Unbändige Geilheit | Erotische Geschichten - Dee Lyster - E-Book

Unbändige Geilheit | Erotische Geschichten E-Book

Dee Lyster

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Beschreibung

Dieses E-Book entspricht 184 Taschenbuchseiten ... Sex kennt viele Spielarten und Lust hat etliche Facetten. Erleben Sie in diesen Kurzgeschichten, wie sich die unerfahrene Ehefrau gleich von zwei Fitnesstrainern verwöhnen lässt und wie ein Survivalcamp zu einer großen Orgie wird. Auch eine idealistische Pflichtverteidigerin kann sich schon mal in einen Schwerverbrecher verlieben und eine Liebesgöttin sich von Zwergen unterwerfen lassen. Lassen Sie sich verführen und tauchen Sie ab in sinnliche Tiefen und schmutzige Spiele … Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Seitenzahl: 258

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Impressum:

Unbändige Geilheit | Erotische Geschichten

von Dee Lyster

 

Dee Lyster ist das Pseudonym eines 1981 in Graz geborenen Schriftstellers. Seine Geschichten zeugen von einem aufregenden Leben. Als ehemaliger Türsteher, Personenschützer und Profikampfsportler verarbeitet er viele seiner persönlichen Erfahrungen und Abenteuer in abwechslungsreichen Novellen. In der Partnerschaft mit seiner Seelenliebe hat er 2017 seinen Anker im Leben gefunden und widmet sich in der Freizeit der Literatur. Manche seiner Geschichten haben eine humoristische Note, andere stimmen melancholisch oder wecken die Lust auf Abenteuer. Doch all seine Werke haben eines gemeinsam: Sex und Erotik in allen Facetten.

 

Lektorat: A. K. Frank

 

 

Originalausgabe

© 2021 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © SL ADV @ shutterstock.com

Umschlaggestaltung: MT Design

 

ISBN 9783750700628

www.blue-panther-books.de

Hartes Training - Die geilen FitnessTrainer

Sandra sieht mich mit diesem fragenden Blick an. Schon als wir noch Kinder waren, konnte ich ihrem stechend blauen Blick nicht standhalten. Bei ihrer Arbeit als Staatsanwältin kann ich mir gut vorstellen, dass so mancher Angeklagte alleine bei diesem Blick ein Geständnis ablegt.

»Komm schon, Monika. Was ist los? Ich sehe dir ja an, dass etwas nicht stimmt.« Meine Augen werden feucht, ich schaue verlegen zur Seite, lache, um meine Tränen zu überspielen. Sie greift nach meiner Hand, streicht mir sanft darüber.

»Ich dachte, bei dir und Wolfgang läuft alles perfekt. Also wenn ich mir deine Facebook-Seite so ansehe, da bin ich jedes Mal neidisch. Urlaub in Jesolo, Grillpartys mit Freunden, Wanderungen, Ausflüge, Essen gehen. Und wie groß Nikole schon geworden ist! Wie alt ist sie jetzt? Drei?«

Ich nicke, mir steckt ein Kloß im Hals.

»Sicher, auf Facebook sieht immer alles toll aus«, antworte ich mit trockener Stimme.

»Und warum? Weil jeder nur die schönen Momente postet. Was hinter der Fassade steckt, will keiner zeigen. Niemand lässt die Maske fallen. Jedes Leben ist perfekt.«

»Da hast du recht«, sagt meine Freundin und ich glaube zu sehen, dass sie für einen kurzen Moment die Augen traurig niederschlägt. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Doch sofort richtet sie ihr schönes langes schwarzes Haar, wirft es über ihre Schultern, die in einem sehr teuer aussehenden Blazer stecken, welches perfekt zu ihrer damenhaften Eleganz passt.

»Also, erzähl schon, Monika. Ich bin neugierig, wie dein Leben aussieht, und vielleicht kann ich dir ja irgendwie helfen. So wie damals, als wir Teenies waren. Mit dem ersten Liebeskummer und den anderen Problemen.«

Ich lächle, als ich an diese Zeit zurückdenke.

»Es hat kurz nach der Hochzeit angefangen. Weißt du, ich habe Wolfgang geliebt und liebe ihn noch immer, glaube ich. Aber er hat sich sehr verändert. Und das macht mich fertig.«

Sandra sieht mich überrascht an.

