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Sommer 1936: In Split, der "Perle des Meeres" an der Adriaküste, herrschen buntes Treiben und frivole Leichtigkeit. Unter die Touristen der europäischen Hautevolee mischen sich aber zunehmend auch Juden auf der Flucht, Kommunisten und andere Gegner des NS-Regimes und mit ihnen Schlepper und Spione aus aller Herren Länder. Nicht weniger Argwohn wecken deutsche Filmteams, selbst wenn die Einheimischen stolz darauf sind, dass ihre Stadt als beliebter Drehort der internationalen Filmkunst gilt. Die Strände, Cafés und Kneipen sind voll, im Hafen liegen Passagierdampfer und Militärschiffe neben Fischerbooten – und eines Morgens auch eine Leiche. Es gibt wenige Spuren, und die führen in alle Richtungen. Mario Bulat beginnt zu ermitteln, aber tatsächlich scheint jeder schon mehr zu wissen als er. Träume und Kulissen ist ein schillerndes Kaleidoskop mediterranen Lebens in einer überhitzten Epoche, ein an Tönen und Farben reicher Gesellschaftsroman über eine Welt an der Kippe, der trotz aller Fortschrittsversprechen die Katastrophe droht. Und nicht zuletzt ist dieses Buch eine literarische Liebeserklärung an einen Sehnsuchtsort.
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Seitenzahl: 362
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sindim Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 2021 Jung und Jung, Salzburg und Wien
Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung,
Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten
Umschlagbild: Joža Kozak, Riva in Split, sign. F0047721
© Slovene Ethnographic Museum Picture Library
Umschlaggestaltung: BoutiqueBrutal.com
eISBN 978-3-99027-183-4
ALIDA BREMER
Roman
Für Fabian und Leon
Aber das Verbrechen war die Auswirkung einer ganzen Windrose von Ursachen, die wie ein Mühlrädchen in Schwung gesetzt worden war (genau wie die sechzehn Winde der Windrose sich zur zyklonischen Depression einer Windrose verdichten und schließlich, im Wirbelsturm des Deliktes, die geschwächte »Weltraison« abwürgen. Wie man einem Huhn den Hals umdreht.)
Carlo Emilio Gadda:
Die grässliche Bescherung in der Via Merulana
Uns vergingen jene Wochen in der dalmatinischen Landschaft, auf dieser Insel mit ihren Buchten, ihren Hügeln und biblischen Tälern, als ob wir exterritorial, von der Welt abgesondert wären. Wir waren glücklich, wenn wir die Augen aufschlugen und den schimmernden blauen Himmel über uns erblickten und weiße Segel auf dem Meer. Die Schiffe, die fast gleichzeitig, gewöhnlich um die Mittagszeit, aus dem Süden und aus dem Norden, aus Dubrovnik und aus Split kamen, brachten Zeitungen aus aller Welt. Während wir sie lasen und die Nachrichten besprachen, verloren wir die Exterritorialität, die Vorgänge in Deutschland warfen uns in die Zeit zurück.
Manès Sperber:
Bis man mir Scherben auf die Augen legt
TEIL 1
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
TEIL 2
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
TEIL 3
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
TEIL IV
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Anmerkung und Dank
Ein Riesenfisch lag seitlich ausgestreckt auf einem Haufen Fischernetze. In der Morgendämmerung schimmerte der Bauch perlmuttfarben, während sich die schwarzen Flossen immer deutlicher abzeichneten, je näher Antonio Petrinelli dem Ungeheuer kam. Seine Schritte waren etwas unsicher. Er war angenehm betrunken und bis vor einigen Minuten noch sorglos heiter gewesen, denn die Nacht hatte er in der besten Gesellschaft verbracht, die diese Stadt zu bieten hatte. Plötzlich spürte er die Brise, die vom Land Richtung Meer wehte. So ist das Leben, dachte Petrinelli, von der Luftströmung beinahe nüchtern geworden. An einem Tag spielst du die ganze Nacht trešeta und briškula, lässt dich vom Direktor der Zementfabrik mit Kutteln in Zwiebel-Tomaten-Soße bewirten, trinkst für das Blutbild Rotwein dazu, und am anderen Tag schon kann dich der Tod dahinraffen, allen Bemühungen um die Gesundheit zum Trotz.
Er dachte an seine Mutter, an die er sich immer dann erinnerte, wenn er Gründe für ein schlechtes Gewissen zu haben glaubte. Er konnte froh sein, dass sie jetzt nicht auf ihn wartete und durch die halbgeöffnete Tür ihres Zimmers nach ihm rief, um zu überprüfen, ob er nach Hause gekommen war und wie es ihm ging. Aber trotz der Erleichterung überkam ihn ein Gefühl der Einsamkeit.
Er ging jetzt langsamer und fixierte dabei das mächtige Tier. Komisch, dass die Fischer es einfach haben liegen lassen. Sicher werden sie bald kommen, um ihn zum Fischmarkt zu transportieren, dachte er und wurde noch ein wenig nüchterner. Das ölige, schwarze Meer umspülte die Kaimauern, und man hörte das Knattern, Surren und Quietschen, die Geräusche ankernder Schiffe, die Antonio Petrinelli, obwohl er in der Hafenstadt geboren war, noch nie beachtet hatte, die ihm jetzt aber besonders laut vorkamen.
Nun war er nur noch wenige Meter von dem Haufen aus Fischernetzen entfernt. Sie waren mit Kork besetzt, die Korkrädchen sahen aus wie getrocknete Feigen. Mein Schädel ist eine camera obscura, dachte er und machte sich klar, dass er alles, was er sah, auf den Kopf stellen musste. Das, was er für den Bauch des Fisches gehalten hatte, war plötzlich der Bauch eines Mannes, dessen weißes Hemd sich in starkem Kontrast zu einem schwarzen, aufgeknöpften Jackett abzeichnete. Die Schwanzflosse war eindeutig eine Hose, die in einem Paar schwarzer Lackschuhe endete, während der Fischkopf tatsächlich ein weißes Gesicht mit blutigen Spuren und weit aufgerissenen Augen unter dunklen, nach hinten gekämmten Haaren war.
Er fühlte sich wie in einen Traum versetzt, nur dass er wusste, dass er nicht schlief, sondern wach durch den Hafen von Split wankte, um nach Hause zu kommen. Und er musste sich beeilen, denn er spürte, wie sein Mageninhalt in seine Speiseröhre stieg. Die saftigen Kutteln, die bräunliche Soße und der schwere Rotwein, das konnte er sich wahrlich nicht erlauben. Er konnte sich nicht einfach hier, mitten in der Stadt, in aller Herrgottsfrühe übergeben.
Verfluchte Filme! Seit seine Mutter tot war, war er dieser Mode verfallen und ständig im Kino. Jetzt sah er, was er davon hatte. Filmszenen tauchten vor seinem inneren Auge auf.
