Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB)© 2009 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Anna RenkampLektorat: Sabine Stadtfeld, MünchenHerstellung: Christiane RaffelUmschlaggestaltung: Nadine HumannUmschlagabbildung: Image Source, ZoeySatz: Katrin Berkenkamp, Designwerkstatt 12, BielefeldDruck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-143-4
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort
Frühjahr 2009: Die Welt steht im Zeichen einer gravierenden Finanzund Wirtschaftskrise, die auch vor der Bundesrepublik keinen Halt macht. Ist es angesichts von Arbeitsplatzverlusten, Existenzsorgen und Wertekrise überhaupt legitim, über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachzudenken? Kann man ruhigen Gewissens über Fragen einer Work-Life-Balance debattieren, wenn doch alle Zeichen auf Leistungsorientierung stehen? Muss es nicht suspekt anmuten, über die traditionelle Rolle von Männern und Vätern als Familienernährer nachzudenken, wenn doch gerade in schwierigen Zeiten die Stabilität ihres Einkommensstatus unangetastet bleiben sollte?
Es wäre für die Reform- und Wandlungsfähigkeit der Bundesrepublik fatal, angesichts der derzeitigen Bedrohungen in alten Rollenmustern zu verharren, notwendige Debatten um die Veränderungen in der Arbeitswelt beiseite zu schieben, mit traditionellen Mitteln neuen Entwicklungen Rechnung zu tragen und die Familie als »Keimzelle der Gesellschaft« von gesellschaftlichen Entwicklungen abzukoppeln.
In der Krise liegt immer auch eine Chance. Dies ist keine Durchhalteparole, sondern ein Weckruf zur aktiven Gestaltung unserer gesellschaftspolitischen Zukunft. Längst hat auch bei uns ein langsamer, schleichender und noch wenig spürbarer Wandel begonnen, die Gestaltung des Familien- und Berufslebens zu verändern. Bis vor kurzem waren Themen wie Work-Life-Balance aus Sicht vieler Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und den Medien eine reine Frauenangelegenheit. Seit geraumer Zeit rücken zunehmend Männer in den Mittelpunkt der Diskussion. Selbstverständlich sollte die Förderung von Frauen bei ihren Berufs- und Karriereplänen und die Vereinbarkeit ihres Privat- und Berufslebens weiterhin im Fokus stehen, jedoch darf die Sicht auf die Rolle der Männer nicht vernachlässigt werden. Die »Väterstudie« des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat gezeigt, dass sich inzwischen 90 Prozent der Männer selbstbewusst zu ihrem Kinderwunsch bekennen und Zeit für das Zusammensein mit ihren Kindern offensiv einfordern. Gleichzeitig ziehen 75 Prozent von ihnen ein hohes Sicherheitsdenken in Bezug auf ihr Familienleben vor, in dem das »Alleinernährermodell« dominiert. Ist dies nur ein Indiz dafür, dass Männer und Väter immer noch einem tradierten Rollenmodell nachhängen und für Veränderungen nur zu einem gewissen Grad bereit sind? Handelt es sich hierbei nur um eine Art Etikettenschwindel, um den eigenen Status in der Familie zu wahren und an traditionellen Rollenbildern festzuhalten? Im Einzelfall mag dies zutreffen, insgesamt zeichnet sich jedoch eine deutliche Verantwortungsbereitschaft für die Familie ab. Männer wollen beides, ihren Familien Sicherheit geben und sich aktiv in die Gestaltung der Familienaktivitäten einbringen.
Die Chancen dafür sind allerdings oft nicht gut, da Wirtschaft und Gesellschaft auf den Wandel im Vätermodell unzureichend reagieren. Die Reputation von Vätern in Elternzeit oder als Hausmann lässt zu wünschen übrig, es mangelt an geeigneten Maßnahmen in Unternehmen, und auch die Lebens- und Ehepartner müssen sich häufig erst mit dem Wunsch nach einer stärkeren Wahrnehmung der Vaterrolle innerhalb der Familie arrangieren.
