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Fee ist 25 Jahre alt und seit zwei Jahren arbeitslos. Endlich bekommt sie eine Zusage und darf schon am nächsten Tag im Antiquitäten-Laden mit dem Arbeiten beginnen. Eines Tages kommt ein Mann und bietet ihr ein Gemälde aus seinem Privatbesitz an. Auf dem Gemälde ist eine Frau abgebildet, die goldene Ohrringe trägt. Einen dieser Ohrringe hat Fee. Das macht sie neugierig. Sie möchte mehr über diese Frau auf dem Gemälde erfahren und begibt sich auf die Suche. Bald stößt sie auf eine große Liebe, nur war sie damals zur falschen Zeit.
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Seitenzahl: 46
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Fee ist 25 Jahre alt und seit zwei Jahren arbeitslos. Endlich bekommt sie eine Zusage und darf schon am nächsten Tag im Antiquitäten-Laden mit dem Arbeiten beginnen.
Eines Tages kommt ein Mann und bietet ihr ein Gemälde aus seinem Privatbesitz an. Auf dem Gemälde ist eine Frau abgebildet, die goldene Ohrringe trägt. Einen dieser Ohrringe hat Fee. Das macht sie neugierig. Sie möchte mehr über diese Frau auf dem Gemälde erfahren und begibt sich auf die Suche. Bald stößt sie auf eine große Liebe, nur war sie damals zur falschen Zeit.
Ein Sommertag in Ulm
Der erste Arbeitstag
In einem Viertel von Ulm, das Fee noch nicht kennt
An der Donau
Die weiße, vornehme Villa
Heiße Schokolade
Fee und Ben
Tränen aus Gold
Von Natalie Bechthold
Ich heiße Felicia Pahlmann, aber gerufen werde ich Fee. Nach meiner Ausbildung zur Galeristin war ich 2 Jahre arbeitslos. Für mich war es eine lange Zeit. Eine Zeit von schwindender Hoffnung und zunehmender Verzweiflung. Und gerade diese war die Schwerste in meinem Leben.
Fee holte sich eine Tasse aus dem Schrank und schenkte sich frisch gekochten Kaffee ein. Auf dem Küchentisch lag eine Zeitung. Es war eine Mittwoch-Ausgabe. Neben ihr lag ein dicker, brauner Umschlag. Fee glaubte, dass es wieder mal eine Absage war und traute sich deshalb nicht den Umschlag zu öffnen. Sie ließ sich damit Zeit.
Fee setzte sich mit ihrem Kaffee an den Küchentisch und blätterte in der Zeitung. Hin und wieder schielte sie zum braunen Umschlag. Soll ich ihn vielleicht doch öffnen?, überlegte sie. Das Gefühl, ihn öffnen zu müssen, ließ ihr keine Ruhe, sodass sie sich nicht auf den Artikel in der Zeitung konzentrieren konnte.
„Na gut. Nur damit ich meine Zeitung lesen kann“, gab sie schließlich nach.
Fee holte ein Messer aus der Schublade ihres Küchenschranks und schnitt den Briefumschlag auf. Vorsichtig holte sie die Unterlagen aus der braunen Papierhülle. Ihre Hände zitterten vor Aufregung und Angst.
„Bleib locker! Es ist nur eine Absage, kein Todesurteil“, versuchte sie sich zu beruhigen.
Sie drehte die Dokumente richtig herum. Und in der nächsten Sekunde weiteten sich ihre Augen. Auf dem ersten Blatt las sie tatsächlich das Wort `Zusage´.
„Zusage … Ich habe eine Zusage.“ Fee sprang von ihrem Stuhl auf. Drückte die Papiere gegen die Brust und lachte vor Glück. Freudentränen rannen über ihr Gesicht.
Sorgfältig las sie die zugeschickten Dokumente und unterschrieb in heller Aufregung ihren langersehnten Arbeitsvertrag.
