Und du fliegst durch die Nächte - Sophie Bichon - E-Book

Und du fliegst durch die Nächte E-Book

Sophie Bichon

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Beschreibung

Steh zu dir und deiner Liebe. Für immer.

Nur in der Nacht fühlt Romeo sich frei und lebendig. Da er schon immer anders war und seinen Eltern nie genügen konnte, ist dieses Leben im Untergrund alles, was er will. Doch obwohl er in der Technoszene längst ein gefeierter DJ ist, fühlt Romeo sich außerhalb der Szene leer und verloren – bis er eines Nachts auf Julius trifft. Julius mit den dunklen Locken und eisblauen Augen, Julius mit dem unbeschwerten Grinsen und dem Leben im Hellen. Immer wieder begegnen sie sich und fühlen sich wie magisch angezogen. Doch als Romeo immer tiefer in die Dunkelheit gerät, müssen sich die Frage stellen, ob ihre unterschiedlichen Welten tatsächlich zusammenpassen.

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ZUMBUCH

Steh zu dir und deiner Liebe. Für immer.

Nur in der Nacht fühlt Romeo sich frei und lebendig. Da er schon immer anders war und seinen Eltern nie genügen konnte, ist dieses Leben im Untergrund alles, was er will. Doch obwohl er in der Technoszene längst ein gefeierter DJ ist, fühlt Romeo sich außerhalb der Szene leer und verloren – bis er eines Nachts auf Julius trifft. Julius mit den dunklen Locken und eisblauen Augen, Julius mit dem unbeschwerten Grinsen und dem Leben im Hellen. Immer wieder begegnen sie sich und fühlen sich wie magisch angezogen. Doch als Romeo immer tiefer in die Dunkelheit gerät, müssen sich die Frage stellen, ob ihre unterschiedlichen Welten tatsächlich zusammenpassen.

ZURAUTORIN

Sophie Bichon wurde 1995 in Augsburg geboren und studierte dort Germanistik und Kunstgeschichte, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt und arbeitet in einer bunten WG direkt unter dem Dach, umgeben von Büchern und ihren geliebten Pflanzen. Sophie Bichon liebt lange Schreibnachmittage in Cafés, durchgetanzte Nächte und Tage, an denen die Sonne scheint. In ihren Romanen schreibt sie nicht nur über die kleinen und großen Momente des Lebens, über Fehler und neue Chancen, sondern auch über die Liebe in all ihren wunderschönen Facetten.

SOPHIEBICHON

UNDDU

FLIEGST

DURCHDIE

NÄCHTE

loveislove

Band 2

Roman

WILHELMHEYNEVERLAG

MÜNCHEN

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Originalausgabe 09/2021

Copyright © 2021 dieser Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Eva Jaeschke

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München,

unter Verwendung von FinePic®, München

Satz: Leingärtner, Nabburg

ISBN 978-3-641-27059-9V001

www.heyne.de

Für Juliana.

Für dein großes Kämpferherz,

in dem so viele Queers ihren Platz haben.

Dafür, dass du dich für uns einsetzt.

Die Welt braucht mehr Menschen wie dich,

aus tausend verschiedenen Gründen.

Für jeden Menschen,

der den Mut hat, er selbst zu sein.

Und für jede*n Einzelne*n, die*der noch mutig sein möchte.

Ihr seid stark, vor allem aber seid ihr nicht allein.

Ich sehe euch.

This feels nice

I’ve been down and lost for days

Glad I found you on the way

When the day gets better, the night gets brighter.

Drugs you should try von Travis Scott

But I’m dancing in the moonlight

It’s caught me in the spotlight

It’s alright

Dancing in the moonlight

On this long hot summer night.

Dancing in the Moonlight von Alt-J

VORWORT

Liebe Leser*innen,

die Geschichte, die in Und du fliegst durch die Nächte erzählt wird, ist keine leichte. »Dein Gestern ist mein Heute«, sagt Romeo einmal zu Julius, und in diesem Satz steckt so viel über das Miteinander der beiden und über sie als Menschen. Romeo und Julius, die sich in so vielen Dingen unterscheiden wie Tag und Nacht, wie Hell und Dunkel.

Vor allem Romeo hat dabei sein Päckchen zu tragen. Es geht nicht nur um Substanzenmissbrauch und Drogenkonsum, sondern auch um Queerfeindlichkeit und depressive Schübe, die immer wieder Thema sind. Das sind Dinge, von denen ich möchte, dass ihr sie vor dem Lesen dieses Romans wisst. Solltet ihr das Gefühl haben, dass etwas davon euch zu sehr an schlechte Erlebnisse erinnern oder gar triggern könnte, ist es völlig in Ordnung, an dieser Stelle erst einmal nicht weiterzulesen.

Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit im bunten, rauen und großartigen Berlin. Lasst uns gemeinsam durch aufregende Nächte fliegen.

Eure Sophie

PLAYLISTS

ROMEOFÜRJULIUS

Drugs You Should Try von Travis Scott

Manne im Theater von Kunterweiß

Polar Lights von Booka Shade & Joplyn

Nevadavon Kerala Dust

Neginavon T-Puse (Temple Tears Remix)

Finally Minevon H.O.S.H.

Sky And Sand von Paul Kalkbrenner

Hereinspaziertvon Deisen

Kein Liebesliedvon Kraftclub

Wie im Traum von Deisen (Kunterweiß Remix)

JULIUSFÜRROMEO

Lostvon Frank Ocean

Tieduprightnowvon Parcels

Should Have Known Better von Sufjan Stevens

Last Night In Sant Celoni 12” Mix von Payfone (feat. Jaz James)

Driftvon Great Gable

Around The Sunvon Poolside (feat. Amo Amo)

I Didn’t Knowvon Skinshape

Blue Coloured Mountain von Szymon

Nightcallvon Kavinsky

You’re All I want von Cigarettes After Sex

How To Flyvon Sticky Fingers

Inceptionvon Rabih Rizk (Oberst & Buchner Remix)

Paramatmavon Fake Mood

Ravevon Sam Paganini

Sorry I Am Late von Kollektiv Turmstrasse

Syriavon Unders

Losing Itvon FISHER

Freidrehenvon Clueso

Dancing in the Moonlight von Alt-J

Sensevon King Gizzard & Lizard Wizard

Sexy Weekendvon Scoundrels

Miles Away von Years Around The Sun

EINE NACHT WIE JEDE ANDERE (FAST)

Romeo

Es war, als stünde eine Barriere zwischen mir und dem Leben, und in diesem Moment war ich mir sicher: Diese Welt hatte mich sowieso nie gewollt und versuchte jetzt wieder, mich loszuwerden. Ganz eindeutig gab sie ihr Bestes, einen Fehler wiedergutzumachen, vielleicht sogar meine Existenz auszulöschen.

Alles war ein einziger Rausch und pure Ekstase, bunte Lichter und explodierende Farben überall, die etwas in mir entzwei- und mich mit sich rissen. Ich ließ mich davontragen, die Augen groß, das Herz klein. Erst machten die Menschen mich unter den Beats zu ihrem Gott und ließen mich mit der Musik die Fäden ziehen, dann gingen sie wieder ihrer Wege, und ich blieb zurück – mit den anderen Verlorenen, und mit jeder Pille drehte die Welt sich schneller.

Diese Welt, die mich nicht haben wollte.

Aber jetzt flog ich auf den Schwingen der Drogen und schob jeden Gedanken daran beiseite – doch als sie mit dem Morgengrauen unaufhaltsam hämmernd wiederkehrten, wurde etwas in mir ganz hart. Weil Hoffnungslosigkeit schlimmer war als Schmerz, und Leere schlimmer als schlechte Entscheidungen.

Es war der Preis für das erkaufte Glück im Untergrund.

Es war die Realität einer Welt, in die ich einfach nicht hineinpasste.

Sie war nicht für verdammte Götter gemacht, sondern für Sterbliche. In den Nächten war ich das eine, an den Tagen das andere, und dann auch wieder keins von beidem.

Ein Gott, ein Gott, ein Gott.

Ein Halbgott – doch einer, der fiel.

Plötzlich war ich oben auf dem Dach, anstatt in meiner Wohnung. Der Wind zerrte an meiner Jacke. Er kam in Böen, wild und gierig, ganz so, als würde er mich zur Eile drängen wollen. Es gab keine verdammte Zeit zu verlieren, und zugleich hatte ich doch mehr als genug. Ich sollte springen und all dem ein Ende setzen.

Als ich die Lider schloss und Schwärze sich um mich legte, hieß ich die Dunkelheit mit ausgebreiteten Armen willkommen. Sie stand im größten Kontrast zu den leuchtenden Farben der Pillen, die nach und nach ihren Weg in mein defektes System gefunden hatten.

Es war eine Nacht wie jede andere.

Fast.

Und jemand schrie.

Gäbe es Berlin nicht,

würde ich versuchen, zum Mond zu fliegen.

Gäbe es Berlin nicht,

würde ich Richtung Unendlichkeit abbiegen.

Supernova, aus Nachtschwärmer (LP), erschienen 2020.

ACHT MONATE FRÜHER.

ODER EIN HALBES LEBEN ZUVOR.

