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Faszinierende Reise durch das authentische Mexiko - Typisch Mexiko: Die perfekte Einführung in das wundervoll vielfältige Land - Alle Facetten Mexikos: Geschichte, indigene Kulturen, Kulinarik, Musik, Kunst & Fiestas - Atmosphärische Bilder & informative Texte in farbenfrohem Layout - Das optimale Geschenk-Buch für alle Mexiko-Fans & -Reisenden Sehen, erleben, staunen: Entdecken Sie das vielseitige Mexiko! Alte Maya-Ruinen, bunte Feste und atemberaubende Landschaften – Mexiko hat so viel mehr zu bieten als Mariachi und Tequila! Dieses außergewöhnliche Reisebuch bringt Ihnen Mexiko in all seiner Komplexität und Einzigartigkeit näher. Erleben Sie pulsierende Metropolen wie Mexiko-Stadt oder Guadalajara, lernen Sie die lebendige Kunstszene und die gastfreundlichen Menschen kennen und erfahren Sie mehr über die jahrhundertealten Traditionen der indigenen Kulturen und die Vielfalt der mexikanischen Küche. Das farbenprächtige Layout spiegelt die Lebensfreude Mexikos wider und lässt Sie tief in die Kultur des Landes eintauchen. Detailliert, aber kurzweilig begleitet Sie das Mexiko-Buch bei Ihrer Vorbereitung auf die nächste Mexiko-Reise, bringt Sie gedanklich zurück in Ihren Mexiko-Urlaub oder stillt einfach nur Ihr Fernweh nach dem faszinierenden Land der Maya und Azteken. ¡Viva México! – Lassen Sie sich von Mexiko, seinen Traditionen und seinem Lebensgefühl begeistern!
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Seitenzahl: 215
Veröffentlichungsjahr: 2024
¡Bienvenido a México!
MEXIKO STELLT SICH VOR
Auf der Karte: Mexikos Bundesstaaten
Landschaften
Flora und Fauna
Im Fokus: Mexikos Wappen
Leben auf dem Land
Urbane Lebensstile
Auf der Karte: Wichtige Städte
Im Fokus: Magische Orte
Eine kurze Geschichte Mexikos
Im Fokus: Die Legende von La Malinche
GESELLSCHAFT
Mexikos Menschen
Indigene Überlieferungen
Sprachen
Auf der Karte: Indigene Sprachen
Familienbande
Im Fokus: Hausmittel
Religion und Spiritualität
Kirchen
Auf der Karte: Indigene Rituale
Im Fokus: Los Voladores
Mexiko und die USA
ESSEN UND TRINKEN
Kulinarische Wurzeln
Traditionelle Gerichte
Auf der Karte: Chilis
Esskultur
Im Fokus: Zeit für Tacos
Weltküche
Im Fokus: Kakao
Sprirituosen und Biere
Auf der Karte: Spirituosen
Im Fokus: Margarita-Mythen
Trinkkultur
Besondere Getränke
UNTERHALTUNG
Musik
Auf der Karte: Musikstile
Im Fokus: Corridos Tumbados
Film und Filmstars
Kultfilme
Die Fernsehlandschaft
Beliebte TV-Shows
Humor
Sport
Im Fokus: Die máscaras des Lucha Libre
Tanzstile
Auf der Karte: Tänze
KUNST UND KULTUR
Kunstgeschichte
Ikonische Kunstwerke
Im Fokus: Frida Kahlo
Kunsthandwerk
Auf der Karte: Traditionelles Handwerk
Im Fokus: Alebrijes
Literaturgeschichte
Architektur und Baustile
Bedeutende Bauwerke
Im Fokus: Plazas
FESTE UND FEIERN
Der Toten gedenken
Auf der Karte: Tag der Toten
Im Fokus: La Catrina
Katholische Feste
Auf der Karte: Indigene Feste
Im Fokus: Karneval in Coyolillo
Familienfeste
Nationalstolz
Moderne Festivals
Im Fokus: Año Nuevo
Danksagung und Bildnachweise
Ein Bauer reitet durch ein Agavenfeld im Bundesstaat Jalisco im Westen Mexikos.
Selbst wenn Sie Mexiko ein Leben lang bereisen würden, wäre es schwierig, das Land in seiner ganzen Fülle zu entdecken und zu erfassen. Mexiko ist das größte spanischsprachige Land der Welt, und seine jahrtausendealte Geschichte führt bis zu den großen mesoamerikanischen Reichen zurück. Es bildet eine physische und kulturelle Brücke zwischen Nord- und Mittelamerika. Seine Landschaften umfassen schneebedeckte Berge, goldene Wüsten und tropische Regenwälder, seine Bundesstaaten eine Vielzahl an Sprachen, Küchen und Klimazonen.
