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Als ihm ein uraltes Buch in die Hand fällt, das angeblich die Tür zum Tod öffnen kann, plant Daniel, ein letztes Mal Kontakt zu seiner verstorbenen Frau Marie aufzunehmen. Seit ihrem Tod hat er nicht mit der Tatsache leben können, dass ihr letztes Gespräch im Streit endete, ohne sich mit ihr versöhnen zu können. In einer abgelegenen Waldhütte, zu der er und seine Frau zu Lebzeiten ein besonderes Verhältnis gepflegt haben, vollzieht er mit seinem besten Freund Marcel ein antikes Ritual, um seine Frau in der Welt der Toten zu finden und zu sich zu rufen. Er will ein letztes Mal mit ihr sprechen, um gebührend von ihr Abschied nehmen zu können. Doch als Daniel die ersten Worte der Beschwörungsformel intoniert, gerät das Ritual außer Kontrolle und die beiden Freunde realisieren zu ihrem unendlichen Entsetzen, dass manche Türen lieber verschlossen bleiben sollten...
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Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Kai Kistenbrügger
Tür zum Tod
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Impressum neobooks
Gierig leckten die Flammen nach dem trockenen Holz, als Daniel das Zündholz an den sorgsam geschichteten Holzstapel hielt. Nur wenige Minuten später loderte das Feuer hell in dem alten, gemauerten Kamin und tauchte das riesige Wohnzimmer in ein ständig wechselndes Spiel aus Schatten und Licht.
Mit einem zufriedenen Grunzen ließ sich Daniel auf dem abgetretenen Teppich nieder und verschränkte seine Beine zum Schneidersitz. Die Kerzen, die er kreisförmig um sich herum aufgebaut hatte, flackerten kurz auf, bevor sie wieder in ihren ruhigen Takt stetiger Verbrennung zurückfielen.
„Und du bist sicher, dass du die Sache durchziehen willst?“, fragte Marcel. Er hatte sich in den alten Ohrensessel geschwungen, die Beine lose über die Lehne baumelnd, und nuckelte lustlos an seiner Bierflasche. Seine linke Augenbraue hielt er spöttisch hochgezogen; eine kleine, nervige Geste der moralischen Überlegenheit. Bereits auf dem langen Weg in das Blockhaus hatte er keinen Zweifel daran gelassen, was er von Daniel Plan hielt, und schien auch jetzt jede Gelegenheit dazu nutzen zu wollen, seine Meinung unaufgefordert mit Daniel zu teilen.
„Natürlich“, antworte Daniel, ohne selbst auch nur den Hauch eines Zweifels zu spüren. Um ehrlich zu sein, war er sich keiner Sache in seinem Leben jemals so sicher gewesen. Wenn auch nur die kleinste Möglichkeit bestand, noch ein letztes Mal mit Marie sprechen zu dürfen, er hätte ohne zu zögern seine Seele dafür verkauft. Obwohl, wahrscheinlich hatte er genau das gerade vor.
„Mir egal“, brummte Marcel ungnädig, ohne dass es ihm sonderlich egal zu sein schien, „aber hätten wir deinen Hokuspokus nicht wenigstens bei dir abziehen können?“ Er wedelte zerknirscht mit der rechten Hand; eine Geste, die den gesamten Raum umfasste. „Ist es wirklich notwendig, dafür extra in diese gottverlassene Hütte mitten im Wald zu fahren?“
„Ja“, seufzte Daniel resignierend. Er hörte diese Leier nicht zum ersten Mal. „Hier in der Hütte haben wir einige unserer glücklichsten Momente erlebt. Unsere Verlobung. Unsere Flitterwochen. Und hier im Buch steht, dass ein Ort gewählt werden muss, zu dem der oder die Verstorbene zu Lebzeiten eine tiefe emotionale Verbindung verspürt hat.“ Er tippte auf das aufgeschlagene, alte Buch, das direkt vor ihm auf dem Teppich lag. Der Einband aus mürben Leder löste sich bereits an einigen Stellen auf. Auch die handbeschriebenen Seiten sahen so aus, als würden sie jeden Moment zu feinstem Staub zerfallen. Sie raschelten müde, sobald Daniel mit seinen Finger darüberstrich.
Marcel verdrehte die Augen und stöhnte laut auf. „Alter, der Unfall ist jetzt vier Monate her. Mir fehlt Marie auch! Aber sie ist weg. Sie wird nicht zu uns zurückkommen. Irgendwann müssen wir ihren Tod einfach akzeptieren.“ Er stellte seine Bierflasche auf den kleinen Beistelltisch neben dem Sessel und setzte sich auf. „Auch du“, fügte er leise hinzu. Zum ersten Mal wich sein betont cooler Gesichtsausdruck einer Miene, die andeutungsweise so etwas wie Mitgefühl ausdrückte.
