True Blue Love. Der Glanz der Tiefe - Lillemor Full - E-Book
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Beschreibung

**Wenn deine Vergangenheit in den Tiefen des Ozeans liegt …**  Die siebzehnjährige Ana lebt da, wo andere Leute Urlaub machen: Als Aushilfe in der Tauchschule ihrer Eltern erkundet sie täglich die Unterwasserwelt der traumhaften Azoreninsel Faial. Nirgends fühlt sie sich wohler als in den Wellen des Meeres – bis sie dort auf einmal das Gefühl bekommt, verfolgt zu werden. Kurz darauf taucht am Strand ein mysteriöser junger Mann mit umwerfend azurblauen Augen auf und bittet sie um Hilfe: Ausgerechnet Ana soll der Schlüssel zu einem uralten Geheimnis sein, das tief im Ozean verborgen liegt … Zwei Welten, ein ungeahntes Erbe Verbotene Gefühle zwischen zwei Menschen, die mehr verbindet als ihre gemeinsame Liebe für das Meer. Aus dieser magischen Unterwasserwelt möchte man nicht mehr auftauchen. //»True Blue Love. Der Glanz der Tiefe« ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.//

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Lillemor Full

True Blue Love. Der Glanz der Tiefe

**Wenn deine Vergangenheit in den Tiefen des Ozeans liegt …**Die siebzehnjährige Ana lebt da, wo andere Leute Urlaub machen: Als Aushilfe in der Tauchschule ihrer Eltern erkundet sie täglich die Unterwasserwelt der traumhaften Azoreninsel Faial. Nirgends fühlt sie sich wohler als in den Wellen des Meeres – bis sie dort auf einmal das Gefühl bekommt, verfolgt zu werden. Kurz darauf taucht am Strand ein mysteriöser junger Mann mit umwerfend azurblauen Augen auf und bittet sie um Hilfe: Ausgerechnet Ana soll der Schlüssel zu einem uralten Geheimnis sein, das tief im Ozean verborgen liegt …

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Vita

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© privat

Lillemor Full, Jahrgang 1989, lebt im schönen Weserbergland und befindet sich ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem perfekten Job. Nach dem Abitur absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr im Sport, eine Ausbildung zur Kosmetikerin sowie ein Studium der Public Relations und arbeitete in zahlreichen Berufen. Lediglich dem Schreiben ist sie seit Kindheitstagen treu.

Für Mutti

Eins

Das schwarze Schlauchboot tanzte sanft in den Wellen des Nordatlantiks. Die Strahlen der Julisonne sammelten sich knapp unter der Meeresoberfläche und tauchten das Wasser in ein leuchtendes Hellblau. Es herrschten beste Gegebenheiten für den anstehenden Tauchgang.

Ana kontrollierte, ob die mit Thunfischköpfen und anderen Fischresten gefüllte Köderbox verschlossen war. Währenddessen hörte sie zu, wie ihr Vater Carlos den fünf Tauchern erklärte, wie sie sich unter Wasser zu verhalten hatten.

»Wenn wir gleich abtauchen, haltet ihr euch an einer der beiden Ketten fest. Versucht möglichst ruhig im Wasser zu stehen. Die Wellen und die Strömung sind heute sehr gnädig. Falls euch ein Hai zu nahekommt, schaut ihm direkt in die Augen und haltet ihn mit schnellen Handbewegungen auf Abstand. Ana und ich haben auch Shark-Distance-Stäbe dabei, mit denen wir sie zur Not wegstoßen können. Habt ihr noch Fragen?«

Die zwei Frauen und drei Männer schüttelten die Köpfe.

»Dann macht euch fertig. Tiago bleibt an Bord und passt hier auf alles auf«, fuhr Carlos fort. Ana konnte es kaum erwarten, in das tiefe Blau hinabzutauchen. Obwohl sie schon unzählige Begegnungen mit Blauhaien gehabt hatte, war dieses Erlebnis jedes Mal wieder einzigartig. Während ihrer Sommerferien half sie ihren Eltern in deren Tauchschule Marea, die auf der Azoreninsel Faial ansässig war. Die Liebe zum Ozean und seinen Bewohnern teilte die ganze Familie miteinander, sodass für Ana feststand, dass sie eines Tages die Tauchschule übernehmen würde. Ihre Ausbildung zur Tauchlehrerin hatte sie bereits begonnen. Die Prüfung konnte sie erst in ein paar Monaten ablegen, wenn sie volljährig wurde. Bis dahin assistierte sie ihrem Vater bei den Tauchausflügen. Insbesondere Anas Unterwasserfotografie machte die Tauchschule so außergewöhnlich. Bei allen Tauchgängen fotografierte und filmte sie die Teilnehmer sowie die Meeresbewohner. Dadurch konnten sich die Taucher komplett auf sich und ihre Umgebung konzentrieren und den Moment genießen. Natürlich gab es einige Taucher, die selbst Kameras dabei hatten, aber der Großteil nahm das Angebot von Ana gerne in Anspruch. Die spezielle Unterwasserkamera steckte in einem Gehäuse, das bis zu einer Tiefe von sechzig Metern wasserdicht war, so dass auch tiefe Tauchgänge kein Problem darstellten. Da im Wasser die Fotoobjekte durch die höhere Dichte näher erschienen, benutzte Ana ein weitwinkliges Objektiv, um diesem Effekt entgegenzuwirken und die realen Bedingungen abzubilden. Zudem schoss die Kamera gestochen scharfe Bilder, was einige Hobbykameras nicht leisteten. Nachdem Ana die Fotos bearbeitet und die Filme geschnitten hatte, stellte sie sie den Teilnehmern immer zum Download bereit.