Infolge einer spontan verabschiedeten Anordnung des Königlichen Innenministeriums in Belgrad waren die Bordelle in der Stadt seit drei Jahren geschlossen. Die Proteste der Betreiber, die persönlich in die Hauptstadt gefahren waren, um zu erklären, dass eine Hafenstadt ohne Bordelle wie ein brudet ohne Fisch, wie eine Spliter Torte ohne Rosinen oder ein Dampfer ohne Schornstein sei, waren vergeblich: Die größte Stadt an der Küste des neuen Königreichs sollte keusch und tugendhaft sein, zumindest offiziell. Denn die Frauen zogen um in die dunklen Hauseingänge der feuchten Steinhäuser und die Spelunken in den abgelegenen Gassen der Altstadt, wo die Seemänner und andere Kunden nach ihnen Ausschau hielten.
Karlo Cambi, der zuständige Polizeibeamte, hatte in einem Interview mit der lokalen Zeitung Novo doba gesagt: »Für uns bei der Sitte hat sich nicht viel verändert. Nur die Kellner in den Hafenbars sind weniger freundlich zu uns, als es die Madames waren.« Das Interview fiel durch die Prüfung der Zensurbehörde, so dass die Öffentlichkeit von seiner sachlichen Feststellung nichts mitbekam. Der Polizeipräsident, der noch neu auf diesem Posten war, ermahnte den Kollegen Cambi ob seines lässigen Umgangs mit den Journalisten, doch diesem schien das nichts anzuhaben. Der Polizeipräsident versuchte, seine Worte abzumildern, indem er hinzufügte: »Kümmern Sie sich bitte lieber um die Flüchtlinge und die Fluchthelfer im Hafen, das ist uns derzeit wichtiger als die Nutten. Und achten Sie in den Nachtbars darauf, ob sich dort Kommunisten versammeln.« Dem Blick von Karlo Cambi, der die Wand hinter seinem Vorgesetzten fixierte, war nicht abzulesen, was er von solchen Anweisungen hielt.
Drei junge Männer, die an diesem frühen Morgen über den Platz der Prokurative schritten, diskutierten diese und andere Missstände. Die Dämmerung war erfüllt von ihren leisen Flüchen: »porca miseria«, »porca Madonna«, »porco Dio«. Sie ergingen sich weiter in Herabwürdigungen diverser Minister des Königreichs Jugoslawien – »rimbambiti cretini«, »teste di cazzo«, »faccie di culo«. Am Ende nannten die drei – eigentlich nur zwei, da der Mittlere schwieg – die ganze Regierung »figli di puttana«. Dann legten sie einander die Hände auf die Schultern und gingen weiter. Von hinten sah es aus, als würde das Trio einen exotischen Volkstanz aufführen.
Die Männer hatten etliche weitere Gründe, mit der Politik in dem Staat, in dem sie lebten, unzufrieden zu sein, und als sie den Platz vor dem Theater erreicht hatten, machten sie sich Luft: Es sei eine Tatsache, dass Italien nach dem Großen Krieg, in dem seine Soldaten Heroisches geleistet hätten, um bedeutende Territorien betrogen worden sei, namentlich um Istrien und Dalmatien, einschließlich ihrer eigenen Stadt. Es sei ein Faktum, dass Benito Mussolini der beste Politiker aller Zeiten sei. Er habe Italien wieder groß gemacht und die faulen Spielchen der Engländer und der Amerikaner durchschaut. Es sei eine unbezweifelbare Wahrheit, dass die Italiener ein viel zivilisierteres und kultivierteres Volk seien als alle Balkanvölker zusammen.
Bei den letzten Worten klopften sie dem Mann in der Mitte, der von den beiden links und rechts gestützt wurde, auf die Schultern: »Dich meinen wir damit nicht, Mauro, wir wissen, dass du italienisch denkst. Aber du wirst uns verzeihen, wenn wir die Fakten benennen. Jedes Kind weiß, dass die Italiener allen anderen Völkern in Europa und in der Welt überlegen sind, nicht nur den Slawen. Die alten Griechen, die taugten was. Ein wenig auch die Franzosen, dann und wann, und vielleicht auch die Deutschen, aber alle anderen kannst du vergessen. Die Spanier haben die Sprache der Römer verdorben und sich mit den Arabern und Zigeunern vermischt. Die Engländer sind hochnäsig und verstehen nichts vom Essen, genauso wie die Skandinavier, die rohes Eisbärfleisch fressen.« Sie wollten die Aufzählung noch fortsetzen, aber ihnen wollten keine weiteren Völker in Europa mehr einfallen, und so verstummten sie.
Es war eine tote Stunde. Selbst die Kollonaden, Torbögen, Steinplatten, Fensterläden und Gemäuer, die ansonsten alles hörten und alles sahen, waren eingenickt. Die drei Männer gingen schweigend weiter, aber als der links von Mauro zu pfeifen begann, schloss sich ihm der, der Mauro von rechts stützte, leise singend an:
Giovinezza, Giovinezza,
Primavera di bellezza
Nel Fascismo è la salvezza
Della nostra civiltà.
Die Stadt schlief noch, auch die Passagierschiffe im Hafen dösten. Die Fischerboote waren noch nicht zurückgekommen, aber hätte sich zu dieser Stunde jemand an die Kaimauer gestellt und in die Ferne geblickt, dann wären ihm die blinkenden Lichter am Horizont zwischen den Inseln aufgefallen.
Frederick Achnitz lag auf dem Bett, starrte die Zimmerdecke an und rauchte. In einer Ecke hingen mit Staub bedeckte Spinnweben wie Bänder aus schwarzer, aufgewirbelter Watte. Frederick blies den Rauch in ihre Richtung, doch sie bewegten sich nicht. Es war eine selbstgedrehte Zigarette, prall gefüllt mit herzegowinischem Tabak. Felder und Felsen, Erde und Baumrinde, ein Aroma von angesengtem Holz und frischem Heu mischten sich mit seinem Speichel. Seitdem er wusste, wo in der Stadt man den kleingehackten Tabak besorgen konnte, fühlte er sich in Split heimisch. Bisweilen glaubte er, hierher zu gehören, vor allem wenn er mit Jana zusammen war. Jana Pilić. Ihr Nachname bedeutete »Küken«. Er schürzte die Lippen, als wollte er den aus seinem Mund strömenden Rauch küssen.
Nach seiner Ankunft hatte er sich bei dem Verbindungsmann gemeldet, um Anschluss an den adriatischen Zweig der Internationale zu finden. Dieser hatte ihm erklärt, wie er sich vor der Polizei schützen konnte und was vor Ort zu beachten war. Die politische Polizei in Split verwende Ochsenziemer, ob er davon schon mal gehört habe? Ob er wisse, dass diese Schlagstöcke gar keine Stöcke seien, sondern gedörrte Ochsenpenisse? Frederick fragte sich, ob der Mann noch nie etwas von der Gestapo gehört hatte, sagte aber nichts.
