Tote wohnen besser - Heidi Troi - E-Book

Tote wohnen besser E-Book

Heidi Troi

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Beschreibung

Ein Mord im Ort. Zwei Ermittler. Ein Erbe, das keiner will. Luis Lazzari wird erschlagen aufgefunden – und schon bald steht sein Sohn Reini unter Verdacht. Nur Privatdetektiv Lorenz Lovis glaubt an seine Unschuld. Doch ausgerechnet Rivale Mirco Mader mischt sich ein, quartiert sich bei Lovis ein und treibt ein undurchsichtiges Spiel. Während Lovis um Reinis Namen kämpft, verliert er mehr und mehr die Kontrolle – über den Fall, den Hof und sein Leben. Ein neuer Fall des Südtiroler Colombo.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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TOTE WOHNEN BESSER

LORENZ LOVIS ERMITTELT

BUCH 7

HEIDI TROI

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2024 Heidi Troi

c/o Theaterpädagogisches Zentrum Brixen, Köstlaner Straße 28, 39042 Brixen (BZ), ITALY

www.heiditroi.me

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden.

Lektorat: Bianca Kober

Korrektorat: Christian Scholte – https://bumblebook.de/

Covergestaltung: Buchcoverdesign.de / Chris Gilcher – https://buchcoverdesign.de

Dies ist eine fiktive Geschichte. Orte, Events, Markennamen und Organisationen werden in fiktivem Zusammenhang verwendet. Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

INHALT

1. Urlaub auf dem Bauernhof, Mord inklusive

2. Zwei Fliegen mit einer Klappe

3. Nächtlicher Besuch

4. Einbrüche – Neuer Tag

5. Leg dich niemals mit einer Reiterin an

6. Ein einsamer Wolf

7. Ausgebucht – Neuer Tag

8. Was sollte das?

9. Schlägertypen – Neuer Tag

10. Ein schlechter Mensch

11. Unerwarteter Besuch

12. Ende gut, alles gut

13. Danke

Melchermus

Kaiserschmarren

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Über die Autorin

Anmerkungen

BUCHBESCHREIBUNG

Ein Mord im Ort. Zwei Ermittler. Ein Erbe, das keiner will.

Luis Lazzari wird erschlagen aufgefunden – und schon bald steht sein Sohn Reini unter Verdacht. Nur Privatdetektiv Lorenz Lovis glaubt an seine Unschuld. Doch ausgerechnet Rivale Mirco Mader mischt sich ein, quartiert sich bei Lovis ein und treibt ein undurchsichtiges Spiel.

Während Lovis um Reinis Namen kämpft, verliert er mehr und mehr die Kontrolle – über den Fall, den Hof und sein Leben.

Ein neuer Fall des Südtiroler Colombo.

1

URLAUB AUF DEM BAUERNHOF, MORD INKLUSIVE

Lorenz Lovis, Bauer und selbst ernannter, aber mittlerweile recht erfolgreicher Privatermittler, saß mit seinem zweiten Morgenkaffee auf dem Söller vor dem Eingang seines Hofes und genoss die ersten Strahlen der Herbstsonne, die gerade über den Rücken des Plosebergs krochen und auf sein Gesicht fielen.

Der frühe Vormittag war seine liebste Tageszeit. Besonders bei so einem Postkartenwetter. Ein blauer Herbsthimmel spannte sich über den Brixner Talkessel, die bewaldeten Berghänge leuchteten noch in einem satten Grün und der Duft von Äpfeln erfüllte die Luft.

Es war so friedlich wie selten auf dem Messner Hof, und Lovis war sich wohl bewusst, dass der Frieden nicht lange anhalten würde. Das konnte gar nicht sein. Gerade zu dieser Jahreszeit wartete an allen Ecken und Enden Arbeit auf ihn. Es würde nicht lange dauern und einer seiner beiden Knechte, Paul oder Toni, würde kommen, um ihn zur Mithilfe im Stall oder auf dem Apfelfeld aufzufordern. Oder Angelika, seine Verlobte, wollte seine Meinung zur Beschaffenheit der Hochzeitstorte oder zur Band, die bei ihrer Hochzeit spielen sollte.

Lovis schluckte. Die Hochzeit … Es war nicht so, dass er sich nicht hundertprozentig sicher war, den Rest seines Lebens an der Seite von Angelika verbringen zu wollen. Das wollte er. Und er wäre schön dumm, das nicht zu wollen. Angelika war perfekt. Sie wusste, wie sie ihn nehmen musste, wann sie ihn wachrütteln, wann sie ihm ihre Meinung sagen oder den Kopf zurechtrücken musste und wann er Trost brauchte.

Vor allem aber liebte er sie. Er liebte sie mehr, als er je einen Menschen geliebt hatte. Es war also ein logischer Schluss, dass sie heirateten.

Trotzdem bereitete ihm der Gedanke an die Hochzeit Bauchschmerzen. Nicht ihretwegen. Er selbst war der Grund. Das mit dem Heiraten hatte er schon einmal versucht und war kläglich gescheitert.

Frustriert versuchte er, die Erinnerung zu verdrängen, die automatisch in seinem Kopf entstand. Anna, die Schwester seines besten Freundes Schorsch, die über eine Auswahl von Einladungskärtchen gebeugt versuchte, sich für eines zu entscheiden.

»Was sagst du zu diesem hier?«

»Hm.«

»Nein, zu steif, oder? Sieht aus, als wäre das eine Einladung zur Hochzeit des Landeshauptmanns. Wir brauchen etwas Einfacheres. Aber es sollte doch elegant sein, oder?«

»Mhm.«

»Das hier würde mir gefallen, aber die Schrift ist so furchtbar verschnörkelt. Zu kitschig. Und das hier … hm … sieht eher wie eine Todesanzeige aus als wie eine Einladung zu einer Hochzeit, oder?«

»Mhm.«

»Jetzt sag doch auch mal was. Welche Einladungskarte würde dir denn gefallen?«

Lovis wusste, dass er eine Meinung abgeben musste. Er tippte beinahe blind auf eines der ausliegenden Kärtchen. »Die.«

Sie nahm es hoch, betrachtete es. »Wirklich? Ist das nicht zu … kindisch?« Sie hielt ihm das Kärtchen noch einmal hin. Zwei Mäuse mit menschlichen Gesichtszügen lächelten den Betrachter an. Die Grafik sah aus wie aus einem Bilderbuch.

»Du hast recht. Such einfach du was aus. Ich … kann mich nicht entscheiden bei so viel Auswahl.«

»Ja, das ist wirklich nicht leicht, oder? Deswegen brauche ich ja deine Hilfe.«

Anna hatte sich wieder in die Betrachtung der Karten versenkt und ihn vergessen. Sie hatte sich irgendwann für einen Stil entschieden und dann die Karten geschrieben. Gefühlt Hunderte dieser Einladungen hatten sich auf ihrem Wohnzimmertisch getürmt. Von Lovis hatte sie nur verlangt, dass er sie unterschrieb und auf die Post brachte.

