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Dave Win ist dreizehn, als er zum ersten Mal zu den Hadlows kommt, denen er ein Stipendium für das örtliche Internat verdankt. Das Wochenende bei der einflussreichen Familie eröffnet dem Jungen Möglichkeiten, die zuvor undenkbar schienen. Dave hat seinen birmanischen Vater nie kennengelernt und ist bei seiner Mutter aufgewachsen, einer englischen Schneiderin. Bei den Hadlows eröffnet sich ihm eine bislang ungekannte Welt des Wohlstands. Er ist aber auch den neidvollen Attacken von Giles Hadlow ausgesetzt, dem gleichaltrigen Sohn des Hauses. So verschieden die beiden Jungen sind, so unterschiedlich verlaufen ihre Lebenswege. Während Dave als Schauspieler Erfolge feiert, aber auch mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert ist, macht Giles als konservativer Politiker Karriere und kämpft für den Brexit. "Unsere Abende" ist Dave Wins Lebensbericht. Der Roman verfolgt seine Entwicklung durch ein halbes Jahrhundert – von den frühen Jahren als Schüler und Student über erste Beziehungen und den Umzug nach London bis hin zum turbulenten Alltag als Tournee-Schauspieler und einem späten Liebesglück in seinen Sechzigern. Gleichzeitig wird die Geschichte von Daves Mutter Avril erzählt, die nach dem Auszug ihres Sohnes überraschend eine Beziehung mit einer Frau eingeht. Mitreißend und bewegend, geistreich und feinsinnig schreibt Alan Hollinghurst über die Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins. "Unsere Abende" ist eine epische Parabel über Kunst und Sex, Rassismus und Klasse, Liebe und Gewalt – ein Meisterwerk von einem der größten Schriftsteller unserer Zeit.
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Seitenzahl: 816
Veröffentlichungsjahr: 2025
UNSERE ABENDE
Alan Hollinghurst
UNSERE ABENDE
Roman
Aus dem Englischen von Joachim Bartholomae
Die Originalausgabe erschien 2024 unter dem
Titel Our Evenings bei Picador, London.
© Alan Hollinghurst 2024
1. Auflage
© 2025 Albino Verlag, Berlin
Salzgeber Buchverlage GmbH
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6 – Haus K
10179 Berlin, Germany [email protected]
Aus dem Englischen von Joachim Bartholomae
Umschlaggestaltung: Johann Peter Werth unter Verwendung einer Fotografie von Youngwoon, © bin.cloud
Satz: Robert Schulze
Printed in the Czech Republic
Die Zitate:
Aischylos, Agamemnon in der Übersetzung von Walter Jens.
Die Shakespeare-Zitate werden nach der dritten deutschen
Gesamtausgabe von Schlegel/Tieck/Baudissin zitiert (und dabei ggf. in Bezug zum Kontext leicht verändert).
Gerald Manly Hokpins’ Gedicht Gedeutet von Blättern der Sibylle in der Übersetzung von Ursula Clemen und Friedhelm Kemp.
ISBN 978-3-86300-397-5
Mehr über unsere Bücher und Autor*innen:
www.albino-verlag.de/
E. L. H.1919 – 2016
Keine Proben heute Morgen, also sind wir im Bett geblieben – ans Kopfende gelehnt haben wir Tee getrunken und unsere Handys nach Meldungen über Mark durchsucht. Warum wir das Bedürfnis hatten, sie zu lesen, kann ich nicht genau sagen: Einen berühmten Menschen zu kennen, macht einen vielleicht zum Teil seiner Geschichte, und man möchte, dass diejenigen, die diese Geschichte erzählen, deren Kern erkennen und sie richtig wiedergeben. Der kurze Beitrag am Ende der Nachrichten gestern Abend war ernst, aber oberflächlich gewesen, fünfundvierzig Sekunden von einem jungen Korrespondenten, der keinen persönlichen Bezug zum Gegenstand der Meldung hatte. Es war verwirrend, auf diese Art vom Tod eines Freundes zu erfahren. Ich stellte den Ton aus, Richard legte den Arm um mich, und wir saßen da, ohne etwas zu sagen, während es mit Cricket und dem Wetterbericht weiterging.
Richard hatte Mark nur einmal getroffen, an dessen neunzigstem Geburtstag beim Dinner in der Tate, wo zweihundert Gäste in einem Saal Platz nahmen, in dem aus diesem Anlass die von ihm gestifteten Werke gehängt waren. Mark sah geschwächt aus und klang auch so, als er seine Rede hielt, aber wir waren alle auf seiner Seite; er war bescheiden und großzügig, brachte einen Toast auf Cara aus, die einen Tag älter war als er. In unserem kurzen Gespräch danach war ich nicht sicher, ob sie verletzt oder erleichtert waren, dass Giles nicht gekommen war.
Mark Hadlows Lebensgeschichte kennzeichnete aus Sicht der Presse ein ärgerlicher Mangel an Skandalen – er war ein moralisch denkender Geschäftsmann, ein bedeutender Philanthrop, siebzig Jahre lang mit derselben Frau verheiratet; kein Eremit, vielmehr ein «freigiebiger Gastgeber», aber ohne Affinität zum Rampenlicht: Es hieß, er habe sowohl den Ritterschlag als auch die Peerswürde abgelehnt, und keine der Galerien und Museen, die von ihm gestiftete Kunstwerke zeigen, trägt seinen Namen. Anlass zum Klatsch geben allenfalls seine Kinder. Über Lydia gibt es nicht viel zu sagen, außer dass sie oben ohne in einem Warhol-Film aufgetreten und vor fünf Jahren in Frankreich bei einem Autounfall gestorben ist. Giles dagegen ist natürlich in aller Munde, und er verkörpert so rigoros das Gegenteil all dessen, wofür sein Vater stand, dass Marks Lebenswerk von der zerstörerischen Karriere seines Sohnes überschattet wird. «Mark Hadlow, der millionenschwere Vater des Brexit-Ministers, verstorben», schrieb die Times, während die Mail Giles’ Namen am Anfang des Titels platzierte: «Giles Hadlows Vater stirbt mit 94.» Das Foto der beiden, verlegen Seite an Seite stehend, stammt aus den 1980ern. Es wäre verrückt zu behaupten, Giles habe Mark getötet, aber ich fragte mich, was er jetzt wohl empfand – noch immer Trotz oder eine Art schuldbewussten Kummers?
«Wirst du Cara anrufen?», fragte Richard.
«Das sollte ich, ja», sagte ich, doch die Frage gab mir zu denken: Wir waren seit langem unverbrüchlich befreundet, aber ich scheute mich, sie anzurufen. «Vielleicht schreibe ich ihr auch einen Brief» – doch dann merkte ich, dass es fast schon zu viel zu sagen gäbe. Ich schaute zum Spiegel hinüber, in dessen Rahmen unser Abbild aussah, als befänden wir uns in einem größeren und schöneren Raum. «Geld zu haben und nur Gutes damit zu tun – wie selten das ist.»
«Ich wüsste nicht, dass es sowas überhaupt gibt», sagte Richard.
Ich dachte vage an all das, was Mark für mich getan hatte, selbst vor unserer ersten Begegnung in Woolpeck, als ich noch Teenager war. Ich rief mir das Bild meiner selbst an diesem sonnigen Nachmittag in Erinnerung, meine Angst als Selbstbeherrschung verkleidet, meine Klugheit vor den Leuten, die sie zu erkennen hofften, hinter Anspannung versteckt. «Man kann wirklich behaupten», sagte ich, «dass er mein Leben verändert hat.» Ich kann auf Befehl weinen, vor der Kamera oder auf der Bühne, Abend für Abend, aber jetzt überraschte es mich selbst. «Ich kann mir nicht vorstellen, wo ich ohne ihn jetzt sein würde.»
«Oh, Schatz …», sagte Richard und streichelte mir tröstend den Rücken. «Manchmal glaube ich, er war wie der Vater, den du nie hattest.»
«So nah sind wir uns nie gewesen», sagte ich, skeptisch bei diesem Gedanken. «Es war ganz einfach Glück – wenn ich das Hadlow-Stipendium nicht bekommen hätte, wäre ich nie auf diese Schule gegangen.»
«Und du hättest niemals Giles kennengelernt.»
Ich dachte an das, was Mum gesagt hatte, kurz bevor sie starb, als der Wahlkampf begann: «Allein der Gedanke, wir könnten alle der Gnade deines schrecklichen Freundes ausgeliefert sein!»
«Sie werden nicht gewinnen, Mum», sagte ich.
«Nun ja, mich wird es nicht betreffen», sagte sie, «ich bin dann nicht mehr da, aber du – und Richard …»
Ich schaute wieder in den Spiegel, auf die zwei alten Männer im Bett. Nun ist Mum nicht mehr da, und Mark nicht mehr da, und wir sitzen hier – mit Giles überall in den Zeitungen, überall im Land, der unsere Zukunft und unsere Hoffnungen zerfetzt.
Abends fand ich online ein Foto von Mark, das aus der Zeit stammen musste, als ich ihn kennenlernte; es ist so wohltuend atemberaubend, als sähe man ein unbekanntes Foto von sich selbst in jungen Jahren: Ich hatte vergessen, dass ich ihn als einen solchen Mann gekannt habe. Sein Mund vermittelt den Eindruck von Entschlossenheit, sogar Ungeduld, was durch die großen, irgendwie lustigen braunen Augen bekräftigt wird. Seine Art, engagiert und aufmerksam zu sein, passt zu seinem Bedürfnis, sobald das eine erledigt ist, zum Nächsten überzugehen. Die an Liebe grenzende Nähe, die ich als Kind für ihn empfand, hält an und kehrt zu mir zurück durch die beständige Zuneigung der späteren Jahre, als sie in erster Linie die Gestalt verlässlicher Freundschaft annahm.
