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Mittlerweile haben sich unsere Helden schon richtig schön nach oben geschummelt. Aber jetzt wird es immer brenzliger und diesmal ist der Gegner nicht direkt auszumachen. Als Offiziere und Truppführer werden sie an die Ruhr verlegt wo eines der drei unterirdischen Bunkersysteme der Außerirdischen liegt. Es lauern aber auch in den eigenen Reihen schon Feinde, die alles tun würden um sich der lästigen Konkurrenz zu entledigen. Aber auch damit werden die Jungs fertig, wenn es auch viel Kraft kostet. Am Ende steht ein alter Feind vor der Tür und das Blatt wendet sich erneut. Es kommt keine Ruhe auf und egal ob sie wollen oder nicht, sie müssen kämpfen um zu überleben. Doch mit viel Geschick und List sparen Sie manche Kugel und ihre Gegner bringt der eigene Schwung zu Fall. Als Lohn für den Weg winkt die schlichte Erkenntnis und tiefe innere Weisheit. Unser Protagonist erfährt die ersten Weihen und erkennt sein Schicksal. Doch noch ist es ein weiter und gefährlicher Weg, aber am Ende wartet ein neues Zeitalter auf die Menschheit.
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Seitenzahl: 590
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Stephan Schneider
Tri Wars 2
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I Die IV Tugend.
Kapitel II Kampf um Ruinen
Kapitel III Verraten und verkauft.
Kapitel IV Rache ist süß.
Kapitel V Das Wassermannzeitalter beginnt
Impressum neobooks
Tri Wars Teil II
Flugbasis des Jabo-Geschwaders 33
Cochem an der Mosel.
Wir landeten spät am Abend, ich stand total neben mir und hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Stryker sah auch nicht mehr allzu gut aus.
Als wir aufsetzten, hatte er aber sofort wieder alles fest im Griff. Er gab direkt einige Befehle an seine Männer und die machten sich an die Arbeit. Ich stand auf und verließ den Hubschrauber durch die offene Ladeluke. Draußen stand ein deutscher Oberst von der Luftwaffe und ein amerikanischer Oberstleutnant von der U.S. Air Force. Der Name des Deutschen war Hubert Drach, der Ami hiess Victor Krüger.
Der Amerikaner ging zu Stryker und sie unterhielten sich. Ich verstand nur ein paar Brocken von dem was sie sagten, dann kam der Oberst zu mir und ich machte Meldung.
„Herr Oberst, wir haben was sie wollten. Alles erledigt“.
Er reichte mir die Hand und sagte mit müder Stimme:„ Gute Arbeit Herr Major, ich hoffe es lief alles glatt und sie hatten keine Probleme“.
„Wir hatten keine Probleme, aber dafür ein Paar andere Leute. Wenn sie erlauben, dann werde ich mich jetzt erst mal duschen und dann schlafen. Ich werden ihnen morgen alles erzählen... Wie geht es denn jetzt eigentlich weiter, die Pläne haben wir doch jetzt?“
„Das werden sie morgen erfahren, schlafen sie sich jetzt erst mal aus!“
„Werde ich tun, sobald ich mich mit meinen Männern abgesprochen habe, Gute Nacht Herr Oberst“.
„Nacht, Herr Major, wir sehen uns dann morgen früh!“Er reichte mir seine Hand und ging zu den Amerikanern. Ich sah nach Lehmann und seinen Leuten. Bernd unterhielt sich mit einem Stabsfeldwebel. Es ging um einen Unterstellplatz für die Fahrzeuge und die Quartiere für uns. Ich meinte es sei nicht nötig die Fahrzeuge erst auszuladen. Man könne sie auch im Hubschrauber belassen. Warum unnötig Benzin verfahren. Lehmann zuckte mit den Schultern und sagte bloß:„ Es ist wegen des Schmelzwassers, wir müssten eigentlich die Ketten säubern. Aber wir können es auch sein lassen, morgen ist auch noch ein Tag“.
„So sehe ich das auch. Also Bernd, alles was ihr an Handgepäck dabei habt nehmt ihr mit, der Rest bleibt hier.
Herr Stabsfeldwebel jetzt zeigen sie uns bitte unsere Quartiere und besprechen sie den Rest mit den Piloten, die müssten ja eigentlich wissen was sie brauchen. Dann stellen sie noch vier Soldaten ab, die alles bewachen. Verstanden?!“
„Jawohl, Herr Major, sie können mit dem Oberst zurück zu den Unterkünften fahren, wir kümmern uns hier um alles!“
„Is recht, komm Bernd wir machen jetzt erst mal einen verschärften „Matratzen Horcheinsatz“.
„Gute Idee, aber ich habe Hunger, lass uns vorher noch was essen!“
Ich dachte kurz nach, warum eigentlich nicht, Hunger hatte ich jetzt auch wieder.
„O.k. wenn die Küche noch auf hat!“: sagte ich.
Stryker saß mit seinem Trupp schon in den beiden VW-Bussen und wartete auf uns. Bernd, meine Wenigkeit und unsere Leute setzen sich dazu und dann fuhren wir gemeinsam los. Nach etwa 15 Minuten kamen wir zur Stabskompanie. Hier endete die Fahrt. Alles stieg aus und begab sich ins Gebäude.
Der UVD* meldete:„ Guten Abend Herr Major, ich habe von Stabsfeldwebel Krause bereits erfahren ..“„Schon gut, wo können wir pennen?“
„Oben, Herr Major, ich zeigen ihnen alles“.
Er ging die Treppe hoch und wir folgten ihm. Bernd und ich bekamen ein Zimmer für uns, alle anderen wurden auf den ganzen Flur verteilt
Als erstes duschten wir alle und zogen uns neue Klamotten an.
Etwa um 21.20 waren alle fertig. Ich schnappte mir den UVD und fragte ihn wo die UHG* sei bzw. das Mannheim. Er gab uns einfach seinen GVD* mit und wir marschierten gemeinsam zur Unteroffiziersmesse.
Dort waren noch etwa zehn weitere Soldaten. Sie registrierten sofort unsere fremden Gesichter und es begann direkt ein emsiges Getuschel.
„Das Spezialkommando, die kommen gerade aus Brüssel“: konnte ich noch heraushören.
Wir nahmen Platz und dann kam der Küchenchef zu uns an den Tisch.
„Schönen guten Abend Herr Major, Stabsfeldwebel Krause hat mich schon informiert“.
„Einwandfrei, dann wissen sie auch schon was wir hier wollen“.
„Etwas zu essen, ja ist gleich fertig. Es gibt Eintopf“.
Bernd war wohl etwas enttäuscht. Aber es war besser als nichts.
„Ist gut, wir warten dann. Was haben sie denn zu trinken da?“.
„Wir haben nur noch Wasser, Herr Hauptmann“.
„O.k. dann halt H2O“.
Dem Koch war es sichtlich peinlich, aber er hatte wohl sonst nichts mehr. Mir war es egal.
Solange der Eintopf, hübsch deftig und das Wasser nicht pisswarm ist.
Lehmann wollte wissen wie es denn unten jetzt genau gewesen ist. Ich sagte ihm:
„Bernd, hör zu. Wenn du noch was essen willst, dann verkneif dir deine Neugier, ich erzähle es dir morgen. Ich bin noch ziemlich aufgeregt deswegen“.
Dann zeigte ich ihm meine Hände. Sie zitterten immer noch.
Dann kam der Eintopf. Es war ein labberiger Schweinefrass, der die Bezeichnung „Essen“ nicht verdiente. Ich bekam kaum etwas davon runter. Die Amerikaner aßen alles auf. Sie waren wohl nichts besseres gewohnt. Für Lehmann und mich war es eine ernüchternde Tatsache, dass wir bisher im Paradies gelebt hatten.
Ich hatte die ganze Zeit „Visionen“ und „Tagträume“, ich konnte die schrecklichen Bilder einfach nicht vergessen.
Lehmann sah wohl das ich schwitzte und immer noch blass war.
Er sprach mich an, aber ich winkte nur ab. Ich verließ die anderen um mich hinzulegen. Der Weg zurück zur Kompanie war dunkel und Angst einflössend. Ich dachte daran mich in die Obhut eines Psychiaters zu begeben. Aber das machte mir noch mehr Angst. Ein Irrenarzt hatte alles nur noch verschlimmert. Der hätte meine Story sofort auseinander genommen. Meine Gedanken waren nur noch am kreisen, ich konnte überhaupt nicht mehr richtig denken. Jede Anbahnung eines klaren Gedankens, wurde sofort von Chimären und düsteren Gedanken verdrängt. Nach einigen Schritten musste ich die Suppe von eben wieder erbrechen, mir war sau schlecht. Ich würgte eine halbe Ewigkeit so vor mich hin. Als ich dann völlig leer gekotzt war, ging es mir wieder richtig gut. Jedenfalls besser als vorher. Ich ging dann weiter bis ich in meiner Unterkunft angekommen war. Die Tür war verschlossen und ich musste erst klopfen. Der GVD machte mir auf und ich begab mich auf meine Stube. Dort angekommen, entledigte ich mich meiner Kleidung und legte mich aufs Ohr. Ich fiel sofort in einen komatösen Tiefschlaf, hörte nichts und niemanden, nicht einmal Bernd, als er ins Zimmer trat.
