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Das sollte jeder Radiologe über Kinderradiologie wissen.
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Seitenzahl: 451
Veröffentlichungsjahr: 2017
Trainer Kinderradiologie
Röntgen, Ultraschall, CT und MRT im Neugeborenen- und Kindesalter
Michael Riccabona
Ingmar Gaßner, Ianina Scheer, Jens-Peter Schenk, Gisela Schweigmann, Maria Sinzig, Erich Sorantin, Gundula Staatz, Peter Waibel, Doris Zebedin, Thekla von Kalle, Gabriele Hahn, Wolfgang Hirsch, Marcus Hörmann, Kathrin Maurer, Heimo Nemec, Brigitte Povysil, Gerald Pärtan, Michael Riccabona
2. unveränderte Auflage
660 Abbildungen
Die bildgebende Diagnostik wird immer mehr die zentrale Schaltstelle für Vorsorge, (prä-)klinische Diagnose, Therapieplanung und ‑monitoring sowie Nachsorge der zukünftig individualisierteren Medizin. Ein umfassendes Wissen und Fähigkeiten in allen Bildgebungsmodalitäten werden in diesem Szenario essenzielle Grundvoraussetzung für alle (Kinder-)Radiologinnen und Radiologen. Den zunehmenden Begehrlichkeiten anderer Fächer Richtung Bildgebung kann am besten durch optimale Versorgung aller für den jeweiligen Teilbereich notwendigen Aspekte und durch interdisziplinäre Kooperation begegnet werden, dies gilt auch für die Kinderradiologie. Mit dem wachsenden ökonomischen Druck werden nur wenige Zentren die Tertiärversorgung von Kindern gewährleisten; diese müssen auch die Aus- und Weiterbildung im Teilbereich Kinderradiologie garantieren. Da viele Kinder im niedergelassenen Bereich und in Primärversorgungseinrichtungen betreut werden, sind ein fundiertes Grundwissen und ausreichende kinderradiologischen Fähigkeiten ein essenzieller Teil der Ausbildung zum Facharzt für Radiologie. Das weiterhin wichtige Geräte- und Ressourcensharing mit der „Erwachsenenradiologie“ erfordert fundierte Kenntnisse in Untersuchungsadaptation und Geräteerfordernis, um allerorts eine kindgerechte Ergebnisqualität zu gewährleisten. In diesem Kontext wird es augenscheinlich, dass die Kinderradiologie berufs- und ausbildungsrechtlich – auch wenn funktional ein Teil der Kinderheilkunde – dem Gesamtfach Radiologie zugehören muss. Das Ziel aller Anstrengungen sollte sein, dass wie für jede andere Gesellschaftsgruppe auch für Kinder – wenngleich sie eine gesellschaftlich weniger mächtige und oft unterrepräsentierte Gruppe sind – als die Zukunftsträger der Gesellschaft eine mindestens so gute, qualitativ wie quantitativ ausreichende und auf ihre Bedürfnisse spezialisierte Bildgebung allerorts verfügbar ist bzw. wird.
Vor jeglichem Einsatz bildgebender Verfahren müssen insbesondere bei Kindern immer die Rechtfertigung und eine valide Indikationsstellung im Vordergrund stehen. Kinderradiologisches Handeln muss Einfluss auf die diagnostische Sicherheit, auf das Patientenmanagement, auf das Langzeit- Outcome und – wenn möglich – auf die Volksgesundheit aufweisen. Art und Anwendung aller bildgebenden Untersuchungsverfahren, die diversen Bildgebungsalgorithmen und die Befundung müssen den speziellen Erfordernissen der Kinder und deren höherem Strahlenrisiko entsprechen.
Dieses Buch versucht, dazu einen Beitrag zu liefern, indem es die für jeden Facharzt der Radiologie unabdingbaren Kenntnisse aus dem Teilbereich Kinderradiologie in möglichst prägnanter Form zusammenfasst und somit auch als Basisliteratur die für die Facharztprüfung notwendigen Inhalte vermittelt. Um dies zu illustrieren und zu vertiefen, sind am Ende jedes Kapitels Fallbeispiele angeführt, die in komprimierter Form für das Kindesalter typische Fragestellungen und Befunde des Alltags oder bei der Facharztprüfung widerzuspiegeln versuchen. Diese Kurzkasuistiken sollen auch andere relevante Aspekte kompetenten kinderradiologischen Handelns verdeutlichen, wie z.B. den unterschiedlichen Stellenwert einzelner Verfahren (insbesondere der Sonografie) im Vergleich zur Erwachsenenradiologie, die besondere Bedeutung des Strahlenschutzes (insbesondere bei der Auswahl des Verfahrens oder bei der Dosisadaptation, z. B. bei der CT-Protokollerstellung) oder die Kenntnis kindesspezifischer Krankheitsbilder und Fragestellungen.
In diesem Sinn wünsche ich viel Freude bei der Lektüre und bedanke mich herzlich bei allen, die dieses Buch möglich gemacht haben: beim Verlag und dessen zuständigen Mitarbeitern, bei den engagierten (Ko-)Autorinnen und (Ko-)Autoren, bei den vielen unentbehrlichen Kleinkramhilfen, für die wichtigen Anregungen von RTs, Kolleginnen und Kollegen, bei den kleinen motivierenden Patientinnen und Patienten sowie bei meiner Partnerin Barbara für ihre Geduld und Unterstützung.
GrazMichael Riccabona
3-D/4-D-US dreidimensionaler/ vierdimensionaler Ultraschall
AC A. carotis
ACA A. cerebri anterior
ACI A. carotis interna
ACM A. cerebri media
ADC apparenter Diffusionskoeffizient
ADEM akute disseminierte Enzephalomyelitis
ADPKD autosomal-dominante polizystische Nierenerkrankung
AEC Automated Exposure Control
aFDS amplitudencodierte Farb-Doppler-Sonografie
AGS adrenogenitales Syndrom
AIDS Acquired immune Deficiency Syndrome
AISt Aortenisthmusstenose
AKZ aneurysmatische Knochenzyste
ALARA As Low As Reasonably Achievable= so niedrig wie diagnostisch sicher möglich (bezieht sich auf applizierte Röntgenstrahlung)
ALD Adrenoleukodystrophie
ALL akute lymphoblastische Leukämie
AMG Arthromyogryposis
AML Angiomyolipom
AMS A. mesenterica superior
ANA antinukleäre Antikörper
ANV akutes Nierenversagen
APN akute segmentale Pyelonephritis
APUD Amine Precursor Uptake and Decarboxylation
ARPKD autosomal-rezessive polizystische Nierendegeneration
ARW anorektaler Winkel
ASD Atriumseptumdefekt
AVF arteriovenöse Fistel
AVM arteriovenöse Malformation
BOOP Bronchiolitis obliterans organizing Pneumonia
BV Bildverstärker
BWK Brustwirbelkörper
BWS Brustwirbelsäule
CCAM kongenitale zystisch-adenomatoide Malformation, engl. Congenital cystic adenomatoid Malformation
ce-MUS kontrastverstärkte Miktionsurosonografie
ce-US kontrastverstärkter Ultraschall
ce-VUS Contrast-enhanced voiding Urosonografie
CF zystische Fibrose
CFTR Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator
CH Chiari-Malformation Typ 1
CMV Zytomegalie-Virus
CPAM Congenital pulmonary Airway Malformation
CPAP Continuous positive Airway Pressure
CPDN zystisches, partiell differenziertes Nephroblastom
CRMO chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis
cRNP kongenitale Refluxnephropathie
CRP C-reaktives Protein
CT Computertomografie
CTA CT-Angiografie
CTDI CT-Dosisindex
CWS kooperativeWeichteilsarkom-Studiengruppe
DA Ductus arteriosus Botalli
DASV durale AV-Shunts mit aneurysmaler Vena-Galeni-Dilatation
DCIS duktales Karzinoma in situ
DD Differenzialdiagnose
DDS Duplex-Doppler-Sonografie
DEGUM Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
DFP Dosisflächenprodukt
DGMP Deutsche Gesellschaft für Medizinphysik
DHC Ductus hepatocholedochus
DL Durchleuchtung
DLP Dosislängenprodukt
DMSA Dimercaptobernsteinsäure
DNET dysembryoplastischer neuroektodermaler Tumor
DNS Desoxyribonukleinsäure
DP Ductus pancreaticus
DQE Quanteneffizienz, engl. Detective Quantum Efficiency
DR Direktradiografie
dRTA distale renal tubuläre Azidose
DS Doppler-Sonografie
d-TGA dextro-TGA
DTPA Diethylentriaminpentaessigsäure
DVA Developmental venous Anomaly
DWK Dandy-Walker-Komplex
DWM Dandy-Walker-Malformation
DWV Dandy-Walker-Variante
ECMO extrakorporale Membranoxygenierung
EDH Epiduralhämatom
EKG Elektrokardiogramm
EMG Elektromyografie
EMG-Syndrom Exomphalos-Makroglossie- Gigantismus-Syndrom
ERCP endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie
ESPR European Society for Paediatric Research
ESUR European Society of Urogenital Radiology
FAST Focused abdominal Sonography for Trauma
FCDS farbcodierte Duplexsonografie
FD fibröse Dysplasie
FDS Farb-Doppler-Sonografie
FFE Fast Field Echo
FG Frühgeborenes
FISP Fast Imaging with Steady State Precession
FK Fremdkörper
FLAIR Fluid Attenuated Inversion Recovery
FNH fokale noduläre Hypoplasie
FOV Field of View
fs Fettsättigung
GA Gallengangsatresie
Gd Gadolinium
GE Gastroenteritis
GERD Gastroesophageal Reflux Disease
GFR glomeruläe Filtrationsrate
GI gastrointestinal
GIST gastrointestinaler Stromatumor
GLD Globoidzell-Leukodystrophie
GMH germinale Matrixblutung
GÖR gastroösophagealer Reflux
GPOH Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
GRE Gradientenecho
H Heterotopie
HASTE Half Fourier acquired Single Shot Turbo Spin Echo
HCC hepatozelluläres Karzinom
HF Hochfrequenz
HI Harmonic Imaging
HIE hypoxisch-ischämische Enzephalopathie
HIV Human immunodeficiency Virus
HLA Human Leukocyte Antigene
HN Hydronephrose
HPE Holoprosenzephalie
HPSt hypertrophe Pylorusstenose
HR High Resolution
HR‑CT High-Resolution-CT
HSV Herpes-simplex-Virus
HU Hounsfield Unit
HWI Harnwegsinfektion
HWS Halswirbelsäule
ICH intrazerebrale Blutung
