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In Berlin geht es zur Sache: in wohl keiner anderen Stadt der Welt kann man so schnell, direkt und problemlos zum Schuss kommen wie in der deutschen Hauptstadt. Berlin ist die Orgasmus-Metropole schlechthin, in der wirklich alles geht: egal ob Blümchensex oder handfester Matratzensport, gleich ob versaute Fetisch-Action oder kuschelige Vanilla-Nummer – jedes Töpfchen findet in Berlin sein Deckelchen oder wie der Alte Fritz schon damals sagte: hier darf jeder nach seiner Facon leben. Den in diesem Buch versammelten Kurzgeschichten liegen wahre Begebenheiten zu Grunde, alles ist so – oder so ähnlich – tatsächlich passiert, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen zuweilen rein zufällig, oder doch nicht? Lest, kommt nach Berlin und findet es selbst heraus. Und so ist diese Sammlung nicht nur eine Hommage an eine versaute Stadt, sondern auch ein Stadtführer und hoffentlich für alle Leser eine Quelle der Inspiration.
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Seitenzahl: 209
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Falk Stein
Roman
Himmelstürmer Verlag
eBookMedia.biz
978-3-86361-032-6 PDF
978-3-86361-033-3 PRC
978-3-86361-031-9 ePub
Copyright © by Himmelstürmer Verlag
Originalausgabe, März 2011
Coverfoto: (c) malestockphoto.com
Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg. www.olafwelling.de
Das Modell auf dem Coverfoto steht in keinen Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches und der Inhalt des Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Modells aus.
Alle Charaktere, Orte und Handlungen sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig
Hergestellt mit IGP:FLIP von Infogrid Pacific Pte. Ltd.
In Berlin geht es zur Sache: in wohl keiner anderen Stadt der Welt kann man so schnell, direkt und problemlos zum Schuss kommen wie in der deutschen Hauptstadt. Berlin ist die Orgasmus-Metropole schlechthin, in der wirklich alles geht: egal ob Blümchensex oder handfester Matratzensport, gleich ob versaute Fetisch-Action oder kuschelige Vanilla-Nummer - jedes Töpfchen findet in Berlin sein Deckelchen oder wie der Alte Fritz schon damals sagte: hier darf jeder nach seiner Façon leben.
Den in diesem Buch versammelten Kurzgeschichten liegen wahre Begebenheiten zu Grunde, alles ist so - oder so ähnlich - tatsächlich passiert, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen zuweilen rein zufällig, oder doch nicht? Lest, kommt nach Berlin und findet es selbst heraus. Und so ist diese Sammlung nicht nur eine Hommage an eine versaute Stadt, sondern auch ein Stadtführer und hoffentlich für alle Leser eine Quelle der Inspiration.
Berlin ist nicht nur bekannt für seine Luft, Luft, Luft, sondern auch für sein buntes Nachtleben und seine große Kulturlandschaft. In dieser Stadt, die niemals schläft, existiert alles - sogar meist friedlich - nebeneinander. Kultur wird groß geschrieben: Hehre Walküren reiten in historischen Gemäuern über große Bühnen - hajahoho - und nebenan in der kleinen Kneipe treten ganz andere Walküren auf, allerdings eher hysterisch und ungeheuer ...
„So, meine hochverehrten Damen und Herren!“ kreischte die grell geschminkte Gestalt auf der improvisierten Bühne, „wir kommen nun zu einem weiteren Höhepunkt in unserem Programm: Uschi Urinstein!“
Das Publikum johlte, klatschte und pfiff. Ein Grund für die Begeisterung war sicher nicht unbedingt der anspruchsvolle Inhalt der Darbietungen, sondern hauptsächlich der Alkoholkonsum und die Tatsache, dass sich ohnehin fast alle hier kannten. Das winzige Goldrausch wurde bei den regelmäßigen Veranstaltungen wie heute von einer eingeschworenen Fangemeinde besucht, Menschen, die ein absichtlich schlecht gemachtes Tunten-Playback zu schätzen wussten.
