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Rom, Mitte des 16. Jahrhunderts: Violante, Herzogin von Paliano, wird von ihrem Bruder erdrosselt, während der Herzog ihren vermeintlichen Liebhaber ersticht. Die Mörder werden verurteilt, hingerichtet und rehabilitiert. Die Akteure versuchen, alle Gerichtsakten des Falles verschwinden zu lassen – was ihnen bis auf ein Exemplar, später durch Stendhal überliefert, auch glückt. Von dieser Übertragung ausgehend arrangiert Judith Nika Pfeifer die Ereignisse, rückt die vermeintlich passive Protagonistin in den Vordergrund und erzählt – durch unzählige heutige Stimmen – ihr Schicksal neu. Durch raffiniertes Komponieren und Montieren verschiedener Ebenen, Quellen und Stilrichtungen entsteht eine höchst spannende Erzählung über sogenannte Ehrenmorde und die Verflechtungen von Geld, Macht und Liebe – als elementare menschliche Triebfedern.
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Seitenzahl: 143
Veröffentlichungsjahr: 2018
Produziert mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wienund des Landes Oberösterreich.
Mit freundlicher Unterstützung der Casa Litterarum Paliano der Österreichischen Gesellschaft für Literatur und des Bundeskanzleramts Österreich für die Gewährung eines Reisestipendiums sowie des Landes Oberösterreich für die Gewährung eines Arbeitsstipendiums. Danke für die Unterstützung des Literaturreferates der Kulturabteilung der Stadt Wien.
Diesem Text liegen zum Teil Gespräche mit Wissenschaftler/inne/n und befreundeten Künstler/inne/n zugrunde. Ich bedanke mich bei allen Gesprächspartner/inne/n, die mir ihre Zeit und Erfahrung zur Verfügung gestellt haben.
Pfeifer, Judith Nika: Violante / Judith Nika Pfeifer Wien: Czernin Verlag 2017 ISBN: 978-3-7076-0602-7
© 2017 Czernin Verlags GmbH, Wien Lektorat: Florian Huber Umschlaggestaltung: sensomatic Coverbild: Ausschnitt aus Sandro Botticelli, Porträt der Simonetta Vespucci, © bpk/Gemäldegalerie, SMB/Jörg P. AndersZeichnung aus: Töchter der Venus von Monica Kurzel-Runtscheiner Satz: Burghard List Produktion: www.nakadake.at ISBN E-Book: 978-3-7076-0602-7 ISBN Print: 978-3-7076-0601-0
Alle Rechte vorbehalten, auch das der auszugsweisen Wiedergabe in Print- oder elektronischen Medien
Violante
Ich sage nicht, dass sie nicht tot ist, ich sage nicht, dass es nicht schrecklich ist, dass sie ermordet wurde. Ich sage nur, dass es nichts helfen würde, da was anzuleiern. Einen toten, rehabilitierten Mörder ent-rehabilitieren. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist. Eher äußerst unwahrscheinlich. Und wer weiß, was damals alles dahintersteckte. Der Kontext, wissen Sie, das ewige Raumzeitproblem. Es gibt da eine Kollegin, sie ist Expertin für italienisches Strafrecht, ich schreibe Ihnen ihre Nummer auf. Wenn Sie sie treffen, sagen Sie ihr schöne Grüße, dann haben Sie nur noch das Problem mit der Gegenwart. Der Kontext, sehen Sie, der Rechtsspruch hätte absolut gültig sein können, nach dem damaligen vorherrschenden Recht. Sie brauchen einen Kirchenrechtler, der sich mit dem Recht des sechzehnten Jahrhunderts in Rom auskennt, und selbst dann wissen Sie nicht, ob Mord damals nicht verjährte oder in bestimmten Fällen gar kein Mord war.