»Ja, es stimmt. Du weißt doch noch in der Anfangszeit, wie ich von ihm geschwärmt habe.«

»Ja. War richtig nervtötend. Wolfgang hier. Wolfgang da. Wolfgang hat mir Blumen mitgebracht. Wolfgang hat mich zu einem romantischen Essen eingeladen.«

Genau so war das damals auch. Ich hatte meinen zukünftigen Mann auf dem Feuerwehrball im Nachbarort kennengelernt. Er war mir sofort aufgefallen. Seine nach der neuesten Mode geschnittenen schwarzen Haare, frisch rasiert und er trug einen Anzug, der ihm großartig gestanden hatte.

»Ja, das war damals. Er hat sich so sehr um mich bemüht. Jeden Tag hat er sich so benommen, als müsste er mich aufs Neue erobern.«

»Ja, und jetzt?«

Ich lache auf, werde sogar ein bisschen zornig.

»Es hat sich so langsam eingeschlichen. Der Alltag. Das ›Alles-als-selbstverständlich-nehmen‹. Mich als selbstverständlich nehmen. Weißt du, er gibt mir das Gefühl, seine Putzfrau zu sein, seine Haushälterin. Es hat damit angefangen, dass er sich nicht mehr bedankt hat, wenn ich gekocht oder seine Wäsche gewaschen und gebügelt habe. Früher hat er mir jedes Mal einen Kuss gegeben, dazu einen Klaps auf den Po und mir ein ehrlich gemeintes Danke gesagt. Mit dem Bedanken war irgendwann Schluss und heute ist es sogar schon so weit, dass er mich anschnauzt, wenn seine Arbeitshose nicht richtig sauber ist. Wenn es etwas zu Essen gibt, das er nicht mag, macht er ein Gesicht wie dreißig Tage Regenwetter und ist stinksauer.«

»Er schlägt dich doch nicht? Oder doch?«, platzt Sandra heraus.

»Nein!«, sage ich bestimmt.

»Niemals! So schlimm ist es nun auch wieder nicht.« Aber ich wünsche mir fast, dass Wolfgang mich geschlagen hätte. Hört sich blöd an, denn wie viele arme Frauen gibt es, die von ihren Ehemännern geprügelt werden? Und die sich Hilfe wünschen, in Gedanken ihren Mann verlassen oder ihn sogar töten und dann einfach zu schwach sind, um sich zur Wehr zu setzen, und ich blöde Kuh wünsche mir, dass mein Mann mich misshandelt? Ja, weil ich dann das, was ich gemacht habe, rechtfertigen könnte. Wenn auch nur vor mir selbst.

»Nein. Er hat mich nie angerührt und das würde er auch niemals machen.«

»Gut.« Sandra scheint erleichtert.

»Aber trotzdem war das letzte Jahr die Hölle für mich. Nikole war oft krank, Wolfgang bei der Arbeit und ich habe mich total überfordert gefühlt. Der Haushalt, das Kind. Sie war nie ernsthaft krank«, werfe ich ein, als ich Sandras besorgten Blick sehe.

»Aber sie hat sich in der Kinderkrippe, in die ich sie zwei Mal wöchentlich gebe, halt die ganze Zeit irgendwas eingefangen. Erkältung, dann Angina und so weiter und so fort. Eigentlich wollte ich Nikole ja nicht so früh weggeben, aber ich hab einfach bemerkt, dass ich ein bisschen Zeit für mich brauche.«

»Das verstehe ich, auch wenn ich keine Kinder habe. Aber wenn du immer nur zu Hause bist und die Familie versorgst, muss dir ja irgendwann die Decke auf den Kopf fallen. Für mich wäre das ohnehin nichts. Ich würde mir, sobald ich Kinder habe, trotzdem genug Zeit für mich selbst nehmen. Du musst ja fast schon wahnsinnig geworden sein.«

