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Kein anderes Herbizid hat die landwirtschaftliche Massenproduktion so beeinflusst wie Glyphosat. Dabei wurden schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur jahrzehntelang ignoriert, verleugnet, vertuscht, kritische Wissenschaftler und Journalisten zum Schweigen gebracht. Kein Wunder, wird der weltweite Markt doch auf ein Volumen von etwa zehn Milliarden US-Dollar geschätzt und werden jährlich mindestens eine Million Tonnen des Unkrautvernichters versprüht.
Nun liefert die ehemalige leitende Wissenschaftlerin des Massachusetts Institute of Technology (MIT) Dr. Stephanie Seneff unumstößliche Beweise für die verheerenden gesundheitlichen und ökologischen Wirkungen der Substanz und belegt, dass Glyphosat als wesentliche Ursache für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Autismus, Parkinson, Alzheimer, Autoimmun-Erkrankungen und Krebs anzusehen ist, wobei sich die schädigende Wirkung im Zusammenspiel mit anderen Giftstoffen noch verstärkt.
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Seitenzahl: 456
Veröffentlichungsjahr: 2025
„Während sich sogenannte Wissenschafts- und Gesundheitsjournalisten in den letzten 10 Jahren genüsslich damit begnügten, die begrenzten Gesprächsthemen der Unternehmen über die Sicherheit von Glyphosat zu wiederholen, war Dr. Seneff auf der Suche nach tieferen Wahrheiten. Tödliches Vermächtnis ist vielleicht eine der wichtigsten literarischen Reisen, die eine Fülle von unwiderlegbaren Beweisen, essenzieller Wissenschaft sowie die persönliche Reise einer der wertvollsten wissenschaftlichen Forscherinnen unserer Zeit miteinander verwebt.“
Jefferey Jaxen, investigativer Journalist
Die Zukunft gehört den Mutigen.
STEPHANIE SENEFF
Wie das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat unsere Gesundheit und die Umwelt zerstört
ins Deutsche übersetzt von Dr. med. Hans-Michael Hackenberg
unter Mitwirkung von Dr. med. Wolfgang Wodarg
Für Victor Zue, die Liebe meines Lebens.
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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
Toxic Legacy: How the Weedkiller Glyphosate Is Destroying Our Health
and the Environment bei Chelsea Green Publishing,
White River Junction, VT, USA, www.chelseagreen.com.
Copyright © bei Stephanie Seneff, 2021
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe
bei Rubikon-Verlag GmbH, Basel 2025
ISBN 978-3-9525954-9-7 · 1. Auflage 2025
Übersetzung ins Deutsche: Dr. med. Hans-Michael Hackenberg
Lektorat und Korrektorat: Kirsten Skacel, Lektorat Rotstift
Satz: Greiner & Reichel, Köln
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Einführung
1. Beweise für die Schäden
2. Versagende Ökosysteme
3. Glyphosat und das Mikrobiom
4. Aminosäure-Analogon
5. Das Phosphat-Rätsel
6. Sulfat, ein Wundermittel
7. Lebererkrankungen
8. Fortpflanzung und frühe Entwicklung
9. Neurologische Störungen
10. Autoimmunität
11. Heute neu starten in ein gesundes Morgen
Danksagung
Nachwort: Gifte, um die Natur, um das Leben zu knechten …
Anhang A: Tabellen
Anhang B: Empfohlene Quellen
Anmerkungen
Manch einer erinnert sich noch an die sogenannte Séralini-Affäre, die im Jahr 2012 mit der Veröffentlichung einer Studie begann, die unter der Leitung des französischen Molekularbiologen Gilles-Éric Séralini durchgeführt worden war. In dieser Studie wurden Ratten mit Roundup-resistentem Mais gefüttert. Die Kernaussage der Studie war, dass Roundup beziehungsweise sein Hauptwirkstoff Glyphosat und Roundup-resistenter Mais karzinogen seien. Die Studie wurde ein Jahr später von der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology zurückgezogen, im Jahr 2014 dann aber in der Fachzeitschrift Environmental Sciences Europe erneut veröffentlicht.
Im Jahr 2018 mussten Dokumente im Rahmen eines Rechtsstreites, den Dewayne Lee Johnson gegen Monsanto/Bayer führte, öffentlich gemacht werden. Johnson, der für die Schädlings- und Unkrautbekämpfung an einer Schule nordöstlich von San Francisco verantwortlich war und zwischenzeitlich an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt war, wurde im Rahmen des Verfahrens ein Schadensersatz von 20,5 Millionen US-Dollar zugesprochen.
Bei der Prüfung der Dokumente zeigte sich, dass Monsanto ein gesponsertes Ghostwriting-Netzwerk unterhielt, in dessen Rahmen Artikel in toxikologischen Zeitschriften und Laienmedien veröffentlicht wurden. Es ging um Einmischung in Peer-Review-Prozesse, Einfluss auf Rücknahme kritischer wissenschaftlicher Artikel zu Glyphosat und eine sogenannte akademische Website zur Verteidigung von Monsanto-Produkten. Seither sprach man von den Monsanto Papers.*
Alle Kritik und Hinweise aus der Wissenschaft hinderten die Europäische Kommission nicht daran, die Zulassungsgenehmigung für Glyphosat immer wieder zu verlängern, und wie zu befürchten war, wurde die Zulassung im November 2023 nochmals für weitere zehn Jahre verlängert. Die chronische Vergiftung unserer Bevölkerung wird also weitergehen. Bis zu 40 Prozent der deutschen Äcker werden derzeit mit Glyphosat gespritzt, von Weizen über Mais bis Raps. Seit Juni 2021 gilt in Österreich ein eingeschränktes Glyphosat-Verbot.
Stephanie Seneff hat das Thema erneut aufgegriffen, nachdem ihr aufgefallen war, dass die Zunahme einer Vielzahl von ernsten Erkrankungen in den USA mit der Verwendung von Glyphosat korreliert. Autismus ist eine dieser Erkrankungen, die auch in ihrer Häufigkeit in Europa zunimmt. Stephanie Seneffs Buch zeigt die krankmachenden Vorgänge, die durch Glyphosat in unserem Körper ausgelöst werden, bis ins Detail. Es ist an der Zeit, dass diese Erkenntnisse an JEDERMANN herangetragen werden, an jeden Glyphosat-Anwender, jeden Konsumenten und jeden politischen Vertreter der Bürger in unserem Land.
Dr. med. Hans-Michael Hackenberg Sigmaringen, im Oktober 2024
Besonderer Dank gebührt meiner Kollegin Dr. med. Cornelia Morche für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Suche nach Schreib- und grammatikalischen Fehlern in der deutschen Ausgabe sowie meinem Kollegen Dr. med. Wolfgang Wodarg, der an der Übersetzung mitgewirkt hat.
* McHenry LB. The Monsanto Papers: Poisoning the scientific well. Int J Risk Saf Med. 2018, 29(3–4): 193–205. doi: 10.3233/JRS-180028. PMID: 29843257.
»Wir haben diesen Planeten nicht von unseren Eltern geerbt, wir haben ihn von unseren Kindern geliehen. Wir haben uns die Zukunft unserer Kinder nicht geliehen – wir haben sie gestohlen und wir stehlen sie immer noch, und es ist an der Zeit, dass wir zusammenkommen, unabhängig von unserer Religion und unabhängig von unserer kulturellen Herkunft, und anfangen, die Art und Weise zu ändern – unsere Einstellung zu ändern –, damit wir unseren Kindern, die wir lieben, eine bessere Welt hinterlassen können.«
Jane Goodall
Glyphosat. Nicht gerade ein einfach auszusprechendes Wort. Ein Wort, das in den ersten 64 Jahren meines Lebens nicht einmal in meinem Wortschatz vorkam. Im September 2012 wurde ich dann eingeladen, auf einer Ernährungskonferenz in Indianapolis einen Vortrag über die Gefahren von Statinen zu halten. Mir fiel auf, dass ein Botaniker, dessen landwirtschaftliche Forschung sich auf die Epidemiologie und die Bekämpfung von Pflanzenpathogenen konzentrierte, Dr. Don Huber von der Purdue University, über das Thema »Glyphosat« sprach. Obwohl ich den Namen der Chemikalie nicht kannte, dachte ich, es könnte für mich interessant sein herauszufinden, was das war.
In den letzten fünf Jahren hatte ich hartnäckig nach Umweltfaktoren gesucht, die die Zunahme von Autismus bei amerikanischen Kindern verursachen könnten. Die Autismus-Spektrum-Störung ist durch soziale Defizite, sich wiederholende Verhaltensweisen und beeinträchtigte kognitive Fähigkeiten gekennzeichnet und kann sich als relativ mild (Asperger) oder extrem darstellen und eine lebenslange Vollzeitbetreuung erfordern. Wie vielen Wissenschaftlern war mir aufgefallen, dass die Zahl von Autismus- Spektrum-Störungen in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen war, und zwar auf eine Weise, die nicht durch diagnostische Kriterien erklärbar war. Basierend auf einer Umfrage der United States Health Resources and Services Administration (HRSA) aus dem Jahr 2016 liegt die Prävalenz von Autismus in den Vereinigten Staaten bei etwa 1 von 40 Kindern.1 Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention liegt die Prävalenz von Autismus bei 12-jährigen Kindern bei etwa 1 von 54 und ist bei Jungen viermal häufiger als bei Mädchen.2
Zu der Zeit, als ich Dr. Hubers Vortrag über Glyphosat besuchte, hatte ich bereits viel über die komplizierten Erkrankungen gelernt, die oft mit Autismus einhergehen, darunter ein gestörtes Darm-Mikrobiom, entzündliche Darmerkrankungen und das Leaky-Gut-Syndrom, Nährstoffmalabsorption, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Vitamin- und Mineralstoffmangel sowie gestörte Methylierungs- und Sulfatierungswege. Ich hatte mich mit den toxischen Wirkungen verschiedener Metalle und Chemikalien in der Umwelt auseinandergesetzt: Quecksilber, Fluorid, Blei, Aluminium, Kunststoffe, polychlorierte Biphenyle, Polysorbat 80 und andere endokrin wirksame Substanzen und Karzinogene. Ich habe auch die Rolle der Ernährung und den übermäßigen Einsatz von Antibiotika untersucht. Ich versuchte, etwas in der Umwelt zu finden, das in den letzten zwei Jahrzehnten parallel zu dem dramatischen Anstieg der Autismus-Häufigkeit allgegenwärtig geworden war, etwas, das die verschiedenen Symptome erklären könnte, die mit der Gehirnfunktionsstörung verbunden sind, die sich damit zeigt.
