Until the Light destroys - Alessia Gold - E-Book

Until the Light destroys E-Book

Alessia Gold

0,0
12,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Mitreißend, romantisch, intrigant und mysteriös Xara ist mitten in ein Spiel aus Leidenschaft und Macht geraten, seitdem der Vampirfürst Dorian und sein charismatischer Diener Juraj sie für ihre verstorbene Liebe halten. Während sie versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, stößt sie auf immer mehr Geheimnisse. Ausgerechnet Juraj, von dem sie sich besonders verstanden gefühlt hat, scheint ganz eigene Ziele zu verfolgen. Doch bevor Xara mehr herausfinden kann, kommt ihr der verfeindete Vampirclan zuvor, und bringt sie in seine Gewalt. Sie ist der Schlüssel zum Fluch, der nicht nur Dorians Reich, sondern auch ihr eigenes Leben bedroht … Ein jahrhundertealter Krieg zwischen zwei Vampirclans ändert alles für Xara – wird ihre Liebe überleben? SPIEGEL-Bestsellerautorin Alessia Gold verzaubert ihre Leser*innen mit dem Finale ihrer sexy-düsteren Vampir-Dilogie.  Diese spicy Dark Romantasy beinhaltet unter anderem diese Tropes:  - True Love Triangle  - Cursed Love - Chosen One - Reincarnation - Haters to Lovers - Forbidden Love - Arranged Marriage - Mafia Vibes Dark, spicy, romantisch – perfekt für Leser*innen von The Serpent and the Wings of Night und Empire of Sins and Souls.  *** Morally Grey is our favourite colour *** Dieses Buch beinhaltet Themen, die bei manchen Menschen ungewollte Reaktionen auslösen können. Bitte achtet daher auf die Liste mit sensiblen Inhalten, die wir im Buch zur Verfügung stellen. 

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 600

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Alessia Gold

Until the Light destroys

Roman

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Xara ist mitten in ein Spiel aus Leidenschaft und Macht geraten, seitdem der Vampirfürst Dorian und sein charismatischer Diener Juraj sie für ihre verstorbene Liebe halten. Während sie versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, stößt sie auf immer mehr Geheimnisse. Ausgerechnet Juraj, von dem sie sich besonders verstanden gefühlt hat, scheint ganz eigene Ziele zu verfolgen. Doch bevor Xara mehr herausfinden kann, kommt ihr der verfeindete Vampirclan zuvor, und bringt sie in seine Gewalt. Sie ist der Schlüssel zum Fluch, der nicht nur Dorians Reich, sondern auch ihr eigenes Leben bedroht …

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de

Inhaltsübersicht

Content Notes - Hinweis

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Danksagung

Glossar

Content Notes

 

 

 

 

 

Bei manchen Menschen lösen bestimmte Themen ungewollte Reaktionen aus. Deshalb findest du am Ende des Buches eine Liste mit sensiblen Inhalten.

 

 

Für Linda, Lisa und Jacki. Ihr seid die wahren »Urväter« dieser Geschichte.

Kapitel 1

Juraj

 

Wer seid ihr?«, murmle ich und behalte die schmale Gasse genau im Blick. Von meiner Position in dem verlassenen Gebäude beobachte ich nun schon seit einiger Zeit die Gruppe, die Xara angegriffen hat, und frage mich, was genau ich verpasst habe.

Ihre Gesichter sind von dunkelroten Hauben verdeckt, aber selbst wenn sie das nicht wären, würde ich sie wohl kaum erkennen. Mein letzter Besuch zu Hause ist schon lange, lange her.

Es ist nicht so, dass ich Dorian angelogen habe, jedenfalls nicht in allen Punkten. Meines Wissens gab es wirklich keine weiteren Cairenn-Nachfahren, die sich in Raben verwandeln können. Keine außer mir und meinem … Bruder, der im Gegensatz zu mir wirklich tot ist. Ich habe ihn auf dem Schlachtfeld erledigt, weil er durchgedreht ist. Er wollte immer mehr, er wollte diese verdammte Anomalie weitergeben und mit ihr experimentieren. Hätte ich dem Ganzen kein Ende gesetzt, hätte er unsere Linie ausgelöscht. Und auch wenn ich nicht stolz auf meine Herkunft bin, so glaube ich doch an eine sich ausgleichende Verteilung der Blutlinien. Wir brauchen uns, um das Gleichgewicht stabil zu halten.

Das ist auch der Grund, warum es mir ein Dorn im Auge ist, dass ich den Kelch in all den Jahrhunderten nicht gefunden habe.

Die Stimmen vor dem Fenster sind leise und gedämpft, dennoch schnappe ich ein paar Wortfetzen auf. Sie suchen Ksaryna, was nicht sonderlich überraschend ist nach ihrem ersten Angriff auf sie. Noch habe ich nicht verstanden, warum ausgerechnet sie, aber ich habe vor, es in Erfahrung zu bringen. Irgendwie muss Cormag herausgefunden haben, dass Dorians Frau wieder da ist – und von mir hat er es nicht. Dazu kommt der Umstand, dass er es geschafft haben muss, seine Fähigkeit weiterzugeben, was ein nicht gerade kleines Problem darstellt. Ich dachte, das könnten nur wir Ersten – weil wir nicht nur sein Blut, sondern seine Gene teilen. Und das widerspricht jedem Gesetz unserer Welt.

Wir sind nicht nur eine Anomalie, wir sind verbotene Wesen. Verflucht.

Und vielleicht wurde mir Ksaryna deshalb genommen. An diesen düsteren Ort lasse ich meine Gedanken nicht schweifen. Stattdessen werfe ich einen Blick durch mein Versteck. Es war ein Zufallsfund. Auf der Jagd der Cairenn nach mir, weil ich eingreifen und mich demnach outen musste, bin ich in das erste Haus gerannt, das sich angeboten hat. Anscheinend liegt irgendeine Art Schutzzauber auf ihm, denn sie haben sich nach meinem Verschwinden ein paarmal suchend im Kreis gedreht und sind seither offensichtlich verwirrt, wo ich bin.

Ich habe keine Ahnung, warum dieser Zauber mich in dieses antike Haus gelassen hat und sie nicht. Vermutlich sollte ich mich umsehen, um nicht gleich von den Nächsten angegriffen zu werden.

Da die Gruppe vor dem beschlagenen Fenster keine Anstalten macht, sich in nächster Zeit aufzulösen, gehe ich ein paar Schritte zurück. Mein Blick bleibt an der Küchenzeile hängen, die diesen Namen nicht verdient hat. Sie besteht aus Holz, schief gezimmerten Brettern und einer Feuerstelle, wie es im Mittelalter üblich war.

Mit zusammengekniffenen Augen mache ich mir ein kurzes Bild vom Untergeschoss und gehe langsam auf die Treppe zu. Sie führt mich in die obere Etage, die mir auf den zweiten Blick bekannt vorkommt. Ich war schon einmal in diesem Haus – das erste Mal, als ich Xaras Stimme gehört habe und auf der Suche nach dem ausgebüxten Vale war. Schon da habe ich mich über das verlassene Haus gewundert, aber es war mir keinen zweiten Gedanken wert. Das war es auch danach nicht, obwohl ich in Erfahrung bringen wollte, wieso sich dieses Haus so lange außerhalb unseres Radars befunden hat.

Jetzt sehe ich genauer hin. Ich betrete eines der zwei Zimmer im Obergeschoss, in dem nichts ist. Stirnrunzelnd durchquere ich den leeren Raum und sehe mich aufmerksam um. Die Holzdielen unter meinen Füßen ächzen bei jedem Schritt, bis ich plötzlich grob gestoppt werde.

Im selben Moment, in dem ich gegen die unsichtbare Mauer laufe, flimmert die Luft, und ein alter Schreibtisch materialisiert sich vor mir.

»Aha?«, mache ich und fahre mit den Fingerspitzen über die gepflegte Holzfläche. Der Schreibtisch ist ordentlich hinterlassen worden, doch durch seinen Zustand denke ich nicht, dass er verlassen wurde – nur versteckt.

Die Hände nach vorne gestreckt, um nicht unsanft gegen die nächste unsichtbare Wand zu laufen, taste ich mich weiter vor, umrunde den großen Schreibtisch, bis meine Finger auf den nächsten Widerstand treffen. Und Jackpot. Ich blinzle noch, da baut sich vor mir ein Bücherregal auf, das die gesamte Wand einnimmt.

»Was haben wir denn hier?«, frage ich in die Stille des Zimmers und streiche mit der Hand über die Buchrücken, die im Gegensatz zu den Regalen in Dorians Bibliothek frei von jedem Staubkorn sind. Diese Bücher werden gepflegt und höchstwahrscheinlich benutzt.

Nur von wem?

Ich sehe über meine Schulter, aber wie erwartet steht niemand im Türrahmen und beobachtet mich beim Schnüffeln. Wäre der Eigentümer dieses alten Hauses anwesend, hätte er sich mir längst gezeigt und sein Heiligtum verteidigt.

So gern ich mich hier weiter umsehen würde, um in all den alten Aufzeichnungen vielleicht einen Hinweis auf denjenigen zu finden, der sein Hab und Gut sicher versteckt, und das ganz offensichtlich nicht mit menschlichen Mitteln, komme ich doch nicht dazu. Trampelnde Schritte und laute Schreie lassen mich meine Inspektion vorzeitig abbrechen. Noch während ich aus dem Raum stürme, sehe ich, wie die Gegenstände hinter mir verblassen.