„Wir sind hier nicht im Chez Nous“, betonte der Besitzer stets, „bei uns zählt das Erlebnis, nicht das Ereignis!“
Heute Abend war er ebenfalls als Damenimitator auf der Bühne und gab die Co-Moderatorin.
Während der Beifall verebbte, erklangen die ersten Takte von Gloria Gaynors „I will survive“. Uschi, mit bürgerlichem Namen Georg Malschewski, wippte mit den Hüften. Im Gegensatz zu anderen Drag Queens kannte er den Text genau und bewegte die Lippen perfekt synchron. Seine Körperbewegung sah allerdings mehr danach aus, als wolle er die Benutzung eines Damentampons überleben. Der üblicherweise etwas deftige Tuntenhumor brachte auch bei dieser Nummer die Zwerchfelle der Zuschauer zum Beben. Als Georg schließlich tatsächlich einen OB zwischen seinen Beinen hervorzauberte, hielten sich wirklich alle die Bäuche. Dank Kirschsaft sah der Wattebausch ganz authentisch „second hand“ aus und als er ihn beim letzten „hey hey“ von Gloria auslutschte, sah es fast so aus, als wollten sich einige auf dem Boden wälzen. Eine kurze Verbeugung, frenetischer Applaus und Georg warf den OB mit elegantem Schwung in die klatschende Menge. Ohne, dass er es gewollt hatte und ganz ohne Zielen, landete es im Weizenglas von Murat. Der große stämmige Türke schrak zusammen: Sein Bier begann zu schäumen und er musste abtrinken, anderenfalls wäre das leckere Hopfennass verschwendet gewesen. Das Publikum war der Flugbahn des Tampons gefolgt und nach einer Schrecksekunde brach es wieder in wildes Gelächter aus. Die coole Reaktion des Türken wurde mit wildem Johlen quittiert. Als dieser dann den Faden des Intimproduktes mit den Zähnen aus seinem Glas zog, war alles vorbei. Mehr als einer rutschte vor Lachen von seinem Sitz, die Asthmatiker unter den Zuschauern sprangen auf und suchten das Weite, um auf der Straße einen Sauerstoffbelebungsversuch zu starten. Georg stand noch immer auf der Bühne und war etwas paralysiert. Er hatte mit Begeisterungsstürmen gerechnet, aber dass sich diese Stürme mit spontaner Hilfe eines Gastes zu einem Tsunami entwickeln würde, hätte er nicht gedacht.
„Das war, liebe Freunde, Uschi Urinstein, auch bekannt als das Lipglossluder!“, erklang nun die Abmoderation von Luise Lasterlöblich. Sie stakste auf die Bühne und schob die Künstlerin zur Seite.
Uschi verbeugte sich noch einmal und ging ab. Doch niemand hörte zu. Alles jauchzte und lachte noch durcheinander, schlug sich selbst auf die Schenkel und einander auf die Schulter.
Luise rief noch einmal lauter ins Mikrofon, dass es nur so rückkoppelte: „Danke, Uschi! Und nun weiter in unserem Programm ...“
Doch es half alles nichts. Das Publikum war wie berauscht vom Lachen und hörte überhaupt nicht zu. Etwas verloren stand Luise auf den Brettern, die doch für sie die Welt bedeuteten und klopfte etwas verärgert mit dem Absatz ihres Stöckelschuhs darauf. Jan in seiner Rolle als Co-Moderatorin nahm ihr das Mikrofon aus der Hand. Er kannte seine Pappenheimer und wusste, was jetzt das einzig Richtige war.
„So, Ihr Süßen und nun eine kleine Pause!“ Er gab dem Typen am Mischpult einen Wink, der daraufhin den Strahler für die Bühne ausschaltete und eine Pausenmusik einlegte.
„Aber wir sind doch noch gar nicht so weit! Wir hatten doch eben erst eine Pause! So schaffen wir das doch nie mit dem Programm!“ beklagte sich Luise bei Jan.
