Verdad y Amor - Bianka Stapelfeldt - E-Book

Verdad y Amor E-Book

Bianka Stapelfeldt

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Beschreibung

Malaika ist den Verfehlungen ihres Verlobten auf die Schliche gekommen. Doch einfach so will sie ihn nicht davonkommen lassen. Sie schwört Rache und findet in ihrem besten Freund León einen tatkräftigen Unterstützer. Sie schmieden einen perfiden Plan, der den angesehenen Schauspieler Kopf und Kragen kosten kann. Wird Jan rechtzeitig hinter den Plan seiner Verlobten kommen, um das Komplott gegen ihn aufzudecken? Wie läuft es zwischen Malaika und León weiter? Und welches Geheimnis steckt hinter der Mallorca Wette? Lies jetzt den vierten Teil der Erfolgsserie!

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Seitenzahl: 945

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Bianka Stapelfeldt

Bianka Stapelfeldt ist 49 Jahre jung und lebt im Süden Hamburgs. Zu ihrer Familie gehören neben den beiden erwachsenen Töchtern noch Border Collie Benji und Isländer Brimir.

Bianka schreibt schon seit ihrer Jugend, doch erst in den letzten Jahren hatte sie auch die Ruhe, sich ihrer Leidenschaft zu widmen.

Von der Reihe Verdad y amor sind mit diesem bereits vier Bände erschienen, doch es werden noch einige folgen.

Auch zwei weitere, unabhängige Romane sind bereits in Vorarbeit zur Veröffentlichung.

Dieses Buch widme ich einer kleinen Prinzessin, die mit der Liebe aller Herzen um sich, die Welt entdecken wird.[MISSING IMAGE: heart, heart ]

Inhaltsverzeichnis

Zwischen Bangen und Pläne schmieden

Unverhoffte Wendungen

Liebevolle Rachepläne

Rückkehr in den Wald

Bastelstunde und Rachepillen

Mitwisser und Täter

Schauspielkunst auf zwei Ebenen

Die Sprache der Geschenke

Hinterhältige Pläne

Verführungsspielchen

Unerwartete Hilfe

Rhythmen der Versuchung

Tanz der Entscheidungen

Geheimnisse in Edelstein

Liebe eines Engels

Unter der Sonne Spaniens

Wettlauf mit dem Tod

Flamenco-Rhythmen und nächtliche Abenteuer

Ein Tag voller Überraschungen

Sonnenuntergangsritt und Flamencoträume

Harte Wahrheiten über den Wolken

Verdachtsmomente

Ein Luchs als Star

Die Wette und die bittere Wahrheit

Kinderspiel im Krankenhaus

Kleider machen Bräute

Neuanfang

Ein Abend voller Harmonien

Vertraute Wege und neue Pfade

Laufsteg der Leidenschaften

Ein Tag voller Kallimagie

Rettung im Regen

Winzige Geheimnisse

Überraschungen und Verwirrungen

Geständnisse

Geburtstagsfreuden

Unfallfolgen

Ein Versprechen unter der Sonne

Ein Fest der Liebe

Ein neues Kapitel beginnt

Das süße Geheimnis der Hochzeitstorte

Ein neuer Stern am Himmel

Das Lied der Zukunft

Vorwort

Dieser Teil der Reihe hat mir unzählige schlaflose Nächte bereitet.

Als ich mit der Geschichte begann, hatte ich noch keine Vorstellung davon, wohin mich die gemeinsame Reise mit Malaika und Jan führen würde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich ihre Charaktere, wurden klarer, detaillierter und es wurde Zeit, eine weitere, tragende Rolle in die Geschichte einzubauen.

León war für mich mit seiner ruhigen, geduldigen Art der perfekte Gegenspieler zum eifersüchtigen Jan, doch je länger ich schrieb, desto vielfältiger und bunter wurde auch die Geschichte um die Drei. Und hatte ich anfangs noch geglaubt, alles unter Kontrolle zu haben, entwickelte sich die Story plötzlich mit einer ganz eigenen, wunderbaren Dynamik weiter. Es war faszinierend, diesem Prozess beizuwohnen und ich hoffe sehr, dass Euch die Fortsetzung ebenso wie mich in ihren Bann ziehen wird.

Einleitung

Malaika lebt nach dem Tod ihrer Familie zurückgezogen mit ihren Tieren in einer Blockhütte im Wald. Dorthin verschlägt es auch Jan, als er nach einer Panne im angrenzenden Dorf strandet.

Schnell entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit, doch Jan ist nicht frei und hat darüber hinaus noch ein dunkles Geheimnis von dem Malaika auf keinen Fall erfahren darf.

Doch als Jan sich dazu entschließt, seiner Freundin Cecilia in Berlin den Laufpass zu geben ist ihr Weg frei für eine gemeinsame Zukunft.

Rasch wird Jan klar, dass er seine Traumfrau gefunden hat. Er fliegt ohne Malaikas Wissen nach Kenia, wo er sich mit ihrem Vater trifft und sich seiner größten Angst stellt.

Zurück in Deutschland bittet er sie um ihre Hand und versöhnt sich nach Jahren der Trauer wieder mit ihrem Vater.

Doch die Freude über ihr gemeinsames Glück wärt nur kurz. Jan erkrankt schwer und ringt nach einem heftigen Streit auf der Intensivstation mit dem Tod. Ausgerechnet Jabaris Kräutermedizin aus Nairobi rettet ihm das Leben.

Auch Malaika muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, doch dann meldet sich León bei ihr. Ihr bester Freund lädt sie und Jan zum Winterlager ein.

Nun wird es Zeit für Kalli, ihrem Verlobten einiges über ihre Jungs zu erzählen, ihre besten Freunde seit Kindertagen. Jan beschleicht rasch ein ungutes Gefühl. Sollte mehr zwischen León und seiner Verlobten sein, als nur eine enge Freundschaft? Im Laufe der Zeit wird seine Eifersucht immer stärker.

Malaika beginnt sich immer mehr zurückzuziehen, doch erst kurz vor Silvester erfährt er das grausame Geheimnis, das sie so quält. Nach einem erneuten, heftigen Streit verbringt Malaika die Nacht an der Seite Leóns. Ihr bester Freund gibt ihr Halt, doch er hält sich trotz seiner tiefen Liebe zu ihr an ihre unsichtbare Grenze.

Im Lager treffen die beiden Kontrahenten dann zum ersten Mal aufeinander, doch auch, wenn der erste Abend in einer Katastrophe endet, müssen sich die Männer um Malaikas Willen zusammenraufen, als ein tödlicher Feind aus ihrer Vergangenheit versucht, sein Werk zu vollenden.

Die Männer schließen einen Pakt und es scheint alles gut, als Jan sich nach dem aufregenden Wochenende wieder zurück nach Berlin aufmacht. Doch dann kommt Malaika ihm und seiner Affäre mit Cecilia auf die Schliche.

Wutentbrannt sagt sie sich von ihm los und verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit León. Unsere Geschichte geht am Morgen danach weiter....

Zwischen Bangen und Pläne schmieden

Es war ungewohnt warm an diesem Januarmorgen. Die Vögel zwitscherten nach dem langen Winter zum ersten Mal wieder aus voller Kraft und man sah das Lächeln in den Gesichtern der Passanten, die sich am Sonnenschein erfreuten.

León und Kalli gingen zu Fuß zum Einkaufen. Der halbstündige Fußmarsch führte sie durch das Wäldchen, in dem León zuvor Hradast hatte jagen lassen, an kleinen alten Villen vorbei und dann kamen immer mehr Geschäfte, die sich aneinanderreihten. Sie bummelten Hand in Hand die Straße hinunter und erreichten irgendwann die Apotheke. Kalli ging rasch hinein und kam mit einer kleinen Tüte zurück, die sie in Leóns Rucksack stopfte.

„Wollen wir hier zu Mittag essen? Oder kochen wir nachher selber?“

„Selber! Und ich weiß auch schon was. Mal sehen, ob Du anhand der Zutaten errätst, was wir uns kochen.“

„Ich gebe mein Bestes“, grinste León, der leidenschaftlich gerne kochte.

Sie gingen zunächst zum Gemüsehändler an der Ecke. Dort legte Kalli Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten, Paprikaschoten und kleine Kartoffeln in den Einkaufswagen. León nahm lächelnd den Knoblauch wieder heraus.

„Der geht bei mir sicher nicht aus.“

Kalli grinste. Dann legte sie noch zwei kleine, scharfe Chilischoten dazu. León lächelte still und heimlich. Während Kalli bezahlte, schlüpfte er nach nebenan zum Schlachter. Als er wieder herauskam, sah Kalli sich gerade suchend um. Grinsend hielt er die Tüte mit Hackfleisch hoch.

„Das war zu leicht, Sternchen. Die Zutaten für eines meiner Lieblingsgerichte erkenne ich sofort.“

„Wieso nur Deines? Ich esse Albóndigas auch für mein Leben gerne.“

„Und Kartoffeln mit roter Mojo. Und die wird heute höllisch scharf, wenn ich mir die Chilis ansehe.“

„Was hast Du denn gegen etwas Scharfes?“, fragte sie ihn mit anzüglicher Stimme und zog ihn an sich.

„Absolut nichts!“, grinste er und gab ihr einen Kuss. „Aber kriege ich das jetzt vor oder nach dem Essen?“

„Vielleicht ja vor und nach dem Essen?“, schmunzelte Kalli.