Die Stärkung der Rolle der Männer und Väter innerhalb von Familie und Gesellschaft bedarf einer Doppelstrategie, die sowohl die Belange der Frauen bei ihrer Bildungs- und Berufswahl im Auge behält als auch Verständnis für den Wunsch von Männern nach einer Neuregelung der Aufgaben in Partnerschaft und Familie aufbringt.
Mit dem Buch »Vaterwerden und Vatersein heute« zeigen namhafte Autorinnen und Autoren Perspektiven für eine moderne Vaterschaft auf. Dabei werden wohl zunächst mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten parat sind. Doch ist es ein Einstieg in eine Diskussion, die angesichts der Veränderungen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft unabdingbar ist. Schließlich gilt es Strategien für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen und Männern in einer Gesellschaft zu entwickeln, in der Familie und Beruf, Leistungsorientierung und Partnerschaft, Toleranz und Menschlichkeit in neuem Einklang stehen.
Liz MohnStellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung,Gütersloh
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
I Einführung
Vom »ewigen Praktikanten« zum »reflexiven Vater«? Eine Einführung in aktuelle ...
1 Väter und Vaterschaft heute: populär, weil prekär
2 Bedingungen des Engagements von Vätern in Familie und Erziehung
3 Jenseits der Determinismen: die Vielfalt von Vaterschaft heute
4 Daddy matters! Väterliches Engagement und die Entwicklung der Kinder
5 Die Beiträge dieses Bandes
Literatur
II Kontexte und Rahmenbedingungen des Vaterseins
Entwicklung der Rechtsstellung des Vaters in den letzten 100 Jahren
1 Stellung des ehelichen Vaters
2 Stellung des nichtehelichen Vaters
3 Fazit und Ausblick
Väter aus evolutionspsychologischer Sicht
1 Einleitung
2 Grundlegende Mechanismen der Evolution
3 Aspekte der evolutionären Entwicklungspsychologie
4 Väter in unserer heutigen Gesellschaft
Literatur
Vaterschaft und Männlichkeit. (Neue) Väterlichkeit in ...
1 Die Entdeckung des Vaters in Familien- und Geschlechterforschung
2 Männlichkeit und Vaterschaft
3 »Neue Väterlichkeit« und Konstruktion von Männlichkeit
4 Der »neue Vater« als »Juniorpartner« der Mutter
5 Offene Fragen und Forschungsperspektiven
Literatur
III Auf dem Weg zur Vaterschaft
Familien- und Lebensmodelle junger Männer
1 Junge Männer im Gebärstreik?
2 Die Lebensformen junger Männer seit Beginn der 90er Jahre
3 Die Lebenspläne junger Männer im Fokus von Familie und Beruf
4 Die Jugendphase junger Männer im Umbruch
Literatur
Null Bock auf Familie!? Schwierige Wege junger Männer in die Vaterschaft
1 Einleitung: Veränderte Übergänge im männlichen Lebenslauf
2 Die Studie »Wege in die Vaterschaft: Vaterschaftskonzepte junger Männer«
3 Ergebnisse
4 Handlungsfelder für Politik und Arbeitgeber
Literatur
Individualisierte Familiengründung? Männliche Entscheidungen für Kinder im Paarkontext
1 Auf dem Weg zur Einkindfamilie?
2 Vom Mann zum Vater - quantitative Evidenzen
3 Einstellungen zur (weiteren) Elternschaft
4 Die Familiengröße als »moderner Paarkompromiss« - qualitative Evidenzen
5 Zusammenfassung
Literatur
Vatersein »zahlt« sich aus. Einflüsse der Familiengründung auf das Einkommen ...
1 Einleitung
2 Einkommen und Vaterschaft: theoretische Erklärungsansätze
3 Daten und Methode
4 Empirische Ergebnisse
5 Diskussion
Literatur
IV Vatersein - Voraussetzungen, Barrieren und Formen
Zwischen »traditionellen« und »neuen« Vätern. Zur Vielgestaltigkeit eines Wandlungsprozesses
Vom traditionellen zum neuen Vater - Perspektiven aktueller Typologien
Die Frankfurter Väterstudie »Neue Väter - andere Kinder?«
Modernisierung der Vaterschaft - neue Chancen und neue Konfliktlinien
Literatur
Aufgeschobene und späte Vaterschaft: Lebensmodelle zur Lösung struktureller ...
