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Der Handball in Deutschland ist unterhaltsam, nicht nur in der Halle. Auch die zahlreichen Ereignisse neben dem Spielfeld verdienen Beachtung – und satirische Betrachtung. Im Jahr 2012 entsteht der erste Teil von "Wo die Bälle trudeln", begünstigt durch die erstaunlichen Ereignisse im Umfeld eines Bundesligavereins aus der Handball-Hochburg Ostwestfalen-Lippe. Doch auch in den Jahren danach gibt es genug zu bestaunen. Eine Liga mit 19 Mannschaften, eine WM-Teilnahme ohne sportliche Qualifikation oder Nationalspieler, die nicht immer rechtzeitig ins Röhrchen machen. Auch die mallorquinische Finca, in der nicht nur über den Sport philosophiert wird, und allgemeine Warnungen vor gewissen Investitionsmodellen dürfen nicht fehlen, wenn in „Tor – Wo die Bälle trudeln“ alle vier bislang erschienen Folgen der Serie vereint werden.
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Seitenzahl: 200
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für den TBV Lemgo,all seine Freunde,Förderer und Fans.
"In der Mannschaft stehen viele Spieler mit großen Kämpferherzen. Da rennen die Beine, aber die Köpfe kommen nicht immer mit. Hier muss ich mit meiner Arbeit ansetzen."
(Günter Klein in der Saison 1985/1986als Trainer des TBV Lemgo)
Auf ein Wort
Wo die Bälle trudeln (K)ein Erklärungsversuch
Wo die Bälle trudeln 2013 (K)ein Wort zu viel
Wo die Bälle trudeln 2014 (K)einer für alle
Wo die Bälle trudeln 2015 (K)einer geht noch, (k)einer geht noch rein
Der Handball in Deutschland ist unterhaltsam, und das nicht nur in der Halle. Die zahlreichen Ereignisse neben dem Spielfeld verdienen eine satirische Betrachtung.
Im Jahr 2012 entstand der erste Teil von "Wo die Bälle trudeln", begünstigt durch die erstaunlichen Ereignisse im Umfeld eines Bundesligavereins aus der Handball-Hochburg Ostwestfalen-Lippe. Doch auch in den Jahren danach gab es genug zu bewundern. Eine Liga mit 19 Mannschaften, eine WM-Teilnahme ohne sportliche Qualifikation oder ein Nationalspieler, der nicht immer rechtzeitig in sein Röhrchen uriniert hat, was man dann aber doch nicht so schlimm fand. Und auch die Schatten der jüngeren Vergangenheit, als in mallorquinischen Fincas nicht nur über den Sport philosophiert wurde, sind noch sichtbar.
Wer keinen Sinn für Unsinn hat, liest dieses Buch vielleicht besser nicht, denn „Tor – Wo die Bälle trudeln“ erklärt nicht die Wirklichkeit. Sein Autor erhebt keinen Anspruch darauf, die Wahrheit zu erzählen und skizziert Personen, die es so gar nicht gibt. Wer keinen Sinn für Sinn hat, legt es vielleicht besser zur Seite. Wer hingegen gerne ein Buch liest, das er nicht zu ernst nehmen muss, hat womöglich eine gute Wahl getroffen.