„Ich kriege gerade spontan Hunger!“, lächelte León.

Dann nahm er sie an die Hand und ging mit ihr zurück.

Als sie zu Hause ankamen, packten sie den Einkauf aus und Kalli verschwand mit dem Schwangerschaftstest in der Hand ins Badezimmer. Nach wenigen Minuten kam sie zurück und legte ihn auf die Fensterbank.

„Nun heißt es warten. Lass uns mit dem Kochen anfangen in der Zwischenzeit“, sagte sie und lächelte León nervös an.

„Wird schon gut gehen, Sternchen“, sagte er beruhigend und gab ihr einen Kuss.

Dann reichte er ihr ein Glas Rotwein. Sie nahm einen Schluck und er grinste.

„Eigentlich war der für die Soße gedacht. Aber wenn er Dir schmeckt, kannst Du ihn auch direkt trinken. Der Weinkeller ist voll.“

Kalli lachte.

„Upps!“

Dann stellte sie das Glas wieder ab und nahm León in den Arm.

„Albóndingas oder Mojo?“

„Mojo. Sonst brauche ich nachher meine Kollegen zur Brandbekämpfung“, sagte er.

Also machten sie sich an die Arbeit. Kalli würzte das Hack und schnitt Zwiebeln und Knoblauch hinein. Dann rollte sie die kleinen Fleischbällchen, die sie später in der Tomaten-Paprikasoße garen würde. León bereitete in der Zwischenzeit die kleinen Kartoffeln in Salzkruste und den dazu gehörenden Dip zu. Beide Gerichte hatten sie schon unzählige Male gekocht und so brutzelte alles vor sich hin, als es Zeit wurde, den Test zu kontrollieren. León sah Kalli an.

„Ich habe gerade ein Déjà-vu“, lächelte er. „Das Szenario hatten wir schon mal. Nur, dass ich letztes Mal für ein anderes Ergebnis die Daumen gedrückt habe.“

„Du hast gehofft, er ist positiv?“, fragte sie verblüfft.

León nickte.

„Ich wusste, dass Du eine wunderbare Mutter sein würdest.“

Er sah ihr ernst ins Gesicht. Kalli hatte seine Hände gegriffen und er spürte, wie kalt und schweißnass sie waren.

„Soll ich gucken gehen?“ Kalli nickte. León ging zum Fenster und nahm den Test von der Fensterbank. Er drehte ihr den Rücken zu, sodass sie keine Reaktion auf seinem Gesicht sehen konnte.

„Okay. Das ist eindeutig!“, sagte er leise.

„Nun sag schon, León. Mach es nicht so spannend!“, sagte Kalli ängstlich.

Langsam drehte er sich um.

„Erfahrung hat Jan vielleicht. Aber genutzt hat es Deinem untreuen Verlobten nichts.“

Er lächelte und hielt den Test hoch. Es war nur der Kontrollstrich zu sehen.

„Nicht schwanger würde ich sagen!“ Kalli atmete erleichtert aus.

„Alles klar. Eine Sorge weniger.“

León kam zu ihr zurück und schloss sie in seine Arme.

„Hast Du Dich denn schon entschieden, ob Du mit mir eine Familie gründen möchtest?“, fragte er sie dann ernst.

Kalli sah ihm ebenso ernst in die Augen.

„Ja, León. Und ich weiß, dass Du der beste Papá für unsere Kinder sein wirst. Und mich niemals betrügen würdest!“, sagte sie leise.

León nickte nur und nahm sie fest in den Arm. Einige Minuten später war das Essen fertig und sie setzten sich an den Tisch. León hatte sich und Malaika ein Glas Wein eingeschenkt und Wasser dazugestellt. Er stieß mit ihr an und sie verputzten vergnügt herumalbernd ihr Mittagessen. Dann zog er sie mit sich ins Schlafzimmer zurück und forderte seinen Nachtisch ein.

„Das war mal scharf!“, grinste er hinterher. „Da war die Mojo nichts dagegen!“

„Absolut nichts!“, keuchte Malaika atemlos.

Unten klingelte es an der Haustür.

„Ich wette, ich weiß, wer das ist“, grinste sie ihn an.

„Einer unserer Gefährten vermutlich. Oder der weibliche Anhang dazu.“

„Sehen wir nach“, sagte sie und griff nach ihrer Hose.

Sie war schneller fertig als León, der gemütlich die Treppe herunterkam und sich dabei das Shirt wieder anzog.

„Jetzt sagt mir nicht, dass Ihr jetzt erst aus dem Bett gestiegen seid?“, fragte Silke breit grinsend, als sie ihn sah.

„Doch. Aber nicht das erste Mal heute!“, lachte Kalli und auch León grinste.

„Okay, das hört sich nach einem Happy End nach zwanzig Jahren an.“

„Oh ja. Happy auf jeden Fall!“, sagte León und zog Kalli dicht an sich, um sie zu küssen.

„Na, dann kann ich ja beruhigt nach Hause gehen. Ich habe heute den ganzen Morgen im Büro an Euch gedacht“, gestand sie ihnen grinsend.

Kalli lächelte.

„Das haben wir schon vermutet.“

„Kommt Ihr heute Abend rüber? Stefan und Elke sind nicht da heute, aber Fred und Bine kommen und Steffi auch. Sascha hat Training nachher“, erklärte sie ihnen. „Oder habt Ihr den Abend schon anderweitig verplant?“, grinste sie dann anzüglich.

„Wir kommen nachher rüber. 19:30h wie immer?“, sagte León schmunzelnd.

„Si, Señor Álvarez! Bis nachher.“

Sie drückte die beiden noch einmal und war dann schon wieder aus der Tür verschwunden.

„Und was machen wir bis dahin?“, fragte León sie.

„In den Keller gehen?“, schlug sie vor.

„Ausgezeichnete Idee“, lächelte er.

Sie gingen die Treppe hinunter und passierten den Weinkeller, in dessen Regalen sich unzählige spanische Weine befanden. Die meisten natürlich vom Gut seines Vaters, aber León hatte auch noch einige andere Kostbarkeiten dort vorrätig. Hinter einer dicken Tür befand sich Leóns Heiligtum. Hier lagerten seine unzähligen Instrumente und der Raum war schalldicht isoliert, sodass er niemanden störte, wenn die Tür geschlossen war.

Kalli wusste, dass ein Tag ohne Musik ein verlorener Tag für ihn war. Er war mit Musik groß geworden, denn auf dem Weingut seines Großvaters, das nun sein Vater führte, war täglich die Belegschaft zum Abendessen in der großen Gemeinschaftsküche zusammengekommen. Und danach wurde stets musiziert.

Kalli hatte die Abende genossen. Die warme Sommerluft, die Grillen, die in den Gräsern zirpten, als sie irgendwann alt genug dafür war, der Rotwein, und der Geruch nach Kräutern und Sommerblumen hatten die Musik untermalt. Und dann hatte sie eben auch noch ihren besten Freund immer in ihrer Nähe gehabt.

León hatte schon als Fünfjähriger auf der Flamencogitarre seines Onkels gespielt. Später hatte er seine eigene Gitarre geschenkt bekommen und dann sah man ihn eigentlich nur noch mit dem Instrument. Seine Mutter hatte ihr erzählt, dass es für sie immer ein leichtes war, ihren Sohn zu finden, wenn er sich verkrochen hatte. Sie hatte nur ihren Ohren folgen müssen.

So verbrachten sie fast drei Stunden im Keller und schwelgten im Klang der Gitarren und des Klaviers, an das León sich irgendwann setzte. Auch dieses Instrument beherrschten sie beide ausgezeichnet. Irgendwann hängte Kalli die Gitarre wieder an die Wand und streckte sich.

„Schluss für heute. Ich habe Durst und ich glaube, so ganz allmählich wird es auch Zeit fürs Fertigmachen. Ich habe mal wieder kein Zeitgefühl mehr“, lächelte sie.

León behauptete nach wie vor, es gäbe eine eigene Zeitzone im Musikzimmer. Hier verging die Zeit irgendwie schneller als anderswo. Und als er auf sein Handgelenk sah, stellte er fest, dass es tatsächlich bereits halb sechs war. So stellte auch er seine Gitarre in ihren Ständer und zog Kalli liebevoll von ihrem Hocker hoch.

„Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, Kalli. Niemand spielt so harmonisch mit mir, wie du. Als wäre da ein unsichtbares Metrum, das uns zusammen im Takt hält“, lächelte er.

„Haben wir ganz sicher!“ Sie legte seine Hand auf ihre Brust. „Genau hier!“ León lächelte und zog sie mit der anderen Hand ganz dicht an sich.

„Du hast ja Herzklopfen, Sternchen.“

„Ich habe ja auch meinen Traummann im Arm“, sagte sie leise.

„Gehen wir rauf? Ich springe noch schnell unter die Dusche. Und dann können wir rüber.“

León nickte und drehte sie um ihre eigene Achse zur Tür. Kalli lachte vergnügt. Sie ging die Treppe nach oben und entkleidete sich im Badezimmer. Dann stieg sie in die Duschkabine und öffnete den Wasserhahn. Und spürte kurz danach zwei liebevoll streichelnde Hände an ihrem Rücken.

„Ach, Du wolltest auch noch duschen?“, fragte sie amüsiert.

„Hinterher brauche ich bestimmt eine kalte Dusche“, flüsterte ihr León ins Ohr.

