Trauma und Begegnung -  - E-Book

Trauma und Begegnung E-Book

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Beschreibung

Eingebunden in eine sorgfältige therapeutische Arbeit und Vorgehensweise können Systemaufstellungen bei der Behandlung von Traumata gute Dienste leisten. Sie ermöglichen Begegnungen zwischen inneren Anteilen, mit systemischen Begleitern und wohlwollenden Zeuginnen. Dieses Fach- und Lesebuch versammelt internationale Beiträge, Ansätze und Aufsätze rund um die wesentlichen Themen der Aufstellungsarbeit im Zusammenhang mit individuellen Traumatisierungen. Es werden Arten von Traumata unterschieden, traumaspezifische Vorgehensweisen in Aufstellungen und deren Kombination mit anderen Methoden vorgestellt sowie die Prävention von Sekundärtraumatisierungen berücksichtigt. Ein Kapitel über spirituelle Umwege, Irrwege und Auswege rundet die Übersicht ab.

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Seitenzahl: 408

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen

Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen gGmbH herausgegeben von Peter Bourquin und Kirsten Nazarkiewicz

DGfS gGmbH, von-Beckerath-Platz 7, 47799 Krefeldwww.systemaufstellung.com

Peter Bourquin/Kirsten Nazarkiewicz (Hg.)

Trauma und Begegnung

Praxis der Systemaufstellung

Mit Illustrationen von Alexandra Huber

Vandenhoeck & Ruprecht

Mit 27 Abbildungen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-647-99885-5

Weitere Ausgaben und Online-Angebote sind erhältlich unter: www.v-r.de

Umschlagabbildung: © Alexandra Huber, ohne Titel, Mischtechnik auf Papier, 2003, 15 × 15 cm, in Privatbesitz

© 2017, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Theaterstraße 13, D-37073 Göttingen /

Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.

www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Satz: SchwabScantechnik, GöttingenEPUB-Erstellung: Lumina Datamatics, Griesheim

Inhalt

Kirsten Nazarkiewicz und Peter Bourquin

Einführende Worte

I Arten von Traumata

Freda Eidmann

Komplexe Traumafolgestörungen und Aufstellungsarbeit

Franz Ruppert

Identität, Spaltung und Verlust der Ganzheit

Ero Langlotz

Symbiose in Systemaufstellungen

Robert Alnet und Dorotea Martínez Fucci

Das Trauma in der prä- und perinatalen Lebensetappe

II Traumaspezifische Vorgehensweisen in Aufstellungen

Barbara Innecken

Traumaspezifische Vorgehensweisen in Aufstellungen

Dagmar Ingwersen

Schonender und hilfreicher Umgang mit Trauma in der Aufstellungsarbeit

Peter Bourquin

Das rechte Maß ausloten

Holger Lier und Christiane Lier

Prozessorientierte Traumaaufstellung

III Kombination mit anderen Methoden

Christopher Bodirsky

Lösungsorientierte Psychotraumatologie und Aufstellungen

Carmen Cortés

Das Integrieren der inneren Familie

Karin Huyssen

Traumatherapeutische Aufstellungen nach dem Modell der Ego-State-Therapie

Hedy Leitner-Diehl

Somatic-Experiencing in der Aufstellungsarbeit

Heidi Baitinger

Aufstellungsarbeit und energetische Klopftechniken in der Einzelarbeit

IV Prävention von Re- und Sekundärtraumatisierungen

Michael Reddy

Emotionale und seelische Hygiene bei Familienaufstellungen – eine schamanische Sichtweise

Simone Rießinger

Sekundäre Traumatisierung und der Umgang mit Überlastungsphänomenen

Christl Lieben

Compassion Fatique und die »Liebe frei von Mitgefühl«

V Spirituelle Umwege, Irrwege und Auswege

Mario Salvador

Präsenz und Syntonie als Heilfaktoren

Manuel Aicher

Welche Auswirkungen haben Traumata auf das spirituelle Erleben?

Thomas Geßner

Trauma, Illusion und Spiritualität

Die Autorinnen und Autoren

Über die Künstlerin Alexandra Huber

‹ Alexandra Huber, »Ein bisschen gucken, was die Erfahrung sagt«, Zeichnung, 2005, 15×15cm.

Kirsten Nazarkiewicz und Peter Bourquin

Einführende Worte

Es gibt einen gewissen Modeeffekt, was Trauma angeht. Das Gleiche geschah mit Konzepten der Psychoanalyse, der Genetik oder der Quantenphysik, mit Begriffen wie Resilienz oder Mindfulness. Es geschieht in aller Regel, wenn ein Begriff einen komplexen Zusammenhang greifbar zum Ausdruck bringt: Alle Welt macht sich dieses Wort zu eigen und verwässert seine Bedeutung. Plötzlich ist »Trauma« in aller Munde, was zu einem inflationären Gebrauch und damit auch zur Bagatellisierung von Trauma führen kann. Doch zugleich ist die weit verbreitete Verwendung Ausdruck dessen, dass ein neues Verständnis hilfreich, nützlich und zeitgemäß ist. Endlich lässt sich etwas benennen und erklären, was zuvor keinen Namen hatte und dabei zugleich für die tiefsten seelischen Wunden im Menschen verantwortlich ist. Aufgrund dieser Benennung zeigten sich zudem Wege auf, wie eine erfolgreiche Behandlung ausschauen kann.

Grundsätzlich lassen sich drei Dimensionen von Trauma unterscheiden, obgleich sie oftmals miteinander verwoben sind: Zum einen kann man von einem persönlich erlebten Trauma sprechen. Zum anderen bezeichnet das familiäre oder transgenerationale Trauma das Phänomen, dass überwältigende Ereignisse, welche andere Mitglieder einer Familie zum damaligen Zeitpunkt nicht verarbeiten konnten, Folgen hat, die immer noch spürbar sind: Das Unverarbeitete bleibt als Echo wirksam. Weitergehend und umfassender beschreibt der Begriff »soziales Trauma« zugleich eine überpersönliche Dimension, da größere Gruppen oder eine ganze Gesellschaft traumatische Geschehnisse erleiden können, und das soziale Trauma somit ein kollektives Schicksal darstellt.

Eine Eigenheit von Trauma ist, dass es vermieden oder gar verneint wird. Das gilt sowohl auf persönlicher als auch auf familiärer und gesellschaftlicher Ebene, wie die oftmals fehlende Auseinandersetzung mit transgenerationalen und sozialen Traumata zeigt: Es ist schwer, dem Schmerz zu begegnen und ihm sprichwörtlich ins Auge zu schauen.

So entstand erst seit den 1970er Jahren, und zwar vor allem in den USA aufgrund zahlreicher überbordender Erfahrungen der die heimkehrenden traumatisierten Kriegsverteranen des Vietnamkrieges behandelnden Fachkräfte, allmählich eine eigenständige Richtung innerhalb der Psychologie, die sich der Behandlung von Trauma widmet. Wir halten die Entstehung der Traumatherapie zusammen mit der Neuropsychologie, die sich seit den 1990er Jahren aufgrund eines immer umfassenderen Verständnisses der Funktionsweise unseres Gehirns entwickelt, für die zwei wesentlichen Entwicklungen und Bereicherungen der vergangenen Jahrzehnte auf dem Gebiet der Psychotherapie. Beide Bereiche, die zudem in einen fruchtbaren Austausch miteinander getreten sind, haben neue und wirksame Wege zur Heilung menschlichen Leidens möglich gemacht. In den letzten Jahrzehnten wurden spezielle Techniken zur Behandlung und Integration von Trauma entwickelt, die den Körper als primären Behandlungsweg nutzen oder den psycho-neurologischen Ansatz fokussieren.

Doch was ist eigentlich ein persönliches Trauma? Bereits als Folge der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts entstand aufgrund der praktischen Arbeit mancher Ärzte, Psychiater und Psychologen ein erstes Verständnis von Trauma, das jedoch rasch wieder in der Versenkung verschwand. Beispielsweise formulierte der französische Psychologe und Neurologe Pierre Janet schon im Jahr 1919 eine Definition des Traumas, die auch heute nach einem Jahrhundert immer noch gültig scheint:

»Es ist das Ergebnis des Ausgesetztseins an ein unvermeidliches stressiges Geschehen, das die Mechanismen der Person übersteigt, damit umzugehen. Wenn die Menschen sich zu sehr von ihren Emotionen überwältigt fühlen, können sich die Erinnerungen nicht in neutrale narrative Erfahrungen verwandeln. Der Schrecken verwandelt sich in eine Phobie bezüglich der Erinnerung, was die Integrierung des traumatischen Geschehens verhindert und die traumatischen Erinnerungen fragmentiert, welche so vom normalen Bewusstsein ferngehalten werden und in visuellen Wahrnehmungen, somatischen Befürchtungen und verhältnismäßigem Wiederausagieren organisiert bleiben« (Janet, 1884/1990, S. 156 f.).

