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also, hier kommt der ganze Vorschautext: Wie im Wort ›Tracht‹ das fleißig Eingeheimste der Bienen genauso wie eine Tracht Prügel mitschwingt und wie in der Pflicht zur Tracht eo ipso der Widerstand gegen die unbefragt konventionelle Form angestachelt wird, so sind im neuen Textbuch von Bodo Hell die Fundstücke aus der Natur- und Medienwelt zu Sprach- und Sprechkonvoluten gesammelt, nämlich in einer Art TextWabenStock aufgehoben.Durch die elaborierte Technik des Vorführens, Verschneidens und Montierens schlägt der uns allen bekannte Sprachgebrauch auf die Intentionen der Verwendung zurück und läßt die klischierten Sprech- und Welthaltungen in nicht unbedenklich erheiternden Brillantfeuerwerken zerstieben, die vorm Leser und der Hörerin in der jeweiligen Text- und Kopflandschaft niedergehen.Es sind Spracharbeiten zu vielerlei Gegenständen – andere Natur/Wahrnehmung, masculin/feminin, kleine Anthropologien/Körper, Stichwort Stadt, im Stau, Nachruf Tod und andere – und aus vielen Jahren, darunter auch der früheste Text von Bodo Hell aus dem Jahr 1972 und die jüngsten Texte, die auch in seinem neuen Theaterstück (mit dem gleichnamigen Titel Tracht: Pflicht), uraufgeführt im März 2003 in Graz, zu hören sind.
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Seitenzahl: 249
Veröffentlichungsjahr: 2012
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BODO HELL
mit zwei Bildreihen von Hil de Gard
Literaturverlag Droschl
© Literaturverlag Droschl Graz-Wien 2003
Umschlaggestaltung: Hil de Gard
unter Verwendung eines Fotos aus der Serie ›Solifluktion‹
von Inge Dick
eISBN: 978-3-85420-884-6
Von diesem Buch gibt es zehn mit einem Autograph versehene
Vorzugsausgaben (ISBN 3-85420-633-X)
Literaturverlag Droschl A-8043 Graz Stenggstraße 33
www.droschl.com
andere Natur/Wahrnehmung
Panorama
einschlägige Erfahrung
sichtig
kalkhold
vom Hunerkogel zum Stoderzinken
Wegbeschreibung
masculin/feminin
wer zieht hier/sieht hier durch
Totes Gebirge
kleine Anthropologien/Körper
dableib/wegwill
im voraus/nachhinein
je ein Auge
schwarz/weiß
wie es zum guten Ton gehört
zu singen
fünfte Jahreszeit
a whiter shade of pale
alle Ohren
Obstgedicht
iss was rar ist
der Wald
Stichwort Stadt
7 Postkartentexte Linie 5
Praterstern 2002
St. Stephan
durchs Gebirge der Zeichen
alles walzer
opfer der kunst
im Stau
mobile stabile
Verkehrslage/Wunschkennzeichen
blitzschneller Überholvorgang
Nachruf Tod
Untersberg
Solifluktion
ein seltener Vogel
von gegenüber
Tageszeichnung/Diarrhoe
im Flug der Tage
flugs notiert
Sage Pflanze
Alexius
Alchemilla
Veratrum
selten auswärts
Erscheinungen Flucht
Swiss Knife/Vienna Art
membra disiecta
durchs Dickicht der Verweise
zur Lust am panoramatischen Schauen besteht allerorten und jederzeit Gelegenheit und Anlaß, wenn man sich nur veranschaulicht, was eine Kopfdrehung und der jeweils aufmerksam bestrichene UmgebungsAusschnitt wirklich bedeutet, diese Möglichkeit ist genausogut auch nachts vorhanden und nicht nur aus der Position einer mitten im weiten Feld