Der zuckte mit der Schulter und hob die Perücke etwas vom Kopf, um ein wenig Luft an seinen Schädel zu lassen: „Na, dann bleibt uns vielleicht wenigsten deine Zugabe erspart!“
Luise warf ihm einen giftigen Blick zu, den er aber gar nicht bemerkte. Jan hatte jetzt nur ein Ziel: die Bar.
Georg hatte für seine nächste Nummer im Getränkeraum das Kleid gewechselt und war nun von der Pause etwas überrascht.
„Auch gut“, murmelte er und folgte dem allgemeinen Strom zur Bar, „ich brauche Sekt!“
„Du brauchst Sex?“ fragte ihn Murat, der plötzlich neben ihm stand.
„Oh, äh, nun ja“, normalerweise war Georg, vor allem in seiner Rolle als Uschi Urinstein, für sein loses Mundwerk bekannt, aber jetzt war er etwas überfordert. Er zog es vor, huldvoll zu lächeln und das Thema zu wechseln: „Entschuldige, dass ich dich mit meinem OB getroffen habe. War nicht absichtlich. War ein Versehen.“
Murats Augen blitzten. Bei diesem schummrigen Licht und Murats morgenländischen, dunklen Augen war nicht ganz auszumachen, ob er amüsiert war oder eher etwas verärgert.
Georg lief es eiskalt den Rücken herunter, was wegen des Synthetikanteils seines Kleides nicht wirklich angenehm war. Er kannte den türkischen Bock schon seit einiger Zeit vom Sehen und ihm war nie so klar, ob er nun schwul war oder eher nicht. Er kam regelmäßig zu den Tuntenshows, sonst hatte er ihn nie gesehen, allenfalls, wenn dieser mit seinen Kumpels am Ende der Straße Fußball spielte. Seine beste Freundin Marina, eine biologische Frau, sagte immer: „Sex mit Türken ist das beste, was dir passieren kann. Außer du bist ein Mann und kannst nicht schnell genug weglaufen anschließend.“ Alle seine Vorurteile fielen Georg in diesem Moment ein. Er wischte sie mit einer eleganten Handbewegung vom Tisch und besann sich seiner Tunten-Identität:
„Na, Schätzchen, darf ich dich auf einen Schnaps einladen, wo du schon an meinem Tampon genuckelt hast?!“
Murat grinste breit und nickte.
Georg, wieder ganz Uschi Urinstein, schrie über den Tresen: „Tobias, Mäuschen, Schnucki, sei doch so lieb und gib Uschi und ihrem reizendem Begleiter ein Schnäpschen!“
Der angesprochene Kellner rief: „Sofort, meine Süße“, und reichte zwei Gläser mit Kräuterschnaps.
„So, Liebchen, wie heißt du eigentlich?“ fragte Uschi, als sie ihm das Glas reichte.
„Murat“, antwortete er und prostete ihr zu.
„Oh!“ jauchzte Uschi, „sicher kennst du das deutsche Sprichwort: Guter Mu-Rat ist teuer!“
„Ach“, sagte er mit seiner dunklen Stimme, „ich kann auch sehr billig sein.“ Dabei schaute er seinem Gegenüber tief in die Augen.
Georg schluckte und fiel für einen Moment aus der Rolle. Dieser Blick erregte ihn und ließ das dünne Chiffon-Fähnchen, das er trug, für den Bruchteil einer Sekunde an einer bestimmten Stelle zu eng werden.
„Murat-Darling!“, jauchzte es nun von der Seite und Georg war für einen Moment dankbar für die Ablenkung. Allerdings nur für einen kurzen Moment, denn dann realisierte er, dass dies Margot Mayonnaise war, bekannt für ihre Vorliebe für Türken und vor allem bekannt dafür, keine Rücksicht zu nehmen, wenn sie etwas haben wollte.
Margot begrüßte Murat mit einem Küsschen auf die Wange. Dann tat sie, als würde sie eben erst Uschi bemerken.