Das ist interessant. Ein Verschleierungszauber ist mir schon seit Jahrhunderten nicht mehr untergekommen. Die Hexen und Magier von heute sind weniger subtil in ihrem Handeln. Wer auch immer hier lebt oder gelebt hat, will keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Aber dafür habe ich jetzt keine Zeit. Wenn die Schreie und das verdammte Krächzen in unmittelbarer Nähe eins bedeuten, dann, dass Surnova angegriffen wird. Mitten am Tag, wie kürzlich erst Ashrode.

Da ich es nicht darauf anlegen will, dass Dorian mich so schnell findet, habe ich alle Kommunikationskanäle abgeschirmt, was sich nun rächt. Die Angreifer sind längst da, und ich habe keine Ahnung, an welcher Stelle unsere Abwehr gebrochen ist.

Im Erdgeschoss angekommen, mache ich einen kurzen Abstecher zum Fenster, aber natürlich ist auch die Gruppe der Raben verschwunden. Weit können sie aber nicht sein.

Einen Fluch auf den Lippen reiße ich die Tür auf und lasse die Verwandlung noch beim Schritt hinaus geschehen. Im nächsten Moment verliere ich den Halt, und mit einem kräftigen Flügelschlag bin ich in der Luft. Meine Sicht schärft sich, mein Hören wird noch deutlicher. Alle Sinne sind in Rabengestalt wesentlich ausgeprägter, was einerseits praktisch ist, auf der anderen Seite bereitet mir jede Verwandlung im Nachhinein einige Tage lang Kopfschmerzen. Das ist eben wirklich nichts, was wir können dürften. Eine Anomalie im Fluch, wie ich schon seit Jahrhunderten predige.

Ich schüttle den Kopf, um meine Gedanken freizubekommen, und schwinge mich etwas höher in die Luft. Nicht zu hoch. Solange ich nicht weiß, mit wem ich es zu tun habe, will ich mich nicht auf dem Präsentierteller anbieten.

Es dauert nicht lange, dann finde ich den Mob, der in Surnova einfällt. Und was für einer. Er ist nicht zu übersehen. Mindestens zweihundert Vampire, wenn nicht mehr, verteilen sich in alle Himmelsrichtungen. Sie reißen die Türen der Häuser auf, sie zerren die Dorfbewohner auf die Straßen, sie rammen ihre Zähne in Hälse und zelebrieren ihren Einmarsch.

Wo bleibt die Verteidigung? Wenn man nicht alles selbst macht …

Wütend verenge ich die Augen und gehe in einen spontanen Sturzflug, als ich Ileana erkenne, die von einem Vampir aus der Bäckerei gezerrt wird. Er sieht mich nicht kommen, und so ist es ein Leichtes, auf seiner Schulter zu landen. Von hinten ramme ich ihm meinen Schnabel in den Kopf. Wie ein gefällter Baum kracht er zu Boden, das Blut tröpfelt aus dem Loch in seinem Schädel. Ich muss mich nicht darum kümmern, dass er stirbt – dafür sorgt das Gift in meinem Speichel.

Ileana rappelt sich vom Boden auf und greift nach einem Besen, der an der Hauswand lehnt. »Verzieh dich, du dreckiger Vogel!«

Mit einem wütenden Krächzen schaffe ich es, ihrem Schwung auszuweichen und mich in die Luft zu schrauben. Ich habe sie gerade gerettet, verdammt. Das ist ihr Dank?

Soll sie eben wieder einmal ausgesaugt und liegen gelassen werden. Mit etwas Pech wird sie nicht rechtzeitig von den Edrivs gefunden, aber das ist nicht mehr mein Problem.

Laut krächzend schraube ich mich in die Höhe, lege die Flügel an und jage durch die Gasse. Binnen Sekunden erreiche ich den Marktplatz. Unter mir krachen Körper aufeinander, Vampire stürzen sich auf andere Vampire und Menschen, und Dorians Pferde walzen sich in all ihrer Masse durch das Chaos. Sie schnappen nach links, sie schnappen nach rechts und reißen alles und jeden in Stücke, den sie zwischen ihre spitzen Zähne bekommen. Die Situation ist unübersichtlich, laut und absolut nicht unter Kontrolle.

Blut spritzt und vermischt sich mit dem Schwefelgeruch, der immer in der Luft hängt, wenn diese Viecher losgelassen werden.

Auf Italienisch, Rumänisch, Deutsch und in diversen anderen Sprachen werden Befehle gebrüllt, die aber im allgemeinen Kampfgetümmel untergehen, genauso wie die Schreie der verängstigten Dorfbewohner.

Als ich eine weitere Runde über den Marktplatz ziehe und Ausschau nach den Raben halte, fällt mein Blick aus dem Augenwinkel auf Vale, der in diesem Moment inmitten einer Gruppe Edrivs auf den Platz stürmt. Die jungen Vampire tragen Fackeln, mit denen sie nun alles in erreichbarer Nähe in Flammen aufgehen lassen.

Diesen Befehl mussten wir in all den Jahren nie geben, was die Ernsthaftigkeit der Situation bestätigt. Sie setzen Heuhaufen in Brand, Häuser und nehmen Kurs auf die Kirche.

Nicht die Kirche, denke ich, während ich eine Schleife fliege und dabei die Masse unter mir nach einem bekannten Gesicht absuche und gleichzeitig auf verdächtiges Krächzen achte.

Es kann doch kein Zufall sein, dass die Cairenn hier auftauchen und kurz darauf der zweitgrößte Angriff unserer Geschichte erfolgt.

Nur was ist ihr Ziel? Xara? Dorian? Ich?

Oder immer noch der Kelch, den Dorian nicht in seinem Besitz hat? Natürlich ist die Geduld meines Erschaffers irgendwann aufgebraucht. Er hat mir lang genug Zeit gegeben, ihm dieses verdammte Relikt zu besorgen, aber warum tauchen seine Handlanger ausgerechnet jetzt auf? Und wieso ausgerechnet in dieser Gestalt? Das dürfte eigentlich nicht sein.

Immerhin lassen Vale und die Edrivs von der Kirche ab und verteilen sich auf dem Marktplatz, um sich ihrer vorrangigen Aufgabe zu widmen, die Dorfbewohner zu sichern.

Leise vor mich hin murrend, was ohnehin in den Kampfgeräuschen untergeht, überfliege ich den Platz ein weiteres Mal, bis ich das Hufgetrappel höre. Eine weitere Einheit Vampirpferde jagt über den Platz und reißt alles um, was ihnen in die Quere kommt. Sie beißen nach links und rechts, schlagen um sich und wiehern in schrillen Tönen, was mich in die Höhe treibt. Von einem dieser Viecher erwischt zu werden, stand nicht auf meiner To-do-Liste für den Tag.

Mich mit meiner Blutlinie auseinanderzusetzen allerdings ebenfalls nicht. Genau diese Abkömmlinge entdecke ich in diesem Moment. Zuerst ist es die dunkle Wolke neben der Kirche, die in der nächsten Sekunde im Rauch des aufflammenden Marktstandes untergeht, dann rennen die Männer in ihren dunklen Kutten los.

Ich verliere die Geduld, lege die Flügel an und schieße im Sturzflug hinter ihnen her. In meiner Rabengestalt bin ich schneller als sie und erreiche die Kirchentür kurz vor ihnen. Ich verwandle mich noch in der Bewegung und lande sicher auf beiden Füßen.

Ich strecke den Rücken durch und die Brust raus. »Wer seid ihr und was macht ihr in Surnova? Das ist mein Gebiet!«

Die Männer bleiben stumm, starren mich nur an, als hätten sie einen Geist gesehen.

»Wer bist du?«, will der Größte von ihnen wissen und macht schließlich einen Schritt auf mich zu. Die anderen vier werfen besorgte Blicke über die Schultern und zu mir und werden sichtlich nervös unter ihren dunklen Kutten.

»Wer ich bin?«, frage ich zurück und ziehe beide Brauen in die Höhe. Ist das eine ernst gemeinte Frage?

»Offensichtlich einer von uns, aber … dich dürfte es nicht geben.«

Mich dürfte es nicht … was?

Ein Blick auf das Schlachtfeld hinter ihnen, und ich entscheide mich für die sicherste Wahl. Ich will wissen, was hier vor sich geht. Ohne den Blick von ihnen abzulassen, greife ich hinter mich, taste blind nach der Klinke der alten Holztür und drücke sie auf.

»Kommt mit.«

Sie folgen meinem Befehl widerstandslos, wie es meinem Stand angemessen ist, aber noch mal: Sie kennen mich nicht.

Da Vampire keine Fans von Kirchengebäuden sind, tobt der Kampf noch immer außerhalb der alten Mauern, doch das muss nicht heißen, dass es so bleibt.

Ich marschiere zum Altar, wo ich herumwirbele, um einerseits die Tür im Blick behalten zu können und andererseits den Cairenn-Nachfahren entgegenzusehen.

