Tres Amigos 2 - Michael Geigenberger - E-Book

Tres Amigos 2 E-Book

Michael Geigenberger

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Beschreibung

Was mit einem Urlaub für die drei Kommissare harmlos anfängt, entpuppt sich zu einem Alptraum. Ein Geschäftsmann wird erschlagen, es folgt seine Ehefrau. Ein Unbekannter versucht sich die Firmenanteile anzueignen. Ein korrupter Polizeibeamter, es kommt zu einer Entführung, es folgt ein Brandanschlag, die drei Kommissare tappen im Dunkeln. Der Gordische Knoten kann erst zerschlagen werden, als sich der Gehilfe einer Steuerkanzlei selbst verrät, sein Leichtsinn führt die Beamten zum Mörder und Täter.

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Seitenzahl: 428

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Michael Geigenberger

Tres Amigos 2

Ehrensache!

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel: 1 Endlich Urlaub!

Kapitel: 2 Treffpunkt - Chiemsee

Kapitel: 3 Ein Toter im Sägewerk

Kapitel: 4 Wo ist denn die Ehefrau?

Kapitel: 5 Eine weitere Leiche

Kapitel: 6 Die „Rechte Partei“

Kapitel: 7 Die Bevollmächtigten

Kapitel: 8 Angelikas Unfall

Kapitel: 9 Hotel in Flammen

Kapitel: 10 Maximilian und sein Wohnmobil

Kapitel: 11 Angelika geht nach Madrid

Kapitel: 12 Elfis neues Luxusheim

Kapitel: 13 Extrem Tour - Skandinavien

Kapitel: 14 Die Anteilscheine wurden entwendet.

Kapitel: 15 Kommissar Broder soll in Rente gehen!

Kapitel: 16 Abschied von Cynthia

Kapitel: 17 Mücken ohne Ende

Kapitel: 18 Ein Mordanschlag

Kapitel: 19 Maximilian ist unauffindbar

Kapitel: 20 Alf ist in Marokko

Kapitel21: Sarah kommt zurück

Kapitel: 22 Die Rückreise

Kapitel: 23 Eine Entführung

Kapitel: 24 Ein Keller voll mit Nahrung

Kapitel: 25 Schon wieder ein Toter

Kapitel: 26 Die Überraschung

Kapitel: 27 Endlich zurück in die Heimat

Kapitel: 28 Es klärt sich alles auf!

Impressum neobooks

Kapitel: 1 Endlich Urlaub!

Es ist der dritte August. „Endlich Urlaub!“, ruft Hauptkommissar Walter Broder und er ist gerade damit beschäftigt seinen Arbeitsplatz aufzuräumen. Wie gut, dass er alleine im Raum ist, da sein Tun unter lautem Schnaufen und Schimpfen von statten geht. Sonst räumt er seinen Arbeitsplatz nur bedingt auf. Nur das Wichtigste kommt normalerweise in seinen Schreibtisch und wird dort verschlossen. Schon zu oft haben Kollegen in seinen Recherchen herumgewühlt, was er nicht besonders schätzt.

Es ist bereits fünf Uhr vorbei, also Zeit einen Schluck auf den Ferienbeginn zu trinken. Noch ein paar Dinge aufgeräumt, schließlich ist er ja für die nächsten drei Wochen nicht an seinem angestammten Platz im Kommissariat.

Sein Arbeitsplatz ist bei der Polizei in Salzburg. Genauer gesagt bei der Kripo, Abteilung: Mord und Todschlag. An diesem Arbeitsplatz ist er bereits seit zweiundzwanzig Jahren. Ein wirklich erfahrener Mann, so wenigstens behaupten es seine Kollegen. Sein letzter Fall liegt gerade Mal drei Wochen zurück, da rettete er das Leben von seinem Kollegen und Freund, dem Kommissar Wildfang aus München. Zuerst hatte Kommissar Wildfang noch Probleme, das Geschehene zu vergessen, zu tief saß der Schock, dass es ja auch hätte schiefgehen können. Aber schließlich konnte er ja die Bombe im letzten Moment noch entschärfen. Walter Broder gab ihm den richtigen Tipp mit dem grauen Kabel. Als dann alles überstanden war, erfuhr Walter Broder, dass sein Kollege Gerd Wildfang farbenblind ist. Es läuft ihm noch ganz kalt über den Rücken herunter, wenn er daran denkt, was geschehen wäre, wenn die Bombe in die Luft geflogen wäre? So waren sie gezwungen, zusammen eine Flasche Enzian zu leeren, danach meinte sein Freund und Kollege aus München: „Es ist genug, schließlich muss man ja auch mal Glück im Leben haben.“

Walter Broder war nicht immer im gleichen Amtszimmer, mehrmals musste er es räumen und mit seinen Kollegen umziehen. Da er aber in zwei Jahren in Pension gehen wird, bleibt dieser Raum wohl sein letztes Dienstzimmer.

Angestaubt, abgewohnt und die alten Fensterrahmen mit einem Hauch von patiniertem Charme versehen. Da er alleinstehend ist, wird er die Ferien ganz in der Nähe, am Chiemsee verbringen. Hier hat er sich mit zwei Kollegen verabredet. Er musste nicht lange überlegen, als ihm Gerd Wildfang den Vorschlag machte, einige Tage beim gemeinsamen Segeln zu verbringen.

Gerd Wildfang ist sein bester Freund und diesmal bringt er seine Lebensgefährtin, eine Kollegin aus der Abteilung „Sitte“ mit. Sie haben sich vorgenommen viel zu wandern und vielleicht an einem schönen Tag auch mal gemeinsam in die Berge zu gehen. Für dieses Vorhaben haben sie sich einen versierten Bergführer angeheuert. Der Wilde-Kaiser steht ganz oben auf der Liste. Wenn alles klappt kommt auch noch der Kollege Dieter Lauenstein hinzu.

Bei Dieter Lauenstein weiß man nie, welche Freundin gerade up to date ist. Er ist der jüngste aus der Dreierfreundschaft. Er stieß erst hinzu als sich Gerd und Walter schon etliche Jahre kannten.

Da sich die Ferien in Frankfurt bereits zum Ende neigen, wird er höchstens für eine Woche vorbei schauen können, länger ginge es auf keinen Fall. So seine Vorankündigung.

Die Kollegen von Hauptkommissar Walter Broder, die im Nebenzimmer miteinander hausen, sind bereits gegangen unter dem Vorwand noch eine Personenüberprüfung vornehmen zu müssen. So schlichen sie sich bereits vor einer guten Stunde aus dem Büro.

„Das machen wir auf dem Heimweg“, meint der Kollege Vierlinger, aber da stand er bereits im Türrahmen des Büros, mit seiner Aktentasche unter dem Arm. Walter Broder kennt das Spiel, natürlich werden die beiden gleich heimfahren oder besser gesagt einen trinken gehen, so wie sie das täglich machen. Nach Dienstschluss einen Absacker zu sich nehmen, den Tag ausklingen lassen. Keiner aus dem Team würde das kritisieren, schließlich schieben ja alle einen großen Berg an Überstunden vor sich her.

Walter Broder geht noch kurz bei seinem Vorgesetzten dem Polizeipräsidenten vorbei um sich zu verabschieden, das wird von ihm erwartet, da er ja für drei Wochen in Urlaub geht. verabschiedet. Der Vorgesetzte hofft immer noch darauf, dass er sich entscheidet vorzeitig seine Pensionierung einzureichen. Jeder im Haus weiß, dass Hauptkommissar Walter Broder seit dem Verlust seines rechten Auges, gesundheitlich angeschlagen ist. Es war ein Feuergefecht, als ein winziger Splitter direkt in sein Auge flog.