Aus der noch gar nicht vorhandenen Serie
ENTHÜLLTE JOURNALISTEN DECKEN AUF:
Wo die Bälle trudeln
(K)ein Erklärungsversuch
Etwa 390 Tage vor der ersten Offenbarung
Ein Handball-Bundesligist, Aushängeschild seiner Region mit sportlich erfolgreicher Vergangenheit und viel beschworener Zukunft, benötigt einen neuen Beiratsvorsitzenden. Ein alter Fahrensmann der lippischen Wirtschaft kann nach langwieriger Kandidatensichtung für die verantwortungsvolle Position gewonnen werden. Sein euphorischer Kommentar zu seiner Ernennung: „Na gut, dann mach ich es halt.“
Etwa 360 Tage vor der ersten Offenbarung
Der neue Beiratsvorsitzende lernt den neuen Trainer des Bundesligisten kennen. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, da der diplomierte Sportlehrer gerade am Mittagstisch sitzt. Der Beirat zollt dem neuen Mann seinen Respekt: „Junge, so wie du aussiehst, kannst du ja den Kiez in St. Pauli allein befrieden. Naja, Rotlicht haben wir hier ja nicht viel, da musst du wohl als Trainer arbeiten.“
Etwa 240 Tage vor der ersten Offenbarung
Die neue Telefonanlage auf der Geschäftsstelle soll nun endlich funktionieren, doch nach wie vor bestehen Probleme. Der Beirat kann nicht glauben, dass es so schwer sein soll, die Anlage zum Funktionieren zu bringen, da zeitgleich auf dem gleichen Planeten andere Menschen eine Reise zum Mars planen. Der Beirat geht seiner Kontrollfunktion nach und ruft den Anschluss der Geschäftsstelle von außerhalb an. Die Ergebnisse sind nur zum Teil befriedigend: „Drücke die Eins, wenn du mit bärtigen Lesben aus deiner Stadt sprechen willst. Wähle die Zwei, wenn du an einem Treffen mit einer weißrussischen Hammerwerferin interessiert bist. Verdrück dich, wenn du eine Karte für ein Handballspiel bestellen möchtest.“
Etwa 239 Tage vor der ersten Offenbarung
Die beiden Geschäftsführer des Vereins unterhalten sich an der gerade mithilfe einer Leasinggesellschaft akquirierten Kaffeemaschine über die ersten Ergebnisse der Investition: „Okay, ich bringe morgen früh wieder zwei Kaffee vom Bäcker mit.“
Geschäftsführer Vau erklärt Geschäftsführer Eff, dem er im jahrelangen gemeinsamen Training mehrmals versehentlich den Ball an den Kopf geworfen hat, dass die Italiener seiner Meinung nach in Sachen Kaffee den gleichen Expertenstatus besitzen wie die Griechen in Fragen platonischer Freundschaft. Er überlege, zieht Vau seinen Kollegen Eff ins Vertrauen, vor Ort in Italien Rat einzuholen, da der morgendliche Besuch beim gegenüberliegenden Bäcker wegen der Gefahren der zweimaligen Straßenüberquerung keine Dauerlösung sein könne. Nach kritischer Abwägung aller Argumente schwenkt Eff auf die Linie seines Freundes und Kollegen ein: „Mach doch, was du willst.“
Der Beirat erkundigt sich bei Vau, was es mit den etwas irritierenden Auswahloptionen im Telefonmenü auf sich hat, erhält jedoch eine beruhigende Antwort: „Wir warten auf das nächste Update der verwendeten Software. Kann nicht mehr lange dauern. Den neuen Wartungsvertrag unterschreibe ich heute noch, damit wir für eine völlig überzogene Gebühr das kriegen, was uns ohnehin zusteht.“
Da Tag 239 vor der ersten Offenbarung zahlreiche Ereignisse mit sich gebracht hat, beendet er sich vier Stunden vor dem eigentlich geplanten Ablauf ermüdet selbst.
Etwa 195 Tage vor der ersten Offenbarung
Die Glühweinverkäufer auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt freuen sich über den frühen Feierabend, denn sie können schon mittags melden: „Ausverkauft“. Dem Handballverein ist das nicht vergönnt, da viele Anrufer irrtümlich an die bärtigen Lesben der Stadt weitergeleitet werden. Ein Glühweinverkäufer macht sich glücklich auf den Weg zum Flughafen, um Hammerwerferin Ludmilla aus Minsk in Empfang zu nehmen.
