Unerhört - Vom Hören und Verstehen -  - E-Book

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Beschreibung

Hören und Zuhören sind Aufgaben eines Psychotherapeuten und Voraussetzung für eine Verständigung zwischen ihm und seinem Patienten. Nur wenn er richtig zuhört, kann er die psychische Realität seines Patienten erforschen und Übertragungen und Gegenübertragungen im Therapieverlauf erkennen. Widerstände im Psychotherapeuten selbst können wiederum das Zuhören und das Verstehen be- und verhindern. Die Autoren dieses Bandes reflektieren in ihren Beiträgen das psychoanalytische Hören als Prozess von Verständigung und Missverstehen im Therapieverlauf. Sie fragen: - Warum ist es so schwer, zuzuhören? - Was wird gesagt, was wird gehört? - Was hören wir nicht? - Wodurch erreichen wir den anderen und wie lassen wir uns erreichen? - Was hören wir, wenn geschwiegen wird? Beiträge über Verstehen und Missverstehen in kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen runden diesen Band ab. Mit Beiträgen von Stefano Bolognini, Michael Günter, Haydée Faimberg, Michael Buchholz, Ingo Focke, Klaus Wackernagel, Inge Hahn, Lucia Steinmetzer, Karla Hoven-Buchholz, Irene Bozetti, Klaus Grabska, Lutz Garrels, Ute Fissabre, Ursula Kreuzer-Haustein, Alfred Bringmann, Franz Wellendorf, Johannes Picht, Dirk Hammelmann-Fischer und Susann Heenen-Wolff.

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Seitenzahl: 447

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Irene Bozetti, Ingo Focke, Inge Hahn (Hrsg.)

Unerhört – Vom Hören und Verstehen

Die Wiederentdeckung der grundlegenden Methode der Psychoanalyse

Impressum

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Klett-Cotta

www.klett-cotta.de

© 2014 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germany

Umschlag: Roland Sazinger, Stuttgart

Unter Verwendung eines Fotos von © pressmaster / fotolia

Gesetzt von Kösel Media GmbH, Krugzell

Datenkonvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Printausgabe: ISBN 978-3-608-94877-6

E-Book: ISBN 978-3-608-10737-1

PDF-E-Book-ISBN 978-3-608-20249-6

Dieses E-Book entspricht der 1. Auflage 2014 der Printausgabe

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Inhalt

Vorwort

Inge Hahn, Irene Bozetti und Ingo FockeEinführung

1 Kultur des Hörens

Franz WellendorfSich an das Unvorherhörbare ausliefern.Psychoanalytische Gedanken bei der Lektüre Friederike Mayröckers

2 Hören auf das Zuhören

Haydée Faimberg»Dem Zuhören zuhören« und »Missverstehen und psychische Wahrheiten«

Ingo Focke und Dirk Hamelmann-FischerHaydée Faimberg zuhören

Stefano BologniniInauditum/Unerhört!!! … Gewissen, Bewusstsein, Integration.Die Analyse als posttraumatische Erfahrung

3 Hören und Zuhören verstehen

Susann Heenen-WolffAssoziation – Narration – Zuhören.Der analytische Prozess diesseits der Deutung

Klaus GrabskaGanz Ohr.Zum Unerhörten der gleichschwebenden Aufmerksamkeit

Ursula Kreuzer-HausteinDas Schweigen und das »Stocken der Einfälle« (Freud).Emotionale Empfänglichkeit, Nichtwissen und dennoch Deuten – Über die innere Arbeit des Analytikers

Dirk Hamelmann-FischerVerstehen und Nichtverstehen.Psychoanalyse als Oszillieren zwischen verschiedenen Formen des Hörens

4 Hören im psychoanalytischen Prozess

Michael GünterWas hört der Analytiker, wenn er mit dem Kind spielt, und was denkt er, wenn es Eidechsen fängt?

Alfred BringmannVom Hören zum Verstehen.Über die Erfahrung eigener beunruhigender Widersprüche

Johannes PichtSehen – Hören – Berührung.Zur Musik der Psychoanalyse

Klaus WackernagelWenn Worte nicht berühren dürfen

Lutz GarrelsUnerhörter Suizid

5 Hören in Forschung und Supervision

Michael B. BuchholzDie Feinheiten therapeutischen Sprechens.Konversationsanalyse eines psychoanalytischen Erstgesprächs

Ute Fissabre und Lucia SteinmetzerZum Hören in der supervisorischen Beziehung

Karla Hoven-BuchholzDas Dritte Ohr in der Zweitsicht

Autorinnen und Autoren

Vorwort

Es gibt viele Zugangswege zu einem tieferen Verstehen der inneren Welt des Menschen, seinen psychischen Funktionen, den unbewussten Dimensionen des Seelenlebens und den Behandlungsmöglichkeiten seiner psychischen Erkrankungen. In den vergangenen Jahrzehnten sind in Psychotherapien und in Psychoanalysen der affektive Austausch, Szenische Darstellungen, Handlungsdialoge, empathische Einstellungen und im Körper gespeicherte »Erinnerungen« als Zugänge zum Verständnis unbewusster Bedeutungen aus dem Spektrum der Wahrnehmungen und Mitteilungen mit allen Sinnen vielfach diskutiert worden.

Die Herausgeber dieser Sammlung von Aufsätzen zum Thema »Unerhört: Vom Hören und Verstehen – Die Wiederentdeckung der elementaren Methode der Psychoanalyse« finden es an der Zeit, sich wieder darauf zu besinnen, wie das Bemühen eines Patienten um die freie Assoziation eine einmalige Gelegenheit schafft, scheinbar Unsagbares doch zu sagen und Unbewusstes potentiell hörbar zu machen. Die Aufforderung und Ermunterung, alles zu sagen, was einem durch den Sinn geht, liegt der analytischen Situation zu Grunde. Dazu kommt, dass in ihr der vertraute Austausch zwischen zwei Menschen eigentümlich verändert wird. Wenn eine Behandlung im Liegen stattfindet und der Analytiker1 hinter der Couch sitzt, kommt es nur bei der Begrüßung und beim Abschied zu einem Blickkontakt. Der sprachliche Austausch, die Stimme, das Sprechen und das Zuhören geraten in den Vordergrund.

Diese Anordnung erleichtert einem Patienten, seinen Phantasien, inneren Bildern und Empfindungen nachzuhängen, sie zu beobachten und sie in Worte zu fassen. Die Bedingungen für die Selbstbeobachtung werden für beide verbessert, wenn die visuellen Austauschprozesse begrenzt werden. Ein Mensch kann nun alles sagen, was ihm durch den Kopf geht, ohne Rücksicht auf Zusammenhang, Sinn und Wichtigkeit, ein zweiter Mensch ist bereit, alles anzuhören. Das Überprüfen, Sortieren und Auswählen von Gedanken begleitet unsere Kommunikation und soll zurückgestellt werden. Ein Analysand kann dann selbst beobachten, wie seine eigenen Phantasien, Gedanken und Empfindungen auftauchen. Aber die angestrebte Freiheit gegenüber einer Zensur macht diese nun erst sichtbar. Der Erzähler merkt nämlich, dass er auf Hindernisse stößt. Dann erst fällt auf: Beim Nachdenken über sich in der Gegenwart eines Anderen, der zuhört und nicht oder nicht wie erwartet antwortet, wird doch unwillkürlich und ständig mit diesem Anderen gesprochen. Der ursprünglich einmal vom Zuhörer unabhängig gedachte Prozess der freien Assoziation ist ein Dialog. In diesem wird der Andere ständig und automatisch beobachtet, Experimenten unterzogen, untersucht und überführt – keineswegs, um dabei auf neue Gedanken zu kommen, sondern vielmehr, um eine vertraute Situation herzustellen, die nicht allzu ängstigend sein soll. Der eine Analysand mag sich nun sicherer fühlen, wenn er sich besonders fein auf die Erwartungen seines Gegenübers einstellt, ein anderer, wenn er den Zuhörer unter Druck setzt und ihn provoziert, ein dritter wird ihn ganz selbstverständlich auf der eigenen Seite wähnen, ein vierter ihn behandeln, als ob er keine eigene Existenz hätte. Alle werden eine Meisterschaft darin entwickeln, bestimmte Reaktionen hervorzurufen.

Wenn wir also von der freien Assoziation ausgehen, stoßen wir zwangsläufig auf das Problem der Übertragung (S. Freud 1905). Sie wurde zunächst an den Bruchstellen der freien Assoziation und der Veränderung ihrer Abfolge entdeckt – und Freud sagte zunächst: »Sie sind jetzt mit der Person des Arztes beschäftigt«. Mittlerweile ist die Untersuchung der bewussten und unbewussten Dimensionen des Austausches auf allen Ebenen ganz ins Zentrum der analytischen Forschung gerückt und die Wechselseitigkeit sowohl im Widerstand als auch im Enthüllen unbewusster Bedeutungen anerkannt. Jede Intervention eines Analytikers beeinflusst wiederum den Übertragungsvorgang und unterbricht und verändert selbst den Fluss der Assoziationen. Freie Assoziation und Übertragung stehen in einem komplementären Unbestimmtheitsverhältnis, sie verraten unbewusste Prozesse und verschleiern sie zugleich. Das Bild des Fernsprechers, welches Freud für die unbewusste Kommunikation verwandte, beinhaltet Distanz und gleichzeitig die Möglichkeit der Verbindung. Es ist immer ein Anderes, Fremdes und zugleich das abgewehrte Eigene, das potentiell zu hören ist und sich nur in Andeutungen, verschoben und verdichtet, mit Rücksicht auf seine Darstellbarkeit und sekundär bearbeitet, kundtut.

