Tiroler Heimat 88 (2024) -  - E-Book

Tiroler Heimat 88 (2024) E-Book

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Beschreibung

Dieser Band der Tiroler Heimat präsentiert neueste Forschungen vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart. Der Themenschwerpunkt gilt dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit mit Beiträgen u.a. zu aktuellen Ergebnissen der Erforschung von Hof und Verwaltung sowie den Bauernkriegen. Der diesjährige Band der Tiroler Heimat präsentiert in elf Beiträgen neueste Forschungen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Der Themenschwerpunkt gilt dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Hier werden Ergebnisse aktueller Forschungsprojekte vorgestellt, so aus den Projekten zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol, zu den Tiroler Burginventaren, zur historischen Waldstreunutzung und zum Tiroler Bergbau. Ferner wird das Jubiläum 500 Jahre Bauernkriege mit zwei umfangreichen Aufsätzen gewürdigt. Ein grundlegender Beitrag widmet sich Grundsteuer und Kataster in Tirol. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Gregorianischen Kalenderreform sind Thema eines weiteren Aufsatzes. In die neuere Geschichte führen Darstellungen zum Handel mit Tiroler und Kärntner Granat im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert und zu Frontreisen ehemaliger Soldaten des Ersten Weltkriegs. Rezensionen und ein kurzes Forum runden den Band ab. Inhalt (Titel gekürzt): Markus Debertol/Nadja Krajicek: Mehr als nur Räte und Kanzler – eine Datenbank zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol | Erika Kustatscher: Dienstethos auf dem Prüfstand | Martin Schennach: Frauen und Bauernkrieg in Tirol | Wilfried Beimrohr: Die Grundsteuer in Tirol und ihre Kataster | Elisabeth Tangerner: Geschriebene Räume. Tiroler Burginventare als Quellen für Raumstruktur und –nutzung | Hansjörg Rabanser: Die zehn "hinweg geworffen" Tage | Roman Lamprecht u. a.: Der Bergbau im Spiegel des Verleihbuchs der Rattenberger Bergrichter von 1460–1463 | Elisabeth Gruber Tokić u. u.: Spuren historischer Verflechtung im Kontext von Namenzusätzen in Personennamen | Maximilian Gröber u.a.: Zur Rekonstruktion historischer Waldstreunutzung in Tirol um 1850 | Roland Köchl u. a.: Von Handelswegen, Personen- und Warenverkehr | Lukas Spielmann: Von Schlachtfeldreisen und Pilgerfahrten

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Seitenzahl: 728

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsübersicht

Editorial

Aufsätze

MARKUS DEBERTOL, NADJA KRAJICEK-SEIDL

Mehr als nur Räte und Kanzler – eine Datenbank zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol

ERIKA KUSTATSCHER

Dienstethos auf dem Prüfstand: Die Amtsträger der Fürstbischöfe von Brixen im Jahrzehnt vor dem Bauernkrieg

MARTIN P. SCHENNACH

„Ich will paldt zu euch kumen und fraw im hauß sein, ir müest auff den perg gen und peyrin sein.“

Frauen und Bauernkrieg in Tirol

WILFRIED BEIMROHR

Die Grundsteuer in Tirol und ihre Kataster – Von den mittelalterlichen Feuerstättenverzeichnissen bis zum Theresianischen Kataster von 1784

ELISABETH TANGERNER

Geschriebene Räume: Tiroler Burginventare als Quellen für Raumstruktur und -nutzung

HANSJÖRG RABANSER

Die zehn „hinweg geworffen“ Tage. Zur Umsetzung der Gregorianischen Kalenderreform in Tirol (1583)

ROMAN LAMPRECHT, JULIA HAAS, ELISABETH GRUBER-TOKIĆ, MILENA PERALTA FRIEDBURG

Der Bergbau im Spiegel des Verleihbuchs der Rattenberger Bergrichter von 1460–1463: Montanarchäologische Prospektionen im Revier Silberberg (Gem. Reith im Alpbachtal), Holzalm/Graßberg (Gem. Wildschönau) und dem Kundler Berg

ELISABETH GRUBER-TOKIĆ, GERALD HIEBEL, MILENA PERALTA FRIEDBURG, BRIGITTE DANTHINE, ANDREA MUSSMANN

„Haintz král von prickslegk, Steffan Herman von passaw“.

Spuren historischer Verflechtung im Kontext von Namenszusätzen in Personennamen

MAXIMILIAN GRÖBER, LUKAS MÜLLER, ROMAN SCHROTT, KURT SCHARR, ALOIS SIMON, GERHARD MARKART, KLAUS KATZENSTEINER, GERTRAUD MEISSL, CLEMENS GEITNER

Vom Wald auf den Acker, aber nicht mehr zurück. Zur Rekonstruktion historischer Waldstreunutzung in Tirol um 1850

ROLAND KÖCHL, BIANCA ZEROBIN, SIMON WAGNER

Von Handelswegen, Personen- und Warenverkehr: Der Tiroler und Kärntner Granat im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert

LUKAS SPIELMANN

Von Schlachtfeldreisen und Pilgerfahrten: Frontreisen ehemaliger k. u. k. Soldaten der Südwestfront des Ersten Weltkriegs zwischen 1918–1938 in Tirol und Vorarlberg

Forum

CHRISTINA ANTENHOFER

Wechsel bei der Tiroler Heimat: Ein Dank an Richard Schober und Mercedes Blaas

NADJA KRAJICEK-SEIDL

Große Fußstapfen

BRIGITTE MAZOHL, WOLFGANG MEIXNER

Wissenschaftliche Oberrätin i.R. Dr. Marianne Zörner †

Besprechungen(bearb. von Barbara Denicolò)

Christina Antenhofer, Die Familienkiste. Mensch-Objekt-Beziehungen im Mittelalter und in der Renaissance (GABRIEL ZEILINGER)

Stift Stams. Ein Tiroler Juwel mit wechselvoller Geschichte, hg. von Michael Forcher (TOBIAS PAMER)

La signoria rurale nell’Italia del tardo medioevo. Le signorie trentine, hg. von Marco Bettotti / Gian Maria Varanini (TANJA SKAMBRAKS)

Zeit des Umbruchs. Salzburg unter Leonhard von Keutschach und Matthäus Lang (1495–1540). Ergebnisse der internationalen Fachtagung von 11. bis 12. Juni 2019 in Salzburg, hg. von Peter F. Kramml / Thomas Mitterecker (BARBARA DENICOLÒ)

In fürstlicher Nähe – Ärzte bei Hof (1450–1800), hg. von Marina Hilber / Elena Taddei (BARBARA DENICOLÒ)

Julian Lahner, Stände & landesfürstliche Herrschaft. Die Tiroler Landschaft im Aufgeklärten Absolutismus der Habsburgermonarchie (1754–1790) (ERIKA KUSTATSCHER)

Margareth Lanzinger / Raffaella Sarti, Eine Löwin im Kampf gegen Napoleon? Die Konstruktion der Heldin Katharina Lanz (ANDREAS OBERHOFER)

Das Tagebuch von Leo Thun-Hohenstein (1825–1842). Einblicke in die Jugendjahre des späteren Ministers für Cultus und Unterricht, hg. von Michael Prokosch / Sieglinde Kapferer (ERIKA KUSTATSCHER)

Lothar Höbelt, „Größter Fehler ist nervös zu werden“. Seipel, der „Bürgerblock“ und die „Genfer Sanierung“ 1922 (SEVERIN HOLZKNECHT)

Robert Obermair, Oswald Menghin. Science and Politics and the Age of Extremes (PETER ROHRBACHER)

Der Bauhof Haiming 1941–45. Eine historisch-archäologische Dokumentation. Zwischen Wasserkraftwerk „Ötz Unterstufe“ und Windkanal „Baustelle Inn“, hg. von Harald Stadler (LUITGARD LÖW)

Thomas Hanifle, Frauen im Kriegsdienst. Südtirolerinnen bei Wehrmacht und SS (EvA PFANZELTER)

„… dass die Codices finanziell unproduktiv im Archiv des Stiftes liegen“. Bücherverkäufe österreichischer Klöster in der Zwischenkriegszeit, hg. von Katharina Kaska / Christoph Egger (URSULA STAMPFER)

Richard Schober, Der österreichische „Ständestaat“ und die europäischen Mächte. Von der Machtübernahme Hitlers zum Juliabkommen (1933–1936) (DANIELE TORO)

Michael Kasper, Das Montafon unterm Hakenkreuz (NIKOLAUS HAGEN)

Carry van Bruggen, Tirol. Reiseimpressionen (MARKUS ENDER)

Religion in den Bergen. Sakrale Orte, Heiligtümer, Performanz, Mythos und Alltagsleben, hg. von Michael Kasper / Robert Rollinger / Andreas Rudigier / Josef Wiesehöfer (MARTIN RÖTTING)

Werner Bätzing, Das Landleben. Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform (MARTIN KNOLL)

Niederösterreich im 19. Jahrhundert. Band 1: Herrschaft und Wirtschaft. Eine Regionalgeschichte sozialer Macht. Band 2: Gesellschaft und Gemeinschaft. Eine Regionalgeschichte der Moderne, hg. von Oliver Kühschelm / Elisabeth Loinig / Stefan Eminger / Willibald Rosner (HANS HEISS)

Abstracts

Autorinnen und Autoren dieses Bandes

Editorial

Der diesjährige Band der Tiroler Heimat präsentiert in elf Beiträgen neueste Forschungen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Der Themenschwerpunkt gilt dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Hier werden Ergebnisse aktueller Forschungsprojekte vorgestellt, so aus den Projekten zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol, zu den Tiroler Burginventaren, zur historischen Waldstreunutzung und zum Tiroler Bergbau. Ferner wird das Jubiläum 500 Jahre Bauernkriege mit zwei umfangreichen Aufsätzen gewürdigt. Ein grundlegender Beitrag widmet sich Grundsteuer und Kataster in Tirol. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Gregorianischen Kalenderreform sind Thema eines weiteren Aufsatzes. In die neuere Geschichte führen Darstellungen zum Handel mit Tiroler und Kärntner Granat im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert und zu Frontreisen ehemaliger Soldaten des Ersten Weltkriegs. Rezensionen und ein kurzes Forum runden den Band ab.

