Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Romantik und Herzklopfen zwischen grünen Hügeln: Der Feelgood-Sammelband »Verliebt in Irland« von Sarah O'Brien jetzt als eBook bei dotbooks. Liebeschaos in Limerick! Immobilienmaklerin Ellen sehnt sich danach, endlich den Mann fürs Leben zu finden … doch nun scheint Amor etwas übertrieben zu haben: Gleich drei Männer bewerben sich für die Hauptrolle in ihrem Leben! Aber kann sie Andrew, der ihr schon einmal das Herz gebrochen hat, wirklich eine zweite Chance geben? Oder sollte sie sich lieber auf den charmanten Gauner Tony einlassen? Und dann ist da auch noch Spencer, für den Ellen ein neues Haus suchen soll – und der sie mit jedem seiner Blicke zum Schmelzen bringt. Wer ist der Richtige? Während Ellen mit butterweichen Knien versucht, das herauszufinden, stolpert sie von einem Fettnäpfchen ins andere – und droht plötzlich auch noch, in einen handfesten Skandal verwickelt zu werden … Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der romantische Sammelband »Verliebt in Irland« von Sarah O'Brien enthält die beiden humorvollen Liebesromane »Küss mich doch einfach« und »Ich probier's nochmal mit Liebe«. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 1067
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Über dieses Buch:
Liebeschaos in Limerick! Immobilienmaklerin Ellen sehnt sich danach, endlich den Mann fürs Leben zu finden … doch nun scheint Amor etwas übertrieben zu haben: Gleich drei Männer bewerben sich für die Hauptrolle in ihrem Leben! Aber kann sie Andrew, der ihr schon einmal das Herz gebrochen hat, wirklich eine zweite Chance geben? Oder sollte sie sich lieber auf den charmanten Gauner Tony einlassen? Und dann ist da auch noch Spencer, für den Ellen ein neues Haus suchen soll – und der sie mit jedem seiner Blicke zum Schmelzen bringt. Wer ist der Richtige? Während Ellen mit butterweichen Knien versucht, das herauszufinden, stolpert sie von einem Fettnäpfchen ins andere – und droht plötzlich auch noch, in einen handfesten Skandal verwickelt zu werden …
Über die Autorinnen:
Sarah O’Brien ist das Pseudonym zweier bester Freundinnen aus dem irischen Limerick: der Lehrerin Trisha Rainsford und der PR-Beraterin Helena Close.
***
Sammelband-Originalausgabe Oktober 2022
Copyright © der Sammelband-Originalausgabe 2022 dotbooks GmbH, München
Eine Übersicht über die Copyrights der einzelnen Romane finden Sie am Ende dieses eBooks.
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von Shutterstock/J. Hamilton, Scisetti Alfio, Patryk Kosmider
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (mm)
ISBN 978-3-98690-120-2
***
Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected]. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags
***
Sind Sie auf der Suche nach attraktiven Preisschnäppchen, spannenden Neuerscheinungen und Gewinnspielen, bei denen Sie sich auf kostenlose eBooks freuen können? Dann melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an: www.dotbooks.de/newsletter (Unkomplizierte Kündigung-per-Klick jederzeit möglich.)
***
Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weitere Bücher aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort »Verliebt in Irland« an: [email protected] (Wir nutzen Ihre an uns übermittelten Daten nur, um Ihre Anfrage beantworten zu können – danach werden sie ohne Auswertung, Weitergabe an Dritte oder zeitliche Verzögerung gelöscht.)
***
Besuchen Sie uns im Internet:
www.dotbooks.de
www.facebook.com/dotbooks
www.instagram.com/dotbooks
blog.dotbooks.de/
Sarah O’Brien
Verliebt in Irland
Zwei Romane in einem eBook: "Küss mich doch einfach" und "Ich probier's nochmal mit Liebe"
dotbooks.
Aus dem Englischen von Jutta-Maria Piechulek
Für unsere Familien und Freunde.Ihr wisst, wer ihr seid,und wir wissen, wo ihr wohnt.
Ich hatte nie die Absicht, mich mit Leichen zu befassen oder mich in Kriege mit Drogenbaronen verwickeln zu lassen. Ich heiße Ellen Grace, bin sechsundzwanzig Jahre alt, leitende Immobilien-Auktionatorin beim führenden Auktionshaus Gladstone und Richards. Vorbehaltlose Besitzerin von sechsundfünfzig Paar Schuhen, einer Ansammlung zerbeulter Autos und einer sehr netten Katze. Oh, und eines schwer gebrochenen Herzens. Wie bin ich zwischen Leichen und Verbrechen geraten? Ich bin noch immer dabei, das herauszufinden, doch das Komische ist, dass alles an einem absolut normalen Montagmorgen begann. Nun, an einem fast normalen Montag, außer dass mein Wagen urplötzlich auf dem Parkplatz für Angestellte in Flammen aufging. Das passiert nicht jeden Tag. Und noch etwas. Andrew Kenny war bei mir, unser neuer Gebietsmanager. Groß, toll und fantastisch gekleidet. Ein Mann, den jedes Mädchen gern lieben würde. Ein Herzensbrecher. Und ich muss es wissen – er hat es perfekt geschafft, mein Herz zu brechen ...
»Oh, mein Gott«, beschwerte sich Andrew, sobald er die Haustür zu Mrs. Harris' Haus aufgestemmt hatte. »Was ist das für ein Geruch? Alle Nagetiere der Stadt müssen hier eingezogen sein, nachdem man Mrs. Harris ins Pflegeheim gebracht hat.«
Ich sah ihn an und zuckte gleichgültig mit den Schultern. Ich wollte mit Andrew wirklich nicht allein sein. Doch da mir bei dieser Sache keine Wahl blieb, wollte ich nur unsere Arbeit machen und sie so schnell wie möglich beenden. Ich war jedenfalls nicht auf ein lockeres Geplauder aus.
Andrew schaltete das Licht an, was kaum etwas veränderte – die einzige Birne konnte die Atmosphäre verlassener Düsternis nicht durchdringen, die im Haus herrschte. Ich musste an die arme alte Mrs. Harris denken. Wie lange mochte sie hier ganz allein gelebt haben? Wie lange war das Haus schon so leer gewesen? Diese Gedanken machten mich traurig.
»Oh, mein Gott«, sagte Andrew, der mit der Hand vor seinem Gesicht herumwedelte, als wir durch den engen Korridor an Tapeten vorbeigingen, die kaum noch an den Wänden klebten. »Dieser Geruch ist ekelhaft. Was, zur Hölle, ist das bloß?«
Andrews Aftershave wehte, zusammen mit der feuchten, schalen Luft, zu mir herüber. Sein Geruch war mir so vertraut, dass ich in eine andere Zeit zurückgeworfen wurde.
»Um Himmel willen, Andrew!«, sagte ich, während der Ärger in mir hochstieg, als die Erinnerungen mich ungebeten überfluteten. »Was, zur Hölle, ist bloß los mit dir?«
»Nichts«, murmelte Andrew hinter der Hand, die er sich auf die Nase gepresst hatte, »es ist nur dieser Geruch ...«
»Na, na«, sagte ich laut, »du bist nichts mehr gewöhnt. Vielleicht hättest du in London bleiben sollen. Du scheint vergessen zu haben, dass das Immobilienspiel hier mehr Feldarbeit als Büroarbeit ist.«
Andrew wandte mir den Kopf zu und sah mich an, während er eine Tür am Ende des engen Korridors öffnete, und ein breites Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf.
»Ich weiß, dass wir Agenten sind, Ellen«, sagte er, hielt inne und sah mich an, »aber wir sind Grundstücksmakler und keine FBI-Agenten.«
»Sehr komisch«, erwiderte ich, weil mir sein Lächeln plötzlich auf die Nerven ging. »Lass uns weitermachen. Ich habe heute Nachmittag noch jede Menge Termine.«
Andrew zuckte mit den Schultern. »Das passt mir gut. Wo fangen wir an?«
Ich sah mich schnell um. »Wie wäre es, wenn du hier anfängst und versuchst, in den rückwärtigen Garten zu kommen, und ich mich im Wohnzimmer umsehe?«
Andrew nickte und wandte sich wortlos der kleinen Küche zu. Ich zwang mich dazu, seinen Hinterkopf nicht anzusehen, als er ging. Ich machte kehrt und lief im Korridor zurück. Ich hasste das alles hier. Es war einfach nicht fair, dass ich hier ausgerechnet mit Andrew arbeiten musste.
Normalerweise wurde ich zur Einschätzung eines Hauses wie diesem hier allein hingeschickt oder mit einem Mitglied der Truppe von Gladstone und Richards. Doch der derzeitige Besitzer – Daniel Harris – lebte in Spanien, und Harris war sowohl verschroben als auch ein ehemaliger Klassenkamerad von Tim Gladstone, dem Chef, und Tim hatte Andrew gebeten, mich zu begleiten.