Walter Broders Problem liegt darin, dass er in seiner Freizeit nichts mit sich anzufangen weiß. Am liebsten würde er gleich im Amtszimmer übernachten. Um sich dies zu ermöglichen, hat er in seinem Schreibtisch bereits eine Decke deponiert. Des Weiteren liegt dort noch das Reserve Rasierzeug, ein Kamm und immer ein frisches Handtuch. Walter Broder ist ein Arbeitstier, der Dienst bei der Mordkommission sein einziger Lebensinhalt. Der einzige Grund mal früher zu gehen ist, wenn er seinen besten Freund den Gerd Wildfang aus München trifft oder wenn ein Saunatermin mit Kollegen angesagt ist. Ein ehemaliger Kollege, der seinen Dienst vorzeitig quittierte, eröffnete mit seiner Frau vor vier Jahren eine kleine Pension nahe dem Salzburger Schloss. Das besondere an der Pension aber ist eine Sauna, die extra aus Finnland angekarrt wurde. Als sie dann endlich von einem fachmännischen Team montiert war, gab es eine Einweihungsfeier, die sich sehen lassen konnte. Vierzig Personen meldeten sich zum ersten Saunagang an. Bis dann jeder die Sauna genießen durfte, war es kurz vor fünf Uhr in der Früh. Aber dann war jeder mindestens einmal der Hitze ausgesetzt. Das abkühlende Bad im nahe gelegenen Schwimmbad war dann reine Formsache. Der kredenzte Enzian dagegen war ein Muss!

Walter Broder und Gerd Wildfang haben sich vor über zwanzig Jahren auf einem Kurs für Sicherheitstechnik in München kennen gelernt. Gerd Wildfang ist ein Polizeibeamter im Höheren Dienst. Er ist aber auch das exakte Gegenteil von Walter Broder. Gerd Wildfang legt großen Wert auf korrektes Aussehen. Sein Oberlippenbart ist immer gepflegt. Es gibt ein Gerücht, das besagt, dass Gerd Wildfang alle zwei Wochen einen Schönheitssalon aufsucht. Aber einen Beleg gibt es dafür natürlich nicht. Vielleicht ist es ja nur ein böses Gerücht. Aber eines steht fest, die Hemden von Gerd Wildfang sind immer frisch und fachmännisch gebügelt.

Zu keinem Zeitpunkt würde Oberkommissar Wildfang mit ungeputzten Schuhen in den Dienst kommen. Seine Jacketts sind von einem prominenten Schneider aus München, von Hand gefertigt. Der dazugehörige Schlapphut, ein echter Borsalino, stammt selbstverständlich aus Florenz. Ein sehr edles Stück um den ihn seine Kollegen alle beneiden. Broder meinte mal, „Kein Wildfang ohne seinen Borsalino.“ Sein Spitzname unter den Kollegen ist „Der Monaco“.

Walter Broder ist da eher das Gegenteil. Da kommt es schon mal vor, dass die Tasche an seiner Jacke, die er seit einigen Jahren fast täglich trägt, eingerissen ist. „Seine Jacke ist sein Firmenzeichen“, soll er mal gesagt haben. Es ist ein Sakko von der Stange, grün/braun gemustert. Als es noch neu war, hatte es einen grünen Schimmer von Eleganz. Aber das ist bereits etliche Jahre her. Walter Broder hatte vor etlichen Jahren in München zu tun, es ging um einen komplizierten Mordfall, der Grenzüberschreitend geklärt werden musste. So konnten sie ihr Wissen unter Beweis stellen.

Gerd Wildfang hat seinen Dienst bei der Einbruch- und Diebstahlsabteilung begonnen, aber nun ist er seit einigen Jahren bei der Sondereinheit Mord und Todschlag. Es gibt ein Abkommen zwischen den Dienststellen München und Salzburg, das die grenzüberschreitende Arbeit regelt. So bleibt es nicht aus, dass fast alle zwei Wochen ein dienstliches Treffen erforderlich ist. Wildfang meinte mal: „Diese Treffen sind die Highlights in unserem Leben.“

Walter Broder ist schon am Hauptportal des Präsidiums, da fällt ihm ein, dass er ja noch einen Koffer und einen kleinen Rucksack benötigt, schon wegen des Bergsteigens. Das mit dem Koffer schiebt er schon seit einiger Zeit vor sich her. Auch bei seiner letzten Reise bemerkte er, dass sein alter Koffer ziemlich ramponiert ist. Die Ecken schließen nicht mehr wirklich. Ein plötzlich einsetzender Regen würde eindringen, deshalb also der Entschluss einen Neuen anzuschaffen. Broder redet gern mit sich selbst, was seine Kollegen mit einem Lächeln abtun. So führt er gerade eine Diskussion, bei welchem Fachgeschäft er den neuen Koffer erwerben sollte. Da gäbe es zum einen den Kofferladen in der Vorstadt, hier kennt er die junge Verkäuferin. Zum anderen gibt es ein Kaufhaus im Zentrum, hier hätte er sicher eine größere Auswahl. Dann ist sein Entschluss gefallen, Susi hat er schon lange nicht mehr gesehen und so frischt er die Bekanntschaft wieder auf, so sein Gedanke.

Walter Broder geht mit samt seinem neuen Koffer auf seine Wohnungstüre zu und findet auf der Fußmatte einen Brief. „Aha, sicher eine Mieterhöhung“, brummelt er vor sich hin. Vor einer guten Woche traf er seinen Vermieter und der rief ihm zu: „In kürze kommt ein Schreiben mit einer Mieterhöhung. Aber für sie wird es erträglich sein!“

„Mal sehen, was er mit erträglich meint“, Walter Broder führt ein Selbstgespräch. Dann geht die Türe auf, die der seinen gegenüberliegt. „Ach sieh mal einer an, der Herr Broder geht wohl in Urlaub und dazu hat er sich einen neuen Koffer gekauft.“

Sein Gegenüber, das ist die „Dicke Berta“, wie er sie scherzhaft nennt. Berta hört das zwar nicht so gerne, aber Walter Broder darf das sagen. Schließlich kennen sie sich ja schon seit fast dreißig Jahren. Damals lebte Broders Frau noch. Es war eine gute Freundin von der dicken Berta. Sie gingen beide zusammen in die gleiche Klasse des Salzburger Gymnasiums und anschließend traten sie ihre Lehrstelle bei der Stadtverwaltung an. Hier lernte Broder dann seine „Kleine“, wie er sie immer nannte, kennen. Broders Frau war gerademal einsachtundfünfzig. Broder scherzte gerne, in dem er spöttelte, „Sie ist ideal für einen Kleinwagen!“ Die Dicke Berta meint, „Hast du etwa auch eine Mieterhöhung bekommen?“ „Sieht so aus, aber ich hab es noch nicht gelesen. Fällt sie denn mächtig aus?“

Berta meint, „Zwanzig Euro will er haben, als ob ihn das reich machen würde. Ach, dein Abendessen ist schon auf dem Tisch, also lass mich nicht so lange warten.“ Walter Broder schnappt sich noch ein Bier aus seinem Kühlschrank und eine Flasche Wein aus der Wachau, dann geht er nur über den schmalen Gang, die Eingangstüre steht bereits für ihn offen.

Es ist zu einem Ritual geworden, dass seine Nachbarin für ihn sorgt. Natürlich hat sie immer gehofft, dass er sie vielleicht mal heiraten würde, aber Walter Broder hat sich dazu zu keiner Zeit positiv geäußert. „Ach lass mal, in unserem Alter sollte man keine unnötigen Gefahren eingehen“, sagte er noch vor einer guten Woche zu Berta, als diese ihn auf eine eventuelle Heirat ansprach. Sie meinte im Scherz, „Es ist ja nur wegen der Rente!“ Nach dem Abendessen sitzen sie meist noch vor dem Fernseher, aber diesmal verabschiedet sich Walter Broder mit den Worten: „Du weißt ja, ab morgen beginnt der Urlaub am Chiemsee, ich muss noch Packen.“

„Du wirst doch nichts dagegen haben, wenn ich dich mal besuchen komme?“, fragt Berta mit listigem Blick. „Natürlich nicht, komm immer wann du Zeit hast, aber nimm bitte ein Zelt mit, da die Pension ausgebucht ist.“ „Du bist ein richtiges Ekel! Ich werde mir überlegen, ob ich weiter für dein Wohl sorgen werde“, frotzelt Berta. Natürlich hat sie keine andere Antwort erwartet. Schließlich lässt sie sich gerne von Walter aufziehen und gefallen lässt sie sich sowieso nichts. Walter kennt ihre kurzen, geschliffenen Antworten, die meist eine Drohung beinhalten.