An meinen Traum konnte ich mich allerdings noch am nächsten morgen erinnern.
Es war ein völliges durcheinander von allen möglichen Bildern von der Kindheit bis heute. Ich sah meine tote Oma, meine Grundschullehrerin meine Sandkastenliebe und und und.. als ob ich eine Autobiographie erstellen würde. Bernd erzählte mir, dass ich mich die ganze Nacht im Bett gewälzt, viel gemurmelt hätte und mit den Zähnen knirschen würde. Mir ging es jedenfalls wieder gut, mein Unterbewusstsein hatte wohl die Notbremse gezogen, damit ich nicht an den schrecklichen Eindrücken im Bunker zu Grunde gehen würde.
Nach der morgendlichen Toilette und der Parole gab es dann die obligatorische Besprechung. Drach, Krüger, Stryker, Lehmann und ich waren daran beteiligt. General Jackson, Hauser und Oberst Löw sollten noch kommen. Wir anderen warteten so lange auf sie.
Die ganze Nacht hindurch hatten einige Eierköpfe von der Air Force die Festplatte auf den Kopf gestellt und versucht die Pläne des Archivs wieder herzustellen. Nach einigen Stunden hatten sie es dann auch endlich geschafft. Krüger, der Chef dieser Abteilung, stand mit tiefen Augenrändern an einer Deutschlandkarte.
Er referierte dass der einzige brauchbare Container in der Nähe von Aachen liegen würde. Der Ort hiess Geilenkirchen, es war ein kleines Kaff ohne großen strategischen Wert, wenn da nicht dieses Omega-Archiv liegen würde. Da mir schon böses schwante, fragte ich erst mal ob das wieder so ein Trip in die Scheiße wäre.
Drach sah mich völlig entgeistert an und raunte:„Major Schneider, ihr Ruf ist ihnen ja schon voraus geeilt. Im guten wie im schlechten. Vielleicht ist es beim Heer ja auch normal so zu reden, aber hier weht ein anderer Wind. Also halten sie sich bitte zurück mit ihren Kraftausdrücken!“
„Verzeihen sie Herr Oberst, wenn ich gewusst hätte, dass es bei der Luftwaffe so pietätvoll zugeht, hätte ich es natürlich nie und nimmer gewagt, hier solche archaischen Redewendungen zu verwenden!“
„Schneider, es reicht !!“
„I.O.“
Dann erzählte Krüger wie es weiter gehen sollte. Wir, also mein Trupp und der Captain sollten zum besagten Ort fliegen und dort die Daten sicherstellen. Nachdem er uns das alles dann so locker flockig erzählt hatte, kamen die beiden Generäle und der Oberst dazu.
Jetzt sah ich diesen Mr. Jackson auch einmal in Persona. Stryker und die Piloten hatten mir schon einiges über ihn erzählt. Er und Hauser hätten den Aliens damals in Frankfurt eins auf die Fresse gehauen und danach für Ruhe und Ordnung gesorgt. Also die sprichwörtlichen Retter in der Not. Ihre Soldaten verehrten sie wie lebende Ikonen. Auch ich wurde von dem Elan dieses Yankees erfasst. Er war so ein richtiger Haudegen, wie John Wayne vielleicht, obwohl dieser Vergleich etwas hinkt. John Wayne war „nur“ Schauspieler, Jackson aber war echt „echt“.
Wir waren alle aufgesprungen und standen in Grundstellung. „Er“ schritt die Front ab und schüttelte jedem die Hand. Lehmann und mich umarmte er sogar. Es war ein Gefühl von tiefer Verbundenheit, das in mir aufstieg. Die Dire Straits titulierten es mit „Brothers in arms“, das Gefühl von brüderlicher Verbundenheit unter Kriegern.
So müssen sich die Ritter der Tafelrunde gefühlt haben; erhaben und zu höherem berufen.
Jackson sagte nur vier Worte als er mich dann wieder losließ:
„Sie sind das also!“Ich nickte nur zögerlich, dann ging er weiter und schüttelte Hände.
Die folgende Rede, die er dann hielt, war ein einziger Aufruf zum totalen Einsatz und Mobilisierung aller Kräfte zur Niederringung der Invasoren. Er sprach mit einer Inbrunst, die nur einem wahrhaft überzeugten Mann innewohnt. Er beschwor die großen Schlachten von einst, den Heldenmut und die Opferbereitschaft des Soldaten und das es diesmal, mehr denn je, um die Wurst geht.
Dann wurde es allerdings etwas polemisch, es folgte eine Kampfansage gegen die Feinde im Inneren, die Schieber und Drückeberger. All die Luschies, die lieber auf der faulen Haut lägen, als ihre Pflicht zu tun.
Ich dachte mir meinen Teil dazu. Wie hatte der Oberst mal so schön zitiert:„wenige sind auserwählt“. Ich jedenfalls war der Überzeugung, dass das Ziel jedes Krieges letztlich immer der Friede sei. Warum also jeden zum Soldaten umformen und verbiegen.
Insgesamt war die Rede eine sehr kämpferische und optimistische Ansprache, die das Bewusstsein für unsere eigene historische Bedeutung, in uns wecken sollte.
Wie sagte der General dann noch so schön:„ Geschichte wird nicht geschrieben, sondern gelebt und erfahren. Sie waren, sind und werden immer ein Teil der Geschichte sein. Kommende Generationen werden mit Stolz auf sie zurück blicken und in ihren Erinnerungen werden sie Unsterblichkeit erlangen“.
Na ja, wer’s glaubt wird selig. Aber ganz im ernst, aller Ruhm ist vergänglich und es gibt keinen General oder Soldaten, der berühmter ist als Christus, Mohammed, Gandhi oder ein anderer Friedensstifter. Von daher ist soldatischer Ruhm immer ein zweischneidiges Schwert!
Es sei denn man schafft es eine Festung ohne einen einzigen Schuss zu erobern, das wäre perfekt. Auf jeden Fall, machte ich mir trotz aller Lobhudelei, immer noch meine eigenen Gedanken.
Und während ich so träumte sah mich Jackson plötzlich an und meinte nur:„Major Schneider, sie sollen hier nicht schlafen sondern zuhören. Oder ist mein Vortrag so langweilig?“
„Nein, ich war nur kurz in Gedanken, Sorry!“
„Ja das soll schon mal vorkommen, aber jetzt hören sie wieder zu. Ich werde jetzt mal konkreter. Unsere Aufklärer haben von der Biskaya bis zum Bug alles abgesucht. Wir müssen angreifen. Sofort!
Sämtliche Truppen werden verlegt,.. an die Ruhr. Wenn wir alles zusammen haben geht’s los. Alles was schießen kann wird dort sein. Jedenfalls alle schweren Einheiten. Wie ich darauf komme, dass dies richtig ist?
Nun wir haben nur einen einzigen klaren Gegner und der will sich einbuddeln, genau wie wir.
Schneider das haben sie doch auch vorgeschlagen, nicht wahr!“
„Jawohl, Herr General! Sowohl das Eingraben wie auch den sofortigen Gegenschlag“.
„Scheinbar hält der Gegner das Eingraben ebenfalls für sinnvoll. Aber ich denke wir konzentrieren uns auf einen direkten Angriff und ersparen uns damit weitere Jahre des Kampfes!“
„Eine Frage Herr General, wie viele schwere Einheiten sind denn noch übrig?“: fragte ich.
„Genügend! Ihr Deutschen habt das Kämpfen im Blut und wenn überhaupt ein Volk diesen Kampf gewinnen kann dann entweder die Juden oder die Deutschen.
Wir halten diesmal alle zusammen dann packen wir’s auch. In diesem Augenblick wird eine Konferenz angesetzt. Genau jetzt bahnen sich Verhandlungen mit polnisch/russischen, ungarisch/rumänischen und skandinavischen Einheit an. In der Nordsee schwimmen ein deutsches U-Boot, eine Fregatte und ein französisches Atom-Uboot mit ballistischen Nuklearwaffen an Bord. Das Boot heisst „Avignon“ und ist der Prototyp einer neuen Klasse von Unterseebooten für die Französische und Englische Marine. Das ist ein Sonderfall. Die wissen, genau wie auch wir, dass Frankreich verloren ist. Das sind also, allem Anschein nach, die letzten offiziellen Franzosen. Die wollen auch mitmachen. Aber autonom. Die beugen sich keiner Mehrheit!“„Ach, wenn man mit denen vernünftig redet. Man muss die Leute auch verstehen. Den Juden wird vorgeworfen sie seinen habgierig, den Deutschen sie seien grausam und steif. Die Amis unkultiviert und die Polen kleptomanisch veranlagt. Da kann man den Franzosen auch einen Tick zugestehen!“
Alles brüllte vor lachen.
„Und wie sollen wir dieses Problem angehen?: fragte Jackson.
„Wenn wir denen einen symbolischen Status als „Staat“ gewähren warum nicht. Man muss die Franzosen verstehen. Sie waren einst von Rom besetzt und haben von denen viel übernommen. Den Spruch „Rom ist in der kleinsten Hütte“ wurde dann dort so ausgelegt, das in jede Hütte auch ein kleiner Kaiser gehört“.
„Nun aber genug rum gealbert. Wir brauchen die Franzosen nicht für diese Operation, wenn alles glatt geht schaffen wir es auch ohne sie. Ich werde ihnen jetzt zeigen wie wir das anstellen werden.
