Urologische Differenzialdiagnose -  - E-Book

Urologische Differenzialdiagnose E-Book

0,0
174,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Sicher zur fundierten Diagnose in der Urologie

Dieses Buch befähigt Sie dazu, fundierte urologische Diagnosen zu stellen. Zugleich hilft es Ihnen, Schnellschüsse zu vermeiden und auch seltene Krankheiten zu erkennen.

Ausgangspunkt ist eine Vielzahl von urologischen Symptomen oder Befunden. Neben den Leitsymptomen werden auch seltene oder spät auftretende Symptome berücksichtigt.
Sie werden klar und schrittweise durch die Differenzialdiagnostik geführt: von der Basisdiagnostik über das weitere diagnostische Vorgehen bis zur richtigen Diagnosestellung.

Alles auf einen Blick: Schemata für die Stufendiagnostik, differenzialdiagnostische Tabellen zu Symptomatik und Ätiologie sowie besondere Tipps zur Fehlervermeidung. Wichtige Krankheitsbilder finden Sie kurz zusammengefasst.

Das Werk folgt einer konsequenten Struktur und fordert wiederholt auf, Entscheidungen zu treffen. Dadurch werden Sie intensiv geschult, bewahren stets den Überblick und gelangen sicher zu einer fundierten Diagnose.

Die Neuauflage überzeugt:

  • komplett überarbeitete und aktualisierte Kapitel sowie differenzialdiagnostische Tabellen
  • Das Kapitel „Bildgebende Diagnostik“ wurde aufgrund des enormen medizinischen Fortschritts seit der letzten Auflage völlig neu gestaltet.
  • neue Themen: Tast- und Klopfbefunde, Erkrankungen und Bildgebung des kleinen Beckens, Ejakulationsstörungen

Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 695

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Urologische Differenzialdiagnose

Maurice Stephan Michel, Joachim Wilhelm Thüroff

Ralf Anding, Eduard Becht, Rolf Beetz, Johannes Budjan, Wolfgang Dillenburg, Detlef Frohneberg, Elmar Werner Gerharz, Rolf Gillitzer, Jost von Hardenberg, Helmut Heidler, Nina Huck, Axel Häcker, Klaus-Peter Jünemann, Arkadius Kocot, Philipp Krausewitz, Susanne Krege, Maximilian Kriegmair, Heinz Kölbl, Gerd Ludwig, Benjamin Meister, Sebastian W. Melchior, Stefan C. Müller, Andreas Neisius, Philipp Nuhn, Tobias Olbricht, Daniar Osmonov, Eckhard Petri, Daniel Pfalzgraf, Marie-Claire Rassweiler-Seyfried, Hubertus Riedmiller, Manuel Ritter, Herbert Rübben, Folke Schmidt, Martin Spahn, Raimund Stein, Christian Thomas, Peter H. Walz, Karl Weingärtner, Niklas Westhoff, Fabian Zilg

3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage

254 Abbildungen

Vorwort zur 3. Auflage

Nachdem im Frühjahr 2007 die 2. überarbeitete Auflage in Druck gegangen war, wurde es nach 10 Jahren erneut Zeit für eine Neubearbeitung der „Urologischen Differenzialdiagnose“. Etliches hat sich in der Diagnostik in diesen Jahren geändert. Vor allem in der Bildgebung zeigen sich signifikante Fortschritte. Neben Röntgen und Sonografie gibt es weitere neue Verfahren, sodass dieses Kapitel unter dem geänderten Titel „Bildgebende Diagnostik“ komplett überarbeitet wurde. Tast- und Klopfbefunde finden in der Neuauflage ebenfalls ihre Berücksichtigung. Hier entstand ein komplett neues Kapitel mit den Unterkapiteln „Flanke und Abdomen“, „Suprapubisch und rektal“ sowie „Leiste und äußeres Genitale“. Das Kapitel „Urologische Erkrankungen des Mannes“ wurde nun auch um das Thema „Ejakulationsstörungen“ ergänzt.

Gliederung und Aufbau der Kapitel orientieren sich an der Anamnese der Patienten und den sich daraus ableitenden Fragestellungen nach dem Prinzip „vom Symptom oder Befund zur Diagnose“. Das vorliegende Buch soll als Einstieg in die Differenzialdiagnose dienen, unter Ableitung der einzelnen Symptome (Leitsymptom, Nebensymptom) und Befunde (pathognomonisch, typisch, häufig, selten). Die differenzialdiagnostischen Tabellen, der Kern jeder Differenzialdiagnose, wurden komplett überarbeitet. Sie folgen einem Grundlagenabschnitt mit Definitionen, Ätiologie, Pathophysiologie und Klassifikation. Diese tabellarischen Übersichten sind als „Checkliste“ zu verstehen, die mit der Diagnose beginnen, für die das besprochene Symptom Leit- oder Hauptsymptom ist, gefolgt von Diagnosen, für die das Symptom zwar typisch, aber selten ist oder ein Spätsymptom darstellt. Da die meisten Diagnosen durchaus unter mehreren Symptomen auftreten können, erfolgt die Kurzdarstellung des Krankheitsbildes jeweils dort, wo das Haupt- oder Leitsymptom Kapitelüberschrift ist. Da das Werk über die eRef auch elektronisch verfügbar ist, sind die benötigten Informationen über die Suchfunktion schnell auffindbar.

Beibehalten wurde die Gliederung in geschlechts- und altersspezifische Unterteilungen („Kinderurologische Krankheitsbilder“, „Urologische Erkrankungen der Frau“, „Urologische Erkrankungen des Mannes“). Ein durch die demografische Entwicklung immer bedeutsamer werdender Aspekt ist auch die Altersurologie. Das „akute Skrotum“ beim Säugling erfordert andere Folgeuntersuchungen als beim alten Mann. Mittels Fallbeispielen wird auch das Thema „Fehldiagnosen/Differenzialdiagnostische Verwechslungen“ aufgeführt. Anhand von Befundkontrollen und speziellen Untersuchungstechniken wird dargelegt, wie solche differenzialdiagnostischen Fallstricke zu erkennen sind. Die bereits in der 2. Auflage neu hinzugekommenen Merksätze, Praxistipps und Warnhinweise wurden ebenfalls aktualisiert.

Ein neuralgischer Punkt bei einem Vielautorenwerk ist sicherlich die Harmonisierung der einzelnen Kapitel, die Vereinheitlichung von Grafiken und Bildern. Dies erfordert stets einen hohen Grad an Kommunikation und Kooperationsbereitschaft der einzelnen Autoren. Dafür möchten wir hier an dieser Stelle allen Beteiligten danken. Ebenfalls danken wir Cornelia Oslow für ihre engagierte Koordination der Arbeiten zwischen Herausgebern, Autoren und Verlag sowie den Lesern der 2. Auflage, die mit nützlichen und fruchtbaren Rückmeldungen, Anregungen und Hinweisen dazu beigetragen haben, die nun vorliegende 3. Auflage abzurunden.

Mannheim, im Frühjahr 2019

Maurice Stephan Michel

Joachim Wilhelm Thüroff

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort zur 3. Auflage

1 Schmerzen

1.1 Abdominalschmerzen

1.1.1 Systematik des Abdominalschmerzes

1.1.2 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

1.1.3 Besonderheiten

1.1.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

1.2 Flankenschmerzen

1.2.1 Grundlagen

1.2.2 Einteilung

1.2.3 Kolik

1.2.4 Diagnostik

1.2.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

1.2.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

1.3 Beckenschmerz

1.3.1 Grundlagen

1.3.2 Einteilung

1.3.3 Besonderheiten

1.3.4 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

1.3.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen anhand der Symptome bei akuten Beckenschmerzen

1.3.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

1.4 Genitale Schmerzen

1.4.1 Grundlagen

1.4.2 Skrotale Schmerzen

1.4.3 Penile Schmerzen

1.4.4 Perineale Schmerzen

1.4.5 Literatur

1.5 Schmerzhafte Blasenentleerung

1.5.1 Grundlagen

1.5.2 Einteilung

1.5.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

1.5.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

1.5.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

1.5.6 Literatur

2 Differenzialdiagnose sichtbarer äußerer Veränderungen

2.1 Gynäkomastie

2.1.1 Grundlagen

2.1.2 Fehldiagnosen – differenzialdiagnostische Probleme

2.2 Striae (genauer: Striae cutis atrophicae sive distensae)

2.2.1 Grundlagen

2.3 Behaarungsanomalien

2.3.1 Grundlagen

2.4 Ödeme

2.4.1 Grundlagen

2.4.2 Fehldiagnosen – differenzialdiagnostische Probleme

2.5 Eunuchoide Körperproportionen

2.5.1 Grundlagen

2.5.2 Einteilung

2.5.3 Kurzdarstellungen wichtiger Krankheitsbilder

2.6 Nichtklassifizierbare äußerliche Veränderungen

2.7 Literatur

3 Tast- und Klopfbefunde

3.1 Flanke und Abdomen

3.1.1 Flanke

3.1.2 Abdomen

3.2 Suprapubisch und rektal

3.2.1 Untersuchungsbedingungen

3.2.2 Suprapubische Tast- und Klopfbefunde

3.2.3 Rektale Tastbefunde

3.3 Leiste und äußeres Genitale

3.3.1 Leiste

3.3.2 Äußeres Genitale

4 Fieber durch pathologische Befunde des Harntraktes

4.1 Grundlagen

4.1.1 Leitsymptome

4.1.2 Ursachen

4.2 Einteilung

4.3 Besonderheiten

4.4 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

4.5 Erweiterte Diagnostik

4.6 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

4.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

4.7.1 Akute Pyelonephritis

4.7.2 Nierenabszess/-karbunkel

4.7.3 Perinephritischer Abszess

4.7.4 Akute, bakterielle Prostatitis

4.7.5 Akute Epididymitis

4.8 Literatur

5 Urinbefunde

5.1 Hämaturie

5.1.1 Grundlagen

5.1.2 Einteilung

5.1.3 Basisdiagnostik

5.1.4 Diagnostisches Vorgehen

5.1.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

5.1.6  Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

5.2 Leukozyturie/Pyurie

5.2.1 Grundlagen

5.2.2 Besonderheiten

5.2.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

5.2.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

5.3 Pneumaturie/Fäkalurie

5.3.1 Grundlagen

5.3.2 Basisdiagnostik

5.3.3 Diagnostisches Vorgehen

5.3.4 Literatur

5.4 Kristallurie

5.4.1 Grundlagen

5.4.2 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

5.4.3 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

5.5 Proteinurie

5.5.1 Grundlagen

5.5.2 Einteilung

5.5.3 Basisdiagnostik

5.5.4 Diagnostisches Vorgehen

5.5.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

5.5.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

5.5.7 Literatur

5.6 Veränderungen des Urin-pH-Wertes

5.6.1 Grundlagen

5.6.2 Besonderheiten

5.6.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

5.6.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

5.6.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbildesr

5.7 Zylinder im Urinsediment

5.7.1 Grundlagen

5.7.2 Einteilung

5.7.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

5.7.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

6 Diffenzialdiagnose von Laborwerten

6.1 Prostatakarzinom

6.1.1 PSA (prostataspezifisches Antigen)

6.1.2 Alkalische Phosphatase (AP)

6.2 Hodentumoren

6.2.1 Grundlagen

6.2.2 Alphafetoprotein (AFP)

6.2.3 Humanes Choriongonadotropin (hCG)

6.2.4 Laktatdehydrogenase (LDH)

6.3 Untersuchungen zur Beurteilung der Nierenfunktion

6.3.1 Kreatinin

6.3.2 Harnstoff

6.3.3 Cystatin C

6.4 Urolithiasis

6.4.1 Hyperkalzurie

6.4.2 Hyperoxalurie

6.4.3 Hyperurikosurie

6.4.4 Zystinurie

6.4.5 Renal-tubuläre Azidose (RTA)

6.5 Säure-Basen-Gleichgewicht und Blutgase

6.6 Anämie

6.6.1 Grundlagen

6.6.2 Einteilung

6.6.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

6.7 Literatur

7 Renale Hypertonie

7.1 Grundlagen

7.2 Renoparenchymatöse Hypertonie

7.2.1 Grundlagen

7.2.2 Basisdiagnostik

7.3 Renovaskuläre Hypertonie

7.3.1 Grundlagen

7.3.2 Basisdiagnostik

7.3.3 Diagnostisches Vorgehen

7.3.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

7.3.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

7.4 Literatur

8 Bildgebende Diagnostik

8.1 Stumme Niere

8.1.1 Grundlagen

8.1.2 Einteilung

8.1.3 Besonderheiten

8.1.4 Basisdiagnostik vor IVP

8.1.5 Diagnostisches Vorgehen

8.1.6 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

8.1.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

8.2 Harnstauungsniere

8.2.1 Grundlagen

8.2.2 Einteilung

8.2.3 Basisdiagnostik

8.2.4 Diagnostisches Vorgehen

8.2.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

8.2.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

8.2.7 Literatur

8.3 Renale und retroperitoneale Raumforderungen

8.3.1 Nierentumoren

8.3.2 Einteilung

8.3.3 Basisdiagnostik, diagnostisches Vorgehen

8.3.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen und radiologischen Klassifikation