Alles beginnt im Nachhinein. In Neapel oder Capriglia zum Beispiel, wo ich am 28. Juni 1476 geboren werde. Es zieht mich früh nach Rom, wo mein Cousin und Mentor Oliviero Carafa, Kardinal und Erzbischof von Neapel, lebt. Ich werde jung Priester. Alexander VI. macht mich zu seinem Kämmerer, man könnte auch Ordonanzoffizier sagen oder Assistent. Papst Julius II. ernennt mich zum Erzbischof von Chieli. Paul III. macht mich zum Kardinal, und schließlich werde ich am 23. Mai 1555 von den zum Konklave eingeschlossenen Kardinälen als Paul IV. zum Papst gewählt. Ich bin achtundsiebzig Jahre alt. Meine positiven Eigenschaften: fürsorglich, intuitiv, sparsam, familienorientiert, feinfühlig, treu. Manche sagen, ich sei überempfindlich, besitzergreifend, reizbar und nachtragend. Vielleicht bin ich etwas passiv.
Cancer Horoscope for week of December 8, 2016: The poet Dick Allen described Zen Buddhism as being »so filled with paradoxes that it jumps through hoops that aren’t even there.« I’m tempted to apply this description to the way you’ve been living your life recently. While I can see how it may have entertained you to engage in such glamorous intrigue, I’m hoping you will stop. There is no longer anything to be gained by the complicated hocus-pocus. Hoc est corpus meum. Jesus. But it’s fine for you to jump through actual hoops if doing so yields concrete benefits.
(Rob Brezny)
Haccus, Maccus, Baccus, hier als Glücksformel. Ogos Bogos, Hogges. Pogges, Oxpox. Hax pax max. Deus adimax. Sag mal, die anderen reden ohne Unterlass. Wir diskutieren einen Mordfall. Eine Tragödie. Wir ist ein neuronales Weltwirnetz. Du ist eine Reihe von Ichs. Ich ist ein Medium. Zum Mitschreiben. Ich Gianpietro. Ich Violante. Ich Giovanni. Ich Marcello. Carlo. Diana. Domiziano. Papst. Ich Marie-Henri. #me. Ich bin nicht da. I am tired, I am weary. I could sleep for a thousand years. Ich, ein Herzog. Ich, seine geliebte Frau. A thousand dreams that would awake me. Ein Herzog soll seine geliebte Frau töten. Ein Herzog soll seine geliebte Frau töten lassen. A duke has his beloved wife murdered.
Sie erwarten ihr zweites Kind. Er liebt sie. Sie sagt, da war nichts zwischen ihr und dem anderen, dem vermeintlichen Liebhaber. Sie schwört bei G*tt. Sie beichtet und beichtet, da war nichts. Please, do not believe the information that others post. They don’t even check if the information they publish is real. No offense, everything’s fake. No member of the family is dating someone. They’re all single or happily married, capisce? All information about Violante dating someone is not true. She can’t date anyone, in fact, she’s too busy. Do not believe it, okay? The credits they give are ridiculous. They make up their own news. Just like the Violante & Marcello story. They both like to stroll around in the woods, what’s the problem? He was in her room? So what? Coincidence! Plus, there was a third person in the room!!! Violante buying him confiture? Not enough proof. Please, DO NOT BELIEVE NEWS REGARDING VIOLANTE OR ANYONE IN A RELATIONSHIP WITH HER. She’s been through a lot, and is totally annoyed with and tired of ridiculous news of some silly piss-pot pages.
Das Wunder heißt Vertrauen. (Auftrag: Lisa Blasch)
Fake news is the new news. Black is the new black. Und die Wirklichkeit die Summe der Möglichkeiten, nicht der Fakten. Ich zitiere Konrad Bayer, der André Breton zitiert. Also in umgekehrter Reihenfolge: zuerst die Fakten, dann die Möglichkeiten.