Dieses Zitat entspricht im Wesentlichen der aktuellen Definition nach DSM-5, in dem das Phänomen »Trauma« zum ersten Mal 1980 Eingang fand. Dort spricht man abhängig von den Folgeerscheinungen in der betroffenen Person vom posttraumatischen Stress-Syndrom, das charakterisiert ist durch:

1.spontan auftretende, überwältigende Erinnerungen, in Form von Flashbacks, Albträumen oder Gedankenkreisen um das Geschehene;

2.das bewusste und unbewusste Vermeiden von Dingen, Situationen, Themen und sogar Gefühlen, die an das Trauma erinnern und die quälenden Erinnerungen hervorrufen könnten;

3.körperliche Übererregung wie starke Ängste, Beklemmung, Hypervigilanz und Schreckhaftigkeit zusammen mit weiteren körperlichen Symptomen.

Man spricht entweder von posttraumatischem Stress, wenn die Lebensqualität ausreichend erhalten bleibt und das alltägliche Leben noch stattfinden kann, oder aber von der posttraumatischen Belastungsstörung, wenn die Symptome alle Bereiche des täglichen Lebens der Betroffenen beeinträchtigen und es schwer wird, das emotionale Gleichgewicht gegenüber einem stark abwertenden Eigenbild und einer Flut überwältigender Erinnerungen aufrechtzuerhalten. Die Diagnosekriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen unterscheiden sich kaum vom DSM-5. In der ICD-10 sind für die posttraumatische Belastungsstörung außerdem das nicht seltene Auftreten von Angst und Depression sowie Suizidgedanken als Symptom aufgenommen.

Der amerikanische Psychiater Bessel van der Kolk geht noch einen Schritt weiter und sagt dazu:

»Viele meiner Kollegen denken, dass die Flashbacks, das Niveau der Erregung und das Vermeiden die Essenz dessen ausmachen, was traumatisierten Personen passiert. Ich glaube, sie verstehen das Thema nicht richtig, denn für die Mehrzahl der Personen verwandelt sich ihr Trauma in einen Lebensstil« (2015, S. 221).

Ob jemand traumatisiert ist oder nicht, definiert sich also über die Folgeerscheinungen in seinem gegenwärtigen Leben und nicht über die Ereignisse als solche.

Der Einsatz von Aufstellungsarbeit im Kontext von Traumata ist keineswegs selbstverständlich und bedarf der Erläuterung. Es existieren aus manchen Perspektiven starke Vorbehalte gegenüber ihrer Nutzung bei Traumatisierungen, insbesondere in Bezug auf spezielle Praktiken (Haas, 2013). Sorgfältig eingesetzt und eingebettet, stellt die Aufstellungsarbeit jedoch eine wichtige Be- und Verarbeitungsressource dar (Drexler, 2013). Sie ist in erster Linie geeignet, die Dynamiken zu verstehen, die sich in den Beziehungen zwischen Personen zeigen, vor allem innerhalb der Familie. Darüber hinaus ist sie in der Lage, die Wechselwirkung zwischen Elementen eines jeglichen Systems – auch der innerpsychischen Anteile einer Person – deutlich zu machen. Über die Sichtbarmachung in Aufstellungen können Anstöße im Rahmen von Behandlungs- und Heilungsprozessen bzw. Impulse für Entwicklungen gegeben werden. In diesem Sinne kann man Aufstellungsarbeit als eine der hilfreichen ergänzenden Methoden sehen.

Da die Aufstellungsarbeit bislang kein psychotherapeutisches Verfahren ist, das den Klienten über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet, sondern eine therapeutische Methode für einmalige oder gelegentliche Interventionen, kann sie zwar zum Heilungsprozess von persönlichen Trauma beitragen, hat jedoch nicht den Anspruch, die therapeutische Behandlung allein zu schaffen. Eine nachhaltige Verbesserung oder Heilung gelingt nur im Kontext einer kontinuierlichen Unterstützung von Therapeuten mit umfänglichen Erfahrungen und Wissensbeständen. Es bedarf spezieller Kenntnisse, unter anderem in Psychotraumatologie, sowie einer eigenen Methodologie der Behandlung, um traumatisierten Menschen wirksam und nachhaltig helfen zu können, sowie zahlreicher Qualitäten in der Aufstellungsleitung (siehe dazu Nazarkiewicz u. Kuschik, 2015). Diese genannten Faktoren sind notwendig, um einerseits die Retraumatisierung des Klienten zu vermeiden, die sogar und gerade dann geschehen kann, wenn Aufsteller in gutgemeinter Absicht ihre üblichen Vorgehensweisen anwenden, und andererseits einen Beitrag dazu leisten zu können, dass die Wunde der betreffenden Person sich allmählich schließen kann.

Vom Beitrag der Systemaufstellung zur Traumatherapie handelt dieses Buch. Es ist als Lesebuch gedacht, die Beiträge sind voneinander unabhängig und in sich abgeschlossen. In dem ersten Teil wird das Verständnis verschiedener Arten von persönlichem Trauma ausgelotet. Der zweite Teil illustriert traumaspezifische Vorgehensweisen in Aufstellungen, um eine heilsame Erfahrung zu ermöglichen. Der dritte Teil zeigt mögliche Kombinationen der Systemaufstellungen mit anderen therapeutischen Methoden auf. Der vierte Teil handelt von der Prävention von Sekundärtraumatisierungen, vor allem durch den Therapeuten selbst. Und der fünfte Teil reflektiert die spirituelle Dimension von Trauma mit ihren Irrwegen und Auswegen.

Wir haben den Buchtitel »Trauma und Begegnung« gewählt, da er ein mehrschichtiges Beziehungsgeflecht spiegelt, das sich in den Inhalten der Kapitel wiederfindet: Zum einen geht es um die Begegnung der betroffenen Person mit sich selbst und ihrem Trauma und dessen Anteilen, dann um die Begegnung zwischen Klienten und Therapeuten und schließlich um die Begegnung der Therapeuten mit sich selbst, mit ihren je eigenen Geschichten und nicht zuletzt mit dem Schmerz der Welt. Der amerikanische Kindertraumatologe Bruce D. Perry drückt es in folgenden Worten aus:

»Ein Trauma und seine Reaktion darauf lassen sich außerhalb des Kontextes menschlicher Beziehungen nicht verstehen. Ob Menschen ein Erdbeben überlebt haben oder wiederholte Male sexuell missbraucht worden sind, das Wichtigste ist, wie sich diese Erfahrungen auf ihre Beziehungen auswirken – zu den Menschen, die sie lieben, zu sich selbst und der Welt. […] Infolgedessen geht es bei der Heilung von einem Trauma und von Vernachlässigung ebenfalls um Beziehungen – um das Wiederherstellen von Vertrauen, das Wiedererlangen von Zuversicht, die Rückkehr zu einem Gefühl von Sicherheit und die Wiederverbindung mit der Liebe« (Perry u. Szalavitz, 2014, S. 290).

Dieses Lesebuch ist dem persönlichen Trauma im Kontext der Aufstellungsarbeit gewidmet. Im kommenden Jahr wird ein Folgeband mit dem Titel »Einflüsse der Welt – individuelles Schicksal im kollektiven Kontext« erscheinen, der sich der transgenerationalen und sozialen Dimension von Trauma im Rahmen der Aufstellungsarbeit widmen wird. Er wird die Erfahrungen von Einzelnen mit gesellschaftlichen Umbrüchen, Migration, verschiedenen Kulturen, Krieg und Naturkatastrophen thematisieren. Wir hoffen, mit diesen beiden Sammelbänden alle drei sich ergänzenden und gegenseitig beeinflussenden Dimensionen von Trauma im Kontext der Aufstellungsarbeit anschaulich machen zu können.

Literatur

Drexler, K. (2013). Transgenerational weitergegebene Traumata der Bearbeitung zugänglich machen. Zeitschrift für Psychotraumatologie, Psychotherapiewissenschaft, Psychologische Medizin, 11 (1), 65–74.

Haas, W. (2013). Editorial. Zeitschrift für Psychotraumatologie, Psychotherapiewissenschaft, Psychologische Medizin, 11 (1), 5–9.

Janet, P. (1884), Histoire d’une idé fixe. Revue Philosophique, 7, 121–163. In P. Janet (1990), Nervroses et ideas fixes. Vol. 1 (pp. 156 f.). Reprint: Societe Pierre Janet. Paris: Felix Alcan.

Nazarkiewicz, K., Kuschik, K. (2015). Einführung: Qualität hat Methode. In K. Nazarkiewicz, K. Kuschik (Hrsg.), Handbuch Qualität in der Aufstellungsleitung (S. 11–57). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Perry, B. D., Szalavitz, M. (2014). Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde: was traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können; aus der Praxis eines Kinderpsychiaters (6. Aufl.). München: Kösel.

van der Kolk, B. (2015). El cuerpo lleva la cuenta: Cerebro, mente y cuerpo en la superación del trauma. Barcelona: Elephteria.

I Arten von Traumata

‹ Alexandra Huber, »schwierige Präsentation der inneren Angelegenheiten«, Zeichnung, 1999, 15 ×15 cm.

