Undómièl - Sabrina Mann - E-Book

Undómièl E-Book

Sabrina Mann

4,8

Beschreibung

Zurück in Deutschland ist vieles anders für Stella. Und auch Brian ist nicht zufrieden mit seiner Situation. Er reist seiner großen Liebe schließlich hinterher - doch er kommt zu spät. Jaru hat seine Pläne bereits in die Tat umgesetzt und für Brian und Stella beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit. Werden sie Jaru aufhalten können? Der spannende Abschluss der Reihe.

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Seitenzahl: 184

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Sabrina Mannwurde 1983 in Rheinland-Pfalz geboren und schrieb bereits als Kind Kurzgeschichten und Gedichte.

Die Leidenschaft für das geschriebene Wort fesselte sie schließlich solange, bis sie beschloss, ihre Gedanken und Phantasien nieder zu schreiben.

Herausgekommen ist eine spannende Trilogie über Liebe und Hass, Leidenschaft und Stärke.

Band 3 der Reihe, Abendstern, bildet den Abschluss nach Band 1, Von Schatten und Licht (2017) und Band 2, Brigids Erbe (2017).

Auch in der dunkelsten Stunde gibt es Licht…

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Stella

Brian

Stella

Kapitel 2

Brian

Stella

Kapitel 3

Brian

Stella

Brian

Stella

Jaru

Kapitel 4

Stella

Brian

Stella

Kapitel 5

Brian

Stella

Brian

Stella

Kapitel 6

Brian

Stella

Kapitel 7

Jaru

Brian

Stella

Brian

Kapitel 8

Stella

Brian

Kapitel 9

Stella

Kapitel 10

Brian

Stella

Kapitel 11

Brian

Kapitel 12

Stella

Brian

Kapitel 13

Stella

Brian

Kapitel 14

Stella

Brian

Kapitel 15

Stella

Brian

Stella

Brian

Kapitel 16

Stella

Brian

Kapitel 17

Stella

Brian

Kapitel 18

Stella

Brian

Stella

Kapitel 19

Brian

Kapitel 20

Stella

Stella

Schwanger? Schon wieder?

Ich pfefferte den positiven Schwangerschaftstest zu den anderen beiden in den Mülleimer und setzte mich auf den Badewannenrand.

Das hatte mir gerade noch gefehlt! Noch einmal würde ich diese Tortur nicht durchstehen. Meine Periode war erst zwei Wochen überfällig, die ersten zwei Tests waren negativ.

Symptome hatte ich aber.

Meine Brust spannte, mein Unterleib schmerzte und ich verspürte Heißhunger im Wechsel mit einer leichten Übelkeit.

Ob ich Brian informieren sollte?

Ich hatte die letzten drei Wochen nichts von ihm gehört.

Vermutlich war er doch sauer auf mich. Verübeln konnte ich es ihm allerdings nicht.

Schließlich war ich es, die einfach gegangen war.

Nein, ich entschied mich dazu, doch erst abzuwarten, ob die Schwangerschaft bestehen bliebe und vorsichtshalber einen Gynäkologen aufzusuchen.

Wollte ich das Kind?

Diese Frage konnte ich nicht beantworten. Doch eine Abtreibung schien dennoch nicht der richtige Weg für mich zu sein. Ich könnte es niemals übers Herz bringen, etwas so kleines Unschuldiges zu töten.

Außerdem wäre es doch auch ein Teil von Brian.

Brian, mein Brian.

Ich vermisste ihn sehr. Doch war es nötig, ihn vorerst nicht um mich zu haben. Zu viele Dinge waren geschehen, die ich aufarbeiten musste.

Darunter war auch der plötzliche Tod meines Vaters, an dessen Grab ich zwei Tage nach meiner Ankunft, Abschied von ihm nahm.

Es war ein harter Tag für mich.

Ich ging alleine auf den Friedhof, um ungestört zu sein.

Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, ich wäre nicht gegangen.