Hier oben, in der Nähe von ..Essen?, arbeiten die Aliens fleißig an einer größeren Geschichte. Es ist unbedingt erforderlich, dass wir diese Basis vernichten bevor sie fertig ist. Wir ziehen wie gesagt alles zusammen und kreisen den Gegner dort ein. Wir beschießen diese Anlage mit unserer Artillerie. Der Rest steht gut getarnt Wache und verhindert eventuelle Ausbrüche. Eine ganz einfache Sache“.
Lehmann sah mich an, überlegte kurz und stellte dann eine Frage:
„Wann soll die Operation denn starten!“
„Innerhalb von sieben Tagen“.
„Dann sind die anderen Aufmarschpläne wohl damit hinfällig geworden?“
„Natürlich, die Operation „Nordwind“ hat absolute Priorität, alles anderen wird abgeblasen. Deswegen werden sie zusammen mit Oberst Löw fliegen, zurück zu ihrer Einheit. Sie bereiten die Verlegung vor. Derweil wird Major Schneider das Archiv besorgen. Sie treffen sich wieder an der Ruhr. In einer Woche, so Gott will!“
„Herr General, warum muss ich eigentlich erst mit nach Geilenkirchen, Captain Stryker ist doch ein fähiger Mann. Ich finde es unsinnig das ein Major und ein Hauptmann einen Trupp von sieben Mann anführen. Ich sehe meinen Platz jetzt mehr denn je an der Seite meiner Männer!“: sagte ich, gespielt rührselig, zu Jackson.
„So so. Was sagen sie dazu Captain Stryker, schaffen sie das auch alleine?“
„Sir, Ja Sir. Meine Männer und ich erledigen das. Sir“.
„Na, meinetwegen dann fliegen sie eben mit ihren Kameraden zurück, guten Flug!“Lehmann, Löw und ich standen auf und verabschiedeten uns. Die Anderen besprachen dann noch weitere Details der Operation, während wir uns nach draußen begaben.
Auf der Fahrt zu den Hangars unterhielten wir uns natürlich angeregt. Ich schilderte grob die Ereignisse im Bunker. Löw und Lehmann hörten interessiert zu. Als wir vor dem Rollfeld angekommen waren, wurden die Hubschrauber gerade betankt. Wir warteten im Bus und unterhielten uns.
„Typisch Armee. Jetzt haben wir erst groß Pläne geschmiedet um nach Westen zu marschieren. Jetzt wird alles umgeworfen und wir marschieren nach Norden!“,: beschwerte sich Lehmann.
„Na, wenn wir sonst keine Probleme bekommen, Kopf hoch. Wenn wir es richtig anstellen haben wir bald reinen Tisch gemacht. Das erspart uns vielleicht einen jahrelangen Krieg. Mir jedenfalls ist es lieber so als anders rum!“
„Stimmt schon Roland, aber unter uns, wir verheizen doch mittlerweile schon das letzte Aufgebot. Wenn ich an die jungen Gesichter denke, hoffentlich klappt die Sache auch. Wir haben jetzt gerade das zweite Kontingent ausgebildet. Wenn wir die jetzt gleich wieder in die Blutmühle schicken, dann frage ich mich für wenn wir hier eigentlich kämpfen! Ich frage mich ehrlich ob es nicht klüger wäre erst mal in Ruhe die weitere Entwicklung abzuwarten!“
„Bernd, ich weiß das du etwas empfindlich bist. Es ist auch verständlich; jedes junge Leben das vergeht ist ein Verlust. Aber ohne Opfer geht es nicht! Jeder der sein Leben für die anderen einsetzt ist ein Held“.
„Na, na Roland. Den Mythos vom Heldentod will doch Niemand mehr glauben. Kein Mensch redet mehr von Ehre und Vaterland wenn er tödlich getroffen auf dem Schlachtfeld liegt. Man schreit höchstens nach seiner Mutter oder dem Herrgott“.
„Schneider, halt sofort die Schnauze, noch ein Wort und ich hau dir auf die Fresse. Ich glaub ich hör nicht recht. Was soll das denn heissen, Mythos vom Heldentod. Warum sollten wir die Leute erst ausbilden, wenn wir dann im entscheidenden Moment die Hosen voll haben. Solche defätistischen Äußerungen will ich nie wieder hören“.
„Was Stephan sagen wollte ist eher die Tragik, dass wir den Leuten gerade das Nötigste beigebracht haben. Jetzt müssen wir sie schon ins Feuer schicken“.
Löw beruhigte sich wieder etwas, er blickte durch die leicht beschlagene Scheibe, dann meinte er:
„Was hier passiert, das können wir alleine nicht entscheiden. Weder du noch du“, sagte er und sah uns beide dabei an.
„Ich bin zwar mittlerweile der OB West, aber was heisst das schon. Stoll ist jetzt „Militär Attaché“ und vertritt „uns“ auf der Konferenz in München. König hat sich gestern abend erschossen. Zimmerer schleicht wie ein Zombie durch die Staatskanzlei. Der hat sich das wohl auch einfacher vorgestellt, die Ereignisse stürzen auf uns alle herein. Es hat schon Millionen Tote gegeben, meint ihr ernsthaft, dass es da auf ein paar mehr oder weniger noch ankommt. Mir müssen kämpfen, was bleibt uns auch sonst übrig?“
Ich schwieg, Lehmann wusste auch nicht was er sagen sollte. Mittlerweile war die CH-53 aufgetankt. Wir gingen alle an Bord und dann flogen wir ab. Stryker flog nach Geilenkirchen, die beiden Kampfhelikopter eskortierten seine Maschine. Wir flogen nach Süden, der Sonne entgegen. Ich grübelte die ganze Zeit wie es jetzt weiter gehen soll. Roland hatte schon irgendwo Recht. Wir waren Spielfiguren in einem Spiel, dass wir nur teilweise überblickten und in dem ständig wechselnde Konstellationen zum Umdenken zwangen. Aber gab es wirklich keine Alternative zum Kampfeinsatz? Warum konnte man die feindliche Basis nicht mit einem nuklearen Angriff vernichten? Wenn es auf ein bisschen mehr eh nicht mehr ankam, warum dann nicht gleich richtig drauf hauen?
Ich machte Löw den Vorschlag, aber er winkte ab. Die Verantwortung für die Folgeschäden wollte keiner übernehmen. Erstens wäre alles radioaktiv verstrahlt und konterminiert worden und dann gab es noch andere Überlegungen. Durch einen solchen Angriff würde vielleicht das ganze Ruhrgebiet in sich zusammen stürzen. Durch den Jahrhundertelangen Bergbau war dort alles ausgehöhlt und „Einsturz gefährdet“. Etwas was allerdings auch für das Saargebiet gilt. Man muss sich nur mal vorstellen wie viel Volumen dort unten in den letzten 200 Jahren rausgebracht wurde. Das fehlt jetzt natürlich. Wenn alles plötzlich zusammenbräche, würde ein riesiger See entstehen. Würde man irgendwann in 1000 Jahren mal in diesem See tauchen, wäre es wie eine Zeitreise in eine längst vergessene Epoche der Menschheit. Wie andere versunkene Städte und Zivilisationen vorher, wäre auch das Saarland dann irgendwann nur noch ein Mythos wie Atlantis oder das Ratas Mu Reich. Halt ein echtes Weltkulturerbe!
Wir unterhielten uns angeregt über dieses Thema. Es war zwar etwas abgehoben aber lenkte uns intellektuell auf andere Bahnen. Obwohl Löw schon älter war, so hatte er doch nichts von seiner Vitalität, seinem Elan eingebüsst. Wir theoretisierten die ganze Sache durch.
Es gab eigentlich für uns im Saartal nur zwei Möglichkeiten. Wenn wir weiter die Kohleflöze abbauen wollten, so war es zwingend erforderlich die Hohlräume zu sichern. Es ist nur eine Frage der Zeit bis uns die Erde verschlucken würde. Die andere Möglichkeit käme einem Exodus gleich. Alles wird verlagert entweder nach Baden oder Bayern. Quasi heim ins „Reich“. Keine so gute Idee wie ich finde. Die Saarländer hatten sich ja schon zwei Mal für den Anschluss mit Deutschland entschieden. Jetzt beim dritten Mal schien es etwas anders zu laufen. Es gab keine Abstimmung ob wir überhaupt kämpfen wollten und alles geschah unter einem verschleierten Mantel der Pseudo Legitimation.
Ich empfand es als unzumutbar, dass wir Kindern, die gerade an der Schwelle zum Erwachsensein standen, die Abkürzung zum Friedhof bzw. in die Zwangsarbeit zeigen sollten.
Aber ich musste dabei mitmachen. Ob ich wollte oder nicht. Was hätte ich auch ändern können.
Aufstehen und sagen: Nein, Halt-Stop. Hier läuft was falsch. Wir müssen umkehren! - Keine Chance. Ich war schon soweit mitgeschwommen, jetzt gab es kein zurück mehr.
