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Nach einem harten Winter des Herzens sehnt sich Imani nach einem Neuanfang. Der Frühling scheint mit seinen ersten Blüten eine Verheißung auf neue Hoffnung zu sein. Als sie unerwartet Emilio wieder trifft - eine verlorene Liebe aus ihrer Vergangenheit knistert es erneut zwischen ihnen. Können sie die Fehler der Vergangenheit hinter sich lassen und die zweite Chance nutzen, die ihnen der Frühling schenkt? Odewr sind die Narben zu tief, um im warmen Licht einer neuen Liebe zu heilen?
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Seitenzahl: 135
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Bianka Kitzke
Versprechen es Frühlings
Bianka Kitzke
Versprechen des Frühlings
Roman
Texte: © 2026 Copyright by Bianka Kitzke
Umschlaggestaltung: © 2026 Copyright by Bianka Kitzke, Canva
Verlag:
Bianka Kitzke
Blumenstraße 26
75056 Sulzfeld
www.biankakitzke.wixsite.com/autorin
Herstellung: epubli – ein Service der neopubli GmbH,
Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:
Gewidmet dem unbeirrbaren Geist des Frühlings,
der uns jedes Jahr aufs Neue lehrt,
dass auf Kälte Wachstum folgt.
Möge diese Geschichte ebenso viele Versprechen halten,
wie der erste Sonnenstrahl nach dem langen Winter.
Dieses Buch enthält Darstellungen von Themen,
die für manche Leser verstörend oder belastend sein können.
Bitte seien Sie achtsam und lesen Sie nur weiter,
wenn Sie sich damit wohlfühlen.
Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen,
von diesen Themen betroffen sind, suchen Sie bitte professionelle Hilfe auf.
Mein Winter war hart, so hart wie die gefrorene Erde, die sich meinem Spaten verweigerte. Wieder einmal war eine Beziehung gescheitert, zerbrochen an den immer gleichen Klippen aus Missverständnissen und unerfüllten Erwartungen. Ich fühlte mich leer, ein ausgetrockneter Brunnen, dessen Wasser die Männer einfach nicht zu finden schienen. Oder wollten sie es gar nicht? Einzig Emilio hatte mich damals verstanden. Er hat in meine Augen geblickt und gesehen, was hinter den Worten lag. Eine Erinnerung, die wie ein leises Flüstern im Wind mitschwang und doch so mächtig war, dass sie mich immer wieder einholte. Heute jedoch streichelten die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings sanft meine Haut, als ich die letzten, kunstvoll gewundenen Kränze in meinen Lieferwagen lud. Die Kälte des Winters wich langsam der Verheißung von neuem Grün. Ich atmete tief ein, der Geruch von frischer Erde und zarten Blüten erfüllte meine Lungen. Hier, in meiner Gärtnerei, hatte ich mir den Traum erfüllt, all das umzusetzen, was meine Eltern mir all die Jahre verwehrt hatten. Zwischen duftenden Rosen, leuchtenden Tulpen und dem beruhigenden Summen der Bienen fand ich meinen Frieden. Ich liebe den familiären Umgang der Bürger in Raven. Es war eine kleine, eng verbundene Gemeinde, in der jeder jeden kannte und ein freundliches Wort nie weit war. Ein Ort, der mir Sicherheit gab, nach all den emotionalen Stürmen, die ich durchlebt hatte. Doch selbst hier, in meinem kleinen Paradies, spürte ich noch immer die Narben des letzten Winters. Die Hoffnung auf einen Neuanfang war da, zart und schüchtern wie die ersten Frühlingsblumen, aber die Angst vor neuer Enttäuschung saß mir noch tief in den Knochen. Ich war gerade dabei, die Kränze für die Beerdigung von Herr Schluckauf, der mit 102 Jahren verstorben war, zum Friedhof zu fahren, und der kleine Lieferwagen rumpelte sanft über die holprige Dorfstraße, die noch immer die Spuren des vergangenen Frosts trug. Meine Gedanken schweifen zwischen der Planung für die nächste Pflanzsaison und der leisen Wehmut der Erinnerungen, als plötzlich ein Mann auf die Straße und direkt vor meinen Wagen trat. Ich trat abrupt auf die Bremse und mein Herz machte einen Satz, als ich ihn sah. Emilio?
