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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Trennung für immer? Für Laura und Nick hatte es so schön begonnen ... Laura Dennerlein beschloss, ihre Fahrradtour noch ein bisschen auszudehnen. Es war der einzige Nachmittag in der Woche, an dem sie ›richtig‹ frei hatte: Sie musste nicht arbeiten, ihren zehnjährigen Sohn Luka zu keinem Termin fahren, alle Einkäufe hatte sie bereits erledigt, die Wäsche war gewaschen und das Abendessen – Spaghetti mit Tomatensoße – bis auf die Nudeln schon fertig. Es stand auch sonst nichts an: Kein Arzttermin, kein Behördengang, kein Krankenbesuch, kein dringendes Telefonat, nicht einmal unbezahlte Rechnungen lagen noch herum, die sie dringend hätte bezahlen müssen. Und da Luka mit seinem besten Freund beim Fußballtraining war, wusste sie ihn gut aufgehoben und brauchte sich um ihn keine Sorgen zu machen. Laura arbeitete als Physiotherapeutin in einer großen Praxis und hatte sich, auch wegen ihres Sohnes, für eine Dreißigstundenwoche entschieden. Allerdings würde sie das demnächst ändern und wieder Vollzeit arbeiten. Luka wurde immer selbstständiger und konnte schon auch mal ein paar Stunden allein zu Hause sein. Es wurde Zeit, fand sie, die Abhängigkeit von den Zahlungen seines Vaters so gering wie möglich zu halten. Sie beschleunigte und genoss den Fahrtwind auf ihrem Gesicht. Es ging ihr gut, stellte sie wieder einmal fest. Sehr gut sogar, besser als jemals zuvor in ihrem Leben. Sie hatte die schwierige Trennung von Lukas Vater Wolf endgültig überwunden – eine große Liebe war das zwischen ihnen gewesen, nur hatten sie leider überhaupt nicht zueinander gepasst. Aber wenn man knapp zwanzig Jahre alt und bis über beide Ohren verliebt war, wollte man das natürlich nicht wahrhaben, auch wenn die ersten Anzeichen schon damals darauf hingedeutet hatten. Aber sie waren einfach viel zu jung und unreif gewesen. Wenig später war Luka gekommen, und das Elternsein hatte sie dann erst recht überfordert. Sechs Jahre später hatten sie sich scheiden lassen. Für sie hatte sich die Scheidung wie eine Niederlage angefühlt, und es hatte lange gedauert, bis sie es irgendwann anders sehen konnte. Ja, sie hatten sich geirrt, Wolf und sie, aber immerhin war Luka das Ergebnis dieses Irrtums, also konnte ja wohl nicht alles falsch gewesen sein!
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Laura Dennerlein beschloss, ihre Fahrradtour noch ein bisschen auszudehnen. Es war der einzige Nachmittag in der Woche, an dem sie ›richtig‹ frei hatte: Sie musste nicht arbeiten, ihren zehnjährigen Sohn Luka zu keinem Termin fahren, alle Einkäufe hatte sie bereits erledigt, die Wäsche war gewaschen und das Abendessen – Spaghetti mit Tomatensoße – bis auf die Nudeln schon fertig. Es stand auch sonst nichts an: Kein Arzttermin, kein Behördengang, kein Krankenbesuch, kein dringendes Telefonat, nicht einmal unbezahlte Rechnungen lagen noch herum, die sie dringend hätte bezahlen müssen. Und da Luka mit seinem besten Freund beim Fußballtraining war, wusste sie ihn gut aufgehoben und brauchte sich um ihn keine Sorgen zu machen.
Laura arbeitete als Physiotherapeutin in einer großen Praxis und hatte sich, auch wegen ihres Sohnes, für eine Dreißigstundenwoche entschieden. Allerdings würde sie das demnächst ändern und wieder Vollzeit arbeiten. Luka wurde immer selbstständiger und konnte schon auch mal ein paar Stunden allein zu Hause sein. Es wurde Zeit, fand sie, die Abhängigkeit von den Zahlungen seines Vaters so gering wie möglich zu halten.
