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Das Unfassbare ist geschehen. Ein Mord in einer sonst so ruhigen Stadt, der Stadt Crivitz. Man fand eine abgetrennte Hand von einem Menschen, liegend mitten auf dem Gehweg. Der dazu gehörige Torso fehlt, nicht zu sehen. Crivitz ist aufgewühlt. Ein Mord! Oder doch kein Mord? Wer war der Mensch. Wer ist dieser Mensch von jener Hand? Die Kripo aus Sternberg hat zu tun. Ein Fall oder doch kein Fall? Es wird ein langer Weg, bis Kriminalhauptkommissar Lutz den Fall doch noch lösen kann.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2025
Jutta Hinzmann
Die Hand von Crivitz
Der fast perfekte Mord
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Hand von Crivitz oder Der fast perfekte Mord
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Impressum neobooks
Kriminalroman von Jutta Hinzmann
Vorwort
Der fast perfekte Mord
„Das war heute wieder „tre`s bien“, vorzüglich, würde der Franzose sagen. Gerd und Rita kommen eben aus dem Restaurant am See. Man geht mindestens einmal im Monat hier essen, gut bürgerliche Küche. Die Speisen sind ausgewogen und reichlich, dazu ein frisch gezapftes Bier, macht so manchen Menschen glücklich hier in dieser kleinen Stadt. Eben aus jenem Restaurant am See, was schon von der vierten Generation betrieben wird, kommen die Beiden. Satt und zufrieden und sich unterhaltend, lenkt das Ehepaar seine Schritte der heimatlichen Behausung entgegen. Sie gehören zum Urgestein von Crivitz, sind hier im sogenannten „Storchennest“ zur Welt gekommen, sind hier zur Schule gegangen, haben hier gearbeitet und leben nun ihren wohlverdienten Ruhestand. Gerd und Rita haben nie mehr als ihre Heimatstadt und ihren Garten kennen gelernt. Macht verbrachte den Jahresurlaub stets in der Heimat, es brauchte nicht mehr. Die Familie war stets glücklich und zufrieden.
Jeder in der Stadt kennt die Beiden und Feinde haben sie nicht. Die Schwalben fliegen durch die engen kleinen Gassen der Stadt und lassen ihr „Kiwitt, Kiwitt“ hören. Es ist Sommer, lang war es zu trocken, nun hat es endlich geregnet, eher gegossen. Feuchte Schwüle breitet sich in den engen Gassen der Stadt aus, die Luft steht förmlich in den Straßen, kein noch so kleines Lüftchen weht.
Schon haben sie den Markt überquert, wo es bis heute einen Bäcker, noch aus DDR-Zeiten gibt, und wollen eben in Richtung Kreuzung, da stolpert Gerd beinahe über einen Gegenstand. Gerd stoppt abrupt und schaut ungläubig auf das, was vor seinen Füßen liegt. Rita bemerkt noch nichts, geht gedankenlos weiter und ruft erst ihren Mann, nachdem sie seine Abwesenheit bemerkt. „Eh Gerd, was ist? Kannst nicht mehr? So viel hast du doch nicht gegessen und getrunken. Nun komm schon, dass Bett ruft nach mir.“
Gerd hört seine Frau nicht, glaubt eher nicht richtig gucken zu können, oder das er gar träumt, das aber da, was immer noch vor seinen Füßen liegt, sich nicht rührt, das da ist eine richtige menschliche abgetrennte Hand. Er kann es kaum glauben, da läuft ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken und Gerd meint sich übergeben zu müssen, so sehr ist er erschrocken, rebelliert sein Magen. Er schüttelt sich vor Unbehagen.
