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Marianne und Inge, zwei Seniorenmädels im besten Rentenalter, machen in jedem Frühjahr eine ca. 80-tägige Reise mit ihrem Reisemobil. Diesmal geht es mit der Fähre von Rügen nach Litauen, dann durch die drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland. In Tallinn bleibt das Reisemobil fünf Tage stehen. Von dort aus geht der privat gebuchte Bus nach St. Petersburg. Hier sind die Führungen selbst ausgewählt und bei der Agentur "Petersburg hautnah" gebucht. Erlebnisse, die unter die Haut gehen, werden ausführlich berichtet. Die Rückfahrt mit dem Reisemobil durch Estland, Lettland und Litauen bringt sie u.a. zum "Baltischen Weg", der die Menschenkette durch die Länder dokumentiert. Sie lernen Menschen, Städte und Dörfer kennen, erleben Geschichte real, und sie erfreuen sich an vielen bisher unbekannten Besonderheiten. Die Campingplätze sind größtenteils sehr gut und gepflegt. Die alten Hansestädte bieten großartige Kultur und viele Weltkulturerbe. Die beiden Damen haben ca. 6000 km durch die drei Länder gefahren, den geografischen Mittelpunkt Europas erlebt, und sie sind sehr dankbar und auch sehr beeindruckt von dem, was sie sehen und erleben durften. Der Leser kann sie auf dieser Reise gern " begleiten", um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Das Buch will kein Reiseführer sein, es will Eindrücke und Erlebnisse wiedergeben, um die Leser vielleicht selbst zu einer Entdeckungsreise zu ermuntern. Für alle Leser, die doch mit Bedenken auf die baltischen Länder reagieren, möchten Marianne und Inge klar machen, dass sie sich sehr wohl und auch sehr sicher gefühlt haben. Ein wunderschönes Erlebnis, an das sie gern zurück denken.
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Seitenzahl: 175
Veröffentlichungsjahr: 2015
www.tredition.de
Die Seniorenmädels sind wieder auf Tour…..
Marianne und Inge, beide im besten Rentenalter, machen jedes Jahr interessante Fahrten mit ihrem Reisemobil.
Das ist die Verwirklichung des Traums, der Realität wurde; viel besser kann ich sagen, der jedes Jahr neu realisiert wird.
Dieses Jahr wird es eine ganz besondere Reise, die viel behördliche Vorbereitung erfordert, denn außer den drei baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland, wollen wir auch St. Petersburg erkunden.
Marianne und Inge am Katharinenpalast in St. Petersburg
Unsere Casima:
Bürstner Nexxo 25, Jubiläumsmodell
fast 7,50m lang, neuer Fiat Motor, fährt sich klasse! Mit seinen 3,5 Tonnen zul. Gesamtgewicht ist er ideal, um überall hinzukommen, wo man gern hin möchte. Dazu ist er komfortabel, und unser Gepäck für die ca. <80 Tage Reisen> nimmt er gern mit. Unsere Kleider hängen wir an die Kleiderstange in der Heckgarage, die allerdings von uns selbst angeschraubt wurde. Mädels auf Tour eben, da braucht es etwas mehr Kleiderschrank. Auch sonst ist unser Gefährt ein gutes Ladymobil.
Marianne Müller
Träume werden wahr
Band 2
Seniorenmädels auf Tour mit dem Reisemobil
Von der Dreisam bis zur Newa
Freiburg i.Br. ‚ Litauen, Lettland, Estland, St. Petersburg
www.tredition.de
© 2015 Marianne Müller
Umschlag, Illustration: Marianne Müller
Lektorat, Korrektorat: Inge Weber
Weitere Mitwirkende: Fotos: Marianne Müller, Fotobearbeitung: Christiane Bierlein
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
ISBN 978-3-7323-2819-2
Hardcover
ISBN 978-3-7323-2820-8
E-Book
ISBN 978-3-7323-2851-5
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Prolog:
<Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen>
so beginnt das Gedicht „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius, das er im Jahr 1786 schrieb.
