Verloren im Okawango Delta - Margit Simon - E-Book

Verloren im Okawango Delta E-Book

Margit Simon

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Beschreibung

Auf ihrer Reise nach Afrika drängt sich bei Johanna immer mehr das Gefühl auf, als suche sie etwas. Als sie und ihr Gefährte Peter im Okavango Delta entführt werden, erleben sie die Grausamkeit der Natur - und ihre Schönheit. Die Frage nach dem Warum führt Johanna zu ihren Wurzeln und zum Sinn Ihrer Suche.

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Seitenzahl: 349

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Beim Planen ihres Urlaubs verspürt Johanna mit ihrer etwas dunkleren Hautfarbe, immer mehr den Drang, nach Afrika zu fahren. Als Suche sie etwas. Bei einer Bootstour in das Okavango Delta, werden sie getrennt. Peter wurde ausgesetzt, muss sich allen Widrigkeiten alleine stellen und Johanna ist in den Händen von Enführern. Fast hat Peter Johanna gefunden, aber die Flucht geht weiter. Immer mit der Frage warun werden sie verfolgt und können sie sich befreien.

Margit Simon, geboren in Berlin, verheiratet, zwei Kinder und zwei Enkel und ist Dosenöffner für zwei Katzen. Lebt in einem Dorf in Rheinland Pfalz

Für meine Enkel Tino und Fabio

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Vorbereitung

Abflug und Ankunft

Im Okawango Delta

Peter

Johanna

Die Eltern

Johanna

Peter

Die Eltern

Johanna

Peter

Johanna

Peter

Johanna

Prolog

Stefan stand an der Terrassentür und schaute in den winterlichen Garten; leise fielen die Schneeflocken, alles lag unter einer Schicht Schnee vergraben und die Äste hingen schon tief unter der Last des Schnees. Ruhig und friedlich war es. Einen kleinen Moment war ihm, als hielte die Welt den Atem an. Er mochte diese Stille, dieses lautlose Fallen der Flocken. Wenn sie doch auch seine dummen Gedanken begraben würden, ging es ihm durch den Kopf. Wieder schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. Gerade in der letzten Zeit, seit er wusste, dass Johanna und Peter nach Afrika wollten. Genauer gesagt, nach Namibia und Botswana. In ihm war das Gefühl, als würde die Zeit zurück gedreht. Sabine und er wurden immer unruhiger, je näher der Tag des Abflugs rückte. Warum das jetzt so stark wurde, das konnte er sich nicht erklären. Es passte so gar nicht zu ihnen, sie müssten sich eigentlich freuen, dass Johanna dieses wundervolle Land kennenlernte. Immer wenn er unruhig wurde, kamen diese Bilder. Marietta! Er sah sie so deutlich vor sich, als wäre sie eben noch hier gewesen. Sie, die sie damals in dem Ort Gobabis trafen, wo Sabine und er ihr Glück fanden. Dieses Bild, von diesen schrecklich unangenehmen Menschen, der ihnen versicherte, dass alles gesetzlich und legal sei. Er, Stefan, müsse sich keine Sorgen machen. Er kann die „Ware" liefern. Ja wirklich, Ware sagte er, dieser schmierige Typ! Er sei nur als Vertreter hier, von der Behörde für Adoptionen. Er stellte Fragen, manchmal recht merkwürdige. Wie die, ob sie auch dafür sorgen würden, dass dieses Kind wenigsten einmal am Tag etwas zu essen bekäme. Noch merkwürdiger die Frage, ob es für sie eine Ecke zum Schlafen gäbe. Wirklich, Ecke sagte dieser Mensch, ein Widerling war das, aber sie sahen damals darüber hinweg und schwiegen. Dann kam das Treffen mit Marietta, die ihnen so eine traurige Geschichte erzählte. Für sie beide war es aber der schönste Tag. Ihr größter Wunsch wurde wahr. Es war doch alles legal und richtig. Wie oft hatte er nachgehakt. Immer wurde ihm versichert, dass alles geregelt sei und er könne die Ware danach sofort bekommen. Alles gesetzlich und abgesichert. Zu gerne glaubte er das, und es wurde ihnen doch auch so gesagt. Sie hatten ja diese amtlichen Papiere. Viele Seiten mit einer Menge Stempel und Unterschriften. Stefan dachte an diese ersten Tage, als sie Johanna bekamen, so winzig, so süß, sie konnten das Glück kaum fassen. dieses niedliche Wesen im Arm zu halten. Jedes Lächeln von ihr war ein Geschenk und alle liebten sie. Ihre Nanny bewachte sie wie ein Wachhund. Manchmal waren sie einen kleinen Moment lang eifersüchtig. Wie eine kleine Gazelle hüpfte Johanna im Garten umher. Er sah das glückliche Gesicht seiner Frau vor sich, kein Hauch von Traurigkeit mehr in ihren Augen, nur ein Strahlen. Aber richtig glücklich waren sie erst hier in München, zwar ohne eine Nanny die sie umsorgte. Hier waren sie zu Hause. Alles andere war Vergangenheit. Keine Sorgen, bis heute! Nur die Frage, warum machten sie sich jetzt Sorgen…?

Vorbereitung

Es war so heiß, die Sonne brannte Johanna ins Gesicht,und sie wollte unter den großen Baum in den Schatten laufen. Vor ihr lag ein Fluss, der träge glitzernd dahin floss. Er war nicht breit, eher ein breiter Bach. Gerade als sie darüber springen wollte, tauchten diese Hände auf und griffen nach ihr. Das eine paar Hände wollte sie zurückhalten, die anderen möchten sie mit fortziehen. Sie wusste nicht, wie sie sich wehren kann, diese Hände, sie kamen näher, fast hatten sie sie erreicht. Sie wollte weglaufen, aber es ging einfach nicht. Da krallten sich Hände in ihr Kleid und sie schrie auf...

