Selbstlernen
leicht gemacht
visuelles wissen
PHYSIK
DER ANSCHAULICHE EINSTIEG
IN ALLE THEMENBEREICHE
Ben Morgan, Edward Aves, Steven Carton, Alexandra Di Falco,
Lisa Gillespie, Andrew Macintyre,
DK London / Delhi
Lektorat
Liz Wheeler, Jonathan Metcalf, Virien Chopra, Bipasha Roy, Sukriti Kapoor,
Manjari Thakur, Kingshuk Ghoshal
Michelle Staples, Adam Brackenbury, Gus Scott, Owen Peyton Jones, Karen Self,
Vikas Chauhan, Sanjay Chauhan, Sifat Fatima, Bhavnoor Kaur, Geetika Bhandari,
Taiyaba Khatoon, Govind Mittal, Vishal Bhatia, Syed Mohammad Farhan
Gestaltung und Bildredaktion
Leo Ball, Ben Davies, Hilary Lamb, Penny Johnson, Ben Morgan, Robert Snedden,
Giles Sparrow, Steve Woolley, Rutuparna Das, Penny Johnson
Gillian Reid, Meskerem Berhane, Balwant Singh, Pankaj Sharma
Text und Fachberatung
Akiko Kato, Sophia M.T.T.
Herstellung
Umschlaggestaltung
Projektbetreuung Dr. Kerstin Schlieker
Herstellungskoordination Claudia Rode
Herstellung Sophie Schiela
Für die deutsche Ausgabe:
Titel der englischen Originalausgabe:
SuperSimple Physics
© Dorling Kindersley Limited, London, 2021
Ein Unternehmen der Penguin Random House Group
Alle Rechte vorbehalten
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2022
Dorling Kindersley Verlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München
Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten
Deutsche digitale Ausgabe, 2025
Dorling Kindersley Verlag GmbH
Jegliche – auch auszugsweise – Verwertung, Wiedergabe, Vervielfältigung oder
Speicherung, ob elektronisch, mechanisch, durch Fotokopie oder Aufzeichnung,
bedarf der vorherigen schriftlichen Genehmigung durch den Verlag.
Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen, insbesondere
über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (Text und Data Mining)
zu gewinnen, ist untersagt.
Übersetzung Dr. Margret Bodmann
Lektorat Dr. Stephan Matthiesen
eISBN 978-3-8310-8454-8
5902-314297-24295-01
www.dk-verlag.de
Hinweis
Die Informationen und Ratschläge in diesem Buch sind von den Autoren und vom Verlag
sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden.
Eine Haftung der Autoren bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-,
Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
PHYSIK
visuelles wissen
DER ANSCHAULICHE EINSTIEG
IN ALLE THEMENBEREICHE
Inhalt
Energie
Wissenschaftlich arbeiten
10 Die wissenschaftliche Methode
12 Wissensfortschritt
14 Wissenschaft und Gesellschaft
15 Nutzen und Risiken
16 Wissenschaftliche Modelle
17 Sicher arbeiten
18 Versuchsplanung
20 Messungen
21 Signifikante Stellen
22 Daten darstellen
24 Datenmuster
25 Schlussfolgerungen
26 Genauigkeit und Präzision
27 Evaluation
28 Mathematische Modelle
30 SI-Einheiten
32 Energie
33 Energie und Nahrung
34 Energieformen
35 Energieübertragung
36 Erneuerbare Energiequellen
38 Endliche Energie
39 Klimawandel
40 Energienutzung
41 Energieeffizienz
42 Wärmeübertragung
43 Strahlung
44 Strahlung untersuchen
46 Wärmeleitung
47 Dämmstoffe untersuchen
48 Konvektion
50 Energieübertragung vermindern
52 Kinetische und potenzielle Energie
54 Energieerhaltung
55 Energieübertragung durch Kräfte
56 Energie und Leistung
58 Wirkungsgrad berechnen
Sicherheit und Aufsicht durch eine Lehrkraft
• In diesem Buch sind Versuche und praktische Übungen enthalten. Bei der
Durchführung müssen sowohl die Anleitungen auf jeder Seite als auch die
grundsätzlichen Anweisungen des Kapitels „Sicher arbeiten“ auf Seite 17 genau
befolgt werden.
• Einige Versuche, bei denen zusätzlich die Aufsicht durch eine Physiklehrkraft
notwendig ist, sollten nur in der Schule unter Aufsicht durchgeführt werden.
Solche Experimente sind mit diesem Symbol gekennzeichnet.
!
Aufsicht durch Lehrkraft erforderlich
• HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Der Verlag übernimmt keinerlei Haftung für Perso-
nen- und Sachschäden, die aufgrund der Experimente bei Nichtbeachtung der
Anweisungen und/oder bei Durchführung ohne angemessene Aufsicht entstehen.