1.  Kapitel

Romeo

Die Hitze eines nackten Körpers nahm mir die verfluchte Luft zum Atmen. Ich blinzelte, konnte mich aber nicht bewegen, denn ein Arm lag schwer auf meinem Bauch, ein Kopf auf meiner Brust. Als die Frau im Schlaf seufzte und sich dabei enger an mich presste, strichen lange, tiefrote Haare über meinen Oberkörper. Noch immer hing in der Luft der Geruch nach Sex und ihrem süßen Parfüm, nach Schweiß und nach dem Gras, das wir geraucht hatten, um zumindest ein bisschen runterzukommen. Ich hatte die letzten drei Tage durchgemacht, war offensichtlich aber doch für wenige Stunden eingeschlafen. Auch wenn mein Kopf jetzt innerhalb von Sekunden hellwach war, spürte ich die Müdigkeit mit jeder Faser meines Körpers.

Unwillkürlich strömten Bilder des Wochenendes durch mein Bewusstsein. Die in Dunkelheit gehüllten Nächte, die zu einer einzigen verschmolzen waren. Die Clubs und das Streifen durch die Stadt, das mich müde gemacht, die Lines aus schneeweißem Pulver, die mich wachgehalten hatten. Da waren meine Songs, die sich über die Grenzen der Hauptstadt ausbreiteten, und die Menge, die meinen Namen skandiert hatte. Stories für Millionen Instagram-Follower. Stories, die mir beim Erinnern halfen, wenn die Zeit ihre scharfen Konturen verlor. Ich erinnerte mich an die Stunden im Fakultativ, einem der kleineren Clubs. Eigentlich zu klein für meinen Erfolg und den Namen, den ich mir mittlerweile gemacht hatte, aber irgendwie war der Laden zum Treffpunkt meiner Leute geworden. Die Partys, die dort unter den Katakomben im Geheimen stattfanden – sie waren unser Zentrum, um das wir kreisten. Eine Momentaufnahme von Ben mit geröteten Wangen und dem silbernen Ring, der seine vollen Lippen teilte, schob sich zwischen die vielen Bilder. Ben, mit dem ich dort wieder einmal, verborgen vor den Blicken der anderen, rumgemacht hatte, weil ich es so drauf, wie ich gewesen war, zugelassen hatte. Weil ich mir dieses Verlangen nur in diesem Zustand erlaubte, auch wenn ich wusste, dass ich mich am nächsten Tag irgendwie … schmutzig fühlte. Irgendwie so verflucht falsch und benutzt. Doch je mehr ich dagegen ankämpfte, desto schlimmer drehten sich meine Gedanken, desto stärker wurde mein Verlangen – also gab ich ihm in solchen Momenten nach. Und es war ja nicht so, als wäre das in der Techno-Szene etwas, das die Leute nicht akzeptieren würden. Feiern, leben und leben lassen, Sex und Drogen. Als würde es da jemanden jucken, dass ich mich … auch zu Männern hingezogen fühlte. Aber gottverdammt, mich juckte es. Und die Fremde mit den roten Haaren, die vor wenigen Stunden mehrmals unter mir gekommen war, bestätigte doch, dass ich die Kerle eigentlich nicht brauchte. Schließlich war ich mit ihr nach Hause gegangen und nicht mit Ben.

Ich versuchte die Frau wegzuschieben – möglichst vorsichtig und so, dass sie nicht aufwachte, doch Gott, so viel Glück hatte ich natürlich nicht. Träge hob sie den Kopf und starrte mich an. In den Augenwinkeln hingen Reste ihrer Wimperntusche und ließen die feinen Ringe unter ihren Augen noch dunkler wirken.

»Hey«, sagte sie heiser.

»Hey«, murmelte ich, woraufhin ein zufriedenes Seufzen ihren Lippen entwich. In mir zog sich alles unangenehm zusammen. Es war der Knoten in meinem Bauch, den ich nur zu gut kannte.

Die Unbekannte war hübsch, mit ihren leuchtenden Haaren, dem herzförmigen Mund und der schmalen silbernen Kette mit Mondanhänger, die ihren schlanken Hals betonte. Im Moment aber sah sie mindestens so fertig aus, wie ich mich fühlte. Trotzdem strahlte sie mich an und drängte sich im nächsten Moment noch enger an mich. Sie schlang mir die Arme um den Hals, schob eines ihrer Beine zwischen meine. Ihre Haut war so weich wie alles an ihr und, als sich ihre nackten Brüste gegen meinen Oberkörper pressten, regte sich zwar mein Schwanz, aber meine Gedanken taten es nicht. Ich war echt nicht der Typ für Emotionales und erst recht nicht für verdammtes Kuscheln.

»Willst du einen Kaffee?«, murmelte sie und schenkte mir ein Lächeln. »Oder Frühstück?«

Ach du Scheiße.

Mit beiden Händen rieb ich mir über das Gesicht und stöhnte innerlich auf. Ich sehnte mich nach dem Alleinsein, nach Ruhe und Einsamkeit, in der ich Raum für mich hatte. Den fand ich nur in der Dunkelheit und nicht im Licht der tief stehenden Sonne, das durch die Fenster in dieses fremde Zimmer fiel und mir meine Leere und Verlorenheit unangenehm bewusst machte. Das war mein ungeschöntes Innerstes, aber auch die Nachwirkungen des verdammten Ecstasy – das war das Down, das war der Preis für die Hochgefühle des Wochenendes.

»Nein«, erwiderte ich knapp. Es klang zu hart, und ich gab mir Mühe, meine abweisende Haltung mit einem Lächeln abzuschwächen. »Ich sollte jetzt besser gehen. Hab einiges zu tun heute.«

»O«, sie biss sich auf die Unterlippe, und Enttäuschung flackerte in ihren Augen auf. »Okay.«

Trotzdem machte sie keine Anstalten wegzurutschen. Stattdessen lehnte sie sich zu mir, um mich zu küssen, doch ich wich ihren immer noch geschwollenen Lippen aus. Ich hatte ihr verfluchten Sex versprochen, aber ganz sicher keine Nähe. Dieses Mal schob ich sie sanft, aber bestimmt von mir, um aufzustehen und meine Klamotten aufzusammeln, die kreuz und quer auf dem Boden verteilt lagen. Boxershorts, Socken, Jeans. Schnell schlüpfte ich hinein.

»Soll ich dir … vielleicht meine Nummer geben?«, fragte sie jetzt hoffnungsvoll in meinem Rücken. Ich zog mir den Hoodie über den Kopf, die schwarze Bauchtasche über die Schulter, band mir die Haare im Nacken zusammen und drehte mich schließlich fertig angezogen zu ihr um. Sie hatte sich aufgesetzt und strich sich die roten Haare erwartungsvoll hinter die Ohren. Bei der Bewegung glitten sie aufreizend über ihre aufgerichteten Nippel, doch was mich zwischen Rausch und Dunkelheit noch angemacht hatte, interessierte mich jetzt nicht mehr.

»Das würde keinen Sinn machen, weil ich mich nicht bei dir melden werde.« Das war das Ehrlichste, was ich ihr sagen konnte. Ganz sicher war ich keiner von diesen gottverdammten Kerlen, die Versprechungen machten, von denen sie wussten, dass sie sie nicht halten würden. »Versteh mich nicht falsch. Die letzte Nacht war großartig.« Großartig bedeutete in diesem Fall eine wie jede andere. »Aber das wird sich nicht wiederholen. So läuft das bei mir einfach nicht, und ich will dich nicht anlügen.«

Ich zwinkerte ihr zu und versuchte, nicht noch deutlicher zu zeigen, wie sehr ich hier wegwollte. Dann hob ich zum Abschied die Hand, wünschte ihr noch einen schönen Tag und trat hinaus in einen winzigen Flur, dessen Chaos sehr nach WG aussah.

Kurz bevor die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fiel, entdeckte ich an der Wand zwischen Postkarten, Konzert- und Kinotickets und unzähligen Fotos ein Plakat von mir, das mir nicht aufgefallen war, als wir vollkommen drauf hier gelandet waren. Ich hatte weiß Gott auch deutlich besser zu tun gehabt, als mich hier genauer umzusehen. Und jetzt lachte ich bitter auf. Wer auch immer sie war: Sie hatte nicht mit Romeo Brenner geschlafen, sondern mit Ro. Mit einem DJ, einem Musikgott. Mit jemandem, den sie verehrte. Lillie meinte immer, dass ich aufhören müsste, mit diesen Frauen ins Bett zu gehen. Mit meinen Fans, die dem Himmel für eine Nacht näher sein wollten. Ich aber war der Meinung, dass so jeder das bekam, was er wollte. Ich den Sex, der mich für einen Moment dieses so unerklärliche Loch in mir vergessen ließ – und diese Frauen ein Stück von mir, nach dem sie sich so sehnten.

Draußen auf der Straße blinzelte ich in das absurd grelle Licht und zog mir die Kapuze meines Hoodies tiefer in die Stirn, ehe ich die Sonnenbrille aufsetzte. Einfach nur weg, um zu überleben. Einfach nur weg, um bis zum nächsten Set zu leben. Einen Augenblick lang fühlte es sich wie die Sicherheit der Nacht an, die ich so liebte. Friedrichshain, mein Kiez, der niemals schlief. So wie Berlin, das vor vier Jahren zu meinem Zuhause geworden war, weil ich gedacht hatte, hier ich selbst sein zu können. Inzwischen machten sich Zweifel in mir breit, und doch würde ich niemals zurückgehen oder dieses Leben aufgeben wollen. Die auf die kunstvoll verzierten Hauseingänge geschmierten Graffitis, waren nur einer der vielen großartigen Kontraste, die mich vom ersten Moment an Berlin und vor allem an diesem Viertel gereizt hatten. Das Aufeinandertreffen von Altem und Neuem, ruhigen Ecken und bebendem Leben, von tausend verschiedenen Welten in einer einzigen Stadt. Ein paar der gesprayten Bilder stammten von mir, waren Zeugnisse der Nächte, in denen ich allein durch die Straßen streifte und nicht schlafen konnte.