Freda Eidmann

Komplexe Traumafolgestörungen und Aufstellungsarbeit

Bei den Recherchen und Interviews zu meinem Buch über Aufstellungsarbeit und Trauma (Eidmann, 2009) begegnete mir bei etlichen Interviewpartnerinnen aus dem Feld der Traumatherapie großes Misstrauen gegenüber der Aufstellungsarbeit. Das ging so weit, dass Luise Reddemann mir die Nutzung des Interviews mit ihr gänzlich untersagte: Es sei in keinem Fall gesichert, dass eine Klientin mit einer komplexen Traumafolgestörung im Aufstellungsprozess die für sie so notwendige Kontrolle behalten könne, im Gegenteil, sie sei völlig abhängig von der Leiterin und deren Entscheidungen und habe kein Mitspracherecht. Deshalb sei die Methode kontraindiziert (persönliche Mitteilung, 2008, NIK Bremen).

In den Jahren seit dieser Aussage hat sich im Aufstellerfeld neben der Energetischen »Klopf«-Psychotherapie nach Fred Gallo (EP) das Somatic Experiencing (SE) nach Peter Levine als die Methode etabliert, die als traumatherapeutische Ausbildung wohl am häufigsten angeboten wird und auf die sich Aufsteller und Aufstellerinnen in Veröffentlichungen am meisten beziehen. Offenbar lässt sich dieser Ansatz gut in die Aufstellungsarbeit integrieren. Aber auch hier gibt es Bedenken in Bezug auf komplexe Traumfolgestörungen, zum Beispiel von Ulrike Reddemann. Sie ist davon überzeugt, dass SE zwar ein hilfreiches Verfahren für Monotraumata, aber keines für Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen sei: Die Fokussierung des körperlichen Erlebens sei kontraindiziert, da sie bei körperlichen Traumatisierungen in hohem Maße Auslösereize und damit unkontrolliert Traumamaterial und traumabezogene Zustände reaktivieren könne. Der Fokus auf die Körperwahrnehmungen erweise sich für viele komplex traumatisierte Menschen als nicht zugänglich, da er oft spontan mit auf körperlichem Erleben basierenden Traumatisierungen assoziiert werde und dadurch zu dissoziativen Zuständen führen könne (persönliche Mitteilung, 10.11.2011, Bad Herrenalb).

In der Zwischenzeit fand das Konzept der Integrativen Systemaufstellungen (ISA) als einziges szenisches Aufstellungsverfahren Aufnahme in den Katalog kombinierter traumatherapeutischer Behandlungsmethoden in einem Kompendium zu Komplextrauma (Sack, Sachsse u. Schellong, 2013, S. 277, 279; allerdings leider unvollständig, da ausschließlich als konfrontierendes Verfahren dargestellt, ohne Berücksichtigung weiterer Potenziale wie Ressourcengenerierung, jedoch mit dem den Hinweis auf die Mängel durch nicht-qualifizierte Anbieter). Seitdem habe ich meine Kenntnisse über komplexe Traumafolgestörungen erweitert und in der Praxis der ISA umgesetzt. Dieser Aufsatz gibt einen Überblick über den aktuellen Erkenntnisstand.

Was ist eine komplexe Traumafolgestörung (kTFS)?

Der Begriff »komplexe posttraumatische Belastungsstörung« (kPTBS) wurde ursprünglich 1992 von Judith Herman geprägt und beschreibt die Folgen von wiederholtem, langanhaltendem und chronischem traumatischem Stress, die sich vor allem in Störungen der Affektregulation, einem negativen Selbstkonzept und Beziehungsstörungen zeigen. Herman betonte damit den Unterschied zu dem Störungstyp von Traumafolgen, dem ein einmaliges Trauma (Monotrauma) zugrunde liegt. In jüngeren Veröffentlichungen zum Thema wird neben der aktuellen Bezeichnung »komplexe Traumafolgestörung« eine differenziertere Unterscheidung von Traumatypen nach diagnostischen Kriterien vorgeschlagen, die sich entlang eines Stresskontinuums, das die Art und Anzahl der auslösenden Ereignisse beinhaltet, orientieren (unter anderem Schellong, 2013, S. 45 ff.). Die bisherigen Kategorien Monotrauma und Komplextrauma bzw. einfache und komplexe PTBS werden um Symptome früher Entwicklungs- und Bindungsstörungen sowie chronischer Störungen sowohl der Affektregulation als auch der Somatisierung und um dissoziative Phänomene erweitert. Wechselwirkungen zwischen mehreren Störungsbildern und einer Traumatisierung (Komorbiditäten) können einbezogen und gezielte Behandlungsmöglichkeiten präziser ausgerichtet werden. Das neue Modell umfasst vier Traumatypen, die aufeinander aufbauen und jeweils über zusätzlich zur Symptom-Grundtrias der Posttraumatischen Belastungsstörung diagnostizierte Störungen definiert werden:

Typ I:

Meist nur ein traumatisches Erlebnis mit der Folge einer (partiellen) PTBS-Trias: Wiedererleben (Intrusionen), Vermeiden (Konstriktion/Numbing), Übererregung (Hyperarousal) ohne weitere Störungen.

Typ II:

Mehrfache oder lang anhaltende Traumata führen zu (partieller) PTBS-Trias plus traumakompensatorischer Symptomatik, das heißt zu mindestens einer weiteren Störung (Angst, Depression, Suchterkrankung), die häufig vor der Traumatisierung schon wirksam war.

Typ III:

(Partielle) PTBS plus Bindungs-/Beziehungsstörungen durch sequentielle und chronische Traumatisierung; persönlichkeitsprägende Symptomatik wie Borderline-Symptome, Internalisierung, negative, sozialphobische, dissoziative Symptomatik, somatoforme Körperbeschwerden sowie schwere emotionale Instabilität. Hier wird der Tatsache Rechnung getragen, dass traumatischer Stress in Kindheit und Jugend die Hauptursachen für psychische und psychosomatische Erkrankungen sind (vgl. Sack, 2016, S. 5).

Typ IV:

Die für I-III geltenden Kriterien plus überwiegend dissoziative Symptomatik, Störungen der Identitätswahrnehmung wie Identitätsunsicherheit, Teilidentitätsstörungen, Identitätswechsel (in kindliche oder emotional belastende »Zustände« rutschen), Amnesien im Alltag.

In der Einteilung in die vier Traumatypen werden neben dem Monotrauma (Typ I) also vor allem die bisher unter Komplextrauma subsummierten Traumata und Folgestörungen sorgfältig ausdifferenziert und unter Einbeziehung weiterer damit einhergehender Störungsbilder, die bislang als von der PTBS getrennt definiert wurden, nach Quantität und Qualität gestaffelt (Zeitpunkt in der Entwicklung, Dauer, Schweregrad). Ergänzt werden die Beschreibungen der verschiedenen Traumagrade durch Hinweise zu Diagnoseverfahren sowie Empfehlungen zu spezifischen Behandlungsschwerpunkten- und verfahren (Schellong, 2013, S. 50).

Aktuelle Therapiekonzepte (vgl. die Qualitätskriterien der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie) enthalten – methodenübergreifend und integrativ – folgende Elemente:

–kognitive und verhaltenstherapeutische Techniken wie Psychoedukation, Symptommanagement, Bearbeitung traumaassoziierter emotionaler Reaktionen und dysfunktionaler Kognitionen, Training sozialer und antidissoziativer Fähigkeiten;

–eine traumaspezifische Stabilisierung durch hypnotherapeutische Techniken und Imagination, siehe zum Beispiel Sicherer Ort, Innere Helfer, Tresor- oder Baumübung etc. sowie durch eine Förderung der Ressourcenaktivierung, Affektregulation, Mentalisierung und Gegenwartsorientierung;

–spezielle Methoden der Traumabearbeitung:

•die Definition und Hierarchisierung von Zielen,

•die Desensibilisierung mit dem Ziel, intrusive Bilder, Geräusche und Gefühle zu aktivieren und parallel und gesteuert die kognitiv-reflektie-renden Ich-Anteile aktiviert zu lassen – in der Traumasynthese sollen an die Stelle unkontrollierter Intrusionen und Flashbacks gesteuerte Erinnerungen, an die Stelle fragmentierter Erinnerungen ein ganzheitlich geschlossenes Narrativ des Geschehens treten, dies geschieht zum Beispiel durch EMDR oder andere Formen kognitiver Umstrukturierung,

•die Exposition in sensu (imaginiert, z. B. mit Beobachter- und Bildschirmtechnik, EMDR) und in vitu (real, wird jedoch selten angewendet) – eine Traumaexposition war dann erfolgreich, wenn die Traumatisierte das Ereignis erinnern kann, aber nicht muss, ohne dabei und davon Symptome zu bekommen,

•die Behandlung dissoziativer Symptome durch Förderung der Binnenkommunikation, Reduktion dissoziativer Bewältigungsmuster im Alltag durch Erarbeitung von Alternativen und durch die Stärkung der Steuerungsfähigkeit;

–psychodynamische Techniken zur Förderung der Selbstfürsorge, des Selbstbezugs, der Nachversorgung verletzter und vernachlässigter Selbstanteile, der interpersonellen Bindungs- und Beziehungsfähigkeit, der Autonomie, der Nähe-Distanz-Regulation, des Wachstums und der Reifung.

Äußere Sicherheit, optimale soziale Unterstützung und Verbundenheit mit Natur gelten als hilfreiche Rahmenbedingungen.