8.3.5 Kurzdarstellung wichtiger benigner Krankheitsbilder

8.3.6 Kurzdarstellung wichtiger maligner Krankheitsbilder

8.3.7 Primär retroperitoneale Tumoren

8.3.8 Nebennierentumoren

8.3.9 Literatur

8.4 Retrogrades Urethrogramm (RUG)

8.4.1 Grundlagen

8.4.2 Besonderheiten

8.4.3 Diagnostisches Vorgehen

8.4.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

8.4.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

8.5 Miktionszystourethrogramm (MCU)

8.5.1 Grundlagen

8.5.2 Besonderheiten

8.5.3 Diagnostisches Vorgehen

8.5.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

8.5.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

8.6 Bildgebung Prostata/kleines Becken

8.6.1 Differenzialdiagnostische Indikationen zur Bildgebung des kleinen Beckens

8.6.2 Erkrankungen der Prostata

8.6.3 Erkrankungen der Harnblase

8.6.4 Fisteln im kleinen Becken

8.6.5 Traumatologie im kleinen Becken

8.6.6 Literatur

9 Funktionsstörungen des unteren Harntraktes – Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS)

9.1 Blasenentleerungsstörungen

9.1.1 Grundlagen

9.1.2 Einteilung

9.1.3 Besonderheiten

9.1.4 Basisdiagnostik

9.1.5 Diagnostisches Vorgehen

9.1.6 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

9.1.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

9.1.8 Literatur

9.2 Harnspeicherstörungen – Pollakisurie, imperativer Harndrang, Harninkontinenz

9.2.1 Grundlagen

9.2.2 Einteilung

9.2.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

9.2.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

9.2.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

9.2.6 Fehldiagnosen – differenzialdiagnostische Probleme

9.2.7 Literatur

10 Pathologisch veränderte Urinproduktion

10.1 Grundlagen

10.2 Einteilung

10.2.1 Akute Niereninsuffizienz

10.2.2 Chronische Niereninsuffizienz

10.3 Besonderheiten

10.4 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

10.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

10.5.1 Akute Niereninsuffizienz

10.5.2 Chronische Niereninsuffizienz

10.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

10.6.1 Akutes Nierenversagen durch Röntgenkontrastmittel

10.6.2 Funktionelle Oligurie

10.6.3 Nierentransplantatversagen

10.7 Literatur

11 Urethraler Ausfluss

11.1 Grundlagen

11.2 Einteilung nach der Pathogenese

11.2.1 Infektionen

11.2.2 Manipulationen

11.2.3 Allergische Reaktionen

11.2.4 Anomalien

11.3 Besonderheiten

11.4 Basisdiagnostik

11.5 Diagnostisches Vorgehen

11.5.1 Tabellarischer Überblick

11.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

11.6.1 Gonorrhö

11.7 Literatur

12 Kinderurologische Krankheitsbilder

12.1 Bauchschmerzen (Nabelkoliken)

12.1.1 Grundlagen

12.1.2 Einteilung

12.1.3 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

12.1.4 Tabellarischer Überblick der kinderurologischen Differenzialdiagnosen (nach dem 6. Lebensjahr)

12.1.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

12.2 Enuresis und kindliche Harninkontinenz

12.2.1 Grundlagen

12.2.2 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

12.2.3 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

12.2.4 Literatur

12.3 Abdominaltumor

12.3.1 Grundlagen

12.3.2 Basisdiagnostik

12.3.3 Diagnostisches Vorgehen

12.3.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

12.3.5 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

12.3.6 Fehldiagnosen – differenzialdiagnostische Probleme

12.3.7 Literatur

12.4 Dilatation des oberen Harntraktes

12.4.1 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

12.4.2 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

12.4.3 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

12.4.4 Literatur

12.5 Wachstums- und Gedeihstörungen

12.5.1 Grundlagen

12.5.2 Basisdiagnostik

12.5.3 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

12.5.4 Kurzdarstellung kinderurologisch-nephrologischer Krankheitsbilder mit Wachstums- und/oder Gedeihstörungen

12.5.5 Literatur

12.6 Intersexuelles Genitale

12.6.1 Grundlagen

12.6.2 Besonderheiten

12.6.3 Basisdiagnostik und erweitertes diagnostisches Vorgehen

12.6.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

12.6.5 Kurzdarstellung der wichtigsten Formen der Disorders/Differences in Sexual Development (DSD)

12.6.6 Literatur

12.7 Hodendystopie

12.7.1 Grundlagen

12.7.2 Basisdiagnostik

12.7.3 Fehldiagnosen, differenzialdiagnostische Probleme

12.7.4 Kurzdarstellungen einzelner Krankheitsbilder

12.7.5 Literatur

12.8 Anomalien des äußeren Genitales

12.8.1 Phimose

12.8.2 Hypospadie

12.8.3 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

12.8.4 Ekstrophie

13 Urologische Erkrankungen des Mannes

13.1 Hämatospermie

13.1.1 Grundlagen

13.1.2 Einteilung

13.1.3 Besonderheiten

13.1.4 Basisdiagnostik

13.1.5 Diagnostisches Vorgehen

13.1.6 Überblick der Differenzialdiagnosen

13.1.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

13.1.8 Literatur

13.2 Ejakulationsstörungen

13.2.1 Ejaculatio praecox (EP)

13.2.2 Retrograde Ejakulation/Anejakulation

13.2.3 Schmerzhafte Ejakulation

13.2.4 Ejaculatio tarda

13.2.5 Literatur

13.3 Erektile Dysfunktion und Impotenz

13.3.1 Grundlagen

13.3.2 Einteilung

13.3.3 Besonderheiten

13.3.4 Basisdiagnostik

13.3.5 Spezielle Diagnostik

13.3.6 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

13.3.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

13.3.8 Literatur

13.4 Infertilität

13.4.1 Grundlagen

13.4.2 Einteilung

13.4.3 Basisdiagnostik

13.4.4 Diagnostisches Vorgehen

13.4.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

13.4.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

13.4.7 Fehldiagnosen – differenzialdiagnostische Probleme

13.4.8 Literatur

13.5 Priapismus

13.5.1 Grundlagen

13.5.2 Einteilung

13.5.3 Besonderheiten

13.5.4 Basisdiagnostik

13.5.5 Diagnostisches Vorgehen

13.5.6 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

13.5.7 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

13.5.8 Fehldiagnosen

13.5.9 Kasuistik

13.5.10 Literatur

14 Urologische Erkrankungen der Frau

14.1 Anomalien des äußeren Genitales, puberale Geschlechtsdifferenzierungsstörung, primäre Amenorrhö

14.1.1 Grundlagen

14.1.2 Einteilung

14.1.3 Basisdiagnostik

14.1.4 Diagnostisches Vorgehen

14.1.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

14.1.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

14.2 Dyspareunie

14.2.1 Einteilung

14.2.2 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

14.2.3 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

14.2.4 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbildern

14.3 Deszensus/Prolaps

14.3.1 Grundlagen

14.3.2 Einteilung

14.3.3 Basisdiagnostik

14.3.4 Diagnostisches Vorgehen

14.3.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

14.4 Harntraktveränderungen in der Schwangerschaft

14.4.1 Grundlagen

14.4.2 Besonderheiten

14.4.3 Diagnostik

14.4.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

14.4.5 Kurzdarstellungen wichtiger Krankheitsbilder

14.4.6 Literatur

15 Glossar

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

1 Schmerzen

1.1 Abdominalschmerzen

A. Häcker, frühere Bearbeitung: H.-J. Piechota, L. Hertle

Zahlreiche urologische Erkrankungen, wie z.B. die Urolithiasis sowie Entzündungen der Niere und der Blase, gehen mehrheitlich mit abdominalen Beschwerden und Schmerzen einher. Überwiegend sind es jedoch nichturologische, meist chirurgische Krankheitsbilder, die mit Abdominalschmerzen vergesellschaftet sind, sodass die Kenntnis dieser Differenzialdiagnosen täglich klinisch relevant ist. Diese Differenzialdiagnosen werden im vorliegenden Beitrag systematisch vorgestellt.

1.1.1 Systematik des Abdominalschmerzes

1.1.1.1 Schmerztypisierung

Zur näheren Charakterisierung abdominaler Schmerzen kann bei der Anamnese und der körperlichen Untersuchung unterschieden werden zwischen:

Spontanschmerz,

Druckschmerz,

Klopfschmerz,

Loslassschmerz.

Beim Provokationsschmerz kommt es zur Schmerzverstärkung durch Palpation. Oftmals findet sich bei abdominalen Schmerzen eine begleitende lokalisierte oder generalisierte Abwehrspannung der Bauchdecke.

Bei abdominalen Schmerzen wird der viszerale von dem somatischen Schmerz unterschieden.

Viszerale Schmerzen

Sie können durch Kapselspannung parenchymatöser Organe, Dehnung oder spastische Kontraktionen der glatten Muskulatur sowie Durchblutungsstörungen hervorgerufen werden. Die Perzeption und Schmerzleitung erfolgt über dem Intestinum und dem Peritoneum viscerale entspringende Fasern des vegetativen Nervensystems (Nn. splanchnici).

Der Schmerz und ist meist intermittierend, diffus und schlecht lokalisierbar und hat dumpfen, krampfartigen, bohrenden Charakter. Die Schmerzattacken sind häufig von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Blässe und Schwitzen sowie Unruhe begleitet. Ein Wechsel der Körperhaltung durch Krümmen und sich Winden sowie Umhergehen verschafft dem Betroffenen bisweilen Linderung, wohingegen es in Ruhe eher zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommt.

Merke

Der viszerale Schmerz ist dumpf, quälend, von wechselnder Intensität und unscharf in der Lokalisation.

Die Kolik als Sonderform des viszeralen Schmerzes tritt ohne Prodromalsymptome auf und ist durch intermittierend an- und abschwellende, wehenartige Schmerzattacken mit schmerzfreien Intervallen charakterisiert. Sie geht mit raschen, massiven Druckerhöhungen in Hohlorganen einher und ist in der Regel von intensiven Muskelkontraktionen (Spasmen) begleitet, durch die sich das Hohlorgan um die Austreibung von Fremdkörpern, wie beispielsweise Konkrementen oder Koageln, bemüht. Durch Entzündung oder Katheterirritation bedingte Schmerzzustände der harnableitenden Wege werden definitionsgemäß als Tenesmen bezeichnet.

Somatische Schmerzen

Der somatische Schmerz wird durch direkte Irritation des Peritoneum parietale von Bauchwand, Mesenterialansatz und Retroperitoneum beispielsweise bei entzündlichen Prozessen, Tumorinfiltration oder Organperforation hervorgerufen. Die Schmerzleitung erfolgt segmental und seitengetrennt über sensible Nn. intercostales. Es handelt sich typischerweise um einen gut lokalisierten, von einer abdominalen Abwehrspannung begleiteten, scharfen bis brennenden Dauerschmerz. Bettruhe und Schonhaltung führen zur Schmerzlinderung, während Bewegung und Erschütterungen wie beim Husten oder Niesen eine Verschlimmerung der Beschwerden zur Folge haben.

