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Die Autorin Jutta Hinzmann schreibt seit fast 20 Jahren Bücher. Über Liebesromane und Krimis bis hin zu sozial politischen Erzählungen. Das neue Buch "Tod im Drachenboot" ist dann bereits ihr zehntes erschienenes Buch bei neobook. Ein unbescholtenes Dorf mit nur anständigen braven Bürgern hat plötzlich einen Mord zu beklagen. Das sogenannte vierblättrige Kleeblatt ist jetzt um ein Mitglied weniger. Ein zu erst leicht verwirrter erscheinende Roman, der Lust auf mehr macht, da die Autorin die Neugier des Lesers erweckt.
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Seitenzahl: 164
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Jutta Hinzmann
Tod im Drachenboot
Ein unbescholtenes Dorf
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Tot im Drachenboot
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Tot im Drachenboot
Impressum neobooks
oder
Ein unbescholtenes Dorf
Kriminalroman von Jutta Hinzmann
Titel: Tot im Drachenboot
Autor: Jutta Hinzmann
Prolog
Tot im Drachenboot
Impressum
Der Mond ist noch von einer Wolke verdeckt, stockdunkel ist die Nacht, aber die beiden Männer, welche hier draußen mitten auf dem See sind, sind zuversichtlich. „Was habe ich dir gesagt, der Mond kommt gleich zum Vorschein und dann können wir besser sehen. „Hm, hm wenn du meinst“, der wortkarge Fremde nickt und zeigt nach vorn auf das Wasser. „Wo liegt es denn nun, he? Hast Du mich verschaukelt, kannst du dich auf etwas gefasst machen!“ Bevor der hier lebende Dorfbewohner antwortet, nimmt er einen Schluck aus seiner Thermosflasche. Dass es sich hier nicht um Tee handelt, riecht der Fremde sofort. „Musst immer saufen? He? Geht nicht einmal ohne?“ „Woher willst du wissen, ob ich ständigen trinke, hat dir wohl der Wirt gesteckt.“ Kopfschüttelnd nimmt besagte Person noch einen großzügigen Schluck aus der Flasche. Dem Fremden will fast der Geduldsfaden reißen. Die Gier nach dem eventuellen Schatz auf dem Grund des Sees lässt ihn wieder ruhiger werden. Er gehört zu einer Gruppe Menschen, die nach Wertsachen suchen, welche ihren Reichtum während des ersten und nach dem zweiten Weltkrieges in Eile verstecken mussten. Gutsbesitzer flohen vor den Russen, die gnadenlos aus dem Weg räumten, was nur nach Nazi roch. Und die Russen sollten nicht Hab und Gut von den Fliehenden in die Hände bekommen. Man könnte nach den derzeitigen schlechten Umständen zurück kehren, was man augenblicklich fluchtartig verlassen musste. Ein lukratives Geschäft, mehr oder weniger. Diesmal, so scheint dem Fremden, ist er wohl an den Verkehrten geraten. Ihm sind Alkoholiker suspekt. Der Zweite im Boot bemerkt den Stimmungswandel. „Geduld, Geduld, wir sind gleich da. Hast du auch alles mit? Auch eine stark strahlende Lampe? Du weißt hier liegt eine Menge Schlamm auf den Felsen. Muss halt ein wenig buddeln. Ha, ha.“ „Halt doch dein versoffenes Maul“, dem Fremden kommt die Wut im Bauch hoch. „Reiß dich schön zusammen, meckere wenn wir wieder an Land sind und uns die Beute teilen. Vergiss nicht, ohne mich wüstes du nichts vom Schatz der ehemaligen Gutsbesitzer hier.“ „Und du vergiss nicht, was ich von dir weiß! Ich kann ja den Bullen einen Tipp geben.“ Sein Gegenüber nimmt nun noch einen Schluck. Ihm ist nicht wohl bei dem Gedanken, was der Fremde angedeutet hat. Die Bilder, welche er seit Jahren verdrängt, kommen nun hoch.