Das konnte nicht sein.
Ein Schock durchfuhr mich. Er war doch in … Afrika. Ich kurbelte das Fenster runter und ein Schwall frischer Frühlingsluft strömte herein. Mein Mund öffnete sich, bereit, seinen Namen zu rufen, doch im letzten Moment zögerte ich.
Emilio!
Sein Haar war länger und er trug einen Bart, aber dennoch erkannte ich den Mann der einst Teil meines Lebens war wieder.
Aber was, wenn es doch nur eine Einbildung war?
Eine Projektion meiner Sehnsucht in die Morgenluft?
Ich wusste ja nicht, ob ich mir das nur eingebildet hatte. Der Mann drehte sich nicht um, ging weiter, verschwand hinter der nächsten Biegung. Ich spürte, wie mein Puls wild pochte.
Hatte ich ihn wirklich gesehen oder spielte mir das unterdrückte Verlangen einen Streich?
Ich schüttelte den Kopf, versuchte, die Szene als Illusion abzutun, doch ein leises, nagendes Gefühl blieb.
Auf dem Friedhof lud ich meinen Wagen aus. Die Kränze, die ich liebevoll gebunden hatte, schienen in diesem Moment seltsam schwer in meinen Armen zu liegen. Mit geübten Handgriffen machte ich die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Beerdigung, legte die Blumengestecke bereit und überprüfte die Anordnung der Stühle. Meine Gedanken kreisen jedoch unablässig um diese Begegnung. War es wirklich Emilio gewesen? Oder sah ich ihn nur, weil ich es mir so sehr wünschte?
Ich rückte den letzten Kranz zurecht, als ich Schritte hinter mir hörte. Frau Wagner, die Bestatterin, kam langsamen Schrittes auf mich zu. Ihr dunkler Mantel hob sich scharf gegen die frischen Farben der Kränze und Blumenarrangements ab, doch ihr Blick war warm.
"Wieder einmal ganz wunderbare Arbeit, Imani", sagte sie und hielt inne, um ein Gesteck aus weißen Lilien und tiefblauem Rittersporn zu betrachten."Wie Sie es schaffen, dass die Farben zwar feierlich, aber nie traurig wirken ... das ist eine echte Gabe."
Ich spürte ein kurzes, stolzes Lächeln auf meinen Lippen."Ich versuche immer, an die Menschen zu denken, für die sie bestimmt sind, nicht nur an den Anlass."
Frau Wagner nickte anerkennend."Das sieht man. Die Hinterbliebenen finden in dieser Schönheit oft mehr Trost als in vielen Worten. Diese Kränze bringen ein Stück Licht hierher."
"Herr Schluckauf hat den Wind geliebt", antwortete ich schlicht und strich über eine zarte Blüte."Ein massives Gesteck hätte sich für ihn wie ein Gefängnis angefühlt."
Mit einem tiefen Seufzer, der mehr Erschöpfung als Erleichterung verriet, stieg ich zurück in den Lieferwagen und fuhr zurück in die Gärtnerei. Dort würde ich Ablenkung finden, so hoffte ich.
Als ich den Lieferwagen in der Gärtnerei parkte, wartete meine Kollegin und wohl beste Freundin Hanna bereits vor der Tür. Hanna war das lebhafte Gegenstück zu meiner oft nachdenklicher Natur, mit einem Blick, der selbst kleinste Nuancen in meiner Stimmung erkannte. Kaum hatte ich den Fuß auf den Boden gesetzt, da sprach Hanna mich auch schon direkt an.
"Imani? Was ist los mit dir? Du bist ja blass wie eine Lilie und wirkst völlig abwesend. Nimmt dich der Tod von Herrn Schluckauf so mit?"
Nachdenklich rieb ich mir über die Schläfen. Die Worte meiner Kollegin rüttelten mich wach und verstärkten nur die Gewissheit, die sich in mir festgebissen hatte.
"Was? Nein! Ich hatte nur gerade … eine seltsame Beobachtung gemacht."