Wir hören dabei darauf, wie etwas gesagt wird, auf Klänge und Pausen. Aber wir hören auch darauf, was gesagt wird, auf Auslassungen, Entstellungen und Verkehrungen, auf Verdichtungen und Verschiebungen. Wie ist die Reihenfolge, welche Themen häufen sich, welche Bilder werden gezeichnet? Dabei sind immer eine Übersetzung und eine Rückübersetzung nötig, die etwas machen und verändern an einer latenten Botschaft.

Diese Überlegungen führen zur Beschäftigung mit dem Sprechen und der Sprache, die selbst immer schon eine Übersetzung ist. Wir leben in der Sprache, nicht etwa mit der Sprache; ohne sie können wir weder innere Affektzustände erfassen noch komplexe Zusammenhänge denken. Sie dient als Zeichensystem der Verständigung untereinander und mit sich selbst. Sie besteht nicht nur aus Wort- und Sachvorstellungen, sondern sie lässt komplexe affektive Bilder, Szenen und Erinnerungen entstehen; wie sonst könnten wir als Leser ganz in der Welt eines Buches versinken. Mit ihrer Hilfe ordnen wir unsere Welt; mit ihr schaffen wir eine Distanz zum eigenen Erleben und machen uns unabhängiger von der materiellen Realität. Sie verbindet uns und sie trennt uns voneinander. Wir können Worte wie Dinge nutzen und sie mit magischer Macht ausstatten. Wir können Sprache so versachlichen, dass sie ein Eigenleben zu führen scheint, als ob sie schon vor dem Menschen in der Welt war. Sie enthüllt und sie verbirgt. Sie kann uns näher bringen, eine Waffe sein oder sie kann uns von uns selber entfremden.

Und sie wird ständig verwendet, um nachträglich Erklärungen für unsere Erfahrungen, Gefühle und Taten zu finden.

In der Analysestunde setzt das Bemühen um Verständigung ein spezifisches Hören – »mit dem dritten Ohr« – voraus, das über das reine Erfassen des gesprochenen Wortes in seiner semantischen Bedeutung hinausgeht: eine spezifische Einstellung unserer Wahrnehmung, die auch das hören lässt, was (noch) nicht (aus-)gesprochen und nicht gesagt werden kann, und offen ist für eine »gleichschwebende Aufmerksamkeit«. Diese Art des Zuhörens ist nicht zentriert, sondern bezeichnet selbst eine Wahrnehmungseinstellung, die eine schnelle Sinnerfassung und Einordnung zurückstellt. Die unbewussten Bedingungen für unser Einander-Hören und -Missverstehen bieten ein reiches Feld für unsere Beobachtungen und analytische Reflexionen.

Gemeinhin werden Gefühlswahrnehmungen und das Szenische besonders beachtet, als zeige sich hier das Verborgene unverstellter. Dabei wird leicht übersehen, dass auch das Übertragungs-Gegenübertragungs-Geschehen der Abwehr Genüge tun muss und im Dienste des Widerstands gegen psychische Veränderungen steht. Die Art, wie gesprochen wird, enthüllt nicht nur verborgene Bedeutungen, sondern trägt selbst dazu bei, dass gerade nicht zugehört werden kann. Zwar sind wir selbst unser Instrument der Wahrnehmung und unseres Verstehens, aber dabei stehen wir ständig unter dem Einfluss unseres Patienten, der seine innere Welt auch in der therapeutischen Beziehung erschafft, seine Wünsche und Ängste, seine Scham und seine Schuldgefühle mitbringt und sein inneres Gleichgewicht halten möchte. Und dazu kommt: Ein Therapeut ist selbst berührt, seine eigenen Konflikte, Haltungen und Lebenslösungen sind angesprochen. Wir benötigen deswegen unser ganzes Werkzeug, unsere Erfahrungen, unsere inneren Supervisoren und unser Nachdenken, um überhaupt zuhören oder wieder zuhören zu können, wenn wir nichts verstehen.

Mit den Schwierigkeiten und Hindernissen, mit den Entstellungen und Verdrehungen, denen wir in sozialen Situationen, in Psychotherapien und in Psychoanalysen begegnen, wenn wir verstehen wollen, beschäftigen sich die Arbeiten dieses Bandes. Sie gehen zurück auf Vorträge, die 2013 auf der Jahrestagung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in Bremen gehalten wurden und jetzt in überarbeiteter Form vorgelegt werden. Ein großer Dank gilt Celine Degenhardt und Dirk Hamelmann-Fischer für ihre fachkundige, ideengebende und engagierte Mitwirkung bei der Herausgabe dieses Buches. Schließlich möchten wir uns herzlich bei Herrn Dr. Beyer, seinem Verlagsteam und dem Klett-Cotta Verlag für die verlegerische Betreuung sowie angenehme und hilfreiche Zusammenarbeit bei der Herausgabe des Buches bedanken.

Ingo FockeIrene BozettiInge Hahn

INGE HAHN, IRENE BOZETTI UND INGO FOCKE

Einführung

Die Autoren dieses Bandes nähern sich dem Thema »Unerhört: Vom Hören und Verstehen« auf verschiedene Weise an. Fallbeispiele aus der eigenen klinischen Praxis finden eine Ergänzung durch konzeptionelle Überlegungen und literarische wie musikalische Bezüge. Franz Wellendorfs Ausflug in die Dichtung im ersten Kapitel »Kultur des Hörens« führt in einer poetischen Weise in das Thema ein. Er geht der Frage nach, wo und wie sich die Lektüre der Dichterin Friederike Mayröcker und die psychoanalytische Methode berühren. Die fragmentarischen und rätselhaften Texte Mayröckers entziehen sich einem raschen Verstehen ebenso, wie die Erzählungen unserer Patienten ein immer neues Hören evozieren. Franz Wellendorf findet in Hencks Wortschöpfung des »Unvorherhörbaren« eine grundlegende Gemeinsamkeit von psychoanalytischem Hören und der Lektüre der Dichtung. Nie hören wir dasselbe, nie wissen wir, was wir hören, was wirhören werden und gehört haben, ganz. Mayröckers Texte sperren sichgegen ein abschließendes Wissen, in jedem gesagten Wort ist Vergänglichkeit. In der Konzentration auf den Klang der Dichtung, den Klang der Stimme, die Beziehung von Auge und Ohr, Schweigen und Hören reflektiert Franz Wellendorf die Spannung zwischen Endlichkeit und Nie-enden-Wollen, die Angst vor Erstarren und Lust an Wandlung und Bewegung in der Sprache Mayröckers wie im analytischen Raum. Sprechen und Hören ringen darum, mit dem Verborgenen in Kontakt zu kommen.

Im zweiten Kapitel »Hören auf das Zuhören« liegt das Augenmerk darauf, die unbewusste Dimension des Zuhörens in der analytischen Beziehung zu untersuchen. Haydée Faimbergträgt zum vorliegenden Buch einen ihrer grundlegenden Texte über das Hören im psychoanalytischen Prozess bei. Ihr Konzept des »Listening to listening« wird von Stefano Bolognini, dem gegenwärtigen Präsidenten der IPV, in seinem Aufsatz »Inauditum/Unerhört!!!« weitergeführt: Wie hören Patienten dem Zuhören des Psychoanalytikers zu? Haydée Faimberg macht darauf aufmerksam, dass das Hören nicht auf den Analytiker beschränkt ist. Die analytische Sitzung ist auch ein Prozess des gegenseitigen Zuhörens, der von den eigenen Erwartungen bestimmt ist, die auf spezifische unbewusste Identifikationen zurückgehen. Eine sorgfältige Untersuchung des zwangsläufigen Missverstehens führt zur Aufdeckung der unbewussten inneren Welt des Analysanden. »Dem Zuhören zuhören« sensibilisiert für die Mikroprozesse des analytischen Diskurses zwischen Analytiker und Patient. Durch das dargestellte Fallbeispiel lässt sich nachvollziehen, wie sich beide Beteiligte durch das Hören auf das missverstandene Gehörte verständigen können. Faimbergs Beitrag findet eine Ergänzung durch die Wiedergabe grundlegender Überlegungen aus einer gemeinsamen Diskussion mit Ingo Focke, die Dirk Hamelmann-Fischer zusammengefasst hat.

In seinem literarisch formulierten Beitrag geht Stefano Bolognini in der ihm eigenen behutsamen und doch durchdringenden Weise verschiedenen Aspekten des Hörens und des Unerhörten nach. Im ersten der drei Abschnitte beschreibt er an einer Alltagserfahrung, wie sich abgewehrte Aspekte des Lebens schließlich doch »Gehör« zu verschaffen vermögen. Das Hören ist ein Sinn, der von weniger Barrieren abgeriegelt wird als unsere anderen Sinne. Der zweite Abschnitt seines Aufsatzes widmet sich der Erfahrung des Patienten im Schweigen des Analytikers. Hier können wir etwas über die Beredsamkeit des Schweigens lernen. Im dritten Abschnitt bringt uns Bolognini eine Patientin nahe, bei der sich erst im Verlauf der Analyse zeigt, dass sie mit den Folgen einer traumatischen Erfahrung kämpfte – zunächst von ihr selbst und ihrem Analytiker unbemerkt. An diesem klinischen Beispiel gelingt es dem Autor, uns seine Art des Zuhörens begreiflich zu machen. In ruhiger Weise lässt er den Leser nachvollziehen, weshalb Psychoanalysen Zeit benötigen und wie viel im Stillen vor sich geht, wenn scheinbar nichts passiert.