In dem Augenblick, als er den Karton über die Stahlfläche zu dem Beamten der Post schob und der ihn in Empfang nahm, hatte Lovis gewusst, dass es ein Fehler war. Er streckte die Hand nach den Einladungen aus, doch der Postbeamte bekam es schon nicht mehr mit. Und dann war es zu spät.

Ein paar Wochen darauf hatte er die Verlobung gelöst.

Anna hatte sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie hatte sich nicht verändert, hatte nichts getan, das seine Entscheidung ausgelöst hatte. Aber er hatte erkannt, dass er nicht bereit für diesen Schritt war.

Noch heute litt er unter der Schuld. Er hatte Anna verletzt, hatte ihr Leben zerstört, ihr das Gefühl gegeben, nicht genug zu sein. Dabei war er bloß ein Mistkerl gewesen, der kalte Füße bekommen hatte.

Und jetzt stand er wieder davor, sich lebenslang zu binden, und auch wenn er Angelika liebte, traute er sich doch selbst nicht über den Weg. Er hatte Angst, auch sie zu verletzen.

Lovis nippte an seinem inzwischen erkalteten Kaffee. Vor ihm lag die Wiese des Schmiedhofer Bauern, die zum letzten Mal in diesem Jahr gemäht worden war. Ein paar Schafe nagten an den Grasstummeln. Das zarte Bimmeln ihrer Glöckchen erfüllte die Luft, von Zeit zu Zeit ließ eines der Tiere ein forderndes »Mäh!« ertönen.

Barnabas, Lovis’ Bernhardiner, der auf seinem angestammten Platz lag, antwortete mit einem müden Schwanzwedeln.

Links von ihnen kratzten die Hühner in der Erde. Alma, Lovis’ Lieblingshuhn, war ausnahmsweise unter ihnen. Normalerweise bevorzugte sie es, ihr Leben in Freiheit zu verbringen. Sie hatte ein paar Verstecke, von denen ihr liebstes eine Kuhle im Heu war, dicht gefolgt von Lovis’ Bett. Aber eigentlich waren diese Verstecke überflüssig, denn jeder auf dem Messner Hof wusste, dass das Araucanahuhn unter dem persönlichen Schutz des Bauern stand.

Wann immer er in seinen Fällen nicht mehr weiterwusste, suchte er ihren Rat, und obwohl Alma nicht sprechen konnte, war sie ihm eine große Unterstützung.

Apropos Fälle … es war schon ewig her, dass Lovis einen Fall gehabt hatte. Den letzten hatte er im Februar gelöst und nun war Mitte September. Über ein halbes Jahr hatte er seine Ermittlerfähigkeiten nicht unter Beweis stellen dürfen, und das, obwohl er seit genau dieser Zeit sogar im Besitz einer offiziellen Ermittlerlizenz war. Es war höchste Zeit, dass er wieder gebraucht wurde.

»Chef!«, ertönte es da vom Kiesweg, der zum Stall führte.

Das habe ich nicht gemeint, schimpfte Lovis in Gedanken. Aber er war nicht böse. Schließlich hatte er gewusst, dass es nicht lang dauern würde, bis jemand seine Ruhe störte.

»Ja, Paul?«

»Ich hab dich gesucht, weil … Oh, du bist noch beim Kaffee?«

»Ja. Aber sag nur.«

»Wir haben beschlossen, heute mit den Topaz anzufangen.« Er sprach von den Äpfeln. Leicht mehlig, süß und sogar für Menschen mit Fruktoseintoleranz verträglich. Paul versprach sich viel davon.

»Aber die Pflücker –«

»… sind noch beim Gnollhof, ich weiß. Aber das ist egal. Alles, was wir allein schaffen, kostet uns weniger.«

Lovis seufzte. Lieber hätte er die Knochenarbeit von den tschechischen Erntehelfern erledigen lassen, aber Paul hatte recht. Wie hieß es so schön? Was du heute kannst besorgen …

»Aber vielleicht hast ja mit der Hochzeit zu tun.« In Pauls Stimme schwang ein eigenartiger Ton mit. Hoffnung? Als wünsche er sich, dass sein Boss keine Zeit hätte. Seltsam.

»Nein, nein. Ich bin gleich bereit.« Lovis stürzte den Rest des Kaffees runter. »Geh nur vor. Ich bringe nur noch schnell die Tasse in die Küche, dann komm ich nach.«

Der Knecht verzog misstrauisch die Miene.

Lovis konnte ihn verstehen. In der Vergangenheit hatte er oft genug Ausflüchte gesucht, um sich vor der Arbeit drücken zu können, aber mittlerweile kam das kaum mehr vor. Er hatte sich zu einem verantwortungsvollen Bauern entwickelt – zumindest fand er das. »Fünf Minuten, dann bin ich bei euch.«

Damit verschwand er in die Küche. Paul konnte seinetwegen draußen warten, wenn er nicht darauf vertraute, dass sein Boss auch wirklich zur Arbeit erschien. Aber auch wenn er es nicht tat, würde Lovis seine Pflicht erfüllen. Was anderes hatte er ohnehin nicht zu tun.

In der Küche spülte er seine Tasse – auch das hatte er sich angewöhnt –, dann verschwand er in seine Schlafkammer. Er tauschte seine Jeans gegen die Arbeiterhosen, dann schickte er Angelika ein Herz-Emoji und steckte das Telefon wieder ein. Wenn sie bei ihrer Arbeit auf der Krankenstation mal eine freie Sekunde hatte und auf das Handy schaute, würde sie sich freuen.

Paul war nicht mehr auf dem Söller und Lovis ging allein den Kiesweg hinunter, überquerte den Feldweg, der von der Gemeindestraße hoch zum Hof führte, und betrat die Apfelwiese. Ganz hinten warteten die Topazbäumchen darauf, von ihrer schweren Last befreit zu werden, und dort machte er seine beiden Knechte aus.

Als sie ihn erblickten, grinste Toni übers ganze Gesicht. »Schreib’s auf«, meinte er an Paul gewandt.

»Was soll er aufschreiben?«, wollte Lovis wissen.

Aber Paul hatte schon seine Geldtasche gezückt. »Wettschulden begleiche ich immer gleich.« Er reichte Toni einen Zehn-Euro-Schein, den dieser vergnügt einsteckte.

»Ich kenne halt meinen Boss.«

Von Paul kam nur ein mürrisches »Hmpf!«.

»Ihr wettet, ob ich zur Arbeit erscheine?«

»Gelegentlich.« Toni gluckste.

Lovis wusste nicht, ob er gekränkt sein oder lachen sollte. Er entschied sich für Letzteres. »Und wer bekommt die zehn Euro, wenn ich jetzt wieder gehe?«

»Bloß nicht!« Toni verzog entsetzt das Gesicht. »Ich brauche das Geld.«

»Wozu? Reicht dein Gehalt nicht aus?«

Der alte Knecht seufzte. »Ich versuche, meinen Hof zurückzukaufen.«

Früher hatte er selbst einen Bauernhof besessen, der aber leider nicht genug zum Überleben abgeworfen hatte. Friedrich von Stadler, Lovis’ Lieblingsfeind, hatte Toni den Hof für einen Spottpreis abgekauft und ihm ein Auskommen als Knecht auf seinem Weingut verschafft.