stehend fixierten Person ausführbar (mit ihrer DrehAchse durch Scheitel- und Fußpunkt), man könnte auch sagen: mit unserem unsichtbaren Sehpinsel streichen wir über die verschiedensten Oberflächen und Raumbegrenzungen hinweg, wobei manche Einzelheit nur schemenhaft, manch andere wieder wie übergroß herausgezoomt erscheinen kann, und wenn wir das horizontale Sehband randlos nach oben und unten hin erweitern, ließe sich gar von einem Pantorama sprechen, doch was auf der Abseite unseres Gesichtsfeldes, also vornehmlich hinter unserm Rücken existiert und geschieht, bleibt einer konstruktiven Imagination oder der
organischen Ahnung, wenn nicht gar einem ahnenden Organ (dem sogenannten Zenkerschen) vorbehalten, animalisch allemal, wobei etwa die Ziege dank ihrer seitlich sitzenden Schlitzpupillenaugen nahezu keinen toten Winkel im Nacken zu haben scheint, probieren Sie nur einmal, sich von hinten an so eine Capride heranzuschleichen, sie wird Sie immer schon wahrgenommen haben, lang bevor Sie in Griffnähe herangerückt sind, sehr wohl: wir können in bekanntem Gelände ganz gut in die Tiefe sich erweiternde schalenhafte Vorstellungskreise ziehen, quasi als verräumlichendes
MemorierExperiment, zur Verortung im Raum, wobei ja die Vorstellungskraft bekanntlich den Gang durch alle Wändeschafft, während im Gegensatz zu diesem bewußten Ausdehnungsbestreben jene im Weltenrund alleingelassene Figur stehen würde, die sich mitten im Hochgebirge vor gestaffelten Gipfel-Reihen und BergKetten wiederfände, bitte keine Schi anlehnen, Sie schützen dadurch das Panorama, müßig wäre es für so einen Bewußtseinspunkt, mit der Vergegenwärtigung der Streichrichtungen und Talverläufe zu beginnen, eher würde mich in solch einer Situation das Bewußtsein des eigenen Selbsts für Momente verlassen und das apperzeptive Zentrum implodieren, so: jetzt hat uns das Panorama überflüssig gemacht, also : da mußt du schon früh aufstehen, auf deiner Alm, weil die so frei daliegt, oben auf dem (Dachstein), dort kommt die Sonne eher herauf und geht später unter als drunten im Tal, das bringt also einen längeren mit sich: so erklärt mir das ein alter Ennstaler Bauer (der auf den tiefen Tal- und steilen Hangalmen in den Tauernflanken zuhause ist, erfahren und erfinderisch) als Grundbedingung des Lebens auf so einem , welches ziemlich offen daliegt, auch zu den Himmelsrändern hin, nicht nur zum Zenit, und das rundherum Ausschau gewährt, im Prinzip jedenfalls (sollte man sagen), denn genügt nicht schon ein unbedeutender Geländebuckel oder Querriegel, eine Zirbenreihe oder Buschgruppe, und der ist fort, und da wir uns ja im Gebirge selten auf ebenen Flächen bewegen (ausgenommen vielleicht Seen und deren Verlandungen), ist unsere immer schon durch nahe Erhebungen aller Art eingeschränkt, d.h. der Himmelsrand/das Himmelsrund bleibt ähnlich wie beim urbanen Gang durch die Gassen von verstellt, und trotz der vielen Blickpunkte und Ansichten untertags unterwegs ist man doch geneigt, ja fühlen wir uns gedrängt, jeden Abend einen nahe unserer Unterkunft zu erklimmen, um ruhig in die Runde zu schauen, wie weit auch immer, mit dem Wunsch zu erfahren, wo man eigentlich ist, ähnlich wie anderswo die Bewohner der Dörfer und Städte periodisch oder anfallsartig hinauseilen und auf dieser oder jener Höhe stehen wollen, um eine bestimmte, wenn auch vorläufige und in all ihrer Zweifelhaftigkeit merkwürdig
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