Die Autoren des dritten Kapitels »Hören und Zuhören verstehen« untersuchen das Thema aus den unterschiedlichen Richtungen ihrer psychoanalytischen Schulen und klinisch-theoretischen Verortung. Aus dem Blickwinkel der französischen analytischen Denkweise betrachtet Susann Heenen-Wolff den Wert des »abwartenden Zuhörens« im Hinblick auf die Erfassung der unbewussten Konflikte. Aus ihrer Sicht haben sowohl die Konzipierung der Psychoanalyse als Interaktion zweier Objekte in der Hier-und-jetzt-Beziehung als auch die Technik des »aktiv-empathischen Interagierens« dazu geführt, dass das »gleichschwebend aufmerksame Zuhören« des Psychoanalytikers in den Hintergrund tritt. Sie zeigt auf, dass durch das »zurückhaltende Zuhören« eine formale Regression im Analytiker gefördert wird, die ihm hilft, sich in den Dienst des Hörens auf das Gesagte und Nichtgesagte zu stellen. Diese analytische Haltung ermöglicht dem Patienten, Assoziationsketten zu bilden, die zu latenten Gedanken führen und damit seine Repräsentanzenwelt erweitern. Der Psychoanalytiker, der zu viel spricht, bietet sich aus der Sichtweise der Autorin zu sehr als reales Objekt an und tritt damit aus der ihm vom Patienten übertragenen Bedeutung heraus. Mit Fallvignetten unterlegt sie ihre klinische Erfahrung, dass das »zurückhaltende Zuhören« auch bei sehr fragilen Persönlichkeiten seine Wirkung entfaltet. Die Autorin weist darauf hin, dass dieses Vorgehen einen Subjektivierungsprozess ermöglicht, bei dem die Antworten aus dem analytischen Prozess heraus vom Patienten selbst kommen. Ein abwartendes Zuhören des Analytikers fördere die Lust des Analysanden, in der Gegenwart des Psychoanalytikers zu denken, und damit seinen Autoerotismus.

Klaus Grabska macht in seinem Beitrag darauf aufmerksam, dass das analytische Hören in der psychoanalytischen Literatur bislang als »Stiefkind« behandelt wurde. Er lenkt mit dem Rückgriff auf Freuds Ursprungsmodell der gleichschwebenden Aufmerksamkeit den Blick auf die »Passivierung« des Psychoanalytikers als Bestandteil der analytischen Position. Sie ist nach den Worten des Autors sowohl »Zumutung« wie gleichermaßen dessen »methodische Bewältigung«. Der Psychoanalytiker kann innerhalb der analytischen Situation in eine »existenzielle Abhängigkeit« geraten, die von ihm je nach Bewältigung eigener existenzieller Ängste mehr oder weniger gut toleriert werden kann. Die von Grabska so beschriebene »Passivierung« wandelt sich aus seiner Sicht in eine Haltung »resonanter Zurücknahme und Aufnahme«. Sie schafft die Bedingung dafür, dass sich im Psychoanalytiker ein psychischer Innenraum bildet, in dem der Analysand sein »emotionales Zuhause« finden kann. Anhand einer Fallvignette aus einem Erstgespräch veranschaulicht der Autor nachvollziehbar, wie sich Anzeichen eines Verlassenheitstraumas im »partiellen Zusammenbruch der gleichschwebenden Aufmerksamkeit« des Psychoanalytikers reinszenierten. Grabska zeigt auf, dass es dem Psychoanalytiker gelingen kann, diesen von ihm als »negativ traumatisch« bezeichneten Moment zu transformieren.

Das Hineinhören in das Schweigen, ein Phänomen, das verbirgt und gleichsam Ungehörtes zu Gehör bringen möchte, wird von Ursula Kreuzer-Haustein beleuchtet. Die Autorin fokussiert in ihrem Aufsatz besonders auf die Haltung des Analytikers, mit der er nach innen hörend für die Erfassung der »Abkömmlinge des Unbewussten« empfänglich wird. Mit Rückbezug auf Konzeptualisierungen vor allem der britischen Psychoanalytiker J. und A.-M. Sandler (»role responsiveness«) sowie M. Parsons (»emotional availability«) beschreibt Kreuzer-Haustein anhand einer Fallvignette, wie die Analytikerin, die von der freien Assoziation der schweigenden Patientin ausgeschlossen ist, ganz auf ihre eigenen Einfälle und Assoziationen, mit denen sie den analytischen Raum füllen muss, angewiesen ist. Anders, so zeigt die Autorin auf, verhält es sich beim »Stocken der Einfälle«(Freud) eines sprechenden Patienten, das dem Verbergen des scheinbar Unzumutbaren in der Übertragungsbeziehung dient. Die Autorin belegt überzeugend, dass es eines sicheren, inneren haltgebenden Rahmens bedarf, um nach Innen hören zu können, insbesondere in Situationen quälenden, verzweifelten Schweigens unserer Patienten.

Dirk Hamelmann-Fischer arbeitet auf andere Weise den Wert des »absichtslosen Zuhörens« und der rezeptiven Einstellung des Psychoanalytikers seinem Analysanden gegenüber heraus. Sein Aufsatz liest sich wie ein Plädoyer, diese Haltungen als »Gut und Freude« wertzuschätzen. Danach sollte der Psychoanalytiker die Fähigkeit entwickeln, den Patienten und sich selbst nicht durch zu rasche Interpretationen beim Zuhören zu unterbrechen. Mitfühlendes Zuhören könne sowohl eine haltgebende Funktion haben wie auch eine Zeugenschaft für erlittenes Leid darstellen. Ein vorschnelles Verstehenwollen berge die Gefahr »selektiver Taubheit« in sich, da das Unbewusste nur ungenügend vom Psychoanalytiker aufgespürt werden kann. Hamelmann-Fischer schenkt der Fähigkeit des Psychoanalytikers, Nichtverstehen auszuhalten, besondere Aufmerksamkeit und betrachtet sie als »essentiell« mit Bezug auf Autoren wie Akhtar, Bollas und Faimberg. Diese Fähigkeit setzt Vertrauen voraus, einen vom Unbewussten geleiteten analytischen Prozess in Gang bringen und halten zu können.

Im vierten Kapitel »Hören im psychoanalytischen Prozess« nähern sich die Autoren von klinischen Situationen ausgehend dem Hören und Zuhören in der Beziehung zwischen Psychoanalytiker und Patient. In berührenderWeisenimmt der Kinderanalytiker Michael Günter den Leser mit in die Welt kindlicher Phantasien. In seinen Fallbeispielen legt er dar, wie sich Hören und psychoanalytisches Geschehen im kindlichen Spiel entlang der vorsprachlichen Welt entwickeln und wie eine Übersetzung in Wortvorstellungen entstehen kann. Der Autor vermittelt, wie sich dem Analytiker in der Entfaltung des kindlichen Spiels die Möglichkeit bietet, dem Arbeiten der kindlichen Psyche zuzuhören und mit Hilfe seiner Rêverie (Bion) dem Gehörten Bedeutung beizumessen. Der zentrale Angelpunkt jeder menschlichen Begegnung und insbesondere der analytischen Begegnung zwischen ihm und seinen Patienten besteht für Günter in der Bedeutung des Kontakts von »Unbewusst zu Unbewusst«. Dies führt zu einer Haltung, bei der das spontane Spiel des Kindes seine Wirkung entfalten kann. In seinen Fallvignetten legt der Autor dar, wie Hören und Sprechen durch den Einbezug entwicklungsgeschichtlich früher Positionen von »haptisch-sinnlicher Erfahrung« und »bildhaften Erlebnisweisen« verstehbar werden. Der Aufsatz belegt, wie das Hören dem Analytiker einen Zugang zu den unbewussten Konflikten und Fixierungen seiner kleinen Patienten eröffnet und ihm zu therapeutischem Erfolg verhelfen kann.

Alfred Bringmann befasst sich in seinem Beitrag mit Erfahrungen, die auf unbewusste Prozesse in der Übertragung und Gegenübertragung hinweisen. Er konzentriert seine Gedanken auf die Klippen in der Begegnung zwischen Analytiker und Patient sowie auf die Neigung des Psychoanalytikers, das vom Patienten Gehörte oder Wahrgenommene auf seinem eigenen inneren Hintergrund zu einer Wahrnehmungsgestalt zu ergänzen, um eine sinnvolle Kohärenz herzustellen. Bringmann entwickelt seine Überlegungen mit Bezug auf sinnesphysiologische Untersuchungen von Viktor von Weizsäcker sowie theoretische Konzepte und behandlungstechnische Empfehlungen von Freud und Bion. Er diskutiert dabei das Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Kohärenz und dem Bemühen um eine gleichschwebende Aufmerksamkeit. In einer ausführlichen Kasuistik stellt der Autor dar, wie die Abwehr beunruhigender Widersprüche, d.h. eine als Ich-Bedrohung erlebte Inkohärenz im Analytiker, die Wahrnehmung der inneren Wirklichkeit des Patienten und das emotionale Verstehen einengen.