»Verkauft von Stadler den Hof denn?«

Toni hob die Schultern. »Ich bin zufällig auf der Seite eines Immobilienmaklers drauf gestoßen, und mir zerreißt’s das Herz, wenn ich mir vorstelle, dass irgendwelche Fremden den Hof als Investitionsobjekt kaufen. Oder noch schlimmer: irgendein Ausländer, der alles in Grund und Boden stampft, um sein Chalet dort zu bauen. Der Hof war über Generationen im Besitz meiner Familie. Ich mach mir heute noch Vorwürfe, wenn ich dran denk, dass ich ihn an von Stadler verkauft hab. Auch wenn ich es selber nicht mehr dertschechert⁠1 hätt.«

»Und ist es realistisch, dass du das Geld dafür zusammenbekommst?«

Toni seufzte. »Wohl eher nicht. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen.«

Lovis verstand ihn nur zu gut. »Dann wünsche ich dir viel Glück bei weiteren Wetten gegen Paul.«

Der grinste. »Danke vielmals, Boss! Bei den Millionen, die ich verdiene, schmerzen mich die paar Euro ja nicht, die ich bei den Wetten verliere. Anders gesagt: Bei einer Gehaltsaufbesserung würde ich auch nicht Nein sagen.«

Da sprach er ein heikles Thema an. Lorenz Lovis hatte den Hof von seinem Onkel Sebastian übernommen, als der den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. In einer spontanen Reaktion hatte Lovis damals seinen frustrierenden Job bei der italienischen Staatspolizei gekündigt und war Bauer geworden. Es war eine herbe Überraschung gewesen, als Paul ihm damals eröffnet hatte, dass der Hof hoch verschuldet war. Und daran hatte sich leider bis heute nicht viel geändert. Obwohl inzwischen längst fällige Landesförderungen eingetroffen waren und Lovis einige Kriminalfälle gelöst hatte, bereitete ihm das dicke Minus auf seinem Bankkonto immer noch Bauchschmerzen. So gern er seinen Mitarbeitern auch ein besseres Gehalt geboten hätte, es war leider nicht möglich.

Toni konnte das Mienenspiel seines Arbeitgebers lesen wie ein Buch und lachte. »Das war ein Scherz, Boss. Ich weiß ja, dass es nicht geht, und ich brauch nicht mehr zum Leben als das, was du mir zahlst. Selbst wenn’s ein Hunderter mehr wär, könnt ich davon meinen Hof nicht zurückkaufen. Also mach dir keinen Kopf. Aber jetzt sollten wir dergalling⁠2 mit dem Klauben anfangen, sonst wird’s Abend und die Arbeit ist noch nicht getan.«

Damit machte er sich an die Arbeit. Paul folgte seinem Beispiel und auch Lovis begann, die duftenden Früchte mit Samtfingern vom Baum zu pflücken, in seinem Ohr die Stimme von Onkel Sebastian, der ihn in die hohe Kunst des Äpfelpflückens eingewiesen hatte.

»Schaug her, Bua. Du nimmsch in Äpfl mit Somtfinger, kloppsch ihn aufi und nor drahnsch a wian. So. Verstondn?⁠3«

Die Luft war erfüllt vom Summen der Bienen und zwischen den Apfelbäumen war es angenehm kühl. Lovis hätte es niemals zugegeben, aber er genoss die Tätigkeit. Diese immer gleichen Bewegungen, die einträchtige Ruhe, die zwischen den drei Männern herrschte, diese …

Das Läuten eines Telefons zerriss die Stille.

Seines Telefons.

Unter den vorwurfsvollen Blicken seiner Mitarbeiter fischte Lovis das Ding aus seiner Hosentasche und sah eine unbekannte Nummer auf dem Display. Wahrscheinlich wieder einer dieser lästigen Werbeanrufe, die er immer gleich in dem Augenblick unterbrach, wo eine Computerstimme ihn auf Italienisch begrüßte. Aber man konnte nie wissen. Vielleicht wartete ja endlich ein neuer Fall auf ihn. Zeit wurde es …

»Ja?«

»Lovis! Wie gut, dass ich dich erreiche! Ich hab schon Angst gehabt, dass ich –«

»Reini?« Lovis wechselte einen Blick mit Paul und Toni. Auch sie sahen ziemlich verwundet drein. Keiner von ihnen hatte in letzter Zeit etwas von dem ehemaligen Grundschullehrer gehört. Nachdem er sich für Geld zu einer Falschaussage hatte hinreißen lassen und damit die Ermittlungen in einem Mordfall erschwert hatte, war seine Spielsucht aufgeflogen. Er war zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aber dann auf Bewährung entlassen worden, damit er eine Therapie in Anspruch nehmen konnte. Im Dorf hatten sich ihre Wege seitdem nicht mehr gekreuzt und Lovis wusste gar nicht, was Reini zurzeit trieb.

»Ja, ich bin’s. Du wunderst dich vielleicht über den Anruf, aber … ich weiß mir keinen anderen Rat. Sie … Ich …«

Lovis erkannte, dass Reini ganz schön durch den Wind war. Irgendwas musste passiert sein. »Lass dir Zeit.« Er wechselte noch einen Blick mit seinen beiden Mitarbeitern, dann entfernte er sich ein paar Schritte von ihnen. »Was ist passiert?«

»Ich bin im Gefängnis.«

Lovis’ Herz begann zu klopfen. »Was hast du angestellt, Reini?« Das »schon wieder«, das ihm auf der Lippe lag, konnte er zum Glück im letzten Augenblick noch hinunterschlucken.

»Nichts! Ich schwöre. Ich habe nichts angestellt!«

»Und warum haben sie dich dann eingebuchtet?«

»Sie behaupten …« Er schluckte hörbar. »Sie behaupten, dass ich meinen Vater umgebracht hätt.«

»Du hast deinen Vater getötet?« Lovis hatte sofort das Bild des alten Luis vor Augen, der häufig bei Schorsch in der Dorfkneipe anzutreffen gewesen war.

»Hörst du mir überhaupt zu?« Reini klang aufgebracht. Zu Recht. Lovis überlegte gerade, wie er seinen dummen Kommentar wieder geraderücken konnte, da fuhr der Mann am anderen Ende der Leitung mutlos fort: »Das war eine ganz schlechte Idee, mich an dich zu wenden. Ich hätt’s wissen müssen. Hätt besser einen Rechtsanwalt angerufen.«

Dann war die Leitung tot.

Paul wechselte einen Blick mit Toni. »Was hat der Reini schon wieder angestellt?«

»Reini sitzt im Gefängnis. Mordverdacht. Sie sagen, er hätt seinen Vater getötet.« Lovis fühlte sich grässlich, weil er völlig falsch reagiert hatte. Statt Reini beizustehen, hatte er seinen Zustand sogar noch verschlimmert. Dabei wusste er doch, wie schrecklich es war, wenn einem niemand glaubte. Wie verlassen man sich fühlte, wie hilflos.