Von Dr. Huber erfuhr ich, dass Glyphosat der Wirkstoff des Herbizids Roundup ist. Glyphosat ist nicht jedem ein Begriff, aber jeder hat schon einmal von Roundup gehört. Wenn Sie quer durch die Vereinigten Staaten fahren, werden Sie riesige Felder sehen, die mit Schildern mit der Aufschrift »Roundup Ready« gekennzeichnet sind. Monsanto, das in Missouri ansässige Unternehmen, das der ursprüngliche Hersteller von Roundup war, wurde 2018 von dem deutschen Unternehmen Bayer als Teil seiner Abteilung für Pflanzenwissenschaften übernommen. Monsanto hat Glyphosat als bemerkenswert sicher angepriesen, weil sein Hauptwirkmechanismus einen Stoffwechselweg in Pflanzenzellen beeinflusst, den menschliche Zellen gar nicht besitzen. Das macht vermutlich Glyphosat bei der Abtötung von Pflanzen so wirksam, während es – zumindest theoretisch – Menschen und andere Tiere unversehrt lässt.
Aber wie Dr. Huber an diesem Tag vor einem begeisterten Publikum erklärte, verfügen menschliche Zellen vielleicht nicht über den Shikimat-Stoffwechselweg, aber fast alle unsere Darmmikroben schon. Sie nutzen den Shikimat-Weg, einen zentralen biologischen Weg in ihrem Stoffwechsel, um Tryptophan, Tyrosin und Phenylalanin zu synthetisieren, drei der zwanzig codierenden Aminosäuren, aus denen die Proteine unseres Körpers bestehen. Gerade weil menschliche Zellen nicht über den Shikimat-Weg verfügen, sind wir darauf angewiesen, dass unser Darm-Mikrobiom zusammen mit der Ernährung diese essenziellen Aminosäuren für uns zur Verfügung stellt.
Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsache, dass Darmmikroben eine wesentliche Rolle für viele Aspekte der menschlichen Gesundheit spielen. Wenn Glyphosat diese Mikroben schädigt, verlieren sie nicht nur ihre Fähigkeit, diese essenziellen Aminosäuren für den Wirt herzustellen, sondern sie werden auch in ihrer Fähigkeit beeinträchtigt, uns auf all die anderen Weisen zu helfen, durch die sie normalerweise unsere Gesundheit unterstützen. Unsere nützlichen Mikroben reagieren empfindlich auf Glyphosat, was dazu führt, dass pathogene Keime vermehrt gedeihen können. Wir wissen beispielsweise, dass eine Darmdysbiose mit Depressionen und anderen psychischen Störungen einhergeht.3 Veränderungen in der Verteilung der Darmmikroben können zu einer Dysregulation des Immunsystems und zu Autoimmunerkrankungen führen.4 Die Parkinson-Krankheit ist eng mit einem proinflammatorischen Darm-Mikrobiom verbunden.5 Wie die bemerkenswerten Forschungen zum menschlichen Mikrobiom in den letzten zehn Jahren gezeigt haben, sind funktionierende Darmbakterien für unsere Gesundheit unerlässlich, wobei die Forscher manches noch nicht vollständig verstehen. Es sei daran erinnert, dass Roundup auf den Markt kam – und für sicher erklärt wurde –, bevor ein Großteil dieser bahnbrechenden Forschung über das menschliche Mikrobiom überhaupt durchgeführt wurde.
Dr. Huber erklärte auch, dass Glyphosat ein Chelatbildner ist, ein kleines Molekül, das fest an Metallionen bindet. In der Pflanzenphysiologie stört die Chelatbildung von Glyphosat die Aufnahme essenzieller Mineralien aus dem Boden, darunter Zink, Kupfer, Mangan, Magnesium, Kobalt und Eisen. Studien haben gezeigt, dass Pflanzen, die Glyphosat ausgesetzt sind, viel geringere Mengen dieser wichtigen Mineralien in ihr Gewebe aufnehmen.6 Wenn wir Lebensmittel essen, die aus diesen nährstoffarmen Pflanzen stammen, bekommen auch wir einen Mangel an diesen Nährstoffen.
Glyphosat beeinträchtigt ebenso die symbiotische Beziehung zwischen Pflanzenwurzeln und Bodenbakterien. Um die Wurzeln einer Pflanze herum befindet sich eine Bodenzone namens Rhizosphäre, in der es von Bakterien, Pilzen und anderen Organismen nur so wimmelt. Wie ich später noch näher erläutern werde, tötet Glyphosat die in der Rhizosphäre lebenden Organismen ab, wodurch die Stickstoffaufnahme der Pflanze sowie die Aufnahme vieler verschiedener Mineralien gestört wird.7 Diese Störung wirkt sich weiter aus und führt zu einem Mangel an Mineralstoffen in unserer Nahrung. Glyphosat bewirkt auch, dass exponierte Pflanzen anfälliger für Pilzkrankheiten werden.8 Pilzkrankheiten wiederum können zu einer Kontamination unserer Lebensmittel mit Mykotoxinen führen, die von pathogenen Pilzen produziert werden.
Der Vortrag von Dr. Huber hatte mich davon überzeugt, dass ich noch viel mehr über Glyphosat erfahren musste.
*
Ich bin Senior Research Scientist am Massachusetts Institute of Technology, einer der innovativsten Forschungsuniversitäten der Welt. Ich habe am MIT vier Abschlüsse gemacht: einen Bachelor of Science in Biophysik und einen Master, einen Ingenieur und einen Doktortitel in Elektrotechnik und Informatik. Seit über vier Jahrzehnten arbeite ich an der Schnittstelle von Humanbiologie und Computern. Für meine Doktorarbeit habe ich ein Computermodell für das menschliche Gehör entwickelt. Während meiner jahrzehntelangen Forschung am MIT habe ich über 200 per Peer Review von Experten begutachtete wissenschaftliche Artikel zu verschiedensten Themen veröffentlicht, von auditiver Modellierung über Konversationscomputerschnittstellen und das Erlernen von Zweitsprachen bis hin zu Geophysik, Vorhersage von Genstrukturen, Toxikologie sowie menschlicher Gesundheit und Krankheit.
Als ich 1985 promovierte, nahm ich eine Stelle als Wissenschaftlerin am MIT an und begann meine Karriere mit der Entwicklung multimodaler Dialogsysteme, die eine »natürliche« Interaktion zwischen Menschen und Computern ermöglichen sollten. Unsere Forschung umfasste die Entwicklung interaktiver Demonstrationssysteme, die Vorläufer von Produkten wie Apples Siri und Amazons Alexa waren. Wir entwarfen und entwickelten auch dialogbasierte Computerspiele, um Schüler darin zu unterstützen, eine zweite Sprache zu beherrschen. Dabei konzentrierten wir uns speziell auf englischsprachige Schüler, die Chinesisch lernten. Ich habe daran gearbeitet, das Leben der Menschen durch Technologie zu bereichern, den Zugang zu Informationen zu verbessern und auf unterhaltsame Weise die Sprachkenntnisse zu fördern. Im Laufe der Zeit wurde ich zum Principal Research Scientist und schließlich zum Senior Research Scientist befördert, der höchsten Stufe in der Forschung am MIT.
Seit 2008 bringe ich mein Fachwissen in statistische Analyse, computergestützte Modellierung und Biologie ein, um die Auswirkungen von Ernährungsmängeln und Umweltgiften auf die menschliche Gesundheit zu untersuchen, einschließlich der Alzheimer-Erkrankung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunschwäche und neurologischen Störungen. Inzwischen habe ich mehr als drei Dutzend fachlich begutachtete wissenschaftliche Arbeiten zu gesundheitsbezogenen Themen veröffentlicht. Ich forsche, schreibe und halte seit fast einem Jahrzehnt Vorträge über Glyphosat. Das Buch, das Sie in den Händen halten, ist ein Ergebnis dieser Forschung.
