Vlad - Der Ursprung - Denis Mironovic - E-Book

Vlad - Der Ursprung E-Book

Denis Mironovic

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Beschreibung

Was passiert, wenn ein fünfjähriger russischer Einwanderer beschließt, der stärkste Mann der Welt zu werden – und dabei zwischen Pelmeni, Bruce-Lee-Videos und Kindergartenpolitik aufwächst? Vlad – Der Ursprung ist eine gnadenlos überzeichnete, provokant ehrliche und zugleich überraschend warmherzige Coming-of-Age-Geschichte. Mit schwarzem Humor, absurden Bildern und schonungsloser Selbstironie erzählt der Roman von einem Jungen, der zwischen Identitätssuche, Ausgrenzung, Größenwahn und ersten Gefühlen seinen Platz in der Welt finden muss. Vlad ist zu dick, zu wild, zu fremd – und genau deshalb unaufhaltsam. Er kämpft gegen Hunde, Mobber, Väter, Erzieherinnen und vor allem gegen sich selbst. Auf seinem Weg begegnet er Freundschaft, Liebe, Macht und deren dunkler Seite. Was als groteske Kindheitsfarce beginnt, entwickelt sich zu einer bitterkomischen Reflexion über Männlichkeit, Herkunft, Anerkennung und Selbstkontrolle. Dieses Buch ist laut, respektlos und voller Grenzüberschreitungen – aber auch ehrlich, verletzlich und erstaunlich philosophisch. Für Leserinnen und Leser, die Charles Bukowski, Heinz Strunk oder Helge Schneider nicht wegen der Nettigkeit, sondern wegen der Wahrheit schätzen. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, erzählt aus der Perspektive eines Kindes, das nie gelernt hat, leise zu sein.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 617

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Vlad – Der Ursprung

Das Leben in einer Wunschwelt

Kapitel 1: Krabbelgruppe Ahoi!

Kapitel 2: Wilde Nächte mit Block und Stift

Kapitel 3: Ab zu den großen Jungs

Das wahre Leben

Kapitel 4: Frühlife-Crisis

Kapitel 5: Zeit, erwachsen zu werden

Kapitel 6: Das Ende ist nahe!

Kapitel 1: Krabbelgruppe Ahoi!

Vlad hatte eine sehr schöne Kindheit. Er kam ursprünglich aus Russland und war nun nach Deutschland gezogen. Er stand zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder etc. vor einem Neuanfang. Seine sowjetischen Großeltern durften auch nicht fehlen. Vladimir, so abenteuerlustig er doch war, konnte nicht abwarten, diese neue Welt zu erforschen.

Also nahm er es sich zur Aufgabe, die Umgebung zu erforschen. Er durchstreifte die Nachbargärten und wollte einige Souvenirs mit nach Hause nehmen, da er gerne auch so großartiges Spielzeug hätte. In seinem früheren Leben gab es solche Dinge nicht, weshalb er sie umso mehr wollte.

Sein Blick fiel auf einen Spielzeugdinosaurier. Vlad hatte so ein schönes und himmlisches Wesen noch nie gesehen, weshalb er sich auf seinen Roller schwang und mit der gestohlenen Ware flüchtete. Man könnte glatt meinen: Der Junge hat die Kriminalität in den Adern. Als sich Vladimir in Sicherheit wog, erschien aus dem Gebüsch ein wütender Hund, der sich in seinem Territorium bedroht sah. Die beiden lieferten sich ein episches Rennen, genauso wie Bolt und Gatlin.

Schnell wurde klar, wer die Nase vorne hatte. Vladimir, benebelt von der Situation, verwechselte den Hund mit einem Tiger, den er mal im russischen Fernsehen sah, und strampelte umso mehr in die Pedale. Leider überschätzte das kleine Dickerchen seine eigenen Fähigkeiten und fiel vom Roller auf den Boden. Zu sehen, wie sich der Hund über ihn wie ein Raubtier aufbäumte, bereitete ihm die größte Angst seines Lebens. Die Folge aus dem kläglichen Versuch, wie Robin Hood zu erscheinen, führte dazu, dass der böse Hund ihm einen Denkzettel mitgab.

Der kleine Möchtegern-Capone erholte sich von diesem Vorfall nur schwer und verschanzte sich lieber zuhause, wo er von seiner Mama mit Tee und Pelmeni verwöhnt wurde. Pelmeni sind eine russische Spezialität und gleichzeitig Köstlichkeit. In Deutschland ist dieses extravagante Essen mit Teigtaschen vergleichbar. Teigtaschen mit Hackfleischfüllung. Einzigartig! Zu dem Kreis exquisiter russischer Speisen gehören noch Wareniki (aka Teigtaschen), Tschebureki (auch Teigtaschen) und Beljaschi (ebenfalls Teigtaschen).

Auf Dauer führte diese Behandlung dazu, dass der Meisterdieb noch schlechter wegrennen konnte, da er etwas zu viel Schaschlik auf den Knochen hatte. Wohl oder übel musste sich das kleine Dickerchen doch mal wieder vor die Tür trauen. Bewegung würde ihm mal ganz guttun und ein Muttersöhnchen sollte er schließlich auch nicht werden.

Zuerst hatte er große Angst, dass der böse Hund ihm nochmal in die Quere kommen würde. Aber irgendetwas war anders als beim letzten Mal. Es lag irgendetwas in der Luft, aber was? Während die Bowlingkugel seine Nase in die Luft streckte, um den Geruch zu wittern, lief ihm bereits der Speichel im Mund zusammen. Diesen Geruch würde er von überall erkennen! Jemand grillte Fleisch! Da der Zwerg diesen Geruch seit seiner Abschiebung nicht mehr genießen konnte, entschloss er sich, den Hudson Hawk wieder raushängen zu lassen und sich ein Stück T-Bone-Steak vom Grill auszuleihen.

Die Ängste um seinen Ruf als das netteste Kind der Ortschaft waren in den Hintergrund geraten! Seine Eltern zwangen den Jungen zu einer Diät, da er schon als 5-Jähriger mit einer Abrissbirne zu verwechseln war. Diese unfreiwillige Diät und der Mangel an Schaschlik sorgten dafür, dass der wehleidige Vlad seine animalische Seite rausließ und auf Jagd ging. Er nahm seine Beine und XXL-Hose in die Hand und lief der Nase nach.

Er schlich sich in den Garten der Familie ein und beobachtete das Geschehen. Der Tiger lauerte auf seine Beute! In einem unachtsamen Moment des Vaters erkannte die schamlose Bestie seine Chance! Der Tiger setzte zum Angriff an! Er rannte los, doch sein Übergewicht und seine dadurch verursachten X-Beine und sein Plattfuß ließen den Jungen so aussehen wie Baby Yoda, wenn er Jabba the Hutt verspeist hätte.

Der Junge nahm sich das dickste Steak vom Grill und machte sich auf den Heimweg. Wie Eric Cartman streckte er dem Grillmeister seinen Mittelfinger entgegen, während er sich mit der Beute aus dem Staub machte. Der Mann bemerkt es und wollte schon seine Schrotflinte holen, um dieses zurückgebliebene Wesen abzuschießen, welches ihm gerade seinen Abend ruiniert hatte. Natürlich hat er den Jungen nicht mit der Schrotflinte gelöchert, da er bemerkte, dass dies gar kein Goblin war, sondern einfach nur ein dicker Junge mit X-Beinen und Plattfuß.

Vlad wiegte sich in Sicherheit, doch dann geschah es. Als er um die Ecke rannte, sah er wieder den Teufelsköter. Diesmal war der Hund bereit, jedes Pfund aus seinen Knochen zu reißen. Der Rollmops machte sich bereit, ein Leben als Pharao zu führen und für sein Leben nur noch weiß gestreifte Kleidung zu tragen. Vlad kam der Schweiß und er nahm schon allein in diesem kurzen Augenblick 10 kg ab. Doch er bemerkte auf einmal, wie eine unfassbare Ruhe ihn durchströmte, fast so, als hätte er dreimal das Buch „Der tägliche Stoiker“ durchgelesen.

Er erinnerte sich an sein Training. Die ganzen harten Tage, an denen er bis zu 600 Pelmeni essen musste und seinem Vater die Rippen brach, als er sich auf ihn draufgeworfen hatte.

Der dickste Junge des Horizonts, auf den sogar Schweine neidisch waren, bekam ein unfassbares Selbstvertrauen. Der Tiger wurde wieder erweckt! Mit seinem T-Bone-Steak in der Hand war er bereit, Nägel mit Köpfen zu machen. Der Junge schwang seine Keule, um dem Hund eine richtige Schelle zu drücken, denn hier konnte es nur ein Tier geben. Der Hund aber wich der Steakkeule aus und gab dem Gangster den Gnadenstoß.

Der Vater der Familie beobachtete das Geschehen und eilte zum Jungen, um ihm seine weißen Streifen zu bringen. Der Vater tat aber nur auf nett, denn er war insgeheim sehr stolz auf seinen Hotdog und würde dem schwitzenden Jungen gerne nochmal selber ins Gesicht treten.

Vlad war am Boden zerstört! Er realisierte, dass er nicht nur extrem dick und unfähig, sondern auch ein Versager war.

Der Hund stolzierte hinfort und befahl seinem neuen Sklaven, ihm doch bitte Leckerlis zu besorgen. Eine solche Erniedrigung gab es in dem Leben dieses jungen Kämpfers noch nie. Als er kurz davorstand, wie ein kleiner Verlierer zu flennen, kam die Nachbarstochter aus dem Haus. Sie hatte den ganzen Kampf von drinnen gehört und wollte nachschauen, was los war. Mit ihrem lockigen Haar und den runden Bäckchen weckte sie eine noch unbekannte Seite in Vlad.

