Ver!Woben - Latif Havrést - E-Book

Ver!Woben E-Book

Latif Havrest

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Beschreibung

"Ver!Woben" ist der zweite Gedichtband von Latif Havrést. Hier ist die Verwobenheit des Lebens, der Welt, der Ereignisse, ja des gesamten Universums und deren Tiefe in unserem Sein, in unserem bewussten und unbewussten Ganzen, gedichtet in Worten und Gefühlen dargestellt. Das ganze Sein wird als Kette von auf einander bezogenen und auf einander wirkenden Begegnungen in Poesie eingerahmt und den LeserInnen als ein Fenster auf alles in uns, um uns und mit uns präsentiert. Es sind hier Gedanken und Gefühle in Umlauf, die die LeserInnen in ihre Bahn ziehen, ihre Emotionen anregen und eine rege Interaktion von Worten, Fühlen, Denken, Vorstellen und Wirken in ihnen hervorrufen. Eben eine Verwobenheit aller, was uns als Bestandteile des Universums wahrnehmen lassen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2016

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www.tredition.de

Latif Havrést

Ver!Woben

Gedichte

www.tredition.de

© 2016 Latif Havrést

Umschlag, Illustration: Vooria Aria

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7345-1452-4

Hardcover

978-3-7345-1453-1

e-Book

978-3-7345-1454-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Leitgedanken zu diesem Gedichtband

I. Voces Silentia

Zeitweiche

Selbstenteignung

Der Weg

Gegenüberzeugung

Der Baum

Gedächtnisfenster

Tränenperlen

Zeitspektrum

Gespinst

IS!IS

Psalmengarbe

Exodos

Um!Woben

Schwadengabe

Blut!Odeur

Anfál

Kobane

Gegengebet

Selbsthader

Fortgejagt in die Urerde

Zeitwind

Lautloses Klangwerk

Hier und Jetzt

Ich!Dentität

I can’t breathe

Taube Wünsche

Das Werk

Zeitschatten

Die atemlose Braut

Zyklus

Entwerden

Strick

Augenblick und Richtung

Die nahe Fremde

Mauer der Öffnung

Sternenkinder

Übernächtigte Worte

Gottesstaat

Veraschtes Herz

Hellenica

V ater-/ Kindgeist

Ein Stapel Unleben

Homo, Humanus, Humanitas

Salzatem

Die Furchtbahn

Vom Glauben berauscht

PEG!IDA

Die Asche deiner Träume

Gerede in der Wende

Schwund der vier Kleeblätter

Des Regens Kind

Vereint im Einst und Jetzt

Zerstoben in Steinschlag

Blutzoll in Tricolore

Sorgelaut des kleinen Herzen

Verwerfung

Blutroter Halbmond

Ver!Woben

Prinzessin Spiel

II. Gefühlsstaub

Scheidung

Nachtschleiche

Verscharrte Liebe

Perlen

Der Liebe Kosmos

Entwoben

Zerflammt

Zeichenschleier

Der Seele Heimat

Glücksdrache

Drachenflieger

Ödenseer Rundgang

Trip zu den sechs Seen

Reigen der Nichtliebe

Fernflirt in der Al-Aqsa Moschee

Fliegendes Geflüster

Sinnestanz

Duftspuren

Gepolt mit Dir

Ein Abend im Bricks

Schwarz-Grüne Liebesflut

Atemglut

Farbwende

Des letzten Atems Ausklang

Der verlorene Mond

Herztöne

Herzgeflecht

Sababa in Jaffa

Atemklang des Meeres

Letzter Shabbat in Tel Aviv

Dissonanz

Einsame Gefühlgewölke

Bibliografie

Leitgedanken zu diesem Gedichtband

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Dieses Zitat von Martin Buber gibt das Wesen des Lebens real wieder. Das ganze Leben besteht aus Begegnungen; Begegnungen von Menschen, die ihrerseits ihre Begegnungen hatten, Begegnungen von Ereignissen, die durch andere Ereignisse neue Ereignisse herbeiführen. Alles ist in Wechselbeziehung. Alles ist miteinander verwoben. Geschehnisse, Lebenswelten, Schicksale sind miteinander verwoben und greifen ineinander.

Das Jahr 2015 war ein ereignisreiches Jahr, voller Wirren, voller Bangen, voller Sorgen, voller Verzweiflung und dennoch nicht bar jeder Hoffnung. Es war geprägt von Kriegen, Zerstörungen, Terroranschlägen, Flucht, Elend und Schicksalsschlägen. Menschen wurden sowohl von terroristischen Gruppen als auch von autoritären, diktatorischen Staaten Leid zugefügt und ins Elend gestürzt; sie wurden aber auch von sich „zivilisiert und demokratisch“ nennenden Staaten im Stich gelassen. Diese Staaten haben sogar die eine oder die andere kriegsführenden Gruppen unterstützt und tun es weiterhin.

Dieser Gedichtband ist gezeichnet von diesen Ereignissen; er ist ein Pathos dessen, was den Menschen und der Menschheit in diesem Jahr an Unheil, Leid, Trauer, Angst und Sorge widerfahren ist.