Wie wir gemeinsam herausfinden werden, gibt es immer mehr wissenschaftliche Beweise, die zeigen, dass Glyphosat ein wichtiger Faktor bei mehreren schwächenden neurologischen, metabolischen, Autoimmun-, Fortpflanzungs- und onkologischen Erkrankungen ist. Diese organisch-chemische Verbindung – C3H8NO5P – ist für alle Lebensformen viel giftiger, als man uns glauben machen will. Der Mechanismus der Toxizität von Glyphosat ist einzigartig und teuflisch. Es ist ein langsamer Killer, der die Menschen im Laufe der Zeit langsam ihrer Gesundheit beraubt, bis sie schließlich einer körperlich beeinträchtigenden oder lebensbedrohlichen Krankheit erliegen. Der heimtückische, kumulative Mechanismus der Toxizität von Glyphosat, der mit der offensichtlich einfachen Substitution der Aminosäure Glycin durch Glyphosat während der Proteinsynthese beginnt, erklärt die Korrelationen, die wir mit verschiedenen Krankheiten sehen, die auf den ersten Blick zunächst wenig gemeinsam haben.9
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Meine Eltern wuchsen beide auf Familienfarmen in kleinen Städten im Süden von Missouri auf. Das Gebiet ist heute ein ökologisches und wirtschaftliches Ödland, weil die große agrochemische Landwirtschaft die meisten Kleinbauern in den Bankrott getrieben hat. Als Kind besuchte ich meine Großeltern auf ihren Bauernhöfen, sammelte Eier im Hühnerstall, bestaunte die Kühe und ihre Kälber auf den Weiden und half am Obststand, an dem die Eltern meines Vaters Äpfel und Pfirsiche verkauften. Als ich 13 Jahre alt war, wurde mein Großvater tot auf seinem Traktor aufgefunden – neben ihm eine aufgerissene Tüte DDT.
In den 1940er- und 1950er-Jahren wurde den Amerikanern erklärt, dass Herbizide und Insektizide wie DDT sicher seien. DDT ist ein Organochlorid, das erstmals während des Zweiten Weltkriegs vom Militär zur Bekämpfung von Körperläusen, Beulenpest, Malaria und Typhus eingesetzt wurde.10 DDT war zwar bei der Bekämpfung von Malaria-Überträgern wirksam, aber die Umweltfolgen seiner Verwendung waren verheerend, insbesondere als die Menschen begannen, es immer häufiger und immer breiter zur Schädlingsbekämpfung einzusetzen.
Ich las Rachel Carsons Buch Silent Spring 1962, kurz nachdem es veröffentlicht worden war. Die ausgebildete Meeresbiologin prangerte die chemische Industrie für ihre unverantwortliche Desinformationskampagne an. Sie zeichnete ein düsteres Bild, dass es im Frühling keinen Vogelgesang mehr geben würde. Sie nannte es eine »Fabel für morgen« – ein Ausdruck, der mich bis heute verfolgt. Silent Spring beschreibt detailliert, wie DDT und andere Chemikalien die Tierwelt vergifteten – von Regenwürmern im Boden bis hin zu jungen Lachsen in den Flüssen und Ozeanen. Carsons Buch hatte eine tiefgreifende Wirkung auf mich und half mir, den frühen und unerwarteten Tod meines Großvaters zu verstehen.
Etwa zur gleichen Zeit erfuhr ich von der Thalidomid-Katastrophe. Thalidomid (Contergan), hergestellt von einem deutschen Pharmaunternehmen, wurde schwangeren Frauen verschrieben, um schwangerschaftsbedingte morgendliche Übelkeit und Schlafstörungen zu lindern. Es wurde aggressiv vermarktet und als sicher beworben. Aber Tausende von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Thalidomid eingenommen hatten, kamen mit Missbildungen zur Welt, darunter fehlende Arme und Beine. Als ich die Fotos dieser missgebildeten und unglücklichen Kinder in einer Zeitschrift sah, wurde mir klar, dass Produkte, die angeblich unser Leben verbessern sollen, manchmal auch erhebliche nachteilige Auswirkungen haben können und dass wir nicht darauf vertrauen können, dass die Unternehmen, die sie verkaufen, uns die ganze Wahrheit sagen in Bezug auf die Risiken, die mit ihren Produkten einhergehen.
Die Vereinigten Staaten blieben von dieser Katastrophe, die das Leben von mindestens 10 000 Kindern in Europa zerstörte, dank einer mutigen Wissenschaftlerin namens Frances Oldham Kelsey verschont. Dr. Kelsey war eine in Kanada geborene Gutachterin für die US-amerikanische Food and Drug Administration, die für die Genehmigung oder Ablehnung des Antrags auf eine Lizenz für den Vertrieb des Medikaments in den Vereinigten Staaten verantwortlich war. Obwohl sie enormem Druck ausgesetzt war und Thalidomid bereits in Kanada, Großbritannien und Deutschland zugelassen war, lehnte Dr. Kelsey den Antrag ab, nachdem sie festgestellt hatte, dass es keine ausreichenden Beweise für eine sichere Anwendung während der Schwangerschaft gab.11 Damals war ich jung, optimistisch und patriotisch. Ich weiß noch, wie ich mich glücklich schätzte, in den Vereinigten Staaten zu leben, einem Land, das seine Bürger vor einer solchen Katastrophe schützte.
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In den 1950er-Jahren gab es in der kleinen Stadt an der Küste von Connecticut, in der ich aufgewachsen bin, überall lebende Schätze: Marienkäfer, Libellen, Schmetterlinge, Hummeln, Heuschrecken, Blitzkäfer, riesige Käfer, die wir Kneifwanzen nannten, Kröten und Dutzende von schnatternden, verspielten Eichhörnchen. Gottesanbeterinnen waren zwar selten, aber abends konnte man sich auf Glühwürmchen verlassen, die zusammen mit Fledermäusen über den Köpfen schwirrten, wenn die Schatten länger wurden. Heute lebe ich außerhalb von Boston, an einem Ort, der ein ähnliches Klima hat wie die Stadt in Connecticut, in der ich meine Kindheit verbrachte. Dennoch sieht man Wildtiere auf unserer Vorstadtstraße nur sehr selten: gelegentlich ein Eichhörnchen und ein oder zwei Schmetterlinge im Frühjahr. Wir müssen die Windschutzscheibe nicht mehr von all den toten Insekten reinigen, die sich an einem Sommertag ansammelten.12 Die Kinder merken natürlich nicht, was ihnen entgeht. Die Veränderung scheint so langsam vor sich zu gehen, dass sie kaum jemand wahrnimmt.
Es steht jedoch außer Frage, dass etwas Verheerendes vor sich geht, auch wenn es nicht einfach ist, es genau zu benennen. Die Geschwindigkeitsrate, mit der Arten heute aussterben, ist hundert- oder sogar tausendmal schneller als in den letzten zehn Millionen Jahren. Umweltwissenschaftler warnen, dass bereits das sechste Massenaussterben abläuft.13 Auch die menschliche Gesundheit ist gefährdet. In den letzten Jahrzehnten ist ein alarmierender Anstieg vieler chronischer Krankheiten auf der ganzen Welt zu verzeichnen, insbesondere in Ländern, die sich westlich ernähren und in denen eine industrialisierte Landwirtschaft praktiziert wird. Viele dieser Erkrankungen haben eine autoimmune Komponente. Dazu gehören Alzheimer, Autismus, Zöliakie, Diabetes, Enzephalitis, entzündliche Darmerkrankungen und Fettleibigkeit.
Etwas Schreckliches scheint jedes Lebewesen auf dem Planeten zu befallen – die Insekten, die Tiere und die Gesundheit der Menschen, einschließlich der Kinder. Etwas, das im Verborgenen abläuft. Wir können zwar nicht alle Umwelt- und Gesundheitsprobleme auf eine einzige heimtückische Sache reduzieren, aber ich glaube doch, dass es einen gemeinsamen Nenner gibt. Dieser gemeinsame Nenner ist Glyphosat. Mein Ziel ist es, Ihnen bis zum Ende dieses Buches zu beweisen, dass ich recht habe.
Wie Sie sehen werden, basiert meine Argumentation auf der Verknüpfung von Punkten in der wissenschaftlichen, durch Peer-Review-Prozesse getragenen Fachliteratur. Einige der wissenschaftlichen Argumente, die ich in diesem Buch vorstelle, sind umstritten, und einige konventionelle Wissenschaftler werden sie nicht akzeptieren. Aber dieses Buch umfasst über zehn Jahre Forschung, die deutlich zeigt, wie Glyphosat sowohl die menschliche als auch die globale Gesundheit untergräbt und ein giftiges Vermächtnis hinterlässt, vor das wir die zukünftigen Generationen stellen. Dieses Problem ist zu wichtig, um es zu ignorieren. Das Ziel dieses Buches ist es, jeden, der isst, jeden, der Kinder hat, und jeden, dem die Gesundheit der Menschen und des Planeten am Herzen liegt, davon zu überzeugen, dass wir die Auswirkungen von Glyphosat auf die Nahrungsmittelversorgung und darüber hinaus viel genauer und viel sorgfältiger untersuchen müssen. Sowohl die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch unsere Regulierungsinstitutionen haben uns im Stich gelassen. Es ist an der Zeit, Licht in die Schatten zu bringen, um die Welt von dem teuflischen Mechanismus der Toxizität von Glyphosat zu überzeugen und uns das nötige Rüstzeug zu geben, das wir brauchen, um zu verstehen, wie Glyphosat uns schadet und was wir tun können, um uns und unsere Familien zu schützen.
In den Kapiteln 1 und 2 erläutere ich die Geschichte von Glyphosat – was es wirklich ist, wie und warum es entwickelt wurde und wie es als Herbizid »wirkt«. In diesen Kapiteln untersuche ich die schnell wachsende Zahl wissenschaftlicher Forschungen, die die verheerenden Auswirkungen von Glyphosat auf Ökosysteme und Wildtiere zeigen. In den Kapiteln 3 bis 6 gehe ich genauer darauf ein, wie sich Glyphosat auf den menschlichen Körper auswirkt, wie es das Darm-Mikrobiom schädigt, wie es die Aminosäure Glycin bei der Proteinsynthese ersetzt und wie es die so wichtigen und wenig verstandenen Rollen von Phosphat und Sulfat im Stoffwechsel stört. In den Kapiteln 7 bis 10 zeige ich, wie sich diese Biochemie bei bestimmten Erkrankungen auswirkt – Lebererkrankungen, Unfruchtbarkeit, neurologischen Störungen und Autoimmunität –, die zum Teil durch den einzigartigen Toxizitätsmechanismus von Glyphosat verursacht werden. Das letzte Kapitel ist ein Aufruf zum Handeln, um die Welt auf sichere Weise von Glyphosat zu befreien und zu nachhaltigen oder, noch besser, erneuerbaren biologischen Anbaumethoden zurückzukehren. Dieses letzte Kapitel enthält auch die besten Ratschläge, die ich geben kann, um die optimale Kontrolle über die eigene Gesundheit zu übernehmen.