»Ja, das bin ich beinahe auch. Weißt du, ich habe das anfangs alles gern gemacht. Die Hausfrau spielen. Mann und Kind versorgen. Aber ich wollte glücklich dabei sein. Ich wollte, dass meine Arbeit geschätzt wird. Ich habe mir vorgestellt, den ganzen Tag mit Nikole zu Hause zu verbringen. Mit ihr zu spielen, den Haushalt zu machen und abends dann meinen Mann mit einem Kuss an der Haustür begrüßen. Ich wollte, dass er mich dabei noch genauso verliebt ansieht, wie in unserer Anfangszeit. Aber er kommt nun schon seit einiger Zeit zwei Stunden später als sonst nach Hause, weil er ja mit den Kollegen noch auf ein Bier gehen muss. Wenn er dann heimkommt, stellt er seine Arbeitstasche in die Ecke, setzt sich vor den Fernseher und ich serviere ihm das Mahl. Er sieht mich einfach als selbstverständlich an. Ich würde es ja verstehen, wenn das gelegentlich so wäre. Er muss hart arbeiten und wenn er da erschöpft ist, ist das kein Wunder. Aber das Traurige ist, dass er keine Notiz von mir nimmt.«

»Liebt er dich noch oder hat er eine andere?«

»Eine andere hat er mit Sicherheit nicht. Und ich glaube auf jeden Fall, dass er mich noch liebt.« Und genau das macht alles noch schlimmer. Es ist mir bewusst, dass Wolfgang für mich und Nikole so hart arbeitet. Dass er für uns so viele Überstunden macht, um uns ein schönes Leben zu ermöglichen. Aber ich frage mich, was das alles zählt, wenn er mir seine Liebe nicht mehr zeigt und ich das Gefühl habe, nicht mehr als ein Möbelstück zu sein.

»Was ist mit Sex?«

Da lache ich auf.

»Sandra, ein Sexualleben kann ich das, was wir haben, nicht nennen. Leidenschaft war früher. Heute legt er sich alle paar Tage mal auf mich drauf, spritzt nach ein paar Minuten ab, ich liege unbefriedigt neben ihm und kann wegen seines Schnarchens nicht einschlafen.«

»Puh. Das ist hart. Wie lange geht das schon so?«

»Mindestens ein oder zwei Jahre. Ich hatte zwischendurch schon einen richtigen Minderwertigkeitskomplex, weil ich dachte, das liegt an mir. Dass ich nicht mehr hübsch bin oder …«

»Was? Du? Monika, bitte! Du warst in der Schule schon das hübscheste Mädchen und heute mit deinen einunddreißig Jahren stiehlst du immer noch allen die Show. Sieh dich doch hier mal um!«

Auf meinen ungläubigen Blick wiederholt sie ihre Aufforderung.

»Nein, im Ernst! Sieh dich um!«

Ich lasse meinen Blick durch das Kaffeehaus wandern, in dem wir sitzen. Es befindet sich in der Grazer Innenstadt und ist bereits jetzt um zehn Uhr morgens voller Leute. Als ich mich umsehe, entdecke ich mindestens drei gut aussehende junge Männer, die verlegen wegblicken. Das heißt wohl, dass sie mich angesehen haben, bevor ich mich umwandte. Dieses Wissen macht mich stolz, denn auch wenn ich Mutter und Ehefrau bin, will ich dennoch begehrt werden. Ganz genau so, wie sich das vermutlich jede Frau wünscht und vielleicht ist bei mir dieser Wunsch nach Verehrung deshalb größer, weil ich diese Selbstbestätigung immer hatte und jetzt nicht mehr. Zumindest nicht von meinem Mann, von der Person, von der ich mir diese Zuwendung wünschen würde, der mich aber nicht mehr mit den gleichen Augen ansieht wie damals.