ICRP International Commission on Radiological Protection
INRG International Neuroblastoma Risk Group
INSS International Neuroblastoma Staging System
IRDS ideopathisches Respiratory-Distress-Syndrom
IVH intraventrikuläre HämorrhagieIVP intravenöse Pyelografie
IVU intravenöses Urogramm
JIA juvenile idiopathische Arthritis
JPI Juvenile Polyposis of Infancy
KEV konstitutionelle Entwicklungsverzögerung
KM Kontrastmittel
KUB Kidney-Ureter-Bladder
LCC linke A. carotis communis
LCH Langerhans-Zell-Histiozytose
LE Lupus erythematodes
LIS Lissenzephalie
LK Lymphknoten
LP linke Pulmonalarterie
LS linke A. subclavia
l-TGA laevo-TGA
LWK Lendenwirbelkörper
LWS Lendenwirbelsäule
MAG3 Mercaptoacetyltriglycerin
MCD multizystische Nierendysplasie
MCU Miktionszystourethrografie
MD Meckelʼsches Divertikel
MDP Magen-Darm-Passage
MELAS Mitochondriale, Enzephalomyopathie (Hirn-/Muskelstörung), Laktatazidose (Milchsäureüberladung) und schlaganfallähnliche Episoden
MI mechanischer Index
MIBG Metajodobenzylguanidin
MLD metachromatische Leukodystrophie
MMC Myelomeningozele
MR Magnetresonanz
MRA MR-Angiografie
MRCP Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie
MRT Magnetresonanztomografie
MRU Magnetresonanzurografie
MRV MR-Venografie
MS multiple Sklerose
MSCT Mehrschicht-Spiral-CT
MTRA medizinisch-technischer Radiologieassistent
MU Megaureter
NAI nicht akzidentelle Verletzungen, engl. Non-accidental Injury
NAST Nierenarterienstenose
NBKS Nierenbeckenkelchsystem
NC Nephrokalzinose
NEC nekrotisierende Enterokolitis
NF I Neurofibromatose Typ I
NG Neugeborenes
NHL Non-Hodgkin-Lymphom
NICH Non-involuting congenital Hemangiomas
NN Nebenniere
NNH Nasennebenhöhlen
NNR Nebennierenrinde
NOF nicht ossifizierendes Fibrom
NSF nephrogene systemische Fibrose
Ö Ösophagus
ÖA Ösophagusatresie
ÖGUM Österreichische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
OP Operation
OSD offener spinaler Dysraphismus
OSG oberes Sprunggelenk
PA Pancreas annulare
PACE Prospective Acquisition Correction
PAPVR Partial anomalous pulmonary venous Return
PCN perkutane Nephrostomie
PD Pancreas divisum
PDA persistierender Ductus arteriosus Botalli
PEEP positiver endexspiratorischer Druck
PET Positronenemissionstomografie
PFFD proximale femorale fokale Defekte
PFO persistierendes Foramen ovale
PIE pulmonales interstitielles Emphysem
PKAN Pantothenate-kinase associated Degeneration
PMD Pelizäeus-Merzbacher-Erkrankung
PML progressive multifokale Leukenzephalitis
PNET primitiv neuroektodermaler Tumor
PNP Polyneuropathie
PNS periphere Nervenstimulation
POM primär obstruktiver Megaureter
PPB pleuropulmonales Blastom
PROPELLER Periodically rotated overlapping parallel Lines with enhanced Reconstruction
PTLD Post transplant lymphoproliferative Disease
PUV posteriore Urethralklappe, engl. Posterior urethral Valve
PVE periventrikuläres Echo
PVH periventrikuläre hämorrhagische Infarzierung
PVL periventrikuläre Leukomalazie/Leukenzephalomalazie
PW PulsedWave
RARE Rapide Acquisition with Relaxation Enhancement
RCC rechte A. carotis communis
RES retikuloendotheliales System
RF Raumforderung
RI Resistive Index
RICH Rapid involuting congenital Hemangiomas
RMS Rhabdomyosarkom
RNC Radionuklidzystografie
RNP Refluxnephropathie
ROI Region of Interest
RS rechte A. subclavia
RSV respiratorisches Synzytialvirus
RT Radiologietechnologe
RV rechter Ventrikel
SAB Subarachnoidalblutung
SAR spezifische Absorptionsrate
SCIWORA Spinal cervical Injury without radiograpic Abnormality
SD Schilddrüse
SDH Subduralhämatom
SE Spin Echo
SEB subependymale Blutung
SG Schädelgrube
SHT Schädel-Hirn-Trauma
SIOP International Society of Paediatric Oncology
SOP Standard Operating Procedures
SPECT Single Photon Emission computed Tomography
SPIR Spectral Presaturation with Inversion Recovery
SPR Society of Pediatric Radiology
SRV Signal-Rausch-Verhältnis
SSFP Steady State free Precession
SSK Strahlenschutzkommission
SSW Schwangerschaftswoche
STIR Short Inversion Recovery
SV Seitenventrikel
TAPVR Total anomalous pulmonary venous Return
TAR Thrombocytopenia with absent Radius
Tbc Tuberkulose
TCI Transcranial Imaging
TGA Transposition der großen Arterien
TGC Tiefenverstärkungsausgleich, engl. Time Gain Compensation
TI thermischer Index
TIRM Turbo Inversion Recovery Magnitude
TOF Fallotʼsche Tetralogie, engl. Tetralogy of Fallot
TR Repetitionszeit
TRUFI True fast Imaging with steady Precession
TS tuberöse Sklerose
TSE Turbo Spin Echo
TSH Thyroid-stimulating Hormone
UASt Ureterabgangsstenose
US Ultraschall
VACTERL Vertebral Anomalies, Cardiac Malformation, Tracheooesophageal Fistula, Esophageal Atresia, Renal Dysplasia und Limb Malformation
VAL vordere Axillarlinie
VATER Defekte der Wirbel [„vertebral“], Analatresie, TOF mit ÖA und Radiusdysplasie
VCI V. cava inferior
VCS V. cava superior
VGA Vena-Galeni-Aneurysma
VGAD Vena-Galeni-aneurysmale- Dilatation
VGAM Vena-Galeni-aneurysmale-Malformation
VGM Vena-Galeni-Malformation
VIBE Volumetric interpolated breathhold Examination
VIP vasoaktives intestinales Peptid
VMS V. mesenterica superior
VSD Ventrikelseptumdefekt
VUR vesikoureteraler Reflux
WBS Wiedemann-Beckwith-Syndrom
WHO World Health Organization
XPN xanthogranulomatöse Pyelonephritis
ZNS Zentralnervensystem
ZVK zentraler Venenkatheter
Vorwort
Abkürzungen
1 Besonderheiten der Bildgebung im Kindesalter
1.1 Allgemeine Einführung – prinzipielle Erwägungen
1.1.1 Literatur
1.2 Besondere Bedeutung des Strahlenschutzes im Kindesalter
1.2.1 Einleitung
1.2.2 Dosisbegriffe
1.2.3 Grundlagen des höheren Strahlenrisikos bei Kindern
1.2.4 Risiken und Maßnahmen bei pränataler geplanter oder akzidenteller Strahlenexposition
1.2.5 Rechtsvorschriften, Aufklärung und Kommunikation
1.2.6 Literatur
1.3 Radiografie, Durchleuchtung
1.3.1 Radiografie
1.3.2 Durchleuchtung
1.3.3 Bildverarbeitung
1.3.4 Bildwiedergabegeräte
1.3.5 Techniken zur Dosisreduktion bei Radiografie und Durchleuchtung
1.3.6 Kontrastmittel
1.3.7 Literatur
1.4 Technik und Wertigkeit des Ultraschalls in der Kinderradiologie
1.4.1 Allgemeines zum Kinderultraschall
1.4.2 Gefahren des Ultraschalls
1.4.3 Grundregeln beim Ultraschall des Kindes
1.4.4 Möglichkeiten moderner Ultraschallmethoden und Anwendungen im Kindesalter
1.4.5 Weitere Erwägungen
1.4.6 Literatur
1.5 Besonderheiten der Computertomografie im Kindesalter
1.5.1 Einleitung
1.5.2 Unterschiede Kinder – Erwachsene
1.5.3 Hardwareanforderungen
1.5.4 Kontrastmittel
1.5.5 Dosisanpassung
1.5.6 Zusammenfassung
1.5.7 Literatur
1.6 Besonderheiten der Magnetresonanztomografie im Kindesalter
1.6.1 Indikationen im Vergleich mit CT-Diagnostik
1.6.2 Sedierung, Narkose und damit verbundene Probleme
1.6.3 Bewegungskompensationen
1.6.4 SAR-Energiebelastung
1.6.5 Nebenwirkungen
1.6.6 Kleine Volumina, wenig Signal
1.6.7 Lärmschutz
1.6.8 Kontrastierung von Darm und Gefäßen/NSF-Prävention
1.6.9 Nephrogene systemische Fibrose
1.6.10 Besondere Modalitäten: 3.0-Tesla-Untersuchungen, Ganzkörper-Magnetresonanztomografie
2 Thoraxbildgebung beim Kind
2.1 Thoraxröntgen, Thorax-CT/MRT – Lunge, Pleura, Brustkorb
2.1.1 Indikation
2.1.2 Untersuchungstechnik
2.1.3 Normalbefund
2.1.4 Stridor
2.1.5 Fehlbildungen des Tracheobronchialsystems
2.1.6 Neonatale Intensivlungen
2.1.7 Erkrankungen der Bronchien und kleinen Luftwege
2.1.8 Pneumonien
2.1.9 Rezidivierende Infektionen
2.1.10 Lungentuberkulose
2.1.11 Zystische Fibrose
2.1.12 Fremdkörperaspiration
2.1.13 Zwerchfellerkrankungen
2.1.14 Literatur
2.2 Mediastinum
2.2.1 Thymus
2.2.2 Mediastinaltumoren
2.2.3 Angeborene Anomalien des Gefäßsystems
2.2.4 Situsanomalien
2.2.5 Literatur
2.3 Grundlagen des Thoraxultraschalls im Kindesalter
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Technik
2.3.3 Mediastinum
2.3.4 Pleura, Diaphragma und Lunge
2.3.5 Thoraxultraschall auf der Neugeborenenintensivstation
2.3.6 Literatur
2.4 Kindliche Brust
2.4.1 Allgemeines
2.4.2 Normale Brustentwicklung
2.4.3 Normvarianten und Pathologien der Brustentwicklung
2.4.4 Entzündliche Veränderungen
2.4.5 Benigne Läsionen
2.4.6 Maligne Läsionen
2.4.7 Literatur
2.5 Wichtiges zur Herzbildgebung im Neugeborenen- und Kindesalter
2.5.1 Einleitung
2.5.2 Normalbefunde im Thoraxröntgen
2.5.3 Grundlegende Befundmuster im Thoraxröntgen
2.5.4 Radiologie ausgewählter Herzfehler
2.5.5 Kardiovaskuläre Bildgebung bei angeborenen Herzfehlern
2.6 Literatur
3 Bildgebung des kindlichen Gastrointestinaltrakts
3.1 Untersuchungsmodalitäten und Voraussetzungen
3.1.1 Allgemeines
3.1.2 Methoden
3.2 Kongenitale Anomalien des Gastrointestinaltrakts
3.2.1 Ösophagusatresie (ÖA)
3.2.2 Ösophagusstenose
3.2.3 Gastroösophagealer Reflux
3.2.4 Duodenale Obstruktion
3.2.5 Dünndarmatresie/-stenose
3.2.6 Kolonatresie/-stenose
3.2.7 Mekoniumileus/-peritonitis
3.2.8 Meckelʼsches Divertikel
3.2.9 Gastrointestinale Duplikationszysten
3.2.10 Morbus Hirschsprung
3.2.11 Omphalozele
3.2.12 Gastroschisis
3.2.13 Kongenitale Zwerchfellhernie