Im Moment jedoch verschwand alles hinter den getönten Gläsern – auf diese Art entsprach das Leben dem Schwarz-Weiß-Film, nach dem es sich gerade anfühlte. So voller Emotion und gleichzeitig erfüllt von bodenloser Leere. Alles war zu laut und zu viel, als ich die nächste Haltestelle ansteuerte, um Richtung Boxhagener Platz zu fahren. Das Gelb der U-Bahn, die ratternd zum Stehen kam, wirkte wie eine Farbexplosion und für einen Sekundenbruchteil wurde ich wieder zurückkatapultiert. Ein Nachklang von Glücksgefühlen, die sich direkt in ein allumfassendes Verlustgefühl verwandelten. Ich lebte für die Dunkelheit, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder Gott spielen würde. Ein Gedanke, der mich dazu brachte weiterzulaufen, auch wenn meine Schritte schwer und träge waren.

Wie ein schützender Mantel legte sich die Anonymität der Großstadt um mich und mein schnell schlagendes Herz und ließ mich auf erschreckend schöne Weise in der Menge der Fahrgäste dieser muffigen Bahn untertauchen. Und doch bildete ich mir immer wieder ein, erkannt zu werden. Der Kerl mit den Kopfhörern mir gegenüber, der mich mit schief gelegtem Kopf musterte. Die Frau mit dem kurzen Pony und den riesigen Ohrringen, die schnell wegsah, als ich sie beim Starren erwischte. Die beiden Mädchen an den Türen weiter hinten, die die Köpfe zusammensteckten und mich dann irgendwo zwischen offen und neugierig angrinsten. Die mit dem Leopardenmantel schien sich ein Herz zu fassen, löste sich von ihrer Freundin und zwängte sich zwischen den dicht stehenden Menschen hindurch – in meine verdammte Richtung, den Blick fest auf mich gerichtet.

Ich stöhnte innerlich auf, da erreichten wir die Haltestelle Frankfurter Allee, und ich sprang erleichtert aus der Bahn. Gar kein Bock gerade.

In meiner Wohnung angekommen, stand ich unentschlossen mitten im großzügigen Eingangsbereich und wusste nichts mit mir anzufangen. Wusste nur, dass ich das Getöse in meinem verdammten Kopf zum Schweigen bringen wollte. Der dunkle Parkettboden schimmerte im letzten Licht des Tages, das durch die breiten Fenster fiel. Hohe Decken mit Stuckverzierungen, an den Wänden gerahmte Plakate ähnlich dem, das ich vorhin gesehen hatte. Überall schaute mir dieser harte Blick unter einer schwarzen Kapuze entgegen, zusammen mit der minimalen Andeutung eines fast schon überheblichen Grinsens. Die Haare reichten mir auf den meisten Bildern noch nicht ganz bis über die Schultern, doch ich hatte etwas Rebellisches an mir und in meinen Augen stand das Feuer, dass ich mittlerweile nur noch mithilfe der Drogen empfand. Die Plakate erzählten meine Geschichte als DJ, sie sprachen von Ro, nicht aber von Romeo.

Mein Handy zeigte zwei verpasste Anrufe meines Managers an, dabei sollte Markus langsam kapieren, dass ich gerade keinen Nerv hatte, ihn oder das Label, vor dem er mich vertrat, zurückzurufen. Ich konnte mir ohnehin denken, worum es ging. Außerdem hatte ich eine Nachricht von Leander und einen verpassten Anruf von Lillie. Mit großer Sicherheit erwartete mich einer ihrer legendären Was-hast-du-dir-nur-dabei-gedacht-Vorträge, und das war nichts, womit ich mich jetzt befassen wollte oder konnte. Ja, ich war wieder einmal untergetaucht, aber es fiel mir immer schwerer, an dieser Freundschaft festzuhalten und ihr unaufhörliches Bröckeln zu ignorieren.

Gerade wollte ich mein Handy ausmachen, da ging ein Videoanruf von Leander ein. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, weshalb zur Hölle er nicht einfach normal anrufen konnte. Ich nahm reflexhaft ab, ein bisschen auch aus schlechtem Gewissen. Bevor ich genauer darüber nachdenken konnte, nahm sein Gesicht schon den gesamten Bildschirm ein: die weißblonden Haare, die wie so oft unter einer schwarzen Beanie hervorlugten. Die hellen Augenbrauen und das ovale Muttermal über der Oberlippe. In der leichten Untersicht erkannte ich im Hintergrund einen Streifen Himmel, sah Äste und Wolken vorbeiziehen, während Leander irgendwo entlanglief. Wahrscheinlich war er auf dem Weg zur Universität der Künste. Es war sein letztes Semester und hätte auch meines sein können, wenn ich das Studium nicht vor Kurzem abgebrochen hätte. Doch im Gegensatz zu ihm interessierte mich Architektur eigentlich nicht. Mich dafür einzuschreiben war nur der vergebliche Versuch gewesen, mich irgendwie normaler zu fühlen. Letztendlich hatte ich das Studium nur auf Druck meiner Eltern begonnen – trotz meines Umzugs hatte offenbar zumindest ein kleiner Teil von mir ihnen immer noch gefallen wollen.

»Hey, Mann.«

»Harte Nacht gehabt?«, fragte Leander und musterte mich über den Bildschirm. Dann fügte er kopfschüttelnd hinzu: »Du siehst scheiße aus, Ro.«

Die andere Sache, die ich ebenfalls in seinen Augen sah, ignorierte ich gekonnt. Dieses Etwas, das sich seit geraumer Zeit zwischen uns stellte und dass langsam, aber sicher zu einer unüberwindbaren Mauer wurde. Dieses Etwas, das ich auch zwischen mir und meiner besten Freundin Lillie immer häufiger aufblitzen sah.

»Danke, Lean«, lachte ich schwach. »Als ob ich das nicht wüsste.«

»Geht’s dir denn sonst gut?« Er zog die Augenbrauen zusammen. »Lillie und ich haben uns Sorgen gemacht, weil wir so gar nichts mehr von dir gehört haben …«

»Ja, passt.« Ich wollte so nicht sein, aber manchmal war Wegschieben leichter als alles andere. »Tut mir leid, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Ich … war beschäftigt.«

Während ich mit dem Handy in der Hand durch die Wohnung lief, durchforstete ich mein Hirn nach irgendetwas, was ich noch sagen konnte. Das Apartment war absurd groß, wahrscheinlich, weil es ursprünglich einmal zwei Wohnungen gewesen waren. Selbst wenn ich gewollt hätte – keine Chance, dass es hier unordentlich aussehen könnte. Ich wusste nicht einmal, wieso ich hier eingezogen war, vielleicht einfach nur, weil ich es mir leisten konnte. Letzten Endes aber war es lächerlich viel Platz für eine einzelne Person. Überall herrschten Weiß und Grau vor, hohe Decken und mehr Zimmer, als ich nutzen konnte. Eigentlich pendelte ich ohnehin nur zwischen meinem Schlaf- und dem Musikzimmer, weil ich mehr nicht brauchte. Vor allem Letzteres war mein Lebensmittelpunkt, meine Oase und manchmal meine Hölle.

»Ro?«

Ich zuckte zusammen. »Sorry.«

Meine Gedanken waren so schwer wie meine Schritte. Ich dachte viel nach und grübelte, doch immer häufiger fühlte es sich an, als würde ich meine engsten Freunde nicht mehr kennen. Jetzt musste ich mir irgendetwas einfallen lassen, damit Leander mich nicht mehr so ansah und ich im Idealfall weniger wirkte, als würde ich ständig nur um mich selbst kreisen. Aber wenn ich ehrlich war, schien mir mein Leben längst in einem Paralleluniversum stattzufinden, und ich hatte keine Ahnung, wie alles andere dort noch hineinpassen sollte. In meinen Mikrokosmos, in dem meine Musik zu viel Raum einnahm. Eine selbst erschaffene Welt, die sich immer weiter von Lillie und Leander entfernte. Lillie und Leander, Double-L-Trouble, wie sie sich selbst nannten.

»Habt ihr inzwischen eigentlich mit Fred gesprochen?«, fragte ich schließlich. Himmel, mehr bekam ich in meinem Zustand nicht hin. Aber das sollte ihm doch zeigen, dass ich irgendwie zuhörte, oder?

Vor drei Jahren war Leander in das frei gewordene Zimmer in Lillies WG eingezogen. Ich hatte sie beim Feierngehen kennengelernt, ihn in einer Einführungsveranstaltung während unseres ersten Semesters. Und irgendwie hatte es zwischen uns dreien auf Anhieb gepasst. Seit ein paar Wochen hatten die beiden einen neuen Mitbewohner und waren alles andere als glücklich mit ihm. Ich kramte in meinen Erinnerungen, doch die Gründe dafür, die sie mir in unseren letzten Gesprächen sicherlich aufgezählt hatten, kamen mir beim besten Willen nicht in den Sinn.