Das komische war dabei, dass ich fühlte, dass sowohl Lehmann als auch Löw dieses „Gefühl“ im Bauch hatten. Als ob irgendwas nicht richtig läuft. Das da was faul war im Staate Dänemark, aber was. Keiner von uns dreien konnte es klar formulieren oder an Beispielen festmachen aber es war klar, dass wir nicht glücklich waren mit den Ereignissen, die um uns herum geschahen. Wie sollte es weiter gehen nach dem Angriff. Angenommen wir würden siegen, was dann? Was sollten wir dann tun? Alles wieder wie früher. Ficken Fressen Fernsehen und alles auf dem Rasen oder wie?
Klar erst mal die Grundversorgung sichern. Was zu beissen, ein Dach über dem Kopf und dann als Endziel die Vollbeschäftigung für jeden. Ist der Sinn des Lebens wirklich die Arbeit? Ich für meine Begriffe brauche nur frische Luft, was gutes zu Essen und die aufrichtige Liebe meiner Mitmenschen. Eine sinnvolle Beschäftigung damit der Tag rum geht, das war’s. Der einzige Trost den ich in alldem sah, war die Chance jetzt von vorne anzufangen. Wir hatten es schon geschafft ohne Geld zu leben. Das ist ja schon mal ein kolossaler Fortschritt auf der Evolutionsleiter, den Rest kriegen wir dann ja wohl auch noch hin.
Löw, Zimmer und wie sie alle hießen, waren alt. Ich dagegen war noch jung. Stephen hatte zusammen mit Maria schon den Keim für zukünftige Generationen gepflanzt. Alles ist in Bewegung und fließend. Zwar nur sehr langsam aber dennoch stetig. In 20 Jahren würden wir vielleicht alle auf die heutigen Ereignisse zurückblicken und den Kopf schütteln.
So redeten wir und lamentierten über alles mögliche.
Der Flug wurde jetzt sehr interessant und aufregend. Die Strecke von Saarburg nach Merzig war am geilsten. Rechts und links waren Felswände und Weinberge und wir rasten mit einem Affenzahn hindurch. Wir flogen durch die Saarschleife, den Fluss entlang. Es war Adrenalin pur. Eigentlich ein Unsinn sondergleichen aber es stimmt schon:
„No risk - no fun“.
Die Turbinen dröhnten und die ganze Maschine vibrierte. Wegen der Ladung konnten wir zwar keine allzu riskanten Flugmanöver abhalten, aber ein paar kleine Kapriolen erlaubte sich der Pilot trotzdem. Hinter Merzig wurde es dann wieder monoton und wir flogen ganz ruhig in Richtung unseres Stützpunkts.
Auf den Strassen sah man überall die verschiedensten Fahrzeuge und Kolonnen. Auch einige Züge fuhren auf den Bahnstrecken. Jedenfalls war es ein ziemlicher Aufmarsch, im Verhältnis zu dem was bisher so gelaufen war. Die Produktion und alles was irgendwie mit Arbeit zu tun hatte, lief auf vollsten Touren. In Saarlouis wurde ebenfalls schwer gearbeitet. Es sah aus als ob alle mit „Aufräumen & Sammeln“ beschäftigt seien. Da kam keine Langeweile mehr auf.
Löw meinte nur das dies zum „Rohstoffbeschaffungsplan“ gehöre. Allerorten wird jetzt nach verwertbaren Stoffen gesucht.
„Die wollen jedes Auto, jedes Stück Schrott vor allem jeden Tropfen Heizöl sicherstellen. Es lagern ja noch große Mengen davon in den Öltanks der Wohnungen“: meinte Löw.
„Wer hat das eigentlich autorisiert“: fragte ich ihn dann.
„Was für eine naive Frage. Natürlich das Militär, wir eben. Zimmerer, Stoll, Hauser und ich selbst. Es wurde ein offizieller Erlass verabschiedet und wir machen das jetzt einfach. Du machst mir ja Spaß. Wir sind im Krieg, da gibt es kein Privateigentum mehr. Wenn’s sein muss kassieren wir sogar noch die Kirchenglocken ein. Alles nur eine Frage des Bedarfs“.
Ich schnaufte laut aus und schüttelte den Kopf. Roland sagte dann aber beschwichtigend:
„Keine Sorge, wird schon werden! In einer Woche steigt die große Party an der Ruhr, danach könne wir uns immer noch überlegen wie es weiter gehen soll. Aber bevor wir uns hier noch länger den Kopf zerbrechen, was danach kommt, sollten wir uns erst mal auf die naheliegenden Probleme konzentrieren“.
Ich nickte und sah Lehmann an. Der dachte wohl ebenso. In 14 Tagen wäre die Sache entschieden und wer weiß was dann sein würde?
Mittlerweile waren wir kurz vorm Hof und damit am Ende unseres Fluges. Schon beim Anflug sah ich mehrere Güterzüge, Tieflader und Transporthubschrauber, die auf dem Verladeplatz in Überherrn und auf dem Hof standen. Anscheinend war dies der versprochene Nachschub aus Süddeutschland. Hauser hatte Wort gehalten. Wir landeten und begaben uns dann zur Laderampe. Klaus und Stephen standen dort herum und verteilten die Arbeit. Löw, Lehmann und ich gingen näher und bestaunten das neue Material. Es waren zwei nagelneue Transporthubschrauber NH-90 und neun ältere CH-53. Außerdem sah ich fünf ebenfalls neue Tiger Kampfhubschrauber. Aber das war nur die zugeteilte Unterstützung, die eigentliche Verstärkung bestand aus 23 fabrikneuen Waffenträgern vom Typ Wiesel IIIb. Das Ding war ein Hammer. Der letzte Schrei aus Deutschlands Panzerfabriken. Das Vorgängermodell war schon gut zu gebrauchen, aber dieses Nachfolgemodell war ein echter Kracher. Die Bewaffnung war wesentlich stärker als vorher; auch die Zieloptik war verbessert worden.
Der Wiesel IIIb hatte einmal eine neue 20mm Maschinenkanone und eine TOW II als Bewaffnung. Beides war in einem ausfahrbaren „Turm“ zusammen mit den optischen Geräten untergebracht. Wie ein Periskop konnte dieser Turm ausgefahren werden. Im Fahrzeug selbst hatte man dann einen Bildschirm auf dem man sehen konnte was „oben“ passierte. Es war also möglich sich hinter einem Hügel oder einer Mauer zu verstecken und ganz vorsichtig die Gegend zu beobachten. Wenn dann ein Feind gesichtet wurde, Feuer frei. Entweder mit der Kanone oder der Rakete.
Einige Ausbilder und Einweiser waren mitgeliefert worden und wir unterhielten uns mit ihnen.
Der Chef hiess Hauptmann Gruner, sein Kollege war ein Maschinenbauingenieur aus Zuffenhausen. Sein Name war Schmitt. Von diesen beiden sollten wir jetzt im Eilverfahren lernen, wie man so einen Wiesel IIIb bedienen musste und was es zu beachten gab. Alle 23 Waffenträger wurden von ihren Transportfahrzeugen abgeladen und in die Fahrzeughalle zu den anderen Panzern gefahren.
In der Halle selbst wurde geschuftet was das Zeug hält.
Etwa zwei Dutzend Techniker und Mechaniker waren dabei alle Fahrzeuge umzubauen bzw. zu verladen. Neben einigen Panzern standen deren ausgebaute Motoren und Getriebe. Alles sollte gründlich überholt und aufgerüstet werden. Es wurde geschweißt, geschliffen und gehämmert, die Luft war geschwängert von Abgasen , dem Gestank von Arbeit, Diesel und verbranntem Metall. Was vor Ort nicht machbar war, sollte im alten Burbacher Eisenbahnwerk erledigt werden. Zum Beispiel der Umbau der sieben übrig gebliebenen Kampfpanzer. Der ganze Turm wurde dabei ausgebaut und durch einen Ausfahrbaren ersetzt. Als mir Hauptmann Gruner dies erzählte, konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass man das alles innerhalb einer Woche schaffen würde.
Aber Gruner war da anderer Meinung:
„Herr Major, wir arbeiten Tag und Nacht in Doppelschichten. Das Problem liegt eigentlich mehr in der Munitionsbereitstellung. Wir haben die Zusage, dass man uns alles direkt an die Ruhr nachliefern würde. Ansonst hätten wir nur für einen einzigen Schlag Munition mit. Aber es wird schon klappen. Die Produktion läuft ja auf vollen Touren“.
„Na schön, und was ist mit der Ausbildung. Innerhalb einer Woche, sollen wir hier alles auf die Reihe kriegen. Das kann ja heiter werden, nachher im Einsatz“.
„Wir beginnen gleich mit der Einweisung, sie werden staunen, es ist kinderleicht. Dieses neue Waffensystem ist für uns ein riesen Sprung nach vorne. Ihre Soldaten werden keine Probleme haben; sie werden sehen. Es ist fast wie ein Computerspiel“.
„Na ja, ihr Wort in Gottes Ohr. Haben sie mal so etwas wie ein Handbuch für mich. Ich würde mir gerne mal die Spezifikationen ansehen“.
„Aber natürlich, wir haben auch einige neue Vorschriften für die Bekämpfung des Gegners. Ist alles auf der CD-ROM hier“: sagte er und steckte mir einen viereckigen Umschlag zu.
Dann meldete er sich ab und unterhielt sich mit einem Mechaniker, der ihn um eine Auskunft ersuchte. Ich sah dem ganzen Treiben dann in angemessenem Abstand zu. Es gellten Befehle und Kommandos durch die Halle. Mechaniker arbeiteten an den alten Panzern. In den neuen Fahrzeugen saß eine Gruppe von Soldaten und wurden in die Technik eingewiesen. Es waren sogar einige junge Frauen dabei. Hauptmann Gruner stellte sich dann dazu und erklärte allen wie man was zu bedienen hatte.