Sie beschleunigte und genoss den Fahrtwind auf ihrem Gesicht. Es ging ihr gut, stellte sie wieder einmal fest. Sehr gut sogar, besser als jemals zuvor in ihrem Leben. Sie hatte die schwierige Trennung von Lukas Vater Wolf endgültig überwunden – eine große Liebe war das zwischen ihnen gewesen, nur hatten sie leider überhaupt nicht zueinander gepasst. Aber wenn man knapp zwanzig Jahre alt und bis über beide Ohren verliebt war, wollte man das natürlich nicht wahrhaben, auch wenn die ersten Anzeichen schon damals darauf hingedeutet hatten. Aber sie waren einfach viel zu jung und unreif gewesen. Wenig später war Luka gekommen, und das Elternsein hatte sie dann erst recht überfordert. Sechs Jahre später hatten sie sich scheiden lassen.
Für sie hatte sich die Scheidung wie eine Niederlage angefühlt, und es hatte lange gedauert, bis sie es irgendwann anders sehen konnte. Ja, sie hatten sich geirrt, Wolf und sie, aber immerhin war Luka das Ergebnis dieses Irrtums, also konnte ja wohl nicht alles falsch gewesen sein!
Sie sauste an der Würm entlang, bis sie so außer Atem war, dass sie beschloss, sich eine Pause zu gönnen. Sie stieg vom Rad, holte ihre Trinkflasche heraus und leerte sie auf einen Zug zur Hälfte. Jetzt erst merkte sie, wie frisch es war, aber sie fühlte sich warm eingepackt, und gleich, zu Hause, würde sie sich ein warmes Bad gönnen. Noch so ein Luxus! Aber einmal in der Woche, fand sie, durfte sie sich den leisten.
»Hallo, schöne Frau!«, rief ihr jemand zu, der geradewegs auf ihre Bank zusteuerte.
Sie blickte auf und musste lachen. Es war ihr alter Freund Frederik, der ihr schon im Kindergarten die Haare ausgerissen hatte, wofür sie sich mit Tritten gegen seine Schienbeine gewehrt hatte. Sie mochten sich heute noch. Frederik und seine Frau Melike wohnten ganz in der Nähe, sie sahen sich oft.
»Hallo, schöner Mann«, rief sie voller Freude zurück und nahm ihren Helm ab. Ein Wunder, dass Frederik sie damit überhaupt erkannt hatte.
Er führte den Familienhund Troll spazieren. Troll war ein lammfrommer Berner Sennenhund, der so groß und breit und gutmütig war, dass er kleine Kinder geduldig auf sich reiten ließ. Weil er so nett und freundlich war, hatte Laura sich einmal bereit erklärt, Troll auszuführen und es bitter bereut. Troll war gutmütig, aber er hatte auch einen starken Willen. Wenn er nicht nach rechts gehen wollte, ging er nicht nach rechts – und er war sehr viel stärker als Laura, hatte sich herausgestellt. Erst nach zwei Stunden war er bereit gewesen, mit ihr nach Hause zurückzukehren. Dieses Erlebnis würde ihr unvergesslich bleiben. Sie dachte noch heute mit Schaudern daran zurück, dennoch mochte sie Troll natürlich nach wie vor.
Frederik umarmte sie zur Begrüßung und zog spielerisch an ihrem Pferdeschwanz. »Deine schönen Haare reizen mich immer noch«, sagte er.
Sie holte mit einem Bein aus. »Pass auf, du weißt, was dir blüht, wenn du sie mir wieder ausreißen willst.«
Sie lachten beide. »Gut siehst du aus«, stellte Frederik fest.