Etwa zeitgleich betritt eine Gruppe gut gelaunter rotnasiger Männer das Foyer des örtlichen Kreditinstitutes. Geschäftsführer Eff befindet sich in Gesellschaft des griechischen Olivendealers und Zaziki-Magnaten Nasowasiadis sowie des als Geschäftsmann verkleideten Karnevalsprinzen einer linksrheinischen Kreisstadt, der in Vertretung des durch die endlich begonnenen Dreharbeiten der lang erwarteten Fortsetzung seines ersten Filmes verhinderten Prinzen aus Zamunda für Seriosität bürgen soll. Sie legen dem Vorstand der Bank die Kopie eines Schecks vor, dessen Zahl 3-mal so viel Nullen enthält, wie sie durchschnittlich in zentraleuropäischen Bankvorständen anzutreffen sind. Das Original des Schecks wurde zuvor zur Deckung der Spesen bei einem Glühweinstand abgegeben, an dem die kleine Gruppe einen verlängerten Aufenthalt eingelegt hat. „Ist aber nix Problem“, sagt Nasowasiadis, „ich habe noch mehr davon. Muss alles raus aus Hellas, sonst plündert mich die Angela.“ Der Karnevalsprinz hält sich seinen Kopf, was auch als bestätigendes Nicken interpretiert werden könnte. Eff stößt auf, woraufhin sich das Aroma von Glühwein mit Zimt lieblich im Büro des Vorstands ausbreitet und die weihnachtliche Stimmung fast alle verzaubert: „Hier, mach mal auf das Konto vom Verein. Komme die Tage mit einem anderen Scheck wieder“, erbittet Eff die Kooperation der Bank.
Etwa 180 Tage vor der ersten Offenbarung
Es weihnachtet ziemlich im Hause Vau und sogar sehr im Hause Eff. Nasowasiadis hat sich das Kostüm eines Weihnachtsmannes angezogen. Obwohl es ihm außerordentlich gut steht hofft er doch, dass die griechischen Fluglotsen noch in dieser Dekade ihren Streik beenden werden, um ihm endlich den Heimflug zu ermöglichen.
„Warst du ein artiger Geschäftsführer?“
„Ja“, bestätigt Eff. Daran glaubt er ebenso wie an den Weihnachtsmann, der sich ihm gerade offenbart.
„Na, denn… was soll das Christkind denn für dich tun?“
Mittlerweile wohnt Nasowasiadis schon lange genug bei Eff, um bessere grammatikalische Kenntnisse zu besitzen, als es einem Menschen möglich ist, der einen Großteil seiner Existenz in Ostwestfalen-Lippe verkracht hat.
„Einen großen Scheck ausstellen.“
„Aber bislang haben wir nur unausgegorene Ideen. Nüchtern betrachtet fehlt ein echtes Konzept.“
„Schon, aber mein Verein braucht einen neuen Hauptsponsor. Da interessiert mich mehr das große Ganze als solche Detailfragen.“
„Wir haben einen Termin mit dem Landrat. Er findet einige der Projekte sehr interessant.“
„Den Edelpuff neben der Halle?“
„Ich glaube, ihm gefällt die Idee mit dem Hotel besser.“
„Hotel ist auch besser. Ich kann schlecht auf den Trikots Werbung für einen Puff machen.“
„Warum?“
„Zu viele kleingeistige Korinthenkacker, die an allem etwas auszusetzen haben. Ein Einkaufszentrum neben der Halle ist noch besser, weil das mehr Menschen anzieht als ein Hotel.“
„Und wann sollen die Leute einkaufen? In den Schulpausen oder in der Halbzeit?“
„Es ist Weihnachten. Die richtige Zeit, um an Wunder zu glauben. Wenn wir noch so einen Scheck kriegen, können wir ein ganz neues Stadtviertel bauen. Ach was, wir können sogar das ganze Stadtzentrum rund um die Halle herum verlegen.“
„Ja, aber… wozu das alles eigentlich?“
„Was soll die ganze Fragerei? Du bist ein komischer Weihnachtsmann. Hol lieber Glühwein aus deinem Sack.“
Etwa 150 Tage vor der ersten Offenbarung
Beim Vorzeigeverein der Region, dem größten Botschafter und Werbeträger der Stadt, findet eine Hausdurchsuchung statt. Der Beirat wird auf einer Wohnmobilmesse beim Probeschlafen in einer der Messeneuheiten geweckt, als ihn der Praktikant von der Geschäftsstelle per SMS informiert. Der Beirat beschließt, seine Kontrollfunktion per Telefon auszuüben. Er dankt stumm dem Gott der modernen Technologie und versucht einen der ehemaligen Handballgötter, die einst vom Trainingsanzug ins schmucke Jackett mit Vereinslogo transferiert wurden, zu erreichen.