Bewegung beschreiben
Kraft und Bewegung
61 Geschwindigkeit
62 Geschwindigkeitsformel
63 Geschwindigkeit messen
64 Weg-Zeit-Diagramme
66 Skalare und Vektoren
67 Geschwindigkeitsvektor
68 Beschleunigung
70 Geschwindigkeit-Zeit-Diagramme
Kräfte
73 Kräfte
75 Kräftegleichgewicht
76 Resultierende Kräfte
78 Kräfte zerlegen
79 Masse und Gewicht
80 Federn
82 Federn untersuchen
83 Verformung
84 Drehmomente
86 Schwerpunkt
88 Hebel
90 Zahnräder
91 Weitere einfache Maschinen
92 Kraft und Gegenkraft
93 Felder
94 Gravitationsgesetz
Wellen
113 Wellen
114 Schall
115 Oszilloskope
116 Formeln für Wellen
118 Schall hören
119 Wellengeschwindigkeit untersuchen
120 Schallgeschwindigkeit messen
121 Ultraschall nutzen
122 Sonar
123 Das Erdinnere untersuchen
124 Interferenz
96 Kreisbewegung
97 Zweites Newtonsches Gesetz
98 Beschleunigung untersuchen
100 Impuls
102 Elastische und inelastische Stöße
104 Impuls ändern
105 Anhalteweg
107 Fahrzeugsicherheit
108 Bremsweg und Energie
110 Endgeschwindigkeit
Licht
Elektrische Stromkreise
127 Licht und Sehen
128 Schall und Licht vergleichen
129 Lochkamera
130 Reflexion
131 Brechung
132 Licht untersuchen
134 Totalreflexion
136 Linsen
137 Wellen und Brechung
138 Brechungsindex
140 Sammel- und Zerstreuungslinsen
141 Sehfehler korrigieren
142 Strahlengang der Sammellinse
143 Strahlengang der Lupe
144 Strahlengang der Zerstreuungslinse
145 Licht und Farbe
147 Reflektieren und absorbieren
148 Elektromagnetische Strahlung
150 Radiowellen
151 Schädliche Strahlung
153 Elektrischer Strom
154 Stromkreise
155 Reihen- und Parallelschaltung
156 Elektrischen Strom messen
158 Reihen- und Parallelschaltungsregeln
160 Ladung
161 Widerstand ändern
162 Widerstand in Drähten untersuchen
164 Widerstand in Drähten
165 Widerstände parallel und in Reihe
167 Stromstärke und Spannung berechnen
169 Strom-Spannungs-Kennlinien
171 Elektrische Leistung
172 Energie berechnen
174 Fotowiderstände
175 Thermistoren
176 Sensorschaltungen
Elektrizität verwenden
179 Gleich- und Wechselstrom
180 Verdrahtung
181 Schmelzsicherungen und Schutzschalter
182 Stromschläge vermeiden
183 Elektrogeräte
184 Energieverbrauch im Haushalt
185 Energieverschwendung
186 Energieübertragung
Statische Elektrizität
Materie
188 Anziehen und abstoßen
190 Anziehung durch Influenz
191 Statische Elektrizität verwenden
192 Gefahren statischer Elektrizität
194 Elektrische Felder
Magnetismus und
Elektromagnetismus
196 Magnete
197 Magnetfelder
198 Das Erdmagnetfeld
199 Elektromagnete
201 Elektromagnete nutzen
202 Das Motorprinzip
204 Elektromotoren
205 Elektromagnetische Induktion
206 Generatoren
208 Lautsprecher und Mikrofone
209 Transformatoren
212 Aggregatzustände
213 Zustandsänderungen
214 Teilchen in Bewegung
215 Wärmeausdehnung
216 Dichte
217 Dichte bestimmen
218 Innere Energie
219 Spezifische Wärmekapazität
221 Spezifische Wärmekapazität bestimmen
223 Aufheizkurven
224 Temperatur und Zustandsänderungen
225 Berechnungen mit latenter Wärme
Druck
227 Druck auf eine Fläche
228 Luftdruck
229 Druck in Flüssigkeiten
230 Schwimmen und sinken
231 Barometer und Manometer
232 Druck in Gasen
233 Druck und Volumen
234 Druck und Temperatur
235 Arbeit und Temperatur
Atome und Radioaktivität
Weltraum
237 Atomaufbau
238 Elemente und Isotope
239 Atommodelle
240 Radioaktiver Zerfall
241 Verschiedene Strahlungsarten
242 Kernreaktionsgleichungen
244 Halbwertszeit
245 Hintergrundstrahlung
246 Gefahren radioaktiver Strahlung
247 Radioaktive Isotope verwenden
248 Nuklearmedizin
250 Kernspaltung
252 Kernkraft
253 Kernfusion
255 Aufbau der Erde
256 Jahreszeiten
258 Sonnensystem
260 Der Mond
261 Finsternisse
262 Umlaufbahnen
263 Galaxien
264 Weltraumbeobachtung
265 Rotverschiebung
266 Expandierendes Universum
267 Urknall oder stationärer Zustand?
268 Lebenszyklen von Sternen
270 Sterne klassifizieren
272 Glossar
281 Schaltzeichen
282 Register
288 Dank und Bildnachweis
Wissenschaftlich
arbeiten
10 Wissenschaftlich arbeiten
Die wissenschaftliche Methode
Naturwissenschaftler möchten erklären,
wie und warum etwas geschieht, z. B. wenn
elektrischer Strom durch einen Draht fließt
oder wann Sterne oder Planeten entstehen.
Dazu gehen sie logisch Schritt für Schritt
vor. Die hier beschriebenen Schritte werden
in allen Naturwissenschaften verwendet.
Der nächste Schritt ist, sich
eine mögliche Erklärung zu
überlegen, die überprüft
werden kann. Das
nennt man eine Hypo-
these. Man kann sie
häufig mit den Worten
„abhängig von“
2. Hypothese aufstellen
1. Wissenschaftliche Fragestellung
formulieren
Wissenschaftler sind neugierig und fragen
oft danach, wie etwas funktioniert, z. B.
warum es manchmal länger dauert, bis
Wasser im Kessel siedet. Eine wissen-
schaftliche Frage kann durch das
Sammeln von Daten (Informationen)
beantwortet werden. „Welches Getränk
schmeckt am besten?“ ist keine wissen-
schaftliche Frage.
formulieren. Unsere
Hypothese könnte z. B.
lauten: Die Zeitspanne
bis zum Sieden des Was-
sers im Kessel ist abhängig
von der Wassermenge.
Daten sammeln
Manche wissenschaftlichen Fragestellungen können
nicht durch Experimente überprüft werden. Astrono-
men können nicht mit Planeten und Sternen
experimentieren. Trotzdem können sie
Hypothesen aufstellen und Vorhersa-
gen treffen und diese anschließend
durch Beobachtungen, bei denen
sie Daten sammeln, überprüfen.
3. Vorhersage treffen
Um die Richtigkeit
einer Hypothese zu
prüfen, treffen wir
eine Vorhersage.
Eine Vorhersage
kann man oft mit
„Wenn ... , dann ...
“ formulieren: Wenn
man die Wasser-
menge verdoppelt,
dann braucht das Wasser
doppelt so lange zum Sieden.
4. Daten sammeln
Versuche überprüft. In unserem Fall würden
wir unterschiedliche Wassermengen erhitzen
und die Zeit messen, die sie bis zum Sieden
benötigen. Ein Versuch muss unter kontrol-
lierten Bedingungen ablaufen, d. h. dass nur
Hypothesen werden üblicherweise durch
die Variable verändert wird, die untersucht wird
(hier die Wassermenge). Die Informationen, die bei
einem Versuch gesammelt werden, nennt man Daten.
Wissenschaftlich arbeiten
Auf einen Blick
Male überprüft und niemals
widerlegt worden ist, wird
sie möglicherweise mit der
Zeit als wissenschaftliche
Theorie anerkannt.
Wenn die Hypothese viele
7. Theorie
✓ Eine Hypothese ist eine
überprüfbare wissenschaft-
liche Idee.
✓ Mithilfe der Hypothese wird
der mögliche Ausgang eines
Experiments vorhergesagt.
✓ Stützt ein Versuch eine
Hypothese, kann sie Teil
einer Theorie werden.
?
Hypothese oder Versuch verfeinern
Wenn die Vorhersage falsch
war, kann entweder die Hypo-
these falsch sein oder der
Versuch hat nicht richtig
funktioniert. Fehlgeschla-
gene Experimente sind
keine Zeitverschwendung
– manchmal führen sie zu
neuen Entdeckungen.
✓ Forschungsergebnisse wer-
den durch andere Wissen-
schaftler überprüft.
Viele Wissen-
schaftler
wiederholen
den Versuch.
11
Wissenschaftliche
Die Schlussfolgerung
stützt die Hypothese
nicht.
Theorien
Die Schlussfol-
gerung stützt die
Hypothese.
6. Begutachtung (Peer-Review)
Nach einem erfolgreichen Experi-
ment verfassen Forscher häufig einen
Bericht (eine sogenannte Veröffentli-
chung), sodass andere Wissenschaftler
davon erfahren und die Details über-
prüfen können. Die Veröffentlichung
erscheint dann in einer Fachzeitschrift
und kann von allen Wissenschaftlern
gelesen werden.
Wassermenge
5. Analyse und Schlussfolgerung
Nach dem Sammeln der Daten werden diese
sorgfältig analysiert, um mögliche Fehler zu
finden und nach Mustern zu suchen. Mithilfe
der Analyse wird entschieden, ob der Versuch die
Hypothese stützt. Das bildet die Schlussfolgerung.
Manchmal sagen Leute, wenn
sie etwas nicht glauben: „Es ist
doch nur eine Theorie.“ Doch
in den Naturwissenschaften ist
eine Theorie eine Erklärung, die
schon viele Male überprüft und
allgemein als richtig anerkannt
worden ist. Dass die Erde wie
alle Planeten unseres Sonnen-
systems um die Sonne kreist, ist
eine wissenschaftliche Theo-
rie, die auf vielen sorgfältigen
Beobachtungen und Vorhersa-
gen basiert. Ohne Wissenschaft
würden wir wahrscheinlich
immer noch glauben, dass sich
die Sonne um die Erde dreht.
Sonnensystem
Siedezeit
12 Wissenschaftlich arbeiten
Wissensfortschritt
Wissenschaftliche Methoden und Theorien ändern
sich im Laufe der Zeit. So änderte die Erfindung des
Fernrohrs, wie die Menschen über das Sonnensystem
dachten. Als die Teleskope leistungsfähiger wurden,
setzten sich weitere neue Vorstellungen über
die Sterne und das Weltall durch.
Quadrant
Sonne
Himmelsbeobachtung
Die ersten Menschen, die nachweislich den Nachthimmel
studierten, waren die Mesopotamier (im heutigen Irak) vor
ca. 5000 Jahren. Antike Astronomen benutzten einfache In -
strumente, wie z. B. den Quadranten, um den Winkel zwischen
Sternen oder Planeten und dem Horizont zu messen und Auf-
und Untergangszeit von Sonne und Mond vorherzusagen.
140 n. Chr.
Die Erde im Mittelpunkt
Die Menschen in der Antike
glaubten, dass sich die Sonne
um die Erde drehe und die Erde
der Mittelpunkt des Universums
sei. Dies war die Grundlage des
„geozentrischen Weltbilds“ des
griechischen Astronomen Pto-
lemäus. Geozentrisch bedeutet,
dass die Erde der Mittelpunkt
ist. Damit sein Weltbild zu der
Beobachtung passte, dass
sich die Planeten manchmal
rückwärts am Himmel bewegen,
beschrieb er die Bahn eines Pla-
neten als kompliziertes System
aus Kreisbahnen innerhalb von
Kreisbahnen (Epizyklen).
Ptolemäus’ Weltbild
wird geozentrisch
genannt, weil es die
Erde in den Mittel-
punkt stellt.
Heliozentrisches Weltbild
Aufgrund von Beobach-
tungen mit bloßem Auge
entwickelte der polnische
Astronom Nikolaus Koper-
nikus ein neues Weltbild mit
der Sonne im Mittelpunkt
(heliozentrisch), um die sich
die Planeten auf Kreisbahnen
bewegen. Anfänglich wurde
es abgelehnt, weil es mit den
Beobachtungen nicht genau
übereinstimmte.
1543
Elliptische Umlaufbahnen
Etwa 80 Jahre nach Kopernikus’
Tod schlug der deutsche Astronom
Johannes Kepler ein heliozentrisches
Weltbild mit elliptischen (ovalen)
anstatt kreisförmigen Umlaufbahnen
vor. Dies passte viel besser zu den
Bewegungen der Planeten am Himmel
als die älteren Modelle.
Auf einen Blick
✓ Wissenschaftliche Theorien
und Methoden ändern sich
im Laufe der Zeit.