Ich deute mir an den Kopf, und sie verstehen die stumme Geste. Einer nach dem anderen streift seine Kapuze ab. Zum Vorschein kommen junge Männer etwa in meinem menschlichen Alter, was meinen ersten Verdacht bestätigt. Diese Männer sind die Armee meines Erschaffers.

»Wieso gibt es euch?«, falle ich mit der Tür ins Haus. »Cormag hat die Fähigkeit des Verwandelns mit dem Kelch verloren!«

Wieder ergreift der Größte von ihnen das Wort, der sogar mich um einen halben Kopf überragt. »Und das weißt du, weil du …«

»Der erste Nachfahre von ihm bin«, helfe ich ihm auf die Sprünge und verschränke meine Arme vor der Brust. »Hat mein Vater den Kelch nun ohne meine Hilfe gefunden?« Ich betone das Wort spöttisch, denn von einer gesunden Vater-Sohn-Beziehung sind wir weit entfernt.

Die vier Männer wechseln stumme Blicke, bis wieder der Größte von ihnen spricht. »Uns wurde gesagt, deine Existenz wurde ausgelöscht. Genauso wie die deines …«

»Bruders«, falle ich ihm erneut ins Wort und winke ab. »Cormag hat mich hierhergeschickt – was euren Aufenthalt so weit weg von zu Hause und eure gesamte Existenz infrage stellt.«

»Er hat uns auch geschickt«, erklärt derselbe Typ, weicht nun aber einen Schritt vor mir zurück. Anscheinend hat er verstanden, wer ich bin und dass ich weit über ihm stehe. Ob er mich nun kennt oder nicht. In unseren Kreisen bin ich auf genau derselben Hierarchiestufe wie Dorian. Nicht, dass der etwas von meiner Herkunft ahnt. »Wir wussten nichts von Ihnen, das müssen Sie uns glauben. Wir …«

»Sag Du zu mir«, unterbreche ich ihn ein weiteres Mal. In all den Jahrhunderten als Dorians Diener habe ich mich an die lockere Ansprache gewöhnt. »Ich will wissen, was euer Auftrag ist. Wieso habt ihr das Mädchen angegriffen? Was war euer Ziel?«

Erneut tauschen sie stumme Blicke, bis der Kerl mit den blonden Locken den Blick senkt. »Wir sollten sie zurückholen. Ihre Zeit ist abgelaufen.«

»Zurück?«, wiederhole ich perplex, doch ehe ich eine Antwort auf meine Frage bekomme, wird die Tür zur Kirche aufgestoßen, und eine Gruppe Vampire stürmt herein. Mit sich bringen sie gewaltigen Lärm, der umso lauter von den hohen Wänden widerhallt. Ineinander verkeilt kugeln sie sich durch den Gang zwischen den Reihen, schreien, kreischen, beißen um sich, und Blut spritzt durch die Gegend.

Der metallische Geruch nach niederer Abstammung zieht sofort in meine Nase und lässt mich würgen.

»Wir sind hier noch nicht fertig«, zische ich und stoße mich gleichzeitig vom Boden ab. Sie folgen mir in einer dunklen Wolke. »Lasst die Finger von ihr«, warne ich noch, bevor die Verwandlung einsetzt. »Sie ist meine Aufgabe.« Zustimmendes Krächzen ertönt, bevor sie in alle Richtungen auseinanderstieben. Anscheinend muss ich meine Abwesenheit vom Schloss noch etwas ausdehnen und Cormag einen Besuch abstatten. Auch das stand nicht auf meiner To-do-Liste, aber jetzt bleibt mir nichts anderes übrig. Schickt er ernsthaft Spione hinter mir her? Es hätte andere Wege gegeben, mit mir in Kontakt zu treten.

So in meinen Gedanken und der Wut versunken, sehe ich den Kerzenständer zu spät. Er hat auch nicht so einfach durch die Luft zu segeln, verflucht. Ich versuche noch auszuweichen, doch er ist zu schnell und seine Flugbahn perfekt. Das Metall trifft mich am Kopf, und erst da realisiere ich, mit welcher Wucht er geworfen worden sein muss. Augenblicklich wird es dunkel, und heißer Schmerz jagt durch meinen Körper. Im nächsten Moment knalle ich unsanft auf den Kirchenboden. Dicht neben mir landet der Kerzenständer dumpf klirrend, gefolgt von einem metallischen Kreischen, als er über den Marmor schleift.

Blitze zucken vor meinen Augen, und ein weiterer Schmerz jagt durch meine Glieder. Ich spüre die Kraft durch meine Venen rauschen und merke, wie sie mich verlässt.

Ungeschützt auf dem Boden verliere ich meine Gestalt. Ein heiß-kalter Schauer schüttelt meinen Körper, dicht gefolgt von einer Übelkeitswelle.

Eine grobe Hand an meinem Hals zieht mich unsanft auf die Füße. Schwankend folge ich dem Griff, sehe aber nichts außer zuckenden Blitzen. Kaltes Blut sickert aus der klaffenden Wunde an meiner Schläfe und läuft mir in die Augen. Hastig blinzelnd versuche ich, meinen Blick zu stabilisieren, aber erst als ich einen zu vertrauten Geruch wahrnehme, erkenne ich das Gesicht vor mir.

Ich erstarre in der Bewegung, als Dorian mich gegen den Altar stößt und seine Arme links und rechts von mir aufstützt. Dorian ist hier? Zwischen all den Vampiren? Wieso ist er nicht in seinem Schloss und in Sicherheit?

Wutentbrannt beugt er sich vor, bis seine Lippen an meinem Ohr liegen. »Nenn mir einen verdammten Grund, warum ich dich nicht auf der Stelle töten sollte, du verdammter Verräter!« Seine Stimme ist hart und kalt, dennoch höre ich das leichte Zittern darin, als er leise zischend weiterspricht. »Ich dachte, wir wären Freunde. Ich habe dir geglaubt. Du hast gesagt, es gäbe keine Raben mehr, und dann bist du selbst einer!«

Auch mit meiner verschwommenen Sicht sehe ich den schwarzen Lufthauch und kann ihn als das erkennen, was er ist.

Fuck.

»Dorian, h-hinter dir …«

Da er keine Anstalten macht, sich umzudrehen und auf mich zu hören, fokussiere ich meine letzte Kraft und lasse die Zeit gefrieren. Mit dröhnendem Schädel befreie ich mich aus Dorians Griff, dann greife ich den schwarzen Raben aus der Luft und donnere ihn in der nächsten Bewegung gegen den Altar. Das Knacken seines Genicks ist das letzte Geräusch, das ich vernehme.

Zu mehr reicht es nicht. Im nächsten Moment falle ich mit der Stirn voran und verliere das Bewusstsein, noch bevor ich auf dem blutverschmierten Marmor aufschlage.

Kapitel 2

Xara

 

Die Tür zu Adrians Zimmer fällt laut ins Schloss und holt mich aus meiner Starre. Mit noch immer wild klopfendem Herzen wirbele ich auf dem Absatz herum und mache mir keine Illusionen darüber, dass Adrian genau sieht, was in meinem Gesicht los ist. Er stößt ein Seufzen aus und tritt neben mich, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Von hier erkennt man nicht viel, nur Felder und die lange Zufahrtsstraße, die irgendwann in Surnovas Dorfkern endet.

Und das Schloss, das erhaben auf dem Berggipfel thront, auch wenn es in der Dunkelheit der Nacht nur als Schatten zu erkennen ist.

Adrians Hand landet auf meiner Schulter, und er drückt sie sanft, ohne einen Ton zu sagen. Er weiß nicht, was sich jetzt in diesem Moment für Szenen in Surnova abspielen, und auch ich kann es nur ahnen. Dorians Gesichtsausdruck, als die verdammte Vampirarmee so laut in das Dorf eingefallen ist, hat Bände gesprochen.

Seither habe ich eine Million neue Fragen, aber keine Antworten. Weder Chris noch Adrian haben sie gesehen, und auch die Vampire haben den Hof keines Blickes gewürdigt, was wohl der ausschlaggebende Grund dafür war, warum Dorian mich hiergelassen hat.

Um dann was zu tun? Sich im Dorf inmitten all der angriffslustigen Wesen abschlachten zu lassen?

Und wo ist Juraj? Er hat immer betont, dass Dorian während der Kämpfe draußen nichts zu suchen hat, weil er angreifbar ist. Und nun ist er dort draußen und …

»Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?«, unterbricht Adrian das Chaos in meinem Kopf.

Ich stoße ein leises Schnauben aus und ziehe die Schultern hoch. »Ja.«

»Aber?«

Aber er würde mir kein Wort glauben.

»Ich … Ich bin einfach nur müde. Ich glaube, ich sollte schlafen gehen.« Nicht dass ich heute Nacht auch nur ein Auge zutun werde. Am liebsten würde ich mir Lup schnappen und nach Dorian suchen, aber er hat mir eindeutig klargemacht, was er von mir erwartet.

Ich soll mich hier verstecken und warten.

Immer soll ich nur warten. Warten darauf, dass meine Erinnerungen wiederkommen, warten, dass sie Lösungen finden, warten, dass irgendetwas geschieht.

Ich bin es leid zu warten.