„Uschi!“, jubelte sie künstlich, „du bist ja auch hier! Ich bin eben erst gekommen! Habe dich noch gar nicht gesehen! Kennst du schon Murat?“
Uschi grinste breit. „Na klar, der hat doch schon an meinem Tampon genuckelt!“
Margot fiel in etwa alles aus dem Gesicht. „Soso, Tampon, genuckelt ...“ Sie schaute Murat an, der sie freundlich anlächelte und nickte. „Ach, äh, ich glaube, ich habe da vorne ...“, brummte sie und schob sich durch die Menge.
Uschi und Murat hörten noch, wie sie einem anderen um den Hals fiel: „Mäxchen, Schätzchen!“
Murat und Uschi schauten sich an und lachten.
Er berührte sie am Arm: „Deine Nummer hat mir gefallen.“ Uschi lächelte ihn dankbar an. Er fuhr fort: „Ich hätte auch nichts gegen eine gemeinsame Nummer ...“
Uschi schüttelte den Kopf: „Sorry, aber ich geh nur alleine auf die Büh...“, dann begriff er, dass Murat nicht vom Showbusiness gesprochen hatte. „Oh, ich ...“
Jetzt war Georg doch etwas perplex. Er hätte nicht gedacht, dass der Türke so direkt sein könnte. Aber auf die Transen-Sex-Nummer hatte er keinen Bock. Er stand zwar im Fummel auf der Bühne, aber er stand da nicht drauf. Er mochte es handfest, ohne Rüschen, ohne Federboa. Leder und Latex waren seine bevorzugten Materialien im Bett, keinesfalls Netzstrümpfe und Negligee. Hatte er es doch gewusst, dieser verklemmte Türke war eigentlich schwul, hatte aber ein Problem damit und fickte deswegen lieber Transen.
„Ich muss jetzt wieder auf die Bühne, sorry!“, entschuldigte er sich und entschwand. „Schade eigentlich“, dachte er auf dem Weg zur Bühne.
Den Rest des Abends war er wie in Watte gepackt, die Begeisterung schwappte an ihm vorbei und er war froh, als er sich abschminken konnte.
„Grandios! Ganz wahnsinnig super toll!“ freute sich Jan.
„Hast du ein gutes Geschäft gemacht?“, erkundigte sich Georg höflich und nahm ein weiteres Kosmetiktuch zur Hand.
„Oh, und wie! Dank deiner Nummer, mein Lieber!“ Er drückte ihm einen Schmatzer auf die linke noch geschminkte Seite und ging pfeifend aus dem Raum.
Eine halbe Stunde später verließ Georg, nun wieder ganz Mann, den verrauchten Laden. Er war zwar erschöpft, wollte aber noch nicht ins Bett. Nach all den kreischenden Tunten wollte er noch ein letztes Bier in echter Männergesellschaft zu sich nehmen. Auf dem Weg nach Hause kam er ohnehin an einem Lederlokal vorbei. Er öffnete die Tür zum Bull und trat ein. Die Luft war verraucht, das Licht gedimmt. Er orderte ein Bier und stellte sich in eine Ecke.
Plötzlich sprach ihn jemand von der Seite an. „Himmel, stinkst du nach Schminke!“
Er erschrak und schaute zur Seite: Es war Murat. Georg wusste nicht recht, was er sagen sollte. Was machte denn dieser Ausnahmemann in diesem Lederschuppen? Alle seine Vorurteile zerbrachen mit einem Mal. Sollte Murat gar nicht auf Sex mit Transen stehen? Georg stammelte: „Hallo, das ist ja ein Ding, du hier?!“
Er hätte sich ohrfeigen können. Das war nun wirklich keine originelle Antwort.
Murat grinste: „Schön, dass du nach deinem anstrengenden Abend dich hier noch blicken lässt.“
„Ja, immer diese Tunten nerven auf Dauer auch, oder? Und du hast mich erkannt ohne Fummel?“
Murat nickte: „Ja, ich kenne dich doch schon länger vom Sehen. Und ich fand dich schon immer ganz lecker.“
„Du stehst auf Kerle? Also ich meine, äh, nicht auf Tunten?“
„Wieso Tunten?“ wunderte sich Murat.