»Schätze es in alter Gebietsmanager-Manier ab, ja, Andrew?« Wie Tim Gladstone es formulierte. »Ellen wird dich begleiten. Dann haben wir gleichzeitig unsere beste Auktionatorin und unseren neuen Top-Manager an dem Fall dran, und Harris wird sich über nichts beschweren können.«
Was hätte ich sagen sollen? Ich konnte meinem Chef doch nicht erzählen, dass sein neuer Gebietsmanager jahrelang die Liebe meines Lebens gewesen war, oder? Und dass ich an jenem Tag vor einem Monat fast in Ohnmacht gefallen bin, als ich herausfand, dass Andrew Kenny aus London zurückgekehrt war. Und als ich, um das Maß voll zu machen, auch noch entdeckte, dass er der neue Gebietsmanager bei Gladstone und Richards war. Und da ich nichts anderes, beruflich Plausibles hatte sagen können, gingen wir an diesem Tag zusammen zu Mrs. Harris' Haus.
Andrew fuhr zum Haus, weil mein Wagen an jenem Morgen abgefackelt war. Es war kaum eine Meile Fahrt, doch es war die längste Meile meines Lebens. Wie soll man denn eine zwanglose Unterhaltung führen, wenn man einen Teil seines Lebens und all seine intimen Geheimnisse miteinander geteilt hatte? Ganz abgesehen davon, wenn man sich gegenseitig in nicht der besten Unterwäsche gesehen hatte.
Die Tür zum Wohnzimmer war verquollen und verzogen, doch ich hatte nicht fünf Jahre als Grundstücksmaklerin gearbeitet, ohne zu lernen, wie man mit verzogenen Türen umgeht. Nach ein wenig Überredung und einem kräftigen Ruck öffnete sie sich. Ein widerlich süßlicher Geruch schlug mir entgegen, als ich das Licht einschaltete. Ich hielt mir die Nase mit der Hand zu, um mich vor dem fast sichtbaren Gestank zu schützen, und sah mich im Raum um. Samtgardinen, Velourstapete, ein kleiner schmiedeeiserner Kamin, ein demolierter Fernsehapparat, auf dem eine Vase mit welken Blumen stand, ein großer Lehnstuhl mit einem passenden, mit Chintz bezogenen Sofa, auf dem ein toter Mann kerzengerade in der Mitte saß.
»Wow!«, sagte ich, trat zurück in den Korridor und zog die Tür hinter mir zu. Ich rieb mit den Händen über mein Gesicht und schluckte krampfhaft, bis die Gefahr vorüber war, dass ich mich übergeben musste.
»Andrew!«, schrie ich.
Andrew erschien im Korridor. »Was ist los? Mäuse? Ratten? Ich wusste es. Ich konnte es riechen, das habe ich dir gesagt. Lass mich mal sehen.«
Noch ehe ich antworten konnte, hatte Andrew schon die Hand auf der Türklinke. Ich schüttelte den Kopf und gab einen erstickten Laut von mir. Ich wollte ihn wirklich warnen. Was auch immer zwischen uns geschehen war, ich wollte nicht, dass Andrew die gleiche schreckliche Erfahrung wie ich machen sollte.
Andrew sah mich mit gerunzelter Stirn verständnislos an und öffnete die Tür.
»Boh«, sagte ich.
Andrew sah mich wieder an und betrat dann das Wohnzimmer. Ich bekämpfte die Übelkeit noch immer mit winzigen keuchenden Atemzügen, als er in den Korridor zurücktaumelte und nach einer morschen Zierleiste griff, um sich daran festzuhalten.
»Allmächtiger«, sagte er. »Allmächtiger Gott.«
Er beugte sich vor, stützte die Hände auf die Knie und atmete mehrmals tief und lange ein.
»Du hättest auf mich hören sollen«, sagte ich, als mein Atmen sich normalisierte und meine Stimme zurückkehrte. Andrew gab keine Antwort.
»Ich habe versucht, dich zu warnen, aber wie immer hast du mir nicht zugehört.«
Andrew hob sein aschfahles Gesicht, um mich anzuschauen, und dann starrte er wieder auf das abgenutzte Linoleum unter seinen Füßen und begann mit einer weiteren Serie von tiefen Atemzügen.
»Fang nicht an, Ellen«, sagte er flüsternd.
»Glaubst du, dass er tot ist?«, fragte ich.
Andrew stand auf und reckte sich, bis er sich gegen die vor Feuchtigkeit fleckigen Tapete an der Wand hinter ihm lehnte. Er rieb sich die Hände und schob sie dann in die Taschen seines Jacketts, ich hatte jedoch bereits gesehen, dass sie zitterten.
»Nein«, sagte er mit blassen Lippen, »ich vermute, sie haben einfach vergessen, den Lufterfrischer zu benutzen.«
Er nahm sein Handy aus der Tasche seines Jacketts und tippte Zahlen ein.
»Ja. Die Polizei, bitte.«
»Gute Idee«, formte ich lautlos mit den Lippen. Diesmal war es Andrew, der mich ignorierte.
»Hallo ... ich bin ... ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber vielleicht erzähle ich ihnen einfach, was geschehen ist, ja? Gut, nun, wir haben uns in diesem Haus umgesehen – oh, meine Kollegin und ich –, und nun, glaube ich, dass wir einen Toten gefunden haben. Wo er ist? Auf dem Sofa im Wohnzimmer. Was? Ach, sie meinen die Adresse?
Honan Terrace Nummer zweiunddreißig. Wie bitte? Wie schon gesagt, befindet er sich auf dem Sofa, das, glaube ich, vor dem Kamin steht, aber der Geruch ist wirklich, wirklich schlimm, und wir möchten nicht in den Raum zurückgehen. Was? Oh, ja, ich verstehe – wo sich Honan Terrace befindet. Ja, jetzt verstehe ich, Entschuldigung. Biegen sie am Fußballplatz einfach links ab, wissen sie, wo? Ja, das stimmt, eine Sackgasse. Ja, das werde ich.«
Andrew klappte das Handy zu und lehnte sich wieder gegen die Wand und sah mich an. Er selber war einer Leiche nicht unähnlich.
»Bist du in Ordnung?«, fragte ich.
»Himmel, Ellen. Tot.«
Ich nickte.
»Tot«, sagte ich wie ein Echo.
Wir standen dort und starrten einander an, und ich musste mich vorbeugen und ihn küssen, weil er so durcheinander war, denn trotz allem hatte Andrew noch immer die aufreizendsten Lippen, die ich je gesehen hatte. Und dann war da noch die Tatsache, dass es einen Toten auf dem Sofa gab, was alles ins rechte Licht rückte und das Knutschen mit meinem Exfreund plötzlich wie eine wirklich gute Idee aussehen ließ. Ich schaute ihm in die grauen Augen, und ich hätte schwören können, dass er das Gleiche dachte – allerdings nur so lange, bis er sich zur Seite beugte und sich erbrach.
Plötzlich klopfte es an der Haustür. Andrew wischte sich den Mund mit einem Papiertaschentuch ab und sah mich an. Der schwere Messingklopfer schlug zum zweiten Mal gegen die Tür. Ich ging mit weichen Beinen zur Tür und öffnete sie. Zwei uniformierte Polizisten standen in der kleinen Diele.
»Gott sei Dank!«, sagte ich und packte einen von ihnen am Arm und zerrte ihn ins Haus. »Dort drin, er ist dort drin.« Andrew stand hinter mir, und wir gingen in den Garten hinaus, als die beiden Polizisten – einer jung und ein wenig rotgesichtig, weil ich ihm zu nahe gekommen war, der andere in mittlerem Alter, der dringend Schlaf benötigte – in den Korridor traten. Andrew und ich sogen gierig die frische Luft ein, schauten ins Haus zurück und sahen, wie die Polizisten unser Verhalten imitierten – allerdings ohne zu würgen und zu zittern. Der Mann im mittleren Alter schlug die Tür zum Wohnzimmer zu und kam schnell zu uns heraus.
»In Ordnung«, sagte er und versuchte, sein Bedürfnis nach frischer Luft zu verbergen. »Das ist schön. Ich werde es melden und dafür sorgen, dass die Jungs sich das ansehen. Polizist Philipps hier wird ihre Aussage protokollieren.«
Der jüngere Beamte kam aus dem Haus und sein Gesicht war nicht mehr so rot, wie es zuvor gewesen war. Ich konnte sehen, dass er dieses charakteristische »Ich-habe-gerade-einen-Toten-auf-einem-Sofa-sitzen-sehen«-Knieschlottern hatte. Er zog ein Notizbuch hervor und begann, Andrew und mich über das auszufragen, was er mit eigenen Augen gerade gesehen hatte. Nachdem er unsere Angaben notiert hatte, erklärte er uns, dass wir nach Hause gehen könnten. Wir beide sahen ihn an, als ob er uns nicht die Wahrheit sagte, also wiederholte er es. Langsam.
»Sie können jetzt gehen«, sagte er und schob das Notizbuch in die Tasche seiner Uniformjacke.
Andrew hustete. »Großartig. Ja, großartig. Bis dann. Tschüss, Ellen, wir sehen uns ... nun, wir sehen uns morgen bei der Arbeit, denke ich.«
Andrew und der junge Polizist wandten sich beide zum Gehen.
»Lass mich nicht allein«, sagte ich.
Andrew und der Polizist hielten inne, wandten sich um und sahen mich an. Andrew starrte mich an. In der ganzen Zeit, in der ich ihn gekannt hatte, habe ich niemals bemerkt, dass seine Augen so grau waren wie das Wasser in einem Felsenteich.
»In Ordnung«, sagte er, »wenn du möchtest, dass ich bleibe.« Der Polizist hustete und wandte sich zum Gehen.