Johannes Picht nimmt uns mit in ein Wechselspiel aus Sprechen und Schweigen seiner Patientin und seiner eigenen gleichschwebenden Aufmerksamkeit in einer psychoanalytischen Stunde, die mit einem Moment des Berührtseins endet. Nach einer differenzierenden Erörterung des Sehens und des Hörens entfaltet er die Dimensionen eines analytischen Raums, in den wir hineinsehen, und einer Zeit, in die wir hineinhören. In einer Bewegung vom Sehen über das Hören zum Berühren und Berührtwerden endet er schließlich mit der »Musik der Stunde«, für die er empfiehlt »ganz Ohr« zu sein.

In feiner Beobachtung der analytischen Übertragungsbeziehung zeigt Klaus Wackernagel an einem Fallbeispiel, wie mit Hilfe »fremder Sprachen« eine behutsame Entwicklung von innerem Rückzug zu weniger angstvoll besetzten Ausdrucksmöglichkeiten der Gefühle beginnt. Musikalische Einfälle, Körperempfindungen sowie das Auftauchen fremdsprachlicher Redewendungen werden vom Analytiker »gehört«, aufgenommen und teilweise als Ausdrucksformen massiv abgewehrter früher Bedürfnisse und Vernichtungsängste einem Verstehen zugänglich. Die »fremde Sprache« zu übersetzen hilft dem Patienten wie dem Analytiker, das bisher weder Denk- noch Fühl- noch Sprechbare lebendig werden zu lassen. Mit Bezug auf analytische Konzepte von Fairbairn und Balint entwirft der Autor ein anschauliches Bild vom analytischen Arbeiten im Beziehungsraum, der inneren Bedeutung des Rahmens und einer mit allen Sinnen hörenden Haltung des Analytikers.

Lutz Garrels entfaltet schließlich seine Überlegungen zur »unerhörten Botschaft des Suizids«. Er schaut darauf, wie der Suizidant sich in seiner Sprachlosigkeit und dem »Unerhört-geblieben-Sein« mit dem Selbstmord »unerhört aggressiv« und fundamental in die Hinterbliebenen einschreibt. Diese Einschreibung ist traumatisch und ruft verzweifelte Bewältigungsversuche hervor, da es keinen Code zur Entschlüsselung der inskribierten Botschaft gibt. Neben einem Überblick über psychoanalytische Konzeptionen der Suizidalität zeigt uns der Autor anhand eines literarischen Beispiels, wie das »Unerhörte« eines sprachlosen Suizids doch hörbar gemacht werden kann.

Das fünfte Kapitel »Hören in Forschung und Supervision« rundet den Band mit einem Ausblick auf mögliche Veränderungen von Strukturen und Arbeitsweisen innerhalb der psychoanalytischen Ausbildung ab. »Das Unbewusste muss sich zeigen« konstatiert Michael Buchholz in seinem komplexen Beitrag. Darin bringt er dem Leser die Methode der Konversationsanalyse als Gewinn in Hinblick auf Entwicklung und Schulung von Feinheiten des therapeutischen Sprechens und Hörens nahe. Denn das Unbewusste erscheint an der sicht- und vor allem hörbaren Oberfläche der Konversation. Nachdem der Autor uns grundlegende Faktoren der Konversationsanalyse vorgestellt hat, wendet er sie auf Ausschnitte aus dem Transkript eines Erstinterviews an und lässt uns daran teilhaben, mit welch behutsamen Schritten der Therapeut darauf zusteuert, dass seine Äußerungen für den Patienten Verbindlichkeit bekommen und als verändernde Deutungen angenommen werden können. Buchholz beendet seinen Beitrag mit einem Plädoyer für die Nutzung von Tonaufzeichnungen und Transkripten in Forschung und Weiterbildung.

Unter welchen Bedingungen können sich Kandidaten in der Supervision kognitiv und emotional öffnen und wann gelingt dies nicht? Dieser Frage sind Ute Fissabre und Lucia Steinmetzer in einer Forschungsstudie nachgegangen, die das Beziehungsgefüge zwischen Kandidat und Supervisor untersucht. Die Autorinnen beschreiben in ihrem Beitrag ausführlich das Design der Studie, den Aufbau des verwendeten Fragebogens und die statistischen Auswertungsmethoden. Außer deutlich erkennbaren Unterschieden in den Arbeitsstilen der Supervisoren und den Reaktionsmodi der Supervisanden werden zentrale Faktoren der Identitätsbildung und der Zufriedenheit beider Gruppen erfasst. Die Ergebnisse lassen die Folgerung zu, dass Supervisoren ihren eigenen Arbeitsstil kritischer beurteilen, als er von den Supervisanden wahrgenommen wird. Zudem bewerten sie die Reaktionen ihrer Supervisanden auf die Supervision skeptischer als diese selbst.

Das Verstehenlernen von Szenen, ein »Hören mit dem drittenOhr« (T. Reik) darauf, »was einer ohne Worte zum anderen sagt«, gehört ganz wesentlich zur Entwicklung psychoanalytischer Kompetenz. Karla Hoven-Buchholz unterzieht die hochkomplexe Dreiersituation der Zweitsicht, die an manchen Ausbildungsinstituten von Supervisor und Kandidat zusammen mit den Patienten stattfindet, einer kritischen Reflexion mit Bezug auf theoretische, historische und institutionelle Aspekte. Die Autorin möchte des weiteren die Auseinandersetzung mit diesem umstrittenen Ausbildungselement fördern und die Diskussion beleben.

Die Autoren der fünf Kapitel des Bandes versuchen in ihren vielfältigen Beiträgen zum Hören, Zuhören, Unerhörten, Erhörtwerden, Nichthören wie Hinhören Wege aufzuzeigen und zu diskutieren, wie Psychoanalytiker und Psychotherapeuten die verborgenen Botschaften des Unbewussten in der Beziehung zu ihren Patienten und auch Ausbildungsteilnehmern zu entschlüsseln versuchen.

1Kultur des Hörens

FRANZ WELLENDORF

Sich an das Unvorherhörbare ausliefern

Psychoanalytische Gedanken bei der Lektüre Friederike Mayröckers

»ich rühre mich nicht von der Stelle ich sitze nur grausam da, sage ich zu Ely, der Anfang scheint nicht traurig genug, Petrarca, der Titel des nächsten Buches vielleicht ›études‹, unfaszbar die Plumage, es gibt diese Nachtfalter welche die Tränen der Menschen trinken, sage ich zu Ely, Beweinung / Bewaldung der Seele, sage ich, die Zacken der Berge die Zacken der Tulpen – der Arzt telefoniert er habe sich den schmerzenden Finger selber aufgeschnitten (wie borderline Patienten sich selber aufschneiden). / Es war ein Sturmläuten in der Nacht dasz ich Angst bekam, sage ich zu Ely, ich wurde von Angst geschüttelt, sage ich, mein Herz zitterte, ich schlich zur Wohnungstür und lugte durch den Spion oder JUDAS, ob ich jemanden sehen könne der auf dem Korridor sich meiner Tür näherte, ehe der JUDAS erloschen war, usw., am Morgen entlasse ich den Speichel auf den Fuszboden, sage ich, wo die Gladiolen sprieszen, die Spucke läszt sie sprieszen 1 ganzer Wald von Gladiolen, orangefarbene lilafarbene blaue, viele Wochen standen die verwelkten Blumen auf dem Abtritt, Gladiolen Fliederstämmchen Palmblätter, verblutende Pfingstrosen, Plagiate, was mich manisch machte, ›von der Gnade gestreift‹, so Jean Genet, die Akelei wird auch Handschuh unserer lieben Frau genannt, nämlich MIGNON ich bin jetzt verwirrt, was die Vorgehensweise des Schreibens angeht, sage ich zu Ely, ich bin 1 wenig somnambul, mir schwebt etwas vor, wenngleich der Intellekt ich meine nicht unbeteiligt, erdachte Briefe an Rumi oder E.S., beim Briefeschreiben im Bett habe ich über den Blattrand hinausgeschrieben auf der Daunendecke weitergeschrieben so dasz mein Bett mit schwarzen Filzstiftspuren … unser Bett ist unser Büro, sage ich, hier wird geschlafen geschrieben, (…)« (Mayröcker 2012, S. 7f.).