Von A wie Anlasser und B für Bremsen.
Ich ging wieder raus ins Freie, an mir vorbei fuhr gerade der letzte von diesen neuen Wunderwaffen, Nr. 23, Richtung Gruner. Draußen sah Löw sich das Treiben an und wippte dabei auf den Zehen. Neue Hubschrauber, neues Material, das alte wird repariert. Er war bester Laune und sah mich ebenso an.
„NA, Schneider. Das wäre doch gelacht, wenn wir die Mutti nicht geschaukelt bekämen. Morgen oder übermorgen kommen noch mal zehn von diesen neuen Wieseln. Die Einheiten in Merzig und Zweibrücken werden ebenfalls aufgefüllt und werden uns an die Ruhr begleiten. In drei Tagen verlegen wir den ganzen Haufen nach Baumholder; dort wird zwei Tage lang geübt. Dann geht’s weiter. Wir haben danach noch zwei max. drei Tage Zeit um uns für die Schlacht vorzubereiten!“
„Also, wenn das klappt, fresse ich eine Besen, ganz im Ernst, wir brauchen mehr als Glück wenn nur die Hälfte davon funktionieren soll!“
„Ach was. Du alter Schwarzseher, wir packen das. In einer Woche werden wir angreifen und dann ist der Käse gegessen“.
Ich stellte mich neben Löw und ergötzte mich ebenfalls am Anblick des neuen Materials. Zugegeben es war alles so wie Hauser es versprochen hatte. Jackson hatte ebenfalls zugesichert, dass es hinhauen würde. War ich vielleicht wirklich nur ein Pessimist und Schwarzseher. In der Tat, es roch förmlich nach Sieg und Triumph. Klaus und Stephen sprangen herum und machten sich Notizen. Sie mussten eine neue Aufstellung verfassen und später dann den Bedarf an Treibstoff, Munition und Verpflegung ermitteln.
Ich nickte nur und meinte zu Löw:„Is recht Roland, wir werden das schon schaffen!“
Ich ging dann zu Klaus und Stephen und begrüßte sie. Nach einer kurzen Schilderung der Ereignisse unterhielten wir uns ganz locker und ungezwungen über den neuen Auftrag.
„Mit dem neuen Kram hier, haben wir ne echte Chance. Die taktischen Erklärungen, wie man das Ding am besten einsetzt sind auch richtig sinnvoll“: meinte Klaus.
„Dieser Gruner hat mir ne CD gegeben, ist da alles drauf?“: fragte ich nach.
„Ja, genau. Da findest du alles was du wissen musst. Der neueste Stand der Alienbekämpfung!“
Stephen war am rechnen und konnte bzw. wollte sich wohl nicht mit mir unterhalten. Zumindest war er sehr mit seiner Arbeit beschäftigt. Da ich hier eigentlich gar nicht gebraucht wurde, ging ich erst mal ins San-Zentrum zu meiner Mutter. Auch ihr erzählte ich in groben Zügen was passiert war. Natürlich nicht alles. Sie war heilfroh das mir nichts passiert war. Man sah ihr an, was für ein Felsbrocken ihr von Herzen gefallen war, als sie sah, dass ich gesund und wohlbehalten zurück gekehrt war.
Sie hatte natürlich keinen Grund wirklich erleichtert zu sein. In spätestens einer Woche würde der Tanz erst richtig losgehen und es war logisch, dass ich dabei sein musste. Sie versprach mir für mich zu beten. Die Kapelle des heiligen Augustinius befand sich hinter dem Gehöft, dort würde sie für mich und die anderen um Schutz bitten. Ich gab ihr einen Kuss und nahm sie in den Arm. Sie erzählte mir von meinem Vater. Dem machte die schwere Arbeit zu schaffen. Ich versprach ihr mich darum zu kümmern, dass er hierher versetzt werden würde. Stephen konnte ihn ja bei unserem Busenfreund Schartz anfordern und Bartsch alles so auftischen wie der es hören wollte. So als Küchenhelfer oder so. Es spielte auch keine Rolle, welche Lüge er auftischen musste. Soweit hatten sich die Verhältnisse schon entwickelt. Wir waren hier unten die wichtigste Institution. Ein Wort von mir zu Oberst Löw und ich hätte jeden an die Wand stellen können wegen irgendeines Vergehens. Natürlich habe ich das nie gemacht, aber allein die Tatsache das es möglich war, genügte vollauf. Meine Uniform und mein Ruf genügten mittlerweile um die unmöglichsten Anordnungen und Wünsche zu realisieren. Ich gebe zu es ist ein berauschendes Gefühl das einem die Macht verleiht.
Nachdem ich also meine Mutter besucht hatte, ging ich ins Hauptgebäude. Dort traf ich Frau Ploch.
„Hallo Petra“: grüßte ich sie frech. Sie hatte sich mittlerweile an meine bürgerlichen Manieren gewöhnt und sagte nur:„ Ihnen auch einen guten Tag Herr Schneider, hätten sie wohl kurz etwas Zeit für mich?“
„Aber natürlich, wo drückt denn der Schuh?“
„Bitte kommen sie!“
Sie führte mich in „unser“ Büro und begann zu erzählen. Davon das sie Angst hätte um ihren Roland und überhaupt wegen allem halt. Die jungen Leute, die jetzt zum Militär sollten.. usw. Nachdem ich mir dann ihre Ängste und Nöte angehört hatte meinte ich nur:
„Frau Ploch, liebe Petra. Also erstens ich glaube nicht, dass es möglich ist dem Oberst die Teilnahme an der Operation „Nordwind“ zu verbieten. Als Frau an der Seite eines Soldaten muss man das wohl hinnehmen. Ansonsten kann ich dir versichern, dass hier bei uns alles super läuft. Da wo ich her komme ist es, weiß Gott, viel schlimmer als hier. Glaub mir: Für uns ist heute nur ein weiterer Tag im Paradies.
Vor allem was den Mampf angeht und den Komfort. Davon träumen andere und die sind nur ein paar Kilometer weit weg!“
Frau Ploch sah mich betroffen an. Die Sorgen um die Leute war typisch Frau. Die meisten von den Rekruten waren etwa in dem Alter ihres Sohnes. Dann kämpften auch noch Frauen mit. Für eine Frau, die mal auf Partys ihren Champagner geschlürft hatte, waren das schon ziemlich schlimme Zustände.
Sie zeigte mir dann auch ein altes Familienbild. Ihr Mann und ihr Sohn waren wohl beide tot. Vom Mittelmeer verschluckt als die Welle über Südfrankreich hereinbrach. Tränen kullerten über ihr Gesicht und sie begann zu schluchzen.
„Es hat doch schon so viele Tote gegeben, wann hört das denn endlich mal auf. Wollen sie nächsten Monat die 14 Jährigen ins Feuer werfen. Und wenn die dann auch alle tot sind, wer kommt dann dran. Die Alten und Kranken?“
„Ich verstehe was du meinst. Aber es gibt keine Alternative. Wir müssen mitmachen! Was bleibt uns denn auch anderes übrig. Soll ich mich auf einen Esel setzen und mit einem Ölzweig in der Hand an die Pforte unserer Feinde klopfen?“
„Warum nicht. Vielleicht kann man verhandeln, man könnte es jedenfalls versuchen. Man muss es versuchen!“
„Du hast wohl zu lange in der Sonne gelegen. Erst verwüsten die den halben Planeten und dann sollen wir, so mir nichts dir nichts, um einen Waffenstillstand bitten. Wie soll das denn laufen? Völliger Quatsch. Solange es Menschen und Außerirdische gibt werden die Kämpfe weiter gehen“.
„Aber es muss doch möglich sein, dem Morden ein Ende zu setzen. Es heißt doch, dass der Klügere nachgibt und man für einen Streit immer zwei braucht. Ich bin sicher, dass man eine friedliche Lösung finden würde“.
„Also, ganz im Ernst, Petra. Die Menschen hatten doch fast 2000 Jahre Zeit um sich zu einigen und zu versöhnen. Wenn die Aliens nicht angegriffen hätten, würden die Menschen sich immer noch gegenseitig die Köpfe einschlagen. Und sie werden es wieder tun sobald wir gesiegt haben. Irgendwo ist es doch komisch, dass sich niemand ernsthaft darüber aufgeregt hat, dass täglich Tausende umgekommen sind, als es nur auf der Mattscheibe gezeigt wurde. Früher starben tagtäglich Menschen an Hunger, Tretminen und Seuchen. Darüber haben wir gelesen und es doch nicht ändern können. Jetzt wo es uns dreckig geht, proklamieren wir scheinheilig das Ende der Zivilisation und des Fortschritts“.
„Ich glaube, die Menschen haben ihre Lektion gelernt, Stephan. Wenn dieser Krieg vorüber ist wird alles gut werden“.
„Nach dem zweiten Weltkrieg hat man das auch gedacht, Aber das Morden ging munter weiter. Was sollte diesmal anders sein?“
„Wenn du das alles so siehst, warum bist du dann eigentlich Soldat geworden. Mit der Einstellung ist das doch eine völlig verkehrte Wahl?“: fragte Petra mich etwas verwirrt. Ich hatte meine pazifistische Ader wohl zu sehr offengelegt und meinen Dienstgrad vergessen.