✓ Die Erfindung des Fernrohrs
führte zu neuen Erkenntnis-
sen über die Planeten, den
Mond und die Sterne.
✓ Mit der Weiterentwicklung
der Teleskope veränderten
neue Entdeckungen unser
Verständnis des Weltalls.
1609
1610
Fernrohre
Nach der Erfindung des Fernrohrs im frü-
hen 17. Jahrhundert entdeckte der ita-
lienische Wissenschaftler Galileo Galilei
Berge und Krater auf dem Mond und vier
Jupitermonde. Seine Beobachtungen
stützten das heliozentrische Weltbild.
Wissenschaftlich arbeiten 13
Bei anderem Licht besehen
Sichtbares Licht ist nur ein Teil des elektro-
magnetischen Spektrums. Astronomen können
mehr über Sterne und Galaxien erfahren, wenn
sie andere Arten elektromagnetischer Wellen
beobachten. Manche dieser Wellen werden von
der Erdatmosphäre absorbiert, sodass Röntgen-,
Ultraviolett- und Infrarotteleskope in den Welt-
raum gebracht werden müssen. Radioteleskope
können auf der Erde gebaut werden. Auf diesen
Bildern sieht man die Andromeda-Galaxie bei ver-
schiedenen Wellenlängen.
Theorie der Gravitation (Schwerkraft)
Inspiriert von Keplers elliptischen Umlaufbahnen veröffent-
lichte der englische Forscher Isaac Newton in einem Buch seine
Grundgesetze der Bewegung und das Gravitationsgesetz. Diese
mathematischen Modelle helfen beim Verständnis, wie die
Planeten die Sonne und Monde Planeten umkreisen.
Andromeda-
Galaxie
Newton erfand auch das
Spiegelteleskop, das mit
gekrümmten Spiegeln
anstatt von Linsen arbeitet.
1687
1781
Verbesserte Teleskope
Als die Teleskope größer und
besser wurden, entdeckten die
Astronomen weiter entfernte Him-
melskörper. Mit einem 12 Meter
langen Teleskop entdeckte der in
Deutschland geborene Astronom
William Herschel den Uranus.
Er identifizierte auch sehr viele
Entdeckung von Galaxien
1912 erarbeitete die USamerikanische Astronomin Henrietta
Swan Leavitt eine Methode zur Berechnung der Entfernung
von der Erde zu veränderlichen Sternen (Sterne, deren
Helligkeit schwankt). 1923 nutzte ein weiterer USAmerikaner,
Edwin Hubble, ihre Idee, um die Existenz anderer Galaxien
neben unserer eigenen zu beweisen, und zeigte damit, dass
das Weltall viel größer als bis dahin angenommen ist.
1908
Nebel: Wolken aus leuchtender
Materie zwischen den Sternen.
Moderne Beobachtungsmethoden
Heutzutage können Astronomen
Teleskope ins All bringen oder
solche zum Nachweis von Radio-
wellen oder anderen Formen elek-
tromagnetischer Strahlung
anstatt des sichtbaren
Lichts bauen. Mithilfe
der gesammelten
Informationen kann
man erklären, wie
Herschel konstruierte sein
riesiges Teleskop zusam-
men mit seiner Schwester
Caroline Herschel.
Sterne entstehen
und sterben, wie
die Schwerkraft
sie in Galaxien
zusammenhält
und wie das Uni-
versum entstanden
sein könnte.
Radioteleskop
Gegenwart
Röntgenstrahlen
Infrarot
Ultraviolett
Radiowellen
14 Wissenschaftlich arbeiten
Wissenschaft
Auf einen Blick
und Gesellschaft
Manche wissenschaftlichen Entwicklungen werfen ethische
Fragen auf, die sich nicht experimentell beantworten lassen.
Doch das Sammeln von Daten hilft, fundierte Entscheidun-
gen zu treffen. Die Antworten in den folgenden Beispielen
hängen von Überzeugungen ab, nicht von der Wissenschaft.
✓ Einige wissenschaftliche Entwicklun-
gen werfen ethische Fragen auf.
✓ Die Frage, was moralisch richtig oder
falsch ist, kann nicht durch Experi-
mente beantwortet werden, sondern
hängt von den Überzeugungen der
Menschen ab.
Billiges Fleisch
Auslesezüchtungen erzeugen Nutztiere, die besseres Fleisch
liefern, Kühe, die mehr Milch geben, oder Hennen, die mehr
Eier legen. Doch Veränderungen, die die Kosten für die Bauern
senken, können schädlich für die Tiere sein. Manche Hühner, die
für schnelles Wachstum gezüchtet wurden, sind zu schwer zum
Laufen. Was ist wichtiger: billiges Fleisch und größere Gewinne
oder Tierschutz?
Dieser goldene Reis wurde
gentechnisch verändert, um
mehr Vitamine zu liefern.
Normaler weißer
Reis
Saubere Energie
Das Klima verändert sich, weil die Menschen der Atmosphäre zu viel
Kohlenstoffdioxid zuführen. Gezeitenkraftwerke erzeugen elektri-
schen Strom ohne Kohlenstoffdioxid, doch manchmal muss über eine
Flussmündung ein Stauwehr gebaut werden, das die Fische bei ihrer
Wanderung aufhält und natürliche Lebensräume verändert. Was ist
wichtiger: saubere Energie oder der Schutz der Lebensräume?
Biomassekraftwerk
Gentechnik
Gentechnik kann Heilmittel für Krankheiten hervorbringen und
Nutzpflanzen so verändern, dass sie mehr Nährstoffe enthalten.
Dies verbessert das Leben vieler Menschen, doch genetisch ver-
änderte Organismen sind nicht natürlich. Ist es falsch, Lebewesen
so zu verändern?
Biobrennstoffe
Biobrennstoffe, die aus Nutzpflanzen hergestellt werden, reduzieren
im Vergleich zu fossilen Brennstoffen die Kohlenstoffdioxidemissionen,
da die Pflanzen beim Wachsen CO2
absorbieren. Doch ihr Anbau ver-
braucht Ackerfläche, die für Nahrungsmittel genutzt werden könnte.
Ist saubere Energie wichtiger als die Nahrungsmittelversorgung?
Wissenschaftlich arbeiten 15
Nutzen und Risiken
Naturwissenschaft und Technik bringen Erfindungen
hervor, die das Leben der Menschen verbessern,
doch manche Technologien bergen auch Risiken.
Nutzen und Risiken müssen gegeneinander ab -
gewogen werden. Dabei muss man alle Fakten
einbeziehen. Die Alternative, von der wir annehmen,
dass sie gefährlicher sei, ist es häufig nicht.
Auf einen Blick
✓ Moderne Technik kann von großem
Nutzen sein, doch manche Technolo-
gien können auch schädlich sein.
✓ Risiken und Nutzen verschiedener
Technologien müssen vor der Ent-
scheidung, ob man sie nutzt oder
nicht, bewertet werden.
Kernkraft oder fossile Brennstoffe
Viele Menschen halten Kernkraft wegen des
Risikos für nukleare Unfälle oder frei werdende
Strahlung für gefährlich. Wissenschaftliche
Studien deuten jedoch darauf hin, dass mit
fossilen Brennstoffen betriebene Kraft-
werke durch Umweltverschmut-
zung nicht nur mehr Krankheit
und Tod verursachen,
sondern auch mehr zum
Klimawandel beitragen.
Zudem geschehen
häufiger Unfälle bei
Ölbohrungen oder
der Kohleförde-
rung als bei der
Herstellung von
Nuklearbrenn-
stoffen.
Zu Fuß gehen oder Auto fahren?
Was ist sicherer – gehen oder fahren?
Unfallstatistiken ergeben, dass Fußgänger
pro Kilometer häufiger tödlich verunglücken
als Autofahrer. Doch das ist nicht der
einzige Faktor. Gehen stellt zudem
eine Form körperlicher Aktivität
dar und Bewegung kann das
Risiko für Erkrankungen
wie Herzkrankheiten
und Diabetes stark
verringern.
Röntgen-
bild vom
Kopf
Flugsicherheit
Flugzeugabstürze
sorgen immer für
Schlagzeilen und bewir-
ken bei manchen Leuten
Flugangst. Doch Autofahren
ist viel gefährlicher. In den
USA war es z. B. von 2000-2009
pro zurückgelegtem Kilometer über
60-mal wahrscheinlicher, dass ein Auto-
fahrer tödlich verunglückte als ein Passagier auf
einem Linienflug.
Röntgen
Röntgengeräte
und Computer-
tomografen erzeugen
Bilder vom Inneren des
Körpers und helfen Ärzten,
Krankheiten zu erkennen.
Doch bei dieser Technik wird
lebendes Gewebe Röntgenstrahlung
ausgesetzt, wodurch sich das Krebsrisiko
leicht erhöht. Meist ist der Nutzen für die rich-
tige Diagnose größer als das Risiko der Strahlung.