„Wähle die Eins für usbekische Gewichtheberinnen mit positivem Dopingbefund und ernsthaften Heiratsabsichten. Wähle die Liberalen, wenn du ein Hotelier bist, und wähle die Drei, falls es um Handball geht.“
Das Softwareupdate ist zwar eingespielt worden, doch der Beirat immer noch nicht restlos überzeugt. Er drückt die Drei und hört die Botschaft sehr wohl: „Herzlich Willkommen in der Warteschleife. Unmittelbar nach der Einspielung des nächsten kostenpflichtigen Softwareupdates sowie der Aktivierung des mit Zusatzkosten verbundenen Anrufbeantworters kannst du eine dreisilbige Nachricht hinterlassen. Verkürze dir die Wartezeit mit philippinischen Oben-ohne-Reispflückerinnen und drücke dafür die Vier.“ Der Beirat notiert sich seinen Gesprächsbedarf mit Vau wegen der Telefonanlage und schläft in dem bequemen Wohnmobil ein, während er die nächsten Schritte überdenkt und wartet.
Etwa 110 Tage vor der ersten Offenbarung
Der Beirat wird aus dem Wohnmobil befreit, in dem er die letzten Wochen verschlafen hat. Sofort denkt er an das offene Gespräch mit Vau. Sein erster Anruf gilt daher der Geschäftsstelle. Zufrieden stellt er fest, dass seine im Schlaf vorangetriebenen Überlegungen schon erste Ergebnisse zeigen: „Drücke die Eins, wenn du Fragen an den Handball-Bundesligisten stellen möchtest. Drücke die Zwei, wenn du ‚Wo die Bälle trudeln‘ als Klingelton herunterladen möchtest und dir dabei ein sinnloses Abonnement ans Bein binden willst. Drücke die Drei, wenn du auch außerhalb der Saison einen vom Streik der griechischen Fluglotsen betroffenen hellenischen Weihnachtsmann abonnieren möchtest.“
Der Beirat drückt die Eins.
„Wollen Sie zu den usbekischen Gewichtheberinnen oder zu den bärtigen Lesben? Die haben alle eine neue Nummer“, meldete sich der Praktikant von der Geschäftsstelle.
„Kennen Sie in unserer Stadt bärtige Lesben?“
„Bärtige Frauen schon, aber ob die alle lesbisch sind? Ich halte nicht so viel von Klischees.“
„Gut so. Geben Sie mir mal den Vau.“
„Ähm, ja. Ich muss ihn suchen. Leider kann ich nicht verbinden mit dem Telefon hier.“
„Was? Warum nicht?“
„Es fehlt wohl noch ein Softwareupdate. Ja, und die Apparate für die Nebenstellen.“
Der Beirat stöhnt auf eine Art und Weise in den Hörer, die selbst eine weißrussische Hammerwerferin beeindrucken würde.
Etwa 100 Tage vor der ersten Offenbarung
gibt es sie eigentlich schon, die erste Offenbarung. Vau zieht Eff ins Vertrauen und informiert ihn über seine Versuche, Sponsoren in Italien zu finden. Bislang haben die Bemühungen außer Spesen und Investitionen jedoch keine zählbaren Ergebnisse gebracht.
„Ich weiß nicht, ob Italien unser wichtigster Markt ist“, bemerkt Eff.