Es ist aber nicht nur Leid und Leiden, was in diesem neuen Band enthalten ist. Es sind auch fröhliche Erlebnisse, Freude, Begeisterung und Gefühle der Liebe und Leidenschaft für schöne Dinge darin präsent. Ich wünsche den LeserInnen eine nachdenkliche aber auch vergnügliche und anregende Lektüre.

Latif Havrést, Wien, März 2016

I. Voces Silentia

Zeitweiche

Die Zeit ist da

real wie eh und je,

wie es immer war

wie die früheren Zeiten,

die wir unnütz verstreichen ließen.

Die Geduld harrt in ihrer Ungeduld,

seit damals, o als du

die Frist versäumtest,

das war unvernünftig.

Die Zuversicht harrt in ihrer Verzweiflung,

seit deine Ahnen und Vorahnen

ihre Flügel stützten,

das war fahrlässig.

Die Zeit war da

du bautest das Nest nicht

du wobst Netze,

um den Bruder zu fangen

du wobst Netze,

und die Spinnen woben Netze,

um den Bruder zu fangen

du ahmtest Kain nach,

das war Verrat.

Heute wieder

strahlend drängt sich uns

das Jetzt entgegen

und vieler Gönner Segen

mit Lichtblick

auf ruhiges Nest.

So trau dich

hab Mut

widerstehe dem Hadern mit dem Bruder

lass das Schicksal nicht

an den Felsen der Unmut brechen

baue das Nest, hieße die Fahne

das tut uns gut.

Wien, September 2014

Selbstenteignung

Dein Gesicht

hast du verloren, und

ein Neues haben sie

dir gestrickt, wesenlos

des Düsters teilhaftig.

Dein Blick

schwand dahin, einen Neuen

setzte man dir in den Augapfel

nächtig, schreitet er

im Hinüberneigen

zum lichtlos Morgen.

Dein Denken

entfiel ungastlich deinen Sinnen, er

erfror in anderer

unausweichlichen Bestimmung,

die dir das Du,

das Du-Selbst

unwiederbringbar wegnahm.

Wien, September 2014

Der Weg

Zwischen uns der Weg

der war beladen. Womit?

Mit unseren Taten,

die sich uns auftaten.

Wohlweislich bewegten wir uns

aufeinander zu,

gegenpolig stießen wir uns ab.

Hinter uns der Weg,

der war gepflastert. Womit?

mit unseren Untaten,

die immer noch uns erdrücken

mit ihren Schatten.

Vor uns der Weg,

dort lauert die Nacht, das ahnen wir, sie

führt uns zur dämmrig Statt

Schlaf nicht ein!

Ich schlafe nicht ein,

du schläfst nicht ein,

wir schlafen nicht ein,

der Albdruck reitet auf unserem Blick,

unserem Blick auf Morgen.

Wien, September 2014

Gegenüberzeugung

Ob unserer Gedanken

schlugen sie Bäume

es fielen Bäume, sie wuchsen

zu Galgen, und

unsere Körper

schmückten sie.

Ob unserer Worte

schmolzen sie Metalle

es schmolzen Blei, Kupfer, Stahl

Allianzenbildung: Kugeln

mit Pulver unserer Tränen gefüllt

schossen unsere Stimme stumm.

Ob unserer Überzeugung

erfanden sie Folter: Körperfolter,

Seelenfolter, Würdefolter, Befleckung.

Es war ihnen nichts heilig,

sie hatten es nicht eilig

sie folterten und folterten

mit voller Gegen!Überzeugung.

Wien, September 2014

Der Baum

16 Frühlinge

hingen an deinem Baum

sie waren zart

du warst zart.

Bezug verloren

der Haltlosigkeit entboren

die Not.

Sie ist hinüber

die Son…ne

Mut…ter

hin…über.

Er ist im Geiste trüber

der Rau…sche

Va…ter

trü…ber

Rauschevater.

Rutsch! Rutsch!

Du bist gerutscht

und sie sind gerutscht

über dich

auf dich

die Brav!Menschen

und es gefiel ihnen.

Richter! Richter!

Er waltet eifrig seines Amtes

er preist Gott

Gott ist in ihm

Gott ist um ihn

über ihm, und

unter ihm.

Richter, erteile dein Urteil

denn so will der Gott

dein Gott

euer Gott, er

trägt Turban

schwarz wie dein Herz

wie eure Herzen.

16 Frühlinge

hingen an deinem Baum

die waren zart

du warst zart

der Baum war auch zart, und nun

du hängst an dem Baum.

Wien, September 2014

Gewidmet Atefah Sahaaleh (21. September 1987 - † 15. August 2004) Sie wurde von einem islamischen Richter in Mazendaran/Iran wegen „unkeuschen Verhaltens“ zum Tode verurteilt und am 15. August 2004 hingerichtet, obwohl sie minderjährig war. Sie gestand das „unkeusche Verhalten“, indem sie unter Folter zugab, mehrmals vergewaltigt worden zu sein.

Iran als Unterzeichner des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte hat sich verpflichtet, keine Hinrichtungen an Minderjährige durchzuführen. Obwohl Atifas Vater auf die Minderjährigkeit seiner Tochter aufmerksam machte und die Geburtsurkunde seines Kindes dem Gericht übermittelte, musterte der Richter den Körper des Mädchens und erklärte sie für 22 Jahre alt und ließ sie (als 16 jähriges Kind) hinrichten.

Gedächtnisfenster