Besonderheiten der konfrontativen Behandlung bei Klientinnen mit komplexen dissoziativen Störungen

Grundsätzlich besteht ein erhöhtes Risiko einer Destabilisierung durch das Durchbrechen der Erinnerungsbarrieren während der Konfrontation, insbesondere wenn sie unkontrolliert, ohne langfristige therapeutische Einbindung und ohne parallel aktivierten Zugang zu Ressourcenzuständen stattfindet.

Zu beachten ist außerdem, dass bei Dissoziation während der Konfrontation nachweislich auch die Fähigkeit zum Lernen eingeschränkt ist, so dass davon auszugehen ist, dass die Klientin während eines dissoziativen Zustandes nicht von therapeutischen Interventionen profitieren kann und der Prozess unterbrochen werden muss, bis die Klientin wieder ganz bewusst ansprechbar ist.

Die Fähigkeit zur Selbstfürsorge ist ein entscheidender Gradmesser dafür, ob der Zeitpunkt für die Durchführung konfrontativer Arbeit angebracht ist. Es sollte in besonderem Maße darauf geachtet werden, dass in jeder Aufstellung Erfahrungen von Bewältigung gemacht werden können (Sachsse u. Sack, 2012, S. 35).

Komplexe PTBS-typisches Vermeidungsverhalten bezüglich innerer Wahrnehmungen führt dazu, dass bedrohliche Emotionen von der Klientin abgespalten und von der Therapeutin nicht wahrgenommen werden, so dass sich aus der Gegenübertragung keine verlässlichen Informationen für die Steuerung der Therapie ableiten lassen. Weiterhin kann es auf der Ebene der therapeutischen Beziehung zu Komplikationen kommen, wenn pathogene Kindheitsmuster entsprechend dem Bindungsmuster Typ D (desorganisierte Bindung) regressive States mobilisieren oder wenn traumatische Erfahrungen getriggert werden. In Langzeit(-Einzel-)therapien besteht die Gefahr langfristiger Abhängigkeitsverhältnisse mit konfusen, widersprüchlichen Beziehungsmustern. Oft hängt das mit der eingeschränkten Mentalisierungs-Fähigkeit komplex traumatisierter Menschen zusammen, die es ihnen schwer macht, sich in andere Menschen einzufühlen und eine realistische Idee darüber zu entwickeln, was im Gegenüber vor sich geht (S. 74). Hier ist ein mentalisierungsförderndes therapeutisches Verhalten durch Etablierung der Metaebene notwendig.

Aktuelle Entwicklungen in der Traumatherapie – was ist neu?

Desensibilisierung, Stabilisierung und Konfrontation

Eine der Hauptfolgen des Traumaerlebens im klinischen Sinn der PTBS ist die Sensibilisierung des Stressverarbeitungssystems, die sich in verschiedenen Symptomen mit unangemessenen und übermäßigen Reaktionen auf gegenwärtige Stresssituationen zeigt (vegetative Übererregung, Dissoziation, Suchtdruck, Schneidedruck, Suizidalität; Sachsse u. Sack, 2012, S. 26). Ein Großteil der Behandlung von Traumafolgestörungen liegt demzufolge in der Desensibilisierung dieses Verarbeitungssystems. Neueren Untersuchungen zufolge (S. 27) ist die Kombination von Ressourcenarbeit und Exposition mit dem Ziel der Desensibilisierung die wirksamste Methode in der psychotherapeutischen Bearbeitung komplexer Traumafolgestörungen. Traumaexpositionsmethoden sollen die erlebte Intrusion und das kognitive Wachbewusstsein gleichzeitig oder im raschen Wechsel aktivieren – auf der Basis vorhandener aktivierter oder in der Therapie generierter Ressourcen. Wo vormals die Phasenorientierung mit dem Primat einer langen Stabilisierung vor jeglicher Exposition betont wurde, wird heute also eine Verzahnung von Traumafokussierung und Ressourcenorientierung angestrebt: Eine einseitig stabilisierende Behandlung, wie sie lange Zeit insbesondere in der Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie (PITT) nach Luise Reddemann propagiert wurde, könne auf der einen Seite Vermeidungsverhalten fördern und die Selbstwahrnehmung als Opfer, das besonderen Schutz braucht, verstärken, die konfrontative Behandlung könne auf der anderen Seite zu einem angstbesetzten Ziel werden, das (wenn überhaupt) erst nach langer Vorbereitung erreichbar wird, wodurch psychisches Leiden verlängert werden könne. Stabilisierung findet also nach neuesten Erkenntnissen nicht vor, sondern im Laufe der Konfrontation mit traumabezogenen Phänomenen statt. Dabei bedeutet Stabilisieren Förderung der Alltagsfunktionalität und Ressourcenaktivierung die Aktivierung von Veränderungspotenzialen (Sachsse u. Sack, 2012, S. 30). Und so gilt jetzt: Stabilisierung durch Konfrontation und Konfrontation durch Stabilisierung.

Die Konfrontation (S. 36) mit Traumainhalten und Traumafolgesymptomen mit dem Ziel einer zunehmenden Distanzierung soll jedoch schonend gestaltet werden und so eine Reduzierung des Vermeidungsverhaltens bewirken und zum Erhalt bzw. der Rückgewinnung von Lebensqualität und zur Stabilisierung beitragen. Mit der Stabilisierung verbundene Erfahrungen von Wirksamkeit können zur Erweiterung von Ressourcen führen, die wiederum die Basis dafür darstellen, sich der Konfrontation mit weiteren Fragmenten der traumatischen Erinnerungen zu stellen. So entwickelt sich nach und nach ein stabilisierender Kreislauf. Schonende Konfrontation bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass die bekannten Desensibilisierungs- und Konfrontationstechniken wie EMDR oder Bildschirm-/Beobachtertechnik vor der Bearbeitung traumatischer Erfahrungen zunächst auf die Alltagssymptomatik und die gegenwärtige innere Not der Klientin und somit an der Gegenwart orientiert werden, eine Umkehr der klassischen Reihenfolge der zu konfrontierenden Ereignisse.

Ziel ist die Traumasynthese, die zu einem gestalthaft ganzheitlichen Erleben und Ertragen von Wort, Bild, Affekt und Körpersensation führt, sowie die Traumaintegration, in der die fragmentarischen Informationen des impliziten Gedächtnisses in das verbale, explizite Gedächtnis und Wachbewusstsein integriert werden (S. 26). »Aus unerträglichen und unkontrollierten Intrusionen und Flashbacks sollen erträgliche und kontrollierbare Erinnerungen werden« (S. 26), so dass für die Klientin die Veränderung des traumatischen Narrativs möglich wird. Dem traumatischen Kontrollverlust mit dem Erleben maximaler Hilflosigkeit und existenzieller Bedrohung in einem Zustand des Ausgeliefertseins steht die salutogenetische Vorstellung von Gesundheit und Stabilität mit einem Grundgefühl von Überschaubarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens gegenüber (S. 30).

Konsolidierung der Erinnerung

In der neuronalen Verarbeitung von Erinnerung stellen Träume und traumverwandte Prozesse wie Tagtraumtechniken (z. B. Kathatym-Imaginative Psychotherapie) wichtige Bausteine des traumatischen Verarbeitungsprozesses dar. Der Zugang zu (traumatischen) Erinnerungen ist die Voraussetzung für ihre therapeutische Verarbeitung. Damit eine Erinnerung jedoch zugänglich bleibt, muss sie beispielsweise im Traumschlaf wiederholt aktiviert und dann wieder zellulär abgespeichert (konsolidiert) werden. Während der Aktivierung befindet sich die Erinnerung jedoch in einem labilen Zustand, das heißt, dass Störungen im Prozess der Konsolidierung zu einem Verlust der Erinnerung führen können. Gleichermaßen gilt aber auch, dass Erinnerungen in der labilen Phase potenziell verändert bzw. neuronal neu vernetzt werden können (Nader, 2003, zit. nach Sack, 2016, S. 25). Unterstützung des Heilungsprozess heißt demnach, die organischen Impulse des neuronalen und psychischen Systems neben der Arbeit mit Träumen auch durch hypnotherapeutische und imaginative Interventionen oder Tagtraumtechniken mit allen Sinnesmodalitäten zu unterstützen. Aufstellungsarbeit weist viele Merkmale strukturierter imaginativer Arbeit auf und ist somit für diesen Unterstützungsprozess in besonderem Maße geeignet – sofern mit der Kehrseite der Labilisierung, der Störbarkeit, behutsam umgegangen wird.

Psychosoziale Komponenten der Traumaverarbeitung

Wo der Fokus der klassischen PTBS-Definition bisher zentral auf dem Individuum, dessen Symptomatik und Bewältigungsstrategien lag, hat sich nun der Blickwinkel erweitert: Familiären Prädispositionen und transgenerationalen Traumatisierungen, aber auch dem sozialen Kontext der Traumabewältigung werden eine wesentlich größere Bedeutung beigemessen. So wird zum Verständnis einer kTFS zusätzlich zur Vulnerabilität des Individuums die »Verstärkung bereitliegender familiendynamischer Probleme« (Sachsse u. Sack, 2012, S. 28) einbezogen. Traumaverarbeitung wird als psychosoziales Ereignis verstanden, zu dessen Verarbeitung soziale Sicherheit, Solidarität und Diskurs wichtige Faktoren darstellen (S. 87). Das bedeutet für soziale und therapeutische Unterstützungssysteme in der Begegnung mit Traumaklientinnen (vgl. S. 87):

–Intrusionen zulassen,

–immer wieder über das traumatische Ereignis reden lassen, aber nicht ausfragen oder »ausquetschen«,

–das Gesagte mit ungeteilter Loyalität akzeptieren: »Du hast recht, das war Unrecht, dich trifft keine Schuld, das hast du nicht verdient« – mögliche Kritik kommt zu einem späteren Zeitpunkt,

–gleichzeitig beruhigen: »Es ist vorbei«, »Jetzt bist du sicher«, »Alles wird wieder gut«,

–Sicherheit für einen sicheren Schlaf geben,

–das Verträumen zulassen und bei Albträumen beruhigen.