Das triste stille Grab hatte so gar nichts mit meinem Vater gemeinsam. Seine letzte Ruhestätte wirkte kalt und trostlos auf mich. So wollte ich nicht Lebewohl sagen.

Ein schlichtes Holzkreuz mit seinem Namen und den Daten seiner Geburt und seines Todes darauf, zierte die blanke Erde auf der ein paar verwelkte Blumen lagen.

Ein Kranz aus vertrockneten Rosen lag dazwischen. Ich hob ihn auf, um die Worte auf dem Band lesen zu können.

„Ruhe in Frieden“ war alles was darauf stand.

Mein Vater hatte durch seine Trunksucht ziemlich viele Menschen enttäuscht und gute Freunde, wie auch seine Familie verloren. Doch wie konnten sie ihn so gehen lassen.

Es war verletzend zu sehen, wie lieblos das Grab vor mir lag.

Ob die Beisetzung auch so emotionslos war?

Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken. Es war schlimm.

Ich legte einen Bund frischer Lilien dazu, die ich vorher besorgt hatte und bedankte mich bei ihm, dass er meine Tochter annahm. Bevor ich in Tränen ausbrechen konnte, verließ ich schließlich den Friedhof und fuhr mit dem Auto meiner Mutter sinnlos in der Gegend herum bis ich mich wieder gefangen hatte.

Dann gab es noch Klärungsbedarf bezüglich meiner Schwangerschaft mit Kaila.

Meine Mutter hatte mich bereits während der Fahrt vom Flughafen nach Hause mit Fragen hierzu gelöchert.

Ich wollte meiner Mutter so gerne die ganze Geschichte erzählen, doch vermutlich hätte sie mir sowieso nicht geglaubt und mich womöglich noch in die Irrenanstalt einweisen lassen.

Sie merkte natürlich, dass ich ihr nicht alles erzählte und war spürbar enttäuscht darüber.

Zuhause hatte meine Schwester Tamara bereits eine Überraschungsparty organisiert, zu der meine engsten Freunde und auch ein paar Familienmitglieder erschienen waren.

Ich machte ein fröhliches Gesicht und beantwortete geduldig die vielen Fragen, die sie mir stellten.

Es war anstrengend, sich so verstellen zu müssen.

Doch offenbar merkte keiner, wie es wirklich in mir aussah.

Nachdem endlich alle gegangen waren, richtete mir meine Mutter das Sofa für die Nacht und half mir anschließend beim Auspacken.

Sie schien irgendwas von mir zu wollen, doch egal was es war, ich konnte es ihr nicht geben.

Ich wusste selbst nicht alle Antworten auf die Fragen, die mich beschäftigten und ging deshalb den meisten Gesprächen über meinen Aufenthalt in Irland aus dem Weg.

Nach wie vor schlief ich sehr unruhig, was meiner Familie sicherlich nicht entgangen war.

Der sorgenvolle Blick meiner Mutter bescherte mir beinahe ein schlechtes Gewissen, doch ich hoffte darauf, dass sie sich irgendwann damit abfinden würde, nichts Genaues zu erfahren.

Brian

Ich arbeitete viel die letzten Wochen und doch schlich sich Stella immer wieder in meine Gedanken.

Ob es ihr wohl gut ging?

Vermisste sie mich ebenso sehr, wie ich es tat?

Nach ihrer Abreise bezog ich mein altes Heim und versuchte in mein früheres Leben zurückzukehren.

Das Haus von Graham war unheimlich still ohne Thereses Lachen und seinen ewigen Lärm, den er produzierte, wenn er sich handwerklich verkünstelte.

Die Felder lagen brach. Das Vieh hatte ich, bis auf zwei Pferde, verkauft.

Ich verbrachte nur die nötigste Zeit daheim, wenn ich schlafen musste oder die Pferde mistete, fütterte und bewegte.

Es war nicht mehr mein Zuhause. Nicht ohne die beiden Menschen, die mich einst aufnahmen und in ihr Herz schlossen.

Meine Mutter wohnte weiterhin bei Ethuriel.

