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Siebenundzwanzig Autoren aus Türkheim bringen hier Kurzgeschichten und (Dialekt-) Gedichte. Gesammelt und herausgegeben werden sie von Alois Epple und Ludwig Seitz.
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vom 23. April bis zum 30. Juni 2004 veranstaltete der Arbeitskreis für gemeinsame Kulturarbeit bayerischer Städte e.V. die Veranstaltungsreihe „Die Literaturlandschaften Bayerns“. In diesem Zusammenhang hielt ich am 19. Mai 2004 in der Gemeindebücherei in Türkheim den Vortrag: „Von Türkheimern und über Türkheim“. Bei den Vorbereitungen zeigte sich, dass es, wie in wohl vielen Gemeinden dieser Größe, auch in Türkheim etliche Gedichtemacher und Dichter gibt und gab die zu allen möglichen Anlässen poetisch tätig werden und wurden. Wenige sind (noch) bekannt, etliche sind vergessen.
Es lohnt sich aber, in einer Anthologie, einer Blütenlese, auf sie aufmerksam zu machen, schon um die literarische Vielfalt zu zeigen, die es in einem Ort wie Türkheim gibt.
Vielleicht fehlt der eine oder andere Türkheimer Dichter. Da die meisten dieser musisch Begabten nur einen kleinen Wirkungsradius haben, sind sie vielleicht nur Wenigen bekannt. Wir haben deshalb in der Mindelheimer Zeitung darauf hingewiesen, dass dieses Büchlein im
Entstehen ist und die Türkheimer aufgefordert, uns Dichter zu nennen, damit wir sie ansprechen können. Ein Gedichtemacher konnte auf diesem Weg „entdeckt“ werden.
Schon öfter wird hier von „Türkheimer“ Dichtern gesprochen. Da wird der Leser nun überrascht sein, wenn er als Geburtsort nicht ‚Türkheim‘ liest. Das hängt meistens damit zusammen, dass es in Türkheim schon länger kein Krankenhaus mit Entbindungsstation mehr gibt. ‚Türkheimer‘ Dichter soll sein, wer in Türkheim lebt(e).
Schwierig war die Auswahl aus dem oft umfangreichen Gesamtwerk mancher Dichter. So umfassen die handschriftlichen Reden und Gedichte des Irsingers Thomas Simnacher mehrere hundert Seiten. Hier wurden Gedichte ausgewählt, welche besonders zu Türkheim passen. Es gibt aber auch Autoren, welche bisher nur ein Gedicht schrieben.
Etliche Gedichte beziehen sich auf Familienereignisse wie Hochzeiten und Geburtstage. Es ist nicht nur das konkrete Ereignis, was diese Gedichte lesenswert macht, sondern die Reime, die Aussagen allgemein, die Übertragbarkeit auf ähnliche Ereignisse.
Manchem Autor erscheinen vielleicht sein Porträt zu klein und seine Biographie zu kurz. Es sollte jedoch jedem Autor ungefähr der gleiche Umfang eingeräumt werden. Manchmal musste auch Rücksicht auf die Seitengröße genommen werden.
Die Reihenfolge der Autoren ist alphabetisch, um so eine Bevorzugung oder Benachteiligung von Autoren zu vermeiden.