3.3 Neonatale gastrointestinale Probleme und Komplikationen
3.3.1 Erbrechen beim Neugeborenen
3.3.2 Pneumoperitoneum
3.3.3 Nekrotisierende Enterokolitis
3.4 Erworbene gastrointestinale Veränderungen jenseits des Neugeborenenalters
3.4.1 Hypertrophe Pylorusstenose
3.4.2 Invagination
3.4.3 Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
3.4.4 Appendizitis
3.4.5 Gastroenteritis
3.4.6 Askariasis
3.4.7 Verschluckte Fremdkörper, Bezoare
3.4.8 Chronische Obstipation
3.5 Angeborene und erworbene Anomalien der Leber, der Gallenwege, des Pankreas
3.5.1 Choledochuszyste
3.5.2 Gallengangsatresie
3.5.3 Cholezystolithiasis/Choledocholithiasis
3.5.4 Cholangitis
3.5.5 Hämangiom, Hämangioendotheliom
3.5.6 Echinokokkose
3.5.7 Pancreas divisum, Pancreas annulare, Pankreatitis
3.6 Wichtige Pathologien der Milz
3.7 Literatur
4 Bildgebung des kindlichen Zentralnervensystems und der Wirbelsäule
4.1 Röntgen, Computertomografie und Magnetresonanztomografie in der Neuroradiologie des Kindesalters
4.1.1 Untersuchungsmodalitäten und Indikationen
4.1.2 Normalbefunde
4.1.3 Angeborene Missbildungen von Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule sowie metabolische Erkrankungen
4.1.4 Kraniofaziale Missbildungen, Kraniosynostose, angeborene Erkrankungen des Ohres
4.1.5 Zerebrale Erkrankungen beim unreifen und reifen Neugeborenen
4.1.6 Infektionen des Zentralnervensystems, der Orbita, der Nasennebenhöhlen, des Ohres
4.1.7 Literatur
4.2 Neurosonografie im Neugeborenen- und Kindesalter
4.2.1 Technik der pädiatrischen Neurosonografie
4.2.2 Normalbefunde
4.2.3 Typische Erkrankungen des Neugeborenen
4.2.4 Fehlbildungen des Gehirns
4.2.5 Spinaler Ultraschall: ultraschallzugängliche Rückenmarkspathologie
4.2.6 Ultraschall der Orbita und des Auges
4.3 Literatur
5 Uroradiologie des Kindesalters
5.1 Entwicklung und Embryologie
5.2 Untersuchungsmodalitäten, bildgebende Methoden und Voraussetzungen
5.2.1 Ultraschall und basale Dopplerultraschallaspekte
5.2.2 Konventionelle Radiografie und Durchleuchtung
5.2.3 Prinzipielles zu nuklearmedizinischen Methoden (Harntraktszintigrafie)
5.2.4 Magnetresonanzurografie
5.2.5 Urocomputertomografie im Kindesalter
5.2.6 Prinzipielles zu Angiografie und interventioneller Uroradiologie
5.3 Besonderheiten des altersabhängigen Normalbefunds des kindlichen Urogenitaltrakts
5.4 Entzündliche Harntrakterkrankungen
5.5 Vesikoureteraler Reflux
5.6 Konnatale Hydronephrose
5.6.1 Obstruktive Uropathie
5.7 Sonstige Harntraktfehlbildungen
5.7.1 Doppelniere
5.7.2 Ektopie
5.7.3 Hypospadie
5.7.4 Einzelniere
5.7.5 Harnblasenextrophie
5.8 Urolithiasis und Nephrokalzinose
5.9 (Poly-)Zystische Nierenerkrankungen und Nephropathien
5.9.1 Zystische Nierenerkrankungen
5.9.2 Nephropathien
5.9.3 Nierenversagen
5.10 Harnwegsmitbeteiligung bei Systemerkrankung, Blasenfunktionsstörung
5.10.1 Nieren-/Harnwegsbeteiligung bei Systemerkrankung
5.10.2 Funktionelle Blasenstörungen
5.11 Bildgebung des kindlichen weiblichen Genitales
5.11.1 Postpartale Entwicklung
5.11.2 Ovarpathologie
5.11.3 Erkrankungen und Fehlbildungen des Uterus und der Vagina
5.12 Bildgebung des kindlichen männlichen Genitales
5.12.1 Erkrankungen und Fehlbildungen des Hodens
5.13 Intersex, Urogenitalsinus und anogenitale Fehlbildungen
5.13.1 Urogenitalsinus und anogenitale Fehlbildungen
5.13.2 Intersex
5.14 Weiteres
5.15 Literatur
6 Traumabildgebung beim Kind
6.1 Einleitung und Allgemeines
6.2 Wachstumsstörungen
6.2.1 Stimulation
6.2.2 Hemmung
6.2.3 Kallus (heilende Fraktur)
6.3 Bildgebung bei Frakturen
6.3.1 Übersichtsröntgenbild in 2 Ebenen
6.3.2 Magnetresonanztomografie
6.3.3 Computertomografie
6.3.4 Ultraschall
6.3.5 Kontrollröntgen
6.4 Nomenklatur und Klassifikation
6.5 Häufigkeiten diverser Frakturen im Kindesalter
6.6 Schädel- und Gesichtsschädelverletzungen
6.7 Wirbelsäulenverletzungen
6.8 Viszeralverletzungen und Kinder im Schockraum
6.8.1 Schockraummanagement
6.8.2 Typische Verletzungsmuster
6.9 Sportverletzung und chronisches Trauma
6.10 Kindesmisshandlung
6.10.1 Typische Frakturen bei Kindesmisshandlung
6.10.2 Frakturalterbestimmung
6.10.3 Spezifität von Frakturen bei Kindesmisshandlung
6.10.4 Wann ist was zu tun?
6.10.5 Abklärungsalgorithmus
6.10.6 Differenzialdiagnose der Kindesmisshandlung
6.10.7 Schädel-Hirn-Trauma bei Kindesmisshandlung
6.11 Geburtstrauma
6.12 Intraokulare Fremdkörper
7 Das kindliche muskuloskelettale System
7.1 Normales Skelett und Varianten
7.1.1 Radiomorphologie der normalen Knochenstruktur
7.1.2 Wachstum und Entwicklung
7.1.3 Anatomische Varianten
7.2 Regionale Skelettfehlbildungen, abnorme ossäre Konfiguration, Störung der Knochenanordnung
7.2.1 Untere Extremität
7.2.2 Obere Extremität
7.2.3 Regionale Fehlbildungen
7.2.4 Gutartige Knochentumoren, tumorartige Veränderungen
7.3 Angeborene Hüftdyplasie
7.3.1 Ätiologie und Risikofaktoren
7.3.2 Klinik
7.3.3 Bildgebung
7.3.4 Differenzialdiagnose
7.3.5 Therapie
7.3.6 Prognose
7.4 Wirbelsäule
7.4.1 Normale Anatomie
7.4.2 Kongenitale Fehlbildungen: Segmentationsstörungen, Fehlbildungen bei Dysraphie
7.4.3 Trauma
7.4.4 Infektionen
7.4.5 Neoplasien
7.4.6 Verschiedenes: Skoliose, Kyphose
7.5 Osteochondrosen und aseptische Nekrosen
7.5.1 Morbus Perthes
7.5.2 Andere aseptische Nekrosen
7.5.3 Osteochondrosis dissecans
7.6 Osteomyelitis
7.6.1 Akute Osteomyelitis
7.6.2 Chronische Osteomyelitis
7.7 Erkrankungen der Gelenke
7.7.1 Arthritis
7.7.2 Hämophile Arthropathie
7.7.3 Poplitealzysten
7.8 Krankhafte Veränderungen der Weichteile
7.8.1 Verkalkungen, Ossifikationen, Fremdkörper
7.8.2 Myositis ossificans
7.8.3 Entzündliche Muskelerkrankungen
7.8.4 Fibrodysplasia ossificans congenita
7.8.5 Neuromuskuläre Erkrankungen
7.8.6 Gefäßfehlbildungen
7.8.7 Sonstige Weichteilaffektionen
7.9 Literatur
8 Pädiatrische Onkoradiologie
8.1 Allgemeine Einführung und Grundsätzliches
8.1.1 Aufgaben der Bildgebung bei Tumorerkrankung
8.1.2 Verwendete Methoden
8.2 Hirn-, Orbital- und Spinaltumoren
8.2.1 Hirntumoren
8.2.2 Phakomatosen
8.2.3 Orbitaltumoren
8.2.4 Spinaltumoren
8.2.5 Literatur
8.3 Neuroblastom, Nebennierenraumforderungen und Thoraxtumoren
8.3.1 Neuroblastom
8.3.2 Andere kindliche Nebennierentumoren und differenzialdiagnostisch wichtige Entitäten
8.3.3 Wichtige Thoraxtumoren im Kindesalter
8.3.4 Literatur
8.4 Pädiatrische Onkoradiologie – Tumoren des Urogenitaltrakts
8.4.1 Nephroblastom/Wilms-Tumor
8.4.2 Erkennen anderer Nierentumoren
8.4.3 Uterus-, Vaginal- und Blasentumoren bei Kindern und Jugendlichen
8.4.4 Ovarialtumoren bei Kindern und Jugendlichen
8.4.5 Hodentumoren bei Kindern und Jugendlichen
8.4.6 Literatur
8.5 Gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Leber, des Pankreas, der Milz, des Darms und des Mesenteriums
8.5.1 Lebertumoren
8.5.2 Milz
8.5.3 Pankreas
8.5.4 Gastrointestinale Tumoren
8.5.5 Mesenteriale Tumoren
8.5.6 Literatur
8.6 Wichtige Muskel-, Knochen- und Weichteiltumoren
8.6.1 Knochentumoren
8.6.2 Weichteiltumoren
8.6.3 Literatur
8.7 Systemische onkologische Erkrankungen
8.7.1 Langerhans-Zell-Histiozytose
8.7.2 Leukämien im Kindesalter
8.7.3 Maligne Lymphome des Kindesalters
8.8 Literatur
9 Syndrome, Stoffwechselerkrankungen und andere wissenswerte Besonderheiten des Kindesalters
9.1 Einleitung
9.2 Wachstumsstörung und Hormonmangel
9.2.1 Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung
9.2.2 Hochwuchs
9.2.3 Kleinwuchs
9.3 Nebennierenbeteiligungen im Rahmen hormonaler Störungen
9.3.1 Nebennierenunterfunktion/-insuffizienz
9.3.2 Nebennierenüberfunktion
9.3.3 Neonatale Nebennierenblutung
9.4 Anomalien der Schilddrüse und Schilddrüsenstoffwechselstörungen
9.4.1 Hyperthyreose
9.4.2 Hashimoto-Thyreoiditis
9.4.3 Struma
9.4.4 Hypothyreose
9.5 Typische ossäre Veränderungen als Hinweis auf syndromale Erkrankung
9.5.1 Syndromale Wirbelsäulenveränderungen
9.5.2 Schädel
9.5.3 Extremitäten
9.5.4 Becken
9.6 Auszug aus syndromalen Erkrankungen mit skelettaler Beteiligung
9.6.1 Osteogenesis imperfecta
9.6.2 Achondroplasie
9.6.3 Thanatophorer Kleinwuchs
9.6.4 Apert-Syndrom
9.6.5 Treacher-Collins-Syndrom (Dysostosis mandibulo-facialis)
9.7 Stoffwechselerkrankungen
9.7.1 Morbus Hunter (Mukopolysaccharidose Typ II)
9.7.2 Glutarazidurie Typ 1
9.7.3 Rachitis
9.7.4 Literatur
Anschriften
Impressum
Keywords: Pädiatrie Bildgebung Kindesalter pädiatrisch
Keywords: Pädiatrie Bildgebung Kindesalter pädiatrisch
Michael Riccabona
Kinder sind nicht kleine Erwachsene. Sie haben andere Proportionen, eine andere Herz- und Atemfrequenz, andere Fett- und Bindegewebsanteile und teilweise einen anderen Gewebsaufbau (z. B. nicht verknöcherte Skelettstrukturen, offene Nähte, physiologische Residuen des fetalen Kreislaufs, unreife Organe). Die Organe liegen teils anders, teils weniger geschützt. Es sind andere Bewegungen, Belastungen, aber auch Erkrankungen (Kinderkrankheiten, angeborene Missbildungen, Unreife, Fehlfunktion ohne manifeste Organschäden usw.) zu beachten.