Ana richtete ihre Tauchmaske, nahm den Stab in die eine Hand und führte die andere durch die Schlaufe ihrer Kamera. Rückwärts ließ sie sich vom Rand des Zodiacs ins Wasser fallen. Die Taucher taten es ihr gleich. Nur Carlos, der die Köderbox in den Händen hielt, sprang mit den Flossen voran vom Boot.

»Tiago, aber nicht ohne uns wegfahren«, rief Ana dem Skipper scherzhaft zu, nachdem sie wieder an der Oberfläche aufgetaucht war. Tiago hob den Daumen und lachte, sodass sich sein mächtiger Bauch in Bewegung setzte.

»Dann wollen wir mal abtauchen«, sagte Ana an die Gruppe gewandt und nahm den Atemregler in den Mund. Gekonnt entließen alle die Luft aus ihren Tarierjacken und sanken dem Boden, der zehn Meter unten ihnen lag, entgegen. Carlos stellte die Köderbox in den sandigen Untergrund. Der Geruch der Fischreste sollte die Blauhaie anlocken. Allerdings hatte sich Anas Vater schon bei der Eröffnung der Tauchschule dagegen entschieden, die Tiere aktiv zu füttern, wie es andere Anbieter machten. Die Haie sollten nicht mit Essen konditioniert werden oder sich zu sehr an Menschen gewöhnen.

Die Taucher hielten sich an den Ketten fest, die am Schlauchboot angebracht waren, und schwammen durch den Wellengang leicht rauf und runter. Nervös und gespannt starrten sie in die endlos erscheinende Weite des Meeres und warteten auf die Ankunft der Raubfische. Ana kniete sich auf den Meeresboden und schaute sich ebenfalls erwartungsvoll um. Mit Ausnahme von vereinzelten Felsen konnte sie nichts erkennen. Dennoch fühlte sie sich beobachtet. Näherten sich die Haie von hinten an? Langsam warf Ana einen Blick über ihre Schulter, doch auch dort empfing sie nichts anderes als der unendliche Atlantik. Nachdenklich zog sie eine Augenbraue hoch.

Das Gefühl, dass sie jemand heimlich im Meer ansah, hatte sie öfter. Für gewöhnlich tauchte daraufhin aber irgendein Fisch auf, der sie interessiert beäugte, oder eine Schildkröte, die gemächlich an ihr vorbeizog. In letzter Zeit zweifelte sie allerdings an ihrem Instinkt. Bei jedem Tauchgang rechnete Ana damit, dass sie entweder ein riesiger Hai überraschte oder Tiago sich einen Scherz mit ihr erlaubte. Aber nichts dergleichen geschah und das nagende Gefühl, dass irgendetwas sie verfolgte, ließ Ana seit Wochen nicht los.

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als die Taucher auf dunkle Silhouetten zeigten, die in dreißig Metern Entfernung zu sehen waren. Ana zählte vier große Schatten. Mit anmutigen Bewegungen kamen sie rasch näher. Ihre sensiblen Schnauzen hatten den lockenden Geruch der Köder gewittert. Mit geübtem Handgriff nahm Ana schnell die Kamera in Betrieb und hielt fest, wie sich die Blauhaie zwischen den Felsen hindurch näherten. Die imposanten Raubtiere erreichten schließlich die kleine Gruppe. Geschmeidig umkreisten sie die Taucher und die Köderbox, die in der Mitte stand. Hungrig stupste der kleinste Hai die Box mit seiner Schnauze an und entfernte sich wieder einige Meter. Neugierig schwamm ein Hai auf Ana zu, drehte jedoch kurz vor ihr wieder ab, um abermals die Taucher an der Kette zu umkreisen. Ana studierte das Verhalten der Tiere aufmerksam, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls einer der Blauhaie zu aufdringlich werden sollte. Anas Vater Carlos, der sich in unmittelbarer Nähe der Gruppe befand, hielt den Shark-Distance-Stab ebenfalls einsatzbereit. Doch die vier Haie verhielten sich ruhig und auch die erfahrenen Taucher strahlten Gelassenheit aus. Ana filmte die Szene und machte Fotos der beeindruckenden Tiere. Nach einer Viertelstunde drehten die Haie ab und verschwanden in den Weiten des Meeres. Ihnen war bewusst geworden, dass es hier trotz des verlockenden Geruchs nichts zu fressen gab. Ana und Carlos gaben das Zeichen zum Auftauchen.

