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Der verhaltensorientierte Ansatz in der Sozialen Arbeit ist eine innovative Art des Umgangs mit sozialpädagogischen Fragestellungen und lässt sich auf alle Anwendungs- und Praxisbereiche übertragen. Im Zentrum stehen dabei die Anliegen und Probleme der Klienten, welche als veränderbar betrachtet werden. Sozialpädagogische Maßnahmen zur Reduktion von Problemlagen werden dabei als Lernprozesse verstanden, die sich auf empirisch abgesicherte Strategien und Methoden stützen. Das Buch macht als umfassendes Grundlagenwerk diesen (evidenzbasierten) neuen Ansatz zugänglich. Neben den grundlagen- und methodenbezogenen Aspekten steht vor allem die Umsetzung des verhaltensorientierten Ansatzes in den verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit im Zentrum.
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Seitenzahl: 456
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Alle Rechte vorbehalten
© 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart
Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher
Gesamtherstellung:
W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-021973-1
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-024042-1
epub: ISBN 978-3-17-025410-7
mobi: ISBN 978-3-17-025411-4
Geleitwort
Vorwort
I Grundlagen
1 Wissenschaftshistorische und berufsethische Grundlagen der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit
Frank Como-Zipfel
2 Wissenschaftstheoretische und verhaltenswissenschaftliche Grundlagen der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit
Christoph Bördlein
II Methoden
3 Methoden der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit
Mathias Blanz und Franz J. Schermer
III Handlungsfelder
4 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen
Friedrich Linderkamp
5 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit alten Menschen
Anita Plattner
6 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen
Georg Jungnitsch und Silke Lederbogen
7 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit suchtkranken Menschen
Michael Klein
8 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit straffälligen Menschen
Klaus Mayer
9 Soziale Arbeit bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen
Hanns Rüdiger Röttgers
10 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Michael Borg-Laufs und Katja Dittrich
11 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit in Schule und Bildung
Edeltrud Marx und Raphaela Trinks
12 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit mit Familien
Annett Kuschel und Sylvia Harstick-Koll
13 Verhaltensorientierte Soziale Arbeit im Gesundheitsbereich
Christoph B. Kröger und Johanna Wenig
14 Verhaltensorientierte Supervision Sozialer Arbeit
Dieter Schmelzer
Literaturverzeichnis
Autorenverzeichnis
Die Entscheidungen und professionellen Urteile, die Praktiker der Sozialen Arbeit täglich fällen, haben weit reichende Folgen und bedürfen einer Begründung, sowohl gegenüber den Klienten als auch gegenüber der Gesellschaft als Ganzes. Es ist deshalb unumgehbar, dass diese Entscheidungen nicht auf der Grundlage persönlicher Voreingenommenheit, Hörensagen oder veralteten Theorien getroffen werden, sondern auf pragmatischen, wissenschaftlich fundierten Kenntnissen darüber, wie menschliche Interaktionen und Verhaltensweisen entstehen und beeinflusst werden – insbesondere durch den Kontext, in dem sie auftreten, die individuelle Lerngeschichte und Erfahrungen sowie die vorherrschenden kulturellen und ethischen Normen und Werte.
Die Verhaltenswissenschaften und im Besonderen die Angewandte Verhaltensanalyse bieten diese Wissensgrundlage. Aufbauend auf einem funktionalen und kontextualen Verständnis darüber, wie Verhalten gelernt, geformt, generalisiert und aufrechterhalten wird, bietet die Verhaltensorientierte Soziale Arbeit individuell zugeschnittene, kontextspezifische Interventionen, die ethisch fundiert sowie transparent und nicht bevormundend ausgerichtet sind.
Es ist deshalb nicht überraschend, dass gerade die Verhaltensorientierung eine Vorreiterrolle in der Entwicklung eines evidenzbasierten, Aufgaben-orientierten und Person-zentrierten Vorgehens in der Sozialen Arbeit einnimmt. Doch werden deren theoretisch-konzeptuelle Grundlagen üblicherweise in den Aus- und Weiterbildungen der Sozialen Arbeit, die primär an Methodenlehre orientiert sind, nicht gelehrt.
Der vorliegende Band zeigt, wie die Praxis der Sozialen Arbeit von einem soliden Verständnis der Verhaltenstheorie profitieren kann und wie dies zu besseren Ergebnissen im gesamten Bereich ihrer Aufgaben und Aktivitäten führt. Der Leser wird eingeladen, bisherige Überzeugungen zu überprüfen und sich zu einem sorgfältig und kritisch reflektierenden Praktiker zu entwicklen, der seine Arbeit »eher vertritt als verteidigt« (»defensible rather defensive practice«, O’Neill, 2012).
Dieser Band bietet die erste umfassende Darstellung der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit in Deutschland und schließt damit die normative als auch empirische Lücke zur internationalen Best-Practice in der Sozialen Arbeit (Thyer & Kazi, 2004).