Die Kinderradiologie umspannt ein sehr breites Feld. Neben selteneren, aber doch vorkommenden erwachsenentypischen Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Diabetes) sind die zahlreichen kinder- und neugeborenentypischen Krankheitsbilder und Bedürfnisse abzudecken. Dabei müssen die Geräte ein sehr breites Spektrum bedienen können (vom 400 g schweren Frühgeborenen bis zum 150 kg schweren adipösen Jugendlichen) mit entsprechender Herausforderung an Ausstattung, Flexibilität und Adaptierbarkeit. Mit TabKindern befasste Radiologen müssen neben den erwachsenentypischen Krankheitsbildern auch die spezifischen Fragestellungen des Kindesalters zumindest so weit beherrschen, dass diese erkannt und bei Bedarf einem Spezialisten überwiesen werden, bspw. diverse angeborene Syndrome oder genetisch determinierte (Stoffwechsel-)Erkrankungen. Zusätzlich sollten sie über die vom Erwachsenenbild abweichende Röntgen- und Sonomorphologie insbesondere kleinkindlicher Organe Bescheid wissen, um die Bedeutung verschiedener Phänomene kindgerecht einstufen zu können (z. B. die neonatal unreife Nierenfunktion erschwert funktionell-dynamische kontrastmittelgestützte Harntraktuntersuchungen, der unreife Lungenaufbau bedingt eine höhere Atelektaseneigung schon bei milden Atemwegserkrankungen, weniger Fett verursacht eine schlechtere Differenzierbarkeit intestinaler Strukturen in der kindlichen Abdomen-CT usw).
Zuletzt muss allen bewusst sein, dass Kinder ein vielfach höheres Strahlenrisiko als Erwachsene aufweisen – nicht nur aufgrund der erhöhten Zellteilungsrate, sondern auch angesichts der noch längeren Lebensspanne, die die Manifestation möglicherweise strahleninduzierter Tumoren begünstigt. Aufgrund dieser höheren Strahlensensibilität sollten strahlenbelastende Untersuchungen so gut wie möglich vermieden werden bzw., wenn diese notwendig sind, so dosisoptimiert wie möglich durchgeführt werden (ALARA-Prinzip = „A s L ow A s R easonably A chievable“).
In diesem Zusammenhang besitzt die Sonografie eine besondere Bedeutung, zumal sie im Kindesalter besonders gut anwendbar ist: Weniger Fett und die kleineren Verhältnisse ermöglichen die Verwendung hochauflösender Schallköpfe, noch nicht verknöcherte Strukturen können sonografisch gut beurteilt werden bzw. ermöglichen eine Beurteilung darunterliegender Abschnitte. Somit können viele Fragestellungen – insbesondere im neonatalen Neurokranium und thorakoabdominell – ohne Verwendung von Röntgenstrahlen diagnostisch ausreichend beurteilt werden. Daraus ergeben sich Besonderheiten in der Anwendung der Bildgebung im Kindesalter: bevorzugte und breite Anwendung der Sonografie, sehr zurückhaltende CT-Indikationsstellung, die Notwendigkeit von Sedierungsmaßnahmen für CT- und MRT-Untersuchungen bei kleinen Kindern und der oft erfolgreiche Ansatz, Durchleuchtungsuntersuchungen zu vermeiden (bzw. wenn, dann optimiert und strahlenarm durchzuführen). Letzteres führte dazu, dass viele Fragestellungen, die man ursprünglich radiografisch versuchte zu beantworten, heute sonografisch lösbar geworden sind, so z. B. die hypertrophe Pylorusstenose (HPSt), die ileozökale Invagination mit anfolgender therapeutischer Desinvagination, die Diagnostik des gastroösophagealen (GÖR) oder vesikoureteralen Reflux (VUR), neonatale Hirnblutungen oder Genitalmissbildungen sowie Veränderungen des neonatalen Rückenmarks.
All dies versucht das Buch in kurzer, fast checklistenartiger Struktur zu vermitteln, im Sinne eines kurzen Lehrbuchs mit Nachschlagscharakter. Die Inhalte sind auf ein Basiswissen und fundamentale Allgemeinkenntnisse reduziert („Was alle Radiologen wissen sollten …“) – eine ausführliche Detailbesprechung aller Aspekte ist nicht möglich; dies muss durch Lektüre spezifischer Fachliteratur ergänzt werden. Die hier besprochenen Inhalte sollten aber ein basales, für alle radiologischen Fachärzte notwendiges Wissensspektrum vermitteln und so ein grundlegendes Verständnis kinderspezifischer Erfordernisse an die Bildgebung ermöglichen.
[1] Babyn PS. Teaching Atlas of Pediatric Imaging. Stuttgart, New York: Thieme; 2006
[2] Benz-Bohm G. Kinderradiologie. Stuttgart, New York: Thieme; 2005
[3] Blickmann JG. Pediatric Radiology – the requisites. St. Louis, Philadelphia: Mosby; 1994
[4] Carty H, Brunelle F, Stringer DA, Kao SCS. Imaging Children, vol. 1, 2. 2nd ed. New York: Elsevier; 2005
[5] Ebel KD, Willich E, Richter E. Differentialdiagnostik in der Pädiatrischen Radiologie, Band 1, 2. Stuttgart, New York: Thieme; 1995
[6] Hofmann V, Deeg KH, Hoyer PF. Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie. 3. Aufl. Stuttgart, New York: Thieme; 2005
[7] Schuster W. Kinderradiologie, Band 1, 2. Berlin, Heidelberg: Springer; 1990
[8] Siegel MJ, Coley BD. The core curriculum: pediatric imaging. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins; 2006
[9] Slovis ThL. Caffeyʼs Pediatric Diagnostic Imaging, vol. 1, 2. 11th ed. Philadelphia: Mosby; 2008
[10] Staatz G, Honnef D, Piroth W, Radkow T. Kinderradiologie. Stuttgart, New York: Thieme; 2007
[11] Troeger J, Seidensticker P. Paediatric Imaging Manual. Heidelberg: Springer; 2008
Keywords: Pädiatrie Bildgebung Kindesalter pädiatrisch
Gerald Pärtan
Beeindruckende Leistungsfähigkeit der radiologischen Diagnostik (insbesondere Schnittbildverfahren) → laufend höhere Erwartungen durch Überweiser und Patienten.
auch bei mitunter gegen Null gehender Vortestwahrscheinlichkeiten oft perfekte Diagnostik verlangt – z. B. forensische Absicherung
Allerdings: Radiologische Diagnostik ist nicht frei von Nebenwirkungen:
Wenn wir unseren Patienten optimale statt maximale Diagnostik und Therapie angedeihen lassen wollen, liegt es an uns, Nutzen und Risiko unserer Handlungen zu kennen, abzuwägen und dies Patienten/Angehörigen in verständlicher Weise zu vermitteln.
Wir sind im Sinne des Strahlenschutzes auch gesetzlich zur Umsetzung des ALARA-Prinzips verpflichtet: Strahlendosis einer Untersuchung so niedrig wie vernünftig (unter Beachtung auch sozialer und wirtschaftlicher Faktoren) möglich.
Nulldosis (= Nichtdurchführung gerechtfertigter Untersuchung) kann genauso suboptimal sein wie Untersuchung mit zu geringer Dosis (= Bildqualität reicht für Aussagekraft nicht aus, resultierende Strahlenexposition vergebens) oder wie Untersuchung mit unnötig hoher Dosis.
Diagnostischer Nihilismus ist gerade bei Kindern nicht angebracht – wir sind auch für nicht durchgeführte Untersuchungen eventuell haftbar.
Siehe .
Schema Dosismessungen, Dosiseinheiten.
Abb. 1.1Die blauen Kästchen geben schematisch den Ort der Dosismessung an.
Prinzipiell: Dosis der auf Patienten ausgesendeten Energie der Röntgenquanten.
Prinzipiell: die in Körperorganen empfangene Dosis (Einheit: Sievert, Sv).
Aktuelles Wissen über Strahleneffekte am Menschen nicht nur aus Untersuchungen an japanischen Atombombenopfern, sondern aus Vielzahl von Studien, auch an medizinischen Patienten:
mehr als die Hälfte der in (noch immer andauernden) „Life Span Study“ untersuchten japanischen Atombombenopfer mit relativ geringen, für Anwendungen der diagnostischen Radiologie vergleichbaren Dosen von < 50 mSv bestrahlt
erhöhtes Risiko für SD-Karzinome (SD: Schilddrüse) bei Kindern, welche in 50er- und 60er-Jahren (niedrig dosierte) Strahlentherapie gegen benigne Veränderungen erhielten (z. B. Tinea capitis, Hämangiome bzw. „Thymushyperplasie“/„Status thymolymphaticus“ – heute obsolet)
(oft jugendliche) Skoliosepatientinnen – erhöhtes Risiko für Mammakarzinome („U. S. Scoliosis Cohort Study“) bei 10 – 100 mSv Organdosis des Brustdrüsengewebes, eine durchaus auch bei Thorax-CT-Untersuchungen erreichte Dosis
Tbc-Patientinnen (früher häufige Thorax-DL mit relativ hoher Dosis) – signifikant erhöhtes Mammakarzinomrisiko (diverse Studien)
„Oxford-Studie“ 1956: pränatale Exposition mit relativ geringen Dosen von 10 mSv (z. B. Beckenvermessungen bei Mutter) → bereits im Kindesalter erhöhtes zusätzliches Risiko für Malignomentwicklung, mit Risikofaktor von 6%/Sv (Doll u. Wakeford 1997)
erhöhtes Risiko der „Tschernobyl-Kinder“ – fügt sich ebenfalls in bisherige Erkenntnisse ein, insbesondere für Schilddrüsenkarzinome
Diese und andere Studien belegen/quantifizieren Strahlenrisiko insbesondere für Kinder. Ausständig: Studien unter aktuellster radiologischer Expositionspraxis (insbesondere CT).
Im diagnostischen Dosisbereich relevant: stochastische Strahlenwirkungen (Induktion von Malignomen). Breiter wissenschaftlicher Konsens über folgende Annahmen (auch wenn Evolution der Erkenntnisse um die komplexen Zusammenhänge zwischen strahleninduzierten Zellschädigungen, Reparaturvorgängen und Malignominduktion noch längst nicht abgeschlossen):
Auch für stochastische Strahlenwirkungen besteht lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung, ohne untere Schwellendosis.
Strahlenrisiko ist bei Kindern wesentlich höher als bei Erwachsenen (10 – 15%/Sv Effektivdosis versus 5%/Sv im Bevölkerungsdurchschnitt, 1%/Sv im höheren Alter) ( ).
Strahlenrisiko ist bei pränataler Bestrahlung etwa gleich hoch wie bei Kindern.
Erhöhtes Strahlenrisiko bleibt lange (etwa 20 – 40 Jahre) nach Exposition bestehen.