16 Wissenschaftlich arbeiten
Wissenschaft-
liche Modelle
Modelle helfen uns, wissenschaftliche Vorstel-
lungen besser zu verstehen. Wissenschaftliche
Modelle können wie Hypothesen durch Versu-
che überprüft werden. Es gibt fünf Haupttypen:
beschreibende, computergestützte, mathema-
tische, räumliche und darstellende Modelle.
Beschreibende Modelle
Diese Modelle beschreiben etwas mithilfe von Wör-
tern und z. T. auch Schaubildern. Dieses Bild, das
den Weg des elektrischen Stroms vom Kraftwerk zu
Haushalten darstellt, ist ein beschreibendes Modell.
Computermodelle
Bei diesem Typ werden Computer verwendet, um
komplexe Prozesse zu simulieren. Grundlage von
Wettervorhersagen sind Computermodelle der
Atmosphäre. Die Abbildung zeigt eine Wellenvor-
hersage für den Atlantik.
Mathematische Modelle
Diese Modelle beschreiben Abläufe aus der Wirklichkeit
durch Gleichungen. Mit einer mathematischen Formel
kann man z. B. den Temperaturabfall eines heißen Kör-
pers, der Wärme an die Umgebung abgibt, modellieren.
Die Ergebnisse mathematischer Modellrech-
nungen werden in Diagrammen dargestellt.
Räumliche Modelle
Gelb und
Grün reprä-
sentieren
hohe Wellen.
Auf einen Blick
✓ Modelle helfen dabei, wissenschaftliche Vorstel-
lungen zu verstehen oder zu beschreiben.
✓ Mithilfe von Modellen können Vorhersagen
gemacht werden, die dann in Versuchen überprüft
werden können.
✓ In der Physik werden beschreibende, computer-
gestützte, mathematische, räumliche und dar-
stellende Modelle verwendet.
Kraftwerk
Raum-
temperatur
Zeit
Ein räumliches Modell stellt die dreidimensionale Anord-
nung von Objekten dar, z. B. wie die Bestandteile des Ohres
zusammenpassen. Dieses maßstabsgetreue Modell besitzt
nicht dieselbe Größe wie ein reales menschliches Ohr, aber
alle Teile haben die richtigen Größenverhältnisse zueinander.
Darstellende Modelle
Bei diesen Modellen werden komplexere reale Objekte
durch vereinfachte Formen und Symbole repräsentiert.
Dieser elektrische Schaltplan erklärt beispielsweise,
wie die Schaltung einer Taschenlampe funktioniert.
Äußeres
Ohr
Trommelfell
Innenohr
Batte-
rien
Schalter
Glühbirne
Temperatur
Wissenschaftlich arbeiten 17
Sicher arbeiten
Da bei Physikversuchen mit elektrischem Strom, sich bewegenden
Körpern und Hitze gearbeitet wird, besteht Verletzungsgefahr. Es
ist sehr wichtig, dass die Durchführung der Untersuchungen sicher
ist. Bitte halte dich an diese Vorsichtsmaßnahmen.
Schütze deine Augen
Spezielle ((Arbeits-))Brillen schüt-
zen deine Augen vor Flüssig-
keitsspritzern oder kleinen
Teilchen, z. B. Eisenfeilspä-
nen. Du solltest sie ebenfalls
beim Dehnen von Drähten oder
Federn aufsetzen, falls der Draht
reißt und dir ins Gesicht schlägt.
Schütze deine Füße
Bei manchen Versuchen
können dir Gewichte auf
die Füße fallen und dich
verletzen. Ein Karton mit
zerknülltem Papier fängt
das Gewicht auf und sorgt
dafür, dass deine Füße nicht am
falschen Platz sind.
Elektrischer Strom
Wenn du mit Strom arbeitest,
schalte ihn immer aus oder
ziehe den Stecker aus der
Steckdose, bevor du eine
Schaltung veränderst. Bitte
deinen Lehrer, die Schaltung
zu überprüfen, bevor du sie
anschaltest.
Bunsenbrenner
Wenn du einen Bunsenbrenner
benutzt, räume die Umgebung frei.
Binde offenes Haar und lockere
Kleidung zurück, damit sie nicht in
die Nähe der Flamme kommen. Lass
heiße Geräte abkühlen, bevor du sie
berührst oder benutze hitzebestän-
dige Handschuhe.
Wasser erhitzen
Vermeide beim Was-
sererhitzen Spritzer
auf der Haut. Wenn
du dich verbrannt
hast, halte die Haut-
stelle so schnell wie
möglich unter kaltes
fließendes Wasser.
Ausrutschen und
verschütten
Wenn du Wasser auf
dem Boden verschüt-
test, wisch es sofort
auf, damit niemand
darauf ausrutscht.
Gefahrstoffe
Einige wissenschaftliche Versuche
erfordern radioaktive Stoffe oder
gefährliche Chemikalien. Aus-
schließlich speziell dafür ausge-
bildete Personen mit geeigneter
Schutzkleidung sollten diese Substanzen handhaben.
Versuche mit gefährlichen Substanzen sollten nicht zu
Hause durchgeführt werden.
Vorsicht vor der Sonne
Bei Versuchen mit Licht
sieh niemals direkt in die
Sonne – dadurch könnten
deine Augen dauerhaft
geschädigt werden. Die
Gefahr ist bei Benutzung
von Ferngläsern oder einem
Fernrohr sogar noch größer.
18 Wissenschaftlich arbeiten
Versuchsplanung
Damit ein wissenschaftliches Experiment unter kontrol-
lierten Bedingungen abläuft, darf immer nur eine Mess-
größe verändert werden, damit man ihren Einfluss auf
eine andere Größe feststellen kann. Die Größe, die man
gezielt verändert, nennt man unabhängige Variable. Die
beeinflusste Größe ist die abhängige Variable und das,
was konstant gehalten wird, sind Kontrollvariablen.
Wärmedämmung untersuchen
Bei der wissenschaftlichen Methode überprüft man eine
Hypothese (Idee) durch ein Experiment. Luft ist z. B. ein
schlechter Wärmeleiter, woraus man die Hypothese bilden
könnte, dass Stoffe, die viel Luft enthalten, gute Dämmstoffe
sind. Zur Überprüfung der Hypothese könnte man einen Ver-
such wie den hier abgebildeten durchführen. Drei Becherglä-
ser mit heißem Wasser werden mit verschieden Materialien
gedämmt und während des Abkühlens wird die Wassertem-
peratur in regelmäßigen Abständen gemessen.
Die abhängige Variable ist die Wasser-
temperatur. Aus den Temperaturmessun-
gen kann man erkennen, ob eine Art der
Wärmedämmung besser als die anderen
Auf einen Blick
✓ Ein kontrollierter Versuch muss sorg-
fältig geplant werden.
✓ Die bei einem Versuch veränderlichen
Größen nennt man Variablen.
✓ Die unabhängige Variable ist die
Größe, die verändert wird.
✓ Die abhängige Variable ist die Größe,
die gemessen wird.
✓ Kontrollvariablen sind Größen, die für
einen kontrollierten Versuch konstant
gehalten werden.
Kontrollversuche
Das nicht isolierte Becherglas ist ein Kontroll-
versuch. Man kann dadurch die Temperatur-
änderung mit und ohne Wärmedämmung
vergleichen. Alle Unterschiede müssen auf
die unabhängige Variable zurückgehen, und
nicht auf Kontrollvariablen wie die Wasser-
menge oder die Becherglassorte.
ist. Wissenschaftler sammeln Daten durch
Messung der abhängigen Variable.
Thermometer
Die unabhängige
Zu den Kontrollvariablen
zählen die Wassermenge,
die Anfangstemperatur
und der Aufstellort. Sie
müssen für alle Becherglä-
ser gleich sein, um kontrol-
lierte Versuchsbedingun-
gen zu gewährleisten.
Variable ist die Art der
Wärmedämmung, die
man verändert, um
einen Effekt zu sehen.
Jedes Becherglas
mit heißem Wasser
hat eine andere Art
der Wärmedämmung
(oder auch keine).
Luftpolsterfolie
Fleece
Keine Dämmung
Wissenschaftlich arbeiten 19
Der Planungsprozess
Versuche sollten vor der Durchführung
immer sorgfältig geplant werden. Das
Wichtigste bei der Planung ist die Aus-
wahl der unabhängigen und der abhän-
gigen Variable. Wichtig ist außerdem zu
überlegen, welche Hilfsmittel benötigt
werden und wie eine sichere Durchfüh-
rung gewährleistet werden kann.
6. Überlege und notiere dir
die nötigen Sicherheits-
vorkehrungen. Bei
dieser Untersuchung
muss man vorsichtig
mit dem heißen
wischen, damit niemand
ausrutscht.