Nachdem alle wieder an Bord des Zodiacs waren und ihre Tauchausrüstung abgelegt hatten, startete Tiago den Motor. Das Boot steuerte die einige Seemeilen entfernte Hafenstadt Horta an.

Zwei

Abends saß Ana frisch geduscht in ihrem Zimmer am Schreibtisch und blickte auf die Bucht von Horta. Die Tauchschule mit der Wohnung der Ferreiras darüber befand sich direkt im Hafen, wodurch Ana einen fantastischen Ausblick von ihrem Zimmer aus hatte. Vor ihr auf dem Tisch stand ihr aufgeklappter Laptop. Sie hatte begonnen, die Fotos und Videos zu bearbeiten.

»Kommst du morgen mit zur Party?«, fragte ihre beste Freundin Feli, die neben ihr im Sessel lungerte.

»Welche Party?« Ana klickte sich durch die Fotos.

»Na, die Beach Party am Porto Pim! Davon reden doch alle schon seit Wochen. Und es sollen auch ein paar süße Jungs kommen, unter anderem Bento.« Feli wickelte sich eine dunkle Locke um den Finger und inspizierte ganz genau die Gästeliste auf ihrem Handy.

»Also?«, fragte Feli erneut und sah Ana erwartungsvoll an. »Komm schon, Ana! Du kannst nicht immer bloß tauchen gehen. Du musst auch mal checken, was es an Land so gibt. Da kann es auch ganz interessant werden.«

Ana musste grinsen. Es war immer wieder lustig, wie sich Feli für jede Feier begeistern konnte und bei allem dabei sein musste, da sie sonst Angst hatte, etwas oder jemanden zu verpassen. Mit ihrer quirligen Art, dem wilden Lockenkopf und den blauen Augen begeisterte Feli jeden und war ein gern gesehener Partygast. Ana hingegen zog die Aufmerksamkeit eher durch ihr unnahbares und mysteriöses Auftreten auf sich. Viele hielten sie für schüchtern, dabei hatte sie meistens bloß keine Lust, sich mit den Leuten zu unterhalten. Vor allem nicht mit nervigen Verehrern wie Bento, der sie schon das ganze Jahr über belästigte, wenn er sie sah. Glücklicherweise beschränkte sich das auf kurze Begegnungen im Hafen, wenn Bento mit seinem Vater zum Fischen hinausfuhr. Wieso Feli meinte, Ana ausgerechnet mit ihm auf die Party locken zu können, war ihr ein Rätsel.

»Ja, ich komme mit«, sagte Ana schließlich und wandte sich wieder dem Laptop zu.

»Geil! Das wird richtig super! Ich weiß noch gar nicht, was ich anziehen soll. Ich habe mir doch letztens dieses Sommerkleid gekauft, weißt du, das rote …«

Doch Ana hörte ihrer Freundin gar nicht mehr zu. Gebannt starrte sie auf den Bildschirm. Das Foto, das sie als letztes geöffnet hatte, sah im ersten Moment ganz normal aus. Es zeigte die Ankunft der Blauhaie. Zwei waren im Vordergrund, die anderen beiden schwammen hinter ihnen zwischen zwei großen Felsen hindurch. Die Tiere wirkten selbst auf einem Foto ästhetisch. Was jedoch Anas Aufmerksamkeit auf sich zog, war etwas Goldfarbenes am linken Bildrand. Es sah aus, als würde es hinter dem Felsen verschwinden. Ana zoomte die Stelle heran und erkannte die Umrisse einer halben Flosse.

»Komm mal bitte und guck dir das an!«

»… hohe Schuhe ziehe ich auf gar keinen Fall an! Nicht wie Eliane das letzte …«

»Feli!«

Entgeistert sah Feli ihre Freundin an. »Was schreist du denn so?«

»Du sollst herkommen und dir etwas ansehen!«

Feli rollte mit den Augen, stand aber auf und ging zum Schreibtisch. Über Anas Schulter schaute sie ebenfalls auf den Bildschirm. Ana zeigte mit dem Zeigefinger auf die goldene Flosse und sagte: »Siehst du das?«

»Ja. Und?« Ana konnte das Desinteresse in der Stimme ihrer Freundin hören.