Für die Partei hier in Dalmatien, so hatte der Verbindungsmann weiter gesagt, stehe der Kampf gegen die italienischen Faschisten, gegen die kroatischen Nationalisten, gegen die katholische Kirche, gegen das serbische Königshaus und gegen die italienischen und jugoslawischen Kapitalisten ganz oben. Der Duce sei ein gerissener Spieler, der die Weltherrschaft anstrebe. Ob er sich all das merken könne, es sei wichtig. Die deutschen Genossen würden die Zusammenhänge in diesem Teil Europas nicht begreifen, das habe man leider häufig feststellen müssen. Mit italienischen Genossen habe man ein Attentat auf Mussolini geplant, aber nach Absprache mit Moskau vorläufig wieder davon abgesehen. Seiner Meinung nach würden manchmal nur Bomben helfen, aber im Sinne der Disziplin respektiere man die Hierarchie.
Der Verbindungsmann trug ein spitzes Bärtchen und einen silbernen Ohrring wie ein Pirat. Frederick hielt ihn für einen Angeber. Aber ein Kommunist sollte über einen Genossen so nicht denken.
An den Abenden versammelten sie sich in einem verrauchten Wirtshaus, das zwischen den Häuschen in Veli Varoš verborgen lag und von einem Mann geführt wurde, der Frederick nicht mochte, weil er ihn für einen deutschen Spion hielt und das auch deutlich zeigte. Sie unterhielten sich in einer Mischung aus Russisch und Deutsch, mit Jana sprach Frederick nur Deutsch. Jana hatte es in einem hochherrschaftlichen Haus in Wien gelernt.
Gestern hatten Jana und er im Orient, einer Taverne, Bandnudeln in einer Soße aus Kapern, Sardellen und Tomaten gegessen, bevor sie in die Kneipe gingen. Frederick hielt dem Blick des Wirtes stand, als sie sich zu den anderen an den langen Tisch setzten. Die Genossen klopften ihm auf die Schulter und umarmten ihn, die Genossinnen sangen ein paar Lieder, verschwanden jedoch früh. Ihre Eltern und Brüder schienen eher zu dulden, dass sie der kommunistischen Partei angehörten, als dass sie sich abends draußen herumtrieben. »Hier ist man sehr katholisch«, hatte ihm der Verbindungsmann am ersten Tag erklärt und dabei auf den Boden gespuckt. Nur Jana nahm sich die Freiheit, länger außer Haus zu bleiben. Abgesehen von der Familie, bei der sie arbeitete, gab es in der Stadt niemanden, dem sie Rechenschaft schuldete. Sie sei kein Kind mehr, hatte sie Frederick erklärt, und wenn sie es sich genauer überlege, sei die bürgerliche Moral für sie als Sozialistin ohnehin nicht verpflichtend.
Ungeachtet der Blicke, die der Kneipenwirt ihm zuwarf, war Frederick glücklich. Jana und er warteten, bis sich die letzten Freunde verabschiedet hatten, und zogen danach durch die Stadt, die in der warmen Nacht langsam zur Ruhe kam.
Sie gingen an der Terrasse der neuen Gaststätte am östlichen Ufer vorbei und konnten hören, dass dort ein Jazzorchester spielte. Sie probierten ein paar Stepptanzschritte, lachten, gingen weiter, suchten nach einem ruhigen Platz. Das Meer schnaufte gelassen, gleichgültig. Wer an der Küste geboren sei, erklärte Jana, der sei nie allein: »Das Meer ist immer da – wenn du in seiner Nähe bist, spürst du es ununterbrochen, bist du anderswo, trägst du es in dir.«
Im Hafen waren keine Menschen zu sehen, nur vereinzelt watschelten Möwen wichtig auf und ab. Die Schiffsmasten quietschten und knarrten, die Holzbalken der Vordersteven ächzten, die Segel schwiegen. Sie hatten ein Versteck gefunden, eine in die Kaimauer eingelassene Steintreppe, deren letzte Stufe mit glitschigem Moos bedeckt war. Sie hatten sich auf halber Höhe niedergelassen, man konnte sie nur sehen, wenn man sich nach unten beugte und die glimmenden Spitzen ihrer Zigaretten entdeckte.
Die Stadt fand allmählich in den Schlaf. In seinem Rhythmus stiegen die Wellen bis zu ihren Füßen und zogen sich träge wieder zurück. Mit dem Akzent einer österreichischen Hofdame erzählte Jana vom Tod ihrer Eltern, von ihren Geschwistern, die in der Welt verstreut waren. Es war dies die Nacht, in der Liebende sich aus ihren Leben erzählen.
Irgendwann standen sie wieder auf. Der Sternenhimmel erstreckte sich über ihnen, und das dunkle Meer umgab sie, als wären sie auf einem Schiff. Frederick ließ Jana vor sich die Treppe hinaufsteigen, bereit, sie zu halten, sollte sie ausrutschen. Ein Windhauch wehte den Geruch von Neptungras zu ihnen herüber. Zwei, drei Wellen schlugen gegen die Kaimauer, dann fiel das Meer in seinen gemächlichen Atem zurück.
Später konnte sich Frederick nicht erinnern, was er in dem Augenblick gehört hatte. Zuerst dachte er, die Möwen würden erwachen oder die Ratten wären durch etwas aufgescheucht worden. Aber es waren Menschenstimmen, Rufe, vielleicht ein Stöhnen, etwas unten bei den Fischerbooten.
Jana hatte ihn in Richtung Altstadt gezogen, zum Eingang des Diokletianpalastes, zum Abstieg in die Kellergewölbe, wo sie in das Dunkel schlüpften. Hier stank es. Frederick war darauf vorbereitet, mit seiner Hand etwas Ekliges zu ertasten, er wusste nicht was, eine glibberige Masse vielleicht, doch seine Finger berührten nur feste, kalte Steine. Sie wateten wie durch den Tintenbeutel eines Tintenfischs, stiegen zum Peristyl hinauf und dann noch höher die Steintreppe empor, die zwischen den beiden Löwen zum Eingang der Kathedrale führte. Hinter der Löwenskulptur zur Rechten lauerte eine Katze. Sie streckte den Kopf genauso wie das steinerne Tier des Heiligen Markus neben ihr. Nach einigen Schritten kamen sie in den Säulengang, der den Bau des einstigen kaiserlichen Mausoleums umgab.
»Was unten so gestunken hat, war der alte Müll«, flüsterte Jana. »Jahrhunderte lang haben die Menschen ihren Müll in den Keller geworfen und gehofft, dass er sich von alleine auflösen würde.«
Die Zeugin ihrer Umarmung, die Sphinx aus schwarzem Granit, die rechts des Treppenaufgangs auf einer hohen Mauer über das Peristyl wacht, starrte mit ihren blinden Augen ins Dunkel.
Antonio Petrinelli war nach Hause gekommen, hatte sich angezogen auf das Bett geworfen. Er träumte von Rotwein, der zu Blut wird. In den katholischen Gottesdiensten verwendeten die Priester Weißwein, damit die Symbolik nicht so aufdringlich banal wirkte. Oder damit keine Flecken an ihren Gewändern blieben. Oder damit sie sich von den Orthodoxen unterschieden. Wie auch immer, aber er persönlich mochte Rotwein lieber.