Mexikos Vielschichtigkeit ist ein Grund, warum das Land oft verzerrt dargestellt wird. Berichte über Konflikte und Korruption überschatten die hellen Seiten, und typisch mexikanische Symbole wie Tacos, Tequila und Sombreros stehen für Kommerzialisierung und verengen den Blick auf seine reiche Kultur. In seiner schieren Größe und Vielfalt entzieht sich Mexiko einfachen Erklärungen. Mit Typisch Mexiko feiern wir die Vielfalt des Landes. In Themenkapiteln stellen wir Mexiko unter verschiedenen Aspekten vor: Wie die Geschichte die Gegenwart prägt – ob bei indigenen Gruppen, die ihre Verbundenheit mit dem Land zelebrieren, oder großen katholischen Festen. Wie unterschiedlich der Tag der Toten in den einzelnen Regionen gefeiert wird. Wie mexikanische Speisen die Welt eroberten – und wie stilbildend Filmschaffende auf den internationalen Film wirk(t)en.
Am Ende werden Sie wie wir bis über beide Ohren in dieses wunderbare Land verliebt sein. So wie die stolzen Mexikaner, die bei den Feiern am Tag der Unabhängigkeit laut »¡Viva México!« rufen – Lang lebe Mexiko!
Feierlaune in den Straßen am Tag der Unabhängigkeit in Guanajuato
Mexiko, amtlich die Vereinigten Mexikanischen Staaten, liegt im südlichen Nordamerika. Mehr als die Hälfte der über 130 Millionen Einwohner lebt in und nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt (Ciudad de México), der Norden und der Süden sind dagegen nur dünn besiedelt. Mit einer Fläche von mehr als 1,9 Millionen Quadratkilometern ist Mexiko das fünftgrößte Land Amerikas, weltweit rangiert es auf Platz 14. Mexiko erstreckt sich über vier Zeitzonen, besteht aus dem Bundesdistrikt Mexiko-Stadt und 31 Bundesstaaten. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten vor.
Die lange schmale Halbinsel im Nordwesten Mexikos wird von den beiden Bundesstaaten Baja California mit rund 3,8 Millionen Einwohnern und Baja California Sur mit etwa 880 000 Einwohnern eingenommen. Die Region besitzt eine florierende Landwirtschaft und Fischereiindustrie.
Chihuahua liegt im nördlichen Mexiko auf einer Ebene, die zum Rio Grande hin abfällt. Mexikos flächenmäßig größter Bundesstaat zählt fast 3,8 Millionen Einwohner, ist für seine Viehzucht sowie als Heimat der indigenen Rarámuri bekannt.
In Jalisco im Westen Mexikos leben knapp neun Millionen Menschen. Der Bundesstaat besitzt ein reiches kulturelles Erbe. Hier befindet sich nicht nur die Wiege des Mariachi und des Tequila, sondern auch anderer typisch mexikanischer Traditionen wie der Tänze El son de la negra und El jarabe tapatío.
Nuevo León ist dank seiner leistungsstarken Industrie einer der reichsten Bundesstaaten. In Monterrey, der größten Stadt, sind Stahlwerke und eine bedeutende Textilindustrie ansässig. Das trockene Klima und die Wüstenlandschaften im Norden stehen im starken Kontrast zu den Bergen und subtropischen Tälern im Süden.
Campeche liegt auf der Halbinsel Yucatán am Golf von Mexiko. Zusammen mit den beiden anderen Bundesstaaten auf Yucatán – das gleichnamige Yucatán und Quintana Roo – bewahrt Campeche ein reiches Erbe der Maya. Hier finden sich archäologische Stätten wie Calakmul im Biosphärenreservat Calakmul.
México (zur besseren Unterscheidung vom gesamten Staat Mexiko manchmal auch Edomex genannt) ist der am dichtesten besiedelte mexikanische Bundesstaat. Die Region gehörte einst zum Kernland des großen Aztekenreichs. Heute bildet sie das Umland der Hauptstadt Mexiko-Stadt.
Die Bundesstaaten im Süden sind in der Regel ärmer als die im wohlhabenden Norden. Einer der ärmsten ist der ethnisch besonders vielfältige Bundesstaat Oaxaca. Rund zwei Fünftel seiner vier Millionen Einwohner sprechen indigene Sprachen. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft und der Bergbau.
Mexiko ist weniger ein Land als vielmehr ein kleiner Kontinent, dessen herrliche Landschaften Regenwälder, Mangrovenlagunen, Wüsten, Küstenriffe und schneebedeckte Gipfel umfassen.