Die Frage war nur, ob Reini es verdiente, dass man seinen Worten Glauben schenkte.

Lovis dachte zurück an den Tag, an dem er den Grundschullehrer zum Mordfall von Jasmin Oberegger befragt hatte.

»Ich habe als Lehrer eines gelernt: Du kannst für niemanden die Hand ins Feuer legen. Irgendwann macht jeder eine Dummheit und die größten Spitzbuben können am überzeugendsten lügen.«

Das hatte Reini damals gesagt. Und dann hatte er bewiesen, wie wahr diese Aussage war. Nämlich, indem er selbst gelogen und damit die Auflösung des Mordfalls aufgehalten hatte. Jetzt behauptete er, unschuldig zu sein. Konnte man ihm glauben?

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Auch wenn er mal die Wahrheit spricht. Dieses Sprichwort kam Lovis spontan in den Sinn und könnte sich hier wieder einmal bewahrheiten.

»Und der Reini beauftragt dich, seine Unschuld zu beweisen?«, wollte Toni jetzt wissen, und Paul setzte gleich nach:

»Das machst hoffentlich nicht, oder? Der hat mich ganz schön dumm aus der Wäsche schauen lassen damals.«

Lovis konnte ihn verstehen. Reinis Falschaussage hatte damals den Verdacht der Polizei gegen Paul verstärkt und eine ganze Weile hatte es überhaupt nicht gut für Lovis’ Knecht ausgeschaut. Die Vorstellung, sein Chef würde seine ohnehin knapp bemessene Zeit dafür verplempern, einen Verräter aus dem Gefängnis zu befreien, bereitete ihm daher verständlicherweise wenig Freude.

Nachdenklich schob Lovis den Mundwinkel hin und her.

»Chef?«, kam es drängend von Paul.

»Ich weiß noch nicht mal genau, worum es geht. Außer dass sie behaupten, er habe seinen Vater ermordet.«

»Behaupten? Sie werden schon wissen, warum sie ihn aufs Korn genommen haben.« Paul schnaubte.

»Ja, du hast natürlich recht.« Lovis zuckte mit den Schultern. »Er hat ohnehin wieder aufgelegt. Wenn er es wirklich ernst meint, wird er sich schon noch einmal melden.«

Er wandte sich wieder der Arbeit zu, doch nur halbherzig. Mit seinen Gedanken war er bei Reini und dem Vorwurf gegen ihn. Natürlich blieb das nicht unbemerkt.

Mit einem tadelnden Schnalzen fiel ihm Toni in den Arm. »Boss, wenn du so weitermachst, brauchen wir die nächsten Jahre keine Pflücker mehr zu engagieren.«

Lovis fuhr zusammen und betrachtete die Stelle, von der er das Äpfelchen abgerissen hatte. Er hatte die bereits angelegten Blütenknospen des kommenden Jahres beschädigt – ein Anfängerfehler, wie er wusste.

»Hopsala.« Mit brennenden Wangen schaute er zu Paul hinüber, in der Hoffnung, dass der nichts von seiner mangelnden Konzentration mitbekommen hatte, doch er hoffte vergebens.

Kopfschüttelnd stand sein Knecht mit verschränkten Armen da. »Wittert der Bauer einen Fall, sind die Äpfel ihm egal.«

»Die Bauernregel solltest du aufschreiben«, meinte Toni. »Für die Website vom Messner Hof.«

Lovis schnaubte. Die Website! Angelikas neues Steckenpferd. Nach seinen schrecklichen Auftritten auf Social Media hatte sie es sich nun auch noch zur Aufgabe gemacht, die Website aufzumotzen. »Erinnert mich bloß nicht an die Website. Aber um auf Reini zurückzukommen, Paul. Wäre es okay, wenn –?«

»Hau bloß ab«, knurrte sein Knecht. »Bevor du uns die Ernte ruinierst. Und wenn du zu Schorsch gehst – was ich stark vermute –, gib uns ein Bier aus. Wir trinken es dann nach Feierabend.«

»Ist ausgemacht.« Lovis reichte Toni den Apfel.

»Was soll ich damit? Wieder an den Baum hängen?«

»Ähm … nein. Ich weiß auch nicht. Ich …« Vorsichtig legte er ihn in die Kiste, dann wischte er verlegen seine Hände an seinen Hosenbeinen ab.

Das löste bei Paul ein weiteres Kopfschütteln und bei Toni ein Glucksen aus.

»Ein großes Bier!«, sagte Paul.

Lovis flüchtete, bevor sein Verschwinden noch teurer wurde.

»Hast du heute die Nachrichten gehört?« Bereits an dem Grinsen von Schorsch, dem Wirt der Dorfkneipe, erkannte Lovis, was da auf ihn zukam. Trotzdem schüttelte er brav den Kopf, wie es von ihm erwartet wurde.

»Ein Helikopter ist über einem Friedhof abgestürzt. Die Carabinieri haben bereits 681 Leichen aus den Trümmern geborgen und immer noch werden weitere Tote gefunden.«

Die Alten, die sich am Stammtisch zum Kartenspielen getroffen hatten, lachten.

Lovis verzog nur müde das Gesicht. »Ha-ha-ha. Wie oft soll ich dir noch erklären, dass ich nie Carabiniere war?«

Das löste bei den Alten einen neuen Lachanfall aus.

Schorsch zwinkerte ihnen zu. »Ist eh klar. Sonst würdest du auch gerade Leichen ausbuddeln. Bier?« Er nahm bereits ein Glas aus dem Regal.

Lovis sah auf die Uhr. »Lieber einen Kaffee. Aber setz zwei große Bier auf meine Rechnung. Die werden allerdings später getrunken – vom Paul und vom Toni.«

Schorsch grinste, und während er sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte, fragte er über die Schulter zurück. »Hast wieder was verbrochen, dass dich freikaufen musst?«

Lovis verzog das Gesicht. »Der Reini hat mich angerufen und danach war ich abgelenkt. Freundlich ausgedrückt.«

Sofort wurde Schorschs Miene ernst. »Ja, das mit dem Reini ist echt eine böse Überraschung.« Er stellte Lovis die Kaffeetasse hin.

»Weißt du mehr?«

Schorsch schüttelte den Kopf. »Nur, was im Dorf geredet wird.«

»Und weil wir wissen, dass an dem Gerede immer was dran ist, bin ich zuerst zu dir gekommen.« Lovis grinste.

»Er hot sein Voter um die Ecke gebrocht, damit er seine Wohnung verkafn konn«, kam es vom Stammtisch. Natürlich hatten die Alten die Ohren gespitzt und Hans Eisendle musste sein Wissen gleich herausposaunen.