Ein Sommertag in Ulm
Fee war wegen der gefundenen Arbeitsstelle überglücklich. Ihr war nach Feiern zumute. Deshalb zog sie ihren Lieblingsrock an - ein weißer Rock mit rotem Mohnblumenmuster - und dazu eine passende schwarze Bluse und nahm die nächste Straßenbahn. Sie fuhr über ganz Ulm und machte so eine Art `Ausflug´.
Fee hatte schon immer eine seltsame Vorstellung von Feiern. Aber so war sie nun mal.
An der Haltestelle, zwischen dem Hauptbahnhof und der Einkaufsstraße, stieg sie aus und überquerte mit den anderen Straßenpassanten die sechsspurige Straße. Fee spazierte die Ulmer Einkaufsstraße entlang und sah hin und wieder in ein Schaufenster. Sie liebte shoppen. Aber seit 2 Jahren versuchte sie sich zurückzuhalten. Das Geld - Hartz-4 - war so knapp, sodass sie sich diese Vorliebe nicht mehr leisten konnte.
Fee bog in die Seitenstraße, eine Sackgasse, und öffnete die Tür eines Second-Hand-Shops. Seitdem sie arbeitslos war, kaufte sie hier Kleidung und passende Accessoires. Die kleine Glocke an der Tür klingelte kurz. „Guten Morgen, Herr Haas“, grüßte sie den älteren Verkäufer. Er war auch der Inhaber dieses Ladens.
„Morgen, Felicia!“Ihm gefällt mein Name so sehr, dass er mich immer bei vollem Namen anspricht. Ich dagegen möchte viel lieber Fee gerufen werden. Denn übersetzt heißt Felicia: Die Glückliche. Leider trifft es nicht auf meine Person. `Mara´ hätte zu mir besser gepasst. Mara, die Betrübte. Warum ich so denke? Nun, …. wo soll ich anfangen? Aufgewachsen bin ich in einem Kinderheim. Ich weiß so gut wie gar nichts über meine Eltern und ob ich überhaupt Verwandte habe. Bin aufgewachsen ohne eine Vergangenheit und mit einer ungewissen Zukunft. Und gerade das macht mich zu einem unglücklichen Menschen. Als Kind im Kinderheim dachte ich, wenn ich einmal eine Ausbildung gemacht habe und auf meinen eigenen Beinen stehen werde, dann wird alles besser. Ja, das dachte ich tatsächlich. Aber es wurde nicht besser, weil ich nicht die Chance bekommen habe, mich auf eigene Beine zu stellen. Eine Ausbildung hatte ich und habe sie mit einem Durchschnitt von 1,4 abgeschlossen, aber einen Arbeitsplatz konnte ich lange nicht finden. Tja, … Schicksal!
„Stellen Sie sich vor, Herr Haas“, begann Fee dem Verkäufer an der Theke zu erzählen.
Er faltete zwei neuerstandene Damen-T-Shirts und legte sie auf einen Kleiderstapel. Dann sah er sie neugierig an.
Fees Augen strahlten, ihr Lachen war nicht zu überbieten.
„Ich habe endlich eine Zusage.“
Herr Haas wusste von ihrer langen und beschwerlichen Arbeitssuche. Wusste, wie verzweifelt sie war. Aber konnte ihr nicht helfen, auch nicht als Freund.
„Wirklich? Wo denn?“, fragte er und erwiderte ihr Lachen.
„Im Antiquitätenladen, in der nächsten Seitenstraße.“
Er kannte den Laden.
„Das ist ja herrlich! Genau die Arbeit, die du so gerne arbeiten wolltest, oder?“
Fee nickte.
„Gratuliere!“ Der ältere Mann überlegte kurz, sah in alle Richtungen, so, als ob er nach irgendetwas suchte. „Darf ich dir zu diesem Anlass etwas schenken?“
„Gerne. Und was?“ Fee wurde neugierig.