Die riesige Landfläche Mexikos versammelt eine spektakuläre Bandbreite von Landschaften und Klimazonen. Das Land liegt zwischen den USA und Zentralamerika, wobei der nördliche Wendekreis durch den Bundesstaat Baja California verläuft. Während im Norden trockenes oder Wüstenklima vorherrscht, ist der Süden tropisch.
Mehr als die Hälfte der mexikanischen Landfläche ist trocken, wobei vor allem im Norden weite Teile aus Buschland bestehen. Mexikos heißeste Wüste, die Sonora, zieht sich als staubige Zunge über den größten Teil der Halbinsel Baja California und den Bundesstaat Sonora östlich des Golfs von Kalifornien. Ihre Schwester, die Chihuahua-Wüste, liegt etwas weiter östlich. Hier sorgen stärkere Regenfälle für wogendes Grasland und farbenprächtige endemische Kakteen – eine mexikanische Bilderbuchwüste vor den Bergen in der Ferne.
In der Chihuahua-Wüste im nördlichen Mexiko gedeihen mehr als 2000 Pflanzenarten.
Mexiko wird der Länge nach von einer Reihe zerklüfteter Gebirge durchzogen; rund die Hälfte des Landes liegt mindestens 1000 Meter hoch. Im Landesinneren erstreckt sich die zentralmexikanische Hochebene zwischen der Sierra Madre Occidental im Westen und der Sierra Madre Oriental im Osten. Zur Sierra Madre Occidental gehört die Sierra del Tigre mit ihren einzigartigen »Himmelsinseln«: Berge, die in den Höhenlagen ganz andere Habitate aufweisen als zu ihren Füßen. Dank ihrer reichhaltigen Schwemm- und vulkanischen Böden sowie der regelmäßigen Niederschläge fungiert die Hochebene als Mexikos tortilleria – hier werden 60 Prozent des Maises und ein Großteil der Avocados des Landes produziert.
Die Barranca del Cobre (Kupferschlucht) in der Sierra Madre Occidental
Im Hochland und in den Schluchten der Berge des Filo Mayor im südlichen Bundesstaat Guerrero wächst überall roter und violetter Schlafmohn. Hier, wo die verarmten Bauern Opiumpaste an die Kartelle liefern, liegt der Startpunkt des äußerst lukrativen Heroinhandels.
Im Nordosten in der Sierra Madre Oriental befindet sich der schlafende Vulkan Pico de Orizaba – der höchste Berg des Landes und der dritthöchste Nordamerikas fällt zum azurblauen Meer an der mexikanischen Riviera ab.
Mexikos Küsten sind insgesamt mehr als 10 000 Kilometer lang. Typisch für die Pazifikseite im Westen und Süden sind kleine vorgelagerte Inseln und felsige Kaps wie am Golf von Kalifornien. Dieses riesige, lang gestreckte Nebenmeer wird auch häufig als »Aquarium der Welt« bezeichnet, und seine türkisblauen Gewässer suchen viele Walhaie auf, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. Im Nordwesten liegt die besonders artenreiche Halbinsel Baja California, im Südosten trennt die Küstenhalbinsel Yucatán die smaragdgrün schimmernden Gewässer und goldenen Strände der Karibik vom weiten Golf von Mexiko.
Weiter im Landesinneren breiten sich Salzlagunen, Mangrovensümpfe und andere empfindliche Feuchtgebiete aus. Mexikos Mangrovenwälder wie die der Chacahua-Lagune im Süden gehören zu den produktivsten Ökosystemen der Welt. Im brackigen Wasser dienen die Wurzeln der Mangroven als Kinderstube für Fische und Krebstiere, im Astwerk darüber leben Vögel und Affen. Vor allem durch die Erwärmung der Meere und die Erschließung der Küsten sind diese Wälder mittlerweile stark gefährdet. Um sie zu erhalten bzw. aufzuforsten, werden von den Küstenbewohnern der Halbinsel Yucatán und anderer Regionen Mangroven gepflanzt und unermüdlich gepflegt.
Mexikos tropische Regenwälder sind ähnlich gefährdet: Weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Bestandes sind heute noch vorhanden. Der größte verbliebene Regenwald Nordamerikas ist der mächtige Lacandón, der sich von Chiapas bis nach Guatemala erstreckt. Im Lacandón leben über 30 Prozent aller Vogel- und 25 Prozent aller Säugetierarten des Landes. Am Ufer des breiten Río Usumacinta am Südrand des Lacandón erheben sich die Ruinen historischer Maya-Städte wie Yaxchilán.