»Wie wäre es, wenn du heute Nacht hier schläfst?« Adrians Hand rutscht von meiner Schulter an meine Taille. »Du musst nicht mit mir sprechen, aber ich sehe, dass da etwas im Busch ist.« Er zieht mich sanft an seine Seite und presst einen Kuss auf meine Schläfe, der mir die Tränen in die Augen treibt. Womit habe ich diese Freunde verdient? Ich gebe ihnen nichts zurück, trotzdem fangen sie mich immer wieder auf. Ohne Fragen zu stellen. Hätte ich sie nicht, wäre ich schon längst verzweifelt.

»Das ist nett, aber ich weiß nicht, ob Chris so glücklich damit ist.« Ich sehe zum Bett in der Raumecke, das zwar größer ist als meins im Zimmer gegenüber, aber dennoch zu klein für drei Leute – und zwei davon sind ausgewachsene Männer.

»Unsinn. Chris zeigt es nicht immer so deutlich, aber auch er macht sich Sorgen um dich. Hast du seinen Blick gesehen, als er Dorian vorhin mit der Mistgabel gedroht hat? Wenn es sein muss, verteidigt er dich bis aufs Blut. Was auch immer da mit deinen Typen los ist … Du hast uns, du bist uns wichtig. Und hier ist immer Platz für dich.«

Geschlagen ziehe ich die Schultern hoch. Ein Laut dringt aus meiner Kehle, den ich nicht kontrollieren und noch weniger deuten kann. Eine Mischung aus Lachen und Schluchzen, als könne sich der Laut nicht entscheiden, was er sein will. »Er hat ihm nicht mit der Mistgabel gedroht.« Das Lachen übernimmt, und ich stoße Adrian mit einem Grinsen und Tränen in den Augen zur Seite, doch er zieht mich sofort zurück in seinen warmen Arm.

»Oh, er hätte aber gern. Chris kann ganz schön den Badass raushängen lassen, wenn er will. Es ist so heiß, wenn er seine Besitzansprüche deutlich macht, findest du nicht?«

Mein Kichern wird von Adrians weichem Pullover gedämpft. Er schlingt beide Arme um mich und wiegt mich langsam vor und zurück. Sein steter und kräftiger Herzschlag an meiner Wange verfehlt seine Wirkung nicht. Es dauert nur ein paar Minuten, und meine innere Unruhe legt sich.

Das merkt auch Adrian. Er manövriert mich in seinem Arm zum Bett und fragt nicht noch einmal, bevor er mich einfach mit sich zieht.

Wie erwartet bekomme ich kein Auge zu. Adrian hingegen ist von der Arbeit im Haus und am Hof so erledigt, dass es nur ein paar Minuten braucht, bis er an meinen Rücken gekuschelt verstummt.

Er wärmt mich mit seinem Körper, und sein Atem an meinem Nacken erdet mich, kann aber nicht all die Sorgen in meinem Bauch lösen, die sich dort seit Dorians übereiltem Aufbruch ansammeln. Ich will wissen, ob es ihm gut geht, was mit den Dorfbewohnern ist, ob er Juraj gefunden hat.

Aber selbst wenn, rechne ich nicht damit, dass sie mich so schnell wieder einweihen werden. Dorian will mich zwar an seiner Seite haben, gleichzeitig macht er aber alles mit sich selbst aus. Es ist ein ständiges Vor und Zurück, ein Tauziehen, und ich bin kurz davor, das Seil loszulassen.

Adrians Arm ist fest um meinen Bauch geschlungen und hindert mich daran, mich schlaflos von links nach rechts zu wälzen, doch meine Gedanken springen dennoch von Schreckensszenario zu Schreckensszenario.

Was, wenn dieser Angriff so heftig war, dass Dorian nicht überlebt hat?

Mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen, und mir stockt für einen Moment der Atem. Das kann nicht sein. Er ist ein Vampir und wird sich ja wohl auch ohne diesen dämlichen Kelch behaupten können.

Oder?

Was, wenn nicht?

In diesem Moment, während ich im Arm eines anderen liege, wird mir klar, dass ich nicht einfach so weitermachen kann, wie ich es mir noch vor wenigen Stunden ausgemalt habe. Ich kann nicht nach Hause fliegen, um Abstand zu bekommen. Ich stecke längst viel zu tief drin.

Chris kommt erst am späten Abend ins Zimmer, nachdem er seine Arbeit bei den Tieren beendet hat. Für einen Moment hält er im Türrahmen inne, und trotz der Dunkelheit im Raum erkenne ich, wie sein Blick kurz an uns hängen bleibt. Ohne etwas zu sagen, durchquert er den kleinen Raum, streift sich seinen Pullover ab und klettert anschließend nur in Jogginghose ins Bett. Mit ihm kommt ein Hauch Kälte von draußen, der mich fröstelnd näher an Adrian heranrutschen lässt. Gleichzeitig mache ich mich bereit, aus dem Bett der beiden zu fliehen, auch wenn der Gedanke, jetzt allein zu sein, mich nicht nur abschreckt, sondern regelrecht verängstigt. Ich traue mir selbst nicht und sehe mich schon allein mitten in der Nacht kopflos ins Dorf stürzen.

Das wäre dumm, und Dorian wäre sicher alles andere als erfreut darüber.

»Ich kann …«, setze ich an, werde aber sofort von Chris’ kalter Hand auf meiner Schulter am Weitersprechen gehindert.

»Bleib hier. Adris Umarmungen teile ich gern mit dir.«

Wie aufs Stichwort gibt Adrian in diesem Moment einen kurzen, schläfrigen Laut von sich. »Gott, Babe, kommst du aus der Arktis? Rutsch ran und wärm dich auf.« Er wackelt einladend an meinem Rücken. Eine Geste, der Chris nicht widerstehen kann. Das Bett gibt ein weiteres Mal nach, als Chris die Decke über sich zieht und näher an seinen Freund heranrutscht.

Ich fühle mich gleichermaßen geborgen und wie ein Eindringling in ihre Privatsphäre, doch bevor ich meine Bedenken äußern kann, festigt sich Adrians Griff um meinen Bauch.

Sobald Chris seine Position gefunden hat, murmelt er gedämpft: »Es friert draußen, und Lup wollte eine extragroße Runde durch den Wald drehen. Sorry, dass ich dich geweckt habe.«

Adrian summt zufrieden. »Kein Thema. Xara ist ohnehin die ganze Zeit wach.« Er zieht mich näher an sich. »Chris hat recht, Xara. Denk bloß nicht daran, jetzt zu gehen. Du musst nicht allein sein.« Er vergräbt seine Nase in meinem Nacken. »Du hast uns.«

»Und du solltest dich auch ausruhen«, murmelt Chris und überrascht mich damit, dass er seinen Arm über Adrians Kopf hebt und seine Hand auf meiner Stirn landet. Zuerst glaube ich an ein Versehen, doch dann streicheln seine Fingerspitzen sanft über meine Haut, und ein Schauer durchläuft meinen Körper. Adri hat nicht übertrieben. Chris ist eiskalt.

Doch mit seiner Hand erfasst mich auch eine bleierne Müdigkeit. Meine Lider werden schwer, meine Atmung geht ruhiger und tiefer, und die Dunkelheit vor meinen Augen verschwimmt zu tanzenden Schatten.

»Schlaf gut, Xara«, dringt Chris’ Stimme von weit, weit entfernt wie durch Watte an mein Ohr.

Noch während ich den Mund zu einer Erwiderung öffne, ersterben die Worte ungesagt auf meiner Zunge.

Ein leises, nasses Geräusch. Es ist ein kaum hörbares Schmatzen, ein Laut, der in der Stille der Nacht unnatürlich dröhnend klingt.

Ein unterdrücktes Stöhnen. Es ist tief, kehlig und animalisch.

Mein Körper liegt schwer in der Schwärze, gefangen in der Trance zwischen Traum und Wirklichkeit, gelähmt in einem Dämmerzustand, der mich weder ganz loslässt noch vollständig verschlingt. Ich kann mich nicht rühren, nicht sprechen.

Nur hören. Und fühlen.

Ein leises Schlucken ertönt dicht neben mir. Es ist langsam, genüsslich, und meine Ohren beginnen zu rauschen, so intensiv fühlt es sich an.

Etwas daran ist falsch. Zu intim, zu kontrolliert, um bloß ein hastiges Schlucken zu sein.

Mein Herz stolpert, erst ein träger Schlag in der Dunkelheit, dann noch einer.

Ein zittriger Atemzug dicht an meinem Ohr verrät, dass ich nicht allein bin, dann noch ein Laut. Ein Wort? Ich verstehe es nicht.

Sein Ton ist leidend, seine Stimme verzerrt von etwas, das sich nach Schmerz anhört. Ein dumpfes Kribbeln in meinem Schoß erinnert mich an Ekstase.

Vielleicht ist es beides.

Wieder das Schlucken. Tiefer diesmal. Genießerischer. Noch ein Stöhnen, ein Rascheln von Fingern, die sich in die Daunendecke graben.

Mein Körper bleibt reglos, doch in mir steigt die Hitze auf, die mit jeder Sekunde stärker wird. Ich kann mich nicht wehren, nicht entziehen, nicht aufwachen. Ich kann nur zuhören.

Ein dunkles Knurren ertönt irgendwo neben mir, gefolgt von einem Wimmern und einem feuchten Schmatzen.

Mein Atem stockt, und das Geräusch fährt mir durch die Glieder wie ein elektrischer Schlag. Doch ich kann meine Lider nicht öffnen. Sie sind so schwer, als hingen Gewichte an ihnen.