„Stimmt“, sagt Vau. „China liegt da natürlich viel näher. Aber die verstehen sich nicht so gut auf Kaffee.“
„Wovon redest du?“
„Ich möchte für unsere Geschäftsstelle eine neue Kaffeemaschine. Espresso, Latte. Eine, die alles kann.“
„Ist mir Latte.“
„Ich will dafür aber nichts bezahlen. Wir verlieren im Sommer ja einen großen Sponsor.“
„Gut, dass du mich dran erinnerst. Funktioniert unser Telefon?“
„Die Weckfunktion funktioniert einwandfrei, es fehlt aber noch ein Softwareupdate, um raustelefonieren zu können. Der neue Vertrag ist unterschrieben, habe ich heute in die Post gegeben. Dauert nur noch ein paar Tage. Erwartest du einen Anruf von der Staatsanwaltschaft?“
„Von wem?“
„Das ist die Behörde, die hier neulich alles durchsucht hat. Wonach haben die eigentlich gesucht?“
„Keine Ahnung. Ich frage bei Gelegenheit mal nach. Wenn das Telefon funktioniert.“
„Jedenfalls habe ich ein paar Italiener eingeladen. Sie sollen uns einige Maschinen vorführen. Dann mache ich mit denen einen Sponsorenvertrag. Ist für die doch eine tolle Werbung, wenn wir hier ihren Kaffee trinken.“
„Gut. Kümmerst du dich drum?“
„Yo.“
Etwa 90 Tage vor der ursprünglich gemeinten Offenbarung
findet der Beirat den Kaffee in der Geschäftsstelle nicht besser als den, den er zu Hause aus seiner viel zu lauten Maschine keltert. Eff zuckt die Achseln. Ja, das sei ein Problem, aber: „Vau kümmert sich drum.“
„Gut. Was ist eigentlich mit dem Telefon? Funktioniert die Anlage nun einwandfrei?“
„Weiß ich nicht. Wozu soll ich anrufen, wenn ich hier bin?“
„Neulich hat mir ein Bekannter von der Staatsanwaltschaft was gesteckt. Ich war ja neulich beruflich im Ausland…“
„Beruflich? Du bist doch im Ruhestand? Was machst du denn noch, außer den Beiratsvorsitzenden?“
„Äh… ich teste Wohnmobile. Langzeittests. Liegekomfort, zum Beispiel.“
„Ah ja. Und wie ist da die Auftragslage? Wir haben noch eine freie Brust nächste Saison. Oder auch eine leere Hose, haha.“
„Lenk jetzt mal nicht ab. Bei der Hausdurchsuchung damals… worum ging es da, was hast du mir gesagt?“
„Äh, ach… das ist schon so lange her… ich weiß auch nicht mehr so genau…“
„Du hast mir gesagt, es ginge um Ermittlungen wegen illegalen Urinierens an der A1, der A2, der A7 und der A30 bis A45. Du hast vielleicht vergessen zu erwähnen, dass es da noch um einen Scheck ging.“
„Ja, der Scheck. Ich wollte ihn einlösen, die Bank wollte es nicht. Okay. Ich habe den Scheck nicht ausgestellt, wir suchen weiter einen Sponsor. Ende der Geschichte.“
„Und weswegen ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt?“
„Routine, sagen sie…“
„Und die Idee, den Beirat zu informieren, kam dir nicht?“
„Wozu? Es ist ja nichts passiert. Ich wusste auch nicht, dass ihr euch für so was interessiert.“
Der Beirat seufzt.
Etwa 60 Tage vor der ersten Offenbarung
Wie von Vau erbeten wirft der Beirat einen Blick in die Papiere. Keine Frage, der Vertrag mit dem sizilianischen Kaffeeautomatenhersteller sieht gut aus. Italienische Buchstaben auf dem Papier zu betrachten bietet zwar nicht den gleichen Genuss wie die Sprache zu hören, doch das ändert nichts am positiven Eindruck. Die Frage Vaus nach einer Prüfung der Verträge durch italienische Übersetzer kann der Beirat ebenfalls bejahen. Luigi und Salvatore haben sich die Verträge angesehen, auch wenn ihre Berufsbezeichnung mit Pizzabäcker treffender zu beschreiben ist als mit Übersetzer. Der Verein muss sparen, das ist allen klar. Umso besser, dass Vau nun mit dem Hersteller der Telefonanlage einen Supportvertrag abgeschlossen hat.
„Die supporten uns drei Jahre für eine monatliche Gebühr“, freut sich Vau.
„Und endlich funktioniert die Telefonanlage. Die Leute können endlich ohne Probleme Karten bestellen“, ergänzt Eff.