Wasser umgehen
und verschüttetes
Wasser direkt auf-
5. Plane die einzel-
nen Versuchsschritte
ganz genau. Wie oft
wird die Temperatur
gemessen? Wie lange
werden die Bechergläser
stehen gelassen? Welche Wasser-
menge wird verwendet und was ist
die Anfangstemperatur?
3. Überlege, welche
Variablen du konstant
halten musst, damit der
Versuch kontrolliert
ist. Das sind die
Kontrollvariablen. Die
Wassermenge in allen
Bechergläsern und
die Anfangstemperatur
müssen z. B. immer gleich
sein. Wenn du verschiedene
Dämmstoffe vergleichst, sollten
alle die gleiche Dicke haben.
4. Stelle eine Liste mit allen
benötigten Hilfsmitteln auf, ein-
schließlich der Messinstrumente.
1. Entscheide zuerst, welche Variable du
gezielt ändern willst. Das ist die unabhängige
Variable. Im Wärmedämmungsversuch ist
dies die Art des Dämmstoffs.
2. Wähle die Variable aus,
die du messen willst, um
einen Effekt zu sehen.
In unserem Versuch
ist die Wassertempe-
ratur die abhängige
Variable.
Daten sammeln
Bei allen Versuchen werden Daten gesammelt,
anhand derer man entscheidet, ob eine Hypothese
bestätigt wird oder nicht. Wichtig ist die genaue
Planung, wie und wann man Daten sammelt. Bei
diesem Experiment kann man durch die regel-
mäßige Temperaturmessung die Ergebnisse gut
in einer Messkurve darstellen. Das Diagramm hilft
sowohl dabei, mögliche Messfehler zu entdecken,
als auch eine Schlussfolgerung zu ziehen.
Luftpolsterfolie
Fleece
Keine Dämmung
Möglicher
Ablesefehler
Zeit
Temperatur
20 Wissenschaftlich arbeiten
Messungen
Bei den meisten Versuchen werden
physikalische Größen gemessen, z. B.
Temperatur, Volumen, Masse oder Zeit.
Um genaue Messwerte zur erhalten, sind
Messinstrumente nötig, die zur Größen-
ordnung der gemessenen Werte passen.
Länge und Weg
Verwende ein Maßband für größere
Längen, z. B. um die Gehgeschwin-
digkeit über 10 m zu bestimmen.
Verwende ein Lineal, um die Länge
kleiner Objekte zu bestimmen.
Volumen
Verwende Becherglä-
ser oder große Mess-
zylinder, um große
Flüssigkeitsvolumen
abzumessen.
Verwende einen
kleinen Mess-
zylinder für kleine
Flüssigkeitsmengen.
Dieser Federkraftmesser hat
eine steife Feder und ist für
Kräfte bis zu 50 N geeignet,
ist aber bei sehr kleinen
Kräften ungenau.
Dieser Federkraftmesser
hat eine dehnbarere
Feder und misst deshalb
kleinere Kräfte genauer.
Auf einen Blick
✓ Bei den meisten Versuchen werden physikalische
Größen gemessen, z. B. Temperatur, Volumen,
Masse oder Zeit.
✓ Messinstrumente, mit denen man große Werte
messen kann, sind meist bei kleinen Werten
ungenau.
Kraft
Bei einer zu großen Kraft
wird er beschädigt.
Zeit
Benutze eine Stoppuhr zum Messen von
Zeitspannen, die größer als 10 s sind.
Verwende einen elektro-
nischen Zeitmesser wie
diese Lichtschranke, um
sehr kleine Zeitintervalle
zu messen.
Elektronische Instrumente
Mit einem Digitalmultimeter
misst man Spannung, Strom-
stärke und Widerstand.
Obwohl elektronische Instrumente häufig genauer als Hand-
instrumente sind, sind sie nicht immer besser. Sie sind teurer
und werden leichter beschädigt, sodass sie nur in Versuchen
verwendet werden sollten, bei denen eine höhere Genauigkeit
erforderlich ist.
Die Messleitungen werden
mit Schaltungen verbunden.
Wissenschaftlich arbeiten 21
Signifikante Stellen
Die signifikanten Stellen einer Zahl sind die aussage-
kräftigen Ziffern. Genauere Messgeräte liefern Messwerte
mit mehr signifikanten Stellen. Beim Datensammeln oder
bei Berechnungen müssen wir Zahlen oft auf nur wenige
signifikante Stellen auf- oder abrunden.
Daten erfassen
Die Anzahl der signifikanten Stellen ist abhängig vom verwen-
deten Messinstrument. Ein Lineal mit Zentimeterskala liefert
weniger signifikante Stellen als eines mit Millimeterskala.
Digitale Messgeräte liefern oft mehr signifikante Stellen als
herkömmliche (Das bedeutet aber nicht notwendigerweise,
dass sie genauer sind.).
Auf einen Blick
✓ Genauere Messgeräte liefern Mess-
werte mit mehr signifikanten Stellen.
✓ Runde Lösungen beim Multiplizieren
oder Dividieren auf genau so viele sig-
nifikante Stellen wie der ungenaueste
Ausgangswert.
✓ Runde Lösungen beim Addieren
oder Subtrahieren auf genau so viele
Dezimalstellen wie der ungenaueste
Ausgangswert.
Taschenrechner
(1 signifikante Stelle)
Der Taschenrechner zeigt oft mehr signi-
fikante Stellen an, als sinnvoll ist. Beim
Berechnen des Widerstands einer Glühbirne
benutzt du die nachfolgende Formel. Die
Anzeigen des Voltmeters und des Ampere-
meters haben je drei signifikante Stellen.
8,12 V
1,04 A
Die Taschenrechnerantwort ist 7,8076923.
Die Antwort so aufzuschreiben, hieße, dass
du den Widerstand auf 8 signifikante Stellen
genau kennst. Doch da die Instrumente nur
auf 3 signifikante Stellen genau waren, sollte
deine Antwort auch nur so viele haben:
(2 signifikante Stellen)
Runde die Lösung beim Multiplizieren oder
Dividieren auf genau so viele signifikante
Stellen wie der ungenaueste Ausgangswert.
Runde die Lösung
beim Addieren oder
Subtrahieren auf genau
so viele Dezimalstellen
wie der ungenaueste
Ausgangswert.
7.8076923
22
Wissenschaftlich arbeiten
Daten darstellen
Unter Daten versteht man die Informationen, die man bei Versuchen
erhält. Sie bestehen oft aus Zahlen, wie z. B. Messwerten. Um sie besser
zu verstehen und Muster zu erkennen, ist es hilfreich, sie in Tabellen
oder Diagrammen darzustellen. Welcher Diagrammtyp am sinnvollsten
ist, hängt von der Art der Daten ab.
Tabellen
Tabellen sind nützlich zur Struktu-
rierung von Daten und für einfache
Berechnungen, z. B. des Mittelwerts.
In dieser Tabelle sind die Ergebnisse
eines Versuchs aufgeführt, bei dem
der Einfluss zusätzlicher Masse auf
einem Wagen auf die Beschleuni-
gung untersucht wurde.
Unabhängige
Variable
Zum Wagen
zugefügte
Masse (kg)
0,5
1,0
1,5
„Ausreißer“ kann man gut aus Tabellen ablesen. Sie verhalten sich ganz
anders als die anderen Messwerte und könnten Messfehler sein. Dieser
Wert wurde bei der Berechnung des Mittelwerts außer Acht gelassen.
Kreisdiagramme
Man verwendet Kreisdiagramme,
um prozentuale Anteile oder
Bruchteile darzustellen. In
diesem Kreisdiagramm sind
Schätzwerte für verschiedene
Hintergrundstrahlungsquellen
angegeben, denen die Menschen
weltweit ausgesetzt sind.
Säulendiagramme
Die Verwendung von Säulen-
diagrammen ist dann sinnvoll,
wenn die unabhängige Variable
aus diskreten (einzelnen) Kate-
gorien besteht. Dieses Säulen-
diagramm zeigt beispielsweise,
wie viel Energie Personen aus
verschiedenen Altersgruppen
täglich benötigen. Ein Säulen-
diagramm sollte auch dann
verwendet werden, wenn die
unabhängige Variable diskrete
Werte annimmt, wie z. B. die
Anzahl von Menschen oder
Objekten (immer ganzzahlig).
Nahrung, Getränke
und Wasser 9 %
Kosmische
Strahlung 13 %
Radon 42 %
Erdboden und
Gebäude 16 %
Medizinische Behand-
lungen 19,5 %
Weitere künstliche
Quellen, einschließlich
Atomwaffentests und
Kernkraftwerke 0,5 %
Abhängige Variable
Beschleunigung (m/s2
1. Fahrt
9,9
6,8
5,2
2. Fahrt
10,2
8,8
4,8
3. Fahrt
10,1
6,6
5,1
)
Mittelwert
10,1
6,7
5,0
Beschrifte
die Achse
und gib die
Einheit an.
Die abhängige Variable wird üblicher-
weise auf der y-Achse dargestellt.
