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Die deutsche Bürokratie galt einstmals in der ganzen Welt als vorbildlich. Deshalb musste sie fast nie geändert werden. Sagen die einen. Andere weisen auf erhebliche Missstände hin. So würden beispielsweise niedere Wesen wie Grasmücken und Fledermäuse gegenüber Bürgern bevorzugt, andererseits aber auch durch Waldbrände oder Überschwemmungen umgebracht werden. Ob sie, die einst perfekteste Bürokratie der Welt, aber vielleicht doch geändert werden sollte? Diese Frage konnte bislang nicht beantwortet werden. Deshalb wurde 1993 eine Verwaltungskonferenz einberufen. Diese ist inzwischen offenbar zu einer Dauereinrichtung geworden, ist jedoch selbst über die Klärung ihrer Aufgabenstruktur und -abgrenzung sowie die Zuständigkeiten nicht weit hinausgekommen.
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Die deutsche Bürokratie galt einstmals in der ganzen Welt als vorbildlich. Deshalb musste sie fast nie geändert werden. Sagen die einen. Andere weisen auf erhebliche Missstände hin. So würden beispielsweise niedere Wesen wie Grasmücken und Fledermäuse gegenüber Bürgern bevorzugt, andererseits aber auch durch Waldbrände oder Überschwemmungen umgebracht werden.
Ob sie, die einst perfekteste Bürokratie der Welt, aber vielleicht doch geändert werden sollte? Diese Frage konnte bislang nicht beantwortet werden. Deshalb wurde 1993 eine Verwaltungskonferenz einberufen. Diese ist inzwischen offenbar zu einer Dauereinrichtung geworden, ist jedoch selbst über die Klärung ihrer Aufgabenstruktur und – abgrenzung sowie die Zuständigkeiten nicht weit hinausgekommen.
Tausende von Sitzungsprotokollen sind jedoch bereits verabschiedet, wie inzwischen die erste und zweite Sesselssitzungsgarnitur samt verstorbenen Mitgliedern auch.
Der vorliegende schmalen Protokollauszug mit den üblichen Bürokritzeleien konnte von investigativen Journalisten herausgeschmuggelt werden.
Dieser Mensch, unser Autor, wurde von der Verwaltungskonferenz beauftragt eine Aufklärungsschrift über die Bürokratie anzufertigen. Dieses Produkt liegt jetzt vor Ihnen.
Es ist ein richtiges buntes Kaleidoskop geworden. Die Bürokraten waren erschrocken über die Unordnung, die sie jedoch selbst angerichtet hatten. Einige waren schockiert und schmissen ihren Beruf an den Nagel oder hängten sich sofort selbst daran auf.
Für alle übrigen überlebenden Neugierigen, denen unser Dank für ihr Verständnis gilt, wurde ein wenig Ordnung geschaffen. Zur besseren Übersicht wurde das Geschriebene auf vier Kapitel verteilt, nämlich:
ab Seite 9:
1. Was ist Bürokratie und wofür ist sie gut? ab Seite 73:
2. Was sind die Bürokraten für Menschen? ab Seite 139:
3. Welche Dienstleistungen oder Produkte geben sie uns? ab Seite 224:
4. Verschiedenes und was noch zu erwähnen ist…
Was für Menschen sind die Bürokraten?
Gelegentlich sind die Eigenschaften, die man braucht, um ein Amt zu bekommen, nicht dieselben, die man braucht, um es auszufüllen. (OB Manfred Rommel)
Ein Arbeitstag des Bürokraten Protokollamtmann Otto Klung
7.30 Uhr Ins Büro geht Klung nicht gern, denn er ist bloß subaltern.
8.00 Uhr Morgens kommt er immer … wann? Das zeigt ihm die Stechuhr an.
8.05 Uhr Vor sei‘m Zimmer bleibt er stehn, es hat Nummer tausendzehn.
8.10 Uhr Dort ergreift er den Kalender, um das Datumsblatt zu ändern.
8.20 Uhr Und dann prüft er Blatt um Blatt die Termine, die er hat.
9.00 Uhr Das erheitert seine Miene: Frühstück gibt’s in der Kantine.
9.30 -12.00 Uhr Ist der Bauch jetzt voll, Kopf leer, hilft ein Aktenstudium sehr.