Merke

Somatische Schmerzen sind lokalisierbar, anhaltend und schneidend.

Die anatomische Nähe der Nieren, des oberen Harntraktes und der Harnblase zum Peritoneum erklärt, warum es im Rahmen von Erkrankungen dieser Organe häufig zu peritonealen Reizerscheinungen kommt. Dadurch kann der primär viszerale Schmerz von somatischen Beschwerden überlagert werden. Es kann ein Symptomenmischbild mit Übelkeit, Erbrechen, Darmatonie, Obstipation und Meteorismus resultieren.

Führt ein tumoröses oder entzündliches Geschehen zur raschen Volumenzunahme eines parenchymatösen Organs, kommt es zur Dehnung der Organkapsel und Auftreten des sog. Parenchymschmerzes. Gleichzeitig beeinträchtigt die entstehende intraparenchymatöse Druckerhöhung die Organdurchblutung. Aufgrund der verminderten Sauerstoffzufuhr und Anhäufung saurer Stoffwechselprodukte resultiert der den Parenchymschmerz noch verstärkende Ischämieschmerz. Der Schmerzcharakter wird zumeist als dumpf, brennend oder pochend beschrieben und lässt eine Periodik vermissen.

1.1.1.2 Schmerzlokalisation und -ausstrahlung

Viszeraler Schmerz

Die viszerale Schmerzausstrahlung erfolgt in Gebiete, die dem gleichen Neurosegment angehören wie das erkrankte Organ. Dabei können sich die Schmerzen in Haut- oder Muskelfaszienbezirke (Head-Zonen, MacKenzie-Zonen) projizieren, die zum Teil weit entfernt vom erkrankten Organ als Ursprungsort des Schmerzreizes liegen („referred Pain“) ( ▶ Tab. 1.1, ▶ Abb. 1.1, ▶ Abb. 1.2).

Tab. 1.1

 Segmentale Lokalisation viszeraler Schmerzen.

Organ

Segment

Dermatom

Zwerchfell

C3–C5

Schulter-Hals-Bereich

Herz

C5–Th6

Arm bis Xiphoid

Ösophagus

Th1–Th6

Kleinfinger bis Xiphoid

Oberbauchorgane

Th6–Th8

Xiphoid bis Epigastrium, untere Skapulagegend

Dünndarm und rechtes Kolon

Th9–Th10

periumbilikal

linkes Kolon

Th11–Th12

Unterbauch

Nieren und Harnleiter

Th6–L5

Flanke, Mittel- bis Unterbauch, Genitalbereich, medialer Oberschenkel

Harnblase

Th6–L5 (Detrusor)

S1–S4 (Trigonum)

Unterbauch

Ventrale Schmerzausstrahlung unterschiedlicher Organerkrankungen.

Abb. 1.1

Dorsale Schmerzausstrahlung unterschiedlicher Organerkrankungen.

Abb. 1.2

Merke

Der viszerale Schmerz strahlt häufig in die Head-Zonen aus. Beim somatischen Schmerz kennzeichnet das Punctum maximum den Ort der Schmerzentstehung.

Bei abgehenden hoshen, mittleren oder tiefen Harnleitersteinen ist mit dem Tiefertreten des Konkrementes typischerweise eine Verlagerung des Schmerzes und seiner Ausstrahlung verbunden, wodurch nicht selten exakte Rückschlüsse auf die aktuelle Steinlage möglich sind. Während hohe Harnleiterkonkremente überwiegend Oberbauch- und Flankenschmerzen verursachen, sind bei mittleren und tief gelegenen Steinen in die Leisten- und Genitalregion (Hoden, Labia majora) der gleichen Seite ausstrahlenden Schmerzen zu beobachten. Liegt das Konkrement prävesikal, intramural oder gar im Ostium, imponieren stechende, brennende Blasenschmerzen mit imperativem Harndrang und Pollakisurie wie bei einer akuten Urozystitis oder Urethritis ( ▶ Abb. 1.3).

Regionale Lokalisation abdominaler Schmerzen.

Abb. 1.3

Somatischer Schmerz

Der somatische Schmerz ist dagegen am Ort der Erkrankung (z.B. Entzündung) lokalisiert.

Verschiedene neurologische und orthopädische Krankheitsbilder (z.B. Diskushernie, Spondylarthrose, Spondylitis, Wirbelmetastasen, primäre Knochenerkrankungen, Morbus Bechterew usw.) mit Beteiligung eines abdominalen Nervensegmentes können eine primäre abdominale Erkrankung vortäuschen. In der Regel fehlt dabei jedoch die abdominale Abwehrspannung und der Kranke ist oft nicht fähig anzugeben, ob der Schmerz im Abdomen oder im Rücken lokalisiert ist.

Differenzialdiagnostische Schwierigkeiten bereitet der Herpes zoster, wenn vor dem Ausbruch des Exanthems segmentgebundene, einseitige, heftige neuralgiforme Schmerzen auftreten, welche ebenso wie die Hauteffloreszenzen nur selten die Mittellinie überschreiten.

1.1.1.3 Schmerz im zeitlichen Verlauf

Zur Differenzierung des zeitlichen Verlaufes abdominaler Schmerzen werden unterschieden:

akute, im Verlauf weniger Minuten oder Stunden einsetzende Schmerzen,

chronische Schmerzen,

in Schüben rezidivierende Schmerzen.

Dazu bedarf es der Evaluation der Dauer der Erkrankung und der Entwicklungszeit der Schmerzen. Diese Unterscheidung vermag im Zusammenhang mit der Erhebung anderer zeitabhängiger Faktoren und Symptome eine differenzialdiagnostische Hilfestellung geben, wie die nachstehenden Beispiele zeigen.

Bei der Urolithiasis treten Koliken etwa in der Hälfte der Fälle typischerweise rhythmisch in Abständen von Minuten bis Wochen auf. Ruhende Kelch- oder Ausgusskonkremente verursachen oft lediglich ein dumpfes, sich im Liegen verstärkendes Organgefühl und bleiben nicht selten asymptomatisch. Impaktierte Harnleitersteine oder spontan abgehende kleinste Konkremente und Nierengrieß können gänzlich unbemerkt bleiben.

Häufig findet sich bei abdominalen Beschwerden ein zeitlicher Zusammenhang mit äußeren Faktoren wie beispielsweise Nahrungs- oder Medikamenteneinnahme. So verstärkt bei der akuten Gastritis Nahrungsaufnahme die diffusen, dumpfen, median im Oberbauch lokalisierten Beschwerden. Nach Erbrechen tritt meist Linderung ein. Neben Nikotin-, Alkohol- und Koffeinabusus können auch psychische und physische Stresssituationen (schweres Trauma, Operation) sowie Infektionen, Nahrungsmittel oder Intoxikationen an der Entstehung einer akuten Gastritis beteiligt sein. Auch Nebenwirkungen von Medikamenten und Zytostatika kommen ursächlich in Betracht. Häufig ist die Gastritis der sekundäre Ausdruck einer Grundkrankheit, wie der chronischen Urämie, bei akuten oder chronischen Lebererkrankungen und als Stauungsgastritis bei der Herzinsuffizienz. Die erosive Gastritis ist eine wichtige Ursache der Hämatemesis.

Die beim Ulcus ventriculi auftretenden, scharf umschriebenen, im Epigastrium lokalisierten Schmerzen von bohrendem, stechendem Charakter treten zumeist 1–2 Stunden postprandial sowie als Spontanschmerz um Mitternacht auf. Sie bessern sich typischerweise auf Milch, Antazida oder Nahrungszufuhr und verschwinden dann in der Regel nach wenigen Minuten. Morgendlicher Nüchternschmerz ist sehr ungewöhnlich.

Bei der Gallenkolik durch Steineinklemmung treten akut krampfartige, subkostale oder epigastrische Schmerzen im rechten Oberbauch auf, die häufig in die Schulter und den Rücken ausstrahlen. Zu den Begleitsymptomen können lokaler Druckschmerz (Murphy-Zeichen) mit Abwehrspannung, Erbrechen, Übelkeit, Fieber, Leukozytose, Schüttelfrost und ein Ikterus der Haut und Schleimhäute zählen. Bei gegebener Fettintoleranz treten die Beschwerden meist postprandial nach Diätfehlern auf. Die Cholezystolithiasis betrifft Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer und ist bei Diabetes mellitus, adipösen Patienten, nach Schwangerschaften und mit zunehmendem Alter gehäuft.

Bei der akuten Pankreatitis imponieren zumeist plötzlich einsetzende, heftige, gürtelförmig zum Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen im Gefolge von Nahrungs- und Alkoholexzessen oder bei Cholezystolithiasis.

Tumorbedingte Schmerzen im Abdomen beginnen im Allgemeinen langsam und uncharakteristisch und weisen keine Periodik oder Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme auf. Sie sind progredient und meist von unbestimmten Beschwerden wie Inappetenz, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Leistungsknick, Abgeschlagenheit und Schwäche (Tumoranämie!) begleitet.

Die wichtigsten differenzialdiagnostischen Überlegungen bei Schmerzen im Abdomen basieren auf der Beantwortung folgender Fragen:

Ist eine Organzuordnung möglich?

Handelt es sich um eine Infektion?

Liegt eine Gefäßbeteiligung vor?

Herrscht ein Volumenmangel?

1.1.2 Basisdiagnostik und diagnostisches Vorgehen

Anamnese und körperliche UntersuchungDer Schmerz hat bei der Erhebung der Anamnese und körperlichen Untersuchung einen hohen Stellenwert. Als häufigstes urologisches Leitsymptom ist er für die weitere Diagnostik und Therapie jedoch nur dann wegweisend, wenn ihm ein Ursprungsorgan nebst zugrunde liegender Pathologie im Sinne einer Verdachtsdiagnose zugeordnet werden kann. Hierzu muss der Schmerz zunächst genau differenziert werden nach:

Lokalisation,

Qualität,

Ausstrahlung,

zeitlichem Verlauf,

Begleitsymptomen.

Zahlreiche Krankheitsbilder weisen diesbezüglich charakteristische Muster auf. Zusammen mit der genauen Kenntnis dieser Krankheitsbilder und der anatomischen Organnachbarschaften kann die Verdachtsdiagnose gestellt werden.

Die Schmerzdifferenzierung hat somit entscheidenden Einfluss auf die Untersuchungsplanung und Diagnosestellung. Der Arzt ist hierbei auf die subjektive Schmerzäußerung und -bewertung in Sprache und Gestik durch den Patienten angewiesen und sollte bei der eigenen Wertung die psychische Grundstimmung des Patienten berücksichtigen.

Übersicht

Differenzierungskriterien des Schmerzes

Lokalisation

Qualität

Ausstrahlung

zeitlicher Verlauf

Begleitsymptome

1.1.2.1 Weitere Diagnostik

Durch die weitere Diagnostik sind organische von funktionellen oder psychischen Leiden zu differenzieren.

Praxis

Praxistipp

Als Faustregeln können berücksichtigt werden:

Häufigkeitsregel („Seltenes kommt zwar vor, Häufiges ist häufig.“),

Lokalisationsregel („Das Zentrum der Schmerzsymptomatik weist in der Regel auf den erkrankten Organbezirk hin.“).

Die weiterführende spezifische Diagnostik richtet sich nach der entsprechenden Verdachtsdiagnose, die aus der Differenzierung des Schmerzes resultiert.

Merke

Zum Schutz vor Fehldiagnosen ist die wiederholte Untersuchung und Erkennung von Verlaufsänderungen notwendig. Die Schmerztherapie sollte möglichst erst nach vollständiger klinischer Befunderhebung am Abdomen begonnen werden.

Übersicht

Inhalte der klinischen Untersuchung des Abdomens

Inspektion

Palpation

Perkussion

Auskultation

digitorektale Untersuchung

Weiter Untersuchungen sind:

die Labordiagnostik von Urin und Serum,

Sonografie der Abdominalorgane,

konventionelles Röntgen (Thorax/Abdomenübersicht) sowie

die Computertomografie.

1.1.3 Besonderheiten

1.1.3.1 Akutes Abdomen

Das akute Abdomen (auch akuter Bauch genannt) ist eine Sonderform akut auftretender, abdominaler Beschwerden.