1 »Späte Väter« - Pioniere eines neuen Lebensmodells?
2 Anforderungen in der »Rush Hour of Life«
3 Wandel im Zusammenspiel von Beruf und Familie im Leben von Männern
4 Aufgeschobene Vaterschaft - Verhalten sich ältere Väter im Alltag anders?
5 Fazit
Literatur
Zwischen neuem Vaterbild und Wirklichkeit. Die Ausgestaltung der Vaterschaft ...
1 Vaterschaft im Wandel
2 Das Vaterbild als konstruierte Wirklichkeitsvorstellung zwischen ...
3 Ein qualitativer Zugang zur Vaterschaft
4 Vatersein heute oder das Spannungsfeld zwischen neuem Vaterbild und ...
5 Väterliche Praxis vor dem Hintergrund individueller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
6 Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer neuen Vaterschaft
Literatur
Von der Vorgabe zur Aufgabe. Die Folgen der Entgrenzung von Erwerbsarbeit für ...
1 Einleitung: Entgrenzung als Erosion von Normalitäten
2 Entgrenzung von Erwerbsarbeit - Auswirkungen auf Männlichkeit, Vaterschaft ...
3 Entgrenzung von Erwerbsarbeit versus engagierte Vaterschaft - neue Dilemmata ...
4 Männlichkeit und Vaterschaft - eine schwierige Gestaltungsaufgabe
Literatur
Väter und ihre Kinder: zwei Sichtweisen auf eine Familie?
1 Sozialökologische und wissenssoziologische Annäherungen an die Bedeutung des Vaters
2 Persönlichkeit und Partnerschaft als Faktoren der Konstruktion des Familienklimas
3 Familienbilder und Familienverständnisse von Kindern
4 Geteilte und nicht geteilte Sichtweisen auf Familie: eine Analyse anhand der ...
5 Ausblick: Väter, ihre Kinder und Konstruktion von Familie
Literatur
Männer in Patchworkfamilien
Fünf typische Konstellationen
Der systemische Charakter von Patchworkfamilien
Die Mühen des Anfangs
Männer im einfachen Patchwork
Männer im Super-Patchwork
Männer im Pendel-Patchwork
Männer im Besuchs-Patchwork
Männer im Rest-Patchwork
Sind Väter überhaupt wichtig für ihre Kinder?
Literatur
V Umsetzungen in die Praxis
Väter auf ihren Wegen begleiten. Von Visionen über Pioniertaten zur notwendigen ...
1 Barrieren bei der Umsetzung der Vision von einer neuen Vaterschaft
2 Väter als eigenständige Größe im Erziehungsgeschehen
3 Väter von verschiedenen Seiten unterstützen
Literatur
Nicht Weicheier, sondern Trendsetter. Arbeit mit Vätern: Wege aus der ...
1 »Kommst du mit zum ›Papaladen‹?« - Wie ein Ort für die »Generation Papa« funktioniert
2 Die »neuen Väter« im Beruf: eine Herausforderung für Unternehmen - und Väter!
3 Partnerschaftsvermittlung dringend notwendig: Vater Staat und die Väter. ...
4 Väter-Mainstreaming ist das Gebot der Stunde. Zusammenfassung und Ausblick
Literatur
Elternzeit als Impuls für väterliches Engagement. Ein Vorreiter der Väterpolitik?
1 Väterdiskurse in der späten Moderne
2 Gibt es die »neuen Väter«? Eine empirische Spurensuche
3 Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz - ein »väterpolitischer« Schub?
4 Perspektiven einer genderbewussten Väterpolitik
Literatur
Die Autorinnen und Autoren
I Einführung
Vom »ewigen Praktikanten« zum »reflexiven Vater«? Eine Einführung in aktuelle Debatten um Väter
Karin Jurczyk, Andreas Lange
1 Väter und Vaterschaft heute: populär, weil prekär
Immer das Gleiche oder revolutionäre Aufbrüche? Zwischen diesen Extremen lassen sich die aktuellen Diskurse um Väter und Vaterschaft verorten. Die einen konstatieren gleichbleibende »Verhaltensstarre bei verbaler Aufgeschlossenheit« (Beck 1986: 169), die anderen sehen »die« Väter im Aufbruch zu einer aktiven, engagierten bzw. involvierten Vaterschaft, auf jeden Fall aber jenseits der Rolle von »mother‘s little helper« und des »ewigen Praktikanten« in der Familie.