12.00 – 14.00Uhr Mittagessen, Schlaf und Klo - Personalrat will das so.
14.00 -16.00 Uhr Jetzo kommen Advokaten, die zum Feierabend raten … und ganz toll: Otto schreibt das Prot-otto-koll.
16.00 Uhr. Nun geht man zufrieden heim, wieder ganz normal zu sein. (Wo oder was kratiert Herr Klung? Abteilung Selbstbeschäftigung … )
Das Betriebsklima ist bislang noch nicht durch einheitliche und effiziente Maßnahmen „verrechtlicht“ worden. Wie üblich sind die Bürokratien von Brüssel sowie die nachgeordneten Nationalbehörden im obligo. Nicht einmal eine einheitliche Sommer- oder Winterbürotemperatur ist vorgeschrieben. So gehen z. B. die Beamten von Portugalisien zu anderen Tagen und Uhrzeiten im Atlantik baden als die Bürokraten von Irlandien. Bisherige Versuche beschränken sich eher auf “Richtlinien für Weihnachtsfeiern oder auf extrem firmenspezifische Regeln der Süßwarenindustrie, wie das nachfolgende Beispiel erweist.
Eine ernüchternde Studie aus Bulgarien hat jedoch gezeigt, dass die Raffinadequalität keineswegs ausschlaggebendes Merkmal ist, es kommt vielmehr darauf an – und hier begegnen wir dem Mutter-Kind-Verhältnis beim Stillen – wer den Lolly hat und wie dieser dargeboten wird. Das jedoch dürfte dem Klima völlig egal sein. Sie fragen „warum?“ Wie fast alles auf unserer Erde ist auch das tägliche Wetter und das langfristige Klima untersucht worden. Im Ergebnis kann man jedoch sagen: Es macht immer noch das, was es will. Es lässt sich eigentlich überhaupt nix von den Menschen sagen oder gar befehlen. Und wenn der Mensch auch noch so viel Schaden anrichtete – er kriegt alles ganz dick zurück. Wenn auch in anderer Form. Verursacht durch Be- und Umtriebe des Menschen selbst. Hier könnte die moderne Bürokratie ein Betätigungsfeld finden, das den Eifer der Bürokraten hervorlocken sollte, um das Klima zu beruhigen und das Wetter zu disziplinieren: Einheitliches Wetter für ALLE!
Spätestens jetzt sollte Ihnen Frau Holle einfallen, die liebe Frau im Himmel, die auch über Wolken, Schnee oder Regen herrscht. Wer ihre Anordnungen befolgt, wird mit Goldregen belohnt und wer nicht, der wird mit schwarzen Restölprodukten übergossen, also geteert. Darauf angesprochen, konterte ein Ölmanager: „Super, dann müssten wir nicht mehr bohren!“
Bisher ist die Menschheit mit fast jedem Übel fertig geworden… aber das Klima lässt sie nicht mehr los.