»Was sagst du dazu? Was ist das?«

Sie schaute noch einmal genauer hin. »Was das sein soll? Irgendein Fisch nehme ich mal an. Du bist doch die Expertin.«

»Ein goldener Fisch? In der Größe? So einen gibt es nicht. Das muss was anderes sein.«

»Vielleicht färben die Sonnenstrahlen die Flosse. Oder es ist eine Plastiktüte.«

Skeptisch sah Ana Feli an. »Eine Plastiktüte, Feli? Ernsthaft?«

»Ja, was weiß denn ich? Was glaubst du denn, was es ist?«, fragte Feli und verschränkte die Arme. Stirnrunzelnd betrachtete Ana erneut den goldenen Fleck. Es war keine komplette Flosse zu erkennen, aber es war eindeutig, dass es sich um eine handelte. Natürlich kannte Ana nicht jede Fischart, aber von einem goldenen Fisch, der nahezu schimmerte und der im Verhältnis zur Flossengröße mindestens anderthalb Meter groß sein musste, hätte sie gewusst.

»Ich weiß es nicht. Eine noch unentdeckte Spezies?«, mutmaßte Ana. Sie klickte die Bilderserie durch. Auf keinem weiteren Foto war die ominöse Flosse zu sehen. Die Videos hatte sie bereits zum Großteil bearbeitet, aber nichts Außergewöhnliches war ihr dabei aufgefallen.

»Ana, was immer es auch ist, gefährlich scheint es nicht zu sein. Das ist doch das Wichtigste. Und jetzt lass uns bitte noch mal über die Party morgen sprechen.«

Feli begann wieder über ihre Kleiderauswahl zu reden und wanderte dabei im Zimmer auf und ab. Ana hörte ihr zu, aber ihr Blick glitt abermals zur Bucht. Die Sonne ging gerade unter. Es sah so aus, als würde das Meer einen orangefarbenen leuchtenden Feuerball verschlucken und ihn erbarmungslos in die Tiefe ziehen. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sich Ana beim Anblick des Ozeans unwohl. In ihrem Kopf wirbelte eine einzige Frage herum: Was war da draußen im Atlantik?

Drei

Die Fackeln loderten und sorgten für ein wirres Schattenspiel im Sand. Am Strand waren Sitzsäcke verteilt, auf denen sich kleine Gruppen und Pärchen tummelten. Der DJ stand hinter seinem Desk auf der Terrasse der Bar Basil & Mars. Vor ihm auf der Tanzfläche bewegten sich die Menschen im Rhythmus der Klänge, die wie Wellen im Meer die Nacht zum Rauschen brachten. Ana stand an der Theke und nippte an ihrem Bier. Nachdem sie mit ihrem Vater den ganzen Tag auf dem Boot gewesen war, hatte sie vor der Party noch einmal die Aufnahmen von gestern gesichtet. Ihr war immer noch schleierhaft, wie so ein großer Fisch unentdeckt auftauchen und wieder verschwinden konnte. Auch ihr Vater und Tiago hatten ihn nicht gesehen.

Feli kam strahlend in ihrem roten Sommerkleid auf sie zugetanzt. Eine Locke klebte ihr an der Stirn.

»Noch ein Sagres, Ricardo«, sagte Feli augenzwinkernd zu dem Barkeeper, ehe sie sich Ana zuwandte.

»Ferien, Party, Kerle. Ist es nicht perfekt?«

»Ja, es ist ganz nett.«

»Ganz nett?! Ana, du musst mehr leben! So jung kommen wir nie wieder zusammen.«

»Feli, wir sind siebzehn«, sagte Ana. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrem Hintern. Sie wirbelte herum und blickte in das Gesicht von Bento, der lachend mit zwei Freunden dastand.

»Nette Shorts«, sagte der kleinere.

»Wer von euch hat mich gerade angefasst?« Ana vermutete, dass es Bento war. Dieser sah aber nur seine Freunde an, zuckte mit den Schultern und grinste.

Anas Wangen begannen zu glühen, als sie mit dem Zeigefinger in Bentos Brust stach. »Fass mich nicht noch mal an …«

»Was passiert denn dann? Hast du Angst, dass du mir nicht widerstehen kannst?«

Gerade als sie den Mund erneut öffnete, um noch etwas zu sagen, legte Feli ihr eine Hand auf die Schulter und drehte sie von der Clique weg.

»Jetzt entspann dich mal. Das gehört halt dazu.«

»Das gehört halt dazu? Ich lasse mich doch nicht von irgendwelchen Kerlen anfassen.« Ana sah den Freunden hinterher, die sich glücklicherweise entfernten.

»Ana«, beruhigte Feli ihre Freundin, »das ist doch nur Bento. Nimm dein Bier und dann lass uns tanzen.«

Innerlich staute sich Wut in Ana an, aber sie wollte sich den Abend nicht vermiesen lassen.

»Okay«, sagte sie schließlich und die beiden Mädchen nahmen ihre Bierflaschen von der Theke. Sie verschwanden in der tanzenden Menge.

