Unser täglich Gift Gedichte - Krzyzanowski, Otfried - kostenlos E-Book

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Krzyzanowski, Otfried

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The Project Gutenberg EBook of Unser täglich Gift, by Otfried KrzyzanowskiThis eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and mostother parts of the world at no cost and with almost no restrictionswhatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms ofthe Project Gutenberg License included with this eBook or online atwww.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll haveto check the laws of the country where you are located before using this ebook.Title: Unser täglich Gift       GedichteAuthor: Otfried KrzyzanowskiRelease Date: May 29, 2016 [EBook #52183]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSER TÄGLICH GIFT ***Produced by Jens Sadowski

OTFRIED KRZYZANOWSKI

UNSER TÄGLICH GIFT

GEDICHTE

LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG

BÜCHEREI „DER JÜNGSTE TAG“ BAND 67

GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER IN WEIMAR

PHANTASIA DESPERANS

Anmutig, leicht, lebendig!

Einsam auf schneebedecktem Feld:

Doch ist der Hunderthändig

Meines Gedichtes Held.

Der Hunderthändig ohne Kopf!

Doch spielt er mit — einem Schädel.

Macht ihm aus welkem Gras einen Schopf,

Gelb wie der welke Nebel.

Was gilt der Schopf? Nichts gilt der Kopf!

Und ich bin gut und edel.

Der Hunderthändig ohne Kopf

Spielt Ball mit einem Schädel.

FRAGE

Ist deine Liebe wie eine Herde von Wölfen!

Lautlos rennt sie durch die endlose Steppe;

Ihnen heißt der Himmel, der endlos grau

Über den Wütigen hängt, ihr Hunger.

Oder lauerst du auf Beute:

Im Geröll als Natter verborgen?

Wer bist du? Gib acht: eine flüchtige Katze

Nimmt deine Seele mit sich.

CANTATE

Ach, dir gehört die Liebe,

Leichter Flieder!

Und dir gehört die Jugend,

Leben! Tod!

Und zwischen hohen Häusern

Schreiten Mädchen,

Sie schreiten unter blauem

Himmel hin.

Und zwischen grauen Häusern

Spielen Buben.

Dir gelten Mut und Bangen:

Hohe! Welt!

Und dir gehört die Liebe,

Leichter Flieder!

Ach, dir gehört die Jugend,

Leben! Tod!

ABEND

Wenn der Abend uns bezwingt

Und die Klage in uns singt:

Fühlst der bangen Seele Flug,

Weißer Mädchen Atemzug.

Fremd ist Friede, fremd der Streit,

Wann entrinnen wir der Zeit?

Und kein Alter macht uns klug:

Fühlst der Seele Abendflug.

ERFÜLLUNG

Was tun? Du Ranke! Danken!

Dir und der Stunde danken.

Das Glück gibt Demut: Fleisch und Brot

Und Wein — und Tod!

Als hätte ich Sehnsucht gelitten,

Machst du mich traurig.

O Gott, die traute Stunde

Verrät mir, wie böse mein Stolz war.

Glück gibt uns Demut: Fleisch und Brot,

Wein, Weib: von Gott kommt Stolz und Tod!

Was tun? Man darf nur danken

Dir und der frohen Stunde.

ES GIBT DOCH SÜSSE

Es brennt die Scham: denn grabhin zieht

Uns Torheit durch die Stunden.

Ich hätte bald ins böse Lied

Ins Urteil mich gefunden.

Es gibt doch Süße! Zu gestehn

Fällt schwer: ein Kind kann zwingen.

Es bleibt die Scham: denn grabhin sehn

Wir Furcht und Klagen schwingen.

BALLADE

Ein geschändeter Leichnam

Erschlagen im Walde.

Seinen Feinden wehe zu tun

Hat keiner verstanden wie er.

Nacht war’s und einsam der Weg,

Da horcht er: Sie lauern ihm auf.

Narrheit ist Betteln, ist Angst,

Verlangt es die Wölfe nach Blut.

Tauch auf! Es enttauchte der Furcht

Seine Seele und lachte der Kälte.

Enttaucht! Wie lüsternen Grimms

Er nach seinem Dolche griff!

Ein geschändeter Leichnam

Erschlagen im Walde.

UNLUST

Die Begierde hat sich schlafen gelegt,

Es bleibt das Fieber.

Der köstliche Mut der Entsagung

Er wäre mir heute gegeben.

Die Liebe aus. Was ich liebte, gelöst.

Die weiblichsten Glieder

Versagend an meiner Ermattung,