12 000
8000
4000
Die unabhängige
0
Variable wird meist auf
der x-Achse dargestellt.
Alter 5
Alter 11
Alter 18
Altersklasse
Erwach-
sener
Mittlere benötigte
Energie (kJ)
Wissenschaftlich arbeiten
Stetige und diskrete Variablen
Diskrete Variablen können nur bestimmte Werte anneh-
men. So kann die Passagierzahl eines Flugzeugs nur
eine ganze Zahl sein und die Wärmedämmung um ein
Behältnis mit heißem Wasser kann nur aus bestimm-
ten Materialien bestehen. Dagegen kann eine stetige
Variable beliebige Werte annehmen und ist vielleicht
keine ganze Zahl. Länge und Gewicht sind beispiels-
weise stetige Variablen.
23
Diskrete Variable
Stetige Variable
Liniendiagramme
Liniendiagramme werden ver-
wendet, wenn auf beiden Ach-
sen sich stetig verändernde
Zahlenwerte anstatt diskrete
(getrennte) Kategorien aufge-
tragen sind. Liniendiagramme
sind besonders häufig, wenn
eine Variable die Zeit ist. Diese
Kurve stellt die Temperaturän-
derung von Eis bei Erwärmung
dar.
−6
−4
−2
0
2
4
6
8
Verbinde die Punkte
mit geraden Linien.
4
8
12
16
Zeit (min)
20
24
Die Zeit wird üblicher-
weise auf der x-Achse
aufgetragen.
28
Streudiagramme
Zur Untersuchung der Bezie-
hung zwischen zwei Variablen
benutzt man Streudiagramme.
Dieses Diagramm zeigt, wie
sich die Stromstärke durch
einen Widerstand bzw. durch
eine Glühbirne in Abhängigkeit
von der angelegten Spannung
ändert. Wenn sich beim Ein-
zeichnen der Datenpunkte ein
deutliches Muster ergibt, wie
beispielsweise eine Gerade,
sagt man, dass die Variablen
korreliert sind. In diesem Fall
zeichnet man eine Ausgleichs-
gerade oder Ausgleichskurve
durch die Punkte.
4
6
2
−10
−8
−6
−4
−2
−2
Zeichne eine Aus-
gleichsgerade durch
so viele Punkte oder in
ihre Nähe wie möglich.
−4
−6
2
4
6
8
Spannung (V)
Widerstand
Glühbirne
10
Temperatur (0
C)
Stromstärke (A)
24 Wissenschaftlich arbeiten
Datenmuster
Bei einigen Versuchen möchte man herausfinden,
ob es eine Beziehung zwischen zwei Variablen gibt.
Anders ausgedrückt: Wie beeinflusst die Verände-
rung der einen Variable die andere?
Korrelation
Zwei Variablen nennt man korreliert, wenn sie miteinander ver-
knüpft zu sein scheinen. Korrelationen kann man gut mit Streu-
diagrammen erkennen. Eine Korrelation zwischen zwei Variablen
bedeutet nicht, dass eine die Ursache für die andere ist. Eisver-
käufe und Badeunfälle sind z. B. positiv korreliert, doch der Grund
dafür ist, dass sowohl Eis als auch Baden bei heißem Wetter
beliebt sind, und nicht, dass Eisessen Badeunfälle verursacht.
Auf einen Blick
✓ Eine Korrelation liegt vor, wenn sich
bei Änderung einer Variablen die
andere ebenfalls ändert.
✓ Eine Korrelation beweist nicht, dass
eine Änderung die andere verursacht.
✓ Eine Beziehung zweier Variablen ist
linear, wenn die Punkte in einem Dia-
gramm eine Gerade ergeben.
✓ Eine proportionale Beziehung ergibt
eine Gerade durch den Ursprung.
Keine Korrelation
Die Datenpunkte sind zufällig
verteilt und ergeben kein
Muster. Es existiert keine Korre-
lation zwischen den Variablen.
Schwache Korrelation
Diese Punkte könnten um eine
Diagonale angeordnet sein. Die
große Streuung bedeutet aber,
dass sie nur schwach korreliert
sind.
Stark positive Korrelation
Die Punkte bilden eine Diago-
nale, aus der deutlich wird, dass
sich bei Vergrößerung der einen
Variable die andere ebenfalls
vergrößert.
Lineare und proportionale Beziehungen
Abhängig von ihrer Form können Kurven, bei denen eine Korrela-
tion erkennbar ist, weitere Beziehungen offenbaren.
Stark negative
Korrelation
Die durch die Punkte gebildete
Gerade zeigt, dass bei Vergröße-
rung der einen Variable die andere
kleiner wird.
1
y
x
Linear
Eine Korrelation, bei der die
Punkte auf einer Geraden lie-
gen, bezeichnet man als linear.
Proportional
Liegen die Punkte auf einer Gera-
den durch den Ursprung (x und y
beide Null), bezeichnet man dies
als proportionale Beziehung, d. h.
dass sich bei Verdopplung einer
Variablen die andere ebenfalls
verdoppelt.
Umgekehrt proportional
Bei einer umgekehrt propor-
tionalen Beziehung wird eine
Variable halbiert, wenn man die
andere verdoppelt. Dies ergibt
eine gekrümmte Kurve.
Überprüfung
Zur Überprüfung, ob eine
Beziehung umgekehrt
proportional ist, trägt man die
eine Variable über dem Kehr-
wert (1 durch den Wert) der
anderen auf. Es sollte sich eine
Ursprungsgerade ergeben.
Wissenschaftlich arbeiten 25
Schlussfolgerungen
In der Schlussfolgerung zu einem Versuch
beschreibt man, was man herausgefunden
hat, wie man die Ergebnisse interpretiert
und ob der Versuchsausgang mit der
Vorhersage übereinstimmt.
Ein Versuch zur Elektrizität
Drei Schüler führen einen Versuch zur Über-
prüfung der Vorhersage durch, dass der Strom
durch eine Glühbirne proportional zur anliegen-
den Spannung ist. Mit einem Amperemeter zur
Stromstärkemessung und einem Voltmeter zur
Spannungsmessung an der Glühbirne erhielten
sie die im Diagramm dargestellten Ergebnisse.
Ihre Schlussfolgerungen sind unten aufgeführt.
Schlussfolgerung 1
„Der Strom steigt tatsächlich
mit steigender Spannung
an. Also war die Vorhersage
richtig.“
0,2
0,3
0,4
0,5
0,1
0
0
1
2
3
Spannung (V)
4
Schlussfolgerung 2
„Der Strom steigt mit stei-
gender Spannung an, aber die
Kurve ist gekrümmt. Eine pro-
portionale Beziehung müsste
eine Gerade ergeben, daher ist
die Vorhersage falsch.“
Eine falsche Schlussfolgerung
Die Beschreibung ist nicht sehr
ausführlich und das Diagramm
zeigt keine proportionale Bezie-
hung, bei der sich eine Gerade
ergeben würde.
Eine bessere Schlussfolgerung
Die Beschreibung ist ausführ-
licher und die abschließende
Folgerung ist korrekt.
Schlussfolgerung 3
„Das Diagramm zeigt, dass
der Strom mit der Spannung
ansteigt. Bei niedrigeren
Spannungen könnte die
Beziehung proportional sein,
da die ersten Messpunkte auf
einer Geraden liegen. Jedoch
wird bei höheren Spannun-
gen der Stromzuwachs bei
jeder Spannungssteigerung
kleiner. Daraus ergibt sich,
dass der Widerstand ansteigt.
Die Vorhersage war teilweise
richtig, da der Strom mit stei-
gender Spannung ansteigt,
doch die Beziehung ist nicht
proportional.“
Eine hervorragende
Schlussfolgerung
Diese Beschreibung ist
sehr viel ausführlicher. Die
Schülerin hat ihr Wissen
über den Zusammen-
hang zwischen Strom-
stärke, Widerstand und
Spannung benutzt, um eine
mögliche Ursache für die
Formänderung der Kurve
vorzuschlagen.
Stromstärke (A)
26 Wissenschaftlich arbeiten
Genauigkeit und
Auf einen Blick
Präzision
Bei der Planung und Auswertung eines Versuches muss
man sich Gedanken über Genauigkeit und Präzision der
Messungen machen. Die Begriffe „genau“ und „präzise“
haben in der Naturwissenschaft spezielle Bedeutungen.
Genau oder präzise?
Eine Messung wird als genauer angesehen, wenn sie näher am
tatsächlichen Messwert liegt als andere Messungen. Sie ist
präzise, wenn mehrmaliges Wiederholen der Messung exakt
gleiche oder sehr nahe beieinander liegende Messwerte liefert.
Zum Verständnis des Unterschieds ist es hilfreich, wenn man
sich die Messungen als Würfe auf eine Dartscheibe vorstellt.
✓ Genaue Messungen liegen nahe beim
tatsächlichen Messwert.