»Nein«, sagte ich, während ich gleichzeitig begriff, warum sie überrascht waren und was sie dachten. »Nein, Andrew, du Idiot! Du bist gefahren. Mein Wagen steht auf dem Büroparkplatz. Du musst mich mit zurücknehmen, oder ich bleibe hier allein mit ... mit ... wer auch immer es ist, dieser tote Bursche.«
»Na prima, wir bleiben in Verbindung«, sagte der junge Polizist und eilte zum Haus zurück.
Andrews graue Augen schlossen sich eine Minute lang, und als sie sich wieder öffneten, ähnelten sie eher Stahlklingen als Felsenteichen.
»Kein Problem«, sagte er und ging los. »Komm schon.«
Wir fuhren schweigend zurück ins Büro. Hin und wieder warf ich einen verstohlenen Blick auf Andrews Profil, und er sah noch immer fast so bleich aus wie zu dem Zeitpunkt, als er den Toten entdeckt hatte. Seine Lippen waren zu einer Linie zusammengepresst, und seine Atemzüge schienen bewusst tief zu sein. Ich schaute aus dem Fenster, als wir durch die Stadt fuhren, und war verblüfft, dass all diese Menschen ihren Geschäften nachgehen konnten, als ob es keinen toten Mann gab, der steif wie ein Brett in Mrs. Harris' Wohnzimmer saß.
Andrew fuhr seinen BMW auf den Büroparkplatz und hielt neben meinem grünen Fiesta an.
»Danke fürs Mitnehmen«, sagte ich und öffnete die Tür.
»Kein Problem. Kann ich dich etwas fragen?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Ich denke schon.«
»Wirst du so lange warten, bis die Flammen verlöscht sind, ehe du nach Hause fährst?«
Ich betrachtete den Rauch, der noch immer unter der Motorhaube meines armen Autos hervorquoll. Er übertrieb, denn es waren keine Flammen zu sehen. Ich würde meinen Onkel Gerry erwürgen, weil er mir diesen Schrotthaufen verkauft hatte.
»Es ist in Ordnung«, sagte ich beim Aussteigen. »Ich muss sowieso wieder an die Arbeit gehen. Ich habe heute Nachmittag vier Besichtigungen.«
»Mir wäre es lieber, wenn du dich in dem Zustand, in dem du dich befindest, mit keinen weiteren Kunden befasst. Geh nach Hause, Ellen.«
»Mir geht es prima.«
Andrew lächelte daraufhin, und obwohl ich der Ansicht war, dass er ein hartherziger und ehrgeiziger Kerl war und ich jede Minute mit ihm bedauerte, war es amtlich – er hatte die aufreizendsten Lippen, die ich je gesehen hatte. Ich schüttelte den Kopf, um diesen Gedanken loszuwerden und mich zu beruhigen, dass es nur der Schock war und mehr nicht. Ich würde das schon verkraften.
»Nein, es geht mir wirklich gut«, erwiderte ich.
Andrew seufzte und rieb müde über sein Gesicht. »Ich fahre dich nach Hause, Ellen. Ich bin dein Gebietsmanager, und ich gebe dir den restlichen Tag frei, in Ordnung? Ich werde telefonisch Bescheid sagen und dafür sorgen, dass Molly deine Kunden betreut. Ich bin zu müde, um zu streiten. Also komm zurück ins Auto. Bitte.«
Und ich denke, weil auch ich zu müde zum Streiten war, tat ich, was er verlangte, und ließ mich von ihm nach Hause fahren. Auf der Fahrt zu meinem Apartmenthaus sprachen wir kein einziges Wort.
»Danke«, sagte ich, als er vor dem Haus anhielt.
»Keine Ursache.«
Ich stieg aus dem Wagen und ging müde ins Haus. Ich fühlte mich wie ein Luftballon, aus dem nicht nur einfach die Luft herausgelassen, sondern der auch platt geschlagen worden war. Während ich einen Fuß vor den anderen setzte, flehte ich den Himmel an, all meine Nachbarn in ihren Wohnungen zu lassen. Ich wusste, dass, wenn ich irgendeinen Nachbarn treffen würde, es damit enden würde, dass sie mich fragen würden, warum ich nicht bei der Arbeit war. Und wenn ich dann diese Sache mit dem toten Mann erklären müsste, hatte ich Angst, dass ich meine Tränen nicht würde zurückhalten können. Und ich mag nicht weinen, vor allem, weil es das Image als Karrierefrau ruinieren würde, das ich so sorgsam aufgebaut hatte, seit ich vor einem halben Jahr in dieses Haus eingezogen war.
Vor allem wollte ich meine neunundsechzig Jahre alte Nachbarin Angela Maunsell nicht treffen. Nicht, dass ich Angela nicht mochte – ich mochte sie sogar sehr –, doch das Problem war, dass sie die leibliche Cousine meiner Mutter war. Wenn ich also Angela treffen würde und zu weinen begänne, während sie auf ihr silbernes Haar klopfte und den Blutdruckmesser an ihrem Handgelenk zurechtrückte, wäre alles aus. Sie würde mich mit ihrer Freundlichkeit überhäufen und danach dann meine Mutter und die halbe Stadt anrufen.
Also nahm ich die Treppe statt des Aufzugs und betete, dass Angela beim Nachmittagsbingo war. Während ich die breiten Stufen aus Zementmosaik in dem hallenden Treppenhaus hinaufstieg, sah ich das Bild des Toten in Mrs. Harris' Wohnzimmer vor mir, das in meinem Kopf wie eine Videoschleife ständig wiederholt wurde. Er war wahrscheinlich eines natürlichen Todes gestorben, sagte ich mir, als ich meine widerwilligen Beine dazu zwang, die Treppe hinaufzusteigen. Vielleicht war er ein Verwandter der Harris' und war ins Haus gekommen, um beim Ausräumen zu helfen, nachdem sie im Pflegeheim gestorben war, und ihm war einfach schwindelig geworden. So was passierte. Vielleicht setzte er sich auf das Sofa und – nun ja – verstarb dort. Das war die wahrscheinlichste Erklärung und sie ließ mich ein wenig besser fühlen, aber nicht sehr.
Vage erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter mir irgendeine Geschichte über einen Verwandten von ihr erzählt hatte, der starb, während sie in einer Bank bei der heiligen Messe in der Kirche saß. Die gesamte Gemeinde sang und betete, setzte sich und erhob sich und kniete nieder und bemerkte nicht einmal, dass er sich – wenigstens denke ich, dass es ein Mann war – während des gesamten Gottesdienstes nicht gerührt hatte. Dann verließen alle die Kirche. Viele Stunden später hatte eine Putzfrau entdeckt, dass er tot war.
Ich erreichte schließlich mein Stockwerk und schob atemlos die Feuertür an der Treppe auf Als ich in den Flur kam, schaute ich mich um, ehe ich zu meiner Wohnungstür eilte. Selbstverständlich konnte ich meine Schlüssel nicht finden. Ich kramte in meiner übergroßen Tasche herum und versuchte dabei, mich an die Einzelheiten des Todes des Verwandten meiner Mutter zu erinnern.
Ich war mir ziemlich sicher, dass er in einer Kirche gestorben ist – vorausgesetzt, dass es nicht in einem Kino gewesen war. Ich müsste meine Mutter wirklich fragen. Was ich natürlich nicht machen würde. Wenn ich das tat, würde sie mich rügen, weil ich beim ersten Mal nicht zugehört hatte. Dann würde sie darauf bestehen, mir die gesamte Geschichte noch einmal zu erzählen. Was spielte es schon für eine Rolle, wo er gestorben war? Die Moral blieb die gleiche, und das war mir Trost genug.
»Juhu! Ellen, Liebling! Du bist zu Hause! Hör mal, Ellen, ich habe ihn gefunden. Er ist einfach perfekt, vertraue mir«, zwitscherte Angela Maunsell hinter mir. Ich drehte mich um und bedachte sie mit einem schwachen Lächeln. Sie winkte mir zu, kam aus der Tür ihres Apartments und stand neben mir, ehe man »Blutdruck« sagen konnte. Und als ob das nicht schon genug wäre, war sie schon wieder dabei, mich zu verkuppeln. Ich versuchte, mein Gesicht zu wahren, und sagte mir wieder, dass, wenn ich vor Angela weinen würde, meine Mutter kommen würde. Ein erschreckender Gedanke.
»Hi, Angela, wie geht es dir?«, fragte ich und ortete plötzlich die Schlüssel in meiner Jackentasche. Ich fummelte an meinem Türschloss herum, in der Hoffnung, dass sie sich zurückzog.
»Er ist um zwei Ecken der Cousin des Neffen der Frau meines Bruders. Perfekt für dich, Ellen, groß und gut aussehend. Raymond heißt er, aber alle nennen ihn Ray ...«
»Ich bin sicher, dass er nett ist, Angela, aber ich bin nicht zu haben.«
»Lass doch diesen Unsinn, Ellen. Ein hübsches Mädchen wie du. Ich habe ihm – ich meine Raymond – alles von dir erzählt. Und dass du das Abbild des Mädchens in diesem Film über den Bus bist. Speed, heißt er so? Du weißt schon, diese Schauspielerin mit dem sehr ungehobelten Nachnamen. Er brennt darauf, dich kennen zu lernen.«
Ich war überrascht, dass er mich kennen lernen wollte, wenn Angela ihm gesagt hatte, dass ich wie Sandra Bullock aussehe. Die Ärzte hatten sich geirrt. Nicht Angelas Blutdruck war zu schwach, sondern ihre Sehkraft. Endlich hatte ich es geschafft, meine Tür zu öffnen, und ich versuchte krampfhaft, mir eine Fluchtmöglichkeit auszudenken.