„Naja, weil Margot dich mit Küsschen, äh, begrüßt hat und ich dich immer nur da im Goldrausch gesehen habe.“
Murat lachte: „Keine Bange, ich stehe auf Kerle. Ich habe auch noch nie was mit Margot gehabt, weder im Fummel noch in Zivil.“
Georg grinste erleichtert und nahm einen Schluck aus seiner Flasche.
Murat fuhr fort: „Ich finde diesen Schmink-Gestank auch eher abtörnend. Ganz im Gegensatz zu dir.“
Georg wurde es ganz heiß: „Tja, was machen wir denn da?“
„Ich weiß schon, was wir gegen diesen Geruch machen können.“ Er nahm Georg sein Bier aus der Hand und drückte ihm seinen Mund auf die Lippen. Fast brutal öffnete er ihn mit seiner Zunge.
Georg schwanden die Sinne. Murat war so ganz ein Mann nach seinem Geschmack. Breitschultrig, behaart, männlich. Er roch nach Schweiß und Rauch. Sein muskulöser Oberkörper drückte sich gegen den von Georg, ihre Unterleiber rieben aneinander.
„Nun komm mit“, befahl Murat und Georg gehorchte.
Sie gingen in den hinteren Teil, schlossen sich in eine Toilettenkabine ein.
„Und was willst du gegen den Geruch der Schminke tun?“, fragte Georg erregt.
Murat grinste böse: „Den einen Gestank mit einem anderen überdecken, was denn sonst? Ich hoffe, du magst es feucht?“
Georg nickte und konnte seine Erregung nun nicht mehr verbergen. Sie zogen sich die T-Shirts aus, hängten sie über die Klospülung. Murat drückte Georgs Gesicht in seine Achselhöhle: „So ein Gestank zum Beispiel, du Sau, wie wär’s?“
„Oh ja, geil“, stöhnte Georg und inhalierte tief. Er ging in die Knie und öffnete Murats Hose.
„Genau, du bist auf dem richtigen Weg. Bück’ dich und mach’s Maul auf“, kommandierte Murat.
Georg kniete vor dem Türken und knetete ihm dabei die Pobacken, Murat hielt Georgs Kopf fest.
„Schön schlucken, kapiert?“ Er brauchte einen Moment. Murat konzentrierte sich, dachte dabei an die Niagarafälle und geöffnete Wasserhähne. Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, dann war es soweit. Die Schleusen der goldenen Quellen des Morgenlandes waren nun geöffnet, es floss reichlich, so viel und so schnell, dass Georg gar nicht mehr schlucken konnte. Sein Mund lief über, es tropfte aus seinen Mundwinkeln auf seinen Oberkörper und wischte so die Erinnerung an den Geruch der Schminke hinweg. Als der Druck nachließ, stellte sich Georg wieder hin. Sie küssten sich, der bittere Geschmack vermischte sich, Georgs drückte seinen feuchten Oberkörper gegen die verschwitze Brust von Murat. Nichts roch mehr nach Schminke. Sie rochen nur noch wie die Tiere, dufteten nach Lust, nach wilder Extstase.
„Du Sau!“, flüsterte Georg seinem Gefährten ins Ohr.
„Selber Sau“, erwiderte dieser, „wir sollten vielleicht einen gemütlicheren Ort aufsuchen, was denkst du?“ Georg nickte.
Sie umarmten und streichelten sich. Nach einigen Minuten gingen sie wieder nach vorne und warteten, bis sie etwas trockener waren.
Murat schnupperte: „Gott sei Dank, keine Schminke mehr.“ Wild knutschend standen sie in einer Ecke und tranken ihr Bier zu Ende. Schließlich liefen sie die wenigen Schritte zu Georgs Wohnung. Schon im Hausflur ließen sie alle Klamotten fallen, stolperten eng umschlungen in Georgs Schlafzimmer.
„Nimm mich, du geiler Bock“, bat Georg und drehte sich auf den Bauch.