„Das Flaggschiff, der ganze Stolz des deutschen Beamtentums, war früher die Post. Ende des 19. Jahrhunderts galt das deutsche Postwesen als eines der großen Wunder der modernen Welt… Es dauerte nicht lange, bis in vielen aufstrebenden Nationalstaaten Europas und Amerikas das halbe Regierungsbudget auf das Postwesen verwendet wurde und über die Hälfte aller Beamten bei der Post beschäftigt waren... Im Falle von Deutschland könnte man sogar behaupten, dass die Nation in erster Linie durch die Post geschaffen worden sei. Mark Twain, der zwischen 1891 und 1892 in Berlin lebte, war davon so begeistert, dass er… darüber schrieb. Im „Postals Service“ pries er die verblüffende Effizienz der Einrichtung an. Er war jedoch nicht der einzige Ausländer, der sich beindruckt zeigte… Wladimir Iljitsch Lenin schrieb: „Die gesamte Nationalökonomie nach dem Vorbild das Postwesen zu organisieren, so dass Techniker, Vorarbeiter, Buchhalter sowie alle Beamten Gehälter beziehen, die nicht höher sind als das Gehalt eines durchschnittlichen Arbeiters und der Führung und Kontrolle des bewaffneten Proletariats unterstehen – das ist unser unmittelbares Ziel.“ (Graeber, David, a,a,O., S. 188, ff)
Wir alle kannten die Post, oder etwa nicht? Über 50.000 Leute arbeiteten bei der Post. Die Post war ihr Arbeitgeber. Und damit auch einer der größten Bürobesitzer mit einer riesigen Bürokratie. Sie hatte sogar damals einen eigenen Bundespostminister wie den Minister Dollinger (1966-69). Der wurde mal gefragt, warum er eine Postdienstanweisung erlassen hatte, die den Unterschied von „Wertsäcken“, „Wertbeuteln“, „Versandbeuteln“ und „Wertpapiersäcken“ erklären sollte. Doch davon wusste der Minister noch gar nichts. Die damaligen Bürokratieforscher fanden das aber heraus: Der „Wertsack“ ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung im Postbeförderungsdienst nicht „Wertbeutel“ sondern „Wertsack“ genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in dem Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden. Diese Sachlage machte allen Beteiligten unmissverständlich klar, dass der Postdienst dringend einer Reform unterzogen werden müsste. Rund 30 Jahre später war es soweit. Die bisherige Deutsche Bundespost wurde aufgelöst. Statt dessen wurde drei neue Aktiengesellschaften gegründet: Die Deutsche Post AG,die Deutsche Postbank AG, und die Telekom, drei große neue Bürokratien. Manche ehemalige Dienstleistungen der Post wurden auch an andere Dienstleister vergeben, wie insbesondere der Warenversand. Dudelsäcke übrigens gehören nicht zu diesen postalischen Säcken. Auch wurde das Posthorn nicht aus dem Dudelsack entwickelt – auf diese Feststellung legen die ehemaligen Postler bzw. die sog. Postillione großen Wert.
Trara, trara, die Post ist da,
von weitem hör ich schon den Ton,
sein Liedlein bläst der Postillion,
Er bläst aus voller Kehle,
er bläst aus voller Seele,
die Post ist da, trara
die Post ist da, trara.
(Aus einem bekannten Kinderlied)
Rommels Ratschläge
Manfred Rommel (1928-1996) hatte Jura und Staatswissenschaften in Tübingen studiert, fast die ganze Beamtenlaufbahn bis zum Staatssekretär absolviert und wurde 1975-1996 OB von Stuttgart … ein weiser und beliebter Bürokrat, der drei Mal gewählt wurde.
In seiner Amtszeit wurde der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs 1994 erstmals vorgestellt. Der Umbau ist heute, 2025, noch nicht abgeschlossen.
Während seiner Amtszeit und danach entstanden seine Gedichte und Sprüche, an denen sich sowohl Bürokraten wie solche, die es nicht sein wollen, aber wohl doch sind, immer wieder erfreuen. Hier eine kleine Auswahl:
Der Stadtverwaltung täglich Brot ist und bleibt der Hundekot.
Am häufigsten wird das vermisst, was man dort sucht, wo es nicht ist.
Der Ganove bietet Trutz
der Polizei und kann entkommen,
denn unser guter Datenschutz
hat ihn in Schutz genommen.
Ach, nun seien wir doch ehrlich,
wer etwas kann, ist auch gefährlich.
Drum wünschen wir uns eine Null
Auf manch einem Ministerstuhl.
Frei von des Gedankens Bürde
Strahlt er aus des Amtes Würde.
Dem Betriebsrat kommt das Grausen,
es gibt noch unbezahlte Pausen.
Wer dauernd kritisiert wird, bekommt in der Regel kein besseres Gewissen, sondern ein dickeres Fell.
Solides Management: Gewinne erzielen wir keine, aber wir halten die Verluste in Grenzen.
Gelegentlich sind die Eigenschaften, die man braucht, um ein Amt zu bekommen, nicht dieselben, die man braucht, um es auszufüllen.