Noch ein letztes dumpfes Geräusch, dann legt sich Stille über mich. Finger streifen meine Stirn, Worte werden gemurmelt, die ich nicht verstehe.

Gerade als die Dunkelheit mich wieder in ihre Arme zieht, höre ich es erneut.

Ein leises Seufzen, tief und zufrieden.

Ein zahmer Kuss.

Ein Flüstern, das nicht für meine Ohren bestimmt ist.

Ein Stöhnen dringt durch die Hitze im Raum, gefolgt von einem krächzenden Laut.

Hinter meinen Lidern brennt es, und ich brauche ein paar Sekunden, um mich zu orientieren. Es ist fürchterlich heiß unter der schweren Decke. Blinzelnd öffne ich meine Augen und werde von den Sonnenstrahlen begrüßt, die durch die offenen Gardinen einen warmen Lichtstrahl auf den Holzboden werfen und die Staubkörner in der Luft tanzen lassen.

»Fuuuuck.« Auf den leidenden Tonfall folgt ein kehliges Husten, bevor Adrian sich zur Seite dreht, weg von mir, und nach einem Kissen greift, um es sich auf das Gesicht zu pressen. Sein nächstes Husten klingt gedämpfter.

Alarmiert richte ich mich auf dem Ellenbogen auf, schiebe die Decke von mir und ziehe ihm das Kissen vom Gesicht, bevor er noch erstickt. »Was ist los?« Als ich nach seiner Schulter greife, streifen meine Finger über den verschwitzten Stoff seines T-Shirts. »Adri?«

Sofort dreht er das Gesicht zur Wand, an die Seite, an der Chris gelegen haben muss, die nun aber verwaist ist. Ich habe nicht mitbekommen, wann er aufgestanden ist. Zu meiner großen Überraschung habe ich im Bett der Jungs geschlafen wie ein Stein, obwohl ich noch am späten Abend dachte, kein Auge zubekommen zu können.

»Ich dachte, der Scheiß ist vorbei. Ich fühle mich wie vom Laster überrollt.« Wieder vergräbt er sein Gesicht im Kissen und hustet gedämpft hinein, bevor er den Kopf hebt und mich ansieht. Er ist blass, und dunkle Ringe liegen unter seinen Augen, die gestern Abend definitiv noch nicht da waren. Ein wässriger Schleier trübt das sonst so strahlende Blau seiner Augen. »Sorry, Xara-Maus. Ich wette, spätestens heute Nacht habe ich dich angesteckt.« Er verzieht das Gesicht und sinkt zurück auf den Rücken. »Und wir müssen heute auf den Markt nach Ashrode. Fuck, ich brauche mindestens zwei Ibuprofen, um das irgendwie zu überstehen.«

Ich runzle die Stirn und richte mich auf, um die Decke über seinen zitternden Körper zu ziehen. »Du gehst in diesem Zustand nirgendwohin.«

»Aber ich …«

Ein Geräusch an der Tür lässt ihn innehalten und kurz darauf knurren, als Chris in den Raum tritt.

Er ist wieder vollständig angezogen und runzelt beim Anblick von Adrians Zustand die Stirn.

»Ich habe dir gesagt, dass du dich überforderst, Baby.« Er seufzt, setzt sich neben mich und legt eine Hand auf Adrians Stirn. »Du glühst ja.« Er schnaubt vorwurfsvoll. »Xara hat recht. Diesmal bleibst du im Bett, bis du wirklich wieder fit bist. Keine Widerrede.«

»Aber die Tiere …«

»Um die kümmere ich mich.«

Unter einem heiseren Schnaufen richtet Adrian sich auf, doch Chris drückt ihn rigoros zurück ins Kissen, wo er geschlagen liegen bleibt. »Und der Markt?«, fragt er heiser.

»Um den auch.«

»Aber wir haben den Transporter gestern bis an die Decke vollgepackt. Du brauchst meine Hilfe.«

»Nein. Hast du schon mal was von einer verschleppten Erkältung gehört? Du bleibst hier. Und wenn ich heute nur die Hälfte schaffe, dann …«

»Dann vergammelt die andere Hälfte?« Er richtet sich stöhnend auf. »Nein, das wird Ileana nicht gefallen.«

»Ihr wird auch nicht gefallen, wenn ihr einziger Enkel an einer Herzmuskelentzündung stirbt.«

Adrian verzieht das Gesicht. »Sei nicht so dramatisch.«

»Ich bin nicht dramatisch, sondern besorgt.« Er schnauft leise. »Um dich.«

»Ich kann dir helfen«, springe ich ein, obwohl ich weiß, wie Dorian ausflippen wird, wenn er hört, dass ich nicht auf dem Hof geblieben bin. Aber es ist ein neuer Tag, und sie haben die Angriffe sicher inzwischen abgewehrt. Das haben sie doch bisher immer geschafft. Außerdem ist das meine Gelegenheit, den Jungs etwas zurückzugeben. Ich kann hier nicht auf der faulen Haut herumliegen, während die beiden ganz offensichtlich Hilfe brauchen. Ich habe es so satt zu warten.

»Nein, das musst du nicht«, erwidert Chris kopfschüttelnd. »Es ist nur Schlepperei.«

»Und weil ich eine Frau bin, kann ich nicht schleppen oder was?«

Mit zusammengezogenen dunklen Augenbrauen sieht er mich an. »Das habe ich nicht gesagt. Ich …«

»Adri braucht dich hier, und wenn ich dir helfe, bist du schneller wieder zurück.«

Sein Mundwinkel zuckt, und ich weiß, dass ich ihn habe. Er wird nicht dagegen argumentieren, solange es um seinen Freund geht.

»Na schön. Zieh dir was Warmes an, es ist verdammt kalt draußen.« Er lehnt sich vor, um sich ein weiteres Mal zu Adrian zu beugen, der ohne jeden weiteren Kommentar in die Kissen gesunken ist, was verdeutlicht, wie mies es ihm gehen muss. Chris wispert etwas an seiner Stirn, bevor er ihm trotz der Krankheit einen langen, sanften Kuss gibt.

Nicht nur Chris macht sich Sorgen um Adrian. Er sieht wirklich schlimm aus. Schweiß steht ihm auf der Stirn, seine Haut ist blass, beinahe durchscheinend, und als er nun den Kopf dreht, um ein weiteres Mal ins Kissen zu husten, und Chris mit einer Hand wegschiebt, entdecke ich einen dunklen Fleck an seinem Hals.

War der gestern Abend schon da? Ich meine, mal etwas darüber gelesen zu haben, dass sich solche Flecken bei schlechter Durchblutung bilden können.

Unbehagen liegt wie ein Klumpen in meinem Magen. Ist es etwas Ernstes? Etwas Schlimmeres als eine simple Erkältung? Eine Infektion? Etwas, das sich langsam in seinem Körper ausbreitet, während er hier liegt und kaum die Kraft hat, den Kopf zu heben?

»Vielleicht braucht er einen Arzt«, murmle ich und verschränke unbehaglich die Arme vor der Brust.

Adrian schüttelt den Kopf, wobei er bei der kleinsten Bewegung zusammenzuckt. »Bullshit, ich brauche keinen Arzt.«

»Xara hat recht. Wenn das bis morgen nicht besser ist, fahre ich dich ins Krankenhaus nach Ashrode.«

»Der Dorfarzt tut’s nicht?«

Chris hebt beide Brauen und deutet auf Adrians Hals. »Nein. Nicht wenn du aussiehst wie ein k. o. gegangener Preisboxer.«

»Ich sehe immer so aus, wenn ich krank bin, Babe. Das solltest du langsam wissen. Meine Haut ist einfach anfällig. Kein Grund zur Sorge.« Er tastet an seinem Hals herum, diesmal ohne das Gesicht zu verziehen. »Seht ihr? Nicht einmal die Lymphknoten sind geschwollen. Alles halb so wild.« Er wedelt mit einer Hand. »Und jetzt raus hier. Ihr müsst es ja nicht drauf anlegen, euch anzustecken.«

Innerlich danke ich meinem Immunsystem, dass es bis hierhin standgehalten hat. Ich würde allerdings verstehen, wenn es nach dieser Nacht dicht neben dieser Virenschleuder das Handtuch werfen würde.

Nach einem kurzen Frühstück treffe ich auf meinem Weg nach draußen auf Ileana, die in ihren dicken Wintermantel gehüllt die Tür aufschließt und einen weiteren Schwall Kälte ins Haus lässt.

»Guten Morgen, Xara«, sagt sie und schenkt mir ihr warmes Lächeln, bevor sie ihren Gehstock an der Wand anlehnt.

»Bunica?«, ruft Adrian aus der angelehnten Tür. »Warst du um diese Zeit etwa schon draußen?«

Die alte Dame stößt ein Seufzen aus und schält sich aus dem Mantel, den ich ihr rasch abnehme. »Ich war bei den Mädels!«, ruft sie laut durch den Flur, was mich innerlich gefrieren lässt. Sie war im Dorf? Über Nacht?

Ich sehe keine Verletzungen an ihr. Das ist gut, oder? Dann müssen die Kämpfe beigelegt worden sein.