Sie schlug die Augen auf, richtete sich auf und schaute irritiert um sich. Sie blinzelte den Schlaf mit diesem schrecklichen Traum weg und war schlagartig hell wach. „So ein blöder Traum," murmelte sie leise. Sie schüttelte sich, um die Erinnerung abzuschütteln. „Was für einen Quatsch man träumen kann, richtig gruselig war das, und es fühlte sich so real an. Wie eine Warnung. So ein Blödsinn! Das kommt sicher davon, weil ich mich so auf diese Reise freue." sagte sie leise um Peter nicht zu wecken. Heute ging es nun endlich los! Wie lange hatten sie schon von dieser Reise geträumt, Peter und sie! Sie dachte daran, dass Peter fast mit seinem Beruf verheiratet war und ohne seinen Computer gar nicht sein konnte. Er entwickelte mit fünf anderen Kollegen verschiedene Programme für Firmen. Er und seine Kollegen, sie waren ein Team, da gab es keine feste Zeiten, was Feierabend angeht. So manche Nachtschicht gab es schon, von der Peter erst morgens nach Hause kam. Wenn ein Projekt abgeschlossen war und ein Erfolg wurde, dann waren die „Jungs“ so richtig gut drauf und feierten dies gehörig.

Bei dieser Reise jedoch war Peter sogar bereit, kein Laptop mitzunehmen, um nicht doch noch schnell etwas zu arbeiten. Außer seinem Smartphone sollte kein technisches Gerät mit, was ihm sehr schwer fiel. Keine E-Mails am Morgen abfragen oder schnell eine Nachricht schreiben an seine Leute. Ihm war schon klar, dass es dort oft keinen Empfang gibt, sicher fragte er sich, ob er das nicht bereuen würde. Aber, so tröstete er sich, gab es ja Internet-Kaffees, die er besuchen konnte, während sie in den Geschäften herumstöberte. Johanna, die im Krankenhaus als OP - Schwester arbeitet, hatte ihren Chef mit viel Überredungskunst dazu gebracht, ihr sechs Wochen Urlaub zu genehmigen. Es war ihr erster gemeinsamer langer Urlaub, und sie möchte diese Zeit nutzen, auch für sich selber zu entscheiden, ob es eine gemeinsame Zukunft für sie beide geben kann.

Ein Lächeln schlich sich über ihr Gesicht, als sie daran dachte, wie sie sich kennen gelernt hatten. Es war so ein lustiger Abend, sie war mit Freunden in der Disco Music Hall an der Bar, Sven erzählte einen Witz nach dem anderen, sie lachten sich schief und wollten immer noch einen Witz hören. Sie drehte sich um und sah direkt in ein paar blaue Augen, schaute auf einen attraktiven Mann, gute Figur und lässig gekleidet, der sie gerade anlächelte, als eine stürmische Frau ihn anrempelte und schon war der Rotwein auf ihrer Bluse. Beide schauten auf den Rotweinfleck, der sich auf ihrer weißen Bluse auszubreiten begann. „Oh je, das tut mir leid, kann ich irgendwie helfen? Am besten kippen wir einen Weißwein darauf, dann ist der Rotweinfleck weg,“ brachte er nur verblüfft heraus. Sie schaute den Mann an und im Stillen dachte sie sofort, gut sah der aus, genau mein Typ! Schlank, leger, mit einem umwerfenden Lächeln. Es lag schon eine bissige Bemerkung auf ihren Lippen, als sie laut los lachte: „Ich versuche es lieber mit Wasser, aber ich denke, wenn ich zurückkomme, ist wohl ein Drink als Entschädigung drin, oder."

„Ich warte hier auf Sie und freue mich, dass ich so glimpflich davon komme, und ich danke der jungen Dame, die für den Rotweinfleck zuständig war. Bis gleich", erwiderte er mit einem entschuldigenden Blick. Ja, das war der Anfang ihrer Geschichte! Nach diesem Drink tanzten sie beide ohne Unterlass. Am andern Abend trafen sie sich und auch am nächsten Abend und so ging es weiter. Es war so, als hätten sie sich gesucht und gefunden. Sie kuschelte sich an Peter, der wie ein Frettchen zusammengerollt mit seinem blonden Wuschelkopf neben ihr lag und noch fest schlief. Sanft küsste sie ihn, schlich sich aus dem Bett und ging erst einmal in die Küche, um Kaffee zu kochen. Während die Kaffeemaschine leise vor sich hin brodelte, holte sie ihre Lieblingstassen aus dem Schrank. Sie musste grinsen, als sie den Spruch auf seiner Tasse las - „ich bin nicht perfekt, aber nahe dran.“ Zustimmend nickte sie beim Eingießen, ihr Blick auf ihren Spruch, der sehr passend zu ihrem Beruf war, - Lächle, du kannst nicht alle trösten - fiel.

„Sechs Wochen nur lachen, da brauche ich keinen trösten.“ sagte sie leise vor sich hin und ging mit den zwei duftenden Kaffeebechern in das Schlafzimmer zurück. Sie blieb am Fenster stehen und machte die Gardinen auf. Ein recht kalter und trüber Januartag schaute ihr mürrisch entgegen. Eigentlich ein Tag, um ihn im Bett zu verbringen, zu kuscheln, lesen und einfach die graue Welt da draußen auszusperren. So grau und abweisend war das Wetter. Ein heftiger Wind rüttelte an den Bäumen und Schneeflocken wirbelten die Straße entlang, die voller Matsch waren. Die Menschen hatten ihre Mützen tief in die Gesichter gezogen, sie waren in ihren Mänteln fast nicht zu erkennen, und eilten mit gesenkten Köpfen und schnellen Schrittes ihrem Ziel entgegen. Ihr Blick blieb an den tanzenden Schneeflocken hängen, die an die Scheibe flogen, langsam schmolzen und als kleines Rinnsal die Scheibe herunter liefen. Der große knorrige Baum gegenüber, der mit seinen dicken Stamm und seinen vielen Falten fest auf seinen Wurzeln mit seinen weit ausbreitenden Ästen stand, er trotzte dem Wind, es sah aus, als mache es ihm Spaß, sich gegen den Wind zu wehren und zu zeigen, dass er hier der Stärkere war. Seine Füße standen breit und sicher in und auf der Erde. Nur seine Äste wurden im Wind rauf und runter geschüttelt. Der kleine Vogel, der auf einem Ast saß, den störte das Auf und Nieder überhaupt nicht. Er saß einfach da und putzte sein Gefieder. Nach einer Weile schwang er sich mit einem lauten Piepsen in den grauen Himmel. Sie schaute den Schneeflocken zu wie der Wind sie umher wirbelte, wie ein Tänzer bei einem stürmischen Tanz, der nach einer sehr schnellen Tanzmusik einfach nicht genug bekommen konnte. Er hielt die Schneeflocken fest im Arm um sie dann mit Schwung von sich zu schleudern und wieder fest zu umarmen. Das Heulen des Windes und das Ächzen der Äste waren die Musik dazu. Ein recht stürmischer Tänzer, dachte sie mit einem Lächeln. Ein wilder Tanz, der da vor ihren Augen getanzt wurde und kein Ende nahm. Grinsend überlegte sie, dass es ihnen bald sehr heiß werden wird und sie in seinen stürmischen Armen dahinschmilzt. Ja, so ist es mit den wilden Tänzern! Sie wendete sich dem Zimmer zu, und ihre Augen bekamen einen glücklichen Glanz. Ihr Gesicht fing an zu strahlen als sie zu dem Bett schaute, von wo ein wohlige Brummen kam.