Ich weiß noch, wie wir - ich glaube, wir waren seit zwei oder drei Monaten ein Paar - diesen Wellnessurlaub gemacht haben. Wir haben auf der Terrasse der Hotelbar Cocktails getrunken, gelacht und einen unglaublich tollen Abend gehabt. Dann haben wir auf den Lift gewartet, der uns in den siebten Stock bringen sollte. Wolfgang hat mich an die Wand gedrückt, mich so verlangend geküsst, als ob es kein Morgen gebe, seine Hand unter meinen Rock geschoben, mir ganz tief in die Augen gesehen und mir gesagt, dass er mich liebt. Das war das erste Mal, dass ich diese Worte von ihm gehört hatte. Seine Augen sind dabei feucht geworden. Ich habe gewusst und gefühlt, dass er es ernst meinte, als er mir sagte, dass ich die umwerfendste Frau der Welt bin, er mich anbetet und ohne mich nicht mehr leben kann. Der Sex an diesem Abend war unvergesslich. Er hatte mich so lange, mit so viel Gefühl geleckt, bis ich laut schreiend zum Orgasmus gekommen bin. Dann ist er in mich eingedrungen, seine Blicke haben mich fast wahnsinnig gemacht. Ich weiß noch, dass er mich aus einer ganz eigenen Mischung aus Verwunderung, Liebe und Sehnsucht angesehen hat. Wir sind dann gemeinsam noch einmal zum Höhepunkt gekommen. Es war so innig und wunderschön. Etwas, das ich vorher so noch nie erlebt hatte. Ich habe mir gewünscht, eins mit ihm zu werden, damit er immer bei mir wäre.

Bei diesen schönen Erinnerungen kullern mir die Tränen über das Gesicht, denn jetzt ist all das vorbei und ich habe es kaputtgemacht. Vielleicht war es auch schon vorher kaputt, nur wollte ich es nicht wahrhaben. Aber durch das, was ich getan habe, habe ich all das, was jemals zwischen uns war, zerstört. Sandra steht von ihrer Seite des Tisches auf, stößt dabei beinahe ihre Kaffeetasse um, umarmt mich und legt ihren Kopf auf meine Schulter.

»Komm schon, Kleine«, flüstert sie.

»Es gibt für alles eine Lösung.«

Ich krame nach einem Taschentuch in meiner Handtasche. Zwischen all dem unnötigen Krimskrams, den ich mit mir führe, werde ich schließlich fündig, putze mir das Gesicht und sage meiner Freundin, dass ich mich schon wieder gefangen habe. Sandra gibt mir einen Kuss auf die Wange, streicht mir über den Kopf und setzt sich wieder auf ihren Platz zurück. Auch ihre Augen sind vor Mitleid feucht geworden. Dann verändert sich ihr Blick, sie hat erraten, was passiert ist.

»Du hast ihn betrogen!« Die Wörter DU und IHN zieht sie bei ihrer Feststellung wie einen Kaugummi in die Länge. Die Staatsanwältin spricht aus ihr. Sie hat den Angeklagten überführt und jetzt brechen alle Dämme. Ich beginne hemmungslos zu heulen, mehrere Augenpaare drehen sich in meine Richtung.

»Ja«, schluchze ich. Mehr bringe ich im Moment nicht hervor. Sandra presst die Lippen zusammen, sieht mich ernst an. Es dauert ein paar Minuten, bis ich mich wieder gefangen habe und meine beste Freundin wartet geduldig, bis ich wieder gefasst bin.

»Ich muss kurz zur Toilette«, sage ich und stehe auf. Sie nickt nur, sagt aber kein Wort. Während ich an all den Tischen vorbei zum WC gehe, fühle ich die Augen einiger Leute auf mir. Diesmal sind es aber nicht hübsche junge Männer, sondern alle möglichen Personen, die mich beobachten. Bestimmt fragen sie sich, was mit mir los ist.

»Ich bin eine Hure! Das ist mit mir los«, möchte ich ihnen ins Gesicht schreien, aber natürlich mache ich das nicht, sondern kämpfe gegen die Tränen an, die mir wieder über die Wangen kullern möchten. Als ich im Waschraum in den Spiegel sehe, glaube ich, dass ich jetzt äußerlich so aussehe, wie ich innerlich bin. Furchtbar. Einfach ein furchtbarer Mensch. Meine Schminke ist verlaufen und ich sehe wie ein Zombie aus. Ich wasche mein Gesicht mit kaltem Wasser und bin überrascht, wie heiß sich meine Wangen anfühlen. Dann entferne ich das Make-up mit Reinigungstüchern aus meiner Handtasche. Das erfrischende Nass hat mir nicht nur die Haut gekühlt, sondern mich auch beruhigt. Mit ein paar geübten Handbewegungen schminke ich mich schnell neu, atme tief durch und gehe zu Sandra zurück. Was wird sie jetzt über mich denken? Hält sie mich ebenso für eine billige Schlampe, wie ich es selbst tue? Immer noch sitzt sie da, die Hände vor der Nase gefaltet und wartet auf mich. Wenigstens ist sie nicht gleich aufgestanden und gegangen. Mit einem Schniefen ziehe ich den Sessel zurück und setze mich. Ich kann ihr gar nicht in die Augen sehen. Sie war mein Beistand bei der Hochzeit, sie war Zeuge, als ich Wolfgang gesagt habe, dass ich ihm immer treu sein werde, und jetzt war sie Zeuge meines Geständnisses, dass ich diesen Schwur gebrochen habe.