»Weil er Spielschulden hat«, ergänzte der Moar-Bauer. »Und andere Schulden. Und jetzt haben sie den Reini zwar therapiert, aber als sie ihn wieder aus der Therapie entlassen haben, waren die Schulden halt immer noch da.«

Korbinian, ein Alter aus dem Nachbardorf, wiegte den Kopf. »Ich weiß nicht. Das wäre ganz schön blöd vom Reini, wenn er seinen Vater ermorden tät, nur um seine Wohnung zu verkaufen. Wo soll er denn schlafen, wenn die Wohnung weg ist?«

»Bei seiner Frau?«, schlug Hans Eisendle vor.

»Die will ja schon längst nix mehr wissen von ihm.« Der Korbinian schnalzte ungeduldig mit der Zunge. »Hat nicht mit ansehen wollen, wie der Reini sich schon vor dem Mittagessen ins Koma säuft und ihr ganzes Hab und Gut verspielt. Die wär schön blöd, wenn sie ihn ausgerechnet jetzt wieder zurücknehmen würd.«

Und Franz Mayrhofer, der ausnahmsweise auch bei den Alten saß, pflichtete ihm bei. »Die Erika will nix mehr von ihm wissen. Das hab ich mit eigenen Ohren gehört. Sie ist ja die beste Freundin von meiner Tochter und deswegen ist sie oft bei uns daheim. Mit dem Reini hat sie abgeschlossen. Kein Wunder. Sie hat ja einen Neuen. Einen aus der Stadt.«

Lovis wurde ganz schwindelig von all den Informationen, die auf ihn einprasselten.

»Moment. Also der Reini hat bei seinem Vater gewohnt, seit er von seiner Frau getrennt ist?«

Die Alten nickten. Ein bisschen sahen sie aus wie vier Wackeldackel und Lovis musste sich ein Grinsen verkneifen.

»Hat es Streit gegeben?«

»Zwischen dem Vater und dem Reini, meinst?« Hans Eisendle wechselte einen beredten Blick mit seinen Freunden. »Ich würd sagen, es ist kein Tag vergangen, ohne dass sich die beiden an die Gurgel sind.«

»Ergo: Verdächtiger Nummer eins«, meinte der Franz, »der Vater. Weil er sich mit Reini immer gestritten hat.«

Schorsch schnaubte. »Das war für heute dein letzter Weißer, Franz. Wenn du anfängst, Latein zu reden, hast du den Pegel erreicht. Außerdem ist das Schmarrn, was du da redest. Der Vater ist tot. Der ist nicht mehr verdächtig.«

»Ah ja! Dann der Reini.«

Schorsch und Lovis wechselten einen Blick.

»Wenn der die Wohnung von seinem Vater verkauft, kriegt er eine schöne Stange Geld.«

»Und was soll er mit dem Geld machen, Franz?«, fragte der Hans.

»Was weiß ich? Investieren?«

»In was denn?«

»In eine Wohnung? Ich würd das zumindest machen.«

Die anderen brachen in Gelächter aus. Franz schaute irritiert vom einen zum anderen. »Was?«

»Wieso soll er die Wohnung verkaufen, um eine Wohnung zu kaufen?«, fragte Hans.

Und Korbinian fügte hinzu: »Ganz abgesehen davon, dass er für die Wohnung gar nix kriegt, wenn er sie verkauft, weil da wird dann die Hälfte vom Wert abgezogen, weil es eine alte Wohnung ist. Mit dem, was er aus der Wohnung rauskriegt, bekommt er nicht einmal eine halb so große Wohnung hier in Brixen. Nein, Franz, das ist kein Geschäft.«

Lovis musste ihm recht geben. Fast in allen Orten Südtirols waren die Immobilienpreise und Mieten in schwindelerregende Höhen geschossen – und Brixen machte da keine Ausnahme. Junge Familien und Alleinstehende konnten sich das Wohnen hier schon längst nicht mehr leisten, und wer konnte, wanderte inzwischen nach Österreich oder Deutschland aus, wo die Immobilienpreise noch leistbar und die Gehälter höher waren. Das Ergebnis war ein Fachkräftemangel, der sich in einigen Sektoren, wie zum Beispiel dem Gesundheitswesen, bereits deutlich bemerkbar machte.

Die leer stehenden Immobilien wurden weiter von reichen Norditalienern oder Deutschen aufgekauft. Als Investitionsobjekte, die außerhalb der Tourismussaison leer standen. So verwandelten sich in manchen Jahreszeiten gewisse Dörfer zu Geisterdörfern, und es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Politik den Zuständigen um die Ohren fliegen würde. Bis dahin würden die sich jedoch bereits alle ihre Villen am Gardasee gekauft haben und aus der Schusslinie sein.

Mit einigem schlechten Gewissen dachte Lovis an seine zwei Ferienwohnungen, die, wenn man es objektiv betrachtete, zu dem ganzen Debakel beitrugen. Immerhin waren es zwei Wohnungen, in denen Paare oder kleine Familien ein Heim finden könnten.

»Hast einen Sprozer⁠4?«, fragte Schorsch und wischte vor Lovis’ Gesicht herum, worauf dieser wieder aus seinen Gedanken auftauchte.

»Nein, hab nur nachgedacht. Wo ist denn die Wohnung von Reinis Vater?«

Der Moar räusperte sich. »Kirchsteig 9. Aber da brauchst jetzt nicht hingehen. Die Polizei hat alles abgesperrt.«

»Die Polizei?«

»Wer sonst? Denkst, das hat der Pfarrer getan?« Hans Eisendle kicherte.

»Welcher Pfarrer?«, fragte Korbinian und sprach damit ein weiteres Problem an. Während früher jedes Dorf seinen Pfarrer gehabt hatte, musste sich jetzt ein Pfarrer auf mehrere Gemeinden aufteilen, was natürlich bedeutete, dass er sich seinen Schäfchen nicht mehr so hingebungsvoll widmen konnte. Die Gottesdienste und Beerdigungen wurden in einen engen Stundenplan gepresst, für mehr blieb kaum noch Zeit.

»Ich mein, ob es die Polizei war oder die Carabinieri«, spezifizierte Lovis seine Frage.

»Die Polizei. Es war sogar der Beamte, der manchmal mit dir hier in der Kneipe auftaucht. Der Walsche⁠5. Giovanni, Antonio, Pietro … irgendwas.«

»Giovanni Scatolin«, sagte Lovis.

»Genau der.« Der Moar nickte zufrieden. »Er hat uns alle zu einer Befragung in die Questura eingeladen.«

»Euch alle? Wieso?« Lovis wunderte sich.

»Na, die Nachbarn halt.«

Schorsch grinste. »Ich hab mich schon gefragt, wie lang es dauern wird, bis ihm einfällt, das zu sagen.«

»Du bist der Nachbar vom Reini?«

Der Moar nickte. »Von seinem Vater. Und seit er aus der Therapie entlassen wurde, auch vom Reini.«

»Und das behältst du für dich?«

»Jetzt bin ich ja mit der Information rausgerückt.«

Lovis stöhnte. Und da spotteten die Leute, weil er seine Fälle meistens nur mit der Hilfe von Kommissar Zufall löste? Wer solche Zeugen hatte, konnte auf Glück und Zufall nicht verzichten.