Vlad merkte, wie sich etwas unter seinem T-Shirt bewegte, und er hatte plötzlich das Verlangen, ihre Haare anzufassen. Am liebsten würde er ihr die Haare abrasieren, um sie für sich alleine zu haben. Er hatte offenbar eine Vorliebe für schöne Haare. Das musste er von seinem Vater haben.

Er schaute sie an, sie schaute ihn an und beide wussten genau, was passieren würde. Vlad holte den Rasierer raus und schnitt ihre Seiten auf 0. Naja, das hatte sich der Frauenversteher nur vorgestellt. In Wirklichkeit war er noch nie einem Mädchen so nahe gewesen. Die meisten Mädchen, die er davor gesehen hat, fand er irgendwie langweilig und nervig, außerdem riechen die immer so seltsam. Das Mädchen schaute ihn nur komisch an und in ihrem Kopf dachte sie daran, wie sie ihren Kampfhund auf ihn loslassen würde, wenn er sie auch nur falsch angucken würde. Die beiden schauten sich eine Weile lang an, bis sie die Stille brach.

„Was ist?“, fragte sie mit gerunzelter Stirn.

Der Vater erkannte die Lage und vermittelte. Obwohl er Vlad am liebsten durch das gesamte Dorf gejagt hätte, verzieh er ihm, da Vlad erst neu dazugezogen war.

„Das ist unser neuer Nachbar, meine Süße.“

Er sorgte dafür, dass sie sich gegenseitig vorstellten. Es stellte sich heraus, dass das hübsche Nachbarmädchen Sonja hieß. An diesem schicksalshaften Tag trug sie ein weißes Sommerkleid und ihre langen, blonden Haare wehten in der Sommerbrise. Vlad konnte seine Augen nicht von ihr lassen.

Der Vater erfuhr, wie diese diebische Katze hieß, welche ihm sein Steak gestohlen hatte.

Doch er sammelte sich wieder und ging ins Haus zurück und ließ die beiden alleine. Da der Vater weg war, packte Vlad seinen Rasierer aus und zauberte Sonja eine Glatze!

Ok, dieses Ereignis spielte sich wieder nur im Hirn des masochistischen 5-Jährigen ab. In Wirklichkeit aber sah es so aus, dass sich der Möchtegern-Macho im Anblick des schönen Mädchens eingenässt hatte. Er fing an zu weinen und rannte im flotten Gang nach Hause. Schritt für Schritt lief er wie ein breitbeiniger Kaiserpinguin davon, während Sonja ihm hinterherschaute. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.

„Was ist hier gerade passiert? Wer ist dieser Junge?“, fragte sie sich.

Sie lief mit einem großen Fragezeichen in ihrem Gesicht nach Hause.

„Was ist los, mein Schatz?“, fragte ihre Mutter. „Du siehst etwas verwirrt aus.“

„Mama, warum sind alle Jungs so blöd?“

Als Vlad zuhause angekommen war, bereitete ihm sein Vater eine extra Diätmahlzeit mit tonnenweisem Tofu zu. Der Junge war zu alt, um sich selber einzupullern.

„Wenn du nicht hören willst, dann musst du eben fühlen.“, sagte er mit strengem Ton.

Vlad war geschockt von der Situation!

Sein innigster Traum war es, der weltbeste Sumoringer der Welt zu werden. Wenn er nicht jeden Tag ein halbes Mammut essen würde, könnte er sich seinen Traum sonst wohin stecken. Seine Mama war nicht zuhause und er wusste nicht, wie er sonst an Essen drankommen sollte. Doch dann hatte er einen Geistesblitz! Anstatt sich den ganzen Vormittag die Augen auszuholen, entschloss er sich, seinem Vater eine Lektion zu erteilen. Der alte Denunziant sollte wissen, wer hier über das Essen regierte!

Vlad jedenfalls nicht, aber er stürmte in die Speisekammer und schob sich alles Essbare in den Mund. Er aß so schnell er konnte! Aus der Kammer rumpelte und pumpelte es, was seinem Vater nicht entging. Er nahm sich einen Besen und schlich sich langsam heran. Ein Waschbär musste versuchen, ihnen ihr Essen wegzustibitzen Dafür sollte er büßen!

Ein riesiger Schock durchdrang den Vater! Vlad war überglücklich. Nach dem verlorenen Kampf gegen den Hound Dog und der Blamage vor dem Mädchen fühlte er sich jetzt wie ein echter Kerl!

Um seinen Sieg zu feiern, erlaubte er sich, für 30 Minuten mit seinen Barbiepuppen zu spielen Dabei dachte er natürlich an das Mädchen von vorhin und er stellte sich vor, wie er ihre Haare essen würde.

Die Haustür ging auf und die Mutter kam von der Arbeit nach Hause. Freudestrahlend, dass sie endlich an ihrem lieblichen Heim angekommen war, machte sie sich auf die Suche nach ihrem Ehemann. Sie bekam den Schock ihres Lebens, als sie die ganze Wohnung voller Essensreste sah! Die Krümel waren auf dem Boden, an der Wand, an der Decke und ihr Ehemann lag weinend vor der Speisekammer.

So lange hatten sie diese Speisekammer aufgebaut. Während ihrer Zeit in Russland hatten sie sehr wenig zu essen, weshalb sie in Deutschland Vorkehrungen trafen. Der unausstehliche Hunger war ihr täglicher Begleiter. Zumindest ihrem Sohn wollten sie ein besseres Leben genehmigen. Dafür konnte nur einer verantwortlich sein!

Sie wusste, dass es diese kleine dicke Fressmaschine war! Sie ging in sein Zimmer, um ihm die Abreibung seines Lebens zu verpassen. Mit einem teufelsroten Kopf trampelte sie den Flur entlang.

„Der Junge wird sehen, wozu ich fähig bin!“

An seinem Zimmer angekommen, drückte sie die Türklinke nach unten und trat die Tür auf. Als sie ihn anschreien wollte, sah sie, wie der Junge an seiner Barbiepuppe kaute. Der Kopf seiner Puppe war in seinem Mund verschwunden. Während er sie auslutschte, bemerkte er, dass seine Mutter im Raum stand.

„Scheiße!“, murmelte er noch immer mit der Puppe im Mund.

Sie hatte genug gesehen. Sie nahm den Tofu, welchen der Vater zuvor zubereitet hatte, und schob ihn ihm tief in den Rachen. Vlad zappelte und flehte seine Mutter an, den Tofu nicht essen zu müssen, doch seine Mutter ließ nicht locker und holte einen extra Schuss.

Die ganzen nächsten Stunden verbrachte er weinend in seinem Bett, wohl bedacht, dass seine Ringerkarriere zu Ende war, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Seine Eltern fanden Ringer abstoßend, doch Vlad bewunderte sie. In einem 1vs1-Kampf zweier Ringer kann man die pure, männliche Romantik beobachten. Seine Eltern waren einfach viel zu schal, um das zu verstehen.

Der Mann des Hauses war fuchsteufelswild, dass Vlad sogar sein Frühstücksfleisch aufgegessen hatte. Und doch war er begeistert von seiner Fähigkeit, so viel verschlingen zu können. Er fühlte sich im Nachhinein schuldig, den Traum seines Sohnes zerstört zu haben. In naher Zukunft wird er das gut machen müssen.

Einige Tage vergingen und Vlad erlangte immer mehr gesunde Körperzellen. Nach circa 17 Tagen nahm Vlad wieder einige Kilos ab, somit sank sein Kampfgewicht von stolzen 90 Kilo auf nur noch 50. Jetzt konnte er nicht mehr durch die Straßen rollen. Nun wurde er nicht mehr gefürchtet. Seine Identität war somit zerstört. Er konnte sich an die Zeiten erinnern, als selbst die älteren Kinder Angst vor ihm hatten. Sie wussten, hätten sie Vlad auch nur doof angeschaut, hätte er das als Einladung genommen, ihre Familien umzurollen.

Vlad bat seine Eltern weiterhin darum, dass sie ihm wieder etwas Normales zu essen gaben. Er wollte nicht noch mehr Kilos verlieren, denn er verliert nie! Vlad fühlte sich wie eine Salzstange, doch es hatte auch seine Vorteile, die er erst nach und nach bemerkte. Zu seiner Überraschung passte er endlich durch die Wohnungstür. Es kam einige Male vor, dass er in ihr stecken blieb und sein Vater ihn erst mit Butter einreiben musste, um ihn herauszuholen. Jetzt mussten ihm seine Eltern nicht mehr das Essen ins Wohnzimmer bringen. Er war ab sofort selbstständig und könne die Küche auch ohne die Hilfe seiner Eltern plündern.

Durch seinen neuen, aerodynamischen Körper wirkte er viel attraktiver auf Mädels, was ihm auffiel, als er sich oberkörperfrei im Sonnenlicht badete und sich plötzlich Weibchen um ihn versammelten. Er wollte Sonja seinen superflachen Bauch zeigen. Damit wollte er sie herumkriegen, doch es kam anders. Euphorisch rannte er zu ihrer Haustür und hämmerte wie wild dagegen. Als Sonja die Tür schließlich öffnete, stand er bereits oberkörperfrei da, mit einer Rose im Mund.