Mediale Aufmerksamkeit ist dem Thema über die Wissenschaften hinaus derzeit gewiss. Abzulesen ist dies beispielsweise am Schwerpunkthema Väter des neuen Familienmagazins »wir« der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2008. So lässt uns etwa Lucas Podolski wissen. »Was soll ich im P1, wenn ich einen Sohn zuhause hab« (Baumann und Burkert 2008: 48). Diese Ikone eines jugendkulturellen Fußballstars kontrastiert das Münchner Partyleben mit dem Erlebnis, Vater zu sein, und bilanziert einen eindeutigen Punktsieg für das Letztere. Mittlerweile gibt es spezielle »Betriebsanleitungen« für den Vater in Form des »Papa-Coachings aus Expertenhand«, mit einer speziellen Checkliste, die dabei helfen soll, sogenannte Qualitätszeiten mit dem Nachwuchs nachhaltig zu gestalten (Baisch und Neumann 2008).
Hinter dem neuen Väter-Hype stehen jedoch allgemeine, vielschichtige und keineswegs lineare gesellschaftliche Umbrüche: vor allem des Familienlebens (Peuckert 2008), der Beziehungen zwischen den Geschlechtern (Jurczyk 2008; Ostner 2008) und der bislang am traditionell-männlichen Lebensmodell orientierten Erwerbswelt. Sie alle tangieren das Vatersein. Dabei sind in Anlehnung an Burkart (2008), Kassner (2008) sowie Meuser (2007) mindestens folgende unterschiedliche Ebenen systematisch zu unterscheiden:
Blitzlicht 1: Bilder, Diskurse, Konzepte und Praktiken von Vaterschaft. Ein Systematisierungsvorschlag
- Überdauernde kulturell typische Bilder von Vaterschaft
- Gesellschafts- und epochentypische Diskurse und darin enthaltene explizite Leitbilder und Rollenvorschriften
- Kollektive Deutungsmuster und implizite Normen
- Individuelle Vaterschaftskonzepte als Einstellungen, Auffassungen, Überzeugungen, Gefühle und Normen hinsichtlich der Bereiche Mutterschaft, Vaterschaft, Kindheit, Familie und Erziehung je konkreter Väter
- »Fathering« als prinzipiell beobachtbare soziale Praxis von Vaterschaft, die zergliedert werden kann in »doing with children« (Engagement) und »doing for children« (affektives und gedankliches Engagement und Sicherung der ökonomischen Existenz)
Es ist von Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Ebenen auszugehen, allerdings sind keine einfachen Kausalitäten feststellbar. Weder neue Diskurse noch subjektive Vaterschaftskonzepte schlagen sich 1:1 in veränderten Praktiken nieder.
Brachte die sogenannte klassische Moderne im Zuge der Industrialisierung das Leitbild und korrespondierend dazu die soziale Praxis einer streng hierarchisierten Arbeitsteilung der Geschlechter mit dem Vater als außerhäuslichem Versorger und der Mutter als häuslicher Fürsorgender als bürgerliche Normalitätsfolie erst hervor (Hausen 1978), erleben wir derzeit eine Erosion dieser Rollenzuweisungen. War die väterliche Rolle weitgehend auf die »Alimentation« des Nachwuchses (Lenzen 1991) beschränkt, welche die weitgehende Delegation fürsorglicher Arbeit an die Mütter sowie an gesellschaftliche Funktionssysteme mit sich brachte, und gehörte Vaterschaft zwar zum männlichen Lebensentwurf, ohne aber den Alltag von Männern über die Erfüllung der Ernährerrolle hinaus zu tangieren, so steht aktuell in Frage, was »richtiges« väterliches Verhalten ist.
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