Wahrlich, kann ich da nur sagen, denn die Vorbereitungen zu dieser Reise sind doch wesentlich intensiver, als wir es sonst gewöhnt sind.
Erstens sind Litauen, Lettland und Estland Länder, die uns nicht – noch nicht – vertraut sind, und zweitens soll es noch eine Überraschung für Inge geben: Der lange gehegte Wunsch, St. Petersburg kennenzulernen, soll in diesem Jahr erfüllt werden. Bis zu Inges Geburtstag im März geht also die Planung für St. Petersburg als „geheime Mission“ durch Familie.
Schon am 1. Januar wird die Fähre bei DFDS Seaways gebucht. Von Saßnitz auf der Insel Rügen geht die schwimmende Reise nach Klaipėda, das früher einmal Memel hieß. Schon jetzt ist uns klar, dass wir auf sehr geschichtsträchtigen Pfaden fahren und wandern werden. Der Führerschein – wie habe ich doch meinen alten, grauen „Lappen“ geliebt – muss umgeschrieben werden. Sicher ist es besser, schon im Vorfeld eventuelles Konfliktpotential zu vermeiden. Dann brauche ich Passbilder. Wie erkläre ich jetzt Inge, dass ich ein Passbild von ihr brauche? Sie soll doch noch nichts wissen von St. Petersburg. Falls sich also die Möglichkeit ergeben würde, in Estland ein Visum für Russland zu bekommen; zum Glück weiß sie nicht, dass das unmöglich ist. Statt mich selbst auf Spekulationen zu verlassen, besorge ich über das <www.visumcenter.de> unsere Einreisedokumente, aber auch unsere Ausreiseunterlagen für Russland. Das lief super und problemlos.
Dann kam die Planung der Fahrt von Tallinn nach St. Petersburg, denn das Reisemobil sollte in Tallinn einige Tage auf uns warten.
Von unseren Besichtigungswünschen in St.. Petersburg hatte ich auch ziemlich genaue Vorstellungen. Deshalb war die Agentur <www.petersburg-hautnah.com> genau richtig für uns. Mit dem Chef Sergej Marchukov tauschte ich so manches Email aus, um den Plan perfekt zu machen. Jetzt noch ein Hotel in St. Petersburg buchen, möglichst zentral. Geschafft, damit ist der Geburtstagsreiseplan für Inge abgeschlossen.
Für uns beide kommen nun die ganz normalen Vorbereitungen der Reise. Die Fähre ist gebucht, das heißt das Datum für die Hinreise ist fix, und zurück fahren wir dann sowieso über Polen.
Fünf Länder, fünf Sprachführer, Wohnmobil packen, Kleidung von richtig kalt bis schönste Sonne, und die richtigen Schuhe, nicht viele, aber die, die uns durch die weiten Lande tragen werden.
Und jetzt sind alle Leser herzlich eingeladen, unsere Spuren zu begleiten, unsere Erlebnisse zu teilen, mit uns zu frieren, mit uns zu schwitzen und besonders, Neues mit uns zu erleben und zu er-fahren:
Es ist April 2013, und es geht los:
Casima wartet auf die Abfahrt
Casa – das Haus – von I-nge und Ma-rianne
Träume werden wahr
Seniorenmädels auf Tour mit dem Reisemobil
Von der Dreisam (Freiburg) bis zur Newa (St. Petersburg) Baltikum – St. Petersburg - Polen
13. April
Nachdem wir nun wirklich auch noch die allerletzten Dinge ins Wohnmobil gepackt haben, geht es endlich los. Der Kühlschrank zu Hause ist leer, dafür ist unser großer Kühlschrank im Reisemobil reichlich gefüllt. Um 10.30 Uhr surrt der Motor in Vorfreude auf die kommenden Wochen. Wir sehen die Dreisam, das ist der Fluss, der in Freiburg die „Bächle“ speist und meist friedlich vor sich hin plätschert. Ich frage mich, wie unsere Eindrücke dann an der Newa, dem großen Fluss in St. Petersburg sein werden, dem Ziel, von dem Inge noch keine Ahnung hat. Unser heutiges Ziel ist Jena. Hier wollen wir die erste Zwischenstation machen, um Freunde zu treffen.