1555
Der Papstwahl vom 23. Mai gehen tagelange, heftige Auseinandersetzungen zwischen den zum Konklave eingeschlossenen Kardinälen voraus. Gianpietro Carafa wird von nicht wenigen als ein unangenehmer, rauer Typ beschrieben. Und sogar diejenigen, die ihn zum Papst wählen, haben Angst vor seiner Härte und seiner unerbittlichen Frömmigkeit. Die unerwartete Wahl hat umwälzende Folgen in Neapel und Palermo. Innerhalb weniger Tage treffen zahlreiche Mitglieder der illustren neapolitanischen Adelsfamilie Carafa in Rom ein.
Good news für die Carafas: Die drei Neffen des Papstes, die Söhne seines verstorbenen Bruders, des Grafen von Montorio – Tick, Trick und Track –, Giovanni, Carlo und Antonio werden besonders begünstigt. Auf dass sie die Herrschaft religiös-sittlicher Ideen immer mehr zur Wirkung bringen. Auf dass hinter Ideologie militärische Stärke wache. Bad news für Rom und die Welt. Im Papstherz der G*tt des Nepotismus schlägt sich gut. Und Tick, Trick und Track zeigen rasch ihr Gesicht, OMG!, sehen nun eher aus wie die Panzerknacker Ede, Max und Otto – Chapeau, Erika Fuchs!
Die drei Brüder beginnen gleich zu Beginn all jene, die sich ihnen in den Weg stellen, zu enteignen. Machen, was sie wollen, nehmen sich, was sie wollen, Geld, Besitz, Ländereien, Mädchen und Frauen ohne Rücksicht auf Stand, Adel und Herkunft. Pech, wer ihnen ins Auge fällt. Mehr noch, sie lassen sich nicht einmal durch die heilige Abgeschlossenheit der Klöster aufhalten!
In erster Linie ist Macht eine enthemmende Kraft.
La gente, das Volk – entsetzt, verzweifelt, ohnmächtig – weiß nicht, wohin sich wenden. An G*tt? An den Papst? Und wie, bitte schön? Der wird von den drei Brüdern kontrolliert und abgeschirmt.
Beim Verhandeln zeigt sich Paul IV. sehr schwierig, je mehr man ihn um etwas bittet, desto weniger tut er es. Drängt man nicht, so gibt er schnell und leicht nach. Er duldet keinen Widerspruch und wird sehr leicht heftig. Wer etwas erreichen will, darf ihn nicht unterbrechen.
(Ludwig von Pastor)
Es ist ihm gegenüber, sagt Navagero, ebenso große Geduld wie Gewandtheit nötig: Wenn man es versteht, ihn zu besänftigen, schlägt er einem nicht leicht etwas ab. Am meisten erreicht der, welcher sich ganz seiner Art anbequemte, weshalb der kluge Vertreter Venedigs niemals mit einer bestimmten Absicht zur Audienz ging, sondern sich jedesmal nach den Umständen richtete.
(Ludwig von Pastor)
Der Herzog Alba wird eben darauf aufmerksam gemacht, dass Paul IV. sich nie von Furcht lenken lassen werde, er sei ein Mann, der eher die Zerstörung der Stadt Rom dulden und selbst den Tod erleiden würde, als dass er etwas täte, was sich mit seiner päpstlichen Würde nicht vertrüge. Bericht Navageros vom 4. Juni 1557.
(Ludwig von Pastor)
Die Brüder in Spitzenpositionen leiten bald eine kuriose Mischung aus Industrie-Holding, Mafia-Clan und einem amerikanischen (süd-us-amerikanisch-egal) Milliardärsregime. Nicht nur das eigene Volk, auch die Botschafter anderer Länder werden respektlos behandelt. #schreckensherrschaft
Für den Abendsalon im Palazzo hat sich Herzogin Violante in Schale geworfen. In ihrer goldfarbenen Robe bezaubert sie sicherlich nicht nur ihren Ehemann Giovanni, Herzog von Paliano. Die rothaarige Diana Brancaccio, ihre Vertraute und eine nahe Verwandte, trägt ein Lied vor.