»Hör mal, Ang, ich habe eine sehr schlimme Migräne. Ich spreche später mit dir, okay?«, sagte ich, als ich in meinen Flur trat.
Sie griff nach meiner Hand.
»Geht es dir gut, Liebes? Du kommst mir so blass vor, und deine Augen sehen müde aus. Soll ich deine Mutter anrufen? Sie wird herüberkommen und ...«
»Bitte nicht. Es sind nur Kopfschmerzen. Mir geht es gleich besser, wenn ich mich eine Weile hinlege. Ich möchte keinen Wirbel haben.« Ich lächelte Angela an. Das Lächeln funktionierte.
»Na gut. Geh jetzt gleich ins Bett und ziehe die Vorhänge im Schlafzimmer zu. Das wird helfen. Wir sehen uns später, Liebes. Ruf mich ruhig, wenn du etwas haben möchtest.«
Sie tätschelte schnell meine Hand und rannte dann buchstäblich den Flur hinunter.
Ich schloss die Tür hinter mir, und plötzlich war Joey da, und ich konnte mich keine Sekunde lang mehr zurückhalten. In dem Moment, als ich sein schönes Gesicht sah, brach ich wie ein Kind in Tränen aus.
»Oh, Joey, was habe ich bloß für einen Tag gehabt.«
Joey kam zu mir und drückte seinen warmen Körper an meinen, und ich wusste, dass es eine meiner besten Entscheidungen gewesen war, Joey bei mir einziehen zu lassen. Ich beugte mich hinab und nahm seinen getigerten Körper hoch und ging noch immer weinend in die Küche, um mir einen Kakao zu kochen. Ich weiß, dass Kakao nicht jedermanns Sache ist, vor allem um drei Uhr nachmittags. Doch es hatte für mich noch nie ein Problem gegeben, das zu groß gewesen wäre, als dass ich es nicht mit Kakao hätte lösen können.
Dann ging ich ins Wohnzimmer, warf mich aufs Sofa und schaltete den Fernseher ein. Jerry Springer moderierte eine Diskussion mit dem Titel: »Meine Mutter schlief mit meinem neuen Liebhaber.« Und als wir die Teilnehmer dabei beobachteten, wie sie das Thema auseinander nahmen, ging mir durch den Kopf, dass ich Jerry eine E-Mail schicken und ihm vorschlagen sollte, eine Show mit dem Titel: »Ich habe gerade mit meinem Exfreund einen Toten entdeckt« zu machen. Ich war sicher, dass das eine Menge Zuschauer interessieren würde.
Joey schnurrte zufrieden auf meinem Bauch, und ich begann meine Versuche aufzugeben, das Bild des Toten aus meinem Kopf zu verbannen, als das Telefon klingelte. Ich schob Joey beiseite und nahm den Hörer ab.
»Hallo?«
»Ellen? Hi, ich bin's, Ruth. Bleibt es bei unserer Verabredung heute Abend? Hör mal, trägst du dein schwarzes Sexbomben-Top, denn wenn du es nicht trägt, werde ich meines tragen, sonst muss ich das rote rückenfreie Ding anziehen, und das bedeutet, Stunden mit einer Flasche künstlichem Bräunungsmittel herumzuhantieren, und ich muss bis sechs arbeiten. Hast du India angerufen? Wahrscheinlich hat sie wie üblich dich angerufen. Fährt sie?«
Ich antwortete nicht, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, nicht zu weinen.
»Ellen? Bist du noch da?«
»Ich ...«, begann ich, und dann heulte ich ins Telefon.
»Himmel, Ellen, was ist denn los? Was ist passiert?«
»Ich ... wahhhhh.«
»Atme tief durch und beruhige dich. Hat dir jemand etwas angetan?«
»Nein ... wahhhhh.«
»Okay, okay. Himmel. Beruhige dich, Ellen. Ist jemand gestorben?«
»Ja«, sagte ich.
»Oh Gott. Wer denn? Wer ist gestorben, Ellen?«
»Ich weiß es nicht.«
»Du weißt es nicht? Was meinst du damit, dass du es nicht weißt? Ist jemand tot?«
»Ja.«
»Okay, und wer?«
»Wie soll ich wissen, wer er ist, wenn ich ihn noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe«, sagte ich und hielt inne, um mir die Nase zu putzen.
»Himmel, Ellen, ich bin verwirrt. Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.«
»Ich habe heute ein Haus überprüft und fand einen Toten auf dem Sofa mit Andrew.«
»Scheiße! Was hat Andrew mit einem Toten gemacht? Hat er ihn ermordet? War es ein Mann?«
»Nein, das hat er nicht getan. Er war mit mir zusammen. Er hat auf den Fußboden gekotzt und ich nicht. Darüber war ich froh.«
»Warum warst du mit Andrew zusammen? Vögelst du ihn wieder?«
»Ruth! Sei nicht so geschmacklos, und außerdem weißt du, dass Andrew und ich uns vor zwei Jahren getrennt haben, ehe er nach London ging, und er ist ein arroganter Mistkerl, und ich würde ihn nicht mehr anrühren, selbst wenn er der letzte Mann auf diesem Planeten wäre.«
»Ja, ja, ich habe dich nicht gefragt, ob die große Liebesaffäre wieder angefangen hat, ich wollte nur wissen, ob du ihn vögelst. Also, wer ist der Tote?«
»Das wissen wir noch nicht. Irgendein alter Mann. Andrew hat die Polizei gerufen ...«
»Himmel.«
»Ich weiß«, sagte ich. »Übrigens gehe ich heute Abend nicht mit.«
»Oh Ellen, komm trotzdem mit.«
»Nein, ich bin völlig fertig. Ich werde mit Joey ins Bett gehen.«
»Wir kommen zu dir – India und ich. Wir können an jedem anderen Abend in diesen Club gehen.«
»Nein«, sagte ich, »kommt nicht.«
»Doch, wir kommen. Wir bringen Schokolade und Wein mit.«
»Nein, nicht, Ruth. Es geht mir wirklich gut, und ich möchte nur schlafen. Ich melde mich morgen bei dir.«
»Ellen ...«
»Ehrlich, Ruth, es geht mir gut. Ich bin nur erschöpft. Ich rufe dich morgen an. Tschüss.«
Ich legte auf, ehe Ruth noch etwas sagen konnte, dann legte ich den Telefonhörer neben den Apparat, weil ich wusste, dass ich die gleiche Unterhaltung ein paar Minuten später mit India würde führen müssen. Ich war einfach zu müde, um über Tote und Exfreunde zu sprechen.
Am nächsten Morgen kam mir der ganze Vorfall wie ein Traum vor. Während ich mich für die Arbeit fertig machte, versuchte ich, mich daran zu erinnern, warum ich so durcheinander und verängstigt gewesen war. Es war nur irgendein armer alten Mann, der in Mrs. Harris' Haus gestorben war. Bedauerlich, aber kein Grund, Angst zu haben. Nicht wie Molly O'Sullivan. Es gab immer einen Grund, sich vor Molly O'Sullivan zu fürchten.
Sie packte mich am Arm, sobald ich den Empfangsbereich betrat.
»Ein Toter?«, gurrte sie in einem leicht neidischen Ton, als ob es sich um ein neugeborenes Kind oder einen Lottogewinn handelte. »Ein Toter?«
»Erinnern Sie mich nicht«, sagte ich, zog meinen tropfnassen Regenmantel aus und hängte ihn an die Rückseite der Tür in der winzigen Angestelltenküche. Es musste natürlich regnen, wenn ich keinen Wagen hatte. Ich hatte den rauchenden Fiesta auf dem Weg über den Parkplatz überprüft und war glücklich gewesen, als ich sah, dass das Feuer verlöscht war. Doch der Wagen war wirklich und wahrhaftig tot. Ich musste nur Onkel Gerry anrufen und herausfinden, ob er mir einen Ersatz besorgen konnte.
Molly füllte den Wasserkessel.
»Kaffee?«, fragte sie.
Ich sah sie an. Molly machte niemals Kaffee für jemand anderen als Tim Gladstone. Und abgesehen vom Kaffeekochen holte sie seine Sachen aus der Reinigung, verschob seine Zahnarzttermine, lächelte, scherzte, klimperte mit den Wimpern und erledigte ihre Sekretariatsaufgaben. Doch für den Rest der Belegschaft kochte Molly nicht nur nie Kaffee, sie begegnete uns normalerweise mit Verachtung. Nur nicht Andrew. Aus irgendeinem Grund liebte Molly Andrew.
»Waren Sie sehr geschockt?«, fragte sie und klopfte mit ihren langen kirschroten Fingernägeln auf den Deckel der Kaffeekanne, während sie mir dabei zusah, wie ich das Wasser aus dem Saum meiner Hose wrang und dann versuchte, die Knitterfalten zu glätten, die dabei entstanden waren.