„Bist du sicher, dass du mich nicht willst?“, fragte unser Möchtegern-Casanova so charmant, wie er nur konnte.

Sonja war von seinen Schweinerippchen nicht sehr beeindruckt. „Wenn du mich auf deinen Schultern tragen müsstest, dann würdest du wie ein Kartenhaus zusammenfallen, du Lauch!“, sagte sie hämisch und schlug die Tür hinter sich zu. Das schockte Vlad gewaltig, sodass ihm die Rose aus dem Mund fiel.

All diese Mühen, um ein Mädchen zu erobern, und doch waren die Anstrengungen umsonst. Neben der Tatsache, dass sie ihn kaum kannte, blitzte sie ihn ab. Nur weil er einen gesunden Körper hatte, konnte er sie noch lange nicht beeindrucken! Vlad merkte, dass es nicht reicht, einen Adonis-Körper zu haben. Er muss fit aussehen und ein Sixpack haben, denn wie jeder weiß, stehen Mädchen nur auf Typen mit nem 6er! Wie naiv man doch sein kann. Vlad humpelte mit geknicktem Stolz nach Hause. Er wollte 1000 Sit-ups machen, doch bekam nach dem 2. einen Muskelfaserriss.

Daraufhin pausierte er die nächsten 2 Monate, um seine Muskeln zu regenerieren. Wenn man zuvor noch nie Sport getrieben hat, sollte man es langsam angehen, denn man kann ein Auto schließlich nicht im sechsten Gang anfahren lassen. Er entschloss sich, einen Ruhigen zu machen. Ein Sit-up, ein Liegestütz und eine Kniebeuge pro Tag waren seine neue Religion. Wie ein dedizierter Jünger folgte er seinem neuen Kodex für die nächsten Wochen, doch nichts passierte.

Vlad wurde immer noch als Lauch beschimpft. Jeden Tag aufs Neue wurde er mit diesen Worten gequält. Größere Kinder aus der Nachbarschaft hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, ihn durch die Gegend zu schubsen. Vlad verlor sein Selbstwertgefühl, wenn er denn welches hatte, und wehrte sich nicht gegen seine Peiniger, weshalb sie ihn jeden Tag aufs Neue quälten.

Irgendwann entschied Vlad, dass es so nicht weitergehen könne. Er musste sich in Form bringen, um allen zu zeigen, dass er sich ändern kann. Also trainierte er jeden Tag mit Videos von Bruce Lee, die er seinem Vater gemopst hatte.

Er trainierte Side Kicks und den One-Inch-Punch, damit er sich im Notfall verteidigen konnte. Nach 7 Tagen intensiven Trainings entschloss sich Vlad, sein Training auf die Probe zu stellen. Bruce Lee Junior wollte sich gegenüber seinen Hatern behaupten. Wenn er schon nicht Profiringer werden konnte, dann wollte er so sein wie der größte Kampfsportler aller Zeiten! Er holte seinen Adidas-Sportanzug und seine Lackschuhe heraus und machte sich auf den Weg zu dem Ort, wo die harten Jungs abhängen. Zum Spielplatz!

Dort angekommen forderte er den Stärksten unter ihnen, also den Anführer, zu einem fairen Eins-gegen-eins heraus. Endlich konnte er ihnen zeigen, dass er nicht ganz so schwach war, wie es alle glaubten. Seine Mobber waren irritiert von seinem Versuch, sich zu wehren, weshalb sie ihn extra hart rannehmen wollten. Zwei Sekunden nachdem der Kampf begonnen hatte, endet er auch schon. Vlad lag am Boden, mit einer blutigen Nase. Viel zu übermotiviert und mit einem leichten Hauch von Größenwahn stürzte sich Vladimir in den Kampf, ohne zu wissen, was er überhaupt tat. Spätestens als eine Faust in seinem Gesicht landete, war sein Plan zunichte.

Nachdem Vlad eine erneute Niederlage einstecken musste, kamen weitere Selbstzweifel in ihm hoch. Er konnte seine Liebe des Lebens nicht beeindrucken und er konnte die Mobber nicht stoppen. Vlad sperrte sich für 3 Tage in seinem Zimmer ein, um nachzudenken. In einer Nacht tauchte Bruce Lee in seinen Träumen auf. Dieser berichtete ihm, dass Vlad viel zu ungeduldig sei und dass er, wenn er weiter alles gäbe, ein starker Junge werde.

Durch die aufmunternden Worte seines Idols fasste Vlad neue Kraft! Er entschloss sich, von zuhause auszubrechen und in die Wildnis zu flüchten. Dort wollte er im Einklang mit sich selbst kommen und seine Bestimmung finden. Nach 3 Stunden rannte er aber wieder nach Hause, da er ein 5-jähriger Junge ist und von den ganzen Wölfen im Wald genüsslich verspeist worden wäre, obwohl es dort keine Wölfe gab. Doch Vlad hatte zu oft Rotkäppchen gelesen. Zuhause gab es mächtigen Ärger für Vlad, der ohne die Erlaubnis seiner Eltern ausgebüxt war. Neben unzähligen Predigten, weshalb seine Aktion in die Hose hätte gehen können, bekam er auch saftigen Hausarrest.

Er hasste es, den ganzen Tag zuhause zu verbringen. Er wollte lieber nach draußen und die Welt entdecken! Doch obwohl seine Taten Konsequenzen forderten, bereute er rein gar nichts. Diese kurze Reise bewirkte etwas in ihm. Vlad erkannte seine Bestimmung. Er wollte der Beste sein! Er war mit allen Wassern gewaschen, um dieses Ziel zu erreichen! Zuhause eingesperrt trainierte er jeden Tag zu den Videos von Bruce Lee. Er ackerte wie ein Wahnsinniger und dachte an seinen größten Feind, als er gegen die Luft boxte.

„Du wirst schon sehen, Hans Jörg der 2. Dir und deinen Freunden werde ich den Zorn des Drachen spüren lassen!“

An einem geschichtsträchtigen Dienstag schlich sich Vlad aus dem Haus, um sich wieder seinen Erzfeinden zu stellen. Diese hatten die Nase langsam voll von ihm und wollten es schnell hinter sich bringen. Doch dieser Kampf sollte anders werden als alle zuvor, denn diesmal hatte Vlad seinen kleinen Freund dabei.

Als sich die Jungs auf ihn zubewegten, um seinem Gesicht einen neuen Anstrich zu verpassen, zog Vlad sein Messer. Das ehemalige Militärmesser seines Vaters. Bei dem Anblick dieses majestätischen Geräts nässten sich die Jungs im Nu ein. Als er sich auch noch in die Hocke begab und anfing, Russisch zu reden, machten sich die Buben schleunigst vom Acker! Der Gopnik war zurück!

Nach seiner erfolgreichen Schlacht war er der King des Spielplatzes. Jeder im Ort wusste, der Spielplatz gehörte Vladimir. Als er eines Tages zum Spielplatz gehen wollte, um sein Mafiageld von den Kindern abzuziehen, wurde er von Sonja aufgehalten. Sie fing an, mit ihm zu reden und sich für ihn zu interessieren. Dies lag daran, dass Vlad kein unsicherer, komischer Junge mehr war und das Geschäft richtig am Laufen war. So konnte er sie jeden Tag auf zwei Kugeln Eis einladen. Durch die Probleme, die er zum ersten Mal bewältigen konnte, wurde er kraftvoller und selbstbewusster. Der weibliche Instinkt in Sonjas Körper spielte verrückt! Ihr Kopf sagte ihr, dass sie ihn nicht aus den Augen lassen solle.

Nach genau 2 Wochen vom Hin- und Hergeplänkel stand Vlad vor ihrer Tür, mit einer Rose in der Hand. Die Mutter öffnete die Tür.

„Oh, Vladimir, du siehst aber schick aus. Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Ähh, ja.“, sagte er verlegen. „Könntest du Sonja an die Tür holen, bitte?“

Sonjas Mutter schaute ihn kurz an.

„Aber natürlich, Schätzchen. Warte kurz, ja.“

Vlad sah, wie die Mutter hinter der Tür verschwand und nach einigen Sekunden plötzlich Sonja auftauchte.

„Hallooo, was gibt’s denn?“, sagte sie mit einem süßen Lächeln.

„Ähhm, weißt du, wir haben uns die letzten Tage so gut verstanden und da dachte ich mir, dass wir vielleicht auf ein Date gehen könnten. Nur wir beide.“

Vlad kniete sich auf ein Knie und überreichte ihr die Rose. Er sah zu, wie ein Funkeln durch Sonjas Augen huschte.

„Omg ja! Supergerne. Ich habe nur darauf gewartet, bis du mich endlich fragst!“

Nun hieß es, keine Zeit mehr zu verlieren Vlad nahm Sonja bei der Hand und zusammen liefen sie zum Spielplatz. Sie schaukelten, rutschten und kletterten zusammen, wie ein echtes Abenteuerteam, so wie es ihnen bei Dora gezeigt wurde. Vlad fing an, sich Hals über Kopf in das Mädchen zu verlieben. Nachdem sie für Stunden zusammen rumgetobt hatten, machte Sonja ihm ein Angebot.

„Hey, hast du noch Lust, zu mir nach Hause zu kommen? Ich wollte dir unbedingt mal mein Zimmer zeigen.“

Vlad der Schlingel konnte natürlich nicht ablehnen! Er würde vielleicht eine riesige Chance verpassen. Sonja nahm Vlad bei der Hand und zerrte ihn mit sich.

„Oh mein Gott, das geht mir etwas zu schnell!“, dachte sich Vlad.