Rita ist verärgert, diese Männer denkt sie und stampft wütend zurück zu ihrem Mann. Der steht, wie angewurzelt vor einem Etwas, was Rita ebenfalls nicht gleich erkennen kann. Die drei bis vier Bier lassen sie die Welt sicher etwas rosiger und beschwingter erscheinen, mehr auch nicht. Klar denken kann sie noch. „Na mein Gerdchen, was hast du denn da entdeckt, hm?“ Nun erst schaut Rita richtig hin, dann recht verdutzt drein, als sie eine menschliche abgetrennte Hand vom Rest eines Menschen, welcher nicht zu sehen ist, erkennt. „Oh mein Gott! Was ist das denn? Wer macht denn so etwas? Eine Hand? Soll das ein Scherz sein? Dann ist das aber ein makabrer Scherz.“ Rita kann sich nicht beruhigen und brabbelt ununterbrochen weiter.
„Das ist grauenhaft. Da hat irgendetwas bereits dran geknappert, vielleicht ein Tier, schau mal Gerd? Komm lass uns weiter gehen, komm Gerd gibt nur Trabbel. Haben wir nicht gesehen.“
„Nein Rita Schätzen, nein so geht das nicht! Wir können nicht so tun, als hätten wir nichts gesehen. Wir rufen jetzt die Polizei.“ „Ja wenn du meinst?“ So ein bisschen schwankt Rita dann doch hin und her. Vielleicht war eines der vielen Biere zu viel.
Leicht benommen vom Bier und zugleich erschrocken, schauen Gerd und Rita sich um. Wie verhext scheint die Zeit und der Ort, sehen sie Beide doch keinen einzigen Menschen! Als wüssten alle Crivitzer, das hier ein Unglück geschehen sein muss, nur sie Beide sind ahnungslos. Die Stadt wirkt mal eben, wie ausgestorben, was in der Regel am Wochenende normal ist.
Mit zittrigen schweißnassen Händen zieht Gerd sein Handy aus der Hosentasche. Wählt die 110 und wartet.
Nach nur ein paar wenigen Sekunden meldet sich eine Stimme am Handy. „Mach Du“, und reicht das Handy seiner Frau in der Hoffnung, sie wird es richten. Heftig schüttelt sie den Kopf und gibt das Handy wortlos ihrem Mann zurück. Der zieht die Schultern hoch und flüstert leise, „Was soll ich denn sagen?“
„Na was du hier siehst!“
„Nabend, hier Schröter am Telefon.“ Gerd findet nicht so schnell die richtigen Worte. „Ja wie soll ich anfangen, eher sagen, aber hier liegt eine abgetrennte echte menschliche Hand mitten auf der Straße, ehrlich. Wirklich!“ Gerd kommt sich dabei wie ein Kind vor, das eben eine Dummheit begangen hat und nun beichtet.
Ein kurzes Räuspern und dann fragt die Stimme, ob er vielleicht zu tief in die Flasche geschaut habe. Eine abgetrennte Hand hat es noch nie hier in Crivitz gegeben. Unglaublich. Ist wohl ein Scherzartikel, schauen sie bitte noch einmal richtig hin!“
Gerd schaut kopfschüttelnd erst das Handy und dann seine Frau an. „Der glaubt mir nicht, Rita. Der Beamte fragt mich, ob ich getrunken hätte, Rita.“ Dabei blickt Gerd recht verständnislos auf sein Handy. „Gib her, ich mach das jetzt, Männer.“ Und schon reißt Rita ihrem Mann das Handy aus der Hand und meldet sich.
„Nabend, mein Name ist Schröter Rita und getrunken haben wir nichts! Aber eine Hand liegt hier tatsächlich auf dem Fußweg. Würden sie sich bitte hierher bewegen und sich von unserer Aussage überzeugen?“ Rita ist leicht erregt, eher wütend berichtet sie ihrem Mann, was der Beamte zu ihr gesagt hat. „Man glaubt es kaum, du hast recht aber der Beamte zweifelt an unserer Aussage, der Tatsache, dass hier etwas liegt, was wohl einem Verbrechen gleich kommt. Dann lass uns mal auf die Polizei warten, kann ja nicht lang dauern. Die Stadt ist nicht groß und das Revier nicht weit.“ Gerd und Rita stehen auf dem Gehweg und schauen in Richtung Bahnhof, denn von dort muss die Polizei kommen. Haben sie doch dort ihre Polizeistation. Der Regen hat aufgehört, die Sonne scheint endlich wieder. Sie hat Kraft und bis diese untergehen wird, vergehen noch fast drei Stunden, da macht das Warten keine Probleme, man steht sich gern die Beine in den Bauch, oder so ähnlich und kalt ist es auch nicht.