In den letzten Jahren hat Glyphosat aufgrund von Gerichtsverfahren, die es mit Krebs in Verbindung bringen, erheblich mehr Aufmerksamkeit erhalten. Jeder, der die wissenschaftliche Literatur gelesen hat, selbst die Schulmediziner, verstehen jetzt, dass Glyphosat krebserregend ist und den Körper dazu bringt, an Krebs zu erkranken. Im gesamten Buch beschäftige ich mich mit Beweisen dafür, dass Glyphosat körperliche Schäden verursacht, die zu Krebs führen, aber ich habe mich dazu entschieden, dem Krebs kein spezielles Kapitel zu widmen. Warum? Krebs ist das Ende der Fahnenstange. Ich möchte, dass der Leser versteht, wie die Glyphosat-Exposition erst die Voraussetzungen dafür schafft, dass ein Mensch durch schwere Stoffwechselstörungen an die Schwelle der Krebserkrankung gebracht wird.
Unser Weg in die Zukunft ist zweigeteilt. Um es ganz klar zu sagen: Wir müssen Glyphosat weltweit verbieten. Das Verbot dieser giftigen Chemikalie ist der einzige wirkliche Weg, um das zu schützen, was uns lieb und teuer ist. Bis dahin und in Ermangelung einer angemessenen behördlichen Aufsicht müssen wir selbst unsere Gesundheit und die unserer Kinder schützen.
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Vielleicht sind Sie ein Umweltschützer, der sich Sorgen macht, dass wir Menschen den Planeten zerstören und langsam den Boden, die Gewässer, die Pflanzen und die Tiere vergiften. Vielleicht sind Sie ein Landwirt, der sich Sorgen um Ernteerträge und Schädlinge macht. Vielleicht sind Sie ein Wissenschaftsfreak wie ich, in der Forschung, in der Medizin oder in der Informatik tätig. Oder vielleicht sind Sie eine medizinische Fachkraft, die der Epidemie von Krankheiten und dem schlechten Gesundheitszustand von Kindern und jungen Erwachsenen auf den Grund gehen möchte, die Sie jeden Tag in Ihrer Praxis sehen. Oder Sie sind Eltern (oder hoffen, es bald zu werden) und möchten unbedingt herausfinden, warum so viele Paare nicht schwanger werden und so viele unserer Kinder chronisch krank sind. Wer auch immer Sie sind, ich bin froh, dass Sie als Leser hier sind.
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich auf eine der giftigsten Chemikalien unserer Zeit aufmerksam machen möchte, um Sie zu inspirieren, die zugrunde liegenden Prozesse zu verstehen, wie wir langsam durch Glyphosat vergiftet werden, und um Sie zum Handeln anzuspornen. Wir sind in diesen Schlamassel geraten wegen der Gier von Chemiekonzernen, die Profite über Menschen stellen. Wir können aus diesem Schlamassel herauskommen, indem wir darauf bestehen, dass die Menschen und der Planet wichtiger sind als Profite. Die Wissenschaft wird uns dorthin führen, wo wir hin müssen. Ich lade Sie ein, mit mir auf diese Reise zu gehen.
»Künftige Historiker werden vielleicht auf unsere Zeit zurückblicken und nicht darüber schreiben, wie viele Kilogramm Pestizide wir ausgebracht haben oder nicht, sondern darüber, wie bereitwillig wir unsere Kinder und zukünftige Generationen für dieses massive gentechnische Experiment geopfert haben, das auf fehlerhafter Wissenschaft und gescheiterten Versprechen basiert, nur um den Profit eines Wirtschaftsunternehmens zu steigern.«
Don Huber, PhD
Herbizide auf Glyphosat-Basis werden zur Bekämpfung einer Vielzahl von Unkräutern eingesetzt, die in Feldern, Rasenflächen in Wohngebieten, Gärten, öffentlichen Parks, an Straßenrändern, in Naturschutzgebieten, Wildgebieten, Weideland, Wäldern, Wasserstraßen und mehr wachsen.1 Diese Herbizide werden in Europa und Deutschland unter verschiedenen Namen vermarktet, darunter Roundup, Roundup Express, Roundup Spezial, Roundup Powerflex, Neudorff Finalsan, Maximex Wurzelweg, Plätze und Wegerein Profi, Vorox, Glyphosat Herbizid, Rusche Wegerein, Jinhaolai Garten 95%, Painting Unkrautvernichter, Hotrega, Permaclean Unkrautfrei, We-ge-rein, Huamade Garden 95% und Wrangler, um nur einige zu nennen. Die Produkte enthalten eine Vielzahl von Chemikalien. Aber in allen ist Glyphosat der Hauptbestandteil und macht 36–48 Prozent des Produkts aus.
Obwohl es heute als Unkrautvernichter verwendet wird, wurde Glyphosat erstmals 1961 von der Stauffer Chemical Company als Chelatbildner patentiert, um Mineralablagerungen von Rohren und Kesseln in kommerziellen Warmwassersystemen zu entfernen.2 1968 patentierte Monsanto Glyphosat dann für eine ganz andere Anwendung, nämlich als Herbizid für den Einsatz in der Landwirtschaft.3 Anfang der 2000er-Jahre wurde es dann ein drittes Mal patentiert (wiederum von Monsanto), diesmal als orales Antibiotikum.4 All diese Anwendungen als Chelatbildner, Herbizid und Antibiotikum spielen eine Rolle bei der einzigartigen und teuflischen Wirkung der Chemikalie auf die menschliche Gesundheit.
Mit dem gesetzlichen Recht auf die ausschließliche Verwendung in der Landwirtschaft begann Monsanto Mitte der 1970er-Jahre mit dem Verkauf eines Herbizids auf Glyphosat-Basis, Roundup. Roundup wurde als wesentlich weniger giftig als andere gängige Herbizide wie Dicamba und 2,4-D vermarktet, es sei weniger persistent im Boden und sicherer für Mensch, Tier und Umwelt. Da es die Notwendigkeit der Bodenbearbeitung reduzierte, wurde es als »die perfekte Umweltlösung zum perfekten Zeitpunkt …, als eines der sichersten, wenn nicht sogar das sicherste Herbizid der Geschichte bezeichnet.«5
Als nichtselektives Herbizid tötet es fast jede Pflanze, mit der es in Kontakt kommt. Die Landwirte mussten bei der Anwendung sehr vorsichtig sein. In den 1980er-Jahren begann Monsanto in ein brillantes neues biotechnologisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm zu investieren. Die Gentechniker des Unternehmens spleißten mikrobielle Gene in gängige Nutzpflanzen, um sie resistent gegen Roundup zu machen. Wir verwenden im Allgemeinen den Begriff genetisch veränderte Organismen (GVO), um diese Art von Nutzpflanzen zu beschreiben. Diese »Roundup Ready«-GVO-Pflanzen verwandelten das Herbizid von einem Home Run in einen Grand Slam. Als 1996 Glyphosat-resistente Pflanzen auf den Markt kamen, wurden sie als großer Fortschritt in der Landwirtschaft und Biotechnologie angepriesen – mit dem Versprechen, den Hunger zu beenden und die Welt zu ernähren. Und anstatt Glyphosat vorsichtig und selektiv einzusetzen, könnten die Landwirte nun ganze Felder damit besprühen, und nur das Unkraut, nicht aber die Roundup-Ready-Pflanzen würden absterben.