Ludwig Aurbacher
Adolf Bader
Georg Baur
Joseph Bernhart
Martin Eberle
Alfred Eckert
Hubert Eichheim
Alois Epple
Siegfried Hasler
Jürgen Gnauk
Ferdinand Goßner
Maria Hefele
Anton Höfer
Paula Jakwerth
Oswald Läuterer
Christine Ledermann
Maria Mayer-Günther
Ingrid Nieser
Anton Noder
Hans Ruf
Achim Schregle
Luitpold Schuhwerk
Sieglinde Seegger
Ludwig Seitz
Thomas Simnacher
Georg Weglehner
Hubert Wiedemann
Aus den Jugenderinnerungen
Neben dem fürstlichen Schlosse im schwäbischen Markte Türkheim stand vordem ein kleines unansehnliches Haus, darin eine zahlreiche Familie. Der Hausvater, ein Nagelschmied, arbeitete mit zwei Gesellen und seinem älteren Sohn in der kleinen rußigen Schmiede, wo es von morgens vier Uhr bis abends sieben Uhr lebhaft genug zuging. Desto stiller war es in der engen Stube; hier nähte die Hausmutter, umgeben von zwei bis drei Töchtern nebst einem Lehrmäd-chen, emsig an Visieren (Weiberhauben) und an anderen weiblichen Hauben. Ein Kind lag in der Wiege; ein kleiner Knabe lief ab und zu; die Magd half in gröbern Hausarbeiten bei, wenn sie nicht in dem Stalle zu tun hatte, wo drei Kühe zu füttern und zu pflegen waren. So gab’s denn bei der Morgen- und Abendsuppe und zu Mittag immer eine zahlreiche Tischgesellschaft, und an Appetit fehlte es auch nicht, den jedoch die wackere Hausmutter zu befriedigen wußte. […]
In diesem Hause ward ich geboren am 26. August 1784. Mein Vater, der billigerweise sich um jedenneuen Ankömmling freudig annahm, unterließ nicht, den Geburtstag in seinem Kalender zu bemerken und sogleich das Himmelszeichen in der astrologischen Tabelle nebst dem Prognostikon nachzusehen […] Die weitere Sorge war ihm, wie mir erzählt worden, dem Kinde einen Namen zu schöpfen. Als der nächste im Bauernkalender stand ihm Augustinus (28. August), der auch sofort von der Mutter gutgeheißen wurde. Der bedächtige Mann aber, wie er nochmal einen Blick in den Kalender geworfen, fand späterhin einen näherliegenden, höherstehenden königlichen Namen, Ludovikus (25. August), und so wurde ich denn ohne Mitwissen meiner Mutter Ludwig getauft, ein Name, der in der Gemeinde und Umgegend unbekannt war. […]
Der alte Schulmeister, zugleich Mesner und Organist, sah das Schulhalten selbst nur als eine lästige Verpflichtung an, und wenn er auch inmitten von vierzig bis sechzig Kindern verschiedenen Alters und Geschlechtes saß, so war dessen einzige Beschäftigung, Zucht zu halten und die Kinder der Reihe nach „aufsagen“ zu lassen, was sie selbst gelernt haben.
aus: „Jugenderinnerungen“ (Aurbachers Autograph liegt in der Bay. Staatsbibliothek, Handschriftensammlung)
Wie die Sieben Schwaben den Strauß bestehen
Da es nun aber an dem ist, daß ich dir, günstiger Leser, das größte und gefährlichste Abenteuer erzählen soll, welches die Sieben Schwaben bestanden: so befinde ich mich in keiner kleinen Verlegenheit, wie ich die Sache der Wahrheit gemäß darstellen soll. Denn weil ich die Tat, leider! nicht selbst mitgetan, so mußte ich sie eben von jenen vernehmen, die, wie verlautet, dabei gewesen; absonderlich von dem Seehasen, dem Anführer der Helden und dem Verkünder ihres Heldentums. Der aber, wie du weißt, ist ein Erzlügner gewesen, ein Windbeutel, ein Ploderer, ein Mährensager von Haus aus. Und die übrigen, mit Respekt zu melden! Verdienen wohl ebensowenig Glauben; denn jeder, wie leicht zu vermuten, wird nur zu eigenen Gunsten erzählet, und seinen Part am Abenteuer herausgestrichen haben. In solcher Not, was soll der Geschichtsschreiber tun? Ohne Zweifel das Beste. Und so will ich denn die Historie also nehmen und geben, wie sie mir als die natürlichste und wahrhaftigste erscheint. Andere machen es auch nicht anders im andern. – Es sei also kund und zu wissen, wie daß die Sieben Schwaben in den Strauß zogen, hübsch langsam voran gegen den Busch zu, wo, wie der Seehas sagte, der Drach sein Nest hatte. Als sie schon ganz nahe waren, sagte der Spiegelschwab: Mich grimmt’s im Bauch, und ich muß abseiten. Das wollte der Allgäuer nicht leiden , und er sagte: es sollte mit den andern mitmachen, und nicht apart tun. Der Spiegelschwab versetzte: er wolle ja nur spionieren gehen, wo das Tier stecke. Laß es stecken, sagte der Allgäuer, wo es steckt, und bleib‘ sag‘ ich. Jetzt seid stät, und haltet‘s Maul, rief der Seehas, und lugt und los’t. Und wie sie nun gegen den Busch weiter vordringen, und lugen und losen, siehe da liegt ein Has im Busch, der lugt und los’t auch, und macht ein Männle und erschrickt, und lauft davon. Die Sieben Schwben aber blieben stehen ganz erstaunt und erstarrt. Hast’s gesehn, hast’s gesehn? rief einer um den andern; und es war so groß wie ein Pudelhund – wie ein Mastochs – wie ein Trampeltier, sagte einer um den andern. Bygost! sagte zuletzt der Allgäuer, wenn das kein Has gewesen, so weiß ich den Grünten von keinem Büchel zu unterscheiden. Nun ja, Has hin, Has her! Sagte der Seehas; ein Seehas ist halt größer und grimmiger, als alle Hasen im heiligen deutschen Reich, Und das hat er gut gemacht. –
Dieses Tiergeschlecht aber, mein‘ ich, wird seit der Zeit wohl ausgestorben sein, wie die Mammuts.