In München sitzt Gerd Wildfang vor seinem abgegessenen Tisch und seine Lebensgefährtin Gerti meint, „Es wird Zeit, dass du mit dem packen anfängst.“

„Kommst du denn nicht mit“, fragt Wildfang erstaunt. „Ich komme nach, ich will noch meinen Bruder in Aschaffenburg besuchen.“ „Seit wann weißt du das denn? Gestern sprachst du noch davon, dass du gleich mitkommst. Aber mach es wie du willst.“ Verärgert und eingeschnappt geht Gerd Wildfang in sein Arbeitszimmer und blättert in der Post. Er macht das eigentlich nur, um sich abzulenken. Seit einigen Tagen spürt er, dass sein „Schätzchen“, irgendetwas auf dem Herzen hat. Vielleicht hat sie ja genug von ihm. Verstehen könnte er es ja. Sein Dienstplan in den letzten Wochen war eine einzige Katastrophe.

Bis spät in die Nacht musste er sich wegen einer Personen Überwachung die Nächte um die Ohren schlagen und rausgekommen ist dabei wie immer nichts. Gerd Wildfangs Lebensgefährtin ist eine gut aussehende Endvierzigerin. Gerti, ist aus gutem Hause, wie sie immer betont. Ihr Vater war der Vorstand einer bekannten Lebensversicherung und hat es zu einem ansehnlichen Vermögen und einem Häuschen am Stadtrand gebracht. Seinen letzten Dienstwagen durfte er behalten und mit in den verdienten Ruhestand überführen.

Seit einiger Zeit liegt Gerti ihrem „Liebling“ in den Ohren. Ihr Vater will, dass sie beide in das Haus umziehen. Die Eltern von Gerti sind über siebzig und würden sich über eine Hilfe im Haushalt von Seiten Ihrer Tochter freuen. Erst vor einer Woche, bei einem gemeinsamen Abendessen mit den Eltern wurde das Thema zum X-ten Mal angesprochen. Gerd Wildfang meinte nur, „Lass uns das auf einen günstigeren Termin verschieben.“

Gerti weiß natürlich, dass es für „Ihren“ Gerd niemals einen günstigen Termin geben wird. Zu keiner Zeit würde er seine gepflegte Wohnung in Schwabing aufgeben. Er hat sie vor siebzehn Jahren von einem Kollegen übernommen, als dieser nach Hamburg umgezogen ist. Kommissar Wildfang muss nur vor die Haustüre gehen und befindet sich im Herzen von seinem geliebten Schwabing. Das Eiscafé gleich um die Ecke und sein Lieblingsrestaurant, dass Leopold liegt fast gegenüber. So eine gute Lage, wird es nie wieder geben.

Gerd Wildfang freut sich auf den gemeinsamen Urlaub mit Walter Broder. Schon vor einem Jahr „zogen sie es gemeinsam durch“, wie Wildfang sagte. Es war eine reine Männergesellschaft, die sich auf den Weg machte. Mit drei Fahrzeugen brachen sie auf. Sechs Mann, alle von der Polizei. Das ausgemachte Ziel war der Gardasee. Riva war angesagt und der Kalterersee wurde mehrfach besucht, schon wegen des guten Weines. Auf dem Rückweg ließ es sich Walter Broder nicht nehmen eine Kiste vom Roten einzuladen. „Den schmuggeln wir“, sagte er und beide lachten bei dem Gedanken als sie es sich bildlich vorstellten.

Kapitel: 2 Treffpunkt - Chiemsee

Walter Broder ist der erste, der bei der kleinen Pension am Chiemsee eintrifft. Sein Zug war pünktlich und ein Taxi, das ihn zur Pension bringen sollte, wartete bereits auf ihn. Es sind einfache Zimmer, aber mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Sogar einen neuen Fernseher gibt es auf jedem Zimmer. Als Broder das Quartier vor drei Monaten besichtigte, gab es diese neuen Flachbildschirme noch nicht. Aber wann ist man schon auf dem Zimmer, denkt Broder. „Im Urlaub vor der Glotze sitzen, wer denkt denn an so etwas“, brummelt er vor sich hin. Walter Broder spricht auch heute wieder gerne mit sich selbst. Es gibt Tage, da führt er sogar Streitgespräche mit einem imaginären Gegenüber.

Er beginnt seinen Koffer auszuräumen und überlegt, ob er nicht für eine Bergwanderung besser eine Regenjacke mitgenommen hätte. Aber er beruhigt sich. Eine Bergwanderung machen sie sowieso nur bei schönstem Wetter. Die Vermieterin Helene klopft leise an die Türe und fragt, ob er nicht eine Tasse Kaffee möchte. Einige Plätzchen gäbe es dazu. „Selbst gemacht“, wie sie betont. Da muss man natürlich Walter Broder nicht zweimal fragen. Für Plätzchen stirbt er, besonders wenn sie so lecker schmecken, wie sie aussehen. Zusammen mit Helene, sitzt er auf der Veranda der kleinen Pension. „Sagen sie ruhig Helene zu mir“, meint sie auffordernd zu ihrem neuen Gast. „Dann müssen sie aber auch Walter zu mir sagen.“

„Dann besiegeln wir das mit einem Cognac“, meint Helene. Sie ist gerade in der Küche um Gläser zu holen, da hört Broder einen Wagen vorfahren. „Natürlich, ich dachte es mir doch gleich, es ist der Kollege Gerd Wildfang.“ Er erkennt den Wagen schon von weitem an seinem lauten Dieselgeräusch. Kommissar Wildfang hat sich vor einigen Monaten einen neuen Wagen zugelegt. Broder empfahl ihm einen Peugeot Diesel. Die sind sehr sparsam und sehr bequem. Wobei ihm das „Bequem“ am wichtigsten schien, denn er ist ein häufiger Beifahrer.

„Helene… bring bitte noch ein Glas mehr, mein Kollege ist soeben eingetroffen!“, ruft Broder in den Raum, an den sich die Küche anschließt. Bei schlechtem Wetter gibt es dort das Frühstück, aber wenn die Sonne es gut mit seinen Gästen meint, dann sitzt man an langen Tischen auf der Terrasse. Nachdem Wildfang die Stimme von Broder hört, geht er direkt auf die Terrasse. „Cognac schon so früh am Morgen, das muss ja ein besonderer Tag sein.“

„Wir stoßen gerade auf das „Du“ an“, erklärt Walter Broder seinem Freund. „Okay, ich bin der Gerd“, so stellt sich Wildfang bei Helene vor. „Dann lasst uns mal anstoßen…Prost….und runter damit!“ Helene fragt die beiden, ob sie wirklich bei der Mordkommission seien. Walter und Gerd beantworten die Frage mit einem erstaunten „JA“. „Hast du denn einen Toten hier irgendwo herumliegen?“, scherzt Wildfang. „Nein eigentlich nicht, aber ich bin halt neugierig. Ich habe die Pension nun fast zwanzig Jahre, aber einen echten Kommissar hatte ich noch nicht im Haus und jetzt sind es sogar zwei.“ Walter Broder bittet Helene um eine Straßenkarte, damit sie für die kommenden Tage besser planen können. Wildfang hat zwar eine Karte dabei, aber es fehlen die kleinen Orte darauf. „Du hättest beim Kauf auf den Maßstab achten müssen“, meint Walter Broder etwas bissig.

Helene ist aber gut vorbereitet, da sie oft Radfahrer als Gäste beherbergt, weiß sie schon, dass eine gute Straßenkarte helfen kann. „Was habt ihr beide euch denn für die nächsten Tage vorgenommen?“, will Helene von ihnen wissen. „Wenn ihr Abendessen wollt, müsst ihr mir das natürlich rechtzeitig sagen, sonst gibt es nur ein Wurstbrot mit Bier oder Wein.“

Gerd Wildfang erhält einen Anruf auf seinem Handy. „Das wird mein Schatz sein, sicher hat sie es sich anders überlegt und kommt morgen nach.“ „Was denn… anders überlegt?“, fragt Broder.

„Na sie wollte morgen früh nach Aschaffenburg zu ihrem Bruder.“ „Ja mein Schatz, was gibt es?“, säuselt Gerd Wildfang in sein Handy.