Den Auftakt machen MARKUS DEBERTOL und NADJA KRAJICEK-SEIDL mit ihrem Beitrag zum Digital Humanities Projekt SiCProD, einer prosopographischen Datenbank zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol.1 Das Projekt erfasst alle Personen, die dort zwischen 1439 und 1490 tätig waren, und visualisiert Karrierewege sowie familiäre und andere Beziehungen. Der Aufsatz gibt erste Einblicke in die Datenbank anhand exemplarischer Beispiele. Zwei weitere Aufsätze führen aus aktuellem Anlass des 500-Jahre-Jubiläums in Aspekte der Bauernkriege im Tiroler Raum ein. ERIKA KUSTATSCHER behandelt das Dienstethos der Amtsträger der Fürstbischöfe von Brixen im Jahrzehnt vor dem Bauernkrieg. Aus reichen Quellenbelegen skizziert sie Fallbeispiele, die insbesondere auch in die Hintergründe der Geschehnisse einführen und mitunter seltene Aspekte der „Perspektive von unten“ erkennen lassen. MARTIN P. SCHENNACH nimmt sich der von der Forschung vernachlässigten Situation der Frauen in und um den Bauernkrieg in Tirol an. Insbesondere geht er der Frage nach, ob und inwiefern sich Frauen aktiv an den Revolten beteiligten. Dabei kann er aufzeigen, dass Frauen signifikant von den Bauernunruhen in verschiedenen Rollen betroffen waren: als aktiv Partizipierende, als Mitglieder sozialer und kommunikativer Netzwerke sowie als Beobachterinnen und Kontaktpersonen. In weiter Perspektive lotet WILFRIED BEIMROHR sodann die Geschichte der Grundsteuer in Tirol und ihrer Kataster vom Mittelalter bis zum Theresianischen Kataster 1784 aus. Der Fokus liegt vor allem auf den Besonderheiten des Tiroler Landsteuersystems. Die vielen Probleme, insbesondere die konstante Weigerung der südlichen Regionen, die Steuer zu bezahlen, konnten erst mit der Steuerreform Maria Theresias umgesetzt werden, die 1770 begonnen und erst vier Jahre nach ihrem Tod 1784 abgeschlossen wurde.

ELISABETH TANGERNER präsentiert mit ihrem Beitrag anschließend neue Zugänge zur Geschichte der Burgen in Tirol. Ausgehend vom laufenden FWF-Projekt zu Tiroler Burgeninventaren, das an den Universitäten Salzburg und Innsbruck umgesetzt wird, stellt sie erste Ergebnisse zum Potenzial der Inventare als Quellen für Raumstruktur und -nutzung vor. HANSJÖRG RABANSER widmet sich anschließend der Umsetzung der Gregorianischen Kalenderreform in Tirol (1583). Die Änderungen wurden nur zögerlich durchgeführt. In Tirol arbeiteten die Beamten seit Sommer 1582 an der Umsetzung, waren aber mit Bedenken, Kritik und Ängsten konfrontiert. Letztlich wurde die Reform in Tirol erst am 23. September 1583 implementiert. Weitere Beiträge liefern Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten. ROMAN LAMPRECHT, JULIA HAAS, ELISABETH GRUBER-TOKIĆ und MILENA PERALTA FRIEDBURG skizzieren Befunde zum Bergbau im Spiegel des Verleihbuchs der Rattenberger Bergrichter von 1460–1463. Ziel war es dabei, die dokumentierten Örtlichkeiten mit erhaltenen Spuren von Bergbau in Beziehung zu setzen. Zu diesem Zweck wurden montanarchäologische Prospektionen im Revier Silberberg, Holzalm/Graßberg und dem Kundler Berg umgesetzt. Leider waren die Angaben im Verleihbuch jedoch häufig zu ungenau, um sie mit den Prospektionen in Verbindung setzen zu können. Dennoch konnten umfangreiche Kartierungen vorgenommen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit linguistischer sowie historisch-archäologischer Forschung getestet werden. In einem zweiten Beitrag aus dem Kontext des T.M.M.M.T. (Text Mining Medieval Mining Texts) Projekts zum Tiroler Bergbau geht ein Team aus Autorinnen und Autoren den Spuren historischer Verflechtung im Kontext von Namenszusätzen in Personennamen nach. ELISABETH GRUBER-TOKIĆ, GERALD HIEBEL, MILENA PERALTA FRIEDBURG, BRIGITTE DANTHINE und ANDREA MUSSMANN untersuchen die rechtlichen Beziehungen zwischen Individuen, Verleihungen und Bergbaugebieten im historischen Tirol. Dabei werden Namensuffixe in historischen Personennamen analysiert, um daran die historische Mobilität der im Bergbau tätigen Personen zu visualisieren, die sich im Verleihbuch abbildet.

MAXIMILIAN GRÖBER, LUKAS MÜLLER, ROMAN SCHROTT, KURT SCHARR, ALOIS SIMON, GERHARD MARKART, KLAUS KATZENSTEINER, GERTRAUD MEISSL und CLEMENS GEITNER widmen sich in ihrem Beitrag der historischen Rekonstruktion historischer Waldstreunutzung in Tirol um 1850. Sie präsentieren Ergebnisse eines interdisziplinären Projekts auf der Basis von Waldbeschreibungen aus dem Tiroler Landesarchiv. Die Zusammenschau historischer und geoinformatischer Methoden erlaubt es, die Folgen der Waldnutzung über die letzten 200 Jahre nachzuzeichnen. In die Handelswege des 19. und 20. Jahrhunderts führt der Aufsatz von ROLAND KÖCHL, BIANCA ZEROBIN und SIMON WAGNER. Sie rekonstruieren die vernachlässigte Geschichte des Handels mit Tiroler und Kärntner Granat, einem spezifischen Mineral von rötlicher Farbe. Bis 1980 reicht diese Geschichte des Abbaus, Handels und der Bearbeitung von Granat in den östlichen Alpen, die im Rahmen eines von der ÖAW geförderten Projekts erschlossen werden konnte.

LUKAS SPIELMANN wendet sich im letzten Beitrag einer besonderen Form des Tourismus infolge des Ersten Weltkriegs zu, den Frontreisen ehemaliger k. u. k. Soldaten der Südwestfront in Tirol und Vorarlberg, die diese zwischen 1918–1938 durchführten und die teilweise den Charakter von Pilgerfahrten annahmen. Spielmann kann die weite Verbreitung dieser Schlachtfeldreisen in Österreich aufzeigen, die er entlang von Zeitungen, Zeitschriften und individuellen Publikationen untersucht.

Im abschließenden Forum widmen wir uns dem Wechsel im Team der Tiroler Heimat: NADJA KRAJICEK-SEIDL löst als neue Herausgeberin aus dem Tiroler Landesarchiv RICHARD SCHOBER ab, dem wir für seine verdienstvolle jahrzehntelange Arbeit für die Zeitschrift herzlich danken. Zugleich gibt auch die langjährige Lektorin MERCEDES BLAAS das Lektorat in neue Hände. Auch ihr danken wir für die wertvolle Zusammenarbeit und freuen uns, mit HARALD DUNAJTSCHIK als Lektor auch zeithistorische Expertise im Team gewonnen zu haben.

CHRISTINA ANTENHOFER / NADJA KRAJICEK-SEIDL

Errata corrige: In dem Beitrag „Zu Kontinuität und Bedeutung des Weilers Gratsch als Brennpunkt der frühen Siedlungsgeschichte des Hochpustertals“ in Tiroler Heimat 87, 2023, zeigt S. 57, Abb. 1 nicht den Weiler Gratsch, sondern die östlich davon gelegene Flur Rienz. Der Autor bedauert das Versehen.

 

________

1 Die folgenden Kurzzusammenfassungen beruhen auf den Abstracts der Autorinnen und Autoren.

Mehr als nur Räte und Kanzler – eine Datenbank zu Hof und Verwaltung unter Sigmund von Tirol

MARKUS DEBERTOL, NADJA KRAJICEK-SEIDL

1. Einleitung

Kein Landesfürst regiert allein! Jeder Herrscher musste und muss sich mit einer großen Anzahl von Leuten umgeben, vom Verwaltungspersonal angefangen über Bedienstete, Träger von Hofämtern usw. Das galt auch für (Erz-)Herzog Sigmund von Tirol (1439–1490), den letzten Vertreter der sogenannten älteren Tiroler Linie. Mit dem Beinamen „der Münzreiche“ ist er vielen Tirolerinnen und Tirolern bekannt, oft in erster Linie als Gründer der Münzprägestätte in Hall. Doch mit wem regierte er? Wer waren die Leute an seinem Hof? Wer verwaltete die über die Grenzen des heutigen Tirols hinausreichenden Gebiete?

In den Quellen liest man oft von einem Kanzler, einem Richter, einem Hofmeister, ohne aber ihre Namen zu kennen. Und wenn diese genannt werden, ergeben sich mitunter neue Fragen. Welche Stationen durchlief der Kammermeister Benedikt Wegmacher, bevor er zu einem der wichtigsten Finanzbeamten Tirols avancierte? Wie viele Trompeter gab es am Hof Sigmunds und wie viele davon hießen Hans? Wer machte Karriere in der Verwaltung? Wechselten Amtsträger ihre Stellen? Waren sie mitunter bereit, ihre nähere Heimat zu verlassen und in einem anderen Landesteil dem Landesfürsten zu dienen? Welche Ämter wurden in den Gerichten besetzt? Inwieweit kennen wir Frauen, die sich mit den Eliten anlegten oder am Hof ihren Dienst leisteten?

Abgesehen von oft älteren Lexikonartikeln, die sich meist nur mit wenigen Personen aus dem engsten Kreis höfischer Eliten befassen, kann es schwierig sein herauszufinden, wie die Karrierewege dieser Männer (und manchmal auch Frauen) aussahen, in welchen Netzwerken sie interagierten, welchen Einfluss die Frauen und ihr Umfeld hatten. Aber selbst einfache biographische Daten fehlen schlichtweg. Genau diesen Fragen versucht sich die Datenbank „SiCProD – Prosopographische Datenbank zu Hof und Verwaltung von (Erz-)Herzog Sigmund von Tirol“ zu nähern.1 Mit Quellen vorwiegend aus dem Tiroler Landesarchiv ist ein digitales Nachschlagewerk zum Hof und zur Verwaltung Sigmunds entstanden, welches die Grundlage für weitere Forschungen bietet und in diesem Beitrag präsentiert werden soll.

An dieser Stelle erfolgt daher zunächst eine Darstellung des Projekts. Wie in vielen prosopographischen Forschungen2 basiert die Datenbank zum Hof und zur Verwaltung Sigmunds vor allem auf Primärquellen, auf die im Folgenden eingegangen wird. Daraus ergibt sich die Frage, mit welchen Grenzen sich ein solches Erschließungsprojekt konfrontiert sieht. Im Sinne eines Werkstattberichts3 und um die aufgeworfenen Möglichkeiten wie Beschränkungen aufzuzeigen, werden im Anschluss exemplarisch einige Personen und Ämter aus der Datenbank herausgegriffen und kurz vorgestellt.