Sie bewegten sich zu den Bässen der Musik und Ana vergaß alles um sich herum. Weder die goldene Flosse noch der Vorfall mit Bento konnten sich in ihrem Gedächtnis verankern. Bunte Lichter bewegten sich auf dem Boden, Knicklichter flogen umher und die Hitze der wogenden Körper verbreitete sich. Ana beobachtete, wie sich Feli an Dario schmiegte, mit dem sie eine On-Off-Beziehung führte. Kopfschüttelnd wandte Ana sich ab und schaute auf ihre Uhr. Das Display zeigte ihr in leuchtender Schrift an, dass es kurz nach zwei Uhr morgens war. Einen Moment zögerte Ana, doch dann beschloss sie, nach Hause zu gehen. Sie hatte ihrer Mutter versprochen, morgen Vormittag in der Tauchschule zu helfen.

Ana streifte ihre Sandaletten ab, nahm sie in die Hand und begann, den Strand entlangzugehen. Der Porto Pim lag in einer dem Hafen abgewandten Bucht und war nicht weit entfernt. Der direkte Weg an der Promenade entlang wäre kürzer gewesen, doch Ana ging lieber im Sand, der ihre Füße kühlte. Das Basil & Mars hatte Ana schon lange hinter sich gelassen und die Luft trug lediglich noch einzelne Geräusche der Feier zu ihr. Die Sterne funkelten am Himmel und der Halbmond tauchte das Meer in einen cremigen Silberton. Leise schwappten kleine Wellen ans Ufer.

Plötzlich hörte Ana Schritte hinter sich im Sand. Abrupt blieb sie stehen, drehte sich um und spähte in die Nacht. Obwohl keine Wolke am Himmel war und das Mondlicht den Strand erhellte, konnte sie nicht weit sehen. Die Menschen auf der Promenade waren nur als schemenhafte Umrisse zu erkennen. Ana hielt die Luft an und lauschte angestrengt in die Nacht hinein. Das Einzige, das sie hörte, waren ihr eigener Herzschlag, der immer schneller wurde, und das Meer. Panik stieg in ihr auf. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie, irgendetwas oder irgendjemanden auszumachen. Doch um sie herum war nichts. Langsam atmete sie aus.

»Komm schon, Ana. Wie klischeehaft wäre das bitte? Mädchen geht nachts allein am Strand nach Hause und es passiert etwas. Nicht hier auf Faial«, sagte sie leise zu sich selbst. Sie ging weiter, schlug aber einen Bogen Richtung Promenade ein. Plötzlich waren wieder die Schritte zu hören, aber dieses Mal viel schneller. Ana schaffte es nicht mehr, sich rechtzeitig umzudrehen und ein Schlag traf sie in den Rücken. Durch die Wucht taumelte sie nach vorne und fiel in den Sand. Geschockt drehte sie sich auf den Rücken. Vor ihren Füßen stand Bento, der sie angrinste.

»Scheiße, Bento! Was soll das?«, fragte Ana und versuchte, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. Bislang hatte sie Bento für einen nervigen Spinner gehalten, der jede Gelegenheit nutzte, um sie anzubaggern, aber ansonsten harmlos war. Jetzt, wo er mit seiner kräftigen Figur, die sich aus Fett und Muskeln zusammensetzte, über ihr stand und sie hungrig anstarrte, war sie sich ihrer Beurteilung von Bento nicht mehr so sicher.

Schnell stand Ana auf und umklammerte die Riemen ihrer Sandaletten fester.

»Weißt du, Ana«, antwortete Bento mit kehliger Stimme, »ich habe gesehen, dass du allein nach Hause gehen wolltest.« Er ging einen Schritt auf sie zu, sodass sie seinen Atem riechen konnte. Eine Mischung aus Alkohol und Gras. Panisch sah sie sich um. Wegrennen würde nichts bringen, da Bento selbst im alkoholisierten Zustand schneller sein würde als sie. Und falls sie um Hilfe riefe, würde sie auch keiner hören. Die Menschen auf der Promenade waren zu weit entfernt. Außerdem war der Wind ablandig. Er würde ihre Schreie direkt aufs offene Meer hinaustragen.

»Lass das! Bitte!« Ana ärgerte sich über ihre schwache Stimme, aber sie fühlte sich hilflos.

Bento kam noch näher und nahm eine ihrer Haarsträhnen in seine Hand.

»Ich bin dir gefolgt. Wir wollen doch nicht, dass dir was passiert oder du den falschen Leuten über den Weg läufst. Und du bist mir dann garantiert dankbar, weil ich auf dich aufgepasst habe.«

Er fuhr mit seinem Finger Anas Wangenknochen entlang. Sie dachte nicht lange nach, sondern schleuderte ihre Schuhe mit aller Kraft in sein Gesicht. Bento ließ von ihr ab und fasste sich ins Gesicht. Der Verschluss der Schuhe hatte einen Kratzer oberhalb seiner Braue verursacht. Ungläubig starrte er auf das Blut, das er sich von der Stirn geschmiert hatte und das nun an seiner Hand klebte. Wut blitzte in seinen Augen auf.