Es war im Sommer, vor drei oder vier Jahren, so genau kann sich Becker nicht erinnern. Aber dass das Mädchen Maria hieß, das weiß er bis heut. Das Dorf feierte sein Sommerfest, Becker hatte wie immer viel zu viel Alkohol getrunken. Auf dem Heimweg traf er Maria, ein junges Ding. Schlank, blond und eine Figur! Alle Jungs im Dorf waren scharf auf sie. Doch Maria hatte noch keine Interesse an Liebschaften, sie wollte das Leben erst einmal genießen. Und gierig drein schauende ständig trinkende Männer mochte Maria schon gar nicht. Becker aber mochte hübsch aussehende junge Mädchen schon, er mochte sich selbst und eben junge Dinger, wie er Maria betitelte. Maria wohnte beim Großvater, die Eltern waren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. So betrunken wie er war, pöbelte er das Mädchen an. Kraft seiner Natur vergriff er sich an ihr. Warum Maria nie Anzeige erstattete, weiß Becker bis heut nicht. Nach dem Vorfall verschwand Maria spurlos samt ihren Bruder. Woher der Fremde im Boot davon Kenntnis hat, ist ihm ebenfalls ein Rätsel. „He“, der Fremde tippt Becker auf die Schulter, „War nicht so gemeint. Ich werde schon nichts ausplaudern.“ „Denn ist man gut auch, wir sind an der Stelle, mach Dich fertig!“ Emsig machen sich die Beiden ans Werk. Der See ist an dieser Stelle nicht sehr tief und Schlamm hat sich nur wenig hier abgelagert. Mit der Taschenlampe suchen beide Männer den Grund ab…….
Die Sonne lugt bereits am Horizont, die ersten Singvögel lassen ihre Gezwitscher höre. Friedvoll beginnt ein neuer Tag.
Noch schläft das kleine Dorf mit Namen Bootsen, keine Menschenseele ist auf den Straßen zu sehen. Außer das Bellen der Hunde und das Gackern der Hühner, hört man nichts. Es ist ein Dorf ohne Besonderheiten. Eine lange Straße, an der wie an einer Kette aufgefädelt ein Wohnhaus nach dem andren steht. Unweit der Straße, der einzigen in diesem Ort befindet sich ein See. Dieser ist mit Wald und kleinen Hügeln idyllisch umsäumt. Nadine und Maike sind bereits auf den Beinen, sie wollen zum nahe liegenden Gewässer. Sie wohnen nicht direkt im Dorf, sondern im alten Forsthaus, gut 20 Minuten Fußweg durch den angrenzenden Wald. Es ist Sonntagvormittag, die Sonne ist ein Stück himmelwärts geklettert, ihre Strahlen wärmen bereits und langsam setzt sich der Frühling durch. Heut ist wie jeden Sonntag, sofern der See eisfrei ist, Drachenbootrudern. Seit kurzem hat der hier im Ort ansässige Sportverein ein eigenes Drachenboot. Die Mitglieder des Vereines wollten unbedingt ein wenig am Dornröschenschlaf des Ortes rütteln, Leben ins Dorf holen. Dass es der Sportgemeinschaft jedoch so sehr schwer gemacht werden würde, damit rechnete keiner der Sportler. Das eine war die Beschaffung des Bootes, das andere die Nutzung des Sees. Bevor die Jugendlichen des Dorfes ihren Verein gründeten, gab es keine gemeinsamen Veranstaltungen mit den Bewohnern des Dorfes, außer Osterfeuer und Herbstfeuer, was seit der Wende zelebriert wird. Und auch hier ist der Griff zur Flasche maßgeblich am Gelingen des Abends verantwortlich. Das wollen die jungen Leute ändern. Mit der Gründung des Sportvereines gibt es etwas Geld aus der Gemeindekasse und davon wurde ein Drachenboot angeschafft. Und just von da an machten die alt Eingesessen es den Jugendlichen schwer, wo immer es nur ging. Plötzlich galten alle Interessen dem Gewässer. Obwohl von den -alten Hasen- des Dorfes nie einer schwimmen ging, geschweige denn angeln. Meier, Müller und wie sie alle hießen, die man sonst nie sah, hielten sie sich nun ständig am Wasser auf. Da wurden riesige Steine ans Ufer gepackt, so dass das Boot nicht zu Wasser gelassen werden konnte. Dann wieder stand ein Auto am Ufer, ein anderes Mal zelteten fremde Leute am Steg. Immer wieder gab es Gründe, den Bootsausflug beinahe zu verhindern. Jedoch unsere jungen Drachenbootruderer gaben nicht auf. Stolz waren sie auf ihr Boot. Wer hatte schon in so einer kleinen Gemeinde ein eigenes Drachenboot.