Die menschliche Stimme kann irrsinnig verführerisch sein.
Was für eine Haarfarbe, prachtvoll.
Und so äußerst selten zu sehen.
Colour Codes slash Coats.
Red-haired women are often sexualised (as sexually disposable). Lighter-skinned women are often considered more desirable and fit better into the western mainstream ideology of beauty.
Yeah sure.
Is it so?
Es wird geklatscht. Es wird geplaudert. Alle kennen einander, zumindest vom Sehen.
Während der Herzog noch an seinem brokatenen Überrock fummelt, sitzt bei Herzogin Violante alles. Dem Anlass entsprechend erscheint Violante ganz in Gold und Ocker. Ihre Schultern schmückt ein Tuch, das uns sehr bekannt vorkommt.
Ich war unlängst in Venezia. Trug nicht Lavinia, Tiziano Vecellios Tochter, ein ähnliches Kleid? Lavinia (Tizian), circa 1545. Portrait von Tizians Tochter Lavinia. Neapel, Museo Nazionale di Capodimonte. (Portrait of Linda in three colours, all black. Sonny Sharrock)
Wie bitte.
Wir wollen wissen: Wem steht es besser?
Well, she is other-wordly.
Violante wird von allen für ihre ungewöhnliche Schönheit und ihre besondere Anmut bewundert.
Die sie vor allem zur Schau stellt, wenn sie gefallen will.
Impossibly beautiful.
Chez nous on dirait photogénie.
È ancora libero questo posto?
Ma certo, prego.
Weißt du, was sie angeblich gesagt hat?
Wem?
Isabella.
Isabella?
Ja, Isabella.
Na, sag schon.
Psst.
Ssst, piano! Sie sagt etwas.
La luna non è che il complemento della terra, il suo rovescio speculare, il luogo dove s’aduna tutto ciò che sulla terra si perde.
Ludovico Ariosto
Was für eine Stimme!
Goddess-like.
Mit welch unendlicher Lieblichkeit sie den Orlando des bewunderungswürdigen Ariosto vorträgt!
In- und auswendig.
Und erst die Sonette des genialen Petrarca, und neulich zwei Erzählungen aus dem Pecorone.
Uuh, sie hat sich versprochen.
Ein Lispler.
Bezaubernd, nicht? Der Mond ist nichts weiter als die Ergänzung der Erde, ihr Rückspiegel, der Ort, an dem sich alles sammelt, was auf Erden verloren ...
»Violante, sie ist wunderbar, ich verehre und respektiere sie. Sie ist die Mutter meines Kindes, und ich würde nie etwas tun, das sie traurig machen könnte.« (der Herzog)
Er ist ein Genießer.
You have to live with that uncertainty, you have to embrace it instead of trying to eliminate the uncertainty.
Totally.
Embrace your jealousy.
Are we exclusive?
SIE SIND DAS SCHÖNSTE TRAUMPAAR ROMS! DIE HERZOGIN VIOLANTE UND GIOVANNI CARAFA SIND GUTER HOFFNUNG UND DAS GLÜCK DARÜBER IST IHNEN IN JEDER SEKUNDE ANZUSEHEN.
Glamour herrscht hier auch im Alltag: Wenn man die sechs Meter hohe Eingangshalle betritt, werden die Hauptelemente schnell ersichtlich: fließende Formen, gewölbte Wände, verkleidete Treppen und Balkenkonstruktionen, die natürliches Licht zulassen. Durch ein großes Glasdach flutet Tageslicht in die drei Galerien. Was für ein Prunk.
Oh, Gucci?
Bitte?
Mit ihrem hellblauen Mohair-Mantel bringt Herzogin Violante Leichtigkeit in kühle Tage. An ihrem linken Daumen trägt sie ein kleines weißes Band, ein eher ungewöhnliches Accessoire für eine Herzogin. Um eine schlimme Verletzung kann es sich dabei allerdings nicht handeln, schließlich strahlt Violante über beide Ohren.