14. April
Wir sind gestern Abend nach gemütlicher Fahrt gut in Jena angekommen.
Der Campingplatz, den wir ausgesucht hatten, hatte leider keine funktionierende Dusche. Auch sonst sah das alles nicht gepflegt aus. Das war Grund genug für uns, nach einer Alternative am Raben See zu suchen. Wir sind nach Porstendorf, etwa 10 km außerhalb Jenas, gefahren. Der Campingplatz ist klein, aber es ist recht nett hier. Es gibt viele Miethäuschen, die sicher im Sommer ausgebucht sind, denn der Porstendorfer See scheint ein beliebtes Ziel zu sein. Die Casima steht ganz stabil auf Gittersteinen, und wir haben geschlafen „wie die Katzen“. Die letzten Tage waren doch recht anstrengend, und jetzt beginnen wir gut ausgeruht den Tag. Im Laufe des Vormittags werden uns unsere Freunde abholen, denn wir möchten gemeinsam einen schönen Tag in Jena verbringen. Morgen fahren wir dann weiter Richtung Berlin.
Die Tage jetzt sind eigentlich Anreisetage, die richtige Tour geht erst auf Rügen los. Wir versuchen immer, ohne Hektik die Etappenziele zu erreichen, und gleichzeitig schöne Erlebnisse einzuplanen.
15. April
Von Jena aus sind wir nach Naumburg gefahren. Danach haben wir in Braunsbreda Domizil bezogen. Jena war sehr schön und interessant. Es war richtig toll, die Freunde wieder einmal zu treffen, aber heute sind wir irgendwie müde. Plötzlich zeigt das Thermometer 25 Grad im Schatten. Der Alltag ist schon weit entfernt und wir wollten den Naumburger Dom anschauen. Offensichtich will man den Dom durch satte Eintrittsgelder vergolden. Das sind wir von unserem wunderschönen Freiburger Münster her nicht gewöhnt; vielleicht erstaunt es uns deshalb so. Die Eintrittskarte kostet aktuell 6,50 €, und zusätzlich sollen wir noch 2 € fürs private Fotografieren hinlegen, macht zu zweit glatte 15,00 €. Es wird noch viele Kirchen geben, die wir auf dieser Reise gern anschauen möchten, aber 15,00 €, das entspricht nicht den finanziellen Möglichkeiten der Menschen, die hier leben. So verzichten wir darauf, den Dom von Innen anzuschauen. Wir bummeln durch das Städtchen und verziehen uns in unser fahrbares Heim.
Wir haben heute nur eine ganz kurze Strecke gefahren, und wir werden sicher früh ins Bett gehen. Morgen geht es weiter, voraussichtlich Richtung Potsdam.
16. April
Heute haben wir die Fahrtstrecke bis kurz vor Berlin eingeplant. Von hier aus können wir mit der S-Bahn und mit der Fähre nach Berlin fahren. Wir sind auf dem Campingplatz am Mahlower See, der wirklich durch besondere Sauberkeit auffällt. Bis hin zum Dyson Händetrockner gibt es alles. Die Plätze sind groß, Wasser, Strom, Abwasser - alles ist direkt am Platz. Wir fühlen uns sehr wohl.
Die Fahrt war bis jetzt an allen Tagen richtig erholsam, und heute haben wir mal wieder einen Sonderpreis für Diesel gefunden, 1,35 €, wann war das zuletzt?!