2. Vorstellung des Projekts (Datenbank)

Technisch basiert die Datenbank auf APIS (Austrian Prosopographical Information System), das ursprünglich zwischen 2015 und 2020 am Austrian Center for Digital Humanities and Cultural Heritage (ACDH-CH), einem Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, entwickelt wurde.4

Die Grundlage des Datenmodells für SiCProD bilden sechs Entitätstypen:

– Person

– Funktion/Amt

– Institution

– Ort

– Ereignis

– Zahlung

Diese Entitäten können durch beliebig zu definierende Relationen miteinander verbunden werden. So ist es etwa möglich darzustellen, dass eine Person zu einem gewissen Zeitpunkt ein bestimmtes Amt innehatte, indem zwischen der entsprechenden Personen-Entität mit der Funktions-Entität eine Relation angelegt und diese datiert wird.

APIS erfüllt einerseits alle wichtigen Anforderungen, die an moderne Tools der Digital Humanities gestellt werden: Die erfassten Daten lassen sich in mehreren gängigen Dateiformaten extrahieren, die Software ist unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht und alle Anpassungen, die im Zuge der Arbeit an SiCProD daran vorgenommen werden, können in künftigen Projekten weiterverwendet werden.

SiCProD selbst baut auf der APIS-Version auf, die für das Projekt „VieCPro – The Viennese Court. A prosopographical portal“ entwickelt wurde. In diesem unter der Leitung von Marion Romberg an der ÖAW durchgeführten Pilotprojekt wurde das Personal des Wiener Kaiserhofs zwischen 1657 und ca. 1835 in einer Datenbank erfasst, wobei auf Daten zurückgegriffen werden konnte, die bereits in vorherigen Forschungsprojekten gewonnen wurden.5

Im Vergleich zur VieCPro-Version von APIS waren allerdings einige Anpassungen vonnöten. Auf den Entitätstyp „Court“ etwa, mit dem bei VieCPro die Hofstaaten der wechselnden Monarchen voneinander abgegrenzt werden, konnten wir für dieses Projekt, das sich auf die Regierungszeit eines einzelnen Fürsten beschränkt, verzichten. Im Zentrum der erhobenen Daten stehen die Funktionen bzw. Ämter, die eine bestimmte Person zu einer festgelegten Zeit innehatte. Hier lässt sich anhand der verfügbaren Quellen aber nicht immer absolute Eindeutigkeit erreichen. Ein wenig Abhilfe schafft an dieser Stelle der im VieCPro-Datenmodell nicht vorgesehene Entitätstyp „Salary“, also Zahlung. Der Zuschnitt unseres Projekts ist zwar explizit kein wirtschaftshistorischer, weshalb der Zahlungsverkehr an sich nicht im Fokus steht. Sold- und Provisionszahlungen, wie sie in den Raitbüchern der landesfürstlichen Kammer aufgelistet wurden, sind aber auch prosopographisch aussagekräftig, zeigen sie doch bereits für sich genommen eine Verbindung des Zahlungsempfängers oder der Zahlungsempfängerin zum Hof, selbst dann, wenn die Rechnung keine explizite Funktionsbezeichnung enthält.

Wegen der Ambiguität der Quellen ist es vielfach nicht möglich, Personen eindeutig zu identifizieren. Diese Tatsache soll auch in der fertigen Datenbank nicht verheimlicht werden. Unsichere Zuordnungen sind daher als solche markiert.

3. Quellen für die prosopographische Forschung im Tirol des 15. Jahrhunderts

3.1 Urkunden

Urkunden zählen nicht nur zu den wichtigsten Quellen des Mittelalters, sondern spielen auch für die Prosopographie eine gewichtige Rolle. Von der klassischen Trias der Kaiser-, Papst- und Privaturkunden6 sind es vor allem Letztere, die nicht nur zahlenmäßig überwiegen, sondern wohl auch die meisten, modern würde man sagen „personenbezogenen“, Angaben zum Tiroler Hof enthalten. Da bezüglich der Forschungsfrage weniger diplomatische, sondern vielmehr inhaltliche Kriterien im Vordergrund stehen, soll die Unterteilung keine weitere Rolle spielen. Und je vielfältiger die Inhalte sind, desto breiter gefächert auch ihre Auswertungsmöglichkeiten.

Für eine prosopographische Arbeit sind es in Urkunden, wie auch in anderen Quellen, die genannten Personen, die im Fokus stehen. Ähnlich wie bei Titeln und Prädikaten wird als Beifügung auf ihre Funktion verwiesen, welche der entsprechende Amtsträger oder deutlich seltener die Amtsträgerin innehatte.

Als handelnde Person bzw. als Aussteller:in beginnt die Tätigkeit bei Sigmund im Idealfall mit einem Dienstrevers, mit dem ein angehender Amtsträger7 dem (Erz-) Herzog bestätigt, in dessen Dienste aufgenommen worden zu sein oder von nun an eine bestimmte Funktion zu bekleiden. Umgekehrt stellt auch Sigmund diesen Personen eine Bestallungsurkunde aus. Als Empfängerausfertigungen liegen diese seltener im Original vor, sondern eher als Konzepte oder abschriftlich in Registern. Diese Urkunden sind deshalb besonders wertvoll, weil sich mit ihrer Hilfe der Beginn einer Tätigkeit weitgehend genau datieren lässt.8

Manchmal als Aussteller, manchmal in ihrer Funktion in Urkunden Sigmunds oder anderer Personen findet man in den Urkundentexten zahlreiches Namensmaterial. Diese (fast ausschließlich) Herren tauchen in Quittungen auf, schließen Kaufverträge ab und erscheinen in Gerichtsurkunden, etwa als von Sigmund bestellte Kommissare. Manchmal werden sie auch als Gesandte vom (Erz-)Herzog bevollmächtigt, erhalten Instruktionen etc.

Aber auch bei verschiedensten Beurkundungsvorgängen selbst werden Amtsträger und Hofpersonal herangezogen. Sie werden etwa um eine Besiegelung einer Urkunde Dritter gebeten oder sind in Zeugenlisten genannt, die im 15. Jahrhundert vornehmlich bei Siegelbitten erforderlich waren.

Personen werden überdies mitunter in passiven Rollen genannt. So weist manch ein:e Aussteller:in auf eine Verwandtschaft mit einem Hofangehörigen hin. Insbesondere bei Frauen wird regelmäßig auf einen Verwandten Bezug genommen, andere nennen beispielsweise ihre Vorgänger in einem bestimmten Amt.

Aus einer Nennung lassen sich in der Regel zweierlei Schlüsse ziehen: Zum einen bekleidete diese Person zum Zeitpunkt der Beurkundung eine Funktion und hatte einen Titel, sei es ständisch oder akademisch. Es zeigen sich Beziehungen, Verwandtschaftsverhältnisse, Bezüge zu bestimmten Orten etc. Zum anderen war die Person zu diesem Zeitpunkt am Leben. Auf Verwandtschaftsverhältnisse oder Vorgänger wird ebenfalls Bezug genommen, wenn eine Person bereits verstorben ist, was häufig mit dem Zusatz „weilend“ gekennzeichnet wird. Da im 15. Jahrhundert noch keine kirchlichen Totenbücher geführt wurden, ist das oft ein sehr wertvoller Hinweis, mit dem man sich einem Todesdatum annähern kann.

3.2 Akten

Die klassische Aktenkunde beginnt zwar oft erst mit dem 16. Jahrhundert, doch etablierten sich Akten mit zunehmender Schriftlichkeit bereits spätestens im 15. Jahrhundert. Zur Veranschaulichung ein kurzer Vergleich: Für Sigmunds Vorgänger, seinen Vater Friedrich IV. (1406–1439), passen diese Akten heute in zwei Archivkartons, bei Sigmund sind es bereits um die 20 und bei seinem Nachfolger, Kaiser Maximilian I. (1486/1490–1519), der natürlich mit viel größeren Territorien und einer wesentlich umfangreicheren Handlungsfülle ausgestattet war, sind es in Innsbruck 43 Kartons.9 In Wien liegen dazu noch weitere 46. In der Überlieferung dieser „Akten“ handelt es sich jedoch eigentlich um sämtliches Archivgut, das keiner klassischen Originalurkunde oder einem Buch entspricht, sondern meist unbesiegelte – maximal mit einem Verschlusssiegel versehene – lose Blätter und Bögen umfasst. Auch bei der Provenienz zeigt sich eher ein Sammelsurium als eine geordnete Aktenablage, wie sie die Aktenkunde kennt.

Über Konzepte lassen sich etliche Handlungen Sigmunds erkennen, die Originalurkunden finden sich weit seltener in den Archiven. Einige wenige Landtagsakten lassen auf Handlungen und Teilnahmen an den regelmäßig einberufenen Versammlungen für die Bewilligung von Steuern schließen.10 Amtsträger sind aber mitunter auch verpflichtet, Berichte an Sigmund zu schicken, sei es von Gesandtschaftsreisen oder der Erfüllung diverser anderer Aufgaben. In Suppliken wenden sich Menschen an den Landesfürsten, um zu fast jedem Lebensbereich etwas zu erbitten. Die Amtsträger treten einerseits selbst als aktive Personen auf, ersuchen um eine Gehaltserhöhung, ausständige Zahlungen, eine Entlassung, um Unterstützung in diversen Streitigkeiten usw. Durch die hier bestehende Möglichkeit, sich über andere Personen zu beschweren, treten auch einige zwischenmenschliche Beziehungen zutage. Weit weniger feindselig sind solche in Korrespondenzen oder Briefen, die ebenso in diesen Aktenkonvoluten zu finden sind.

