wir den Steg betraten, nahm mich Santiago zur Seite. »Zeig mir deine Handgelenke!«, forderte er.

Etwas verwundert drehte ich meine Handflächen nach oben und sah ihn fragend an.

Mit einer Fingerspitze strich er meine Unterarme zärtlich auf und ab. »Willst du immer noch mir gehören?«, fragte er mit samtiger Stimme und einem Augenaufschlag, dem ich nie im Leben hätte widerstehen können.

Ich nickte.

Santiago zog mein Kinn zu sich heran und versetzte mir mit einem sanften Kuss auf meine Lippen einen Stich in mein Herz, der mir den Atem raubte. Ein plötzlich auftretendes Schwindelgefühl kündigte schon wieder eine kurz bevorstehende Ohnmacht an. Nur am Rande konnte ich beobachten, wie er hinter sich griff und einen dünnen schwarzen Schal von Marcus’ Hals zog. Er legte zwei Achterschleifen um meine Handgelenke und umfasste den entstandenen Knoten in der Mitte fest mit seiner rechten Hand.

»Wie fühlt sich das für dich an?«, fragte er neugierig.

Ich blickte betroffen auf meine Hände und kämpfte noch immer gegen mein Schwindelgefühl, das mir auch die Sprache verschlagen hatte. Santiago wartete kurz, dann legte er seine freie Hand auf meine Wange und hauchte in mein gegenüberliegendes Ohr: »Ich weiß, dass es sich gut für dich anfühlt ... Das wird dir helfen, es zu spüren ...«

Mein Herzklopfen nahm gar kein Ende und mein Atem drohte jedes Mal zu kollabieren, wenn er mir so nahe kam. Endlich gingen wir los. Die Männer hatten das Boot befestigt, einer trug meine Tasche und Santiago zog sanft an meinen Handgelenken. Ich musste mich bei jedem einzelnen Schritt konzentrieren, um nicht zu stolpern. Die Bretter auf dem Bootssteg hatte ich glücklich überstanden und gerade als ich aufatmen wollte, fiel mein Blick auf den steinigen Weg, der zum Haus hinaufführte. Santiago ging etwas zu schnell für mich und die unförmigen Steine gaben mir kaum Halt unter den Füßen. Meine Hände hatte ich seitlich zu ihm gestreckt, damit er bequem gehen konnte. Alle Männer rund um mich hielten locker Schritt, aber meine Stöckel sanken immer wieder ein und der grobe Kies raubte mir das Gleichgewicht.

»Warte ...«, machte ich mich bemerkbar. »Du gehst zu schnell!«

Santiago hielt kurz an, küsste mich auf die Schläfe und raunte: »Nicht sprechen!« Dann ging er einfach weiter.