Ich konnte es mir nicht eingebildet haben. Dieser Mann auf der Straße – es war Emilio. Mein Körper hatte ihn sofort erkannt, noch bevor mein Verstand die Information verarbeiten konnte. Ich nickte langsam, meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
"Du wirst es nicht glauben, Hanna. Ich ... glaube, ich habe gerade Emilio gesehen."
Meine Augen suchten Hannas, flehten um Bestätigung.
"Auf dem Weg zum Friedhof. Er ist einfach über die Straße gegangen."
Ich beschrieb die Szene hastig und die Worte stolperten willenlos übereinander.
"Er hat mich nicht gesehen, aber ich könnte schwören, dass er es war," fügte ich hinzu, und die Enttäuschung darüber klang leise mit. Doch wichtiger war die fast schmerzhafte Gewissheit, die sich in mir ausbreitete.
War die Liebe meines Lebens wirklich wieder zu Hause? Hier in Raven und somit wieder zurück bei mir? Die Frage hing unausgesprochen im Raum, schwer wie die Erde unter meinen Fingern und gleichzeitig so leicht wie die aufkeimenden Blüten des Frühlings.
Hanna schlug sich eine Hand vor den Mund.
"Emilio? Hier in Raven? Aber ... das kann nicht sein. Du hast dich sicher geirrt."
Ihr Blick war eine Mischung aus Unglauben und Besorgnis.
"Es war Emilio."
"Bist du dir sicher, Imani? Es ist lange her und … Raven ist nicht Afrika."
"Das weiß ich selbst, Hanna. Aber … ich habe ihn gesehen. Ich bin mir hundertprozentig sicher."
"Vielleicht bildest du dir das aber auch ein. Der kommt sicher nicht mehr nach Raven", sagte Hanna und verließ den Laden, um sich den Pflanzen im Gewächshaus zu widmen.
Ich war hin- und hergerissen. Mein Verstand sträubte sich, doch mein Herz pochte im gleichen Rhythmus wie bei meiner ersten Begegnung mit ihm. Ich konnte den restlichen Tag an nichts anderes mehr denken als an Emilio. Selbst als ich dabei war, einen prachtvollen Strauß zu binden, den eine Kundin bestellt hatte – eine bunte Mischung aus Freesien, Ranunkeln und zartrosa Rosen – waren meine Gedanken weit entfernt, in einer Vergangenheit, die plötzlich wieder Gegenwart zu werden drohte.
Ich habe ihn gesehen.
Ich habe mich sicher nicht getäuscht.
"Hanna … ich habe es mir nicht eingebildet. Das war hundert pro Emilio", sagte ich zu ihr, während ich ihr folgte.
"Hör auf damit, Imani", platzte es aus Hanna heraus, noch bevor ich die Blumenarrangements erreicht hatte.
Erschrocken sah ich auf. So kannte ich meine Freundin ja gar nicht. Wieso war sie denn plötzlich so forsch?
"Hanna, ich weiß, was ich gesehen habe. Er ging oben am Friedhof einfach über die Straße …"
"Nein!", unterbrach Hanna mich scharf. Sie trat so nah an mich heran, dass ich das Aroma der frischen Tannen und Lilien fast verdrängte."Es kann nicht sein. Es darf nicht sein. Emilio ist weit weg, Imani. Er hat diesen Ort hinter sich gelassen, die Brücken abgebrochen, und er wird niemals wieder einen Fuß nach Raven setzen. Das haben wir …"
Hanna schüttelte fast heftig den Kopf, als wollte sie das Bild, das ich heraufbeschworen hatte, einfach aus der Luft wischen."Du hast Geister gesehen. Oder jemanden, der ihm ähnlich sieht. Aber Emilio kommt nicht zurück. Nicht nach allem, was vorgefallen ist."
Ich spürte, wie mir die Haare im Nacken aufstiegen. Die Sicherheit in Hannas Stimme klang weniger nach Wissen, sondern nach nackter Angst."Er trug diesen Blick, Hanna. Den Blick, den nur er hat. Er hat mich nicht einmal angesehen, aber dieser Blick und sein Gang ..."