Die Küste der Riviera Maya auf der Halbinsel Yucatán
Ruine in Yaxchilán am Ufer des Río Usumacinta
Weite Wälder erstrecken sich auch auf Yucatán. Unterwegs im Landesinneren der Halbinsel fühlt man sich wie in einem Schöpfungsmythos der Maya – tatsächlich war die Region das Kernland dieser alten Kultur. Hier und da ragen im tropischen Urwald Ruinen auf wie die der Pyramiden von Chichén Itzá und von Calakmul. Die mehr als 6000 Cenotes – Karsthöhlen, die zu einem Netz unterirdischer Flüsse führen – waren in der indigenen Glaubensvorstellung der Eingang zur Unterwelt.
Mexikos Meere werden wärmer
Der Klimawandel könnte sich verheerend auf Mexikos Küstensiedlungen und -ökosysteme auswirken. Im Golf von Mexiko sind die Temperaturen weit schneller gestiegen als im globalen Durchschnitt, was die Lebensgrundlage der Küstengemeinden gefährdet. So hat sich beispielsweise die Zahl der Überschwemmungen in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Während Klimaforscher den Golf beobachten, um die Auswirkungen der Meereserwärmung besser zu verstehen, drängen lokale Aktivisten auf verstärkte Investionen in eine klimaresistente Küsteninfrastruktur.
1 Der Axolotl hat gefiederte Kiemen und Schwimmhäute an den Füßen.
2 Die Kaktusfeigen der nopales finden in der mexikanischen Küche vielseitige Verwendung.
3 Einzigartig und furchtlos: Xoloitzcuintle
4 Lila blühende Jacaranda-Bäume
5 Der Steinadler ist das Nationaltier Mexikos.
Angesichts seiner vielen verschiedenen Landschaften ist es nicht verwunderlich, dass Mexiko mehr als zehn Prozent der weltweit bekannten Spezies und fast alle Arten von natürlichen Lebensräumen aufweist. Ein paar der seltensten und bemerkenswertesten Bewohner des Landes stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor.
Der niedliche Axolotl ist in Mexiko so beliebt, dass er auf der 50-Peso-Note abgebildet ist – die viele deshalb anfangs gar nicht ausgeben wollten. Da Axolotl nur in den Xochimilco-Kanälen in Mexiko-Stadt vorkommen und einst zum Speiseplan der Azteken gehörten, leben nur noch wenige in freier Wildbahn. Es gibt jedoch große Bemühungen, die vom Aussterben bedrohte Schwanzlurchart zu erhalten.
Kakteen gibt es in allen Formen und Größen. In Mexiko wächst fast die Hälfte der weltweiten Kakteenarten, und die meisten davon sind endemisch. Von den hohen saguaros der Sonora-Wüste im Norden über Feigenkakteen oder nopales mit ihren verzehrbaren Früchten und Blättern bis hin zu den winzigen Topfpflanzen, die auf sonnigen Fensterbänken im ganzen Land gedeihen, sind diese stacheligen Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes eng mit dem Land und seiner Kultur verwurzelt.
Die »mexikanischen Nackthunde« oder auch kurz xolos genannten Xoloitzcuintle sind mit dem chichimekischen Todesgott verbunden und werden seit mesoamerikanischer Zeit verehrt, als man glaubte, dass sie die Seelen durch Mictlán – die Unterwelt und den Ort der Toten – führten. In Mexiko werden sie auch als Haustiere gehalten, denen man zum Wärmen Wollpullover oder bestickte blusas anzieht.
In Mexiko-Stadt sind die im Frühjahr lila blühenden Bäume eine Augenweide. Jacarandas wurden im 20. Jahrhundert in der Amtszeit Porfirio Díaz’ von einem japanischen Gärtner ins Land gebracht, der in der Gunst des Präsidenten stand. Heute sind Jacarandas ein Wahrzeichen der Hauptstadt, wo sie viele Straßen säumen.
Die Geschichte des Steinadlers als Symboltier geht auf das Aztekenreich zurück. Der Vogel verkörpert (auch auf der Staatsflagge) die mexikanische Identität, steht für Stärke und Mut. Selbst das Fußballteam Club Ámerica in Mexiko-Stadt hat ein Adlermaskottchen namens Celeste, das vor jedem Spiel auftritt. In freier Wildbahn trifft man Steinadler vor allem in den trockenen Gebieten der nördlichen und zentralen Bundesstaaten an.