Mit diesem Text beginnt das Buch »ich sitze nur GRAUSAM da« der Dichterin Friederike Mayröcker. Es fällt schwer zu sagen, wovon in dem Text die Rede ist. Wir hören: Ein »ich« (vielleicht ist es die Autorin, vielleicht auch nicht) sitzt bewegungslos da; es sucht für ein neues Buch, ein »Dichterbuch«, einen Anfang, der »traurig genug« ist, und einen Titel. Das bewegungslose Sitzen, ohne anfangen zu können, ist grausam. Dabei sind die Wörter »grausam« und «traurig« über den dunklen Diphthong »au« miteinander verbunden. Ein wenig später spricht das »ich« von dem »waghalsigen Unternehmen, ein neues Buch zu schreiben beginnen –«. Wir erleben, wie Einfälle, Erinnerungen, Assoziationen blitzartig hervorspringen und wieder verschwinden: Namen von Dichtern (Petrarca und Jean Genet) und anderen Personen (»Rumi oder E.S.«, Mignon, Judas und mehrmals Ely, ein Gegenüber, zu dem das »ich« immer wieder spricht – wie ein Refrain wiederholt sich das »sage ich zu Ely«); ein möglicher Titel taucht auf, dann plötzlich »Nachtfalter welche die Tränen der Menschen trinken«; der Arzt, der sich seinen schmerzenden Finger selbst aufschneidet (wie Borderline-Patienten sich selbst); eine »Beweinung der Seele«, Sturmläuten in der Nacht und überwältigende Angst – Assoziationen, mit denen sich das Thema »Trauer« fortspinnt; am Morgen Speichel auf dem Fußboden, der Gladiolen sprießen lässt, verwelkte Blumen auf dem Abtritt; mitten hinein das Wort »Plagiate«, was das sprechende »ich« manisch macht, eine Verwirrung, »was die Vorgangsweise des Schreibens angeht«, und somnambule Gefühle; Schreiben im Bett, wo die Daunendecke mit schwarzen Filzstiftspuren verschmiert ist. Auch wenn wir konzentriert zuhören (oder lesen), der Text – und hierin gleicht er allen Texten Mayröckers – bleibt schwer verständlich, rätselhaft, unvollständig und zersplittert. Es will kaum gelingen, das, was wir gehört haben, zu behalten oder nachzuerzählen. Wir hören keine Erzählung, wie wir sie aus anderen literarischen Werken kennen. Friederike Mayröcker (1984, S. 105) hat diese Eigenschaft ihres Schreibens schon früh und mehrfach hervorgehoben: »Ich habe Angst vor dem Erzählen, ich bin gegen das Erzählen, immer schon, ich bin immer schon gegen das nackte Erzählen gewesen, vielleicht gegen seinen unangemessen großen Anspruch, sage ich (…)«. Und vierzehn Jahre später: »[E]ine Augentäuschung ist das schöne Erzählen, eine Vorspiegelung, denn das ist 1 Geist der in mir herumpoltert, wahnwitziger Geist, der sich immerzu und wiederum und abermals widersetzt jener geläufigen LOCKENDEN Vorstellung eines systematischen/rationalen Schreibprozesses (…)« (2012, S. 7f.). Kein roter Faden führt uns durch den Text; keine sprachliche Struktur gibt dem Zuhören eine vertraute und eindeutige Richtung. Was sich jedoch beim lauten Lesen einprägt, ist die Klangbewegung des Textes. Friederike Mayröckers Dichtungen haben etwas Unerhörtes – unerhört im doppelten Sinne von »(noch) nicht gehört«, »ungewöhnlich« und von »empörend«, »ungebührlich«. Sie zu lesen oder zu hören, strengt an. Vor einiger Zeit kam ich in einem Café mit einem Herrn ins Gespräch, der ein Buch von Friederike Mayröcker in meiner Hand gesehen hatte. Er erzählte mir, er habe das Buch von einem Freund geschenkt bekommen, damit aber überhaupt nichts anfangen können und es bald einfach wieder zugeklappt. Er könne nicht verstehen, warum er so etwas lesen sollte.

Warum sollten wir als Analytiker schwierige und rätselhafte Texte wie diesen lesen? Ich meine, dass uns die Beschäftigung mit ihnen zu Gedanken über die Psychoanalyse und die Erfahrungen, die sie ermöglicht, anregen kann. Die Texte sind mit ihrer unerhörten Sprache zugleich Stachel im Fleisch der »ordinary language« der Psychoanalyse. Und sind Sprechen und Hören in der Psychoanalyse nicht auch »unerhört« im doppelten Wortsinn von (bisher noch) »nicht gehört«, »ungewöhnlich« und von »ungebührlich«, »empörend« im Sinne einer moralischen Kategorie: Ist es nicht unerhört, wie Psychoanalytiker in der analytischen Stunde mit einem fremden Menschen reden? Ich denke, dass das nicht angepasste Sprechen unsere Wirklichkeit erweitert – die des Patienten wie die des Analytikers – und dabei hilft, sie aus einer Distanz auf eine neue Weise zu sehen. Bevor ich dieser Frage nachgehe, möchte ich für einige kurze methodologische Überlegungen innehalten.

Gedanken zum Vorgehen

Ich werde hier keine psychoanalytische Deutung des literarischen Schaffens oder einiger Dichtungen Friederike Mayröckers vorlegen. Es geht auch auch nicht um eine psychoanalytische Untersuchung der Person der Dichterin, ihrer Lebensgeschichte oder unbewusster und bewusster Konflikte, Wünsche und Ängste, Phantasien usw., die in ihren Dichtungen zum Ausdruck kommen mögen. Ein solcher Versuch wäre nichts anderes als eine »wilde Deutung«. Vielmehr möchte ich versuchen, einen »interdisziplinären Dialog« anzustoßen, der unser psychoanalytisches Verstehen durch Berührung mit einem anderen Feld, dem der Dichtung, bereichern und wachsen lassen kann. Wir sollten uns vor der Illusion hüten, die Psychoanalyse allein besäße bereits ein hinreichend umfassendes und tiefes Verständnis des seelischen Lebens. Sigmund Freud wusste und anerkannte, dass die Dichter seit vielen Jahrhunderten tiefe Erkenntnisse über die innere Welt des Menschen und das Unbewusste gewonnen haben und dass die Psychoanalyse gut daran tut, mit ihnen in ein Gespräch zu kommen. Ich werde versuchen, Berührungspunkte zu finden zwischen den Erfahrungen, die Analytiker und Patient in der analytischen Beziehung machen, und den Erfahrungen, die wir gewinnen können, wenn wir uns auf Texte von Dichtern und speziell auf die von Friederike Mayröcker einlassen. Beide, Dichtung wie Psychoanalyse, versuchen etwas von der inneren und äußeren Welt sichtbar zu machen und zur Sprache zu bringen, was sich der bewussten Wahrnehmung und dem alltäglichen Verständnis entzieht und verborgen bleibt.

Schwierigkeiten der Lektüre

Ich komme auf die Schwierigkeiten zurück, die der Lektüre von Texten Friederike Mayröckers entgegenstehen – auf den Widerstand, den sie dem spontanen Verstehen und der Rezeption entgegensetzen. Auch wenn wir konzentriert zuhören (oder lesen), die Texte bleiben oft rätselhaft, unvollständig und zersplittert. Ihr fragmentarischer Charakter springt ins Auge. Ihnen haftet etwas Unabgeschlossenes an. Sie beginnen unvorhergesehen, springen zwischen unerwarteten Assoziationen hin und her, enden oft, ohne dass ein Abschluss nahe läge oder sich ankündigte, gehen weiter, wo wir ein Ende erwarten. Mayröckers Texte bleiben unabgeschlossen. Wir nehmen an einem Prozess der Aneignung und Verwandlung fremden Textmaterials teil, an der Metamorphose von Schrift in Stimme (oder umgekehrt), von Ton und Bild in Text. Texte entstehen aus anderen Texten, Zitaten, Wortassoziationen, spielen auf andere Texte an. Ihre Quelle ist eine schier grenzenlose Sammlung von Zitaten, Exzerpten und sprachlichen Fundstücken aller Art, auch von persönlichen Erinnerungen und anderem Lebensmaterial – alles auf einer Flut von Notizzetteln festgehalten. Wir begegnen einem »Gemisch aus Zitaten und Aufzeichnungen eigener Wahrnehmungen und Erinnerungen« (Kunz 2004, S. 10, 34). Eigenes geht in Fremdes über und Fremdes in Eigenes. Die Lückenhaftigkeit und der fragmentarische und unabgeschlossene Charakter der Texte spiegeln sich auch in der »lückenhaften Interpunktionspraxis«: Wo wir einen Punkt erwarten würden, steht keiner oder wir finden ihn dort, wo wir ihn nicht erwarten; Sätze bleiben unvollständig und werden durch Auslassungspunkte fortgesetzt; Zitate werden nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet; es gibt nahtlose Übergänge zwischen verschiedenen Textsorten oder das völlige Fehlen eines jeden Übergangs; etc. Der Text, den ich Sie anfangs hören (lesen) ließ, ist ein kleines Beispiel dafür. Um die Fülle der Bezüge, Anspielungen, Wiederholungen überhaupt wahrzunehmen und in ihre sprachliche Bewegung einzudringen, müssen wir die Texte wieder und wieder lesen und hören. Dann können wir hören, dass es der Klang des Textes ist, der das Fragmentarische, Heterogene verbindet. Nie jedoch kommen wir dabei an ein Ende. Hierin ähneln die Texte den freien Assoziationen, denen wir in der analytischen Stunde zuhören. Auch sie sind voller Zitate eigener und fremder Stimmen, enthalten eine Fülle verdeckter Bezüge, sind lückenhaft und unabgeschlossen.