Lediglich der Beirat findet ein Haar in der Suppe: „Nur schade, dass die Saison schon vorbei ist.“
Etwa 30 Tage vor der ersten Offenbarung
„Mein Gott, was macht denn der Unrat hier?“
„Willst du mich beleidigen, Vau? Du steckst eh schon bis zum Hals im Kaffeepulver.“
„Beirat, ich meinte nicht dich, ich meinte den Müll auf dem Schreibtisch.“
Vau deutet auf die weithin als Akten bekannten Gegenstände. Der Beirat erklärt dem Geschäftsführer, dass sein Sponsorenvertrag mit dem italienischen Kaffeemaschinenhersteller leider Geld in die falsche Richtung transferiert. Der Verein unterstützt nun mit monatlichen Zahlungen das Industrieunternehmen, das sich im Gegenzug dazu bereit erklärt hat, für den Großraum Ostwestfalen-Lippe ein Exklusivmodell mit Wappen des Clubs anzubieten. Sollten weniger als 500 Stück im Monat verkauft werden, nimmt der Verein die nicht verkauften Geräte ab. Vau erkennt darin sofort den Vorteil: „Wir fragen uns doch immer, was wir den Leuten von der Geschäftsstelle zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken sollen. Das Problem ist gelöst.“
„Vau, das bringt unseren Verein an den Rand des Ruins. Wir zahlen außerdem noch eine monatliche Provision an Luigi und Salvatore. Ich weiß nicht, wie die Klausel da reingekommen ist. Aber ich weiß, dass wir einen Verantwortlichen für die Krise des Vereins finden müssen. Und der bist du. Glückwunsch, Vau, du bist beurlaubt.“
„Was? Nur wegen dieser Sache? Jeder kann doch mal einen Fehler machen. Außerdem habe ich gesagt, dass ich einen Sponsorenvertrag mit den Italienern machen will. Genau das habe ich getan. Ich soll also dafür bestraft werden, mein Wort gehalten zu haben?“
Doch der Beirat legt nun allen Unrat auf den Tisch. Er stellt sein Mobiltelefon auf Lautsprecher, um Vau zu zeigen, welche Folgen die kostspielige Buchung automatischer Updates hat: „Wähle die Eins, wenn du eine Eintrittskarte für das nächste Heimspiel haben möchtest. Wähle die Zwei, wenn du keine Karte bestellen möchtest. Wähle die Drei, wenn du Handball doof findest. Beachte dabei bitte, dass diese Ansage zwar nicht kosten-, aber sinnlos ist, da deine Auswahl keinen Einfluss darauf hat, mit welchem Operator du verbunden wirst.“
„Wird doch immer besser“, freut sich Vau, doch der Beirat lächelt grimmig. Er weiß schon, wer sich melden wird, wenn er die Eins drückt: „Hallo, ich bin Nora, deine ganz private bärtige Lesbe.“
Etwa 25 Tage vor der ersten Offenbarung
erklärt der Beirat einer überraschten Öffentlichkeit, dass sich Vau aufgrund des spontanen Einsetzens der Menopause von allen Ämtern sowie aus der Öffentlichkeit und der Gemeinschaft der GEZ-Zahler zurückzieht.
Etwa 10 Tage vor der ersten Offenbarung
tritt der von internen Turbulenzen entnervte Trainer von seinem Amt zurück und schließt stattdessen einen Arbeitsvertrag mit der Interessengemeinschaft Ab-in-den-Puff, um einen bekannten Hamburger Stadtteil zu befrieden.
Etwa 5 Tage vor der ersten Offenbarung
erfährt der Beirat von der bevorstehenden Veröffentlichung der gegen Geschäftsführer Eff laufenden Ermittlungen in den Medien. Unter anderem wird zu lesen sein, dass Eff bei diversen illegalen Blasenentleerungen an verschiedenen Autobahnen gesehen worden ist. Belastendes Fotomaterial zeigt, wie er in Höhe Gelsenkirchen-Buer gezielt eine Eiche anpinkelt. Aufgrund des zu erwartenden öffentlichen Drucks wird Eff der Rücktritt nahegelegt. In einer ergreifenden Stunde des Abschieds sagt er: „Schön ist das nicht, aber was soll’s.“
Keine Rolle spielt bei diesem Rücktritt übrigens der Versuch, einen Scheck in Höhe mehrerer Gigantilliarden bei dem führenden örtlichen Kreditinstitut einzulösen, da sowohl 99,8% der zufällig befragten Passanten in der Fußgängerzone als auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft einräumen, selbst gern einen solchen Scheck einlösen zu wollen.