Jeden Winter wandern die Monarchfalter von den nördlichen Regionen Nordamerikas in die feuchten Wälder Zentralmexikos. Die Schmetterlinge, die von einigen indigenen Gruppen als die Seelen der zurückkehrenden Verstorbenen angesehen werden, bieten ein beeindruckendes Schauspiel: In ihrer schieren Menge färben sie den Himmel und die Bäume orange, und unter dem Gewicht ihrer Massen biegen sich die Äste. Der Lebensraum der Monarchfalter ist zwar sogar in dem nach ihnen benannten mexikanischen Biosphärenreservat Mariposa Monarca durch Abholzungen bedroht, doch bislang konnten sie überleben.
Im deutschen Sprachraum als Tagetes bekannt, sind cempasúchiles (von der Aztekensprache Nahuatl: cempōhualxōchitl) vor allem mit dem Tag der Toten verbunden und werden hauptsächlich in Zentralmexiko angebaut. Ihr starker Duft und ihre meist tieforangefarbenen Blütenblätter sollen den Toten helfen, in das Land der Lebenden zurückzufinden. Außer auf den Altären zum Día de los Muertos werden die in Mexiko endemischen cempasúchiles zum Färben von Textilien, zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und zum Aromatisieren von Eiscreme verwendet.
Die Blaue Agave oder Agave tequilana ist eng verwandt mit den dornigen Agaven oder magueyes, aus denen Mezcal hergestellt wird – aus ihr wird jedoch exzellenter Tequila erzeugt. Die riesige Pflanze, die vor allem im Bundesstaat Jalisco, aber auch in Colima, Nayarit und Aguascalientes beheimatet ist und dort angebaut wird, hat fleischige, scharfkantige pencas (Blätter) und eine piña (Herz). Deren Saft wird zu Tequila destilliert. Aus den pencas und dem Herz werden auch Textilien (beispielsweise veganes Leder) und Sirup produziert.
In ganz Mexiko ist der zähnefletschende Jaguar präsent: als Maske, in der Mythologie, bei der danza de los tecuanes (Tanz der Jaguare) und in den Kulturen der Zapoteken, Maya und Azteken als spiritueller Führer oder Gott. In freier Wildbahn ist die größte Raubkatze Amerikas am häufigsten in den weiten Ebenen und Wäldern der Halbinsel Yucatán anzutreffen.
Die berühmteste ahuehuete oder Mexikanische Zypresse steht in Oaxaca im Dorf Santa María del Tule – der árbol del Tule hat einen Umfang von fast 45 Metern und soll mehr als 2000 Jahre alt sein. Diese Giganten findet man überall, wo es für sie genügend Wasser gibt. Einer populären Legende zufolge weinte der Konquistador Hernán Cortés unter einer ahuehuete – dem Nationalbaum Mexikos –, nachdem er eine entscheidende Schlacht gegen die Mexica im Tal von Mexiko verloren hatte.
6 Monarchfalter flattern zwischen den Bäumen.
7 Die cempasúchil genannte Tagetes ist die Symbolblume am Tag der Toten.
8 Riesige Agaves azules gedeihen in der Wüste von Guadelajara.
9 Ein Jaguar pirscht durch das Unterholz.
10 Die ahuehuete oder Mexikanische Zypresse ist der Nationalbaum des Landes.
IM FOKUS
MEXIKOS WAPPEN
In Mexiko besitzen Flora und Fauna große kulturelle Bedeutung, sowohl als Symbole der nationalen Identität als auch in den indigenen Überlieferungen. Mexikos Wappen, das auf der Flagge des Landes prangt, spiegelt diese Bedeutung wider. Es zeigt einen Adler, der auf einem Feigenkaktus sitzt und eine Schlange im Schnabel hält. Das Nationalemblem geht auf den Gründungsmythos von Tenochtitlán zurück, der Hauptstadt des Aztekenreichs.
Der Legende zufolge verließen die Azteken die Stadt Aztlán, die im Nordwesten Mexikos gelegen haben soll, um sich an einem anderen Ort neu anzusiedeln. Der aztekische Sonnen- und Kriegsgott Huitzilopochtli wies sie an, sich dort niederzulassen, wo sie einen Adler sahen, der auf einem Kaktus sitzend eine Schlange fraß. Nachdem die Azteken durch unwirtliche Gegenden gezogen waren, erreichten sie um 1325 das Tal von Mexiko. Hier entdeckten sie das geweissagte Zeichen auf einer kleinen Insel inmitten des Texcoco-Sees, auf der sie Tenochtitlán gründeten. Wenige Jahrhunderte später eroberten die spanischen Konquistadoren die zu einer großen Stadt herangewachsene Siedlung, die zu Mexiko-Stadt wurde.