17. April
Der Weg vom Campingplatz zur S-Bahn ist deutlich weiter als die Informationsschriften mitteilen, aber wir finden nette Leute auf dem Campingplatz, die uns per Auto mitnehmen zum Bahnhof. Von hier aus rattern wir in die Innenstadt. Die Sonne lacht mit uns und auf uns, und wir lassen die Seele bei einem Aperitif im Straßencafé baumeln. Wir genießen das Großstadtflair, schauen den Menschen zu und laufen die vertrauten Straßen im Regierungsgelände ab. Einen Besuch in der Kuppel des ehemaligen Reichstags ist uns auch heute nicht gegönnt. Wir haben uns nicht vorher angemeldet, und da geht nichts. Die Menschen stehen Schlange, um durch die Sperren zu kommen. Wir verschieben das auf den nächsten Besuch, denn für uns steht fest, dass Berlin immer mal wieder auf dem Programm steht, ob als Kurzreise per Flugzeug, oder ob unsere Casima hier wieder Station macht.
Hier in Berlin treffen wir richtig nette Menschen, haben tolle Erlebnisse, und dann treffen wir unerwartet auf „altes DDR Verhalten“. So zum Beispiel im Karstadt: Wir wollten einen Kaffee trinken und hatten einen Gutschein Bon für 1,30 Euro, für die zweite Tasse Kaffee. Ich holte also zwei Kaffee, die ich dann voll bezahlen musste, weil man zur Einlösung des Gutscheins erst einen Kaffee kaufen muss. Dann geht man durch die Kasse, bezahlt, und danach geht es zurück zur Kaffeemaschine, um dann den 2. Kaffee „rauszulassen“. Erst danach kann der Gutschein eingelöst werden. Kommentar der Dame an der Kasse, im direkten Befehlston: <So sind die Vorschriften>. Mir kommt es vor wie ein Stasibefehl, aber wahrscheinlich weiß ich zu wenig darüber. Dagegen hat uns unser russischer Sergej, der unsere Führungen in St. Petersburg machen wird, wieder sehr erfreut. Er schrieb eine Mail, ob er uns am Bus in St. Petersburg abholen solle. Dann könne er auf dem Weg ins Hotel schon eine kleine Tour durch die Stadt machen. Klasse, wir haben zugesagt und uns aufrichtig gefreut und bedankt.
Berlin ist derzeit vom Alexanderplatz bis fast zum Brandenburger Tor eine einzige Großbaustelle. Die U-Bahn wird erweitert, und das ist ein riesiges Projekt. Dann ist die britische Botschaft heute <besondere Schutzzone>. Grund dafür ist die Beisetzung von M. Thatcher. Sehr intensiv bewacht wird auch die amerikanische Botschaft: Es gab Anschläge in Boston. Dazu gab es noch einen wichtigen Gast, zumindest was die Begleitung durch die „weißen Mäuse“ angeht. Ich weiß nicht einmal, ob man die heute noch so nennt. Jedenfalls 15 Polizisten in weißer Dienstkleidung, die pfeilförmig vor einer Staatskarosse herfahren. Leider konnte ich in der Eile die Flagge nicht zuordnen.
Berlin hat uns wieder in seinen Bann gezogen. Jedes Mal, wenn wir dort sind, entdecken wir für uns Unbekanntes, aber wir erfreuen uns auch an den Dingen, die wir wieder sehen, und die uns inzwischen vertraut sind. Diesmal haben wir nur einen Tag eingeplant, unsere Vorfreude aufs Baltikum steigt von Tag zu Tag. Doch was erwartet uns wirklich???? Um das zu erfahren und zu erleben sind wir unterwegs; wir sind auf dem Weg, der ja bekanntlich auch ein Ziel ist.
18. April
Nachdem wir gestern so richtig aktiv durch die Stadt, durch unsere Hauptstadt Berlin, gelaufen sind, ist heute erst einmal Sanierungstag. So nennen wir immer einen frei gewählten Tag, an dem wir eine Waschmaschine in Bewegung setzen, unsere Casima pflegen und einfach das tun, was uns gerade in den Sinn kommt. Morgen wollen wir sowieso weiterfahren, und so nach ca. einer Woche ist eine Waschmaschine meist sinnvoll. Der Wind bläst, die Sonne scheint, so haben wir am Abend wieder alle Handtücher und die andere Wäsche aufgeräumt im Schrank.