»Du Miststück!«

Ana hatte die Szene wie in Trance verfolgt und erst sein Ausruf erlöste sie von ihrer Starre. Sie wollte wegrennen, doch Bentos Hand legte sich wie ein Schraubstock um Anas Unterarm. Vor Schmerz ließ sie die Schuhe fallen.

»Du tust mir weh!« Verzweifelt wandte sich Ana in Bentos eisernem Griff, doch dieser zog sie ruckartig an sich. Er hielt ihre Arme hinter ihrem Rücken zusammen und presste seinen Körper gegen ihren. Mit ihrem Knie stieß sie vergeblich zwischen seine Beine.

»Bento! Bitte lass das!« Ein Schluchzen entfuhr ihr. Sein dreckiges Lachen war die einzige Antwort, die Anas Ohren erreichte. Angewidert schloss sie die Augen. Gleich würden seine Lippen ihren Hals berühren; sie wollte nichts sehen, nichts hören und nichts fühlen. Und plötzlich spürte sie wirklich nichts mehr. Kein von Schweiß durchtränkter Körper, der sich an sie presste, keine Hände, die sich wie Fesseln um ihre Arme legten, kein stinkender Atem, der über ihre Haut fuhr. Verblüfft hob Ana die Lider. Ihr Angreifer lag im Sand, hob abwehrend seine Hände und trotz der Dunkelheit konnte sie erkennen, dass jegliches Blut aus seinem Gesicht gewichen war.

»Bleib cool, Mann! Wir wollten doch nur ein bisschen Spaß haben!« Stammelnd und mit weit aufgerissenen Augen robbte er ein paar Zentimeter nach hinten, um Abstand zwischen sich und einen Mann zu bringen.

Mein Retter, dachte Ana. Erst jetzt sah sie, wer sie eben lautlos befreit hatte. Und sie wunderte sich, warum ihr Blick nicht zuerst zu ihm, sondern zu Bento am Boden gewandert war.

Dort über Bento stand der bestaussehendste Mann, den Ana je gesehen hatte. Sie schätzte ihn auf Anfang zwanzig, doch er strahlte eine unglaubliche Männlichkeit und Souveränität aus. Seine blonden Haare, die im Mondlicht fast schon golden wirkten, flehten danach, mit Händen verstrubbelt zu werden. Er trug eine goldfarbene Badeshorts und sonst nichts, sodass Ana uneingeschränkte Sicht auf seinen durchtrainierten Körper hatte. Er war kein Muskelpaket, sondern eher der drahtige und definierte Typ. Ana musste schlucken und schlang ihre Arme um sich, weil sie das Gefühl hatte, sie müsste sich an irgendwas festhalten.

»Falls du sie noch einmal anfassen solltest, egal wann und wo, werde ich es mitbekommen und dich mehr als nur in den Sand schubsen«, sagte der Fremde mit einer Stimme, die Anas Nackenhärchen dazu brachten sich aufzustellen. Bento nickte benommen, richtete sich unbeholfen auf und taumelte in die Dunkelheit davon. Ana schaute ihm skeptisch hinterher, ehe sie sich zu ihrem Retter umdrehte, der mit geschmeidigen Schritten auf sie zukam.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte er sie.

Eine gefühlte Ewigkeit verlor sie sich in seinen ozeanblauen Augen, die von goldenen Sprenkeln durchzogen waren.

»Danke, es geht schon wieder.« Erst als sie diese Worte ausgesprochen hatte, begriff sie, was vor einigen Minuten geschehen war.

»Du hast mich gerettet. Danke.« Unweigerlich überkam sie ein Schauer und zitternd atmete sie aus.

Der Fremde kam einen Schritt näher. »Ich habe leider nichts dabei, was ich dir zum Überziehen geben kann.« Entschuldigend blickte er an seinem nackten Oberkörper hinunter.

»Du hast schon genug getan. Es ist auch nicht ausschließlich die Kälte, sondern alles zusammen«, sagte Ana und fügte still hinzu, dass sie glücklich war, dass er nichts anhatte. Diesen Anblick würde sie so schnell nicht vergessen.

»Ich muss jetzt auch nach Hause. Vielen Dank noch mal.«

»Ich begleite dich«, sagte der Fremde. Zögernd sah Ana ihn an. Er hatte sie gerade buchstäblich aus Bentos Fängen befreit, aber was waren seine Absichten? Sie schaute ihm in die Augen, um eine Antwort darauf zu finden. Sie sah einzig und allein Güte, Offenheit und eine angenehme Wärme in ihnen.