Ich zuckte mit den Schultern. »Es war nicht großartig, aber jetzt geht es mir wieder gut. Ich war mehr geschockt als sonst was, denke ich.«
»Ach, Sie Ärmste«, sagte Molly, als der Wasserkessel pfiff, und füllte dann zwei Becher mit Kaffee, ohne auf meine Antwort zu warten. Ich betrachtete die Rückseite ihres adrett gerundeten Körpers und fragte mich, ob sie den Mann in Mrs. Harris' Haus ermordet hatte.
»Also«, sagte Molly und gab mir einen dampfenden Becher, auf dem sich die Inschrift befand »Beste Sekretärin der Welt« und das Bild einer großen dürren Frau mit lilafarbenen Schuhen und einem roten Kleid.
»Danke«, sagte ich und war mir nicht sicher, was ich mit dem Kaffee anfangen solle. Ich hatte Angst, ihn zu trinken. Ich umfasste den Becher mit meinen kalten Händen, war dankbar für die Wärme und versuchte, Molly anzulächeln, in der Hoffnung, dass sie dann gehen würde.
»Keine Ursache«, sagte Molly und sah mir in die Augen. Ich konnte ein Klümpchen Wimperntusche auf und ab hüpfen sehen, als sie blinzelte. Molly sah aus, als ob sie nach den richtigen Worten suchte, und ihr von lavendelfarbenem Mohair bedeckter Busen hob sich in irgendeiner Gefühlswallung.
Sie schüttelte den Kopf. »Ellen, wenn Sie irgendetwas brauchen – ich meine irgendetwas –, rufen sie mich einfach. Ich bin in meinem Büro. Versprechen Sie mir, mich zu rufen.«
Ich wand mich ein bisschen und bemühte mich, zu verstehen, warum Molly nett zu mir war, doch da ich das nicht herausfinden konnte, nickte ich und lächelte und umfasste den Becher fester.
»Danke, Molly.«
Sie verließ die Personalküche.
»Morgen«, sagte eine Männerstimme hinter mir.
Andrew. Mein Herz pochte in meiner Kehle. Ich würde mich niemals an die Tatsache gewöhnen, dass Andrew nun mit mir zusammenarbeitete und jederzeit auftauchen konnte. Warum war er nicht in London geblieben?
»Hast du dich schon um deinen Wagen gekümmert?«, fragte er.
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich werde Onkel Gerry gleich anrufen.«
»Du kannst meinen Wagen den ganzen Tag nehmen. Ich brauche ihn nicht, weil ich den ganzen Tag im Büro bleibe.«
Ich schüttelte wieder den Kopf. »Nein danke, es ist schon in Ordnung.«
»Sei nicht dumm. Was willst du denn ohne Auto anfangen?«
Er streckte die Hand aus und legte die Schlüssel auf die Arbeitsplatte neben mir.
Ich zuckte mit den Schultern und wandte mich ab.
»Jemand hat ihn erschossen«, sagte Andrew und löffelte Instantkaffee in einen Becher und griff an mir vorbei, um den Wasserkessel anzuschalten.
»Was?«
»Jemand hat ihn erschossen – sieh mal hier. Neben dem Foto von mir. ›Rätselhafte Leiche in leer stehendem Haus‹.« Ich schaute auf die Zeitung, die er auf die Arbeitsplatte geworfen hatte. Unter der Schlagzeile befand sich ein Foto von Andrew, der vor dem Haus in Honan Terrace stand.
Eine rätselhafte Leiche wurde gestern am frühen Nachmittag in einem leeren Haus in dem ruhigen Vorort Honan Terrace aufgefunden. Der Grundstücksmakler Andrew Kenny (28) und eine Kollegin entdeckten die Leiche, als sie das Haus zum Verkauf vorbereiten wollten, und riefen sofort die Polizei. Mr. Kenny war schockiert über den teilweise verwesten Leichnam. »Es war sehr schockierend, doch als Gebietsmanager der größten Grundstücksagentur im mittleren Westen glaube ich, dass es von entscheidender Bedeutung ist, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren.« Die Polizei wird sich erst äußern, wenn der Tote identifiziert worden ist und seine Verwandten verständigt sind.
Andrew machte sich Kaffee, während ich las. Als ich fertig war, hatte ich das Gefühl, als stiege ein Geschmack nach Batteriesäure in meinem Mund auf.
»Nun«, sagte Andrew und stützte einen Ellbogen auf die Arbeitsplatte, »was denkst du?«
Was ich dachte? Ich dachte, dass er sich umgezogen hatte, ehe er das Foto hatte machen lassen. Ich kannte Andrew, und ich war bereit, zu wetten, dass das sein absolut bester Anzug war und dass er einen anstößig hohen Preis dafür bezahlt hatte. Abgesehen davon dachte ich, dass er der arroganteste Mistkerl war, den ich je kennen gelernt hatte.
Er war überheblich und unerträglich, und offen gesagt war ich entzückt darüber, dass ich mich vor zwei Jahren von ihm getrennt hatte. Ich hatte alles richtig gemacht.
Wenn ich in diesem Moment eine Waffe gehabt hätte, hätte ich ihm liebend gern ein Loch verpasst und ihn zurück zu Mrs. Harris' Haus gezogen, um dem anderen steifen Mann Gesellschaft zu verschaffen. Ich war wütend, dass er nicht einmal meinen Namen genannt hatte, ganz zu schweigen davon, mir Bescheid zu sagen, als die Zeitung um ein Interview gebeten hatte. Und am allermeisten war ich über mich selbst wütend, dass mir überhaupt etwas so Dummes wie ein Zeitungsinterview etwas bedeutete, wenn ein armer Mann ermordet worden war. Ich atmete tief ein und sah ihn an.
»Nun?«, fragte er.
Ich schaffte es, laut aufzulachen.
»Was denn?«, fragte er und verlagerte das Gewicht auf seinen anderen Ellbogen.
Ich lachte wieder. »Du klingst wie Superman.«
Andrew zog die Zeitung zu sich heran. »Überhaupt nicht.«
»Doch. ›Ich glaube, dass es von entscheidender Bedeutung ist, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren‹«, zitierte ich mit exaltierter Stimme.
»Ich habe das so nicht gesagt«, erwiderte Andrew, dessen Gesicht rot angelaufen war. »Er hat mich falsch wiedergegeben.«
»›Er hat mich falsch wiedergegeben«‹, äffte ich ihn nach, als ich zur Tür ging. »Armer Kindskopf. Du wirst dir einen Pressesprecher anschaffen müssen.«
Ich nahm Andrews Wagenschlüssel. Für irgendetwas war er doch noch nützlich.
»Danke für den Wagen. Ich werde versuchen, ihn nicht zu zerkratzen«, sagte ich. »Oh, und ich hoffe, dass du ihn nicht brauchen wirst.«
Aber das war eine Lüge. Ich hoffte, dass er ihn verzweifelt brauchen würde. Ich wollte, dass er litt. Ich spazierte aus der Küche hinaus und in das hell erleuchtete Büro. Molly saß hinter dem Empfangstisch, als ich mich näherte.
»Also?«, fragte ich. »Gibt es etwas für mich?«
Molly schürzte die Lippen und machte ein großes Theater beim Durchblättern einiger Unterlagen, die sich auf dem Schreibtisch vor ihr befanden. Schließlich gab sie mir ein Blatt Papier.
»Das ist Ihre Liste für heute«, sagte sie und sah sofort wieder auf ihren Monitor.
»Danke«, erwiderte ich und griff nach dem Blatt Papier, als die kirschroten Fingernägel es in der Luft losließen.
»Sie werden nicht einmal in dem Zeitungsartikel erwähnt«, sagte sie, als ich mich abwandte.
»Nein«, sagte ich, »Sie haben ganz Recht. Ich nicht.« Ich wandte mich zu ihr um.
Molly starrte auf den Computer. »Ich dachte, Sie wären erwähnt worden«, sagte sie, ohne mich anzusehen. »Tim rief heute Morgen an und erzählte mir, was geschehen war und dass darüber auf der Titelseite der Zeitung berichtet wurde.«
»Ja, richtig«, erwiderte ich und zerknitterte das Blatt Papier in meiner Hand. »Das spielt doch wirklich keine Rolle, oder? Ich meine, das Wichtigste ist, dass der Mann tot ist. Offenbar wurde er ermordet, wer macht denn schon so was? Warum sollte es wichtig sein, wer in der Zeitung steht oder ob das, was sie berichten, der Wahrheit nahe kommt?«
Molly schaute flüchtig zu mir auf und entließ mich mit einem Blick.
»Okay, danke für den Kaffee. Bis später«, sagte ich, schlang mir die Handtasche über die Schulter und ging zur Haustür. Wenigstens wusste ich nun, warum Molly so nett zu mir gewesen war.
Die Glastür schwang auf, als ich sie gerade erreicht hatte, und Tim Gladstone, groß, gut aussehend und wunderbar gekleidet, erschien vor mir. Woher hatte er erfahren, was geschehen war? Hatte Andrew es ihm erzählt? Hatte die Polizei angerufen? War er der Mörder?
»Ellen!«, sagte er mit seiner tiefen Stimme.
»Mr. Gladstone.«
Tim Gladstone nahm meinen Arm, als ob er mich zu einem Sessel geleiten wollte.