»Wir reden noch, Moar!«

»Muss ich jetzt Angst haben?«

»Nein, weil ich keine Zeit für das habe, was ich dir jetzt am liebsten antun würde. Schorsch, schreib meinen Kaffee auf die Rechnung und die zwei Bier für den Paul und den Toni. Und Moar, bei dir werd ich vorbeischauen. Und dann vergisst du besser nicht, mir wichtige Dinge zu verraten, ja?«

»Wo gehst jetzt hin?«, fragte der Schorsch.

»Zu Scatolin. Wenn der die Ermittlungen überhat, kann er mir sicher helfen, mit dem Reini zu sprechen.«

»Hoffentlich kommt ihr an keinem Spiegel vorbei.« Schorsch grinste schon wieder so zweideutig.

Trotzdem fragte Lovis: »Wieso?«

»Weil sonst denkt ihr noch, ihr habt Verstärkung bekommen. Wie die beiden Carabinieri in dem Witz –«

»Vielleicht solltest du dir einen Bart wachsen lassen, Schorsch.«

»Warum das denn?« Die Augenbrauen des Dorfwirts fuhren hoch.

»Weil deine Witze auch alle einen Bart haben. Gleich und gleich gesellt sich gern, weißt du?«

Diesmal hatte Lovis die Lacher auf seiner Seite. Er ruhte sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern machte, dass er in die Stadt kam, wo sein Freund, der Ispettore Giovanni Scatolin, vermutlich gerade seine Kaffeepause machte. Bei Bruni, in der wohl abgefucktesten Bar der Stadt.

»Scatolo, alter Freund«, eröffnete Lovis das Telefongespräch.

»Il numero da Lei composto è inesistente.⁠6«

»Ha-ha. Heute sind alle so witzig.« Lovis lachte nicht. Er war darauf vorbereitet, dass sein Freund Giovanni Scatolin alles daransetzen würde, ein Gespräch mit ihm zu umgehen. Die automatische Telefonansage nachzuahmen, in der er Lovis darüber informierte, dass die gewählte Nummer nicht existierte, war eine neue Taktik.

»Si prega di⁠7 –«

»Scatolin! Hör auf, den Clown zu spielen, und komm auf einen Kaffee zu Bruni.«

»Ich hatte heute schon Kaffee.«

»Kaffee hat man nie genug.«

»Sagte der lustige Bauer und starb an einem Herzinfarkt.«

»Ach, komm schon. Seit wann bist du auf dem Gesundheitstrip?«

Scatolin seufzte. »Seit ich genau weiß, dass es dir nicht um den Kaffee geht, sondern um den Mord in eurem Dorf.«

»Es hat einen Mord gegeben? In unserem Dorf?« Lovis fand, dass seine schauspielerische Leistung gar nicht so übel war. Vielleicht sollte er doch noch einen weiteren Versuch beim hiesigen Theaterverein wagen.

Scatolin fiel jedoch nicht darauf herein. »Ja. Und aus genau diesem Grund bist du hier.«

»Dann weißt du ja auch, dass ich keine Ruhe geben werde, bis du nicht diesen Kaffee mit mir getrunken hast.«

Scatolin schwieg.

»Ich kann natürlich auch hochkommen. Ich sollte ohnehin mal unserem lieben Botta einen Besuch abstatten. Sicher sehnt er sich schon nach mir.«

»Ja, wie nach einem Eitergeschwür. Bleib um Gottes willen, wo du bist. Santo cielo⁠8!« Es knackte in der Leitung und Lovis grinste. Er hatte gewonnen. Scatolin würde alles tun, um eine Begegnung zwischen Lovis und seinem Boss zu vermeiden.

Botta war der Commissario Capo der Brixner Quästur und damit Scatolins aktueller wie Lovis’ ehemaliger Vorgesetzter. Zwischen ihnen beiden hatte es früher mehrmals geknallt und auch Lovis’ Entscheidung, den Beruf eines Beamten der italienischen Staatspolizei an den Nagel zu hängen, war das Resultat eines Streites mit Botta gewesen.

Das Problem war: Da dieser von Scatolins Freundschaft zu Lovis wusste, fiel jede Auseinandersetzung zwischen dem Commissario und Lovis irgendwann auf Scatolin zurück, manchmal mit gravierenden Folgen. Das war auch der Grund, warum Lovis Begegnungen mit Botta meistens vermied. Niemals hätte er seinem Freund bewusst schaden wollen, aber manchmal nutzte er den Commissario als Druckmittel.

Lächelnd betrat er die Bar Bruni. Bruni – die Inhaberin – saß wie immer an einem der Tische, einen Stapel zerlesener Illustrierte vor sich und daneben ein Glas Aranciata – Orangenlimonade –, die in ihren Augen vermutlich ihre tägliche Dosis an Vitamin C abdeckte.

»Ciao, Bruni!«, grüßte er.

Sie sah hoch, ein Leuchten ging über ihr Gesicht. »Oh, der Herr Privatdetektiv. Kommt der Ispettore auch?«

»Das will ich zumindest hoffen.« Lovis grinste.

»Das Übliche?«

»Ja. Aber für meinen Freund einen koffeinfreien.«

Sie nickte und stemmte sich von ihrem Platz hoch. »Einen normalen Macchiato und einen kastrierten.«

Grinsend sah Lovis ihr nach, wie sie hinter dem Tresen verschwand. Er selbst wandte sich dem Tisch zu, der am weitesten von ihrem entfernt war. Beim Gang über den ausgeblichenen Linoleumboden erzeugten seine Schritte jedes Mal schmatzende Geräusche, wenn er die Sohlen vom Boden löste.

Er vermutete stark, dass der Grund dafür darin lag, dass Bruni das Wischwasser nicht öfter als einmal in der Woche wechselte. Möglicherweise verzichtete sie aber überhaupt auf das Wischen und der klebrige Film auf dem Boden war eine Mischung aus jahrzehntealtem Schmutz und verschütteten Getränken.

Lovis und Scatolin hatten sich oft gefragt, wie es sein konnte, dass ein derart schmuddeliges Lokal direkt unter den Augen der Staatspolizei existieren konnte, ohne dass das Gesundheitsamt jemals eine Hygienekontrolle machte. Die einzige Erklärung war, dass es bei Bruni den besten Kaffee in der Stadt gab und keiner der Beamten eines ihrer magischen Heißgetränke gegen die Brühe aus dem Automaten eintauschen wollte.

Das Mahlwerk der Barmaschine ertönte und beinahe sofort war die Luft von dem typischen Aroma frisch zermahlener Kaffeebohnen erfüllt.

Genau in dem Augenblick, in dem Bruni die beiden Tassen auf den Tresen stellte, betrat Scatolin die Bar, sah sich suchend um und erblickte erst Lovis, den er mit einer genervten Grimasse begrüßte, dann Bruni, die soeben den Tresen umrundete, um die beiden Tassen zu Lovis an den Tisch zu bringen.