„Wie gut, dass diese Dusche groß genug ist, um hier mit einer Großfamilie drin duschen zu können!“, lachte sie leise.

„So viel Platz brauchen wir bestimmt nicht!“, sagte er erregt und begann sie zärtlich im Nacken zu küssen, während er sie mit den Händen am ganzen Körper streichelte.

Kalli genoss seine Liebkosungen und war binnen weniger Augenblicke ebenso heiß wie er. Lasziv bewegte sie ihren Körper vor ihm hin und her und León schmiegte sich dicht an sie, bis er sie irgendwann energisch umdrehte und begann, sie am ganzen Körper zu küssen. Kalli krallte ihre Finger in seine Arme, als er ihr Becken erreicht hatte und auf Entdeckungsreise ging. Dann stellte er sich wieder aufrecht hin, umschloss ihre schmale Taille und setzte sie sich auf die Hüfte. Kalli war froh, dass das Fenster noch geschlossen war und Leóns Schwester Amira im Hexenhäuschen auf der anderen Seite des Gartens nicht Ohrenzeuge wurde.

Später duschten sie dann tatsächlich noch einträchtig zusammen und Kalli konnte sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen.

„Warum lachst Du?“, fragte León gut gelaunt.

„Ich freue mich nur über Deinen Eifer. Wenn Du so weiter machst, lerne ich bald von Dir!“ León grinste.

„Ich gebe zu, dass mir diese Art von Lernen ausgesprochen viel Spaß macht. Ich habe nämlich die wunderbarste Lehrerin dieses Planeten dafür. Und ich kann kaum meine Finger von Dir lassen, Kleines. Du bist einfach nur heiß!“, gab er mit leiser Stimme zu und zog sie dicht an sich, um sie ausgiebig zu küssen.

„Dass ich mal solche Sätze von Dir höre, hätte ich mir auch nicht träumen lassen“, grinste sie, stieg aus der Dusche und warf ihm ein Handtuch zu.

„Ich sage nur die Wahrheit, Sternchen. Wie immer“, lachte er glücklich.

„Und anders will ich Dich auch gar nicht haben, mi corazón1. Na los, ziehen wir uns zur Abwechslung mal an und dann gehen wir rüber“, scheuchte sie ihn aus dem Badezimmer.

León öffnete ihr galant die Tür und sie gingen die wenigen Meter zu Silke und Andrei die Straße hinunter.

„Geht’s Dir gut?“, fragte sie ihn auf dem Weg.

León nickte und zog sie näher zu sich.

„Sehr, sehr gut!“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Dir nicht?“

„Ich könnte gerade die ganze Welt umarmen“, lachte sie.

„Kommt nicht infrage. Ich möchte bitte exklusiv geknuddelt werden“, grinste er.

Dann standen sie vor Andreis Haus und die Tür ging auf, bevor sie klingeln konnten. Auf einmal standen sie in einem Konfettiregen aus roten Herzchen. Silke und Steffi hielten lachend zwei Konfettikanonen in der Hand. Kalli und León lachten mit ihren Freunden, während sie sich die überall im Haar und auf der Jacke verteilten Herzchen abschüttelten.

„Ihr verrückten Hühner!“, grinste Kalli und nahm ihre Freundinnen in den Arm.

León umarmte lachend die Jungs und musste sich einige derbe Sprüche anhören. Doch er grinste nur. Er wusste, dass sie sich alle mit ihm und Kalli freuten und ihn niemand verletzen wollte.

Kalli merkte ihr Handy in der Hosentasche vibrieren. Jan! Sie hatte den Anruf bei ihrem untreuen Berliner Verlobten vergessen.

„Leute, Ruhe. Jan ruft an. Und ich bin schon auf dem Weg nach Hause. Pssst“, rief sie laut.

„Mach den Lautsprecher an!“, wisperte Silke noch, da drückte Kalli auch schon darauf.

„Hallo Jan, hast Du Sehnsucht nach mir?“

„Ja sicher. Ich dachte Du wolltest Dich melden, wenn Du losfährst? Bist Du etwa immer noch bei ihm?“, fragte er vorwurfsvoll.

„Nein, ich bin nicht mehr bei León. Wäre ein bisschen spät, um jetzt noch nach Hause zu fahren, oder? Was machst Du gerade?“

„Text lernen. Wir haben morgen reichlich vor. Ab sieben Uhr wird gedreht. Und vor einundzwanzig Uhr sind wir bestimmt nicht zu Hause.“

„Wir? Wer kommt denn noch mit?“, fragte sie ihn.

„Wir alle vom Set. Zu mir kommt niemand mit. Ich war eben noch bei unserem Patenkind. Der ist schon so groß geworden. Brina und Jerry lassen Dich schön grüßen.“

„Hast Du Justus einen Kuss von mir gegeben?“, fragte sie.

„Selbstverständlich. Aber er weiß meine Kusskünste nicht zu würdigen. Hat einfach angefangen zu schreien“, lachte er. „Na, vielleicht hatte er auch einfach Hunger. Oh, der Fahrstuhl kommt hoch. Jerry wollte noch ein paar Sachen mit mir besprechen heute Abend, wenn der Lütte im Bett ist. Das wird er sein. Ich mach mal Schluss. Ich liebe Dich, Engelchen. Bis bald!“, sagte er eilig und legte auf.

„Wieso legt er so hektisch auf, wenn sein bester Freund kommt? Den Du doch auch kennst?“, fragte Andrei stirnrunzelnd.

„Wisst Ihr was? Fragen wir ihn doch einfach!“, sagte Kalli wütend.

Sie wählte Jerrys Nummer aus und drückte erneut die Lautsprechertaste.

„Hallo Kalli! Na, wie geht’s Euch? Hat Jan das Lager überstanden?“, begrüßte sein bester Freund sie fröhlich.

„Klar, er hat es überlebt. War gar nicht so schlimm. Die Jungs haben sich echt gut verstanden zum Schluss. Ich wollte mal fragen, wie es Euch geht. Was macht Justus?“

„Der entwickelt sich prächtig. Brina ist gerade mit ihm und meinen Schwiegereltern einmal um den Block gegangen. Ich durfte auf der Couch bleiben. Erholung pur, sage ich Dir. Und ich gönne den Dreien die verbliebene Zeit. Wir fahren ja morgen schon wieder nach Hause. Die Woche ist so schnell herum gegangen.“

„Wo seid Ihr denn?“, fragte sie nach.

„Mit meinen Schwiegereltern auf Langeoog. Hat Jan Dir das gar nicht erzählt?“

„Doch. Jan hat es erzählt, ich hatte es nur gerade vergessen.

Dann gib meinem Kleinen einen dicken Kuss von mir und Brina natürlich auch. Und liebe Grüße an Deine Schwiegereltern. Bis bald, Jerry!“

„Bis bald, Kalli!“

Kalli beendete das Gespräch und ballte wütend die Fäuste.

„Dieser widerliche Drecksack zieht auch noch seinen besten Freund mit rein. Ich glaube es einfach nicht! Was versteht der denn unter Freundschaft?“ Auch die anderen blickten wütend und erschüttert zugleich drein.

„Nicht das Gleiche wie wir jedenfalls!“, stellte León ruhig fest und nahm seine Freundin in den Arm.

Kalli schmiegte sich eng an ihn. Steffi zupfte Silke am Ärmel und nickte den anderen zu und sie ließen die beiden alleine. León spürte, dass Kalli weinte. Die Art und Weise, wie ihr Verlobter ihr ins Gesicht log, verletzte sie zutiefst.

„Lass Dich nicht so fertigmachen, Kalli. Dir dürfte doch mittlerweile klar sein, dass er sein Schauspieltalent hervorragend genutzt hat, um uns alle hinters Licht zu führen. Den Preis als bester Nachwuchsschauspieler hat er sich ehrlich verdient.“

Dann schob er sie ein Stück von sich und sah ihr fest in die Augen.

„Dich dagegen absolut nicht! Und ich versichere Dir, er wird dafür bezahlen. Er wird es bereuen, dass er Dich verletzt hat, das schwöre ich Dir, und zwar richtig!“, knurrte er wütend.

„Oh ja, das wird er. Aber noch kriegst Du keine Freigabe für eine Prügelei von mir. Meine Rache werde ich gut vorbereiten und dann genüsslich auskosten. Mir muss nur erst einfallen, wie ich das am besten anstelle“, sagte sie leise.

Sie hatte sich blenden lassen von dem talentierten Nachwuchsschauspieler, mit dem sie seit einigen Monaten verlobt war. Die Entfernung zwischen ihrem kleinen Hexenhaus in einem Waldstück bei Hamburg und seiner Wahlheimat Berlin hatte es ihm leicht gemacht, sich weiterhin mit seiner Exfreundin Cecilia zu vergnügen. Doch Malaika war ihm dennoch auf die Schliche gekommen. Und auch, wenn sich in dieser schicksalhaften Nacht letztlich alles zum Guten gewandt hatte, als sie die unsichtbare Grenze zwischen sich und ihrem besten Freund endgültig eingerissen hatte, war ihr Herz gebrochen aufgrund seines Verrates.

Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und sah León traurig an.