Es bezeichnet per Definition eine zunächst nicht exakt differenzierbare akute, schmerzhafte Erkrankung in der Bauchhöhle, welche eine rasche Diagnostik und oft auch eine notfallmäßige operative Therapie benötigt.

Übersicht

Leitsymptome des akuten Abdomens

plötzlich auftretende heftige heftige Bauchschmerzen mit eindeutiger peritonealer Symtomatik (druck-/vibrationsempflindliche Bauchdecke))

Abwehrspannung der Bauchmuskulatur („brettharter“ Bauch)

aufgetriebenes Abdomen („Meteorismus“)

Veränderungen der Darmtätigkeit (pathologische Darmperistaltik)

Übelkeit/Erbrechen

Darmparalyse, Diarrhö oder Obstipation

reduzierter Allgemeinzustand mit oder ohne Kreislaufschocksymtomatik

Fieber

Der Begriff akutes Abdomen ist zunächst eine klinisch-deskriptive Bezeichnung. Es muss umgehend geklärt werden, was dem akuten Abdomen als Ursache zugrunde liegt.

Ursachen des akuten Abdomens sind in mehr als 95% der Fälle:

akute Appendizitis,

Akute Cholezystitis,

Ileus (mechanisch/paralytisch),

Magen/Darmperforation,

akute Pankreatitis,

Dünndarmerkrankungen,

Divertikulitis.

Weitere, seltenere Ursachen können der ▶ Tab. 1.2 (Differenzialdiagnosen) entnommen werden (s. Kap. ▶ 1.1.4).

Merke

Der akute Bauch

bereitet Schmerzen (möglichst keine starken Analgetika!),

neigt zum Erbrechen (Magensonde),

macht Angst (milde Sedativa),

braucht Volumen (Infusionstherapie),

verlangt eine bevorzugte Lagerung (nach Wunsch),

neigt zu Schock und Ateminsuffizienz,

erfordert eine rasche Diagnostik und Therapie.

Je nach Dringlichkeit verbleibt häufig keine Zeit für ausführliche Untersuchungen, sodass auch ohne diese eine operative Eröffnung des Bauches (Laparotomie) oder ein endoskopischer Eingriff (Laparoskopie) durchgeführt werden muss. Seine frühzeitige Erkennung und Einleitung der notwendigen, zumeist operativen therapeutischen Maßnahmen können in Abhängigkeit von der Grunderkrankung entscheidenden Einfluss auf Überleben und Prognose des Patienten haben.

Eine spezielle Schmerzform ist der Peritonismus. Dabei handelt es sich um Bauchschmerzen, die von einer Reizung des Bauchfells (Peritoneum) ausgehen, ohne dass eine Entzündung desselben (=Peritonitis) vorliegt.

Peritonismus äußert sich durch:

druckschmerzhafte Bauchdecke bei der manuellen Untersuchung (Palpation),

Loslassschmerz,

Abwehrspannung (nicht obligat).

Bei der Peritonitis wird unterschieden:

eine lokal begrenzte Form von einer

einer diffus/generalisierten Form.

Eine lokale Peritonitis verursacht einen starken, aber örtlich begrenzten Bauchschmerz (z.B. akute Appendizitis). Für die diffuse Peritonitis ist neben starken Bauchschmerzen eine zunehmende Abwehrspannung der gesamten Bauchmuskulatur, die sich bis zum brettharten Bauch steigern kann, charakteristisch.

Ein peritonealer Reizzustand wird sehr häufig von einer raschen Verschlechterung des Allgemeinbefindens mit schwerem Krankheitsgefühl, Angst, Tachykardie, Übelkeit, Fieber, Schwitzen und Exsikkose begleitet. Bei diffuser, eitriger Peritonitis entwickelt sich ein charakteristischer Gesichtsausdruck mit fahlem Aussehen, spitzer Nase und halonierten Augen („Facies hippocratica/abdominalis“).

Erbrechen

Als vegetative Reaktion, bei peritonealer Reizung sowie im Rahmen einer gastrointestinalen Passagestörung kann Erbrechen auftreten und ist dabei in der Regel von Schmerzen begleitet oder gefolgt. Schwere Gallen- und Nierenkoliken sowie die akute Pankreatitis werden gewöhnlich von mehrfachem, reflektorischem Erbrechen begleitet. Als Folge eines peritonealen Reizzustandes ist es ein häufiges Initialsymptom der Appendizitis, Peritonitis oder bei intraabdominalen Abszessen. Mit zunehmender Darmatonie kommt es sowohl beim mechanischen als auch beim paralytischen Ileus zum Überlauferbrechen. Beim mechanischen Ileus lässt sich die Lokalisation der Darmpassagestörung in etwa aus der Beschaffenheit des Erbrochenen abschätzen (Galle, Dünndarminhalt, Koterbrechen). Im Gegensatz zu entzündlichen Darmerkrankungen führt reflektorisches Erbrechen sowie Erbrechen bei der akuten Gastritis und bei intestinalen Passagestörungen zu vorübergehender Erleichterung.

Paralytischer und mechanischer Ileus

Praxis

Leitsymptom des paralytischen Ileus

Insgesamt geblähtes Abdomen in Verbindung mit auskultatorisch feststellbarer „Totenstille“ und perkutorischer Tympanie.

Eine umschriebene, mit Hyperperistaltik und Kolikschmerz kombinierte Auftreibung ist häufig Vorbote des akuten, mechanischen Dünndarmverschlusses. „Rahmentympanie“ des Kolonrahmens deutet auf einen Dickdarmverschluss hin. Die sorgfältige Verlaufsbeobachtung perkutorischer und auskultatorischer Phänomene ermöglicht neben der Erkennung vermehrter intestinaler Luft- und Flüssigkeitsansammlungen (kollernd-gurrende Darmgeräusche) auch den Nachweis oder gar die Lokalisation von Stenosen (metallisch klingende Stenoseperistaltik, Durchspritzgeräusche).

Im Vergleich zu Schmerzen und Erbrechen sind Stuhl- und Windverhaltung für die Differenzialdiagnose einer intestinalen Passagestörung wenig aussagefähig und treten bestenfalls bei tiefen Dickdarmverschlüssen als Frühsymptom auf. Dagegen schließen Stuhl- und Windabgang beim akuten Abdomen einen Darmverschluss niemals aus.

Merke

Im späteren Stadium des akuten Abdomens überlagern sich die Symptome und erschweren die differenzialdiagnostischen Erwägungen.

1.1.3.2 Abdominelle Voroperationen

Aus jedem operativen Eingriff mit Eröffnung der Bauchhöhle und Manipulation am Intestinum können im Intervall von Tagen bis zu Jahren infolge von Adhäsion und Bridenbildung unbestimmte abdominale Beschwerden, wechselnde Stuhlgewohnheiten oder ein sekundärer Ileus resultieren.

Nach Eingriffen am Dünn- oder Dickdarm sind neben der postoperativen, durch konservativ-medikamentöse Maßnahmen gut zu beeinflussenden intestinalen Paralyse weitere charakteristische Komplikationen bekannt. Hierzu zählen frühe und späte Anastomoseninsuffizienzen (Peritonitis, Schlingenabszess) sowie die Anastomosenstenose und innere Hernien. Letztere entstehen durch die Verlagerung von Darmschlingen oder Netzanteilen in vergrößerte Bauchfelltaschen, wie beispielsweise an der Flexura duodenojejunalis (Treitz), oder durch Adhäsion und unzureichend verschlossene Mesenterialschlitze nach Darmresektionen. Von der Narbenhernie streng zu unterscheiden ist der Platzbauch, bei dem Eingeweide ohne Bruchsack durch die Bauchwand treten. Parastomale Hernien gehören zu den häufigsten Spätkomplikationen nach Anlage einer Enterostomie oder eines Ileumconduit. Der Bruchsack kann sich intra- oder perstomal oder subkutan oder interstitiell zwischen den Muskelschichten neben dem Bauchwandabschnitt des Enterostomas befinden, was sich klinisch und durch eine präoperative CT meist gut differenzieren lässt.

Für den Urologen und seinen Patienten sind die vorstehenden möglichen Operationsfolgen von Bedeutung, da bei der radikalen Tumorchirurgie der Harnblase Harnableitungen unter Verwendung ausgeschalteter ilealer und zökaler Darmsegmente geschaffen werden.

Diesen Pouches oder Neoblasen bleibt ursprungsgemäß ihre schleimbildende Eigenschaft erhalten, wodurch bei unzureichender Diurese oder äußerer Spülung ein Schleimverhalt entstehen kann. Der resultierend schmerzhafte Abdominaltumor mit begleitenden Harnstauungsnieren und Oligoanurie kann dabei als Lokalrezidiv des vormaligen Harnblasenmalignoms verkannt werden.

Merke

Bei unklaren Bauchschmerzen darf auf eine gezielte Anamnese der Voroperationen und die Suche nach Operationsnarben nicht verzichtet werden.

1.1.4 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

Siehe ▶ Tab. 1.2.

Tab. 1.2

 Differenzialdiagnosen der Abdominalschmerzen (Auswahl).

Organ

Erkrankung

1. Epigastrium

1.1 Herz

Myokardinfarkt

Angina pectoris

Endokarditis

Myokarditis

Perikarditis

Perikarderguss

Herzbeuteltamponade

1.2 Lunge

Pneumonie

Pleuritis

Lungenembolie

Lungeninfarkt

Thoraxtrauma

Rippenfraktur

Pneumothorax

Hämatothorax

Chylothorax

1.3 Ösophagus

Hiatushernie

gastroösophagealer Reflux

Ösophagitis

Ulkus

peptische Stenose

Ösophagusvarizen

Mallory-Weiss-Syndrom

Ösophagusachalasie

Ösophaguskarzinom

1.4 Magen

Gastritis

Ulcus ventriculi

Ulkusperforation

funktionelle Störung

sekundäre Begleiterscheinung von Allgemeinerkrankungen

Magenkarzinom

maligne Lymphome

Sarkome

Polyposis ventriculi

Leiomyom

1.5 Pankreas

akute oder chronische Pankreatitis

Papillenkonkrement

Pankreaskarzinom

Pankreas anulare

Pankreaszysten, -pseudozysten

zystische Pankreasfibrose (Mukoviszidose)

2. Rechter Oberbauch

2.1 Leber

Hepatitis

Perihepatitis acuta bei Gonorrhö oder Chlamydieninfekt

Leberzirrhose

Stoffwechselerkrankungen

Speicherkrankheiten

Leberabszess

Leberechinokokkus

Stauungsleber (Budd-Chiari-Syndrom)

Leberhämangiom

primäres Leberzellkarzinom

Metastasenleber

2.2 Darm

Duodenum

Ulcus duodeni

Ulkusperforation

Pylorusstenose

Duodenaldivertikel

Kolon

Megacolon transversum

Chilaiditi-Syndrom

Kolonpolyp

Kolonkarzinom

subhepatische bzw. retrozökale Appendizitis

2.3 Gallenwege

Cholezystolithiasis

Cholezystitis

Gallenblasenempyem

Choledocholithiasis

Gallenblasenperforation

Cholangitis

Mirizzi-Syndrom

Tumor der Gallenwege

2.4 Niere, Nebenniere

Lage- und Strukturanomalien

Hufeisenniere (Rovsing-Syndrom)

Malrotation

Nierenzysten

multizystische Dysplasie

Zirkulationsstörung

akutes prärenales Nierenversagen

Niereninfarkt

Nierenvenenthrombose

Harntransportstörung

Hydronephrose/Harnstauungsniere durch externe/interne Kompression

vesikorenaler Reflux

Megaureter

retroperitoneale Fibrose (Morbus Ormond)

Trauma

Nierenkontusion

Parenchymeinriss, Kapselhämatom

Nierenruptur, Nierenstielverletzung

perirenales Hämatom

Nephrolithiasis

Kelchsteine

Ausgusssteine

Harnleitersteine

Entzündung

akute, chronische oder xanthogranulomatöse Pyelonephritis

infizierte Harnstauungsniere

pyelonephritische Schrumpfniere

nekrotisierende Papillitis

akute oder chronische Glomerulonephritis

Nierenabzess para-/perinephritisch

Nierentuberkulose

Tumor

Nebennierentumoren

Nierentumor

Urothelkarzinome von Nierenbecken und Harnleiter

2.5 sonstige Affektionen

Unterlappenpneumonie

basale Pleuritis

subphrenischer Abszess

Rippenfraktur

Herpes zoster

3. Linker Oberbauch

3.1 Niere, Nebenniere

Siehe Punkt 2.4

3.2 Milz

Splenomegalie bei:

Polyzythämie

Leukämie

Septikämie

Mononucleosis infectiosa (Morbus Pfeiffer)

Speicherkrankheiten

portaler Hypertension

ein- oder zweizeitige Milzruptur

Milzinfarkt

Milzvenenthrombose, -stenose

Milzbrand, -karbunkel

3.3 sonstige Affektionen

Siehe Punkt 2.4

4. Rechter Unterbauch

4.1 Ovar, Eileiter

Entzündungen

akute und chronische Adnexitis, Salpingitis (unspezifische Infekte, Gonorrhö, Syphilis, Tuberkulose)

Parametritis

Pyosalpinx

Tuboovarialabszess

Zyklus, Schwangerschaft

Menstruation

Eisprung

Follikelzyste (Graaf)

Corpus-luteum-Zyste

Extrauteringravidität (ovarial, abdominal, infundibulär, ampullär, isthmisch, interstitiell)

Tubarruptur, Tubarabort

Endometriose

benigne Tumoren

polyzystisches Ovar (Stein-Leventhal-Syndrom)

Tuboovarialzyste (mit oder ohne Einblutung bzw. Stieldrehung)

Hydrosalpinx

seröses Zystom, Zystadenom

Pseudomuzinzystom

Dermoidzyste

Myom, Lipom, Chondrom, Osteom, Angiom, Fibrom (Meigs-Syndrom)

Thekazelltumor, Hypernephroidtumor

maligne Tumoren

Teratom

Disgerminom, Brenner-Tumor, Granulosazelltumor

Arrhenoblastom, Fibrosarkom

Metastasen

Adenokarzinom des Kolons

Krukenberg-Tumor

4.2 Niere

Lageanomalien: Nephroptose, Beckenniere, andere Heterotopien

Harntransportstörungen: interne oder externe Obstruktion

4.3 Harnleiter

interne Obstruktion

Konkrement (Harnleiterstein, Nierenbeckenstein)

Koagel

abgestoßene Papille, Matrix, Detritus

Urothelkarzinom

externe Kompression

Schwangerschaft

V.-ovarica-dextra-Syndrom

retrokavaler Ureter

retroperitoneale Raumforderung (Hämatom, Tumor, Metastasen)

retroperitoneale Fibrose (Morbus Ormond)

4.4 Darm

Appendizitis

Meckel-Divertikel

Ileitis terminalis

Enteritis regionalis (Morbus Crohn)

Invagination

Leistenhernie

4.5 sonstige Affektionen

Hodentorsion

Aneurysma der Aorta Abdominalis oder A. Iliaca

Beckenvenenthrombose

Verwachsungen, Briden, Adhäsionen

Obstipation, Kotsteine

Koxitis

degenerative Hüftgelenkveränderungen

knöcherne Tumoren und Metastasen des Beckens

5. Linker Unterbauch

5.1 Ovar, Eileiter

Siehe Punkt 4.1

5.2 Niere, Harnleiter

Siehe Punkt 4.2

5.3 Darm

Enteritis regionalis (Morbus Crohn)

Divertikulose

Divertikulitis (Linksappendizitis)

Proktosigmoiditis

Polypen des distalen Kolons

Karzinom des distalen Kolons

Fremdkörper

Colon irritabile

Leistenhernie

5.4 sonstige Affektionen

Siehe Punkt 4.5

6. Blasenregion und Leistengegend

6.1 Harnblase

Form- und Lageanomalien

Urachusfistel

Ureterozele

Divertikel

Ekstrophie

Deszensus, Prolaps (Zystozele)

posteriore Urethralklappen

Hypertrophie des Colliculus seminalis

Blasenentleerungsstörung, Harnverhalt

habituelle Harnverhaltung, hypotone Blase

neurogene Blasenentleerungsstörung (angeboren, erworben, iatrogen)

Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie

Sphinktersklerose

Blasenhalsbarre

benigne Prostatahyperplasie

Prostatakarzinom

Harnröhrenklappen

Harnröhrenstriktur

Meatusstenose

totale Phimose

Entzündung

akute oder chronische Zystitis

interstitielle Zystitis

überaktive Blase

tuberkulöse Zystitis

Schistosomiasis (Bilharziose)

Aktinomykose

Strahlenblase

Tumor

Harnblasenkarzinom

Endometriose

sonstige Affektionen

Fistel (Pneumaturie/Fäkalurie)

Blasenruptur (intra- oder extraperitoneal)

Harnröhrenabriss (supra-/infradiaphragmal) (Beckenfraktur/Harnröhrenruptur, bulbäre Urethraruptur, Hämaturie bei Polytrauma)

Harnleiterkonkrement (prävesikal, intramural)

Fremdkörper

6.2 Uterus, Vagina, Vulva

Form- und Lageanomalien

Dopplung und/oder Septierung

Anteflexion

Retroversion, -flexion, -position

Deszensus, Prolaps

Hymenalatresie

Hämato-, Pyokolpos

Schwangerschaft

Gestosen

Placenta praevia, Plazentaablösung

Plazentainfarkt

Abortus

Puerperalinfektion

Entzündung

Endometritis, Zervizitis, Kolpitis, Vulvitis (unspezifisch-pyogene Infekte, Soor, Trichomoniasis, Gonorrhö, Erosion, Syphilis, Tuberkulose)

Tumor

intrauterine Blastome (Chorionangiom, -epitheliom, Blasenmole)

Myom

Sarkom

Korpuskarzinom

Kollumkarzinom

Malignome der Vagina

Zyste (Bartholini), Fibrom, Lipom, Karzinom der Vulva

6.3 sonstige Affektionen

Hodentorsion, Hodenhochstand (Hodendystopie)

Leistenhernie

entzündliche Erkrankungen des Anorektums

akute/chronische Prostatitis, Prostatodynie (chronic pelvic Pain Syndrome)

Aneurysma

Douglasabszess

Neoplasien des Rektums

1.1.4.1 In der Nabelregion lokalisierte und diffuse abdominale Schmerzen

Siehe ▶ Tab. 1.3.

Tab. 1.3

 Differenzialdiagnosen von in der Nabelregion lokalisierten und diffusen abdominalen Schmerzen.

Ätiologie

Erkrankung

1. Hernie

epigastrische oder supraumbilikale Hernie

Nabelhernie

2. Entzündung, Infektion

akute Gastroenteritis und Enterokolitis, Parasitosen

Lymphadenitis mesenterialis

Frühstadium der akuten Appendizitis

Morbus Crohn

Colitis ulcerosa

3. Ileus

mechanischer Ileus

Volvulus, Invagination, Inkarzeration, Strangulation

Briden und Adhäsionen

Atresie, Stenose durch Ulkus, Polypen oder Tumor

Mekoniumileus

paralytischer Ileus:

kongenital (z.B. Morbus Hirschsprung, neurogene oder myogene Achalasie)

traumatisch (z.B. stumpfes Bauchtrauma, Wirbelfraktur, retroperitoneales Hämatom)

reflektorisch (z.B. Koliken, starke Schmerzzustände)

medikamentös (z.B. diabetische Azidose, Urämie, Hypokaliämie)

sekundär (z.B. Peritonitis)

4. Organperforation, Abszedierung, Peritonitis

perforiertes Ulcus ventriculi oder duodeni

subphrenischer Abszess

Darmschlingenabszess

perforierte Appendizitis, perithyphilitischer Abszess

Divertikelperforation, perisigmoidaler Abszess

Tumorperforation

Douglasabszess

Gangrän und Perforation bei ischämischen Enteropathien

Leberabszess, subhepatischer Abszess

Perforation bei akuter Cholezystitis oder Gallenblasenempyem

perforierte Pankreaszyste oder -abszess

5. sonstige Affektionen

Colon irritabile, Meteorismus, Pseudoobstruktion, Obstipation

pseudomembranöse, antibiotikaassoziierte Kolitis

Kollagenosen, Autoimmunerkrankungen

Maldigestion

Bestrahlungsschäden

Peritonealkarzinose

Endometriose

1.2 Flankenschmerzen

M. Kriegmair, frühere Bearbeitung: D. K. Ackermann

1.2.1 Grundlagen

Die Flanke wird als seitliche Bauchregion oder auch Regio abdominalis lateralis bezeichnet. Die Grenzen sind der Rippenbogen, die Lendenwirbelsäule, der Beckenkamm und die vordere Axillarlinie. In diesem Bereich ist die Bauchwand nicht durch Skelettanteile unterlegt, sondern besteht nur aus Haut, Muskulatur und Bindegewebe.

Alle in dieser Gegend oder der Nachbarschaft liegenden Organe können bei Erkrankungen zu Schmerzen führen. Dazu zählen:

Haut und Unterhautgewebe,

Muskulatur,

Nerven,

Rippen,

Nieren samt ableitenden Harnwegen,

Nebennieren

Peritoneum,

Pleura,

Leber,

Gallenblase,

Milz,

Darm.

1.2.2 Einteilung

Zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung von Flankenschmerzen sollten anamnestisch verschiedenste Parameter wie z.B. der Schmerzcharakter erhoben werden. Dies erlaubt eine erste Eingrenzung und eine weiterführende zielgerichtete Diagnostik.

1.2.2.1 Schmerzcharakter

Prinzipiell lässt sich jeder Flankenschmerz in einen viszeralen und einen somatischen unterteilen.

Der viszerale Schmerz findet den Ausgang von den inneren Organen und wird über die Nn. splanchnici fortgeleitet. Typischerweise wird dieser Schmerz durch Überdehnung und Spasmus ausgelöst. Die Patienten empfinden den viszeralen Schmerz als krampfartig und bohrend, sind unruhig, blass, schweißgebadet und leiden an Übelkeit und Erbrechen. Herumgehen und sich winden bringt eine Schmerzerleichterung.

Dersomatische Schmerz geht von der Bauchwand mitsamt dem Peritoneum parietale aus und wird über die segmentalen sensiblen Nervenfasern fortgeleitet. Der Schmerzcharakter ist dumpf bis scharf, andauernd und typischerweise exakter lokalisierbar als der viszerale Schmerz. Der Patient liegt ruhig im Bett und vermeidet jede unnötige Bewegung, die den Schmerz verstärken würde.

Praxis

Schmerzcharakter

Schmerzcharakter des viszeralen Schmerzes

krampfartig, bohrend

Patient geht herum und windet sich.

Schmerzcharakter des somatischen Schmerzes

dumpf bis scharf, andauernd, exakter lokalisierbar

Patient liegt ruhig im Bett, vermeidet jede unnötige Bewegung

1.2.2.2 Zeitlicher Verlauf

Informationen über den Beginn des Schmerzes können helfen, diesem besser einer möglichen Ursache zuzuordnen. Hier kann ein akut auftretender Schmerz von langsam und schleichend beginnenden Beschwerden unterschieden werden. Ein akutes Auftreten der Schmerzen spricht für eine plötzliche Verlegung von Hohlorganen oder Blutgefäßen. Ein langsam beginnender Schmerz kann beispielsweise auf eine Infektion oder einen chronischen Prozess wie den Morbus Ormond deuten.

1.2.2.3 Bewegungsabhängigkeit

Neben der Unterscheidung zwischen viszeralem und somatischem Schmerz deutet ein bewegungsabhängiger Schmerz unter anderem auf eine skelettomuskuläre Ursache wie eine Myogelose paravertebrale hin. Hier gilt zu beachten, dass die Niere in ihrer Kapsel auf dem Psoasmuskel verschiebbar ist, was bei Bewegungen oder Atmung ebenfalls zu Schmerzenverstärkung führen kann. Auf der anderen Seite spricht eine Bewegungsabhängigkeit tendenziell gegen Pathologien in Organen wie Leber, Gallenblase oder Milz.