»Noch nicht«, meinte Leander und seufzte. »Wir wollten uns am Wochenende eigentlich in Ruhe mit Fred zusammensetzen, aber er ist wieder mal nicht aufgetaucht. Keine Ahnung, er macht es einem echt nicht leicht. Es ist ja nicht so, als wären Lillie und ich superordentlich, aber Fred ist einfach megaunzuverlässig, und so funktioniert das halt einfach nicht, wenn man zusammenwohnt und Dinge abspricht.« Leander hielt kurz inne, ich nickte und warf ein vages Mhm ein, dann sagte er: »Wir haben ihn das letzte Mal irgendwann Anfang letzter Woche gesehen. Ich weiß nur, dass er zwischendurch da war, weil es dann einfach krass nach Rauch stinkt und sich in der Küche das schmutzige Geschirr stapelt.«

Wieder ein Mhm von mir. Dieses Mal irgendwo zwischen zustimmend und mitfühlend, wie ich hoffte.

Es war eine Gewohnheit, auf dem Weg den breiten Flur entlang an der Flügeltür angekommen, innezuhalten. Im Inneren des Musikzimmers dann für einen Augenblick mit den Fingerkuppen über meine Lieblingsschallplatten zu streichen. Sie füllten genauso wie die zahlreichen CDs an der anderen Wand deckenhohe Regale. Mein Mischpult stand auf der linken Seite. Zwei angesteckte Schallplattenspieler, außerdem zwei CD-Player. Darüber der große Computerbildschirm. Das Keyboard in der Ecke. Dunkelblaue Vorhänge sperrten jedes Licht aus, weil ich zumindest das Gefühl von mich umhüllender Nacht brauchte, um meine Seele spielen zu lassen.

»Lillie und ich wollten am Freitag einen Kochabend machen, nachdem Fred die Küche hoffentlich endlich sauber gemacht hat. Magst du kommen?«

Einen Moment lang hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die beiden so offensichtlich vernachlässigte. Gleichzeitig fiel mein Blick auf das Päckchen Pep, das ich offensichtlich neben dem Mischpult hatte liegen lassen, statt es wegzuräumen.

»Ich bin abends schon bei Ringo und Ben …«, sagte ich abwesend. Schlafen oder Wachbleiben, fragte ich mich und fixierte mit den Augen das weiße Pulver.

Leander hob eine Augenbraue an, schwieg aber. Er musste auch gar nichts sagen, ich wusste, dass er und Lillie die beiden nicht leiden konnten – und das war wahrscheinlich noch eine Untertreibung. Doch Ringo und Ben … sie verstanden mich auf einer anderen Ebene. Sie verurteilten mich nicht, weil sie ebenso Teil dieser anziehenden Untergrundwelt waren wie ich.

»Und das Wochenende danach? Lillie und ich wollten mit dir reden …«

Himmel, bitte nicht wieder eines dieser Gespräche.

»Da leg ich im Fakultativ auf …«, wich ich ihm aus, »aber kommt doch einfach auch?! Ich kann euch auf die Gästeliste setzen lassen. Und wir können nach meinem Set ja nochmal zusammen losziehen?«

»Okay. Klingt gut.« Leander lächelte mich einigermaßen versöhnlich an, doch sein Lächeln erreichte nur seine Mundwinkel, nicht die Augen.

Nachdem wir aufgelegt hatten, setzte ich mich an mein Mischpult und zerhackte das Pep kurzerhand zu zwei feinen Lines, die ich mir durch die Nase zog. Ich hatte mich für die Musik und das verdammte Wachsein entschieden. Erst links, dann rechts. Für einen Augenblick legte ich den Kopf seufzend in den Nacken und spürte dem Brennen nach, dem bitteren Geschmack, der sich in meinem Rachen auszubreiten begann. Es fühlte sich über die Maßen gut an. Und alles, was ich jetzt noch brauchte, war mein Herz, das ich unter dem Gewicht meiner dröhnenden Beats zertrümmern würde, um es dann wie Phönix aus der Asche wieder aufsteigen zu lassen. In einem Taumel aus Klängen und Rhythmus. Wer behauptete, elektronische Musik hätte kein Herz, der hatte mich noch nie auflegen hören. Zumindest war es damals so gewesen, als Markus und ich voller Träume aus Hamburg weggezogen waren.

Ich war ein aufsteigender Stern in der Technoszene gewesen, doch wo Licht war, war auch Schatten. In meinem ersten Jahr in Berlin hatten wir noch zusammengewohnt und uns mit allen möglichen Jobs über Wasser gehalten. Markus hatte versucht, sich zu vernetzen, Verbindungen aufzubauen und sich einen Namen als Musikmanager zu machen. Ich hatte an Nachtschwärmer gearbeitet, auch die Idee für meine Single Eulenmensch war mir in dieser Zeit gekommen. Alles war eine einzige, nicht enden wollende Inspiration gewesen, jeder verdammter Moment. Als er mir schließlich den Vertrag mit Studio B21 verschafft hatte, hatten wir zusammen gefeiert. Hatten uns wie Kinder über jeden weiteren Künstler gefreut, den er vertrat, über jeden Schritt, der mich meinem großen Durchbruch als DJ näher brachte. Markus und ich waren Freunde gewesen, durch deren Venen Musik statt Blut floss, Kollegen, Gleichgesinnte, Verbündete. Jetzt waren wir … nur noch eine verfluchte Geschäftsbeziehung. Er mein Manager, ich sein Künstler.

Und nicht nur das nahm meiner Musik ihre Kraft, meiner Kreativität ihren Impuls, mir meine Motivation. Denn umso erfolgreicher ich wurde, desto weniger Freiheiten hatte ich. Am Anfang hatte ich Musik gemacht, die Herzen bewegte und sich unweigerlich in diesen festsetzte. Jetzt kam ihr immer mehr das Besondere abhanden, das mein erstes Album Nachtschwärmer noch ausgemacht hatte. Meine EPStadtsee von letztem Jahr hätte das Bindeglied zum neuen Album sein sollen, doch ich hatte danach nichts mehr zustande gebracht. Und dabei saß mir mein Label unangenehm im Nacken. Sie wollten Ergebnisse sehen. Entweder waren ihnen meine Sachen nicht Mainstream genug oder eben doch zu anders. Sie wollten, dass ich mich nahbarer gab, gleichzeitig machten sie mir Vorschriften, wie ich mit meinen Fans umzugehen hatte. Inzwischen schwirrte mir der Kopf von ihren Forderungen, die sich letzten Endes doch alle widersprachen. Gott, ich konnte es ihnen sowieso nicht recht machen. Inzwischen gelang mir das ja nicht einmal mehr bei mir selbst.

Um mich von Gedanken wie diesen abzulenken, griff ich nach meinen Lieblingsschallplatten und versuchte mich in ihrem Sound zu verlieren, während ich mit den Fingern über sie strich. Improvisieren, etwas Neues erschaffen. Das Pep kickte, und jede Synapse in meinem Gehirn war bereit, alles zu geben. Hellwach, wacher als wach. Ich wollte abschalten, wollte eintauchen und in der Musik sein, doch es funktionierte einfach nicht. Die Klänge, die mein Musikzimmer erfüllten, waren nicht genug. Sie waren bloß Abklatsch von dem, was einmal gewesen war.

Ich warf einen Blick auf die Uhr und fluchte. Verzweiflung durchströmte mich, weil ich es wieder einmal nicht hinbekam, an dem anzuknüpfen, was ich zu Beginn meiner Karriere erschaffen hatte. Statt der Klänge waren es meine Gedanken, die größer und größer wurden … und mich unter sich zu begraben begannen.

Unser Romeo, ein angesehener Architekt. Endlich nimmt er sein Leben in die Hand!

Ich atmete ein.

Wieso kannst du nicht einfach … normal sein?

Ich atmete aus.

Du müsstest dich doch bloß ein bisschen mehr anstrengen!

Ich atmete ein.

Eines Tages wirst du deine Eltern stolz machen. Du wirst schon sehen!

Ich atmete aus.

Wenn er doch einfach nur ein bisschen mehr wie sein Bruder wäre!

Jonas mit den Bestnoten und dem Stipendium, das er eigentlich gar nicht brauchte. Jonas mit seiner perfekten Vorzeigefreundin, die inzwischen seine Verlobte war. Jonas mit seiner unerträglich makellosen Art, seinem makellosen Leben und seinem makellosen Uniabschluss. Mein perfekter, beschissener großer Bruder. Ich hatte alles, und doch hatte er immer mehr. Würde es immer haben.

Ich schluckte und beschloss, endlich duschen zu gehen, um irgendetwas anderes zu tun, und als ich wenig später in Hitze und Dampf gehüllt aus der Dusche stieg, kamen meine kreisenden Gedanken für gestohlene Augenblicke zur Ruhe. Da war einfach nur Stille. Sanfte, einlullende Stille. Ich inhalierte sie – und verfluchte den Moment, in dem es klingelte.