Sie sieht mich lange an, bevor sie zu sprechen beginnt.

»Ich verstehe dich«, sagt sie nur. Dann bleibt es ruhig zwischen uns. Versteht sie es wirklich oder sagt sie diese Worte nur, um mich zu beruhigen, damit ich mich besser fühle? Denn es geht mir seit dieser Sache furchtbar. Aber nicht nur. Leider. Denn ich habe seit meinem Seitensprung auch wieder das Gefühl, eine Frau zu sein. Eine Frau, die begehrt wird, die etwas wert ist und nicht bloß ein nützlicher Idiot, der die Wäsche macht, putzt und kocht. Mein Innenleben schwankt zwischen Bestätigung und Hochgefühl zu Wertlosigkeit und Scham. Seit dem Vorfall ein ständiges Auf und Ab. Meine Gefühle sind wie eine Berg- und Talbahn. Nach einer Weile fügt Sandra hinzu: » Ja, ich verstehe dich. Und ich kenne dich gut genug, um zu wissen, wie verzweifelt du gewesen sein musst, um so etwas zu machen. Du musst wirklich schon ganz unten gewesen sein, um Wolfgang zu betrügen.«

Ja, das war ich. So lange schon war ich nur noch ein Häufchen Elend, habe an mir selbst gezweifelt. So viel habe ich versucht, damit mein Mann mich wieder als Frau wahrnimmt, aber alles war zum Scheitern verurteilt. Ich habe mir teure Dessous gekauft und er hat sie kaum beachtet. Als ich das Sexspielzeug bestellt habe, hat er mich gefragt, ob er mir nicht mehr reichen würde. Den Urlaub in Jesolo hat er fast zur Gänze verschlafen. Er hat einfach meine sämtlichen Versuche und Ideen ignoriert und das hat mich nur noch mehr in ein Loch stürzen lassen. Wie lächerlich ich mir vorgekommen bin. Wolfgang hat nach der Arbeit wie gewöhnlich mit einem Bier in der Hand vor dem Fernseher gesessen. Ich habe mich geduscht, meine Scham rasiert, mir die roten Strapse und den Slip, der die Möse freilässt, angezogen. Dazu High Heels. Die Haare habe ich mir zu einem Pferdeschwanz frisiert, weil er früher so oft gesagt hatte, dass zu mir das am besten passt und ich so am schönsten für ihn bin, weil man da am meisten von meinem hübschen Gesicht sah. Dann bin ich zu ihm ins Wohnzimmer gegangen, wie Kim Basinger in neuneinhalb Wochen habe ich mich an den Türstock gelehnt, er hat mich angesehen, ist aufgestanden, hat mir einen Kuss gegeben und gesagt: »Du bist wirklich wunderschön, mein Schatz. Aber ich bin müde.« Mit diesen Worten ist er ins Bett gegangen. Ich bin mir so nutzlos und hässlich vorgekommen, habe mich in die Decke auf der Couch gekuschelt und stundenlang geweint.

»Willst du mir erzählen, was passiert ist?«, fragt Sandra und ich schlucke bei ihren Worten. Soll ich es ihr erzählen? Vielleicht geht es mir ja besser, wenn ich darüber spreche. Aber die Frage ist, was sie nach meiner Beichte denkt. Denn auch wenn ein Seitensprung allein schon furchtbar ist, das, was ich gemacht habe, ist noch eine Spur schlimmer als ein normaler Betrug.

»Vor einem halben Jahr hat ein Fitnessstudio bei uns aufgemacht.«

»Tatsächlich. Also hat die moderne Zeit sogar meinen kleinen Heimatort erreicht.« Seit Sandra nach Wien gezogen ist, hat sich tatsächlich in unserem kleinen, verschlafenen Nest einiges getan. Immerhin lebt meine Freundin seit gut zehn Jahren in der Hauptstadt.