»Es tut mir sehr Leid, dass Sie etwas so Grauenvolles erleben mussten«, sagte er und schaute mich dabei mit Augen an, die das Blau von Enteneiern hatte.
Ich zuckte mit den Schultern und versuchte, mir eine Antwort auszudenken. Mein Arm begann dort zu brennen, wo er ihn festhielt, und Schweiß bildete sich zwischen meinen Schulterblättern.
»Es ist in Ordnung«, sagte ich und versuchte ein Lachen, das sich in ein Piepsen verwandelte, als es mir entschlüpfte. »Es hat einen langweiligen Tag aufregend gemacht ... nicht, dass die Arbeit hier etwa langweilig ist, ich meine, ich genieße meine Arbeit, aber ein Toter oder zwei ...«
Meine Stimme schwand, und Tim Gladstone rieb mit dem Daumen über meinen Arm. Ich war kurz vor einer Ohnmacht.
»Haben Sie vor, heute zu arbeiten?«, fragte er und musterte mein Gesicht nach Spuren eines Traumas.
Ich hoffte, dass meine Wimperntusche im Regen nicht nach unten gewandert war, um mein Kinn zu besuchen.
»Also, wenn Sie ein paar Tage Zeit für sich brauchen, ist das kein Problem. Molly kann Ihre Arbeit anderen zuteilen.« Er sah Molly an. »Sie ist toll, unsere Molly, nicht wahr?«
Mollys Lachen klingelte hinter mir wie die kleinen Messingglöckchen, die Leute in meiner Kindheit als Dekoration gesammelt hatten.
»Nein, überhaupt kein Problem, Tim. Ich wollte Ellen gerade die gleiche Frage stellen. Sie ist heute Morgen ein bisschen blass, und ich wollte ihr gerade sagen, wie besorgt ich ihretwegen bin – nach ihrem Trauma.«
Ich starrte Molly ungläubig an. Sie sah so ernst aus, dass ich mich fragte, ob ich mir die Unterhaltung eingebildet hatte, die wir nur Minuten zuvor miteinander geführt hatten. Ich schaute Tim Gladstone wieder an, dessen Gesicht noch immer diesen Ausdruck äußerster Sorge aufwies, und ich hatte das sichere Gefühl, dass er nicht der Mörder gewesen war. Er konnte nicht der Mörder sein, er hatte ja schon einen Job. Er war der perfekte Mann.
»Es geht mir gut«, stammelte ich. »Wirklich. Daher kann ich auch gut meine Arbeit machen. Das lenkt mich ab, denke ich, und außerdem sind die Chancen sehr gering, dass ich noch einen weiteren Toten in einem Haus auffinde, das ich Kunden zeige.«
Ich lachte noch einmal quietschend auf und fügte einen leisen Schrei hinzu, um mich noch attraktiver zu machen. Tim Gladstone lächelte mich warm an. Ich hatte Mühe, dem Drang zu widerstehen, ihn zu bitten, dieses Lächeln zurückzunehmen.
»Und wie geht es Andrew?«, fragte Tim Gladstone. »Der junge Mann wird seinen Weg machen, so, wie er mit der Presse umgegangen ist. Das war bemerkenswert, finden Sie nicht auch?«
»Hm«, machte ich und schmeckte wieder die Batteriesäure. »Bemerkenswert.«
»Braves Mädchen«, fuhr er fort und schaute über meinen Kopf hinweg zu Molly. »Das ist ein Elan! Irgendwelche Anrufe für mich, Moll?«
Ich habe noch niemanden im wirklichen Leben kennen gelernt, der so etwas sagte wie »Das ist ein Elan«. Nur Tim Gladstone. Und das war nicht das Einzige, was Tim Gladstone tat und sagte, das direkt einem Film aus den fünfziger Jahren entstammte. Er öffnete Frauen die Türen. Er erhob sich, wenn man einen Raum betrat. Er war gescheit, aber nicht lästig, höflich, aber nicht raffiniert. Er war Cary Grant.
Ich wünschte, ich hätte mir eine andere, bezauberndere Äußerung einfallen lassen, als wir vor der Haustür standen. Etwas, das ihn in sich hineinlachen ließ und das ihn an mich denken ließ, während er seiner Arbeit nachging. Etwas anderes als »Die Chancen sind doch sehr gering, dass ich noch einen weiteren Toten in einem Haus auffinde, das ich Kunden zeige«. Das war nicht einmal komisch, sondern nur albern.
Doch es war zu spät. Der Augenblick war vorüber, und ich musste einfach weitermachen. Die schreckliche Wahrheit war, dass Tim Gladstones Anwesenheit mein Gehirn zum Schmelzen brachte, so dass ich niemals etwas Witziges oder Denkwürdiges von mir gab, wenn er da war, und ich ihn daher niemals dazu bringen konnte, dass er sich wahnsinnig in mich verliebte.
Ich stand auf den Stufen von Gladstone und Richards und versuchte, mich auf die Liste zu konzentrieren, die Molly mir gegeben hatte. Okay, okay. Ich musste um halb zehn ein Büro zeigen und noch ein Haus um halb elf und dann noch zwei weitere Büros und ein Haus, das sich etwa zwanzig Meilen außerhalb der Stadt befand. Ein arbeitsreicher Tag.
»Ich hoffe, dass du keine Leichen in diesem alten Haus findest«, sagte Andrew in mein Ohr, als ich versuchte, mir die Liste einzuprägen. Ich drehte mich um und sah, dass er hinter mir stand und die Liste über meine Schulter hinweg las.
»Kümmere dich um deinen eigenen Kram«, sagte ich und ließ das Blatt Papier sinken.
Andrew zuckte mit den Schultern. »Ich sage ja nur, dass das alte Haus – das ›Hazeldene‹ heißt – schon seit Ewigkeiten angeboten wird und scheinbar niemand einen Käufer dafür finden kann. Ich denke, dass mögliche Käufer sich näher erkundigen werden und dann von den Gerüchten hören. Ich weiß nur, dass sie ihr Interesse nicht über ihren ersten Besuch hinaus weiterverfolgen, also muss es einen Grund dafür geben.«
»Was für Gerüchte?«, hörte ich mich fragen, bevor ich innehalten konnte.
»Nun, über die Morde. Man sagt, dass ein Mann namens Dermody dort vor hundert Jahren gewohnt und drei Frauen gehabt hat, die alle unter mysteriösen Umständen gestorben sind. Die Ortsansässigen glauben, dass er sie ermordet hat, doch er war sehr mächtig und sehr reich, und nichts konnte jemals bewiesen werden. Sie sagen, dass die Geister der drei Frauen in diesem Haus herumspuken. Auf der Suche nach Rache oder irgendeinem ähnlichen Unsinn. Natürlich glaube ich nicht daran, und selbst wenn es wahr wäre, hat sich das alles vor langer Zeit ereignet, also weiß ich nicht, was das jetzt noch für eine Rolle spielen sollte.«
Mein Herz tanzte in meiner Brust, während ich versuchte, mein Gesicht bewegungslos zu halten.
»Das hast du dir ausgedacht, um mir Angst zu machen«, konterte ich.
Andrew schüttelte den Kopf. »Frag Molly. Angesichts aller Umstände überrascht es mich, dass sie dich dorthin schickt. Möchtest du, dass ich dich begleite?«
Ich lachte diesmal aufrichtig. Ich würde es lieber mit Geistern aufnehmen, als Andrew Kenny um Hilfe zu bitten. »Niemals«, sagte ich. »Ich habe keine Angst vor solch dummen Gerüchen und dem Gerede alter Weiber, um Himmels willen.«
Andrew zuckte mit den Schultern und wedelte ein wenig mit den Armen herum, und wir beide wussten, dass es wahr war, dass ich keine Angst hatte. Ich war jenseits jeder Angst, ich war absolut außer mir vor Entsetzen. Der einzige Trost war, dass ich in Andrews BMW entsetzt war und nicht in meinem demolierten Fiesta.
Dieser Tag war der anstrengendste Tag meines Lebens, was gut war, da ich dadurch nicht dazu kam, an den gestrigen Tag zu denken. Bis ich »Hazeldene« zeigen musste, mein letztes Objekt. Das Paar, das sich das Haus anschauen wollte, war jung, gut aussehend und wohlhabend und nicht bereit, sich von mir von Raum zu Raum scheuchen zu lassen, wie ich es wollte.
»Kann ich Feuchtigkeit riechen?«, fragte der hoch gewachsene blonde weibliche Teil des Paars, als sie von einem leeren, hallenden Raum zum nächsten leeren Raum schlenderte, während ihr Ehemann in dem riesigen überwucherten Garten herumstöberte.
»Wahrscheinlich«, erwiderte ich.
Sie sah mich überrascht an.
Ich zuckte mit den Schultern. »Nun, es ist ziemlich alt«, sagte ich und kämpfte dagegen an, mich an den Vortag zu erinnern. »Alte Häuser riechen niemals besonders gut.«
Trotz meines mangelnden Enthusiasmus ließen sie sich Zeit und schienen an dem Anwesen interessiert zu sein. Nachdem die Kunden gegangen waren, fuhr ich zurück ins Büro, gab Molly Andrews Wagenschlüssel und ging, noch ehe ich mit ihm reden musste. Es war ein heller, sonniger Abend, und die Menschen schlenderten glücklich von der Arbeit nach Hause. Ich schaltete mein Handy im Gehen an. Ich hatte es am frühen Morgen ausgeschaltet, in der sicheren Gewissheit dessen, was geschehen würde, wenn ich es angeschaltet lassen würde. Und tatsächlich verkündete das kleine Display das Unvermeidliche: »Sie haben zehn verpasste Anrufe«, erklärte es anklagend.