Durch ihre Form, die reich an Überraschungen ist, Verwunderung und Erstaunen, aber auch Ärger und Unbehagen auslöst, wird der Hörer (Leser) in eine schwierige Position gebracht, in der er alle Orientierungspunkte zu verlieren droht und gezwungen ist, das, von dem er meint, es bereits verstanden zu haben, wieder in Frage zu stellen – ein destabilisierendes Manöver, das vorzeitige Zufriedenheit mit einer bestimmten Deutung verhindert. Neugier, Lernen und geistiges Wachstum werden stets neu angestoßen. Ein psychischer Zustand entsteht, der mentale Arbeit erfordert und dadurch das geistige Wachstum des Hörers oder Lesers fördert (vgl. Abella 2012, S. 725). Wenn wir Texte von Friederike Mayröcker lesen oder hören, geraten wir in eine Situation des Nichtwissens, wie wir sie aus der psychoanalytischen Arbeit kennen. Wir liefern uns, hörend, dem Fluss des Klanges aus. Und wir üben uns, wenn wir zuhören, in der Gelassenheit zu warten, was wir als Nächstes hören werden – etwas, was wir nicht vorher wissen können.

Der Klang der Dichtung

Eine Erfahrung des Dichters Seamus Heaneykann uns einen Hinweis geben, wie sich diese Schwierigkeiten bewältigen lassen. Heaney (1988, S. 33f.) berichtet von der Sackgasse, in die er bei dem Versuch geriet, das Gedicht »The Waste Land« von T.S. Eliot – ebenfalls ein enigmatischer Text – zu verstehen. Er war unfähig, das Gedicht zu paraphrasieren, und spürte eine starke Abneigung, sich um Argumente und den konzeptionellen Prozess des Gedichts zu kümmern. Er hatte sich in die Bibliothek gesetzt und mit Fleiß alle verfügbaren Kommentare zu »The Waste Land« und die literaturwissenschaftliche Fachliteratur studiert, ohne dass ihn diese Arbeit zu einem tieferen Verständnis des Textes geführt hätte. Schließlich sei ihm klar geworden, dass sein »Gehorsam« gegenüber der Fachliteratur und den Kommentaren vor allem auch einem Zweck diente: sich anderen Personen (und sich selbst) als wohlinformiert zu zeigen. In diese Sackgasse geraten, begann Heaney, auf die Musik des Gedichts zu lauschen und sich auf sie einzustellen. Ermutigt wurde er dabei durch die Prosa T.S. Eliots, vor allem den Essay »On the music of poetry«, in dem Eliot von der Fähigkeit zu »the auditory imagination« spricht. In der Dichtung lassen sich Klang und Bedeutung nicht auseinander reißen: »(…) the music of poetry is not something which exists apart from the meaning« (Eliot 1961, S. 21; zit. bei Nicolosi 1980, S. 192). Wie Heaney schreibt, spürte er schließlich »eine natürliche Neigung, sich selbst zu einem ›Schallraum‹ für die Klänge des Gedichts zu machen« (1988, S. 35). Gewiss hält er weiterhin eine strukturelle Analyse des Textes für wichtig; aber der »Lebensatem« stecke in seinem Klangkörper. Heaney schreibt: »Was ich hörte,machte Sinn.« Er spricht von einer »internalized soundscape«, einer verinnerlichten Klanglandschaft (1988, S. 38).

Die Erfahrung, die Heaney mit der Annäherung an das enigmatische Gedicht »The Waste Land« von T.S. Eliot gemacht hat, wiederholt sich für uns, wenn wir Texten von Friederike Mayröcker begegnen. So reich auch die Ausbeute einer wissenschaftlichen Analyse und Untersuchung sein mag, die innere Lebendigkeit und Bedeutungsfülle der Dichtung erfahren wir erst, wenn wir diese Texte hören. Im Kern des geschriebenen Textes stecken gehörte Klänge. Friederike Mayröcker spricht von einer »Verleihung der Stimme als Schrift« (1987, S. 74). Und in einem Interview mit Bodo Hell sagte sie einmal: »(…) aber während des Exzerpierens fallen mir immer so schöne Sachen ein – es ist eine Art Parallelprozeß, ich exzerpiere etwas, ich höre dann in meinem Kopf etwas Ähnliches, etwas Anklingendes, aber ich werde sozusagen vom Akustischen her befruchtet, wenn ich lese, das ist auch sehr interessant (…)« (1987, S. 197).

Wenn wir hören (und zuhören), nehmen wir mehr auf und erfahren mehr als die Semantik der (gehörten, geschriebenen oder gelesenen) Wörter und Sätze. Joseph Conrad(zit. bei Breuer 2012, S. 22), der in zwei Sprachen mit sehr unterschiedlichen Klangräumen zu Hause war – seine Muttersprache war Polnisch, er schrieb jedoch Englisch –, bemerkte einmal: »The power of sound has always been greater than the power of sense.«

Der Klang der Stimme

Der Klang einer Stimme, aber auch Geräusche überhaupt können (wie die Musik) visuelle Eindrücke und Bilder evozieren. Freud(1905, S. 126) hat in den »Drei Abhandlungen« einen anrührenden Dialog wiedergegeben: »›Tante, sprich mit mir [sagt das Kind]; ich fürchte mich, weil es so dunkel ist.‹ Die Tante rief ihn an: ›Was hast du denn davon? Du siehst mich ja nicht.‹ ›Das macht nichts‹, antwortete das Kind, ›wenn jemand spricht, wird es hell‹.« Hören ist wie das Tasten eine elementare körperliche Erfahrung. Schafer (1988, S. 19) betont:

»Hören und Tasten treffen sich, wo die niedrigen Frequenzen des hörbaren Tons in fühlbare Schwingungen (bei etwa 20 Hertz) übergehen. Hören ist eine Art Tasten aus der Ferne, und die Intimität des ersten Sinnes (d.i. der Tastsinn) vereinigt sich mit Geselligkeit, wann immer Leute zusammenkommen, um sich etwas Besonderes anzuhören.«

Als ich Ihnen zu Beginn eine Passage von Friederike Mayröcker vorgelesen habe und wenn ich jetzt weiterhin zu Ihnen spreche, waren und sind wir – ich als Leser und Vortragender und Sie als Zuhörer – auf eine elementare Weise im Hören miteinander vereinigt: Sie hören den Klang meiner Stimme, ich höre meine Stimme auch – gleichzeitig außen und innen. Das gilt in gleicher Weise für den Analytiker und den Patienten: Sie sind über das Hören auf intime Weise verbunden: Der Analytiker hört die Stimme des Patienten, der seinerseits selbst über das äußere und innere Ohr den Klang seiner Stimme hört. Der »Hörraum« (Schafer 1988, S. 155f.) ist geteilter akustischer Raum. Er begründet eine »akustische Gemeinschaft« von Analytiker und Patient. Jeder der beiden hört gleichzeitig den anderen im Außen und sich selbst im Innern. Und jeder von beiden antwortet stets gleichzeitig auf das, was er im Außen, und auf das, was er im Innern hört. Der Klang der Stimme schafft eine Verbindung zwischen dem Ich und dem anderen und damit Intimität. Oder in den Worten Friederike Mayröckers: »… die Ströme der Verbundenheit fließen unter den Getrenntheiten hin (…)« (1984, S. 114). Der argentinische Dichter Jorge Luis Borgesberichtet von einer ähnlich intensiven Erfahrung, die er als Kind gemacht hat, als sein Vater ihm Verse von Keatslaut vorlas. Er erinnert sich

»an die Tatsache, dass Dichtung, Sprache, nicht nur ein Mittel der Verständigung ist, sondern auch eine Leidenschaft und Freude sein kann – als mir dies offenbart wurde, habe ich, glaube ich, nicht die Worte verstanden, sondern gespürt, dass mit mir etwas geschah. Und zwar geschah es nicht mit meiner bloßen Intelligenz, sondern mit meinem ganzen Wesen, meinem Fleisch und Blut« (Borges 2008, S. 10).

Der Vater las dem kleinen Jorge die Verse laut vor, und das Kind erlebte beides: den Klang der Dichtung und die warme Beziehung zum Vater.

Der Hörsinn kann nicht willentlich verschlossen werden: »Es gibt keine Ohrlider.« Deshalb besteht »der einzige Schutz des Ohres (…) in einem komplizierten psychologischen Mechanismus für das Ausfiltern unerwünschter Laute, um sich auf das Gewünschte zu konzentrieren« (Schafer 1988, S. 19). Psychoanalytisch formuliert: Um nicht zu hören, was beunruhigend oder unerwünscht ist, setzen wir bewusste wie unbewusste Formen psychischer oder körperlicher Abwehr ein – vom Zuhalten der Ohren (oder dem Zuklappen des Buches) über Ablenkungen und Verhören bis zu den verschiedenen Formen psychischer Taubheit. Thomas Ogden (2011, S. 232) weist darauf hin, dass es zwecklos sei, mit jemandem zu reden, der für meine Anwesenheit »taub« ist. Wir können dies auch umkehren: Auf den Anderen – auf seine Worte und den Klang seiner Rede – nicht zu hören, ist eine Form, seine Anwesenheit zu negieren.