Das letzte Kapitel, womit aber die Geschichte von den Sieben Schwaben noch nicht aus ist
Was aus den andern Gespanen geworden, und welche Abenteuer insbesondere der Spiegelschwab noch weiter gehabt, davon handelt ein eigenes Büchlein.Hier sei nur vom Blitzschwaben in Kürze gemeldet, wie daß der Spruch der Zigeunerin an ihm nicht wahr geworden sei, sondern es ist gerade das Gegenteil geschehen, denn er hatte ihren bösen Zauber zerstört. Und er ist, versprochenermaßen, dem Kätherle aus der Grafschaft Schwabeck auf die Kirbe gekommen, und sie sind Mann und Weib geworden, und haben viele Kinder erzeugt, und ein langes, langes Leben geführt in Fried und Einigkeit. Und der dies schreibt, stammt von ihnen her, und sie sind seine Guk-Guk-Ähnle gewesen.
aus: „Die Abenteuer der Sieben Schwaben“
aus: „Schriftproben in oberschwäbischer Mundart“
Ludwig Aurbacher wurde 1784 in Türkheim geboren. Er sollte Priester werden. Die Säkularisation verhinderte, dass er in Ottobeuren Benediktiner wurde. Er kam nach München und wurde dort Professor im kgl. Kadettenchor und gehörte dort zum spätromantischen Kreis. Aurbacher starb 1847 in München.
Literatur von Ludwig Aurbacher: Aurbacher hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk, welches zurzeit von Alois Epple kommentiert herausgegeben wird (vgl. Epple, Alois (Hrsg.): Ludwig Aurbacher)
Literatur zu Ludwig Aurbacher: Eine Zusammenfassung mit Literaturangaben findet sich bei Epple; Alois: Der schwäbische Volksschriftsteller Ludwig Auracher, in: Literatur in Bayern, Nr. 73, 2003; ver-schiedene Aufsätze von Alois Epple, in: Pesch, Dorothee u.a. (Hrsg.): Die Sieben Schwaben, Oberschönenfeld 2013
Willkommen
Im weitgedehnten Wertachtale An
leichte Höhen hingeschmiegt,
In reichen Fruchtlands grüner Schale
Mein Heimatort, mein Türkheim, liegt.
Sein hoher Turm glänzt in die Weiten
Hinaus als wie von Elfenbein,
Winkt freundlich hin nach allen Seiten:
„Grüß Gott Dich, Wand’rer, nur herein!“
Und kommst Du in den Markt gezogen,
Gleich bieten stattlich sich zur ‚Schau
Des „Ludwigstores“ stolzer Bogen,
Des einst’gen „Fürstenschlosses“ Bau.
Noch höher wird das Herz gehoben,
Durch mächt’ger Gotteshäuser Pracht,
Wo, von des Himmels Hauch umwoben,
Gebet und Sang wird dargebracht.
Wie herrlich ferner sind die Stätten
Der Jugend Unterricht geweiht!
Auch Charitas hält, wohl vertreten,
„Spital“ und „Krankenheim“ bereit.
Und all‘ die Häuser sonst, gelegen In
Gärten schmuck und dufterfüllt, An
breiten, wohlgepflegten Wegen –
So zeigt sich Türkheim’s Straßenbild.
Sind uns’re „Berge“ zwar nur Hügel,
Wird doch von ihnen aus geseh’n
Ein Panorama, dessen Flügel
Nach Osten weit und Westen geh’n
Siehst Du in reichem Blütenbette
Türkheim vor Dir von solcher Höh’,
Und strahlt der Alpenzinnen Kette
Im Hintergrund, im Firnenschnee:
Dann hängt Dein Auge hochentzücket
An dieses Bildes Zauberpracht,
Und wahre Freude Dich beglücket,
daß Türkheim Du Besuch gemacht.
aus: Bader, Adolf: Türkheim und seine
Umgebung, Türkheim 1902 (Selbstverlag)
Adolf Bader wurde am 15. Mai 1852 in Türkheim geboren. Er war Inhaber eines Lebensmittel- und Gemischtwarengeschäftes mit Drogerie und Weinstube in der Maximilian-Philipp-Straße 1. Er starb am 6. November 1904 in Türkheim.