„Weißt noch Nadine? Der Dicke“, dabei zeigt sie auf das Haus von Herrn Becker. „Was hat der gewettert und uns beschimpft, nur weil wir uns ein bisschen vergnügen wollten. Dieser Nichtsnutz, dieser Übergewichtige und Alkoholiker.“ Maike muss laut lachen. „Stell dir den doch einmal in unserem Boot vor. Da würden wir glatt untergehen.“ Kichernd gehen die Mädchen am Haus von Herrn Becker vorbei. Das Haus der Beckers ist von altem Bestand, geschätztes Baujahr um 1856, keiner weiß es so genau. Die davorstehenden Linden sind sicher auch über 100 Jahr alt. „Eigentlich hat er ein schönes Anwesen, eine nette Frau. Warum ist er dann nur so ungenießbar? Trinkt, hat keine Arbeit und stänkert stets!“ „Kann ich dir nicht sagen, komm lass uns weiter gehen, die anderen sind vielleicht auch schon vor Ort.“ Bootsen hat nicht viele Einwohner, aber es ist ein lang gezogenes Dorf, erstreckt sich entlang der Dorfstraße und zum See brauchen die Dorfbewohner schon gut eine halbe Stunde. Die beiden Mädchen vom Forsthaus kommend, sind da schneller. Bootsen hat nicht nur den schönen See, es gibt hier viel Wald und im Herbst ist die Umgebung ein Paradies für Pilzsammler und für die Möchtegernjäger. Ansonsten hat dieser Ort nichts zu bieten, es liegt fern ab von einer größeren Stadt. Nur eine kleine Gaststätte gibt es hier. Hat sich trotz der Wende gut gehalten. Denn Konsum und Kindergarten gibt es nicht mehr. Wurden ohne jeglichen wirklichen Gründen liquidiert, was die Bewohner von Bootsen sehr bedauern. Keinen Konsum, keine ansässigen Handwerksbetriebe, eben rein gar nichts. Der Bus fährt hier jeden Tag die Schüler in die umliegenden Schulen. Zweimal die Woche kommt ein Linienbus aus der Stadt, um den Bürgern ohne Auto die Möglichkeit zum Einkauf zu bieten. So zu leben, muss man dann mögen. Da ist manch einer dem Alkohol verfallen, andere gar verrückt geworden. Aber der Sportverein, seitdem es diesen hier gibt, hat frischen Wind ins Dorfleben gebracht. Und das wiederum missfällt eben einigen von den Alteingesessenen. Wo da wäre Herr Nagel, der greise Förster. Längst ist er im Ruhestand, trotzdem mischt er sich überall ein und sät Hass und Niedertracht. Obwohl er des Gehens kaum noch mächtig ist, sieht er alles, weiß alles und ist stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alkohol und Zigarren haben sein Gesicht gezeichnet. Dazu noch die hagere lange Gestalt, da graust es schon einem, wenn man ihm unerwartet begegnet. Sein bester Freund ist Bauer Ferch. Sieht man die Beiden zusammen durchs Dorf schleichen, kommt da selten etwas Vernünftiges bei rüber. Auch der Bauer liebt Wein, dicke Zigarren und Frauen. Lang ist es her, als ihm die Bauersfrau weggelaufen ist. Nun lebt er mit den beiden Söhnen und zwei Schwiegertöchtern auf dem Hof. Hans der Jüngste kümmert sich um die Schweinezucht. Albert, der Ältere hat die Landwirtschaft unter sich. Beides läuft gut und der Alte halt viel Zeit für Schabernack und Unfug. Man sagt ihn nach, seine zwei Enkel hat er wohl im Suff gezeugt. Was außer Tratschen oder eben in der Kneipe hocken, sollen die Menschen hier sonst auch machen. Wer keine Arbeit hat, oder Rentner ist verfällt gern auf solche ungesunden Gedanken. Zum sogenannten Kleeblatt zählt der wortkarge Friedhofswärter Krisch. Diesen Vieren ist das Drachenboot ein Dorn im Auge. Und so manchen alten ansässigen Bewohner auch.