Wir bewegen uns hier auf vertrautem psychoanalytischen Feld. In der Arbeit mit Patienten wird heute vermehrt den klanglichen und musikalischen Parametern des Sprechens Aufmerksamkeit geschenkt: den verschiedenen Tonfällen, in denen Gefühle, Depression, Hilflosigkeit oder Aufbegehren zum Ausdruck kommen; den Mikro-Rhythmen, der Sprachmelodie, der Lautstärke, den Pausen usw. All diese klanglichen Parameter der Stimme geben der Rede des Patienten (und der des Analytikers) ihre Gestalt (Ogden 1998; Leikert 2008; Scharff 2008, 2009). Die gleichschwebende Aufmerksamkeit ist wesentlich gleichschwebendes Hören. Der affektive Gehalt einer Äußerung äußert sich intensiv in der Stimme und in der Klanggestalt, die ein Mensch seinen Einfällen gibt. In jeder Wahrnehmung von Stimme sind wir mit unserem Körper multisensuell involviert. Als hörendes Subjekt sind wir rezeptiv und zugleich immer schon gliedernd, artikulierend und synästhetisch, kurz interpretierend aktiv. Das gilt für das Hören der Rede in der analytischen Stunde wie für das Hören eines Gedichts. Denn auch der poetische Diskurs ist, wie Jürgen Trabant(2008, S. 276ff.) ausgeführt hat, »einfach Sprechen«. Beim Hören wie beim Sprechen (und anderen Lautgebungen) ist unser Körper unmittelbar involviert – Atmung, Hände, Füße, Gesichtsausdruck. Sie werden von verschiedenen Körperempfindungen begleitet: Lust, Schmerz, Spannung und Faszination, Kälte und Wärme. Wie Sprechen ist auch Hören eine körperliche Erfahrung. Ogden(2006) ist überzeugt, dass Lesen und Interpretieren von Poesie als »Ohrentraining« in der psychoanalytischen Ausbildung wichtig sind. Sie steigerten die Fähigkeit des Analytikers zur Rêverie – eine Fähigkeit, die ebenso für das Erleben und das Verständnis der Dichtungen von Friederike Mayröcker wie von Literatur überhaupt unerlässlich ist. Die sinnliche, optische wie klangliche, Oberfläche ihrer Gedichte, wie sie in ihrer Form gegenwärtig wird, ist Grundlage aller affektiven und mentalen Prozesse, die angestoßen werden, wenn wir ihnen zuhören – nicht anders als beim Hören der Rede des Patienten in der analytischen Situation (vgl. Scharff 2009, S. 8).

Auge und Ohr

In der Beziehung zum Körper haben Auge und Ohr unterschiedliche Funktionsweisen: »Das Auge ist nach außen gerichtet; das Ohr fokussiert nach innen« (Schafer 1988, S. 19). Für alle Menschen beginnt das Hören vor dem Sehen: Bereits Embryos können die Geräusche des Mutterleibs und von außen eindringende Geräusche und Klänge hören, während das Sehen erst nach der Geburt beginnt. Der erste Container ist ein klingender Container. Ich meine, dass sich dies in der analytischen Situation wiederholt: Die Basis des Containers, den die analytische Situation zur Verfügung stellt, ist der von Analytiker und Analysand geteilte Klangraum – der »Schallraum«, von dem der Dichter Heaney spricht. In diesem Klangraum erfahren sie dabei »die Gesamtheit der Klänge, die nur irgend zu hören sind« (Henck 1985a, S. 83) – die Stimmen, Geräusche des eigenen und des fremden Körpers, Nebengeräusche. Selbst wenn Analytiker und Analysand in tiefes Schweigen versunken sind, sind in dem analytischen Raum Klänge vorhanden – innen und außen. Es ist niemals absolut still. Als Analytiker machen wir immer wieder einmal die Erfahrung, dass von außen eindringende Geräusche oder plötzlicher Lärm die freie Assoziation oder die gleichschwebende Aufmerksamkeit stören. Weniger oft machen wir uns bewusst, dass die inneren und äußeren Klänge, die jede analytische Stunde durchziehen, stets eine vielfältige Welt psychischer Repräsentanzen ins Leben rufen. Wir können das Innere unseres Körpers nicht sehen, wohl aber die von ihm ausgehenden Klänge und Geräusche hören – in der analytischen Situation etwa, wenn der Magen des Patienten oder der des Analytikers knurrt, der Darm gurgelt, oder die Atemgeräusche hörbar sind.

Die Kraft des psychoanalytischen Settings, in dem Analysand und Analytiker sich nicht ansehen, wohl aber hören können, beruht auf diesen unterschiedlichen Funktionsweisen von Auge und Ohr und unterstützt mit der Fokussierung auf das Hören die Wendung nach innen. Das analytische Setting kehrt die Priorität unserer Sinne um, wie sie sich seit der Renaissance entwickelt und in der westlichen Kultur herausgebildet hat, indem es die Priorität des Ohres und des Hörens wiederherstellt. Schafer (1988, S. 17) hat darauf hingewiesen, dass dem Ohr während vieler Jahrhunderte eine hervorragende Bedeutung für das Überleben der Menschen zukam – wie z.B. bei den sogenannten »Naturvölkern«. Das Ohr ermöglichte es, Gefahren zu hören, bevor man sie sehen konnte. Freudhat fünf Jahrhunderte später wieder dem Ohr die Priorität vor dem Auge gegeben und diese Priorität zum Kern der psychoanalytischen Methode gemacht. Es ist kein Wunder, wenn Patienten dem Klang der Stimme des Analytikers oder Geräuschen während der Sitzung große Bedeutung zumessen und in diesen Klängen Gefahren für ihre innere Balance wahrnehmen oder wahrzunehmen meinen.

Schweigen und Hören

Was aber geschieht, wenn wir den poetischen Text nicht laut lesen und hören, und was, wenn der Analysand oder der Analytiker schweigt?

Max Picard(1948, S. 18f.) hat einmal geschrieben: »Das Wort ist die Rückseite des Schweigens, wie das Schweigen die Rückseite des Wortes ist.« Schweigen ist hören. Jürgen Trabant(2008) erwähnt phonetische Untersuchungen, die nachweisen, dass auch beim stillen Lesen die Sprachmuskulatur begleitend aktiv ist und wir das Geschriebene meist unhörbar mitartikulieren. Man bezeichnet diese minimalen Handlungsansätze im mikromotorischen Bereich als »Subartikulation«. Sie nimmt mit dem Schwierigkeitsgrad des Textes zu. Dies lässt sich besonders bei einer stillen Lektüre Mayröckerscher Texte erleben. Ich denke, dass es auch in der analytischen Situation Formen der Subartikulation gibt, wenn der Analytiker oder der Patient schweigen. Wenn der Analytiker dem Patienten zuhört, so hört er zugleich den Stimmen der inneren Objekte zu. Wir tragen die Stimmen jener in uns, die wir im Laufe unseres Lebens geliebt und gehasst haben, Stimmen, die eine Vielfalt von Gefühlen ausgelöst haben. Auch Wörter und Wortfolgen, die nur gedacht werden, haben einen Klang; das Schweigen ist voller Töne. Die inneren Objekte beider Beteiligten sind immer auch innere Klangobjekte. Darauf weist die Rede von »inneren Stimmen« hin. Und auch diese Stimmen sind von mikromotorischen Bewegungen und Handlungen begleitet. Sie bilden einen Klangraum, auch wenn der Analytiker schweigt und darauf wartet, was der Patient als Nächstes sagen wird. Analytiker und Analysand befinden sich gemeinsam in einer »zum Bersten vollen Umwelt« (Herzogenrath 1985, S. 8) – einer Umwelt aus äußeren und inneren Stimmen, aus Klängen und Geräuschen. Wenn wir nach der Bedeutung der Texte Friederike Mayröckers suchen, ohne Gewissheit zu finden, beginnen wir ihren Klang zu hören. Das gilt auch für die Psychoanalyse: Wenn wir angesichts der Rede des Analysanden – seiner Worte und Sätze – unser Nichtwissen akzeptieren, können wir beginnen, auf ihren Klang hören. Parsons(2008, S. 85)formuliert pointiert: »Entziffern heißt nicht Hören: es ist Herausarbeiten.« Er gesteht: »Diese Analyse konfrontiert mich also damit, dass es vieles über Psychoanalyse gibt, das ich nie verstehen werde.« Eine schmerzliche Erfahrung, die sich durch keine Reflexion der Gegenübertragung beseitigen lasse, die vielmehr einfach zu akzeptieren und zu ertragen sei. Die Auseinandersetzung mit den Texten Friederike Mayröckers kann eine Art Propädeutikum für diese Fähigkeit sein. Sie schreibt einmal: »[D]as ist vielleicht schon das Ende, weil nämlich, wie Paul Valéry sagt, der wahre Schriftsteller 1 Mensch ist, der seine Worte nicht findet« (1998, S. 351; zit. bei Kunz 2004, S. 130). Ich denke, auch der wahre Analytiker ist ein Mensch, der immer wieder seine Worte nicht findet – aber bereit ist, weiter zuzuhören. Natürlich ist es für das Verständnis der inneren Welt des Patienten wichtig zu versuchen, die bewusste und unbewusste Bedeutung seiner Einfälle und Äußerungen herauszuarbeiten. Aber das garantiert noch nicht, dass wir wirklich »hören«: d.h. aufnehmen, »was immer er mir gibt« (Parsons 2008, S. 82).