Sie sagte, so fühlte sie sich Eleasar, meinem Vater, noch irgendwie nahe.

Ich konnte ihr nicht verübeln, dass sie lieber dort war.

Ich hätte sie sowieso ständig alleine gelassen. Das hätte sie nicht verdient.

Sie hatte es nicht einfach gehabt und ich war froh, dass sie den Schritt zurück ins Leben geschafft hatte.

Mehrmals wollte ich Stella schon anrufen.

Doch ich konnte mich bisher einfach nicht dazu überwinden.

Ich war gekränkt und enttäuscht.

Lange würde ich es aber nicht mehr ohne sie aushalten.

Zu trostlos wirkte mein Leben ohne sie. Irgendwie ergab nichts mehr einen Sinn, solange sie nicht bei mir war.

Ich trank meinen Kaffee zu ende und beschloss, sie nach der Schicht doch anzurufen.

Stella

Um zehn Uhr hatte ich einen Termin bei Doktor Arcer.

Sie war meine Frauenärztin und hatte mir bisher immer das Gefühl gegeben, gut aufgehoben zu sein.

Meine Mutter hatte mir ihre Autoschlüssel dagelassen, damit ich mobil war, während sie mit dem Bus zur Arbeit fuhr.

Ich kaute nervös auf meinen Fingernägeln herum und wartete darauf, dass sie mich endlich ins Behandlungszimmer aufrief.

Neben mir saß eine Frau mit einem riesigen Babybauch, der den Anschein machte, bald zu platzen.

Ihr Mann hielt ihre Hand und strahlte sie an. Die beiden schienen überglücklich darüber zu sein, bald Eltern zu werden.

Der Vater meines Kindes war weit weg. Ob er sich ebenfalls so darüber freuen würde, Vater zu werden?

Ich hörte meinen Namen und stand auf.

„Hier entlang bitte“ sagte Doktor Arcer und führte mich ins Behandlungszimmer zwei.

Ich berichtete ihr von meinem positiven und den negativen Schwangerschaftstests, meinen Beschwerden und nahm anschließend auf dem Untersuchungsstuhl Platz, um einen Ultraschall über mich ergehen zu lassen.

„Da ist es ja“ verkündete sie und zeigte auf eine Stelle am Bildschirm.

Tatsächlich sah ich einen fast runden relativ großen Fleck. Das sah mir aber nicht nach einem Fötus aus.

Ich nickte und beobachtete die Ärztin bei ihren Messungen.

Doktor Arcer beendete ihre Untersuchung und bat mich, wieder auf dem Stuhl am Schreibtisch Platz zu nehmen.

„Frau Bleher, Sie sind nicht schwanger. Ich hoffe, dass das keine allzu große Enttäuschung für Sie ist.

Allerdings befindet sich eine ziemlich große Zyste in ihrem rechten Eierstock. Diese Zyste sorgt auch für Ihre Beschwerden. Ich fürchte, ich werde sie entfernen müssen.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich möchte keine OP. Geht das nicht von selbst weg?

Wie kommt sowas?“

„Das haben viele Frauen. Ist meistens hormonell bedingt und in der Regel auch nicht weiter schlimm. Jedoch misst ihre Zyste bereits acht Zentimeter. Das könnte gefährlich für Sie werden. Die Zyste könnte platzen oder ihr Eierstock könnte sich drehen und absterben. Es bleibt Ihre Entscheidung, aber als Ihre Ärztin rate ich Ihnen dringend dazu, die Zyste bald entfernen zu lassen.“

Ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen sollte, nicht schwanger zu sein. Irgendwie war ich zumindest erleichtert. Obgleich ich doch ein wenig traurig war.

Wenigstens hatte ich nun nicht mehr diesen Druck, Brian informieren zu müssen. Aber ins Krankenhaus wollte ich auch nicht.

„Frau Bleher?“ Doktor Arcer riss mich aus meinen Gedanken.

„Sollen wir gleich einen Termin ausmachen?“

„Ähm. Ich weiß nicht. Wie würde das denn ablaufen?