»Ich habe angefangen, zweimal wöchentlich dort zu trainieren, wenn Nikole in der Kinderkrippe ist. Weil mir der Sport guttut. Außerdem gibt es dort ein Solarium und eine Sauna. Und an meinen freien Vormittagen genieße ich es, mich um mich selbst zu kümmern. Was noch dazu kommt, ist, dass das Studio um diese Zeit bis auf die beiden Trainer leer ist. Der Hauptbetrieb ist erst ab Mittag, wenn die Schichtarbeiter fertig sind und die Jugendlichen frei haben.«

»Also war es einer der Trainer?«, zieht Frau Staatsanwältin wieder ihre Schlüsse. Ich schüttele den Kopf und murmele: »Beide.«

Sandra nimmt gerade einen Schluck von ihrem Kaffee und verschluckt sich bei meinen Worten. Sie hustet, schlägt sich mit der Faust leicht auf die Brust. Als sie wieder sprechen kann, sieht sie mich ungläubig an.

»Habe ich dich gerade richtig verstanden?« Sie traut ihren Ohren nicht und ich nicke, ohne sie dabei anzusehen.

»Wie … Was … wie ist das passiert?«

Tja, wie ist das passiert? Vor einem halben Jahr hatte das Fitnessstudio aufgemacht. Die Eröffnung wurde schon Wochen vorher in unserer Gemeindezeitung angekündigt. Ich wollte mir das Studio und die Angebote unverbindlich ansehen und bin gemeinsam mit meiner Nachbarin Hilde hingefahren. Die beiden Trainer, Antoine und Jeff, haben uns herumgeführt, die ganzen Geräte gezeigt, sowie all die Räumlichkeiten. Ich war genauso wie Hilde vom Studio begeistert, vor allem auch davon, dass die beiden Jungs immer vor Ort sein würden, Trainings- und Ernährungspläne sowie ihre ständige Hilfe anboten, und all das war in der Monatskarte inkludiert. Meine Nachbarin hatte mich ganze zweimal ins Studio begleitet, dann war ihr der Sport schon zu hart, dabei hätte ihr das ganz bestimmt nicht geschadet. Vom dritten Training an war ich dann meistens allein mit den beiden Männern. Ich bin mit Sicherheit nicht eine Frau, die nur auf Äußerlichkeiten fixiert ist, aber die beiden Typen sind Männerschönheiten. Beide in meinem Alter, sehr gepflegt, muskulös, einfach ein Hingucker.

Ich weiß noch, wie ich auf dem Laufband trainiert habe und Antoine an dem Gerät vor mir mit nacktem Oberkörper Klimmzüge gemacht hat. Seine Rückenmuskeln, die sich unter der zarten Haut bewegt haben, sein ganzer Körper war schweißnass. Bei diesem Anblick ist mir vor Erregung schwindelig geworden. Damals bei dieser Szene hatte mein Kopfkino angefangen. Ich habe mir zu Hause vorgestellt, wie es wäre, wenn ich diese beiden traumhaften Typen beim Training verführen würde, und da kamen mir dann die ungenutzten Sexspielzeuge ganz recht. Eine Zeit lang ist das so gegangen. Ich bin meinem Alltag entflohen, vor meinem Mann geflüchtet, der sich im Gegensatz zu früher nicht mehr gepflegt und für mich schön gemacht hat. Früher hat er sich die Brust und den Rücken rasiert, bei seiner dunklen Behaarung und dem heute unrasierten Körper sieht er wie ein Schimpanse aus. Außerdem hat er ziemlich zugenommen und auch wenn er sicher kein Alkoholiker ist, riecht er fast immer nach Bier. Da sind Antoine und Jeff ganz anders. Mit ihren hautengen Shirts, bei denen man das Spiel der Bauchmuskeln bei jeder Bewegung sieht, kommen sie mir wie auf der Erde wandelnde griechische Götter vor. Sie wirken immer frisch geduscht, auch wenn das Training, das sie absolvieren, noch so hart ist. Wenn sie mir geholfen haben, ihre Körper ganz nah an meinem, habe ich ihre maskulinen Düfte inhaliert. Wie gut die beiden rochen! Im Gegensatz zu Wolfgang, der mittlerweile sogar manchmal zum Duschen zu müde war und sich ungewaschen zu mir ins Bett legte. Am Tag darauf musste ich jedes Mal die Laken und das Bettzeug wechseln, weil sonst das ganze Schlafzimmer nach altem Schweiß roch.

