Endlich ist es soweit - Friederike von Buchner - E-Book

Endlich ist es soweit E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Henk begleitete Doktor Carl Ziegler zu seinem Geländewagen. Carl brauste gleich davon, um Beate zu suchen. Nachdenklich ging Henk zurück ins Haus. Er setzte sich an den Küchentisch. Leere Bierflaschen standen herum. Eine halbvolle Flasche goss er in sein Glas. Das Gespräch, das er gerade mit Carl geführt hatte, ließ ihm keine Ruhe. Henk hatte Carl zufällig in Kirchwalden wiedergetroffen. Sie waren beide Tierärzte und hatten zusammen studiert. Auf Carls Bitte hatte er sich bereit erklärt, für ein langes Wochenende die Vertretung in der Tierarztpraxis von Doktor Beate Brand zu übernehmen, weil sie zur Hochzeit von Freunden eingeladen waren. Carl war enttäuscht zurückgekommen – ohne Beate. Er hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht. Aber statt ihm überglücklich in die Arme zu sinken, hatte sie um Bedenkzeit gebeten und war abgereist. Wie war Beates Verhalten zu erklären? Da er Carls und Beates Geschichte jetzt kannte, fasste er sie noch einmal in Gedanken zusammen, denn so richtig begreifen konnte er dieses Liebespaar nicht. Beate und Carl hatten sich während ihres Studiums kennengelernt und wurden ein Liebespaar. Sie machten Pläne für die Zukunft. Eine gemeinsame Tierarztpraxis auf dem Land und viele Kinder war ihr Traum. Aber es kam anders. Beate sah Carl mit einer anderen Frau zusammen und verließ ihn.

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Toni der Hüttenwirt – 300 –

Endlich ist es soweit

Beate und Carl werden ein Paar

Friederike von Buchner

Henk begleitete Doktor Carl Ziegler zu seinem Geländewagen. Carl brauste gleich davon, um Beate zu suchen.

Nachdenklich ging Henk zurück ins Haus. Er setzte sich an den Küchentisch. Leere Bierflaschen standen herum. Eine halbvolle Flasche goss er in sein Glas. Das Gespräch, das er gerade mit Carl geführt hatte, ließ ihm keine Ruhe.

Henk hatte Carl zufällig in Kirchwalden wiedergetroffen. Sie waren beide Tierärzte und hatten zusammen studiert. Auf Carls Bitte hatte er sich bereit erklärt, für ein langes Wochenende die Vertretung in der Tierarztpraxis von Doktor Beate Brand zu übernehmen, weil sie zur Hochzeit von Freunden eingeladen waren. Carl war enttäuscht zurückgekommen – ohne Beate. Er hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht. Aber statt ihm überglücklich in die Arme zu sinken, hatte sie um Bedenkzeit gebeten und war abgereist. Wie war Beates Verhalten zu erklären? Da er Carls und Beates Geschichte jetzt kannte, fasste er sie noch einmal in Gedanken zusammen, denn so richtig begreifen konnte er dieses Liebespaar nicht.

Beate und Carl hatten sich während ihres Studiums kennengelernt und wurden ein Liebespaar. Sie machten Pläne für die Zukunft. Eine gemeinsame Tierarztpraxis auf dem Land und viele Kinder war ihr Traum. Aber es kam anders. Beate sah Carl mit einer anderen Frau zusammen und verließ ihn. Obwohl sie schnell erkannte, dass ihre Eifersucht völlig unbegründet war, weigerte sie sich, es zuzugeben. Kopflos stürzte sich Carl in eine Ehe mit Stella. Er dachte auf diese Weise darüber hinwegzukommen, dass er Beate verloren hatte. Aber er konnte Stella nicht so lieben, wie er Beate geliebt hatte. Die Ehe war voller Konflikte. Als nach einem Streit Stella bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, gab sich Carl die Schuld. Er kaufte an der holländischen Grenze ein Anwesen. Dort lebte er zurückgezogen und schrieb tiermedizinische Fachbücher und Tierbücher für Kinder.