»Es geht mir ja auch gut. Mittwochs sowieso, du weißt schon, mein freier Nachmittag.«
»Ja, ich weiß. Ich hätte dich, wenn wir uns jetzt nicht über den Weg gelaufen wären, später ohnehin angerufen – um dich einzuladen.«
Sie lächelte ihn an. »Ich habe mich schon gefragt, ob ich dieses Mal nicht erwünscht bin.«
»Wir konnten uns nicht einigen, Melike und ich, ob wir wie üblich mit unseren Freundinnen und Freunden feiern oder ausnahmsweise wegfahren. Du weißt, sie wird dreißig.«
»Stimmt!«, rief Laura. »Ehrlich gesagt, das hatte ich vergessen. Meine Güte, stimmt, sie ist ja jünger als wir.«
Er fing schallend an zu lachen. »Das sagte die Frau, die gerade einunddreißig geworden ist«, sagte er.
»Na und? Ist Melike etwa nicht jünger als wir?«
»So, wie du es sagst, klingt es, als trennte uns mindestens ein Jahrzehnt.«
»Ich weiß noch«, erwiderte Laura träumerisch, »wie ich mit fünfzehn Jahren fand, dass diese Frauen um die dreißig uralt sind, und wie ich sie deshalb bedauert habe.«
»Und was hast du über Frauen gedacht, die noch älter waren?«, erkundigte sich Frederik neugierig.
»Ich glaube, die kamen in meinem damals noch ziemlich kleinen Hirn erst gar nicht vor – es sei denn, sie waren Eltern oder Großeltern. Aber über die machte man sich in dem Alter eigentlich auch nur Gedanken, wenn man sauer oder zur Abwechslung gerade mal gut auf sie zu sprechen war.«
»Also, Melike gibt eine richtig große Party bei uns zu Hause. Wir haben uns gedacht, wenn schon, dann richtig. Die Kinder können mitgebracht werden. Wir haben ja einen großen Dachboden, da kann ein Matratzenlager errichtet werden, und alle Kinder können da schlafen.«
»Das ist ja eine tolle Idee«, sagte Laura aufrichtig begeistert. »Luka wird richtig sauer sein, wenn er das hört, er macht zu der Zeit eine Klassenfahrt.«
»Sehr schade, aber nicht zu ändern. Also, du bist hiermit eingeladen und hast die Einladung angenommen.«
»Worauf du dich verlassen kannst.«
Er zog erneut spielerisch an ihrem Pferdeschwanz, sie versetzte ihm ebenso spielerisch einen leichten Tritt vors linke Schienbein, tätschelte Troll zum Abschied den riesigen Kopf mit den treuen Augen, setzte ihren Helm auf und schwang sich wieder aufs Fahrrad. Jetzt wurde es Zeit, nach Hause zu fahren, damit sie ihr Bad noch richtig genießen konnte, bevor Luka nach Hause kam.
Sie winkte Frederik zum Abschied zu und sauste zurück. Als sie in ihrem duftenden, warmen Badewasser lag, schloss sie selig die Augen. Was für ein herrlicher Tag!
Auch Luka war guter Dinge, als er vom Training nach Hause kam, denn er hatte drei Tore geschossen und war dafür ausführlich gelobt worden. Luka war sehr ehrgeizig, wenn es um Fußball ging, da wollte er unbedingt der Beste sein. Laura hatte sich schon oft gewünscht, er würde diesen Ehrgeiz auch in einigen wichtigen Schulfächern zeigen, doch Luka begnügte sich mit allenfalls zufriedenstellenden Noten. Mathe interessierte ihn, da war er gut, aber Englisch fand er blöd, er hasste es, Aufsätze zu schreiben, und Biologie war ›etwas für Mädchen‹. Wie er zu dieser Einschätzung gelangt war, würde Laura für immer ein Rätsel bleiben. Selbst Sport interessierte ihn in der Schule nur mäßig. Er kletterte gern, aber in der Schule wurde nicht geklettert, und er war ein guter Schwimmer, aber für Laufen, Springen und Werfen konnte er sich genauso wenig begeistern wie fürs Geräteturnen. Handball mochte er auch nicht, Volleyball immerhin akzeptierte er. Laura betrachtete diese eingeschränkten Interessen manchmal mit Sorge, aber sie hörte von allen Seiten, das werde sich garantiert noch ändern, sie solle sich keine Gedanken machen.