Adolf Bader wollte Türkheim zu einem Zentrum der Kneippkur machen, da im benachbarten Wörishofen Sebastian Kneipp wirkte, die Kurgäste dort jedoch nicht alle standesgemäß untergebracht werden konnten. Aus diesem Grunde brachte er auch im Selbstverlag einen „Führer durch Türkheim und seine Umgebung“ heraus, welcher mit dem Gedicht „Willkommen“ beginnt. Der Prospekt verkaufte sich allerdings recht schlecht und ein Großteil der Auflage wurde eingestampft. Bader ließ auch auf der Römerschanze einen „Pilz“, einen Aussichtsplatz errichten. Von hier aus zeichnete er ein Panorama der Alpengipfel, welches ebenfalls in Baders Prospekt abgedruckt ist. Der Türkheimer Arzt und Dichter Anton Noder (A de Nora) schreibt in diesem Zusammenhang über Adolf Bader: „Ein biederer, zuvorkommender Bürger hat an der Stelle … einen Holzschirm über einer Bank errichten lassen … und in sehr viel Wochen und Monde oben gesessen… Er entwarf nämlich ein mühsam genaues Bild all der Berggipfel.
Literatur von Adolf Bader: Bader, Adolf: Türkheim und seine Umgebung, Türkheim 1902 (Selbstverlag)
Literatur zu Adolf Bader: Zum 100. Todesjahr von Georg Bader, in: Türkheimer Heimatblätter 28, 1997; Die Türkheimer Krippenindustrie, in: Türkheimer Heimatblätter 54, 2004; Epple, Alois: Krippen in Türkheim, Türkheim 2007
„Gott segne das ehrbare Handwerk!“
Willst Schmied- und Treibarbeit Du haben,
so geh’ zum rheinlandfrohen Schwaben.
Für Kirche, Schule, Friedhof, Heim,
macht er in Eisen, Alu - fein -,
sowie in Messing und in Kupfer,
für Edelleut’ und arme Hupfer,
für Bürgersmann, Prolet und Ritter,
manch’ Türbeschläg’ und Fenstergitter.
Auch Lampen, Kreuze, Blumenhalter, -
‚ne Augenweid’ für jedes Alter - nach
eig’ner und gebrachter Skizze,
am Schraubstock und mit Feuers Hitze.
„Au bäschtlet nette Winsch’ im Reim
für alle Zweck,
dr „Versleschmied“ am Keltaweag, gar
fein und keck!“
Eine Amtsgerichtsverhandlung in Türkheim
Vor dem Strafrichter stand der Angeklagte Sch. v. J., genannt „d’Dudl“ (ein Trinkgefäß). Seine Straftaten bestanden aus Wildfrevel, verbotenem Fischen, Fangen von Fröschen und dergleichen.
Der Richter geiselte mit scharfen Worten seine Taten, trotz wiederholten Strafen; besonders aber das Verhalten der Bevölkerung, die ihm immer wieder abkaufte, obwohl sie wusste, dass alles durch Unrecht erworben war und dass auch diese gehörig bestraft werden musste. Hierauf Dudls Antwort: „Ja, und das beste Geschäft mach ich mit Ihrer Frau.“ Großes Entsetzen bei dem Richter. (Mitgeteilt von Otto Drexel).
Genannter d’Dudl kehrte sehr gern in der alten „Krone“ in Türkheim ein. Das Wirtstöchterlein bat ihn wiederholt um einen Laubfrosch. Als er wieder einmal kam, beteuerte er: „Ja Mariele, ich hau nächt oin gfange und weiß gar it, waun’r über Nacht hikomme ischt.“ Kurze Zeit später bemerkte er, dass ihn der Stiefel drücke.
Nachdem er denselben ausgezogen, kam der Laubfrosch ans Tageslicht, aber so, dass ihn das Mariele nicht mehr wollte. (Mitgeteilt von Maria Drexel.)
Der Haffa:
Dieser baute das Haus Stiegeler über der Wertachbrücke. Wenn der Bittgang am Kreuz-Montag nach Amberg geht, wird der Fußweg links der Straße benützt. Das war der Anreiz für Haffa zu folgender Tat: Vor dem Anwesen Assner war auf hoher Stange ein Windrädchen angebracht, das der frische Morgenwind lustig surren ließ. Auf dem Fußweg waren im Abstand von 10 – 15 m Pfählchen eingeschlagen, die etwa daumenlang aus dem Boden hervorragten. Alle Augenblicke stolperten die frommen Beter, welche das Windrädchen beschauten.
(Erzählt von Franz Xaver Adorno.)