Beate führte inzwischen die Tierarztpraxis in Waldkogel. Sie wurde von allen geschätzt und geliebt. Eines Tages erfuhr sie von ihrer Freundin Petra, dass Carl Witwer war. Da flammte in ihrem Herzen die alte Liebe wieder auf, die sie all die Jahre verdrängt hatte. Sie musste sich eingestehen, dass Carl die einzige Liebe in ihrem Leben gewesen war und sie ihn nie vergessen hatte. Jetzt war er wieder ungebunden, aber sie konnte sich nicht überwinden, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Toni und Anna brachten sie schließlich dazu, ihnen ihr Herz auszuschütten, nachdem sie ihr zugesichert hatten, nichts weiterzuerzählen. Nachdem sie die Hintergründe für Beates Konflikt erfahren hatten, konnten Toni und Anna nicht untätig bleiben. Ein glücklicher Umstand war, dass Annas Großeltern Carls Nachbarn waren. Sie waren auch die einzigen Menschen, mit denen Carl ein wenig gesellschaftlichen Umgang pflegte. Ein Plan wurde ersonnen, um Carl nach Waldkogel zu holen. Annas Großeltern waren Hundezüchter. Da Tonis und Annas Neufundländerrüde Bello in die Jahre gekommen war, sollte er einen schönen Lebensabend bei Annas Großeltern verbringen. Dafür sollten Bella und ihr Welpe Benno auf die Berghütte kommen. Nichts lag näher, als Doktor Carl Ziegler, Tierarzt und Fachbuchautor, zu bitten, seine Nachbarn und die beiden Hunde nach Waldkogel zu fahren. Er wusste nicht, dass Beate in Waldkogel lebte. Die Verschwörer wollten geschickt einfädeln, dass Carl und Beate sich unter günstigen Umständen wiedersahen. Der Plan ging schief, denn die beiden trafen sich völlig unvorbereitet auf Wendys Alm. Es kam zu einem Eklat. Beate verlor die Beherrschung. Sie warf Carl die alten Vorwürfe an den Kopf, obwohl sie wusste, dass sie nicht wahr waren. Carl reiste wieder ab. Beate war tief zerknirscht über ihr Verhalten und konnte sich selbst nicht verstehen. Sie liebte Carl doch immer noch!

Es war nun an der Zeit, Bello zu Annas Großeltern zu bringen. Nach vielem Sträuben übernahm Beate diese Aufgabe. So kam es zu einem Wiedersehen mit Carl. Sie sprachen miteinander wie zivilisierte Menschen, ohne dass Beates Temperament durchging. Die Zeit verstrich. Carl schickte liebevolle Briefe und rief regelmäßig an. Beate wurde immer mehr bewusst, dass sie Carl von ganzem Herzen liebte. Aber sie tat nichts, was sie hätte zusammenbringen können.

Wahrscheinlich hatte der Himmel nicht mehr tatenlos zuschauen können, denn Beate verletzte sich den Arm und konnte ohne Hilfe die Praxis nicht führen. Statt Carl zu bitten, ihr zu helfen, unternahm sie alles Mögliche, um fremde Hilfe zu finden. Aber vergebens, kein Tierarzt wollte die beschwerliche Arbeit einer Tierarztpraxis auf dem Land übernehmen. Beate nahm Schmerzmittel und biss die Zähne zusammen. Doktor Martin Engler sah, dass sich Beate die Gesundheit ruinierte. Deshalb schmiedete er, zusammen mit Toni und Anna, einen Plan. Es brauchte keine große Überredungskunst, Carl um Hilfe zu bitten. Das eigentliche Problem war, dass es nicht so aussehen durfte, als sei er einzig Beates wegen nach Waldkogel gekommen. So kam es, dass Carl auf dem Weg nach Italien, wo ihre gemeinsamen Freunde Petra und Adam wohnten und arbeiteten, eine Zwischenstation auf der Berghütte einlegte. Obwohl Beate wusste, dass sie dringend Hilfe brauchte, musste Martin ihr gründlich den Kopf waschen, bevor sie zuließ, dass Carl ihr die schweren Aufgaben abnahm.