„Wenn ich nur wüsste, warum er das tut? Ich habe ihm doch nichts getan. Oder glaubst Du, dass er jetzt nur damit angefangen hat, weil er weiß, wie wir miteinander umgehen? Dass er sich sagt, was sie kann, kann ich auch? Nur, dass er noch einen Schritt weitergeht, als wir? Vielleicht wäre er sonst nie auf den Gedanken gekommen, mich zu betrügen?“

„Kalli! Hör auf! Hör bitte auf damit!“, unterbrach er sie. „Sieh mich an! Schau mich an, Malaika!“, sagte er laut und packte sie an den Schultern. „Selbst, wenn es so wäre, und ich bezweifle stark, dass das so ist, entschuldigt das in keinem Fall sein Verhalten. Es ist eine Sache, ob Du wegen eines anderen verletzt bist. Aber es ist eine ganz andere Sache, ob Du dann anfängst, denjenigen zu belügen und zu betrügen. Er ist für seine Entscheidungen verantwortlich. Nicht Du!“, sagte er scharf.

Sie sah ihn aus großen Augen an. Doch León merkte, dass er nicht zu ihr durchdrang.

„Kalli, Dich trifft überhaupt keine Schuld. Uns trifft keine Schuld. Er allein ist dafür verantwortlich, was er tut. Und es ist eine Sache, ob er damit nicht klarkommt, wie wir miteinander umgegangen sind. Aber eine ganz andere, ob er sich dann mit einer anderen vergnügt. Und Dich anlügt. Mehrfach anlügt. Ohne Schluss zu machen. Sondern Dich weiter in dem Glauben lässt, es sei alles in Ordnung.“

„Ich mache gerade nichts anderes, León! Ich betrüge ihn mit Dir.

Wissentlich. Ohne, dass er das weiß. Auch er denkt, es sei alles in bester Ordnung. Was unterscheidet uns denn gerade?“, konterte sie hart.

Sie riss sich los und lief die Treppe hinauf, griff nach ihrer Jacke und schlüpfte in ihre Schuhe. Dann rannte sie hinaus in die Nacht.

León folgte ihr nicht. Er fühlte sich wie erfroren. Nun war doch genau das eingetreten, vor dem er solche Angst gehabt hatte. Sie hatte Schuldgefühle und machte sich schwere Vorwürfe, obwohl jedem Außenstehenden völlig klar war, wer wen betrogen hatte. Er setzte sich langsam auf die Treppenstufe und legte den Kopf in die Hände. Leon weinte noch immer, als seine Freunde einige Minuten später nach ihnen sehen wollten.

Andrei und Fred sahen sich nur an und gingen hoch. Andrei nahm Leóns Zweitschlüssel aus dem Schlüsselkasten und sie gingen hinüber. Doch Kalli war nicht dort. Auch bei Amira hatte sie keinen Unterschlupf gesucht. Ratlos sahen sich die beiden Freunde an.

„Das wird eine lange Suche. Wo fangen wir an? Im Wäldchen?“, fragte Fred.

Sie suchten gründlich an allen Stellen, die Kalli gerne aufgesucht hatte, als sie noch hier gewohnt hatte oder zu Besuch gewesen war. Fehlanzeige. Weiter ging es am Bach entlang, der hinter Leóns Haus entlangführte. Auch dort war sie nicht. Dann klingelte Andreis Handy.

„Kommt zurück. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, sie jetzt noch zu finden. Und die sitzt hinten in der Voliere“, sagte León mit matter Stimme.

Als Andrei und Fred kurz darauf bei León eintrafen, war er dabei, Malaikas Wanderfalken Hradast mit einem Lederband eine kleine Tasche ans Bein zu binden.

„Was machst Du da?“, fragte Fred neugierig.

„Als Hradast damals hier war, hatte ich immer Angst, dass er davonfliegt, wenn wir zusammen unterwegs waren. Er kannte mich zwar, aber Kalli ist seine Bezugsperson, nicht ich. Deshalb habe ich mir einen Sender über ein Fachgeschäft für Falkner besorgt, den ich ihm ans Bein gebunden habe, damit ich ihn orten kann, wenn er sich aus dem Staub macht. Ich wusste doch, wie traurig Kalli gewesen wäre, wenn er weggeflogen wäre“, sagte León zu ihnen. „Wenn er sie findet, wird er landen. Der Peilsender übermittelt nicht nur wo, sondern auch auf welcher Höhe er sich befindet. Falls er mal in einem Baum landen sollte. Von unten sieht man ihn dann ja nicht.“

León war fertig und streichelte Hradast noch einmal über den Rücken.

„So, mein Schöner. Jetzt brauche ich Deine Hilfe. Nein, Kalli und ich brauchen sie. Flieg zu Kalli, Hradast. Ich weiß, Du schaffst das. Flieg zu Kalli. Na los!“, rief er leise und warf den Wanderfalken auf.

Hradast flog einige Meter hoch, doch dann landete er auf dem alten, knorrigen Apfelbaum ganz hinten im Garten.

„Vielleicht ist es schon zu dunkel?“, mutmaßte Andrei, als er sah, wie Leóns Schultern mutlos nach vorne sackten.

Doch dann schrie Hradast herausfordernd. Und nun sahen die drei auch, warum.

„Kalli!“, rief León und rannte zum Baum hinüber.

Andrei und Fred folgten ihm langsam. León war mit wenigen Sätzen oben. Er war diesen Baum so oft herauf geklettert, dass er im Schlaf gewusst hätte, wie er die Äste erreichte. Und Kalli war meist mit ihm dort oben gewesen. Malaika saß oben in der Krone und weinte leise. Hradast saß neben ihr auf einem dicken Ast.

„Andrei, bringst Du ihn wieder rein?“

„Klar. Hradast. Komm her, mein Freund!“, rief Andrei und pfiff zweimal.

Hradast sah sich aufmerksam um, doch er flog nicht los. Kalli hob ihren Arm und er flatterte sofort darauf und schrie erneut. Kalli blickte auf ihren schönen Falken und streichelte ihm über das Gefieder. Dann warf sie ihn ein winziges Stück in die Luft und er segelte auf Andreis Arm. Er brachte ihn zurück in die Voliere und verschloss sie wieder. Dann sah er Fred ratlos an.

„Bleiben oder gehen?“, fragte er ihn.

„Gehen!“, sagte Fred ruhig mit einem Blick auf seine beste Freundin und die beiden kehrten zu ihren Frauen zurück.

León nahm Malaika vorsichtig in den Arm und atmete erleichtert auf, als sie sich sofort an ihn schmiegte. Sie hatte aufgehört zu weinen, doch sie wirkte völlig kraftlos und apathisch auf ihn.

„Hey Sternchen. Kommst Du mit mir nach unten? Bitte, Kalli, es ist zu kalt, um hier zu bleiben. Du wirst krank, wenn Du nicht bald wieder ins Warme kommst. Bitte, klettere mit mir zurück. Ich helfe Dir. Na, komm!“, sagte er und nahm sie sanft an die Hand.

Kalli nickte müde und kletterte stumm vom Baum.

León brachte sie zurück in sein Haus und setzte sich mit ihr ins Wohnzimmer. Fürsorglich legte er ihr eine warme Decke um und schenkte ihr einen Becher Tee ein, den sie ihm mit traurigem Blick abnahm. Dann nahm er sie vorsichtig in den Arm und streichelte ihren Kopf und Rücken.

„Die Ungewissheit macht mich wahnsinnig, León. Ich werde morgen nicht nach Hause fahren. Ich hole das Gerät von Sammy ab und fahre nach Berlin. Und dann werde ich ja sehen, was passiert. Er ist morgen den ganzen Tag am Set. Und das kann ich sogar überprüfen, indem ich Julian oder Frank anrufe. Oder Manuel. Wenn er denn noch am Set arbeitet. Und wenn ich weiß, woran ich bin, entscheide ich, was ich tue“, sagte sie leise.

León gefror das Blut in den Adern. Doch er traute sich nicht, zu fragen, was sie damit meinte. Kalli drückte ihm den Becher wieder in die Hand und stand auf.

„Kannst Du rüber gehen und ihnen sagen, dass ich ins Bett gegangen bin? Mir ist heute nicht mehr nach geselligem Beisammensein“, bat sie ihn und León nickte.

„Ich rufe Andrei an und sage Bescheid. Geh schon mal hoch. Ich komme gleich nach, Kleines!“

„Du kannst gerne zu unseren Freunden, León. Ich lege mich ins Bett“, sagte sie müde.

Doch er schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich bleibe bei Dir.“

Dann stand er auf und griff nach dem Telefon, rief Andrei an und nahm Kalli dann an die Hand.

„Komm, Sternchen“, sagte er traurig.

Sie folgte ihm nach oben, zog sich aus und schlüpfte dann ins Bett. León kuschelte sich vorsichtig an sie und bemerkte glücklich, dass sie sich wie in der Nacht zuvor sogleich an ihn schmiegte und ihren Kopf auf seine Brust legte. Nach einigen Minuten hob sie ihn wieder.

„Dein Herz rast, León. Was hast Du?“, fragte sie leise.

„Angst, Kalli, einfach nur Angst“, sagte er ebenso leise und zog sie ganz eng an sich.

Doch nun wurde Kalli wieder munter.

„Wovor hast Du Angst? Ich bin doch gar nicht weit weg gewesen. Ich war nur so aufgewühlt und brauchte ein paar Minuten für mich. Und nun bin ich doch bei Dir?“, fragte sie verwirrt.

„Wovor ich Angst habe? Davor, dass Du Dich für Jan entscheidest und nicht für uns?“, sagte er traurig.