»Selbstverständlich nur, wenn du es möchtest.« Er schien Anas Skepsis zu spüren.

»Doch. Sehr gerne sogar«, antwortete sie.

Gemeinsam gingen sie in Richtung Promenade.

»Kennst du den Kerl, der dich angegriffen hat?«

»Ja, leider. Er hat schon seit ein paar Monaten Interesse an mir. Aber ich hätte nie gedacht, dass er handgreiflich wird.« Ana schaute den Fremden neben sich an und dankte den Sternen, dem Meer und dem ganzen Universum, dass ausgerechnet dieser Mann gerade vorbeigekommen war … in einer Badehose.

»Wo bist du eigentlich hergekommen? Warst du mitten in der Nacht schwimmen?«

»Schwimmen? Nein. Ich wohne da drüben an der Promenade«, er deutete auf kein konkretes Haus, »ich habe gerade etwas getrunken und dabei aus dem Fenster gesehen. Ich habe euch gesehen und meine Badehose lag halt am nächsten.«

»Du hast uns aus der Entfernung gesehen?« Ana beäugte misstrauisch die Häuserfassaden, die sie schon fast erreicht hatten. Sie selbst hatte am Strand trotz größter Anstrengung kaum etwas in der Dunkelheit erkannt. Aber woher hätte er sonst kommen sollen? Am Strand war außer Bento und ihr niemand gewesen.

»Stimmt das, was du sagst?«, fragte sie abermals. Sie hätte schwören können, dass die Haare des Fremden zumindest feucht waren und Ana hätte es nur zu gerne überprüft, indem sie mit ihrer Hand durch die goldene Mähne fuhr.

»Ich habe sehr gute Augen«, antwortete er ohne dabei sonderlich überzeugend zu klingen. Ana öffnete ihren Mund, um ihn weiter zu befragen, beließ es dann aber dabei und ging schweigend neben ihm her. Jeder andere Mann hätte mit diesen unergründlichen Antworten Unbehagen bei ihr ausgelöst, aber nicht dieser Fremde. Sein Verhalten brachte sie zum Nachdenken.

Als sie die Promenade erreichten, setzte Ana sich auf die Kante des Holzstegs und befreite ihre Füße von den Sandkörnern. Anschließend zog sie ihre Sandaletten an, stand jedoch nicht auf. Ihre Füße baumelten eine Handbreit über dem weißen Sand.

»Danke für deine Begleitung, aber ich glaube, den Rest gehe ich allein. Hier sind Leute und richtig dunkel ist es ja auch nicht.«

Der junge Mann sah sie an und Ana dachte einen kurzen Moment lang, Enttäuschung in seinem Gesicht zu sehen. Dann lächelte er aber und Ana überlegte, ob sie sich nicht doch von dem Mann mit diesem charmanten Lächeln nach Hause begleiten lassen wollte. Ehe sie ihre Idee aussprechen konnte, sagte er: »Okay, du hattest heute auch genug männliche Gesellschaft. Pass auf dich auf! Und falls dieser Bento noch einmal auftaucht, schrei ganz laut.«

Er stieg neben Ana auf die Promenade und entfernte sich dann von ihr. Verdutzt schaute sie ihm hinterher. Das war alles? Kein »Sehen wir uns wieder?«, keine Handynummer? Schnell sprang sie auf, stolperte über ihre Füße und lief dem schönsten Rücken, den sie je gesehen hatte, hinterher.

»Warte mal! Wie heißt du eigentlich?«

Der Fremde drehte sich zu ihr um.

»Merio. Mein Name ist Merio.«

»Merio?«, wiederholte Ana. Den Namen hatte sie noch nie gehört.

Er nickte, drehte sich wieder um und setzte seinen Weg fort.

»Möchtest du denn gar nicht wissen, wie ich heiße?« Doch entweder hörte er ihre Worte nicht mehr oder er wollte es einfach nicht. Abermals wunderte sich Ana über sein seltsames Verhalten und sah zu, wie seine Silhouette in dem schwachen Licht der Laternen verschwand. Alles deutete darauf hin, dass der gutaussehende Fremde kein Interesse an ihr hatte. Seufzend wandte auch sie sich um und ging in die entgegengesetzte Richtung.

Vier

Vormittags ging Ana die Treppe hinunter, die von der Wohnung direkt in die Tauchschule im Erdgeschoss führte. Ihre Mutter Helena putzte die Fenster und legte den Abzieher weg, als sie Ana bemerkte.

»Guten Morgen, Queridã! Wie war’s gestern im Basil & Mars? Du siehst ja ganz schön fertig aus.«

»Danke, Mamã! Sowas hört man doch gerne«, antwortete Ana.