Wenn sie ihn ansah, sah sie sich selbst als Kind: Er hatte ihre dunkelblonden, dichten Haare geerbt, ihre großen blauen Augen und ihren etwas zu großen, schön geschwungenen Mund. Allerdings würde er wohl so groß werden wie sein Vater, und auch so breitschultrig, das deutete sich bereits an, während sie selbst eher zierlich war.
»Und sonst?«, fragte Laura, während sie Spaghetti auf die beiden Teller gab.
»Alles gut«, antwortete Luka, während er sich großzügig mit der von ihm geliebten Tomatensoße bediente.
»Ich habe Frederik getroffen. Er hat uns zu Melikes Geburtstag eingeladen, sie wird ja dreißig. Sie feiern eine große Party, mit Matratzenlager für die Kinder unterm Dach, die dürfen also dieses Mal sogar dort übernachten.«
Luka hatte den Mund voller Spaghetti, deshalb konnte er nicht sofort antworten. Er schluckte eilig. »Aber ich bin dann nicht da!«, rief er.
»Ich weiß. Aber kein Mensch kann an zwei Orten gleichzeitig sein, und du bist auf Klassenfahrt, wenn Melike Geburtstag hat, das wussten wir ja schon. Man nennt das ein unglückliches Zusammentreffen.«
Eine steile Falte erschien über Lukas Nasenwurzel. »Dann soll sie ihre Party verschieben, damit ich dabei sein kann«, sagte er. »Es ist doch egal, wann sie feiert.«
»Es ist ihr dreißigster Geburtstag, Luka, und glücklicherweise fällt er auf einen Samstag. Sie wird nicht deinetwegen ihre Party verschieben. Es wird immer jemanden geben, dem ein Termin nicht passt. So ist das nun mal.«
Luka schmollte noch eine Weile, aber da es ihm gut schmeckte, und er sich bald wieder an seine Tore und an das zufriedene Gesicht seines Trainers erinnerte, entspannte er sich schließlich und sagte: »Vielleicht können wir eine kleine Party nachfeiern, wenn ich wieder da bin.«
»Das können wir sicher«, sagte Laura. »Gute Idee, Luka.«
Sie waren gerade fertig mit dem Essen, als ihr Ex-Mann Wolf anrief, um mit seinem Sohn zu sprechen. »Ist er da?«, fragte er, nachdem Laura sich gemeldet hatte.
»Ja, ist er. Er hat heute drei Tore geschossen.«
»Super«, sagte Wolf. »Dann kommt meine Überraschung ja genau richtig. Alles in Ordnung bei euch?«
»Danke, bestens. Was für eine Überraschung?«
»Das sagt er dir dann schon!«, lachte Wolf.
»Ich gebe ihn dir.«
Luka telefonierte dann etwas länger mit seinem Papa, während Laura den Tisch abräumte. Das immerhin hatten sie hinbekommen, Wolf und sie: Luka hatte zu ihnen beiden nach wie vor ein gutes Verhältnis. Er war regelmäßig bei Wolf, der nicht weit von ihnen entfernt wohnte, und wenn es mal ein Problem gab, konnte sie sich darauf verlassen, dass Wolf einsprang. Die Wunden, die sie sich damals geschlagen hatten, waren mittlerweile verheilt. Wolf hatte ein paar Freundinnen gehabt, das wusste sie von Luka, aber das war Wolfs Angelegenheit. Er würde sicher in absehbarer Zeit noch einmal heiraten.
Sie selbst hatte ebenfalls zwei kurze Beziehungen gehabt, aber heute wusste sie, dass die vor allem der Vergangenheitsbewältigung gedient hatten. Verliebt zu sein – und sei es auch noch so flüchtig – war einfach das beste Mittel gegen den Zwang gewesen, ständig über ihre zerbrochene Ehe nachdenken zu müssen. Doch auch das war vorbei. Wenn sich jetzt eine ›Affäre‹ anbot, wie es kürzlich eine ihrer Freundinnen ausgedrückt hatte, würde sie nicht nein sagen. Sie hatte zwar die Vergangenheit hinter sich gelassen, aber natürlich fehlten ihr Nähe und Zärtlichkeiten. Doch soweit das Auge reichte, war keine Affäre in Sicht, weder eine kurz und schon gar keine länger andauernde. Aber wer wusste schon, was die Zukunft bringen würde?