Bevor ich jedoch nachhaken kann, wendet sie sich mit einem vorwurfsvollen Ton in der Stimme an mich. »Liegen die Jungs etwa immer noch im Bett? Es ist schon nach acht!«

»Die Tiere sind längst gefüttert!«, ruft Chris laut aus dem Zimmer, was Ileana nur geschäftig abwinken lässt.

»Das will ich doch hoffen.«

»Adri geht es nicht gut«, erkläre ich und hänge den Mantel auf, als sie schon auf ihre langsame, aber dennoch zielstrebige Art in das Zimmer schlurft.

»Ihr jungen Leute zieht zu wenig an«, wettert sie sogleich, was im düsteren Brummen der Jungs untergeht. »Und du hast deine letzte Erkältung nicht richtig auskuriert. Ich mache dir meine gute Hühnersuppe und wehe, ich höre nur ein Wort der Beschwerde von dir.«

»Ich will einfach nur schlafen, Bunica«, erklingt Adrians angeschlagene Stimme, doch sie wird von seiner Großmutter übertönt.

»Das wirst du auch, aber erst trinkst du meinen Tee! Und du verschwindest, bevor du dich auch noch bei ihm ansteckst und der Nächste bist, den ich pflegen muss!« Mit diesen Worten scheucht sie Chris aus dem Raum, der mit einem Grinsen auf den Lippen zu mir aufschließt. Er trägt nur einen dünnen Longsleeve und denkt nicht daran, nach seiner Jacke zu greifen.

Ich verdrehe die Augen und deute auf die Garderobe. »Du hast Ileana gehört. Zieh dir was Warmes an, sonst wirst du wirklich als Nächster krank.«

Sein Mundwinkel zuckt nun deutlich amüsiert. »Bei all den Keimen, die Adri verströmt, sind wir beide bald krank.« Er angelt zwar im Vorbeigehen nach seiner Jacke, wirft sie aber nur über den Unterarm und hält mir anschließend die Tür auf. »Bereit für einen Tag auf dem Markt?«

Kapitel 3

Xara

 

Wir sind erst eine halbe Stunde unterwegs, da fängt es an zu regnen. Aber lieber Regen als angreifende Vampire.

Diesen Gedanken stelle ich nur wenige Minuten später infrage. Dichter Nebel zieht sich über die umliegenden Felder und erschwert die Sicht aus dem Autofenster.

Dicke Tropfen prasseln unaufhörlich auf die Scheiben, verschmieren zu dunklen Schlieren, die das trübe Licht der Scheinwerfer verzerren. Chris hat seine liebe Mühe damit, den Transporter über die unbefestigten Wege zu lenken. Die Temperaturen kratzen noch immer am Gefrierpunkt, was die Gefahr für Glätte erhöht.

Mit einem skeptischen Blick durch das beschlagene Beifahrerfenster ziehe ich den Reißverschluss bis unters Kinn und lasse die Ärmel meines Mantels über die Hände rutschen.

Die Heizung im Transporter läuft wegen des verderblichen Gemüses im Wagen nicht, und trotz Chris’ warmen Körpers neben mir friere ich in meiner dicken Winterjacke.

»Adri sah echt gar nicht gut aus. Meinst du, es ist etwas Schlimmes?«, frage ich schließlich und ernte ein Kopfschütteln.

»Nein. Adri muss sich bestimmt nur einmal anständig auskurieren. Er will immer zu viel, und das rächt sich dann.«

In diesem Moment bricht das Heck des Transporters aus, und wir kommen schlitternd in einem schmalen Graben neben dem Weg zum Stehen. Chris drückt das Gaspedal, der Motor heult laut auf, doch die Räder drehen nur durch und spritzen den Matsch nach hinten, statt den Wagen nach vorne zu befördern.

»Fuck«, stößt Chris aus und schlägt auf das Lenkrad. »Nicht das auch noch!«

»Müssen wir jetzt schieben?«, frage ich und angle nach dem Sicherheitsgurt, um mich abzuschnallen. Mich trifft ein überraschter Blick von der Seite. »Was? Ich habe gesagt, dass ich dabei bin, um dir zu helfen. Ich kann schleppen, und ich habe auch kein Problem damit, mir die Hände schmutzig zu machen. Also sag mir, was ich tun soll.«

Er blinzelt kurz, dann nickt er. »Ja, du bist eine emanzipierte Frau und all das. Rutsch hier rüber. Du übernimmst das Gaspedal, und ich schiebe.«

»Weil du so ein starker Mann bist?«, ärgere ich ihn, rutsche aber wie gefordert auf den Fahrersitz, als er aus dem Wagen springt.

Ich bekomme nicht einmal ein Augenrollen auf meine Provokation. Dafür vernehme ich ein Ruckeln, dann ruft er über den pfeifenden Wind hinweg: »Bereit?«

Mit beiden Händen am Lenkrad, einem Fuß auf dem Gaspedal und den Blick konzentriert auf die Straße vor mir gerichtet, nicke ich, bis mir klar wird, dass er das hinter dem Transporter nicht sehen kann.

»Ja, ich bin …«

Bevor ich den Satz beendet habe und das Gaspedal auch nur ansatzweise gedrückt habe, geht ein weiterer Ruck durch den Wagen, und plötzlich stehen wir wieder auf der Straße.

Einfach so. Völlig gerade.

Ich blinzle irritiert, da taucht er schon neben der Tür auf und wischt sich die Hände an seiner Arbeitshose ab. »Hm?«, macht er und neigt den Kopf, um mich unter seinen dunklen Wimpern mit einem Blick zu bedenken, den ich nicht deuten kann. »Überrascht darüber, was für ein starker Mann ich bin?« Sein Lachen kann ich nicht erwidern. Wie hat er das gemacht? Der Graben ist zwar schmal, aber tief – und ich habe nicht mal Gas gegeben.

Meine Irritation übersieht er oder geht nicht darauf ein. »Willst du weiterfahren?« Er deutet auf den Beifahrersitz, und es dauert etwa drei Sekunden, bis ich den Subtext verstehe und stumm den Platz wechsle.

Sobald Chris zurück im Wagen ist, fahren wir schweigend weiter.

In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken wie gestern Abend, nur nehmen sie jetzt eine andere Richtung. Ich krame nach all den Informationen, die mir Juraj und Dorian gegeben haben. Es dauert nur ein paar Minuten, bis sich eine Theorie in meinem Kopf verfestigt, die erschreckend viel Sinn ergibt, auch wenn Dorian und Juraj beide unabhängig voneinander jede Andersartigkeit bei Chris oder Adrian ausgeschlossen haben.

Chris’ kalte Haut, die manchmal jedoch ins Warme umschlägt. Wie heute Nacht. Was, wenn der Fleck an Adris Hals nichts mit seiner Durchblutung zu tun hat, sondern … seine Krankheitssymptome darauf hinweisen, dass ein Vampir von ihm trinkt?

Mit zusammengekniffenen Augen mustere ich Chris’ kantiges Profil.

»Wir sind immer noch nicht da«, sagt er, ohne mich anzusehen und ohne dass ich gefragt habe.

»Der blaue Fleck an Adris Hals«, hebe ich an und beobachte Chris’ Reaktion genau, die jedoch spärlich ausfällt. Er zuckt nicht einmal mit der Nasenspitze und lässt sich auch sonst nichts anmerken. Ertappt sieht anders aus.

»Das ist wirklich typisch für ihn«, erklärt er schlicht. »Gib ihm ein paar Tage, und er ist wieder fit.«

»Es kann nichts anderes gewesen sein?«

»Was denn? Ein Knutschfleck? Falls du es nicht mitbekommen hast – er hat die ganze Nacht durchgehustet. Außerdem lagst du in unserem Bett, da werde ich meinen Freund sicher nicht anfallen.«

»Anfallen?«, wiederhole ich etwas zu schrill.

Nun runzelt er doch die Stirn und sieht kurz zu mir herüber. »Sex oder auch nur irgendwas, das in diese Richtung geht«, präzisiert er augenrollend. »Das gehört sich nicht.«

Bei seinen Worten blitzt ein Bild durch meinen Kopf, auch wenn es nur Dunkelheit ist. Aber da ist ein Geräusch. Ein Stöhnen, ein Saugen, dicht neben mir.

Irgendetwas in meinem Magen zieht sich unangenehm zusammen. Ich übersehe etwas.

Ist das eine Erinnerung? An was? Sie fühlt sich anders an als die kurzen Ausschnitte meiner Träume.

Weiter weg.

Fremder.

»Und gebissen hast du ihn auch nicht?«

Nun wandern seine Augenbrauen noch höher, und ich könnte mich ohrfeigen, dass ich einfach so mit meiner Frage herausplatzte. Aber wenn Chris ein Vampir ist, wäre jetzt die perfekte Gelegenheit, um reinen Tisch zu machen. Ich weiß Bescheid und ganz ehrlich: Wundern würde mich hier gar nichts mehr.