Einzeldosen akkumulieren (nicht: potenzieren).
Es zeigen sich andere Körperproportionen mit mehr blutbildendem strahlensensiblem Knochenmark in Schädel- und Röhrenknochen (siehe auch Kap. 1.5, ).
Zusätzliches Lebenszeitrisiko einer tödlichen Krebserkrankung
Abb. 1.2(% pro Gray [Gy]) in Abhängigkeit von Alter bei Strahlenexposition und Geschlecht (Frauen: –; Männer: …) nach ICRP 60 [6] (Dose and Dose Rate Effectiveness Factor [DDREF] = 2, d. h. für niedrige Dosiswerte und Dosisleistungen) (nach: Strahlenschutzkommission [SSK]. Bildgebende Diagnostik beim Kind – Strahlenschutz, Rechtfertigung und Effektivität, Empfehlung der Strahlenschutzkommission, verabschiedet in der 208. Sitzung der SSK am 11./12. Juli 2006).
Genaue, individuelle Risikoabschätzungen für bestimmte Patienten und bestimmte Untersuchung aufgrund der Komplexität der Materie nur mit Vorbehalten. Empfindlichkeit für Malignominduktion überdies interindividuell verschieden – deutlich erhöhte Strahlenempfindlichkeit mancher Menschen (≤ 10%), genetisch bedingt (ICRP 1999).
Tab. 1.1
Typische Effektivdosen radiologischer Untersuchungen im Vergleich zu natürlicher Strahlenexposition (nach ÖRG et al. 2006).
Untersuchungsart
Effektivdosis (mSv)
Entspricht n p.–a.Thoraxröntgen
Entspricht Umgebungsstrahlung
Großbritannien1
Österreich2
Brasilien3
Umgebungsstrahlung pro Jahr
2,2
mSv/a
4,0
mSv/a
87,0
mSv/a
Umgebungsstrahlung pro Tag
0,006
mSv/d
0,0
mSv/d
0,2
mSv/d
periphere Extremitäten
0,01
< 0,5
< 1,5
Tage
0,9
Tage
0,0
Tage
Thoraxorgane p.–a.
0,02
1
3
Tage
1,8
Tage
0,1
Tage
Thoraxorgane lateral
0,04
2
6
Tage
3,7
Tage
0,2
Tage
Schädel (2 Ebenen)
0,07
3,5
11
Tage
6,4
Tage
0,3
Tage
BWS (2 Ebenen)
0,7
35
4
Monate
2,1
Monate
2,9
Tage
LWS (3 Aufnahmen)
1,3
65
7
Monate
4,0
Monate
5,5
Tage
Becken a.–p.
0,7
35
4
Monate
2,1
Monate
2,9
Tage
Abdomen a.–p.
1
50
6
Monate
3,0
Monate
4,2
Tage
IVU (6 Aufnahmen)
2,5
125
14
Monate
7,6
Monate
10,5
Tage
Schluckakt (24 Spotaufnahmen, 106′′ DL)
1,5
75
8
Monate
4,6
Monate
6,3
Tage
Bariumpassage (4 Spotaufnahmen, 78′′ DL)
3
150
16
Monate
9,1
Monate
12,6
Tage
Bariumirrigoskopie (10 Spotaufnahmen, 137′′ DL)
7
350
3,2
Jahre
1,8
Jahre
29,4
Tage
CT Schädel
2,3
115
1
Jahre
7,0
Monate
9,6
Tage
CT Thorax
8
400
3,6
Jahre
2,0
Jahre
1,1
Monate
CT Abd./Becken
10
500
4,5
Jahre
2,5
Jahre
1,4
Monate
Lungenperfusionsszintigramm
1
3,0
Monate
4,2
Tage
Nierenszintigramm
1
3,0
Monate
4,2
Tage
Schilddrüsenszintigramm
1
3,0
Monate
4,2
Tage
Knochenszintigramm
4
1,0
Jahre
16,8
Tage
Myokardszintigramm
6
1,5
Jahre
25,2
Tage
PET (F-18FDG)
5
1,3
Jahre
21,0
Tage
1Hintergrundstrahlung durchschnittlich 2,2 mSv/a; regional unterschiedlich zwischen 1,5 und 7,5 mSv/a
2Hintergrundstrahlung durchschnittlich 4 mSv/a; regional unterschiedlich 2 – 6 mSv/a
3Hintergrundstrahlung an der Atlantikküste bis zu 87 mSv/a
IVU: intravenöse Urografie; FDG: Fluordesoxyglukose
Für alltägliche Risikoabschätzung weniger bedeutend (gering/noch inkompletter Wissensstand):
Nicht letale Malignominduktion: geht mit ca. ⅕ der letalen Karzinome in das für die Erstellung der Gewebewichtungsfaktoren berücksichtigte „Gesamtdetriment“ ein
Genetische Effekte: wurden mit ICRP 103 in Bedeutung zurückgestuft; ca. 10% des Malignomrisikos, d. i. 0,3 – 0,5%/Sv in erster, 0,5 – 0,9% in zweiter Generation (UNSCEAR 2001) bzw. 0,4 – 0,6% der natürlichen Erbkrankheitsrate
Genomische Instabilität: über Generationen vermehrte Chromosomenaberrationen in Tochterzellen bestrahlter Zellen
„Bystander“-Effekt: Weitergabe von Destruktionsprozessen von bestrahlten an unbestrahlte Zellen
„Klastogene Faktoren“: Chromosomenaberrationen in nicht exponierten Zellen durch bestrahltes Plasma
bei einigen dieser Effekte spontanes Auftreten oder Verursachung durch andere (z. B. chemische) Noxen ebenso möglich
Warum ist Strahlenschutz bei Kindern noch wichtiger als beim Erwachsenen?
Weil Kinder
ein wesentlich höheres Risiko der Malignominduktion pro Strahlendosis haben,
mehr Lebenszeit vor sich haben, um Malignome zu entwickeln,
mehr Lebenszeit vor sich haben, um eine Kumulation vieler Röntgenuntersuchungen zu erfahren,
auch als potenzielle zukünftige Eltern zu betrachten sind, welche die (im Vergleich zum Karzinomrisiko aber deutlich geringeren) genetischen Effekte der Strahlenexposition weitergeben,
aufgrund ihrer Körperproportionen und Gewebeverteilung bei bestimmten Untersuchungen mehr strahlensensibles Gewebe exponiert bekommen als Erwachsene,
aufgrund ihrer Kleinheit und eingeschränkten Kooperationsfähigkeit höhere Ansprüche an eine sorgfältige Untersuchungstechnik stellen.
Stochastische Strahlenwirkungen auf das Ungeborene: hauptsächlich Risiko der Malignominduktion (10 – 15%/Sv, 6% Zusatzrisiko für Malignomentwicklung bereits in der Kindheit, siehe Kap. 1.2.3.1), geringes Risiko für Erbkrankheiten
Deterministische Strahlenwirkungen, welche unterhalb einer Schwellendosis von 100 – 300 mSv nicht auftreten: Induktion von Missbildungen inklusive Reifungsstörung des ZNS mit schwerer geistiger Retardierung ( )
Schwellendosis für deterministische Strahlenwirkungen am Ungeborenen (ausgedrückt durch Organdosis des Uterus) wird durch eine einzelne diagnostische Röntgenuntersuchung normalerweise nicht erreicht:
Peripheres Skelett, Thorax (letzteres auch bei CT): ≤ 1 mSv („Trivialitätsschwelle“)
Abdomenradiografie: 0,5 – 10 mSv pro Aufnahme
DL-Untersuchungen mit 10 bis max. 40 mSv/min
Abdomen-/Becken-CT: 15 – 35 mSv
Tab. 1.2
Biologische Effekte pränataler Röntgenstrahlenexposition (nach DGMP 2002, ergänzt nach ICRP 2007).
Effekt
Zeit nach Konzeption
Unterer Schwellenwert (mSv Uterusdosis)
Risikokoeffizient (% pro mSv Uterusdosis)
Tod während Präimplantationsphase
bis 10 Tage
100
0,1 (oberhalb Schwellenwert)
Missbildungen
10 Tage bis 8. Woche
100
0,05 (oberhalb Schwellenwert)
schwere geistige Retardierung
8. bis 15. Woche
300
0,04 (oberhalb Schwellenwert)
16. bis 25. Woche
300
0,01 (oberhalb Schwellenwert)
IQ-Reduktion (Intelligenztest)
8. bis 15. Woche
wahrscheinlich
0,03
16. bis 25. Woche
100
0,01
maligne Erkrankungen
gesamte Schwangerschaft
0 (stochastische Strahlenwirkung)
0,006
vererbbare Defekte
gesamte Schwangerschaft
0 (stochastische Strahlenwirkung)
0,0003 ♂, 0,0001 ♀
Cave: Dosiserhöhung bei übergewichtigen Patientinnen!
Schwangerschaft keine absolute Kontraindikation für Röntgenuntersuchungen – verlangt aber strengste Nutzen-Risiko-Abwägung. Spricht diese gegen Verschiebung der Untersuchung oder gegen Ausweichen auf MRT/US, muss sie unter allen erdenklichen Möglichkeiten von Dosisoptimierung und Strahlenschutz sowie detailliertester Aufzeichnung aller dosisrelevanten Untersuchungsparameter durchgeführt werden.
Gesetzlich vorgeschrieben: Alle Patientinnen im gebärfähigen Alter müssen vor Röntgenuntersuchung befragt werden, ob sie schwanger sein könnten; dies ist zu dokumentieren. Gebärfähiges Alter beginnt mit 12. Lebensjahr – betrifft also auch viele kinderradiologische Patientinnen (besonderes Einfühlungsvermögen!). Befragung ist gesetzeskonform auch an nicht ärztliche Fachkräfte delegierbar.
Untersuchungen mit voraussichtlicher Uterusdosis unterhalb Trivialitätsschwelle (1 mSv) sind vergleichsweise unkritisch.
Bei allen anderen Röntgenuntersuchungen: Bei geringsten Zweifeln (Zyklus nicht stabil, Sprachprobleme, Zweifel an Geschäftsfähigkeit der Patientin) ist Schwangerschaftstest durchzuführen (bis 7 Tage nach ausgebliebener Periode geringere Sensitivität!).
Bei vitaler Indikation (z. B. Polytrauma – CT) hat das Wohl der (potenziellen) Mutter Vorrang – keine Verzögerung durch Klärung des Schwangerschaftsstatus.
Grundsätzlich erhöhte Vorsicht nicht nur bei Anwendung ionisierender Strahlen, sondern auch bei MRT und bei KM-Applikationen (KM: Kontrastmittel) aller Art während Schwangerschaft. Derzeit keine Schäden durch MRT nachgewiesen – dennoch zweckmäßig, MRT-Indikation im 1. Trimenon besonders eng stellen. KM-Gaben aller Art sind während gesamter Schwangerschaft nach Möglichkeit zu vermeiden.
Falls sich nach einer Strahlenexposition herausstellt, dass Schwangerschaft bereits bestanden hat, nach Dreistufenkonzept der Deutschen Gesellschaft für Medizinphysik (DGMP 2002) vorgehen:
Die meisten der genannten Maßnahmen durch nationale Strahlenschutzgesetzgebung in EU und Schweiz konkret vorgeschrieben – nicht nur im Sinne guter medizinischer Praxis. Die wichtigen diesbezüglichen Vorschriften finden sich im jeweiligen nationalen Strahlenschutzgesetz, detailliertere Vorschriften in zugehörigen Verordnungen (D, CH: Röntgenverordnung; Ö: Medizinische Strahlenschutzverordnung). Grundprinzipien sind dabei Rechtfertigung, Verantwortung und Optimierung.