Während die Beiden still stehen vor dem Objekt der Unglaublichkeit, kommen die ersten Bewohner aus Crivitz auf sie zu, die den Weg der beiden Wartenden aus irgendeinem Grund queren müssen.
Das sind Ines und Ingo. Man kennt sich aus dem hiesigen Schützenverein. „He! Was ist mit euch? Habt ihr etwas verloren? Oder warum steht ihr Zwei wie zwei begossenen Pudel auf einer Stelle und kommt nicht weiter?“
Zum Antworten kommen Gerd und Rita nicht, den Beckers wird die Frage umgehend von selbst beantwortet. Man entdeckt eine Hand und Ines wird es direkt übel vom Anblick des schier unmöglichen, einer abgetrennten menschlichen Hand.
„Ist das ein Scherz? Habt ihr die Bullen gerufen? Unfassbar! Und das hier in Crivitz.“ Auch Ingo Becker kann sich kaum beruhigen, doch die Neugier lässt ihn nicht ruhen. So schaut er jetzt richtig auf die Hand. „Nun die sieht noch recht frisch aus, der oder die hat sie bestimmt erst in den letzten 24 Stunden verloren oder so.“ Ingo fühlt sich wie ein Rechtsmediziner, nur das er keiner ist. Ingo hat sein Lebenslang „Gas, Wasser, Schei…“ gearbeitet, also er war ein Installateur und ist nun im Ruhestand, wie Gerd und Rita auch. Seiner Frau hingegen ist noch immer schlecht und sie hat sich ein weit vom Fundort entfernt. Aus sicherer Entfernung beobachtet sie das weitere Geschehen.
Die Polizei ist noch nicht in Sicht, da nähert sich der nächste Passant. Chris, der ewige Junggeselle kommt mit Boxer Bruno auf die kleine still stehende Gruppe von Menschen hinzu.
„Moin. Eh! Was isn hier los? Gibt’s hier was umsonst? Oh nee, das ist ja nen Ding. Eine echte Hand, oder ist schon Karneval? Hast so was schon mal gesehen?“ Chris begutachtet die Hand genauer. „Hm, hat wohl schon jemand Hunger gehabt, nen Vogel oder so. Und Dreck ist auch dran, wer weiß wo die schon gelegen hat.“ Ob Chris nun seinen Hund meint, dem er von seinen kriminalistischen Erfahrungen erzählt, oder den anderen Passanten, das weiss man nicht.“ Hund Bruno lässt ein tiefes Knurren von sich hören. Man schweigt und der kleine Menschenhaufen wächst an, nach und nach verirrt sich ein Mensch nach dem anderen hierher.
Endlich nähert sich die Polizei, dann will Chris bleiben, ist ja schließlich was los hier in der sonst so ruhigen Stadt Crivitz.
Chris denkt sofort an die heißen Schlagzeilen in der hiesigen Tageszeitung, er will umgehend Marianne vom Abendblatt aus Parchim informieren. Wäre doch der Hammer, mal was nicht alltägliches lesen zu können.
Die Ermittler
Samstagabend. Normalerweise passiert hier in Crivitz um diese Zeit an einem Samstag nichts.
Der Mensch aus dieser Stadt zu dieser Zeit, sitzt zu Hause am heimischen Fernseher und lässt sich von irgendwelchen Sendungen, die über den Bildschirm flimmern, verwöhnen oder zu dröhnen. Dann gibt es noch die emsigen Schrebergartenbesitzer, welche tatsächlich Samstagabend noch im eigenen Grünen verweilen oder schuften. Und dann sind da die ewig Hungrigen, die den Weg zum Stillen ihres Verlangens, in die hier ansässigen Restaurants gefunden haben.