Auf dem Hintergrund neuerer Forschungsergebnisse aus der Epigenetik, in denen nachgewiesen wird, dass durch Traumatisierungen erworbene Schädigungen in die nächste Generation vererbt werden, werden dringend gesellschaftliche Konsequenzen wie Prävention und frühe Hilfen gefordert (S. 56).

Körperorientierung und Verständnis somatischer Symptome

Bei »somatoforme[n] Intrusionen [… können] körperorientierte Interventionen […] sehr hilfreich sein, z. B. durch Aktivierung von Körperressourcen als ›Gegenmittel‹ und Möglichkeiten zur Selbsthilfe« (Sachsse u. Sack, 2012, S. 5). Hiermit soll das Aufgeben von Vermeidungsverhalten bezogen auf den eigenen Körper unterstützt werden, damit die Klientinnen wieder einen funktionalen Umgang mit ihrem Körper entwickeln können. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von der anderer impliziter traumatischer Erinnerungen und soll »die Verarbeitung und Integration maladaptiver somatosensorischer Informationen« fördern, um eine »Aktualisierung, Neubewertung und Verknüpfung mit funktionalen Informationen« (S. 58) zu ermöglichen.

Auch bei der Behandlung körperlicher Erkrankungen wird empfohlen, die erhöhte Stressvulnerabilität bei traumatisierten Patientinnen zu berücksichtigen (S. 59).

Was folgt daraus für die Arbeit mit Aufstellungen?

Die aufgezählten Spezifika bei komplexer PTBS sowie die Veränderungen in den Konzepten zur Traumatherapie beinhalten sowohl Bestätigungen der Traumakompatibilität von Aufstellungsarbeit als auch wichtige Hinweise zu ihrer Modifizierung. Aufstellungsarbeit ist in vielen Aspekten ein konfrontatives Verfahren und muss dementsprechend achtsam und schonend eingesetzt werden. Grundsätzlich ist eine aufmerksame und differenzierende Betrachtungsweise der Geschichte und Symptomatik unserer Klientinnen angebracht, auf deren Basis wir unterscheiden können, welche Aspekte der Aufstellungsarbeit für Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen hilfreich sind, wann und wie sie entweder »traumakompatibel« modifiziert und auf die Bedürfnisse der Klientinnen abgestimmt werden müssen oder wo Aufstellungsarbeit komplett kontraindiziert ist.

Bestandsaufnahme: Traumatherapeutische Potenziale von Aufstellungsarbeit im »Standardsetting«

Ich habe an anderen Stellen bereits die Potenziale der Aufstellungsarbeit in der Traumatherapie nachgewiesen (Eidmann, 2009, 2012; Eidmann u. Hüther, 2008) und fasse hier die Ergebnisse nur zusammen.

Aufstellungsarbeit erlaubt wie alle szenischen Verfahren durch die Veranschaulichung und ganzheitliche Wahrnehmung die Steuerung von Distanzierung und Annäherung. Im Kontext von komplexen PTBS ist in der Regel die Möglichkeit der Distanzierung durch Externalisierung relevant. Denn hier können das Trauma und die von seinen Folgen betroffenen Selbstanteile von Klientin, Gruppe und Therapeutin als ein drittes Objekt im Außen betrachtet werden. In dieser Weise können Aufstellungen auch im Sinne von Beobachter- oder Bildschirmtechnik und somit auch zur Desensibilisierung genutzt werden.

Aufstellungsarbeit kann Psychoedukation veranschaulichen. Darüber hinaus können auch spontane Aufstellungen der Interaktionen eines Binnensystems als Illustration traumabedingter Prozesse betrachtet werden, die zum kognitiven Verständnis der Klientin für ihre Symptomatik beitragen. Ähnlicher Erkenntnisgewinn entsteht auch bei der Betrachtung traumabedingter Beziehungsorganisationen von Familiensystemen und deren sozialer und politischer Eingebundenheit, wie die Arbeit mit Stellvertretern sie ermöglicht.

Hier liegt darüber hinaus eine Erweiterung der klassischen Traumatherapieverfahren vor: Oft wird dort nämlich das Individuum isoliert betrachtet und lediglich sein Binnensystem fokussiert. Dissoziation bestimmter Sensibilitäten, Vermeidung und Abspaltung können aber oft erst im Zusammenhang des Bezugssystems Familie oder des gesellschaftlichen Kontextes als Begrenzungen familiärer wie individueller Verarbeitungsmöglichkeiten verständlich werden. Ohne die Berücksichtigung der hier herrschenden Bedingungen besteht die Gefahr der Destabilisierung, wenn die traumatherapeutische Arbeit zu einem (Loyalitäts-)Konflikt mit den Regeln des Bezugssystems führt.

Aufstellungsarbeit in der Gruppe bewegt sich in einem Zwischenstatus zwischen Imagination und Realität – und stellt damit einen Übergangsraum dar, wie Winnicott ihn definiert. In diesem geschützten Raum können durch Aufstellungen innere Bilder mit der Realität abgeglichen werden und als Probehandeln und Probeerleben mit den Charakteristika des Spiels Veränderungen in der Außenwelt vorbereiten.

Da in der Aufstellungsarbeit Elemente hypnotherapeutischer Arbeitsweisen wie etwa hypnotherapeutische Induktionen und verschiedene Grade kollektiver oder individueller Trancezustände zum Tragen kommen, kann sie zu den hypnotherapeutischen Verfahren gerechnet werden: Die Veräußerlichung innerer Bilder über die Positionen der Systemmitglieder oder -anteile zueinander und die Tatsache, dass Aufstellende und Aufgestellte sich gleichermaßen so verhalten, als handle es sich um die realen Personen oder Anteile, erfüllen die Bedingungen einer kollektiven Trance, wie sie in der hypnotherapeutischen Arbeit bewusst induziert wird. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit alternativer Bilder und »Überschreibungen« traumabedingter neuronaler Prozesse kann das Aufstellungsverfahren rein imaginative Techniken wie Ego-State-Therapie oder Bildschirmtechnik häufig übertreffen und bietet deshalb eine gute Ergänzung dieser Methoden. Therapeutisch wirksam sind dabei die Qualität der direkten kinästhetischen, auditiven und visuellen Wahrnehmung und die indirekten Rückmeldungen der Stellvertreter – insofern handelt es sich auch um eine Tagtraumtechnik mit allen Sinnesmodalitäten. Ein Äquivalent zur Symbolkonfrontation in kathatym-imaginativen Verfahren stellt die Konfrontation mit abstrakten Elementen im Sinne von Symbolen in der Methode der Strukturaufstellungen (SySt) dar, die dadurch als besonders schonendes Aufstellungsverfahren bei kTFS gilt. Häufig lassen sich dabei mehrschichtige Dynamiken erkennen, so dass beispielsweise die in der Aufstellung repräsentierten Elemente eines Innensystems oder eines inneren Teams in ihren Interaktionen zugleich familiäre oder soziale Beziehungen widerspiegeln. Diese Mehrdeutigkeit ist in hypnosystemischen Verfahren erwünscht, da sie der Klientin erlaubt, Deutungs- und Verständnisebenen dem eigenen Verarbeitungsvermögen entsprechend zu wählen.

Aufstellungen zur Ressourcenaktivierung in Analogie zur Imaginationsarbeit wie zum Beispiel die Aufstellungstechnik »Sicherer Ort« wurden ebenfalls schon an anderer Stelle beschrieben (Weismüller-Hensel, 2011).

Gemeinsamer Nenner aller Aufstellungsverfahren ist das Ziel der Wiederanbindung sowohl fragmentierter und dissoziierter Anteile des Binnensystems als auch die Wiederanbindung der Klientin an die heilsamen Bindungsaspekte ihres äußeren Bezugssystems. Parallel wird die Distanzierung, Trennung oder Transformation von destruktiven Anteilen oder belastenden Verstrickungen gefördert. Es wird also das Prinzip der Re-Assoziation von dysfunktional Dissoziiertem parallel zur Dissoziation von dysfunktional Assoziiertem umgesetzt und so eine Vervollständigung des Lebensnarrativs auf der persönlichen und/ oder der familiär-transgenerationalen Ebene ermöglicht.