Doch zu meiner, wie ich jetzt merke, großen Enttäuschung fängt Chris an, herzhaft zu lachen. So laut, wie ich ihn noch nie lachen gehört habe. »Gebissen?«, fragt er und lässt das Grinsen seine Gesichtszüge übernehmen. Seine Augen funkeln. »Wir sind zwar Männer, aber keine Tiere im Bett, Xara. Wir versuchen nicht, uns gegenseitig aufzufressen. Tut mir leid, wenn du da offensichtlich einen anderen Eindruck bekommen hast.« Er räuspert sich, doch seine Ernsthaftigkeit hält sich nicht lang. »Wir werden in Zukunft leiser sein, wenn du nebenan schläfst.«

Meine Wangen müssen rot leuchten, so schnell wie mir die Hitze ins Gesicht schießt. Ich will sie lieber nicht noch einmal beim Sex hören – und dabei mehr oder weniger erwischt werden. »Das habe ich nicht gesagt, ich meine nur …« Ich verstumme. Ich kann ihn nicht einfach fragen, ob er ein Vampir ist, wenn er offensichtlich keine Ahnung hat, dass das ein Ding ist.

Seufzend reibe ich mir die pochende Schläfe. Nicht nur Vampire, nein, jetzt sehe ich schon Gespenster.

Seine Hand landet auf meinem Oberschenkel und ist so warm, dass ich die Theorie direkt verwerfe. Hält der Effekt eines Bisses überhaupt so lange? Ich meine … Adris Fleck war sehr dunkel. Ich kenne den Effekt von mir selbst, und die Spuren der Bisse waren schnell verblasst. Zu schnell. Nein, das kann nicht sein. Das würde ja bedeuten, dass er halb zu Tode getrunken wurde. Okay, das wiederum würde ja zu seinem aktuellen Zustand passen. Gott, was, wenn er nachts überfallen wurde? Wenn wir überfallen wurden und fremde Vampire in Ileanas Haus eingedrungen sind? Waren das die Geräusche, die ich in der Nacht gehört habe? Was, wenn …

»Mach dir nicht so viele Gedanken. Adri wird wieder. Wie gesagt, wenn wir hier fertig sind, fahre ich ihn ins Krankenhaus. Aber …« Er drückt aufmunternd mein Bein, bevor er die Hand zurückzieht und wieder ans Lenkrad legt. »Ich weiß sehr zu schätzen, wie sehr du dich um ihn sorgst. Du bist eine wirklich gute Freundin, Xara.«

Ich stoße ein unzufriedenes Seufzen aus und rutsche tiefer in meinen Sitz.

So komme ich nicht weiter. Ich muss mit Dorian sprechen.

»Chris?«, frage ich, und er brummt in Erwartung meiner Frage.

»Meinst du, du kannst mich heute Abend, wenn wir fertig sind, wieder beim Schloss absetzen?«

Er kneift leicht die Augen zusammen, nickt dann aber. »Klar. Aber du …«

»Ich weiß, ich weiß.« Ich seufze noch einmal. »Ich habe immer einen Platz bei euch. Aber es gibt da etwas, das ich dringend klären muss.«

»Na dann sollten wir uns beeilen, damit wir beide schnell nach Surnova kommen.«

***

Der Tag auf dem Markt in Ashrode vergeht in einem Wimpernschlag, was damit zusammenhängt, dass ich, wie Adrian angekündigt hat, viel zu tun habe. Ich schleppe Kisten von A nach B, verkaufe das Gemüse in sehr, sehr gebrochenem Rumänisch, was nur mit der Hilfe von Chris funktioniert, und schleppe noch mehr Kisten.

Am Abend merke ich jeden verdammten Muskel in meinem Körper, doch die Arbeit hat geholfen, mein Hirn für einen Tag auf Pause zu stellen.

Wir wurden weder angegriffen, noch war mir irgendeine Situation suspekt, was ich als gutes Omen deute. Ashrode gehört zum Allianzbündnis von Surnova, und würde dort noch immer ein Krieg toben, hätte das hier sicher irgendwelche Auswirkungen.

Und ja, ich versuche, mir selbst gut zuzureden, dass alles in Ordnung ist.

Ich werde heute noch ins Schloss zurückkehren und mit Dorian sprechen. Wir werden Juraj finden und … dann sehen wir weiter. Klingt doch nach einem wasserdichten Plan.

Als Chris und ich endlich wieder im Transporter sitzen und Kurs auf Surnova nehmen, bin ich hundemüde und durchgefroren bis auf die Knochen. Chris geht es ähnlich. Er ist eiskalt, weigert sich aber dennoch, seine Jacke anzuziehen.

Ich habe es aufgegeben, die Mutterhenne spielen zu wollen, drehe aber die Heizung auf, was Chris mit einem leisen Grollen kommentiert. »Wir haben immer noch zu viel Gemüse dabei, das verderben kann.«

»Aber ich friere mir den Hintern ab!«, protestiere ich mit einem lautstarken Zähneklappern.

Er seufzt, greift hinter sich und zieht seine Jacke hervor, die er mir über den Schoß wirft, ohne hinzusehen. »Bitte.«

»Danke«, erwidere ich augenrollend und lasse zu, dass er die Heizung wieder runterdreht. Dafür breite ich seine Jacke über meinem Schoß aus und lasse meine Stirn an die kühle Scheibe sinken.

Ein Schauer durchläuft meinen Körper, gefolgt von einem langen Gähnen.

»Na, so viel körperliche Arbeit nicht gewohnt?« Chris lacht, während er den Blinker setzt und in ein dunkles Waldstück abbiegt. »Du hast mich heute echt überrascht, Xara. Ich wusste zwar, dass eine starke Frau in dir steckt, aber dass du so hart mit anpackst und nicht gleich jammerst, weil dir ein Fingernagel abbricht, hätte ich nicht gedacht.« Bevor ich etwas auf seine wenig schmeichelhaften Worte erwidern kann, lacht er leise in sich hinein. »Adri jammert an den Markttagen ständig, und auch wenn ich es nicht zugeben will: Du warst tatsächlich eine größere Hilfe. Also … danke dir. Wirklich. Du hast mir heute echt den Arsch gerettet.«

Diese Worte gehen runter wie Öl. Seine Stimme ist tiefer, und seine Worte klingen ehrlich und … irgendwie nach einem ungläubigen Unterton, was auch nicht sonderlich verwunderlich ist. Er hatte sichtlich große Zweifel, als wir uns das erste Mal begegnet sind, und vermutlich hat er mich recht schnell in eine Schublade gesteckt. Ich bin froh, dass ich den Jungs mit meiner Anwesenheit nicht nur zur Last falle, sondern ihnen auch etwas für ihre Gastfreundschaft zurückgeben kann. Ich packe gerne mit an und scheue mich nicht vor körperlicher Arbeit. Im Gegenteil.

»Das sage ich ihm«, murmle ich schläfrig, obwohl meine Worte alles andere als ernst gemeint sind. Müde kuschle ich mich tiefer in seine Jacke.

Der dröhnende und stotternde Motor ist über die nächste halbe Stunde das einzige Geräusch neben dem rumänischen Radioprogramm, das einerseits ständig Störungen hat und von dem ich andererseits kein einziges Wort verstehe. Aber es ist ein gutes Schweigen, das sich zwischen uns ausbreitet.

Als wir den Wald hinter uns gelassen haben, biegt Chris auf eine gepflasterte Straße ein, die uns weiter an endlos weiten Feldern entlangführt.

»Ist das die Strecke nach Surnova?«, frage ich nach einer weiteren halben Stunde, in der wir durch die Dunkelheit rumpeln. Ich frage mich, wie Chris hier die Übersicht behält. Alles, was man erkennt – und das ist nicht viel –, sieht gleich aus.

»Jup«, murmelt Chris und nimmt eine Hand vom Lenkrad, um am Regler einen neuen Sender einzustellen.

Seufzend lasse ich den Kopf an die Lehne fallen und starre weiter in die Dunkelheit. »Dauert es noch lang? Der Hinweg kam mir kürzer vor.«

»Das liegt nur daran, dass du jetzt müde bist.« Chris zieht die Hand zurück, als er einen halbwegs störungsfreien Sender gefunden hat. Er sieht kurz zu mir herüber. »Schlaf ruhig noch ein bisschen.«

Ich schüttle den Kopf. »Nein, das lohnt sich nicht, so lange kann die Fahrt doch nicht mehr dauern.«

»Vielleicht solltest du schlafen.«

»Nein, ich will dich nicht allein durch die Dunkelheit fahren lassen, das passt schon. Wir können …« Ich verstumme, als seine Finger meinen Nacken streifen.

»Schlaf, Xara«, sagt er in einer völlig anderen Tonlage. Sie ist ernster, tiefer und lässt keinen Widerspruch zu.

Noch vor meinem nächsten Gedanken fallen mir die Augen zu.

Kapitel 4

Dorian

 

Die Wut kocht in mir. So sehr, dass meine Umgebung vor meinen Augen verschwimmt. Ich weigere mich zu glauben, was ich gesehen habe, doch Selbsttäuschung konnte die Wahrheit noch nie besiegen.

Ich spreche aus langjähriger Erfahrung.

»Wo ist der Verräter?« Meine Stimme geht im Krachen der Körper um uns herum unter, aber ich lasse mich nicht so leicht stoppen. »Juraj!«, brülle ich. Meine Worte werden nur hallend von den hohen Wänden der Kirche zurückgeworfen. Ich stoße alle weg, die sich mir nähern, weiche vielen Händen und schnappenden Kiefern aus, während mein Blick unfokussiert über das Chaos gleitet.

Wo ist er?