Am Tag der ersten Offenbarung
wird einer atemlosen Öffentlichkeit offenbart, dass der Beirat eine Menge Unrat zutage gebracht hat. Des Weiteren wird der beste Campingplatz in Norddeutschland ausgerufen und die zweite Offenbarung ersatzlos gestrichen. Die ganze Zeit war also das dumme Geschreibsel von der ersten Offenbarung völlig für den Koffer.
Nach der Offenbarung
ist für viele Protagonisten das Leben nicht mehr das gleiche wie zuvor.
Vau wird von der organisierten italienischen Kaffeeautomatenindustrie mit der silbernen Kaffeebohne in Kugelform für seine außerordentlichen Verdienste um die Förderung der Kaffeekultur ausgezeichnet. Anschließend absolviert er bei einem Telefonanlagenhersteller erfolgreich ein halbstündiges Training und wird daraufhin Gebietsverkaufsleiter für Ostwestfalen-Lippe.
Eff zieht nach Norddeutschland, um als Blonder-Hans-Imitator in Tanzzügen zu arbeiten. Aufgrund eines Missverständnisses bei der telefonischen Bestellung eines Schifferklaviers wird ein ausgewachsener Flügel geliefert. Eff benennt sich daraufhin in Blonda Hanz um.
Der Beirat präsentiert auf einer Pressekonferenz die neue Besetzung des Geschäftsführerpostens. Er ist froh, ein in der Region bekanntes Gesicht präsentieren zu können. Durch ihre vorherige Tätigkeit als bärtige Lesbe ist Nora No bereits fest in der Stadt verankert.
Da der griechische Industrielle Nasowasiadis immer noch keinen Flug nach Griechenland bekommen hat, investiert er sein Kapital in Deutschland. „O.“ für Oliven schmückt in Zukunft die Brust der lippischen Schützen. Nasowasiadis schreibt damit die Geschichte der O. komplett um.
Kein Happy End gibt es dagegen für den Beirat. Da er ein Knöllchen nicht gezahlt hat, welches er aufgrund eines illegalen Parkvorgangs während eines Brötchenkaufs beim Bäcker erhalten hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Die Medien beurteilen die Sachlage uneinheitlich. Teilweise wird ihm vorgeworfen, sich mit einem Wohnmobil möglicherweise ins Ausland abgesetzt zu haben, um sich dem Zugriff der Justiz zu entziehen, während andere Quellen ihm lediglich einen Urlaub attestieren.
Möglicherweise bahnt sich hier der nächste Skandal an.
Wird der Verein jemals zur Ruhe kommen?
Aus der nach wie vor nicht vorhandenen Serie
ENTHÜLLTE JOURNALISTEN DECKEN AUF:
Wo die Bälle trudeln 2013
(K)ein Wort zu viel
Ziemlich weit vor dem Saisonstart
zeigen die Angestellten des Vereins keinen Respekt mehr vor dem Urlaub des Beirats und torpedieren ihn mit Anrufen. Eine gewisse Unruhe herrscht vor. Er stattet der Geschäftsstelle des Vereins schließlich einen Besuch ab, als er sich auf dem Weg zum Treffen der Anonymen Campingfetischisten befindet. Nora No, die Geschäftsführerin des Clubs, kommt ihm entgegen. In Sachen Optik der Geschäftsführung hat der Verein durch sie längst wieder die Spitze der nationalen Tabelle erklommen. Der Beirat überlegt, ob man Autogrammkarten von Nora ins Portfolio aufnehmen und dafür die der Spieler entfernen soll. Er breitet die Arme aus: „Nora, wie schön, Sie zu sehen.“
„Jaja.“
Mit einer Körpertäuschung, die in dieser Perfektion kein Spieler aus dem Bundesligakader beherrscht, lässt Nora den Beirat aussteigen. Für einen Augenblick sieht der jung gebliebene Mann sehr alt aus und umarmt sich selbst. ‚Besser, als von anderen auf den Arm genommen zu werden‘, denkt er und versucht durch gezielte Fragestellung die Ursache für die augenscheinliche Missstimmung seiner leitenden Angestellten zu ergründen: „Äh?“