Sie hatte nicht viel geschlafen, da die Geschehnisse der letzten Nacht wie ein Tropensturm in ihrem Kopf gewütet hatten. Immer wieder hatte sie Bentos Gesicht vor sich gesehen und die Furcht gespürt, die von ihr Besitz ergriffen hatte. Diese Bilder hatte der geheimnisvolle Fremde irgendwann aus ihren Gedanken verdrängt. Aber auch dieser Traum war nicht angenehm gewesen. Sie hatte Merio gesehen, wie er sich entfernte und nicht auf ihr Rufen reagierte. Er war rückwärtsgegangen, hatte sie angelächelt. Dann hatte er sich ihr doch genähert, um sich kurz darauf wieder zu entfernen. Wie das Meereswasser, das am Strand leckte und sich dann wieder zurückzog. Merio hatte im Traum unerreichbar gewirkt, so wie es auch in der Realität war.

Ernüchtert war Ana aufgewacht und hatte beschlossen, ihren Eltern nichts von den Vorkommnissen zu erzählen. Sie ging davon aus, dass Bento keine Gefahr mehr darstellte, und sie wollte niemandem unnötige Sorgen bereiten. Und von Merio würde sie erst recht nichts erzählen. Von einem Fremden, der mitten in der Nacht in Badeshorts auftauchte, um sie zu retten, der einen seltsamen Namen trug und allem Anschein nach keinen weiteren Kontakt zu ihr haben wollte. Nachher dachten ihre Eltern noch, sie würde Drogen nehmen und halluzinieren.

Daher sagte Ana ganz neutral: »Die Party war ganz gut. Feli und ich haben viel getanzt. Aber es war auch wie immer: Die Einheimischen, die man kennt, waren da und einige Touristen.«

Helena lachte herzlich und Ana konnte verstehen, warum sich ihr Vater damals in ihre Mutter verliebt hatte. Das Lachen ihrer Mutter vertrieb die dunkelsten Gedanken.

»Immerhin konntest du mal was anderes als deinen Neoprenanzug anziehen. Apropos Neopren: Fährst du heute Nachmittag noch mit Papã raus?«

»Nein, Teresa ist heute eingeteilt. Ich möchte später eventuell noch Freitauchen gehen. Mal sehen, wie lange das hier dauert. Womit kann ich dir denn helfen?«

»Die Neoprenschuhe müssten nach Größen sortiert werden, die liegen seit gestern alle durcheinander. Und nebenan steht eine Wanne mit dreckigen Tauchmasken. Kontrollier bitte auch die Tarierjacken. Wir hatten gestern wieder ein paar Kandidaten dabei, die die Bleistücke nicht herausgenommen habe«, antwortete ihre Mutter.

»Wird erledigt«, sagte Ana und ging durch die Verbindungstür in den Raum, wo das Tauchequipment aufbewahrt wurde.

An den Seiten hingen die Neoprenanzüge und Tarierjacken geordnet auf den Bügeln. Darunter befand sich noch eine weitere Stange, die für die Neoprenschuhe vorgesehen war. Diese lagen aber zum Großteil auf dem Boden oder es baumelte nur ein Schuh an dem dafür vorgesehenen Bügel. Bevor Ana sich an die Arbeit machte, öffnete sie die große Flügeltür zum Hafen hin, sodass die Sonne hereinfiel.

Dann tastete sie die Fächer der Tarierjacken ab und fand tatsächlich in einigen Seitentaschen noch Bleistücke. Die meisten Taucher gingen sehr pfleglich mit der geliehenen Ausrüstung um, säuberten sie im Anschluss an den Tauchgang und legten alles dorthin zurück, wo sie es hergenommen hatten. Dennoch gab es auch welche, die unordentlicher waren. Und bei denen konnte selbst Tiago nichts ausrichten, obwohl er die gute Seele der Tauchschule war. Nachdem Ana die Bleistücke in der Box verstaut hatte, kniete sie sich hin und begann die Schuhe zu sortieren.

»Hey Ana!« Feli hielt mit ihrem himmelblauen Fahrrad vor der Tür und stieg ab.

»Feli, du bist schon unterwegs?«, fragte Ana ihre Freundin und umarmte sie zur Begrüßung, als sie den Raum betrat. »Bist du nicht mehr lange auf der Party geblieben?«

»Ach«, winkte Feli ab, »ich habe mich mit Dario gestritten und hatte dann keine Lust mehr. Wann bist du denn abgehauen? Ich habe dich gar nicht mehr gesehen. Und Bento auch nicht.« Ana musste bei der Anspielung schlucken.

»Feli«, fing sie mit zitternder Stimme an, »dieses Schwein hat mich am Strand verfolgt! Er hat mich angegriffen und allein wäre ich der Situation nie entkommen.«

»O Gott!« Feli schlug sich eine Hand vor den Mund und sah Ana erschrocken an, »Ana, das tut mir so unendlich leid! Das hätte ich nie von ihm gedacht! Hat er dir wehgetan?«