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Der 15Jährige Kevin verliert seine Eltern bei einem Autounfall und muss deshalb in einem Heim wohnen. Dort fühlt er sich nicht wohl und er beschließt sich auf den Weg zu seinen Eltern zu machen- er springt von einer Brücke. Kevin überlebt schwer verletzt und muss seit dem in einem Rollstuhl sitzen. Was soll er jetzt mit seinem Leben anfangen- Malen ist die Lösung. Aber wie? Seine Therapeutin hat die Idee: Mit dem Mund.
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Seitenzahl: 75
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Der Tag begann wie jeder Tag. Kevin lag auf seinem Bett, als seine Mutter hereinkam. Sie wollte mit Kevins Vater allein in den Urlaub fahren und sich nun von Kevin verabschieden und ihm die Tasche mit dem Insulin und das Blutzuckermessgerät geben, denn Kevin war schon seit seiner Geburt an Diabetes mellitus erkrankt.
Um kurz vor acht ging er zur Schule. Da er endlich auch einmal eine sturmfreie Bude hatte, lud er sofort für den nächsten Tag ein paar Kumpels ein – und Laura, die in seiner Klasse war und in die er heimlich verknallt war.
Als er wieder zu Hause war, legte er sich vor den Fernseher. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Kevin ging zur Tür und öffnete. Er erschrak. Vor der Tür standen zwei Männer, die er nicht kannte. Die Männer waren sehr freundlich. Bald erfuhr Kevin, dass die zwei von der Polizei waren. Kevin überlegte, ob er etwas gemacht hätte, doch dann erfuhr er, dass seine Eltern einen schlimmen Autounfall gehabt hatten und sein Vater sofort tot gewesen sei. Seine Mutter wäre noch aus dem kaputten Auto rausgeschnitten und ins Krankenhaus gefahren worden, dort aber wäre sie dann kurz darauf auch gestorben.
Kevin saß mit offenem Mund vor den zwei Männern. Das konnte nur eine Lüge sein. Sein Vater fuhr immer sehr vorsichtig.
Einer der Männer fragte Kevin: „Willst du deine Eltern noch einmal sehen?“
Kevin nickte nur mit dem Kopf, denn er bekam keinen Ton mehr raus. Sie fuhren zusammen ins Krankenhaus.
Dort sah Kevin seine Eltern. Da wusste er genau, dass sie tot waren. Er rannte raus und weinte. Er weinte lange. Was sollte nun aus ihm werden? Verwandte hatte er keine mehr, außer einer Großmutter, die zu alt war, um auf Kevin aufzupassen.
Einer der Männer, die ihn abgeholt hatten, kam auf ihn zu und sagte: „Da du keine Verwandten hast, die sich um dich kümmern können, musst du in ein Heim.“
Kevin schaute auf den Boden, denn seine Mutter hatte vor wenigen Tagen noch gesagt: „Wenn du noch einmal die Schule schwänzt, kann ich dich auch in ein Heim geben.“
Damals hatte Kevin nur darüber gelacht, aber nun sollte er wirklich in ein Heim.
Das Heim lag mitten in der Stadt. Der Heimleiter hieß Herr Niederstein. Er begrüßte Kevin und zeigte ihm alles. Kevin wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören und deshalb ging er sofort in sein neues Zimmer.
Auf seinen Nachtschrank stellte er ein Bild von sich und von seinen Eltern, das erst drei Tage vorher im Schwimmbad gemacht wurden war.
Kevin legte sich auf sein Bett und dachte nach. Was brachte es ihm, dass er noch am Leben war? Warum war er nicht mitgefahren?
Mit diesen Gedanken schlief er ein.
Am nächsten Morgen wachte er auf. Da es noch ziemlich dunkel war, dachte Kevin, er wäre zuhause und es wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Doch dann wollte er sein Licht anmachen, doch da stand seine Lampe nicht. Er hatte nicht geträumt. Es war echt. Wieder fing er an zu weinen. Maria, eine Mitarbeiterin, kam und weckte Kevin.
Beim Frühstück schauten ihn viele Augen an. Es waren die Augen von den anderen Kindern, die auch hier wohnten. Sie hatten Kevin nicht gesehen am Tag vorher, da sie alle bis abends mit Jens und Maria schwimmen gewesen waren.
Kevin fühlte sich unwohl und sah die anderen Kinder böse an.
Nach dem Frühstück wurde Kevin von Markus zur Schule gebracht. Herr Specht, sein Klassenlehrer, schaute ihn traurig an und sagte dann: „Es tut mir so leid für dich. Du kannst jederzeit zu mir kommen, wenn du jemanden zum Reden brauchst.“
Kevin nickte und ging dann in seine Klasse. Von allen Seiten bekam er ein herzliches Beileid gesagt. Laura nahm ihn sogar in den Arm. Kevin fühlte sich bei ihr richtig wohl.
Zwei Tage später war die Beerdigung seiner Eltern.Kevin warf einen Strauß Rosen ins Grab von beiden. Rosen waren immer die Lieblingsblumen von seiner Mutter gewesen. Sein Vater hatte seiner Mutter jeden Sonntag Rosen geschenkt.
Kevins Großmutter war auch da. Sie gab Kevin einen Kuss, was sie sonst nicht machte. Danach sagte sie: „Mein Junge, jetzt habe ich nur noch dich. Bitte komm mich oft besuchen, ja?“ „Klar!“ sagte Kevin und ging.
