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Diese Anthologie besteht aus 14 Wettbewerbsbeiträgen des dritten Literaturwettbewerbes am Abendgymnasium Wien. Studierende aus völlig unterschiedlichen sozialen Bereichen schreiben über ihre Lese-Erlebnisse und laden ein zu diesem Lese-Reigen, der den Leser amüsiert, nachdenklich stimmt und unterhält. Ein Büchlein, das uns das geschriebene Wort in unserer hektischen und stressbestimmten Zeit wieder näher bringen will.
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Vorwort
1.
Key Bindings
Claudia Adebayo
2.
Wie die Wellen des Ozeans
Katharina Brunnbauer
3.
Bad Choices
Thomas T. Eden
4.
Mit Büchern kann ich aus der Wirklichkeit fliehen
Marina Jackl
5.
Frühling
Thomas Karner
6.
Ich bin M
Regina Lackner
7.
Ewige Suche
Katharina Lind
8.
Mit Büchern bin ich aus der Wirklichkeit geflohen
Christina Maserei
9.
Fragmente einer Wahrheit
Maria Modl
10.
Bücherfluchten, tief in der Vergangenheit
Loonyplanet
11.
Mit Büchern bin ich aus der Wirklichkeit geflohen
Roman Ofner
12.
Die Unsichtbare
Michael Sammt
13.
Magenta und Grün
Tabea Söregi
14.
Meinungsrede Lesen
Moritz Wondratsch
Nachwort
„Mit Büchern bin ich aus der Wirklichkeit geflohen; mit Büchern bin ich in sie zurückgekehrt. Ich habe, lesend, meine Umgebung vergessen, um die Umgebungen anderer zu erkunden. Auf Sätzen bin ich durch Zeiten gereist und rund um die Erde. Bücher haben mir Angst gemacht, und Bücher haben mich ermutigt.“
(Peter Härtling, zit. n. Peter Härtling. Mein Lesebuch. Cover-Text, Fischer TB Nr. 2198)
Das war das Thema des Literaturwettbewerbes 2015 am Abendgymnasium Wien, der vom 15. März bis zum 30. April für an der Schule Inskribierte und für unsere Absolventen stattfand. Die Einladung an die Teilnehmer/innen lautete, sich mit einer Erzählung, einer Kurzgeschichte oder mit einer Meinungsrede dem Wettbewerb zu stellen und die Bedeutung, die der Schriftsteller Härtling dem Lesen beimisst, darzulegen. Die Teilnehmer/innen sollten seine Einschätzung anhand eigener Leseerfahrungen verarbeiten und diese Impulse in einen kreativen Text verpacken. Die Textlänge von 1000 Wörtern sollte dabei nicht überschritten werden.
14 wunderbare Beiträge wurden eingereicht und vermitteln ein spannendes Bild vom kreativen sprachlichen Schaffen unserer Studierenden.
Herzlichen Dank an alle Autor/innen für ihre Texte, die wir nun in diesem Band für Sie zusammengestellt haben.
Jede/r der Teilnehmer/innen erhält eine Urkunde und ein detailliertes Feedback zur eingereichten Arbeit. Die Plätze eins bis drei werden mit 100, 60 und 40 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Wir behalten uns das Recht vor, eindeutige Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehler nach den Regeln der neuen Rechtschreibung zu korrigieren. Eigenwillige Schreibweisen wie zum Beispiel durchgehende Kleinschreibung oder wörtliche Rede ohne Anführungszeichen werden beibehalten.
Die Preisträger werden Ende Mai bekanntgegeben.
Annette Glanzer-Fischer & Martina Fischl-Radakovits
Claudia Adebayo
Ich schaue auf das Wort, das letzte Wort von so vielen. Ich blicke auf und bin traurig. Traurig darüber, dass das Buch zu Ende ist, dass alle Worte gelesen sind. Traurig darüber, dass nicht ich die Heldin bin, sondern nur eine Beobachterin, die sich zu sehr der Seele der Figur angenähert hat.
Doch ich bin zurück in meiner Gegenwart, der ich doch so gerne entflohen wäre. In meinem eigenen Gefängnis der Gedanken und Gefühle. Ich bin eine Gefangene, in mir und außerhalb. Ich kann nicht davonlaufen, nicht vor mir und nicht vor den anderen. Doch ich versinke in die Tiefe der Bücher, der Sätze, der Wörter, die Bilder malen, Emotionen hoch holen. Manchmal gelingt es ihnen, meine Seele zu beruhigen, ihr Trost und Wärme zu geben. Das Gefühl der scheinbaren Geborgenheit zu vermitteln. Ich blicke hoch zu den Regalen, wo sie stehen. Sie, die Freunde meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Geschichten, die ich liebe. Dieses Buch mit dem schwarzen Einband, „Die kleine Hexe“, ich liebe es. Ich wünschte ich könnte auch fliegen, mich einfach auf einen Besen setzen, das Fenster öffnen und fliegen. Die Stadt, das Land von oben sehen. Die Lichter in der Nacht.