Dort traf er wieder auf den Vater, dem er das T-Bone-Steak klaute. Der Vater wollte den kleinen Gnom noch mal zur Rede stellen, doch da sein kleines Prinzesschen sich so gut mit ihm verstand, beließ er es dabei.

Stattdessen fiel ihm auf, dass Vlad um die 40 Kilo abgenommen hatte, und endlich erkannte er, dass Vlad gar kein Rollmops, sondern nur ein ganz normaler Junge war.

„Wow, Vladimir! Du siehst ja richtig gut aus! Hat man dich zum Schönheitschirurgen geschickt?“

„Was ist ein Chirurg?“, fragte ihn Vlad mit seiner kindlichen Unwissenheit.

Neben dem Vater tauchte auch die Tölpe wieder auf, die Vlad zweimal gebissen hatte. Früher hatte Vlad extreme Angst vor Hunden. In seinem früheren Wohnort gab es eine Töle, die man Rokko nannte, wobei es keine einfache Töle, sondern ein sibirischer Wolf war. Immer wenn er von Rokko angebellt wurde, verfiel er in Panik und lief schnell nach Hause. Seine Eltern warnten ihn, sich nicht mit Rokko anzulegen, da dieser ihn ohne Probleme kaltmachen würde. Als er Sonjas Hund zum ersten Mal begegnete, kam seine alte Angst hervor und das Einzige, woran er denken konnte, war die Flucht. Nachdem er von Sonjas Tölpel gebissen wurde, bemerkte er, dass es gar nicht so schlimm war. Ihr Hund war im Gegensatz zu Rokko ein kleines Hündchen. Somit verlor er seine Angst vor Hunden, solange diese keine sibirischen Wölfe waren.

Sonjas Hund wunderte sich auch, was mit dem dicklichen Jungen geschehen war, welchem er in die Hand gebissen hatte. Der Hund fühlte sich fehl am Platz und bellte ihn an, doch Vlad hatte gelernt. Nachdem er Wochen zu Bruce-Lee-Videos trainiert hatte, ist ihm klar geworden, dass man nicht alles mit Gewalt lösen kann. Manchmal braucht es nur ein wenig Liebe. Vlad erkannte seine Chance und setzte zum Angriff an! Mit Streicheleinheiten zwang er den Hund in die Knie. Der Hotdog, der übrigens Jürgen hieß, konnte der Streichelei nicht standhalten und ließ sich komplett gehen. So wurden zwei Freunde geboren.

Der Vater hatte genug! Erst freundete sich dieser Dieb mit seiner lieblichen Tochter und dann noch mit seiner Tölpe an! Er forderte Vlad zu einem Kampf heraus.

„Das wird mir hier langsam zu bunt! Du kannst nicht einfach in mein Haus spazieren und nehmen, was mir gehört. Dir werde ich Manieren beibringen!“

Sonja hatte Angst und wollte diesen Streit schlichten, doch Vlad akzeptierte die Kampfanfrage und machte sich in Kampfstellung! Nach dem Sieg gegen seine Mobber fühlte er sich für alles bereit.

Eine gefühlte Ewigkeit verging, in der sich beide in die Augen starrten. Sie musterten sich gegenseitig ab. Die Spannung war in der Luft zu spüren. Sonjas Hals schnürte sich zu und sie bekam keinen Ton mehr heraus. Auch die Tölpe konnte nur ein karges

„wuff“ herausbringen.

Der Mann des Hauses brach das Schweigen und setzte einen satten Schritt nach vorne. Seine Arme streckte er dabei aus, um Vladimir zu packen. Vladimirs Herz und Sinne blitzten auf. Seine Nackenhaare stellten sich auf und er wusste: Jetzt geht es los! Mit einem wendigen Seitwärtsschritt konnte er den Griffeln des Mannes geradeso entkommen. Seinen Gegenangriff startete er sofort. Die einzige Möglichkeit für ihn, einem so großen Mann wehzutun, war es, ihm zwischen die Beine zu treten, was er auch tat. Seine Fußspitze traf direkt die Kronjuwelen des Mannes.

Sein Gegner zuckte vor Schmerz zusammen und fiel zu Boden, doch er konnte nicht zulassen, dass ihn ein 5-jähriger Junge besiegte. Er wollte sich aufraffen, doch Vlad reagierte schnell und gab ihm einen Sidekick à la Antoine ins Gesicht. Der Vater ging ohnmächtig zu Boden. Und wenn er nicht gestorben wäre, dann hätten seine Klötten weiterhin wehgetan.

Vlad freute sich wie ein 4-Jähriger, dass er den Kampf gewonnen hatte. Nun war er sich sicher. Er war der Stärkste der Welt. Seine Euphorie wurde gegen die Wand gedonnert, als der Vater wieder aufstand.

„Das war beeindruckend, Kleiner! Du hast echt Mumm. Dass du mir zwischen die Beine getreten hast, war aber echt dreckig von dir.“, sagte er, während er sich am Kampf kratzte.

Vlads Kauleiste fiel zu Boden, als er bemerkte, dass Sonjas Vater nur mit ihm gespielt hatte. Ihr Vater leitete diesen Kampf nur ein, um Vlad Mut und seine Bereitschaft für Sonja zu testen. Er schenkte ihm den Sieg, um ihm seine Zustimmung zu zeigen. Schließlich durfte nicht jeder Junge einfach so mit seiner Prinzessin rumturteln! Sonja freute sich über den Sieg ihres Favoriten und umarmte ihn.

„Tut mir leid, dass ich dich nicht vorher gewarnt habe. Hach, mein Vater ist eben etwas komisch.“ Dabei kicherte sie selbstzufrieden vor sich hin.

„Du teuflisches Weib!“, entgegnete ihr Vlad entsetzt. Er tat zwar einen auf cool, doch in Wirklichkeit hatte er sich beinahe in die Hose gemacht.

Sie schlug vor, dass die beiden hoch in ihr Zimmer gehen. Vlad stimmte natürlich zu und beide gingen hoch. Sonja zeigte Vlad ihr Zimmer und ihre ganze Puppen- und Pferdekollektion. Während sie ganz stolz von ihrer Kollektion schwärmte und davon, dass sie bald ihr eigenes Pony bekommen würde, wünschte sich Vlad, vom Vater verprügelt worden zu sein. Für ihn gab es nichts Langweiligeres, als sich mit Puppen und Pferden auseinanderzusetzen. Deshalb schlug er ihr etwas vor.

„Hey, lass uns doch Doktorspiele spielen! Ich habe davon mal im Fernsehen gehört. Die sagten, das wäre verboten.“

In Sonjas Augen ließ sich ein Funkeln erblicken.

„Hihi, verboten sagst du? Dann lass uns das ausprobieren, doch wir müssen leise sein, damit Mama und Papa das nicht mitbekommen.“

Sonja liebte es, verbotene Dinge zu tun, obwohl es ihre Eltern streng untersagten. Es gab ihr den Kick, den sie so sehr liebte. Sie zögerten keine Sekunde und machten sich direkt ans Werk. Als sie gerade dabei waren, den Höhepunkt des Spiels zu erreichen, hörten sie ein lautes Knatschen hinter der Tür.

„Oh nein, das ist meine Schwester!“, flüsterte Sonja mit panischer Stimme.

Doch es war bereits zu spät. Die große Schwester von Sonja kam ins Zimmer und sah beide bei den Doktorspielen. Die Schwester, sichtlich verwirrt, starrte die beiden zunächst an.

„Das werde ich Mama petzen.“, sagte sie mit weit offenen Augen.

Vlad und Sonja erklärten ihre Situation, dass sie mal davon gehört haben und es ausprobieren wollten. Sonjas große Schwester gab damit endlich Ruhe, schließlich habe sie es in ihrem Alter ja auch gemacht. Vlad hatte auf jeden Fall großen Spaß daran, obwohl er nicht wusste, wieso es so war. Er hatte bis dahin noch keinerlei Erfahrungen mit Mädchen, doch er wusste sofort, dass sie ihm wirklich gefiel. Vlad und Sonja verbrachten den ganzen Tag gemeinsam. Sie legten sich in ihr Bett und schauten etwas fern. Vlad genoss das wollig-warme Gefühl in seiner Brust und den süßen Geruch in seiner Nase. Sie genossen die Zeit zusammen, aber irgendwann musste Vlad nach Hause. Es machte so viel Spaß, dass es plötzlich dunkel wurde.

„Ah, du meine Güte. Es ist ja schon dunkel. „Meine Eltern werden mich ausschimpfen, weil ich zu spät zum Essen komme!“, platzte es aus Vlad heraus.

Er stieg aus dem Bett und wollte direkt abziehen, doch Sonja hielt ihn bei der Hand fest.

„Bevor du gehst, wartest du noch einen Augenblick, ja?“, grinste sie ihn an.

Sonja schenkte ihm zum Abschied einen Plastikring. Dieser sollte ihre Verbundenheit symbolisieren. Vlad bekam einen blauen und sie einen pinken Zunächst wusste er gar nicht, was er damit anfangen sollte.

„Was ist das denn?“, fragte er mit gerunzelter Stirn.

„Das ist der Beweis für unsere, ähhh, Freundschaft!“, sagte Sonja und zog ihren Ring an. „Komm schon, jetzt du!“

Vlad tat, wie man ihm befahl, und quetschte den Ring über seinen Wurstfinger. Einen noch engeren hätte sie wohl nicht besorgen können. Jedoch hatte sie nun Gewissheit, dass er den Ring nicht abnehmen würde. Wie auch? Ohne Amputation wäre das kaum möglich gewesen. Über die ganzen nächsten Tage trugen sowohl Vlad als auch Sonja diesen Ring.