Vorsichtig stellte sie den heißen Kaffee ab und küsste ihn sanft und kraulte sein Haar und prompt wurde sein Brummen noch lauter. „Hier riecht es, als hätte jemand einen Kaffee gekocht," murmelte er und macht Anstalten, Johanna ins Bett zu ziehen.

„Vorsicht junger Mann, hier steht der heiße Kaffee! Guten Morgen, mein Liebster! Genieße diesen Kaffee, es dürfte für lange Zeit der letzte sein, den wir in einem zivilisierten Schlafzimmer trinken" und gab ihm einen zärtlichen Kuss. Vorsichtig setzte sie sich zu ihm ins Bett und nahm einen Schluck.

„Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir in acht Stunden im Flugzeug sitzen und Afrika nimmt uns mit offenen Armen auf. Wie wird es in Namibia sein, im Etoscha Park, ich freue mich schon sehr darauf, mit dir abends am Wasserloch zu sitzen. Gefährlich kann es ja gar nicht werden, das stimmt doch? Wir haben viel gelesen und gehört, wie schön es ist, wenn die Tiere in der Abenddämmerung herbei kommen."

„Ob wir auch so riesige Webervögelnester sehen, ein Haus mit vielen Wohnungen? Hast du das auch gelesen, so ein Haus kann wegen zu großer Last einfach vom Baum fallen?

Wie gut, dass ich kein Webervogel bin, ich baue hoffentlich nur ein Haus für uns alleine,"lächelte Johanna zu, murmelte in ihr Haar: „Bewundernswert, sie bauen es einfach wieder auf."

„Ja, dann geht es zum Waterberg, später an der Küste runter nach Cap Cross, zu den Seelöwen, Swakopmund, Sossusvlei und zu den großen Sanddünen. Ich hoffe, ich schaffe das wirklich, im tiefen Sand zu fahren." kam es etwas besorgt von Johanna.

„Aber wir wollen auch zu den Victoriafällen, da müssen wir nach Botswana." bemerkte Peter.

„Jawohl mein Schatz, wir haben genug Zeit eingeplant und sicher wird es eine tolle Zeit werden, wir beide in einem Auto mit unserem eigenem Bett in einem Zelt auf dem Autodach. Wir werden richtige Abenteurer, wir planen schließlich alles selber und wir haben nur uns." Damit nahm er Johanna in die Arme. „Ja,“ seufzte sie leise, „das wird wirklich sehr abenteuerlich, was wir vorhaben!Aber wie du schon oft gesagt hast, Gefahr, die gibt es zu Glück nicht. Es ist ja kein weißer Fleck auf der Landkarte!“ Wenn sie da an die lustig gemeinten Worte von den Freunden dachte. „Hoffentlich gehst du oder Peter nicht verloren!“ Oder: „Ihr werdet doch wieder zurückkommen? Passt bloß auf euch auf!“

Peter setzte sich auf, küsste sie und fragte mit einem schelmischen Grinsen:

Willst du das wirklich tun? Wenn dich ein Löwe sieht, der findet dich so am frühen Morgen ganz bestimmt zu Fresse sehr gut.“ Und schon reiß er seinen Mund auf und stürzt sich auf sie, die gleich aufschreit.

„Du böser, böser Löwe , lass mich.“ Sein Mund fand den ihren, er fraß sie nicht auf, aber küsste sie sehr lange uns ausgiebig. Bis Johanna ihn sanft fort stupste und sie endlich ihren Kaffee trinken konnte.

Genüsslich saßen sie im Bett mit ihren Tassen in der Hand und gingen noch einmal den Tag durch was sie noch alles erledigen müssen.

„Dann komm jetzt endlich in die Puschen, ich stehe jetzt auf!“ Sie stand auf und ging betont die Hüften schwingend an ihm vorbei und warf ihm einen Blick zu, der vieles versprach. Er lachte, woltel nach ihr greifen, sie wich ihm lachend aus und meinte trocken: „Mach nur so weiter, du wirst dich wundern!“ Mit einer Kusshand kam ein „No my Darling“ und sie verschwand im Badezimmer.Sie schaute sich im Spiegel an, blickte in ihr braunes Gesicht mit dem schwarzen Lockenkopf, die fast schwarzen Augen und fand, dass sie ihre etwas dunklere Hautfarbe so gar nicht zu diesem Januartag passte. Sie drehte sich hin und her und sagte zu sich: „So schlecht sehe ich gar nicht aus.“ Alles genau richtig, wie Peter es immer zu sagte! Beim Anschauen kamen wieder diese Gedanken. Die Reise, sie war so wichtig für sie, es war als ob sie etwas suchte. Es war ein Drang der sie nicht mehr los ließ. Es begann als sie anfingen ihren Urlaub zu planen und dieses Gefühl einfach immer stärker wurde. das Gefühl hatte. Diese Reise, sie musste einfach sein!