Crivitz ist an einem See gelegen und die Anwohner haben sich früher hauptsächlich vom Fisch ernährt. Die zum Teil gut erhaltene Altstadt mit seinen kleinen Häusern zeugt von nicht pompösen Reichtum, eher vom bescheidenen Leben der Fischer und Bauern. Eine ruhige Stadt ohne wesentliche außergewöhnliche Ereignisse, bislang. Wohl aber soll es gleich nach der Wende hier in Crivitz einen richtigen Mord gegeben haben. Das ist 30 Jahre her und man hat dieses Ereignis vergessen.
Und weil die Stadt so ruhig ist und schon immer war, sitzen Beatrix und Julian, zwei junge Polizisten aus Crivitz auf dem Polizeirevier völlig entspannt am Laptop und verfolgen ein Fußballspiel aus Dresden. Anbei steht für jeden eine Cola und Chips, was unweigerlich langsam sichtbar wird.
Völlig aus Zeit und Raum gerissen, schellt das Telefon im Polizeirevier von Crivitz. Beatrix schaut Julian entgeistert an. „Was denn, es ist Samstagabend. Samstags klingelt nie das Telefon. Geh du ran Julian, ich mag nicht.“ Lässig greift Julian zum Telefon und meldet sich nach vorgegebenen Wort Satz, „Guten Abend, mein Name ist Julian Fleischer, diensthabender Polizeimeister von Crivitz, was kann ich für sie tun?“ Julian wartet ab, er vernimmt zwei Stimmen, „Mach du, los. Du kannst besser reden.“ Dann hört er nichts. Schon will er kopfschüttelnd auflegen, spricht plötzlich eine Person, wohl männlicher Natur dem Klang nach zu urteilen.
„Nabend, Schröter hier. Eh, ich weiß nicht genau, aber ich glaube vor mir liegt die abgetrennte Hand eines Menschen. Hier so einfach auf der Straße zum Markt. Wirklich!“ Schweigen!
Julian schaltet das Telefon auf laut und bittet Beatrix per Handzeichen mit zuhören.
„Bitte wiederholen sie, was sie gesehen haben wollen. Meine Kollegin wird mithören.“
Diesmal spricht eine Frau. „Rita Schröter, die Ehefrau von Gerd Schröter. Wir kommen eben aus dem Gasthaus am See und sind auf dem Weg nach Haus. Wir stehen hier in Nähe des Marktes. Und vor uns, vor unseren Füßen liegt eine Hand, eine echte, abgetrennt von einem Menschen. Furchtbar, aber wirklich wahr.“
„Und getrunken haben sie nicht?“ Julian ist leicht verärgert. Will man ihn verschaukeln? Ihm scheint unglaubwürdig, was die Schröters am Telefon erzählen. Doch seine Meinung gilt hier nicht und er handelt umgehend.
„Bitte bleiben sie vor Ort, es werden gleich Kollegen kommen, bitte fassen sie nichts an.“
Das Ehepaar Schröter bleibt wie ihnen befohlen, vor der Hand stehen und warten darauf, was nun kommen wird. Ihnen wäre nicht im Geringsten eingefallen, dieses Objekt „Hand“ zu entfernen, geschweige denn anzufassen.
Rita ist eine Mitte Sechziger, klein und rundlich mit schulterlangen, blonden Haaren. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters ist sie eine hübsche und gut aussehende Frau geblieben. Gerd, ihr Mann ist der eher sportliche Typ. Fährt viel Fahrrad und redet wenig. Zusammen machen die Beiden ein hübsches Paar aus. Rita war ihr ganzes Leben Verkäuferin bis zur Rente. Nie tat sie etwas anderes, auch deshalb kennt man sie hier bestens und umgekehrt ist es ebenso. So manches Kind, was vor 40 Jahren bei ihr im Konsum Bonbon oder einen Lutscher kaufte, ist heut Rentner wie sie oder hat den Weg auf dem Friedhof schon hinter sich.