3.3 Amtsbücher

Als dritte bedeutende Archivaliengattung sind es die Amtsbücher, die sowohl in der Diplomatik als auch Aktenkunde Eingang gefunden haben und für prosopographische Forschungen herangezogen werden können. Als meist immobiles Schriftgut spiegeln sie die Verwaltung oder die schriftlichen Handlungen einer Behörde, einer Herrschaft oder auch einer Familie wider. Amtsbücher sind keineswegs eine neue Erscheinung des 15. Jahrhunderts, doch lassen sich in der Regierungszeit Sigmunds einige Entwicklungsschritte in Richtung einheitlicher Formalisierung und größerer Regelmäßigkeit ausmachen.11

In den in Tirol meist unter Kopialbüchern subsumierten Amtsbüchern12 sind es für die Regierungszeit Sigmunds weit mehr Register, welche das auslaufende Schriftgut dokumentieren. Dazu kommen weitere Kanzleibücher, Hofordnungen, Dienst- und Soldlisten. Inhaltlich ergänzen sie weitestgehend die Urkunden- und Aktenüberlieferung. Einige dieser Handschriften scheinen speziell zur kopialen Überlieferung angelegt worden zu sein, bei anderen handelt es sich eher um gebundene Konzeptsammlungen. Dazu zählt auch eine im wahrsten Sinne des Wortes gemeinte Einbindung von Originalen, Reinschriften oder Konzepten in Amtsbücher. Allesamt können die Schriften sowohl vollinhaltlich als auch in Form von Betreffen den wesentlichen Verwaltungsvorgang wiedergeben.

Rechnungsbücher zählen zweifelsohne zu den vielfältigsten Amtsbüchern im Spätmittelalter, die Material für zahlreiche Forschungsfragen bieten.13 Dazu gehört auch die Prosopographie.14 Die Einträge in den in der Tiroler Verwaltung als Raitbücher15 bezeichneten Codices sind oft sehr knapp und belegen in erster Linie eine Zahlung. Sie enthalten zwar sehr viele Namen und kurze Betreffe wie einen Verwendungszweck, eine Einbettung, Interpretation und Kontextualisierung, sind aber nicht immer leicht zu erfassen, wenn man die Hintergründe der jeweiligen Zahlungen nicht kennt. Auch bei Personennamen fehlen oft nähere Beschreibungen, Nachnamen oder Funktionsbezeichnungen oder man liest nur diese. Dennoch sind die Raitbücher gerade für Personen, die nicht der Elite am Hof oder im Land angehörten, häufig die einzige oder eine von wenigen Quellen.16 Dazu zählen die Inhaber von kleinen Funktionen am Hof, wie etwa Stallknechte, Köche oder Heizer. Außerdem ermöglichen die Raitbücher auch für bereits aus anderen Quellen bekannte Personen mittels der datierten Zahlungen der Kammer an sie eine genauere Eingrenzung des Zeitraums, an dem sie am Hof tätig waren.

4. Auswertungsmöglichkeiten und methodische Grenzen

Die Überlieferung, die uns im 15. Jahrhundert begegnet, ist für Tirol umfangreich. Doch welche Art von Informationen liefern uns die Quellen und welche nicht? Eine vollständige Rekonstruktion einer Hof- und Verwaltungsstruktur kann niemals möglich und daher auch nicht das Ziel sein.

Die erste große Einschränkung ist die Abhängigkeit von der Schriftlichkeit. Beziehungen am Hof, Ämtervergaben, etc. sind mit Sicherheit nicht immer verschriftlicht worden. Die mündliche Kommunikation, das persönliche Verhandeln, informelle Treffen und vieles mehr lassen sich kaum mehr nachvollziehen.

Die zweite Einschränkung ist die uns heute noch verfügbare Überlieferung.17 Mit Sicherheit hat sich nur noch ein Bruchteil dessen, was in der Zeit Sigmunds verschriftlicht wurde, bis in die Gegenwart erhalten. Am besten lagen die Überlieferungschancen wohl bei Sigmund selbst. Er verfügte zu seiner Zeit bereits über ein Archiv. Sein Hof und sein Verwaltungszentrum lagen in Innsbruck und dort ist es auch bei den nachfolgenden Tiroler Landesfürsten, eigentlich bis heute, geblieben. Bei Korrespondenzen, schriftlichen Aufzeichnungen abseits der Person Sigmund oder der Tiroler Verwaltung sieht es jedoch schlechter aus. Solche Unterlagen haben oft nur zufällig und lediglich zu einem geringen Anteil den Weg in staatliche Archive gefunden. Und selbst bei noch erhaltenen Privat- und Familienarchiven konzentriert sich die Überlieferung auf höhere adlige Familien.18 Daran schließt sich gleich eine weitere Schwierigkeit der Prosopographie an, nämlich die Arbeitsintensität durch die kaum bewältigbare Auswertung fast ausschließlicher Primärquellen.19

Und die dritte große Einschränkung ergibt sich aus dem Inhalt der Quellen. Wer kommt in den Quellen vor und wer verfasste sie? Soziale Stellung, Bildung, Geschlecht, um nur einige Beispiele zu nennen, beeinflussen die Hinterlassenschaft schriftlicher Spuren enorm. Arnold Esch schreibt in diesem Zusammenhang, dass in den Quellen des Mittelalters kaum Personen zu finden sind, die keine Probleme hatten oder verursachten.20 Insgesamt ist der ganze private Sektor stark unterrepräsentiert, haben wir es doch, wie bereits erwähnt, vor allem mit der Überlieferung eines Verwaltungsarchivs zu tun.

Eine auch für das Mittelalter wichtige Quelle kann auch nur am Rande zum Tragen kommen, weil sie numerisch im Quellencorpus nur eine untergeordnete Rolle spielt. Sie verstecken sich im Tiroler Landesarchiv bestenfalls in den Aktenbeständen: die Briefe.

Dieser Lücken und Grenzen muss man sich bewusst sein. Wir können nur auf die Quellen zurückgreifen, die wir haben – und es sind in anderen Belangen mehr, als zu bewältigen sind. Diese Quellen gilt es, egal ob Lücke oder Überangebot, so gut als möglich auszuwerten.

5. Beispiele für Karrieren und andere Einflussquellen am Hof

5.1 Benedikt Wegmacher – ein Geistlicher am Hof und in der Verwaltung

Die Datenbank erlaubt einen Zugriff über alle Entitäten, im Vordergrund stehen dennoch die Personen. Als Beispiel dient daher zunächst Benedikt Wegmacher, ein Geistlicher, der unter Sigmund bis in die höchsten Ebenen der Verwaltung vorstieß. Seine Herkunft ist bisher nicht geklärt. Von seinen zwei bekannten Brüdern Wolfgang und Lukas21 scheint sich Letzterer in Hall niedergelassen zu haben.22 Bereits 1448 fungierte Benedikt Wegmacher als Gesandter Sigmunds in Frankreich, um die Heiratsverhandlungen für die Ehe mit Eleonore von Schottland zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.23 1449 wurde er als Notar und Kleriker der Diözese Freising im Kloster Tegernsee beschrieben,24 1458 als Chorherr in Innichen.25 Spätestens 1454 fasste er in der Tiroler Finanzverwaltung Fuß, zunächst für ein gutes Jahr als Kammerschreiber.26 Wie der Name bereits sagt, war er dort für die Schreibgeschäfte der Kammer als Finanzbehörde zuständig.27 1457 ist er dann als Sekretär und Pfarrer von Tirol belegt,28 letztere Funktion behielt er fast 30 Jahre. 1458 übernahm er das Amt des Küchenmeisters und löste damit Ernst Rietenburger ab.29 Als Verantwortlicher für die herzogliche Küche stand ihm zahlreiches Hilfspersonal zur Seite und er hatte die Vorräte im Blick zu behalten sowie Bestellungen in Auftrag zu geben. Dazu gehörten auch Kostenvoranschläge und Rechnungen. Darüber hinaus hatte er wöchentlich dem Kammermeister und anderen Hofbediensteten Rechenschaft abzulegen.30 Wegmacher hatte damit auch hier mit den landesfürstlichen Finanzen zu tun.

Im Jahr 1460 vereinigte er als Kammermeister, dem er als Küchenmeister noch untergeordnet gewesen war, und Oberster Amtmann zwei der höchsten Finanzämter der Grafschaft Tirol in Personalunion,31 die zuvor Konrad Vintler32 bzw. Gerwig von Rotenstein33 innehatten, und stand damit für einige Jahre allein an der Spitze der Tiroler Finanzverwaltung.34 Häufig war das Verhältnis der jeweiligen Amtsträger nicht friktionsfrei, stammte der Kammermeister doch aus dem persönlichen Hofstaat des Herzogs, während der Oberste Amtmann eine Spitzenfunktion in der regionalen Finanzverwaltung einnahm.35 Das Kammermeisteramt trat Wegmacher 1463 ab – nur 1474 hatte er es übergangsweise für kurze Zeit noch einmal inne –,36 die Funktion als Oberster Amtmann behielt er bis 1471. Sein Nachfolger war Heinrich Anich.37 1478 erfolgte für die beiden Ämter eine klarere Kompetenzabtrennung: Der Oberste Amtmann verwaltete die Einnahmen, der Kammermeister die Ausgaben. Die Hofordnung von 1481 stellte den Amtmann schließlich über den Kammermeister.38

Die Karriere Wegmachers dürfte mit dem Ausscheiden aus der Finanzverwaltung ihren Zenit überschritten haben, er nahm aber noch an diversen Raitkommissionen am Hof teil.39 Auch Gesandtschaftsreisen, wie etwa 1460 als landesfürstlicher Vertreter beim Brixner Domkapitel, 1461 nach Venedig oder 1463 nach Bayern,40 scheint er kaum noch unternommen zu haben, und er wird nur hin und wieder als Rat41 betitelt. Pfarrer von Tirol blieb er jedoch bis Mitte der 1480er Jahre.42

5.2 Die zweite und dritte Reihe des Hofes – Inhaber von „kleinen“ Ämtern

Auch abseits der Machteliten lassen sich Biographien und Karrierewege von Hofangehörigen nachzeichnen, z. B. von Musikern. Ein solches Beispiel ist Hans Überlinger,43 der über 20 Jahre für die Hofmusik als Trompeter tätig war.44 Walter Senn identifiziert den „Überlinger“ als Hans Lang;45 allerdings scheint das keineswegs eindeutig zu sein, denn im selben Zeitraum sind noch weitere Trompeter aus Überlingen mit dem Vornamen Hans nachgewiesen.

Wir wissen, dass Überlinger verheiratet war, denn in den Raitbüchern ist mindestens zweimal vermerkt, dass sein Sold an seine Frau Ursula ausgezahlt wurde. Im Kontext dieser Soldzahlungen ist Ursulas Name nicht genannt, dafür aber anlässlich der Auszahlungen zweier Raten einer Morgengabe an sie 1471 und 1472.46 Daher kann auch nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, dass es sich bei den Nennungen von Überlingers „Hausfrau“ 1471 und 1475 um dieselbe Person handelt, es ist jedoch wahrscheinlich.