Wenn man seine fünfziger und sechziger Jahre erreicht, gehen die Vaterfiguren verloren – diejenigen, die das eigene Leben zugelassen, ermöglicht und miterlebt haben –, und niemand kann sie ersetzen. Roland, Raymond, Mark waren fort – und keine Aussicht für mich, selbst zur Vaterfigur zu werden. Meine beiden Patensöhne sind erwachsen, verheiratet und inzwischen selbst Väter, wir kennen uns kaum; unsere seltenen Treffen sind von grandioser Herzlichkeit, wir umarmen uns heftig und grinsen über die Kluft hinweg, die sich zwischen ihren Leben als Geschäftsmänner und meinem als schwulem altem Irgendwas auftut. Mir wird großer Respekt erwiesen, und meine fragwürdigen Erfolge werden auf ermutigende Weise gewürdigt, beinahe so, als wäre ich ihr Patenkind. Ansonsten gebe ich Unterricht, und wenn ich ein Engagement habe, traktiere ich die jungen Schauspieler mit Theatertratsch aus alten Zeiten und erschleiche mir gelegentlich Proben mit ihnen hinter der Bühne. Meine Wärme ist eher kameradschaftlich als väterlich – oder amourös: Vor ein paar Jahren fiel mir auf, dass meine Flirtversuche eher beängstigend als verführerisch wirkten.
Jetzt habe ich seit zwei Wochen Proben für Bajazet am Anvil – wir treffen uns in einem Raum am Ende der Straße, hinter einer schäbigen blauen Tür zwischen einem Schlachter und einem Antiquitätenladen («So sieht zeitgenössisches Theater nun mal aus», sagt Richard). Ich spiele den alten Acomat, den Großwesir, eine dankbare Rolle, und frage mich, wann ich zum ersten Mal gesagt habe: «Ich spiele den alten Soundso» – das muss schon ein Weilchen her sein. Der Mann vom Telegraph sagte letztes Jahr, ich würde «den goldenen Herbst meiner Laufbahn genießen», auch wenn es mir eher vorkommt wie eine glückliche Abfolge von Charakterrollen, mit denen man Eindruck schinden kann. Die Regisseure haben beschlossen, dass sie mich gebrauchen können, und mein Agent Martin hat sich angewöhnt, so zu tun, als habe er schon immer an mich geglaubt.
Normalerweise wäre ich jetzt textsicher – niemals schon vor den Proben, wie Ray mir vor vierzig Jahren beigebracht hat: Am besten «versiegelt» man die Verse in den ersten ein oder zwei Wochen, wenn man sie mit anderen Schauspielern spricht. Ich eröffne das Stück und habe sechs Seiten Blankvers in den ersten zehn Minuten – kompliziertes Zeug über Verschwörungen, Armeen und Imperien, das die Zuschauer in ihrer anfänglichen Unwissenheit begierig aufnehmen werden, wohl wissend, dass ihr Abend davon abhängt. Es gibt nur mich und meinen Vertrauten Osmin, gespielt von Keith Mackle, einem jungen Schauspieler gemischter Abstammung (Glasgow, Ghana), der mich in seiner Attraktivität und Aufmerksamkeit an Hector erinnert; und er behält immer die Geduld, wenn mir Text eingesagt werden muss (wir sind ja noch am Anfang) oder wenn ich aus Versehen in einer späteren Rede über die babylonischen Truppen lande. Tatsache ist, mein berühmtes Gedächtnis ist nicht mehr das, was es war. Ich kann mich genau an gestern erinnern, und an ein Ereignis vor fünfzig Jahren mit frischer und unerwarteter Klarheit, aber eine kleine mentale Glaskörpertrübung verwischt die letzte Woche und löscht sie halb aus. Zu Anfang lasse ich mein Skript auf dem Stuhl liegen, dann hole ich es und trage es mit mir herum, als wäre ich jemand anderer.
Ich habe Cara dann wirklich einen Brief geschrieben, aber nichts von ihr gehört, erst in der letzten Woche des Stücks rief sie an. Sie war ganz offen und erzählte mir, dass sie Krebs gehabt hatte, eine Operation an der Speiseröhre, sechs Wochen bevor Mark starb. «Ich klinge anders», sagte sie, «ich weiß». – «Finde ich nicht», sagte ich mit einer Art von Ritterlichkeit, für die sie noch nie zu haben gewesen war. «Oh», sagte sie, «wie nett von dir, das zu sagen.» Ich empfand ihre Art zu Sprechen ganz leicht verändert, oder gehemmt, und auf ältliche Weise bemüht. Sie fragte: «Kannst du morgen zum Mittagessen kommen? Oder irgendwann sonst, im Grunde …», eine unerwartete Leere. Ich ging drei Tage später hin, und zwar allein.
All meine zarten Erkenntnisse über Mutter in ihren letzten Jahren standen mir jetzt zur Verfügung, wie auch die Kompetenz im Umgang mit sehr alten Leuten, die ich bei ihr erworben hatte. Aber natürlich war Cara nicht Mum. Bei Cara zählte Offenheit, nicht Intimität und deren Duldung von Schwächen; außerdem hatte sie Leute, die für sie sorgten. Ich wurde von einer stillen jungen Frau ins Haus gelassen, die mir den Mantel abnahm und mich zum Salon führte, mit seinen hohen Fenstern zum Garten und den großen abstrakten Gemälden, die sich über den weißen Teppich hinweg anschauten. Cara saß am Kamin, ihre Brille auf der Nase, offenbar schrieb sie eine SMS; mit gerunzelter Stirn hackte sie auf die Buchstaben ein. Das gab mir einen Moment, sie genau zu betrachten – die weite weiße Stirn, den roten Turban um ihren Kopf, den Seidenschal um ihren Hals, den Mund, der an der rechten Seite leicht eingezogen war, das eckige, wohlbekannte Gesicht, sowohl sanfter als auch karger. «Hallo!», sagte sie, mit berührender Wärme, ohne aufzusehen, dann tippte sie auf Senden und reichte mir die Hand. Ich ging zu ihr und küsste sie auf die Wange; und sie fasste währenddessen eine Sekunde lang meinen Arm.
«Du trinkst nicht, ich weiß», sagte sie.
«Nun», sagte ich, «ich trinke nicht viel.»
«Ich meine, sag, was du möchtest. Ich kann gerade nicht.»
Das Mädchen schwebte herbei. «Vielleicht einfach ein Wasser?», sagte ich. Das nahmen wir dann beide, und ich setzte mich hin und wir sahen einander an. Mein Gesichtsausdruck war freundlich, hoffte ich, und fröhlich, ihrer irgendwie unbeteiligt – ich konnte nicht einschätzen, womit sie anfangen würde.
«Konntest du arbeiten?», fragte ich.
«Oh, ich kann jetzt nicht malen», sagte sie und hob irgendwie schüchtern die Hand, mit großen, weißen Knöcheln und Fingern, die sie nicht richtig strecken konnte. «Ich zeichne ein wenig, aber damit hat’s nicht viel auf sich.»
«Wie schade», sagte ich. «Ich habe deine Arbeiten in guter Erinnerung.»
«Du warst diesbezüglich immer sehr freundlich», sagte sie.
«Nun, nicht nur ich», sagte ich, obwohl mir klar war, dass sie mir vor allem deshalb gefallen hatten, weil ich Cara kannte.
Ich wollte wissen, wie Marks Beerdigung gewesen war, aus einer merkwürdigen Mischung von Gründen – Neugier, und Bedauern, nicht dabei gewesen zu sein, und dem scheußlichen, schwer einzugestehenden Gefühl verletzter Eitelkeit, weil ich nicht eingeladen war. «Oh, wir waren im kleinen Kreis», sagte Cara. «Mark wollte es so.»
«Das verstehe ich gut.»
«Und mir ging es nicht gut, mehr hätte ich nicht verkraftet. Es war wirklich nur die Familie – und drei oder vier andere.»
«Natürlich», sagte ich beiläufig.
«Es wurde Bach gespielt, und etwas Rameau, glaube ich. Marks alter Freund Mike Kidstow, du weißt schon, hat die Rede gehalten.»
«Ja, ich weiß, wen du meinst», sagte ich. «Begegnet bin ich ihm nie.»
«Keine Kirchenlieder oder so, natürlich. Giles hat kurz etwas gelesen.»
«Ah, ich hatte mich schon gefragt …»
Sie sah mich an. «Er redet sehr gut.»
«Ja, das tut er», sagte ich und wagte hinzuzufügen: «Er hat ja genug Übung darin.»
«Nun, mehr war nicht, Dave, natürlich konnten wir keine Massen einladen, bei diesem Presserummel.»
«Nein, das leuchtet mir ein.»
«Die Fotografen wurden nicht ins Krematorium gelassen.»
«Oh, das war gut.»
«Ich meine, die waren ja nicht wegen Mark gekommen … Wir sind in einem Blitzlichtgewitter davongefahren.» Sie hob die gekrümmte Hand, um die Augen zu beschatten.