Beziehungsweise wie lange wäre ich denn im Krankenhaus?“

„Das geht ganz schnell. Sie bekommen nur eine Kurznarkose. Die Entfernung erfolgt minimalinvasiv.

Das bedeutet, ich werde die Zyste über zwei bis drei kleine Schnitte entfernen und Sie können das Krankenhaus am selben Tag wieder verlassen. Sie sollten sich danach noch etwa zwei Wochen schonen.

Aber in ihrem Alter müssten Sie schnell wieder auf den Beinen sein.“

„Ok. Dann geht das in Ordnung“

Dr. Arcer checkte ihren Terminkalender und setzte sofort den Tag des Eingriffs fest.

Anschließend musste ich zur Blutabnahme und einen Aufklärungsbogen ausfüllen.

Ich las mir die Risiken gar nicht erst durch, zu sehr erschreckte mich die Zeichnung über den Operationsablauf.

Das Gespräch mit dem Narkosearzt hatte ich kurz vor dem Eingriff, so dass ich mir jetzt erstmal nur Gedanken machen musste, wer mich in sechs Tagen zur OP fährt und wieder abholt.

Ich grübelte die gesamte Heimfahrt darüber, ob und wie ich meiner Mutter davon berichten sollte.

Sie hatte sich meinetwegen bereits so viele Sorgen machen müssen und ich merkte ihr an, wie sehr es an ihr nagte, dass ich ihr verschiedenes verheimlichte.

Wir waren uns fremd geworden in den letzten Monaten und es viel mir schwer, die Distanz zwischen uns zu verringern; so sehr ich es auch wollte.

Ich setzte gerade den Blinker, um in unsere Straße abzubiegen, als ich mich dazu entschied, einen kleinen Ausflug zu machen.

Ich fuhr weiter in die übernächste Ortschaft und stellte das Auto an einem Feldweg ab.

Den restlichen Weg musste ich zu Fuß gehen.

Früher war ich oft hier gewesen, wenn ich nachdenken musste.

Es tat gut, den altbekannten Kieselsteinweg entlang zu schlendern und den vertrauten Duft der vielen bunten Wiesenblumen in sich aufzunehmen.

Ich ging weiter, bis ich die Abzweigung erreichte, an welcher der kleine Trampelpfad begann.

Wie schön meine Heimat doch ist, ging es mir durch den Kopf.

Ich benötigte weniger Zeit, als ich es in Erinnerung hatte, um mein Ziel schließlich zu erreichen.

Ich stand vor einer uralten hohlen Linde. Ich fühlte die Rinde und schlüpfte in die Öffnung, um mich dort hinzusetzen.

Keiner wusste genau, wie das Loch in den Stamm des Baumes gelangt war. Es war wohl schon immer da. Es gab Spekulationen über einen Blitzeinschlag.

Komisch war aber, dass der Baum trotzt dieser immensen Öffnung lebte.

Ein riesiges Zweiggeflecht mit tausenden Blätterten formte sich zu einer imposanten Krone.

Es war mystisch und wunderschön hier.

Das erste Mal, seit meiner Rückkehr, fühlte ich mich Zuhause.

Ich lehnte mich zurück, schloss die Augen und lauschte dem Klang der Natur.

Ich ließ meine Gedanken schweifen und hatte natürlich sofort Brians Gesicht in meinem Kopf.

Er lächelte sein schiefes Lächeln, was ich so sehr liebte.

Er fehlte mir. Sehr sogar.

Wenn er sich doch nur melden würde.

Ich griff in meine Hosentasche, um meinen Schlüsselbund herauszuziehen.

Dann stand ich auf und trat vor den Baum, um abermals die Rinde des Baumes zu fühlen, bevor ich mit meinem alten Spintschlüssel anfing, Buchstaben hinein zu ritzen.

Als ich fertig war stand da B + S und war mit einem Herz umrandet.

2

Als ich später Zuhause ankam, fand ich die Wohnung leer vor.