„Hier ist nicht dein Schatz, hier ist Heiner Brandstetter, ich habe gehört, dass sie ein richtiger Kommissar aus München sind.“ „So ist es, sie sind doch nicht von der Presse?“

Kapitel: 3 Ein Toter im Sägewerk

„Nein, wir haben hier im Sägewerk keinen Toten.“

„Also ich bin in Urlaub, da müssen sie schon den Kommissar in Rosenheim oder Traunstein verständigen. Aber woher wissen sie denn überhaupt, dass ich hier Urlaub mache?“ „Helene hat es heute früh in der Bäckerei erzählt….und als wir jetzt den Toten gefunden haben, da dachte ich sofort an sie.“ „Gut, wir kommen vorbei, wo ist das denn?“

„Bad Endorf, das ist ja nicht weit von ihnen. Helene wird ihnen sagen, wie sie uns finden. Es ist das größte Sägewerk im Landkreis.“ „Broder komm! Es gibt Arbeit“, blafft Gerd Wildfang verärgert. Kommissar Broder schimpft, „Wir haben Urlaub, ohne mich!“

„Lass uns doch einfach mal schnell vorbei sehen. Vielleicht hat es sich ja schon erledigt und ein Sägewerk wollte ich schon immer mal aus der Nähe sehen.“ „Okay, aber nur ansehen, keine Arbeit, du versprichst es mir!“, meint Walter Broder. „Versprochen!“

Walter Broder und sein Kollege Wildfang müssen nicht lange nach dem Weg suchen. Das Sägewerk ist gut ausgeschildert. Dann stehen sie vor dem großen Gatter. Es ist bereits weit geöffnet, so dass Gerd Wildfang gleich durchfahren kann. Das Areal ist riesig und so erkennen sie das erhabene Gebäude erst, als sie einen Behelfsbau passiert haben. Dann sehen sie auch schon ein Sanitätsfahrzeug und einen Streifenwagen der örtlichen Dienststelle.

„Ach, sieh mal einer an, der Gerd Wildfang ist jetzt für uns zuständig!“, frotzelt ein Beamter im grünen Outfit als die Kommissare Broder und Wildfang auf die Absperrung zugehen. „Hallo grüß dich, seit wann bist du denn in Rosenheim?“, fragt Gerd Wildfang.

Wildfang kennt den Mattias noch aus München. Irgendwann hat sich Mattias verabschiedet, mit den Worten, „Ich zieh aufs Land, hab mir ein kleines Anwesen bei Rosenheim gekauft.“

Kommissar Wildfang hat das alles längst vergessen. Es müssen ja mindestens vier Jahre her sein, als Mattias seinen Abschied in München nahm. Walter Broder wird vorgestellt und Walter Broder betont deutlich, dass sie beide in Urlaub sind, an Arbeit ist nicht zu denken. „Nur einen Blick, mehr nicht!“, bittet Mattias. „Hier stimmt etwas nicht, habe so ein komisches Gefühl in der Magengegend“, meint der Kollege Mattias Kreitmeyer. Gerd Wildfang wirft zusammen mit Walter Broder einen fachmännischen Blick auf die Leiche.

„Wie lange liegt er denn schon hier? Sieht ja aus, als hätte er schon Moos angesetzt!“

Mattias meint, „Die Gerichtsmedizin ist schon im Anrollen, dann wissen wir bald mehr.“

Als Broder den Namen des Toten hört wird er aufmerksam. „Die Familie Unterrainer stammt doch aus Salzburg, was macht der denn hier, warum kauft der sich seine Bretter nicht in Österreich?“ „Wieso, woher willst du das denn wissen?“, fragt Mattias den Kommissar Broder.

„Unterrainer, das sind die vom Hotel am Wolfgangsee, die Familie kenn ich gut.“ Mit Kommissar Broder findet gerade eine Veränderung statt. Sein Urlaub ist nun plötzlich Nebensache, schließlich geht es um einen toten Österreicher, da muss er was unternehmen, vielleicht ist er ja sogar zuständig? Er sucht sein Handy und wird tatsächlich fündig. Eigentlich wollte er es gar nicht mitnehmen, aber wie sagte er beim Polizeipräsidenten? „Natürlich können sie mich im Ernstfall immer erreichen!“ „…und das ist ein Ernstfall!“, meint er zu seinem Kollegen Gerd Wildfang aufgeregt.

Kommissar Broder lässt sich verbinden mit der Kommandantur von Sankt Gilgen und berichtet von dem Toten im Sägewerk. Da er schon mal vor Ort ist, wird er sich um die Details kümmern, verspricht er einem Kollegen vom dortigen Revier. Der Besitzer des Sägewerkes ein Herr Werner Waginger trifft soeben ein. Mit seinem übergroßen Geländewagen sucht er nach einem Parkplatz. Die Polizeifahrzeuge haben inzwischen den gesamten Parkplatz zugeparkt.

Herr Waginger berichtet, ohne dass ihn jemand gefragt hat, dass er die letzte Nacht in München war, weil es gerade um einen großen Auftrag geht. Ein Nobelrestaurant wird umgebaut und da sind Dielenbretter gefragt und die gibt es nur bei ihm. Abgelagert und von feinster Struktur. „Gekalkte Eiche“, betont er. Gerd Wildfang betrachtet sich die Situation als Außenstehender, er ist ja im Urlaub und da er jetzt weiß, dass der Tote ein Österreicher ist, zieht er sich bewusst zurück. Schließlich will er ja morgen ein Boot mieten und auf den See hinaus fahren. Wildfang spaziert ein wenig auf dem Anwesen des Sägewerkes herum, so als wolle er sich die Beine vertreten. Er ist beeindruckt, was es hier alles an Gerätschaft gibt. So kommt er zu einem großen Schuppen, in dem Holz gelagert ist. Fein säuberlich sortiert, jedes Brett mit einem Datum versehen. Dann entdeckt er einen schmalen Aufgang, der wohl in ein Dachgeschoss führt. Natürlich denkt er zuerst mal an einen Raum für Werkzeug oder ein Lager für Gerümpel. Die Treppe sieht nicht so aus, als würde sie öfter benützt werden, ansonsten würden die Stufen ja eine Abnutzung zeigen. So fällt ihm auf, dass kein Staub auf der Treppe liegt. Oder zumindest ein bisschen Sägemehl, wie man es bei einem Sägewerk vermuten könnte. Er nimmt die sieben Stufen und drückt die Klinke hinunter.

Sein Erstaunen ist groß. Was er hier vorfindet ist ein kleines Zimmer mit einer Liege und einem Kasten für Wäsche. Er öffnet die Türe des Kastens und findet sehr ordentlich sortiert Kleidung darin. Es muss von einer Frau sein, so zumindest vermutet er. Schließlich hängt deutlich eine Bluse darin. Eine zweite Türe führt in ein kleines Badezimmer. Als er gerade den Raum verlassen will steht plötzlich wie aus heiterem Himmel ein junges Mädchen hinter ihm.

„Suchen sie etwas Bestimmtes?“, fragt sie ihn. „Entschuldigen Sie, ich dachte nur, schaust du mal hinein, vielleicht steckt ja hier der Mörder?“, scherzt Kommissar Wildfang. „Warum den Mörder? Ich dachte der Anton ist versehentlich…“ „Sie meinen, er sei versehentlich in die Säge gelaufen?“

„Ja so ähnlich, ich weiß ja nichts Genaues. Ach, ich bin übrigens die Elfi. Ich bin hier im Sägewerk die Sekretärin.“ „Warum sind sie dann nicht im Büro, wo Sie doch eigentlich hingehören?“

„Ich wollte mir nur eine Strickjacke holen, mir war kalt“, entgegnet Elfi nervös. „Na dann holen Sie sich nur Ihre Jacke, ich muss ja auch wieder weiter. Ach, eine Frage hab ich noch. Die Zahlen und Daten auf den Brettern, was haben die zu bedeuten?“ „Das ist der Tag an dem der Baum geschlagen wurde und wann daraus Bretter geschnitten wurden. Die Nummern finden Sie auch in einem Verzeichnis.“ „Vielen Dank“, meint Wildfang freundlich zu dem adretten Fräulein.