Ich drückte die entsprechende Taste, und immer die gleiche Nummer leuchtete nacheinander auf. Die meiner Mutter.
»Nein, es geht mir gut«, sagte ich zum hundertsten Mal. »Ich schwöre, dass ich völlig okay bin, Mam. Warum auch nicht, mir ist doch nichts passiert.«
Meine Mutter schwieg am anderen Ende der Leitung, als ich mein Wohlbefinden reklamierte. Endlich hörte ich einen tiefen Atemzug.
»Ich war besorgt«, sagte sie. »Ich habe es heute Morgen beim Frühstück in der Zeitung gelesen und versuchte, dich über dein Handy zu erreichen, aber ich erhielt keine Antwort. Also rief ich in deinem Büro an ... und dann das Mädchen, das im Empfang arbeitet – wie heißt sie noch gleich?«
»Molly.«
»Ja, richtig. Molly. Sie ist ein entzückendes Mädchen. Als sie mir erzählte, dass du gestern mit Andrews dort gewesen bist – in diesem Haus –, bin ich fast ohnmächtig geworden. Mein Herz machte einen Sprung, das schwöre ich bei Gott, und ich hoffe, dass ich nicht Angina pectoris bekomme wie Hilary, die leibliche Cousine deiner Großmutter. Sie starb in New York mit nur zweiundsechzig Jahren in einem Kino, und niemand bemerkte, dass sie tot war, bis die Reinigungsleute kamen. Erinnerst du dich daran, dass ich dir das erzählt habe?«
Also war es eine Frau in einem Kino gewesen und nicht ein Mann in einer Kirche.
»Es besteht kein Grund aufgeregt zu sein, Mam. Nichts ist geschehen.«
»Aber die Zeitung schrieb, dass dieser Mann ermordet worden ist. Was, wenn der Mörder sich noch im Haus aufhielt?«
»Der Mörder war längst verschwunden«, sagte ich und unterdrückte einen Seufzer.
»Ja, aber woher hättest du das wissen sollen? Du hattest keine Möglichkeit, das zu erfahren.«
»Doch, das hatte ich.«
»Nein, bestimmt nicht. Sei nicht albern.«
»Du irrst dich, Mam. Ich konnte es wissen. Wenn du gerochen hättest, was ich gerochen habe, wärst auch du sicher gewesen, dass der Mörder bereits verschwunden war.«
»Heiliges Herz Jesu«, murmelte meine Mutter. »Heiliges Herz ... und das soll mich jetzt wohl trösten?«
»Nun, zumindest bedeutet das, dass der Mörder nicht mehr dort war«, sagte ich, erschöpft von dem Bemühen, mich gegen meine Mutter durchzusetzen.
Es entstand eine weitere Pause.
»Mam?«, fragte ich, als ich die Stille nicht mehr ertragen konnte, »bist du noch da?«
Ich hörte ihren üblichen langen leidenden Seufzer. »Du hast nicht angerufen«, sagte sie mit flacher Stimme. »Ich musste das von einem Fremden erfahren.«
»Ich weiß. Ich wollte nicht, dass so etwas geschieht. Ich wollte anrufen. Ich meine, der Einzige, der in dem Zeitungsartikel vorkam, war Andrew, und ich hätte nie erwartet, dass Molly es dir am Telefon erzählt. Ich war erschöpft nach dem, was geschehen ist, und ich bin eingeschlafen, als ich nach Hause gekommen war. Nicht, dass mir etwas geschehen ist – ich war einfach nur müde. Ich wollte auf dem Heimweg anrufen und dir alles erzählen. Ich schwöre es.«
Noch eine Pause.
»Und hattest du nicht sowieso geplant, vorbeizukommen?«, fragte meine Mutter.
»Ja«, log ich.
»Und du hast sicherlich keine Möglichkeit gefunden, eine anständige Mahlzeit zu dir zu nehmen, weil du den ganzen Tag gearbeitet hat. Wirst du also zum Abendessen bleiben?«
»Sehr gerne«, sagte ich durch zusammengepresste Zähne. »Ich werde in zwanzig Minuten bei dir sein.«
Meine Mutter wartete hinter der Haustür, als ich eintraf. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt, und ihr Gesicht trug den berühmten Blick einer besorgten Mutter. Ihr grau meliertes Haar war immer so adrett frisiert, dass ich dachte, sie müsste jeden Tag zum Frisör gehen. Adrett war überhaupt ein passendes Wort, um meine Mutter zu beschreiben. Alles an ihr war adrett und ordentlich und farblich übereinstimmend. Heute trug sie eine gestreifte Chefkoch-Schürze und dazu passende Schutzhandschuhe. Das gab ihr das Aussehen, als wüsste sie, was sie tat.
Sie sah blass und besorgt aus, als wäre sie diejenige gewesen, die einen Leichnam in Mrs. Harris' gefunden hatte. Ich beugte mich vor, um ihr die Wange zu küssen, und sie streckte die Arme aus und umarmte mich, als hätte sie es gerade noch geschafft, mich aus den Klauen des Mörders zu retten. Ich kam mir in der Gegenwart meiner Mutter immer vor wie eine Riesin. Ich hatte meine Schlaksigkeit von Dad geerbt. »Arbeitet Dad noch?«, fragte ich, während ich mich aus der Umarmung meiner Mutter befreite.
»Er hat Spätschicht«, sagte sie und ging vor mir her in die Küche. »Er muss wieder bei der Arbeit essen, kannst du dir das vorstellen? Dieses Kantinenessen kann ihm doch nicht gut tun.«
Nein, dachte ich, doch es würde wenigstens genießbar sein. Meine Mutter drehte sich nach mir um und schaute mich an, als könnte sie meine Gedanken lesen.
»Nein«, sagte ich laut und versuchte, sie abzuwehren. »Das kann nicht gut für ihn sein. Und was gibt es heute Abend zu essen?«
»Ein neues Nudelgericht. Ich habe das Rezept in einer Zeitschrift entdeckt, als ich am Donnerstag beim Frisör war. Ich habe es mir nicht ausgeschnitten, sondern mir einfach eingeprägt. Ich denke, wenn man schon so lange kocht wie ich, kann man sich die Zutaten und alles andere sehr gut merken.«
»Oh, ja«, sagte ich und war entsetzt von der Vorstellung, dass meine Mutter etwas nach einem halb vergessenen Rezept gekocht hatte. Mein Bruder Will stand am Küchentisch, als wir in die Küche kamen. Er war gute dreißig Zentimeter gewachsen, seit ich ihn vor zwei Tagen gesehen hatte. Und der frisch rasierte Kopf ließ ihn noch größer erscheinen.
»Will«, sagte ich und war froh darüber, dass ich nicht die Einzige sein würde, die leiden musste.
Er setzte sich an den Küchentisch und warf mir ein Lächeln zu. Ich bemerkte zum ersten Mal, dass er sich zu einem wirklich gut aussehenden, jungen Mann entwickelte. Natürlich würde ich ihm das niemals sagen.
»Ell«, sagte er und spielte mit seiner Gabel herum.
»Hübsches Piercing an der Augenbraue«, sagte ich, als ich mich ihm gegenüber hinsetzte.
»Danke.« Er lächelte, und seine Augenwinkel kräuselten sich.
»Ich halte es für eine Schande«, verkündete meine Mutter hinter mir, wo sie das zusammengekochte Essen auf Tellern anrichtete, »Ringe und Stäbe und Gott weiß was sonst noch durch seine Haut zu schieben. Es würde besser zu dir passen, William, wenn du dich um deine Studien kümmern würdest.« William seufzte. »Ich habe für meine Weihnachtstests nur Einser bekommen, Ma, verflixt noch mal.«
»Entschuldige, Junior«, sagte meine Mutter, während sie dampfende Teller mit einer undefinierbaren klebrigen Masse vor uns hinstellte. »Ich verbitte mir deinen Ton. Ich weiß, dass du in den Tests Einser bekommen hast, doch vielleicht wärest du noch besser gewesen, wenn du nicht so sehr damit beschäftigt gewesen wärest, dir Löcher in deinen Körper zu stechen und in dieser Band zu spielen.«
»Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich etwas Besseres als einen Einser bekommen könnte ...«, begann Will, und ich gab ihm unter dem Tisch einen Tritt, weil ich es leid war, mit unserer störrischen Mutter unlogische Gespräche zu führen. Er schaute mich an.
»So«, sagte ich und grub meine Gabel in den gallertartigen Hügel vor mir, »wie geht es denn mit den Shakin' Shaykhs jetzt? Spielen sie noch immer vor dem Tempel?«
»Prima«, sagte Will, atmete tief ein, ehe er sich den Mund mit Nudeln vollstopfte und sie schnell schluckte. Ich kannte diesen Trick. Will und ich hatten ihn uns ausgedacht, damit wir das, was wir aßen, nicht schmecken konnten.