Rechtfertigung: Strahlenexpositionen müssen doppelt – im Allgemeinen sowie für Einzelfall im Voraus – gerechtfertigt sein. Dazu wurden unterstützend von verschiedenen nationalen und internationalen Fachgesellschaften Überweisungskriterien herausgegeben. In Deutschland und Österreich = „Orientierungshilfe Radiologie“. Berücksichtigung ist gesetzlich vorgeschrieben.
Verantwortung: Für Rechtfertigung von medizinischen Expositionen ist sowohl überweisende Person als auch anwendende Fachkraft verantwortlich. Beide sind dafür verantwortlich, dass zwecks Vermeidung unnötiger Expositionen relevante Informationen aus radiologischen Voruntersuchungen sowie aus Krankengeschichte berücksichtigt und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Verantwortung für Durchführung der Untersuchung liegt bei anwendender Fachkraft (Radiologe, im Rahmen der Delegation auch MTRA, RT etc.).
Rechtfertigende Indikation: In Deutschland sind Rechtfertigung und Verantwortung durch Vorschrift der rechtfertigenden Indikation besonders streng geregelt. Röntgenuntersuchungen dürfen nur angewendet werden, wenn Ärzte mit Fachkunde im Strahlenschutz (wenn lediglich mit Kenntnissen im Strahlenschutz, dann unter ständiger Aufsicht von Ärzten mit Strahlenschutzfachkunde) dafür die rechtfertigende Indikation gestellt haben, d. h. festgestellt haben, dass gesundheitlicher Nutzen gegenüber Strahlenrisiko überwiegt. Selbst wenn überweisender Arzt fachkundig ist, bleibt durchführender Arzt zur eigenen Feststellung der „rechtfertigenden Indikation“ verpflichtet. Der Radiologe entscheidet somit, ob erbetene Untersuchung mit ionisierenden Strahlen sinnvoll oder z. B. durch anderes Verfahren ohne ionisierende Strahlen ersetzbar ist.
Optimierung: Gesetzlich ist besondere Berücksichtigung von Kindern explizit bei Verpflichtung zu Qualitätssicherungs- und Qualitätskontrollprogrammen (u. a. Konstanzprüfung), bei vorgeschriebener Verwendung geeigneter Geräte, Zusatzausrüstungen und konkreter Strahlenschutzmaßnahmen erwähnt.
Vorgeschrieben ist Aufzeichnung von Patientendosen bzw. der zu deren Berechnung erforderlichen Untersuchungsparameter (Nuklearmedizin: verabreichte Aktivitäten) sowie deren Bewertung und Optimierung in Relation zu diagnostischen Referenzdosiswerten (pädiatrische Referenzwerte für Radiografie und DL siehe Kap. 1.3, für CT Kap. 1.5).
Für Strahlenexpositionen von Kindern ist geeignete Ausbildung erforderlich.
Halten von Patienten oder Aufnahmematerial: vorrangig nicht beruflich strahlenexponierte Begleitpersonen heranziehen. Diese – gesetzlich als „helfende Personen“ definiert – haben, wenn möglich, Haltevorrichtungen zu verwenden, sind durch geeignete Maßnahmen zu schützen und über Strahlenrisiken zu unterrichten.
In Deutschland kann auf Wunsch des Patienten (oder Sorgeberechtigten) ein Röntgenpass ausgestellt werden. Darin werden Expositionsparameter bzw. Expositionsdosis (nicht jedoch zwingend Organ- oder Effektivdosis bzw. deren Berechnung) eingetragen.
Kranke Kinder und deren Angehörige sind oft hohem Stressniveau ausgesetzt – deshalb „schwieriger“ im Umgang. Nicht nur Krankenhausumgebung für Kinder furchterregend, auch übertragen Eltern ungewollt Sorgen und Ängste auf Kinder. Ohne diesbezügliches Verständnis, Empathie, Geduld, professionelles Verhalten und geschickte Kommunikation keine Kindermedizin möglich.
Kooperationsfähigkeit von Kindern stark förderbar durch kindgerechte Gestaltung von Warte- und Untersuchungsräumen mit Ablenkungsmaßnahmen während Untersuchung (altersgerechte Spielmaterialien, Bücher, audiovisuelle Medien – z. B. Videoprojektion in MR- oder CT-Gantry, Videobrillen, Kopfhörer) – damit signifikante Reduktion der Sedierungsrate für MRT nachgewiesen (Donnelly 2005).
Kommunikation mit Kindern muss altersangepasst erfolgen. Bis ca. zum 6. Lebensjahr Einsichts- und Kooperationsfähigkeit durch einfühlsames Vorgehen mitunter, aber nicht konstant verbesserbar. Dann/sonst möglichst rasche und schmerzarme Durchführung der Untersuchung (z. B. anästhesierende Hautcremes vor Venenpunktion!).
Die unangenehmsten diagnostischen und therapeutischen Eingriffe möglichst am Ende der Maßnahmenkette terminisieren.
Bei kurzen Untersuchungen für Neugeborene (NG) feste Fixation mitunter sogar angenehm, für Kleinkinder und Angehörige noch tolerabel. Durchführung länger dauernder, invasiverer Untersuchung (z. B. Miktionszystourethrografie, MCU) oft bereits im Kleinkindalter gegen Willen des Kindes physisch und psychisch problematischer → Sedierung erwägen.
Gemeinsame Verantwortlichkeit von Zuweisern und Radiologen gesetzlich festgelegt – soll von Untersuchungsplanung bis zur Befundübermittlung umgesetzt werden. Auch im Zeitalter elektronischer Datenübermittlung persönliche Kommunikation oft die wertvollste Kommunikationsquelle und sicherste „Rückfallebene“.
Welche konkrete Frage ist durch Untersuchung zu beantworten?
Welche konkreten therapeutischen Entscheidungen basieren auf Untersuchung?
Welche Voruntersuchungen wurden eventuell anderswo durchgeführt? Wie sind Bilder oder schriftliche Befunde zugänglich?
Wichtige therapierelevante Befunde müssen prompt so übermittelt werden, dass ihre Ankunft bei jeweils klinisch verantwortlichen Kollegen nachweislich sichergestellt ist.
Interdisziplinäre regelmäßige Bildvisiten sind (auch in Kinderradiologie) Standard, ohne den regelrechte klinische Tätigkeit sowie Ausbildung und Lehre nicht möglich sind.
[12] Brenner D, Elliston C, Hall E et al. Estimated risks of radiation-induced fatal cancer from pediatric CT. Am J Roentgenol 2001; 176(2): 289 – 96
[13] Deutsche Röntgengesellschaft, Gesellschaft für Medizinische Radiologie e.V. DGMP-Bericht Nr. 7: Pränatale Strahlenexposition aus medizinischer Indikation. Dosisermittlung, Folgerungen für Arzt und Schwangere (überarb. Neuauflage 2002). Im Internet: http://www.dgmp.de/Page_Papiere/Bericht7_Neuauflage2002.pdf; Stand: 25. 10. 2009
[14] Doll R, Wakeford R. Risk of childhood cancer from fetal irradiation. Br J Radiol 1997; 70: 130 – 9
[15] Donnelly LF. Introduction to Pediatrics – Pediatric Imaging. In: Donnelly LF, ed. Diagnostic Imaging Pediatrics. Amirsys 2005
[16] ICRP. Publication 79: Genetic susceptibility to cancer. Ann ICRP 1998; 28: 1 – 157
[17] ICRP. Publication 103: Recommendations of the International Commission on Radiological Protection. Ann ICRP 2007; 37: 2 – 4; Im Internet, englische Kurzfassung: http://www.icrp.org/; Stand: 25. 10. 2009
[18] ÖRG, VBDO, VMSÖ, BURA. Orientierungshilfe Radiologie: Anleitung zum optimalen Einsatz der klinischen Radiologie. 3. Aufl. 2006. Im Internet: http://orientierungshilfe.vbdo.at; Stand: 12. 11. 2009
[19] Stamm G, Nagel HD. CT-Expo – ein neuartiges Programm zur Dosisevaluierung in der CT. Fortschr Röntgenstr 2002; 174: 1570 – 1576
[20] Strahlenschutzkommission (SSK). Bildgebende Diagnostik beim Kind – Strahlenschutz, Rechtfertigung und Effektivität. Empfehlungen der Strahlenschutzkommission, verabschiedet in 208. Sitzung der SSK (11./12. Juli 2006). Im Internet: http://www.ssk.de/werke/volltext/2006/ssk0608.pdf; Stand: 25. 10. 2009
[21] Tapiovaara M, Lakkisto M, Servomaa A. PCXMC: A PC-based Monte Carlo program for calculating patient doses in medical x-ray examinations. Report STUK-A139. Helsinki: Finnish Centre for Radiation and Nuclear Safety; 1997. Im Internet: http://www.stuk.fi/sateilyn_kaytto/ohjelmat/PCXMC/en_GB/pcxmc/; Stand: 25. 10. 2009
[22] Thomas KE, Parnell-Parmley JE, Haidar S et al. Assessment of radiation dose awareness among pediatricians. Pediatr Radiol 2006; 36(8): 823 – 32
Keywords: Pädiatrie Bildgebung Kindesalter pädiatrisch
Gerald Pärtan
Hochleistungsröhren zur Gewährleistung kürzester Expositionszeiten (< 5 ms) erforderlich (schnellere Atemfrequenz, Unruhe von kleinen Kindern). Aufgrund höherem Wassergehalt und meist weniger Fett ist radiografischer Kontrast bei Kindern grundsätzlich schlechter als bei Erwachsenen.
Qualitätskriterien der Deutschen Bundesärztekammer verlangen für alle radiografischen Aufnahmen Film-Folien-Systeme mit einer Empfindlichkeitsklasse von zumindest 400 (Bildempfängerdosis: 2,5 µGy); am Körperstamm besser 800 oder höher (Bildempfängerdosis: 1,25 µGy) (Bundesärztekammer 2008).
Helligkeit und Kontrast – wie bei allen digitalen Bildsystemen dosisunabhängig! Wichtigster Bildqualitätsparameter ist das Bildrauschen, welches mit ansteigender Dosis (relativ zum Bildsignal) geringer wird, mit Gefahr unbemerkten Dosisanstiegs („Exposure Creep“) (Warren-Forward 2007).
Das Bildrauschen wird quantifiziert als Signal-Rausch-Verhältnis (SRV). Detektoren mit hoher Effizienz in Umsetzung von Röntgenquanten in Bildsignal (Quanteneffizienz, engl. Detective Quantum Efficiency, DQE) haben besseres SRV und niedrigeren Dosisbedarf.
SRV bewegt sich mit Wurzel der Bildempfängerdosis. Für halbiertes Bildrauschen ist eine Vervierfachung der Dosis notwendig! Umgekehrt erhöht sich das Rauschen bei halbierter Dosis nur um ein Viertel. Deshalb: Bildrauschen in diagnostisch vertretbarem Ausmaß akzeptieren.
Ältere, „konventionelle“ Systeme mit amorpher Lumineszenzschicht, einseitiger Auslesung: SRV – insbesondere beim FG-Thorax (FG: Frühgeborenes) oder am peripheren Skelett – liegt an unterer Grenze des Vertretbaren, zumindest bei gleicher Aufnahmedosis wie Film-Folien-Radiografie.