Gerd Wildfang geht wieder zurück in das Sägewerk und sucht nach seinem Kollegen Walter Broder, den er aufgeregt vorfindet. Walter Broder ist in seinem Element. Gerd Wildfang meint zu ihm: „Stell dir vor, ich hab da gerade ein Zimmer entdeckt, das gehört der Elfi. Das ist die Sekretärin hier im Sägewerk. Nach der Einrichtung zu urteilen, ist das so eine Art kleines Liebesnest.“ Walter Broder sieht ihn an und meint. „Woher willst du das denn wissen, oder hast du die Elfi beim Liebesspiel ertappt?“ „Wo denkst du hin, ich vermute halt mal so…“ Meint Wildfang gelangweilt. Walter Broder ist mit seinen Nachforschungen um einiges weitergekommen und berichtet nun Gerd Wildfang, dass der Tote ein Partner aber auch der Schwager vom Sägewerksbesitzer ist. Ein stiller Gesellschafter, wie man ihm berichtet hat. Walter Broder denkt inzwischen nicht mehr an Urlaub, sein Notizblock ist bereits vollgeschrieben.

„Du sagtest etwas von einem Liebesnest?“, fragt er und dreht sich ruckartig zu Kommissar Wildfang hin. Das verbliebene Auge von Broder hat nun einen gewissen aufgeregten Glanz, was Gerd Wildfang signalisiert, dass Walter Broder in seiner Arbeit nicht mehr zu bremsen ist. Dann erhält Walter Broder eine Mitteilung seines Kollegen aus Sankt Gilgen.

„Die haben gerade eine Steuerprüfung hier im Hotel. Die Ehefrau vom Unterrainer ist eine geborene Waginger aus Bad Endorf.“

Kapitel: 4 Wo ist denn die Ehefrau?

„Der Unterrainer hat also seinen Schwager besucht, wo ist denn die Ehefrau abgeblieben? Ist sie bei euch in Sankt Gilgen?“, will Broder nun wissen. „Die ist mitgefahren, so wenigstens haben wir vom Personal erfahren. Außerdem wird erzählt, dass es einen heftigen Streit vor der Abreise der beiden gab.“ „Sicher wegen der Steuerprüfung?“, hakt Kommissar Broder nach.

„Nein, die Ehefrau hat die Scheidung eingereicht. Nachdem sie erfahren hat, dass der Vater ihres Mannes für die Nazis tätig war und das nicht nur als Mitläufer. Außerdem hat sie herausbekommen, dass ihr Mann eine Gruppe von Neonazis finanziell mit sehr viel Geld unterstützt hat.“ „Dann halten wir doch mal fest. Der Tote war der Schwager vom Werner Waginger und er gab ihm ein Darlehen. Soweit wissen wir schon mal Bescheid. Aber ich werde das Gefühl nicht los, als ginge es um mehr. Vor allem, wo ist die Ehefrau…und wo ist der Wagen der beiden Unterrainers abgeblieben? Sie müssen ja irgendwie hergekommen sein. Mit dem Zug sind sie sicher nicht gefahren!“ Kommissar Wildfang fragt nun seinen Kollegen Walter Broder, „Wo ist denn eigentlich der Waginger abgeblieben, der war doch gerade noch hier am Parkplatz?“ „Der Waginger steht unter der Dusche“, meint Elfi erklären zu müssen.

„Bleiben sie gleich mal hier. Sie waren doch im Büro und müssen doch etwas gesehen haben oder etwas wissen? Hier geschieht doch nichts, ohne dass sie davon hören?“ „Also hören sie mal, ich bin nur Sekretärin“ prustet Elfi lautstark heraus. Gestern bin ich etwas früher gegangen und da war der Anton noch gar nicht da. Ich habe den Anton ja auch gar nicht gefunden. Es war unser Vorarbeiter Brandstädter, der fand den Anton hinter der Säge liegend.“

„Wir rufen sie, falls wir noch weitere Fragen haben, halten sie sich bitte zu unserer Verfügung“, meint ein junger Beamter. Walter Broder ist erstaunt darüber, dass die Sekretärin den Schwager mit seinem Vornamen „Anton“, betitelt. Gerd Wildfang steht etwas gelangweilt herum und meint zu Walter Broder: „Also ich für meinen Teil sehe das so, dass die Steuerprüfung eine Nachzahlung ergeben hat und der Unterrainer sein Darlehen zurück haben wollte.“

„Aber vielleicht wollte er ja sein Darlehen auch deshalb zurück, weil sich seine Frau von ihm scheiden lassen wollte?“, argumentiert Kollege Broder. „Das sind ja nun schon zwei Gründe für einen Mord. Aber was mich stutzig macht, wo ist die Ehefrau abgeblieben.“

„Sie hat ihren Gatten umgebracht und ist dann einfach abgehauen“, meint der Assistent aus Rosenheim erklären zu müssen. „Wenn es so einfach wäre, dann können wir ja unseren Urlaub fortsetzen“, antwortet Wildfang. „Okay, dann lass uns für heute Schluss machen, schließlich haben wir ja Urlaub.“

Helene hat für den Abend ein feierliches kaltes Buffet hergerichtet. Da ihr Sohn aus München mit seiner Freundin zu Besuch kommt. Zu diesem Anlass hat sie im großen Esszimmer aufgedeckt. Die beiden Kommissare Wildfang und Broder sind beeindruckt. Geräucherter Fisch, Schinken und etliche andere Leckereien sind aufgetischt. „Wird etwas gefeiert?“, fragt Broder.

„Mein Sohn Benedikt hat Geburtstag, er wird einunddreißig, außerdem will er mir seine „Zukünftige“ vorstellen.“ Dann hören sie einen Wagen vorfahren. Es ist ein nagelneuer großer BMW. Ihm entsteigt ein sehr hübsches Mädchen. Ein junger Mann geht auf die Haustüre zu und er ruft nach Helene. „Mama, wir sind da. Ich möchte dir gerne meine Freundin vorstellen.“ Aus der Küche ertönt die kräftige Stimme von Helene, „Einen Moment noch, ich muss mich nur noch kurz herrichten.“ Helene betritt den Raum. In der einen Hand hält sie eine Flasche Sekt und in der anderen hält sie ein kleines Päckchen mit einem roten Band. „Hier Benedikt, Dein Geschenk zu deinem Geburtstag!“

Benedikt ist aufgeregt und vergisst, seine Freundin vorzustellen. Dies holt er nach, nachdem er das Geschenk geöffnet hat. „Eine Taschenuhr, du sollst doch nicht so viel Geld ausgeben Mama!“ „Das ist die Uhr Deines Großvaters, sie ist wertvoll, pass bitte darauf auf.“

Dann endlich stellt Benedikt seine Freundin vor. „Das ist Veronika!“ „Wir wollen heute Verlobung feiern“, erklärt Veronika aufgeregt ihrer zukünftigen Schwiegermutter. Wildfang und Broder gratulieren und nehmen sich ein Glas Sekt zum Anstoßen. Helene meint, „Auf das Liebespaar! Darf ich euch in die gute Stube bitten!“

Darauf folgt natürlich eine wunderschöne Feier die von Benedikts Mama ja mit viel Liebe vorbereitet wurde. Helene holt sich Veronika an ihre Seite um mit ihr über die bevorstehende Hochzeit zu reden. Walter Broder sitzt nachdenklich in einer Ecke und Gerd Wildfang ist in ein Gespräch mit dem Benedikt vertieft. Sie diskutieren über den neuen Wagen und dass er doch eigentlich viel zu teuer für einen Studenten ist. Aber Benedikt meint, „Der Wagen ist für das ganze Leben! Außerdem musste ich ihn nicht bezahlen.“ Die Feier hat den Höhepunkt erreicht, da wird Gerd Wildfang an das Telefon gerufen. „Woher haben sie denn meine Nummer? …Ach ja, ich verstehe, der Mattias.“ „Sie haben die Ehefrau gefunden!“

„Muss das jetzt sein, mitten in der Verlobungsfeier, erzählst du von einer Toten, sie ist doch tot, oder…?“, meint Walter Broder. „Ja sie lag im Wasser, gleich an der Raststelle am See. Sie wurde wohl von der Autobahn aus dort abgelegt.“

Broder sieht auf die Uhr und meint, „Es ist Zeit sich aufs Ohr zu legen, morgen ist auch noch ein Tag!“ Auch Helene sieht auf die Uhr und meint erschrocken, „Es ist ja schon fast zwei Uhr. Ich glaube wir machen für heute doch besser Schluss.“ Ja, dann meinen Walter Broder und Gerd Wildfang und verabschieden sich, um auf ihre Zimmer zu gehen.