Wir hatten Lunch im Esszimmer, das ich viel düsterer in Erinnerung hatte, und mit anderen Gemälden: Man spürte die rastlose Hadlow-Angewohnheit, alles ständig zu ändern und zu verbessern. Cara ging am Stock – ich bot ihr den Arm, als wir hinübergingen, aber sie sagte ruhig: «Es geht schon.» Wir setzten uns einander gegenüber ans eine Ende des langen, ausziehbaren Tisches – am andern Ende stand ein weißer Gipsabguss von Rachel Whiteread, ein leerer Raum, ein Karton oder ein Schrank vielleicht. Mir wäre diese Flucht grauweißer Räume wohl etwas kühl vorgekommen, ohne einen Ehemann im Haus.
Wir wurden von einem jungen Mann namens Rihaan bedient, der Cara ab und zu etwas ins Ohr flüsterte und eine größere Rolle in ihrer Betreuung zu spielen schien. Ich erinnerte mich an Ashok, der vor Jahrzehnten hier gearbeitet hatte, sein treues Lächeln und seinen Glauben daran, dass jeder von uns einen festen Platz im Leben hatte. Cara wollte ordentlich versorgt werden, aber kein Getue; das Essen war einfach und leicht verdaulich, Seezunge, neue Kartoffeln, ein grüner Salat, zum Trinken ein Krug Wasser. Sie mochte eine sehr reiche Frau sein, aber sie war auch eine Bauerstochter und hasste Verschwendung, wie alle, die den Krieg erlebt hatten.
Ich sprach freundlich über die riesige Ausstellung Neue Malerei aus Europa im Hayward, deren unsichtbarer Pate Mark gewesen war.
«Ich bin so froh, dass du sie gesehen hast, das war wohl sein letzter großer Auftritt.»
«Oh, es war großartig», sagte ich im gleichen engagierten Tonfall, mit dem die Hadlows selbst über zeitgenössische Kunst redeten. «Ein unglaubliches Verdienst.» Es waren neue Arbeiten aus allen achtundzwanzig Mitgliedsstaaten der EU gezeigt worden – die Idee war beispielhaft, anspruchsvoll, sogar visionär, auch wenn sich, wie Richard es ausdrückte, nachdem man die Hälfte gesehen hatte, der Wunsch aufdrängte, dass noch ein paar weitere Länder einen Brexit vollzogen hätten.
Nach einer Weile sagte sie: «Wir kennen uns schon so lange, Dave.»
«Fünfzig … vierundfünfzig Jahre», sagte ich.
«Ich bin froh, dass wir in Verbindung geblieben sind.»
«Oh, ich auch!» Wie Mark hatte sie meine Dankesworte immer weggewischt, aber jetzt hatte ich das Gefühl, dass sie ein sachliches Statement tröstlich finden könnte. Ich schaute auf ihr breites, nach unten gewandtes Gesicht, das von rechts hell vom Licht des großen Fensters beschienen wurde. «Ich erzähle immer wieder, wie viel ich dir und Mark zu verdanken habe – euch getroffen zu haben, hat tatsächlich mein Leben verändert.» Einen Moment lang machte sie dazu ein finsteres Gesicht, aber ich spürte, dass sie es auch gelten lassen konnte.
«Du weißt doch, Dave, dass Mark immer so stolz auf dich war, und interessiert an allem, was du gemacht hast. Es war wunderbar für uns mitzubekommen, wie erfolgreich du warst, das war bestimmt nicht einfach, besonders zu Anfang.»
«Ich danke dir!» Sie hatte das schon öfters gesagt, in fast denselben Worten, aber die Wiederholung machte es nicht weniger berührend – ich spürte, dass die Worte für sie noch immer dieselbe Wärme und Dringlichkeit hatten, als wären sie zum ersten Mal gesagt worden. «Das bedeutet mir sehr viel.»
«Wie schlimm, dass ich dieses Stück von Racine verpasst habe – du hattest fabelhafte Besprechungen.»
«Mach dir bitte deswegen keine Gedanken», sagte ich.
«Nun ja …», und sie lächelte mit einem berührend neuartigen Anflug von Unsicherheit. «Ich frage mich manchmal wirklich, was du wohl von uns gehalten hast, damals.»
«Es war toll, mit euch allen zusammen in Woolpeck zu sein.»
Sie blinzelte, vielleicht versuchte sie, es sich vorzustellen. «Hat es dir Spaß gemacht? Ich weiß noch, dass ich dich verbinden musste, nach einem der brutaleren Ausbrüche des Ministers.»
«Ach, herrje …», sagte ich, dennoch froh über den unerwarteten Witz.
«Bevor du uns kennenlerntest, hatten wir, glaube ich, glücklichere Zeiten dort. Aber Giles und Lydia haben sich nie vertragen, sie waren beide schwierige Teenager; ich bin ziemlich sicher, dass du in dem Alter anders warst.»
«Ja, ich bin erst ein bisschen später schwierig geworden …»
«Du hattest ein viel engeres Verhältnis zu deiner Mutter», sagte Cara. «Ich glaube, aus irgendwelchen Gründen, die ich nie verstehen werde, waren Mark und ich unseren Kindern keine guten Eltern.»
«Cara, ihr wart traumhafte Eltern!», sagte ich.
Sie sah mich an. «Ach, mein Lieber, was für ein melancholisches Gespräch. Es tut mir leid.» Ich fragte mich in diesem Moment wieder einmal, ob sie Menschen hatte, mit denen sie reden konnte, in der dünnen sozialen Luft ihrer Neunziger.
Das Dessert war eine große Tarte mit Zitronencreme. «Eins deiner Lieblingsrezepte, das weiß ich noch», sagte Cara, als Rihaan ihr ein schmales Stück abschnitt und ein gutes Drittel vom Rest vor mich hinstellte, mit einem Klacks weißer Schlagsahne obendrauf.
«Du hast ein erstaunliches Gedächtnis», sagte ich – in der Tat besser als meins. Ich hatte mindestens dreißig Jahre keine Zitronencreme mehr gegessen, aber ich lächelte und stellte mich der Herausforderung, mit dem Anschein größter Dankbarkeit.
Wir tranken den Kaffee nach dem Lunch in einem eleganten Glaskasten, der sich in den Garten hinein erstreckte. Cara setzte sich mit einem Stöhnen, lehnte den Stock an ihren Stuhl und schaute gedankenverloren über den Rasen, während der Kaffee eingeschenkt wurde. Ich merkte, dass wir ohne weiteres auseinandergehen konnten, ohne noch einmal über den Minister geredet zu haben, aber vielleicht hatten wir beide doch das Gefühl, eine Gelegenheit zu verpassen oder einer Verantwortung ausgewichen zu sein.
«Gehst du heute noch manchmal nach Woolpeck?», fragte ich.
«Oh … schon seit Jahren nicht mehr», sagte Cara, «nicht, seit mein Bruder Peter gestorben ist. Vielen Dank …», als die Tür wieder geschlossen wurde. «Ich kann nicht, Dave, wirklich … du weißt doch.»
«Aber es war dein Zuhause», sagte ich.
«Das war es, vor langer Zeit – nun, ich wurde dort geboren, wie du vielleicht weißt. Aber jetzt gehört es Giles.»
«Ich frage mich, wie oft er wohl dort ist?», sagte ich. Ich war aufgebracht, ihretwegen, aber irgendwie auch meinetwegen. Ich wusste nicht, ob Cara ihn bei Newsnight gesehen hatte, in einem Bericht über die Auswirkungen des Brexits auf die Landwirtschaft, oben an der Wallburg in einer grünen Barbour-Jacke mit Spazierstock in der Hand, das Haar vom Wind gepeitscht. «Ich bewirtschafte all diese Ländereien», sagte er, «so weit Sie sehen können.» – «Wirklich?», fragte der Reporter, und die Kamera schwenkte langsam über die weite Ebene. «In dieser Richtung», sagte Giles und deutete mit dem Stock auf ein langgestrecktes Waldgebiet fast einen Kilometer entfernt.
«Laura mag es nicht besonders, soweit ich es verstanden habe. Er hat natürlich einen sehr guten Verwalter.»
«Für all die Fördermittel der EU …»
«Ja, genau», murmelte Cara. Sie hatte längst aufgehört, sich über diesen ganzen Wahnsinn zu wundern.
Ich spürte, dass sie uns den Weg bahnte, über Giles zu reden. Er war in meinem Leben aufgetaucht und wieder gegangen, und dann leider Gottes zurückgekommen, aber es waren einige Jahre vergangen, in denen ich kaum an ihn gedacht hatte; Cara dagegen dachte sicher mehrmals am Tag an ihn. «Aber sag mir, Dave», sie schaute von ihrer Tasse auf und sah mir in die Augen, «wenn du an damals denkst, vor all den Jahren, als wir uns das erste Mal begegnet sind, überrascht es dich, was aus Giles geworden ist?»
Ich lachte für eine halbe Sekunde. Cara wusste Offenheit zu schätzen, aber sie wollte wohl kaum hören, dass ihr Sohn schon immer ein Schweinehund gewesen war. «Ich glaube, es hat ihm schon immer gefallen, Macht zu besitzen, ja, und seine Mitmenschen zu bestrafen.»
«Du würdest also sagen, er war autoritär, damals schon.»
«Ich weiß noch, wie er es geliebt hat, Präfekt zu sein. Und wie sehr es ihn gewurmt hat, dass er nie Schulsprecher wurde.»
«Nun, das ist er immer noch nicht», sagte Cara, und wir verzogen beide das Gesicht bei diesem Gedanken, dieser Möglichkeit. «Aber er war intelligent, oder?» Es war, als hätte sie ihn nie gekannt, oder würde ernsthaft alles bezweifeln, was sie wusste.