Ich machte eine nichtssagende Handbewegung und meinte nur:
„Ich kann schließlich denken was ich will und nur weil ich die Uniform anhabe bin ich ja kein blutgieriger Unmensch. Aber gerade weil mein Beruf eine lange Tradition hat, denke ich so wie ich es nun mal tue. Solange es Menschen auf diesem Planeten gibt, wird es auch Probleme geben. Und solange es auf diesem Planeten Waffen gibt wird Blut fließen. Man kauft sich auch keinen Kühlschrank um dann warmes Bier zu trinken!“
„Das ist ja ein seltsamer Vergleich. Aber es muss doch einen Weg geben wie wir da rauskommen. Wozu lohnt es sich denn überhaupt zu kämpfen. Wenn danach kein Friede einkehrt kann man es ja auch gleich sein lassen!“
Ich schwieg kurz und fuhr mir durch meine Haare.
„Wir müssen eben darauf hoffen, dass es diesmal anders kommt. Das sich danach die Einsicht breit macht, dass es besser ist nachzugeben und die andere Backe hinzuhalten. Vielleicht geht uns auch die Munition aus und wir können gar nicht weiter kämpfen. Wer weiß?“
„Sind sie eigentlich religiös, Stephan!“
„Natürlich. Aber nicht in dem Sinn den sie darunter vielleicht verstehen. Mehr, .. irgendwie anders“.
„New Age?“„Sie meinen das Wassermann Zeitalter. Vielleicht. Wäre jedenfalls mal was anderes. Höchste Zeit ist es auf jeden Fall“.
„Was sind sie denn für ein Sternzeichen?“
„Ich bin ein Tiger-Löwe. Aszendent Skorpion“.
„Klingt ziemlich gefährlich. So hören sie sich aber gar nicht an. Wieso predigt ein Raubtier wie sie, den Frieden?“
„Ich glaube ich bin klug genug zu wissen das der Sinn jedes Kriegs doch letztlich immer der Friede ist. Warum also überhaupt kämpfen. Ich habe mir da schon die komischsten Gedanken dazu gemacht. Aber ich komme zu keinem wirklich brauchbaren Ergebnis.
Wissen sie Petra, es ist doch so. Man soll all seinen Feinden vergeben, aber lohnt sich das denn wirklich. Ist es nicht doch klüger sich zu rächen und zu vergelten. Ich meine wenn man sieht wie es wirklich in der Welt zugeht. Es ist schwer zu glauben und so leicht zu hassen. Aber vielleicht reicht es schon, wenn ich bei mir anfange. Wenn ich mich ändere, dann ändern sich die anderen vielleicht auch. Nach und nach. Ich weiß jedenfalls, dass ich mit meiner Meinung nicht hinterm Berg halten darf. Und wenn es stimmt was ich sage wird der Erfolg mir letztlich Recht geben. Wenigstens habe ich so gelebt wie ich mich fühle!“
„Für einen jungen Mann haben sie recht ungewöhnliche Ansichten. Ein Soldat der sich nach Frieden sehnt und die Abrüstung befürwortet und doch in den Kampf zieht. Es macht sie eigentlich unglaubwürdig, wäre aber schön wenn es stimmt!“
Ich wollte jetzt nicht noch mehr zum besten geben und über den Sinn des Lebens philosophieren, deshalb beendete ich die Unterhaltung:„Die Zukunft liegt vor uns, wie es weitergeht bestimmen wir. So und mit diesen Worten möchte ich mich jetzt verabschieden. Hat mich sehr gefreut Frau ... Petra“.
„Nicht so schnell, ich hab noch eine wichtige Bitte!“„Und die wäre?“
„Das Personal, das mir zugeteilt worden ist, bleibt aber hier. Ich brauche jedenfalls..“.
„Ich spreche nachher mit Hauptfeld Voss. Ohne Küchentrupp können wir unmöglich ins Gefecht ziehen. Aber keine Sorge, wir denken auch an sie!“
Ich reichte ihr die Hand und verabschiedete mich. Sie packte ihre Photographie wieder weg und so trennten wir uns. Ich war heilfroh, dass dieses Gespräch hinter mir lag. Beinahe hätte ich mich verraten, ich musste echt aufpassen. Schliesslich hatte Petra ja einen heißem Draht zum Oberst. Wenn sie ihm erzählen würde was ich für Ansichten habe.
Aber eigentlich würde sich gar nichts ändern. Roland kannte ja meine unorthodoxen Ideologien und Methoden. Der wunderte sich bei mir auch über nichts mehr.
Jetzt zog es mich Richtung Speisesaal. Der Duft des Mittagessens stieg mir in die Nase und meine Magensäfte meldeten sich ebenfalls. Abgesehen von dem Schweinefrass in Cochem hatte ich seit Tagen nichts zu essen gesehen. Gott sei Dank blieben mir hier solche kulinarischen Zumutungen erspart. Die anderen Soldaten kamen ebenfalls zum Essen fassen und es herrschte der übliche Andrang im Speisesaal. Die Nachricht meiner Rückkehr hatte mittlerweile die Runde gemacht und so wurde ich von einigen bekannten Gesichtern empfangen. Helga, die Chefin der Wehrbetreuung sowie einige Unteroffiziere begrüßten mich mit Handschlag. Ein paar von den weiblichen Rekrutinnen schielten ebenfalls zu mir herüber und tuschelten. Offensichtlich war der „Marktwert“ meines Samens gestiegen - tue winder Takes ist all. Fehlte nur noch das die jetzt mit Teddybären nach mir werfen und anfangen zu kreischen. Dies geschah jedoch nicht und so ging ich dann zum Speisebereich für die Offiziere.
Dort war es mittlerweile ziemlich eng geworden. Die Piloten und die anderen Gäste waren bei uns untergebracht und besetzten alle Plätze. Wir waren über vierzig Personen, die sich hier versammelt hatten. Zu Essen gab es Schweinebraten mit Knödeln und Gemüse. Das kam zu meinem Erstaunen aus diversen Gewächshäusern in denen bisher Blumen gezüchtet worden waren. Stephen erzählte dazu einige Geschichten und es beweist doch, dass da wo ein Wille, auch immer ein Gebüsch ist.
Jetzt sah ich auch Ulla endlich wieder. Mein kleiner Knuddeltroll war wohl etwas beleidigt, weil ich mich nicht sofort zu ihr begeben habe um mein Verlangen zu offenbaren. Na ja, ich schwor ihr dann ewiglich heiße Liebe und zum Ausgleich eine schöne Runde Nahkampf in unserem Bett. Als Anzahlung und Kaution gab es einen öffentlichen Zungenkuss mit Popofummeln. Dann gab es was zu essen.
Das Tischgespräch wurde vom Oberst angeleitet. Er gab einige Herrenwitze zum besten, die Piloten scherzten natürlich fleißig mit.
Hier ein Paar Auszüge:
„Was ist eine Ewigkeit? Die Zeit zwischen dem Abspritzen bis die Alte endlich abhaut“.
„Die Ideale Frau verwandelt sich nach dem Fick in eine Kiste Bier und die besten vier Kumpels!“
„Vögeln sie ihre Frau auch mal in das anderer Loch? Ich bin doch nicht verrückt. Am Ende wird die noch schwanger“.
Herbert meinte dazu nur das es früher viel härter war und man Pfütze noch mit O geschrieben hat.
Dazu wurde ein köstlicher Rosé serviert. Fast schon eine Henkersmahlzeit. Stephen hatte mir erzählt, dass sie bei den „Erkundungsbesuchen“ in der Umgebung noch etliche Sachen gefunden hätten. Darunter auch einen richtig üppigen Weinkeller.
Eigentlich war das hier keine Kaserne mehr. Wir mutierten langsam zu einem landwirtschaftlichen Vergnügungspark mit militärischem Anhang. Von einem der Kampfpiloten erfuhr ich dann auch vom Ruf, der uns vorauseilte. Also kurz gesagt: Unsere Kaserne war die angeblich beste weit und breit. Nirgends gab es noch solche Möglichkeiten wie hier. Wir hatten die beste Verpflegung, einen Puff und bekamen bevorzugt Nachschub und Ersatz. Der Nimbus einer Eliteeinheit schien uns voran.
Ich beließ den Mann in dem Glauben, dass es wirklich so war und freute mich über die potenzierende Wirkung von Gerüchten. Wenn das so weiter gehen würde, könnte ich bald mit einem Arm drei Männer erlegen. Von wegen Image ist nichts.
Wie war das noch gleich:
Von Frauen geliebt – von Zivis gehasst
Das ganze Geld im Puff verprasst!
Stark wie ein Bär – geil wie ein Neger
Das sind die Deutschen Fallschirmjäger
Klaus unterhielt sich angeregt mit Hauptmann Gruner. Mittlerweile hatte er sich an die Gepflogenheiten gewöhnt und erwähnte nur noch ganz selten seine Grundausbildung.
In dem Gespräch ging es wohl um das Betriebsystem für die Bordelektronik des neuen Wiesels. Klaus war ja vom Fach und konnte da wirklich mitreden. Ich hatte sogar das Gefühl, dass Gruner ihm gar nicht so recht folgen konnte. Ich hörte nur noch Linux und Bluescreen.