„Das ist doch ein Mist, da haben wir schon mal Urlaub und dann gibt es am ersten Tag schon zwei Tote. Na, dann gute Nacht“, meint Gerd Wildfang.

Als Gerd Wildfang am nächsten Morgen auf seinen Wecker sieht, stellt er mit Entsetzen fest, dass es bereits neun Uhr ist. Aber er ist ja im Urlaub! Deshalb geht er auf den Balkon und sieht seinen Kollegen Broder mit einem Zeichenblock am Frühstückstisch sitzen. „Hallo Walter, was gibt es denn schönes zu zeichnen?“ „Das hast du nicht gewusst, mein Hobby ist das Zeichnen und wenn ich so schön in der Morgensonne sitzen kann, dann juckt mich mein Zeichenfinger.“

Zehn Minuten später sitzt Gerd Wildfang ebenfalls am Frühstückstisch. Er ist damit beschäftigt, eine Semmel aufzuschneiden um den Schinken anschließend gleichmäßig darauf zu verteilen.

„Guten Morgen meine Herren, konnten sie gut schlafen? Trotz der Aufregung von heute Nacht?“, fragt Helene. „Klar, das sind wir gewohnt. Früher hätte es mich nervös gemacht, aber heute nach über zwanzig Jahren, ist das der nüchterne Alltag“, meint Kommissar Broder.

„Da ist ein Fax für sie gekommen, es ist von der Gerichtsmedizin, da steht…“ „Also entschuldige Helene, das Fax ist doch an uns. Den Inhalt behältst du bitte für dich. Er ist nicht für den Dorftratsch gedacht.“ Gerd Wildfang überfliegt die Ergebnisse und staunt. „Sieh mal Walter, hier steht, dass die Frau etwa sieben Stunden vor ihrem Ehemann gestorben ist. Ach, da steht auch, dass die Ehefrau unter ihren Fingernägeln Hautspuren von ihrem Mann hatte.“

„Lass mich das bitte selber lesen, es muss ja nicht die ganze Nachbarschaft hören, was das Ergebnis zu Tage gefördert hat.“ „Nun steht also fest, dass der Ehemann das Erbe seiner Frau für sieben Stunden angetreten hat. Aber eben nur für sieben Stunden. Wer ist denn jetzt der nächste Verwandte? Haben die Kinder?“, fragt Kommissar Wildfang. „Dann steht weiterhin fest, dass der Ehemann seine Frau umgebracht hat. Warum sollte er das getan haben?“, meint Wildfang ungläubig weiter. „Berechtigte Frage“, stellt Kommissar Broder fest. „Naja, er hat sie umgebracht, weil sie sich scheiden lassen wollte. Oder erkennst du einen anderen Grund? Naja, das Geld spielt sicher ebenfalls eine Rolle.“ Aber wer hat dann ihn umgebracht? Er wird sich ja nicht selbst den Schädel eingeschlagen haben. Oder?“, meint Kommissar Wildfang mit fragenden Blick.

„Vielleicht war es ja die Sekretärin, sie nannte ihn ja beim Vornamen, vielleicht hat sie ihn ja geliebt?“ „Vielleicht gibt es ja deshalb auch ein Liebesnest?“, ergänzt Walter Broder den Satz.

„Also, dann nehmen wir uns die Elfi nochmals vor“, meint Gerd Wildfang. „Warum machen wir eigentlich die Arbeit von den Kollegen aus Rosenheim? Sollen die doch herausfinden, wer wen und warum umgebracht hat. Ich bin doch in Urlaub und was gehen mich die Leichen an?“, stellt Wildfang verärgert fest. „Da hast du wirklich recht, aber den österreichischen Clan, um den muss ich mich schon kümmern. Schließlich kannte ich noch die alte Unterrainerin, sie war befreundet mit meiner Mutter. Gott hab sie selig“, kommt es von Walter Broder.

„Ach so ist das, es ist persönliches Interesse“, meint Gerd Wildfang. „Ich weiß ja nicht, was du heute machst, ich für meinen Teil miete mir ein Boot und segle solange es noch Wind gibt. Ach, Helene könntest du mir einen Korb mit einer deftigen Brotzeit richten?“ „Mach ich, wieviel Personen werdet ihr denn sein? Ich reserviere dann schon mal ein Boot für euch.“ „Wir machen das zusammen“, kommt es vom Broder.

Eine Stunde später sitzen beide in einem ziemlich alten Segelboot, einem Piraten. Damit kennt sich Walter Broder aus, ein ähnliches Boot hatte er auch schon mal am Mondsee gemietet. Als sie die Leinen einholen, frischt der Wind gerade etwas auf, so dass sie ziemlich schnell auf der Mitte des Sees sind. Kommissar Wildfangs Handy läutet. „Wir sind am See, es ist zwecklos uns Arbeit zuzuteilen. Wer ist überhaupt in der Leitung?“ „Lauenstein…wie schön zu wissen, dass ihr gerade beide auf dem See seid. Sicher habt ihr einige Flaschen Bier gebunkert und wartet jetzt auf die große Flaute?“ „Wie gut du uns kennst…wann kommst du denn?“, fragt Wildfang.

„Ich bin gerade abgefahren, werde also gegen Abend eintreffen, aber ich bin alleine.“ „Also dann bis später!“ Meint Wildfang.

Dann kommt tatsächlich die große Flaute und die beiden Kommissare befinden sich gerade auf der Mitte des Sees. „Los sieh mal nach, was uns Helene als Wegzehrung eingepackt hat?“

Für jeden zwei Bier, dass rettet uns schon mal vor dem Verdursten“, meint Wildfang. Die Zeit vergeht und die Sonne brennt heftig herunter. „Wir hätten einen Strohhut mitnehmen sollen“, stellt Wildfang fest. „Geräucherter Fisch, dafür könnt ich sterben“, meint Walter Broder. Gerd Wildfang hat sich das Fernglas geschnappt und betrachtet sich die jungen Damen an einem Badestrand. „Da könnte einem ja das Wasser im Mund zusammenlaufen“, meint er. Dann schwenkt er mit dem Fernglas etwas weiter und erkennt die Autobahn und den Parkplatz am See. Er überlegt, wie es der Mörder wohl angestellt hat, hier eine Leiche unbemerkt abzulegen. Der Verkehr ist hier wirklich ziemlich dicht. Die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. Das muss doch jemand etwas gesehen haben. Dann erkennt er eine Person, die vom Auto ein kleines Schlauchboot herunterholt und dieses am Ufer absetzt. „Das ist es, er hat die Leiche mit einem Schlauchboot ausgesetzt. Das merkt eigentlich niemand. Vielleicht hat er so getan, als würde er ein Zelt in das Boot legen.“ Tatsächlich gibt es Personen, die nahe dem Parkplatz zu einem kleinen wilden Campingplatz hinüber rudern. „Es gibt jetzt nur noch eines, wir müssen zum Himmel beten, damit etwas Wind kommt, sonst liegen wir hier die halbe Nacht fest“, beginnt Wildfang zu jammern. „Keine Angst, gegen Abend frischt der Wind hier immer leicht auf, also wirst du in deinem Bett schlafen und nicht hier im Boot die Nacht verbringen müssen.“ Dann kommt ein Motorboot auf sie zu. Es ist der Sohn von Helene, Benedikt. „Ich hab sie herumdümpeln sehen, da dachte ich, ich komme mal kurz rüber und hänge sie an.“ Zwanzig Minuten später sind sie schon beim Bootsverleih und übergeben ihren Piraten dem Vermieter. Walter schleift die Segelutensilien, Gerd trägt den Korb mit den restlichen Leckereien. Der Sohn von Helene stellt lachend fest, dass beide Herren einen ziemlichen Sonnenbrand auf der Stirn haben. „Da dürfen sie jetzt kräftig Creme drauf tun, sonst haben sie morgen einen roten Kopf.“

Kapitel: 5 Eine weitere Leiche

„Es gibt eine weitere Leiche!“, mit diesen Worten empfängt Helene die beiden Kommissare. „Arbeit gibt es, nix ist mit Urlaub!“, stöhnt Walter Broder. Ein Fax der Kollegen vom Rosenheimer Revier liegt auf dem Tisch im Esszimmer. „Um was geht es?“, fragt Kommissar Broder etwas gelangweilt. „Sie haben einen Holzlieferanten vom Waginger gefunden. Aber so wie ich es sehe, war es ein Unfall. Es muss beim Holzfällen passiert sein. Er wurde von einem stürzenden Baum erschlagen.“ „Na dann,… geht uns das ja nichts an!“ Erklärt Gerd Wildfang.