1.2.2.4 Ausstrahlung

Die Frage, ob und wenn ja, wohin der Schmerz ausstrahlt, kann wichtige differenzialdiagnostische Hinweise geben. Bei der Nieren oder Harnleiterkolik strahlt der Schmerz über die Leistenregion bis in das äußere Genital aus. Patienten mit distalem Harnleiterstein klagen nicht selten primär über Hodenschmerz bzw. Schmerzen in der Leiste und den Labien. Eine Ausstrahlung in den Rücken oder entlang der unteren Extremität deutet auf ein Ischiassyndrom im Rahmen eines Lumbago oder einer Pathologie im Bereich der Nevenwurzeln hin.

Merke

Die Erkrankung eines inneren Organs führt oft nicht nur zu einem viszeralen Schmerz im Bereich des Ursprungs, sondern es werden auch Schmerzen ausgelöst, die in einer spezifischen somatischen Region empfunden werden. Dies wird als übertragener Schmerz bezeichnet und die entsprechenden Dermatome als Head-Zonen (Sir Henry Head, 1861–1940).

Dieses Phänomen beruht auf einer gemeinsamen Innervation durch Nerven aus demselben Embryonalsegment. Die Head-Zone für die Niere ist in den Dermatomen Th10–L1 über der Leiste lokalisiert.

1.2.2.5 Lindernde oder verschlechternde Umstände

Informationen über Situationen, in denen der Schmerz zunimmt oder weniger wird, sind wichtig, um dessen Ursache zu finden. Der Schmerz bei einer Nierenbeckenabgangsenge wird typischerweise nach Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen ausgelöst. Gelegentlich geben die Patienten eine Linderung der Beschwerden bei Änderung der Körperposition in die Bauchlage an. Zu einer Gallenkolik kommt es in der Regel nach Aufnahme von fetthaltigen Speisen. Insbesondere bei muskuloskelettalen Pathologien wird Wärme als wohltuend empfunden.

1.2.3 Kolik

Die Harnleiterkolik ist eine der häufigsten Ursachen für den akuten Flankenschmerz.

Definition

Kolik

Als Koliken bezeichnet man akut auftretende, heftigste krampfartige viszerale Schmerzen, die meistens durch eine akute Obstruktion von Hohlorganen hervorgerufen werden.

Merke

Der Kolikpatient steigt aus dem Bett, der Patient mit Peritonitis bleibt im Bett.

Bei Harnleitersteinkoliken kommt es infolge der Nierenkapselspannung zu einem konstanten dumpfen Schmerz im kostovertebralen Winkel. Zusätzlich leiden die Patienten an krampfartigen Schmerzen, die entlang dem Harnleiterverlauf ausstrahlen und durch Spasmen der Nierenbecken- und Uretermuskulatur verursacht werden. Obstruktionen im oberen Harnleiter führen in der Regel zu Schmerzen im Oberbauch oder der Flanke. Die Schmerzen können gelegentlich bis in die ipsilateralen Hoden fortgeleitet werden.

Obstruktionen im Bereich des mittleren Harnleiters verursachen Schmerzen in Mittel- und Unterbauch, was einen Prozess im Bereich der Appendix vermiformis oder des Colons sigmoideum vortäuschen kann. Distale Uretersteine präsentieren sich gelegentlich als Schmerzen an der Penisspitze. Demgegenüber wird die Gallenkolik im rechten Epigastrium empfunden mit Ausstrahlung in die rechte Rückenseite und rechte Schulter.

Eine ähnliche Schmerzsymptomatik, wenngleich der kolikartige Charakter weniger im Vordergrund steht, verursacht die akute Cholezystitis. Schmerzausstrahlung in den Rücken sprechen eher für Pankreasaffektionen, Ulkusperforationen oder Aortenaneurysma. Auch die akute Cholezystitis kann in den Rücken (rechte Skapulaspitze) ausstrahlen.

1.2.4 Diagnostik

1.2.4.1 Anamnese

Neben der Abfrage der o.g. Schmerzcharakteristika ist eine zielgerichtete Anamnese essenziell, um die Pathologie hinter dem Flankenschmerz differenzialdiagnostisch einzugrenzen.

Begleitende Beschwerden:

Fieber oder Schüttelfrost sind systemische Zeichen einer Entzündung. Sie können durch eine aszendiere Pyelonephritis im Rahmen eines Harnwegsinfekts oder auf eine infizierte Harnstauungsniere deuten. Generell kommen alle Arten von Infektionen wie z.B. Gastroenteritis, Appendizitis, Spondylodiszitis oder Cholezytitis in Frage.

Übelkeit und Erbrechen treten nicht selten im Rahmen einer Kolik auf, sie können aber auch Hinweis auf eine gastrointestinale Ursache der Beschwerden sein.

Gewichtsverlust und B-Symptomatik können durch Tumorleiden oder Autoimmunoprozesse wie Morbus Ormond verursacht sein.

Miktionsanamnese:

Dysurie, Pollakisurie und Hämaturie sollte abgefragt werden. Hinweise auf rezidivierende Harnwegsinfektionen können helfen, die Beschwerden einzuordnen.

Schmerz im Anschluss an die Miktion spricht für einen vesikorenalen Reflux.

Stuhlanamnese:

Obstipationsbeschweden (insbesondere im Dickdarm) können sich als Flankenschmerz äußern oder sogar eine Nierenkolik imitieren.

Durchfall spricht für eine akute Gastroenteritis.

Trauma: Traumata insgesamt und insbesondere ein Verhebetrauma als Auslöser vertebragener Schmerzen sollte ausgeschlossen werden.

Kardiovaskuläre Anamnese: Rhythmusstörungen und thrombembolische Geschehen als Hinweis auf Prozesse im Bereich der Nierengefäße.

Vorerkrankungen und Operationen: Ein bekanntes Steinleiden, ein Bandscheibenvorfall oder Voroperationen (Appendektomie, Cholezystektomie) können helfen, Ursachen einzugrenzen oder auszuschließen.

1.2.4.2 Körperliche Untersuchung

Palpation:

Der Flankenklopfschmerz ist Grundlage der körperlichen Untersuchung. Hier sollte zwischen einem Flankenschmerz und einem paravertebralen Schmerz differenziert werden.

Bei der akuten Harnstauung findet sich eine Druck- und Klopfdolenz im Bereich des Nierenlagers und je nach Höhe des Hindernisses eine Druckdolenz entlang dem Harnleiterverlauf. Das Abdomen ist weich und indolent. Verspannung der Bauchdecke mit Abwehrspannung im rechten Oberbauch sind typisch für eine Cholezystitis (Murphy-Zeichen), im rechten Mittelbauch bzw. Unterbauch für Appendicitis acuta (Appendixdruckpunkte inklusive Psoaszeichen).

Auskultation:

Die Darmgeräusche sind infolge der Darmparalyse bei akuter Harnstauung abgeschwächt.

Abgeschwächte Darmgeräusche können auf für eine Obstipation sprechen.

Herz-Kreislauf-Parameter:

Subfebrile bis febrile Temperaturen, Normo- bis Hypotonie, Tachykardie mit offener Peripherie sind Alarmzeichen einer Urosepsis.

1.2.4.3 Urinstatus

Mikrohämaturie: Verlegungen der ableitenden Harnwege mit Steinen. Eine Mikrohämaturie zeigt sich auch bei Harnwegsinfekten oder im Rahmen einer malignen Erkrankung im Bereich der ableitenden Harnwege.

Leukozyturie und Bakteriurie: bei zusätzlichem bakteriellen Infekt,

Proteinurie mit Zylindern: Hinweis auf Glomerulonephritis oder Nierenvenenthrombose,

Porphobilinogen: pathognomonisch für eine Porphyrie.

Cave

Ein pathologischer Urinstatus wird aber auch bei einer retrozökalen Appendizitis beobachtet, da der benachbarte Harnleiter in Mitleidenschaft gezogen wird.

1.2.4.4 Blutlabor

Nierenfunktionsparameter: Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, Säure-Base Status

Entzündungsindikatoren: Leukozyten, Thrombozyten, C-reaktives Protein, Quick-Wert,

Untersuchung auf Bilirubin und die organtypischen Enzyme, inkl. Cholestaseparameter (bei V.a. hepatisches Geschehen oder eine Pankreasaffektion).

Gerinnungsparameter: Quick, aPTT, Thrombozyten (falls eine Intervention z.B. Einlage einer Nierenfistel von Nöten ist)

1.2.4.5 Ultraschall

Ultraschall (US):

Mit Ultraschall wird nach Nierensteinen, proximalen Uretersteinen, Gallensteinen und einer Ektasie des oberen Harntrakts bzw. der Gallenwege gesucht. Die Ektasie der Niere kann je nach sonografischem Befund in 4 Grade eingeteilt werden (s. Kap. ▶ 8.2). Es sei aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine fehlende Ektasie der Nierenbeckenkelchsysteme eine akute Harnobstruktion nicht ausschließt.

Zuverlässige Aussagen erlaubt der Ultraschall über das Nierenparenchym und über peri-/pararenale Veränderungen. Die Suche erstreckt sich weiter auf retroperitoneale Flüssigkeitsansammlungen, Aortenaneurysmen und Tumoren.

Cave

Ein normaler Ultraschall der Nieren schließt eine akute Harnobstruktion nicht aus.

Doppler-Sonografie:

Diese nichtinvasive Untersuchung liefert wertvolle Hinweise bei Verdacht auf ein renalvaskuläres Geschehen mit Funktionsausfall der Niere.

Eine Nierenvenenthrombose zeigt sich durch eine verminderte Perfusion der im Seitenvergleich vergrößerten Niere.

Eine Nierenarterienembolie stellt sich als (trichterförmiger) Perfusionsausfall der Niere dar. Bei pathologischem Befund wird sollte eine CT-Angiografie (Cave Kreatinin) zur Lokalisation der vaskulären Obstruktion und Therapieplanung angeschlossen werden.

Cave

Im Rahmen der Ultraschalldiagnostik bei akuten Flankenschmerzen sollte immer eine orientierende Beurteilung der Aorta erfolgen, um eine Aneurysma mit entsprechender Pathologie auszuschließen.

1.2.4.6 Computertomografie

Die Computertomografie ermöglicht die Darstellung aller für Flankenschmerzen in Frage kommenden Organe. Sie besitzt die höchste Sensitivität (91–100%) und Spezifität (95–100%) zur Detektion von Harnleitersteinen und bildet auch röntgennegative Harnsteine (Harnsäure-, Matrixsteine) ab. Eine Ausnahme sind Indinavirsteine bei Patienten unter antiretroviraler Therapie.

Vorteile der CT sind die schnelle Durchführbarkeit. Der Patient muss nicht speziell vorbereitet werden und die orientierende Untersuchung beim akuten Flankenschmerz bedarf keiner Kontrastmittel, was wiederum die Provokation einer Fornixruptur oder allergischen Reaktion vermeidet. Bei der steinbedingten Kolik erkennt man typischerweise bereits mit der Nativuntersuchung den Stein und Zeichen einer akuten Obstruktion ( ▶ Abb. 1.4, ▶ Abb. 1.5).

Die Strahlenbelastung mit Low-Dose-Protokollen beträgt 1,2–2mS (Vergleich: Ausscheidungsurografie: 1,4–1,5mS). Ist die native Computertomografie nicht konklusiv, so wird in der gleichen Sitzung Kontrastmittel verabreicht, was die Aussagekraft der Untersuchung wesentlich erweitert. Wichtig ist hier, auf die Durchführung einer Ausscheidungsphase zu achten.

Native Computertomografie: distaler Harnleiterstein rechts (Pfeil), Katheter in der Harnblase (Stern).

Abb. 1.4

Native Computertomografie: rechte Niere bei distalem, blockierendem Harnleiterstein. Nierenbecken erweitert (Stern), perirenale Flüssigkeit (Pfeile).

Abb. 1.5

Merke

Die Computertomografie ist das wichtigste Diagnostikum beim Flankenschmerz. Sie bildet alle wesentlichen Organe ab.

1.2.4.7 Ergänzende Bildgebung

Die Computertomografie ist bei der Diagnostik von Flankenschmerzen zur dominierenden Methode gereift. Da in unseren Breitengraden Computertomographen flächendeckend zur Verfügung stehen, ist der ursprüngliche Abklärungsweg mit Abdomenleerröntgenbild und Ausscheidungsurografie großteils verdrängt worden.