Es ist erstaunlich, wieviel Verstand aufgewendet wird, um nicht denken zu müssen.
Zu viele und zu engmaschige Reglementierungen laufen von vornherein Gefahr, nicht beachtet zu werden.
Wenn ein Zug auf der falschen Strecke fährt, lässt sich dieser Fehler nicht durch erhöhte Geschwindigkeit ausgleichen. Lieber ein kleiner Schritt auf dem richtigem Weg als zehn große auf dem falschen.
Doch wer sich um sich selber dreht,
steht dann dort, wo er schon steht.
In Deutschland glauben wir nach wie vor, dass einer um so mehr recht hat, je höher die Ebene ist, auf der er sich aufhält.
(Rommel, Manfred, Gesammelte Gedichte, 1993; Gesammelte Sprüche, 1995; Neue Sprüche und Gedichte, 2000, Stuttgart)
Bürokraten können auch ausfliegen. Jahrtausende lang haben Vögel, ja und sogar Säugetiere, wie zum Beispiel Fledermäuse, es vorgemacht.
Nix hat geklappt. Weder Kurz- noch Langstreckenflüge. Beim Zugucken von Schmetterlingen fiel ihnen nichts Besseres ein, als die Tiere aufzupieksen und Vögel gleich zu rupfen und – mit deren Eiern zusammen – aufzuessen.
In einer frühen Konstruktionszeichnung – siehe Graphik – hat der Niederländer Maurits Cornelis Escher (1898-1972) Flüge von Vögeln aus Nordeuropa nach Südeuropa samt Rückflug studiert. Als einer der Ersten hat er die sensationelle Körperbauweise der Tiere untersucht, die bekannt dafür sind, jedes Jahr rückwärts zu fliegen, von Nord nach Süd und umgekehrt. Aber seit fast 100 Jahren müssen wir das auch, fliegen wir ebenfalls in alle Richtungen. Von Dortmund zur Oma in Frankfurt und wieder zurück, Oder nach Honoluhuhu und nach 2Wochen wieder zurück. Ja, richtig, es war der Uhu, der zuerst dort war.
Dieses merkwürdige Verhalten wird von Bürokraten nachgeahmt. Sie haben dafür den Namen Betriebsausflug gewählt und außerdem dafür gesorgt, dass keiner arbeiten muss, damit nämlich der ganze Betrieb ausfliegt. Das ist edelmütig und kollegial. Dafür ist er zuständig. Jeder Bürokrat möchte für etwas zuständig sein . Das scheint ihr Lebensziel zu sein.
Ist es den Gewerkschaften doch fast gelungen, die Wochenarbeitszeit zu halbieren, so wird es sicherlich so weit kommen, dass bald bei vollem Lohnausgleich überhaupt nicht mehr gearbeitet werden darf. Das lässt uns hoffen, dass die – vor allem bürokratische – Arbeit durch mehr Betriebsausflüge ersetzt werden kann. Der Bürokratie bleibt jedoch eine Überlebenschance: Die Bürokratisierung der Betriebsausflüge – und Deutschland wäre wirklich frei, frei von uns.
Neben dem Betriebsklima ist auch der Betriebssport noch nicht „durchbürokratisiert“.
Schon beim Fußball sind die Defizite immer noch deutlich. Die geringe Torgröße korrespondiert mit dem mageren Output, einem sehr dürftigen Torverhältnis, oft nur ein Tor in 90 Minuten, langweilig! Ineffektiv, Beruf verfehlt – aber regelgerecht, alles nach Vorschrift! Lauter Defizite, Verlustgeschäft. Jetzt wurden die Bürokratenmanager wach. Japan machte es vor. Honda gegen Siemens, gegen Toyota gegen Apple oder NASA. Aber auch das reichte noch nicht. Wenn die höchstbezahlten „Leistungssportler“ meist daneben schießen oder nach 90 Minuten immer noch kein Tor gefallen ist… Dann leidet auch die Geduld des Zuschauer, der dann aus Verärgerung beim Autokauf von Ford-X-Stadt nach -Y-Auto Turin wechselt. In Brüssel wurde eine Krisensitzung einberufen – konnten sie Verbesserungsvorchläge machen? Natürlich nicht… was soll man denn von ausgemusterten Partei-freunden und verkalkten Politikern erwarten? Da – sehen Sie selbst:
Betriebssport im Alter: Alles muss größer werden. Die Fußballtore, die Golflöcher, und was ist mit unseren beliebten Aktenlöchern? Welcher Tintenkleckser schmeißt seinen Tintenfederhalter ins Aktenloch und macht den größten Klecks? Die mächtigste Waffe jedes Bürokraten: Ein Tintenklecks – und weg ist der Dreck …
Wer sich nicht mehr bücken kann, spielt Golf.
