Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Netzwerke sind in aller Munde. Aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten zur Selbstkoordination gelten sie oft als die ökonomische Struktur der Zukunft - dabei können Netzwerke auf eine lange Geschichte zurückblicken. Dieser interdisziplinäre Sammelband arbeitet anhand empirischer Fallstudien über vergangene und gegenwärtige Netzwerke die Stärken und Schwächen dieser Organisationsform ökonomischer Aktivitäten heraus und untersucht unterschiedlichste Netzwerktypen von regionalen Clustern bis zu personalen Netzwerken und Handelsnetzwerken. Erstmals haben sich Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen von der Betriebswirtschaftslehre bis zur Soziologie, von der Wirtschaftsgeschichte bis zur Volkswirtschaftslehre zusammengefunden, um das Thema Netzwerke ohne fachliche Scheuklappen zu analysieren und den Forschungsstand zu bilanzieren.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 603
Veröffentlichungsjahr: 2007
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Netzwerke sind in aller Munde. Aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten zur Selbstkoordination gelten sie oft als die ökonomische Struktur der Zukunft - dabei können Netzwerke auf eine lange Geschichte zurückblicken. Dieser interdisziplinäre Sammelband arbeitet anhand empirischer Fallstudien über vergangene und gegenwärtige Netzwerke die Stärken und Schwächen dieser Organisationsform ökonomischer Aktivitäten heraus und untersucht unterschiedlichste Netzwerktypen von regionalen Clustern bis zu personalen Netzwerken und Handelsnetzwerken. Erstmals haben sich Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen von der Betriebswirtschaftslehre bis zur Soziologie, von der Wirtschaftsgeschichte bis zur Volkswirtschaftslehre zusammengefunden, um das Thema Netzwerke ohne fachliche Scheuklappen zu analysieren und den Forschungsstand zu bilanzieren.
Prof. Dr. Hartmut Berghoff ist Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Göttingen. Prof. Dr. Jörg Sydow ist Inhaber des Lehrstuhls Unternehmenskooperation am Institut für Management der Freien Universität Berlin.
Hartmut Berghoff, Jörg Sydow (Hrsg.)
Unternehmerische Netzwerke
Eine historische Organisationsform mit Zukunft?
Verlag W. Kohlhammer
Gedruckt mit Unterstützung der Schmölders-Stiftung für Verhaltensforschung im Wirtschaftsleben
Alle Rechte vorbehalten © 2007 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-019423-6
E-Book-Formate
pdf:
epub:
978-3-17-027014-5
mobi:
978-3-17-027015-2
Vorwort
Einleitung
Hartmut Berghoff und Jörg SydowUnternehmerische Netzwerke – Theoretische Konzepte und historische Erfahrungen
1. Handelsnetzwerke
Ulf Christian Ewert und Stephan SelzerNetzwerkorganisation im Fernhandel des Mittelalters: Wettbewerbsvorteil oder Wachstumshemmnis?
Christof DejungHierarchie und Netzwerk. Steuerungsformen im Welthandel am Beispiel der Schweizer Handelsfirma Gebrüder Volkart (1851–1939)
2. Personal- und Kapitalverflechtungen
Martin FiedlerEigentümer und Netzwerke: Zum Verhältnis von Personal- und Kapitalverflechtung in deutschen Großunternehmen, 1927 und 1938
3. Innovationsnetzwerke
Hartmut Hirsch-KreinsenGenese und Wandel von Innovationsnetzwerken – Produktionstechnische Entwicklung
Ralf Richter»Is friendly co-operation worth while?« – Die Netzwerke der Werkzeugmaschinenbauer von Chemnitz (Deutschland) und Cincinnati (USA), 1890er bis 1930er Jahre
4. Netzwerke in regionalen Clustern
Walter KaiserRegionales Cluster oder globaler Knoten? Automobiltechnik im Raum Stuttgart
Jörg Sydow und Frank LerchPfade der Netzwerkentwicklung im Feld optischer Technologien – Die Region Berlin-Brandenburg zwischen Emergenz und Planung
5. Management intra- und interorganisationaler Netzwerke
Gisela Hürlimann»Wir fahren mit Takt.« Der Spinnerclub und die Taktfahrplan-Innovation bei den Schweizerischen Bundesbahnen (1968–1982)
Florian Stadlbauer, Thomas Hess und Stefan WittenbergManagementpraxis in Unternehmensnetzwerken. Eine Analyse des Instrumenteneinsatzes in deutschen Netzwerken am Anfang des 21. Jahrhunderts
6. Dunkle Netzwerke
Jürgen NautzNetzwerkstrukturen im Frauenhandel der Habsburger Monarchie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Thomas Welskopp»Die im Dunkeln sieht man nicht«: Systematische Überlegungen zu Netzwerken der Organisierten Kriminalität am Beispiel der amerikanischen Alkoholsyndikate der Prohibitionszeit
Dieser Band ist das Ergebnis eines gemeinsamen Abenteuers, eines im wörtlichen Sinne Joint Ventures, eines Unterfangens, das die historische Forschung aus dem Bereich der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte mit der überwiegend gegenwartsbezogenen Forschung aus Betriebswirtschaftslehre sowie Organisations- und Wirtschaftssoziologie zusammenbringt. Motiviert war dieses Abenteuer durch das Interesse von uns Herausgebern an einer möglichst umfassenden Aufarbeitung der historischen Forschung zu unterschiedlichen Typen von Netzwerken und der Diskussion ihres möglichen Erkenntnisbeitrags für ein besseres – und das heißt vor allem ausgewogeneres und kontextualisiertes – Verständnis der aktuellen Netzwerkformen. Gleichzeitig sollten Beiträge den Band ergänzen, die zwar aus der gegenwartsbezogenen Betriebswirtschaftslehre sowie Soziologie stammen, gleichwohl aber für die historische Forschung anschlussfähig sind. Nicht zuletzt soll dieses Buch ja den längst überfälligen Dialog zwischen beiden Forschungsrichtungen stimulieren.