Das ließ sich Murat nicht zweimal sagen. Er streifte das Gummi, das ihm sein Gespiele reichte, rasch über und versenkte es schnell ohne viel Aufhebens.
Georg stöhnte erst laut auf vor Schmerzen, doch er gewöhnte sich schnell an die gewaltige Größe. Einen kurzen Moment des Innehaltens, dann wollte er noch mehr. Murat gab ihm alles. Immer schneller und immer heftiger stieß der wilde Türke zu. Wie eine Dampframme besorgte er es dem hungrigen Deutschen von hinten.
Schließlich war es bei beiden so weit. Nur noch wenige Sekunden trennten sie vom Höhepunkt. Murat zog sich zurück, streifte das Gummi ab.
„Dreh dich um, los!“ Georg legte sich auf den Rücken. Ein lautes Stöhnen und Murat ergoss sich auf ihm. Wenig später war auch Georg fertig.
„Prima“, freute sich Murat und verrieb die Soße auf Georgs Bauch, „noch mehr gegen Schminkduft!“
„Das ist doch eigentlich nicht mehr nötig, oder?“
„Eigentlich nicht. Aber sicher ist sicher!“ grinste Murat. Aneinander gekuschelt schliefen sie bald ein.
„Na, komm, los, fester, das kannst du doch!“, schrie Manfred ihn an.
„Ja, ich schaff’s ...“ stöhnte Marc und drückte fester.
„Los, du Memme, zeig’s mir, mach schon!“
Marc mobilisierte alle seine Kräfte und stöhnte noch lauter.
„Ja, so gefällst du mir, du kleine Muskelsau!“ Manfred nickte zufrieden und schlug Marc auf den Bizeps.
Sein Kumpel ließ die Gewichte zurückfallen und jammerte theatralisch: „Au!“. Sie grinsten sich an und er fügte dann hinzu: „Man sollte nicht glauben, dass du hetero bist, wenn man dich so hört.“
„Tja, ich hatte einen guten Lehrer“, kicherte Manfred und schubste Marc vom Gerät. „Jetzt bin ich noch einmal dran.“
Marc stand auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ja, ist ja schon gut. Mann, ich schwitz’ wie eine Sau.“
„Und du stinkst wie ein Iltis“, beschwerte sich sein bester Freund Manfred. Marc roch an seinen Achseln und stimmte ihm zu: „Haste recht. Aber ich hatte heute auch einen stressigen Tag. Ich habe einen Fall abgeschlossen und bin einem Lustmolch hinterhergerannt, um ihn zu stellen.“
„Um ihn zu stellen oder um über ihn herzufallen?“
„Ha, ha. Sehr komisch. Der war hetero, so wie du, aber bei weitem nicht so garstig zu mir wie du.“
Manfred tat zerknirscht: „Verzeih, mein Freund, aber gibt es einen Grund, trotz all deiner Verdienste für die Gesellschaft auf Deo zu verzichten?“
Der Polizist nickte: „Jawohl. Weil ich es nicht vertrage und, viel wichtiger, weil ich diese Parfümierungen nicht mag. Ein Mann soll nach Mann riechen, gefälligst.“
Manfred drückte Marc spielerisch nach unten und nahm ihn in den Schwitzkasten. „Na, so wie ich jetzt?“
Marc schnupperte: „Nö, das riecht immer noch nach 4711.“
Manfred lachte und ließ ihn los. „Auf, duschen, du Stinker!“
„Jawohl!“
Lachend liefen sie in die Umkleidekabine des Sportstudios. Marc und Manfred kannten sich schon seit Jahren. Sie waren vor Ewigkeiten in die selbe Frau verliebt, aber bevor es zu einem dramatischen Duell im Morgengrauen kam, stellte Marc fest, dass er schwul war.
„Ich geh noch in die Sauna. Kommst du mit?“, fragte Marc, als sie unter der Dusche standen.