Wenn ich aber meine beiden Trainer beim Sport beobachtete, hat mich das so aufgeheizt, dass ich es kaum erwarten konnte, nach Hause zu kommen. Eine meiner liebsten Fantasien war es, dass mich einer der beiden wild nimmt, während ich den anderen oral befriedige. Ich habe mir vorgestellt, dass beide ihre Hände über meinen Körper wandern lassen, mich begehren, mich wollen. Und eines Tages, genauer gesagt Donnerstag vor drei Wochen, wurde meine Fantasie Realität.

***

Nachdem ich Nikole in die Kinderkrippe gebracht habe, fahre ich noch mal nach Hause. Dusche, schminke mich nur ein bisschen, damit nichts verschmiert, wenn ich beim Training ins Schwitzen komme. Dann bereite ich einen Proteinshake vor, packe meine Sporttasche und fahre zur Muckibude. Neun Uhr vormittags, der Parkplatz ist wie gewöhnlich um diese Zeit bis auf ein Auto leer. Als ich den Eingang passiere, kommt mir ein Mann in einem Anzug entgegen. Seinem Koffer nach zu urteilen, ist er wohl Vertreter für Nahrungsergänzungen. An der Rezeption des Studios lehnen Antoine und Jeff und untersuchen einige Plastikdöschen mit bunten Kapseln darin. Ich trete ein, die beiden heben ihre Köpfe und begrüßen mich freundlich.

»Na, Monika? Hast du deine Tochter in die Kinderkrippe gebracht?«, fragt mich der blonde Jeff. Er trägt ein Muskelshirt und ich darf mir seine geäderten, muskulösen Oberarme nicht zu lange ansehen, weil ich sonst so feucht werde, dass ich das Training vergessen kann.

»Ja, die kleine Maus. Sie konnte es gar nicht erwarten. Seit Dienstag hat sie eine neue Freundin.«

»Das ist schön! Bring sie doch mal mit«, sagt Antoine. Er ist dunkelhaarig und hat nach dem, was er mir erzählt hat, spanische Vorfahren. Der hautenge Bodysuit auf seinem Körper sieht aus, als würde er bei seinen harten Muskeln jeden Moment platzen.

»Was willst du denn heute machen? Am Dienstag hast du, wenn ich mich richtig erinnere, den Oberkörper trainiert. Heute Beine, Bauch, Po? Danach ein bisschen Cardio? Nicht, dass du das nötig hättest bei deiner Figur, aber schaden kann es auch nicht, wenn man sich um Herz und Kreislauf kümmert.«

Ich lache nervös und nicke. Ich bin es nicht mehr gewohnt, Komplimente zu bekommen, und unsicher überlege ich, ob mich die beiden verarschen wollen. So kaputt bin ich mittlerweile. Doch die Jungs sehen mich mit so offenen und ehrlichen Blicken aus ihren braunen und blauen Augen an, dass sie es nur ernst gemeint haben können. Sie geben mir noch ein paar Tipps, dann gehe ich in die Damenumkleide und ziehe mir meine Sportklamotten an. Das mache ich mit schlechtem Gewissen. Obwohl wir keine finanziellen Probleme haben, hat sich Wolfgang total aufgeregt, dass ich hundert Euro für Trainingssachen rausgeworfen habe. Und das, obwohl ich nie Geld für mich ausgebe. Ich trage die billigste Schminke und bei jedem Kleidungsstück, das ich mir zulege, schaue ich auf den Preis. Bei der Sportkleidung wollte ich aber nicht sparen. Immerhin müssen diese Klamotten jeden Dienstag und Donnerstag in die Waschmaschine und wenn die Kleidung da nicht robust und widerstandsfähig ist, kann ich sie nach einem Monat in den Müll werfen. Dann müsste ich mir wieder neue kaufen. Also habe ich mir was qualitativ Hochwertiges zugelegt. Als ich Wolfgang das erklärt habe, hat er nur genervt abgewunken und sich schnaubend mit seinem Bier vor den Fernseher gesetzt.