Neue Systeme mit doppelseitig ausgelesenen Speicherfolien oder Nadelkristallbeschichtung statt amorpher Lumineszenzsubstanz bringen höhere DQE und Bildqualität (nahe Festkörperdetektoren).
Bei vielen Systemen ist Detailauflösung vom Kassettenformat abhängig. Bildmatrix von ca. 2000 × 2000 (eventuell bis 4000 × 4000) Pixeln wird über vorhandene Kassettenfläche verteilt, Pixelgröße entsprechend variiert → einzelne Körperabschnitte (z. B. Unterarm, Hand) mit kleinsten (18 × 24er-)Kassetten einzeln exponieren.
Digitale Direktradiografie (DR) weist höhere DQE gegenüber Film-Folien-Systemen und digitalen Speicherfolien auf. Dadurch ist entweder bei gleicher Bildqualität Dosisreduktion oder höhere Bildqualität bei gleicher Dosis möglich (Schaefer-Prokop et al 2008).
Höhere DQE gleicht wahrscheinlich limitierte Detailauflösung (Pixelgröße 143 µm bzw. 3,6 Lp/mm) der für Kinderradiologie erhältlichen Systeme aus.
Zunehmend neben fix installierten (Bucky-Tisch, Rasterwandstativ) auch Systeme für mobile Anwendungen verfügbar, bisher meist mit Kabel und Bildübertragung, seit Neuestem auch kabellose Mobilsysteme.
Bildverstärkerfernsehkette (mit konventionellem oder digitalem Bildempfängersystem) oder digitalem Festkörperdetektor. Je nach Röhrenposition
Untertischsystem (Vorteil: Streustrahlung gut abschirmbar; Nachteil: Röhren-Patient-Abstand limitiert)
Obertischsystem (Vorteil: Röhre weit ausfahrbar; Nachteil: Streustrahlung kaum abschirmbar)
Bei C-Bogensystemen Abstand Patient zu Bildempfänger möglichst gering, Patient zu Röhre möglichst groß wählen.
Bildempfänger mit Bildverstärker (BV) besitzen zylindrisches Format. Geometrische Bildverzerrungen insbesondere in Randbereichen unvermeidbar. Vergrößerungs- bzw. Zoomstufen durch Anwahl kleinerer BV-Durchmesser einstellbar. Dabei erhöht sich Dosisbedarf → nach Möglichkeit nicht zoomen, auch wenn Kleinheit der Patienten dazu verleitet.
Keine geometrische Bildverzerrung. Keine Dosiserhöhung bei Zoomfunktion. Wesentlich schärfere Bildkonturen als bei BV-Technik, wodurch oft Bildqualität des gespeicherten DL-Bildes zur dosissparenden Dokumentation ausreicht und sich Anfertigung von zusätzlichen Radiografien (Ziel- bzw. Spotaufnahmen) erübrigt.
Lineares Bildsignalverhalten digitaler Systeme über sehr weite Dosisbereiche: Aufbereitung des Rohbilds für Darstellung an Monitoren/Hardcopys und für Perzeption durch menschlichen Sehapparat notwendig. Ziel: gleichzeitige Darstellung aller relevanten Bildbereiche ohne „Nachfenstern“.
Grundsätzlich versuchen alle Systeme, diagnostisch irrrelevante Bereiche (umgebende Luft, Metallimplantate, ausgeblendete Areale) der weiten unterschiedlichen Dosisverteilung auf Bildempfänger auszuscheiden; dann optimale Kontrast- und Helligkeitswerte diagnostisch relevanten Bildbereichen (Knochen, Weichteile) zuordnen.
Kontrast wird in Bildbereichen mit starken Hell-Dunkel-Unterschieden verringert, in Bildregionen mit geringen Helligkeitsunterschieden verstärkt („harmonisiert“).
Bildkonturen werden mittels Kantenanhebung hervorgehoben. Zu starke bzw. undifferenzierte Kantenanhebung maskiert unscharf begrenzte Strukturen, verstärkt Bildrauschen.
Modernes Multifrequenzprozessing zerlegt Bilder in unterschiedliche Ortsfrequenzspektren (= Detailgrößenspektren), welche individuell in unterschiedlichem, optimiertem Ausmaß kontrastverstärkt werden.
Nochmalige Kontrast-/Helligkeitsoptimierung dient einheitlichem Bildeindruck auf verschiedenen Darstellungsmedien sowie Anpassung an nicht lineares Verhalten des menschlichen Sehapparats.
Kenntnis von Art und Lokalisation dieser Verarbeitungsstufen innerhalb der Bildgebungskette ist wichtig, um bei Fehlern auf richtiger Ebene eingreifen zu können und unnötige, nur aufgrund korrigierbarer Bildfehler durchgeführte Aufnahmewiederholungen zu vermeiden.
Benötigen regelmäßige Qualitätsprüfungen, insbesondere für gleichmäßige Ausleuchtung. Ausgeblendete helle Bildanteile zur Blendungsvermeidung abdecken.
Kathodenstrahltechnik mittlerweile von Flachbildschirmen abgelöst; auch diese benötigen Konstanzprüfung entsprechend gesetzlichen Bestimmungen/technischen Normen (DIN, ÖNORM); direkte Beleuchtung der Monitore durch andere Lichtquellen vermeiden
Primärdiagnostik nur mit dafür zugelassenen Monitoren, für (pädiatrische) Radiografie höchste Leistungsklasse (eventuell Schwarz-Weiß-Monitore) erforderlich
Wichtig bei Monitorbefundung:
Zoom-/Vergrößerungsfunktionen: Viele Monitore haben kleinere Pixelmatrix als die darauf dargestellten Radiografien, sodass ohne Ausschnittvergrößerung ein verkleinertes Bild dargestellt wird und Details der Visualisierung entgehen können. Bei Monitoren mit dichter Bildmatrix – jedoch Standardformat – werden Pixel bzw. Bilddetails mitunter so klein, dass Zoom-/Ausschnittvergrößerung verwendet werden muss (vergleiche Lupe bei Film-Folien-Radiografie).
Kontrastreiche Bilddarstellung: Bei suboptimalen Einstellungen von Vor- und Nachverarbeitung werden Bilder oft kontrastarm dargestellt → kann zum Übersehen pathologischer Veränderungen (z. B. retrodiaphragmale Infiltrate) führen → manuelles „Herausfenstern“ ist nötig, Übung mit entsprechenden Computerwerkzeugen notwendig.
Beachtung der Weichteilstrukturen: Konzentration der Bildqualität nur auf Skelettstrukturen führt – unter Missachtung der inhärenten Vorteile digitaler Systeme – zum Übersehen von Schlüsselsymptomen (z. B. entzündliche/traumatische Weichteilschwellung).
Wie auch in Kap. 1.2 ausgeführt: erste Stufe zur Dosisoptimierung = korrekte Indikationsstellung von Röntgenuntersuchungen ( , siehe auch deutsche und österreichische „Orientierungshilfe Radiologie“ – SSK 2006/http://orientierungshilfe.vbdo.at).
Vor Einschalten der Röntgenstrahlung müssen alle Vorbereitungen abgeschlossen, die „Hausaufgaben“ gemacht, das Röntgengerät „Ready for Take-off“ sein!
Grundlage für entsprechende Checklisten in Deutschland und Österreich sind vorgeschriebene Arbeitsanweisungen (Standard Operating Procedures, SOP) (Bundesministerium 2007, Loose 2008).
Nicht trivial sind richtige Patientenidentifikation sowie richtige Seitenmarkierungen; letztere mitröntgenisieren und nicht nachträglich (fehleranfälliger) digital ins Bild manipulieren.
Nachträgliche Einfügungen ins Bild beeinflussen die digitalen Bildoptimierungs- und -nachbearbeitungsalgorithmen.
grundsätzlich p.–a. dem a.–p. Strahlengang vorziehen, da so Strahlenbelastung biologisch relevanter strahlensensibler Gewebe an Körpervorderseite (Schilddrüse, Mamma) um das 3- bis 5-Fache reduziert; kann bei Aufnahmen auf Intensivstation oder bei kleinen Kindern/Säuglingen nicht umsetzbar sein
im Normalfall Eltern/Angehörige bei Untersuchung anwesend (ausgenommen Untersuchungen in Anästhesie, interventionelle Eingriffe); Aufklärung über Strahlenrisiko
wenn nicht kontraindiziert, Kinder gut hydriert und satt zur Untersuchung bringen
Schnuller (so verwendet), Trinkflasche, Lieblingskuscheltiere/Spielzeug
Installation einer Fernseh- bzw. Videoabspielanlage
nach Möglichkeit weiche Lagerung; insbesondere bei FG und NG Auskühlen vermeiden → Wärmestrahler bei längeren Untersuchungen
Unterweisung von Patient bzw. helfenden Personen (Atemkommandos, Lagewechsel üben, Besuch in DL-Raum usw.)
Patientenfixation, wenn nötig (von FG und NG oft eingeengte Lage in Erinnerung an intrauterine Verhältnisse physiologisch empfunden)
medizinisches Personal in weißer Kleidung für viele Kinder angstbesetzt; manche Kinder brauchen Zeit, um Vertrauen zu schöpfen, deshalb einfühlsam und nicht abrupt auf sie zugehen; andere Kinder durch humoristische Einlagen gut ablenkbar
Keinesfalls im Bereich der Expositionsmessfelder positionieren (siehe auch unten) und korrekt repositionieren, wenn Lage des Kindes geändert wird. Gonaden-, Schilddrüsenschutz.
Einblendung mittels Lichtvisier, möglichst nicht DL-gezielt. Einblendungsränder (Kollimation) des Röntgenstrahls müssen auf Aufnahme sichtbar sein (nicht nachträglich digital „hineingeschnitzt“).
Bei kleinen Kindern relativ starke Auswirkung minimaler Änderung von Blendenstellung und Patientenposition → unerwünschte Bestrahlung von Strukturen außerhalb des Untersuchungsfelds (z. B. Schilddrüse, Röhrenknochen beim Thorax). Gute Patientenfixation beugt „prophylaktisch“ weiter Aufblendung vor.
Geringere Streustrahlung bei kleineren Kindern reduziert Nutzen des Streustrahlenrasters, trotzdem (für gleiche Bildempfängerdosis wie ohne Raster) 2- bis 6-fache Erhöhung der Expositionsdosis. Gesetzlich bei kinderradiologischen Röntgen- und DL-Geräten (elektro)mechanisch entfernbares Streustrahlenraster gefordert (Verwendung etwa ab 10. Lebensjahr, für Untersuchungen am Körperstamm).
Entfernt weiche, im Körper des Patienten absorbierte, nicht zur Bildgebung beitragende Anteile des Röntgenstrahlspektrums.
Bei Untersuchungen am Körperstamm: Zusätzlich zur Eigenfilterung der Röntgenröhre (2 mm Aluminium) ist Zusatzfilterung von zumindest 0,1 mm Cu (oder Äquivalent) vorgeschrieben.
Bei DL-Untersuchungen des Gastrointestinal- (GI) und Urogenitaltrakts ist ohne merkbaren Bildqualitätsverlust Erhöhung auf 0,2 – 0,3 mm Cu möglich.
Für Aufnahmen am peripheren Skelett keine Zusatzfilterung verwenden, da der verringerte Strahlenkontrast zu merkbarer Verschlechterung der Bildqualität führen würde.