Die Verkäufe von Roundup-Ready-Saatgut, angefangen bei Sojabohnen und Mais, gefolgt von Raps, Zuckerrüben, Baumwolle und Luzerne, schossen in die Höhe. Das Gleiche galt für die Verkäufe von Roundup. Bis 2014 stieg der Glyphosat-Verbrauch in den Vereinigten Staaten auf 125 Millionen Kilogramm (etwa 138 000 Tonnen) an, was einer Steigerung um das 15-fache gegenüber den 1970er-Jahren entspricht.6 Heute werden jedes Jahr fast 150 000 Tonnen Glyphosat auf amerikanische Nutzpflanzen gesprüht. Das entspricht einem Pfund Glyphosat pro Jahr für jeden Menschen in den Vereinigten Staaten.7
Aus Sicht der Industrie gab es bei der Unkrautvernichtung durch Glyphosat nur einen großen Haken: Lebewesen wollen überleben. Organismen, die Giften widerstehen können, werden gedeihen und sich vermehren. Während Glyphosat Unkraut wahllos abtötet, sind bestimmte Unkräuter weniger empfindlich – oder wurden es im Laufe der Zeit. Diese »Superunkräuter« beginnen, ein Ökosystem zu dominieren und Nutzpflanzen zu verdrängen, und sie benötigen immer mehr Glyphosat oder andere Herbizide, um abgetötet zu werden. Die Lösung? Mehr Glyphosat verwenden! Seit 1974 wurden weltweit etwa 8,6 Milliarden Kilogramm – etwa 19 Milliarden Pfund – Glyphosat ausgebracht.8
Die GVO-Technologie ist ein mächtiges Werkzeug, das es ermöglicht, Gene anderer Arten (in der Regel mikrobielle Gene) in das Genom einer Pflanze einzuschleusen. Solche neuartigen Gene können der Pflanze besondere Vorteile verschaffen – zum Beispiel Frostresistenz oder Trockenheitstoleranz. Um eine Glyphosat-Resistenz zu erzeugen, wird ein Gen aus einem Bakterium mit einer gegen Glyphosat unempfindlichen Version der EPSP-Synthase in das Genom der Pflanze eingefügt. Die Menge an Glyphosat, die bei gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet wird, hat in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch zugenommen. Angesichts der engen Verbindung zwischen Glyphosat und gentechnisch veränderten Nutzpflanzen könnte man meinen, dass es einfach ist, Glyphosat zu vermeiden, indem man gentechnisch veränderte Lebensmittel meidet. Tatsächlich wurden die höchsten Konzentrationen von Glyphosat durchweg in nicht gentechnisch veränderten Lebensmitteln gefunden, die aus Weizen, Hafer und Hülsenfrüchten gewonnen werden. Warum? Weil diese Pflanzen in der Regel kurz vor der Ernte mit Glyphosat als Trockenmittel besprüht werden, was dazu führt, dass die Pflanze ihre Blätter abwirft und austrocknet, sodass sie leichter geerntet werden kann. Glyphosat zwingt die Pflanze dazu, während des Absterbens auszusäen, was die Saatgutproduktion synchronisiert und den Ertrag erhöht. Viele andere Nutzpflanzen werden mit Glyphosat getrocknet, darunter Gerste und Roggen, aber auch ölhaltige Pflanzen wie Raps, Disteln, Sonnenblumen, Leinsamen und Flachs, die für die Pflanzenölproduktion verwendet werden. Zu diesem Zeitpunkt im Lebenszyklus der Pflanze ist es kein Problem, wenn Glyphosat sie abtötet. In der Tat ist das die Absicht.
Der aufmerksame Käufer sollte sich des Unterschieds zwischen dem Etikett »gentechnikfrei« und »biozertifiziert« bewusst sein. Laut Gesetz darf Glyphosat nicht auf zertifizierten Bio-Kulturen eingesetzt werden. Doch selbst wenn ein Lebensmittel biozertifiziert ist, bedeutet dies nicht unbedingt, dass das Lebensmittel glyphosatfrei ist. Obwohl die Glyphosat-Werte in biologisch angebauten Lebensmitteln in der Regel viel niedriger sind als in konventionell angebauten Lebensmitteln, ist es fast unmöglich, Glyphosat im Boden, in Tierdung, im Regenwasser und in der Windverwehung zu vermeiden.
Glyphosat-basierte Herbizide sind mittlerweile so weit verbreitet, dass sogar Lebensmittel von landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht in der Nähe von Glyphosat-Spritzungen liegen, kontaminiert sein können. Als die FDA im Jahr 2017 28 Honigproben testete, enthielten 100 Prozent Glyphosat.9 Zwei Jahre später fanden Wissenschaftler der kanadischen Regierung das Herbizid in 197 von 200 getesteten Honigproben.10 Bienen halten sich nicht an Grundstücksgrenzen. Sie sind frei auf der Nahrungssuche und nehmen Herbizide und Insektizide auf, während sie von Blüte zu Blüte fliegen. Und sie bringen ihre Fracht zu ihren Bienenstöcken zurück.
Glyphosat ist seit 1993 im menschlichen Urin nachweisbar, also lange bevor gentechnisch veränderte Roundup-Ready-Pflanzen weit verbreitet waren.11 Doch während zwischen 1993 und 1996 nur 12 Prozent der Amerikaner positiv auf Glyphosat-Exposition getestet wurden, sind es heute mindestens 70 Prozent.12 So hoch diese Zahl auch klingen mag, sie ist wahrscheinlich eine Unterschätzung. Von den mehreren Dutzend Patienten, die ein Arzt im Süden Oregons auf Glyphosat testete – die meisten von ihnen waren selbsternannte Gesundheitsfanatiker, die sich von Bio-Lebensmitteln ernähren –, hatten 100 Prozent, einschließlich des Arztes selbst, ein positives Ergebnis.13 Menschen, die sich überwiegend biologisch ernähren, haben deutlich weniger Glyphosat im Urin als Menschen, die überwiegend konventionelle Lebensmittel konsumieren, und Menschen, die gesund sind, haben deutlich niedrigere Glyphosat-Werte im Urin als diejenigen, die chronisch krank sind.14 Dennoch ist es nahezu unmöglich, Glyphosat vollständig zu vermeiden.
Wir alle sind Glyphosat ausgesetzt – in erster Linie durch die Nahrung, die wir essen, aber auch durch das Wasser, das wir trinken, in dem wir baden und schwimmen, über die Rasenflächen, auf denen wir gehen, über die Parks, in denen die Kinder spielen, und wahrscheinlich sogar über die Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die wir einnehmen. Glyphosat befindet sich auch in der Luft – als besonderes Risiko für Menschen, die in landwirtschaftlichen Gemeinden leben. Und es hat sich gezeigt, dass es zum Anstieg von Lungenschäden, Asthma und Allergien beiträgt.15 Wenn eine Chemikalie so allgegenwärtig ist – so allgegenwärtig, dass es selbst für die sorgfältigste Person fast unmöglich ist, sie zu vermeiden –, obliegt es insbesondere den Regulierungsbehörden und gewählten Vertretern, die Dinge zu hinterfragen, sorgfältige Untersuchungen und Anhörungen durchzuführen und die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung an oberste Stelle zu setzen. Aber im Fall von Glyphosat ist das nicht passiert. Es wurde keine Verantwortung übernommen. Das ist eine Schande für die Demokratie.
Im Jahr 2020 analysierte ein Team italienischer Ärzte, die sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert haben, E-Mails und Memos von Monsanto und kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen eine »koordinierte Strategie verfolgte, um die Debatte über die Sicherheit von Glyphosat zum Vorteil des Unternehmens zu manipulieren«. Ähnlich wie die Junk-Wissenschaft, die von der Tabakindustrie produziert und gefördert wird, gefährdet diese Manipulation »ernsthaft die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Studien in der heutigen Zeit«, so die Schlussfolgerung der Italiener.16
Im Jahr 2019 versuchte ein Team kalifornischer Wissenschaftler herauszufinden, ob gentechnisch veränderte Lebensmittel per se schädlich sind oder ob das Glyphosat, mit dem gentechnisch veränderte Lebensmittel häufig besprüht werden, die eigentliche Bedrohung darstellt.17 Ihre Experimente ergaben, dass Fruchtfliegen, wenn sie mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln gefüttert wurden, die mit Glyphosat behandelt waren, früher und in größerer Zahl starben. Wenn sie aber mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln gefüttert wurden, die nicht mit Glyphosat behandelt waren, passierte das nicht. Das Problem besteht darin, dass von der Industrie finanzierte Studien zur Bewertung der Sicherheit von gentechnisch veränderten Organismen häufig an Tieren durchgeführt werden, die mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln gefüttert werden, die nicht Glyphosat-belastet waren.18 Sie haben richtig gelesen: Es werden Lebensmittel getestet, die nicht mit Glyphosat behandelt wurden, obwohl der Sinn der gentechnischen Veränderung darin besteht, dass die Nutzpflanzen Glyphosat-resistent sind. In der Praxis sind gentechnisch veränderte Pflanzen fast immer Glyphosat ausgesetzt. Um zu beweisen, dass diese Lebensmittel sicher sind, müssen Pflanzen getestet werden, die Glyphosat ausgesetzt waren.
Gut konzipierte toxikologische Studien umfassen eine Kontrollgruppe, eine Gruppe von Probanden, die bis auf die toxische Exposition mit der Behandlungsgruppe identisch ist. Doch selbst Kontrollgruppen von Tieren, die angeblich nicht Glyphosat ausgesetzt waren, wiesen oft nachweisbare Mengen an Glyphosat in ihrem Körper auf.19 Das kann auf eine Glyphosat-Kontamination von Tierfutter, Wasser, Einstreu oder allen dreien zurückzuführen sein. Das bedeutet, dass es oft keine echte glyphosatfreie Kontrollgruppe gibt, die mit Glyphosat-exponierten Probanden verglichen werden kann. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn wir Arbeiten auswerten, die eine Kontrollgruppe mit einer Behandlungsgruppe von Glyphosat-exponierten Tieren vergleichen.
Von den 1920er-Jahren bis zu seiner endgültigen Abschaffung im Jahr 1996 im Rahmen des Clean Air Act war Blei in den Vereinigten Staaten ein wichtiger Zusatz zu Benzin.20 Häuser wurden mit Bleifarbe gestrichen und Wasserleitungen aus Blei hergestellt. Es ist ein bemerkenswert nützliches Metall, aber es ist auch extrem schädlich für die menschliche Gesundheit. Als meine vier Söhne klein waren, hatte kein Arzt Blei auf dem Radar. In den 1980er-Jahren wurde Ärzten gesagt, dass 20 Mikrogramm Blei pro Deziliter im Blutkreislauf von Kindern unbedenklich seien. Heute wissen wir, dass schon 5 Mikrogramm Blei im Blut gefährlich und potenziell hirnschädigend sind. Der aktuelle wissenschaftliche Konsens ist, dass es keine unbedenkliche Blei-Menge im Blut von Kindern gibt.