Mauro und seine beiden Begleiter waren ebenfalls nach Hause gekommen. Alle drei waren in ihren Zimmern verschwunden, glücklich darüber, dass sich morgen niemand trauen würde, sie zu wecken. Sie hatten ihre Familie wirklich gut erzogen. Bei diesem Gedanken lächelte Mauro gequält, bevor er in einen unruhigen Schlaf fiel.
Frederick hatte Jana bis zum Tor begleitet und zugeschaut, wie sie in der Dunkelheit verschwand. Sie war in ihr Zimmer geschlichen, hatte sich ausgezogen und war, nur mit einem Laken bedeckt, sofort eingeschlafen. Ihr Wecker würde in zwei Stunden klingeln. Sie wollte ihre Freundin Dora auf dem Fischmarkt treffen.
Frederick musste erst gegen zehn Uhr im Hotel Imperial erscheinen, um sich dort bei den aus Berlin angereisten Filmemachern vorzustellen. Der Gedanke daran, dass sie sich alle wundern würden, wenn er bald verschwände, erfüllte ihn mit einer Mischung aus Angst, Stolz und Ungeduld. Der Vertreter der Schifffahrtsgesellschaft Oceania, bei dem er sich nach der Linie Marseille–Barcelona–Valencia–Alicante erkundigt hatte – er gab vor, nach Alicante zu wollen –, hatte ihm versichert, dass das nächste Schiff am 14. Juli ablegen werde. Der Beginn der Volksolympiade in Barcelona war für den 19. Juli geplant. Er drehte sich auf die andere Seite und versuchte, sich seinen Film vorzustellen. Er gab es auf und dachte an Leni Riefenstahl.
Es war die Stunde der Träume.
Man träumte in dieser Morgendämmerung des 7. Juli 1936 nicht nur in Split, einer Stadt am Rande Europas, an der Küste eines schmalen Ärmels des Mittelmeers. Man träumte in Steinkaten mit schiefen Dächern in der Dalmatinischen Zagora ebenso wie in den Kajüten der Boote auf der Nordsee, man träumte hinter den geöffneten Fenstern, die auf die Hinterhöfe Berlins gingen, genauso wie in den Kollektivwohnungen in Moskau.
Es war das Zeitalter der Träume.
Man träumte von leichter Musik und leichter Bekleidung, von schnellem Geld und schnellen Autos, von Gesundheit und Medizin, von Wissenschaft und Technik, vom Schwimmen und Fliegen, von Olympia-Siegen und Kameras, die von diesen Siegen die besten Aufnahmen liefern würden.
Man träumte auch von der Gerechtigkeit einer klassenlosen Gesellschaft, von der Brüderlichkeit zwischen Arbeitern und Bauern, von starken Staaten und noch stärkeren Staatsführern, von der Flucht nach Amerika und von der Flucht wohin auch immer.
Man sah Filme, die Träumen glichen.
Man stritt darüber, ob Filme Träume oder doch eher Traumdeutungen waren. Und ob Filme Poesie oder Prosa sein sollten.
Eine grau umrissene Gestalt klopfte an die Tür einer im dritten Stock gelegenen Wohnung in der Ban Mladenova Nr. 5. Es regte sich nichts. Warum sollte es auch, es war kurz vor fünf, eine Uhrzeit, zu der im Sommer sogar Schlafwandler, demente Alte und chronisch Kranke in den Schlaf finden. Der Klopfende verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere und begann, lauter zu klopfen. Irgendwann trommelte er recht kräftig gegen die Holztür, doch noch immer bewegte sich in der Wohnung nichts. Er fasste Mut und schlug mit voller Wucht in ziemlich kurzen Abständen fünf, sechs Mal hintereinander zu. Eine Tür in der zweiten Etage öffnete sich, und eine verschlafene Stimme fragte von unten: »Wer ist da?«
Der Gesuchte war Kriminalkommissar Mario Bulat, dem der Polizeilehrling, nachdem er ein Stockwerk tiefer gestiegen war, mitteilte, dass im Keller des Polizeigebäudes seit einer halben Stunde eine Leiche liege, die jemand dorthin gebracht habe. Man habe außerdem nach Doktor Radman geschickt, mehr könne er nicht sagen, und er werde jetzt, wenn der Herr Kommissar erlaube, wieder zurückgehen. Mario Bulat sammelte seine Kleidung zusammen und schlich aus dem Zimmer, in dem seine Nachbarin Irena Ugrin gleichmäßig atmete, um sich in der Küche anzuziehen. Der Lehrling hatte verstört auf seine Unterhose gestarrt, als ob es unanständig wäre, wenn man im Sommer ohne Schlafanzug schlief. Im Badezimmer ließ er etwas Minzöl in ein Glas Wasser tropfen, gurgelte ausgiebig, strich sich mit den Fingern durch das Haar und spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht.
Der Tod seiner Frau hatte Mario ratlos zurückgelassen und wenige Wochen nach der Beerdigung in Irenas Arme getrieben. Sie hatte eine Schüssel mit frittierten Sardellen in einer Marinade aus Zwiebeln, Kapern, Olivenöl und Zitrone mitgebracht und gefragt: »Haben Sie Brot im Haus?« Zum Glück hatte er Brot, das sie später in die Marinade tunkten, während ihm Irena Rilke vorlas. Ein bestimmtes Gedicht müsse er unbedingt hören, hatte sie gesagt. Es handelte von Orpheus, der über den Tod seiner Frau so betrübt war, dass die Götter ihm erlaubten, sie aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Auf dem Weg zurück ins Leben drehte er sich voller Ungeduld um, während Hermes mit seiner toten Frau Eurydike leise hinter ihm herschlich. Das war gegen die Absprache, und seine Frau, »diese So-geliebte«, versank deshalb für immer in die Ewigkeit des Jenseits. Am traurigsten fand Mario, dass die Tote nicht mehr gewusst hatte, wer der Mann war, der vor ihr herging und sich zu ihr umgedreht hatte. Ihre Schritte, so hieß es im Gedicht, waren »von langen Leichenbändern beschränkt«.
Jetzt wartete eine Leiche im Polizeigebäude auf ihn. Ohne einen Anhaltspunkt zu haben, tippte Mario Bulat, während er durch die leeren Straßen schritt, auf Politik. In den letzten Wochen herrschte im Hauptgebäude der Spliter Polizei einige Unruhe. Die Kriminalpolizei war davon nicht betroffen, aber man kam nicht umhin, bei der Politischen Polizei eine ungewöhnliche Betriebsamkeit zu bemerken. Agenten gingen ein und aus, einige waren aus der Hauptstadt angereist, um die lokalen Kräfte zu verstärken. Bulat ließ die Tür seines Büros häufig offen, da es in dem Gebäude unangenehm warm werden konnte, und so stolperten gelegentlich Männer, die er nicht kannte, zu ihm herein, entschuldigten sich und verschwanden wieder.