Hanna packte mich fest am Arm."Glaub mir", flüsterte sie, und ihre Stimme zitterte jetzt."Wenn er wirklich hier ist, dann bedeutet das nichts Gutes. Aber er ist es nicht. Er kommt nie wieder zurück nach Raven. Du hast dich geirrt", sagte Hanna, legte die Schere beiseite und zog ihre Schürze aus."Ich geh´ schnell zum Bäcker und hole uns was Süßes. Und du denkst jetzt bitte an was anderes. Kannst du bitte den Strauß für Frau Grüner machen? Irgendwie sind deine Sträuße immer schöner als meine."
Doch ich konnte an nichts anderes denken. Ich war doch nicht bescheuert.
Das leise Läuten an der Tür ließ mich aufhorchen.
"Ich komme gleich!", rief ich nach vorn. Meine Stimme klang belegter, als mir lieb war. Rasch legte ich den halb fertigen Strauß beiseite, wischte mir die Hände an der Gärtnerhose ab und ging nach vorn in den Verkaufsraum. Und plötzlich klopfte mein Herz einen Takt schneller, als ich die Schwelle übertrat.
Dort, im milden Nachmittagslicht, stand er - Emilio. Nicht mehr nur eine flüchtige Gestalt auf der Straße, kein Hirngespinst. Er war wirklich hier. Seine Augen, die ich so gut kannte, blickten mich an – und in diesem Moment schien die Welt um uns herum stillzustehen.
Die Schere, die ich noch immer in meiner Hand hielt, rutschte aus der Hand und fiel klirrend zu Boden. Das war keine Einbildung. Vor mir stand Emilio. Nicht der junge, schlaksige Kerl, den ich vor so vielen Jahren mit einem schweren Herzen gehen lassen musste, sondern der Mann Emilio. Seine Haut war sonnengebräunt und von feinen Linien um die Augen durchzogen, die von unzähligen Stunden unter der Sonne zeugen mussten. Sein dunkles Haar war länger als früher, leicht zerzaust, und ein Bart umrahmte sein markantes Gesicht. Er trug robuste, verwaschene Kleidung, die nicht nach Raven passte, und in seinen Augen lag eine Tiefe, die ich nicht kannte.
"Emilio?"
Ein Moment der völligen Stille breitete sich zwischen uns aus, nur unterbrochen vom leisen Summen der Klimaanlage. Ich spürte, wie mein Herz einen Satz machte, schneller schlug, als hätte es jahrelang auf diesen Moment gewartet. Mir fehlten die Worte, nicht einmal atmen traute ich mich aus Angst, dieser Moment könnte wirklich nur ein Traum sein. All die unausgesprochenen Worte, die Erinnerungen, die Fragen – sie ballten sich in meiner Kehle zu einem undurchdringlichen Knoten.
Emilio war derjenige, der die Stille schließlich brach. Seine Stimme war tiefer geworden, rauer, aber die Melodie war noch dieselbe, die sie so lange vermisst hatte.
"Hallo Imani", sagte er, und das eine Wort war wie ein Echo aus einer vergangenen Zeit. Er machte einen Schritt auf mich zu, zögerte aber, als würde er befürchten, dass ich jeden Moment verschwinden könnte. Ein schwaches, unsicheres Lächeln spielte um seine Lippen.
"Du bist es wirklich. Ich habe mich nicht getäuscht … du bist … wieder da."
"Ja. Ich bin wieder da."
Nach all den Jahren? Ich habe aufgehört, auf eine Rückkehr zu hoffen. Mein Leben in Raven hatte sich gefestigt, hatte meinen eigenen Rhythmus gefunden, abseits der Schatten der Vergangenheit. Und jetzt stand er einfach da, als wäre die Zeit stehen geblieben, als hätte er nur eine kurze Reise gemacht. Ich schüttelte leicht den Kopf, als wollte ich mich vergewissern, dass ich nicht träumte.