Die Aufgabe der Umweltschutzbehörde ist es, Pestizide zu bewerten und zu regulieren, um klarzustellen, dass sie sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt sicher sind. (Insektizide, Fungizide und Herbizide fallen alle unter den Oberbegriff Pestizide.) Die Aufgabe der Food and Drug Administration ist es, dafür zu sorgen, dass Rückstände chemischer Herbizide in Lebensmitteln die Sicherheitsgrenzwerte der Umweltschutzbehörde (EPA) nicht überschreiten. Seit seiner erstmaligen Registrierung bei der EPA wird Glyphosat alle 15 Jahre auf seine Sicherheit überprüft.21 Im Jahr 2016 erklärte die EPA, dass die zulässige tägliche Aufnahme von Glyphosat 1,75 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag beträgt.22 Der von der Europäischen Union zugelassene ADI-Wert ist mit nur 0,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag deutlich niedriger.23 Das bedeutet, dass laut EPA eine 70 Kilogramm schwere Person ohne Sicherheitsbedenken 122 Mikrogramm Glyphosat pro Tag essen kann. Im Januar 2020 erklärte die EPA auf Druck der Industrie, dass »keine besorgniserregenden Risiken für die menschliche Gesundheit bestehen, wenn Glyphosat in Übereinstimmung mit seiner aktuellen Kennzeichnung verwendet wird«, und dass es »unwahrscheinlich ist, dass Glyphosat für den Menschen karzinogen ist«.24 Aber die Wissenschaft zeigt, dass die EPA falsch liegt. Wie ich in diesem Buch erkläre, weist eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Literatur stark darauf hin, dass bei jeder Menge Glyphosat Sicherheitsbedenken bestehen.
Im Jahr 2018 untersuchte ein Team von Wissenschaftlern aus Italien, Dänemark und den Vereinigten Staaten das Mikrobiom von Albino-Ratten, die Glyphosat und Roundup in den für den Menschen als sicher geltenden Dosen ausgesetzt waren. Das Mikrobiom sowohl der Rattenmütter als auch ihrer Nachkommen war gestört. Den Jungtieren ging es schlechter als den Muttertieren. Die exponierten Ratten hatten weniger nützliche Bakterien wie Lactobacillus und Bifidobakterien und mehr pathogene Bakterien – insbesondere Prevotella, die oft mit Infektionen in Verbindung gebracht werden. Lactobacillus, normalerweise die erste Art, die den Darm besiedelt, hilft bei der Verstoffwechselung von Milch. Durch die Zerstörung von Lactobacillus können pathogene Bakterien überhand nehmen. Die Glyphosat-exponierten Ratten litten unter vielen anderen negativen gesundheitlichen Auswirkungen, unter anderem an Hormonproblemen und Fortpflanzungsschäden. Weibliche Ratten wiesen außerdem ungewöhnlich hohe Testosteronspiegel auf.25
In einem anderen sorgfältig aufgebauten Experiment setzten italienische Biologen menschliche Zellen Glyphosat in unterschiedlichen Konzentrationen aus, die meisten in Mengen, die unter dem ADI-Wert der EPA lagen. Die Glyphosat-exponierten Zellen wiesen bei allen Konzentrationen außer der niedrigsten abnorm hohe Chromosomenaberrationen auf.26 Experimente an Aalen und anderen Fischen zeigten ebenfalls DNA-Schäden, nachdem sie sehr geringen Mengen an Herbiziden auf Glyphosat-Basis ausgesetzt waren.27 Ebenso haben Forscher in Spanien herausgefunden, dass Glyphosat die Blut-Hirn-Schranke passiert und Neurotransmitter-Rezeptoren in verschiedenen Regionen des Gehirns überstimuliert. Dies verursacht neuronale Exzitotoxizität, das heißt, den Tod von Nervenzellen durch andauernde Reizüberflutung, also einen pathologischen Prozess, der Neuronen schädigt und abtötet. Als die Forscher verschiedene Expositionsniveaus untersuchten, entdeckten sie eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Glyphosat und den wichtigsten Neurotransmittern in verschiedenen Regionen des Gehirns.28
Selbst bei Expositionswerten, die in Teilen pro Billion gemessen werden, regt Glyphosat hormonempfindliche Brustkrebszellen zu unkontrolliertem Wachstum an.29 Ein Teil pro Billion entspricht einem Tropfen Wasser in einem olympischen Schwimmbecken – eine Menge, die so winzig ist, dass sie für unser Gehirn nur schwer vorstellbar ist. Glyphosat macht die Brustzellen empfindlicher gegenüber bekannten Karzinogenen und erhöht so das Risiko, dass diese Giftstoffe Krebs auslösen.30 Forscher haben zudem herausgefunden, dass Roundup in menschlichen Lungenzellen, die Konzentrationen von 50 bis 125 Mikrogramm pro Milliliter ausgesetzt sind, also weniger als die typische berufliche Exposition von Landarbeitern, DNA-Schäden und programmierten Zelltod verursacht.31 DNA-Schäden können im Laufe der Zeit zu Krebs führen.
Wissenschaftler, die an Hormonen bei Menschen und Tieren forschen, haben herausgefunden, dass endokrin wirksame Chemikalien bei niedrigeren Dosen oft dramatischere Auswirkungen zeigen als bei höheren Dosen, was dem Sprichwort »Die Dosis macht das Gift« widerspricht.32 Dementsprechend treten Glyphosat-assoziierte Geburtsfehler häufiger bei niedrigerer Chemikalien-Exposition während der Schwangerschaft auf. Nachdem trächtige Ratten relativ hohen Dosen einer Glyphosat-Formulierung ausgesetzt worden waren, fand ein Team von Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten und Korea eine umgekehrte Beziehung zwischen der Exposition und dem Vorhandensein von Missbildungen. Der höchste Prozentsatz von Jungtieren mit schweren Gesundheitsproblemen, einschließlich einer schweren generalisierten Ganzkörpergewebeschwellung im Zusammenhang mit Leberversagen, Nierenversagen und Herzinsuffizienz (Anasarca genannt), zeigte sich bei denjenigen Muttertieren, die den geringsten Mengen an Glyphosat ausgesetzt waren. Wenn Sie ein Tierliebhaber sind, sind die Details dieses Experiments schwer zu verkraften: Die Hälfte der trächtigen Ratten starb an der toxischen Exposition.33
95 Prozent aller Labortiere, die in der biomedizinischen Forschung eingesetzt werden, sind Ratten und andere Nagetiere. Es gibt viele Gründe, warum sie bevorzugt werden: Sie sind klein, leicht in Käfigen zu halten und relativ kostengünstig in der Pflege. Ratten und Mäuse haben zudem in Bezug auf Genetik und Krankheitsprozesse viel mit dem Menschen gemeinsam. Durch ihre ein- bis zweijährige Lebensspanne können mehrere Generationen in kurzer Zeit untersucht werden. Eine ausgeklügelte Biotechnologie ermöglicht außerdem die kreative Gestaltung des genetischen Profils von Nagetieren, einschließlich des Einfügens menschlicher Gene in ihr Genom, um die Auswirkungen auf den Menschen besser zu verstehen. Das Genom von Ratten ist gut charakterisiert, und viele Arten wurden über Jahrzehnte im Labor gezüchtet, um spezifische Stämme mit geringer genetischer Variabilität und vorhersagbaren Stoffwechselmerkmalen zu schaffen. Diese »bioidentischen« Nagetiere sind besonders hilfreich bei der Identifizierung und Untersuchung von Umweltgiften.
Unter all den Hunderten von wissenschaftlichen Studien, die ich gelesen habe, sticht eine heraus. Französische Forscher unter der Leitung von Gilles-Éric Séralini, Professor für Molekularbiologie an der Universität Caen Normandie, zeigten, dass eine chronische Roundup-Exposition in niedrigen Dosen bei Ratten zu erheblichen Schäden führt. In einer Studie, die im Wesentlichen eine von Monsanto durchgeführte Studie wiederholte, fütterte Séralinis Team Ratten mit Roundup-behandeltem gentechnisch verändertem Mais, aber anstatt wie bei Monsanto nach drei Monaten aufzuhören, setzte Séralinis Team das Experiment zwei Jahre lang fort.34 Dieser Zeitrahmen ist bedeutsam, da die agrochemische Industrie eine zweckdienliche Regel entwickelt hat, dass drei Monate ausreichen, um Toxizität nachzuweisen. Während es nach drei Monaten keine offensichtlichen Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und der Versuchsgruppe gab, entwickelten die weiblichen Ratten letztlich massive Brusttumore. Bei männlichen Ratten traten Schäden an Leber und Nieren auf, und sowohl männliche als auch weibliche Ratten hatten Fortpflanzungsprobleme und starben vorzeitig. Die ersten beiden männlichen Ratten, die in der Versuchsgruppe starben, starben ein Jahr früher als das erste Männchen in der Kontrollgruppe. Am Ende des zweijährigen Experiments starben in der Gruppe, die mit Roundup-exponiertem Mais gefüttert wurde, dreimal so viele Weibchen wie in der Kontrollgruppe.