Ich kann ihn in all den kämpfenden und ineinander verschlungenen Wesen nicht ausmachen. Suchend blicke ich zur Kirchendecke auf, unter der ein schwarzer Rabe seine Kreise zieht.

Ist er das?

Allein der Gedanke daran, dass Juraj keine kleine Straßenratte ist, sondern all die verflixten Jahre mit hohem Cairennblut innerhalb meiner Mauern existiert hat, lässt mein kaltes Blut gefrieren. Von einem Geistesblitz taumele ich zum nächsten, eine Befürchtung löst die andere ab.

Er war der Spion, das ist klar. Er war derjenige, der Ksaryna dem Feind ausgeliefert hat.

Mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen, als mich die nächste Erkenntnis wie ein Schlag tief unter die Gürtellinie trifft.

Er hat meine Frau gefickt.

Weil ich es ihm erlaubt habe.

Ich habe Ksaryna nicht beschützt, indem ich sie sehenden Auges in die Arme des Feindes getrieben habe.

Und damit habe ich jeden einzelnen einsamen Tag der letzten fünfhundert Jahre verdient.

Gleichzeitig schlägt direkt die nächste Befürchtung ein. Hat er etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Hat er mich all die Jahre denken lassen, er wüsste nicht, was geschehen ist, obwohl er es ganz genau weiß?

Ich donnere meine Hand in das erste Wesen, das mir begegnet. Meine Faust gleitet mühelos durch seinen Brustkorb, durchschlägt Sehnen, Muskelstränge, Rippen. Ein Keuchen ertönt dicht vor mir, als ich das dumpf pochende Herz umfasse und mit einem Ruck aus seinem Körper ziehe. Unter einer spritzenden Blutfontäne fällt er in sich zusammen.

Erst jetzt erkenne ich meine Initialen, die am Saum seiner Kapuze eingestickt sind. Ich spüre keine Reue, keine Schuld. Sein Tod ist mir gleich.

Grollend steige ich über den vernichteten Körper, kümmere mich nicht darum, dass ich nicht mehr zwischen meinen und seinen Leuten unterscheiden kann.

Mit meiner verdammten Naivität habe ich mein Schloss zu einer Glaskugel gemacht, durch die uns meine Feinde jahrhundertelang beobachten konnten, weil sie durch Juraj fucking Cairenn alles aus erster Hand erfahren haben.

Deswegen hat er nie auf den Blutschwur bestanden. Er wollte sich nie an meinen Clan binden, weil er längst zu einem anderen gehörte.

Wie konnte ich nur so blind sein?

»Eure Hoheit!« Die aufgeregte Stimme ist dicht neben mir, dann packt mich jemand am Oberarm.

Ich bin so überrumpelt, dass derjenige es wagt, mich auf diese Weise anzufassen – und stehe durch die verdammte Wahrheit noch so neben mir –, da hat mich der Mann schon durch die halbe Kirche geschoben. Er ist schnell, vehement, und offenbar hat er ein Ziel.

Binnen Sekunden bin ich umzingelt und werde immer weiter abgetrieben. Von unseren Leuten, keine Frage. Sonst wäre ich längst tot.

»Ich muss hierbleiben!«, donnere ich durch die Dunkelheit. »Ich muss ihn finden! Ich muss …«

»Eure Hoheit, wir haben mit unserem und Eurem Blut für Eure Sicherheit gebürgt. Wir müssen Euch zum Schloss bringen. Hier unten ist es zu unübersichtlich.«

Ich weiß nicht, wer da spricht, und es ist mir auch egal. Ich reiße meinen Arm los, stoße in der Vorwärtsbewegung aber nur gegen einen breiten Rücken. Erneut werde ich gepackt, ich weiß nicht von wie vielen Händen. Sie zerren mich mit sich, aus der Kirche, durch die tobende Masse von Körpern, vorbei an den Pferden, die den Boden im Dorf erbeben lassen. Sie reißen alles um, was ihnen in die Quere kommt, beißen und töten unsere Gegner.

Noch immer ist meine Sicht vor Wut verzerrt, mein Blick zuckt von links nach rechts, aber ich kann ihn nicht finden.

Ich muss ihn finden.

Doch ich werde in die Kutsche gestoßen, jemand gibt einen Befehl, und dann jagt die Kutsche ungeachtet aller Hindernisse durch das Dorf.

»Ksaryna!«, stoße ich aus und hindere mich im selben Moment am Weitersprechen. Dafür öffne ich für einen kurzen Augenblick die Kommunikationskanäle und frage die Wachen, die vor Surnova postiert sind, nach einem Statusbericht.

Es dauert ein paar Sekunden, bis ich eine Rückmeldung bekomme, was meine eigene Schuld ist. Ich kann mich nicht auf all die gebellten Rufe konzentrieren, und die geballte Informationsflut ist für Ungeübte – wie ich einer bin – schwer zu durchdringen.

Doch dann höre ich endlich die erleichternde Mitteilung. Kein Vampir interessiert sich für Ileanas Hof. Ksaryna ist in Sicherheit. Noch.

Und wie ich mir nur ungern selbst eingestehe: Vermutlich ist sie dort sicherer als im Schloss, in dem ich niemandem mehr über den Weg trauen kann.

Kaum dass meine Leute mich zurückgeschleppt haben, ziehe ich mich in den Thronsaal zurück. In mir kocht blinde Wut. Ich muss sie in den Griff bekommen, bevor ich vorschnelle Entscheidungen treffe.

Das hat Juraj all die Jahre lang übernommen. Er war immer derjenige, der dafür gesorgt hat, dass ich bei schlechten Nachrichten zuerst gedacht und erst anschließend gehandelt habe. Wieso? Er hätte meinen Fall schon viel früher herbeiführen können.

Meinen Fall. Steht der mir nun bevor? Ist er hier – mit all seinen Raben –, um Surnova einzunehmen und mich und meinen Clan auszulöschen?

Habe ich ihm genug entgegenzusetzen? Nein, nicht wenn er all die Jahrhunderte in meinem eigenen Anwesen gegen mich gearbeitet hat. Jetzt bin ich die Maus, die in ihrem eigenen Bau von der Schlange zerquetscht und lebendig verschlungen wird.

Aber vielleicht bleibt mir noch Zeit, um den Ausgang zu finden. Ich muss nur nachdenken.

Denk, Dorian, denk verdammt noch mal!

Meine guten Vorsätze halten nicht lang. Ich belle kopflos Anweisungen, marschiere auf und ab und wälze weiter meine Gedanken, die nicht zum Erliegen kommen.

Wer gehört noch dazu?

Was habe ich noch übersehen?

Die Erleuchtung kommt beinahe sofort. »Vale!«, donnere ich durch den Saal, so laut, dass die Wachen an den Ausgängen zusammenzucken. Sie stieben auseinander und verteilen sich, um den gesuchten Mann zu finden.

Wenn das reicht. Vale ist Jurajs liebstes Kleinkind. Unter seiner Aufsicht hat er sich in der gesamten Edriv-Armee wahnsinnig schnell nach oben gearbeitet. Sind alle Edrivs Cairenn? Ist mein gesamtes Schloss längst von Feinden unterwandert? War ich all die Jahre nur seine Marionette in fürstlichem Gewand?

Mit geballten Fäusten stürme ich durch den Saal und ramme sie mit aller Kraft in die erste Wand, die meinen aufgebrachten Lauf stoppt. Das Knacken der Knochen ist Musik in meinen Ohren, der Schmerz genau der Impuls, den ich brauche, um durchzuatmen.

Meine Finger schwellen an, dennoch wiederhole ich die Bewegung. Immer und immer wieder, bis ich schweißüberströmt mit der Stirn gegen die Wand sinke und zitternd nach Luft ringe.

Ich muss einen kühlen Kopf bewahren. Ich muss. Ich muss mich zusammenreißen.

Doch ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie ich das anstellen soll, ohne in meiner blinden Wut meinen ganzen Clan auszulöschen. Ist das sein Ziel? Lehnt er sich zurück und sieht mir dabei zu, wie ich mich selbst vernichte, weil er mich kennt?

In dem Moment werden die Türen aufgeschoben, und der junge Edriv wird von meinen engsten Wachen umzingelt in den Saal gestoßen. Sobald er außerhalb ihrer Reichweite ist, drehen sie sich um und stürmen hinaus. Ich kann es ihnen nicht verübeln. In meiner Stimmung würde ich mir selbst auch nicht begegnen wollen oder mich mir länger als nötig in den Weg stellen.

Es sei denn … sie gehören längst alle zu ihm.

Suchend gleitet mein Blick über den jungen Edriv. Obwohl wir die Definition von blass darstellen, erbleicht er sichtlich und sinkt auf die Knie. Die Hände auf seine Oberschenkel gelegt, senkt er den Blick zu Boden. Ein sichtbares Zittern durchläuft seinen Körper.

Seine Angst ist echt.

Aber ist da auch Reue?

Oder nur die Furcht vor dem nächsten Mann, der über ihn richtet?

Was es auch ist, seine Angst rettet ihn nicht vor meiner brodelnden Wut. Mit einem Schritt bin ich bei ihm, und mit einer Hand in seinem Nacken zerre ich ihn zurück auf die Füße. Er soll mich ansehen, mir in die Augen schauen, wenn ich ihm jede Information zu seinem Erschaffer aus dem Körper ziehe.