So vergingen Wochen gemeinsamer Arbeit in der Tierarztpraxis und auf den Bauernhöfen. Es war eine harmonische Zeit. Trotzdem hielt Beate Carl auf Abstand. Er musste jeden Abend zum Übernachten hinauf auf die Berghütte und jeden Morgen wieder den weiten Weg hinunter. Irgendwann riss Toni der Geduldsfaden und er brachte Carl dazu, Beate ein Ultimatum zu stellen. Er könne nicht länger auf der Berghütte übernachten. Es sei Hochsaison und sein Zimmer würde gebraucht. Ihm bliebe nichts Anderes übrig, als wieder abzureisen. Daraufhin bot Beate ihm die Einliegerwohnung in ihrem Haus an, was sie längst hätte tun können. Jetzt verbrachten sie nicht nur beruflich viel Zeit miteinander, sie kamen sich auch privat näher. Carl sagte Beate, dass er gern weiter in ihrer Praxis arbeiten würde, entweder als Angestellter oder später als Teilhaber. Die alten gemeinsamen Träume schienen greifbar nahe zu sein, obwohl keiner es direkt aussprach. Sie kamen sich immer näher. Beate ließ es schließlich zu, dass sie sich ihre Liebe gestanden, die in all den Jahren nie erloschen war. Sie freute sich sehr über die Halskette mit dem kleinen Herzen, die ihr Carl schenkte. Das war am Abend vor der Abreise an den Bodensee, wo ihre Freunde Petra und Adam Hochzeit feierten.

Carl hatte Tage zuvor Henk Thaler in Kirchwalden getroffen und ihn gebeten, die Vertretung in der Tierarztpraxis während ihrer Abwesenheit zu übernehmen. Henk hielt sich in dem luxuriösen Chalet seiner schwerreichen Erbtante auf, das hoch in den Bergen über Kirchwalden gelegen war. Bei dieser Gelegenheit hatte Carl ihm den Verlobungsring gezeigt, den er vorsorglich gekauft hatte.

Was auf der Hochzeit geschehen war, hatte Henk gerade von Carl erfahren.

Die Hochzeit ihrer besten Freunde war sehr romantisch und hatte Carls Herz sehr aufgewühlt. Eigentlich hatte er geplant, in Ruhe mit Beate über eine gemeinsame Zukunft zu sprechen, so wie sie sie sich vorgestellt hatten, als das Leben noch rosarot war und der Himmel voller Geigen hing. Aber getrieben von inniger Sehnsucht und Liebe warf er alle vernünftigen Vorsätze über Bord und machte Beate spontan einen Heiratsantrag und bot ihr den Verlobungsring dar. Beate sagte nicht Ja und sagte nicht Nein. Sie sagte, dass sie ihn liebe, bat aber um Bedenkzeit.

Carl erfuhr am nächsten Morgen, dass Beate ein Taxi genommen hatte und zurück nach Waldkogel gefahren war. Sie hatte einen Brief für ihn an der Rezeption hinterlegt. Der Brief war voller Emotionen. Sie schrieb, dass sie gern seine Frau werden würde, dass aber alle Fragen noch offenstanden, die ihr gemeinsames Alltagsleben betrafen. Das ängstige sie.

Henk erinnerte sich, dass seine Großtante immer sagte, Frauen würden das Leben viel praktischer sehen als Männer. Als Carl seine Verwirrung und sein Unverständnis ausdrückte, war ihm deshalb sofort klar, dass sich Carl wie ein tollpatschiger, verliebter Esel benommen hatte. Er war polternd mit der Tür ins Haus gefallen. Kein Wunder, dass Beate die Flucht ergriffen hatte!

›Ich hoffe, Carl findet Beate in den Bergen‹, dachte Henk nun. ›Sie müssen miteinander reden. Doch wo war sie hingegangen? Vielleicht kann Ella Waldner den entscheidenden Hinweis geben.‹ Henk machte sich einen Imbiss. Er schob tiefgekühlte Pizzabrötchen in den Ofen. Während er wartete, überlegte er, ob er etwas unternehmen könnte, um Carl zu helfen. Sollte er auf der Berghütte anrufen? Wäre es gut, wenn er sich unter einem Vorwand nach Beate erkundigte? Oder sollte er sich besser aus der Sache heraushalten?

Die Zeitschaltuhr des Backofens meldete sich. Henk nahm das Essen heraus. Er öffnete eine Flasche Bier und aß. Dabei war er in Gedanken bei Carl. Er entschloss sich, erst einmal nichts zu tun. Eigentlich war es das Beste, wenn die beiden sich aussprachen, ohne dass sich ein Dritter einmischte. Henk schmunzelte, als er daran dachte, wie viele Wohlmeinende sich des Liebeslebens von Beate und Carl angenommen hatten. Ins Rollen gebracht hatte es Petra. Toni, Anna, Martin und Annas Großeltern waren gefolgt.