Sie dachte an ihre Eltern, die sie so sehr liebte, sie waren immer für sie da, hatten für alles Verständnis, es war einfach schön mit ihnen zusammen zu sein. Sie wunderte sich nur, dass ihre Eltern so gar nicht begeistert waren von dieser Reise. Fast wirkten sie geschockt, aber sagen wollten sie auch nichts. Außer: „Es ist nichts, es sind wohl nur die Erinnerung an unser Leben dort." Natürlich hatten sie erzählt, dass sie in Namibia gelebt hatten. Sie wusste ja, dass ihre Eltern sie als Baby adoptiert hatten, aber eigentlich hatten sie sie nie etwas darüber erzählt, wo sie herkam und wie sie überhaupt auf sie gekommen waren. Immer wichen sie aus und sagten: Das ist nicht wichtig, du bist unser Baby, nur das zählt!“ Sie hatten sogar den Vorschlag gemacht, ihnen eine Amerikareise zu spendieren. Amerika! Das fand sie ja auch toll, aber nichts konnte sie abhalten, und zum Glück machte Peter keine anderen Vorschläge, als spürte er ihren Drang. Darüber geredet hatte sie mit Peter auch nicht, warum eigentlich nicht? War es ihr peinlich, dass dieser Reisewunsch so wichtig war? Komisch? Aber was soll’s! Heute ging es los und nichts konnte ihre Vorfreude trüben!

Aus der Dusche kam Peters morgendlicher Gesang: „It's My Life…,“ Johanna dachte glücklich, „wie schön das Leben doch war!“ Mit ihm hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden, er war so lieb, hilfsbereit, hörte zu, war glücklich und zufrieden in seinem Job. Sie als OP- Schwester mit ihren netten Kollegen und mit einer verantwortungsvollen Aufgabe. Es war manchmal schwer, die Sorge um einen Patienten nicht mit nach Hause zu nehmen. Sie kannten sich nun seit anderthalb Jahren und wohnten seit sechs Monaten zusammen in ihrer Wohnung, die einfach größer als seine war. Sie musste lächeln, es war damals wirklich eine große Umstellung, als er zu ihr zog! Sie mit ihrem romantischen eigenen Stil. Na ja, ein wenig mädchenhaft war ja schon alles, aber sie hatten es gut geschafft, aus der Wohnung ein gemütliches Zuhause für sie beide zu schaffen. Jeder hat seine kleine Nische, um sich zurückzuziehen, was für sie auch wichtig war. Ihre Devise: „Keiner kann 24 Stunden lang jeden Tag ununterbrochen den anderen lieben." Wie wahr das war! Wenn sie aus dem Krankenhaus kam, dann brauchte sie ihre Nische. Wie schön war es dann, ohne große Erklärungen einfach abtauchen zu können. Zum Glück ging es Peter genauso. Sie lernten beide miteinander umzugehen und den anderen auch so zu nehmen, wie er eben ist!Als er an ihr vorbei ging, flüsterte er ins Ohr, „du, ich freue mich so sehr auf unsere Ferien, aber ich muss noch einmal ins Büro Ich muss doch noch einmal meinen Computer streicheln," meinte er leicht wehmütig.“ Ohne Frühstück ging er vor sich hin pfeifend und schlug die Tür hinter sich zu. Sie rechnete es ihm hoch an, dass er tatsächlich ohne Computer sechs Wochen sein wollte. Na gut, sein Smartphone hatte ja alles. Er wollte es aber selber ausprobieren, einmal ,ohne’ zu sein. Er möchte es auch erleben, dass es auch noch etwas anderes gab. Sie bürstete ihren Lockenkopf, der kaum zu bändigen war und band diese Mähne zu einem Zopf, sagte zu sich selber: „Jetzt muss ich mich aber sputen, wenn ich noch alles erledigen will. Johanna, trödle nicht herum."

Nach gut einer Stunde hatte sie alles Notwendige eingekauft und legte es auf ihr Bett. Gerade hatte sie ihre Tasche ausgeleert, da klingelte das Telefon und ihre Mutter war am Apparat.

„Hallo mein Schatz, bist du schon aufgeregt? Vergiss nicht, genug Sonnencreme mitzunehmen. Du weißt, die Sonne ist dort viel stärker, auch wenn du nicht aussiehst wie ein Bleichgesicht. Hast du genug Medikamente, Pflaster und...“, Johanna hörte schon gar nicht mehr genau zu, sie wusste, jetzt folgte mindestens fünf Minuten lang, was sie alles nicht vergessen soll.

„Ja Mami, ich habe hier schon alles liegen, und wenn du noch mehr aufzählst, verpasse ich wegen dir noch meinen Flieger!“

„Ist ja schon gut, ich sage ja gar nichts mehr. Ach, ich werde dich so vermissen, aber ich denke halt, vielleicht wäre Amerika auch nicht schlecht für euch gewesen?“

„Mama bitte, wir haben genug darüber geredet. Schluss jetzt und in ein paar Wochen sind wir zurück.“

„Melde dich, so wie wir es abgemacht haben, bitte alle zwei Tage abends so um 19 Uhr. Probleme mit der Zeitverschiebung gibt es ja zum Glück kaum. Eure Reiseroute, die haben wir und auch den Reiseunternehmer, besser gesagt, es ist ja nur die Autovermietung. Ja, dann mach´s mal gut meine Kleine und viel Spaß euch. Bis in sechs Wochen dann. Papa lässt dich auch grüßen! “

Ein Klicken, und lächelnd legte Johanna den Hörer auf. „Ach Mama“ dachte sie, sie denkt immer noch, sie muss für mich alles regeln!’ Wieder klingelte es. Johanna seufzte: „Wenn das jetzt so weiter geht, werde ich es heute nicht mehr schaffen, alles in die Taschen einzupacken!“

„Hallo, oh Eva, das ist schön, dich noch zu hören!“

„Ach Johanna, ich mach mir wirklich ein wenig Sorgen, dich sechs Wochen in der Wildnis zu wissen. Weißt du, was alles passieren kann? Wenn ihr nun verloren geht? Du oder Peter entführt werdet?“ Johanna verdrehte die Augen und seufzte innerlich, meinte aber fröhlich:

„Eva, deine Phantasie geht mit dir durch! Wir leben doch nicht wie vor hundert Jahren, wo das alles noch ein Abenteuer war. Heute ist das kein weißer Fleck auf der Landkarte, den wir erobern. Es gibt Telefon, Internet und nicht zu vergessen, das geliebte Handy! Also, freue dich mit uns und du wirst uns noch verfluchen, wenn du dir all die Fotos anschauen musst, mit all den Kommentaren dazu!“

„Ja, ja ich weiß es ja, ich drück dich ganz doll und wünsche dir und Peter viel Spaß! Tschüss, bis denn...!“ Johanna schüttelte den Kopf und

musste grinsen. Das war wieder typisch Eva, immer in Sorge, was alles passieren kann. Sie lebt am liebsten auf ihrer Erdscholle, da fühlt sie sich wohl. Verreisen? Höchstens mal eine Städtereise, das reicht ihr. Entführt? Verloren gehen? Wie kam Eva immer gleich auf solche verrückten Gedanken?