Schnell schlüpfte ich in eine Jogginghose, kramte nach einem frischen Shirt und zog es mir über den Kopf. Meine nassen Haare tropften auf Stoff und Boden, eine feine Wasserspur folgte mir den Flur entlang. Mit schnellen Handgriffen band ich sie im Nacken zu einem Knoten zusammen. Es klingelte noch einmal, und ich rollte mit den Augen. Ich war irgendetwas zwischen völlig fertig und überdreht. Wer auch immer draußen stand, konnte also auch noch ein paar Sekunden länger warten.

Und dann strahlte mir plötzlich Prija entgegen. In der Hand hielt sie einen ihrer Teller mit dem hässlichen Blumenmuster. Kunstvoll verzierte Cupcakes stapelten sich darauf, und das Orange der Glasur war nahezu dasselbe, wie das der weiten Leinenhose, die sie trug.

»Hallo, Sonnenschein«, flötete Prija, und ich gab mein Bestes, das entnervte Seufzen zu unterdrücken.

Als sie vor zwei Monaten mit ihrer Cousine in der Wohnung gegenüber eingezogen war, hatte ich geholfen, ihr Bett und ein Monstrum von Kleiderschrank aufzubauen. Und dann noch den Küchentisch. Sie hatte bei mir geklingelt und mich mit ihrem Rehaugenblick angesehen, also hatte ich nicht Nein sagen können. Danach hatten Samia und sie Pizza bestellt und mich eingeladen. Am nächsten Tag hatte Prija wieder geklingelt, die Hände voller Teig, und fragte, ob ich Milch für sie hätte. Ich hatte ihr eine Packung in die Hand gedrückt und eine Stunde später einen Teller mit einem Stück Kuchen auf der Fußmatte vor der Tür gefunden. So oder ähnlich war das ein paarmal abgelaufen, und inzwischen schien meine Nachbarin zu glauben, dass wir so etwas wie Freunde waren. Die Sache war nur die: Mein Bedarf an Freundschaften war mehr als gedeckt.

»Hat es dir wegen dieser Köstlichkeiten etwa die Sprache verschlagen?«, riss Prija mich aus meinen Gedanken und deutete auf die Cupcakes.

Ich gab irgendeinen Laut von mir, von dem ich selbst nicht genau wusste, was er bedeuten sollte. Himmel, ich sollte wirklich endlich Schlaf nachholen.

»Jetzt nimm schon, die sind für dich!« Prija drückte mir den Teller in die Hand. »Es war übrigens alles andere als leicht, sie vor Samia zu retten. Nur, damit du das weißt.«

»Danke«, sagte ich schlicht. Als mir der Duft nach Schokolade und fruchtiger Süße in die Nase stieg, schloss ich einen Moment genießerisch die Augen.

»Die sind besser als ein Orgasmus«, meinte Prija mit ernstem Blick und warf ihre Haare zurück. Schwarz und seidig flossen sie weit über ihren Rücken hinunter. Ihre Augen in dem schmalen Gesicht wirkten riesig. Sie waren schwarz umrandet, auf den Lidern glitzerte etwas – so ein komischer Farbverlauf. Prija war Visagistin, machte momentan eine Weiterbildung zur Make-Up Artist – und das sah man. Aber auch abgesehen von der Schminke war sie hübsch. Hübsch, nur irgendwie ein bisschen nervig.

»Ähm … okay?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich mein ja bloß, sie sind wirklich nice. Ich weiß, man sagt, Eigenlob stinkt und so. Aber ich halte das für Schwachsinn. Ich hab geile Cupcakes gemacht. Das kann man dann ja wohl auch mit Stolz sagen, oder?«

Prija reckte mir das Kinn entgegen, und zum ersten Mal heute entschlüpfte mir ein leises Lachen. Sie ergriff die Gelegenheit und linste an mir vorbei in die Wohnung. Mir war klar, dass sie sich wünschte, ich würde sie hereinbitten, doch dieser Ort war trotz der manchmal erdrückenden Weite mein sicherer Hafen, war mein Rückzugsort und hier hatte verdammt nochmal niemand etwas zu suchen – außer vielleicht Lillie und Leander. Und selbst die zwei lud ich nicht besonders häufig zu mir nach Hause ein.

Umso weniger Lust ich auf Prijas Annäherungsversuche hatte, je wortkarger ich war, desto netter und quirliger schien sie zu werden. Und doch: Wenn ich ganz ehrlich war, würde es mir wahrscheinlich fehlen, wenn Samias und ihre auf Hindi geführten Gespräche nicht über den Gang wehten. Wenn Prija nicht ständig klingeln oder mir im Treppenhaus belanglose Gespräche aufzwingen würde. Ich fragte mich, um welchen Teil von mir es ihr dabei ging: um Ro oder Romeo?

»Du machst es einem echt nicht leicht. Ich wäre eine tolle beste Freundin. Oder meinetwegen auch eine zweitbeste.« Schmollend schob Prija die Unterlippe vor, dann sagte sie: »Du wirst Samia und mich nie zu dir einladen, oder?«

Na toll, jetzt fühlte ich mich irgendwie wie ein Arsch.

»Mit großer Sicherheit nicht«, antwortet ich trotzdem. Um meine Worte etwas abzuschwächen, schenkte ich ihr mein schönstes, versöhnlichstes Lächeln. Wie auf Kommando röteten sich Prijas Wangen unter meinem Blick. Manchmal war es so verflucht einfach.

»Ich durchschaue deine Masche«, seufzte sie dann jedoch.

»Welche Masche?«, tat ich überrascht.

Prija lachte ein glockenhelles Lachen. »Genau diese Masche.«

Sie hob die Hand und lief rückwärts die wenigen Meter bis zur gegenüberliegenden Tür.

»Übrigens durchschaue ich nicht nur deine Masche, Ro, ich durschaue auch dich.« Sie grinste. »Und bring mir den Teller zurück. Ich weiß, dass du ihn hässlich findest, und würde es dir nie verzeihen, wenn du ihn zufällig verschwinden lässt.«

Mit diesen Worten verschwand sie in ihrer Wohnung. Der kitschige Kranz mit den Blumen baumelte noch mehrere Sekunden lang hin und her.

»Komisches Mädchen«, murmelte ich, dann ließ ich meine eigene Tür ins Schloss fallen. Den Teller mit den Cupcakes nahm ich mit in die Küche und biss gegen die Anrichte gelehnt in den obersten hinein. Eine Geschmacksexplosion aus Schokolade und Orange auf der Zunge. Dazu eine Unendlichkeit an feinen Nuancen, die ich im ersten Moment gar nicht richtig benennen konnte. Es war das Erste, was ich heute aß. Nicht ganz wie der versprochene Orgasmus, aber nah dran.

Ich schnappte mir einen weiteren Cupcake und einen Hoodie, dann stieg ich durch das Küchenfenster auf die Feuertreppe, die sich an das Gebäude aus rotem Backstein schmiegte. Schwarze Streben und direkt daneben das riesige Graffiti, das eine Etage tiefer endete. Es zeigte das Gesicht einer Frau, deren Blick aus großen Augen Richtung Himmel gerichtet war. Ihre Lippen waren voll und rot, langes Haar umwehte ihr Gesicht. Aus den Strähnen wuchsen Blumen mit ausladenden, bunten Blüten heraus und bildeten einen sanft wuchernden Rahmen um das Gesicht der Frau – ein florales, schillerndes Meer auf Backsteingrund, das von Aufbruch und Hoffnung sprach. Vor allem jetzt, im letzten Licht der kaum mehr sichtbaren Sonne.

Ich setzte mich auf den Gitterboden, lehnte mich gegen die kühle Hausfassade und löste meine immer noch feuchten, im Nacken zusammengebundenen Haare. Wind strich um mein Gesicht, und leider Gottes wanderten meine unruhigen Gedanken wieder und wieder zu meinem Bruder.

Bevor Jonas auf schlimmste Art mein Vertrauen missbraucht hatte, hatte ich mich manchmal gefragt, ob wir beide uns wirklich nicht leiden konnten oder ob das eher ein Resultat unserer Erziehung war – diesem ewigen Wettstreit zwischen uns und den enttäuschten Blicken, mit denen unsere Eltern lediglich mich bedachten. Mich, dieses laute und irgendwie wütende Kind. Die schlechten Noten und dass ich ein Jahr wiederholen musste, meine fehlenden Ambitionen, dieser Kuss mit Michi in unserem Garten. Gott, ich war so verdammt jung gewesen, und trotzdem hatte sich die Erinnerung an sein Zahnlückenlächeln kurz vor der Berührung seines Mundes in meine Netzhaut eingebrannt. Denn das Gefühl von Michis Lippen auf meinen war eine der ersten Sachen in meinem Leben gewesen, die sich irgendwie richtig angefühlt hatten. Zum ersten Mal hatte mich jemand verstanden. Zum ersten Mal hatte mir jemand zugehört und mich denken lassen, dass ich es wert war, um meiner selbst willen gemocht und vielleicht sogar geliebt zu werden. Doch dann hatte mir der vernichtende Blick meiner Mutter alles gesagt, was ich wissen musste: Sie starrte aus dem Küchenfenster, hatte den Vorhang beiseitegeschoben, und ich stand im Scheinwerferlicht ihres Blicks. So befreit ich mich gerade noch gefühlt hatte, war ich sofort wieder Romeo, der wieder einmal von der Norm abwich. Wenn ich jetzt die Augen schloss, glaubte ich immer noch das Brennen ihrer flachen Hand auf meiner Wange zu spüren. Ich hatte geweint, doch das hatte weder sie noch meinen Vater interessiert.