«Ich glaube schon …», sagte ich. «Ich erinnere mich nicht, wie er sich in Oxford geschlagen hat.»
Sie sah zu Boden. «Na ja, er hat sich ja immer politisch engagiert, nicht wahr, die Union Society und so weiter. Aber ich glaube, er war gerade mal Durchschnitt.»
«Stimmt …», sagte ich vorsichtig. Ich hielt nicht viel von dieser schlichten Suche nach einem Schlüssel zu Giles’ Verhalten – und ich bezweifelte, dass sie Cara zufriedenstellte; aber über all das zu reden, besänftigte vielleicht ihre Gefühle, diese weit zurückreichende Enttäuschung, die dem späteren Kummer zugrunde lag.
I.
Wir waren auf der Wallburg, rannten herum und spielten Krieg, ohne uns vorher auf irgendwelche Regeln geeinigt zu haben. Giles rief etwas von der Böschung herunter und rannte los, ich lief in die andere Richtung, stolperte und rutschte in eine kalkige Mulde, kauerte mich hin, während mir der Herzschlag in den Ohren dröhnte und der Wind über die grasbewachsenen Wallanlagen peitschte, laut genug, um alle Schritte zu übertönen. Sollte ich jetzt Jagd auf Giles machen, oder jagte Giles bereits mich? Ich schob die Uhr um mein Handgelenk herum und wartete, während der Sekundenzeiger zwei Umdrehungen auf dem Zifferblatt machte. Keine Schritte zu hören, aber hin und wieder von entfernten Äckern das Klappern von Landmaschinen. Ich hörte einen gruseligen Schrei und sah nach oben – hoch über mir segelte, dunkel vor dem wolkigen Blau, ein Bussard vorbei, er schien unsere Stellungen zu bemerken, drehte flügelschlagend zwei Runden und glitt über den Gipfel des Hügels und den langgestreckten Abhang davon. Dann, fast unmittelbar danach, hörte ich ein menschliches Geräusch näherkommen, das leise verräterische Klappern des Schrittzählers in Giles’ Hosentasche. Er kam von hinten, näherte sich ziemlich schnell auf der Böschung über mir, und ich wagte nicht, nach oben zu schauen – ich lag zusammengekrümmt in meiner Mulde, während er stehen blieb, höchstens drei Meter entfernt, und seinen Vorteil auskostete … aber anscheinend hatte er mich nicht gesehen, er fluchte leise und trottete nach zehn Sekunden weiter. Als ich aufstand und auf allen vieren aus dem Graben kroch, sah ich ihn hundert Meter weiter, am anderen Ende der Wälle gut sichtbar herumschlendern. Er hatte die Hände in den Hosentaschen, wie um zu sagen, das Spiel sei zu Ende, oder dass er gar nicht richtig mitgespielt hatte.
Wir trafen uns am Vermessungspfahl. Giles stemmte sich mit den Füßen am glatten Beton hoch und setzte sich obendrauf. In dieser kahlen, winddurchbrausten Landschaft war die kleine Säule des Vermessungspfahls ein Monument, auf seine Art genauso kryptisch wie die vorgeschichtlichen Steine zwischen den Hügeln. Ich studierte das kleine Messingschild, das an der Seite eingelassen war, ein Pfeil und eine Zahl. Die Kerben zur Befestigung eines Theodolits auf der abgeflachten Spitze ergaben ein dreizackiges Symbol, das Giles’ Schenkel nun fast verdeckten. «Hier könnte man ein Maschinengewehr aufbauen», sagte er. «Wenn die Deutschen vom Bauernhof heraufkämen, hätten sie keine Chance.»
Soweit ich verstanden hatte, hatte ich einen Japs gespielt; wir kämpften also an verschiedenen Fronten. Ich fragte: «Ist das alles euer Land?»
Er sah sich um, als wollte er sichergehen. «Das gehört alles uns», sagte er. «Aber da drüben beginnen natürlich die Ländereien der Denhams.»
Unterhalb der Wallburg verschwand der Weg, der das gesamte Hügelland der Länge nach durchquerte, westlich in einer schmalen weißen Furche und kreuzte fünfhundert Meter weiter die zerfurchte Piste, die nach Woolpeck zurückführte. Ein Landrover fuhr gerade langsam den Weg hinunter und hüpfte und schaukelte über die tiefen Spurrillen. Der Hof selbst lag sehr viel tiefer, das lange L der Scheunen und die drei Giebel des Hauses waren klein, aber gut zu erkennen, auch der Tennisplatz mit seinen weißen Linien zur Linken. Eine kleine Gestalt, nicht mehr als ein Punkt in der Landschaft, überquerte den Vorplatz und verschwand hinter dem Haus, wo jetzt, wie ich mir vorstellte, die Glocke zum Tee geläutet wurde; der Klang wurde vom Glitzern des Winds und der Ferne davongetragen. Ich schaute wieder auf meine Uhr, sah dann hinüber zu Giles auf der Säule, ansehnlich mit der Sonne im Rücken. Er war nur drei Monate älter als ich, wuchs aber schnell, und war schon beeindruckend größer. «Sollen wir runtergehen?», fragte ich. Er saß da und starrte vor sich hin, als wollte er mir damit sagen, dass ich den Grund unserer Anwesenheit hier und vielleicht des gesamten Ausflugs nicht verstanden hatte.
Mrs Hadlow hatte mir beim Frühstück schon gesagt, dass man an einem Tag wie heute von der Wallburg aus achtzig Kilometer weit sehen konnte, aber ich fragte Giles trotzdem.
«Von hier aus? Hundertzwanzig Kilometer», sagte er.
«Hundertzwanzig Kilometer ist ganz schön weit.» Das war die Strecke bis nach London oder Birmingham.
«An klaren Tagen kann man fünf Grafschaften sehen», sagte Giles, «aber du wirst kaum wissen, welche. Es sind Berkshire, Oxfordshire, natürlich …» – er sah in die Ferne.
«Gloucestershire», sagte ich, «Wiltshire.»
«Wiltshire», sagte Giles und drehte sich halb herum; er runzelte die Stirn, als hätte er etwas im Auge.
«Und Buckinghamshire!»
Er starrte mich ungläubig an, als wollte er sich lustig machen, während ich in Richtung Gloucestershire schaute. Wo die Grenzen zwischen den Grafschaften verliefen, war in den leuchtenden Weiten unter uns unmöglich zu erkennen; das Aprillicht übertünchte alle Einzelheiten. Ich zitterte, hatte trotz der Sonne Gänsehaut unter dem Hemd; aber hin und wieder gab es stille Flauten, zehn Sekunden duftender Wärme, abgeschirmt vom kalten Wind, der immerzu über England hinwegzieht. Ich lief ein paar Meter und betrachtete das konturlose Rund hinter uns, das schmutzige Gras, das von Schafsköteln übersät war, auch wenn keine Schafe zu sehen oder zu hören waren. Als ich mich umdrehte, war Giles vom Vermessungspfahl hinuntergesprungen und unterwegs zur Piste, wobei er etwas rief, das ich nicht verstehen konnte.
Ich sprang und krabbelte hinter ihm her, ohne festen Halt in der steilen kalkigen Rinne der Piste zu finden; Giles war weit voraus und dann außer Sicht, also hörte ich auf, ihm nachzujagen. Ihn ziehen zu lassen war eine Erleichterung. Ich spürte, dass ich Seitenstechen bekam, und blieb eine Minute stehen, mit den Händen auf den Hüften, um wieder zu Atem zu kommen. Von hier aus, auf halber Höhe, konnte ich das Blöken der Lämmer und ihrer Mütter auf den tiefer gelegenen Weiden hören, und als ich zurückschaute, hatte sich die kahle Masse des Hügels hinter mir in den Himmel erhoben. Allein war ich glücklicher. Die Spiele mit Giles waren von Anfang an unterhöhlt von dem Gefühl, dass wir zu alt dafür waren. Und wegen der Brutalität, mit der er mich packte, bei mir den Brennnesselgriff machte oder meine Finger verdrehte, hatte ich Angst davor. Ich blieb stehen und lauschte den Vögeln, dann ging ich weiter, wobei ich den langen schmierigen Pfützen in den Spurrillen der Piste auswich. Inzwischen war die helle Ferne nicht mehr zu sehen; Orte, die noch vor zehn Minuten wie auf einem Tablett vor uns gelegen hatten, waren hinter Bäumen und Hecken im alltäglichen Mysterium der Landschaft verschwunden.
Am Fuß des Hügels stand das Gatter zu einem Feld rechterhand offen, und als ich durch das raue Gras ging und über die Büsche hinwegschaute, konnte ich dahinter einen schmalen Streifen der leeren Straße und die Einfahrt zur Farm sehen; von Giles jedoch keine Spur. Das Haus selbst stand ein Stück von der Straße zurückversetzt hinter einer Wiese und der quadratischen dunklen Hecke des Vorgartens. Es war aus roten Ziegelsteinen erbaut, und an einer leichten Veränderung der Farbe konnte man erkennen, dass die linke Seite mit dem dritten Giebel nachträglich hinzugefügt worden war. Das Gebäude starrte aus zehn quadratischen Fenstern zum Hügel hinüber. Der Wirtschaftshof mit seinem geschäftigen Lärm lag hinter dem Haus, doch es war die enorme vorzeitliche Präsenz des Hügels davor, die es zu verorten, zu definieren und förmlich zu hypnotisieren schien.