An Spitzel war man in Split gewohnt. Seit Beginn des Jahrhunderts tummelten sich Österreicher, Ungarn, Türken, Bulgaren, Rumänen, Ukrainer, Albaner, Italiener, Franzosen, Serben, Russen, Griechen, Deutsche, Tschechen, Polen, Briten und sogar Amerikaner in der Stadt. Alle unterhielten ihre Netze von Schnüfflern, die an die jeweiligen Auftraggeber in ihren Ländern berichteten – man fragte sich bloß, was? Das jugoslawische Königreich wirkte bisweilen wie ein Umschlagplatz, auf dem keine Handelswaren, sondern politische Ideen, nationale Spinnereien, Abenteurer, Agenten und Flüchtlinge verladen wurden.
Mario Bulat hatte bis zum Ausbruch des Großen Krieges unter den Österreichern gedient. Im Krieg musste er für sie kämpfen, ohne dass er je verstand, warum, nach 1918 war alles anders. Plötzlich hieß es, ausgerechnet jenen zu dienen, die die alte Monarchie gestürzt hatten.
Der amtierende Polizeipräsident war in seiner Treue zum jugoslawischen Königreich eine Spur zu eifrig. Er trauerte der Diktatur nach, die zwischen 1929 und 1934 das Land in eiserner Umklammerung gehalten hatte – bis der König im Hafen von Marseille ermordet worden war. Seine letzten Worte hatten angeblich gelautet: »Achtet auf mein Jugoslawien.«
Die internationale Presse hatte das Attentat auf Aleksandar I Karađorđević als ein schlechtes Zeichen für den Frieden in Europa gedeutet. Hatte der Große Krieg nicht mit einem Attentat auf dem Balkan begonnen? In Berlin hielten sich die offiziellen Stellen mit Äußerungen zurück. In London und Paris wurde man sich schnell einig: Das Verhalten der Balkanstämme bedeute nichts für den Rest Europas, mögen sie sich dort unten die Köpfe einschlagen, wie sie wollten. Doktor Radman war da anderer Meinung: »Der Balkan wird als rückständig betrachtet, dabei sind wir die Avantgarde. Wo wir einmal waren, kommen die anderen erst hin.« Aber Doktor Radman sagte häufig unverständliche Dinge, über die es sich nicht zu streiten lohnte.
Mit der Zahl der Anhänger des gemeinsamen Staates Jugoslawien wuchs in Split auch die Zahl seiner Gegner, was nicht selten zu Schlägereien in den Kaffeehäusern führte. Den Polizeipräsidenten schien das weniger zu beunruhigen als die kommunistische Gefahr. König Aleksandar I Karađorđević war nicht von Kommunisten, sondern von Nationalisten getötet worden, aber dieses Argument überzeugte den Polizeipräsidenten nicht. Seine letzte Weisung an alle Abteilungen verlangte, die Aktivitäten der zugereisten Kommunisten aus dem Deutschen Reich zu überwachen. Mario Bulat hoffte, dass der Tote nicht einer von ihnen war oder irgendetwas mit ihnen zu tun hatte. Angeblich tummelten sie sich in großer Zahl in der Stadt. Sie waren dem Regime in ihrem Land entflohen, aber sie hatten sich das falsche Land ausgesucht, denn hier waren sie nicht willkommen.
Doktor Radman stand mit dem Rücken zum Eingang, tief über den Steintisch gebeugt. In dem Kellerraum war es angenehm kühl, aber es roch nach Blut und Tod.
»Drei Stiche in die Brust«, sagte der Arzt statt einer Begrüßung.
»Darko Barić!« Mario Bulat war nähergetreten und zeigte sich erschüttert.
»Schönes Gesicht, makelloser Körper. Das Schicksal macht nicht Halt vor den Anständigen. Habet sua quemque dies«, sagte der Arzt. »Einen jeden ereilt sein Tag.«
Der Doktor arbeitete im Städtischen Krankenhaus, das nur ein Park vom Polizeihauptgebäude trennte. Er hatte in Wien Medizin studiert und war als junger Arzt zurück nach Split gekommen. Nachdem er im Großen Krieg als Gefangener in einem britischen Lazarett gelegen hatte, wo er sich später, als die Briten begriffen, dass er Mediziner war, fortbilden durfte, wurde er zu einem Arzt für alle Fälle. Er operierte und entband, säuberte Wunden und legte Schienen an, sezierte Tote und verteilte Kräuter, die er auf den Pfaden in den umliegenden Bergen pflückte. Für die lokale Zeitung schrieb er ab und zu Artikel, die mit Zitaten aus der Weltliteratur und lateinischen Maximen gespickt waren. »Latein sollte die zweite Muttersprache aller Europäer sein!« Er trug maßgeschneiderte Hemden und dazu stets eine gepunktete Seidenschleife um den Kragen; nicht einmal zu Hause traf man ihn ohne sein Mascherl an.
Es gab Dinge, die nie ausgesprochen wurden, über die jedoch alle in der Stadt Bescheid wussten. Die alten Steine flüsterten sie den Schlafenden nachts in die Ohren, und manchmal verselbstständigte sich das Geplapper. Ein Gerücht besagte, dass Doktor Radman und der Apotheker Petrinelli nicht nur Nachbarn und Vertreter zweier sich ergänzender Berufe waren, sondern auch etwas miteinander hatten. Heilige Mutter Gottes! Dass es Männer mit Männern trieben, wusste man seit jeher. Angeblich praktizierten bereits die alten Griechen, die einst in dieser Gegend waren, derartige Schweinereien, von den römischen Soldaten des Diokletian ganz zu schweigen. Und dennoch war so etwas immer aufs Neue unfassbar, garstig und ekelhaft. Vor allem deshalb, weil man sich als anständiger Mensch all das bildhaft vorstellen musste. Denn nirgends konnte man davon etwas sehen, und mit niemandem konnte man darüber sprechen. Dass es sich in diesem Fall um zwei Männer von großer Bedeutung für die Volksgesundheit handelte, machte die Sache nur noch pikanter. In der Stadt gab es wenige Ärzte und noch weniger Apotheker.
»Der Mann ist vor vier bis acht Stunden gestorben«, sagte Doktor Radman.
»Stjepan, wann ist der Tote hier angekommen?«
»Ziemlich genau um vier«, antwortete der Wachtmeister, der darauf gewartet hatte, angesprochen zu werden. »Aber von Ankommen kann nicht die Rede sein. Er wurde gebracht. Die Pforte am Durchgang war verschlossen. Um vier klopfte es, und als ich aufsperrte, stand da dieser Fischer mit seinem Karren. Ich dachte erst, der Mann sei betrunken. Im Karren lagen keine Fische, sondern nur der Tote.«
»Wer ist der Mann? Und wo ist er jetzt?«, fragte der Kommissar.