✓ Präzise Messungen ergeben densel-
ben (oder einen sehr ähnlichen) Wert
bei Wiederholung der Messung.
✓ Messfehler können zufällig oder
systematisch sein.
Der Mittelpunkt der Dart-
scheibe repräsentiert den
tatsächlichen Messwert.
Ungenau und unpräzise
Die Messungen sind ungenau,
weil sie nicht in der Nähe
des Mittelpunkts liegen, und
unpräzise, weil sie nicht nahe
nebeneinander liegen.
Präzise, aber ungenau
Diese Messungen sind präzise,
da sie alle in der Nähe eines
Werts liegen, doch ungenau,
da sie nicht in der Nähe der
Mitte liegen.
Genau, aber unpräzise
Diese Werte liegen um den
Mittelpunkt herum, aber nicht
nahe beieinander. Daher sind
sie genau, aber unpräzise.
Genau und präzise
Diese Messungen sind sowohl
genau als auch präzise.
Messfehler
0,5
Systematische Fehler
Die Genauigkeit einiger Messinstru-
mente hängt von der Benutzung ab. Bei
Waagen sollte der Nullpunkt immer mit
einem Gefäß eingestellt werden, damit
man nur die Masse des Inhalts bestimmt.
Wenn eine Waage nicht richtig austariert
ist, weichen alle Messungen um den-
selben Betrag ab. Dies nennt man einen
systematischen Fehler, der die Genauig-
keit der Messungen verringert.
Dies sollte Null anzeigen,
wenn das Becherglas leer ist.
Zufällige Fehler
Zufällige Fehler sind bei jeder
Messung unterschiedlich groß.
Wenn man z. B. die Wasser-
temperatur in einem Becherglas
misst, könnte das Thermometer
bei jedem Eintauchen in einen
anderen Wasserbereich einen
etwas anderen Wert anzeigen.
Dies verringert die Präzision der
Messung.
Wissenschaftlich arbeiten 27
Evaluation
Experimente werden häufig bewertet, um zu entscheiden, ob und wie vertrauenswür-
dig die Ergebnisse sind. Ein Versuch muss gültig und kontrolliert sein und die Schluss-
folgerungen müssen auf qualitativ hochwertigen Daten beruhen. Eine Evaluation
könnte auch Vorschläge für eine Verbesserung der Untersuchungsmethode ergeben.
Ist das Experiment gültig?
Ein Experiment ist gültig, wenn man alle
diese Fragen mit Ja beantworten kann.
War es kontrolliert?
Wurden alle Variablen
außer der unabhängigen
Variablen und der abhängi-
gen, die gemessen wurde,
konstant gehalten?
Ist es reproduzierbar?
Wenn eine andere Person
das Experiment mit ande-
ren Hilfsmitteln durchführt,
erhält sie dieselben
Ergebnisse?
Ist es wiederholbar?
Wenn dieselbe Person das
Experiment mit denselben
Hilfsmitteln wiederholt,
erhält sie dieselben
Ergebnisse?
Wurde die Hypothese
überprüft?
Wurde eine Vorhersage aus
der Hypothese abgeleitet?
War das Experiment zur
Überprüfung der Hypo-
these gut geeignet?
Datenqualität
Gute Daten sind genau und präzise. Man kann die Datenqualität durch Wiederholung eines
Experiments beurteilen, doch manchmal reicht es, die Ergebnisse sorgfältig zu betrachten. Die
nachfolgenden Diagramme stammen von einem Versuch, bei dem die Verlängerung einer Feder
bei verschiedenen angehängten Gewichten gemessen wurde.
Gewicht
Gewicht
Die Datenpunkte streuen um die Aus-
gleichsgerade. Die Daten sind nicht präzise.
Da die Punkte näher an der Geraden liegen,
sind die Daten präzise. Jedoch sollte die
Verlängerung ohne Gewicht Null sein und
die Gerade durch den Ursprung verlaufen.
Ursache für die ungenauen Daten könnte
ein systematischer Fehler (s. S. 26) sein.
Gewicht
Diese Daten kommen der Ausgleichsge-
raden sehr nahe und die Gerade geht wie
erwartet durch den Ursprung. Diese Daten
sind sowohl genau als auch präzise.
Verlängerung
Verlängerung
Verlängerung
28 Wissenschaftlich arbeiten
Mathematische
Auf einen Blick
Modelle
Mathematische Modelle verwenden Gleichungen, um
Abläufe in der Wirklichkeit zu beschreiben. Manchmal
kann man mathematische Modelle aus einer Mess-
kurve ableiten. Oder man benutzt Gleichungen, um ein
Ergebnis vorherzusagen.
Lineare Gleichungen
Wenn sich aus einer Beziehung
zwischen zwei Variablen in einem
Diagramm eine Gerade ergibt,
nennt man die Beziehung linear.
Lineare Beziehungen können
durch Gleichungen wie diese
Dieses Diagramm zeigt beispiels-
weise die Längenänderung einer
Feder bei verschiedenen ange-
hängten Gewichten. Wenn man die
ursprüngliche Länge der Feder und
die Steigung der Geraden kennt,
kann man das Diagramm oder die
Gleichung benutzen, um die Feder-
länge für jedes beliebige Gewicht
zu berechnen.
Gleichungen umstellen
✓ Mathematische Modelle verwenden
Gleichungen, um Abläufe in der Wirk-
lichkeit zu beschreiben.
✓ Mithilfe mathematischer Modelle kön-
nen Messkurven beschrieben werden.
✓ Zur Bestimmung bestimmter Größen
können Gleichungen umgestellt
werden.
Die Gerade kann durch folgende Gleichung
(Federkonstante · Gewicht) + ursprüngliche Länge.
Ursprüngliche Länge der Feder
0
0
Gewicht (N)
Manchmal muss man eine Gleichung umstel-
len, bevor man eine Berechnung durchführt.
Kraft bei bekannter Masse und Beschleuni-
gung berechnet. Doch was, wenn man die
Kraft kennt und die Beschleunigung berech-
nen soll? Dann muss man die Formel nach a
auflösen. Dies erreicht man, indem man beide
Seiten durch m dividiert. Denk daran, dass
man denselben Rechenschritt immer auf bei-
den Seiten der Gleichung durchführen muss.
2.
F
m
3.
m
4. F
m
m
m · a
m
F
m
Dividiere beide
Seiten durch m.
Die beiden m
können gekürzt
werden.
Länge (m)
Wissenschaftlich arbeiten 29
Normdarstellung
Der Saturn ist ca. 1 400 000 000 000 Meter von der Sonne entfernt. Ein
Bakterium hat einen Durchmesser von ca. 0,000 001 Metern. Man macht bei
Zahlen mit so vielen Nullen leicht Rechenfehler, daher vereinfacht man sie zur
sogenannten Normdarstellung. Dabei wird eine lange Zahl als viel kürzere Zahl
(von 1 bis 9) mit einer Zehnerpotenz multipliziert. Um die Zehnerpotenz zu
bestimmen, zählt man, wie oft das Dezimalkomma verschoben werden muss.
So oft wird das Dezimalkomma
verschoben.
12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1
Der zweite Teil ist
eine Zehnerpotenz.
Der erste Teil ist eine Zahl
mit nur einer Ziffer vor dem
Dezimalkomma.
m
1 2 3 4 5 6
Prozentangaben berechnen
Eine Prozentangabe ist die Darstellung einer Zahl als Bruchteil von
100. Um einen beliebigen Bruch in eine Prozentangabe umzurechnen,
berechnet man den Bruch mit einem Taschenrechner, multipliziert
das Ergebnis mit 100 und fügt ein Prozentzeichen hinzu. Beispiel: Eine
30-Watt-Lampe wandelt 18 Watt Leistung in Licht um und gibt die ande-
ren 12 Watt als Wärme ab. Wie groß ist der Wirkungsgrad in Prozent?
Wirkungs-
grad (%)
nutzbringende Leistung (W)
gesamte zugeführte Leistung (W)
18 W
30 W
· 100
0,6 · 100
60 %
· 100
Das Minuszeichen zeigt an,
dass das Dezimalkomma
nach rechts gewandert ist.
m
0,6
30 Wissenschaftlich arbeiten
SI-Einheiten
Wissenschaft ist international. Forscher
aus vielen Ländern arbeiten gemeinsam
an denselben Problemen. Daher ist es hilf-
reich, wenn alle dieselben Maßeinheiten
benutzen. Auf der ganzen Welt wird das
internationale Einheitensystem (SI, frz.
Système International) verwendet.
Basiseinheiten
Alle SI-Einheiten basieren auf wenigen Basis-
einheiten. Die fünf Basiseinheiten, die in
diesem Buch verwendet werden, sind in der
nachfolgenden Tabelle aufgeführt:
Größe
Zeit
Länge
Masse
Stromstärke
Temperatur
SI-Basiseinheit
Sekunde
Meter
Kilogramm
Ampere
Kelvin
Ein Temperaturunterschied von 1 K
ist genauso groß wie 1 °C, aber die
Kelvin- und die Celsiusskala begin-
nen bei verschiedenen Punkten.