Die in diesen Band aufgenommenen Beiträge sind aus einer größeren Zahl von Vorschlägen, die uns auf einen 2005 ergangenen Call for Papers hin erreichten, ausgewählt worden. Sie wurden dann in einer ersten Fassung auf dem 29. Wissenschaftlichen Symposium der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) in Stuttgart im Oktober 2006 vorgestellt, kommentiert und diskutiert und sodann für die Publikation auf der Grundlage dieser Kommentare und Diskussionen gründlich überarbeitet. Es folgte eine Begutachtung durch die Herausgeber und externe Gutachter, an die sich eine weitere Überarbeitungsrunde anschloss.
Den Autoren danken wir dafür, dass sie sich ohne großes Murren dieser Mühe unterzogen haben und unseren manchmal recht weitreichenden Anregungen und Wünschen gefolgt sind. Als Kommentatoren und Gutachter haben neben den meisten in diesem Band präsenten Autoren noch Rudolf Boch, Elmar Gerum, Stefan Gorissen, Werner Plumpe, Michael Reiß, Arnold Windeler und Dieter Ziegler mitgewirkt. Dafür danken wir ihnen. Irmgard Hoemke kümmerte sich mit großem Engagement um die Endredaktion des Bandes. Dank schulden wir auch der GUG für die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Symposiums, der DaimlerChrysler AG für ihre großzügige Gastgeberrolle im neu eröffneten Mercedes-Benz-Museum sowie nicht zuletzt auch der Schmölders-Stiftung für Verhaltensforschung im Wirtschaftsleben für einen Druckkostenzuschuss, der die Veröffentlichung dieses Bandes in einem angesehenen Verlag wie Kohlhammer ermöglichte.
Göttingen und Berlin-Dahlem im Mai 2007
Hartmut Berghoff und Jörg Sydow
Hartmut Berghoff und Jörg Sydow
Cluster; Netzwerk; Innovation; Pfadabhängigkeit; Geschichte; Netzwerktheorie
Unternehmerische Netzwerke werden einleitend als eine moderne und zugleich auch historische Organisationsform ökonomischer Aktivitäten vorgestellt. Den Gründen für die Aktualität dieses Phänomens wird ebenso nachgespürt wie den Schwierigkeiten, Netzwerke definitorisch exakt zu fassen. Dieser Beitrag plädiert für eine Netzwerktheorie, die historisch sensitiv ist und Entwicklungsprozesse mit ihren Pfadabhängigkeiten abzubilden vermag. Zudem betont er die Ambivalenzen von Netzwerken, deren Stärken und Schwächen anhand historischer Befunde hervortreten. Um der Vielfalt der aktuellen wie historischen Ausprägungen von Netzwerken gerecht zu werden, unterscheidet der Beitrag sechs Typen interorganisationaler Netzwerke, ergänzt um einen weiteren Typus, um intraorganisationale Netzwerke. Diesen sieben Kategorien werden historische Fallstudien sowie die Beiträge dieses Bandes zugeordnet.
In this introduction, business networks are introduced as an organisational form of economic activities that play an ever-growing role today, but can also look back on a long history. Then this chapter analyses why networks are still increasingly considered efficient economic structures and why it is so difficult to develop a stringent definition of them. This chapter advocates a network theory that is historically grounded and able to understand path-dependencies. Moreover, the ambiguities of networks are stressed, as historical evidence reveals their advantages and disadvantages alike. In order to do justice to the huge variation of networks, this chapter distinguishes six different types of inter-organisational networks, and adds intra-organisational networks as a seventh category. These types of networks are used to order the case studies presented in this volume and to summarise the state of the art in historical network research before, finally, raising central questions that are addressed by the chapters that follow this introduction.