Gustav Klemm hat es am weitesten gebracht. Als Teleweitspucker hat er das ganze Tätigkeitsfeld unter sich, Stadt und Land.
Schließlich hatte Mr. Nobody die zündende Idee: „Orientieren wir uns an der TV-Konkurrenz … 5 Filme pro Tag mit 16 Krimileichen … können wir auch, Löwen in die Manage… haben wir doch schon immer gewusst, hohe Einschaltquoten… alle wollen das. “Panem et circenses“, Naturkatastrophen, Weltraumkriege, damit sich Freizeit wieder lohnt!
Und der Fortschritt hört nie auf. Heute werden die Gladiatoren (wieder) gekauft und kämpfen für den Betrieb, Sponsor gegen Sponsor… Autostadt gegen Autostadt!
Auch die Bürokraten des Versicherungswesens, eines Wirtschaftszweiges, das vom gegenseitigen Vertrauen von Versicherern und den Versicherten bestimmt ist, haben ihren angeborenen Sinn für Humor noch nicht verloren. Im Gegenteil, wird doch aus ihren Kreisen die folgende Begebenheit kolportiert:
Ein Anwalt aus Charlotte, North Carolina, kaufte sich eine Schachtel sündhaft teurer Zigarren, um sie danach gegen Feuer versichern zu lassen. Keinen Monat später, nachdem er alle aufgeraucht hatte und obwohl seine erste Versicherungsprämie noch gar nicht bezahlt hatte, reichte der Anwalt eine Schadenersatzklage ein. Darin erklärte er, die Zigarren seien „bei einer Abfolge kleinerer Feuer“ verloren gegangen. Aus nahe liegenden Gründen verweigerte die Versicherungsgesellschaft die Auszahlung: Immerhin hatte der Mann die Zigarren ja nur ihrer Bestimmung gemäß geraucht. Trotzdem setzte der Anwalt sich durch. In seiner Verfügung pflichtete der Richter der Ver-sicherungsgesellschaft zwar darin bei. dass die Klage eigentlich nicht ernst zu nehmen sei. Doch stellte er zugleich fest, dass der Anwalt im Besitz einer Police eben jener Gesellschaft war, in der diese zusicherte, dass die Zigarren versicherungsfähig waren und überdies garantierte, sie gegen Feuer zu versichern. Nicht festgelegt worden war, welche Art Feuer unannehmbar war, deshalb müsse der Klage statt gegeben werden. Die Gesellschaft zahlte dem Anwalt 15.000 Dollar für den Verlust seiner Zigarren in den „Feuern“. Nachdem der Anwalt den Scheck eingelöst hatte, ließ ihn die Versicherungsgesellschaft allerdings in 24 Fällen von Brandstiftung festnehmen. Unter Zuhilfenahme seiner eigenen Klageschrift wurde der Anwalt für schuldig befunden, sein versichertes Eigentum mutwillig verbrannt zu haben. Er erhielt 2 Jahre Gefängnis und eine Strafe in Höhe von 24.000 Dollar. Dies ist eine wahre Geschichte. (Symons, Mitchell, Wussten Sie das auch schon…?, München, 2005, S. 144) Somit ist auch bereits erklärt, warum es so viele Menschen gibt, die gerne im Versicherungsgewerbe arbeiten: Im Jahr 2007 waren es rund 218.000 Angestellte. In der deutschen Individualversicherung ist sie damit ein bedeutender Wirtschaftszweig unserer Dienstleistungsgesellschaft. Der richtige Umgang mit dem Tabak will also gelernt sein. Hier vier wichtige Ratschläge:
(1863-1872)
1. Gottesfurcht, Sauberkeit und Pünktlichkeit sind die Voraussetzungen für ein ordentliches Geschäft.
2. Das Personal braucht jetzt nur noch an Wochentagen zwischen 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags anwesend zu sein. Der Sonntag dient dem Kirchgang. Jeden Morgen wird im Hauptbureau das Gebet gesprochen.