19. April
Das Wetter macht gut mit. Wir fahren gegen elf Uhr ab und haben uns entschlossen, den Berliner Ring zu nehmen, denn es ist Freitag, und damit sicherlich keine Freude, quer durch Berlin zu fahren. Eine gute Entscheidung! Ohne Verzögerung geht die Tour Richtung Oranienburg, denn schließlich wollen wir ja weiter nach Norden. Die Landstraßen führen uns durch hübsche Dörfer und Städtchen. Wir kaufen noch Esswaren ein, und halten in der Ortsmitte von Rheinsberg. Hier wurde lange Jahre Carmol hergestellt. Die <guten alten Carmoltropfen>, die uns heute noch auf jeder Tour begleiten. Sie sind immer dann zur Hand, wenn das Essen sich unsanft im Bauch bewegt. Heute ist die Pharmaindustrie von hier längst abgewandert. Töpfereien und Glasbläser prägen das Bild. Ein tolles Geschäft bietet alle nur denkbaren Artikel dieser Künste an. In aller Ruhe schauen wir die Glaskunst an, und dann, ja es ist wahr, kaufen wir das erste Weihnachtsgeschenk für 2013. Nach einem Cappuccino erkunden wir weiter mit der „Casima“ die Gegend. Kleine Straßen führen uns mitten durch die Seenlandschaft. Hier, wo die großen Erholungseinrichtungen der DDR waren, ist heute Naherholungsgebiet für die Berliner. Dazu ist es auch Urlaubsgebiet, und besonders Wassersportgebiet für Menschen aller Gegenden und Nationen. Wir finden einen Campingplatz in Groß Quassow, den Camping- und Ferienpark Havelberge, der mit fünf Sternen glänzt. Zum Glück ist noch Vorsaison, und so kommt auch unsere „ACSI Karte“, die in der Vor- und Nachsaison oft Vergünstigungen in der Preisgestaltung bringt, zum Einsatz. Wir sind direkt am See, ein gutes Restaurant und ein Campingpatz mit mehreren ökologischen Gütesiegeln sollen unser Glücksgefühl beeindrucken. Mal sehen, was uns erwartet. Ob die ganze ökologische Struktur auch logisch sinnvoll ist, das wird sich zeigen.
20. April
Da sind wir, in Groß Quassow, direkt am Woblitzsee. Der Woblitzsee, der Name bedeutet <großer Teich> gehört zur Mecklenburgischen Seenplatte. Zum Baden ist es zu früh, aber die Sonne lacht, während es - wie wir erfahren haben - zu Hause ziemlich regnet. Es ist nicht viel los hier, die Plätze sind herrlich angelegt, alles im wirklich angenehmen Komfortbereich. Heute Nacht, so gegen zwei Uhr, habe ich wohl versehentlich unseren Panikschalter betätigt. Ich kann mich nicht daran erinnern, wahrscheinlich habe ich nur die Auflage der Konsole zwischen unseren Betten verschoben, das hat dann unseren „Elefanten Jumbo“ auf den Plan gerufen, und wie es mal so ist, hat der dann ein richtig lautes Trörööööööh mit unserem Signalhorn der Alarmanlage über den Campingplatz gejagt. Zum Glück ist Inge gleich so wach geworden, dass sie blitzschnell, und mit der ihr eigenen Reaktionsgeschwindigkeit den Jumbo zur nächtlichen Ruhe zwang, bzw. unsere Alarmanlage abstellte! Wir konnten weiter schlafen, und bis jetzt hat sich auch noch niemand beschwert.