Nadine und Maike gehen noch zur Schule, sie machen ihr Abitur und wollen beide in die Landwirtschaft einsteigen. Zwei hübsche blonde schlanke Mädels, die wissen was sie wollen. Den Eltern Beider gefällt das nicht. Sie sehen in der Landwirtschaft keine Zukunft. „Überlegt doch mal Mädels, heut zu Tage kannst du alles billig aus dem Ausland einkaufen. Braucht keine Maschinen, keine Angestellten, musst dich nicht mit dem Bürokram herumärgern. Gemüse bekommst du auf dem Wochenmarkt, Kartoffeln lässt du dir anliefern. Was solls, was kostet die Welt.“ Maike und Nadine haben ein Ziel und das wollen sie nicht ändern, da können ihre Väter ihnen noch so viel schlechtes über die Landwirtschaft und deren Zukunft erzählen. Nadines Papa ist der neue Förster von Bootsen, er ist der Nachfolger des alten Försters Nagel. Was für ein Glück für die junge Familie, dass Förster Nagel ins Dorf zog zu seinem Sohn. Nicht auszudenken, wenn er auf sein Wohnrecht im Forsthaus zu Lebzeiten bestanden hätte. Nadines Papa, ach die ganze Familie verabscheut Tabakgeruch. Der alte Förster aber qualmt halt den ganzen Tag. Ewig wäre es nicht gut gegangen.
Endlich nähern sie die beiden Mädels dem See, einige der Vereinsmitglieder sind bereits vor Ort. Zunächst wird sich erst einmal ortsüblich begrüßt. Das hat hier so seine Tradition. Man gibt sich nicht die Hand, sondern schenkt sich rechts und links ein Küsschen auf die Wangen. „Ob heut alle kommen? Es wäre doch schön, würden wir das Boot mal ganz besetzen.“ Rosalinde zeigt dabei auf das Boot, was hier vor dem Ufer auf dem Kopf im Rasen liegt. „Hat der alte Stänker den Steg eigentlich frei gemacht? Oder hat er wieder seinen Kahn an die Kette angeschlossen?“ Die Mädels gehen zum Steg, um nachzuschauen. Seitdem sie das Drachenboot haben, ist es am Sonntag stets das gleiche Desaster. Herrn Becker sein Ruderboot muss erst entfernt werden, damit die Drachenbootfreunde das Ihrige dann in den See schieben können. Und dann noch die vielen anderen Gehässigkeiten, wie Steine, Autos, Baumaterialien usw. vor dem Steg zu deponieren. Wer immer und was auch immer, das auch sei, die Paddler lassen sich nicht beirren und räumen halt aus dem Weg, was weggeräumt werden muss. Und damit niemand meckern kann, wird alles ordentlich am Rande des Sees abgelegt. Nach und nach trudeln die restlichen Mädels und Jungen ein. Fast alle haben noch keine Familie, wohnen bei den Eltern, gehen zur Schule, lernen oder studieren und einige sind aus den Nachbardörfern. Nur Hans und Albert haben bereits eine Familie. Doch so oft es nur geht, kommen die beiden jungen Familienväter am Sonntagvormittag mit. Heut haben sie Zeit. Viele männliche Paddler sind eh nicht im Verein, da freuen sich die weiblichen Paddlerinnen, dass es ein paar kräftige Hände mehr gibt, wenn das Boot zu Wasser gelassen werden soll.