„Ich bin dann mal weg.“
„Warum? Wohin?“
„Schon mal in die Bilanz geguckt? Oder die Zeitung gelesen? Beides ganz interessant. Ihr seid fast pleite und ich habe genug. Nasowasiadis hat mir ein Angebot unterbreitet und wartet auf mich. Frag Srdklckyk, der erklärt es dir.“
„Was? Wen?“
„Den dunkelhaarigen Typen, der hier immer den Kaffee macht. Das ist der Praktikant. Ich muss jetzt los. Tschüss dann.“
Wie aufs Stichwort praktiziert sich ein Mann, auf den die Beschreibung passt, ins Büro. Seit die Telefonanlage läuft und Vau und Eff nicht mehr da sind, um ihre eigene Arbeit an den Praktikanten zu delegieren, ist allerdings unklar, was Srplksls – oder wie auch immer er heißen mag – eigentlich tut. Auf Anfrage zeigt er sich immerhin gut über die Zustände im Verein und sogar die Zusammenhänge mit der Europapolitik informiert: „Nasowasiadis kann seine Verpflichtungen als unser Hauptsponsor nicht mehr erfüllen. Sein Geld ist eingefroren worden. EU und griechische Regierung streiten sich darum, wer sich an seinem Kapital gütlich tun darf, aber faktisch ist er enteignet worden. Man hat ihm nur einen Bruchteil seines Vermögens gelassen, mit dem er dem insolventen griechischen Staat ein paar Inseln abgekauft hat, unter anderem eine namens Schwulos. Er glaubt, in Nora No eine geeignete Geschäftsführerin gefunden zu haben und will mit ihrer Hilfe in Zukunft die Insel touristisch ausbeut… äh… erschließen.“
„Unglaublich. Da verlässt uns jemand, um nach Griechenland zu gehen. Das verstehe, wer will.“
Der Praktikant nickt verständnisvoll, weiß er doch genau, was der Beirat meint. Viele andere, mit weniger Humor ausgestattete Menschen wären, vor die Wahl zwischen einem Job in Griechenland oder einem in diesem Club gestellt, gut gelaunt mit einem schweren Stein am Bein ins Wasser gegangen. Er übergibt dem Beirat ein wichtiges Dokument, das in weniger zur Übertreibung neigenden Texten als diesem einfach als Schmierzettel tituliert worden wäre: 'Kali nichta, ihr Nasen', steht dort zu lesen. Zwar sind durch diese Botschaft nicht alle Zweifel an der juristischen Wirksamkeit Nora Nos Kündigung ausgeräumt, doch der erfahrene Manager wählt eine unbürokratische Herangehensweise und akzeptiert ihr Rücktrittsgesuch, da man Reisende nicht aufhalten soll.
„Das ist eine schwierige Stunde für unseren Verein. Eine große Herausforderung steht uns bevor, in der wir alle Verantwortung übernehmen und zu Opfern bereit sein müssen. Aber wenn wir alle an einem Strang ziehen und enger zusammenrücken, miteinander arbeiten und füreinander da sind, werden wir gestärkt aus dieser Krise herausgehen.“
Der Praktikant sieht sich um. Niemand außer ihm ist anwesend, also ist der junge Mann wohl der Empfänger dieser spontanen Rede. Womit er das verdient hat, kommt ihm nicht in den Sinn, aber er weiß die Ehre zu schätzen: „Wenn du das sagst, Beirat…“
„Jetzt helfen nur verantwortungsvolle Entscheidungen, getroffen im Verbund, Stärke und Geschlossenheit demonstrierend. Wir müssen entsprechende Signale nach außen senden, uns potenziellen neuen Sponsoren und Partnern präsentieren. Jedes Ende birgt einen Anfang an sich, die Möglichkeit zu einem Neubeginn.“
„Word!“
„Okay, pass auf, Srksdkls, zuerst…“
„Was? Wer?“
„Du, mein Junge. Du bist unser neuer Geschäftsführer. Herzlichen Glückwunsch! Das nenne ich eine steile Karriere.“
„Ah… ja…“
„Hast du noch Fragen, mein Junge?“