Die Sonne lacht am Morgen durchs Dachfenster, das macht Lust zum Aufstehen. Logisch, dass wir unser Ökokärtchen zum Duschen haben. Eine Karte, ähnlich einer Geldkarte, die mit Guthaben aufgeladen ist. Damit kann man bezahlen, egal, ob Dusche, Waschmaschine, Trockner oder eigenes Mietbad. Das ist ein Badezimmer vom Feinsten, mit allem, was das Herz begehrt. Wir entscheiden uns für zwei Duschen, aber die Dame an der Rezeption hat uns nur eine Karte gegeben. Es wird uns klar, dass wir jetzt nur die Möglichkeit haben, nacheinander zu duschen. <Halten sie die Karte vor das Lesegerät>, ok, machen wir, <drücken sie den Knopf>, ja welchen denn? Wo ist der Knopf??? Hmmmm? Es ist fast filmreif. Die Karte vor das Lesegerät, linker Arm ausgestreckt, und dann entdecken wir über der Duscharmatur einen Sensor. Also umarme ich die Mauer; mit der linken Hand ziele das Kärtchen mit ausgestrecktem Arm vor das Lesegerät. Der rechte Arm streckt sich, um dann mit dem ausgestreckten Zeigefinger der rechten Hand den Sensor zu betätigen. Loriot hätte eine Zeichnung daraus gemacht, aber wir verzichten auf das „Selfie“!
Sofort spritzt fröhlich Wasser aus dem Duschkopf und die erste Sekunde des Duschens ist bezahlt, besser, ist vom Kärtchen abgebucht. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Ziemlich amüsiert schauen wir zu zweit die ganze Technik noch einmal an. Es muss doch eine andere Lösung geben?? Was bleibt, ist aber auf jeden Fall, dass wir nur eine Karte haben. Zur Rezeption gehen, um eine zweite Karte zu holen, das ist keine gute Idee. Das würde bedeuten, zurück zur Casima, ohne Duschen anziehen, ca. zehn Minuten laufen, die zweite Karte holen, und dann alles nochmal von Beginn an. Beginn wäre, zehn Minuten zurück laufen, Kleider ausziehen, duschfein machen usw. usw.
Dann kommt ein technischer Geistesblitz, vielleicht müsste es ja heißen, stecken sie die Karte vor das Lesegerät. Nee, eigentlich nicht, dann hätte die Frau an der Rezeption uns sicher zwei Karten gegeben. Davon hat sie aber überhaupt nicht geredet, die Karte wurde ja auch mit Geld aufgeladen, das anschließend abgerechnet wird. Jetzt hilft nur der Versuch! Es wird endlich logisch: Die Karte muss vor das Lesegerät in einen Millimeterschlitz gesteckt werden, und dann ist es ökologisch und ökonomisch, dass im Sekundentakt das Wasser durch den Duschkopf und das Geld von der Karte rauscht. Aber bitte, wieviel Sekunden duscht ein normaler Mensch? Vielleicht sind wir ja auch gar nicht normal? Normaler Mensch heißt doch, ein Mensch, der in die Norm passt. In welche Norm denn bitte?? Egal, es waren noch 3,73 € auf der Karte, als ich mein Duscherlebnis beendete. Das Wasser rauscht sowieso nur von hoch oben auf den Körper. Der Installateur muss ein ziemlicher Riese gewesen sein. Ich verbinde Duschen gleich mit der Morgengymnastik, um den edlen Körper vom Schaum der Ökologie zu befreien. Duschmittel wird hier sogar zur Verfügung gestellt. Jetzt ist Inge dran, während ich, was nicht oft der Fall ist, sogar meine Haare föhne. Da Strom ja bekanntlich aus der Steckdose kommt, ist an jedem Waschbecken ein Föhn, und den kann man ohne „Kärtchen“ benutzen, das Wasser an den Waschbecken auch, aber das ist ja gar nichts gegen das Duscherlebnis von 27 Sekunden!!!!! Zu Hause liege ich mindestens 20 Minuten in der Badewanne. So kommt man eben zu neuer Größe. Auch Inge lacht über den Tanz unter den Wassertropfen. Vielleicht sollten wir uns doch lieber waschen, statt die tollen Duschen zu benutzen; es wäre sicher mehr Wasser verbraucht. Jetzt gehen wir den Tag an, wir schnüren das Ränzlein, um das andere Ränzlein zum Schmelzen zu bringen: Wohlauf in Gottes schöne Welt…
Wir laufen um den See, lassen uns den Wind um die Nase wehen, und wir planen unsere Weiterfahrt quer durchs Land, denn morgen wollen wir Rügen erreichen. Am 22. erwartet uns dort die Fähre nach Klaipėda, der Stadt in Litauen, die eng mit „Ännchen von Tharau“ verbunden ist.