In der Welt meiner Familie zählte mein Erfolg der letzten Jahre nicht. Vor allem meine Vorstellung von Freiheit spielte keine Rolle, denn Musikmachen war kein Beruf. Etwas, das Spaß machte, konnte keine Arbeit sein. Doch die Dinge wurden in meiner Familie nicht direkt ausgesprochen. Lieber hoffte man, Probleme und Unstimmigkeiten würden sich von allein auflösen. Ein Problem, wie ich es war. Hauptsache, die Fremdwahrnehmung stimmte, auch wenn sie eine verdammte Lüge war, die man aber leicht selbst glauben konnte.

Bevor ich ausgezogen und das große, protzige Haus an der Elbe hinter mir gelassen hatte, hatte mein Leben einem ewigen Wettkampf geglichen, den ich niemals gewinnen konnte – ganz gleich, wie sehr ich mich auch bemühte. Ich passte nicht in dieses guteHaus, wie meine Mutter es immer nannte. Nicht zu den konservativen Ansichten meiner Eltern, zum Stolz auf ihr verdammtes Bildungsbürgertum, das sie letzten Endes doch kein Stück toleranter und weltoffener machte. Die Musik war immer schon meine Flucht gewesen. Sie war etwas, das ich verstand, etwas, das ich zum Leben erwecken konnte, und sie hatte mich durch das Gefühl von Einsamkeit getragen. Das tat sie immer noch. Doch obwohl sie mich neu erschaffen hatte, war jetzt nichts mehr gut genug … Kein Album konnte jemals an meine Anfänge heranreichen, solange ich nicht wusste, was dieses Loch in mir füllen würde. Als der Hype um mich letztes Jahr seinen Höhepunkt erreicht hatte, hatte ich in Ekstase gelebt. Ich war high von meinem Leben und all den verdammten Möglichkeiten. Und als ich merkte, dass ich ein Limit erreicht hatte, fiel ich. Ich war ein Star, ich konnte alles haben. Und damit war die Welt plötzlich langweilig geworden. Die Drogen ersetzten den Kick, der fehlte.

Je länger ich auf dem Gitter saß und auf meinen Kiez hinabblickte, desto ruhiger wurde es tief in mir. Es wurde dunkel, und der Wind begann mir Dinge zuzuflüstern; er erzählte von seinen Geheimnissen, seinen Sehnsüchten und Ängsten. Sein Rauschen wurde zu einem Funken, zu einer Melodie voller verschlüsselter Worte, die etwas in mir zum Brennen brachten. Zum ersten Mal seit Langem fühlte ich mich lebendig.

Aus dem Flüstern des Windes wurde ein drängendes Raunen. Sanfte Böen, die Welt und ich – hier oben auf der Feuertreppe verschmolzen wir miteinander. Mein Herz pulsierte in elektronischen Beats und dunklen Tönen, die einen in die Tiefe zogen. Irgendwo in meinem Kopf hörte ich eine Frauenstimme singen – nur wenige, aber eindrückliche Liedzeilen. Vom Wind, den ich spürte, und dem Abgrund, der vor mir lag. Ich versuchte sie zu fassen zu bekommen, spürte beinah die Plattenteller unter meinen Fingern und den Drop. Die Erlösung, nach der eine namenlose Menge verlangte. Ich machte im Kopf Musik, weil meine Hände es heute wieder einmal nicht hinbekommen hatten. Und unter mir erstrahlte Friedrichshain in schönstem Leuchten. Friedrichshain, Heimat und Bühne der Kreativen. Erst jetzt erwachte Berlin so richtig zum Leben. Doch dieses Mal würde ich nicht mit ihr feiern, dieses Mal würde ich schlafen.

Mit diesem Gedanken sah ich schließlich dem Mond dabei zu, wie er den Himmel eroberte.

Für einen Moment gab es hier draußen nur uns beide.

Den Mondaufgang und mich.

Julius

Campen am Vänersee in Schweden und der erste Kaffee mit Blick auf das Wasser. Wandern an der Küste Portugals und Surfen auf wilden Wellen in Südfrankreich. Freiheit und Berge in Griechenland und eine ganz neue Erfahrung des Meditierens in Indien – Erinnerungen zogen an mir vorbei, und ich betrachtete sie mit einem Lächeln, aber auch mit Sehnsucht im Herzen. Jeder Tag war wie ein leeres Blatt Papier voller unvorstellbarer Möglichkeiten gewesen und jede Nacht ein neues Abenteuer – zusammen mit all den Momenten dazwischen setzten sich die vergangenen zwei Jahre zu einem bunten Kaleidoskop aus Erlebnissen und Erfahrungen zusammen.

Seufzend verschränkte ich die Arme hinter dem Kopf. Das Dach des VW-Busses fühlte sich warm unter mir an.

Biene und ich waren erst seit einer Woche wieder in Berlin. An einem warmen Apriltag vor zwei Jahren waren wir losgefahren und an einem solchen zurückgekommen. Nur waren aus den zwölf Monaten, die wir nach dem bestandenen Bachelor um die Welt reisen wollten, schließlich vierundzwanzig geworden. Und mit jedem Monat, den wir unterwegs gewesen waren, war uns die Entscheidung, wann wir zurück nach Deutschland kehren würden, schwerer gefallen – mit Abenteuern und einem Traum im Gepäck. Vorher hatte es für mich immer nur Sicherheit gegeben, den Willen, das Vernünftige zu tun, obwohl diese andere Stimme in mir von Semester zu Semester immer lauter geworden war. Erst mit dem sehr guten Abschluss und der Aussicht auf Verlässlichkeit, die er mir gab, hatte ich mir endlich erlaubt, dieser brennenden Sehnsucht nachzugeben. Während das BWL-Studium für mich Mittel zum Zweck gewesen war, hatte Biene die drei Jahre voller Zahlen wirklich geliebt. Doch so oder so: Seit wir losgefahren und wiedergekommen waren, gab es nur noch eine Richtung: vorwärts.

Und so, wie ich alle Erlebnisse und Momente meines Lebens in einer Farbe vor mir sah, ging es mir auch mit unserem Aufbruch: das Bild meiner Eltern, die mir zusammen mit meiner kleinen Schwester nachgewunken hatten, bis wir mit unserem vollgepackten Bus um die Ecke gebogen waren, empfand ich als tiefrot mit blasslila Rändern. Es war eine Erinnerung voller Lebenslust und Aufregung, voller Sehnsucht nach dem Unerwarteten, aber auch voller Abschiedsschmerz. Als ich meiner Mutter zum ersten Mal von der geplanten Reise erzählt hatte, reagierte sie zunächst verhalten und sorgenvoll. Wir waren uns immer sehr nah gewesen, wahrscheinlich auch, weil es so lange nur uns beide gegeben hatte, nachdem mein biologischer Vater sich noch vor meiner Geburt aus dem Staub gemacht hatte. Letzten Endes aber war sie immer dieser eine Mensch gewesen, der ohne Wenn und Aber hinter mir und meinen Entscheidungen stand. Sie hatte für mich auf vieles verzichtet, und ich hatte mich als Kind teilweise schuldig gefühlt – womöglich hatte ich deshalb ausbrechen und diese eine Sache nur für mich machen wollen: mich selbst an den verborgenen Plätzen dieser Welt finden. Und mit wem hätte ich das besser tun können als mit meiner besten Freundin?

Nachdem Mama damals einen neuen Mann kennengelernt und von ihm schwanger geworden war, waren wir nach Weißensee gezogen. Dort hatte ich an einem sonnigen Herbstnachmittag aus Versehen den Fußball über den Zaun auf das benachbarte Grundstück gekickt. Biene hatte ihn mir über den Holzzaun gereicht und mit piepsiger Stimme und hochroten Wangen gefragt, ob sie mitspielen dürfe. Von diesem Tag an waren wir unzertrennlich gewesen. Sie das stille Kind, ich das aufgedrehte. Wir waren zusammen aufgewachsen, auf dieselbe Schule gegangen, hatten Freud und Leid der ersten Liebe miteinander geteilt und einander getröstet, waren auf die Bäume in unserem Garten geklettert und hatten uns dort oben in den Wipfeln unsere Geheimnisse anvertraut.

Jetzt hörte ich, wie erst die Tür des Busses aufgeschoben wurde, dann der Klang weniger unregelmäßiger Schritte im Gras. Die Leiter am Heck des Busses quietschte. Tapsende Geräusche auf dem Dach folgten.

»Seit wann bist du hier oben?«, erklang es neben mir.

Noch bevor ich die Augen öffnete, sah ich Bienes Farben vor mir. Einfach nur wegen des sanften, vertrauten Klangs ihrer Stimme. Sah dieses pastellige Gelb, das immer kräftiger wurde, ein bisschen wie eine Wiese voller Butterblumen.

Ich setzte mich auf und blinzelte. Biene stand neben mir und hatte das Gesicht der Sonne entgegengestreckt. Ihre geliebte Haremshose schmiegte sich um die schlanken Beine, während die haselnussbraunen Haare ihr noch vom Schlaf zerzaust über den Rücken fielen. Biene schraubte den Verschluss der Thermoskanne mit dem Kaffee auf und sah mich erwartungsvoll an.