„Für Jan? Bist Du von allen guten Geistern verlassen? Wieso sollte ich mich für Jan entscheiden? Nach all dem, was er verbockt hat? Ja, ich war vorhin aufgewühlt, weil ich einen Anflug von Schuldgefühlen hatte. Aber ich werde mit Sicherheit nicht zu Jan zurückkehren“, sagte sie nun energisch.

León schaute sie verwirrt an.

„Aber Du hast doch vorhin gesagt, dass Du Dich entscheiden wirst, wenn Du weißt, woran Du bist!“, sagte er irritiert.

Kalli streichelte ihm sanft über das Gesicht.

„Und da hast Du geglaubt, ich meinte die Entscheidung er oder Du?“, fragte sie ihn zärtlich.

Er nickte langsam. Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Wenn ich feststelle, dass er die Wahrheit gesagt hat und mich nicht betrogen hat, werde ich ihm seinen Ring zurückgeben und unsere Beziehung beenden, weil ich einfach kein Vertrauen mehr in ihn habe. Und wenn das eintritt, was zu erwarten ist und ich Beweise für seine sportlichen Aktivitäten außerhalb unserer Beziehung finde, beginne ich, meine Rachepläne zu schmieden. Dann wird er leiden“, klärte sie das Missverständnis auf. „Ich liebe Dich, León. Und habe mich für Dich entschieden. Ich habe nicht vor, Dich zu verlassen. Und ich hoffe sehr, Du auch nicht mich“, sagte sie dann leise.

Statt einer Antwort zog er sie einfach an sich und hielt sie ganz fest, während ihm seine Tränen über die Wangen liefen. Dann sah er sie ruhig an und küsste sie liebevoll und ganz sanft. Kallis Hand glitt langsam von seinem Gesicht und blieb auf seinem Herzen liegen.

„Dieses Herz wird meinem nicht wehtun!“, sagte sie leise.

León schüttelte den Kopf.

„Niemals!“ Dann schmiegten sie sich aneinander und schliefen bald darauf ein.

1 mein Herz

Unverhoffte Wendungen

León war am nächsten Morgen noch im Halbschlaf, als sein Handy auf dem Nachttisch vibrierte. Schlaftrunken tastete er danach, in der Hoffnung, Kalli würde nicht dabei aufwachen. Doch das klappte nicht. Brummend nahm er den Anruf an.

„Álvarez!“

„Moin León. Sorry, dass ich Dich aus dem Bett hole, aber es ist dringend. Du wirst um 12:30 Uhr in Reinickendorf erwartet. Sven ist ausgefallen. Hat sich gestern beim Einsatz das Schlüsselbein gebrochen. Und nun ist der Lehrgang für ihn gelaufen. Wenn Du willst, kannst Du statt seiner hin. Ich weiß, Du hattest ihm netterweise den Platz überlassen, weil er so gerne hinwollte. Wie sieht’s aus?“ León drehte sich auf den Rücken. „Guten Morgen, Andrea. Danke für die Info. Ja. Ich fahre hin. Hast Du schon ein Bett organisiert?“, fragte er seinen Chef auf der Wache.

„Nein, kann ich aber gleich machen.“

„Nein, lass es. Ich kümmere mich selbst darum. Bis Montag!“, sagte er schon deutlich munterer.

„Alles klar. Viel Spaß in Berlin. Bis Montag!“ León legte auf und verstaute das Handy wieder neben sich.

„Was wollte Andrea? Wo fährst Du hin?“, fragte Kalli, die sich sofort wieder auf seine Brust gekuschelt hatte.

„Berlin, Berlin. Wir fahren nach Berlin!“, grinste er sie an und drehte sich um, sodass sie unter ihm lag.

„Wie jetzt? Berlin? Wieso fährst Du nach Berlin?“, fragte sie überrascht.

„Es gab eine Ausschreibung vom Ausbildungszentrum in Berlin für einen Lehrgang. Es gab aber nur noch einen freien Platz und Sven hatte sich auch angemeldet. Und ich habe ihm den Platz überlassen. Sven hat sich aber laut Andrea gestern das Schlüsselbein gebrochen und fällt aus. Und nun darf ich doch hin. Der Lehrgang ist in Reinickendorf. Sprich Berlin. Und ich erinnere mich dunkel, dass das auch Dein heutiges Ziel war, oder?“ Kalli lächelte.

„Ja, aber wenn Du auch nach Berlin fährst, werde ich noch einen Umweg machen müssen.“

„Wieso das?“

„Weil ich dann Hradast vorher nach Hause bringen muss. Den hätte ich nämlich sonst Dir aufs Auge gedrückt.“

„Dann sollten wir uns mal aus dem Bett bewegen. Sonst schaffen wir es auf keinen Fall bis 12 nach Berlin.“

„Das schaffen wir beide zusammen ohnehin nicht. Wir werden getrennt fahren müssen. Aber wenn ich Dich eben richtig verstanden habe, sehen wir uns spätestens heute Abend wieder.

Soll ich mich um ein Zimmer kümmern?“, fragte sie ihn. León nickte.

„Ich mache uns Frühstück, während Du duschst.“

„Hast Du einen Klon?“, grinste sie.

„Wieso Klon?“, fragte er sie verständnislos.

„Weil Du gleichzeitig Frühstück machen und mit mir duschen gehen kannst?“, sagte sie und zog ihn hinter sich her ins Badezimmer.

Eine halbe Stunde später kauten sie vergnügt auf den letzten Brötchen herum und tranken Tee. Kalli lud Hradast ins Auto und bekam noch einen ausgiebigen Abschiedskuss. Dann stiegen beide in die Jeeps und fuhren los. Kalli war gerade mal um die Ecke gebogen, als ihre Freisprechanlage klingelte. Sie drückte grinsend den Knopf am Lenkrad, um den Anruf anzunehmen.

„Das waren aber noch keine 23 Minuten, mi corazón.“

„Ich hatte aber jetzt schon wieder Sehnsucht nach Dir“, sagte León gut gelaunt.

„Ich vermisse Dich auch, aber nun sei ein vorbildlicher Feuerwehrmann und lass Dich beim Autofahren nicht ablenken“, ermahnte sie ihn liebevoll.

„Das kriegt mein Herz nicht hin, sorry“, sagte er. „Hatte ich Dir heute eigentlich schon gesagt, wie sehr ich Dich liebe, Sternchen?“

„Nein, aber eindrucksvoll bewiesen, Du Musterschüler“, grinste sie.

„Dann bin ich ja beruhigt. Bis später, Kalli!“

„Bis nachher, León!“

Sie fuhr zügig auf die Autobahn und erreichte eine knappe halbe Stunde später das Dorf. Rasch ließ sie Hradast aus dem Transportkäfig und warf ihn auf. Der Wanderfalke schraubte sich direkt in den Himmel und Kalli eilte zu den Ponys auf die Koppel. Brimir hatte sie schon entdeckt und trabte ihr entgegen.

Thor folgte ihm und so musste Kalli nicht lange aufs Kuscheln mit den Zweien warten.

„Na, meine Lieben. Geht es Euch gut? Würdet Ihr mir verzeihen, wenn ich gleich nochmal für ein paar Tage abhaue und Euch hier lasse?“, fragte sie sie leise und kraulte sie liebevoll.

„Ich denke nicht, dass sie sich beschweren würden. Die beiden sind den halben Tag am Spielen und den restlichen Tag verbringen sie mit fressen, schlafen und kuscheln mit mir“, erklang da eine vertraute Stimme hinter ihr. „Na, Kalli, wie war Dein Lagerleben? Und die Verlängerung, die Dein bester Freund klammheimlich organisiert hat? Ich bin überrascht, dass Du schon hier bist.“ „Sagen wir es mal so, Jenny. Du wirst Dich zumindest in Zukunft nicht mehr fragen müssen, warum wir uns dagegen entschieden haben“, lächelte Kalli sie glücklich an.

Jenny begann zu strahlen.

„Nein! Ihr habt Euch tatsächlich endlich getraut? Du und León ein Paar? Und was ist mit Jan?“

„Machst Du uns einen Tee? So viel Zeit habe ich auf jeden Fall noch, damit Du im Bilde bist. Zumal ich ohnehin Deine Hilfe brauchen werde. Es ist eine ganze Menge passiert in den letzten Tagen. Du wirst staunen!“

Jenny staunte tatsächlich. Und wurde fuchsteufelswild, als sie von Jans potenzieller Affäre mit Cecilia erfuhr.

„Das darf doch nicht wahr sein! Nach allem, was Ihr beiden in der kurzen Zeit schon miteinander durchgestanden habt? Bist Du Dir wirklich sicher, Kalli? Nicht, dass Du ihn völlig zu Unrecht beschuldigst.“

„Nein, bin ich nicht. Also, bei den meisten seiner Lügen schon, aber für die sexuellen Nebenaktivitäten bislang nicht. Deshalb fahre ich, wenn Du noch ein paar Tage auf Nemo, Brimir und Thor achten kannst, gleich nach Berlin. Ich bekomme von Sammy eine Minikamera, die ich in Jans Schlafzimmer einbauen werde. Und dann heißt es abwarten.“

Jenny nickte verständnisvoll.