Manfred schüttelte den Kopf und seifte sich weiter ein: „Nee, heute nicht, ich habe noch eine Verabredung.“
Marc drehte den Wasserhahn zu und überlegte halblaut: „Och, dann kann ich auch in die schwule Sauna gehen, da war ich ewig nicht.“
Manfred hatte ebenfalls das Wasser abgedreht und den letzten Satz verstanden: „Mach das mal, damit ist allen geholfen.“
„Wie darf ich das verstehen???“
„Du bist in letzter Zeit so unausgeglichen.“
Marc zog eine Grimasse und streckte ihm die Zunge raus, was, angesichts der Tatsache, dass er ziemlich groß und muskulös war und sehr männlich wirkte, irgendwie albern aussah.
Die schwule Sauna war nur wenige Straßen entfernt. Der Fahrtwind hatte Marc auf dem Fahrrad eine bezaubernde Röte ins Gesicht gezaubert, die aber rasch einer entsetzten Bleiche Platz machte, als er an der Kasse einen Blick auf die Preisliste warf. Seufzend zückte er sein Portemonnaie und warf seine ec-Karte auf den Tresen.
„Kabine oder Schrank?“, fragte die Bedienung zickig, als wäre sie über die Störung ihre Ruhe durch den Besuch empört.
„Kabine, bitte“, erwiderte der Polizist und seufzte noch einmal, als der Preis genannt wurde.
Wenige Minuten später saß er, nur mit einem Handtuch bekleidet, auf der Liege seiner Kabine und beobachtete die vorbeiziehenden Männer, die interessiert in seine Richtung blickten.
Die Situation erregte ihn. Es war warm, es roch nach Schweiß und Lust und die Musik hämmerte im Rhythmus eines gelungenen Beischlafs aus den Boxen. Sein Blut pochte in den Adern, sein Magen zog sich zusammen und er spürte, wie ein Gefühl von Spannung ihn durchflutete. Er lockerte sein Handtuch und legte seine Hand auf den Schritt. Er fühlte die beginnende Härte. Das Blut sammelte sich immer mehr in der Körpermitte, während der Schweiß ihm unter den Achseln hervorlief und auf die Oberschenkel tropfte. Langsam zog er das Tuch ganz zur Seite. Er kannte keine Scham, im Gegenteil, die lüsternen Blicke der anderen erregten ihn noch mehr und das konnte man erkennen. Verstecken musste er sich nicht. Er war ein groß gewachsener Mann, an ihm passte alles, keiner hatte sich je beschwert, viele, selbst solche, die von sich sagten., sie wären Einiges gewöhnt, mussten mit viel Geduld und noch mehr Spucke an diese Sache herangehen.
Draußen liefen die Männer weiter vorbei, es traute sich so recht keiner rein, zu geil sah Marc aus, er spielte einfach in einer anderen Liga als die meisten. Schließlich blieb einer stehen. Marc lehnte sich zurück, gab den Blick frei auf die fast unglaubliche Härte, die alles andere in den Kabinen links und rechts überragte. Der Mann vor der Tür war etwas kleiner, vielleicht Mitte bis Ende Zwanzig, eher drahtig als muskulös, eine schön definierte Brust mit schwarzen Haaren. Er mochte Türke sein oder Italiener, Südländer auf jeden Fall. Auf seinem linken Oberarm war ein großer Drache tätowiert, der den festen Muskel betonte. Marc lächelte ihn aufmunternd an, der Fremde lächelte zurück und trat ein. Im Hereintreten ließ er sein Handtuch fallen und Marc zog ihn zu sich heran. Tür schließen und Mund öffnen war fast eins. Die kräftigen Hände des Fremden hielten Marcs Kopf, der sich auch so nicht zurückgezogen hätte, obgleich er würgen musste. Aber das mochte er und das zeigte er dem anderen. Der Fremde bewegte seinen Unterleib, Marc knetete die festen Pobacken und spielte mit seinen Fingern an den interessanten Stellen des anderen.