Nach der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology im Jahr 2012 übte Monsanto Druck auf die Zeitschrift aus, um die Arbeit zurückzuziehen, hauptsächlich mit dem Argument, dass die Anzahl der Ratten in der Studie zu gering sei.35 Ein ehemaliger Monsanto-Wissenschaftler, Richard Goodman, nutzte seine Position im Redaktionsausschuss, um Druck auf den Herausgeber der Zeitschrift, ebenfalls ein ehemaliger Monsanto-Mitarbeiter, auszuüben und die Forschung zu diskreditieren. Die Widerrufsentscheidung der Zeitschrift liest sich fast schon komisch: »Eindeutig fand der Chefredakteur keine Beweise für Betrug oder vorsätzliche Falschdarstellung der Daten«, erklärten die Herausgeber. Aber es hieß auch: »Letztendlich sind die präsentierten Ergebnisse (wenn auch nicht falsch) nicht schlüssig.«36
Wissenschaftliche Ergebnisse sind immer offen für weitere Untersuchungen. Eine Arbeit zurückzuziehen, weil ihre Ergebnisse »nicht schlüssig« sind, ist höchst ungewöhnlich. Dass Monsanto mit seiner aggressiven Kampagne zur Zensur der Forschung erfolgreich war und die Zeitschrift im November 2013 einen Widerruf veröffentlichte, zeigt ein beunruhigendes Maß an Kontrolle der Industrie über die wissenschaftliche und öffentliche Debatte. Im Jahr 2014 wurde Séralinis Arbeit in Environmental Sciences Europe erneut veröffentlicht.37
Séralinis Team veröffentlichte 2018 eine weitere Arbeit, in der die Toxizität von 14 verschiedenen Formulierungen auf Glyphosat-Basis analysiert wurde.38 Mit Hilfe der Massenspektrometrie identifizierte das Team eine Gruppe von oxidierten Molekülen auf Erdöl-Basis, darunter polyethoxyliertes Talgamin (POEA), als primäre Zusatzstoffe, die die Fähigkeit einer Pflanzenzelle, Glyphosat aufzunehmen, erhöhen. Die Massenspektrometrie wies auch die Schwermetalle Arsen, Chrom, Kobalt, Blei und Nickel nach. Die Glyphosat-Formulierungen wirkten als endokrine Disruptoren in Konzentrationen unterhalb der zytotoxischen Schwelle der Pflanzenzelle, während Glyphosat allein dies nicht tat. Diese Ergebnisse sind besonders beunruhigend, da die ersten Studien zur Bewertung der Toxizität von Glyphosat sowie die laufenden Neubewertungen, die zu einer weiteren Zulassung geführt haben, Glyphosat nur isoliert bewertet haben. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Sicherheit, die in einer Petrischale technisch korrekt sein mögen, lassen sich nicht ohne Weiteres auf den realen Einsatz dieser Chemikalie übertragen. Warum? Weil Glyphosat in der Praxis nie isoliert eingesetzt wird.
Séralini und sein Team kamen zu dem Schluss, dass Glyphosat-Formulierungen akut wesentlich toxischer sind als Glyphosat allein. Akute Toxizität bezieht sich auf die negativen Auswirkungen einer Substanz nach einmaliger oder mehrfacher, aber kurzzeitiger Exposition. Ich glaube, diese Wissenschaftler haben recht, wenn sie betonen, dass wir uns Sorgen machen sollten, dass Glyphosat und seine Adjuvantien akut toxisch wirken. Gleichzeitig ist es, wie wir sehen werden, wahrscheinlich, dass der in ihrer Langzeitstudie beobachtete Slow-Kill-Effekt auf Glyphosat selbst zurückzuführen ist, nicht auf die anderen Inhaltsstoffe.
Die Industrie will uns glauben machen, dass aufgenommenes Glyphosat schnell über den Urin und den Kot aus dem Körper ausgeschieden wird, aber viele unabhängige Studien haben das Gegenteil gezeigt. Glyphosat wurde in Nieren, Leber, Lunge, Milz, Muskeln und im Darm von Milchkühen nachgewiesen, wobei die höchsten Konzentrationen jeweils in der Lunge gefunden wurden.39 Glyphosat-Rückstände wurden in Leber, Milz, Lunge, Darm, Herz, Muskeln und Nieren von Masthühnern gefunden.40 Und Glyphosat wurde in mehreren Organen missgebildeter Ferkel nachgewiesen, vor allem in Herz und Lunge, aber auch in geringeren Mengen in ihren Muskeln, der Leber, den Nieren, im Gehirn und im Darm. Diese Glyphosat-exponierten Ferkel zeigten angeborene Fehlbildungen der Ohren, des Gehirns und der Beine. Eines hatte nur ein einziges großes Auge, ein anderes eine extrem große Zunge, einem dritten Ferkel fehlte die Schnauze. Ein weiteres war ein weibliches Ferkel, das mit Hoden geboren wurde.41
Wie ich in der Einleitung erwähnt habe, sind Chelatoren kleine Moleküle, die fest an Metallionen binden. Chele bedeutet auf Griechisch klauenförmig, sodass man sich Chelatoren als Moleküle mit Klauen vorstellen kann, die in Metalle »einhaken«. In der Biologie kann die Chelatbildung die Metallionen für lebende Zellen unzugänglich machen. Daher verwendet man in der Medizin einen leistungsstarken Chelator wie EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure), der sich mit vielen Mineralien und Metallen wie Aluminium, Zink, Magnesium und Kalzium verbinden kann, um lebensbedrohliche Hyperkalzämie und andere toxische Metall-Expositionen zu behandeln. Deferoxamin bindet Eisen und Aluminium und wird daher manchmal verwendet, um Eisen zu entfernen, das sich bei wiederholten Transfusionen im Blut ansammelt. Seit den 1950er-Jahren werden Chelatbildner auch zur Behandlung der Blei-Belastung eingesetzt.
Chelatoren können einerseits nützlich sein, andererseits aber auch gefährlich, wenn sie Mineralien binden, die in lebenden Zellen eine essenzielle Rolle spielen. Glyphosat ist ein starker Chelatbildner. Es bindet fest an Metalle, wodurch diese in ihrer Funktion als Katalysatoren für Enzyme, die darauf angewiesen sind, nicht mehr verfügbar sind. (Ein Katalysator ist eine Substanz, welche die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht, ohne selbst modifiziert zu werden; viele Mineralien erfüllen diese Rolle in enzymatischen Reaktionen.) Glyphosat bindet besonders effektiv an eine Klasse von Mineralien, die als 2+-Kationen bezeichnet werden, darunter Zink, Kupfer, Mangan, Magnesium, Kobalt und Eisen. Da Pflanzen, die Glyphosat ausgesetzt sind, geringere Mengen dieser kritischen Mineralien in ihr Gewebe aufnehmen, sind die aus diesen Pflanzen gewonnenen Lebensmittel mineralstoffarm.42 Wir Menschen benötigen nur winzige Mengen dieser Mineralien in unserer Ernährung, aber ein Mangel kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen.
Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Viele Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse sind auf Zink angewiesen. Zinkmangel kann das Immunsystem stören, unerklärlichen Gewichtsverlust und Hirnnebel verursachen und zu Durchfall, Appetitlosigkeit, nicht heilenden Hautwunden und einem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns führen. Zinkmangel tritt häufiger bei Tieren auf, die chronisch Glyphosat ausgesetzt sind. In einer deutschen Studie zeigten Ferkel, die mit einem zinkarmen Futter gefüttert wurden, schon früh ernsthafte Verdauungsprobleme, noch bevor klinische Symptome eines Zinkmangels auftraten.43
Auch Kobalt und Mangan sind von Glyphosat betroffen. In einer Studie an Milchkühen in Dänemark wurden bei Kühen aus acht verschiedenen Betrieben durchweg Konzentrationen gefunden, die weit unter dem erwarteten Mindestbereich lagen.44 Cobalamin, das Sie vielleicht als Vitamin B12 kennen, ist auf Kobalt als Katalysator angewiesen. Es ist ein wichtiges Enzym im Körper. Es reguliert viele Stoffwechselvorgänge und ist für die normale Bildung von roten Blutkörperchen und gesundem Nerven- und Gehirngewebe unerlässlich. Nur wenige Enzyme sind von Cobalamin abhängig, aber jedes ist essenziell für die Zellfunktion – ein Thema, auf das ich in den Kapiteln 3 und 9 zurückkommen werde.
Anthony Samsel ist ein einzigartiger Wissenschaftler: brillant, leidenschaftlich, exzentrisch und hartnäckig selbstsicher. Er hatte eine glänzende Karriere als Chemiker in einem Think Tank von Arthur D. Little und ist Inhaber vieler chemischer Patente. Samsel ist jetzt im Ruhestand und lebt auf mehreren Hektar Land in New Hampshire, wo er Bio-Pflanzen anbaut und den größten Teil der Lebensmittel für seine Familie von seiner eigenen kleinen Farm liefert. Samsel ist auch weiterhin als toxikologischer Berater tätig. Zu seinem Fachgebiet gehören die Bewertung des Nährstoffgehalts von Nutzpflanzen, die Giftstoffen ausgesetzt sind, sowie die Untersuchung von Kontaminationen in Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten. Er sammelt wichtige Daten über den Glyphosat-Gehalt in Zähnen, Fingernägeln, Gallensäuren und Verdauungsenzymen.