„Uff, jetzt aber an die Reisetaschen, Peter wird bald kommen und bevor ein Chaos entsteht will ich fertig sein.“ Schon vor einigen Wochen hatten sie sich kakifarbene Safarikleidung gekauft. Hier mit solchen Klamotten herum zu laufen, echt gewöhnungsbedürftig! So wanderten die T-Shirts, Hosen und die Boots in die Reisetaschen. Keine schicken Klamotten, alles praktisch und, lächelte sie, die werden auch mit Staub noch gut aussehen. Belustigt setzte sie sich den Sonnenhut, einen richtigen Safari Hut, auf und nahm das Fernrohr. Ihr Gesicht bekam einen überraschten, ängstlichen Ausdruck. „Mein Gott, ein Elefant" rief sie und lachte laut vor sich hin und legte das Fernrohr mit dem Hut zu den Hosen. „Johanna, du bist albern!," ermahnte sie sich, „packe weiter. Wir gehen dann zusammen alles noch einmal in Ruhe durch." Sie setzte sich auf ihr Bett und schaute sich in ihrer vertrauten Umgebung um. Ja, es gefiel ihr alles sehr gut, Peter und sie hatten einen ähnlichen Geschmack, und so wurde aus ihrer Wohnung auch seine Wohnung. Die Zimmer haben alle sehr warme Farben, das Wohnzimmer war sparsam und doch sehr gemütlich mit dem großen Kuschelsofa, was sie beide lieben, hier im Schlafzimmer bekam sie oft das Gefühl, in einer sonnendurchfluteten Oase zu sein, alles in gelb, orange und rötlichen Tönen. „Johanna,“ ermahnte sie sich wieder, „bummle nicht, überlege lieber, ob du alles hast."

Gut gelaunt erschien Peter, wie immer laut und präsent und meinte erst einmal knurrend:

„Ich habe Hunger wie ein Löwe!"

Sie kam ihm entgegen und fragte ihn amüsiert: „Möchtest du gerne ein Gnu- Impala- oder Oryxsteak? Dann mach aber mal schnell und ab mit dir in den Busch und komme mir nicht ohne zwei ordentliche Gnusteaks, möglichst mit Beilagen und fertig gekocht wieder."

„Ach, ich nehme auch Spagetti, à la Johanna“, konterte er.

„Schade, wenn du in den nächsten Wochen auch so wenig auf die Jagd gehst, werden wir wohl leider verhungern und man wird uns fein säuberlich abgenagt als Skelette finden.."

„Das ist wohl wahr, denn zum Glück schießen Kameras keine Böcke, sondern nur Bilder.“

„Sag mal Peter, hast du daran gedacht dich bei deinen Eltern ab zu melden?" Peter schaute sie an und seufzte:

„Jetzt erwischst du mich total auf dem falschen Fuß. Ja natürlich habe ich das! Aber es wäre besser gewesen, ich hätte es nicht getan! Es war wieder so erbaulich! Ich konnte es mir ja denken, dass wieder so ,nette’ Bemerkungen fallen. Aber gestern hatten sie mit ihrer Einstellung die Krone aufgesetzt!“

„Ach darum bist du danach erst einmal an den Computer, um dich bei einem Spiel abzureagieren!“

„Ja, es ist einfach unglaublich, was für eine Vorstellung in ihren Köpfen herrscht. Ihr erster Satz war, na endlich bringst du sie dorthin wo sie hingehört. Endlich wirst du vernünftig, such dir eine von hier, wie sich das gehört, wir haben in unserem Land genug nette Mädels! Die gehört doch nach Afrika in ihr Dorf. Wie oft habe ich ihnen von dir erzählt, dass du hier aufgewachsen bist. Aber sie hören einfach nicht zu. Es passt nicht in ihr Bild! Dann ging es natürlich in dieser Leier weiter. Es sind sowieso viel zu viele Fremde hier, sie leben von unserem schwer verdienten Geld, sie sind Schmarotzer, nehmen unseren Leuten die Arbeit weg, bald gibt es keine Deutschen Wir Weißen werden doch bald nicht mehr existieren. Man schaut doch viel zu sehr in schwarze Gesichter mehr u.s.w.! Natürlich gab ich auch meine Meinung dazu ab, und so wurde ein wunderschönes Streitgespräch daraus. Ich warf ihnen vor, dass sie in unsere dunkle Vergangenheit passen und dass ich es schlimm finde, wenn solches Gedankengut heute wieder hoch kommt. Als die Gastarbeiter damals kamen, was hat man ihnen das Leben hier schwergemacht. Aber wir brauchten sie! Damals war sich doch ein Deutscher zu schade, um Mülltonnen zu leeren. Heute herrscht wieder ein Mangel in manchen Berufen. Also werden auch da Fremde eingesetzt. Natürlich kann ich verstehen, dass es beängstigend ist, dass so viele Menschen zu uns nach Europa flüchten, aber das gab es alles schon einmal. Nur waren da die Menschen weiß. Ich weiß einfach nicht, warum wir solche Angst vor anderen Kulturen haben? Wir sind, außer der Hautfarbe, alle gleich. Wir lieben gleich, wir bekommen unsere Kinder gleich. Wir beten zu einem Gott. Wie der nun heißt, ist doch so etwas von egal! Vielleicht sind viele von uns so hochnäsig geworden, weil es uns, den meisten jedenfalls, gut geht, weil wir uns nicht die Mühe machen, andere Kulturen zu verstehen und befürchten, von Ausländern überrollt zu werden, oder dass die uns etwas von unserem Wohlstand wegnehmen.

Ach Johanna, jetzt hast du wieder einmal meinen ganzen Frust über meine Eltern und ihre Borniertheit, abbekommen. Es tut mir leid! Ich weiß auch, dass nicht nur die Deutschen fremdenfeindlich sind.