Am Beispiel Hans Überlinger wird das Problem deutlich, Personen eindeutig zu identifizieren, gerade wenn es sich um Angehörige der niederen Dienstränge handelt. Im Falle Überlingers gibt es gleich mehrere weitere Personeneinträge in der Datenbank, bei denen es sich potenziell um dieselbe Person handelt.

Am wahrscheinlichsten ist eine Identität zwischen Überlinger und Hans Schmied.47 Letzterer taucht um die Mitte der 1460er Jahre etliche Male als Trompeter am Hof auf und erhält in dieser Funktion Soldzahlungen. Als sein Herkunftsort wird regelmäßig die Stadt Überlingen am Bodensee genannt. Senn identifiziert ihn als Person, die nicht mit Hans Lang, dem „Überlinger“, identisch sei.48 Da aber die ersten Nennungen beider Personen ungefähr in die gleiche Zeit fallen, ist keineswegs auszuschließen, dass es sich um dieselbe Person handelt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Hans Schmied nach einiger Zeit im Dienst des Innsbrucker Hofes nur mehr unter dem Namen seines Heimatortes bekannt war, vielleicht um Verwechslungen zu vermeiden.

Mit endgültiger Sicherheit kann hier aber tatsächlich keine Identifizierung vorgenommen werden. Ähnliche Probleme stellen sich bei vielen Inhaber:innen von „niederen“ Ämtern am Hof, was auch mit den noch nicht stark ausgeprägten Namenskonventionen zusammenhängt. Eine besonders große Anzahl an Namen von Personen ist in der Funktion des Boten – manchmal reitend, manchmal zu Fuß – überliefert. Darunter findet sich z. B. ein gewisser Wilhelm, mit dem zu seiner Funktion passenden und sicher aus dieser abgeleiteten Namen „Durch den Wind“.49 Weniger eindeutig sind mehrere Dutzend Quellennachweise für „Andreas Bote“.50 Auf diesen Namen wurden regelmäßig Botenlöhne ausgezahlt, Andreas war also zweifelsfrei als Bote für den Hof tätig. Ob es sich bei allen entsprechenden Raitbucheinträgen, die sich über mindestens zwei Jahrzehnte erstrecken, immer um denselben Boten Andreas handelte, muss aber offenbleiben.

Das Problem war offenbar auch den Zeitgenossen bewusst, daher gab es immer wieder Versuche, größere Eindeutigkeit herzustellen. Als etwa 1471 zugleich zwei Boten namens Wolfgang für den Hof tätig waren, charakterisierte der Kammerschreiber die beiden näher, um sie unterscheidbar zu machen: den einen als Wolfgang, den „poten im Part“, also den Boten mit dem Bart,51 den anderen als den „langen Wölfel“.52 Die Frage, ob einer der beiden mit dem Boten Wolfgang identisch war, der seit Mitte der 1460er Jahre am Innsbrucker Hof nachgewiesen ist,53 beantwortet aber auch diese Charakterisierung nicht.

5.3 Habsburgische Verwaltung in Vorderösterreich am Beispiel des Vogts von Nellenburg

Zur von Innsbruck aus geführten Verwaltung zählten nicht nur die Grafschaft Tirol im weiteren Sinne, sondern auch die habsburgischen Gebiete Vorderösterreichs. Man kann von etwa 1400 bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gar von einer administrativen Einheit – der oberösterreichischen Ländergruppe – sprechen.54 Die Herrschaft über die habsburgischen Teile Vorderösterreichs lag zunächst in den Händen von (Erz-)Herzog Albrecht VI., bevor sie 1457 bzw. 1463 auf Sigmund überging.55 Seit etwa 1480 unterschied man innerhalb der Ländergruppe zwischen den inneren (Tirol) und vorderen (Vorderösterreich) Angelegenheiten.56 Zu Letzteren zählte auch die Landgrafschaft Nellenburg, die Sigmund mit dem 23. April 1465 von Johann von Tengen mit dem Ziel, seine Länder territorial besser zu verbinden, erwarb und die damit ein wichtiger Bestandteil von Schwäbisch-Österreich wurde.57

Ämter in Vorderösterreich wurden häufig, wie jene in Tirol, an einheimische Personen vergeben.58 Das zeigt sich auch am Vogt der Landgrafschaft Nellenburg. Der Vogt als höchster landesfürstlicher Beamter vor Ort kann als Pendant zum in Tirol üblicherweise gebräuchlichen Pfleger gesehen werden.59 Ähnlich wie in anderen habsburgischen Territorien fungierte neben dem Vogt ein Landrichter – hier mit Sitz in Stockach im heutigen Baden-Württemberg.60 Zeitweise lässt sich für die Verwaltung des landesfürstlichen Forstregals auch ein eigener Forstmeister nachweisen.61 In der mit 1464 einsetzenden Reihe der Nellenburger Vögte finden sich mit Hans Wisbock, genannt Zäggi, Werner von Schienen,62 Rudolf von Sulz63 und Hans Jakob von Bodman64 bis 1479/1480 ausschließlich Vorderösterreicher in dieser Funktion. Nicht sicher ist die Herkunft des Nachfolgers Jörg Burggraf.65 Ihn löste nach wenigen Jahren Heinrich von Rotenstein, wieder ein Vorderösterreicher,66 ab.

Gegen Ende des Jahres 1486 kam mit Matthias von Castelbark, Sohn der weiter unten noch folgenden Praxedis von Helfenstein, ein Tiroler nach Nellenburg. Dieser übernahm zunächst im Februar des Jahres 1478 die Pflege Leuchtenburg – diese behielt er bis 1480 – und wurde spätestens ab 1479 auch als Rat bezeichnet. 1485 wurde er neuerlich als Diener aufgenommen und im Oktober 1486 schließlich zum Vogt von Nellenburg bestellt, wo er bis über die Abdankung Sigmunds 1490 hinaus fungierte und wie viele andere Amtsträger aus dem Umfeld Sigmunds nahtlos in den Dienst Maximilians I. wechselte. Tiroler in vorderösterreichischen Ämtern und umgekehrt finden sich seit dem 15. Jahrhundert über die gesamte frühe Neuzeit hinweg immer wieder,67 wobei der Wechsel in die Vorlande wohl selten einen Karrieresprung darstellte oder einen solchen vorbereitete.68 Über die persönlichen Gründe Castelbarks könnte an dieser Stelle im Rahmen dieses Beitrags nur spekuliert werden,69 sein Beispiel zeigt aber die persönlichen Verflechtungen zwischen Tirol und den Vorlanden.

5.4 Die Personal- und Ämterstruktur im Gericht Hörtenberg

Dass in einer Verwaltungseinheit, sei es eine Herrschaft oder ein Gericht, meist verschiedene Ämter vergeben wurden, hat das vorderösterreichische Beispiel bereits gezeigt. Die Bezeichnungen unterschiedlicher Funktionäre im Gericht Hörtenberg sollen nun exemplarisch vor Augen führen, wie diffizil sich die Rekonstruktion einer Verwaltungsstruktur darstellen kann.

Mit Meinhard II. (1258–1295) kam die Burg Hörtenberg in den Besitz der Tiroler Landesfürsten. Sie wurde zum Gerichtssitz und das Gericht territorial über die alte Grafschaft Hörtenberg hinaus in Richtung Osten bis Zirl ausgedehnt.70 In Tirol waren es meist die Pfleger, die den Landesfürsten in den Gerichten vertraten. Die Praxis zeigt aber, dass eine Unterscheidung zu Amtleuten und Richtern offensichtlich nicht immer gegeben war.71 Waren es die Pfleger in Tirol, die Hauptleute im Süden72 oder die Vögte im vorderösterreichischen Raum,73 eine klar und begrifflich einheitliche Ämterbezeichnung ist in den von Sigmund beherrschten Gebieten keineswegs üblich. Klare Kompetenzabgrenzungen und Differenzierungen scheint es auch innerhalb der Verwaltungsbezirke nicht immer gegeben zu haben. Das Thema bedarf noch eingehender individueller Forschungen, obwohl sich bereits im 14. Jahrhundert eine Unterscheidung der Amtsbefugnisse zumindest in den größeren Tiroler Gerichten vollzogen hatte.

Im Gericht Hörtenberg gab es in der Regierungszeit Sigmunds eine klare Abgrenzung zwischen Pflegern und Richtern,74 wie folgende Tabelle zeigt:75

Tabelle 1: Übersicht über Pfleger und Richter im Gericht Hörtenberg

 

Pfleger

 

Richter

1442–1445

Ulrich Windeck

1437*

Berthold Karg

1447

Hans von Knöringen

1447–1449

Jos Ammann

1452

Matthias Turndl

1454

Konrad Morhart

 

 

1455

Marquard Karg

 

 

1458

Peter Melaner

1460

Leonhard von Völseck

1460–1463

Wenzeslaus Reich

1465–1466

Hildebrand Rasp von Laufenbach

1466

Marquard Karg

1467–1471

Heinrich Pfirt

1470

Wenzeslaus Reich

 

 

1471

Erhard Peyssel von Teyblitz, genannt Memminger

 

 

1474–1475

Oswald Tichter

1476

Oswald Tichter

 

 

1476–1488

Vigilius Gneus

1480–1481

Hans Wieshaid

 

 

1488

Thomas Riethmair

1489

Wilhelm Pfirt

 

 

1489

Wilhelm Auer

1490*

Peter Wieser

* liegen außerhalb der Regierungszeit Sigmunds

Die Pfleger als landesfürstlich eingesetzte Vertreter beschäftigten sich meist mit administrativen Aufgaben, mitunter auch der Sorge für die dem Gericht zugeordnete Burg, die Richter – welche bisweilen vom Pfleger eingesetzt wurden – konzentrierten sich eher auf die Rechtsprechung.76 Mit Oswald Tichter dürfte nur einer Mitte der 1470er Jahre von der Richter- auf die Pflegerposition gewechselt haben, wobei eine Zusammenlegung der beiden Ämter für diesen Zeitraum auch nicht ausgeschlossen werden kann.