Meine Schwester studierte Jura und war an der Uni, während meine Mutter sicherlich noch arbeiten war.

Ich ging zum Briefkasten und schaute die Post durch.

Zwischen den Rechnungen und Werbeflyern fand ich einen Brief, der an mich adressiert war.

Auf dem Umschlag war kein Absender zu erkennen, doch die Marke zierte einen irischen Poststempel.

Ich legte die andere Post auf den Küchentisch und setzte mich mit meinem Brief aufs Sofa.

Ich war sehr nervös. Eine ganze Weile starrte ich auf den Umschlag, bis ich ihn letztlich doch hastig öffnete und ein gefaltetes Blatt hervorzog.

Ich faltete den Brief auseinander und betrachtete die handgeschriebenen Zeilen. Von Brian schien der Brief schonmal nicht zu sein. Seine Schrift kannte ich.

Ich las:

Liebe Stella,

ich schreibe dir diese Zeilen, nachdem ich lange darüber nachgedacht habe, ob ich dich über diverse Dinge informieren sollte.

Da ich schließlich zu dem Entschluss kam, dass es besser ist, dich zu warnen, kann ich nur hoffen, dass du diesen Brief erhältst.

Ethuriel war so lieb, meine Zeilen in die Obhut eines alten Freundes seinerseits zu geben, der sich auf die Suche nach dir machen sollte.

Bevor ich dir jetzt den eigentlichen Grund meines Schreibens erläutere, möchte ich dir noch sagen, dass ich dich sehr liebgewonnen habe und ich mir wünschen würde, dass wir uns bald wiedersehen.

Ich bin dir dankbar für die Liebe, die du meinem Sohn geschenkt hast. Ich bin dir dankbar für die Opfer, die du gebracht hast, um ihn zurück zu holen und ich bin wahnsinnig stolz auf dich!

Du bist sehr mutig und tapfer gewesen.

Manch ein Mann könnte noch vieles von dir lernen. Ich hoffe inständig, dass du zurück in deine Mitte findest und ein glückliches Leben führen wirst.

Ich kann nicht leugnen, dass es mir am liebsten wäre, dass du dein restliches Leben mit Brian verbringst.

Doch ich möchte nicht, dass du dich gedrängt fühlst.

Ich habe gesehen, wie er dich ansieht.

Ich fühlte seinen Schmerz, als er um dein Leben bangte und auch seine Wut, als er begriff, dass du uns verlassen würdest. Er liebt dich wirklich sehr!

Ich möchte dir kein schlechtes Gewissen einreden und eigentlich wollte ich auch gar nicht so viel schreiben, doch es gibt tatsächlich einiges, was noch nicht ausgesprochen wurde, aber gesagt werden sollte.

Ich komme jetzt zum eigentlichen Grund.

Jaru ist verschwunden! Jedoch mache ich mir keine Gedanken, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte. Vielmehr hat es den Anschein, dass er dem Volk der Sidhe den Rücken gekehrt hat. Eine Grenzwache wurde von ihm verprügelt.

Er wollte so Antworten erhalten.

Und jetzt wird es interessant. Jaru fragte ihn ausschließlich nach dir. Er wollte wissen, wo du bist; und das mit aller Gewalt. Der Wachmann konnte ihm nichts verraten, da er ja nichts über deinen Aufenthaltsort weiß. Doch er meinte, dass Jaru sehr aufgebracht wirkte und wie besessen von dem Gedanken war, dich zurückzuholen.

Ich hatte ein komisches Gefühl und dieses ließ meine Alarmglocken läuten.

Stella, bitte pass auf dich auf!

Irgendetwas wird geschehen und Jaru wird eine treibende Kraft sein.

Halte deine Augen offen und besinne dich auf deine Kräfte. Sie sind da. Ich spüre es!

Mögen Licht und Liebe dich begleiten!

Brida

Zweimal las ich den Brief, bevor ich ihn zurücksteckte.

Jaru ausgetickt?

Irgendwie passte das zu seinem seltsamen Benehmen.

