Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2011 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2011 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Aline Hohbein
Lektorat: Heike Herrberg
Herstellung: Christiane Raffel
Umschlaggestaltung: Nadine Humann
Umschlagabbildung: iStockphoto, Anthony Brown
Satz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-359-9
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser,
stellen Sie sich vor, Sie leiten ein mittelständisches Unternehmen und möchten dieses Jahr mehrere Auszubildende einstellen – darunter Hauptschüler und Realschüler. In den Bewerbungsunterlagen fällt Ihnen auf, dass die Schulabschlüsse von fast einem Drittel der Jugendlichen bereits zwei Jahre oder länger zurückliegen. Neugierig geworden haken Sie nach und erfahren, womit diese jungen Männer und Frauen sich seit dem Ende ihrer Schulzeit beschäftigt haben: mit Warten. Warten auf eine Lehrstelle, ohne dass sie dabei zusätzliche Berufsqualifikationen oder weiterführende Schulabschlüsse erworben hätten. Wie groß ist wohl die Chance dieser Jugendlichen, von Ihnen für ein erstes Gespräch aus dem Bewerber-Pool herausgefischt zu werden und wirklich einen Ausbildungsplatz zu erhalten?
Für 350.000 junge Menschen ist diese Chance gering. 350.000: So viele Jugendliche verweilen derzeit im sogenannten Übergangssystem. Mit Kosten von jährlich 4,3 Milliarden Euro unterhalten wir hier – abseits von Schule, Ausbildung und Beruf – ein vermeintlich berufsvorbereitendes System, das in seiner Struktur und Zielführung aber häufig weder darauf ausgerichtet ist, junge Menschen individuell zu fördern, noch darauf, konsequent auf einen konkreten Beruf vorzubereiten. In dieser Warteschleife des Bildungssystems bleibt für viele die Tür zum Beruf lange Jahre – und nicht selten dauerhaft – verschlossen.
Nun ist es nicht so, dass dem Problemfeld »Übergang Schule – Beruf« zu wenig politische oder gesellschaftliche Aufmerksamkeit zukommen würde. Im Gegenteil: Zahlreiche Institutionen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene versuchen seit langem sehr engagiert, Teilbereiche des Übergangssystems zu managen und zu gestalten. Doch genau diese Vielfalt der Akteure und ihrer Handlungen ist zum zentralen und eigentlichen Problem geworden. Das heutige Übergangssystem zeichnet sich in seiner bestehenden Form durch eine undurchschaubare und unabgestimmte Ansammlung von Maßnahmen aus. Für viele Jugendliche, die in dieser Parallelwelt landen, ist deshalb von Anfang an eher eine mehrjährige Karriere im Maßnahmendickicht des Übergangssystems als eine auf dem realen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vorgezeichnet.
Wir sprechen hier nicht, wie vielleicht noch Anfang der 1990er Jahre, von einem Phänomen, das ausschließlich Randgruppen betrifft. Probleme beim Übergang ins Berufsleben haben längst die gesellschaftliche Bildungsmitte erreicht. Die Gruppe der Realschulabsolventen ohne Ausbildung ist heute fast genauso groß wie die der Hauptschulabbrecher. Unser Anspruch muss sein, dass für diese Jugendlichen das Übergangssystem einen direkten Anschluss an Ausbildung und Beruf ermöglicht.
Mit den aktuell fast 350.000 Jugendlichen im Übergangssystem und Kosten in Milliardenhöhe haben wir konkreten Handlungsbedarf im Hier und Jetzt. Es ist nicht sinnvoll, auf eine »demographische Lösung« zu warten. Dass abnehmende Zahlen bei den Schulabgängern das Problem des Übergangssystems irgendwann von selbst lösen werden – diese Rechnung geht nicht auf. Neueste Untersuchungen zeigen, dass besonders Schulabgänger mit hohem Förderbedarf auch zukünftig Schwierigkeiten bei der Ausbildungsplatzsuche haben werden. Unabhängig davon, dass auch die Schule hier ihre Hausaufgaben machen muss: Diese Jugendlichen müssen individuell und schnellstmöglich so qualifiziert werden, dass sie am unbestrittenen Erfolg des dualen Berufsausbildungssystems in Deutschland teilhaben können.