Etwas komplizierter scheint die Funktion des Wenzeslaus Reich gewesen zu sein. Neben Pfleger und Richter werden für das Gericht Hörtenberg von den 1460er bis in die 1480er Jahre noch zwei weitere Ämter genannt, nämlich der schon eingangs erwähnte Amtmann sowie der Kastner.77 Aber lediglich Reich taucht in diesen Funktionen auf, und zwar zeitlich überschneidend mit seiner Richtertätigkeit. Darüber hinaus sind für den besagten Zeitraum mehrere andere Richter belegt, sodass es sich – zumindest zeitweise – um unterschiedliche Ämter gehandelt haben dürfte.78

Tabelle 2: Funktionen des Wenzeslaus Reich im Gericht Hörtenberg

 

Genannte Funktionen von Wenzeslaus Reich

1460

Richter; Amtmann

1461

Richter

1463

Richter und Amtmann

1465–1466

Kastner

1467

Amtmann

1470

Richter und Kastner

1472

Amtmann

1476

Kastner; Amtmann

1478–1484

Kastner

Da die prosopographische Forschung stark personenzentriert ist, muss eine solche Datenbank darüber hinaus manch begriffliche Unschärfe in Kauf nehmen, um die Personen zu zeigen, die etwa in einem Gericht ihren Dienst verrichteten. Inwieweit sämtliche Funktionäre direkt vom Landesfürsten bestellt wurden, bleibt in diesem Fall ebenso offen.

5.5 Repräsentation von Frauen in der Datenbank

Die Quellen geben die Daten vor, die für eine historische Datenbank erhoben werden können. Das wirkt sich auch auf das zahlenmäßige Verhältnis der verzeichneten Personen beiderlei Geschlechts aus. Der Anteil von Frauen in SiCProD liegt bei unter 10 %.79

Einige Frauen hatten formelle Ämter am Hof inne. So ist etwa eine relativ große Zahl von Kammerjungfrauen der Herzogin namentlich bekannt,80 außerdem auch Dienerinnen in der Kammer der Herzogin.81 Die Funktion der (weiblichen) Hofmeisterin der Herzogin scheint erst in der Zeit von Sigmunds zweiter Ehefrau Katharina von Sachsen ab 1484 auf; dieses Amt hatte Johanna von Freyberg inne.82

In einigen Ausnahmefällen ergibt der Quellenbefund, dass Frauen eigentlich „männliche“ Ämter ausüben konnten. 1483 korrespondierte Ursula von Waldenburg in der Funktion einer Pflegerin zu Neumarkt mit der herzoglichen Kammer.83 Wahrscheinlich führte sie als Witwe die Geschäfte ihres Mannes Friedrich weiter. Dieser hatte neben dem Pflegeramt auch diverse Funktionen am Hof, v. a. jene des Stallmeisters, und ist auch mehrmals als Rat Sigmunds genannt.84 Neben der Pflege von Neumarkt hatte er zudem auch jene des nahe gelegenen Gerichts Enn und Kaldiff inne. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich bei der 1485 erwähnten, aber leider nicht namentlich genannten Pflegerin zu Enn und Kaldiff85 ebenfalls um seine Witwe Ursula handelt.

Die meisten Frauen sind aber ausschließlich über ein Verwandtschafts- oder Eheverhältnis zu einem Mann greifbar, oft tauchen sie in den Quellen nur als „Hausfrau“ ihres jeweiligen Ehemanns auf, ohne dass ihr eigener Name überhaupt genannt ist. Das heißt nicht, dass sie keine wichtigen Aufgaben erfüllten. Viele der tatsächlich genannten Namen von Frauen aus den unteren Ständen sind deshalb überliefert, weil sie stellvertretend für ihre Ehemänner Zahlungen der herzoglichen Kammer entgegennahmen, was dafür spricht, dass sie die Finanzen der Familie verwalteten. Hin und wieder tauchen auch Frauen auf, die offenbar in eigener Regie einen Handwerksbetrieb führten und Rechnungen stellten;86 hier dürfte es sich ähnlich wie im Fall der Ursula von Waldburg um Witwen gehandelt haben.

Eine Frau, die offenbar einigen Einfluss ausüben konnte, auch wenn sie nie ein offizielles Amt am Hof oder in der Verwaltung innehatte, war Praxedis, geborene von Helfenstein.87 Sie war in erster Ehe mit Johann von Castelbark88 verheiratet, mit dem sie zwei Söhne hatte: den oben bereits erwähnten Matthias89 und Georg.90 Nach Johanns Tod heiratete sie spätestens um den Jahreswechsel 1471/72 in zweiter Ehe Ulrich von Brandis.91 Dieser ist immer wieder als Rat Sigmunds belegt, außerdem bekleidete er in den 1460er und 1470er Jahren das Amt des Vogts zu Feldkirch, war also als landesfürstlicher Amtsträger im heutigen Vorarlberg tätig.

Praxedis’ Söhne hatten von ihrem Vater Ansprüche auf Besitzungen im heutigen Trentino geerbt, namentlich die Burgen und Herrschaften Castelnuovo, Castellano, Nomi und Castelcorno. Diese hatten Georg und Peter von Lodron bereits 1456 im Auftrag des Trientner Bischofs Georg Hack von Themeswald (1446–1465) von Johann von Castelbark erobert und im Anschluss Castelnuovo und Castellano als Lehen erhalten; Nomi und Castelcorno gingen direkt in den Besitz des Hochstifts über.92 Um die Ansprüche auf alle vier Herrschaften prozessierte Praxedis im Namen ihrer minderjährigen Söhne und mit Unterstützung ihres zweiten Ehemanns jahrelang.93 Offenbar wurde dieser Konflikt nicht nur gerichtlich ausgetragen, sondern auch mit Gewalt; das zeigen mehrere Schreiben Kaiser Friedrichs III. (1440–1493), in denen dieser das Ende der Feindseligkeiten zwischen Ulrich von Brandis, Praxedis von Helfenstein und ihren Söhnen einerseits und Bischof Johannes Hinderbach (1465–1486) andererseits befiehlt bzw. Herzog Sigmund auffordert, den Bischof zu schützen.94 Damit übernahm Praxedis eine aktive Rolle in den seit dem 12. Jahrhundert immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Trient und den Castelbarks um Herrschaftsrechte im heutigen Trentino.95 Eine Klärung mit den Lodrons wurde 1479 erreicht, als diese den Castelbark-Brüdern 16.000 rheinische Gulden als Entschädigung für den Verlust der von ihnen übernommenen Burgen zahlten.96 Auf die beiden an den Bischof gefallenen Herrschaften verzichteten die Brüder indessen nicht. Über die 1480er Jahre hinweg erscheinen Matthias und Georg von Castelbark immer wieder als Besitzer von Nomi und Castelcorno97 und noch 1491 bat Matthias den inzwischen abgedankten Erzherzog Sigmund um Rückgabe ihrer Burg und Herrschaft Nomi, die ihm und seinem Bruder im Krieg gegen Venedig, also 1487, verloren gegangen sei.98

6. Fazit/Ausblick

Als Historiker:innen sind wir es gewohnt, unsere Erkenntnisse puzzleartig aus verschiedensten Bruchstücken zusammenzusetzen. Zahlen, Listen oder Tabellen suggerieren unumstößliche Fakten, die wir uns zur Untermauerung unserer historischen Forschungen wünschen. Dass aber auch die Historischen Hilfswissenschaften, denen die Prosopographie selbstverständlich zuzurechnen ist, diesem Prinzip folgen, haben etwa die Beispiele des Trompeters Hans Überlinger oder die Ämterstruktur des Gerichts Hörtenberg gezeigt. Die enorme Fülle des Quellenmaterials, das für die Zeit des Spätmittelalters zur Verfügung steht, macht eine vollständige Durchsicht nicht nur unmöglich, sie erlaubt auch nur bis zu einem gewissen Grad die klassische Methode des Vergleichs, um die Authentizität und Korrektheit der Überlieferung zu überprüfen, etwa um zeitgenössische Schreib- und Datierungsfehler zu identifizieren.

Obwohl auch die in diesem Beitrag vorgestellte Datenbank zum Hof und zur Verwaltung von (Erz-)Herzog Sigmund diesen Einschränkungen unterliegt, liefert sie mit weit mehr als 6000 Personen, über 1600 Funktionen, über 200 Institutionen, verteilt auf etwa 700 Orte und vielen Tausend Verbindungen zwischen diesen einzelnen Entitäten, eine erste Grundlage für weitere Forschungen zur Tiroler Geschichte des 15. Jahrhunderts. Hierfür wurden nicht nur die Raitbücher, sondern auch wesentliche Teile der Urkunden- und Aktenüberlieferung ausgewertet, fallweise ergänzt durch bereits vorhandene Literatur. SiCProD bietet demzufolge ein umfangreiches und umfassendes Nachschlagewerk zur personellen Struktur Tirols des letzten mittelalterlichen Jahrhunderts und kann als solches sowohl auf Quellen aufmerksam machen als auch die weitere historische Forschung unterstützen.

 

________

1 SiCProD – Prosopographische Datenbank zu Hof und Verwaltung von (Erz-)Herzog Sigmund von Tirol, bearb. von Markus DEBERTOL / Nadja KRAJICEK-SEIDL / Philipp LAUMER. Zum Zeitpunkt der Drucklegung standen die Permalinks noch nicht endgültig fest, weshalb bei der Zitierung aus der Datenbank auf die URL verzichtet werden muss. Über den Namen/Titel und die ID-Nummer sind diese aber eindeutig identifizierbar. Abrufbar ist die Datenbank unter https://sicprod.acdh.oeaw.ac.at.

2 Zu den Amtsträgern in vergleichbaren Fürstentümern des Heiligen Römischen Reichs siehe Christian HESSE, Amtsträger der Fürsten im spätmittelalterlichen Reich. Die Funktionseliten der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen, Sachsen und Württemberg 1350–1515 (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 70), Göttingen 2005. Allgemein zur historischen Prosopographie siehe etwa Wilhelm Heinz SCHRÖDER, Kollektivbiographie. Spurensuche, Gegenstand, Forschungsstrategie, in: Historical Social Research, Supplement 23 (2011) 74–152, hier 126; Neithart BULST, Zum Gegenstand und zur Methode von Prosopographie, in: Medieval Lives and the Historian. Studies in Medieval Prosopography, hg. von Neithart Bulst / Jean-Philippe Genet, Kalamazoo 1986, 1–16; Clemens BECKSTEIN / Robert GRAMSCH-STEHFEST / Clemens BECK / Jan ENGELHARDT / Christian KNÜPFER / Georg ZWILLING, Digitale Prosopographie. Die automatisierte Auswertung des Repertorium Germanicum, eines Quellencorpus zur Geschichte geistlicher Eliten des 15. Jahrhunderts, in: Digital History. Konzepte, Methoden und Kritiken Digitaler Geschichtswissenschaft, hg. von Karoline Döring / Stefan Haas / Mareike König / Jörg Wettlaufer (Studies in Digital History and Hermeneutics 6), Oldenburg 2022, 151–167.