Das bestärkte Henk in seiner Entscheidung, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Sollte er als Vermittler gefragt sein, könnte er immer noch den Hochzeiter spielen.

Carl fuhr mit dem Geländewagen den Feldweg durch die Wiesen und Äcker entlang. Dann bog er in den Waldweg ein, der eine Sackgasse war. Danach ging er zu Fuß am dahinplätschernden Gebirgsbach entlang.

Die Sonne fiel durch die Baumkronen und tauchte den Pfad in goldflimmerndes Licht. Carl hatte an diesem Tag keinen Blick für die Schönheit der Natur. Er sah die dicken Moospolster auf den Steinen am Gebirgsbach nicht. Er hörte nicht das beruhigende Rauschen der Baumkronen, noch sah er die Schmetterlinge, die die Gräser und Waldblumen anflogen. Er nahm den Salamander nicht wahr, der schnell zwischen den Steinen verschwand, als sich Carl näherte. Die eine Hand in der Hosentasche umklammerte das Samtkästchen mit dem Ring. Tief in Gedanken versunken ging Carl den ausgetretenen Pfad entlang. Sein Herz schlug für Beate. Es rief mit jedem Herzschlag nach ihr.

Ellas Waldners Kate strahlte im Schein der Nachmittagssonne. Das Summen der Bienen, die von Blüte zu Blüte flogen, lag über dem Garten.

Carl trat durch das Gartentürchen.

Die Haustür war nicht offen. Er klopfte, bekam aber keine Antwort. So ließ er seinen Rucksack von den Schultern gleiten und stellte ihn neben der Haustür auf den Boden. Dann ging er um die Kate herum.

Ella Waldner war auch nicht im Gemüsegarten hinter dem kleinen Haus.

Carl sah durch die Fenster, mit den duftigen, zur Seite gebundenen Spitzengardinen. Ella war nicht zu sehen.

Sie war sicher noch im Wald unterwegs, Kräuter und Beeren suchen. Nicht umsonst nannte man Ella in Waldkogel liebevoll unsere liebe Kräuterhexe.

Carl setzte sich auf die Bank unter dem vorgezogenen Dach. Er holte eine Flasche Wasser aus dem Rucksack und trank. Immer wieder sah er auf die Uhr und trommelte ungeduldig mit den Fingerspitzen auf die Armlehne der Sitzbank. Die Minuten erschienen ihm wie Stunden. Er überlegte. War es sinnvoll, auf Ella zu warten? Oder sollte er besser zurückgehen und den Weg hinauffahren, zu Wendys Alm? Vielleicht war Beate, auf dem Weg hinauf auf die Berghütte, bei Wendy vorbeigekommen.

Er wusste, welche tiefe Freundschaft Beate mit Toni und Anna verband. Es lag also nahe, dass sie Toni und Anna ihr Herz ausschütten würde. Außerdem könnte sie sich auf der Berghütte mit Proviant eindecken, bevor sie den ›Pilgerweg‹ beschritt. Oder war sie zuerst den Weg entlanggewandert und würde erst abends auf der Berghütte einkehren? Fragen über Fragen gingen Carl durch den Kopf. Er war aufgewühlt. Sein Herz raste. Es rief nach Beate.

Carl wusste, dass Ella tief im Wald Beeren und Kräuter suchte, die oft nur abseits der Wege zu finden waren. Wenn Ella Beate gesehen hat, dann hatte Beate nicht den direkten Weg zur Berghütte eingeschlagen, folgerte Carl. Es ist besser, ich warte auf Ella, entschied er.

Er verschränkte die Arme, lehnte den Kopf an die Hauswand und schloss die Augen. Während er an Beate dachte, glitt er langsam in einen leichten Schlaf, denn die Ereignisse der Nacht und die Aufregung hatten ihn den Nachtschlaf geraubt.

»Mei, der Herr Viehdoktor! Grüß Gott«, riss ihn Ellas Stimme aus dem Land der Träume.

