Voll daneben - Ariane Nasskalt - E-Book

Voll daneben E-Book

Ariane Nasskalt

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Beschreibung

Ironisch-leiser Humor lädt zum Schmunzeln ein. Fünf Shortstorys, die jede Wartezeit verkürzen. Inhalt der 5 Kurzgeschichten: •Ein bedeutungsvoller Blick setzt bei Maren Sehnsüchte frei •Zum Glück kennt Werner keine Neidgefühle •Selbst auf einer Beerdigung ist man nicht vor einer Überraschung gefeit •"Sei ganz du selbst", hatte Simon zu ihr gesagt. Und nun? •Der letzte Titel spricht für sich: Kuhfladenlotto!

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Seitenzahl: 50

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Ariane Nasskalt

Voll daneben

Schmunzelgeschichten für zwischendurch

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Dick und Doof

Neidlose Betrachtung

Das war ja ein Ding – kaum zu glauben

Sei einfach du selbst

Kuhfladenlotto

Hinweis:

Impressum neobooks

Prolog

Wenn ihr einen Stein werft, wird er euch von hinten wieder treffen –

weil die Erde rund ist.

Tagore

Dick und Doof

Entnervt stellte Maren ihre Einkaufstüten auf dem Gehsteig ab. Himmel, das konnte doch nicht wahr sein. Wegen lächerlicher drei Minuten durfte sie nun eine geschlagene halbe Stunde auf dem Omnibusbahnhof vertrödeln! An allem war nur Stefan schuld. Warum musste er ausgerechnet dann ihre Autoreifen wechseln, wenn sie in die Stadt fahren wollte. Jeder andere Tag in der Woche hätte besser gepasst. Aber nein, wenn ihr Mann sich etwas vorgenommen hatte, musste es natürlich jetzt und sofort sein.

Missmutig sah sie sich um. An der nächsten Warteinsel, die von der ihren nur durch eine Fahrrinne für den Bus getrennt war, wartete ebenfalls nur eine Person. Neugierig musterte Maren den sportlich wirkenden jungen Mann. Jetzt schaute er auch noch zu ihr herüber. Ob er gespürt hatte, dass sie ihn beobachtete. Maren hielt seinem Blick die wenigen Sekunden, die er zu ihr herüber sah, stand.

Zu dumm, dass sie keine Kontaktlinsen vertrug. Auf die Entfernung blieb sein Gesicht trotz angestrengten Guckens undeutlich verschwommen. Trotzdem war für sie klar: Da drüben stand eine richtige Sahneschnitte!

Merkwürdig, dass dieser Typ mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr? Eigentlich gehörte er zu der Sorte Mann, die sich neben einem flotten Flitzer auch noch ein Motorrad zulegten. Manche taten dies ja, um ihre Chancen bei den Frauen zu erhöhen. Aber das hatte der sicher nicht nötig. So gut, wie der aussah, brauchte der doch bloß mit dem Finger zu schnipsen, damit sich die Nächste einreihte. Ob er dies ausnutzte, einer jeden sagte, dass sie diejenige wäre oder ihnen von Anfang an klaren Wein einschenkte? Bevor sie Stefan begegnet war, hatte sie auch gern geflirtet. Aber meistens nur eben geflirtet. Nur wenige Male hatte sie sich bei einer neuen Bekanntschaft auf mehr eingelassen.

Marens Gedanken bissen sich an dem großen Blonden fest. Sicher fuhr sein Bus nur Haltestellen in der Innenstadt an, klapperte nicht wie ihrer das östlich gelegene Stadtrandgebiet ab.

Maren gähnte. Seit die Zwillinge auf der Welt waren, litt sie an chronischem Schlafmangel. Nicht einmal jetzt, mit anderthalb Jahren, ließen sie die Mädchen durchschlafen. Spätestens nach vier Stunden schrie eines der beiden. Manchmal wachte dadurch auch das andere auf. Weit schlimmer aber war, wenn sie um Stunden versetzt nach ihr riefen. In solch einer Nacht bekam sie meistens nicht mehr als zwei Stunden Schlaf am Stück. Menschenskinder, warum waren kleine Kinder nur so anstrengend?