»Lass mal, Bruni, das mach ich selbst.« Scatolin war vor ihr bei den Tassen, nahm sie hoch und trug sie vorsichtig hinüber.

»Sehr gekonnt.« Lovis schürzte anerkennend die Lippen. »Wenn du mal keine Lust mehr drauf hast, Polizei zu spielen, kannst du eine Laufbahn als Kellner in Betracht ziehen.«

»Das nächste Mal lasse ich dir den Kaffee von Bruni bringen. Dann darfst du ihn aus der Untertasse trinken.«

Lovis verzog das Gesicht.

»Brauchen die Herren sonst noch etwas?« Erst jetzt bemerkten sie die Inhaberin der Bar, die an ihren Tisch gewuselt war und sie anstarrte. Ihre Augen leuchteten vor Sensationsgier.

Lovis winkte ab. »Nein danke, Bruni! Wir melden uns, wenn wir was brauchen sollten.«

»Ihr müsst nur rufen.« Sie machte immer noch keine Anstalten zu gehen.

»Das wissen wir.«

»Ich freue mich ja, dass ihr beide wieder einmal hier bei mir zusammensitzt. Wir sehen uns viel zu selten, seit der Herr Lovis bei der Staatspolizei aufgehört hat.«

»Das stimmt.«

»Wobei … ganz ohne dich können sie eh nicht, oder?« Sie setzte sich neben ihn und stieß ihn mit dem Ellbogen an.

Lovis zog den Kopf zwischen die Schultern. Langsam wurde es peinlich. »Ich denk schon, dass sie auch ohne mich könnten.«

»Aber mit dir geht’s halt schneller, oder?«

Scatolin bemerkte, wie unbehaglich sich sein Freund fühlte, und sah demonstrativ auf die Uhr. »Wir sollten den Kaffee schnell hinter uns bringen. Ich hab gleich einen Termin mit Ispettore Ragno von der Gesundheitspolizei. Ich hab oben ausrichten lassen, dass sie ihn hierherschicken sollen, wenn ich bei seiner Ankunft noch nicht im Büro bin.«

Beim Wort ›Gesundheitspolizei‹ schoss Bruni hoch. »Ihr entschuldigt’s mich?«

Beide nickten mit ernsten Gesichtern.

Kaum hatte sie ihnen den Rücken zugekehrt, tauschten sie ein verschwörerisches Grinsen aus.

Scatolin hob die Tasse und prostete Lovis zu. »Salute, Amico!« Kaum hatte er an dem Kaffee genippt, verzog er das Gesicht. »Was ist denn das?«

»Koffeinfreier Kaffee.« Lovis sah ihn unschuldig an. »Damit du keinen Herzinfarkt bekommst.«

Scatolin schüttelte den Kopf, dann tauschte er seine eigene Tasse mit der von Lovis aus. »Den kannst du selber trinken. Also … was willst du wissen?«

Lovis ließ den ›Kastrierten‹ unberührt. »Was da beim Reini los ist. Was ihr wisst, warum ihr ihn festgenommen habt, was ihr für Beweise habt. Oder anders ausgedrückt: alles, was du mir geben kannst.«

Scatolin verzog sein Gesicht. »Wir wissen eigentlich nichts. Er wurde auch nicht festgenommen, sondern zur Befragung zum Staatsanwalt gebracht, und das ist eine reine Routinesache, wie du weißt. Er ist nun einmal der nächste lebende Angehörige und als solcher gleich schon mal verdächtig.«

»Aber ihr habt keine Beweise gegen ihn.«

Scatolin hob die Schultern. »Nein. Aber er hat auch keinen Beweis, dass er es nicht war. Er hat kein Alibi, war im Haus, als es passiert ist. Zwischen ihm und seinem Vater hat es, wenn man den Nachbarn glauben darf, ständig Streit gegeben. Außerdem hat er in der Vergangenheit schon mal eine Falschaussage gemacht … Die Umstände sprechen also gegen ihn, und ich glaube, wir können ganz getrost davon ausgehen, dass er der Mörder ist.«

»Und wenn ich sage, dass ich das nicht glaube?«

»Dann sage ich, dass du das halten kannst, wie du willst. Aber die Fakten sprechen dafür, dass –«

»Aber ihr habt noch keine Fakten gesammelt, die wirklich beweisen, dass er der Mörder ist.«

»Nein.«

»Also kann er genauso gut unschuldig sein.«

»Und genauso gut kann er der Mörder sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er zusammenbricht.«

Lovis dachte nach. »Wer führt die Ermittlung?«

Scatolin seufzte. »Ich wünschte, ich könnte dir eine andere Antwort geben, aber … die Ermittlungen führe ich.«

»Perfekt!« Lovis strahlte ihn an. »Dann nimmst du mich mit, wenn du mit den Zeugen sprichst?«

»Wir werden sehen, Amico. Wir werden sehen.« Er schaute auf die Uhr, dann stand er auf. »Ich muss jetzt wirklich los. Das Treffen mit Ragno war nur eine halbe Lüge. Er kommt tatsächlich vorbei. Allerdings wird er in meinem Büro auf mich warten, hoffe ich. Trotzdem ist es besser, wenn ich dafür sorge, dass er mich nicht wirklich hier suchen kommt. Wir sehen uns.«

»Ja, wir sehen uns«, sagte Lovis. Er sah seinem Freund nach.

Bruni wuselte hinter dem Tresen hervor. »Ich mag den Ispettore ja gern, aber ausnahmsweise bin ich froh, dass er weg ist. Ich brauche keinen von der Gesundheitspolizei hier.«

»Nein.« Lovis grinste. Ein Beamter der Gesundheitspolizei würde nach dem ersten Schritt in die Bar für ihre Schließung sorgen. »Bringst mir noch einen Kaffee, Bruni? Der Ispettore hat meinen getrunken.«

»Kann ich verstehen. Ich hab noch nie nachvollziehen können, wie man einen kastrierten trinken kann. Das ist einfach nicht dasselbe.«

Zumindest nicht in deiner Bar, dachte Lovis, aber er sagte es nicht laut. Stattdessen kippte er den neuen Macchiato am Tresen hinunter, dann bezahlte er alle drei Getränke und ließ Bruni noch ein Trinkgeld da. »Für Putzmittel«, sagte er und zwinkerte ihr zu.

Sie zwinkerte zurück. »Umweltschutz fängt vor der eigenen Tür an. Zum Beispiel beim Putzen. Je weniger, desto besser.«

Lovis vermutete, dass sich mit dieser Argumentation kein Hygieneamt überzeugen ließ, aber das war nicht sein Problem. »Ich bin weg.«

»Bis bald, Lovis!«

Reini war also in Bozen, würde aber heute noch entlassen werden. Also musste Lovis nur warten, um mit ihm sprechen zu können. Aus Scatolin war wieder einmal nichts herauszubekommen gewesen und auch die Befragung von Schorsch und den Stammtisch-Alten hatte nicht mehr als ein Stimmungsbild geliefert.