Die beiden Kommissare sitzen mit Helene und ihrem Sohn Benedikt am Esstisch. In einem Schaukelstuhl sitzt die Verlobte vom Benedikt und liest in einem Buch. Gerd Wildfang schimpft über den miserablen Wind. „Ohne die leckere Brotzeit, hätten sie den Nachmittag nicht überstanden.“ Gerd Wildfang erklärt, dass sie beobachtet haben, wie leicht man am Parkplatz eine Leiche ablegen kann.

Natürlich kennt Benedikt den Parkplatz. Er erklärt, dass hier auch Boote zu Wasser gelassen werden die etwas größer sind. Aber dann meinte Benedikt, woher sie eigentlich wissen, dass die Leiche vom Parkplatz aus abgelegt wurde. Es könnte ja auch sein, dass jemand mit einem Motorboot die Leiche hinüber gebracht hat. Also von hier und nicht von der Autobahn, wie vermutet wird? Broder meint zu Wildfang: „Ein schlauer Bursche, den müsst ihr einstellen, solche Leute fehlen bei euch!“ „Das würde aber auch bedeuten, dass der Unterrainer vielleicht seine Frau auf dem Boot umgebracht hat und dann hat er sie drüben abgelegt.“ „Aber das ist doch nun völlig egal, tot ist tot. Wichtig wäre zu wissen, wer „Ihn“ umgebracht hat!“ „Vielleicht der Vorarbeiter, weil er erfahren hat, dass der Kerl etwas mit der Elfi hatte. Vielleicht ist ja die Elfi die Geliebte vom Vorarbeiter?“ „So kommen wir nicht weiter, außerdem haben wir Urlaub und die Leichen sind uns doch völlig egal, oder nicht?“, fragt Gerd Wildfang. Walter Broder ist erzürnt, „Was hast du für eine Dienstauffassung, schließlich ist eine Leiche ein Österreicher!“ Dann hören sie den Wagen vom Kommissar Lauenstein. Das leise brummeln eines Achtzylinders hören sie wie ein leises Rauschen um die Ecke. „Hat er wieder seinen Oldtimer aus der Garage geholt?“, fragt Wildfang.

Tatsächlich hat es sich Dietmar Lauenstein nicht nehmen lassen, mit seinem alten Benz, den er von seinem Vater geerbt hat, zu kommen. „Hallo altes Haus, du hast es gewagt, den Wagen deines Vater zu nehmen, was hat denn da deine Mutter dazu gesagt?“ „Sie meinte nur, es wird Zeit ihn wieder mal zu nutzen. Er steht ja fast immer nur in der Garage.“ Helene richtet sofort noch ein Tablett mit einer weiteren Brotzeit. „Sie müssen ja einen riesigen Hunger haben. Kommen sie tatsächlich direkt aus Frankfurt?“ „Ja, ich hab das ohne eine Pause in einem Rutsch gemacht. Aber das ist kein Problem mit dem bequemen Wagen.“ Eigentlich wollten Walter Broder und Gerd Wildfang gerade mit einer Flasche Bier auf den Balkon gehen und den inzwischen strahlenden Sternenhimmel beobachten, aber nun leisten sie beide ihrem Kollegen Dietmar Lauenstein noch etwas Gesellschaft. Nebenbei berichten sie davon, was sich alles zwischenzeitlich ereignet hat. „Ich dachte eigentlich, dass wir uns ein paar schöne Tage Urlaub gönnen, das was ich höre, klingt nach Arbeit“, meint Kommissar Lauenstein erbost.

Dann stürzt Helene herein mit der Nachricht, dass der Waldarbeiter doch nicht vom Baum erschlagen wurde, sondern dass es ein Mord war und der Unfall mit dem Baum nur vorgetäuscht wurde.“ „Woher willst du das denn wissen?“ „Es steht in dem Fax, was gerade gekommen ist.“ „Hab ich dir nicht gesagt, dass du meine Faxe nicht lesen sollst?“, meint Walter Broder. „Ja schon…aber es lag doch so auf dem Gerät, da musste ich es doch sehen, vielleicht ist es ja für mich, dachte ich.“ „Helene du sollt nicht so viel denken. Und vor allem sollst du es nicht beim Bäcker herum erzählen. Verstehst du das, das stört die Ermittlungen“, meint knurrend Kommissar Broder, während er die Treppe zu seinem Zimmer hinaufsteigt.

Die drei Kommissare sitzen gemütlich, jeder mit einem Bier in der Hand auf dem Balkon der ihre Zimmer miteinander verbindet und lassen ihren Blick über den See schweifen. Walter Broder liest das Fax und muss erkennen, dass es da irgendeinen Zusammenhang gibt. Der Tote ist ein Lieferant des Sägewerks. Vielleicht ist es aber nur ein Zufall. Aber dass der Tod als Unfall getarnt war, das ist schon sehr seltsam. Er greift zu seinem Handy und veranlasst, dass der Tote nach München gebracht wird. Die Gerichtsmedizin muss feststellen, wie er tatsächlich umkam. Ein Unfall ist es auf keinen Fall, das steht schon mal fest.

Am nächsten Morgen beobachtet Gerd Wildfang, wie geschickt Walter Broder mit seinem Zeichenstift umgeht. Er macht das wirklich gut, wenn er mal in Pension geht, dann hat er wenigstens ein Hobby überlegt Kommissar Wildfang. „Also heute geht es nicht auf das Wasser, heute machen wir eine Wanderung. Ihr habt doch einen Rucksack dabei?“, fragt Walter Broder seine beiden Kollegen. „Ich hab es doch geahnt, du willst dir den Tatort ansehen. Mal sehen, wie wurde der Unfall getarnt?“ „Du bist einfach ein guter Kollege. Jetzt verbinden wir den Urlaub mit einer Spurensuche. So wird uns wenigstens nicht langweilig“ erklärt Gerd Wildfang.

Sie erhalten von Helene noch die notwenige Straßenkarte und Helene hat es sich nicht nehmen lassen und hat den Fundort der Leiche gleich rot eingezeichnet. „Da ist es, da müsst ihr hin. Der Stromeier ist zuständig, Hier ist seine Nummer, das ist das Revier von Aschau. Der hat ihn gefunden.“ „Also ohne dich Helene hätten wir keine Chance“, stellt Wildfang mit einem Lächeln fest. Als die Kommissare nach einer guten Stunde am Ort des Geschehens eintreffen, sind gerade Holzfäller damit beschäftigt, den Baum zu entfernen.