22. April
Gestern Abend sind wir auf Rügen angekommen. Ein kleiner Campingplatz, der Campingplatz Lobbe, fand unsere Zustimmungen. Die bekannten, großen Touristenplätze sind größtenteils noch geschlossen. Wir haben noch einen Spaziergang auf der Insel gemacht, etwas gegessen, und uns dann in unser <Wohnzimmer auf Rädern> zurückgezogen.
Heute wollen wir erst einmal ausfindig machen, wo unsere Fähre startet, ob wir eventuell schon einchecken können, und was wir noch Interessantes finden. Kurz <nach der Wende> hat uns der Weg schon einmal nach Rügen geführt, aber das ist jetzt kein Vergleich mehr. Unser Besuch im Fährhafen von Saßnitz gleicht einer Besichtigung. So groß hatten wir uns das Ganze nicht vorgestellt. Unser Schiff liegt schon im Hafen, wir können sogar einchecken und dürfen dann auch nochmal das Hafengelände verlassen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir sogar ein Kabinenupgrade. Abwarten!
Jetzt wollen wir noch etwas von der Insel Rügen sehen. Wir fahren weiter Richtung Binz, und wir sehen kurz neben der Straße einen riesigen Gebäudekomplex. Dieser sogenannte <Koloss von Prora> ist ein Zeugnis historischen Wahnsinns. Der Komplex ist 4,5 km lang, liegt in traumhafter Strandlage, und wurde von den „Nazis“ geplant und zum Teil auch gebaut. Die „Nazis“ planten ein „Kraft durch Freude“ Seebad, das 20.000 „Volksgenossen“ <Urlaub mit Meerblick in Doppelzimmern> sichern sollte. Die Grundsteinlegung war am 02.Mai 1936. In nur 17 Monaten wurde der Rohbau erstellt. Der Ausbruch des 2.Weltkrieges stoppte die Bauarbeiten. Der Rohbau bestand aus acht Bettenhäusern und einem Teil der Kaianlage. Fertiggestellt wurde die ganze Anlage nie; als Seebad genutzt erst recht nicht.
Nach dem Krieg sollte das riesige Gebäude gesprengt werden, was aber nur zum Teil gelang. Seit den fünfziger Jahren nutzte die NVA (Nationale Volksarmee) der DDR dann fünf Blocks. Kasernen und Militärschulen waren hier bis zur „Wende“ untergebracht. Im Südabschnitt entstand das NVA Erholungsheim „W. Ulbricht“. 1990 – 1992 war hier die Bundeswehr Hausherr, dann gab sie das ganze Areal komplett ab. Große Gebäudeteile blieben leer, und auch heute sieht man das Ausmaß des dann einsetzenden Vandalismus. Ein großer Teil der Gebäude ist nur noch als Ruine zu sehen. Die ehemaligen NVA Gebäude sind jetzt zum Teil für Ausstellungen und Museen genutzt. Für uns geben die Eindrücke viel Stoff zum Nachdenken und Besprechen. Das ganze Thema <Hitler und Nazis> war in unserer Schulzeit ein Tabuthema, allenfalls erzählte der Erdkundelehrer von seinem „Russlandfeldzug“. Jetzt sind wir so nah dran an der Vergangenheit. Das wird in den nächsten Tagen noch mehr werden.
Wir stehen bereit, um an Bord zu fahren, denn dazu fordert uns die Uhrzeit auf. Die abendliche Sonne wirft einige Silberstreifen auf die Ostsee, „Casima“ muss noch etwas warten, bevor sie in den Schiffsbauch fahren darf, und morgen werden wir dann am Nachmittag in Klaipėda anlegen.