Dieser Ring zeigte ihre Gefühle zueinander und Vlads Schmerzen in seinem Wurstfinger, selbst wenn sie nicht zusammen waren.

Wenige Wochen später besuchte Vlad zum ersten Mal den Kindergarten. Voller Erwartungen lag er nachts unruhig im Bett.

„Werde ich Freunde finden können? Werden mich die anderen Kinder mögen?“

All solche Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf. Ein Nachteil hatte die Sache aber schon im Vorfeld. Es gab keinen leckeren russischen Tee, wie bei Mama zuhause. Almänner können keinen Tee kochen! Seine Mutter versprach ihm, ihn jeden Tag mit Tee zu überschütten, wenn er von dem Kindergarten nach Hause kommen würde. Das Argument hatte eine starke Gewichtung und er hatte auf einmal große Lust auf den Kindergarten. Er legte sich in die Heier und träumte von einem wundervollen Tag im Kindergarten. Zwar hasste er Kinder, da sie sich immer aufgrund seiner Herkunft über ihn lustig machten, doch er versuchte, positiv zu denken.

Am nächsten Morgen strampelten Vlad und seine Mutti in den Hof des Kindergartens. Alle Kinder schauten Vlad an und zum ersten Mal verspürte er sozialen Druck. Seine Befürchtungen am Vorabend machten ihn unsicher. Die Kindergärtnerinnen freuten sich über das hübsche, neue Gesicht und wollten Vlad direkt begrüßen.

Naja, eigentlich stellten sie Vlad allen anderen Kindern vor. Er konnte kaum Deutsch, doch um sich zu verständigen, reichte es völlig aus. Zum Glück war Vladi ein sprachliches Genie gewesen.

Er schrie „Guten Morgen“ in die Runde, um alle zu begrüßen.

Die anderen Kinder riefen „Hallo“ zurück.

Wenn der Döner spricht, dann haben die Zwiebeln zu antworten. Die Erzieherin beauftragte ein Kind, Vladimir, das Gebäude zu zeigen. Stuvie wurde als Bote ausgewählt. Die beiden verstanden sich auf Anhieb richtig gut! Er war nett, hilfsbereit und witzig und beschenkte Vlad quasi mit seiner Aufmerksamkeit. Vlad wurde von ihm durch das Gebäude geführt. Während er ihm das Gebäude zeigte, half er ihm dabei, neue Wörter kennenzulernen. Stuvie war etwas Besonderes, da er das erste Kind war, welches nicht voreingenommen gegenüber Vlads Herkunft war. Während die anderen Kinder sich von ihm abwandten, da er Ausländer war, schien Stuvie kein Problem damit zu haben. Er wurde Vlads erster richtiger Freund.

Nachdem Stuvie dem Ausländer das ganze Gebäude gezeigt hatte, gingen sie wieder zur Gruppe zurück. Die Kindergärtnerin bereitete schon einige Gruppenspiele vor, damit sich die Kids untereinander besser kennenlernten. Es machte Vlad sehr viel Spaß, doch dann bemerkte er, wie ein Junge einen anderen ärgerte. Die anderen lachten darüber und Vladi dachte, dass so etwas cool sei.

Davon ließ er sich inspirieren und ärgerte ein Mädchen, indem er ihr so lange an den Haaren zog, bis er einige Strähnen in der Hand hielt. Sie fing daraufhin sofort an zu weinen. Sofort rannte sie zur Erzieherin und verpetzte ihn, woraufhin er eine Standpauke von ihr erhielt. Seitdem hasst er Petzen.

„Du bist gerade zum ersten Mal hier und schon ärgerst du ein anderes Kind? „Hat man dich zuhause schlecht erzogen oder bist du unter Affen groß geworden?“

Vladimir schnalzte mit der Zunge und wollte der Frau einige russische Schimpfwörter an den Kopf hauen.

Stattdessen sagte er: „Ich habe nicht verstanden.“, mit seinem russischen Akzent.

Jedoch fand er es witzig, dass die Erzieherin ihn als einen Bananenfresser beleidigte. Lustigerweise liebte Vlad Bananen. Schon seit seiner Kindheit konnte er sich unzählige von diesen Dingern hinter den Latz knallen. Sein Vater nannte ihn auch immer einen Affen, daher machte ihm die Anfeindung seiner Erzieherin nichts aus. Doch er lernte früh seine Lektion, dass es überhaupt nicht cool ist, andere zu ärgern oder schlecht zu behandeln. Er lernte, wie man ehrlich und authentisch mit anderen in Kontakt tritt. So setzte er seine neuerlangten Fähigkeiten direkt in die Tat um.

Nach anfänglicher Skepsis gegenüber Vlad wurde dieser immer populärer. Man erkannte, dass er ein ganz normaler Mensch war, obwohl er eine andere Abstammung hatte. Doch obwohl Vlad immer mehr Freunde gewann, fühlte er sich im Herzen einsam. Seine „Freundschaften“ waren größtenteils oberflächlich und niemand interessierte sich für tiefgründige Dinge. Eine Freundschaft, die zugrunde geht, wenn man mal nicht miteinander spielt, ist keine echte Freundschaft. Er wollte über Gefühle reden, doch als er das den andern vorschlug, schauten sie ihn nur alle schief an.

„Was ist mit dem los?“, flüsterten sie untereinander.

Vlad fand schon früh Interesse an philosophischen Betrachtungsweisen. Der Sinn des Lebens, also der Grund, warum er auf der Welt ist, interessierte ihn brennend. Wenn er jedoch mit seinen gleichaltrigen Spielkameraden darüber redete, fragten sie ihn:

„Was ist denn mit dir falsch gelaufen? Hat man dich bei der Geburt fallen gelassen?“

Offenbar war seine Tiefgründigkeit abschreckend für alle anderen. Nach und nach grenzten sich die Kinder von Wladimir ab. Etwas seltsam sei er. Nun war er wieder allein und ausgeschlossen. Als Vlad allein auf der Schaukel saß und sich in seiner Einsamkeit wühlte, kam Stuvie vorbei und leistete ihm Gesellschaft.

„Hey, alles klar bei dir? Ich habe gehört, dass die anderen nicht mehr mit dir spielen wollen.“

„Ja“, antwortete Vlad seufzend.

„Ich weiß zwar nicht, was passiert ist, doch ich will, dass du weißt, dass du mein Freund bist, egal was andere von dir halten.“

Mit einem breiten Lächeln streckte Stuvie Vlad seine Hand entgegen, welcher diese mit Tränen in den Augen annahm.

„Ich danke dir, Stuvie.“, schluchzte Vlad aus sich heraus.

Letztendlich war es Stuvie, der ihn als Einziger verstehen konnte. Er war auch immer alleine gewesen und fühlte Vladis Schmerz. Stuvie war aufgeschlossen, freundlich und abenteuerlustig, doch irgendwie konnte er die wichtigste Kraft im Leben nicht spüren, nämlich Liebe und Zuneigung. Sie waren sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Stuvie hatte keine Lust auf oberflächliche Freundschaften, die nach einem Streit beendet waren. Er wollte einen echten Freund. Ab da an waren die beiden unzertrennlich. Sie machten alles nur noch als Team. Sie verbrachten ihre Zeit im Kindergarten zusammen, spielten zusammen, aßen zusammen. Durch Stuvies Einfluss lernte Vlad, richtig Deutsch zu sprechen. Sie gingen durch dick und dünn und prügelten sich notfalls mit anderen Kindern, die ihrem Freund etwas zuleidegetan hatten. Sie bekamen jedes Mal auf den Deckel, doch man verzieh ihnen, da sie unglaublich klug und fleißig für ihr Alter waren.

Bei Vlad z. B. zeichnete sich eine einzigartige Gabe ab. Er konnte schon bis 100 zählen, damit war er der Rockstar des Kindergartens. Durch Stuvie hatte er Selbstvertrauen erlangt und konnte seine Fähigkeiten frei entfalten. Nach seiner ersten Woche im Kindergarten genoss er das Wochenende, doch als er am Montag wieder in den Kindergarten kam, war etwas anders. Die älteren Kinder waren von ihrer einwöchigen Expedition zurück. Schon erblickte er sie, als Vlad beim Vorbeigehen über den Zaun lugte. Diese Kinder waren größer und reifer als alle anderen. Sie waren die Löwengruppe, welche nächstes Jahr in die Schule gehen durfte Vlad war verblüfft von ihrer schieren Präsenz. Die älteren Kinder kannten ihn noch nicht. Er stellte sich einigen unterwürfig vor. Manche nahmen die freundschaftliche Geste an und manche wiesen ihn ab. Unter all denen, die ihn abwiesen, gab es einen, der Vlad so gar nicht leiden konnte.

„Was willst du denn, du Drecks-Russe?! Verpiss dich dahin, wo du hingehörst!“, knurrte er mit böswilligem Ton.