Das Nationalemblem ziert seit 1968 die Flagge Mexikos. Deren Farben – Grün, Weiß und Rot – haben sich seit 1821 nicht geändert, doch ihre Bedeutung hat sich im Lauf der Zeit gewandelt. Ursprünglich stand Grün für die Unabhängigkeit, Weiß für Religion und Rot für die Union. Da Mexiko seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein laizistischer Staat ist, stehen die Farben heute für Hoffnung, Einheit und das Blut der Helden, die für die Unabhängigkeit kämpften.
Aztekische »schwimmende Felder« (llustration um 1900)
Seit Jahrtausenden sind die Menschen in Mexiko eng mit dem Land verbunden – diese Bindung besteht auch heute noch. Abseits der Städte bildeten die Bauern starke Gemeinschaften, um die Herausforderungen des Landlebens zu meistern.
Seit der Zeit des Aztekenreichs, dessen Bewohner ausgeklügelte Anbaumethoden entwickelten, sind die Landwirtschaft und das bäuerliche Leben auf dem Land für Mexikos Kultur und Wirtschaft von zentraler Bedeutung.
Einfallsreichtum und Anpassung waren typisch für die Landwirtschaft der Azteken. Sie entwickelten eine Vielzahl innovativer Methoden, u. a. künstliche Inseln (»schwimmende Felder«), mithilfe derer sie auf dem sumpfigen Boden im Tal von Mexiko Gemüse anbauen konnten. Das Aztekenreich bestand aus drei bevölkerungsreichen Stadtstaaten (darunter die Hauptstadt Tenochtitlán mit 200 000 Einwohnern) sowie einem Flickenteppich aus kleinen, bäuerlichen Gemeinschaften. Diese wurden von den mācēhualtin verwaltet, der Klasse der freien Bauern, und standen mit den städtischen Zentren durchaus in Beziehung: Sie trieben mit ihnen Handel und versorgten die Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Aufgestapelte Feldfrüchte auf einem umgepflügten Feld in Zentralmexiko
Bäuerliche Gemeinschaften spielten über die Jahrhunderte hinweg eine wichtige soziale Rolle in Mexiko. Dies zeigte sich besonders nach der Unabhängigkeit des Landes von Spanien im Jahr 1821. Damals waren 50 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig, die zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die moderne Nation wurde.
Die zunehmende Verstädterung und die Anziehungskraft der Städte (und die dortigen Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten) ließen die Landbevölkerung schrumpfen. Diese Entwicklung begann mit den Agrarreformen nach der mexikanischen Revolution, als viele Bauern aus dem halbfeudalen System befreit wurden, das sie an das Land gebunden hatte. Die Grundbesitzer, denen nun billige Arbeitskräfte fehlten, verlagerten ihre Investitionen vom Land in die florierenden Städte. Infolgedessen wuchsen die Städte auf Kosten der ländlichen Gemeinden.
Im Jahr 1950 lebte mehr als die Hälfte der Mexikaner in ländlichen Gebieten, im Jahr 2020 nur noch 21 Prozent. Nach Angaben der mexikanischen Regierung sind heute fast vier von zehn mexikanischen Landarbeitern über 60 Jahre alt.
Für die heutige Landbevölkerung bildet die Landwirtschaft nach wie vor den Haupterwerb. Sie ist je nach Region unterschiedlich ausgelegt. So gibt es im dünner besiedelten Norden größere, industriell betriebene Farmen und im Süden kleinere, familiengeführte Bauernhöfe. In vielen Betrieben werden noch Methoden angewandt wie schon vor Generationen, so kommen etwa von Ochsen gezogene Pflüge und das Milpa-Anbausystem zum Einsatz.
Die schrumpfende Bevölkerung ist nicht die einzige Herausforderung. Die ländlichen Gemeinden haben keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sonstigen Dienstleistungen sowie zu grundlegender Infrastruktur wie Straßen und Strom. Diese Probleme verschärfen wiederum die Armut: Laut mexikanischer Regierung galt 2018 mehr als die Hälfte der Landbevölkerung als arm, im Gegensatz zu rund 38 Prozent der Städter. Der mexikanische Staat hat einige Anstrengungen unternommen, um dieser Ungleichheit entgegenzuwirken. So wurden etwa die Subventionen für Landwirte erhöht und Programme wie Sembrando Vida (»Leben säen«) eingeführt. Im Rahmen dieser Initiative erhalten Bauern Geld, wenn sie auf kleinen Parzellen Bäume pflanzen.