Aufstellungsarbeit findet klassisch im Gruppensetting statt und kann damit von vielen heilenden Wirkmechanismen therapeutischer Gruppenprozesse profitieren, wie etwa von der Förderung der Beziehungsfähigkeit und der Fähigkeit zu interpersoneller Kompetenz. Das Gruppensetting ist außerdem ein wirksamer Schutz vor zu viel dyadischer Nähe und der damit einhergehenden Gefahr einer pathologischen Übertragungsbeziehung zur Therapeutin. Wichtigster Wirkfaktor ist bei komplex Traumatisierten die soziale Unterstützung in der Gruppe durch wissende und wohlwollende Zeugenschaft als Gegenmodell zu den oft überforderten sozialen Unterstützungssystemen der Ursprungsfamilie. Traumaverarbeitung findet so als psychosoziales Ereignis statt, bei der soziale Unterstützung, Sicherheit und eine solidarische Form der Öffentlichkeit durch Zeugenschaft erlebt werden können. Klientinnen erfahren, dass sie mit ihrem traumatischen Erleben und den daraus resultierenden Symptomen nicht alleinstehen. Durch den hohen Grad an Mitschwingen und Mitgefühl mit der im Fokus stehenden Klientin wird die Isolation aufgehoben und die Scham reduziert. Ein Großteil der anwesenden Gruppe wird durch Übernahme von Repräsentantenfunktionen aktiv in die Dynamik der Klientin einbezogen und hat so tragenden Anteil an ihrem Leid, aber auch an ihren Entwicklungsmöglichkeiten. Eine häufige Nebenwirkung von Aufstellungsgruppen ist deshalb eine Reduzierung sozialer Ausgrenzung. Typisch für Aufstellungsgruppen sind eine nachrangige Fokussierung der Gruppendynamik und eine mit dieser verbundene Abmilderung von destruktiven Übertragungsprozessen. Das entscheidende Potenzial für die traumatherapeutische Nutzung von Aufstellungen im Gruppensetting ist das aufstellungsspezifische Phänomen der aktiven wie passiven repräsentierenden Wahrnehmung. Die oft unerklärlich scheinende Stimmigkeit der psycho-physiologischen Wahrnehmung und deren Validierung durch die Protagonistin bieten Gruppenteilnehmerinnen die Möglichkeit zur Stärkung des Vertrauens in die eigene Wahrnehmung, ein Gefühl der individuellen Authentizität sowie eine heilsame Erfahrung von tiefer Verbundenheit mit anderen. Für Traumaklientinnen kann damit eine Form der Wiederanbindung und basalen Erfahrung von Zugehörigkeit an die Gemeinschaft einhergehen. Das in dieser interagierenden Authentizität der einzelnen repräsentierenden Wahrnehmungen entstehende übersummative Produkt einer »transverbalen Sprache« (vgl. Varga von Kibéd u. Sparrer, 2004) stellt auch für die Arbeit mit kTFS einen wirksamen therapeutischen Faktor dar und ist in dieser Form spezifisch für Aufstellungsgruppen.

»Traumakompatible« Modifikationen und Ergänzungen für die Arbeit mit komplexen Traumafolgestörungen

Meiner Erfahrung nach begegnen wir in kurztherapeutischen Aufstellungsgruppen neben Klientinnen mit Traumafolgestörung des Typs I in der Regel am ehesten solchen des Typs II und III. Menschen mit einer Störung des Typs IV haben es häufig schwer, geregelt für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, somit ist ihnen therapeutische Hilfe in der Regel nur im Rahmen des Krankenkassen-Versorgungssystems zugänglich. Dennoch haben wir immer wieder Teilnehmerinnen, bei denen zum Beispiel eine dissoziative Symptomatik deutlich zu erkennen ist. Aufstellerinnen müssen wissen, dass wir es bei kTFS mit einem nachhaltig sensibilisierten Stressverarbeitungssystem zu tun haben, das anders auf Reize reagiert als das Stressverarbeitungssystem bei Menschen mit »normal neurotischen« oder Monotraumaerfahrungen. Deshalb sind grundsätzlich in der Arbeit mit kTFS eine seriöse psychotherapeutische Ausbildung plus eine aktuelle traumaspezifische Fortbildung unerlässlich. Sollte das nicht der Fall sein, tut die Aufstellungsleiterin gut daran, bei der Wahrnehmung von Symptomen einer TFS ihre Grenzen kenntlich zu machen und die Klientin an eine entsprechend qualifizierte Behandlerin zu verweisen. Das folgende Fallbeispiel bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Frage: Wem gehört die Aufstellung?

Eine Aufstellungskollegin macht sich vom einem Ende des deutschsprachigen Raumes auf den Weg zu einer als Traumaexpertin bekannten Aufstellungskollegin am anderen Ende, um ihre langanhaltenden traumatischen Lebenserfahrungen mittels einer Aufstellung zu bearbeiten. Ihre Hoffnung auf einen neuen Zugangsweg und Erleichterung ihrer eigenen Traumafolgesymptomatik wird jedoch enttäuscht: Im Laufe des Aufstellungsverlaufes geraten sie und die Aufstellungsleiterin in einen Disput, wessen Vorstellungen für den Prozess der Aufstellung die maßgeblichen sind: ihre als Klientin oder die der Leiterin. Schließlich bricht die Leiterin den Prozess mit der Schuldzuweisung ab, die Klientin sei nicht kooperativ und wolle zu sehr ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen.

Die Episode im Fallbeispiel beschreibt einen Kardinalfehler in der Traumatherapie, zu dem das Aufstellungssetting ganz besonders Aufstellerinnen ohne spezifische und gründliche traumatherapeutische Ausbildung verleiten kann – sei es aus alter Hellinger’scher Tradition oder aus Gründen der eigenen Überforderung (oder beidem). Das Ergebnis ist ein Machtkampf, der mit einer Reviktimisierung der Klientin, also der Wiederholung ihrer Erfahrung von Ohnmacht und Kontrollverlust endet. Details über den Kontext sind mir nicht bekannt, aber Situationen wie diese werden mir immer wieder geschildert, und auch ich habe sie in der Arbeit von Kollegen und Kolleginnen selbst erlebt. Ich möchte das Beispiel, das dafür steht, was Aufstellerinnen nicht tun sollten, dazu nutzen, um weitere wichtige Aspekte bei der Arbeit mit komplexen Traumfolgestörungen zu illustrieren:

Wenn wir uns auf die zu den Traumatypen genannten Empfehlungen für die jeweils spezifische Behandlung beziehen, dann könnten – und müssten – wir bewusst eine Diagnose stellen und entsprechend des Traumtyps differenzieren können. Da wir im Rahmen eines ein- bis mehrtägigen Gruppenworkshops jedoch keinesfalls gründlich diagnostizieren können, sollte auf jeden Fall ein Vorgespräch zur Abklärung potenzieller Traumatisierungen stattfinden. Um mit achtsamer Wahrnehmung Symptome zu erkennen, die zur Hypothese einer bisher nicht berichteten TFS führen, braucht es fundierte Kenntnisse über Traumafolgestörungen und eine therapeutische Haltung, die von vornherein das Vorhandensein solcher Störungen einschließt. Diese Haltung ist gekennzeichnet durch eine Form der Kooperation mit der Klientin, die das Wissen um und die Entscheidung von Tempo und Schwerpunkt für ihr Anliegen und damit die Kontrolle bei ihr selbst belässt, und zwar zunächst ganz bewusst mit Fokus auf dem individuellen Binnensystem statt auf äußeren Bezugssystemen. Die Funktion der Aufstellungsleiterin ist hier besonders die einer Ermöglicherin und Rahmenhalterin. Sie sorgt für Containing, Konstruktivität und Transparenz ihres therapeutischen Handelns, kooperiert mit der Klientin auf Augenhöhe und gibt Deutungen nicht vor, sondern bietet sie als Hypothesen oder alternative Wahlmöglichkeiten an. Im Sinne des Prinzips der »informierten Abstimmung« und im Hinblick auf die angestrebte Wiederbemächtigung werden im Aufstellungsprozess Kontrolle und Regie mit der Klientin abgestimmt. Vereinbart werden bei Bedarf Schutzmaßnahmen sowie Grenzen, Ziele und Dosierung, um einer Überforderung oder Überflutung vorzubeugen. Dazu gehört die Möglichkeit verdeckter und abstrakter Aufstellungen, mit denen zum einen symbolische und unpersönliche Repräsentanten, zum anderen schambesetzte Themen auch unbenannt im Gruppenrahmen inszeniert werden können. Aufstellungen abstrakter Elemente bieten die Möglichkeit der indirekten Annäherung, bei der es gegebenenfalls zur Konfrontation mit Traumamaterial kommt. So könnten beispielsweise nach einer vereinbarten Zielehierarchie in einer ersten Annäherung »das Verletzende« und »das Heilende« aufgestellt und somit der Gleichzeitigkeit von Konfrontation mit Trauma und von Stützung durch Ressource entsprochen werden, so dass ein schonender Prozess möglich ist.