Vlad wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Seine Augen konnte er nicht von ihm abwenden, ehe die Kindergärtnerin kam und die Kinder zu sich bat. Sie entschied, ein weiteres Spiel zu spielen, diesmal mit den älteren Kindern zusammen. Da noch weitere Neukömmlinge am Start waren, wollte sie alle miteinander näherbringen. Eine Party Völkerball sollte die Kinder zusammenschweißen. Die Teams lauteten „Klein“ gegen „Groß“ Unmittelbar nach Start des Spiels konnte man freudige Gesichter der Kleinen erkennen. Sie durften anfangen und warfen ihre Völkerbälle mit allem, was sie hatten. Die Freude verging schnell, als die Großen werfen durften. Einen nach dem anderen trafen sie ins Gesicht und ließen sie heulend am Boden zurück. Dieses heiß herbeigesehene Spiel wurde zu einem Massaker und einem Überlebenskampf für die Kleinen. Es ging um ihre Ehre und ihren Stolz. Einen Ball ins Gesicht zu bekommen und danach zu heulen, zeichnet keinen Krieger aus. Leider wurde bis Ende nahezu jeder einzelne von einem Ball ins Gesicht getroffen und heulend auf dem Boden sitzen gelassen. Die Großen amüsierten sich über ihre schiere Überlegenheit und warfen manchmal sogar nach, wenn ein kleineres Kind am Boden lag.

Zu ihrem Überraschen verfehlten ihre Würfe ein bestimmtes Ziel immer und immer wieder. Die Kleinen schauten vom Seitenrang zu und sahen, wie eine Gestalt noch größer wirkte als die Großen selbst. Vladi, der durch das beschwerliche Bruce-Lee-Training mit den älteren Kindern mithalten konnte. Er fing ihre Würfe oder wich ihnen geschickt aus. Obendrauf schmiss er Schmetterbälle, die den Großen beinahe die Rippen brachen. Mit mittlerer Anstrengung schaffte er es, jedes der größeren Kinder zu Boden zu werfen und ihren Stolz als Krieger zu brechen. Von diesem Tag an wusste jeder: Vlad war der König der Tiere. Seine Bewegungen waren so vornehm und bezaubernd. Er hatte seinen Körper voll unter Kontrolle, vergleichbar mit einem Schmetterling.

Zu dieser Begebenheit sagte Mohammed Ali später: „He float like a butterfly and sting like a bee.“

Dieses legendäre Zitat, welches auf den damals besten Boxer aller Zeiten zurückzuführen ist, stammt zwar lange vor Vlads Zeit, ändert aber nichts an der Stimmigkeit. Dieses Zitat war eines von seinen Lieblingen gewesen. Schon früh interessierte er sich für große Kämpfer. Sie waren stark, mutig und nobel. Diese Begeisterung hatte er wohl von seinem Vater geerbt, da dieser nicht nur davon begeistert, sondern auch selbst in diesem Bereich aktiv war. Nachts vor dem Schlafengehen erzählte er Vlad von seinen vielen Geschichten und Erfahrungen und den heldenhaften Kämpfen, die er bestritt. Vlad sah seinen Vater als großes Vorbild.

Seine Anstrengungen zahlten sich aus. Die anderen Kinder bewunderten ihn für seine Fähigkeiten. Nach langer Zeit fühlte sich Vlad besonders. Davor haben ihn noch nie so viele Menschen bewundert. Er dachte ständig, dass etwas mit ihm nicht stimme, wenn er anderen Kindern dabei zusah, wie sie ganz einfach Freunde gewinnen konnten und sich selbstbewusst zeigten. Er hingegen hatte Probleme damit, sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen. Wobei er früher aufgeschlossen war und gerne auf andere Kinder zuging Das änderte sich, seit er wegen seines Gewichtes gemobbt wurde. Die unpassenden Bemerkungen über seine Herkunft lernte er zu ignorieren, doch die Hänseleien über sein Gewicht nahmen ihn sehr mit. Zeitweise traute er sich nicht, in den Spiegel zu sehen. Seitdem versuchte er, den Kontakt mit anderen Kindern zu meiden, doch durch Sonjas und Stuvies Einfluss änderte sich das allmählich.

Das war der bisher schönste Tag in seinem Leben. Er hatte das Gefühl, zuhause zu sein, nachdem er aus Sibirien auszog und seine Eisbär- und Wolfsfreunde zurückließ. Doch so schön dieses Gefühl auch war, lernte er, mit den Gefahren umzugehen. So viel Lob und Aufmerksamkeit bekam er noch nie, weshalb es ihm zu Kopf stieg. Er betrachtete es als selbstverständlich und warf seine alten Prinzipien von Respekt und Fürsorge aus dem Fenster. Er wurde richtig gemein und bissig denen gegenüber, die nicht taten, was er sagte. Eines Tages befahl er seiner „Gang“, dass sie jetzt schaukeln würden, und wie immer stimmten ihm alle zu, außer ein Kind. Ein Junge stellte sich ihm in den Weg und sagte, dass er nicht mehr tun würde, was Vlad ihm sagte. Er wolle endlich tun, was er wolle. Daraufhin schwang Vlad seine Plastikschaufel und zog sie dem Jungen ins Gesicht. Dieser fiel daraufhin zu Boden und fing an zu weinen. Eine Erzieherin beobachtete das ganze Schauspiel und ihr platzte der Kragen.

„SO, jetzt ist aber auch mal gut jetzt! Du führst dich die ganze Zeit auf und schubst die anderen Kinder herum. Ab sofort bleibst du 2 Wochen zuhause und darfst erst wieder herkommen, bis du deine Lektion gelernt hast!“

Sie strampelte wutentbrannt davon und kontaktierte Vladis Eltern, welche ihn sofort abholten. Zuhause erwartete ihn die richtige Hölle, doch wie ein dogmatischer Narzisst war er der felsenfesten Überzeugung, das Richtige zu tun. Er entwickelte sich zum Paten der Kindermafia. Während der zwei Wochen wurde Vlad in seinem Zimmer eingesperrt und mit sich selbst alleine gelassen. Nach genau 12 Tagen traf er erneut auf seinen größten Helden. In seinen Träumen. Sein größtes Vorbild stand ihm unmittelbar gegenüber.

Bruce Lee sprach zu ihm: „Mein Kind. Ich sehe großes Potenzial in dir, doch eine dunkle Macht hat dich in ihren Besitz genommen. Die einstige Güte, die in deinem Herzen schlummerte, wird von einem Schleier der Ignoranz getrübt. Um eine große Persönlichkeit zu werden, musst du wieder zu deinem gütigen Selbst zurückfinden und die Menschen, die dir wichtig sind, zu schätzen lernen.“

Mit diesen Worten und einigen Flick-Flacks verabschiedete sich der Meister und Vlad sah ihn nie wieder. Erst jetzt wurde Vlad bewusst, welche Gräueltaten er begangen hatte, und er erkannte, was aus ihm geworden war, und schämte sich dafür. Bruce hatte völlig recht. Dies war nicht der Weg, den er gehen wollte. Er ist auf einen völlig falschen Pfad abgedriftet.

Vlad ließ seiner Frustration und Schuld freien Lauf. Tränen flossen seine kleinen Wangen hinunter. Er bedankte sich bei seinem Vorbild, welches er als seinen Meister schimpfte. Er schwor sich, wieder auf den rechten Pfad zurückzufinden. Mit eiserner Faust wollte er die Kontrolle über sich selbst erlangen und ein tugendhafter Stoiker werden.

„Ich werde mich meinen Impulsen nicht mehr hingeben. Sie sind kontraproduktiv und schänden meinen Verstand. Ich habe den Mut, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen, und deshalb bleibe ich auf dem Boden.“

In dieser Nacht schlief er auf dem kalten Paketboden und fing sich eine Erkältung ein. Doch das war es wert, da er so der tiefen Dunkelheit seiner Seele entkommen konnte.

Es war ein sonniger Samstag, es war Wochenende. Vladi hatte genug Zeit, um über den Kindergarten nachzudenken. Die letzten Tage hatten es echt in sich. Es ist viel passiert. Vlad schämte sich für all die Missetaten, die er beging. Er beschloss, seine Beliebtheit aufzugeben und ab sofort ein besserer Mensch zu werden und den Prinzipien des Bruce Lee und der Stoiker Gehorsam zu leisten. Vlad nahm sich nochmal mehrere Stunden für sich selbst, um seine Grundsätze, das Grundgesetz seines Handelns, zu entwerfen und in seine geistige Welt zu integrieren.

Danach folgte auch schon die nächste Aufgabe: seinen Körper und Geist stählen Sport half ihm, den Kopf freizubekommen und Selbstdisziplin aufzubauen. Vlad brachte sich über Stunden hinweg an seine körperlichen Grenzen und versuchte, sie zu sprengen. Das Training saugte ihm jede Kraft aus dem Körper, weshalb er in einen ohnmächtigen Zustand fiel und einige Minuten brauchte, um wieder auf die Beine zu kommen.

Nach dem Training beschäftigte er sich mit weit wichtigeren Dingen: seinen Beziehungen. Er hatte Sonja schon länger nicht mehr gesehen. Aus irgendeinem Grund zog sich seine Brust zusammen, wenn er auch nur an sie dachte, und er fühlte sich leer, wenn sie nicht bei ihm war. Vlad hielt es nicht mehr aus! Er musste sie sehen! Jetzt sofort!

In den längst vergangenen Zeiten der Steinzeit, als es nur Monster-Telefone für Superreiche gab, musste man sich noch anders verabreden. Vlad nahm seine Beine in die Hand und hechtete 50 Meter zu Sonjas Haus.

Als er tatsächlich vor ihrer Tür stand, blieb sein Herz irgendwie stehen und sein Atem wurde schneller.

„Vielleicht sollte ich sie nicht stören. Sie hat sicher etwas zu tun.“

Vlad drehte sich um und setzte einen Schritt weg von der Tür.