Es erschreckt mich, wie manche Länder handeln. Ich dachte immer, durch unsere Geschichte wären wir reifer und klüger geworden. Aber egal wo, es werden Zäune gebaut. Das Schicksal der Menschen, wen interessiert es, sie werden zum Spielball der Politiker. Nicht nur das, die Länder streiten sich. Es ist ein schwaches Bild, was da Europa abgibt. Zum Glück gibt es auch genug andere, auf die können wir nur bauen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Generell ist es für mich schon so, wenn ich mir einen großen Teil in der Welt anschaue, dann graust es mir!“

„Du hast recht, was auf unserer Erde geschieht, was wir Menschen da treiben, es ist mehr als traurig! Sollten wir einmal Kinder haben, wo wachsen sie da hinein? Wird es noch schlimmer, oder schaffen es kluge Köpfe, diesem Wahnsinn ein Ende zu machen? Leider eher nicht, denn was habe ich gerade vor kurzem gelesen: In jedem Menschen steckt auch die Bereitschaft zur Gewalt. Natürlich bei einigen mehr, bei anderen weniger. Was mir sehr zu schaffen macht, dass es immer so war, aber muss es immer so bleiben? Es macht mir auch Sorgen, wie das Verhältnis zwischen deinen Eltern und mir einmal werden wird? Werden sie, falls wir heiraten, sich damit abfinden, dass es mich gibt? Oder wie wird das gehen? Aber das lassen wir jetzt!"

„Ich hab’s." sagte Peter mit einem schadenfrohen Lächeln „wir nehmen meine Eltern, fahren in ein Dorf in Namibia und lassen sie dann als Fremde dort! Sie dürften dort sicher eine Gehirnwäsche bekommen."

„Peter, du spinnst total," lachte Johanna.

„Wenn ich mir die beiden dort so vorstelle? Aber ich wette, ihnen beiden würde es gelingen, aus dem Dorf ein typisch deutsches Dorf zu machen, mit deinem Vater als Chef der für Recht und Ordnung sorgt. Wir können sie nicht ändern, aber wir leben heute und im jetzt und weißt du was? Jetzt ist unser Gepäck dran."

Abflug und Ankunft

„Wir sind richtige Exoten," freute sich Johanna im Taxi, als sie durch die Straßen mit dem Schneegestöber fuhren.

„Ein richtiges Sauwetter ist das heute. Sie haben für heute noch einen richtigen ausgewachsenen Schneesturm angesagt," maulte der Taxifahrer und klebte fast an der Scheibe, wo die Scheibenwischer wie wild hin und her flogen. „So wie Sie angezogen sind, sieht das nach einem Urlaub im Süden aus…?“

„Da haben Sie Recht, wir entfliehen für eine Weile diesem Wetter hier."

Im Flughafen war nichts mehr vom Schnee zu merken. Vielen ist anzusehen, dass die Reise in wärmere Gefilde gehen wird. Am Schalter der NAMIBIA AIRLINES erwartete sie schon eine recht lange Schlange. „Oh, das wird eine Weile dauern," meinte Peter. Sie schauten sich aus lauter Langeweile die umstehenden Mitreisenden an, am First Class - Schalter Geschäftsleute mit blank geputzten Schuhen und ihren Boardcase. In der langen Schlange überwiegen Kakifarben, Rucksäcke und Outdoor-Schuhe.

„Schau mal Peter, diese beiden da in der anderen Reihe, die scheinen sich für uns zu interessieren."

„Wieso."

„Ach ich weiß nicht, die haben so ein merkwürdiges Verhalten an sich. Sie tun so, als langweilten sie sich, dabei schauen sie ständig ,rein zufällig’ zu uns rüber."

„Johanna, was du dir einbildest, die sind höchsten genervt, weil wir hier alle so lange stehen.“ Er machte ein übertrieben besorgtes Gesicht. „Oder sollten das etwa Gangster sein, die darauf warten, dich zu entführen, um dich dann auf dem Sklavenmarkt meistbietend zu verkaufen? Nur mit einem Hauch um deine Hüften, damit den Männern das Wasser im Mund zusammenläuft, bei deinem Anblick, lachte er sie an. Mein Schatz, ich denke, sie freuen sich eher, weil du nach Sonne und Wärme aussiehst."

„Na, ist ja auch egal, was gehen uns die Leute an." entschied sie und gab Peter schnell einen flüchtigen Kuss. Aber es irritiert sie, sie schüttelte den Kopf. An einem Kiosk kauften sie eine Zeitschrift: Die schönsten Ferienziele der Welt. Mit zwei Kaffees im Pappbecher suchten sie sich einen Platz, und schauten dem Treiben der ankommenden und abfliegenden Maschinen zu. Die verschiedensten Menschen, die eilig die Gänge entlang eilten. Peter las ihr noch einmal die ersten Unternehmungen in Namibia vor: „Also, in Windhoek werden wir von der Firma ASLO abgeholt, man fährt uns direkt zu unserem Leihauto. Dann kaufen wir noch Proviant ein und ab geht es Richtung Botswana. Irgendwo schlafen wir das erste Mal auf unserem Auto. Ich habe noch nie in einem Autodachzelt geschlafen. Ob wir da schon irgendwelche Tiere sehen werden? Man, ich bin ganz schön aufgeregt."

„Wollten wir nicht zuerst in den Etoscha Park?“ Sie schaute Peter erstaunt an.

„Ja das stimmt, aber wir hatten uns dann doch für Botswana entschieden.“

„Ist schon alles klar, Hauptsache wir erleben so richtige Abenteuer.“

„Passagiere des Namibia Flugs NA 386 kommen bitte zum Gate 8,“ hörten sie die Durchsage.

„Dann mal auf in das Abenteuer, Afrika ruft und wir kommen!“

„Möchtest du am Fenster sitzen?“, fragte Johanna, als sie durch den Gang zu ihren Plätzen gingen.