Cave

Wegen der Gefahr einer Fornixruptur sollten während der Kolik keine intravenösen Kontrastmittel verabreicht werden.

1.2.4.8 Diagnostisches Vorgehen

Das diagnostische Vorgehen bei akutem Flankenschmerz ist in ▶ Abb. 1.6 dargestellt.

Diagnostisches Vorgehen beim akuten Flankenschmerz (Kolik).

Abb. 1.6

Ausgehend von der klinischen Situation werden die differenzialdiagnostischen Tabellen nach der Seitenlokalisation und dem Verlauf (akut/chronisch) gegliedert (s. ▶ Tab. 1.4).

1.2.5 Tabellarischer Überblick der Differenzialdiagnosen

Siehe ▶ Tab. 1.4.

Tab. 1.4

 Differenzialdiagnosen der Flankenschmerzen.

Symptomausprägung

Erkrankung

1. Akute rechtsseitige Flankenschmerzen (Koliken)

1.1 Hauptsymptom

obstruktiver Nierenstein

obstruktiver Harnleiterstein

subpelvine Stenose

blockierende Papillennekrosen, Blutkoagula

1.2 typisches Symptom

Pyelonephritis

vesikorenaler Reflux

retroperitonealer Abszess

Nierenarterienembolie oder -thrombose

Nierenvenenthrombose

Ruptur eines (iatrogenen) Pseudoaneurysmas der Niere

Blutung oder Infekt in Nierenzyste

Herpes zoster

muskuloskelettale Affektion (Diskopathie, ossäre Läsion, muskuläre Störung)

1.3 Spätsymptom

Blutung eines retroperitonealen Tumors

1.4 weniger typisches Symptom

Nebenniereninfarkt

Cholezystolithiasis

akute Cholezystitis

Pankreatitis

Ulcus duodeni

akute Appendizitis

Aortendissektion

Leberaffektion (Hepatitis, Leberstauung, Perihepatitis gonorrhoica)

Pleuraaffektion (Pleuritis, Pneumonie, Lungenembolie)

Porphyrie

Kollagenosen

Hyperlipidämie, Ketoazidose

Blutkrankheiten (Sichelzellanämie)

2. Akute linksseitige Flankenschmerzen

2.1 Hauptsymptom

obstruktiver Nierenstein

obstruktiver Harnleiterstein

subpelvine Stenose

blockierende Papillennekrosen, Blutkoagula

2.2 typisches Symptom

Pyelonephritis

vesikorenaler Reflux

retroperitonealer Abszess

Nierenarterienembolie oder -thrombose

Nierenvenenthrombose

Ruptur eines (iatrogenen) Pseudoaneurysmas der Niere

Blutung oder Infekt in Nierenzyste

Herpes zoster

muskuloskelettale Affektion (Diskopathie, ossäre Läsion, muskuläre Störung)

2.3 Spätsymptom

Blutung in retroperitonealen Tumor

2.4 weniger typisches Symptom

Nebenniereninfarkt

Pankreatitis

Ulcus duodeni

Aortendissektion

Pleuraaffektion (Pleuritis, Pneumonie, Lungenembolie)

Porphyrie

Kollagenosen

Hyperlipidämie, Ketoazidose

Blutkrankheiten (Sichelzellanämie)

Milzinfarkt

inkarzerierte Hiatushernie

Myokardinfarkt

3. Akute beidseitige Flankenschmerzen

3.1 typisches Symptom

muskuloskelettale Affektion (Diskopathie, ossäre Läsion, muskuläre Störung)

akute Glomerulonephritis

Pyelonephritis

3.2 weniger typisches Symptom

Aortendissektion

Ösophagusruptur

Blutung in retroperitonealen Tumor

Porphyrie

Hyperlipidämie, Ketoazidose

Blutkrankheiten (Sichelzellanämie)

Alle Pathologien die primär zu einseitigen Beschwerden führen (s.o.) können auch Ursache für beidseitigen Flankenschmerz sein

4. Chronische einseitige Flankenschmerzen (rechts oder links)

4.1 Hauptsymptom

Nierenstein

subpelvine Stenose

(iatrogene) Harnleiterstrikturen

4.2 typisches Symptom

vertebragene Affektion (Diskopathie, ossäre Läsion, muskuläre Störung)

weitere Ursachen chronischer Harnstauung (Missbildung, Tumor, Entzündung, Harnleiterstein)

4.3 Spätsymptom

retroperitoneale Tumoren

4.4 weniger typisches Symptom

chronische Pyelonephritis

Cholezystolithiasis (nur rechts)

5. Chronische beidseitige Flankenschmerzen

5.1 typisches Symptom

muskuloskelettale Affektion (Diskopathie, ossäre Läsion, muskuläre Störung)

Morbus Ormond

(iatrogene) Harnleiterstrikturen

5.2 weniger typisches Symptom

Nierensteine

subpelvine Stenosen

weitere Ursachen chronischer Harnstauung (Missbildung, Tumor, Entzündung, Harnleitersteine)

chronische Pyelonephritiden

retroperitoneale Tumoren

1.2.6 Kurzdarstellung wichtiger Krankheitsbilder

1.2.6.1 Akute Harnstauung (Kolik)

Ursachen

Die häufigste Ursache der akuten oberen Harnobstruktion stellt die Urolithiasis dar. Das identische Beschwerdebild kann aber auch durch Papillennekrosen oder Blutkoagula verursacht werden. Papillennekrosen treten vor allem bei Analgetikanephropathie oder chronischer Pyelonephritis infolge eines Diabetes mellitus auf.

Bei der akuten Verlegung des Harntraktes kommt es proximal dazu in den ersten Minuten zu einer Steigerung der Wandspannung mit Zunahme von Druckamplitude und Frequenz der Kontraktionen. Mit zunehmendem hydrostatischem Druck und Wandspannung erliegt nach ca. 30 Minuten die peristaltische Aktivität. Der viszerale Schmerz dürfte von der Reizung der Spannungsrezeptoren in der glatten Muskulatur herrühren, eine gewisse Rolle bei der Schmerzentstehung kommt auch der Irritation von Chemorezeptoren und ischämischen Rezeptoren im Urothel zu.

Die Diagnose einer Antikoagulanzienblutung aus dem Nierenbeckenkelchsystem ist nur nach Ausschluss einer Blutungsursache wie Tumor oder Stein erlaubt. Die Blutung mit Koagelverstopfung des oberen Harntraktes ist bei einer gesunden Niere – wenn überhaupt – nur in seltenen Fällen allein durch die Antikoagulation verursacht.

Merke

Eine gesunde Niere blutet auch unter Antikoagulation nicht.

Symptome

Bei der akuten Harnstauung werden die Patienten von stärksten Flankenschmerzen befallen. Die Schmerzausstrahlung hängt von der Lokalisation der Obstruktion ab (Flankenschmerzen). Bei im distalen, intramuralen Harnleiter gelegenen Verschlüssen steht oft die Blasenreizsymptomatik mit Pollakisurie und Dysurie im Vordergrund. Der Schmerz kann sich hier in die Leiste oder das Genital projizieren.

Cave

Bei Schmerzen im Hoden und Mikrohämaturie muss an einen Harnleiterstein gedacht werden!

Diagnostik

Das diagnostische Vorgehen richtet sich nach dem vorgestellten Stufenprogramm.

Praxis

Diagnostik bei akuter Harnstauung

Klinik

Urinstatus

Sonografie

native Computertomografie

Die Sonografie sollte vor allem dann erfolgen, wenn Fieber und weitere Entzündungszeichen Hinweise auf eine (möglicherweise obstruktive) Pyelonephritis liefern. Zeigt sich eine Niere ektatisch und besteht klinisch und laborchemisch der Hinweis auf einen Übergang in eine Urosepsis, sollte umgehen eine Harnableitung erfolgen (Harnleiterschiene oder Nierenfistel). Je nach Verfügbarkeit sollte auf eine CT zunächst verzichtet werden.

Cave

Eine infizierte und gestaute Niere muss entlastet werden!

1.2.6.2 Fornixruptur

Ursachen

Zur Fornixruptur kommt es, wenn die akute Drucksteigerung im Nierenbeckenkelchsystem den wenig widerstandsfähigen Übergang zwischen Kelch und Papille zum Einreißen bringt. Die Fornixruptur kann bei jeder akuten Harnstauung auftreten, häufig rupturiert die Fornix infolge der osmotischen Diuresewirkung von Kontrastmitteln, die für ein Ausscheidungsurogramm während einer Kolik gegeben worden sind.

Symptome

Der Fornixruptur geht eine akute Harnstauung voraus, somit ist auch die Symptomatologie durch diese bestimmt. Ein seltener, aber typischer Hinweis auf eine Fornixruptur ist die schlagartige Besserung der Schmerzsymptomatik.

Merke

Die Fornixruptur heilt spontan, wenn die Obstruktion wegfällt und der ausgetretene Harn nicht infiziert war. In diesem Fall ist die Ruptur als Schutzmechanismus für die Niere zu verstehen, da infolge der Ruptur der schädliche Überdruck im Hohlsystem abnimmt.

Diagnostik

Praxis

Diagnostik bei V.a. Fornixruptur

Zufallsbefund bei der Stufendiagnostik der Harnstauung.

CT/Ausscheidungsurografie: Kontrastmittelextravasation um Kelchhälse und Nierenbecken ( ▶ Abb. 1.7, ▶ Abb. 1.8).

Ausscheidungsurografie: Fornixruptur bei blockierendem Stein (Pfeil) im lumbalen Harnleiter links.

Abb. 1.7

Computertomografie mit intravenösem Kontrastmittel: Fornixruptur bei blockierendem Harnleiterstein rechts.

Abb. 1.8 (Gleicher Patient wie in ▶ Abb. 1.4 und ▶ Abb. 1.5.)

1.2.6.3 Pyelonephritis

Ursachen

Die überwiegende Mehrheit der Pyelonephritiden werden durch eine aszendierende Infektion im Rahmen eines Harnwegsinfekts verursacht. Bis zu 50% aller Harnwegsinfekte bedingen eine Mitbeteiligung einer oder beider Nieren, wobei sich dies nur in wenigen Fällen klinisch äußert.

Symptome

Merke

Fieber und Flankenschmerzen sind die Kardinalsymptome der Pyelonephritis.

Begleitet werden diese Symptome häufig durch die Dysurie, Pollakisurie, Makrohämaturie, trüben (übel riechenden) Urin sowie neu aufgetretene Inkontinenz. Die zystitischen Beschwerden können zum Zeitpunkt der manifesten Pyelonephrits bereits wieder abgeklungen sein. Je nach Ausprägung kommt es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Arthralgien und Kephalgien.

Diagnostik

Zur Diagnose gehören eine ausführliche Anamnese sowie eine Urinuntersuchung (Teststreifen und Anlage einer Urinkultur). Bei Fieber sollte ein Blutlabor erfolgen, um eine beginnende Urosepsis abzuklären.

Eine bildgebende Diagnostik ist bei unkompliziertem Verlauf nicht nötig. Sie kann jedoch herangezogen werden, falls Hinweise auf komplizierende Faktoren (V.a. obstruktive Uropathie wie z.B. positive Steinanamnese, Nierenfunktionsstörung, Immundefekte, Diabetes mellitus) vermutet werden.

Praxis

Diagnostik bei V.a. Pyelonephritiden

Urin

Leukozyturie, Nitriturie, Hämaturie

Urinkultur mit Bestimmung der Keimzahl und Antibiogram

Blutlabor bei Fieber

Leukozytose, C-reaktives Protein, Quick-Wert, Thrombozyten

Kreatinin, Elektrolyte, Säure-Base-Parameter

Blutkulturen

Bildgebung bei V.a. komplizierende Faktoren

Sonografie (inklusive Restharn)

Die MRT ist insbesondere zur Beurteilung einer extrarenal gelegenen Entzündungsreaktion von Vorteil

Die CT bietet den Vorteil der radiologischen perkutanen Intervention in gleicher Sitzung.