Ländliche Geräusche dutzender verschiedener Dinge, die beiläufig nebeneinanderher geschahen, lagen in der Luft, und darunter das Seufzen, wie eine heranrollende Welle, eines sich nähernden Autos – um die Ecke kurvte ein roter Citroën DS ins Blickfeld und sauste direkt unter mir die Straße entlang; die Sonne blitzte auf der Windschutzscheibe, während der Wagen langsamer wurde und in die Zufahrt zum Hof einbog. Ich hatte dieses Cabriolet mit seinem weichen schwarzen Dach noch nie zuvor gesehen – und dazu kam, wie mir auf den ersten Blick auffiel, dass der Fahrer auf der linken Seite saß. Ich wusste sofort, dass es Giles’ Vater war, er wurde erwartet und jetzt war er da: Als die Bremslichter aufleuchteten und der Wagen in den Hof hinter dem Haus einbog, rannte ich querfeldein, um ihm im Flur oder der Küche gegenüberzutreten und mich bei ihm zu bedanken. Mein Puls raste bei dem Gedanken, aber die Szenerie im Kopf durchzuspielen, gab mir Sicherheit. Einen Moment lang war ich besorgt, fühlte mich beinahe schuldig, weil ich den ganzen Tag ohne ihn vertrödelt hatte, aber ich war auch erleichtert, dass er auftauchte und das Kommando übernahm. Es bedeutete das Eindringen von Ordnung und Zielstrebigkeit, einen Hauch von Disziplin für die Ferien, und für mich vielleicht ein wenig Schutz vor Giles. In dem Moment fuhr die Brise hinter mir in die Hecke, ich hörte das Klappern und ein Schnaufen, er sagte nichts und ich sah ihn kaum, nur ein Auge und Zähne, doch schon lag ich flach auf dem Bauch im steinigen Gras, die Luft wurde aus mir herausgepresst, ich spürte einen brennenden Schmerz im linken Arm, und Giles über mir, der nach meinem rechten Arm schnappte und ihn nach hinten zog. «Erwischt, du dreckiger Bastard», sagte er. «Erwischt! Da kommst du nicht raus!»
Der rotgekachelte Flur zog sich einmal quer durchs Haus, von der selten benutzten Vordertür mit Fenster zur schmuddeligen Dunkelheit der Hintertür, wo jedermann ein und aus ging, die Gummistiefel mit einem alten Stiefelknecht auszog und unter die aufgehängten Mäntel schleuderte. Die Küche war auf der rechten Seite, das Bad und ein trostloses kleines Büro auf der linken, und wenn man von dort den Flur entlangging, vorbei an der Treppe und der Tür zum Esszimmer in Richtung Wohnstube auf der Vorderseite, kam man vom Dunkel ins Licht. Giles’ Vater kam gerade aus dem Esszimmer, eine Silhouette, bis er uns sah und lächelte.
«Dad», sagte Giles, «dieses heruntergekommene Individuum ist Dave. Wie du dir zweifellos schon gedacht hast.»
«Dave, wie schön, dich kennenzulernen», sagte Mark Hadlow, schüttelte mir die Hand und nickte langsam, während er mir für lange fünf Sekunden fest in die Augen schaute, ein warmer und prüfender Blick. Ich merkte, dass er sich durch das, was er sah, vollkommen bestätigt fühlte, und sich trotzdem irgendwie davor scheute, auch den Rest von mir anzusehen. «Wir freuen uns alle sehr, dass du bei uns sein kannst.»
«Was sollte er sonst schon machen, Dad, mal ehrlich?», fragte Giles.
«Jedenfalls, vielen Dank, dass ich kommen durfte, Sir», sagte ich und schaute ihn an – seidig braunes Haar, der Mund schmal und entschlossen, aber die braunen Augen groß und freundlich. Ich hatte mein eigenes Gespür für Väter, wie sie aussahen und welche Stimmung sie verbreiteten, was sie ihren eigenen Kindern erlaubten und was den Kindern anderer Leute, auf welche Art sie ihre Aufmerksamkeit zeigten. Man sah natürlich immer nur einen Teil von ihnen, sie hatten Jobs, von denen man nicht viel verstand, aber sie verbürgten ein funktionierendes Familienleben. Väter hatten Persönlichkeiten, genau wie Lehrer, schwerfällig, komisch oder geistig abwesend, aber sie hatten eine andere Art von Macht. Normalerweise waren sie sehr freundlich und behandelten dich rücksichtsvoller als ihr eigenes Kind, mit dem du befreundet warst. In diesem ersten Moment strahlte Mark Hadlow etwas ausgesprochen Beruhigendes aus, nämlich Fairness.
«Hilfst du mir mal, alter Junge?», sagte er zu Giles und nahm uns mit nach draußen in den Hof. Der DS 19 parkte neben Mrs Hadlows Riley – bedeutungsvoll schimmernd, in seiner speziellen Aufhängung bis kurz über den Boden abgesenkt. Mark öffnete den Kofferraum, während ich um den Wagen herumstrich, mir von außen das verchromte schwarze Armaturenbrett und das Lenkrad ansah und mich über das Fehlen von Nussbaum und Luxus wunderte. Die Haube war noch warm nach der Fahrt von London, und sie schien die Bedeutsamkeit Londons abzustrahlen. «Setz dich rein, wenn du möchtest, Dave», sagte Mark, aber ich antwortete: «Oh, schon in Ordnung, Sir», und fügte hinzu: «Kann ich helfen?» Giles bewies, dass er fähig war, eine Kiste mit französischen Weinflaschen zu tragen, und sein Vater balancierte eine zweite Kiste auf dem angezogenen Knie, während er die Kofferraumklappe zuknallte. Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der eine ganze Kiste Wein kaufte. Ich trottete hinter ihnen her und fühlte mich unnütz, aber entschuldigt.
Die Kisten wurden in der kalten Speisekammer untergebracht und wir standen einen Moment in der Küche. «Hat sich Giles auch um dich gekümmert?», fragte Mark, und ich fühlte, dass das möglicherweise mehr war als eine Routinefrage.
«Ich habe ihn gerade erst mit hoch zur Wallburg genommen», sagte Giles und zog seinen Schrittzähler hervor. «Zehneinhalb Kilometer, Dad.»
«Du weißt schon, dass du das Gerät auf deine eigene Schrittlänge einstellen musst, oder, Giles?», und er schaute mich auf eine Art an, die beinahe ein Zwinkern war. «Auf jeden Fall ein gutes Stück Weg, ihr braucht bestimmt dringend einen Tee – ich brauche jedenfalls welchen.» Er ging zurück zur Tür. «Ist Audrey noch nicht da?»
«Erst um sechs, Dad.»
«Setz den Kessel auf, alter Junge, sei so gut», sagte Mark.
«So, und wo ist deine Mutter?» – und er ging hinaus in den Flur und rief «Cara … Cara …», fast sang er den Namen, wie eine Zeile aus einem Lied, und mir war nicht gleich klar, als ich hinter ihm herging, dass das Mrs Hadlows Name war, obwohl ich natürlich wusste, was er bedeutete. Sie stießen in der Tür zum Wohnzimmer zusammen, und als sie mir wieder entgegenkamen, schien sie nicht mehr die ernste Mrs Hadlow zu sein, die ich beim Lunch erlebt hatte, und das nur, weil ihr Ehemann nach Hause gekommen war und ihren Namen rief. In diesem Moment der Erleuchtung wurde mir klar, dass das nächste Stadium unseres Beisammenseins begann, und das, bevor ich meine kleine Rede gehalten hatte, die für mich der entscheidende Teil des erstens Stadiums war. Ich sagte:
«Ich möchte Ihnen danken, von Herzen danken, Mr Hadlow …», aber Mrs Hadlow, Cara, sah sofort, was Mark übersehen hatte, den zerrissenen und schmutzigen linken Ärmel meines Hemds.
«Das sieht ja aus, als hättest du einen kleinen Sturz hingelegt, Dave.»
«Ach, herrje», sagte Mark. «Was ist denn da passiert?» Giles’ Bild schwebte gebieterisch vor meinem inneren Auge, als ich den Arm mit dem zerrissenen Hemd und dem langen glänzenden Kratzer darunter ausstreckte.
«Es tut mir so leid, Mrs Hadlow», sagte ich. Ein schmaler Weg hin zu Klarheit und Gerechtigkeit tat sich auf, den ich mich selbst ausschlagen hörte. «Wir haben nur gespielt, oben auf dem Berg.»
«Hmm.» Sie schob den zerrissenen Ärmel zurück, untersuchte die Schramme mit dem halbherzigen Urteilsvermögen der Mutter eines Schulfreunds. «Giles’ Spiele sind leider manchmal ziemlich übermütig. Lass uns das mal sauber machen», und sie nahm mich mit in die Küche, wo Giles einen Keks aß, während der Kessel auf dem Rayburn-Herd knarrend zum Leben erwachte. Sie holte eine schwarze Dose hervor, die unter der Anrichte stand. Ich war angesichts der brennenden Jod-Tinktur zwischen edlem Schweigen und großer Leidensmiene hin- und hergerissen. «Es heilt am besten ohne Verband», sagte sie.
Nun schwebte Giles persönlich herbei, gelassen besorgt. «Ihm geht’s gut, stimmt doch, Dave», sagte er, und als sich beide Eltern abgewandt hatten, lächelte er und boxte mir auf die Schulter.