3. Es wird von jedermann die Ableistung von Überstunden erwartet, wenn das Geschäft sie begründet erscheinen läßt.
4. Der dienstälteste Angestellte ist für die Sauberkeit des Bureaus verantwortlich. Alle Jungen und Junioren melden sich bei ihm 40 Minuten vor dem Gebet und bleiben auch nach Arbeitsschluß zur Verfügung.
5. Einfache Kleidung ist Vorschrift. Das Personal darf sich nicht in hellschimmernden Farben bewegen und nur ordentliche Strümpfe tragen. Überschuhe und Mäntel dürfen im Bureau nicht getragen werden, da dem Personal ein Ofen zur Verfügung steht. Ausgenommen sind bei schlechtem Wetter Halstücher und Hüte. Außerdem wird empfohlen, in Winterszeiten 4 Pfund Kohle pro Personalmitglied mitzubringen.
6. Während der Bureaustunden darf nicht gesprochen werden. Ein Angestellter, der Zigarren raucht, Alkohol in irgendwelcher Form zu sich nimmt, Billardsäle und politische Lokale aufsucht, gibt Anlaß, seine Ehre, Gesinnung, Rechtschaffenheit und Redlichkeit anzuzweifeln.
7. Die Einnahme von Nahrung ist zwischen 11.30 und 12.00 Uhr erlaubt. Jedoch darf die Arbeit dabei nicht eingestellt werden.
8. Der Kundschaft und Mitgliedern der Geschäftsleitung ist mit Ehrerbietung und Bescheidenheit zu begegnen.
9. Jedes Personalmitglied hat die Pflicht, für Die Erhaltung seiner Gesundheit Sorge zu tragen, im Krankheitsfalle wird die Lohnzahlung eingestellt. Es wird daher dringend empfohlen, daß jedermann von seinem Lohn eine hübsche Summe für einen solchen Fall wie auch für die alten Tage beiseitelegt, damit er bei Arbeitsunvermögen und abnehmender Schaffenskraft nicht der Allgemeinheit zur Last fällt.
10. Zum Abschluss sei die Großzügigkeit dieser neuen Bureauordnung betont. Zum Ausgleich wird eine wesentliche Steigerung der Arbeit erwartet.
Nachtrag:
Aus aktuellem Anlaß sind ferner alle Spitzen von Spitzbärten auf maximal 3 cm Länge zurückzuschneiden, so daß die Spitzen mit den offenen Tintenfässern oder frisch auf das Papier aufgetragener Tinte nicht in Berührung kommen können.
In Schweden wird meistens im Mittsommer gemordet – offenbar beim Mittagsschlaf. Für den sympathischen schwedischen Kommissar Wallander ist deshalb vieles einfacher als für seine Kollegen in Deutschland, denn: “Wer schläft, sündigt nicht“ und macht keine Fehler, so der auf den Sonntagsgottesdienst hinweisende genervte deutsche Papst.
Der Büroschlaf ist eine beliebte Erholung und ganz besonders gesund, weil man dabei gleichzeitig schlafen und Geld verdienen kann. (DIE ZEIT, 2.1. 1959)
In Japan durchaus anerkannt, bei uns eher verpönt, der Büroschlaf: Dabei kann er die Konzentrationsfähigkeit erheblich steigern, (Hamburger Abendblatt, 21.6.1914)
Aktenberge sind eine Last und in keiner Behörde gern gesehen, aber als Kopfstütze für den Büroschlaf kaum noch zu gebrauchen. (Der Tagesspiegel, 4.6.2002)