Schnell stellt sich heraus, dass der Tote nicht sonderlich beliebt war. Er hat seine Arbeiter geschunden und ziemlich schlecht bezahlt. Dabei wussten alle, dass er eine Villa in Südspanien hat und seine Frau einen Porsche fährt. „Die erbt doch jetzt alles….und verkaufen wird sie den Wald, das ist ein Vermögen, da kann sie dann in ihrer Villa die Fürstin spielen“, meint einer der Waldarbeiter. An den Arbeiter gerichtet fragt Lauenstein, „Wer ist denn der Tote?“ „Es ist der Schwager vom Sägewerkbesitzer. Er hat vor einigen Jahren Vanessa die Schwester vom Waginger geheiratet.“

„Wieviel Schwestern hatte denn der Waginger und überhaupt, wie viele Waginger gibt es denn? Ich will es nur wissen, damit wir nachrechnen können wer noch am Leben ist.“ „Das stinkt ja richtig zum Himmel. Das heißt ja, dass alle drei Toten aus dem Familienkreis stammen“, stellt Kommissar Broder verärgert fest. Gerd Wildfang meint, „Warum sprach man nur von einem Waldarbeiter, die wussten doch gleich, dass es der Schwager ist.“

Einer der Arbeiter erklärt bereitwillig und meint, „Das ist ganz einfach, da gibt es die beiden Brüder, einen Werner und einen Otto. Das sind die Haupterben. Der Otto hat nach Göteborg geheiratet. Hat dort große Waldgebiete aufgekauft. Die beiden Schwestern Vanessa und Bärbel, sind ebenfalls Mitbesitzer am Wald.“ Walter Broder fragt, „Und wer ist dann von den beiden Schwestern die Ehefrau vom Toten?“

„Das ist die Vanessa, sie hat vor einigen Jahren den Moser geheiratet, hielt es aber nicht lange bei ihm aus. Sie lebt jetzt in Spanien und spielt die Millionärin in einer Luxus Villa. Ursprünglich war es gar keine Luxusvilla. Es war ein ganz bescheidenes Landhaus, oder wie man in Spanien sagt, eine Finca. Als es sich der Moser mit seiner Frau zur Hochzeit kaufte, gab es nicht mal eine ordentliche Küche. Damals, sozusagen noch in glücklichen Tagen, sollte es ein Liebesnest sein. Moser kam aber immer weniger nach Spanien. So begann Vanessa sich das Liebesnest nach ihren eigenen Vorstellungen herzurichten.“ Alle drei Kommissare stellen fast gleichzeitig fest, dass es keinen Sinn macht im Waldgebiet noch nach Spuren zu suchen. Die Maschinen und Fahrzeuge haben alles vernichtet, was auf einen Tatort schließen lässt.

Die Erde ist aufgewühlt und der Tatort selbst gleicht einem Schlammloch. „Wenn wir schon mal hier sind, dann lass uns doch auf die Alm gehen. Für eine deftige Brotzeit ist das sicher der richtige Platz“, meint Dietmar Lauenstein zu seinen beiden Kollegen. So steigen sie langsamen Schrittes auf einem schmalen Pfad durch den Wald. Dann wird es lichter und sie stehen auf einem Plateau. Der Blick könnte nicht schöner sein. „Lass uns hier eine Pause machen, schließlich hat uns ja Helene eine deftige Vesper eingepackt. Dietmar Lauenstein entdeckt einen umgelegten Baum und meint, dass er extra für sie gefällt wurde, damit sie hier eine Rast einlegen können. Sie stoßen gerade mit ihrem Bier an, als sie das Geräusch eines Motorrades hören.

„Da laufen wir hier zu Fuß hoch und dann kommt diese Maschine und verpestet uns die Luft“, schimpft Kommissar Broder. Ohne anzuhalten donnert diese Geländemaschine an ihnen vorbei. „Eine BMW R80 ist das“, meint Dietmar Lauenstein mit Kennermiene. „Und? Ist das etwas Besonderes?“, fragt Walter Broder. „Nein, nur eine tolle Maschine!“, meint Dietmar Lauenstein. „Hast du gesehen, sie war nicht von hier?“, fragt Gerd Wildfang. „Wieso nicht von hier?“ „Sie hatte ein Kennzeichen von Mainz – MZ!“, meint Gerd Wildfang. „Der wird hier halt Urlaub machen und die Berge mit einem Motorrad erklimmen.“

„Aber das waren doch zwei Personen, auf dem Sozius saß noch einer“, meint Broder. Gerd Wildfang meint, „Lass uns weiterziehen, sonst schaffen wir das niemals bis zur Alm.“

Nach einer guten halben Stunde stehen sie vor einer wunderschönen Alm. „Ist das nicht ein schöner Anblick?“, fragt Kommissar Wildfang seine Kollegen. „Was meinst du?“ „Na, das Weißbier, das dort auf dem Tisch steht“, meint Gerd Wildfang. Der Almwirt meint, dass es so ruhig ist, weil die Arbeiter noch mit dem Zerlegen des Baumes beschäftigt sind. Normalerweise kommen sie zu Mittag nach oben. „Was die fahren mit einem Auto hier rauf?“, meint Broder aufgeregt. „Ja sicher, mit einem Unimog ist das kein Problem.“

„Was gibt es zum Essen“, will Kommissar Lauenstein wissen. „Aber wir haben doch gerade eine Brotzeit gemacht, du wirst doch nicht schon wieder Hunger haben?“ „Hab ich aber trotzdem?“ Der Almwirt erklärt, „Heute gibt es einen Kaiserschmarrn…und wer ihn nicht mag der bekommt Würstchen mit Kartoffelsalat.“

Dietmar Lauenstein erkennt, an einen Baum gelehnt das Motorrad und geht auf die Maschine zu. Er ist noch nicht an der Maschine, da ruft eine Person, „Die Maschine geht sie nichts an! Nehmen sie die Finger weg!“ „Ich wollte mir doch nur eine so schöne Maschine ansehen. Schließlich ist sie doch etwas Besonderes!“, erklärt der Kommissar. Aus dem Dickicht tritt ein junger Mann mit einem Mädchen heraus. Broder erkennt natürlich sofort den Sohn von Helene und die Verlobte. „Wir sind es, haben sie uns nicht erkannt?“ „Entschuldigen sie, aber ich war in Gedanken. Wenn sie erlauben, dann setzen wir uns zu Ihnen an den Tisch.“

„Aber sicher welch ein Zufall, da sehen wir uns schon wieder. Was treibt Sie denn hier auf die Alm“, fragt Gerd Wildfang und stellt gleichzeitig fest, „Gestern haben sie uns mit einem Motorboot gerettet, heute leisten sie uns Gesellschaft bei einer Wanderung. Man wird das Gefühl nicht los, als hätten wir einen gemeinsamen Weg vor uns.“ Da kommt der Almwirt schon an den Tisch und bringt für jeden eine große Portion Kaiserschmarrn. Veronika schreit, „Um Gottes Willen, das schaff ich niemals. Ich muss doch auf meine Linie achten, schließlich bin ich Model.“ Der Almwirt meint, „Ein Glas mit frischer Milch gibt es gratis dazu.“ Zusammen genießen sie die frische Luft und den Blick auf die Berge. Der Wirt beginnt die umliegenden Berge zu erklären und zu welcher Zeit man einen Aufstieg wagen sollte. Kommissar Broder stellt fest, dass sich der Almwirt und der Sohn von Helene besser kennen. So kann der Wirt berichten, dass er zur Hochzeit von Benedikt und Veronika eingeladen ist. Sie wird in drei Monaten stattfinden.

Plötzlich hat es Benedikt eilig. „Los Veronika, wir müssen Mutter helfen“, mehr sagt er nicht und eilt zu seinem Motorrad. Der Wirt ist nun leider ziemlich wortkarg. Walter Broder versucht ihn ein bisschen auszufragen, über die Gewohnheiten hier in der Gegend. Aber er bekommt keine wirkliche Antwort. Die plötzliche Abfahrt von Benedikt hat ihn stutzig gemacht. „Das halbe Essen haben sie einfach stehen gelassen“, brummelt er vor sich hin.

Aber der Wirt scheint doch einiges zu wissen. Einzig eine Bemerkung lässt die Kommissare aufhorchen. „Dieser tote Waldarbeiter, das war doch ein richtiger Lump!“ „Wieso sagen sie so etwas, er ist doch verwandt mit dem Waginger.“ „Der wollte doch nur an das Geld!“, mehr sagt der Wirt nicht. Er hüllt sich in Schweigen. Die drei Kommissare sind bereits auf dem Abstieg, da machen sie nochmal eine Pause am Ort des Geschehens. Die Arbeiter sind bereits abgezogen. So haben sie Zeit sich den Tatort nochmals genauer anzusehen, oder besser gesagt, was noch vom ihm übrig ist.