Es vergeht noch eine gute halbe Stunde, bis man alles Neue und wichtige aus dem Dorfleben ausdiskutiert hat. „So Mädels, dann lasst uns mal loslegen, ewig Zeit haben Hans und ich nicht. Ihr kennt unseren Alten.“ Alle Anwesenden lachen laut. Wer kennt den alten Griesgram, den Bauer Ferch nicht. Jeder hier hat schon mindestens eine unliebsame Begegnung mit dem Griesgram hinter sich. „Lasst uns erst zum Steg schauen, mal sehen, ob er heute frei ist.“ Nadine schreit dazwischen, „Der Steg ist frei, der Alte pennt wohl noch.“ Die Paddler kommen kaum aus dem Staunen heraus, der Steg ist nicht verbarrikadiert, wie sonst immer?. „Eh Leute, was ist denn mit Becker los? Hat der den Sonntag heut wirklich verschlafen? Oder ist er endlich zur Vernunft gekommen, dass das ewige Stänkern zu nichts führt?“ Sogar Dresche mit dem Knüppel hat Herr Becker den Jugendlichen angedroht, wenn sie nicht aufhören, die sonntägliche Ruhe zu stören. Und was heißt hier Ruhe! Die Sportler fahren ohne die Schlagtrommel, eben um keinen Lärm zu veranstalten. Der die Trommel sonst schlägt, zählt halt laut- und eins und eins -und so weiter. Am Ende der Tour fehlt demjenigen dann meist die Stimme. Keiner hat auf diese Frage eine Antwort. „Na umso besser, dann können wir gleich das Boot zum Steg tragen.“ Das Gewässer ist auf dieser Seite sehr tief, man kann nur vom Steg aus ins Boot steigen. Vom Liegeplatz des Bootes über die Wiese zum Anlegesteg ist halt auch ein gutes Stück zu laufen. Aber heut sind vier starke Männer und 14 Mädchen am Start, da bedarf es keiner großen Anstrengung. Schnell verteilen sich die Paddler um das Drachenboot, „Bei drei heben wir an“. Hans ist heut der Trommler und gleichzeitig Teamchef. Nachdem jeder sich in Position gestellt hat, zählt Hans bis drei. „Eins, zwei und drei und hoch!“ Doch das Boot lässt sich nicht wie gewohnt hochheben und schon gar nicht drehen. „Eh Leute, was ist los, keine Kraft in den Armen? Nochmal.“ Auch der zweite Versuch misslingt. „Hat da einer Steine ins Boot verbracht? Mann ist das Ding schwer?“ Hans hält inne, „Wir heben den Kahn nicht hoch, wir drehen es erst einmal nur um und bei drei.“ Mit viel Kraft gelingt es dem Team das Boot zu drehen. Was sich den jungen Leuten dann darbietet, verschlägt allen den Atem und kein Mucks ist zu hören. Sie machen einen grausigen Fund. Im inneren des Drachenbootes ist ein Mann an den Sitzen festgebunden, mit weit aufgerissen Mund starrt der Tote ins Nichts. Nach ewigem Schweigen, so kommt es den Paddlern vor, findet Hans die ersten Worte.
„Mein Gott, das ist ja der Becker. Der fette Becker! Das glaub ich jetzt nicht.“ Plötzlich ist es mit der Ruhe vorbei, alle schreien durcheinander. Die Paddler sind außer sich. Einen Toten, in ihrem Dorf! Das hat es noch nie gegeben. Und dann noch einer vom Kleeblatt. „Wer hat das denn getan?“ „Seid mal still“, schreit Hans nun laut. „Wir müssen die Polizei verständigen, fast bloß nichts an!“ Schnell werden die Handys gezückt. In der heutigen modernen Internetwelt, hat natürlich jeder so ein Ding. „Ich machs, ich rufe die Bullen.“ Schnell wählt Nadine die 110. Nadine ist so aufgeregt, dass sie zunächst kein Wort hervorbringt. „Gib schon her ich mach das“, Hans nimmt ihr das Handy aus der Hand.