„Dass man sich so täuschen kann in einem Menschen. Es tut mir leid, dass ich ihn Dir aufs Auge gedrückt habe, Malaika. Ich habe wirklich geglaubt, er wäre ein toller Mann für Dich.“

„Jenny, ganz ehrlich. Ich glaube, es war gut so, wie es gekommen ist. Bevor ich Jan kennengelernt habe, war ich nicht über Nala und Marko hinweg. Ich hätte mich nie so weit öffnen können, dass León und ich doch noch zusammenfinden. Es war ja nicht alles schlecht. Im Gegenteil. Das macht es mir ja auch so schwer, damit klarzukommen. Ich empfinde nach wie vor eine ganze Menge für Jan. Aber ich schaffe es einfach nicht mehr, ihm zu vertrauen. Und wenn er mich nun auch noch betrügt, macht es das nur noch schlimmer. Vor allem verstehe ich einfach nicht, warum er das tut. Denn wenn er tatsächlich Sonntagabend Cecilia zu Hause hatte, muss er sie ja quasi schon von der Bahn aus angerufen haben. Kaum, dass wir uns verabschiedet hatten. Das fände ich wirklich schon hart“, sagte sie traurig.

Jenny strich ihr liebevoll über den Arm.

„Reitest Du noch nach Hause oder fährst Du gleich wieder los?“

„Ich werde schnell nach Hause reiten und frische Sachen holen.

Und dann mache ich mich auf den Weg nach Berlin.“

„Fährst Du auf dem Rückweg noch bei León vorbei? Oder kommst Du direkt wieder her?“ Kalli lächelte.

„León ist schon auf dem Weg nach Berlin!“

Jan sah Cecilia nachdenklich hinterher, als sie seine Garderobe wieder verließ. Ihm war klar, dass er sich auf sehr dünnem Eis bewegte. Kalli würde ihm einen Seitensprung ganz sicher nicht verzeihen. Und auch bei Jerry und Brina oder seinem Bruder war er sicher, dass sie auf ihrer Seite stünden. Andererseits hatte er nach dem Wochenende so viel Aggression in sich verspürt, dass er kaum noch wusste, wie ihm geschah. Also hatte er notgedrungen Cecilia angerufen. Und die war mehr als willig gewesen, sich abends noch mit ihm zu treffen, um ihm zu helfen. Doch auch, wenn er wusste, dass er kaum eine andere Wahl gehabt hatte, kam er sich schäbig und verachtenswert dabei vor.

Kalli brauchte etwa neunzig Minuten, bis sie wieder im Auto saß und den Jeep in Richtung Berlin lenkte. León war bereits kurz vor den Toren der Hauptstadt und würde direkt zum Ausbildungszentrum durchfahren. Und dann nach seinem Lehrgang zu ihr ins Hotel kommen. Doch das musste sie erst einmal organisieren. Als sie in Berlin ankam, steuerte sie die Tourismuszentrale an. Sie gab der Dame an der Rezeption ihre Wünsche an und sie suchte die entsprechenden Hotels heraus. Da zu diesem Zeitpunkt nicht viel los war, unterstützte sie Malaika netterweise noch beim Abtelefonieren und sie hatten rasch Glück und ein schönes Quartier gefunden. Kalli dankte der netten Mitarbeiterin, gab die Adresse ins Navi ein und machte sich auf den Weg zum Hotel.

Das fünf Sterne Haus lag in einer ruhigen Nebenstraße, hatte eine eigene Tiefgarage, in die Kalli fuhr und war in unmittelbarer Nähe von Jans Wohnanlage gelegen. Sie checkte ein und bestieg den Fahrstuhl ins oberste Stockwerk, in dem ihre Suite lag.

Kalli hatte zwar reichlich Geld auf der hohen Kante, aber sie gönnte sich selten etwas, weil sie die Notwendigkeit nicht sah. Warum sollte sie sich zum Beispiel Unmengen an Schuhen kaufen, wie es andere Frauen machen würden? Sie hätte weder den Platz dafür noch die Gelegenheit, sie zu tragen. Lieber gab sie das Geld dafür aus, ihren Freunden unter die Arme zu greifen, wenn es ihnen an etwas mangelte. Aber heute hatte sie sich selbst und León eine Freude machen wollen. Sie würden in der Suite ruhig schlafen können, damit er am nächsten Morgen ausgeruht zum Lehrgang gehen konnte. Und das Personal war bei den Gästen in der Suite besonders aufmerksam, was Reporter anging. Und die konnten ihren ganzen Plan nach hinten losgehen lassen. Aus diesem Grund hatte sie auch nicht mit ihrem eigenen Namen eingecheckt, sondern ein Zimmer für Herrn und Frau Álvarez gebucht.

Nun sah sie sich noch einmal das Gerät an, das Sammy ihr organisiert hatte. Sie hatte recht gehabt mit ihrer Vermutung, dass die Minikamera sich kaum von den LED in Jans Sternenhimmel unterschied. Sie war annähernd gleich lang und geformt, wie sie und zur Not würde sie mit einem Akkuschrauber eines der Löcher vergrößern, um die Kamera zu positionieren. Handwerkliches Geschick hatte sie genug. Nun musste sie nur einen günstigen Moment abwarten, um ungestört agieren zu können. Die Kamera übertrug ihr Bild per WLAN und hatte einen leistungsstarken Akku, der die Kamera zur Not über Wochen mit Strom versorgen würde. Außerdem konnte Kalli die übertragenen Bilder auf ihrem PC speichern.

Sie seufzte leise. Sie war sich nicht sicher, was ihr lieber war: Einen Beweis für seine Affäre mit Cecilia zu erhalten oder festzustellen, dass sie ihm Unrecht getan hatte und ihn vor den Kopf stoßen zu müssen, weil sie sich für León entschieden hatte.

Doch so oder so, würde sie sich von Jan trennen, das stand für sie fest.

Auch, wenn sie ihm dankbar für die gemeinsame Zeit war und für seine aufregende Reise nach Nairobi. Sie konnte nicht mit jemandem zusammenleben, dem sie nicht vertraute. Sie beschloss, ihn anzurufen, um herauszufinden, wo er gerade steckte. Doch er ging nicht ans Telefon. Deshalb rief sie als Nächstes bei Frank, seinem Produzenten, an.

„Hallo Malaika, wie schön, dass Du Dich mal meldest. Ihr habt ja ein aufregendes Wochenende verbracht. Jan hat schon eine ganze Menge erzählt. Wie geht es Dir?“

„Prima, Frank. Ja, wir haben uns sicher nicht gelangweilt beim Lager. War schon spannend. Sag mal, ist Jan bei Euch am Set? Ich würde ihn gerne was fragen, aber er geht nicht ans Handy“, fragte Kalli ihn.

„Nein, Jan hat heute einen Außendreh. Die sind heute in Reinickendorf in der Feuerwehrakademie und drehen die neue Folge ab.“

Kalli wurde heiß und kalt. Ausgerechnet dort? Und León hatte keine Ahnung.

„Alles klar, Frank. Dann versuche ich es später noch einmal. Weißt Du, wie lange er heute drehen muss?“

„Ich denke, vor 19 Uhr sind die nicht fertig. Soll ich ihm sonst etwas ausrichten?“, bot er ihr an.

„Nein, ist schon okay, aber danke! So wichtig war es nicht. Bis bald, Frank! Grüß die anderen von mir.“

„Mache ich, Kalli. Bis bald!“ Hektisch wählte sie Leóns Nummer. Doch sie hatte Pech. Auch León ging nicht ans Handy. Sie wusste, dass er es grundsätzlich stumm schaltete, wenn er arbeitete, weil er keine Ablenkung beim Einsatz gebrauchen konnte, wie er es ausdrückte. Nur während ihrer Schwangerschaft mit Nala hatte er den Ton angelassen, falls sie ihn gebraucht hätte. Sie war hin- und hergerissen. Sollte sie nun zu Jans Wohnung gehen und die Kamera einbauen oder lieber León warnen und dabei Gefahr laufen, Jan zu begegnen? Andererseits konnte León mit einer nachweisbaren Erklärung aufwarten. Und würde hoffentlich nichts Unüberlegtes tun.

Also zog sie sich an, stieg mit der Kamera und dem winzigen Akkuschrauber in ihrem Rucksack in den Jeep und fuhr in die Tiefgarage unter Jans Penthouse. Sie zückte den Schlüssel und fuhr direkt ins Penthouse durch.

Und roch sofort, dass Cecilia hier gewesen war! Ihr süßes Parfum hing schwer in der Luft in der ganzen Wohnung. Kalli verzog das Gesicht. Sie sah sich kurz um und schluckte, als sie einen Slip der Gattung Hauch von nichts neben der Couch liegen sah. Sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Affäre zu verbergen.

Nun stieg Wut in Kalli auf.

Entschlossen ging sie ins Schlafzimmer hinüber. Das Bild der Gala von Jan und ihr lachte sie höhnisch von seinem Nachttisch an. Kalli stieg auf das zerwühlte Bett und versuchte zu verdrängen, wer darin gelegen hatte.