Luka kam mit leuchtenden Augen zurück. »Wir fahren nach Dortmund«, sagte er. »Papa hat Karten fürs Stadion – die Dortmunder sollen sich mal warm anziehen.«
Das war also die Überraschung. Laura freute sich für Luka. Er war Bayern-München-Fan wie sein Vater. Laura hielt sich da raus. Sie sah ganz gerne mal ein Fußballspiel an und konnte es auch genießen, wenn es schön und elegant aussah. Aber oft genug sah es anders aus, und dann wurde sie schnell ungeduldig. Sie hatte für keinen Fußballclub eine Vorliebe, und was sie über die Machenschaften hinter den Kulissen las, stieß sie eher ab. Aber dafür interessierte sich Luka natürlich überhaupt noch nicht. Er war ein glühender Fan nicht nur des Vereins, sondern auch einzelner Spieler, und sie gönnte ihm das Erlebnis im brodelnden Dortmunder Stadion von Herzen.
»Schön, dann müssen wir also T-Shirt und Schal einpacken«, sagte sie.
»Auf jeden Fall!«
Er war selig, und bis er ins Bett ging, redete er über die bevorstehende Fahrt nach Dortmund. Dann jedoch verstummte er mit einem Mal.
»Was ist?«, fragte Laura, die an seiner Zimmertür stand, um ihm gute Nacht zu sagen.
»Wärst du gerne mit uns gefahren?«, fragte Luka. »Ich will nicht, dass du traurig bist, Mama.«
»Bin ich nicht«, versicherte Laura. »Ich habe eine Menge vor an dem Wochenende, das weißt du doch! Und du weißt, dass ich kein glühender Fußball-Fan bin.«
»Ja, weiß ich, aber trotzdem …«
Sie ging zu ihm, fuhr ihm liebevoll durch die Haare und sagte betont langsam und deutlich: »Ich bin nicht traurig! Für euch wird das bestimmt toll, aber ein tobendes Stadion ist kein Ort, an dem ich mich besonders wohlfühlen würde, glaub mir.«
»Ehrlich nicht?«
»Luka! Du kennst mich doch. Ehrlich nicht.«
Er seufzte tief auf vor Erleichterung. »Ist gut«, sagte er.
»Schlaf schön – und träum von deinen Toren. Vielleicht wirst du ja auch mal ein großer Fußballer.«
»Das ist mein Plan«, erklärte Luka ernsthaft.
Als sie nach ein paar Minuten noch einmal nach ihm sah, schlief er schon. Sie hoffte sehr, dass sich seine Zukunftspläne noch änderten. Als Mutter eines Fußballstars sah sie sich keinesfalls – sie hoffte, dass ihr dieses Schicksal erspart blieb, allem Geldsegen, den ein solches Schicksal heutzutage mit sich brachte, zum Trotz.
*
Leon Laurin sah seine Patientin nachdenklich an. Ellen Behrend wirkte auf ihn leicht verkrampft, und noch wusste er nicht, warum das so war. Sie war erst zum zweiten Mal bei ihm, er wusste nicht sehr viel von ihr, hoffte aber, dass sich das bald ändern würde. Er konnte Patientinnen besser behandeln und beraten, wenn er einigermaßen über ihre Lebensumstände Bescheid wusste.
Sie war Anfang dreißig, sehr hübsch mit ihren pechschwarzen Haaren, die vermutlich gefärbt waren, und den dunklen Augen. Perfekt geschminkt, zu perfekt für seinen Geschmack. Auch angezogen war sie perfekt, da passte alles zueinander, und natürlich hatte sie auch eine perfekte Figur.