Er war fest davon überzeugt, dass ich ihn lieben würde und er besser zu mir passte als Brian.

Doch wieso sollte er sein Volk verlassen?

Er war doch stolz darauf, ein Sidhe zu sein. Oder nicht?

Ich überlegte kurz, bevor mir wieder einfiel, dass Brian und Ethuriel ihn degradiert hatten.

Ob das der Grund für diesen Irrsinn war?

Ob er womöglich Brian etwas antun würde?

Brida sprach schließlich auch darüber, dass ich zurück zu Brian sollte. Ob er wohl bei den Sidhe wohnte?

Bridas Brief brachte mich völlig durcheinander.

Ich sollte wachsam sein, zurückkehren und mit Brian glücklich werden. Beinahe hatte ich nun ein schlechtes Gewissen. Meine Kräfte sprach sie auch an. Nur was genau meinte sie damit?

Es war zum Zähneknirschen. Ich konnte doch jetzt nicht sofort wieder nach Irland aufbrechen. Abgesehen davon, war ich noch nicht bereit dafür.

Und ob Brian mich wirklich so sehr liebte, glaubte ich schon kaum noch. Immerhin hatte er sich immer noch nicht gemeldet.

Ich konnte nicht leugnen, dass ich ihn sehr vermisste.

Fast jede Nacht begegnete er mir in meinen Träumen.

Ich nahm mir vor, mich nun doch meiner Mutter anzuvertrauen. Ich musste mit irgendjemanden sprechen.

Ich musste Ballast loswerden, um endlich meinen Kopf frei zu bekommen.

Während ich auf die Rückkehr meiner Mutter wartete, überlegte ich mir diverse Strategien und Formulierungen, wie ich ihr am besten erklären konnte was los war, ohne zu viel zu verraten.

Ich kaute nervös auf meinen Fingernägeln herum, ließ meine Finger knacken und lief von einem Zimmer ins andere und wieder zurück.

Plötzlich hörte ich einen Schlüssel klappern und kurz darauf stand meine Mutter im Flur.

„Hi Stella, wie war dein Tag?“

Sie zog ihre leichte Jacke aus und kam auf mich zu.

„Mom, ich muss mit dir reden.“

„Alles in Ordnung? Ist was passiert?“

Der Blick meiner Mutter ließ erahnen, dass sie sich Sorgen machte.

„Können wir uns hinsetzen? Ins Wohnzimmer vielleicht?“

„Sitzen. Dann ist es wohl was Ernstes?“

Ich antwortete nicht auf ihre Frage und hockte mich aufs Sofa.

Dann schnappte ich mir eins der Kissen und hielt es fest umklammert, als ich das Gespräch begann.

„Du erinnerst dich doch an Brian, oder?“

Meine Mutter nickte und ihre Augen wurden groß.

„Der junge Arzt aus Irland? Kommt er nach Deutschland?“

„Nein, das ist es nicht. Es ist schlimmer. Vielleicht auch nicht. Doch irgendwie schon.“

„Raus damit. Was ist mit ihm?“

„Er steckt vielleicht in Schwierigkeiten.“

Die Augen meiner Mutter weiteten sich und ihr Mund wollte etwas sagen, doch es kam kein Wort heraus.

„Mama?“

„Warte mal, Stella. Aber was hat das jetzt mit dir zu tun?

Hast du etwas angestellt?“

Erwartungsvoll blickte sie mich an.

Ich lächelte verlegen zurück.

„Nein. Beziehungsweise, eventuell schon. Aber nichts, was du dir jetzt eventuell vorstellst. Da gab es noch einen Jungen.“

Die Verwirrung stand meiner Mutter ins Gesicht geschrieben, als sie mich erneut abwartend betrachtete.

„Und nun?“

„Ich weiß es nicht genau. Deshalb wollte ich ja mit dir reden…“ gab ich kleinlaut zurück.