Bohnenernte auf dem Land im Bundesstaat Oaxaca
Viele der Probleme betreffen unverhältnismäßig stark die indigene Bevölkerung, von der mehr als die Hälfte abseits der Städte lebt – aufgrund ihrer Verbundenheit mit dem Land und ihrer stärkeren Ausrichtung auf traditionelle Tätigkeiten wie die Landwirtschaft. 2018 lebten fast 70 Prozent der indigenen Landbevölkerung in Armut und fast 30 Prozent in extremer Armut. Trotz staatlicher Bemühungen herrscht in diesen Gemeinden eine hohe Arbeitslosigkeit. Viele Indigene, darunter vor allem Männer, wandern deshalb auf der Suche nach Arbeit in andere Bundesstaaten, größere Städte oder in die USA ab.
Auf dem Land ist Mexiko zudem tendenziell konservativer als in den Städten. Dies gilt auch für den Machismo und insbesondere für die Geschlechterrollen: Männer sind hier viel öfter die Ernährer, die auf dem Feld arbeiten, während Frauen hauptsächlich häusliche Aufgaben wie Kochen, Putzen und Kindererziehung übernehmen.
Trotz ihrer vielen Probleme pflegen die ländlichen Gemeinden ein lebhaftes Kulturleben. Traditionelle Sportarten wie die charrería ziehen viele Menschen an, und während des ganzen Jahres werden saisonale Feste gefeiert. Diese richten sich häufig nach dem bäuerlichen Kalender und spiegeln die enge Verbundenheit mit dem Land wider – so das Santa-Cruz-Fest Anfang Mai, mit dem viele indigene Gruppen den Beginn der Regenzeit feiern. Doch die indigenen Feste beziehen sich nicht nur auf bäuerliche Themen. Von den ausgelassenen Feiern am Tag der Toten in Janitzio im Bundesstaat Michoacán bis zu den voladores de Papantla (Flieger von Papantla) in Veracruz – in den Siedlungen und Dörfern auf dem Land sind Mexikos kulturelle Traditionen am lebendigsten.
Der Umzug der charros (Cowboys), gehört zur charrería.
Muxes
Die LGBTQ+ Community wird in den tendenziell liberaleren größeren Städten Mexikos eher akzeptiert, aber auch auf dem Land ist das Thema präsent. Bei den indigenen Zapoteken in Oaxaca gibt es die muxes – Menschen, die als Jungen geboren werden, aber mit zunehmendem Alter weibliche Geschlechterrollen einnehmen. Sie bilden ein drittes, weder streng weibliches noch männliches Geschlecht und werden von der Gemeinschaft weitgehend akzeptiert.
Mexikos Kultur ist tief mit dem Landleben verbunden, dennoch leben heute rund acht von zehn Mexikanern in Städten. Die dynamischen urbanen Zentren des Landes sind Industriestandorte und bieten eine spannende Kulturszene.
In gängigen Vorstellungen ist Mexiko vorwiegend ländlich geprägt. Tatsächlich ist es jedoch heute stark urbanisiert, wobei ein Viertel der Bevölkerung in nur drei Gebieten lebt: Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey. Dies ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Landflucht, die Menschen aus ganz Mexiko auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen aus ländlichen Gebieten in größere Städte ziehen ließ.
Menschenmenge in der Avenida Francisco I Madero in Mexiko-Stadt
Wie in vielen Ländern der Welt hat die Urbanisierung auch in Mexiko die Gesellschaft verändert. Dieser Wandel beschleunigte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Industrialisierung in den Städten für bessere wirtschaftliche Möglichkeiten sorgte und mehr Schulen und Universitäten gebaut wurden. Dies alles führte zu einem rapiden Anwachsen der urbanen Zentren.
Den größten Bevölkerungsanstieg erlebte Mexiko-Stadt, das sich zur Hauptstadt und zum Wirtschaftszentrum des Landes entwickelte; in seinem Großraum siedelten sich bedeutende Branchen wie Textilindustrie, Handel und Banken an. 1930 zählte Mexiko-Stadt gut eine Million Einwohner, 1950 hatte sich die Zahl verdreifacht und 1970 auf mehr als neun Millionen vervielfacht. Heute leben in der Metropolregion mehr als 20 Millionen Menschen in einer der größten Städte der Welt. Mexiko besitzt zudem noch weitere 16 Millionenstädte, darunter Guadalajara im Westen und Monterrey in Norden mit jeweils mehr als fünf Millionen Einwohnern.