»Fran Nisiteo. Sie müssten ihn kennen, jeder kennt ihn. Er wollte unbedingt wieder zu seiner Tochter zurück, so dass ich ihn einsperren musste. Danach habe ich die Fundstelle untersucht. Nichts außer Blutspuren.«
»Ist er wirklich so dumm oder verstellt er sich nur?«
»Ich habe ihn in die Ausnüchterungszelle gesperrt. Nur für ein paar Stunden, das habe ich ihm versprochen. Vorher hat er mir noch geholfen, den Toten von der Karre zu heben und auf den Tisch zu legen.«
»Warum sollte er uns einen Toten bringen, den er vorher selbst erstochen hat?«
»Ich sorge dafür, dass die Leiche ins Krankenhaus geschafft wird«, sagte Doktor Radman, der die Hände des Ermordeten mit einer Lupe inspizierte.
»Ich werde zu seiner Mutter gehen müssen«, sagte der Kommissar und seufzte.
»Ja, die Mütter, unsere dalmatinischen Mütter. Flattern um ihre Söhne wie aufgescheuchte Schutzengel. Oder wie Krähen. Kannten Sie šjora Petrinelli, die neulich gestorben ist?«, fragte Doktor Radman, während er mit einer langen Pinzette an der rechten Hand des Toten zupfte.
»Die Mutter des Apothekers?«
»Ich war vorher noch bei ihm. Er hat in der Nacht Albträume gehabt. Kommt wohl vom schweren Essen und dem einen oder anderen Tropfen zu viel. Er soll gestern Abend bei den Torchios gewesen sein, aber es ist ihm nicht bekommen. Er hat von einem Riesenfisch geträumt, der sich in eine Männerleiche verwandelt. Ich habe mir eine Traumdeutung erlaubt: Kastrationsangst. Der Fisch ist seine verstorbene Mutter und die Leiche er selbst.«
»Bei allem Respekt, šjor Radman, das hört sich eher nach einer Zeugenaussage an. Ich muss mit Petrinelli sprechen.«
»Er schläft jetzt, ich habe ihm Baldriantropfen gegeben. Er wird nirgendwohin verschwinden, keine Sorge.«
»War Barić vielleicht auch bei den Torchios? Die Kleidung spricht dafür.«
»Und was die Kastrationsangst betrifft: In der Menschheitsgeschichte hat es ja schon alles gegeben, auch Inzest gehört dazu, horribile dictu.«
»Sie haben mir schon mehrmals von Ödipus erzählt, šjor Doktor. Und von diesem Wiener Arzt auch, der die Träume deutet.«
»Freud, er heißt Sigmund Freud. Ich hatte die Ehre, ihm einmal unsere Stadt zu zeigen. Er wollte die Sphinx sehen. Seine Frau kaufte feines Tuch bei den türkischen Händlern auf unserem Basar.«
»Die Sphinx? Wegen Ödipus?«
»Gewiß. Es ist sein Thema. Die Kuriosa um Mütter und Söhne haben ihn berühmt gemacht. Sagen Sie Antonio ruhig, dass ich Ihnen von seinem Traum erzählt habe. Er hat bestimmt nichts zu verbergen. Ich empfehle mich, meine Herren«, sagte der Arzt, nicht ohne einen letzten forschenden Blick auf die Leiche geworfen zu haben.
Der Wachtmeister hatte von diesem ganzen Palaver kein einziges Wort verstanden. Er fragte sich, ob sich in Doktor Radmans Kopf eine Wandlung vollzogen hatte, von Vernunft zu Irrsinn, so wie wenn Wein zu Essig wird, aber niemand kennt die genaue Ursache.
Er zog vorsichtig das Laken über das Gesicht des Toten.
Gegen neun Uhr kramte Frederick Achnitz im Schränkchen neben seinem Bett nach den zwei Keksen, die ihm Jana vor einigen Tagen gebracht hatte. Dann kochte er eine Tasse Mokka, so wie er es hier in Split gelernt hatte: Er füllte eine Tasse Wasser in die kupferne Kanne, ließ es aufkochen und mischte einen Teelöffel Zucker und einen gehäuften Löffel Kaffee hinein. Der braune Schaum schnellte nach oben. Er beugte sich darüber, um den Geruch einzuatmen. Jana, Jana, Jana, dachte er.
Immer noch über die Kanne gebeugt, begann er eine Zigarette zu drehen. Die Männer hier drehten ihre Zigaretten so geschickt, dass er den Ehrgeiz entwickelt hatte, es ihnen gleichzutun. Er mochte auch, wie sie mit ruckartigen Kopfbewegungen ihre Schnapsgläser leerten, während sie über die Revolution und ihre Folgen stritten – die einen feierten alles, was aus Russland kam, die anderen misstrauten Stalin. Frederick hielt es mit den Ersteren. Er war siebzehn gewesen, als ihn die Nachricht von der Oktoberrevolution in Erstaunen versetzt hatte: Da hatte sich jemand tatsächlich getraut, das durchzusetzen, was er in seiner jugendlichen Empörung für richtig und gerecht hielt. Er hatte in Berlin einen Exil-Russen gefunden, der ihn im Tausch für Deutschstunden im Russischen unterrichtete. Er behauptete, bei einem Stummfilm von Sergei Eisenstein als einer von vier Kameraleuten mitgearbeitet zu haben.
Seine Freunde aus Split lachten gerne. Sie zeigten mit dem Finger auf seine Brille, sie fanden, er sehe mit dieser goldenen Brillenfassung wie ein buržuj aus, ein bourgois. Oder sie spotteten über seine kurze Hose, in der er eines Tages erschienen war. Das sehe doch aus, als wäre er ein Kind. Die größte Hitze könne sie nicht dazu bringen, eine kurze Hose zu tragen, erklärten sie ihm, und er lachte mit. Im Eden-Kino hatten sie zusammen Dick und Doof gesehen, das Publikum hatte sich totgelacht. Seine neuen Freunde warnten ihn: Hier gebe es ebenso viele Spinner wie anderswo. Auch Triumph des Willens hatten sie gemeinsam gesehen.
Sie staunten, als er ihnen erzählte, dass er Leni Riefenstahl einmal begegnet sei. Er würde die Kamera gerne so beherrschen wie sie, erklärte er ihnen, aber er hätte Hitler nicht so gefilmt, als würde er wie ein Gott in den Himmel emporsteigen, nur die Wolken hinter ihm. Nicht von unten, sondern von oben oder schräg von der Seite.
Er werde in einer Woche nach Barcelona aufbrechen, um dort bei der Volksolympiade einen sozialistischen Sportfilm zu drehen. Er werde die Athleten als Brüder der Arbeiter darstellen, er werde sie im Rhythmus des Kampfes für eine gerechtere Gesellschaft ins Bild setzen. Von Jana hatte er gelernt, dass man Wespen vertreiben konnte, indem man grob gemahlenen Kaffee in einer Tasse anzündete. Seinen Film über die Volksolympiade werde er mit einer Szene beginnen lassen, in der die Wespen wie verrückt vor dem braunen Rauch fliehen.