Violante? Ist sie nicht hinreißend?
Sie ist wunderbar versponnen, am großartigsten ist sie, wenn sie ihr Publikum mit ihren bezaubernd sonderbaren Einfällen unterhält.
Eine Dame von Ehre, die Freude an sich selbst hat.
Kann auch maßlos stolz sein. Doch ist sie stets diskret, nie bitchig.
Spanische Familie, neapolitanischer Hochadel.
Royal Baby Alert! Paliano’s Giovanni Carafa and Violante di Cardona Expecting Second Child. A royal baby is on the way! GIOLANTE sind guter Hoffnung. While the Duke’s palace isn’t commenting on the happy news, a pregnant-looking Violante was spotted recently in Rome alongside her husband Giovanni. Violante is reportedly due in late 1559.
Unendlich glücklich?
Ich sage nicht, dass er sie vernachlässigt, aber sie könnte sich vernachlässigt fühlen.
Sie erweckt nicht selten Leidenschaften, doch teilt sie keine.
Ach, das wissen doch alle, dass ihr Mann im Palazzo Besuch von den schönsten und berühmtesten römischen Damen bekommt.
Womit sie sich nicht abfinden mag.
Der Gerechtigkeit halber muss gesagt sein, dass – was sich in den Stunden und Minuten vor ihrem Tod zeigt – man kaum eine größere, stärkere Seele finden könnte als ihre. Und wie süß ihr Sohn doch ist, der kleine Herzog von Cavi. Kennen Sie ihn?
Bitte?
Nicht umdrehen.
Marcello Capecce.
Wo?
Ein entfernter Cousin der Herzogin.
Der schönste Mann Roms.
Günstling des Herzogs.
Ach was, der schönste Mann der Welt.
Sein Neffe.
Pssst, da kommt er.Alle setzen ihre Weltdamengesichter auf.
Er scheint mir etwas unruhig zu sein.
In letzter Zeit sieht man ihn die seltsamsten Dinge tun.
Vielleicht ist er nur zerstreut.
Manchmal sieht es danach aus.
Man könnte meinen, er habe etwas vor und wüsste nicht, was. Wenn er zum Beispiel einen Raum betritt, nach einigen Schritten kehrtmacht, um wieder zu gehen.
Vielleicht ist er auch nur auf der Suche.
La maladie d’amour.
Die Bestimmung von Liebeskrankheiten. De la maladie d’amour ou mélancolie érotique von Jacques Ferrand von 1610, sehr empfehlenswert und vor nicht allzu langer Zeit neu aufgelegt.
Man nimmt ihn nicht für ganz voll. Dabei ist er bloß verliebt. In die Frau eines anderen, die er sich aus dem Kopf schlagen muss. Er sieht, wie unglücklich sie ist. Sieht, wie ihr Mann, der Herzog, sie vernachlässigt. Er weiß, dass sie weiß, dass der Herzog in seinem Palast Besuch von den schönsten, berühmtesten Damen bekommt. Zwischen ahnen und wissen: Recht haben.
Wer Recht haben will, kann nicht genießen. Wer genießen kann, muss nicht Recht haben.
(Fritz Ostermayer)
Liebe hat immer recht. #love #liebloseehe #loveyou #lovesucks TEDx Talk. Liebe genießt und schweigt. Violante, was in einem Namen steckt. Like sie nicht, lieb sie. Marcello genießt, schweigt und leidet. Love will find a way. Er wird, er kann ihr NIEMALS seine Liebe gestehen.