Psychoedukation ist eine der wichtigsten Interventionen, um bei unseren Klientinnen ein erstes Verständnis für ihre Symptomatik zu gewinnen, und damit die Voraussetzung dafür, dass sie unsere Ideen zur Gestaltung der Aufstellung nachvollziehen können. Auch hier kann Aufstellungsarbeit helfen: Gelegentlich stelle ich in Therapiegruppen das Dissoziationskontinuum (vgl. Phillips u. Frederick, 2007/2015) als Strukturaufstellung dar, um den Begriff und den Prozess der Dissoziation verstehbar zu machen. Dabei stelle ich selbst Teilnehmerinnen als Stellvertretungen für abstrakte Selbst-Zustände oder -Anteile bzw. für Stressoren mit steigendem Bedrohungsgrad auf. Es ist dabei notwendig, diese Form der Aufstellung abstrakt und mit generalisierten Symbolen durchzuführen, keinesfalls als Aufstellung für eine spezifische Person. Die Stellvertreterinnen müssen dementsprechend instruiert werden, dass es nicht um eine möglichst facettenreiche Rückmeldung, sondern um die Darstellung eines allgemeinen Modells geht.

Aufstellungsarbeit bewegt sich zwischen den Polen Intensivierung und Distanzierung: Sie intensiviert im emotional-szenischen Aspekt und distanziert im räumlichen Aspekt. Deshalb ist im Sinne traumatherapeutischer Ziele eine genaue Differenzierung notwendig, was intensiviert und was distanziert werden soll. Als therapeutische Leitlinie gilt hier: die Intensivierung von Ressourcen durch Wahrnehmung mit allen Sinnesmodalitäten und die Distanzierung von Belastendem durch Nutzung der Möglichkeit der räumlichen Entfernung. Dabei können bereits Rahmenbedingungen symbolisch für inhaltliche Arbeit genutzt werden, wie folgendes Fallbeispiel verdeutlicht:

Schon in der Vorstellungsrunde einer Wochenendgruppe will die Klientin sich zurückziehen, erwägt den Abbruch, weil ihr die Geschichten der anderen zu viel seien. Auch ihre eigene, therapeutisch schon mehrfach bearbeitete, kann sie nicht erzählen, sie sei nur hier, um zu überprüfen, ob sie »ihr Trauma an ihre Kinder weitergegeben habe, weil beide übergewichtig sind.« Als ich ihr die Möglichkeit zur Distanzierung anbiete, indem ich ihr unterbreite, dass sie sich jederzeit in die Sitz- und Liegeecke, den Wintergarten oder den Garten zurückziehen könne, entspannt sie sich und kann weiter in der Runde bleiben.

Desensibilisierung kann stattfinden, wenn die Möglichkeit gegeben ist, dass mit ausreichender Distanz die kognitiv-reflektierenden Ich-Anteile aktiviert bleiben können, während intrusive Bilder, Geräusche und Gefühle in der Gruppen- oder Stellvertreterinneninteraktion aktiviert werden.

Setting und Methodik – Einbindung in Langzeitsetting und Methodenvielfalt

Die Arbeit in ein- bis mehrtägigen Aufstellungsgruppen stellt eine extreme Form der Kurzzeittherapie dar, deren Rahmen nicht ausreichend Zeit für gründliche Diagnostik und Traumabearbeitung bietet. Für die Arbeit mit kTFS sollte das klassische Aufstellungssetting deshalb durch Einzelsitzungen und durch ein schrittweises Durcharbeiten in Langzeitprozessen ergänzt oder auch ersetzt werden. Einzel- und Gruppensetting werden in Abstimmung mit der Klientin nach Bedarf auch kombiniert.

Ich möchte hier noch einmal auf die optimale Förderung von Mentalisierung durch Gruppenprozesse verweisen. Dabei unterstützt das spezielle Aufstellungssetting eine strukturierte Einfühlung und begünstigt die Entwicklung einer Vorstellung davon, was in anderen Menschen vor sich geht. Übertragungen werden so kanalisiert und überprüfbar. Die Therapeutin kann zur Etablierung einer reflexiven Metaebene beitragen, indem sie mit der Klientin vereinbart, dass es immer wieder Unterbrechungen der Aufstellung mit einer Reflexion im Metaraum geben wird, bei der sowohl das Geschehen in der Aufstellung als auch die gegenwärtigen Empfindungen darüber und damit verbundenes vergangenes Geschehen besprochen werden. Dabei ist die Klientin in einer aktiven Beobachterrolle, die es ihr ermöglicht, in Kooperation mit der Therapeutin als Erwachsene und/oder in der Elternposition mit dem Blick auf die dritte Position eines verletzten jüngeren Anteils das frühere Geschehen aus der Gegenwart heraus einzuordnen und dysfunktionale Kognitionen zu korrigieren. Es ist also notwendig, immer wieder miteinander zu sprechen und dabei kognitive Prozesse zu fokussieren. Manchmal nimmt dadurch der verbale Austausch im Metaraum ebenso viel oder mehr Zeit ein als das Aufstellungsgeschehen. In meinen Langzeitgruppen sind Gesprächsphasen mittlerweile fest installiert, sie werden häufig zur gemeinsamen Reflexion von Aufstellungsprozessen genutzt.

Mit dem Angebot einer verbalen Reflexion im Metaraum kann Aufstellungsarbeit auch zur Desensibilisierung beitragen. Die gemeinsame, distanzierte Betrachtung des Aufstellungsprozesses mit den Möglichkeiten der Kontrolle durch die Klientin und der sprachlichen Reflexion miteinander kann die Angst vor der Angst und das innere und äußere Vermeidungsverhalten verringern und die Integration in das verbale, deklarative Wachbewusstsein unterstützen. Derart gestaltet kann Aufstellungsarbeit bei Einbeziehung der Ressourcen des Individuums und seines Bezugssystems im Rahmen des haltgebenden Übergangsraums der Gruppe als eine erweiterte Form der imaginativen Traumaexposition eingesetzt werden – sofern die Therapeutin sich dabei aktiv zur Vermeidung von Ohnmacht und Kontrollverlust und für einen Zuwachs an Kontrolle sowie an Wiederbemächtigung und für den Aufbau selbstfürsorglicher Verhaltensweisen seitens der Klientin einbringt.

Aufstellungen im Kontext von kTFS beziehen sich nach Sack (2013) häufiger auf die Förderung von Alltagsressourcen als auf die Aufarbeitung zurückliegender traumatischer Ereignisse in der Geschichte des Individuums und seines Bezugssystems. Hohe Affektamplituden und spektakuläre Katharsis sind zu vermeiden, auch wenn die Arbeit dadurch »langweiliger« wird. Es sind die kleinen Lösungen in der Gegenwart, die bei der Bewältigung des Alltags im Jetzt helfen und zudem als Modell für den Umgang mit vergangenen Traumatisierungen fungieren können.

Intuition und Gegenübertragung

Kurz nach Absolvierung meiner ersten traumatherapeutischen Fortbildungsmodule meldet sich eine Klientin mit der Frage, ob ich mich mit Traumatherapie auskenne – was ich forsch bejahe. Daraufhin nimmt sie an einer Wochenendgruppe teil, um ihre Erfahrungen mit langanhaltender sexueller Gewalt in der Kindheit zu bearbeiten. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch stellen wir Mitglieder aus ihrer Ursprungsfamilie auf, unter anderem den Täter, und es kommt zu einer Konfrontation im Rahmen der Stellvertretung. Während der gesamten verbalen und nonverbalen Arbeit gelingt es mir nicht, die Klientin als authentisch wahrzunehmen, so dass es mir schwerfällt, mich in ihre Geschichte einzufühlen – vielmehr fühle ich mich ständig manipuliert und missverstanden, versuche aber, ihren recht festgelegten Vorstellungen zu entsprechen. Die Klientin ist trotz all meiner Bemühungen sehr unzufrieden mit der Aufstellung, weil ihrer Ansicht nach nicht die richtigen Personen stellvertreten würden, und so endet die Arbeit mit heftigen Vorwürfen ihrerseits und einem Gemisch aus Versagensgefühlen und Ärger meinerseits.

In der Ausbildungssupervision bringe ich die Situation des vorangestellten Fallbeispiels ein und erfahre, dass das Fehlen einer klaren Übertragungswahrnehmung auf das Vorliegen einer dissoziativen Störung hinweisen kann – die Funktion der Dissoziation ist ja, dass zum Schutz vor Überflutung mit traumabezogenen Emotionen immer nur ein Fragment der Person wahrgenommen werden kann, während die bedrohlichen Inhalte in anderen Selbstanteilen verschlossen bleiben. Der Affekt ist dadurch flach und schwer zu spüren. Hier ist es also umso wichtiger, mit der Klientin im Austausch über die jeweiligen Wahrnehmungen zu bleiben und die eigenen Einschränkungen offen zu machen.