Blick über Guanajuato, bekannt für sein Literatur-, Tanz- und Musikfestival
Die grenznahen Städte boomten insbesondere nach der Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA im Jahr 1994, durch das der Handel zwischen den USA und Mexiko an Fahrt aufnahm. Entlang der Grenze schossen Fabriken wie Pilze aus dem Boden, die von Elektronik bis Jeans alles Mögliche produzierten. In ihrem Umkreis ließen sich zahlreiche Menschen auf der Suche nach besser bezahlten, langfristigen Arbeitsplätzen nieder. In Städten wie Tijuana, Ciudad Juárez und Reynosa wuchs die Bevölkerung in wenigen Jahren um 50 Prozent an.
LEBENSGESCHICHTEN
Mein Name ist Ramiro Maravilla. Ich wurde in Mexiko-Stadt geboren, aber einen Teil meiner Kindheit verbrachte ich in der Stadt Ario de Rayón im Bundesstaat Michoacán. Manchmal denke ich daran, wie ich in Ario de Rayón von Tiergeräuschen geweckt wurde: Dort gab es Hähne, Schafe und viele bellende Hunde. Ich erinnere mich auch an den Sternenhimmel. Wenn man in Mexiko-Stadt nach oben schaut, sieht man keine Sterne, doch in Michoacán konnte man so viele sehen.
Als ich sieben war, zog ich zurück nach Mexiko-Stadt und gewöhnte mich schnell wieder ein. Vor allem schätze ich, dass man hier fast alles, was nötig ist, vorfindet: staatliche Einrichtungen, Universitäten etc. Außerdem gibt es in Michoacán keine LGBTQ+ Szene, dort wäre es schwer, sich als schwul zu outen. Dagegen ist Mexiko-Stadt ein Paradies: LGBTQ+ Gesetzgebung, gleichgeschlechtliche Ehe, Adoptionsrecht, Mexico City Pride. Hier begann die Bewegung.
Ramiro Maravilla(lebt in Mexiko-Stadt)
Mit steigender Bevölkerungszahl vergrößerte sich in den Städten auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Viele der armen Landbewohner ließen sich in improvisierten Siedlungen an der Peripherie der Metropolen nieder. Zwar bieten die urbanen Zentren mehr Arbeitsmöglichkeiten, doch die Löhne sind in Mexiko seit jeher niedrig, vor allem in einfachen Jobs (wie etwa familiengeführten Restaurants und Straßenverkauf). In den Städten ist Armut deshalb weitverbreitet. In vielen Siedlungen an den Stadträndern fehlt es an notwendiger Infrastruktur, es gibt weder fließend Wasser noch Strom, Gewaltkriminalität und Korruption sind hoch.
Mexikos Klassenunterschiede zeigen sich deutlich in den Großstädten, wo reiche Compounds und elitäre Gated Communities nur einen Steinwurf von sozial schwachen Bezirken entfernt liegen. Ein Beispiel ist das Geschäftsviertel Santa Fe in Mexiko-Stadt, das an ein Armenquartier grenzt. Der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes nannte Mexiko-Stadt in den 1980er Jahren die »Hauptstadt der Unterentwicklung« und prangerte damit die notorische Armut und fehlende soziale Investitionen an. Die gesellschaftlichen Unterschiede in den Städten sind nach wie vor extrem: In Mexiko-Stadts Randbezirk Milpa Alta gelten mehr als 50 Prozent der Menschen als arm, verglichen mit weniger als acht Prozent im wohlhabenden Bezirk Miguel Hidalgo, in dem das Nobelviertel Polanco liegt.
Das Geschäftsviertel Santa Fe in Mexiko-Stadt grenzt an eine arme Wohngegend.
Trotz ihrer Probleme sind Mexikos Städte dynamische Zentren, die sich dank höherer staatlicher Investitionen positiv verändern. Eine wachsende Mittelschicht genießt bessere Einkommen, Bildung und Wohnungen. Und obwohl viele Kommunen noch hinterherhinken, bemüht man sich auch in den Arbeitervierteln um bessere Lebensbedingungen. In Mexiko-Stadts Arbeiterbezirk Iztapalapa ließ der Bürgermeister helle Straßenlaternen installieren, um die Sicherheit zu verbessern, und riesige Parks mit öffentlichen Schwimmbädern, Sportplätzen, Theatern und anderen Einrichtungen für ein niederschwelliges Kultur- und Freizeitangebot anlegen.
In Mexiko-Stadt wurde auch der öffentliche Nahverkehr umgestaltet, um Staus und Luftverschmutzung zu verringern. Die aufeinanderfolgenden Stadtregierungen haben das ausgedehnte U-Bahnnetz ausgebaut und neue Verkehrsmittel wie die erfolgreiche Metro-bus-Linie eingeführt. Hinzu kommen Seilbahnen, die Pendlerzeiten erheblich verkürzen, und ein stetig wachsendes Bike-Sharing-Programm. Die