1.2.6.4 Chronische Harnstauung

Ursachen

Zu einer chronischen Harnstauung kann eine Vielzahl intrinsischer und extrinsischer Erkrankungen führen. Bei den intrisischen Ursachen stehen subpelvine Stenosen und Urolithasis im Vordergrund. Als extrinsische Ursachen ist vor allem an retroperitoneale Tumoren, Aortenaneurysmen und retroperitoneale Fibrosen zu denken, aber auch iatrogene Ursachen (Bestrahlung, retroperitoneale Chirurgie) kommen in Frage.

Der Schmerz dürfte durch eine Reizung der Druck- und Spannungsrezeptoren im Nierenbeckenkelchsystem und in der Nierenkapsel bedingt sein. Bei retroperitonealen Tumoren muss eine zusätzliche Infiltration der Nervenwurzel in Betracht gezogen werden.

Symptome

Die chronische Harnstauung kann stumm zu einem Funktionsverlust der Niere führen. Oft beschreiben die Patienten aber ein seit langer Zeit bestehendes dumpfes Schmerzgefühl in der Flankengegend. Gelegentlich treten kolikartige Beschwerden auf. Eine lange bestehende chronische Harnstauung kann eine arterielle Hypertonie verursachen. Zu jeder Zeit können sich eine akute Dekompensation des Harntransportes und/oder eine akute obstruktive Pyelonephritis entwickeln.

Merke

Prozesse im Bereich von Blase und Prostata führen typischerweise zu beidseitigen Harnstauungen.

Diagnostik

Praxis

Diagnostik bei chronischer Harnobstruktion

Ursachenabklärung

Ausschluss tumoröses Geschehen/Kompression von außen mittels Schnittbildgebung inlusive urografischer Phase (Cave Kreatinin).

Beurteilung der Harnstransportfunktion

Unterscheidung zwischen Dilatation und Obstruktion (nach Ausschluss eines malignen Prozesses) mittels Nierenszintigrafie.

Cave

Bei doppelseitiger Harnstauung sind immer vesikale und infravesikale Prozesse in die differenzialdiagnostischen Überlegungen miteinzubeziehen.

1.2.6.5 Nichtobstruierende Nierensteine

Ursachen

Eine mögliche Erklärung dieser Schmerzen ist die Aktivierung von Chemorezeptoren im Nierenkelch durch Entzündungssubstanzen wie Serotonin und Histamin, welche wegen der mechanischen Reizung sezerniert werden.

Merke

Die Dilatation des Nierenbeckenkelchsystems ist evtl. für Infekte verantwortlich, führt aber im Gegensatz zur Obstruktion nicht zum renalen Funktionsverlust.

Symptome

Ein nichtobstruierender und auch nichtinfizierter Nierenkelchstein kann andauernde, sehr beeinträchtigende Schmerzen verursachen, die den Patienten zum ständigen Gebrauch von Analgetika verleiten und zu den verschiedensten medizinischen Abklärungen führen.

Diagnostik

Praxis

Diagnostik bei V.a. nichtobstruktiven Nierenstein

Computertomografie/Ausscheidungsurografie zur morphologischen Diagnose.

Es gibt keinen diagnostischen Test, der die ursächliche Beteiligung eines kleinen, nichtobstruierenden, nichtinfizierten Kelchsteines an Flankenschmerzen beweisen kann, Gewissheit hat man erst nach der Therapie.

1.2.6.6 Nierenarterienembolie und -thrombose

Ursachen

Prinzipiell birgt jede arterielle thromboembolische Disposition das Risiko eines Nierenarterienverschlusses in sich. Zu einer Thrombosierung der Nierenarterie oder eines ihrer Äste kann es aber auch im Anschluss an stumpfe Bauch- oder Rückentraumen kommen.

Symptome

Die Symptomatik hängt von der Infarktgröße ab. Während kleine Infarkte der Nierenrinde oft klinisch stumm verlaufen, führen große Infarkte zu einem plötzlichen, scharfen Schmerz im Bereich der Flanke oder des oberen Abdomens. Die Patienten leiden zusätzlich an Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Eine kardiovaskuläre Vorbelastung wie Mitralstenose, Vorhofflimmern, Herzklappenprothesen, Herzwandthromben, Aortenaneurysma oder vorangegangene Katheterisierung der Aorta weisen zusätzlich auf diese Diagnose hin.

Diagnostik

Fehlen eindeutige anamnestische Hinweise, so erfolgt der diagnostische Ablauf gleich wie bei einer Harnkolik.

Praxis

Diagnostik bei V.a. Nierenarterienembolie und -thrombose

Blutlabor

Leukozytose

Anstieg der Serumaspartataminotransferase (AST)

Urin

Mikro- oder Makrohämaturie mit einer milden Proteinurie (in etwa der Hälfte der Fälle)

Bildgebung

Doppler-Sonografie

CT-Angiografie mit Urogramm

1.2.6.7 Nierenvenenthrombose

Ursachen

Zustände mit Hyperkoagulabilität wie nephrotisches Syndrom, Zunahme von Gerinnungsfaktoren, Mangel an Antithrombin III sind typische Voraussetzungen für eine Nierenvenenthrombose. Weitere prädisponierende Faktoren sind Endothelläsionen nach stumpfen Traumen oder Tumorinvasion der Venenwand. Pathologisch-anatomisch entwickelt sich bei ungenügendem Kollateralabfluss ein hämorrhagischer Infarkt.

Merke

Ein nephrotisches Syndrom kann Ursache oder Folge einer Nierenvenenthrombose sein.

Symptome

Das klinische Bild hängt vom Ausmaß der Thrombosierung, der Geschwindigkeit der Thrombosenentstehung und vom Vorhandensein eines kollateralen venösen Abflusses ab. Ein plötzlicher, kompletter venöser Verschluss zeigt sich durch starke lumbale Schmerzen, Makrohämaturie, Blutdruckanstieg oder Schock. Bei langsamem Verschluss und genügendem kollateralem Abfluss steht ein nephrotisches Syndrom im Vordergrund. Anamnestisch eruierbare Traumen, Lungenembolien, membranöse glomeruläre Nephritis, schwere Dehydration bei Kindern, lange Reisen in verkrampfter Körperposition lassen an diese seltene Diagnose denken.

Diagnostik

Wie beim arteriellen Verschluss wird bei fehlenden anamnestischen Hinweisen die Stufendiagnostik analog der Harnkolik durchgeführt.

Praxis

Diagnostik bei V.a. Nierenvenenthrombose

Sonografie: Im Seitenvergleich vergrößerte und minderperfundierte Niere

CT/MRT-Aussscheidungsurografie:

Vergrößerung der Niere mit meist noch vorhandener, aber deutlich verminderter Aussscheidungsleistung; gelegentlich Füllungsdefekte im Bereich des Nierenbeckens und des Ureters als Ausdruck der kollateralen Drainagevenen

ggf. Sicherung der Diagnose mit renaler Venografie

1.2.6.8 Retroperitonealer Abzess

Ursachen

Retroperitoneal gelegene Abszesse können per continuitatem infolge entzündlicher Prozesse (z.B. Pyelonephritis, Kolitis, Spondylodiszitis) entstehen. Hämatogene oder lymphogene Streuungen sind seltener.

Symptome

Die Symptomatik ist durch Flanken- bzw. Rückenschmerzen sowie Fieber geprägt. Die Schmerzen können in die Leiste ausstrahlen und sich bei Bewegungen des M. psoas verschlimmern. Allgemeine Symptome wie Arthralgien oder Kephalgien sind nicht selten. Ein begleitender reaktiver Pleuraerguss kann sich durch Dyspnoe äußern.

Diagnostik

Bei Verdacht auf einen retroperitoneal gelegenen Abszess muss die weitere Abklärung mittels Schnittbildgebung erfolgen. Die CT ermöglicht eine perkutan interventionelle Drainageneinlage, falls der Abszess sonografisch schwer zu punktieren ist.

Praxis

Diagnostik bei V.a. einen retroperitonealen Abzess

Blutlabor

Leukozytose, C-reaktives Protein, Quick-Wert, Thrombozyten

Urin

Leukozyturie, falls eine Harnwegsinfektion Ursprung des Abszesses ist oder als Reaktion einer Abszessinfiltration der Harnwege

Bildgebung

Sonografie

Die MRT ist insbesondere zur Beurteilung einer extra-renal gelegenen Entzündungsreaktion von Vorteil.

Die CT bietet den Vorteil der radiologischen perkutanen Intervention in gleicher Sitzung.

1.3 Beckenschmerz

M.-C. Rassweiler-Seyfried, frühere Bearbeitung: D. K. Ackermann

1.3.1 Grundlagen

Für den Beckenschmerz spielt die Anatomie eine wichtige Rolle, um die verschiedenen Differenzialdiagnosen erkennen und unterscheiden zu können. Dicht hinter der Bauch- und vorderen Beckenwand liegen suprapubisch die urologischen Organe, gefolgt von den gynäkologischen. Rektum und rektosigmoidaler Übergang bilden die Schicht zwischen urogenitalen Strukturen und hinterer Beckenwand.

Mehrheitlich stammen die Beckenschmerzen von ortsansässigen Organen, die wiederum aufgrund ihrer Nähe zu den kaudalen Körperöffnungen und ihrer Beteiligung an der Ausscheidungsfunktion Symptome von Seiten der Miktion, Defäkation oder Menstruation zeigen. Des Weiteren gibt es verschiedene Differenzialdiagnosen, welche ihren Ursprung in neurologischen, psychologischen oder auch systemischen Erkrankungen haben. Daher ist es wichtig, die verschiedenen Symptome systematisch nach Ort und Schmerzcharakter zu untersuchen.

Merke

Beckenschmerzen können verschiedenste Ursachen haben und sind häufig kombiniert mit Miktions-, Defäkations- oder Menstruationsbeschwerden.

1.3.2 Einteilung

Der Beckenschmerz kann in akute und chronisch-rezidivierende Formen unterteilt werden, für welche unterschiedliche Differenzialdiagnosen gelten. Des Weiteren können anhand der verschiedenen Symptome verschiedenen Fachdisziplinen involviert werden und spezifische Schmerzsyndrome vorherrschen:

Urologie,

Gynäkologie mit Ursache im Bereich der äußeren Genitalien und inneren Geschlechtsorgane,

Neurologie,

gastrointestinal/Proktologie,

muskuloskelettal/Orthopädie.

Die jeweiligen zugehörigen Differenzialdiagnosen sind in ▶ Tab. 1.5 aufgelistet.

Tab. 1.5

 Differenzialdiagnosen der Beckenschmerzen aus Urologie, Gynäkologie, Sexualmedizin, Neurologie, Gastroenterologie/Proktologie und Orthopädie.

Fachdisziplin

Endorgan des Schmerzes

Assoziierte Symptome

Urologie

Prostata

Blase

Skrotum, Hoden, Nebenhoden

Harnröhre

Miktionsfrequenz

Nykturie

Urge-Symptomatik

Inkontinenz

Harnstrahlabschwächung/-veränderungen

Gynäkologie

Vulva

Vagina

Klitoris

Endometriose-assoziiert

zyklusabhängige Exazerbationen

Dysmenorrhö

Menstruationsbeschwerden

Menopause

Gastrointestinal/Proktologie

Colon irritable

chonische Analschmerzen

akute Analschmerzen aufgrund von Infektionen/Abszess

Morbus Chron, Colitis ulcerose

Obstipation

Diarrhö

Flatulenz, Meteorismus

Inkontinenz

Neurologie

pudendales Schmerzsyndrom (u.a. Fibromyalgie)

Hyperästhesie

Allodynie

Hyperalgesie

Dysästhesie

Sexualmedizin

Beckenschmerz mit sexueller Dysfunktion

erektile Dysfunktion

Weibliche Dyspareunie

Muskuloskelettal/Orthopädie

Beckenboden- und abdominelle Muskulatur

Wirbelsäule

Symphyse

funktionelle Beeinträchtigung

Faszikulation

Zudem ist hier ein Überblick bezüglich akuter und chronisch-rezidivierende Schmerzformen dargestellt (s.u., tabellarischer Überblick in Kap. ▶ 1.3.5).

1.3.3 Besonderheiten