Auf dem Polizeirevier in Crivitz ist man der weil rege geworden, anrufen, koordinieren und so weiter, was sonst eher selten, bis gar nicht vorkommt. Das Revier hat sein Domizil seit ewigen Jahren auf eine kleinen Anhöhe, einem kleinen Hügel, bewachsen mit vielen Laubbäumen, mitten in der Stadt. Von dort hat man eine uneingeschränkte Sicht auf einen Teil der Altstadt, wenn im Herbst die Bäume ihre Blätter fallen haben lassen. Lang ist es her, da hatte Crivitz sein eigenes Polizeipräsidium mit einem Kriminalhauptkommissar und Beamten, der Bereitschaftspolizei und den Streifenpolizisten. Geblieben sind nur die Polizei und deren Mitarbeiter.
In den letzten Jahrzehnten Jahren hat sich viel geändert in der Stadt Crivitz, Veränderungen haben auch vor dem Polizeirevier nicht Halt gemacht. Es wurde ein neues schickes und modernes Stadthaus gebaut, vor der Wende gab es ein Kino, nach der Wende wurde es geschlossen zum Verdruss der Crivitzer. Es versuchten sich einige Restaurantbetreiber im Kino, jedoch ohne Erfolg. Ganz früher gab es zwei Badestellen am See, welcher idyllisch am Stadtausgang liegt. Durch starke Verschmutzung des Wassers ist das Baden Geschichte, aber angeln geht immer noch. Neben dem alteingesessenen Restaurant am See gibt es ein indisches Restaurant, ein paar Dönerbuden, ein Kaffee, einen Bäcker und sogar zwei Fleischereien. Es gibt ein Gymnasium, eine Grundschule und eine Realschule, Sportvereine, Karnevalsclub, Fahrradverein und so manches andere auch noch. Sogar ein Krankenhaus und eine Kirche hat Crivitz. Baulich hat sich die Altstadt von Crivitz in den letzten Jahren wenig verändert bis auf die Neubaugebiete. Aber es ist eine Stadt, die sich sehen lassen kann, sportlich wie kulturell und medizinisch.
Julian hat inzwischen das Polizeipräsidium in Sternberg informiert und die Spurensicherung aus Schwerin angefordert. Man will so schnell als möglich vor Ort sein. Die beiden diensthabenden Polizisten fahren vorweg zum Fundort.
Und hier haben sich mit der Weil etliche Crivitzer eingefunden. Man ist angerregt in einem Gespräch verwickelt. Und die klugen Worte der Menschen nehmen gar kein Ende. Erst als Julian und Beatrix vor Ort eitreffen, verstummt das intensive Gespräch langsam.
Selbstredend kommt man mit dem Dienstauto, obwohl das Polizeirevier nur circa 1 km entfernt liegt.
Beatrix und Julian gehen mit forschen Schritten auf den Menschenauflauf zu.
„Guten Abend, Beatrix Maler, Kommissar Anwärter und Julian Fleischer, diensthabende Polizeimeister von Crivitz, lassen sie uns bitte mal durch? Wo liegt besagte Fundsache? Und wer hat sie gefunden, zuerst gefunden?“
Den Polizisten wird Platz gemacht. Mit einer gewissen Neugier wird besagtes Objekt begutachtet. Es handelt sich definitiv um eine abgetrennte Hand. Wie sie wohl hierher kam? Und wer hat sie hierher verbracht? Handelt es sich um eine Frau oder Mann, jung oder alt? Das zu ermitteln, soll nicht die Aufgabe der zwei Polizisten sein.
„Ist jetzt Mord und Todschlag in Crivitz angekommen? Ist es mit der Ruhe hier vorbei, na dann mal gute Nacht. Ich fasse es nicht.“ Ein Bürger aus Crivitz lamentiert lautstark.