«Wir lernen die Stipendiaten gern kennen», sagte Mark Hadlow, als wir uns zum Tee ins Esszimmer setzten, «aber wir betrachten sie nicht als unser Eigentum, weißt du. Wir glauben, dass sie zu uns gehören, aber nicht als Besitz.»
«Nun ja, das stimmt», sagte ich, als wäre ich diese Art von Offenheit gewohnt.
«Deshalb schlagen wir erst eine Weile nach Beginn des ersten Jahres ein Treffen vor. Wir finden, ihr solltet erst einmal Boden unter die Füße bekommen. Dann hoffen wir, gute Freunde zu werden.»
«Klappt nicht immer», sagte Lydia.
«Julian Donnington», sagte Giles und rollte mit den Augen.
«Wir haben Julian Donnington noch nicht aufgegeben», sagte seine Mutter.
«Andrew Ward hast du kennengelernt?», fragte Mark. «Und Peter Sealyham?»
«Ja, Sir. Nun ja, Mr Yule hat uns vorgestellt.» Tatsächlich verstieß es gegen die Regeln, mit älteren Schülern zu reden, es sei denn, man war eine Schwuchtel oder ein Flittchen, deshalb konnte ich mich mit den Hadlow-Stipendiaten aus früheren Jahren nicht anfreunden. Als wir uns das nächste Mal im Waschraum begegnet waren, hatte Ward mich einfach übersehen.
«Und du hast dich gut eingelebt, nehme ich an?»
«Ja, ich habe mich sehr gut eingelebt, Sir», sagte ich und hatte dabei den dunklen Schlafsaal vor Augen. Was mir wirklich auf der Seele lag, konnte ich ihm und erst recht Giles nicht sagen, nämlich dass ich Heimweh hatte, besonders nachts, wenn das Licht aus war, denn dann hätten sie vielleicht befürchtet, dass ich auch hier, in Woolpeck, Heimweh hatte.
«Bampton ist eine freundliche Schule», fuhr Mark fort, «und eine zivilisierte Schule, was viel dazu beiträgt.»
«Oh ja», sagte ich, denn auch ich wollte die Schule gern so sehen.
«Sie ist keine Löwengrube wie einige der älteren Privatschulen. Und natürlich ist sie viel kleiner als die meisten von ihnen. Hattest du irgendwelchen Ärger … du weißt schon?» Und wieder schaute er mir in die Augen, sehr herzlich und entschieden. «Nein, das glaube ich kaum.»
Giles zuckte zusammen und fing an herumzurutschen. «Immerhin, es gibt ’ne Menge, hm …», dann räusperte er sich ohne Grund.
«Na ja …», sagte ich, ziemlich verunsichert. Ich schaute über den Tisch hinweg Cara an, und ihren schweigenden Bruder Peter, dem diese Farm gehörte, auch Lydia, die sich gelangweilt in ihrem Stuhl zurücklehnte und ab und zu den Kopf schüttelte. Meine vier Jahre an der Bishop Alfred’s School mit ihrer unvergifteten Atmosphäre hatten mich nicht auf den Spott, die Späße und die wahllose Gewalt vorbereitet, die in Bampton Tag und Nacht auf mich niederprasselten.
«Und deine Mutter kommt damit klar?», bohrte Mark nach.
«Wirklich, Dad …», sagte Lydia.
«Es muss schwer für sie sein, Liebling, allein zu leben, und nun verlässt sie auch noch Dave. Du warst vorher nicht auf einem Internat, nehme ich an?»
Das war fast schon zu verständnisvoll. «Nein, Sir … Ich glaube, sie war am Anfang aufgeregter als ich.»
«Nun, das kann ich mir vorstellen.» Dabei schaute er Cara an, aber sie zog nur die Augenbrauen empor, als ob sie sagen wollte, ihr habe das nie etwas ausgemacht. Meine Mutter existierte während der Trimester für mich als das Bild, das ihre Mittwochs-Briefe heraufbeschworen – in ihrer Handschrift war sie unmittelbar gegenwärtig, lebendiger als durch die wenigen Dinge, von denen sie erzählte, mit vielen Ausrufezeichen, ihre Arbeit, einen Besuch in Wantage, kleine gewöhnliche Ereignisse, die vier Seiten blaues Basildon-Bond-Briefpapier füllten und dabei tapfer das wichtigste Thema vermieden: Dass nicht nur sie mich vermisste, sondern dass sie wusste, wie viel mehr ich sie vermisste.
«Wir halten den Kunstlehrer für ziemlich brauchbar – Gregson», sagte Cara.
«Oh ja, er ist sehr nett», sagte ich.
«Und es gibt einen neuen Englischlehrer, Hudson?», sagte Mark. «Wir hören nur Gutes von ihm.»
«Ja, ich hatte ihn noch nicht», sagte ich.
«Hudson is ’n verdammter Homo», sagte Giles.
«Sowas sagt man nicht, Giles», sagte Mark, und ich wurde rot, obwohl ich mir nicht sicher war, welches Wort genau man nicht sagen durfte.
«Nimm noch ein Sandwich, Dave», sagte Cara. «Marmelade, oder Paste …? Oder beides!» Und sie schenkte mir eins ihrer seltenen Lächeln und schob mir den Teller herüber.
Ich half gerade dabei, den Teetisch abzuräumen, als ein junger Mann namens Roly an der Hintertür auftauchte – er kam aus Challow herüber, um mit Lydia Tennis zu spielen, und trug einen Trainingsanzug. «Kennst du die Gegend hier überhaupt?», fragte er, als sie mich vorstellte.
«Er wohnt in Foxleigh», sagte Lydia. «Er kennt sie schon seit seiner Geburt.»
«In Foxleigh, wirklich? – Menschenskind …», und er nickte und starrte mich richtig freundlich an. «Ich finde, Foxleigh ist eine nette kleine Stadt.»
«Lass uns rausgehen und spielen, solange es noch hell ist», sagte Lydia.
Ich ging zurück, um nachzusehen, ob es noch etwas abzuräumen gab. Mir war nicht klar, was als Nächstes passieren würde, aber Mark sagte: «Ich werde jetzt eine Runde durch den Garten drehen, Dave, wenn du nach euren zehn Kilometern vorhin nicht zu erschöpft bist.»
«Oh, danke, Sir», sagte ich, und wir kicherten beide.
«Vielleicht brauchst du deine Jacke.»
Ich rannte, um sie zu holen, und Mark entriegelte die Haustür mit der verzierten Glasscheibe; dann führte er mich hinaus auf den Zufahrtsweg. Wir gingen den Weg entlang, am Fenster des Spielzimmers vorbei und über den Rasen, um den Teich zu inspizieren. Mark sah immer noch nach London aus, in braunen Wildlederschuhen, grauer Flanellhose und Jackett und einer roten Seidenkrawatte.
Wir standen nebeneinander und beugten uns vor, um ins Wasser zu schauen; Marks Gesicht, halb Schatten, halb Spiegelbild, füllte den blassen Streifen über der Reflexion meines eigenen. Es schien ein guter Moment, um es noch einmal zu versuchen, falls es nicht schon zu spät war: «Ich wollte Ihnen nur ganz herzlich danken, Sir, für Ihre Unterstützung …», aber die Worte kamen steif aus meinem Mund und Mark wischte sie beiseite, bevor ich zu Ende gesprochen hatte.
«Nein, nein, Dave, bedank dich nicht bei mir. Mein Vater war derjenige, der die Stipendien gestiftet hat, ich halte sie nur am Laufen.»
«Oh, ich verstehe …», sagte ich, nicht sicher, ob Marks Vater noch am Leben war und man ihm danken konnte.
«Du kannst uns am besten danken, indem du deine Zeit in Bampton genießt.»
«Danke sehr, Sir», sagte ich dennoch.
«Mach dir alles zunutze, was geboten wird. Wenn du es mit einem Studium in Oxford abrundest, freut uns das, aber es macht uns nicht das Geringste aus, wenn du andere Pläne hast.» Er legte mir die Hand auf die Schulter und sah zu mir herab, sachlich, aber freundlich. «Ah, mein Schatz», sagte er, aber dabei sah er an mir vorbei – Cara war herausgekommen, um sich uns anzuschließen. «Hallöchen!», sagte sie, als wären wir nicht noch vor fünf Minuten zusammen gewesen. Wir gingen über den Rasen und redeten, ich zwischen den beiden, in einem Schlenderschritt, der dem Spaziergang dieselbe Bedeutung verlieh wie seinem Ziel – und dann die Böschung hinauf zum rustikalen Unterstand am Rand des Tennisplatzes, um Roly und Lydia beim Spielen zuzuschauen.
An diesem Abend ging ich als Erster ins Badezimmer, schloss die Schlafzimmertür mit dem vagen Gefühl, nun in Sicherheit zu sein, zog mich aus und den Schlafanzug an, so als wüsste ich nicht, was mich erwartete, wenn ich das Licht gelöscht und mich mit dem Gesicht zum Fenster in die kühle Dunkelheit des Betts gekuschelt hatte: der innere Aufruhr beschämender und überwältigender Gefühle, das Würgen im Herzen und in der Kehle, unaussprechlich. Dann hörte ich das Türschloss klicken, ein schwacher Lichtschein fiel über meine Schulter und eine Stimme gurrte: «Winny?»