Konfrontation, Stabilisierung und Ressourcenorientierung

Nachdem Aufstellungsarbeit aus dem Feld der Traumatherapie massiv dafür kritisiert wurde, zu unkontrollierten »Retraumatisierungen« zu führen, war es mir ein besonderes Anliegen, Stabilisierung und Ressourcenorientierung in den Vordergrund zu stellen und jegliche vorzeitige Konfrontation zu vermeiden. Hier ein Fallbeispiel, aus dem ich viel gelernt habe:

Nicht lange nach der Veröffentlichung meines traumakompatiblen Aufstellungskonzeptes ISA und noch ganz unter dem Eindruck des Postulats der ausführlichen Stabilisierung vor jeder Konfrontation werde ich zu einem Fortbildungsmodul zum Thema Trauma und Aufstellungsarbeit eingeladen. Während dieses Seminars will ich vor allem die Notwendigkeit der Stabilisierung durch Generierung, Aktivierung und Repräsentierung von Ressourcenanteilen als unbedingte Voraussetzung für eine sehr viel spätere Exposition mit möglichen Aggressoren oder Tätern demonstrieren. Ich arbeite mit einer Teilnehmerin, die zum einen in ihrer Jugend langanhaltender familiärer Gewalt ausgesetzt war, zum anderen in ihrem gegenwärtigen Beruf immer wieder in bedrohliche Situationen mit traumatischen Erfahrungen gerät. Sie leidet unter Affektdurchbrüchen und kann oft ihre aggressiven Impulse nicht kontrollieren, wodurch berufliche und private Beziehungen sehr belastet werden. Da sie im Laufe der schon weit fortgeschrittenen Ausbildung gut in die Gruppe eingebunden und die Ausbildungsleiterin selbst traumtherapeutisch ausgebildet ist, scheint mir eine Arbeit mit ihr verantwortbar. Ich gehe also ganz im Sinne des Mottos Stabilisierung vor Exposition nur wenig auf die Beschreibung ihrer traumatischen Erlebnisse ein – wir fokussieren stattdessen gemeinsam ihre Ressourcen und stellen diese zunächst auf. Dann geschieht etwas Merkwürdiges: Die zunächst freundlich zugewandten Ressourcen zeigen nach ein paar Minuten destruktive und aggressive Tendenzen, sie greifen den »gesunden« Ich-Anteil und später auch einander an. Wir überlegen gemeinsam, ob wir wichtige Ressourcen übersehen haben, finden noch einige derselben und stellen sie hinzu. Die gleiche Entwicklung wiederholt sich – und das auch bei einem weiteren Versuch, positive Ressourcen zu ergänzen. In der Aufstellung brechen Hölle und Chaos aus, alle agieren aggressiv, laut, destruktiv. Ich werde immer ratloser und weiß keine Lösung mehr. Wir brechen die Aufstellung ab, Klientin, Gruppe und Leiterin sind enttäuscht, ich bin verunsichert und empfehle eine Traumatherapie an anderer Stelle.

Was sich im Fallbeispiel von selbst demonstrierte, war die Begrenztheit einer reinen Stabilisierungs- und Ressourcenfokussierung in der Arbeit mit dieser – nach Einschätzung der wenigen anamnestischen Daten – komplex traumatisierten Teilnehmerin. Offenbar hatte das wiederholte und langanhaltende Erleben traumatischer Situationen dazu geführt, dass die Ressourcenanteile von den destruktiven Selbstanteilen so dominiert wurden, dass auch letztere wahrgenommen und repräsentiert werden mussten. Hier war ein Nacheinander von Aktivierung »benigner« und Exposition »maligner« Anteile nicht machbar. Mit meinem heutigen Kenntnisstand würde ich versuchen, Ressourcenaktivierung und Exposition mit traumabezogenen Anteilen zu verbinden – das heißt, wenn sich das Chaotisch-Destruktive in der Aufstellung als so unabweisbar wie im Fallbeispiel zeigt, ihm durch eine Stellvertretung strukturiert Raum zu geben und von Anfang an die innere Kommunikation unter den Anteilen und die damit einhergehenden Möglichkeit der Synthese zu ermöglichen. Und ich würde mich später im Rahmen eines Langzeitprozesses mit der Frage nach einer eigenen Täterschaft befassen und gegebenenfalls auch diesen Aspekt repräsentieren lassen.

In dem heute propagierten gleichzeitigen oder kurzfristig versetzten Fokus auf Stabilisierung und Exposition, Ressourcen- und Traumazuständen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der erwachsenen, in der Gegenwart verankerten Kognition erkenne ich eine der Kerntechniken des Somatic Experiencing nach Levine: das Pendeln, das nun offenbar als Prinzip in die Therapie von kTFS Eingang gefunden hat.

Einbeziehung des Körpers

Für Aufstellerinnen ist es keine Frage, dass die Fokussierung von Körperwahrnehmungen ein Weg ist, einstellungsunabhängige Rückmeldungen von den Stellvertreterinnen zu erhalten. Das kann bei Menschen mit kTFS nur eingeschränkt möglich sein, da häufig ihr Körperraum nachhaltig verletzt wurde und die entsprechende Wahrnehmung dissoziiert werden musste. Dennoch ist häufig ein Zugang zur Körperwahrnehmung vorhanden, der sich dort nutzen lässt, wo diese nicht mit dem Trauma identifiziert ist. Das betrifft zum einen angenehme Körperempfindungen, die etwa im Somatic Experiencing als Ausganspunkt und Gegengewicht für die Annäherung an belastete Körpergefühle fokussiert werden. Zum anderen betrifft es körperliche Wahrnehmungen, die in Stellvertretungen für andere und somit nur bedingt als mit der eigenen Person identifiziert wahrgenommen werden. Es gilt deshalb, bei der Hypothese des Vorliegens einer kTFS behutsam abzuklären, welche Bereiche körperlicher Wahrnehmung für die Klientin zugänglich sind, und ihr die Freiheit zu geben, den Prozess zu stoppen, wenn ihre Grenzen erreicht sind. Im folgenden Fallbeispiel wird deutlich, dass auch die Wahrnehmung von körperlichen Symptomen dort einen bewussten Zugang zu Körperempfindungen darstellt, wo vorher Empfindungen gänzlich dissoziiert werden mussten:

Beim diagnostisch-anamnestischen Vorgespräch berichtet der Klient, selbst Arzt, dass er während vorheriger Aufstellungsversuche bei verschiedenen Aufstellern häufig dissoziiert sei, weil er die Wucht der Dynamiken in seiner Familie nicht aushalten konnte. Er habe meine Kontaktdaten mittlerweile seit zehn Jahren und sei schon einige Male damit umgezogen, aber unter dem Druck der sich verschlimmernden Symptomatik (Tinnitus, Schwindel, Ängste) wolle er es jetzt doch noch einmal in einer Wochenendgruppe versuchen. Da ich mich über die komplexen traumatischen Erfahrungen in einem Einzelgespräch vorab informiert habe, beginne ich mit je einem Stellvertreter für den Klienten und für die Symptome (vor allem quälender Tinnitus). Das Symptom lässt sich nicht abschütteln. Wir nehmen auf Wunsch des Klienten seine Mutter hinzu – sie nimmt nur Starre wahr. Auch das Hinzunehmen der Mutter der Mutter verändert nichts, denn auch bei ihr zeigt sich dieselbe Erstarrung. Es scheint nichts zu geben, was der Klient an dieser Starre ändern könnte.

Es geht ihm besser, als er sich aus der Aufstellung herausbewegt und hinausblickt. Am Ende kann er neben seinem Stellvertreter zurückschauen und auf ein Eingreifen verzichten. Es geht beiden in der Distanzierung zu den Vorfahren und der Abstinenz gut. Das Symptom zieht sich zurück: »Ich bin raus!« – Es gelingt dem Klienten daraufhin, während des ersten Gruppentages nicht zu dissoziieren und trotz hoher Belastung bewusst zu bleiben. Häufig versteht er die Gruppe nicht, weil ihm alles zu viel ist. Am Ende des ersten Tages ist er davon so erschöpft, dass er am zweiten Tag wegen einer Verstärkung des Tinnitus und Schwindelanfällen seine Teilnahme absagen muss. Er habe in der Nacht Angstzustände gehabt und sehr schlecht geschlafen. Alles sei auseinandergefallen. Im Nachgespräch deutet er das als »Erstverschlimmerung« und gibt die eigene fachkundige Einschätzung ab, er sei »in die Somatisierung anstatt in die Dissoziation gerutscht«, was wir beide als Fortschritt bewerten, da Somatisierung mehr Bewusstseinsnähe erlaubt als die weitgehende Dissoziation während vorheriger Aufstellungen. In der Folge meldet er sich für einen Platz in der Langzeitgruppe an.

Kontraindikationen

Bei Vorliegen oder Verdacht einer kTFS bei der Klientin sollte Aufstellungsarbeit unbedingt an die Einbindung in eine anerkannte Traumatherapie geknüpft sein und auch nur dann durchgeführt werden, wenn die Klientin einer Kooperation mit der dortigen Behandlerin zustimmt und diese dazu bereit ist.

Anhaltende Erfahrungen von traumatischem Stress in der gegenwärtigen Lebenssituation der Klientin behindern traumatherapeutische Fortschritte, oft erscheinen sie gänzlich vergeblich. Hier stehen zuerst Sicherheit und Schutz der Klientin im Fokus. Klassische Aufstellungsformate sind hier kontraindiziert – eine Aufstellung mit Fokus Sicherheit und Schutz dagegen möglich, wenn die Klientin mit diesem Ziel einverstanden ist.

Wenn der Gewinn aus der Aufrechterhaltung des »Opferstatus« größer ist als der Wunsch nach Veränderung, sollte die Klientin für ihre Bemühungen als »Besucherin« im Sinne de Shazers anerkannt werden, ohne dass Gruppe und Therapeutin im Hinblick auf eine Aufstellung bemüht werden bzw. zur Verfügung stehen müssen.