Nur wenn das gelingt, haben alle Jugendlichen eine tatsächliche Chance auf einen zielgerichteten und motivierten Start in Ausbildung und Erwerbsleben. Gelingt es darüber hinaus in den Unternehmen, das Potenzial der Jugendlichen durch individuelle Begleitung und Beratung in den Betrieben zu fördern, bleibt künftig auch nicht mehr – wie heute in Ostdeutschland – ein Drittel der Lehrstellen unbesetzt.
In Kooperation mit acht Bundesländern und mit der Bundesagentur für Arbeit hat die Bertelsmann Stiftung ein grundlegendes Reformkonzept für ein Übergangssystem erarbeitet, das den Namen »System« im Sinne eines sinnvoll aufeinander abgestimmten Ganzen auch verdient. Im Rahmen der gemeinsamen Initiative »Übergänge mit System« soll der Übergangssektor so umgestaltet werden, dass eine größtmögliche Zahl von Jugendlichen zu einem qualifizierten Ausbildungsplatz geführt wird. Das vorliegende Reformkonzept zeigt, wie sich – neben dem dualen System und dem Schulberufssystem – eine dritte tragfähige Säule für anerkannte Ausbildungsabschlüsse etablieren lässt. Es benennt die dafür notwendigen Veränderungen, macht konkrete Vorschläge und beschreibt Lösungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe junge Menschen zielgerichtet und ohne Zeitverlust in Ausbildung und Beruf geführt werden können. Die zentralen Prinzipien der Initiative lauten: Vereinfachung, Systematisierung und Abschlussorientierung.
Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, wünschen wir eine anregende Lektüre.
Dr. Jörg DrägerMitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung
Frank FrickDirector Programm »Zukunft der Beschäftigung/Good Governance« der Bertelsmann Stiftung
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Von der »Berufsausbildung 2015« zu »Übergänge mit System« – Partizipation als ...
1 Die Übergangsproblematik
2 Handlungsbedarfe am Übergang Schule – Beruf
3 Der Prozess »Berufsausbildung 2015«
4 Die Initiative »Übergänge mit System«
Eckpunkte der Initiative »Übergänge mit System« - Die gemeinsamen Leitlinien ...
1 Präambel
2 Ausgangslage
3 Leitlinien
4 Komponenten der Umsetzung
Rahmenkonzept der Initiative »Übergänge mit System« - Handlungsfelder und ...
1 Ausgangslage
2 Das Rahmenkonzept
3 Diskussion kritischer Thesen
Literatur
Abkürzungen
Danksagung
Das Projekt »Übergänge mit System« im Überblick
Die beteiligten Institutionen und Ansprechpartner
Von der »Berufsausbildung 2015« zu »Übergänge mit System« – Partizipation als Katalysator für Reformen
Aline Hohbein, Christine Gouverneur, Clemens Wieland
1 Die Übergangsproblematik
Zwischen Schule und Ausbildung
Ist es in Zeiten von demographischem Wandel und Fachkräftemangel überhaupt noch sinnvoll, sich mit den Übergangsproblemen junger Menschen an der Schnittstelle zwischen Schule und Ausbildung zu beschäftigen? Ja, es ist sinnvoll. Auch in Zukunft werden Maßnahmen und Aktivitäten erforderlich sein, um Jugendliche beim Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung zu unterstützen: Davon sind 81 Prozent der Berufsbildungsfachleute überzeugt, die im Rahmen des Expertenmonitors der Bertelsmann Stiftung und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) befragt wurden (Autoren-gruppe BIBB und Bertelsmann Stiftung 2011).
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