Page: Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll.Mephistopheles: Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Violante? Meine Großmutter hieß Yolanda, auf Ellis Island wurde sie als Violante registriert. Ich weiß noch, als Kind, wenn ich bei ihr war, dann waren alle ständig so: »Oh, how unusual, but truly beautiful.« Auf die Frage, woher denn ihr Name komme, sagte sie meistens, das sei eine Mischung aus dem italienischen Viola und dem Französischen Yolante, mit der Bedeutung von violettfarben oder Veilchen aus dem Altgriechischen oder beidem. War in der Renaissance und bis ins achtzehnte Jahrhundert einigermaßen gängig bei italienischen Adelsfamilien. Namensforscher meinen, der Name könnte aus Frankreich stammen, könnte zu einem Teil auch Deutsch sein. In that case würde der Name auch Kämpferin bedeuten. Violare, verletzen.
Was in einem Namen steckt.
Ein Mensch.
Ein Veilchen.
»Violante, sie ist wunderbar. Ich verehre und respektiere sie. Sie ist die Mutter meines Kindes, und ich würde nie etwas tun, was sie verletzen könnte.« (der Herzog)
Violante of Aragona (1236–1301), Königin von Castilla y León: »Hola, que sorpresa verte otra vez!« Violante von Aragona und Sizilien (1273–1302), Prinzessin von Aragona: »Sì, totalmente! Que tal?« Violante Beatrice von Bayern (1673–1731), Ehefrau von Ferdinando de’ Medici: »Così, così. Und selbst?« Violante Bentivoglio (1505–550), Marquise und Ehefrau von Caravaggio und Comtesse, Edelfrau von Galliate: »Piacere!« Violante Bentivoglio di Rimini und Ehefrau Pandolfos IV. Malatesta: »Ho mal di testa e mi fa anche un po’ male la gola.« Violante di Monferrato, aus der Familie Aleramici (1274–1317), Prinzessin di Monferrato und Frau von Andronico II. di Bisanzio: »Sei anche un po’ pallida …« Violante Paleologa (1318–1342), Contessa di Savoia, Aosta e Moriana: »Piacere, ha anche la febbre?« Violante di Svevia (1233–1264), Prinzessin von Sizilien: »Non lo so. Penso di no. Noi usciamo quasi ogni sera, anche a Palermo. Volete andare al cinema?« Violante Placido (1976– ), italienische Schauspielerin und Sängerin, Tochter von Simonetta Stefanelli und Michele Placido: »When I was really young, I got moonstruck by ›Moonstruck‹.« Violante di Montefeltro (1430–493), Frau von Domenico Malatesta Novello und Edle von Cesena: »E lei, come si chiama?«
20:05: Radar Detector | Darwin Deez20:09: I’ll Kill Her | Soko20:13: Smile | Gianna20:16: One Hand Clap | Mule & Man20:23: Spiracle | Soap & Skin20:25: I’m Crying (Mother’s Tears) | Bernhard Eder
Apropos Mother’s Tears, die Außenperspektive: Unter den Kaplänen des Papstes gibt es einen Mönch, der mit dem Papst das Brevier betet. Die drei Papst-Neffen gehen eindeutig zu weit, sind gut im Enteignen, Bestimmen, Einschüchtern, Wüten, Betrügen. Eines Tages fasst eben dieser Mönch seinen ganzen Mut zusammen und berichtet dem Papst unter Lebensgefahr – wahrscheinlich auf Bitte und Veranlassung des spanischen Gesandten – von den Verbrechen und Schurkereien der drei Neffen.Der fromme Papst glaubt ihm kein Wort, will nichts von all dem wissen und schickt den Mönch kurzerhand weg.
Doch seine Sorge, sein Misstrauen, sein Argwohn sind geweckt. Der selektive Blick.
Das Verhängnis will, dass Marcello, der schönste Mann Roms, ach was, der Welt, der hier – Schwenk auf Marcello Capecce – mit schnellen Schritten durch das nächtliche Rom stapft, mit Martuccia, einer der berühmtesten cortigiane Roms, einer absoluten Schönheit, verabredet ist. Es gibt was zu feiern. Nichts Ernstes, rein körperlich.
Und an eben diesem Abend ist sie nicht da, wo sie einander treffen wollten.