»Keine Ahnung, irgendwie habe ich kaum geschlafen. Ich habe mich so … ruhelos gefühlt«, sagte ich schließlich.

»Geht mir auch so.« Sie nickte. »Es ist einfach komisch, wieder hier zu sein. Es fühlt sich richtig an und gleichzeitig so … surreal.«

»Das braucht sicher auch Zeit«, meinte ich. Biene ließ sich neben mich sinken und reichte mir die Thermoskanne.

Auf unserer Reise war ich auch immer zuerst wach gewesen. Meistens zusammen mit den Vögeln und wenn wir am Meer waren, zusammen mit dem Rauschen der Wellen. Ein Geräusch, das mir mehr als alles andere fehlte. Wir hatten noch im Bus geschlafen, obwohl das Haus meiner Eltern nur ein paar Meter entfernt war, ein Stück über die Wiese. Wände aus Stein, ein richtiges Bett, Begrenzungen – noch fühlten wir uns nicht bereit für all das. Und hier im Garten konnte man sich fast einbilden, woanders auf der Welt zu sein. Die Lichterketten an dem großen Balkon, all die bunten Farben. Die alten, knorrigen Bäume, die ein feines Schattenmuster auf das Hausdach warfen. In ihren Ästen flatterten hellblaue und gelbe Bänder. Ein Gefühl von Italien, eine Brise Griechenland am Rand von Berlin. Über all dem ein strahlend blauer Himmel mit wattigen Wolken.

Biene war schon vor unserer Reise meine beste Freundin gewesen, doch die gemeinsame Zeit im Bus mit wenig Platz und tausend Möglichkeiten hatte uns auf eine neue Art zusammengeschweißt. Wir hatten zusammen gelacht, hatten uns gestritten, wunderschöne Dinge miteinander geteilt, aber genauso Rückschläge erlitten und geweint. Waren ausgeraubt worden, hatten unser ganzes Bargeld verloren und waren einmal sogar in der Notaufnahme gelandet. Hatten uns oft nur mit Händen und Füßen verständigen können und dabei neue Freunde gewonnen. Was auch geschehen war, wir hatten es gemeinsam erlebt, und diese Erinnerungen würde uns niemals jemand nehmen können.

»Wir müssen langsam anfangen, uns nach einer Wohnung umzusehen«, riss Biene mich aus meinen Gedanken.

»Autsch.«

Sie lachte. »Was denn?«

»Das ist ganz schön viel Realität dafür, dass der Tag gerade erst angefangen hat.«

»Stell dich nicht so an.«

»Okay.« Ich nahm einen letzten Schluck und reichte die Thermoskanne wieder Biene. »Also suchen wir uns eine richtig geile Wohnung.«

»Am liebsten wieder in Kreuzberg. Ich fand die Zeit da richtig cool.«

»Dann wären wir im besten Fall auch nicht so weit weg von den anderen«, stimmte ich zu.

»Außerdem muss sie groß genug sein …«

»… und bezahlbar!«

»Und wir brauchen natürlich einen Balkon, bevor deine Kräuter die ganze Wohnung vollstinken …«

Ich verdrehte die Augen. »Ich frage mich echt, was genau in deiner Kindheit passiert ist, dass du so ein Problem mit dem Geruch von Basilikum hast. Normal ist das auf jeden Fall nicht.«

»O, und wir brauchen ein Bad mit Fenster.«

»Und wieso lenkst du jedes Mal ab, wenn man dich darauf hinweist, wie seltsam du eigentlich bist?« Ich lachte und stupste Biene liebevoll in die Seite.

»Und ein Wohnzimmer wäre schon ganz cool«, meinte sie. »Und vergiss nicht, dass ich lange Flure supergruselig finde, seit wir The Shining gesehen haben. Das möchte ich nicht.«

Ich grinste. »Gut, dass wir keine Ansprüche haben.«

»Find ich auch«, sagte Biene und schaute betont ernst. »Das macht es so viel leichter. Vielleicht sollten wir auch über einen extra Raum für ein Heimkino nachdenken.«

Noch konnte ich nicht sagen, ob mir die Tatsache, Pläne zu haben, das Ankommen leichter oder schwerer machte. Schritt eins war die Wohnung, Schritt zwei war die Suche nach Räumlichkeiten für unser eigenes, kleines Café. Einen Wohlfühlort erschaffen, in dem wir den Menschen in Form von kreativen Gerichten von unserer Reise durch Europa und Asien erzählten. Wir wollten andere so mitreißen, wie unsere Erfahrungen uns mitgerissen und ein bisschen zu anderen Menschen gemacht hatten. Biene lauter und selbstsicherer, mich ruhiger und geerdeter. Selbstbewusst war ich zwar immer schon gewesen, gleichzeitig aber unfassbar rastlos und hibbelig. Ich hatte keinen Moment still sitzen können, war immer in Bewegung gewesen und auf der Suche nach etwas, von dem ich nicht gewusst hatte, was es war. Erst in der Freiheit einer Reise ohne richtiges Ziel hatte ich gelernt, dass ich wahre Ruhe nicht in meiner Umgebung, sondern in mir finden musste und vor allem auch konnte.

Der Wind fuhr Biene durchs Haar und machte ihre kleinen Segelohren sichtbar. In einer vertrauten Geste strich sie sich die langen Haare wieder nach vorn, doch ich legte meine Finger sanft um ihr Handgelenk.

»Lass das«, sagte ich bloß. »Du bist schön, wie du bist.«

»Ja, ohne diese Ohren.«

Ich schüttelte den Kopf, spürte eine sanfte Böe jetzt auch durch meine Locken gleiten.

»Du bist schön, wie du bist, Biene«, wiederholte ich bestimmt und das nicht zum ersten Mal. In der Schulzeit war sie für ihre Ohren gehänselt worden, und das hatte seine Spuren hinterlassen. Es war wahrscheinlich auch das erste und einzige Mal in meinem Leben gewesen, dass ich mich geprügelt hatte. Weil diese Vollidioten einfach nicht ihre blöde Klappe hatten halten können. Dabei war Biene hübsch und klug und wunderbar.

»Sag es.« Ich sah ihr fest in die hell- und dunkelblau gesprenkelten Augen.

»Ähm … nein.«

»Ähm«, machte ich sie grinsend nach, »… doch!«

»Nein.«

»Sag: Ich bin schön, wie ich bin.«

»Nein.«

»Sag es!«

Biene seufzte schwer. Dieses Geräusch, das sie machte, wenn ich sie zu nerven begann, sie gleichzeitig aber nur zu gut wusste, dass ich unter keinen Umständen lockerlassen würde.

»Du wirst nicht aufhören, bis ich es sage, oder?«

Mein Grinsen wurde breiter. »Ganz genau, Bienchen. Also tu uns beiden den Gefallen und sag es. Am besten aber mit einer großen Portion Ernsthaftigkeit.«

Biene verdrehte die Augen, doch ich sah das leichte Lächeln, das an ihren Mundwinkeln zupfte.

»Ich bin schön, wie ich bin«, sagte sie leise, woraufhin ich eine Augenbraue anhob und wieder folgte darauf dieses spezielle Seufzen.

»Komm schon, lauter! So hört die Welt dich ja kein Stück. Und ich übrigens auch nicht.«

»Ich bin schön, wie ich bin«, wiederholte Biene, dieses Mal mit fester Stimme, und ich nickte zufrieden. »Viel besser.«

Denn jeder Mensch war auf seine ganz eigene Art und Weise schön. Von innen, von außen oder beides zusammen.

Apropos schön.

Apropos Schönheit.

Plötzlich dachte ich an Antonio und die italienische Sonne, dachte an Cédric, Sven und Marin. Ich dachte an die Kerle, die ich während unserer Reise geküsst und mit denen ich geschlafen hatte. Früher oder später hatte ich jeden von ihnen hinter mir gelassen. Und dann waren meine Gedanken wieder bei Antonio, bei unserem bittersüßen Abschied irgendwo an der Costa dei Trabocchi, bei dieser Sommeraffäre, die in einem anderen Leben womöglich hätte mehr sein können. Nackt hatten wir an meinem letzten Abend in der untergehenden Sonne gelegen, voller Schweiß und dem Gefühl von Sex in jedem Muskel, und er hatte mich gefragt, ob ich bei ihm bleiben wollte. Doch so niedlich ich ihn auch fand und die wenigen Wochen mit ihm genossen hatte, es trieb mich unaufhaltsam weiter – so wie es das immer getan hatte. Trotzdem hatte ich begonnen, mich in den vergangenen beiden Jahren mehr und mehr nach richtiger Nähe zu sehnen. Die Intimität, die ich mit Antonio und auch den anderen erlebt hatte, war immer nur von kurzer Dauer gewesen. Wirkliche Tiefe und Ernsthaftigkeit hatten gefehlt, dafür war ich jedes Mal zu früh weitergefahren – mit einem neuen, winzigen Knacks in meinem Herzen, weil ich dennoch jemanden für einen kurzen Moment hineingelassen hatte. Biene hatte einmal gesagt, dass ich ein Problem damit hätte, allein zu sein, und vielleicht traf es das ein bisschen. Ich aber glaubte vielmehr, dass ich einfach zu romantisch und auf der Suche nach diesem einen Mann war, der perfekt zu mir passte und mit dem ich meine bunten Gedanken teilen konnte. Jemand, der mich wirklich begeisterte. Jemand, der es schaffte, mich zu halten.