3 Bei Redaktionsschluss war dieses Projekt noch nicht abgeschlossen. Die vorgestellten Daten können sich inzwischen verändert haben.

4 Allgemein zu APIS siehe Matthias SCHLÖGL / Katalin LEJTOVICZ, Die APIS-(Web-)Applikation, das Datenmodell und System, in: The Austrian Prosopographical Information System (APIS). Vom gedruckten Textkorpus zur Webapplikation für die Forschung, hg. von Christine Gruber / Josef Kohlbacherand / Eveline Wandl-Vogt, Wien 2020, 31–48.

5 Siehe dazu ausführlich: Maximilian KAISER / Marion ROMBERG / Matthias SCHLÖGL / Gregor PIRGIE, Von APIS zu VieCPro. Die Entwicklung einer multifunktionalen Prosopographiedatenbank, in: Historische Biographik und kritische Prosopographie als Instrumente in den Geschichtswissenschaften, hg. von Helmuth Albrecht / Michael Farrenkopf / Helmut Maier / Torsten Meyer (Schriften des Montanhistorischen Dokumentationszentrums 47; Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 257), Oldenburg 2023, 117–140.

6 Thomas VOGTHERR, Urkundenlehre. Basiswissen (Hahnsche Historische Hilfswissenschaften 3), Hannover 2008, 10.

7 Über diesen Urkundentyp sind bisher keine Amtsträgerinnen belegt.

8 Nicht selten wurden vor allem Diener und Räte immer wieder von Neuem bestellt, weshalb eine Bestallung nicht immer dem tatsächlichen Beginn eines Dienstes entsprechen muss.

9 Wilfried BEIMROHR, Das Tiroler Landesarchiv und seine Bestände (Tiroler Geschichtsquellen 47), Innsbruck 2002, 66–68. Die dort genannte Kartonanzahl ist wegen Umbettungsarbeiten nicht mehr aktuell.

10 Hier verteilt sich das Schriftgut auf die von landesfürstlicher und ständischer Seite überlieferten Akten. Ebd. 286.

11 Nadja KRAJICEK, Die Kopialbücher der oberösterreichischen Kammer unter Maximilian I., in: „Per tot discrimina rerum“ Maximilian I. (1459–1519), hg. von Markus Debertol / Markus Gneiß / Julia Hörmann-Thurn und Taxis / Manfred Holleger / Heinz Noflatscher / Andreas Zajic, Wien 2022, 333–346, hier 333 f.

12 Otto STOLZ, Archiv- und Registraturwesen der oberösterreichischen (tirolisch-schwäbischen) Regierung im 16. Jahrhundert, in: Archivalische Zeitschrift 42 (1934) 81–136, hier 111.

13 Dazu etwa Thomas JUST, Österreichische Rechnungen und Rechnungsbücher, in: Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.–18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch, hg. von Josef Pauser / Martin Scheutz / Thomas Winkelbauer (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband 44), Wien 2004, 457–467; Theodor MAYER, Beiträge zur Geschichte der tirolischen Finanzverwaltung im späteren Mittelalter, in: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 16/17 (1919/1920) 110–168, hier 156; Mark MERSIOWSKY, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung im deutschen Nordwesten. Spätmittelalterliche Rechnungen, Verwaltungspraxis, Hof und Territorium (Residenzforschung 9), Stuttgart 2000, 38 f.

14 Stephan von BIRGELEN, Spätmittelalterliche Stadtrechnungen und Prosopographie, in: Der Archivar 72/3 (2019) 228–230; MERSIOWSKY, Anfänge territorialer Rechnungslegung (wie Anm. 13).

15 Eine erste „geschlossene“ Reihe beginnt unter Sigmund etwa mit 1454. Lienhard THALER, Münzreichtum und leere Taschen. Die Finanzen der Grafen von Tirol im europäischen Kontext (1290– 1439), Diss. Wien 2023, 26, 371 f.

16 Für Sigmund im Speziellen MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 134–137, 146–148, 152–159.

17 Dazu Arnold ESCH, Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in: Historische Zeitschrift 240/3 (1985) 529–570.

18 Ebd. 544.

19 Jürgen PETERSOHN, Personenforschung im Spätmittelalter. Zur Forschungsgeschichte und Methode, in: Zeitschrift für Historische Forschung 2/1 (1975) 1–5, hier 4f; SCHRÖDER, Kollektivbiographie (wie Anm. 1) 126.

20 ESCH, Überlieferungs-Chance (wie Anm. 17) 540 f.

21 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD. Auf eine Auflistung sämtlicher Quellen wird zugunsten der Übersichtlichkeit der Fußnoten bewusst verzichtet. Die einzelnen Einträge der Datenbank verweisen auf die entsprechenden Quellen.

22 Lukas Wegmacher ist ab 1462 im Weinhandel von Hall in Tirol belegt und bekleidete in den 1470er Jahren einige städtische Ämter. Klaus BRANDSTÄTTER, Ratsfamilien und Tagelöhner. Die Bewohner von Hall in Tirol im ausgehenden Mittelalter (Tiroler Wirtschaftsstudien 54), Innsbruck 2002, 251, 284, 289f, 301; „Wegmacher, Lukas“ (ID: 8154), in: SiCProD.

23 Wilhelm BAUM, Sigmund der Münzreiche. Zur Geschichte Tirols und der habsburgischen Länder im Spätmittelalter (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes 14), Bozen 1987, 101; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 140.

24 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 140.

25 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 142.

26 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD.

27 Otto STOLZ, Geschichte der Verwaltung. Teilstück des 2. Bandes der Geschichte des Landes Tirol (Forschungen zur Rechts- und Kulturgeschichte 13), Innsbruck 1998, 32.

28 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 140 f.

29 Ernst Rietenburger bekleidete seit spätestens 1441 diverse landesfürstliche Ämter in der Verwaltung als Pfleger bzw. Vogt, bevor er das Küchenmeisteramt übernahm. 1458 wird er noch als Rat und Propst zu Innsbruck genannt. „Rietenburger, Ernst“ (ID: 1271), in: SiCProD.

30 Margarete ORTWEIN, Der Innsbrucker Hof zur Zeit Erzherzog Sigmunds des Münzreichen, Diss. Innsbruck 1936, 31 f.

31 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 140; ORTWEIN, Innsbrucker Hof (wie Anm. 30) 49 f.

32 Letzte bisher bekannte Nennung am 29. Jänner 1460. Der Rat Konrad Vintler bekleidete bis zu seiner Einsetzung als Oberster Amtmann etwa 1454 Pflegerstellen und wurde 1460 zum Hofmeister der Herzogin. „Vintler, Konrad“ (ID: 21), in: SiCProD.

33 Letzte bisher bekannte Nennung am 14. Jänner 1460. Gerwig von Rotenstein war neben seiner Funktion als Kammermeister ab ca. 1457 Pfleger von Schenna, später von Tarasp. „Rotenstein, Gerwig von“ (ID: 1276), in: SiCProD.

34 Christian LACKNER, Österreich (Ob und Unter der Enns, Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol – Vorderösterreich), in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, Teilband I. Dynastien und Höfe, hg. von Werner Paravacini / Jan Hirschbiegel (Residenzenforschung 15/1), Tübingen 2003, 846–854, hier 849; THALER, Münzreichtum (wie Anm. 15) 156 f.

35 LACKNER, Österreich (wie Anm. 34) 849.

36 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD. Er dürfte diese Funktion als Überbrückung nach Matthias Turndl interimsmäßig innegehabt haben, bevor Niklas Pücher das Amt noch in der ersten Jahreshälfte übernahm. Vgl. auch THALER, Münzreichtum (wie Anm. 15) 157.

37 Heinrich Anich hatte zunächst einige Stellen als Amtmann und Pfleger in Südtirol inne und war Rat, bevor er das Amt des Obersten Amtmanns für etwa zehn Jahre übernahm. „Anich, Heinrich“ (ID: 304), in: SiCProD.

38 LACKNER, Österreich (wie Anm. 34) 849. Zur Kompetenzverteilung allgemeiner auch STOLZ, Geschichte der Verwaltung (wie Anm. 27) 33; MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 143– 147.

39 MAYER, Beiträge zur Geschichte (wie Anm. 13) 142.

40 „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD; BAUM, Sigmund der Münzreiche (wie Anm. 23) 235.

41 Nennungen als Rat gibt es von 1458 bis 1481. Da diese Betitelung unter Sigmund fast schon inflationär in Gebrauch war, lässt sich durch die bloße Bezeichnung nur schwer die genaue Funktion in der Verwaltung ausmachen. „Rat Sigmunds“ (ID: 45), in: SiCProD.

42 Letzte bisherige Nennung am 3. Dezember 1484. „Wegmacher, Benedikt“ (ID: 89), in: SiCProD.

43 „Überlinger, Hans“ (ID: 604), in: SiCProD.

44 Die bisher erste Nennung ist auf den 17.03.1467 datiert, die bisher letzte ohne Angabe des genauen Datums auf 1486; dazwischen gibt es gut 15 Erwähnungen.

45 Walter SENN, Musik und Theater am Hof zu Innsbruck. Geschichte der Hofkapelle vom 15. Jahrhundert bis zu deren Auflösung im Jahre 1748, Innsbruck 1954, 4.

46 „Überlinger, N. (weiblich)“ (ID: 738); „Überlinger, Ursula“ (ID: 11107), in: SiCProD.

47 „Schmied, Hans“ (ID: 678), in: SiCProD.

48 SENN, Musik und Theater (wie Anm. 45) 4.

49 „Durch den Wind, Wilhelm“ (ID: 2681), in: SiCProD.

50 Weitere Schreibweisen: Pot, Pote, Pott, Bot, Potte. „Bote, Andreas“ (ID: 1832), in: SiCProD.

51 „Bote (mit dem Bart), Wolfgang“ (ID: 11069), in: SiCProD.

52 „Bote (der Lange), Wolfgang“ (ID: 11070), in: SiCProD.

53 „Bote, Wolfgang“ (ID: 2088), in: SiCProD.

54 Fridolin DÖRRER, Die für Vorderösterreich zuständigen Behörden in Innsbruck und die Quellen zur Geschichte Vorderösterreichs im Tiroler Landesarchiv, in: Vorderösterreich in der frühen Neuzeit, hg. von Hans Maier / Volker Press, Sigmaringen 1989, 367–392, hier 367; Christian FORNWAGNER, Vorderösterreich, Innsbruck 2012, vgl. https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/kunst-kultur/landesarchiv/downloads/Vorderoesterreich2012.pdf (Zugriff: 14.02.2024).