»Wir haben vor, uns an einem Wettbewerb zu beteiligen«, sagte er, nachdem er sich von dem unausweichlichen Schauder erholt hatte, der immer folgte, wenn man Mutters Gerichte geschluckt hatte. »Und wir nennen uns jetzt Gut Instinct, Ellen, die Shakin' Shaykhs sind Jahre her.«
»Ein Wettbewerb ist eine gute Idee, Will.«
»Es wäre besser, wenn du deinen Bruder zum Lernen anhalten würdest«, sagte meine Mutter.
»Himmel, Mam«, sagte Will, »ich lerne. Woher, glaubst du, hätte ich sonst meine Einser bekommen?«
»Ja, aber wenn du all die Zeit, die du mit deiner Band verbringst, zum Lernen verwenden würdest, dann, William, dann stell dir mal vor, wie deine Noten dann wären ...«
»Ich habe gestern einen Toten in einem Haus entdeckt«, sagte ich, um das unendliche Gespräch zu unterbrechen.
»Lieber Gott«, fuhr meine Mutter fort. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie sich auf ihre Hilflosigkeit zurückzog – doch wenigstens war es eine Abwechslung.
»Cool«, sagte Will. »Wie war er denn?«
»Keine Ahnung«, erwiderte ich nach dem nächsten Schauder. »Es war dunkel im Raum, und der Geruch ... er ist erschossen worden.«
»Jesus, Maria und Josef«, sagte meine Mutter und bekreuzigte sich.
»Hast du gewusst, dass er erschossen worden ist?«, fragte Will.
»Nicht, als ich ihn fand.«
»Es stand alles auf der Titelseite der Morgenzeitung«, sagte meine Mutter.
»Cool«, wiederholte Will. »Sind die Journalisten gekommen und haben dich interviewt?«
Ein dicker Nudelklumpen blieb mir im Hals stecken. Das war zu viel. Ich begann zu husten und zu würgen, und schließlich musste ich aufstehen und aus der Hintertür hinauslaufen und in den Mülleimer spucken. Ich blieb ein paar Minuten lang draußen im Garten und versuchte, die aggressive Galle und die Reste von dem Essen meiner Mutter zu schlucken. Meine Mutter rief, dass ich zurückkommen solle. Ich versicherte ihr, dass es mir gut ging und ich gleich wieder hineinkommen würde, und dann atmete ich tief ein und aus und versuchte, so lange zu warten, bis das Essen vorbei war. Als ich in die Küche zurückkehrte, räumte meine Mutter die Teller ab, und Will las in seiner Musikzeitschrift. Ich hatte es geschafft.
»Also?«, fragte er, als ich mich neben ihn an den Tisch setzte.
»Bist du in Ordnung?«, fragte meine Mutter.
»Prima«, versicherte ich ihr.
»Also?«, wiederholte Will. »Warum haben sie dich nicht interviewt?«
»Woher weißt du, dass sie mich nicht interviewt haben?«
»Mam sagte, dass sie nur Andrew Kenny interviewt haben.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Ist das wichtig? Wirklich, Will, ein Mann ist tot. Ist das nicht das Wichtigste?«
William klappte seine Zeitschrift zu und sah mich an.
»Ja«, sagte er sanft. Ich war überrascht – er wurde tatsächlich erwachsen.
»Ich habe einen Apfelauflauf als Nachtisch gemacht«, verkündete meine Mutter, während sie ein dampfendes Gericht vom Herd nahm. Will und ich sahen einander an und machten abwehrende Gesten mit unseren Fingern. Wir nannten dieses Gericht Magendreher. Sie brachte den Auflauf zum Tisch und stellte ihn schwungvoll genau in die Mitte.
»Also, er ist perfekt geworden«, sagte sie und schnitt riesige Stücke davon ab.
»Klingelt das Telefon?« Will sprang von seinem Stuhl auf und rannte aus der Küche, ehe wir ihn aufhalten konnten.
Miststück, dachte ich, denn jetzt musste ich bleiben. Es war eine unausgesprochene Regel zwischen uns, dass nur einer entkommen konnte und der andere bleiben und das Essen durchleiden musste. Ich war nicht mehr im Training. Ich stocherte in dem breiigen Apfelkuchen herum, damit es aussah, als äße ich davon.
»Komm her und schau dir das an, Ellen, komm schnell, ehe es zu Ende ist«, rief Will aus dem Wohnzimmer.
Ich ließ erfreut meine Gabel fallen und rannte, mit meiner Mutter im Schlepptau, los.
»Sieh dir an, wer im Fernsehen ist, sieh doch nur!« Will deutete auf den Bildschirm, als hätte er eine bedeutsame Entdeckung gemacht. Ich brauchte einen Moment, bis ich das Bild auf dem Bildschirm begriff. Andrew stand vor unserem Bürogebäude, man konnte deutlich den Namen Gladstone und Richards über seinem Kopf lesen, und wurde für die Abendnachrichten interviewt. Dieser riesige Mistkerl. Ich versuchte, mich auf das zu konzentrieren, was er sagte, doch ich hörte nur Wortfetzen – Leichnam, Sofa, Polizei, alles an einem Arbeitstag. Er sah wie ein männliches Model aus, das gerade den Seiten einer hochglänzenden Sonntagsbeilage entstiegen war – weiße Zähne, perfekte Haut und nur der winzige Hauch eines Lächelns. Nun ja, man konnte nicht breit grinsen, nachdem man einen Leichnam gefunden hatte, und Andrew wusste das.
»Er sieht noch immer blendend aus. Du hast das Boot mit ihm verpasst, Ellen. Ein wirklich guter Mann, und du hast ihn ausgerechnet nach London geschickt«, sagte meine Mutter, als der Bericht vorbei war.
Will kicherte im Sessel neben mir. Ich schwor, dass ich mich nicht verteidigen würde. Ich lernte es, mit meiner Mutter umzugehen.
»Mam, du hast überhaupt keine Ahnung. Er ist ein eingebildetes und arrogantes Schwein. Ihn interessiert nur die Arbeit. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Hast du ihn in den Nachrichten gesehen – kriecherisch und nett – und der arme tote Mann interessiert ihn überhaupt nicht ...« Meine Stimme verklang. Will lachte. Meine Mutter schaute mich an, als hätte ich mich plötzlich in eine geheimnisvolle Außerirdische verwandelt, die völlig unerwartet in ihr Leben eingefallen war und behauptete, ihre Tochter zu sein. Sie seufzte und wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab.
»Möchtest du zu deinem Apfelauflauf Kaffee haben?«, fragte sie.
Dad fuhr mich an diesem Abend nach Hause. Geliebter, zuverlässiger Dad, der wie ein Kavallerist rauchte, trotz einer leichten Herzattacke im vergangenen Jahr. Er gab Mutters Essen die Schuld an dem Herzanfall und rauchte jetzt nur noch heimlich. Sein Auto stank nach abgestandenem Zigarettenrauch und nach Junkfood von McDonalds oder Burger King. Ich nahm es ihm nicht übel, dass er sich an Junkfood oder Zigaretten gütlich tat. Mam war harte Arbeit.
Er ließ mich vor meinem Haus aussteigen, nachdem er mir eingeschärft hatte, Onkel Gerry wegen eines Wagens anzurufen. Ich betrat mein Apartment und war froh über die Ruhe und den Raum, der mich begrüßte. Ich fütterte einen ausgehungerten Joey und ließ ihn auf den Balkon zu einem kurzen Spaziergang hinaus (einen sehr kurzen Spaziergang – der Balkon ist nur ein Meter achtzig lang). Ich überprüfte meinen Anrufbeantworter auf Nachrichten, aber es war nur eine darauf, von India, und ich hörte sie mir an, während ich mir in meiner Kombüse von Küche Kakao kochte.
Jeder Auktionator wusste, dass das Wort Kombüse winzig, sehr klein, eng bedeutete und nicht einmal groß genug für eine Frau und eine Katze. Ich konnte in meiner Küche Kakao kochen, ohne einen einzigen Schritt machen zu müssen.
Ich hatte das einmal Ruth und India vorgemacht, als wir uns zu einer Ladies-Night bei mir getroffen hatten. Sie waren überrascht gewesen, doch wir waren bereits bei unserer vierten Flasche Wein angelangt und leicht zu unterhalten gewesen.
India hatte nichts Wichtiges zu sagen, einfach nur, wie geht's dir und all den üblichen Kram. Und sie hatte unser Gesellschaftsleben bis in den nächsten Monat hinein verplant. Ich kenne India schon seit unserer Kinderzeit, und sie war immer eines dieser Mädchen, die gut organisiert waren – und das Gegenteil von spontan. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die selbst bis zum heutigen Tag verrückte Hippies geblieben sind. Sie müssen ganz einfach verrückt gewesen sein, da sie ihre neugeborene Tochter India Madeline Burke genannt hatten. Ich speicherte ihre Nachricht, weil ich dann unser Gesellschaftsleben in mein Notizbuch übertragen konnte, und danach rief ich Onkel Gerry an, während ich meinen heißen Kakao schlürfte.
»Hi, Onkel Gerry, ich bin's, Ellen.«
»Hi, Liebes, was kann ich für dich tun?«
Onkel Gerry war ein genialer Gebrauchtwagenhändler. Er hatte alles – die Sprache, die Elvis-Frisur, die schlechten Autos.