Bei digitaler Röntgentechnik in Diskussion – anders als bei Film-Folien-Radiografie ist Hartstrahltechnik zur besseren Darstellung mediastinaler Strukturen nicht nötig. Auch bedeutet die durch kV-Erhöhung (bei gleichbleibender Bildempfängerdosis mit gleichzeitiger mAs-Reduktion) reduzierte Oberflächeneintritts- bzw. Hautdosis nicht unbedingt auch reduzierte Organ-/Effektivdosen im gesamten Körperquerschnitt – aufgrund höherer biologischer Wirksamkeit härterer Strahlung eventuell sogar effektiv eine Erhöhung dieser Dosen. Auch den Spannungsgang (unterschiedliche Empfindlichkeit mit wechselnder Strahlenqualität) der digitalen Bildempfängermedien berücksichtigen. Vielfach Optimum im mittleren Härtenbereich (ca. 80 kV) beschrieben (vergleiche z. B. für Pulmonalarterien-CT und pädiatrische CT-Untersuchungen: 80 – 100 gegenüber früher 120 – 140 kV empfohlen) → wahrscheinlich Kombination relativ niedriger kV mit (an Rumpf, Schädel, Femur, Humerus) relativ starker Zusatzfilterung empfehlenswert. Dabei müssen Expositionszeiten trotzdem kurz bleiben, um besseres Bildqualitäts-Dosis-Verhältnis nicht durch Bewegungsunschärfe zu erkaufen (Schaefer-Prokop et al. 2008, Schneider 2005, Schneider 2006, Uffmann et al. 2008).
DL-Kennlinie und Bildempfänger-Dosisstufe (bei DL) bzw. mAs und „Schwärzungskorrektur“ bei Radiografie. DL: ≤ 0,2 µGy/s, Zielaufnahme/Radiografie: ≤ 2,5 µGy/Aufnahme Bildempfängerdosis (Bundesärztekammer 2008).
Bei Aufnahmen mit automatischer Expositionsregelung Messkammer so wählen, dass in relevanten Bildregionen gemessen wird (also weder Luft neben Patient, noch Bleischutz, KM-Ansammlungen oder Metallimplantate). Bei DL-Untersuchungen meist per Tastendruck „Einfrieren“ der automatischen Expositionsregelung möglich (z. B. zwischen Leeraufnahme und KM-Einlauf bei Irrigoskopie oder MCU).
Halbierung der DL-Bildfrequenz halbiert Einfalldosis (− 50% bei 15 Pulsen/s gegenüber kontinuierlicher DL, − 75% bei 7,5 Pulsen/s etc.).
Digitale DL verführt zu Anfertigung zahlreicher Einzelaufnahmen in kürzester Zeit. Wenn möglich, statt Einzelserienaufnahmen nur DL-Sequenzen speichern, bei angiografischen/kardiologischen Untersuchungen Bildfrequenz und Serienzahl begrenzen.
Bei moderneren DL-Anlagen. Trägt zu DL-Zeitreduktion bei. Eventuell neuerliche Anwahl nach Änderung von Einstellungen während Untersuchung nötig.
Bei BV-Technik üblicherweise mehrere Zoomstufen, d. h. mehrere BV-Eingangsformate anwählbar. Je kleiner BV-Eingangsformat bzw. je höher Zoomstufe, desto besser Detailauflösung, aber auch Dosisbedarf (gilt nicht für digitale Festkörperdetektorsysteme).
DL zur Abspeicherung des DL-Bildes: bei begrenzten Bildqualitätsanforderungen (z. B. Monokontrastuntersuchungen am GI-Trakt, MCU-Einlaufphase) – Bilddokumentation statt mit exponierten Zielaufnahmen („Spotaufnahmen“) mit Abspeicherung des DL-Bildes (Last Image Hold); dafür DL-Taste mit geübter Feinmotorik nur so lange (Sekundenbruchteile) betätigen, wie System für Aufbau eines dokumentierbaren DL-Bildes benötigt
Patientenpositionierung für radiografische, DL-gezielte Aufnahmen: standardisierbare radiografische Projektionen grundsätzlich mit Lichtvisier, ohne DL einstellen; in Ausnahmefällen (z. B. Doppelkontrastuntersuchungen GI-Trakt) DL-Zeiten von wenigen Sekunden
Intermittierende oder kontinuierliche Überwachung/Dokumentation von KM-Einläufen, Katheterpositionierungen: z. B. Videoschluckakt, Beobachtung des KM-Transports durch GI-Trakt, rektale KM-Einläufe sowie Überwachung der Katheterpositionierung bei Angiografie bzw. interventionell radiologischen Eingriffen; DL-Zeiten von unter einer/einigen wenigen Minuten anstreben; technische Vorkehrungen zur Strahlendosisreduktion besonders wichtig
Zusätzlich zur regelmäßigen Konstanzprüfung der gesamten Bildgebungskette:
misslungene Aufnahmen nicht löschen oder wegwerfen – müssen gesammelt und regelmäßig einer Bildausschussanalyse unterzogen werden
abgesehen von Patientendosis (siehe Kap. 1.3) auf richtige Bildempfängerdosis achten; Anhaltspunkt neben Bildrauschen auch (herstellerspezifische) Dosisindikatoren; sollten auf jeder Aufnahme (Monitor oder Hardcopy) dargestellt und beurteilt werden ( )
Tab. 1.4
Firmenspezifische Dosisindikatoren im Vergleich (nach Uffmann 2008).
Bildempfängerdosis (µGy)
IEC-Normungsvorschlag
EXI (Siemens)
EI (Philips)
S (Fuji)
EI (Kodak/Carestream)
logM (Agfa)
1,25
125
190
800
1600
1100
1,6
2,5
250
380
400
800
1400
1,9
5
500
760
200
400
1700
2,2
10
1000
1520
100
200
2000
2,5
Anmerkung
linear
linear
linear
linear
logarithmisch
logarithmisch bei Systemempfindlichkeit = 400
IEC: International Electrotechnical Commission; EXI, EI: Exposure Index; S: Sensitivity; lgM: Logarithm median
In gesetzliche Referenzwerte für pädiatrische Radiografien und DL-Untersuchungen (dzt. nur Werte für MCU verfügbar) dargestellt – können (und sollen) durch niedrigere lokale Referenzwerte ergänzt werden.
Tab. 1.5
Exemplarische Referenzwerte für diagnostische pädiatrische Radiografie und MCU in Deutschland und Österreich (auszugsweise Wiedergabe), Angaben als DFP (cGy × cm
2
). Deutschland: Bundesamt für Strahlenschutz (
http://www.bfs.de/de/ion/medizin/referenzwerte01.pdf>); Österreich: Entwurf zur Novelle der Medizinischen Strahlenschutzverordnung, mit Genehmigung des Bundesministeriums für Gesundheit; Schweiz: dzt. noch keine gesetzlichen pädiatrischen Referenzwerte.
Untersuchungsart
Alter
Deutschland: Röntgenverordnung
Österreich: Medizinische Strahlenschutzverordnung (Entwurf Novelle)
Thorax a.–p./p.–a.
FG (ca. 1000 g)
0,3
–
NG (ca. 3000 g)
0,8
1,7
10 ± 2 Monate
2
2,3
5 ± 2 Jahre
3
2,6
10 ± 2 Jahre
4
3,7
Vergleich: Erwachsene
20
28
Abdomen a.–p./p.–a.
10 ± 2 Monate
25
9
5 ± 2 Jahre
50
20
10 ± 2 Jahre
60
50
Vergleich: Erwachsene
550
300
Schädel a.–p.
10 ± 2 Monate
30
25
5 ± 2 Jahre
40
35
Vergleich: Erwachsene
110
100
Schädel lateral
10 ± 2 Monate
30
20
5 ± 2 Jahre
30
25
Vergleich: Erwachsene
100
100
MCU1
NG (ca. 3000 g)
60
50
10 ± 2 Monate
90
70
5 ± 2 Jahre
120
120
10 ± 2 Jahre
240
200
Vergleich: Erwachsene – Kolonirigoskopie
7000
4600
1Cave: Bei MCU sind unter Verwendung moderner Geräte und Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Dosisoptimierung viel niedrigere Werte erreichbar und anzustreben.
Bariumsuspensionen: für ante- (peroral, über Magen-/Duodenalsonde) und retrograde Darstellung des GI-Trakts; keine intravasale/intrakavitäre Anwendung
Vorteile: preisgünstig, hoher inhärenter Kontrast, Wandbeschlag
Nachteile: tendenziell obstipierend; intraperitoneal verheerend; deshalb bei Ileus, Perforations- und höhergradiger Aspirationsgefahr kontraindiziert
Jodhaltige wasserlösliche KM: in Kinderradiologie ausschließlich niederosmolare nichtionische Präparate verwenden; intravasal, intrakavitär (Fistulografie) und im GI-Trakt anwendbar
Cave: intravasale Anwendung bei unreifer Glomerulumfunktion in den ersten Lebensmonaten!
Insbesondere bei FG und NG mit physiologischer NaCl-Lösung (perorale Anwendung: evtl. auch Aqua dest.) verdünnbar – bei Verdünnung > 50% radiografischer Kontrast (zu) gering
Vorteile: weitgehend stoffwechselneutral, auch bei Aspiration und Perforation, milder Laxationseffekt
Nachteile: relativ hohe Kosten, Kontrast geringer als Barium, kein Wandbeschlag
Abgesehen von geschmacksverbesserten Präparaten speziell für orale Anwendung auch einige i. v. Präparate geschmacksverträglich
Die jargonhaft („Gastrografinschluck“) fälschlicherweise oft synonym verwendeten ionischen, stark hyperosmolaren Amidotrizoat-Salzgemische (z. B. Gastrografin™) sind bei Kindern unverdünnt generell kontraindiziert. Risiko: lebensbedrohliche Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltsstörungen!Eventuelle Ausnahme: 3 : 1 verdünnt, als therapeutischer Einlauf bei Mekoniumpfropfsyndrom.
Negative KM (Luft, CO2): in Kinderradiologie entweder für (fast nicht mehr notwendige) Intestinaltrakt-Doppelkontrastdarstellung oder bei pneumatischer Reduktion der Intussuszeption („Desinvagination“, Vorteil u. a. niedrigerer Strahlendosisbedarf als bei positiven KM) verwendet
[23] Bundesärztekammer. Leitlinie der BÄK zur Qualitätssicherung in der Röntgendiagnostik: Qualitätskriterien 2008. Im Internet: http://www.baek.de/downloads/LeitRoentgen2008Korr2.pdf; Stand: 25. 10. 2009
[24] Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend. Patientendosis und Arbeitsanweisungen in der Röntgendiagnostik. Ein Leitfaden der AG Patientendosis (Oktober 2007). Im Internet: http://www.strahlenschutz.org/dokumente/downloads/at/Leitfaden-Patientendosis.pdf; Stand: 25. 10. 2009
[25] Loose R. Muster Arbeitsanweisungen (SOPʼs) für die Radiologie (14. 08. 2008). Im Internet: http://www.drg.de/fachinformationen/empfehlungen/100-arbeitsanweiungen-radiologie akt; Stand: 25. 10. 2009
[26] Schaefer-Prokop C, Neitzel U, Venema HW et al. Digital chest radiography: an update on modern technology, dose containment and control of image quality. Eur Radiol 2008; 18(9): 1818 – 1830
[27]