An der Tür klopfte es. Es war nicht Jana, wie Frederick plötzlich grundlos hoffte, denn Jana kam nie um diese Zeit, sondern der Verbindungsmann. Er trug eine dunkle Brille, eine zerknitterte schwarze Hose und ein schmutziges weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Das spitze Bärtchen war frisch gestutzt, der silberne Piratenohrring baumelte an seinem Ohr.
»Ich wollte dich warnen.« Der Verbindungsmann sprach Russisch mit dem harten Akzent eines Südslawen: »Heute Nacht hat es im Hafen einen Mord gegeben. Man wird uns beschuldigen, deswegen soll es in den nächsten Tagen keine Treffen mehr geben. Es wäre gut, wenn du dich an deine Deutschen halten und mit niemandem sonst sprechen würdest. Auch mit Jana nicht. Wie ich unsere Polizei kenne, wird es zuerst unter den Fischern und Hafenarbeitern Verhaftungen geben. Dann werden ihre Agenten nach Listen vorgehen, die sie über unsere Mitglieder zusammengestellt haben. Jana steht bestimmt drauf. Geh ihr also bitte aus dem Weg.« Er schwieg, drehte sich um, als wollte er gehen, dann wandte er sich noch einmal um: »Und halte dich von Joseph Krause fern. Er ist mit den Filmleuten von diesem Harry Piel zusammen, sie wohnen in der Pension Schiller. Er ist ein Gestapo-Spitzel.«
Wieder allein in seinem Zimmer, drehte sich Frederick eine weitere Zigarette. Er würde niemandem etwas von dem Stöhnen erzählen, das Jana und er im Hafen gehört hatten. Dem Piraten schon gar nicht! Allein die Art, wie er sagte, dass er sich an »seine Deutschen« halten solle, gefiel ihm nicht.
Seit der Oktoberrevolution galten die Kommunisten überall als große Gefahr, vielleicht waren sie deshalb so geheimnistuerisch. Sie verdächtigten sich gegenseitig, und niemand war vor der Kontrolle durch die Partei gefeit. In letzter Zeit kamen aus Russland widersprüchliche Nachrichten. Er beschloss, nicht darüber nachzudenken, bevor er Barcelona erreicht haben würde. Dort, auf dem Sportfest, bei dem die gesamte Internationale versammelt wäre, würden sich die Dinge klären. Hoffentlich. Er drückte die Zigarette aus und verließ seine Wohnung. Er tauchte in die lärmende und heiße Stadt ein, als wäre sie aus Wasser und nicht aus alten Steinen erbaut.
Wenngleich der Hinweis von Doktor Radman, Antonio Petrinelli habe von einer Männerleiche als Fisch geträumt, merkwürdig klang, notierte sich Mario Bulat den Namen des Apothekers als einen möglichen Ausgangspunkt.
»Der Apotheker? Er hat etwas geträumt? Sind Sie nun auch dem Unfug der Wahrsagerei verfallen? Hören Sie, Bulat, mir wäre es wichtig, dass Sie die Kommunisten und ihr Treiben nicht außer Acht lassen«, sagte der Polizeipräsident, als ihm der Kommissar die Sachlage auseinandersetzte.
Der Fall Barić war gerade einige Stunden alt, und Mario Bulat wusste nicht so recht, wer noch als Wahrsager ins Visier seines Vorgesetzten geraten war und warum dieser jetzt schon die Kommunisten in Verdacht hatte.
»Es ist noch zu früh für Schlussfolgerungen, aber natürlich werde ich auch sie berücksichtigen«, sagte Mario Bulat.
»Sie wissen, wo unsere politischen Prioritäten derzeit liegen.« Der Polizeipräsident war mit seinen Warnungen noch nicht am Ende. »Wir haben einige Verhaftungen durchgeführt und kompromittierendes Material beschlagnahmt. Broschüren voller Phantasien über eine Gesellschaft, in der es keine Nationen und kein Privateigentum mehr geben soll. Gefährliche Schwärmereien!«
Admiral Philip Andrews war der Erste gewesen, den Mario Bulat über die Gefahr sprechen gehört hatte, die von dem bolschewistischen Russland ausgehend die ganze Welt bedrohte. Das war vor sechzehn Jahren gewesen. Der Amerikaner hatte nach einem Vorfall, bei dem der Kapitän des italienischen Panzerkreuzers Puglia, Tommaso Gulli, ums Leben gekommen war, die Lage in Split befriedet. Bei einem Abendessen nach dem Tumult hatte er Bulat zur Seite genommen und ihm erklärt, warum trotz allem nicht von den Nationalisten, sondern von den Kommunisten die größere Gefahr ausgehe. In ihrem Neid auf wohlhabende Menschen würden sie durchsetzen wollen, dass jedermann in der Welt gleich arm wird.
Die Puglia schmückte unterdessen in voller Würde und Größe das Anwesen Gabriele D’Annunzios am westlichen Ufer des Gardasees. Sie war ein Geschenk Mussolinis an den Protofaschisten und Poeten, von dessen Schreibkunst Irena nicht viel hielt, obwohl sie eines seiner Gedichte, in dem es in einem Pinienhain regnete, als gelungen bezeichnete. »Was nun«, hatte Mario Bulat sie darauf gefragt, »taugt der als Dichter, oder haben ihn seine Eskapaden für immer den Platz im Parnass gekostet?« »Sowohl als auch«, hatte Irena geantwortet.
»Vergessen Sie nicht die Hartnäckigkeit, mit der die Kommunisten ihre Ziele verfolgen. Immerhin besaß Barić fünf Fischerboote! Die Roten sind Besserwisser, die für ihre Ideale töten«, sagte der Polizeipräsident und streckte dem Kommissar mit Schwung seine Hand entgegen.
Die Ermittlungen konnten beginnen.
Für Anfang Juli war es erstaunlich kühl – nicht einmal 25 Grad am frühen Morgen. Zuerst regten sich die grünen Fensterläden, dann stiegen Gerüche auf. Irgendwo war Milch übergelaufen, jemand hatte einen Oktopus in heißes Wasser geworfen – das Kochen würde einige Stunden dauern, und es war richtig, früh damit zu beginnen –, ein anderer hatte Speck angebraten, und man glaubte zu dem Geruch sogar das leise Zischen schmelzenden Fetts zu vernehmen. In den Gassen des Ghettos, das am Rande des alten römischen Palastes lag, verschlossen wie eine Miesmuschel, in die nie Sonne und Luft drang, stank es nach Latrinen, aber manchmal war der Kaffeeduft stärker.
Aus den Schwefelthermen roch es wie eh und je nach faulen Eiern. Aber in der Stadt war man sich der Vorteile dieses Gestanks bewusst. Er vertrieb die Ratten, spendete Linderung, wenn die Gelenke von Gicht und Arthrose befallen waren, und sorgte auf dem benachbarten Fischmarkt für ein Wunder: Keine einzige Fliege verirrte sich auf die toten Körper der silbernen Makrelen oder die blutverschmierten Kiemen der Seeteufel. Und außerdem störte der Schwefelgestank nur die Fremden, die Bewohner der Stadt waren an diese Mischung aus Seeluft und Schwefeldämpfen gewöhnt.