„Was mache ich hier?“

Er schüttelte sich eine Backpfeife ab und drehte sich wieder zurück zur Tür.

„So kurz vorm Ziel kann ich mich nicht drücken. Nur Mut!“

Vlad fasste sich ein Herz und hämmerte an die Tür. Es dauerte Sekunden, die sich wie Jahre anfühlten, bis er Schritte hörte. Sonjas Mutter öffnete die Tür.

„Hallo Sonjas Mama! Hat Sonja heute Zeit?“

Die Mutter grinste Vlad nur kurz an.

„Hoffentlich kümmerst du dich gut um meine Tochter.“, und ging wieder ins Haus hinein.

Fünf Sekunden später stand Sonja fertig vor der Tür.

„Meine Mama sagte, ich habe Zeit, also los geht’s!“

Vlad schaute sie ungläubig an.

„Äh, soweit habe ich gar nicht gedacht. Keinen Plan, was wir machen könnten.

Sonja haute ihm auf die Schulter.

„Ahh Menno! Ich war so aufgeregt, weil ich dachte, du hättest was Spannendes geplant. Du bist der Junge. Du musst mich zum Date ausführen!“

Vlad überlegte schwer. Schweiß floss von seiner Stirn. Er musste seinen Stolz als Mann und die Ehre seiner Eltern bewahren. Als einzige Möglichkeit fiel ihm die einstige Metropole seiner Macht ein. Der Spielplatz.

„Ich hab's!“, brüllte er heraus. „Wir gehen zum Spielplatz und dann zeige ich dir, was es heißt, richtig zu schaukeln!“

Sonja nickte.

„Dann zeig mir, was du draufhast, du Anfänger!“

Sonja nahm Vlad an der Hand und lief mit ihm zum Spielplatz. Auf dem Spielplatz zeigte sie dem Quotenrussen, wer der echte Herrscher des Spielplatzes war. Sie stieß Vlad so lange auf dem Karussell an, bis dieser sich erbrach. Um runterzukommen, setzten sie sich auf die Schaukeln und redeten ein bisschen. Vlad hing an ihren Lippen wie eine Biene am Honig. Sie war eine echte Quasselstrippe und konnte pausenlos reden, ohne den Hals voll zu bekommen. Doch ihre Augen strahlten dabei wie ein Sternenhimmel. Vlad hörte ihr einfach zu und bewunderte dieses Strahlen. Ihre Stimme glich einem Engelschor. Sanft und warm. Er wolle für immer diese Stimme hören.

Da kam ihm eine Idee.

Er unterbrach sie. „Weißt du, Sonja, mir ist grad eine gute Idee gekommen. Wir sollten heiraten!“, sagte er überzeugend.

Sonja stockte kurz. „Heiraten? Bist du dir sicher, dass du das willst?“

Vlad streckte seine rechte Hand aus und zeigte ihr seinen Ring. „Aber natürlich! Wir sind quasi verlobt. Wird Zeit, ernst zu machen!“

Sonja grinste ihn an. „Oh, bist du cool. Dann lass uns heiraten. Ich bin mir sicher, du hältst es sowieso nicht so lange aus, genauso wie im Karussell.“

„Dir zeige ichs!“, dachte sich Vlad, dessen Magen sich alleine beim Gedanken daran verdrehte.

Während Vlad versuchte, die zweite Welle in sich zu behalten, nahm Sonja ihn am Arm.

„Meine Schwester soll unsere Trauzeugin sein. Ich erwarte dich morgen auf dem Spielplatz! Ich hoffe, du kneifst dich.“

Sie umarmte Vlad und hüpfte zufrieden zurück nach Hause.

Den verbleibenden Tag verbrachte Vlad in nervöser Vorbereitung. Alles musste perfekt sein! Er erzählte seinen Eltern von seiner künftigen Hochzeit.

„Sehr gut, meine Jungen Du bist genauso ein Playboy wie dein Vater in seinen besten Jahren.“, sagte sein Vater spielerisch.

Seine Mutter gratulierte ihm ebenfalls für seinen guten Fang.

„Hach, wie schnell sie nur erwachsen werden“, schwebte sie in Erinnerung.

Vlad fragte seine Eltern über alles aus, was es über Hochzeiten zu wissen gibt. Er sog das Wissen auf wie ein Schwamm, denn sein Ziel war es, der beste Ehemann aller Zeiten zu werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, wollte er den Kindergarten schmeißen und arbeiten gehen. Schließlich müsse er als Mann seine Familie ernähren. Sein Plan scheiterte, da kein Betrieb auf Kinderarbeit stand.

Am nächsten Morgen erwachte Vlad wie von einer Granate geweckt aus den Federn.

„Heute ist es so weit!“

Er aß etwas, wusch sich und zog sich einen Anzug und Lackschuhe an, die er zufällig in seinem Schrank fand. Bevor er das Haus verließ, wünschten ihm seine Eltern viel Glück und seine Mutter gab ihm einen Kuss auf die Wange. Jetzt hieß es: alles oder nichts. Mit zögerlichem Schritt marschierte er in Richtung Spielplatz. Jeder einzelne Schritt machte seinen Atem immer schwerer und seine Aufregung immer größer. Am Spielplatz angekommen, sah er auch schon zwei Gestalten, die auf ihn warteten.

„Da bist du ja, Vlad!“, rief Sonja. „Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.“

Sonjas Anblick verschlug Vlad die Sprache. Sie sah aus wie eine Prinzessin in ihrem pinken Kleid und mit geflochtenen Haaren. Ihre Schwester stand glückserfüllt neben ihr und konnte es kaum erwarten, eine junge Liebesbeziehung zu entflammen. Vlad trat direkt vor Sonja und schaute ihr in die Augen.

„Wow, du siehst echt hübsch aus.“

„Danke, der Anzug steht dir auch sehr gut.“

„So, keine Zeit mehr verschwenden.“, unterbrach sie Sonjas Schwester. „Ich möchte mit der Trauung beginnen.“

Vlad und Sonja traten näher nach vorne und hielten sich an den Händen. Die Sonne schien und der Himmel war klar. Ein perfektes Wetter, um ihre unendliche Liebe zu besiegeln.

„Willst du, Vladimir Nikolajewitsch, Sonja als deine Frau nehmen und sie lieben und ehren?“

Vlad zögerte keine Sekunde. „Ja, ich will!“

„Und willst du Sonja Hecke Vladimir deine bedingungslose Liebe und Treue schwören?“

„Ja, ich will!“, antwortete Sonja entschlossen.

„Gut, dann darfst du die Braut jetzt küssen!“

Vlad packte Sonja an der Schulter und zog sie näher zu sich. In ihren Augen erkannte er, dass es auch ihr erster Kuss war, was ihm ein bisschen die Angst nahm.

„Egal. Augen zu und durch!“, dachte sich Vlad.

Er schloss seine Augen und spreizte die Lippen, während er ihr Gesicht immer und immer näher an seines zog. Sonja tat das Gleiche und ließ sich von Vlad führen. Ihre Lippen waren nur noch eine Haarbreite voneinander entfernt.

„Halt! Stopp!“, schrie Sonjas Schwester. „So geht das nicht!“

Vlad und Sonja erschraken und lösten sich aus ihrer Trance. Ihre große Schwester hat ihnen den Kuss versaut und das machte Sonja zornig.

„Du blöde Kuh, warum musst du uns unterbrechen?“

„Wir haben noch etwas Wichtiges vergessen.“, sagte Sonjas Schwester mysteriös.

Sonja und Vlad schauten sich in die Augen „Etwas Wichtiges vergessen?“, antworteten beide zur exakt selben Sekunde.

In diesem Moment holte Sonjas Schwester eine Kamera aus ihrer Tasche und richtete sie direkt auf die beiden. „So, bitte fortfahren. Wir müssen den Moment schließlich verewigen.“, sagte sie kichernd.

Vlad hatte die Nase voll. Er wollte nichts anderes, als Sonja endlich zu küssen. Während sie sich über die Kamera beschwerte, nutzte Vlad die Chance und küsste sie ohne Vorwarnung. Sonjas Schwester reagierte blitzschnell und knipste das Foto, welches keiner der Beteiligten vergessen würde.

Genau zwei Tage später ließen sich die beiden erneut verheiraten, denn doppelgemoppelt hält besser. Die zweite Hochzeit sprach sich auch im Dorf herum, weshalb ihnen immer mehr Leute auf der Straße gratulierten Plötzlich tauchten Verwandte auf, die man davor noch nie gehabt hat, und tun so, als ob man ihnen wichtig wäre. Sonjas Schwester schien das alles am meisten zu freuen.

„Wir müssen das Ganze noch feiern!“, sagte sie mit Strahlen in den Augen.

Sie lief schnell nach Hause und entwarf eine Einladung zur Hochzeitsparty und stellte sie im Dorfgemeinschaftshaus aus. Jeder war willkommen. Gegen Abend füllte sich der Garten von Sonjas Familie. Immer mehr Menschen trudelten ein und brachten ein paar Präsente mit. Sonjas Schwester sorgte für gute Musik und ihr Onkel stand vor dem Grill, um die Mägen der hungrigen Meute zu füllen. Es war eine feuchte, fröhliche Versammlung, bei der jeder seinen Spaß hatte. Vlad und Sonja hatten nur Augen für sich und glitten über die Tanzfläche wie Eiskunstläufer. Die anderen Kinder machten sich einen Spaß und bewarfen die Erwachsenen mit Wasserballons. Diese checkten aber sowieso nichts mehr, da sie sich ein bisschen zu viel „Feiersaft“ hinter den Lack knallten und nun, wie Dominosteine, von den Stühlen flogen. Seine Klimax erreichte die Party nicht lange später. Irgendwann platzen die Party-Boomer hinein, a.k.a. Sonjas Eltern, die nichts von einer Feier in ihrem Garten wussten. Die verantwortliche Person wurde schnell gefunden und vor aller Leute Augen in den Boden gestampft. Gäste, die widerwillig gehen wollten, wurden gezwungen. Als zusätzliche Strafe bekam auch Sonja zwei Wochen Hausarrest. Die Flitterwochen waren somit schneller vorbei, als sie eine Flasche exen konnten.