„Brian weiß noch nichts davon. Aber ich muss dringend ein paar Dinge klären und das kann ich nicht von hier aus. Ich werde zurückfliegen müssen. Doch das geht jetzt sofort auch nicht, weil ich mich operieren lassen muss.“

„Bitte was?“

Meine Mutter bekam langsam eine rote Färbung im Gesicht.

„Nichts Schlimmes. Ich war bei Doktor Arcer heute Morgen und sie hat mir gleich einen OP-Termin gegeben um eine Eierstockzyste zu entfernen.“

„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst oder? Du bist doch erst zurückgekommen. Du solltest auf deine Gesundheit achten und bei deiner Familie sein. Ich möchte nicht, dass du so etwas Schlimmes noch einmal durchstehen musst. Es war schrecklich, auch für uns.“

Meine Mutter biss sich auf die Lippe, stand auf und ging in die Küche.

Ich hörte, wie sie den Kaffeeautomaten bediente und anschließend roch ich den vertrauten Geruch von Zigarettenqualm.

Eigentlich hatte sie doch aufgehört mit dem Rauchen.

War ich schuld daran, dass sie jetzt rauchte?

Ich stand ebenfalls auf und ging in die Küche.

„Mom, was soll das? Ich dachte du hättest das Rauchen aufgegeben.“

„Ich rauche nicht! Jedenfalls nicht bis vor kurzem. Ich werde nicht wieder zum Raucher. Aber diese eine Zigarette habe ich jetzt bitter nötig.“

Ihr Blick ließ nicht zu, dass ich weiter bohrte und so ging ich zurück aufs Sofa und zappte durchs Fernsehprogramm.

Ich hatte einen wunden Punkt getroffen.

Sie würde mich freiwillig nicht wieder gehen lassen.

Natürlich brauchte ich ihre Einwilligung nicht.

Schließlich war ich volljährig. Dennoch wollte ich meine Familie nicht so zerrissen zurücklassen.

Ich ging zurück in die Küche und versuchte, meine Mutter zu beruhigen.

„Mom, bitte. Du tust mir unrecht. Ich möchte genauso wenig leiden, wie ich euch nicht verletzen möchte. Ihr seid mir wichtig! Ich will nicht mit dir streiten. Lass uns bitte damit aufhören.“

Ich schaute meiner Mutter in die glitzernden Augen.

„Es tut mir leid Stella. Ich wollte das nicht sagen. Ich mach mir einfach Sorgen um dich. Wann hast du denn diese Operation? Soll ich dich begleiten?“

Ich sprang meiner Mutter in die Arme und drückte sie fest an mich. Diese Art der Nähe hatte ich sehr vermisst.

Meine Mutter und ich setzten uns anschließend auf die Terrasse und ich erzählte ihr von Brian.

Natürlich konnte ich ihr nicht alles sagen, aber zumindest konnte ich ihr von unserem ersten Aufeinandertreffen berichten.

Ich berichtete ihr von seinen blauen Augen und von seinen sanften Händen, die mich nach meinem Sturz zusammenflickten und erzählte ihr auch von seiner Mutter und seinem Großvater.

Es war befreiend und schön, meiner Mutter von ihm zu erzählen, auch wenn es mich gleichzeitig schmerzte, da ich immer noch nichts von ihm gehört hatte.

Meine Mutter lächelte und wirkte zufrieden. Am Ende meiner Erzählung drückte sie meine Hand und freute sich für mich, dass ich so einen guten Fang gemacht hatte.

Wahrscheinlich würde sie diese Aussage zurücknehmen, wenn sie die ganze Geschichte kennen würde, aber das war mir für den Moment egal. Sie mochte, was ich ihr über ihn erzählte und das gab mir ein gutes Gefühl.

Gerade als wir unser Gespräch beendet hatten, platzte meine aufgedrehte Schwester dazwischen und fuchtelte mit drei Kinokarten für die Abendvorstellung von Ostwind 2 vor unseren Nasen rum.

Sie hatte die Karten auf dem Heimweg besorgt und da sie schon bezahlt waren, konnten wir schließlich nicht nein sagen.

Brian