An einem Ort zu bleiben hatte also vielleicht doch seine Vorteile. Die Sicherheit eines festen Zuhauses mochte mir Angst machen, und doch wusste ich heute ganz genau, was ich wollte. Wer ich sein wollte.

Und mein Herz wusste es ebenso.

Der erste Freitagabend zurück in der Hauptstadt. Biene und ich teilten meine Kopfhörer so wie früher. Nur der Song war ein anderer: Lost von Frank Ocean. Ein hellorangenes Lied, das wir an der Algarve zum ersten Mal gehört hatten. Ich erinnerte mich noch genau an das Gefühl purer Freiheit und den Wind, der an meinem Shirt gezerrt hatte.

Jetzt trug ich eine Jacke, saß, das Skatboard gegen meine ausgestreckten Beine gelehnt, in einer der gelben Bahnen. In weißen, aufgedruckten Umrissen schimmerte das Brandenburger Tor auf den Fensterscheiben, und je mehr Berliner Grau an uns vorbeirauschte, desto mehr zog die Stadt mich wieder in ihren Bann. Überall erstrahlten wenig später Lichter gegen die Dunkelheit und erhellten den Abend, der schon bald in die Nacht übergehen würde. Mein Berlin, das stärker pulsierte, als mein eigenes Herz es jemals gekonnt hätte. Meine Hauptstadt, die zwar eine Metropole von vielen war und doch in nichts vergleichbar mit irgendeinem anderen Ort auf der Welt.

Ich machte ein Foto von Biene und mir, gespiegelt in der Scheibe, während dahinter verschwommen die Lichter der Stadt schimmerten. Das Bild schickte ich an Mignon und bekam wenige Minuten später eines zurück. Darauf zu sehen war Paris bei Nacht, irgendwo am Ufer der Seine. Ich erkannte ihre ausgestreckten Beine, die in eleganten High Heels endeten, und lächelte unwillkürlich. Mignon hatte ich vergangenes Jahr in einem Bistro im Quartier Latin kennengelernt, als Biene und ich auf dem Weg Richtung Meer in Paris haltgemacht hatten. Wir hatten uns auf Anhieb wahnsinnig gut verstanden und schrieben uns seitdem regelmäßig, um uns über unsere Leben auf dem Laufenden zu halten. Das letzte Mal gesehen hatte ich sie vor wenigen Wochen, als Biene und ich auf dem Rückweg noch einmal über Paris gefahren waren. Mignon war nach langem Hin und Her endlich mit der Frau zusammen, in die sie sich verliebt hatte, und wirkte gelöst und glücklich. Kein Vergleich zu unserem Kennenlernen, als sie mit ernstem Blick an der Bar gesessen und ihre Verwirrung wegen der Gefühle zu Lilou in Wein ertränkt hatte. Ich lächelte bei dem Gedanken daran, wie es gekommen war. Es war schön, dass manche Verbindungen meiner aufregenden Reise auch zurück in Deutschland hielten.

In den vergangenen Tagen hatten Biene und ich im Wohnzimmer meiner Eltern das Internet durchforstet und mehrere Wohnungen besichtigt, doch die Menge an Menschen, die wie wir auf dieselben vier Wände hofften, war irrsinnig hoch und weder Biene noch ich konnten einen Job vorweisen. Wir besaßen das Geld, das wir auf unserer Reise verdient hatten, Biene zusätzlich das, was sie mit dem Verkauf ihres selbstgemachten Schmucks verdiente – aber trotzdem hatten wir kein regelmäßiges Einkommen. Und selbstständig machen wollten wir uns auch noch – alles in allem nicht unbedingt das, was ein Vermieter gern hörte. Viel Sicherheit war das nicht. Und ganz unabhängig davon waren die Mietpreise absurd hoch. Die schlechten Aussichten hatten unsere Stimmung etwas getrübt, und um sie zu heben, waren wir nun auf dem Weg zu Alex und Davin, in die WG, die in Berlin unser Anker war.

Eine halbe Stunde später stiegen wir in Kreuzberg am Hermannplatz aus. Auf dem Skateboard fuhr ich in Schlenkern neben Biene her, immer ein paar Meter voraus und dann wieder zurück zu ihr. Ich brauchte das Board, um über den Asphalt wie über Wellen zu fahren, denn ohne dieses Gefühl unter meinen Füßen fühlte ich mich seltsam unvollständig – ganz so, als würde mir ein Körperteil fehlen.

Der Anblick der Hausfassaden voller Graffitis war mir so vertraut wie das Leuchten der Neonschilder und die vielen Menschen, die jetzt, wo es wärmer wurde, vor jedem Café, jedem noch so kleinen Restaurant und Imbiss, vor jeder Bar mit Windlichtern auf den Tischen im Freien saßen. Inmitten dieser lauen Aprilnacht vermischte sich das laute Hupen der Autos mit hektischen Rufen, schnellen Schritten und ausgelassenem Gelächter. Auch in der Alten Pionierstraße sprudelte es nur so vor Lebendigkeit. Schon von Weitem hörte man Musik aus Davins WG dröhnen. Es waren laute, elektronische Beats, die sich in ihrem Rhythmus dem Strom aus Eindrücken anzupassen schienen.

Gerade als wir klingen wollten, rief jemand unsere Namen. Ich legte den Kopf in den Nacken. Ganz oben saß ein Kerl mit einer Zigarette in der Hand im weit geöffneten Fenster und winkte uns zu. Schwarze Jogginghose, ebenfalls dunkel gerahmte Brille mit runden Gläsern. Das Licht aus dem Inneren ließ die kupferfarbenen Haare hell leuchten.

»Alex!«, schrie ich hinauf und sah und hörte ihn lachen.

»Sie sind da!«, brüllte Davins Mitbewohner über die Schulter irgendjemandem zu, dann wurde die Musik erst leiser, dann wieder lauter gedreht.

»Beeil dich, verdammt!«, hörte man eine andere Stimme schreien.

»Es ist wie immer, oder?« Biene lächelte, und ich legte den Arm um sie, während wir darauf warteten, dass uns jemand öffnete.

»Ganz genauso wie immer«, gab ich ihr recht.

Ihre Wangen waren gerötet, Nervosität vibrierte in der Luft und wurde von Sekunde zu Sekunde greifbarer. Schon seit Jahren stand sie auf Davin und hatte unsere Weltreise als Ausrede benutzt, um sich ihm und ihren Gefühlen nicht stellen zu müssen. Jetzt, wo wir zurück waren, hoffte ich, dass die beiden endlich einen Schritt aufeinander zugehen würden. Ich war mir nämlich sicher, dass es ihm genauso erging. In Davins Abschlusssemester, als er wahnsinnig betrunken gewesen war und ich ihn irgendwie nach Hause geschleppt hatte, vertraute er sich mir an. Nur zu gern hätte ich es meiner besten Freundin erzählt und den beiden den Schubs gegeben, den sie so dringend zu benötigen schienen. Es war schwer mitanzusehen, wie sehr die zwei sich selbst im Weg standen, doch auch wenn ich mit beiden befreundet war, hatte ich kein Recht, mich in diese Sache einzumischen. Stattdessen drückte ich aufmunternd Bienes Hand.

Der Summer erklang, ich drückte die Tür auf und wir beide rannten die Treppe nach oben. Mir war klar gewesen, dass ich unsere Freunde vermisst hatte, aber erst in diesem Moment traf es mich mit voller Wucht, wie groß diese Sehnsucht tatsächlich gewesen war, vor allem die nach Davin.

Biene stolperte hinter mir her.

»Komm schon, schneller!«, rief ich lachend über die Schulter.

»Du hast längere Beine, du Idiot!«, keuchte sie.

Im ersten Stock ging ich ihn die Knie. »Rauf mit dir«, sagte ich und deutete auf meinen Rücken.

»Das ist eine Treppe, ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.«

»Man lebt nur einmal, oder? Also los. Hatte ich jemals schlechte Ideen?«

»Ähm, ja. Eindeutig«, erwiderte sie, und doch hing meine beste Freundin einen Augenblick später auf meinem Rücken, die Beine um meine Taille geschlungen. Der Geruch nach Orange umhüllte mich.

»Zum Glück machst du so viel Sport«, kicherte sie schließlich munter und wuschelte durch meine Locken. Sie wusste genau, wie sehr ich das hasste, doch ich ließ sie machen. Letztendlich war es egal, ob sie langsamer war als ich. Es war aber nicht egal, dass sie mit jedem Schritt mehr und mehr durchdrehen würde. So konnte ich sie ablenken.

Davin brüllte irgendetwas durch das Treppenhaus, und ich spürte, wie Biene sich auf meinem Rücken verkrampfte.

»Scheiße«, murmelte sie. »War seine Stimme immer schon so sexy?«

»Ich glaube, ja«, flüsterte ich außer Atem.

»Wehe, du lässt mich in den ersten fünf Minuten mit ihm allein. Ich habe Angst umzufallen.«

»Du fällst nicht um!« Ich hielt inne und konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. »Und wenn doch, kann ja Davin dich auffangen.«

Biene brummte etwas Unverständliches und krallte sich mit ihren Fingern in meinen Locken fest.