Anthony Samsel habe ich 2012 kennengelernt. Seitdem haben wir an einer Reihe von sechs wissenschaftlich begutachteten Artikeln mitgewirkt. Gemeinsam haben wir herausgefunden, dass Glyphosat nicht nur nützliche Mineralien toxisch macht, sondern auch bekannte giftige Metalle wie Aluminium und Arsen in saure Bereiche des Körpers transportiert, wo es dann die giftige Fracht freisetzt. In unseren Forschungen haben wir herausgefunden, dass Glyphosat Mangan blockiert, was gleichzeitig zu einem Mangel führt und toxische Reaktionen auslöst.45 Andere Wissenschaftler haben bestätigt, dass Glyphosat sehr wahrscheinlich zu einer Epidemie von Nierenversagen in Sri Lanka beigetragen hat, indem es Arsen zu den Nieren transportiert und es dann im sauren Milieu der Nierentubuli freisetzt.46 Auch bei Landarbeitern auf den Zuckerrohrfeldern in Mittelamerika ist Nierenversagen in jungen Jahren inzwischen ein großes Problem. Wahrscheinlich ist Glyphosat hier der Hauptverursacher.47
Sie haben gerade erfahren, dass EDTA ein starker Metallchelator ist. Glyphosat bindet Aluminium eine Million Mal leichter als EDTA.48 Zwei Glyphosatmoleküle wickeln sich um ein Aluminiumatom, verbergen seine Ladung und erzeugen ein ungeladenes kleines Molekül, das Barrieren leicht überwindet.49 Durch die Glyphosatbindung kann Aluminium die Darmbarriere überwinden und schließlich in die Hirnstammkerne gelangen, wo ein saures Milieu das Glyphosat dazu veranlasst, das Aluminium wieder freizusetzen.50 Aber das Gehirn ist der letzte Ort, an dem wir Aluminium haben wollen.51
Im Dezember 2015 rief mich Anthony an, um mir voller Begeisterung von seiner erschreckenden Idee zu erzählen, dass Glyphosat als Aminosäure-Analogon der codierenden Aminosäure Glycin die Proteinsynthese stören könnte. Anfangs war ich skeptisch, aber als ich anfing, mich mit dieser Idee zu befassen, wurde mir klar, dass es tatsächlich der Mechanismus sein könnte, durch den Glyphosat in teuflischer und heimtückischer Weise den systemischen Stoffwechsel in allen lebenden Arten stört. Dieses Konzept, das ein zentrales Thema des Buches ist, werde ich Ihnen später noch näher erläutern.
Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch auf der ganzen Welt sterben immer mehr Landwirte durch Selbstmord.52 Diese Landarbeiter haben eine einfache Möglichkeit gefunden, sich selbst zu töten: nämlich indem sie die Gifte trinken, die sie in ihrer Landwirtschaft verwenden. Es gibt Hinweise darauf, dass der Tod durch Glyphosat-Vergiftung in Argentinien, Brasilien, Kanada und den Vereinigten Staaten zu einem ernsthaften Problem geworden ist.53 Zu den Symptomen einer akuten Glyphosat-Vergiftung gehören abdominelle Beschwerden, Erbrechen, Lungenödem, Lungenentzündung, Bewusstlosigkeit, Atembeschwerden, Verlust der Muskelkontrolle, Krämpfe, Zerstörung roter Blutkörperchen und Tod.54
Natürlich beinhalten diese Selbstmorde und Selbstmordversuche das Trinken einer Formulierung auf Glyphosat-Basis, die neben Glyphosat noch andere Inhaltsstoffe enthält. Zu diesen Inhaltsstoffen gehören Salzpuffer und Tenside wie POEA, die als Hilfsstoffe beigefügt sind, um Glyphosat löslicher zu machen, damit es besser in die pflanzlichen Zellwände eindringen kann. Wie wir bei Séralinis Forschung gesehen haben, können diese anderen Inhaltsstoffe auch selbst akut giftig sein. Tatsächlich können sie in einigen Fällen sogar bis zu tausendmal giftiger sein als Glyphosat.55
Obwohl es den Menschen schwer krank macht, ist die Einnahme von Glyphosat-Formulierungen nicht immer tödlich. Untersuchungen aus Taiwan zeigten, dass über 70 Prozent der Menschen mit akuter Exposition überlebten.56 Metabolische Azidose, ein abnormes Röntgenbild des Brustkorbs, Tachykardie und Nierenversagen waren mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden, ebenso wie gefährlich erhöhte Kaliumwerte und Atemprobleme, die teils so schwerwiegend waren, dass eine Intubation erforderlich war. Aus dieser Untersuchung, die 2008 durchgeführt wurde, geht hervor, dass Schäden an Lunge, Nieren und Herz die tödlichen Schlüsselfaktoren sind.
Andere Analysen haben Überlebensraten von nur 54 Prozent und wieder andere bis zu 92 Prozent gezeigt.57 Als taiwanesische Forscher 2011 131 betroffene Patienten untersuchten, stellten sie fest, dass jeder einzelne von ihnen schwer krank wurde. Bei Verstorbenen waren häufiger Bewusstseinsstörungen, Atembeschwerden, unregelmäßiger Herzrhythmus und Schock aufgetreten. Einer der Gründe, warum das Trinken eines Herbizids auf Glyphosat-Basis tödlich sein kann, ist, dass die Erregungsleitung und Kontraktilität des Herzens gestört wird und das Herz funktionell ausfällt. Eine südkoreanische Studie aus dem Jahr 2014 analysierte Daten von über 150 Patienten, die auf diese Weise einen Selbstmordversuch unternommen hatten.58 12 Prozent starben. Wie in Taiwan gingen diesen Todesfällen häufig schwere Herzrhythmusstörungen voraus.
Im April 2015 erklärte die Internationale Agentur für Krebsforschung, die zur Weltgesundheitsorganisation gehört, nach genauer Prüfung der gesamten vorhandenen Glyphosat-Literatur, Glyphosat zu einem wahrscheinlichen Karzinogen.59 Diese Einstufung stieß bei Monsanto auf erheblichen Widerstand. Doch die IARC blieb standhaft. Menschen, die nach der Anwendung von Roundup an Krebs erkrankten, insbesondere an Non-Hodgkin-Lymphom, wurden ermutigt, eine Entschädigung von Monsanto zu fordern.
Dewayne Johnson war 2014 Hausmeister an einer kalifornischen Schule, als bei ihm im Alter von 42 Jahren ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert wurde. Er hatte Roundup häufig im Rahmen seiner Tätigkeit verwendet. In einem historischen Rechtsstreit verklagte der Vater von drei kleinen Söhnen Monsanto, das sich jetzt im Besitz des deutschen multinationalen Konzerns Bayer AG befindet, und behauptete, das Unternehmen habe seine lebensbedrohliche Krebserkrankung verursacht, indem es jahrzehntelang die bekannten Risiken von Roundup vertuscht habe. In einem wegweisenden Urteil wurden Johnson von einer Jury 289 Millionen Dollar zugesprochen (die später von einem Richter auf 78 Millionen Dollar reduziert wurden), was andere Opfer ermutigte und den Weg für zukünftige Klagen ebnete.60 »Monsanto kümmert sich nicht sonderlich darum, ob sein Produkt tatsächlich bei Menschen Krebs verursacht«, schrieb Richter Vince Chhabria in einem am 7. März 2019 veröffentlichten Gerichtsdokument, »sondern konzentriert sich stattdessen darauf, die öffentliche Meinung zu manipulieren und jeden zu untergraben, der echte und legitime Bedenken zu diesem Thema äußert.«61
Es kann sehr lange dauern, bis sich Krebs entwickelt. Wie ich bereits erwähnt habe, sind übermäßige DNA-Schäden eine Vorstufe von Krebs. Wissenschaftler testen das Potenzial einer Chemikalie als Karzinogen, indem sie Zellen der Chemikalie aussetzen und dann nach Schäden an den Chromosomen suchen. Wenn menschliche Leberzellen niedrigen Dosen von Glyphosat ausgesetzt sind, ähnlich den Dosen, denen wir in der Umwelt ausgesetzt sind, kommt es zu DNA-Schäden.62 Menschliche weiße Blutkörperchen, die Glyphosat ausgesetzt sind, erleiden ebenfalls DNA-Schäden, unter anderem an einem Gen, das Krebstumore unterdrückt (das p53-Supressor-Gen).63 Die Zerstörung der Schutzwirkung des p53-Supressor-Gens ebnet den Weg für invasive Leukämien und Lymphome.64 Auch in der Bevölkerungswissenschaft sehen wir das, was wir im Labor sehen: Forscher haben DNA-Schäden bei Landarbeitern gefunden, die in Ecuador und Kolumbien Glyphosat ausgesetzt waren.65
Während uns die Apologeten der Branche jahrelang gesagt haben, dass Roundup sicher sei, wissen jetzt sogar die Mainstream-Nachrichten, dass wir getäuscht wurden.66 Im Juni 2020 kündigte Bayer einen Vergleich über die Zahlung von über 10 Milliarden US-Dollar an, um 100 000 Rechtsstreitigkeiten mit Klägern beizulegen, die behaupteten, sie hätten durch die Verwendung seiner Produkte Krebs bekommen.67 Es handelt sich um einen der bisher größten Vergleiche in der Geschichte der US-Zivilprozesse, der jedoch nicht annähernd ausreicht. Kein Geld der Welt kann den Menschen ihre Gesundheit zurückgeben. Bayer hat kein Fehlverhalten und keine Haftung eingeräumt.
Die Welt muss verstehen, dass Krebs nur eine der Gesundheitsgefahren der Glyphosat-Exposition ist.68 Glyphosat verseucht den Boden und die von ihm abhängige Pflanzenwelt. Es verunreinigt unsere Nahrungsmittel und unser Wasser. Die negativen gesundheitlichen Folgen von Glyphosat sind über mehrere Generationen hinweg zu beobachten. Es ist biopersistent und vor allem in den Vereinigten Staaten fast unvermeidlich. Vermeintlich sichere Grenzwerte für den Menschen basieren auf veralteten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Die gesündesten Länder sind diejenigen, in denen die Menschen natürlich leben können, ohne krank zu werden und vorzeitig zu sterben. Die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten liegt weit hinter derjenigen der anderen Industrieländer zurück. Während in allen anderen Industrieländern die Lebenserwartung steigt, ist sie in den USA von 2014 auf 2017 gesunken.69 Als eines der reichsten Länder der Welt haben wir eine der niedrigsten Lebenserwartungsraten. Selbst die Sterblichkeitsrate unter jungen Menschen in Amerika geht in die falsche Richtung.70