Es gibt keinen klangfreien Raum – weder außen noch innen. Der Komponist John Cage(2012, S. 12ff.) berichtet, er habe in den späten vierziger Jahren entdeckt, »daß das Schweigen, die Stille, silence, nicht akustisch ist (…)«. Herzogenrath (1985, S. 11f.) resümiert: »Es gibt also nirgends Stille im Sinne eines klangfreien Raums, es gibt nur Bewußtseinsformen, Meditationsmöglichkeiten, Konzentration, die wir dann Stille nennen können.« Er entdeckte, dass selbst in einem schalltoten Raum an der Harvard University, in dem er sich im Rahmen seiner Klangexperimente aufhielt, niemals absolute Stille herrschte. Selbst in diesem Raum hörte Cage etwas: »das absichtslose Funktionieren [s]eines Nervensystems und [s]eines Blutkreislaufs«. Cage zieht die Schlussfolgerung: »Musik ist permanent; nur das Zuhören ist intermittierend (…)« (2012, S. 223). So wie es keinen klangfreien Raum gibt, gibt es in der Analyse kein Schweigen, in dem nichts zu hören wäre. Bion (1987, S. 9) fragt einmal: »What is she hearing in this silence?« Er ist überzeugt: »Wenn man dem Schweigen genauso zuhört wie dem, was gesagt wird, wird es leichter zu verstehen, was das Schweigen sagt. Wenn man (oder sie) spricht, ist es jedoch unmöglich, das Schweigen zu hören« (1987, S. 107f.).

Vergänglichkeit

Der Dichter Franz Mon(2008, S. 71) hat eine grundlegende Eigenschaft des Hörens in dem knappen Satz zusammengefasst: »Beim Hören nutzen wir Zeit, ohne es zu merken.« Hören ist unmittelbar mit der Erfahrung vom Vergehen der Zeit und von Endlichkeit verbunden. Wir können nicht sicher wissen, welche Klänge der ersten Wahrnehmung folgen werden; wir können das, was wir hören werden, nicht vorherhören. Und wir können es nicht »wiederhören«. Die an das Hören gebundene Beziehung zum Anderen droht mit dem Klang zu enden. Während das, was wir sehen (ein Bild, ein Gesicht, den auf der Couch liegenden Analysanden oder was immer), solange präsent bleibt, wie wir den Akt des Sehens fortsetzen, ist das, was wir hören, endgültig vergangen, wenn der Klang vorüber ist. Schafer (1988) hebt hervor, dass Laute (und eben auch die Laute, die wir hören lassen, wenn wir reden) von »flüchtiger Struktur« sind. Das geschieht in jedem Augenblick in einer analytischen Sitzung. Die Laute, die ich als Analytiker höre (Worte, die der Patient spricht, Töne und Geräusche, die er macht, etc.), sind unmittelbar, nachdem ich sie höre, gelöscht. In analytischen Sitzungen können wir die Gleichsetzung von Hören und Anwesendsein bzw. von Verstummen und Beziehungsverlust und die dadurch wach gerufenen Phantasien und Ängste immer wieder beobachten, wenn der Patient oder die Patientin das Schweigen des Analytikers erlebt, als wäre er nicht mehr da, hätte sich abgewandt und die Beziehung abgebrochen. Die über die Stimme und das Hören vermittelte analytische Beziehung erweist sich als vergänglich, als eine Übergangsbeziehung. Sie ist – um eine Formulierung von Bion (1987, S. 161) zu benutzen – keine »fulfilled relationship« (keine erfüllte permanente Beziehung), sondern »transferent, transient« – wie die Liebesbeziehung.

Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass Klänge, auch der Klang einer redenden Stimme, im strengen Sinne nicht wiederholbar sind: »[J]eder Laut [ist] unnachahmbar, einmalig«, schreibt Schafer (1988, S. 122), »Tests haben bewiesen, daß es physikalisch dem vernünftigsten und geschicktesten Lebewesen unmöglich ist, ein einziges Phonem seines eigenen Namens zweimal identisch zu reproduzieren«. Das gilt nicht nur für den eigenen Namen, sondern für jeden sprachlichen (und anderen) Laut, den ein Subjekt hervorbringt. Ich könnte den Klang des Textes von Friederike Mayröcker, den ich zu Beginn gelesen habe, bei einem zweiten Lesen nicht identisch reproduzieren. Und auch in der Psychoanalyse gilt: Wenn wir nur fein genug (hin)hören, klingt das, was der Analysand oder der Analytiker gesagt hat, mit jeder Wiederholung anders als beim ersten Mal. Die Veränderung des Klangs bei jeder Wiederholung von einmal Ausgesprochenem verweist auf Veränderungen in der emotionalen Befindlichkeit, in Übertragung und Gegenübertragung.

Die Bindung sprachlicher (und anderer) Äußerungen (und Laute) und des Hörens an die Vergänglichkeit der Zeit hat eine Konsequenz, die ängstigen kann. »Gesagt ist gesagt.« Diese Redewendung bringt zum Ausdruck, dass der Redende zu dem, was er gesagt hat, stehen will. Zugleich formuliert sie, dass Vergangenes sich nicht wiederholen lässt. Es gibt, wie Niklas Luhmannund Peter Fuchs(1989, S. 105) deutlich gemacht haben, eine »Dialektik von Reden und Schweigen«: »Wer schweigt, kann immer noch reden. Wer dagegen geredet hat, kann darüber nicht mehr schweigen.« Seemann (2011a) kommentiert: »Diese einfache [von Luhmann und Fuchs hervorgehobene; F.W.] Wahrheit beschreibt den Urkontrollverlust sehr treffend. Es geht schlicht und ergreifend eine Option verloren, sobald die Information in der Welt ist. Information ist ein irreversibles Ereignis. Ein Ereignis, das weitere Ereignisse anstößt und sich auf diese Art und Weise fortpflanzt.« Mit jedem Ton, den der Patient uns hören lässt, mit jedem Wort, das er äußert, vergeht ein Klang, der sich nicht wiederholen lässt, und mit ihm ein über das Ohr vermittelter minimaler körperlicher Kontakt.

»Unvorherhörbar«

Bisher habe ich das erste Wort, mit dem der Titel meines Vortrags beginnt, beiseite gelassen: »das Unvorherhörbare«, von dem ich behaupte, dass wir uns ihm ausliefern, wenn wir uns auf Dichtungen von Friederike Mayröcker oder auf eine intensive analytische Beziehung einlassen. Das Wort »das Unvorherhörbare« entnehme ich dem Titel eines Aufsatzes von Henck (1985b), in dem sich der Autor mit dem Unvorherhörbaren als Prinzip der Komposition CARTRIDGE MUSIC (1960) von John Cage beschäftigt.

Diese Musik »ist eine musikalische Konzeption, die dem Spieler ein nicht genau definiertes Notenbild zur Interpretation übergibt, sondern die lediglich Strategien beschreibt, mit deren Hilfe nicht näher bezeichnete Aktionen – nicht notwendig musikalische – gemäß einer zuvor eingerichteten Partitur auszuführen sind« (Henck 1985b, S. 87). Henck zeigt, dass sich durch dies offene Verfahren »die Möglichkeiten einer Realisation zu einer solchen unendlichen Vielfalt zusammen[schließen], das nie eine Aufführung der anderen gleichen kann«. Das Verfahren öffnet »die Erfahrung eines willentlich unbeeinflußten Zusammenspiels der Laute« (ebd., S. 90). Jede Realisation unterscheidet sich von der anderen grundlegend, ist ein »Unverwechselbares, Unwiederbringliches«. Wenn sich der Hörer auf die Komposition einlässt, liefert er sich weitgehend an den Zufall, an das Unvorhersehbare aus (Henck 1985a, S. 84). Obgleich die Komposition nach einem streng rationalen Verfahren organisiert ist, gehen die Wirkungen unabsehbar hinaus »ins Ungewisse«. Auch für die Texte Friederike Mayröckers ist das Unvorhersehbare ein Prinzip ihrer Produktion. Wie andere ihrer Dichtungen ist der Prosaband »ich sitze nur GRAUSAM da« eine »Textpartitur«, in der sich Sprache, Klang und Bewegung performativ begegnen. Die Klangsprache – Gleichklänge, Kontraste, Klangvariationen – dient als Inspirationsmaterial, als »akustischer Ausgangspunkt für weiteres künstlerisches Schaffen«. Dabei bleibt stets offen und unvorherhörbar, was auf ein Wort oder eine Wortgruppe als Nächstes folgen wird, wie eine Textpassage (wie schließlich das ganze Buch) enden könnte und enden wird. Bereits Gesagtes wird »wiederholt variiert, indem annähernd synonyme Sätze, Teilsätze und Begriffe« aneinandergereiht werden (Kunz 2004, S. 128). Anfänge erweisen sich nicht als Anfänge, ein Ende nicht als Ende. Einmal schreibt sie: »ich fürchte, sage ich, ich werde mit meinen Aufzeichnungen nicht zu Ende kommen (…)« (1991, S. 211). An allen Texten ist das Bestreben bemerkbar, »das entstehende Schriftstück – statt abzuschließen – in eine nicht endende Bewegung aufzulösen« (Kunz 2004, S. 128). Wenn wir dem Klang der Texte lauschen, wissen wir weder, was wir als Nächstes hören werden, noch, wann die Stille des Endes eintritt.