Ich beginne das Training mit sieben Minuten auf dem Heimtrainer, gefolgt von fünf Minuten auf dem Laufband. Anfangs ist es anstrengend, doch sobald mein Körper auf Betriebstemperatur ist und die Muskeln spüren, dass sie gefordert werden, fühlt es sich großartig an. Nach dem Aufwärmen setze ich mich auf die Beinpresse, mache zwei Sätze mit zwanzig Wiederholungen, steigere das Gewicht so lange, bis ich zu dem Widerstand komme, den ich für meine Arbeitssätze benutze. Ich schwitze schon ziemlich stark, als ich schnaubend den dritten Durchgang mit fünf schweren Wiederholungen beende. Es folgt eine Minute Pause, dann gehe ich zum Beinstrecker. Wieder taste ich mich an mein Arbeitsgewicht heran und trainiere so hart, dass meine Beine wie Feuer brennen. Ich stehe vom Gerät auf, schüttele meine Muskeln aus, massiere die Oberschenkel und atme tief durch. Das Brennen, das ich fühle, sagt mir, dass es besser ist, jetzt zum Bauchtraining überzugehen, bevor ich mich völlig verausgabe. Am liebsten nutze ich dafür die negative Schrägbank. Ein Gerät, bei dem man mit dem Kopf nach unten liegt, die Beine zur Unterstützung bei einer gepolsterten Rolle einhängt und dann Sit Ups oder Crunches macht. Als Antoine sieht, dass ich mich auf die Bank lege, fragt er: »Soll ich dir helfen und dich an den Waden halten?«

»Ja, bitte«, antworte ich und bringe mich in Position. Er steht vor mir, seine schönen Hände mit den gepflegten, akkurat geschnittenen Fingernägeln legt er um die Gelenke meiner Füße. Wolfgangs Fingernägel sehen nie so aus. Ständig hat er Öl und Schmutzreste von der Arbeit darunter, wieder etwas, das früher nie so war. Ich denke, dass er einfach zu faul geworden war, sich jeden Tag die Fingernägel zu putzen.

Um die Übung schwerer zu machen, legt mir Jeff noch eine zehn Kilo schwere Kurzhantel auf den Bauch. Er ist dazugekommen, um mich ebenfalls zu unterstützen. Ganz vorsichtig hat er seine Hände unter meinen Hinterkopf gelegt und hilft mir, über den Punkt zu kommen, an dem die Sit-ups am schwersten sind. Ich werde ganz unrund, weil ich seine perfekten Brustmuskeln so nah an meinem Gesicht habe und durch das weit ausgeschnittene Muskelshirt kann ich die Querstreifen und Adern sehen, die sich bei jeder seiner Bewegungen wie Schlangen unter der Haut rühren. Noch dazu sein Duft, dieser maskuline herbe Geruch, der mich beinahe um den Verstand bringt.

Ich habe mit Wolfgang seit gut zwei Monaten nicht mehr geschlafen, oder besser gesagt - er nicht mehr mit mir. Ständig war er müde oder hatte sonstige Ausreden. Und diese beiden perfekten, wohlriechenden und gepflegten Körper so nah an meinem lassen mich vor Lust beinahe ausrinnen. Ich hoffe nur, dass die Trainer nicht merken, was in mir vorgeht. Sie sind beide keine Aufreißer. Sie sind immer höflich, nett und zuvorkommend. Ihre Komplimente sind niemals anzüglich und noch nie ist mir aufgefallen, dass sie mit einer ihrer Kundinnen flirten. Obwohl sie bestimmt genug eindeutige Angebote von ihren Klientinnen bekommen. Vermutlich auch von einigen der männlichen Gäste.

Ich habe mit der Hantel auf dem Bauch zwölf Wiederholungen geschafft und Jeff beugt sich leicht über mich, um mir das Gewicht vom Unterleib zu nehmen. Dabei streift sein Schritt mein Gesicht. Unter dem dünnen Stoff fühle ich etwas Weiches und Großes. Als er bemerkt, was gerade passiert ist, lässt er die Hantel zur Seite fallen und zieht sich peinlich berührt zurück.