„Das ist gut, ja, bitte, ich möchte dich spüren“, flüsterte der und ging in die Knie. Ihre Lippen berührten sich und sie küssten sich leidenschaftlich. Der andere schmeckte nach Salz, nach Schweiß und nach Nikotin.
„Hast du Poppers?“, fragte er Marc.
Der schüttelte den Kopf: „Ich bin leider gar nicht vorbereitet. Das war eine spontane Idee, in die Sauna zu gehen. Ich habe nicht mal Kondome und Gleitgel dabei. Aber das kriegen wir ja sicher vorn an der Kasse.“
Der andere schüttelte den Kopf und zauberte wie aus dem Nichts eine Flasche Gleitgel hervor. „Kein Problem. Gummis und Gleitgel habe ich dabei. Ich habe ein Spezialgleitgel.“ Er öffnete stolz die Flasche und hielt sie Marc unter die Nase: „Das mixt ein Freund von mir, der ist Apotheker!“
Marc schnupperte und sagte anerkennend: „Riecht lecker. Aber da, wo das hinkommt, ist der Geruch wohl egal.“ Er nahm ihm die Flasche aus der Hand und schmierte ihm eine gute Portion Gel an seinen Hintern. „Nur ohne Poppers, das geht fast gar nicht, ich bin wohl Poppers süchtig.“
„Tja, dies Mal wird es wohl ohne gehen müssen“, grinste Marc böse und zog das Gummi über, das ihm der andere reichte. Dann drehte er ihn zu sich und drückte ihn auf die Liege. „Du wirst sehen, es wird schon gehen.“
Bald war die Kabine von lautem Stöhnen erfüllt. Marc gab sein Bestes. Er stieß mal fest zu, mal sachte, mal eher seitlich, mal direkt von hinten. Und seinem Gast gefiel es. Er drückte ihm sein Hinterteil entgegen, bewegte sich mit und feuerte Marc an. Sie fanden rasch einen gemeinsamen Takt, glichen sich an und wurden immer lauter, immer heftiger. Sie stießen gegen die Wand, brachten die ganze Kabine ins Schwanken. Schließlich war es bei beiden soweit. Laut stöhnend kamen sie zum Schluss und blieben schwer atmend auf einander liegen.
„Meine Güte“, staunte Marc, „das war gut.“
„Allerdings. Meine Fresse. Wie heißt du?“
„Ich bin Marc. Und du?“
„Ich heiße Francesco“, stellte sich der andere vor.
„Ah, Italiener?“
Francesco nickte.
Marc schaute an ihm herunter und meinte: „Wow, dass du noch einen hoch kriegst ... Normalerweise, wenn ich zuschlage ...“
„Dann wächst bei den anderen unten kein Gras mehr?“, lachte Francesco. Marc nickte und der Italiener zuckte die Schulter und deutete nach unten: „Das ist bei mir sonst auch nicht so. Vielleicht liegt es am Gleitgel. Dieser Apothekerfreund hat gesagt, er habe eine entscheidende Zutat hinzugefügt und ich würde noch mehr Spaß damit haben.“
„Na, ganz unrecht hatte er offensichtlich nicht. Wahrscheinlich bekommen wir gleich Beifall, wenn wir die Tür aufmachen.“
„Wieso Tür aufmachen? Ich könnte gleich weiter machen ...“
Und tatsächlich, alles deutete daraufhin, dass der Italiener noch bereit und bestens gerüstet war.
Marc fragte: „Hast du was genommen? Für die Potenz?“
Der andere schüttelte den Kopf: „Nee, nie. Dazu nehme ich zu gerne Poppers. Da soll man das ja nicht auch noch nehmen. Macht schließlich beides die Adern weit und ich habe ein schwaches Herz. Danke, zu gefährlich! Wollen wir jetzt weiter machen?“
Marc lachte. „Ich habe zwar eine gute Kondition, esse brav meine Austern und schlürfe meinen Selleriesaft, aber ich brauche jetzt eine Pause. Wir können ja später weitermachen. Was meinst du?!“
Francesco nickte, stand auf und gab Marc einen Kuss. Dann ging er hinaus.