Der Leser wird in die ethischen, wissenschaftlichen, theoretischen und methodologischen Grundlagen der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit unter Bezugnahme auf aktuelle internationale Forschung eingeführt. Verhaltensorientierte Konzepte werden auf eine umfassende und beeindruckende Bandbreite von Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit angewandt, die von Menschen mit Behinderungen zu alten Menschen, von psychisch erkrankten, suchtkranken, und straffälligen Menschen zu Kindern, Jugendlichen und Familien sowie vom Bildungs- und Gesundheitsbereich zur Supervision Sozialer Arbeit reicht. Diese vielen Beispiele veranschaulichen, wie evidenzbasierte Entscheidungsprozesse, die auf einer »wissenschaftliche Methode« (»the scientific method«; Keenan & Dillenburger, 2012) aufbauen, zur Qualitätssicherung, der Vermeidung ineffizienter Interventionen und der Weiterentwicklung der Profession beitragen.
Dieses Buch ist Pflichtlektüre für all diejenigen, die sich einer evidenzbasierten und nicht bevormundenden Praxis der Sozialen Arbeit verpflichtet fühlen: Lehrende, Forschende, Studierende und Praktiker in den verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und angrenzenden Gebieten.
Karola Dillenburger PhD; BCBA-DProfessor for Behaviour Analysis and EducationCentre for Behaviour AnalysisSchool of EducationQueen’s University Belfastqub.ac.uk/cba
Keenan, M. & Dillenburger, K. (2012). Behaviour analysis: A primer. ibook available on itunes.
O’Neill, L. (2012). Using theory in social work practice. Guardian Professional, August, 3.
Thyer, B. & Kazi, M. (2004). International perspectives on evidence-based practice in Social Work. Ashgate, UK: Venture.
Behavioral Social Work stellt im angloamerikanischen Bereich einen seit Jahrzehnten etablierten Zugang in der Sozialen Arbeit dar, welcher durch eine empirische Fundierung seiner theoretischen Grundannahmen, eine zielgerichtete problemorientierte Vorgehensweise und eine ausgeprägte Evidenzbasierung gekennzeichnet ist. Wie alle Zugänge zur Sozialen Arbeit sieht sich auch die Verhaltensorientierung der Wahrung der Würde ihrer Klientel unter Berücksichtigung der allgemeinen Menschenrechte sowie den berufsethischen Kodizes der Sozialen Arbeit verpflichtet. Dem steht eine bislang vergleichsweise geringe Rezeption der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit in der deutschsprachigen Fachöffentlichkeit gegenüber.
Mit dem vorliegenden Lehrbuch wird ein umfassendes Grundlagenwerk zur Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit vorgestellt, das sich im Kontext der Öffnung des deutschen Bildungssektors durch den Bolognaprozess an internationalen Standards der Ausbildung in Sozialer Arbeit orientiert. Der Band gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden die ethischen und historischen sowie die wissenschafts- und verhaltenstheoretischen Grundlagen dargestellt. Der zweite Teil behandelt die methodologischen Grundlagen der Beziehungsgestaltung, der Analyse von Anliegen, der Erreichung von Zielen und der Erfolgsbewertung. Im dritten Teil wird die Umsetzung dieser Grundlagen in einer breiten Palette von Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit dokumentiert.
Der Band wendet sich sowohl an Lehrende als auch Studierende der Sozialen Arbeit und verwandter Studiengänge, die sich auf theoretischer oder praktischer Ebene mit dem verhaltensorientierten Ansatz vertraut machen wollen. Darüber hinaus gibt er dem Berufspraktiker Einblick in das verhaltensorientierte Vorgehen in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen der Sozialen Arbeit.
Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei den Autorinnen und Autoren für ihr Engagement und ihre Kooperations- und Kompromissbereitschaft bedanken, welche die vorliegende einheitliche Gestaltung des Bandes erst ermöglichte. Darüber hinaus haben wir den Herren Dr. Ruprecht Poensgen und Dr. Klaus-Peter Burkarth vom Kohlhammer-Verlag für ihre wertvolle Unterstützung und Betreuung zu danken.
Zur leichteren Lesbarkeit des Textes haben wir uns entschieden, in den meisten Fällen nur eine der beiden Geschlechtsformulierungen zu verwenden; die jeweils andere ist dabei selbstverständlich immer mitgedacht.