Nach und nach versammelten sich an der gegenüberliegenden Haltestelle immer mehr Wartende. Jetzt fuhr dort drüben ein gelber Bus ein, hielt aber zwei Einstiegstellen entfernt von dem Blonden an. Wäre eigentlich schade, wenn er vor ihr abfahren würde. Ihn zu beobachten und dabei ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, hatte was.

Marens Laune verschlechterte sich wieder, als es zu tröpfeln anfing. Heute war ganz offensichtlich nicht ihr Glückstag. Die fast schon magersüchtig wirkende junge Frau, die eben erst die Bushaltestelle, an der auch Maren wartete, erreicht hatte, verzog missbilligend den Mund. Sie stellte sich bei dem wenige Fußbreit hinter ihnen liegendem Geschäftsgebäude unter, dessen Fensterfront eine Balustrade überspannte. Maren griff mit beiden Händen nach ihren Tüten, folgte ihr in leicht gebückter Haltung mit Trippelschritten rückwärtsgehend, und stellte sich neben sie.

Sicher würde ihr Stefan Vorhaltungen machen, weil sie sich so viele Klamotten gekauft hatte. Aber verglichen mit dem, was sie sich früher geleistet hatte, waren der Rock und die paar Oberteile so gut wie nichts. Und schließlich hatte sie Stefan ja auch ein Sweatshirt besorgt.

Der hippe Blonde ließ sich durch den einsetzenden Nieselregen nicht beirren. Auch der junge Mann hatte inzwischen Gesellschaft bekommen. Doch der andere war nicht einmal halb so attraktiv wie er. Bei dem Blonden schien aber auch alles zu stimmen. Offensichtlich kannten sich die beiden, kamen kurz ins Gespräch. Plötzlich drehten sich beide um und sahen in ihre Richtung. Herrje machte sich dieser Typ jetzt über sie lustig? Zog die Nummer ab „Guck mal die Alte hat mich im Visier“? Egal, dem würde sie zeigen, dass sie ihm gewachsen war. Schließlich war sie nicht schon immer das Muttchen gewesen. Sie setzte einen leicht gelangweilten Blick auf, begann körpersprachlich das Spiel „Sag mal, interessierst du dich etwa für mich?“

Schon nach wenigen Sekunden drehte sich der Neuankömmling wieder um. Nicht so sein attraktiver Gesprächspartner, der sich ihr nun auch mit dem Körper zuwandte. Hatte er ihr tatsächlich zugezwinkert? Aber das tat man doch eigentlich mit einem Auge und nicht mit beiden. Auch jetzt kniff er wieder beide Augen zusammen. Der nahm sie aber genau unter die Lupe. Wenn der wüsste, dass sie Mutter von zwei Krabbelkindern war. Wahrscheinlich würde er sofort wieder abdrehen, wenn sie ihm das sagen würde. Nichts minderte die Chancen einer Frau so sehr wie zwei Kleinkinder, die ständig am Rockzipfel der Mutter hingen.

Jetzt strich er mit seiner Rechten lässig eine Haarsträhne zurück, die ihm in die Stirn gerutscht war. Diesem Nieselregen hielt keine Föhnfrisur stand. Wahrscheinlich kam sein Bus gleich, sonst hätte er sich vielleicht auch untergestellt. Obwohl, Männern machte so ein bisschen Getröpfel, Stefan betitelte selbst einen Starkregen als solches, gewöhnlich nicht viel aus.

Jetzt lächelte er. Breit und ungeniert grinste er sie an. Du liebe Güte, wie sollte sie nur darauf reagieren? Das Spielchen weitertreiben oder einen auf „Bis jetzt war’s interessant, aber nun reicht’s“ machen? Aber was war eigentlich dabei, sicher hatte sich Stefan auch schon Augenflirts zugestanden. Selbstbewusst streckte sie ihren Körper und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Der smarte Typ konterte sofort und legte nun auch noch seinen Kopf schräg.