Er hatte von Beate geträumt und rieb sich die Augen. Er brauchte einige Sekunden, bis er wach war und sich an alles erinnerte. Er sprang auf. »Grüß Gott, Ella! Henk, er macht Vertretung in der Praxis, er hat mir gesagt, du hättest Beate gesehen. Ich wollte es zuerst nicht glauben. Aber …«, sprudelte er aufgeregt hervor.

»Langsam, junger Mann! Gleich! Eine alte Frau ist kein D-Zug«, unterbrach ihn Ella und hob Einhalt gebietend die Hand. Sie bemühte sich, ihren schweren Rucksack abzusetzen.

Carl half ihr. Er folgte ihr ins Haus.

»Stelle ihn dort auf den Stuhl!«, sagte Ella. Sie schenkte sich ein großes Glas Wasser ein und trank. »Mei, das tut gut«, sagte sie. Sie forderte Carl auf, sich zu setzen.

»Ich habe es ein wenig eilig«, sagte er.

Ella schmunzelte. Sie ging nicht darauf ein. Gemächlich stellte sie einen Krug mit selbstgemachter Limonade auf den Tisch und holte aus der Speisekammer Kuchen. Ella strahlte Ruhe aus. Das machte Carl noch nervöser. »Du siehst aus, als könntest eine Stärkung gebrauchen«, lächelte Ella.

»Ja, das stimmt. Ich gebe zu, dass ich heute noch kaum etwas gegessen habe.«

»Dann bist du selber schuld, wenn du solches Schindluder mit deiner Gesundheit treibst. Ein großes, kräftiges Mannsbild muss essen«, schimpfte Ella.

»Hast du Beate im Wald gesehen? Wo war das genau?«, fragte Carl. Er griff jetzt nach einem Stück Streuselkuchen und aß.

Ella schmunzelte. »Du suchst sie wohl dringend, wie?«

»Mei, wir kommen nicht weiter, wenn du jede Frage mit einer Gegenfrage beantwortest, Ella«, stöhnte Carl.

»Die Beate, die magst du wohl, wie? Hast du sie verärgert? Hast du Streit mit ihr?«, fragte Ella weiter, ohne auf Carls unhöfliche Bemerkung einzugehen.

Carl sah ein, dass er so nicht weiterkam. Er seufzte. »Ella, Streit ist ein großer Begriff. Streit war es nicht. Ich will es dir erzählen. Vorher gibst doch keine Ruhe.«

»Damit hast du recht.«

»Also, ich habe gestern, eigentlich heute Nacht, Beate einen Heiratsantrag gemacht. Ein Heiratsantrag ist doch sicher das Gegenteil von einem Streit!«, betonte Carl.

Ella schmunzelte. »Das sollte man annehmen. Aber da du jetzt deine Liebste suchen musst, nehme ich an, dass es nicht so glatt gelaufen ist, wie du dir das vorgestellt hast. Ist es so?«

Carl nickte.

»Also«, sagte sie langsam und bedächtig, »ich habe Beate gesehen. Aber sie hat mich nicht gesehen. Sie war irgendwie verstört und tief in Gedanken. Direkt an mir ging sie vorbei, als wäre ich nicht da. Ich rief ihr ein fröhliches ›Grüß Gott, Beate!‹ zu, aber sie hat weder geantwortet, noch sich umgeschaut.«

»Wo war das?«

»Mitten im Wald!«

»Wo – mitten im Wald?«, fragte Carl ungeduldig.

»Du bist kein Einheimischer, Carl. Aber ich versuche es dir zu beschreiben. Es war nicht weit vom Forsthaus entfernt, aber ziemlich abseits, mitten im Wald. Es war nicht an einem Weg. Ich nehme an, sie ist, quer durch den Wald, in Richtung Klamm gewandert.«

»Wenn man die Klamm durchsteigt, kommt man doch auf den ›Pilgerweg‹, richtig?«

»Ja, so ist es«, antwortete Ella. »Was willst du jetzt machen?«

»Sie suchen, natürlich!«

Ella sah Carl in die Augen. »Hat Beate deinen Heiratsantrag nicht angenommen?«, fragte sie, dabei sah sie ihn prüfend an.

»Sie liebt mich, hat sie geantwortet, bat aber um Bedenkzeit«, gestand er.

»Das hat dich erschüttert?«

Carl nickte.