Würzburg, im Frühjahr 2013
Mathias BlanzFrank Como-ZipfelFranz J. Schermer
Dieser Beitrag stellt die wissenschaftshistorischen und ethischen Grundlagen der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit im anglo-amerikanischen und deutschsprachigen Raum dar. Zugunsten des Begriffs »Soziale Arbeit« werden die Termini »Sozialarbeit« und »Sozialpädagogik« im Folgenden eher zurückhaltend bzw. weitgehend synonym gebraucht. Der hier verwendete Begriff der Sozialen Arbeit orientiert sich an zwei Definitionen und zwar:
(1) der Definition des Fachausschusses »Theorie- und Wissenschaftsentwicklung« des Fachbereichstags Soziale Arbeit von 1999: »Die Wissenschaft der Sozialen Arbeit ist die Lehre von den Definitions-, Erklärungs- und Bearbeitungsprozessen gesellschaftlich und professionell als relevant angesehener Problemlagen. … Der Gegenstand der Sozialen Arbeit ist die Bearbeitung von gesellschaftlich und professionell als relevant angesehenen Problemlagen« (Klüsche, 2004, S. 256, 262); sowie
(2) der Definition der Generalversammlung der International Federation of Social Workers und der International Association of Schools of Social Work von 2004: »Die Profession Soziale Arbeit fördert sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen und die Stärkung und Befreiung von Menschen, um das Wohlergehen zu stärken. Gestützt auf Theorien über menschliches Verhalten und sozialer Systeme greift Sozialarbeit an den Stellen ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Wechselwirkung stehen. Die Grundlagen von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit sind für die Soziale Arbeit wesentlich« (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit, 2009, S. 2).
Diese allgemeinen Definitionen Sozialer Arbeit weisen explizit auf die wissenschaftliche Fundierung und die ethischen Dimensionen des Berufsbildes hin. Eine wissenschaftliche Orientierung sowie ein ethisches Bewusstsein und Handeln wird im Folgenden als konstituierend für die berufliche Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit angesehen. Dass dieses insbesondere auch für die Tradition der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit gilt, wird im Abschnitt 1.3 dieses Beitrags dargestellt.
Die Frage »Was ist Verhaltensorientierte Soziale Arbeit?« kann aufgrund zahlreicher, zumeist übereinstimmender Definitionen in der Literatur (Bartmann, 2010; Gambrill, 1995; Payne 2005; Thomlison, 1982; Thyer & Hudson, 1987) beantwortet werden: In ihren grundlegenden Zielsetzungen unterscheidet sich die Verhaltensorientierung nicht von anderen Formen der Sozialen Arbeit. Auch sie steht selbstverständlich für die verantwortungsvolle Förderung und die Unterstützung ihrer Klientel bei der Lösung und Bewältigung von deren Problemlagen; dies stets unter der Wahrung der Menschenwürde, der sozialen Gerechtigkeit, dem Einbezug der Lebensumwelt und der Autonomie ihrer Klientel. Die besonderen Charakteristika der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit finden sich somit nicht in deren Zielsetzungen, sondern in der Gestaltung des Weges, der zum Ziel führt: also in deren Konzept, Methoden und Techniken, die in der Praxis eines verhaltensorientierten Hilfeprozesses zum Tragen kommen. Unter Berücksichtigung der zentralen Aussagen der o. g. Quellen werden die Charakteristika der Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit wie folgt definiert:
• Sie betont die zentrale Bedeutung des Lernens für die Erklärung und Veränderung menschlichen Handelns. Sie berücksichtigt deshalb insbesondere die Prinzipien der klassischen Lerntheorien (respondentes Lernen, operantes Lernen, sozial-kognitives Lernen), d. h. Modellvorstellungen mit empirischem Gehalt.
• Sie führt eine umfassende gegenwartsbezogene Analyse des Anliegens des Klienten durch (Verhaltensanalyse). Bei dieser stehen das Anliegen des Klienten sowie dessen momentane Einflussfaktoren aus der intrapersonellen, sozialen und materiellen Umwelt im Mittelpunkt.
• Sie operationalisiert (konkretisiert auf Verhaltensebene) und quantifiziert (ermöglicht die Zähl- und Messbarkeit) das Anliegen des Klienten.
• Die im Hilfeprozess verfolgten Ziele leiten sich aus der Verhaltensanalyse ab.
• Die Analyse des Anliegens, die Festlegung der Interventionsziele sowie die Durchführung der Veränderungsmaßnahmen erfolgen stets unter Einbezug und in Absprache mit dem Klienten bzw. dessen gesetzlichem Vertreter. Es gilt die Wahrung von Transparenz und informiertem Einverständnis des Klienten.
• Der Hilfeprozess ist alltagsorientiert und hat einen übenden Charakter. Er soll die Kompetenzen zur Selbstkontrolle des Klienten fördern, d. h. zur »Hilfe zum Selbstmanagement« beitragen, damit die Veränderungen auch dann noch aufrecht erhalten werden können, wenn der Hilfeprozess beendet ist.
• Sie strebt an, dass positiv veränderte (spezielle) Verhaltensweisen des Klienten von diesem auf andere Problemsituationen übertragen werden können (Generalisierung).
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