Später erfuhr ich dann, dass man NT als Betriebsystem verwendete. Als wir dann alle aufgegessen hatten, fragte ich den Chef der Heeresflieger, einen Oberstleutnant Kiefer, ob er denn schon Bekanntschaft mit den Damen von der Wehrbetreuung gemacht hatte. Er verneinte und so stellte ich ihm Helga vor. Die hakte sich dann sofort bei Kiefer unter und meinte:„Herr Oberstleutnant, Sie und ihre Kameraden müssen uns unbedingt die Ehre eines Besuchs erweisen“. Mittlerweile kannte die Gute auch die Dienstgrade.
Der Oberstleutnant war einer kleinen Spritztour scheinbar ganz und gar nicht abgeneigt, er und seine Kameraden begaben sich unter Führung von Puff Mami Helga in unser Etablissement. Ich ging in mein Büro und warf den Computer an. Als er endlich hochgefahren hatte, legte ich die CD-ROM ein und klickte mich durch eine Installationsroutine.
Danach konnte es dann endlich losgehen. Ich sah ein paar Bilder, die den Wiesel IIIB aus verschiedenen Perspektiven zeigten. Natürlich war diese Version auch schon von Werk aus weiß lackiert. Dann kam ich zu den Erklärungen und Details. Die Idee mit dem ausfahrbaren Turm war echt genial. So was konnten sich wirklich nur die Krauts ausdenken. Die Eckdaten der Maschinenkanone und der Panzerabwehrrakete waren ebenso beeindruckend. Für so ein kleines Fahrzeug jedenfalls. Dann sah man Zeichnungen und Photographien mit Beispielen, wie man den Wiesel IIIB einsetzten konnte. Die Tarnung mit Tannenzweigen ebenso die max. Gewässertiefe.
Das ist ein gutes Beispiel dafür was man auf jeden Fall wissen muss. Man stelle sich nur mal vor, sie fahren durch einen Bach ohne zu wissen wie tief der ist. Völlig durchnässt müssen sie dann später ihrem Kommandeur erklären wie sie es geschafft haben, ihr Kampffahrzeug zu versenken. Schliesslich sah ich mir noch die optischen Geräte an. Das waren echte Leckerlies. An alles hatte man gedacht. Restlichtverstärkung, Infrarot und natürlich eine Videokamera mit Zoom.
Soweit die Technik, dann gab es noch einen Ordner mit taktischen Informationen. Unsere Wissenschaftler hatten ein Wrack der Aliens genau unter die Lupe genommen.
Wir hatten es da mit einer echt harten Nuss zu tun. Die Diamantpanzerung sprengte jeden bekannten Maßstab. Diese dreibeinigen Kampfgiganten waren ein Musterbeispiel an Schlagkraft ebenso wie Standfestigkeit. Die Feuerkraft war enorm hoch und gleichmäßig verteilt. Diesen Gegner konnte man weder in die Flanke fallen noch von hinten in den Arsch treten, überall war vorne.
Aber auch bei einem solchen Koloss gab es Schwachstellen. Die drei Laserarme waren durch ihre exponierte Lage außerhalb des Panzerchassis gefährdet. Man hatte erkannt, dass hier eine echte Chance bestand Wirkung zu erzielen. Die Stelle an der die drei Beine zusammenliefen, direkt unter dem Kopfteil, war ebenfalls als schwach einzustufen. Durch eine exakte Untersuchung war man dann zu folgendem Ergebnis gelangt.
Man kann einen solchen Gegner auf drei Arten erledigen.
Ein direkter Treffer in den vorderen, ungeschützten Teil eines Lasers.
Einen schweren Treffer an der Naht zwischen Kopfteil und Fahrgestell. ( Panzerfaust )
Den Kampfläufer durch schwersten Beschuss (Artillerie) aus dem Gleichgewicht bringen.
Durch den Sturz aus der Höhe entstehen ernsthafte Folgeschäden und der Gegner ist damit außer Gefecht gesetzt.
Mit einigen Zeichnungen wurde dies dann noch veranschaulicht. Ich rieb mir das Gesicht mit meiner rechten Hand und klimperte noch etwas auf dem Keyboard herum.
In einer Woche sollten wir einen Grossangriff starten, das konnte ja heiter werden. Ich stellte mir vor wie es wohl werden würde. In den Ruinen des Ruhrpotts sollen wir jetzt ein Husarenstück vollbringen und dem Feind die Hammelbeine lang ziehen. Für mich hing der Erfolg der Operation davon ab, ob man die ganze Sache geheim halten konnte. Gnade uns Gott wenn wir entdeckt werden würden, bevor wir in Stellung gingen.
Ich wusste mir kein wirklich sicheres Rezept für diese Operation.
Der Plan von Jackson war machbar aber es bedurfte sehr viel Glück um ihn zu vollenden.
Ich beschloss daher einen kurzen Abstecher in die Kapelle zu machen. Etwas Fürsprache beim Herrn kann nie schaden.
Ich nahm die CD aus dem Laufwerk und beendete die Sitzung.
Dann verließ ich das Haus und ging raus an die frische Luft. Ich gab Gruner die CD zurück, bedankte mich und begab mich zur Kapelle. Es war schon eine Ewigkeit her, als ich das letzte mal heiligen Boden betreten hatte. Ich bekreuzigte mich und setzte mich dann hin.
Ich sah den Heiland am Kreuze hängen und konnte ihn fast sagen hören:
„Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“
Ich wollte ihn erst gar nicht um Beistand bitten oder gar um Mithilfe. Wie sollte ich auch jemanden, der für Frieden und Versöhnung gestorben ist, um geistige Teilnahme an einem Feldzug bitten.
Ich beließ es bei einem einfachen „Vater unser“ und stand dann wieder auf. Ein Gefühl von Verlogenheit machte sich in mir breit. Wie konnte ich beten „..vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..“, wenn ich in sieben Tagen einen Gegenangriff anführen sollte. Aber war die Religion nicht insgesamt paradox. Ich meine wenn man wirklich nur dadurch selig wird, wenn wir vergeben, warum vergibt der liebe Gott dann nicht Luzifer dessen Anfall von Anmaßung? Müsste nicht Gott mit gutem Beispiel voran gehen und dem einst gefallenen Engel verzeihen; ihn vielleicht sogar wieder zu sich in den Himmel nehmen. Ich definierte das „Böse“ als den Drang, anderen Leuten, die Eigenschaften abzugewöhnen, die man an sich selbst nicht mag. Das fängt bei kleinen Marotten an und geht bis zum Kreuzzug bzw. dem „Heiligen??“ Krieg.
Wenn jeder nur sich selbst züchtigen und maßregeln würde, wäre das Böse ausgemerzt. Aber das war nur ein frommer Wunschtraum. Tagtäglich sündigte ich und meine Mitmenschen. Mit den Augen beging ich hundertfachen „Ehebruch“, ich ertappte mich dabei beinahe jede Frau zu begehren, die mir gefiel. Zum Porsche von Petra hatte ich fast schon eine körperliche Beziehung entwickelt und wenn ich mir den Wanst vollgestopft hatte war mir alles egal. Ich war also auch nur ein schwarzes Schäfchen.
„Vater gib mir die Kraft, die Prüfungen zu bestehen“: sagte ich und noch und verließ dann die Kapelle.
Mit schnellen Schritten hastete ich wieder zu Lehmann, Klaus und den anderen.
Gruner erklärte Klaus und Lehmann die genaue Funktionsweise der Waffensysteme und die Steuerung.
Ich gesellte mich dazu und hörte mir das ebenfalls an. Eigentlich ganz einfach. Dann zeigte er uns wie man nachlädt, Störungen behebt und einige Kniffe bei der Handhabung. Das übten wir dann wieder und wieder. Gruner war ein geduldiger und souveräner Ausbilder. Er redete ganz ruhig und angenehm, er erkannte schon am Gesichtsausdruck jedes einzelnen, wer mitkam und wer auf dem Schlauch stand.
Auf einem Laptop hatte er auch noch ein Programm mitgebracht mit dem wir üben konnten. Nachdem alle 23 Wiesel verkabelt waren, spielten wir etwas. Auf dem Bildschirm lief ein simulierter Kampf ab. Wir steuerten die Waffen und mussten sie ins Ziel lenken bzw. nur beobachten. Nachdem wir das alle mehrmals gemacht hatten, war dieser Ausbildungstag beendet.
Morgen würden wir außerhalb der Kaserne fahren üben und wie man das Gerät optimal tarnt.
Es machte Spaß so was zu üben. Es war pervers aber ich fühlte mich gut dabei. Der Krieg, die Taktik, die Strategie und vor allem die Technik waren faszinierend. Ich weiß nicht wieso das so ist, aber den anderen ging es genau so. Wir waren insgesamt über 60 Mann, die hier am üben waren. Offiziere, Feldwebel und Mannschaften. Sieben Frauen machten ebenfalls mit.
Die hatten sich freiwillig gemeldet und waren mit Eifer dabei. Als ich meinen Teil der Einweisung abgeschlossen hatte und der nächste Teilnehmer in den Wiesel stieg, ging ich zu einer von den Ladies und begann eine Unterhaltung.