Doch sie kam nicht an den Himmel heran. Kurzentschlossen holte sie sich einen Stuhl aus dem Arbeitszimmer und kletterte darüber an die Holzplatte, in die die LED eingelassen waren. Es war eine wackelige Angelegenheit, weil die Matratze unter ihrem Gewicht nachgab, aber sie hatte dank des jahrelangen Reitens ein ausgezeichnetes Gleichgewichtsgefühl. Malaika zog eine der kleinen Lämpchen heraus und grinste, als die Kamera sich perfekt in die Öffnung einfügte. Sie musste nichts verändern, um sie perfekt zu tarnen. Auch der Sender war so schmal und klein, dass sie ihn problemlos auf der Holzplatte unterbringen konnte. Sie schaltete die Kamera ein und stieg von ihrer wackeligen Konstruktion herab. Dann zog sie ihren Laptop aus dem Rucksack und loggte sich auf die Kamera ein. Sie hatte ein gestochen scharfes Bild. Auch die Aufnahmefunktion klappte auf Anhieb. Also packte sie den Laptop wieder ein, stellte den Stuhl wieder ins Arbeitszimmer und ging zurück zum Lift. Doch dann fiel ihr etwas ein und sie kehrte ins Arbeitszimmer zurück. Sie zögerte einen Moment, dann öffnete sie die Schublade des Schreibtisches und entnahm ihr das kleine blaue Buch, das darin lag. Sie setzte sich auf den Stuhl, blätterte die erste Seite um und begann zu lesen.

León war um kurz vor zwölf im Ausbildungszentrum angekommen. Er war im Laufe der Jahre schon einige Male hier gewesen, daher fand er seinen Lehrgangsraum ohne Schwierigkeiten. Einige der Kollegen aus den anderen Wachen kannte er und sie begrüßten sich erfreut. Auch den Ausbilder, der den Kurs leiten würde, kannte León von früheren Lehrgängen, sodass er recht entspannt auf den Beginn wartete und dabei aus dem Fenster im zweiten Stock sah.

Unten waren zwei große Trucks einer Filmgesellschaft aus Berlin geparkt und er sah unzählige Menschen auf der Fläche umherlaufen, Kameras aufbauen, mit Scheinwerfern hantieren oder Kisten von einem Ende zum anderen schleppen. Zwischen den Menschen in Zivil liefen einige Polizisten, doch er hatte nicht den Eindruck, als gäben sie sich große Mühe, Ordnung ins Chaos zu bringen.

„Na, Cheetah, willst Du umsatteln?“, grinste Finn ihn breit an.

„Kein Bedarf, Krümel. Ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Job, vielen Dank“, lachte León seinen Kollegen an.

„Was drehen die da unten, weißt Du das?“ Krümel nickte.

„SoKo Hafenliebe. Die drehen hier schon seit Montag. Heute werden wohl ein paar von uns zwangsverpflichtet. Sie brauchen noch Statisten, wenn ich es richtig verstanden habe.“

León schmunzelte. Manchmal spielte einem das Schicksal in die Hände.

„Das ist doch die Serie mit Jan Marlinger, oder?“ Krümel nickte.

„Meine Freundin steht total auf den Kerl. Die solltest Du mal schmachten sehen, wenn er wieder irgendeine Tante flachlegt. Hat schon einen netten Körperbau. Aber bei mir kann sie wenigstens sicher sein, dass ich ihr nichts vorspiele, wenn wir unser Fitnessprogramm durchziehen“, grinste er breit.

León verzog das Gesicht.

„Wohl wahr. Bei den Typen kannst Du Dir nie sicher sein, wann sie Dich anlügen.“

„Wie sieht’s denn eigentlich bei Dir aus? Hattest Du nicht beim letzten Mal erzählt, dass Du schon seit einer Ewigkeit hinter einem Mädel her bist? Hat sie Dich mittlerweile mal erhört? Oder umgarnst Du sie immer noch mit Deinem spanischen Feuer?“ León schmunzelte.

„Sie hat. Zwar erst vorgestern, aber sie hat!“

„Hey, herzlichen Glückwunsch! Was für ein Pech, dass Du dann gleich zum Lehrgang musstest. Hoffentlich wartet sie brav zu Hause.“

„Ich denke schon, dass sie warten wird. Aber nicht zu Hause. Ich habe sie einfach mitgenommen. Dann kann ich sie wenigstens abends sehen“, verriet er ihm.

„Ausgezeichnet. Dann sieh mal zu, dass Du genug Schlaf bekommst“, zog er ihn auf.

„Um Dich zu schlagen, reicht mein Schlafpensum allemal, Krümel!“, lachte León gut gelaunt.

Ihr Ausbilder kam lächelnd herein. An seiner Seite trat ein hochgewachsener, schlanker Mann mit in den Raum.

„Guten Tag, liebe Kollegen. Willkommen zum Lehrgang. Bevor wir gleich mit der Theorie anfangen, möchte ich Euch Julian Kretschmar vorstellen. Er ist der leitende Regisseur von SoKo Hafenliebe. Die drehen hier seit Montag eine neue Folge und brauchen für heute noch ein paar Statisten. Ich habe ihm angeboten, sich nach eigenem Gutdünken Leute auszusuchen, weil er am besten weiß, was in den Szenen gebraucht wird, aber natürlich könnt Ihr frei entscheiden, ob Ihr mitmachen möchtet. Der zeitliche Rahmen ist überschaubar und Ihr werdet natürlich trotzdem alle Informationen bekommen, um Eure Leistungsüberprüfung und den Lehrgang erfolgreich beenden zu können. Ist das okay für Euch?“ Es kam keine Gegenstimme und ihr Ausbilder deutete auf die Gruppe, um Julian wählen zu lassen.

„Guten Morgen und vielen Dank für Eure Unterstützung! Ich bräuchte zwei von Euch, um in einer Szene ein Fahrzeug abzulöschen und drei weitere, um einen der Hauptakteure aus einem brennenden Raum zu retten. Über eine Drehleiter, wenn möglich“, erklärte Julian ihnen. „Und weil Jan nicht zu den Kleinsten und Schmächtigsten zählt, sollten sich nur diejenigen zu seiner Rettung berufen fühlen, die ihn auch tragen können. Nicht, dass hier einer morgen wegen.." Rückenschmerzen aufgeben muss“, grinste Julian.

„Die Aufgaben können hier alle lösen. Sind ja alles Profis“, beteuerte ihr Ausbilder, den alle nur Speedy nannten.

„Dann würde ich mich freuen, wenn diese fünf mit zum Set kämen“, sagte er und deutete auf zwei Kollegen hinter León und Krümel, einen vorne an der Tür und auf Krümel.

„Kennst Du die Serie und Jan? Kommissar Greber? Traust Du Dir zu, ihn zu tragen?“, fragte Julian dann prompt León, der sich das Grinsen kaum verkneifen konnte.

„Ich kenne ihn und bin mir absolut sicher, dass ich ihn tragen kann. Das wird kein Problem!“, antwortete er ihm schmunzelnd.

„Wunderbar. Dann absolviert mal Eure Theorie und wenn wir Euch unten brauchen, schicken wir jemanden hoch, um Euch zu holen, einverstanden?“ Alle nickten. Krümel grinste ihn an.

„So schnell ändern sich gute Vorsätze!“

„Hättest Du mehr trainiert, könntest Du jetzt den Typen retten und Deine Freundin beeindrucken. Ganz dumm gelaufen, Krümel!“, lachte er ihn aus.

„Ach ne, lass mal, dann muss ich mir nachher noch einen neuen Spitznamen zulegen“, gab er lachend zurück.

Dann klopfte Speedy auf den Tisch und sie wandten sich aufmerksam ihrem Ausbilder zu.

Kalli atmete tief durch, als sie mit dem Lesen fertig war. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und legte das Buch wieder an Ort und Stelle. Dann griff sie nach ihrem Rucksack und sah sich ein letztes Mal im Penthouse um, bevor sie den Knopf drückte und zurück ins Hotel fuhr.

Sie haderte mit sich, ob sie noch zur Feuerwache fahren sollte oder nicht. Doch sie entschied sich dagegen, um ihren untreuen Verlobten nicht vorzuwarnen.

Die Einträge im Tagebuch hatten sie zutiefst verletzt, aber auch einiges zutage gebracht, dass Jans Verhalten in einem anderen Licht erscheinen ließ. Doch dann meldete sich ihr kleiner Racheengel und flüsterte ihr zu, dass sie es ihm auf gar keinen Fall so leicht machen dürfe. Und sie war durchaus gewillt, auf ihn zu hören.

Gegen elf Uhr rief León sie zurück.

„Hola, León. Pass auf, ich habe heute Morgen beim Set angerufen und erfahren,...“

„Dass Jan auf der Wache dreht. Ich weiß. Ich darf ihn nachher retten gehen.“

Kalli schwieg verblüfft.

„Sternchen? Bist Du ohnmächtig geworden?“, witzelte León.

„Du sollst was machen?“, fragte sie ihn ungläubig.

León erzählte ihr schmunzelnd, wie er von Julian auserkoren worden war, zu Jans Rettung beizutragen. Kallis Laune besserte sich schlagartig und sie lachte, bis ihr die Tränen kamen.

„Oh bitte, kann ich von irgendwo unentdeckt zusehen? Bitte, León. Den Anblick darfst Du mir nicht verwehren.“

„Ich weiß nicht, wo sie nachher drehen, also kann ich Dir das nicht versprechen. Und die Chance, dass Dich dann einer sieht, ist groß. Aber ich kann meinen Kollegen fragen, ob er die Szene für Dich filmt. Dann kannst Du uns beiden bei der Arbeit zusehen!“, grinste er breit.