Nach dem Frühstück saß ich eine Zeitlang auf der Toilette im Erdgeschoss, halbherzig auf Stimmen lauschend, während mein Blick die Quadrate im Muster des Linoleums nachzog. Im Fenster drehte sich unregelmäßig ein kleiner Plastikventilator und ließ den kalten, herben Geruch des Bauernhofs herein. Ich war mir nicht sicher, was als Nächstes passieren würde, und der Wunsch, einem weiteren Spiel oder Spaziergang zu entgehen, mischte sich mit der Furcht davor, Unannehmlichkeiten zu bereiten. Ich nahm an, dass ich durch meine Abwesenheit genauso auffallen würde wie durchs Mitmachen. Auf dem Fußboden stand ein Korb mit alten Ausgaben von The Field und Berkshire Life, deren Hochglanzpapier durch die Feuchtigkeit eigenartig stumpf geworden war; ganz unten im Stapel hatte sie die Seiten zu einem steifen, geschwollenen Klumpen verklebt, der knirschte und knackte, wenn ich ihn zu biegen versuchte. So verstrichen die Minuten.
Ich trat hinaus in den Flur, als Caras Onkel George gerade vorsichtig die Treppe hinunterkam. Er hatte mir gestern bei meinem Eintreffen liebenswürdig zugenickt, aber offenbar nahm er alle seine Mahlzeiten in seinem Zimmer ein, denn ich war ihm seitdem nicht mehr begegnet. «Du hast nicht zufällig meinen Stock gesehen», sagte er.
Ich schaute hinauf zu seiner verschatteten Körperfülle, die zu beiden Seiten von den Mauern des schmalen Treppenhauses gerahmt wurde. «Ist es der mit dem Silberknauf, Sir?» Ich rannte dorthin, wo ich ihn gesehen hatte, angelehnt in der Ecke des Wohnzimmers.
«Brauche das verdammte Ding gar nicht», sagte George, als ich ihn ihm gab, «aber Cara sagt, ich muss ihn haben.» Er trug beim Gehen den Stock vor sich her, ohne damit den Boden zu berühren, als handle es sich dabei um einen rein zeremoniellen Gegenstand. Unwillkürlich folgte ich ihm und schaute zu, wie George seine Mütze nahm und den braunen Regenmantel, der darunter hing. «Und wie kommst du so klar?», fragte er und ließ mich kurz den Stock halten.
«Oh, sehr gut, vielen Dank, Sir», sagte ich.
Er warf mir einen freundlichen, aber zweifelnden Blick zu, als er den Mantel zurechtrückte. «Du bist Ernest schon begegnet, nehme ich an?»
«Ernest …», sagte ich. «Ich bin mir nicht ganz sicher.»
«Dann komm und rede ein wenig mit ihm», sagte George und wandte sich zur Hintertür.
«Vielleicht sollte ich Giles Bescheid sagen», sagte ich. «Ich glaube, wir sollten eigentlich …», aber das Dilemma hatte sich bereits erledigt, und kurz darauf folgte ich ihm, erleichtert, unter dem Schutz des alten Mannes zu stehen, und schob alle Gedanken an Giles’ Rache sowie an die Formen beiseite, die sie heute Abend annehmen konnte. Ich hielt wieder den dunklen Stock mit dem Silberknauf in der Hand, als wir die unkrautbewachsene Fläche hinter dem Haus überquerten. Für ein oder zwei Schritte versuchte ich selbst, ihn zu benutzen.
Als wir das Tor zum Wirtschaftshof erreichten, sagte George: «Mir ist nicht ganz klar, weshalb du hier bist.»
«Nun ja, ich gehe mit Giles zur Schule, Sir», sagte ich.
Er räusperte sich und sah zu mir hinunter. «Giles muss älter sein als du.»
«Ja, ich werde Ende des Monats vierzehn.»
«Aber zufällig weiß ich, dass du eine Klasse über ihm bist. Also bist du klüger als er.»
«Ach, da bin ich mir nicht sicher», sagte ich vorsichtig. Ich fürchtete, dass das, was ich sagte, irgendwie Giles zu Ohren kommen könnte.
Wir gingen an der großen offenen Scheune vorbei, in der die Reste der hoch aufgetürmten Strohballen der vorigen Ernte lagerten. Die Ballenpresse stand staubig, aber gefährlich am hinteren Ende, und der breite Leinwandgurt des Aufzugs führte steil empor zum Dach. «Aber deine Eltern», sagte George. «Nicht englisch.»
Wieder erforderte die Antwort einen gewissen Takt. «Meine Mum ist Engländerin, ich lebe bei ihr.»
«Ja, verstehe …», sagte George, jetzt seinerseits taktvoll, aber er gab nicht auf. «Hat sie sich vielleicht von deinem Vater getrennt?»
Es galt, eine Entscheidung zu treffen, wie jedes Mal, und Tatsache war, dass ich nur das wusste, was ich wusste. Ich drehte den Stock in den Händen und sagte: «Sehen Sie, es ist so», als wäre ich ein alter Mann, der einem Kind etwas erklären will, «mein Vater stammt aus Burma, aber leider ist er gestorben.»
«Also bist du Halb-Burmese», sagte George ohne irgendwelches Getue. «Am besten gibst du mir das.» Ich gab ihm den Stock und merkte, dass ich rot wurde. «Also, achte auf den Matsch, wir haben unsere Gummitreter nicht an.» Wir gingen an den offenen Toren des großen Kuhstalls vorbei, von wo sich eine dicke Suhle aus Stroh und Kuhscheiße in den Hof erstreckte. Drinnen, im dämmrigen Licht kaum zu erkennen, hob ein Mann die Mistgabel in Erwiderung von Georges Gruß. Ich war froh, dass die Kühe auf der Weide waren, nicht weil ich mich vor ihnen fürchtete, sondern weil ich nicht wollte, dass man mich aufforderte, das unter Beweis zu stellen. Ich dachte, der Mann mit der Forke wäre vielleicht Ernest, aber George sagte: «Das ist übrigens Stanley, er arbeitet schon sein ganzes Leben hier.»
«Ja, ich glaube, Giles hat ihn erwähnt», sagte ich. Stanley war ein Mistkerl, der Giles und seinen Freunden nie erlaubte, auf die Traktoren zu klettern oder Häuser aus Strohballen zu bauen.
Entlang der Rückseite der Scheune verlief ein zerklüfteter Betonpfad, der zu den Wiesen führte, auf denen die Kühe grasten; dort bog George nun ein. Die Strecke war in gewisser Weise interessant, aber nicht schön. «Dies ist einer meiner Wege», sagte er. «Er dauert ungefähr achtzehn Minuten, es sei denn, ich plaudere mit einem der Männer. Wenn ich eine längere Tour machen will, gehe ich rüber zu den Denhams, was eine Stunde dauern kann oder mehr. Bist du schon auf dem Hügel gewesen?»
«Ja, Sir, wir sind gestern hingegangen. Sie meinen die Wallburg, oder?»
«Ich komme da nicht mehr oft rauf. Hat es Spaß gemacht?»
«Ja», sagte ich. «Es war ziemlich windig.»
«Ich weiß, was du meinst», sagte George stirnrunzelnd. Er hielt bereits nach etwas Ausschau, das hinter dem Hauptschuppen liegen musste. Als wir um die Ecke kamen, brauchte ich einen Moment, um zu erkennen, was es war: eine Betonmauer, ungefähr so hoch wie ich selbst, und dahinter ein undefinierbarer Haufen, vielleicht Kohlen, der von einer braunen Plane abgedeckt war, die zuckte und dann zur Seite rutschte – ein kurzes Durcheinander, und auch ich schien wegzurutschen, als hätte die Erde sich bewegt. «Aber, aber, Ernest», sagte George und ging hinüber zu dem Pferch, während ich ein Stück zurückblieb. Die Mauer reichte ihm bis zur Brust, er beugte sich darüber und kratzte mit dem Silberknauf seines Stocks Ernests Schulter. Ernest bewegte sich ein wenig zeitversetzt, er zuckte und stampfte, aber er kam nicht weit, weil sein Pferch so eng war. Alles, was ich aus fünf Metern Entfernung sehen konnte, war ein enormer brauner Rücken, mit dem breiten Ansatz eines Schwanzes am einen und dem hohen, ausladenden Höcker des Nackens am anderen Ende, schmutzig-weiß gescheckt wie schmilzender Schnee auf einem gepflügten Feld. Das war also ein Stier, der Schrecken der Märchenbücher, stärker als alles andere, was jenseits von Zoos anzutreffen war. Der Kopf des Stiers hing nach unten und wurde vom massiven, muskulösen Joch des Nackens und der Schultern verdeckt. «Ich habe hier jemanden, der dich kennenlernen will», sagte George; und zu mir: «Geh hin und sag Hallo.»
Der Pferch war mit einem Stahlgatter mit fünf Stangen verriegelt, das herkömmliche Schloss verstärkt durch eine schwere Kette und ein verknotetes rotes Nylon-Tau. Ernests zotteliges weißes Gesicht tauchte hinter den Stangen auf. Ich war mir nicht sicher, ob er mich sehen konnte oder nicht – ob ich für ihn eine Störung oder eine Belanglosigkeit war; seine kleinen braunen Augen unter weißen Wimpern wirkten besorgniserregend unzulänglich; fixiert auf die lächerliche Gleichförmigkeit seines Pferchs, vielleicht heckten sie aber auch irgendeinen größeren Ausbruch von Gewalt aus. In seiner feuchten rosa Nase steckten Büschel des Strohs, in dem seine Beine bis hoch zu den Wölbungen der Knie versanken. Aber seine Ohren waren aufmerksam aufgestellt, das linke mit einer hellgelben Plastikmarke getackert, und er warf immer wieder den Kopf hin und her, als wollte er die Marke abschütteln. Dabei schwangen die Zotteln aus weißen Haarflechten, die ihm wie ein gekräuselter Vorhang vom Kinn zu den Knien hinunterhingen, schwer von einer Seite zur anderen.