„Nein, du darfst, ich sitze dann auf dem Rückflug am Fenster,“ sagte er. Sie schaute aus dem Fenster, die Schneeflocken flogen an die kleine Scheibe und wurden zu kleinen Wassertropfen. Beim Start sah man die Lichter der Stadt unter sich, dann tauchten sie in die grauen Wolken ein, die wie riesige dicke Wattebäusche aussahen in die Nacht hinein. Die Stewardess brachte ihnen ein Glas Rotwein. Johanna legte ihren Kopf auf Peters Schulter und meinte dann etwas trocken:

„Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Was, meinst du, werden wir alles erleben? So etwas richtig Aufregendes, etwas womit wir nie rechnen würden?"

„Ich weiß, dass ich mich vor jeden Löwen werfe, wenn er es wagen würde, dich anzugreifen," murmelte er schläfrig in ihr Haar.

„Da bin ich sehr beruhigt." grinste sie ihn zärtlich an.

„Also mein Schatz, dann wollen wir uns ab morgen mal so richtig in’s Abenteuer stürzen. Hoffentlich können wir beide ein bisschen schlafen, bequem ist etwas anderes." Johanna klemmte sich das Kissen ans Ohr und kuschelte sich an ihren Liebsten. Sie träumte von Afrika, sie sah sich an einem Wasser stehen und sie fühlte, wie sie verfolgt wurde und wollte fort, ganz schnell fort, aber sie kam kaum von der Stelle. Erschrocken schlug sie die Augen auf und schaute auf den schlafenden Peter und hörte das monotone Brummen der Triebwerke.

Zehn Stunden später standen beide steif und müde vor dem Flughafen in Windhoek in der Morgensonne, und es ließ sich schon erahnen, wie warm der Tag werden wird. Johanna streckte sich und meinte glücklich, „ich komme mir wie ein Vogel vor, zehn Stunden geflogen, kaum geschlafen und in einer neuen Welt aufgewacht. Ich empfinde es jetzt schon wie im Märchen.“

Mehrere Passagiere warteten mit ihnen auf ihre Abholung, die einen, die auch zu ASLO wollten oder von einem Reiseleiter abgeholt werden. Da kam auch schon ein Kleinbus. Ein junger Mann sprang aus dem Auto und begrüßte sie alle freudig.

„Hallo, ich bin John. Ich hoffe, Sie hatten einen guten Flug! Herzlich willkommen in Afrika." Als alles Gepäck verstaut war und Peter und Johanna im Auto saßen, da fiel ihr wieder das merkwürdige Paar auf. Alle anderen Fahrgäste plauderten und man machte sich bekannt. „Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin?“ Nur dieses eigenartige Paar schwieg.

„Peter ich sag doch, die sind echt komisch."

"Die planen sicher schon deine Entführung," grinste er zurück. „Ich denke, die haben den ersten Krach. Sie will in die Stadt, er will schlafen," meinte er lachend und nahm sie in den Arm.

„Vielleicht.."

Es war noch Sommer im Süden Afrikas, noch blühen Bäume und Bougainvilleasträucher mit purpur und malvenfarbenen Blüten und die wunderschönen Jacaranda–Bäume mit ihrem Duft und den wunderschönen weißen Blüten. Nach dem ewig grauem Bild in Deutschland war es hier eine Farbexplosion. Sie konnte sich nicht satt sehen an dieser Üppigkeit. Warm und bunt erschien ihr alles in diesem Moment. Sie wusste schon, dass sich die Farben Afrikas bald ändern würden, aber im Moment war die Farbenfülle einfach nur berauschend schön. Schließlich war es ja Sommer!

Ihr fielen die vielen Häuser mit hohen Mauern auf, mit sichtbaren elektrischen Alarmanlagen.

Der Fahrer bemerkte ihren Blick und erklärte ihr, dass es viele Einbrüche gibt. Vor allem seit Namibia politisch für sich selber verantwortlich ist. „Es braucht halt alles seine Zeit, wir haben es schwer, plötzlich alles alleine selbständig zu bewältigen. Aber wir schaffen das."

Bei ASLO herrschte lebhaftes Treiben, Autos wurden hin und her gefahren, Autos werden be - und entladen. Etwas verloren standen sie dazwischen und schauten neugierig auf all das Zubehör, was für diese Reisen benötigt wurde.

„Peter, welcher von den vielen Wagen ist wohl unser Auto." Die Worte waren noch nicht verklungen als sie sich erschrocken umdrehten und schauten auf einen recht jungen Mann mit sehr kurzem gekrausten Haar, einem sauberen Hemd mit dem ASLO Zeichen, der ihnen freudig die Hand entgegen streckte.

„Hallo, guten Tag, ich bin Tim, da vorne ist Ihr Auto, wir gehen gleich alles durch, machen die Papiere fertig und dann können Sie losfahren!“ Noch gute Ratschläge gab es, zum Beispiel das es besser war, nicht nachts zu fahren. Auf den Straßen, vor allem den Nebenstraßen, die eigentlich Pisten sind, nicht zu schnell zu fahren, sonst kann die Reise bald zu Ende sein. Zur Demonstration stand ein Wagen da. Peter wollte und konnte sich gar nicht vorstellen, wie so ein Unfall passierte. Ein Schild am Auto wies darauf hin, dass sich das bei 60 Stundenkilometer auf einer ,Rüttelpiste’ ereignete, was bedeutete, es gab sehr viele Querrillen. Fuhr man zu schnell, dann kann der Fahrer das Auto nicht mehr halten. In so einem Fall zahlte die Versicherung keinen Cent! Kurz bekam Peter ein mulmiges Gefühl und ihm kam der Gedanke, ob man das nicht schon Abenteuer nannte?

Johanna überließ ihm gerne die erste Fahrtstrecke. „Links fahren“, dachte sie, „das überlass ich erst einmal meinem Helden!“

Sie hatte die Straßenkarte auf dem Schoß und Peter fuhr aus Windhoek hinaus. Vorher hatten sie in einem modernen Supermarkt ihren Kühlschrank gut bestückt. Sie waren erstaunt, über das umfangreiche Sortiment und die vielen Dinge, die man auch in Europa bekam. Sie brauchten nur in die Regale zu greifen. Johanna hatte schon zuhause eine Liste geschrieben um für mehre Tage Vorräte zu haben. Es gab nicht überall so einen Supermarkt, wurde ihnen auch bei ASLO. erklärt. Ihr Kühlschrank war jedenfalls sehr voll!