In der Metzgerei auf dem Markt wurden ausgenommene und gehäutete Kälber auf riesige Haken gespießt und in eine Reihe gehängt, damit sie in Ruhe weiter abtropfen konnten. Die Tierkörper glänzten, als wären sie gerade gewaschen worden. Es roch nach Blut und rohem Fleisch.
Und über all dem schwebte der Duft des frischen Brots wie ein Segen.
Zwei Laufburschen eilten zum Hafen, sie schoben Schubkarren vor sich her. Die mit weißen Tüchern bedeckten Körbe voller Maisbrötchen und Milchhörnchen schwankten gefährlich. Vom Meer her strömte ihnen die Ausdünstung der Algen und des Tangs entgegen. Auf dem Luxusdampfer, der am Gat Svetog Petra, am Pier des Heiligen Petrus, angelegt hatte und den man in Split immer noch Franjo nannte, stand alles für das Frühstück der vornehm Reisenden bereit, man wartete nur noch auf sie.
Im Sommer 1912 hatte der Dampfer unter dem Namen Franz Joseph I zum ersten Mal im Hafen angelegt, zur Begeisterung der neugierigen Bewohner der Stadt, die das neue Schiff mit Hurrarufen und »Es lebe unser Kaiser Franjo!« begrüßten. Um die Wahrheit zu sagen, es gab nicht wenige, die dazu heimlich die roge, die Hörner machten, eine beliebte dalmatinische Geste, die entsteht, wenn man den Zeigefinger und den kleinen Finger ausstreckt und die anderen Finger einer Hand zur Faust zusammenballt. Man zeigte sie verstohlen und murmelte: »Von wegen unser Kaiser! Dieser alte Trottel weiß nicht einmal, dass es uns gibt.«
Aber das Schiff bewunderten sie dennoch.
Als die vierhundert Schiffspassagiere damals mit allen Kutschen, die man in Split und Umgebung hatte auftreiben können, zur Besichtigung der römischen Ruinen in der Stadt und in den benachbarten Orten aufbrachen, durfte man dieses Prachtexemplar der Schiffsbaukunst sogar näher besichtigen. Während die Frauen Salons und Kabinen bewunderten, warfen die Männer Blicke in die Maschinenräume und ließen sich von dem diensthabenden Ingenieur die Gesetze der Thermodynamik erklären. Der Dampfer hatte inzwischen mehrfach den Namen geändert, von President Wilson bis Marco Polo. Heute hieß er Adria, aber die Laufburschen wussten genau, was der Bäckermeister meinte, als er sie zur Franjo schickte. Sie hätten es nicht einmal bemerkt, wenn der Dampfer heute etwa Franklin Roosevelt oder Benito Mussolini geheißen hätte.
Aus den Gassen des im Westen der Stadt gelegenen Lohnarbeiterviertels hörte man Stimmen und das Klappern von Hufen. Magere Pferde zogen Holzkarren. Hier und da waren Männer zu sehen, in weißen kragenlosen Hemden und schwarzen Hosen, die von roten Bauchbinden gehalten wurden. Auf den Köpfen trugen sie rote, mit einem schwarzen Ornament verzierte Kappen. Sie unterhielten sich mit ihren Eseln und gingen stadtauswärts.
Zwei Gruppen feierlich gekleideter Kinder aus dem Villenviertel, das oberhalb der Eisenbahnschienen in der frühen Sonne lag, machten sich auf den Weg in ihre Schulen – vier Mädchen strebten in die Höhere Mädchenschule und die sechs Jungen in die Große Realschule, die neuerdings das Große Realgymnasium genannt wurde. Dessen Gebäude war einst der ganze Stolz der hiesigen österreichisch-ungarischen Baubehörde gewesen: ein moderner Bau mit drei ausladenden Flügeln und etwas unglücklich nach Norden liegenden Klassenräumen, in denen man immer fror, vor allem wenn man wusste, dass draußen die Sonne schien. Heute spielte dieser Planungsfehler des österreichischen Architekten keine Rolle, denn es war kein gewöhnlicher Schultag: Die Ferien hatten vor zwei Wochen begonnen, jetzt sollten nur die Zeugnisse verteilt werden.
Die Mädchen waren wie immer einige Schritte voraus. Die Gruppe dahinter wurde von Bruno angeführt, einem gelangweilt um sich blickenden Knaben mit abstehenden Ohren. Lovro, der Größte von ihnen, wollte an der Eisenbahnbrücke zu den Gleisen hinabsteigen und eine Geldmünze auf die Schienen legen, um sie vom Rera, dem Zug, mit dem die Bauern aus dem Umland in die Stadt kamen, plattwalzen zu lassen. Bruno versuchte nicht, ihn davon abzuhalten, da er vom Flüstern der beiden Kleinen abgelenkt wurde. Es waren die Zwillinge Zavoreo, die man nie auseinanderhalten konnte – ihre Ähnlichkeit wurde durch die Matrosenanzüge noch betont. Sie tuschelten miteinander und schauten ernst. Ganz am Ende der Kolonne gingen die Söhne des Notars Karaman, Bino und Rino; ihre Schwester Mina war vorne in der Mädchengruppe, zu Hause schliefen zu dieser Stunde noch zwei weitere kleinere Brüder: Lino und Tino.
Immer wenn jemand dem Bischof gegenüber den Notar erwähnte, musste der gute Mann einen Schnaps trinken. »Nicht der Einzige, der in meinem Bistum nicht ganz bei Sinnen ist«, sagte sich Hochwürden, bevor er sein Gläschen leerte. Der oberste Hirte hatte eine klare Meinung über diese verrückte Stadt. Er wollte nicht so weit gehen, von Sodom und Gomorrha zu sprechen, aber dass in diesen alten römischen Mauern unter der mediterranen Sonne Eigensinnigkeit und Schrulligkeit besonders gut gediehen, davon war er fest überzeugt.
Die Zwillinge Zavoreo schätzten sich glücklich, dass der Notar Karaman nicht ihr Vater war. Wer weiß, wie er sie genannt hätte?! So hießen sie ganz gewöhnlich Branimir und Krešimir und wurden Branko und Krešo gerufen.
»Die beiden Eierköpfe da hinten sagen, dass es heute Nacht im Hafen einen Toten gegeben hat«, sagte Bruno, und Lovro blieb stehen.
»Was?«
»Einen Toten. Eine Leiche.«
Lovro drehte sich sofort zu ihnen um: »Hey, ihr beiden! Ich will sofort alles hören, was ihr über den Toten wisst. Aber ein bisschen plötzlich!«
Die Zwillinge setzten wichtigtuerische Mienen auf, aber nachdem Lovro bedrohlich seine Fäuste zusammengeballt hatte, begannen sie gleichzeitig zu erzählen.
»Unsere Jana … unser Dienstmädchen … hatte heute … sie wollte Frischkäse kaufen … für unser Frühstück …«