Frei sein. Nur nicht da sein, wo Schmerz, Verletzung, Blut, Trauer und Wut herrschen. Was sehe ich noch? Hier „Die drei Stanisläuse“. Vater, Sohn und Großvater, die auf Reise gehen, zusammen, die die Möglichkeit haben, durch ihr Fernglas die Geschehnisse nah oder fern sein zu lassen. Ich glaube, ich würde das Fernglas nur verkehrt halten. Das Geschehen weit weg schicken. Nicht involviert sein. Doch ich kann nur aussteigen, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, in die Bücher zu fliehen, aussteigen aus mir selbst, um einfach nicht fühlen zu müssen.
Ich will nicht mehr fühlen. Ich will die Identität meiner Bücherfreunde annehmen.
Dort eines meiner Lieblingsbücher. „Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen.“ Ich kann mich mit dem Mädchen identifizieren, ihrer Flucht in ihre Anderswelt. Ihre Angst, von dort zurück zu kommen. Ich beneide sie um die Person, die ihr hilft, den Weg zurück zu finden. Langsam und behutsam. Wie gerne hätte ich diese auch. Eine Person, der ich vertrauen kann, die mich herausholt aus meiner Hölle. Die neben mir steht, mir behutsam die Klinge aus der Hand nimmt, wenn ich wieder die Stimmen in meinen Kopf höre, die mir befehlen, es zu tun. Sie wollen einfach Blut sehen.
Ich liebe es, ein Buch zu lesen zu beginnen. Es ist eine Reise, eine Reise in das Unbekannte. Die ersten Wörter, die zu einem sprechen. Die einen einladen, weiter einzutreten, sich in ihnen zu verlieren. Ich liebe den Geruch, das Gefühl, sie in den Händen zu halten. Sich an etwas festhalten zu können. Das letzte Buch zur Seite legend bedanke ich mich im Inneren bei diesem, mir Freude, Abenteuer und neue Erkenntnisse gegeben zu haben.
Nun halte ich ein neues Buch in meinen Händen. Ich frage es leise, ob es mir gestattet, einzudringen in seine Welt, eins zu werden mit ihm, meine Gedanken mit den Seinen zu verbinden.
Claudia Adebayoist Krankenschwester. Seit Herbst 2013 besucht sie das Abendgymnasium im Rahmen des Fernstudiums. Sie liebt Tiere und Bücher. Kreativität und Schreiben sind ihr sehr wichtig, um sich auszudrücken.
Katharina Brunnbauer
Ich bin so weit weg von mir selbst. Es ist ein bisschen, als wäre ein Ozean in mir – manchmal mit sanften Wellen, die mich in Geborgenheit wiegen und dann in einem Sturm mit Wellen, die mich wild und bedrohlich hin und her schleudern, hart und peitschend. Manchmal zieht es mich in dunkle Tiefen, in denen ich mich nicht zurecht finde und mal ist da ein Strudel, der mich an ein und derselben Stelle festhält, egal wie sehr ich strample. Und dann wieder verschafft es mir eine ungeheure Befriedigung, mich einfach davon oder in die Tiefe treiben zu lassen, ohne mich zu wehren; aber auf eine rebellische, destruktive Art. Manchmal ist es, als würden mich mein innerer Ozean und der Ozean da draußen, das Leben, einfach überfluten. Und manchmal ist der Ozean wie eine Badewanne, bei der man den Stöpsel rauszieht und alles Wasser abfließt. Dann wird alles leer und grau und trostlos weit und ich bin nichts mehr.
Ein kleines Fährboot hatte angelegt und ihr Begleiter, ein etwas älterer Mann als sie, gab ihr die Hand. Sie stieg auf das wankende Schiffchen, das sich sogleich in Bewegung setzte. Die Wellen schlugen peitschend gegen die Bootswand. Mit jedem Meter, den sich die Fähre auf die naturbelassene, unbewohnte kleine Insel zubewegte, hatte sie das Gefühl, freier atmen zu können. Er hatte ihr so oft erzählt von diesem magischen Ort. Sie beugte sich über die Reling und sah, wie sich die Insel wie ein Berg aus dem Ozean vor ihnen erhob.