55 Herbert BERNER, Die Landgrafschaft Nellenburg, in: „Das Hegöw, ein kleines, aber über die Maßen wol erbauen fruchtbar Ländlein“ (Sebastian Münster). Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 70. Geburtstag, hg. von Herbert Berner / Franz Götz, Singen 1991, 68–82, hier 72; Axel METZ, Der Stände oberster Herr. Königtum und Landstände im süddeutschen Raum zur Zeit Maximilians I. (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B 174), Stuttgart 2009, 34; Dieter SPECK, Kleine Geschichte Vorderösterreichs, Leinfelden-Echterdingen 2010, 89–94.

56 FORNWAGNER, Vorderösterreich (wie Anm. 54) 1.

57 BERNER, Die Landgrafschaft Nellenburg (wie Anm. 55) 72; METZ, Der Stände oberster Herr (wie Anm. 55) 35; Otto STOLZ, Das Verhältnis der vorderösterreichischen Lande zu den landesfürstlichen Regierungen in Innsbruck und Wien, in: Vorderösterreich. Eine geschichtliche Landeskunde, hg. von Friedrich Metz, Freiburg im Breisgau, 2. Auflage 1976, 111–121, hier 112 f.

58 Belegt etwa bei Rolf KÖHN, Der Landvogt in den spätmittelalterlichen Vorlanden: Kreatur des Herzogs oder Tyrann der Untertanen?, in: Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, hg. von Franz Quarthal / Gerhard Faix, Stuttgart 2000, 153–199, hier 159–163; Georg WIELAND, Das leitende Personal der Landvogtei Schwaben von 1486 bis 1806, in: Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, hg. von Franz Quarthal / Gerhard Faix, Stuttgart 2000, 341–364.

59 Christian LACKNER, Die Verwaltung der Vorlande im späteren Mittelalter, in: Vorderösterreich nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers? Die Habsburger im deutschen Südwesten, hg. von Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, Stuttgart, 2. Auflage 1999, 60–71, hier 62–67.

60 BERNER, Die Landgrafschaft Nellenburg (wie Anm. 55) 72.

61 Ebd. 72; „Forstmeister zu Nellenburg“ (ID: 5199), in: SiCProD.

62 Die Familie von Schienen zählt zu den schwäbischen Adelsfamilien. Paul-Joachim HEINIG, Kaiser Friedrich III. (1440–1493). Hof, Regierung und Politik. Drei Bände (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 17. Beih. zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 17), Köln 1997, 951.

63 Die Familie von Sulz zählt zu den bedeutendsten Familien Vorderösterreichs, auch außerhalb Schwabens. Rudolf und sein Bruder Alwig verloren aber in den 1470er Jahren die Nähe zum Kaiser, die Verbindungen brachen im Falle Rudolfs aber nicht ab. HEINIG, Kaiser Friedrich III. (wie Anm. 62) 937–941.

64 Die Familie von Bodman zählt zu den schwäbischen Adelsfamilien. HEINIG, Kaiser Friedrich III. (wie Anm. 62) 951; METZ, Der Stände oberster Herr (wie Anm. 55) 58 f.

65 Ein Jörg Burggraf ist in der Verwaltung und am Hof Sigmunds spätestens mit 1458 belegt. Dieser war Kämmerer, Pfleger von Thaur und immer wieder als Gesandter in Bayern tätig. Zwischen 1468 und 1479 lässt sich kein Beleg finden. Daher ist in jedem Fall fraglich, ob es sich bei dem Jörg Burggraf, der als Rat Sigmunds und Forstmeister in Nellenburg auftritt, um dieselbe Person handelt.

66 Die Familie stammte aus Schwaben. HEINIG, Kaiser Friedrich III. (wie Anm. 62) 371, 374.

67 Zum Wechsel zwischen Vorderösterreich und Tirol und von Schwaben nach Österreich etwa Alfred HOFFMANN, Schwaben und Österreich, in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 36 (1964) 445–462, hier 451f; Nadja KRAJICEK, Landvogt, Forstmeister, Rentmeister und Co. – Quellen und Forschungsmöglichkeiten zu Amtsträgern der Markgrafschaft Burgau im Tiroler Landesarchiv, in: Die Habsburger in Schwaben. Fragestellungen – Methoden – Perspektiven, hg. von Raphael Gerhardt, Augsburg 2022, 101–119; Heinz NOFLATSCHER, Schwaben in Österreich an der Wende zur Neuzeit. Personen, Familien, Mobilität, in: Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, hg. von Franz Quarthal / Gerhard Faix, Stuttgart 2000, 321–339; Wolfgang ZORN, Vorderösterreich als Karrieresprungbrett: Beobachtungen zur Sozialgeschichte des Beamtentums, in: Vorderösterreich in der frühen Neuzeit, hg. von Hans Maier / Volker Press, Sigmaringen 1989, 43–56.

68 ZORN, Vorderösterreich als Karrieresprungbrett (wie Anm. 67) 50.

69 Etwa die familiäre Beziehung durch die zweite Ehe seiner Mutter Praxedis von Helfenstein (s. Kapitel 5.5).

70 Magdalena HÖRMANN, Hörtenberg, in: Tiroler Burgenbuch. VII. Band Oberinntal und Außerfern, hg. von Oswald Trapp, Bozen / Innsbruck / Wien 1986, 371–388, hier 373; Otto STOLZ, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol. 1. Teil: Nordtirol, in: Archiv für österreichische Geschichte 107 (1923) 1–885, hier 400–409. Dazu auch Wilfried BEIMROHR, Mit Brief und Siegel. Die Gerichte Tirols und ihr älteres Schriftgut im Tiroler Landesarchiv (Tiroler Geschichtsquellen 34), Innsbruck 1994, 57.

71 BEIMROHR, Mit Brief und Siegel (wie Anm. 70) 57 f.

72 Andere Bezeichnungen, wie Propst, Pflegsverwalter, Burggraf oder Hauptmann. Die Bezeichnung des Gastaldio lässt sich in den Quellen von Sigmunds Verwaltung nicht mehr belegen. BEIMROHR, Mit Brief und Siegel (wie Anm. 70) 57; Otto STOLZ, Geschichte der Gerichte Deutschtirols. Abhandlungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, Landgerichtskarte von Deutschtirol, in: Archiv für österreichische Geschichte 102 (1912) 83–334, hier 223–226.

73 KÖHN, Landvogt (wie Anm. 58), insbesondere 167–172; LACKNER, Verwaltung der Vorlande (wie Anm. 59) 62–67.

74 Vielfach wurden diese beiden Funktionen in Personalunion ausgeübt. BEIMROHR, Mit Brief und Siegel (wie Anm. 70) 54.

75 „Pfleger zu Hörtenberg“ (ID: 2292), in: SiCProD; „Richter zu Hörtenberg“ (ID: 2303), in: SiCProD.

76 BEIMROHR, Mit Brief und Siegel (wie Anm. 70) 57; STOLZ, Geschichte der Gerichte (wie Anm. 72) 225.

77 Dazu auch STOLZ, Politisch-historische Landesbeschreibung (wie Anm. 70) 407.

78 „Amtmann zu Hörtenberg“ (ID: 4308), in: SiCProD; „Kastner zu Hörtenberg“ (ID: 2552), in: SiCProD; „Richter zu Hörtenberg“ (ID: 2303), in: SiCProD.

79 Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Aufsatzes waren von 6285 verzeichneten Personen 476 weiblich.

80 „Kammerjungfrau der Herzogin“ (ID: 3055), in: SiCProD. Siehe dazu auch Michail A. BOJCOV, Zum Frauenzimmer am Innsbrucker Hof Erzherzog Sigmunds, in: Der Innsbrucker Hof. Residenz und höfische Gesellschaft in Tirol vom 15. bis 19. Jahrhundert, hg. von Heinz Noflatscher / Jan Paul Niederkorn (Archiv für Österreichische Geschichte 138), Wien 2005, 197–211, v. a. 204–211.

81 „Dienerin in der Kammer der Herzogin“ (ID: 3797), in: SiCProD.

82 „Hofmeisterin der Herzogin“ (ID: 180); „Vernstet, verh. von Freyberg, Johanna“ (ID: 179), in: SiCProD.

83 „Grafeneck, verh. von Waldenburg, Ursula“ (ID: 4183), in: SiCProD.

84 „Waldenburg, Friedrich von“ (ID: 1073), in: SiCProD.

85 „Pflegerin zu Enn und Kaldiff“ (ID: 6638), in: SiCProD.

86 Beispiele dafür sind Anna Tischlerin und Apollonia Schlosserin. „Tischler, Anna“ (ID: 8902); „Schlosser, Apollonia“ (ID: 8904), in: SiCProD.

87 „Helfenstein, verh. von Castelbark, verh. von Brandis, Praxedis von“ (ID: 5498), in: SiCProD.

88 „Castelbark, Johann von“ (ID: 1666), in: SiCProD.

89 „Castelbark, Matthias von“ (ID: 878), in: SiCProD.

90 „Castelbark, Georg von“ (ID: 1874), in: SiCProD.

91 „Brandis, Ulrich von“ (ID: 2539), in: SiCProD.

92 Walter LANDI, Castelbarco, in: La signoria rurale nell’Italia del tardo medioevo, Bd. 5/1: Censimento e quadri regionali, hg. von Federico del Tredici, Florenz 2021, 361–371, hier 366.

93 Ein Konvolut von Prozessakten liegt im Tiroler Landesarchiv: AT-Tiroler Landesarchiv (im Folgenden TLA)/Bestände von Behörden und Ämtern (BBÄ), Mischbestände (MIB), Pestarchiv, Akten XXXI 64/1.

94 Friedrich III. an Sigmund von Tirol, Trient 3. Februar 1479, in: Actenstücke und Briefe zur Geschichte des Hauses Habsburg im Zeitalter Maximilians I., Bd. 3, gesammelt und mitgeteilt von Joseph Chmel, Wien 1858, Nr. LXI; Friedrich III. an Ulrich von Brandis, Praxedis von Helfenstein, Matthias und Georg von Castelbark, Trient 3. Februar 1479, in: Ebd., Nr. LXII u. LXIII.

95 Umfassend zur Geschichte der Castelbark/Castelbarco und ihren Auseinandersetzungen mit dem Hochstift Trient siehe LANDI, Castelbarco (wie Anm. 92).

96 LANDI, Castelbarco (wie Anm. 92) 366.

97 „Castelbark, Matthias von“ (ID: 878) sowie „Castelbark, Georg von“ (ID: 1874), in: SiCProD.

98 AT-TLA/BBÄ Sigmundiana 13.184.