Als Vlad desillusioniert im Hofe stand, hörte er seine Mutter nach ihm rufen. Sonja gab ihm noch schnell einen Schmatzer auf die Backen, bevor sie ins Haus gezerrt wurde. Vlad trabte mit geknicktem Hals nach Hause, wohl wissend, dass er seine Ehefrau mindestens zwei Wochen nicht sehen würde. Ach, wie sehr er sich nur nach ihr sehnte. Zuhause gab es eine saftige Portion Pelmeni, um gegen den Liebeskummer anzukämpfen. Das Wundermittel half. Vlad vergaß Sonja für einen Augenblick, jedoch nur so lange, bis sein Magen gefüllt war. Danach kerkerte er sich traurig in seinem Zimmer.

„Ah, wie sehr würde ich sie gerne wiedersehen.“, stöhnte er vor sich hin.

Nach dem Essen wollte er eigentlich seinem Bruce-Lee-Training nachgehen, doch war er viel zu erschöpft, weshalb er vor seinen Fernseher saß und Mario spielte. Der kommunistisch wirkende Italiener hatte es ihm echt angetan. Er konnte stundenlang dieses Spiel spielen, ohne von der Stelle zu rücken. Dieses Mal jedoch verlor er jedes Level. Er konnte sich nicht konzentrieren, da er die ganze Zeit an Sonja dachte. Voller Wut und Verzweiflung schmiss er seinen Controller in den Fernseher. Nur wenige Sekunden folgten, als seine Mutter wutentbrannt im Zimmer stand.

„Hast du sie noch alle? Hast du eine Ahnung, wie lange wir gearbeitet haben, um dir diesen Fernseher kaufen zu können? „Für deine Undankbarkeit bekommst du zwei Wochen Hausarrest!“, brüllte sie ihn an und hämmerte die Tür hinter sich zu, als sie den Raum verließ.

Ihm war das aber egal. Das Einzige, was er fühlte, war der Nachhall von Sonjas Händen in seinen. Dieses Mädchen hatte ihm wirklich den Kopf verdreht.

Zwei Wochen vergingen wie im Flug. Vlad besuchte nach wie vor den Kindergarten, doch anstelle, mit den anderen Kindern zu spielen, verbrachte er seine Zeit schmollend im Spielschuppen. Das Gefühl des Kusses ließ ihn einfach nicht mehr los. Er schmiedete schon heimliche Pläne, mit Sonja durchzubrennen.

„Wenn die Welt gegen unsere Liebe ist, dann bekämpfe ich die Welt!“

Vlad fühlte sich wie ein römischer Krieger. Die stärkste Kraft des Universums hatte sein inneres Tier erwacht. Zuhause verfeinerte er seine Ideen, indem er sich Fluchtrouten heraussuchte und ein paar Stöcke zu spitzen Speeren schnitzte. Er war bereit, in den Krieg zu ziehen! Kurz bevor er oberkörperfrei und mit Kriegsbemalung aus dem Haus stürmen wollte, klingelte es an der Tür. Seine Mutter öffnete die Tür. Kurz darauf hörte er sie:

„Vladimir, komm doch mal bitte her.“ rufen.

Zu seiner Überraschung stand plötzlich Sonja vor der Tür, die ihn verwundert ansah.

„Welches Rollenspiel soll das denn bitte werden?“

Vlad überspielte gekonnt sein Schamgefühl und fragte nach dem Grund ihres Besuches.

„Ach so, ja.“, sagte sie. „Meine Eltern haben mein Hausverbot wieder aufgehoben und ich wollte dich einladen, vorbeizukommen. Wir haben gerade unseren neuen Pool aufgebaut.“

Vlad sagte lässig zu, doch im Inneren weinte er vor Freude. Eigentlich wollte er nicht durchbrennen und ein Tier war er ebenfalls nicht. Es war ein heißer Sommertag und die Sonnenstrahlen schlugen ihnen förmlich ins Gesicht. Der perfekte Tag für ein bisschen skinny dipping, äh, Nachtschwimmen …

Vlad suchte sich seine besten Badeshorts raus und lief zu Sonja heim Der Weg zu ihr fühlte sich an wie eine Wanderung durch die Sahara. Die Sonnenstrahlen prasselten auf seine zarte Haut, sodass er die Befürchtung hatte, er würde an Ort und Stelle verbrennen. Er hechelte und keuchte mühsam. Nach 5 Schritten ließ er sich zu Boden sinken.

„Das war's mit mir. Ich glaube, ich sehe das Licht.“

Sonja trat ihm in den Bauch.

„Offensichtlich siehst du das Licht. Die Sonne scheint nämlich und sei nicht so ein Weichei, ich möchte endlich in den Pool.“ Typisch Sklaventreiberin eben.

Sonjas Haus war die Oase, die ihn vor dieser Hitze rettete. Dort angekommen entledigte sie sich ihrer Kleider, woraufhin Vlad sich peinlich berührt wegdrehte. Zu seinem Leidwesen hatte sie schon einen Badeanzug drunter. Sonja verlor keine Sekunde und sprang in den Pool. Ihre Schwester machte es ihr gleich.

„Na komm, Vladi. „Es ist so schön hier drin.“, winkte ihn Sonja rüber.

Das war jetzt Vlads großer Moment! Durch sein hartes Training konnte er sich einen adonisgleichen Körper antrainieren und nun die Mädchen ihrer Sinne berauben. Er zog sich aus, als wäre er ein Stripper, und schmiss seine Klamotten beiseite. Dummerweise freute er sich etwas zu früh. Im Gegensatz zu Sonja hatte er sich seine Badesachen nicht direkt druntergezogen, sondern umklammerte sie in seiner rechten Hand. Zum Überraschen aller nahm Vladimir das Nacktschwimmen etwas zu ernst.

„Ihh, zieh dir ne Hose an, du Ferkel!“, schrie ihn Sonja an und verdeckte ihre Augen.

Ihre Schwester dagegen fing an, Tränen zu lachen.

„Das ist ja besser als Doktorspiele.“, sagte sie.

Völlig beschämt und besudelt machte Vlad den Flattermann und rannte zurück nach Hause. Mit seinem tollen Körper konnte er nicht überzeugen.

Nach 30 Minuten stand Sonja wieder vor seiner Haustür und lud ihn ein, bei ihnen zu essen, da sie an diesem Abend grillten. Vlad nahm an, doch fühlte sich weiter peinlich berührt. Seine Stimmung besserte sich, als er erneut in Sonjas Garten stand und den Geruch von delikatem Fleisch in seiner Nase spürte. Das Wasser sprudelte aus seinem Mund heraus und beinahe fing er an zu bellen. Der Mann des Hauses wurde im rechten Augenblick mit dem Fleisch fertig, bevor Vlad ihn, wie ein hungriger Kojote, von hinten attackiert hätte. Als die erste Portion Würstchen auf den Tisch kam, war Vlad enttäuscht.

„Was? Die sind aber klein. Da werde ich niemals satt.“, nörgelte er herum.

Sonja stand kurz davor, ihm eins gegen den Kopf zu werfen.

„Die sind immer noch größer als deins, also hör auf zu nörgeln!“

Ihr Vater musste sich zusammenreißen, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.

„Deine Sorge, Kleiner. Es gibt mehrere Portionen.“

Nach der ersten Ladung Fleisch wollte Sonja erneut in den Pool springen.

„Wollen wir in den Pool springen, Vladi? Aber wehe, du ziehst dich wieder nackig aus.“, sagte sie grinsend.

Vlad lehnte sofort ab. Stattdessen nahm er sich lieber ein saftiges Rumpsteak vom Grill.

Sonja schaute ihn fragwürdig an. „Wir haben gerade gegessen und du hast immer noch Hunger? Deshalb warst du früher auch so fett.“

Essen konnte er schon immer gut, doch er riss sich zusammen und schaffte es, abzuspecken, wobei er keine Wahl hatte, da seine Eltern ihn Low-Carb ernährten. Am gleichen Abend überredete Sonja ihre Mutter, Vlad bei ihr schlafen zu lassen. Vlads Vater war sehr stolz auf seinen Jungen, da er gut mit Mädchen auskam, genauso wie sein alter Herr in früheren Jahren. Er war in seinen jungen Jahren als sibirischer Lusttiger bekannt. Sein Vater gab ihm noch einige Tipps mit auf den Weg. „So, mein Junge! Deine erste Übernachtung bei einer Dame steht bevor und damit du diese Nacht überlebst, möchte ich dich auf einige Dinge hinweisen. Erstens: Störe sie nicht beim Schlafen! Müde Mädchen sind böse Mädchen! Zweitens: Mach sie nicht wütend! Und drittens: Vergesse niemals die Regeln 1 und 2! Und falls alle Stricke reißen, gebe ich dir eine Packung Schokolade mit.“