Präfix
SI-Präfixe
Meter ist keine ver-
nünftige Einheit für den
Durchmesser eines
Atoms oder die Entfer-
nung zum Mars. Des-
halb stellt man Vorsätze
(Präfixe) vor die Basis-
einheiten, um größere
oder kleinere Einheiten
zu bilden.
Nano (n)
Mikro (μ)
Milli (m)
Zenti (c)
Kilo (k)
Mega (M)
Giga (G)
Tera (T)
Symbol
s
m
kg
A
K
Abgeleitete Einheiten
Die meisten SI-Einheiten sind aus den Basis-
einheiten abgeleitet. Beispielsweise basiert die
Einheit für die Fläche (m2
Größe
Fläche
Volumen
Geschwindigkeit
Beschleunigung
Frequenz
Kraft
Impuls
Druck
Energie
Leistung
Ladung
Potenzialdifferenz
(Spannung)
Widerstand
Multipliziert mit
10−9
10−6
10−3
10−2
103
106
109
1012
) auf dem Meter.
SI-Einheit
Quadratmeter (m2
Kubikmeter (m3
)
Meter pro Sekunde (m/s)
Meter pro Sekunde im
Quadrat (m/s2
)
Hertz (Hz)
Newton (N)
Kilogramm mal Meter pro
Sekunde (kg m/s)
Pascal (Pa)
Joule (J)
Watt (W)
Coulomb (C)
Volt (V)
Ohm (Ω)
Beispiel
1 Hz =1 pro
Sekunde
)
Energie
32
Energie
Energie
Energie ist die Fähigkeit, etwas gesche-
hen zu lassen. Sie bewegt unsere Arme
und Beine, lädt das Handy, versorgt den
Fernseher mit Strom und lässt die Sonne
scheinen. Energie liegt in verschiedenen
Formen vor und kann zwischen diesen
Energieformen umgewandelt werden. Sie
kann aber niemals vernichtet werden.
Auf einen Blick
✓ Energie kann in vielen verschiedenen Formen
vorhanden sein.
✓ Energie kann von einer Energieform in eine ande-
ren umgewandelt werden.
✓ Energie kann nicht vernichtet werden.
✓ Bewegungsenergie heißt auch kinetische Energie.
Licht überträgt Energie
von einer Glühbirne
auf die Umgebung.
Je schneller der
Roboter geht,
umso größer ist
seine kinetische
Energie.
Energieformen
Energie kann in verschiedenen Formen
vorhanden sein. Die Energie eines Körpers
in Bewegung nennt man kinetische Energie.
Je schneller sich ein Körper bewegt, umso
größer ist seine kinetische Energie.
Energieumwandlung
Energie kann von einer Energieform in eine
andere überführt werden. Wenn man eine
Lampe einschaltet, überträgt die Glühbirne
Energie in Form von Licht und Wärme an die
Umgebung.
Energie 33
Energie und Nahrung
Unsere Nahrung versorgt unseren Körper mit Energie. Die
Energiemenge in Nahrungsmitteln wird in der Einheit Kilojoule
gemessen.
Energie in verschiedenen Lebensmitteln
Verschiedene Lebensmittel speichern verschiedene Energiemen-
gen. Manchmal wird diese Energie in Kalorien angegeben, aber
die wissenschaftliche Einheit für Energie ist Joule. Da Lebens-
mittel Tausende Joule enthalten, verwenden wir als Einheit Kilo-
um die Energie in verschiedenen Lebensmitteln zu verbrauchen.
Auf einen Blick
✓ Die wissenschaftliche
Einheit für Energie ist
Joule (J).
✓ Die Energie in Lebensmit-
teln wird oft in Kilojoule
✓ Der tägliche Energiebedarf
einer Person hängt von
Alter, Größe und körper-
licher Aktivität ab.
Energie in 100 g für verschiedene Lebensmittel
Brokkoli
130 kJ (31 Kalorien)
Apfel
180 kJ (43 Kalorien)
Banane
400 kJ (96 Kalorien)
Brot
1040 kJ (249 Kalorien)
Pizza
1400 kJ (335 Kalorien)
Milchschokolade
2200 kJ (526 Kalorien)
0
10
Laufzeit in Minuten
30
20
Energie und Bewegung
Ein Erwachsener benötigt täglich im Durchschnitt
etwa 10 000 kJ, doch dieser Wert ist bei jedem und an jedem
Tag verschieden. Im Allgemeinen braucht jemand umso mehr
Energie, je mehr Masse er hat – deshalb brauchen Erwach-
sene mehr als Kinder. Wie viel Energie der Körper braucht,
hängt auch davon ab, wie viel man sich körperlich bewegt.
40
50
Spazieren gehen
800–1700 kJ
pro Stunde
Schwimmen
1200–3000 kJ
pro Stunde
1900–4000 kJ
pro Stunde
Joggen
34 Energie
Energieformen
Energie ist in verschiedenen Formen in unter-
schiedlichen Objekten gespeichert, z. B. als
kinetische Energie eines fahrenden Autos oder als
Lageenergie eines Turmspringers. Wenn sie die
Form ändert, nennt man das Energieumwandlung,
und wenn sie von einem Objekt auf ein anderes
übergeht, nennt man das Energieübertragung.
Thermische Energie
Wenn Energie in heißen Objekten gespei-
chert ist, wird dies als Wärmeenergie oder
thermische Energie bezeichnet. Erhitzt man
Wasser für Tee oder Kaffee, nimmt seine
thermische Energie zu.
Auf einen Blick
✓ Energie tritt in verschiedenen Formen auf,
darunter thermische Energie, chemische Energie,
Lageenergie, kinetische Energie, elastische
Energie und Kernenergie.
✓ Energie kann von einer Form in eine andere umge-
wandelt und von einem Objekt auf ein anderes
übertragen werden.
Kinetische Energie
Ein Körper, der sich bewegt, besitzt
kinetische Energie. Je schneller er sich
bewegt oder je größer seine Masse ist,
umso höher ist seine kinetische Energie.
Chemische Energie
Die Energie, die in chemischen Bindun-
gen gespeichert ist, heißt chemische
Energie, z. B. die in Batterien und
Lebensmitteln gespeicherte Energie.
Spreng- und Brennstoffe speichern
große Mengen an chemischer Energie,
die bei der Verbrennung zu thermischer
Energie wird.
Kernenergie
Die Energie, die im Inneren von Atomen
gespeichert ist, nennt man Kern- oder
Atomenergie. Kernreaktoren, Atom-
bomben und die Sonne werden durch
diese Form von gespeicherter Energie
angetrieben.
Elastische Energie (potenzielle Energie)
Wenn man ein Gummiband auseinander-
zieht oder eine Feder zusammendrückt,
speichern sie elastische Energie, bis man
sie wieder loslässt. Auch beim Quetschen
oder Verdrehen von Körpern wird in ihnen
elastische Energie gespeichert.
Lageenergie (potenzielle Energie)
Objekte oder Personen, die auf eine
erhöhte Position gebracht werden, spei-
chern Lageenergie. Wenn ein Turmsprin-
ger herunterspringt, wird seine Lageener-
gie in kinetische Energie umgewandelt.
Wasserkraft
Wasserkraftwerke nutzen Lageenergie zur Stromerzeu-
gung. Man baut einen Staudamm, der einen Fluss in
einem Tal staut. So entsteht ein tiefer künstlicher See.
Wasser aus dem See fließt durch Rohre im Damm ins
Tal und bringt dabei Turbinen genannte Maschinen
dazu, sich zu drehen und Stromgeneratoren anzutrei-
ben. In den Turbinen wird Lageenergie in kinetische
Energie und schließlich in elektrische Energie umge-
wandelt, die unsere Haushalte mit Strom versorgt.
Energie 35
Energieübertragung
Wenn man das Licht anschaltet, Fahrrad fährt, Essen
kocht oder überhaupt etwas tut, überträgt man Energie
von einen Körper zum anderen und wandelt dabei oft
ihre Form um. Alles, was geschieht, beruht auf Energie-
übertragungen und Energieumwandlungen.
Energieübertragung durch Erhitzen
Beim Erhitzen eines Körpers wird Energie in Form von Wärme auf
ihn übertragen. Dadurch wird er entweder wärmer oder ändert
seinen Aggregatzustand. Hier wird chemische Energie, die im
Brennstoff gespeichert ist, in Wärmeenergie umgewandelt und
an das Wasser im Kessel übertragen. Das heiße Wasser kühlt
schließlich ab, weil Energie entweicht, doch die Gesamtenergie-
menge von Brennstoff, Gaskocher, Kessel, Wasser und Umge-