«Lebt er hier die ganze Zeit?», fragte ich.
«Was meinst du? Nein, nein», sagte George. «Er kommt raus, wenn er seinen nächsten Job erledigen muss. Ist doch so, Ernest?» Ich nickte verständnisvoll. «Kratz ihn am Rücken, das mag er.» Ich lächelte angespannt und rührte mich nicht vom Fleck. Damit blieb es George überlassen zu demonstrieren, wie gut sie beide miteinander auskamen. «Er ist enthornt, siehst du», sagte er. «Keine Hörner, vor denen man Angst haben muss.» Hinter den Ohren sah ich zwei überwachsene Stummel – in welche Richtung die Hörner gewachsen und wie lang sie gewesen waren, konnte ich nur erahnen. Ich hatte das Gefühl, dass Ernest, wenn er den Kopf senkte, glaubte, sie wären noch da.
Er stand dicht an der Mauer des Pferchs, mit gerade genug Platz, dass eine weitere Kreatur seiner Größe neben ihm hätte stehen konnte. George fing an, seinem Hinterteil Schläge zu versetzen, recht kräftig, aber mit kumpelhafter Gebärde, sodass Ernest sich herumdrehte, den Kopf mit wütendem Brüllen zurückwarf, den Schwanz hob und einen ordentlichen Haufen Dung ins Stroh fallen ließ. Er stolperte fast, als er zurückwich, und krachte beim Versuch, sich umzudrehen, mit der Schulter gegen das Gatter, das scheppernd und singend standhielt. Mir war klar, dass ich direkt in seinem Weg stand, falls Ernest den Kopf senken und das Gatter platttreten würde. Wir hatten in der Schule einen Film über Stierkampf gesehen; ein Stier brauchte, wie ein Schiff, eine Weile, um sich umzudrehen. Also machte ich kehrt und stellte mich neben Onkel George hinter die schützende Mauer. «Ich frage mich, was er wohl wiegt, Sir», sagte ich.
«Ernest? Oh, inzwischen sind das bestimmt fünfzehn Zentner.»
«Tatsächlich, Sir …» Ich nahm das zweifelnd zur Kenntnis, eine dreiviertel Tonne, während wir dastanden und ihn betrachteten. Kurz darauf beugte George sich vor und Ernest ließ den alten Mann ein oder zwei Mal seine Schnauze streicheln, bevor er mit den Ohren wackelte und erneut aufstampfte. Es folgte das kurze Schweigen, das eintritt, wenn weder Gast noch Gastgeber weiß, ob das Thema damit erledigt ist.
«Teufel auch», sagte George, «Burma. Bist du je dort gewesen?»
«Oh …nein, Sir, bin ich nicht», sagte ich und spähte gebannt zu Ernest hinüber, verwirrt von den Gefühlen, die dieses Land, allein der Name des Landes, in mir auslösten.
«Von den neuesten Entwicklungen hast du gelesen?»
«Nun, ein wenig schon, ja, in der Schule, genau genommen. Sie meinen den Staatsstreich, Sir?»
«Den Staatsstreich», sagte George langsam, «ganz genau.» Er kratzte Ernests Kopf zwischen den verschwundenen Hörnern, woraufhin der Stier noch einmal zuckte und seitlich von uns abrückte. «Eine schlimme Sache.»
«Ja, das stimmt», sagte ich mit einem kribbelnden Gefühl von Unzulänglichkeit, das von den Armen hinunter zu meinen unbeschäftigten Händen wanderte. George legte seine eigene, tröstende Hand auf meine Schulter, und ich starrte in allumfassender Verlegenheit auf das unerreichbare Thema Burma wie auf Ernests Unterseite, das große hängende Dreieck aus Fleisch, das sein Ding trug und verbarg, und hinter seinem Ding, für mich kaum zu erfassen, die enormen Kugeln, schwer wie Hanteln, dunkelrot wie Leber, die hin und her pendelten und gegen seine Knie schlugen, wenn er sich bewegte. George zog die Hand zurück, ich sagte: «Also ganz herzlichen Dank, Sir», und wir machten uns auf den Rückweg, an den Scheunen vorbei. Wir mochten zwei Minuten oder auch viel länger dort gewesen sein – und ich hatte das eigenartige Gefühl, einen Test von Onkel George nicht bestanden, oder nicht begriffen zu haben, was von mir erwartet wurde.
«Es ist so, Mr Pollitt», sagte ich, «ich bin der Hadlow-Stipendiat.»
«Tatsächlich? Aber eigentlich wusste ich das. Du bist eben ein kluger Junge» – sagte er warmherzig, aber so, als wäre seine eigene Klugheit für kurze Zeit bezweifelt worden. «Was sind deine Lieblingsfächer?»
Das war eine der üblichen Erwachsenenfragen, aber er stellte sie ohne die übliche Herablassung. «Na ja, Englisch», sagte ich.
«Oh, Englisch, ja.»
«Und Französisch auch.»
«Warst du schon in Frankreich?»
«Noch nicht, Sir, nein … Und auch Geschichte, würde ich sagen.»
«Was habt ihr gerade in Geschichte?»
«Im Augenblick haben wir den Bürgerkrieg.»
«Oh, ja, schreckliche Sache», sagte er und schüttelte den Kopf, fast so, als würde er sich persönlich erinnern und seine Taten bereuen. «Also, bist du ein puritanischer Roundhead oder ein Cavalier?»
Ich erwog beides. «Ich glaube, ein Cavalier», sagte ich und machte ein ernstes Gesicht wegen der sexuellen Bedeutung, die diese Worte an der Schule hatten. «Und Sie selbst, Sir, wenn ich das fragen darf?»
«Oh, ich war auch ein Cavalier, in deinem Alter. Vielleicht wirst du später ein Roundhead, wenigstens eine Zeitlang. Bei mir war das so.» Ich hielt das für unwahrscheinlich, aber ich merkte mir, was der alte Mann sagte. «Wie lange bleibst du bei uns?», fragte er, während wir über den Wirtschaftshof zurückgingen. Ich sagte, ich würde am Montag nach Hause fahren. «Und du wohnst in Foxleigh? Nun, das ist nicht weit weg. Vielleicht kommst du uns ja im Sommer noch einmal besuchen.»
«Vielen Dank, Sir», sagte ich, unsicher, ob das eine Einladung war.
«Spielst du Tennis?»
«Eigentlich nicht», sagte ich.
«Peter ist ein guter Tennisspieler. Lydia übrigens auch. Sie hat es drauf.»
Ein paar Meter vor der Hintertür blieben wir noch einmal kurz stehen. Ein niedrigerer Flügel, der an der Rückseite des Hauses ansetzte, riegelte den Hof ab. Unten gab es eine weitläufige Veranda, wo wie in der Schule die Glocke hing, mit einer dicken Kordel am Klöppel. George hob den Stock und deutete auf ein Fenster im Stockwerk darüber. «Das ist mein Zimmer», sagte er. «Da oben bin ich keinem im Weg, aber natürlich kann ich sehen, wer kommt und geht.» Der schwache Lichtschein einer abgeblendeten Schreibtischlampe fiel auf die Fensterscheibe, ließ aber wenig vom Raum erkennen. «Dann kann ich also mit meiner Arbeit weitermachen», sagte er und lächelte auf eine Art, die mich glauben ließ, ich hätte ihn davon abgehalten. «Es mag nicht an deinem Weg liegen … du weißt schon … aber klopf gern jederzeit bei mir, wenn du sonst nichts zu tun hast. Vielleicht plaudern wir noch ein wenig, bevor du abreist.» Er lächelte vielsagend, nicht zu mir, sondern in Richtung eines Punkts über meiner linken Schulter. Dann, indem er seinen Stock schwenkte, als wolle er einen Hund verscheuchen, drehte er sich um und ging wieder hinein.
Ich blieb eine Minute lang unter der Glocke stehen und dachte mir, wenn ich die Hand zur Kordel ausstrecken und läuten würde, würde vermutlich Giles auftauchen – aber dann fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass ich sagen könnte, ich hätte ihn gesucht und nicht gefunden. Ich öffnete die Tür zur Stiefelkammer, die staubig und voller Spinnweben war. Auf dem Steinboden getrockneter Schlamm, es roch nach Motoröl und Düngemitteln, und ich stöberte eine Weile zwischen den Körben und Kisten herum. Über mir hörte ich langsame Schritte, das musste Onkel George sein, zurück in seinem Zimmer. Ein Stuhl wurde zurechtgerückt, dann ertönte eine leise Radiostimme. Ich zog die schwere Tür an der gegenüberliegenden Seite auf und ging ein paar Stufen hinab zu einem Pflasterweg unter Apfelbäumen, wo Hühner herumpickten. Dies war ein Teil des Hofes, den ich bisher nicht gesehen hatte. Entlang der einen Seite wuchs eine hohe, dichte Taxushecke, die den Hof zum Tennisplatz abschirmte – dieser hellen Sonnenwüste in nur zehn Metern Entfernung, die ich mir voller Ehrfurcht vorstellte, während ich im Schatten zwischen den Hühnern herumtrödelte. Für die Hühner gab es mehrere mit Maschendraht eingezäunte Freiflächen, mit einem roh gezimmerten kleinen Stall auf der einen Seite und einem Tor, das an eine