Kevin ging in das Haus seiner Eltern. Was würde wohl mit dem Haus passieren? Es hatten doch sein Vater und sein Großvater gebaut. Kevin ging im ganzen Haus herum und packte viele Sachen in den Rucksack, den er mitgebracht hatte.
Anschließend ging er wieder zum Grab. Dort waren nur noch die Leute, die das Grab zumachten. Kevin setzte sich daneben. Plötzlich sprang er auf und rief: „Das könnt ihr nicht machen, die bekommen doch keine Luft mehr!“
Er sprang auf, schubste einen der Arbeiter weg vom Grab. Dann nahm er den Spaten und schaufelte die Erde wieder raus. Der Arbeiter, den er weggeschubst hatte, kam auf ihn zu und sagte: „Deine Eltern sind tot. Sie brauchen nicht mehr zu atmen. Versteh es doch!“
Kevin setzte sich wieder hin. Er weinte. Die Männer machten nicht weiter. Sie warteten.
Maria holte Kevin ab. Er weinte und sagte immer wieder: „Das können die nicht tun. Sie bekommen doch keine Luft mehr.“
Den ganzen Tag lag Kevin im Bett, weinte und schrie. Am Abend hatte Maria genug davon und rief deshalb einen Arzt. Er sollte Kevin eine Beruhigungsspritze geben.
Als der Arzt kam, schrie Kevin immer noch. Er wälzte sich im Bett hin und her. Markus und Jens mussten ihn festhalten, damit der Arzt nicht daneben spritzte. Dann sagte der Arzt zu Kevin: „Es wird alles wieder gut.“
Kevin wurde ruhiger und endlich schlief er ein.
Am nächsten Morgen wurde er von Ernst geweckt. Das Essen schmeckte ihm nicht und er hatte zu allem keine Lust. In der Schule hörte er nicht zu. In der ersten großen Pause traf er Herrn Specht. „Du, Kevin, ich möchte mich mit dir mal unterhalten. Ist das okay, wenn du nach der nächsten Stunde zu mir in mein Büro kommst?“
Früher, als Herr Specht das gesagt hatte, gab es fast immer Ärger. Letztes Mal war er bei Herrn Specht gewesen, weil er so lange die Schule geschwänzt hatte. Kevin sah auf den Boden und nickte.
Nach der Stunde blieb er aber in der Klasse. Mitten in der nächsten Stunde kam Herr Specht. Er wollte Kevin abholen.
Kevin ging hinter Herrn Specht her. Im Büro fragte Herr Specht, ob Kevin ein Glas Saft haben wolle. Nachdem Herr Specht eine Tasse Kaffee hatte und Kevin ein Glas Saft in der Hand hielt, fing er an. „Weißt du, Kevin, es ist jetzt nicht einfach für dich, aber du kannst doch jetzt nicht alles hinwerfen. Kannst du nicht versuchen, dich wieder in den normalen Schulalltag einzugewöhnen?“
„Aber …“
„Ich weiß, deine Eltern sind tot. Hast du schon einmal mit jemandem geredet darüber?“
Kevin schüttelte den Kopf.
„Nein? Wenn du willst, kannst du mir jetzt alles erzählen.“
Kevin fing an zu erzählen und hörte gar nicht mehr auf. Anschließend fühlte er sich besser. „Kevin, danke, dass du mir das erzählt hast. Ich hatte mal einen Schüler, Sven hieß der, der hatte als kleiner Junge beim Ballspielen seine kleine Schwester verloren. Er hat es die ganze Zeit mit sich herumgetragen. Irgendwann kam er dann in die Psychiatrie. Hätte ich vorher mit ihm geredet, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.“
Die Tage vergingen und der Alltag schlich sich ein.
Bald kannte er das Heim, die Mitarbeiter und die anderen Kinder.
Eines Abends unterhielt Kevin sich mit Sven, einem Jungen aus dem Heim. Je mehr sie sich unterhielten, desto deutlicher merkte Kevin, dass Sven der Junge war, von dem Herr Specht gesprochen hatte. Die beiden verstanden sich sehr gut, obwohl Sven schon 18 Jahre alt war und somit drei Jahre älter als Kevin.
Da sich Kevin gut mit Sven verstand, war er auch bei den anderen beliebt.
Mit Laura war er jetzt auch sehr gut befreundet, denn sie hörte ihm zu, als er ihr von seinen Eltern erzählte, und sie tröstete ihn. Kevin war gern mit Laura zusammen. Am Geburtstag von seinem Vater wollte er ans Grab, doch er durfte nicht. Da lief er vom Heim weg. Kevin klaute sich aus einem Geschäft etwas zu essen und ein Taschenmesser. Anschließend ging er zum Friedhof. Er setzte sich vor das Grab seiner Eltern. Er unterhielt sich mit ihnen. Kevin legte sich auf eine Bank, die ganz in der Nähe stand.
Im Heim hatten sie die Polizei schon benachrichtigt. Einen Tag später kam Jens die Idee Kevin auf dem Friedhof zu suchen. Am nächsten Morgen ging Steve sehr früh zum Friedhof. Dort lag Kevin auf der Bank und schlief. Als Steve kam, wachte Kevin auf und rief: „Ich bleib hier. Ich komme nicht mit.“
Steve setzte sich neben Kevin auf die Bank.
„Ich komm nicht mit!“
Eine Stunde später reichte es Steve und er sagte: „So, jetzt pass du mal genau auf …“
''Ich komme nicht mit zu euch Arschlöchern.“