1 Netzwerke, Netzwerke, Netzwerke. Einleitung
2 Vom Nutzen der historischen Netzwerkforschung für die aktuelle Diskussion
3 Der historische Hintergrund der aktuellen Netzwerkeuphorie
4 Zur Theorie und Definition unternehmerischer Netzwerke
5 Netzwerktypologien in Theorie und Empirie
5.1 Internationale Handelsnetzwerke
5.2 Personale Netzwerke und Kapitalverflechtungen
5.3 »Dunkle Netzwerke«
5.4 Netzwerke in regionalen Clustern
5.5 Innovationsnetzwerke – Unternehmertum in und mit Netzwerken
5.6 Strategische Allianzen und Netzwerke
5.7 Netzwerke in der Hierarchie: Intraorganisationale Netzwerke.
6 Schlussüberlegung.
Das Netzwerk als spezifische Organisationsform ökonomischer Aktivitäten zwischen Markt und unternehmensinterner Hierarchie oder auch jenseits dieser beiden Pole gilt heute vielfach als die ökonomische Struktur der Zukunft. Die lose gekoppelte, tendenziell vertrauensbasierte Kooperation, die nicht primär durch Preismechanismus oder Anweisungen gesteuert wird, soll gleichsam der Schaltplan der Gesellschaft und Wirtschaft des 21. Jahrhunderts sein. Einige Autoren sehen im Netzwerk die Signatur eines neuen Zeitalters und sprechen von der »Netzwerkgesellschaft« oder dem »network age« (Castells 1996; Boltanski/Chiapello 2003; Wolf 2000). Ein Teil der Literatur zeichnet sich durch eine naive Euphorie aus und behauptet implizit oder explizit, dass die gescheiterten alten Hierarchien (Großunternehmen, Staat, Bürokratien) durch die egalitäre und demokratische, humane und persönliche Struktur des Netzwerkes ersetzt werde (skeptisch: Casson 2003, S. 21).
Angetrieben vom Bedeutungsverlust physischer Distanzen im Zuge der Globalisierung, der kommunikationstechnischen Vernetzung von immer mehr ökonomischen Akteuren und der Notwendigkeit enger Zusammenarbeit bei der Entwicklung komplexer Produkte und Dienstleistungen scheint sich die Abgrenzung zwischen Unternehmen und ihrer Umwelt tatsächlich zunehmend zugunsten fließender, bei Bedarf flexibel zu rekonfigurierender Übergänge abzuschwächen; wirklich »grenzenlos« (Picot et al. 2003) werden dabei Unternehmen und auch andere in Netzwerken zusammenarbeitende Organisationen allerdings nicht. Dies ist nicht besonders überraschend, ist doch selbst die der informations- und kommunikationstechnischen Vernetzung zugrunde liegende Infrastruktur – das Internet – alles andere als ein grenzenloser Raum.
In den 1980er Jahren wurde das Leitkonzept des integrierten Großunternehmens aufgegeben. Anstatt auf die Kraft der Größe zu setzen, schlugen Konzerne vermehrt Fokussierungs- und Fragmentierungsstrategien ein, d.h. setzten auf den organisatorischen Rückbau in Richtung »schlanker«, »flexibler« und zunehmend kleinerer Einheiten. Galten bis dahin »economies of scale and scope« als universelles Erfolgsgeheimnis, erschienen die auf dieser Basis entstandenen Großunternehmen nun als unbewegliche Kolosse, als todgeweihte Dinosaurier. Kleinere Einheiten versprachen geringere organisatorische Trägheitsmomente, mehr Adaptabilität und schnellere Reaktionen auf sich wandelnde Marktkonstellationen sowie vor allem niedrigere Koordinationskosten. Die Kooperationsleistung, die man einst internen Managementstrukturen zutraute, wurde nun zunehmend an externe Netzwerke delegiert, da eine reine Markttransaktion offenbar zu hohe Transaktionskosten verursachte.
Die Wirtschaftsgeschichte hat jedoch in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, dass die Volkswirtschaften weder vor noch nach 1970 von Großunternehmen beherrscht wurden und auch die Abgrenzung zwischen Unternehmen und ihrer Umwelt in der Vergangenheit keineswegs so rigide war, wie die These einer scharfen Zäsur um 1970 behauptet. Gerade in der vorindustriellen Zeit spielten kollektive, über Unternehmensgrenzen hinausgreifende organisatorische Arrangements eine wichtige Rolle. Für die Industrialisierung besaßen Netzwerke eine weitaus größere Bedeutung, als es das liberale Modell des Individualkapitalismus zugibt (Pearson/Richardson 2001; Laird 2006). Fernhandel und Großbaustellen seit dem Mittelalter, das Verlagssystem vor allem in der Textil- und Kleineisenindustrie seit der Frühen Neuzeit sowie die seit dem 19. Jahrhundert in regionalen Clustern oder überregionalen Zulieferringen organisierten Industrien stellen Netzwerke dar, die prägende Elemente der jeweiligen Wirtschaft waren. Ethnische, religiöse, freundschaftliche und verwandtschaftliche Netzwerke haben wirtschaftliches Handeln – auch und gerade über Unternehmensgrenzen hinweg – schon seit langem begleitet und unterstützt. Netzwerke mit ihren spezifischen Fähigkeiten zur Selbstkoordination und Selbstverpflichtung haben insofern zahlreiche historische Vorläufer (Sydow 1992, S. 54 ff.; Berghoff 2004a, S. 172 ff.) und sind keine Erfindungen unserer Gegenwart.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