Es ist der Alte Fritz, jedermann man kennt ihn, nur die jungen Polizisten nicht. Er drängelt sich bis zu den Polizisten vor und lamentiert weiter. Die jungen Polizisten sind erst seit kurzem in Crivitz tätig. Sie haben die Beiden auf die Rente zu gehenden Beamten, welche nun den Ruhestand genießen, vor ein paar Wochen abgelöst. Ja und die „alten Hasen“, die kannten natürlich jeden in Crivitz. Waren sie nicht schon als „Abschnittsbevollmächtigte“ zu DDR-Zeiten hier beschäftigt. „Ist ja gut Herr? Wie heißen sie eigentlich?“ Beatrix ist nett und höfflich zu diesem alten Mann. „Na Konrad, Fritz Konrad. Weiss doch jeder hier!“ Mag schon sein, denkt Beatrix, ich jedoch nicht.
Sie ist eine junge aufstrebende Frau, die ihre kriminalistische Laufbahn für den gehobenen Dienst als Anwärter zum Kommissar hier in Crivitz begonnen hat. Schlank, groß und sehr gut aussehend, macht sie das zu einer anziehenden Person. Letzteres ist ihr nicht wichtig. Aber anerkannt sein schon, Respekt zeigen in ihrem Job als Ordnungshüter, dass verlangt sie von jedem Bürger, also auch von Herrn Konrad. Und Julian hat hier seine Heimat gefunden. Ist jung verliebt und gerade hat er geheiratet. Er und seine junge Angetraute wohnen in der Altstadt von Crivitz und Julian findet die Welt so wie sie gerade ist für ihn ausreichend und gut. Er hat den mittleren Dienst als Anwärter zum Polizeimeister absolviert. Mehr möchte er nicht in der beruflichen Laufbahn erreichen. Familie ist ihm da schon wichtiger. Zumal sie Nachwuchs erwarten. Die Polizisten lassen sich durch die Neugier einiger Crivitzer nicht aus der Ruhe bringen. „Nun mal ganz sachte. Wir sperren jetzt den Fundort ab, sie treten alle bei Seite und zusammen warten wir auf die Kriminalpolizei, welche aus Sternberg kommt. Sind bereits verständigt und müssten gleich eintreffen.“
Der Kreis der Neugierigen hat sich auf zehn bis ungefähr 15 Menschen vergrößert.
„Endlich passiert mal was in Crivitz, spannend.“ Julian hört die Sprüche und ignoriert sie einfach.
Kaum eine halbe Stunde ist vergangen, seit dem Julian in Sternberg bei dem diensthabenden Kriminalhauptkommissar des Polizeipräsidium angerufen hat, da sieht er den Kommissar Lutz auf die Gruppe zu eilen.
Die jungen Polizisten sind erleichtert, soll die Kripo hier weiter machen. Mit wenigen Worten erklären sie dem Kriminalbeamten Lutz die Lage. „Sind sie allein gekommen?“ „Eh ne, da kommen gleich noch zwei Beamte,“ antwortet der Kriminalhauptkommissar Lutz. Lutz schaut sich erst einmal um und stellt sich den Wartenden mit Name und Rang vor.. Nun der Fundort ist hier nicht gleich Tatort, mit Spuren sichern wird da wohl nichts sein. Die letzten drei Tagen hat es geregnet und unter der Woche ist diese Straße eine viel frequentierte Straße. Wird nicht leicht werden, denkt sich der Kommissar. Er lässt von seinen Gedanken ab und wendet sich den Passanten zu, die sichtlich darauf warten, was nun passieren wird.
„Gleich kommen noch zwei Beamte dazu, die jungen Polizisten aus ihrer Stadt nehmen zunächst ihre Personalien auf und werden ihnen erklären, was weiter hinsichtlich dieses Ereignisses für sie relevant sein wird.“
Endlich sind die zwei Kommissare aus Sternberg eingetroffen, lassen sich kurz instruieren, beraten sich mit ihrem Vorgesetzten Kriminalhauptkommissar Lutz und beginnen umgehend mit ihrer Arbeit.
Was sich dann als schwierig erweist.