Wenn er diesen Fall wirklich übernehmen wollte, musste er auf Reini und seine Sicht der Dinge warten. Vorausgesetzt, dass der ehemalige Grundschullehrer überhaupt einverstanden damit war, dass er den Fall übernahm. Zuletzt hatte das ja nicht so geklungen.

Also war Lovis arbeitslos. Außerdem knurrte sein Magen. Das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass Angelika mit dem Mittagessen auf ihn wartete. Nach dem Fraß, den er in den letzten Tagen für die beiden Knechte und sich selbst gekocht hatte, würde endlich wieder etwas Vernünftiges auf dem Tisch stehen. Er freute sich.

Beschwingt ging er zum Franziskanerkloster, wo er seinen froschgrünen VW Golf – von ihm liebevoll Kübel genannt – geparkt hatte. Der Kübel war zwischen all den SUVs mit ihren polierten Karosserien der einzige Wagen, auf dessen Nummernschild noch das »BZ« zu lesen war. Irgendein Witzbold hatte in den Staub auf der Heckscheibe »Wasch mich!« geschrieben und ein lachendes Emoji dazugemalt.

Er konnte ja nicht wissen, dass eine Fahrt hoch zum Messner Hof ausreichte, um die Scheibe wieder völlig einstauben zu lassen.

Lovis stieg ein und kurbelte das Fenster herunter. Der Innenraum des Kübels stank erbärmlich. Eine Mischung aus Düngemittel, Misthaufen und Verwesung, die vor allem dem Umstand zu verdanken war, dass manchmal auch Barnabas mitfuhr.

Bei geöffnetem Fenster war der Geruch allerdings zu ertragen. Das war auch gut so, denn Lovis kam nur schleppend voran. Gefühlt alle hundert Meter gab es eine Baustelle, die meisten davon waren von Wohnhäusern, die entlang der Straße ins Dorf entweder abgerissen oder neu gebaut wurden. Lovis fragte sich, wer all die Wohnungen kaufen und bewohnen sollte, aber die Antwort lag auf der Hand. Es waren wieder einmal die Reichen und Schönen – die Einzigen, die sich die horrenden Preise leisten konnten. Viele der neuen Wohnungen würden beinahe ganzjährig leer stehen, weil Marco Rossi aus Mailand sich eben nur zu Ferragosto oder Sant’Ambrogio aus seiner Millionenfirma losreißen und den Urlaub in Südtirol genießen konnte. Oder weil Max Mustermann es neben Ostern oder Pfingsten allerhöchstens noch zur Zeit der Weinlese in seine Wohnung schaffte.

Anna Gasser und Josef Mair würden weiterhin hoffen müssen, dass irgendwo eine Zone für den geförderten Wohnbau eröffnet würde, und dürften dann Tag und Nacht zwischen Autobahn und Zug ihr Dasein fristen.

Was wirklich ärgerlich war: In der Altstadt waren so viele zauberhafte Wohnungen frei. Doch die wurden dann auf Airbnb vermietet und wieder schauten Anna Gasser und Josef Mair durch die Finger.

Gerade fuhr er an einer weiteren Baustelle vorbei, an der das Schild des Immobilienbüros Wild & Pranter angebracht war. »Wohnen im Grünen«, stand als Werbeslogan darauf. Lovis schnaubte. Wenn man von der Baustelle aus Richtung Westen schaute, mochte das stimmen. Die paar Wohnungen, die dort lagen, hatten den Fluss Eisack vor sich und Ausblick auf die am Bachdamm gepflanzten Bäume. Für die ostseitig ausgerichteten Wohnungen galt das nicht. Allerhöchstens den Vorteil der Morgensonne würden sie haben – zumindest jene des vorderen Blocks. Trotzdem würde der Preis für eine Zweizimmerwohnung mit nicht einmal dreißig Quadratmetern irgendwo um die vierhunderttausend Euro betragen. Wenn es reichte. Garage und Keller nicht eingeschlossen.

Lovis konnte verstehen, dass da so mancher verzweifelte. Auch wenn das natürlich keinen Mord rechtfertigte. Vor allem nicht den Mord am eigenen Vater. Trotzdem. Die Politik musste langsam an den kleinen Mann denken, nicht immer nur an den reichen Wirtschaftsheini. Sonst würden all die kleinen Männer auswandern in Länder, wo sie noch eine Zukunft hatten, und für die Wirtschaftsheinis würde das Leben um einiges weniger annehmlich werden.

Über seine Gedanken hatte Lovis den Feldweg zum Messner Hof erreicht. Der Kübel rumpelte über die Schlaglöcher und nicht nur einmal schlug die Ölwanne mit einem satten »Klong!« auf einem Stein auf.

Wenn irgendwann zwischen Apfelernte und der Vorbereitung auf die kurz bevorstehende Törggelesaison Zeit war, sollten sie sich des Weges annehmen, dachte Lovis. Schon, um nicht irgendwann von den Gästen auf dem Messner Hof auf Schadenersatz für ihre demolierten Limousinen verklagt zu werden.

Genau so ein Wagen stand im Hof, und Lovis wusste auch, wem er gehörte. Hanne Wiedenhof. Hanne Wiedenhof, die nichts lieber tat, als die Massen an Krimis, die sich gewiss wieder im Kofferraum ihres Autos befanden, gegen einen richtigen Fall einzutauschen, und sich gern als Lovis’ Watson bezeichnete.

Hanne war eine Naturgewalt. Vor einem Jahr hatte sie sich bereits in einen seiner Fälle eingemischt, und obwohl Lovis sich mit aller Kraft dagegen gewehrt hatte, hatte er am Ende doch nachgeben müssen. Zu seinem Glück, denn die Urlauberin hatte einen entscheidenden Beitrag zur Lösung des Falls geleistet.

Er grinste in Erwartung dessen, was auf ihn zukam. Und er sollte mit seiner Ahnung recht behalten.

»Lovis!«, flötete sie vom Fenster der größeren Ferienwohnung herunter. »Loohooovis!«

»Hanne! Ihr seid schon da?«

»Erst, Lovis, erst. Die Fahrt hat wieder einmal ewig gedauert und … Upsi!« Sie hielt sich die Hand vor den Mund, bevor sie zu ihm herunterflüsterte: »Und Manni schläft schon, weil er so erschöpft ist. Oder weil die Landluft ihn so dermaßen schafft.«

»Und die Kinder?«

»Sind mit den Dorfjungen abgezogen. Ich hab zu ihnen gesagt … Ach was, wissen Sie, was? Ich komme runter.«

Lovis wollte abwehren, aber sie bekam es schon nicht mehr mit. Er stöhnte leise. Ein anderes Fenster öffnete sich.

»Lollo?« Angelika streckte ihren Kopf aus dem Fenster der Vorratskammer. »Die Wiedenhofs sind schon da.«

»Hab Hanne gerade begrüßt.« Wenn man den Begriff ein wenig dehnte, konnte man das hoffentlich so nennen.

»Ich hab für sie mitgekocht. Und für die Jungs auch. Aber es wird noch etwas dauern.«

---ENDE DER LESEPROBE---