In der Einkaufsstraße gönnten sie sich noch ein leckeres Essen mit Gnusteaks und einem köstlichen Bier, was hier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wurde. Ein Andenken an deutsche Zeiten. Sie bewunderten das lebhafte Treiben auf der Straße und einen Markt, der viel Handwerkliches vor allem aus Holz hatte. Das wurde den Kunden lautstark angeboten und die ließen sich gerne verführen.

„Ich könnte hier stundenlang zuschauen, alles ist so exotisch, aber es hat auch diesen Deutschen Touch hier!"

Eine schöne Stadt, recht lebhaft, so manche alte Baulücke wurde mit modernen Geschäftshäusern geschlossen. Peter gewöhnte sich an den Linksverkehr und schon ging es ab in Richtung Botswana. Erste Warzenschweine standen am Straßenrand und sogar Trappenvögel gingen gemächlich über die Straße. Lachend meinte Johanna: „Ja. hier haben wohl alle Tiere Vorfahrt."

„Was wohl auch gesünder ist," konterte trocken Peter.

„Schau dir das an Peter, hier turnen die Affen und es sieht aus, als machen sie Werbung für die Lodges." Hinter Gobabis bog Peter dann links ab und ins Kahoi Ari Camp. Sie fuhren durch ein Tor in eine recht karge und lieblose Landschaft mit kahlen Sträuchern, nichts grünes, nur festen Sandboden und einem kleinen Wasserloch für Wildtiere. Nicht sehr einladend. Es wirkte recht lieblos und kahl. Ein nicht einladender Campingplatz war es für ihre erste Nacht. Johanna schluckte etwas, so hatte sie sich das nicht vorgestellt! Als sie zum Anmelden in die Lodge fuhren änderte sich das Bild schlagartig. Plötzlich wurde aus der bräunlichen Einheitsfarbe alles grün und gepflegt. Sie schauten sich an und es war klar, dass sie doch lieber etwas mehr Komfort genießen wollten für die erste Nacht. Peter meldete sie bei der Rezeption an und Johanna schaute sich um, war ganz begeistert über die wunderschönen Blumen. Große Pinkfarbene Bougainvilleabüsche rankten sich dick und ausschweifend über eine ganze Haushälfte. Peter kam mit dem Zimmerschlüssel und wusste, dass es um 19 Uhr Abendessen gab.

„Ach Peter, es ist einfach wunderschön. Komm wir gehen noch schnell eine Runde im Pool schwimmen und trinken an der Bar auf uns und Afrika."

Am Pool lagen bereits einige Gäste in den bequemen Liegestühlen mit denen sie ins Gespräch kommen. Ein Ehepaar aus Hamburg erzählte ihnen von riesigen Zebra- Herden, die vor ihnen über die Straße liefen.

Später, als sie in den offenen Speiseraum gingen, waren sie von der Gepflegtheit und dem Ambiente freudig überrascht. Von allen Tischen klangen Gläser aneinander und Lachen schallte durch den Raum. Nur die schwarzen Kellner in ihren langen weißen Hemden, die über die Hose und bis zu den Knien hingen, sahen ernst aus und taten so, als merkten sie nicht, wie albern sich die Gäste benahmen. Die Küchenchefs standen hinter einem langen Buffet, das unter einem surrendem Ventilator aufgebaut war. Er blies sehr stark, dass sogar die Suppe in dem großem Topf Wellen erzeugte. Aus den Töpfen stieg heißer Dampf hoch, kaltes Fleisch mit rosigem Schinken war in allen Schattierungen auf Platten zwischen grünen Blättern angerichtet. Große Schüsseln mit bunten Salaten mit fremden Zutaten, die sehr verführerisch aussahen. Große Ananas Früchte waren wie eine stachelige Armee neben einem Heer von giftgrünen Avocados aufgebaut. Verwirrt standen sie vor der Vielzahl und nahmen sich vor, das Buffet von Anfang bis Ende durch zu probieren. „Zum Glück habe ich zwei Reservetanks, das sieht einfach alles zu verlockend aus!“ Beim Essen schaute sich Johanna um und stutzte plötzlich.

„Schau mal vorsichtig zu dem hinteren Tisch am Fenster. Das glaube ich jetzt aber wirklich nicht! Da sitzt das komische Ehepaar, sie schauen immer mal zu uns und tun dann so, als gäbe es uns nicht."

„Schatz, die sind vielleicht nur müde von der Fahrt und etwas genervt. Nicht alle sind so zufrieden wie wir beide! Oder, du weißt ja, sie warten darauf, dich zu rauben." lachte Peter.

„Aber es ist doch komisch, dass sie genau in diesem Camp übernachten wie wir. Hast du bemerkt, dass sie hinter uns waren."

„Hör mal, sie können doch auch vor uns schon hier gewesen sein," meinte er. Er zog sie an sich, bettete ihren Kopf an seine Schulter und streichelte sie zärtlich. Sie aber konnte sich nicht fassen. Er redete ihr liebevoll zu.

„Ich weiß nicht, welches Auto sie haben. Ich musste ja ständig anhalten, damit du Fotos schießen konntest. Also, Kopf hoch, mein Liebes. Wir sind hier und genießen jeden Moment. Hast du schon den Nachtisch probiert?" Versuchte er Johanna abzulenken. „Einfach göttlich, wenn du den nicht magst, ich nehme ihn gerne, in meinem Reservetank ist da noch Platz!"

„Von wegen! Ich werde das alles alleine wegputzen." Sie hob ihm ihr Glas entgegen, das von den Kerzenlicht funkelte.

„Auf uns beide!“

Später, Peter schlief schon tief, lag sie immer noch wach und ihre Gedanken verloren sich immer wieder in einem Labyrinth, sie irrte darin umher. Immer wieder blieb sie bei einem Abzweig stehen, glaubte den richtigen Weg gefunden zu haben. Aber alles war so wirr, es trieb sie um. Erinnerungen überfielen sie, sie konnte sich nicht dagegen wehren und ließ sich darin fallen. Sie sah sich auf einer Wiese herumtollen, sie sah ihre Eltern, die so taten als wären sie völlig außer Puste. Besonders eine dunkelfarbige Frau sah sie vor sich, alles an ihr kam ihr rund vor mit ihrem bunten Kleid und dem Tuch, das sie um den Kopf geschlungen hatte. Einen Moment lang