Hans macht sich gerade, fast steht er stramm und wäre die Situation nicht so traurig, hätten gern jetzt alle laut losgelacht. „Hans Ferch, guten Morgen, ich rufe aus Bootsen an, wir stehen hier am See von Bootsen. Wir die Sportler, nein die Paddler wollen eben unser Boot, unser Drachenboot zu Wasser lassen. Als wir es heben wollen, merken wir, dass das Boot ungewohnt schwer ist und sich nicht anheben lässt, also drehen wir es nur auf der Stelle um. Da finden wir liegend an den Sitzbänken gefesselt einen Menschen, augenscheinlich tot vor. Wir haben hier wahrscheinlich eine Leiche!“ Der Polizist am anderen Ende glaubt sich zunächst verschaukelt. „Hast wohl gestern zu tief in die Flasche geschaut, was! Das kann dir teuer zu stehen kommen.“ „Nein, nein ich scherze nicht. Wir wollen eben unser Drachenboot ins Wasser schieben und als wir das Boot drehen, liegt da ein Toter drin.“ Hans ist verärgert. Er hält die Hand vor das Handy und flüstert dem Trupp leise zu, „Der glaubt mir nicht.“ Da meldet sich der Beamte am anderen Ende wieder, „Bleibt, wo ihr seid. Wir sind gleich da.“ Nun geht das Rätseln um den Toten erst richtig los. „Wer hat denn den auf dem Gewissen? Es mochte ihn kaum einer im Ort, das ist wahr, aber gleich um die Ecke bringen? Man, das ist schon eine harte Nuss.“ Durch den Lärm, den die Jugendlichen veranstalten, kommen die ersten Neugierigen zum vermeintlichen Tatort. Familie Bastian wohnt direkt am Ufer, außer ihnen gibt es die Bungalowbesitzer. Dann wohne noch die Beckers, Müller und Schulzes am Seeufer. Die Kinder sind bereits aus dem Haus, somit wohnen Frau und Herr Bastian allein hier mit Hund Karlo und Katze Frieda. Sie sind nicht mehr berufstätig, haben viel Zeit und leben das Leben. Sind ruhig, verträglich und kommen mit jedem Dorfbewohner zurecht. „Was macht ihr heute Morgen nur für einen Krach? Kennen wir doch sonst nicht von euch?“ Hans zeigt auf das Drachenboot. Neugierig schaut Herr Bastian ins Drachenboot. „Ach nee, hat es den Alten nun doch erwischt. Wird wohl selbst schuld sein an seinem unfreiwilligen Dahingehen. Wer da wohl sich rächte oder an ihm seine Wut ausgelassen hat?“ „Mensch Karl, mach dich nicht unglücklich. Dann denkt die Polizei noch, du hast was mit dem Tod von Herrn Becker zu tun!“ Frau Bastian schaut dabei ihren Mann, der mindestens zwei Köpfe größer ist, vorwurfsvoll an. „Ich sehe noch keine Polizei, du? Beruhig dich mal Rieke, das habe ich doch nur so gesagt“, dabei lacht Herr Bastian laut aus voller Kehle. Frau Rieke ist eine kleine zarte Person mit lockig krausen grauen Haaren. Und was sie am Kopf zu viel an Haaren besitzt, fehlt ihrem Mann dafür umso mehr. Ihr Mann Karl ist ein lang aufgeschossener hagerer Mann mit dem sonnigsten Gemüt, das es in Bootsen nur geben kann. Die Gruppe ist noch stark am Diskutieren und Bemerken dabei nicht das Ankommen der gerufenen Polizei.
