0,00 €
Gratis E-Book downloaden und überzeugen wie bequem das Lesen mit Legimi ist.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 29
OTFRIED KRZYZANOWSKI
GEDICHTE
LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG
BÜCHEREI „DER JÜNGSTE TAG“ BAND 67
GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER IN WEIMAR
Anmutig, leicht, lebendig!
Einsam auf schneebedecktem Feld:
Doch ist der Hunderthändig
Meines Gedichtes Held.
Der Hunderthändig ohne Kopf!
Doch spielt er mit — einem Schädel.
Macht ihm aus welkem Gras einen Schopf,
Gelb wie der welke Nebel.
Was gilt der Schopf? Nichts gilt der Kopf!
Und ich bin gut und edel.
Der Hunderthändig ohne Kopf
Spielt Ball mit einem Schädel.
Ist deine Liebe wie eine Herde von Wölfen!
Lautlos rennt sie durch die endlose Steppe;
Ihnen heißt der Himmel, der endlos grau
Über den Wütigen hängt, ihr Hunger.
Oder lauerst du auf Beute:
Im Geröll als Natter verborgen?
Wer bist du? Gib acht: eine flüchtige Katze
Nimmt deine Seele mit sich.
Ach, dir gehört die Liebe,
Leichter Flieder!
Und dir gehört die Jugend,
Leben! Tod!
Und zwischen hohen Häusern
Schreiten Mädchen,
Sie schreiten unter blauem
Himmel hin.
Und zwischen grauen Häusern
Spielen Buben.
Dir gelten Mut und Bangen:
Hohe! Welt!
Und dir gehört die Liebe,
Leichter Flieder!
Ach, dir gehört die Jugend,
Leben! Tod!
Wenn der Abend uns bezwingt
Und die Klage in uns singt:
Fühlst der bangen Seele Flug,
Weißer Mädchen Atemzug.
Fremd ist Friede, fremd der Streit,
Wann entrinnen wir der Zeit?
Und kein Alter macht uns klug:
Fühlst der Seele Abendflug.
Was tun? Du Ranke! Danken!
Dir und der Stunde danken.
Das Glück gibt Demut: Fleisch und Brot
Und Wein — und Tod!
Als hätte ich Sehnsucht gelitten,
Machst du mich traurig.
O Gott, die traute Stunde
Verrät mir, wie böse mein Stolz war.
Glück gibt uns Demut: Fleisch und Brot,
Wein, Weib: von Gott kommt Stolz und Tod!
Was tun? Man darf nur danken
Dir und der frohen Stunde.
Es brennt die Scham: denn grabhin zieht
Uns Torheit durch die Stunden.
Ich hätte bald ins böse Lied
Ins Urteil mich gefunden.
Es gibt doch Süße! Zu gestehn
Fällt schwer: ein Kind kann zwingen.
Es bleibt die Scham: denn grabhin sehn
Wir Furcht und Klagen schwingen.
Ein geschändeter Leichnam
Erschlagen im Walde.
Seinen Feinden wehe zu tun
Hat keiner verstanden wie er.
Nacht war’s und einsam der Weg,
Da horcht er: Sie lauern ihm auf.
Narrheit ist Betteln, ist Angst,
Verlangt es die Wölfe nach Blut.
Tauch auf! Es enttauchte der Furcht
Seine Seele und lachte der Kälte.
Enttaucht! Wie lüsternen Grimms
Er nach seinem Dolche griff!
Ein geschändeter Leichnam
Erschlagen im Walde.
Die Begierde hat sich schlafen gelegt,
Es bleibt das Fieber.
Der köstliche Mut der Entsagung
Er wäre mir heute gegeben.
Die Liebe aus. Was ich liebte, gelöst.
Die weiblichsten Glieder
Versagend an meiner Ermattung,