Die junge Dame ging sofort ins „Achtung“ und stand stramm vor mir. Ich sagte nur:„Rühren“ und „Wie ist ihr Name, Soldat?“
„Jäger Burg“.
„Und wie ist ihr Vorname, Frau Jäger Burg“.
„Katja, Herr Major“.
„Schöner Name, sagen sie Katja warum sind sie hier“.
„Ich wollte was erleben. Herr Major!“„Ist ihnen so langweilig?“
„Nein, es ist nur, wie soll ich sagen. Ich wollte schon immer zur Armee. Eigentlich wollte ich ja Pilotin werden, aber Panzer fahren ist auch o.k.“„Was haben sie denn vorher gemacht?“
„Ich war kurz vor dem Abitur, dann ging der Kampf los“.
„Haben sie noch Verwandte?“
„Ja, meine Eltern und eine Schwester, sie ist auch hier!“
„Was wollten sie nach der Schule machen?“
„Ich war mir noch nicht ganz sicher, mein Vater war dagegen, dass ich zum Bund wollte. Ich sollte sein Geschäft übernehmen“.
„Er hat sich wohl einen Sohn gewünscht, der in seine Fußstapfen tritt“.
„Möglich, aber warum fragen sie mich das eigentlich Herr Major?“
„Ach nur so, ich war halt neugierig warum eine Frau sich für so ein gefährliches Handwerk freiwillig meldet“.
„Genau kann ich ihnen das auch nicht sagen, ich will es halt einfach – warum ich „es“ will, weiß ich auch nicht“.
„Schon gut, sie brauchen es auch gar nicht genau begründen, es gibt keine druckfähige Erklärung dafür“.
Ich nickte anerkennend und ging dann wieder zu Klaus zurück. Er spielte gerade mit der Hydraulik für den Turm. Auch er schien voll in seinem Element, wie die anderen auch.
Es hatte wirklich den Anschein als ob das hier keine Arbeit, sondern ein unterhaltsamer Zeitvertreib sei. Fast so, wie das Spiel mit einer Modelleisenbahn. Später beim Abendessen war die Stimmung sehr gelöst und entspannt. Die Piloten hatten mal ordentlich Dampf abgelassen und wir anderen hatten unserem Spieltrieb gefrönt. Mit Gruner war jede Unterhaltung ein echter Genuss, er konnte sehr lustige Anekdoten erzählen und Witze machen. Er war sehr schnell „everbodys Darling“.
Nach dem Essen, gab es dann noch eine kleine Besprechung. Löw, Gruner, Gieck, Schnitzler, Lehmann, Stephen, Klaus und ich versammelten uns im Besprechungsraum.
Der Oberst erkundigte sich nach unseren Ansichten, was dieses neue Waffensystem anging.
Wir waren alle einhellig der Meinung, dass es ein sehr brauchbares und innovatives Gerät sei. Der erste Eindruck war jedenfalls sehr gut.
Löw hörte sich alles wohlwollend an und paffte dabei eine Zigarre. Er bestätigte die Ankunft der versprochenen zehn Wiesel und war wohl sehr stolz auf seinen Haufen. Diese zehn Wiesel waren aber etwas anders. Statt der Maschinenkanone waren hier ein weiterer Raketenwerfer und ein neuartiges Maschinengewehr montiert.
Dann hörten wir uns an, was es sonst noch gab, vielmehr was von dem „alten“ Material noch übrig war.
Wir hatten noch vier Leopard II und drei Gepard Panzer. Die würden wir hier lassen müssen. Den Marsch bis nach Essen hätten sie eh nicht gepackt. Ständig gab es die verschiedensten Probleme mit diesen Fahrzeugen. Man wollte sie umbauen und daher würden sie nicht mehr rechtzeitig fertig werden.
Aber es gab noch drei TOW-Wiesel und vier mit MK 20 mm. Von den Schützenpanzern war keiner mehr übrig. Wir hatten noch jede Menge MGs und Panzerfäuste. Die konnte man auf jeden Fall mitnehmen.
Alles in allem würden wir also in nunmehr zwei Tagen mit 40 Kampffahrzeugen verlegt werden. Die Hubschrauber würden das besorgen, der Nachschub wurde bereits für uns nach Baumholder und an die Ruhr gebracht. Wir mussten also nur das nötigste mitnehmen. Die Minen die sich noch in unserem Depot befanden wurden bereits verladen und Richtung Norden transportiert. Erst mit dem Lkw dann mit der Bahn.
Löw schlug eine Karte auf und zeigte uns den Aufmarschplan. Wir würden zusammen mit den Merzigern und den Kameraden aus Zweibrücken den westlichen Abschnitt am rechten Rheinufer besetzen. Wir waren der Schutzschild für diejenige Einheiten aus Panzerartillerie und Haubitzen, die westlich von uns eingesetzt werden sollten.
Man hatte alle alten Depots ausgeräumt und jedes verfügbare Fahrzeug reaktiviert. Einige neue Einheiten, z.B. die Panzerhaubitze 2000/ A3 und der Leopard II A6 / III A1 sollten noch dazu kommen. Aber es würden nur wenige sein. Der Produktionsschwerpunkt wurde auf Transporthubschrauber und leichte Waffenträger gelegt.
Die Idee, welche dem ganzen zugrunde lag war folgende:
Man wollte mit der schweren Artillerie das Lager der Aliens beschießen. Dadurch erhoffte man sich, den Gegner zu schwächen und zu Ausbruchsversuchen zu animieren. Da aber rund um die Basis jede Menge Einheiten postiert waren, würden sie dabei ins Feuer rennen und schließlich vernichtet werden. Soweit die Idee.
Ich sah mir die Karte und einige Luftaufnahmen an. Dort wo einst eine der am dichtest besiedelten Gegenden Mitteleuropas lag, waren jetzt nur noch Schnee, Trümmer und die Aliens. Wir sollten uns in den Ruinen der Häuser verschanzen und dort auf den Gegenangriff der Aliens warten. Die Minen sollten vorher von Pioniereinheiten verlegt werden und so das Gebiet vor uns unpassierbar machen.
Ich verglich den Maßstab der Karte mit den Photos und rief Roland dann zu mir. Ich fragte ihn ob er sich schon mal angesehen hätte wie viele Kilometer Frontlinie wir da eigentlich zu verteidigen hatten. Es waren über 15 Kilometer. 15 Kilometer in einer Trümmerwüste sollten wir mit etwa 40 Fahrzeugen gegen eine unbekannte Anzahl von Gegner verteidigen.
„Keine Bange Stephan, wir haben doch noch die Artillerie und einige Panzer hinter uns, nicht zu vergessen fünf Tiger Kampfhubschrauber und die Panzerminen“.
„Und was hat der Gegner?“„Der Gegner war leider nicht so frei uns das zu verraten“.
„Die Menschen die sie gefangen genommen haben, was ist mit denen“.
„Wir vermuten das sie für die Aliens arbeiten, ob wir gegen sie kämpfen müssen, wissen wir nicht. Aber selbst wenn, mit Menschen werden wir fertig“.
„Das haben wir auch lange genug geübt!“
„Das denke ich auch, außerdem halten wir nur 15 Kilometer, die restlichen 173 machen mir da weit mehr Sorgen“.
„Soll das etwa heissen das insgesamt 188 Kilometer Front zu sichern sind?“
„Ja, aber nur theoretisch. Nicht überall müssen starke Sicherungskräfte postiert werden. Die Gegend ist ja schließlich nicht topfeben und kahl. Es gibt jede Menge Deckung und das Oberkommando hat noch ein paar andere Asse im Ärmel!“
„Und die wären?“
„Na, na Schneider, jetzt seien sie doch nicht so neugierig. Sie verderben sich ja die selbst noch die Überraschung“.
Ich smilte Roland an und der gab mir einen Schlag auf die Schulter und fing laut an zu lachen.
Ich ging dann zusammen mit Roland wieder zu den anderen. Die planten gerade die morgige Übung. Markus hatte vorgeschlagen sie in Creutzwald abzuhalten. Dort gab es auch einige Ruinen und man konnte schön üben. Wir fanden die Idee ebenfalls gut und teilten uns in drei Gruppen auf. Zwei zu acht und eine zu sieben Wiesel IIIb dazu je zwei bzw. drei Wiesel I. Gruner und Porsche-Schmitt sollte derweil auf die restlichen zehn Wiesel IIIC warten und dann mit dieser vierten Gruppen nachfolgen. Zusammen mit der III Kompanie, die in Creutzwald stand, sollte es dann zur Sache gehen. Klaus freute sich auf die Übung. Lehmann machte auch einen gespannten Eindruck.
Ich unterhielt mich dann noch kurz mit Stephen über meinen Vater. Er versprach mir sich darum zu kümmern. Ein Anruf würde das Problem beseitigen.
Dann trennte ich mich von meinen Kameraden um mit Ulla zu spielen. Löw wollte noch mit seien Leuten und den Heeresfliegern eine kleine Runde auf die Beine stellen. Ich ersparte mir dieses Ereignis und begab mich in meine Kemenate. Ich rasierte mich und duschte um für meine Ulla verführerisch und wohlriechend bereitzustehen.
Als sie endlich kam konnte ich es kaum noch erwarten. Wir fielen uns in die Arme und knutschten heftigst. Dann trug ich Ulla aufs Bett und entkleidete sie bedächtig.