"Emilio?", flüsterte ich erneut und meine eigene Stimme klang fremd in meinen Ohren. Der Schock wich langsam einer Flut von Emotionen – Überraschung, Ungläubigkeit, aber auch eine leise, beunruhigende Freude. Die Luft zwischen uns knisterte förmlich, erfüllt von all dem Ungesagten, all den Geheimnissen, die die Jahre in sich trugen.
Was hat ihn zurückgebracht?
Und warum jetzt, so plötzlich, nach all dieser Zeit?
Ich spürte, wie mir der Atem stockte. Die Jahre der Ungewissheit, der Abschied ohne wirkliche Erklärung, all das schwappte über mich herein. Oft hatte ich mir vorgestellt, wie dieser Moment sein würde – ob ich ihn ignorieren, ihn anschreien oder einfach nur weinen würde. Doch jetzt, wo er wirklich vor mir stand, war da nur eine überwältigende Leere, die von einem Sturm aus unausgesprochenen Fragen durchzogen wurde.
"Ich kann es nicht glauben."
"Du kannst es glauben. Ich bin es wirklich."
"Warum?", presste ich hervor, dass meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern ist. Es war keine Anklage, eher eine schmerzliche Feststellung. Die Frage hing in der Luft, schwer und unausweichlich, zwischen den blühenden Geranien und dem Duft von feuchter Erde. Emilio zuckte zusammen, als hätte ich ihn körperlich berührt. Der anfängliche Funke der Unsicherheit in seinen Augen wich einer tiefen Melancholie. Er wich meinem Blick jedoch nicht aus, und ich sah, wie sich die alte Narbe auf seiner Stirn, die ich fast vergessen hatte, deutlicher abzeichnete.
"Was warum?"fragte er und sprach weiter ohne mich aus den Augen zu lassen.
"Warum bist du zurückgekommen? Warum bist du überhaupt gegangen? Sorry, aber ich bin verwirrt."
"Schon ok."
Emilio schob die Hände in die Taschen seiner Hose, ein vertrautes Zeichen seiner Nervosität, das ich sofort wiedererkannte. Er holte tief Luft, als würde er sich auf einen Sprung ins kalte Wasser vorbereiten.
"Es tut mir leid, das ich gegangen bin, aber es war kompliziert, Imani", begann er, seine Stimme rau. "Ich ... konnte hier nicht bleiben."
Seine Augen huschten über die liebevoll arrangierten Pflanzen, die vertrauten Wege der Gärtnerei, als würde er versuchen, sich selbst zu verorten.
"Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht, als ich ging", fuhr er fort, seine Stimme wurde fester, als er nach den richtigen Worten suchte. "Mir tat es unheimlich weh, dich allein hierzulassen, aber ich hatte Probleme, die ich nicht lösen konnte, ohne ... alles zu zerstören, was mir lieb war."Er sah mich direkt an, und ich erkannte in seinen Augen eine Mischung aus Reue und einer tief sitzenden Müdigkeit.
"Du hättest mit mir reden können. Wir waren ein Team. Das dachte ich zumindest all die Jahre."
"Es ging nicht anders. Das hätte alles zerstört. Mehr als es ohnehin schon hat."
"Und wo genau warst du all die Jahre? Du sagtest damals nur, dass du gehst. Bis ich von einem deiner alten Freunde mitbekam, das du in Afrika seist."
Ein Schatten huschte über sein Gesicht.
"Ja. Ich war in vielen Ecken Afrikas. Habe geholfen, wo ich konnte. Mit Landwirtschaftsprojekten, Brunnenbau ... einfach irgendwie nützlich sein und nicht mehr an das denken, was ich hier zurückgelassen habe."Er machte eine Pause und schluckte schwer. "Aber Raven ... und du ... ihr seid immer in meinen Gedanken gewesen. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht daran gedacht habe, wie es hier wohl ist und ob du mir je verzeihen wirst, wenn du erfährst, was ich getan habe."
"Was? Ich versteh´ nicht … Und jetzt?", fragte ich leise und meine anfängliche Starre begann sich langsam zu lösen. Die Wut und Unsicherheit, die ich jahrelang in mir getragen hatte, schien einem verwirrenden Gefühl der Neugier und einer eigenartigen Erleichterung zu weichen. Er war zurück.