„Bitte mach das. Die Kamera ist übrigens installiert. Ich war in der Wohnung. War kein Problem. Aber brauchen würde ich sie nicht mehr, um ihm nachzuweisen, dass er was mit Cecilia hat. Es stinkt in der ganzen Wohnung nach ihrem Parfum und der Slip neben der Couch war definitiv nicht meiner!“, sagte sie grimmig.

León schwieg einen Moment.

„Wie geht es Dir damit?“, fragte er dann ernst.

„Tut weh, ist aber auszuhalten. Ich hatte es ja geahnt. Ich habe mir vorhin sein Tagebuch geschnappt und durchgelesen. Und ich versichere Dir, es hatte überhaupt nichts mit uns zu tun. Er hat sich die ganze Zeit mit Cecilia getroffen, wenn er alleine in Berlin war. Selbst als wir ganz frisch zusammen waren, haben sie noch fröhlich Verstecken in allen Betten gespielt“, sagte sie erbost.

„Und das bedeutet, Projekt Racheengel geht in die Planungsphase. Also halte nachher bitte die Füße still und verquatsche Dich nicht. Er wird es bitter bereuen, sich mit mir angelegt zu haben!“, sagte sie leise und León schluckte.

Diesen Tonfall kannte er und war heilfroh, dass sie auf Jan sauer war und nicht auf ihn.

„Wo darf ich mich denn nachher mit meiner Liebsten treffen?“, fragte er dann, um sie auf andere Gedanken zu bringen.

Kalli nannte ihm die Adresse und das Hotel und er pfiff anerkennend.

„Nobel, nobel, Frau Mburu. So was kann sich ein armer Feuerwehrmann nicht leisten.“

Kalli lachte nur.

„Nein, aber ein nicht ganz unvermögender Weingutsohn durchaus.

Aber erfreulicherweise muss ich mir diesbezüglich ja wenig Sorgen machen. Oder erträgt der Macho in Dir es nicht, wenn er von einer Frau eingeladen wird?“

„Ich ein Macho? Ganz sicher nicht, Kleines und das weißt Du ganz genau. Nein, ich habe damit überhaupt kein Problem.“

„Im Übrigen hat nicht Frau Mburu eingecheckt. Sondern Señora Álvarez, die nachher auf Ihren Mann wartet“, fügte sie lächelnd hinzu.

Sie konnte León am anderen Ende lächeln sehen.

„Señor Álvarez freut sich sehr auf seine Frau.“

„Und sie sich auf ihn!“, versicherte sie ihm. „Bis nachher, mi corazón.“

„Hasta esta noche, querida señora Àlvarez!2“, sagte er liebevoll und legte dann auf.

Einige Minuten später kam eine junge Frau zu ihnen, die sie zum Set brachte. Sie gingen gemeinsam hinunter und León bat Krümel auf dem Weg durchs Gebäude leise darum, das Video zu drehen. Und zwar die ganze Zeit, nicht nur während der eigentlichen Dreharbeiten, aber möglichst so unauffällig, dass es vor allem Jan nicht auffiel. Krümel zeigte grinsend mit dem Daumen nach oben.

Und dann trafen sie beim Set ein. León sah Jan mit einer Blondine zusammenstehen und vertraulich tuscheln. Er sah rasch weg, weil er ihm nicht das Gefühl geben wollte, ihn ertappt zu haben. Da sah Julian sie und rief laut „Ah, unsere Statisten kommen. Jan? Kommst Du mal eben?“, winkte er seinen Hauptdarsteller zu sich.

León stellte sich aufrecht hin und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust. Er konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als Jan sich umdrehte, ihn erblickte und abrupt stehenblieb.

„León?“, fragte er ungläubig. „Wie kommst Du denn hierher?“ Julian sah irritiert von Jan zu León.

„Ihr kennt Euch?“, fragte er unsicher.

„Darf ich vorstellen: León Álvarez, Malaikas bester Freund!“, grinste nun auch er.

Julian blickte ihn überrascht an.

„Das nenne ich mal einen Zufall! Das schafft kein Drehbuchautor!“ Jan kam auf León zu und drückte ihn an sich. León spielte mit.

„Was machst Du hier? Ist Kalli auch mit?“ León entging nicht, dass er sich vorsichtig umsah. Dann schüttelte er den Kopf.

„Nein, wieso sollte sie? Ich habe ganz kurzfristig für einen verletzten Kollegen den Lehrgangsplatz übernommen. Ich bin erst heute angekommen.“

„Und Du sollst mich nachher retten?“, lachte Jan.

„Das sollte ich wohl hinkriegen. Einmal getragen habe ich Dich ja schon.“

„Wie war das? Was im Lager passiert, bleibt im Lager?“, grinste Jan und verzog das Gesicht.

León nickte nur. Er würde nichts verraten. Jan begrüßte auch die anderen mit Handschlag und machte ein paar Scherze mit Leóns Kollegen. Dann erklärte Julian ihnen, wer was zu tun hatte und sie begaben sich in die Maske. Jan kam mit ihnen.

„Gaby, darf ich Dir León vorstellen? Du hast ihn doch verprügeln wollen, weil er Dir so viel Arbeit gemacht hat mit meinem blauen Fleck. Bitte, tobe Dich aus!“, lachte Jan.

Gaby kam lächelnd näher.

„Du spinnst wohl, Jan. So einen gut aussehenden Kerl werde ich doch nicht hauen. Höchstens zum Essen einladen. Hallo León, ich bin Gaby und finde es überhaupt nicht schlimm, wenn Jan Dich jedes Mal hinterher mitbringt, wenn Du ihn verprügelt hast. Mache das ruhig öfter!“, grinste sie fröhlich und reichte ihm die Hand.

León machte sich einen Spaß und gab ihr einen Handkuss, bevor er ihr lächelnd entgegnete „Wer könnte einer solch hübschen Frau einen Wunsch abschlagen? Jan, beim nächsten Lager beziehst Du Prügel!“, grinste er böse.

Jan sah ihn irritiert an, weil er nicht sicher sagen konnte, ob León das ernst meinte oder nicht. Gaby lachte.

„Tja Jan, dumm gelaufen. Aber nun ab auf den Stuhl, damit ich noch ein wenig an dem hübschen Gesicht arbeiten kann. Viel zu machen ist ja nicht“, machte sie ihm ein Kompliment.

León lehnte sich entspannt zurück und ließ sie mit ihren Pinseln auf seinem Gesicht herumfahren. Nach wenigen Minuten war er fertig und durfte in sein Kostüm schlüpfen.

„Warum ich jetzt nicht einfach meinen Anzug anbehalten kann, verstehe ich nicht“, grinste er und stieg von einer Latzhose in Blau in eine andere in Blau.

Nur das Emblem auf der Hose war ein anderes. Diese Wache gab es in Wirklichkeit nicht. Auch Krümel und die anderen zogen sich um.

„Warum hast Du mir nicht erzählt, dass Du den Kerl kennst?“, fragte er ihn aufgeregt.

„Wieso? Willst Du ein Autogramm?“, grinste er.

Krümel nickte.

„Meine Süße freut sich bestimmt.“

León nickte. Dann nahm er ihn kurz beiseite.

„Krümel, pass genau auf. Ich erkläre Dir nachher alles ausführlich, aber nur für den Fall, dass das Gespräch darauf kommt: Ich habe keine Beziehung derzeit. Und wehe, Du verquatschst Dich, dass meine Freundin in Berlin ist. Dann knüpfe ich Dich eigenhändig im Schlauchturm auf!“, brummte er.

„Alles klar, Cheetah! Kannst Dich auf mich verlassen. Du zahlst das Bier beim Gespräch!“ lächelte er und León wusste, dass er Jan nichts sagen würde. Krümels Wort zählte.

Krümel schaffte es tatsächlich, die Szene, in der León mit seinen Kollegen eine Tür mittels einer Rammhilfe aufbrechen und den schwer verletzten Kommissar Greber über eine Drehleiter nach unten tragen mussten, vollständig aufzuzeichnen. Julian klatschte begeistert, weil die aufwändige Szene beim ersten Take im Kasten war und auch die Szene mit den löschenden Kollegen, in denen Krümel von León gefilmt wurde, ging beim ersten Mal zum Sichern.

„Ich liebe es, mit Profis zu arbeiten!“, lobte er sie hinterher begeistert.

León bat Jan, seinen Kollegen ein paar Autogrammkarten auszustellen, was er gerne machte. Und dann kam auch die Blondine zurück, die León schon zuvor gesehen hatte. Jan stellte sie ihm vor.

„Cecilia, das ist León, Kallis Freund, von dem ich Dir erzählt habe.

Er hat hier einen Lehrgang seit heute.“

Sie reichte ihm lächelnd die Hand und León merkte, wie sie seinen Körperbau in Augenschein nahm.

„Kalli hat einen ausgesprochen guten Geschmack bei Männern, das muss ich ihr schon lassen. Ich freue mich sehr, León.“

Sie reichte ihm die Hand und er schüttelte sie.

„Das scheint ja ein aufregendes Wochenende gewesen zu sein. Da bekommt man ja glatt Lust, mal Mäuschen zu spielen“, flirtete sie mit León.

„Das nächste Lager ist vom 6. bis 8. Februar. Du darfst uns gerne besuchen kommen“, lud er sie ein und bemerkte amüsiert, wie Jans Gesichtsfarbe schwand.

„Gerne, León. Weißt Du, wo das ist?“, fragte sie Jan.

„Er bekommt die Adresse rechtzeitig!“, sagte León schnell.