Vom Dämon gezeichnet - Diana Rowland - E-Book

Vom Dämon gezeichnet E-Book

Diana Rowland

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Beschreibung

Als die Kommissarin Kara Gillian an einer Leiche die Symbole geheimer magischer Rituale entdeckt, ist ihr sofort klar, dass sie es nicht mit einem gewöhnlichen Mord zu tun hat. Die Tat wurde von einem Serienmörder begangen, der die Stadt schon einmal heimgesucht hat. Kara, die in ihrer Freizeit selbst Dämonen beschwört, sind die Symbole nur allzu vertraut. Und mit ihren magischen Fähigkeiten ist sie die Einzige, die den Mörder aufhalten kann. Doch da beschwört sie versehentlich einen Dämon von unvergleichlicher Macht und überirdischer Schönheit, der sie bis in ihre Träume verfolgt ...

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Seitenzahl: 546

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Inhalt

Titel

Widmung

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Danksagung

Impressum

Diana Rowland

Roman

Ins Deutsche übertragen von Karina Schwarz

Für Jack und Anna, meine beiden Lieblingsdämonen

1

Ich konnte hören, wie der Fremde in mein Haus eindrang.

Leider war es genau derselbe Moment, in dem auch der Dämon vor mir erschien.

Das Geräusch von splitterndem Glas im ersten Stock lenkte mich zwar nur für den Bruchteil einer Sekunde ab, aber es reichte aus, damit das arkanische Portal meiner Kontrolle entglitt und herumzuhüpfen begann wie ein ungebändigter Gartenschlauch unter vollem Druck. Verzweifelt versuchte ich, das Portal wieder zu fassen zu bekommen, und mir brach der kalte Schweiß aus. Mein Herz hämmerte, während ich mit der nun ungebändigten Energie rang. Meine Technik war grob und ziemlich unelegant, aber das war mir völlig egal. Ich war nur daran interessiert zu überleben und achtete nicht darauf, ob ich gut dabei aussah.

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, aber es dauerte nur ein paar hektische Sekunden, bis ich die wild herumtanzenden Kräfte wieder im Griff hatte. Vorsichtig atmete ich einige Male tief durch, um meinen wild galoppierenden Puls wieder zu beruhigen. Das war knapp gewesen. Wenn ich nur wenige Sekunden früher die Kontrolle verloren hätte, wäre ich wahrscheinlich in Stücke gerissen worden – entweder vom Mahlstrom des Portals, das ich im Keller meines Hauses geöffnet hatte, oder von den Klauen des Dämons, den ich gerade durch dieses Portal gerufen hatte.

Bebend atmete ich aus und löste meinen mentalen Griff von dem Portal, während ich triumphierend auf den mächtigen Dämon hinabsah, der vor mir hockte – ein Knie gebeugt, den Kopf gesenkt und die Schwingen auf dem Rücken zusammengefaltet. Er hatte sich während meines gesamten Kampfes mit dem Portal vollkommen still verhalten, und ich dankte insgeheim welcher Macht auch immer, dass ich die Bedingungen für seine Anwesenheit bereits mit ihm festgelegt hatte, bevor mir das Portal entglitten war. Ich spürte, wie sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitete. Ich hatte es geschafft. Ich hatte einen Reyza beschworen, der auf der höchsten aller zwölf Ebenen der Dämonen stand.

Nun war ich offiziell eine voll qualifizierte Beschwörerin.

Das scharfe Splittern von Glas riss mich aus meinen Träumereien. Mein Grinsen wich einem finsteren Blick. Ein Einbrecher. Na klasse. Wenn ich jetzt hinaufging und mich um den Idioten kümmerte, würde ich meinen eigentlichen Plan aufgeben müssen, weshalb ich den Dämon überhaupt beschworen hatte. Und einen Reyza zu beschwören, war weit mehr wert als ein paar weltliche Besitztümer. Abgesehen davon war mein weltlicher Besitz ohnehin nicht besonders viel wert.

Bei dem Geräusch hob der Dämon den Kopf. »Jemand dringt in Euer Reich ein«, knurrte er, und seine tiefe Stimme hallte machtvoll durch den Keller. Bevor ich noch Luft holen konnte, um etwas zu erwidern oder ihm einen Befehl zu erteilen, rannte er die schwere hölzerne Kellertreppe hinauf und stürmte durch die Tür, die in den Flur führte.

»Verfluchter Mist!« Schnell verankerte ich die Kraft, die ich noch nicht wieder abgegeben hatte. Das war’s dann also mit meinem Plan. Mir zitterten die Knie, als ich dem Dämon die Stufen hinauffolgte, und ich fluchte, dass ich vor Erschöpfung so langsam war. Nach einer Beschwörung fühlte ich mich immer ziemlich ausgelaugt, aber diesmal war es schlimmer, als ich erwartet hatte.

Ich hörte einen panischen Schrei aus dem vorderen Teil meines Hauses und rannte, so schnell ich auf meinen wackeligen Beinen konnte, dorthin. Okay, ich hab es geschafft, ihn zu rufen. Aber kann ich ihn jetzt auch kontrollieren? Das entsetzte Gekreisch erreichte ungeahnte Höhen, während ich durch den Flur taumelte.

»Kehlirik! Tu ihm nichts!«, rief ich, während ich gleichzeitig versuchte, mental Druck auf ihn auszuüben.

Völlig außer Atem erreichte ich das Wohnzimmer und war dankbar dafür, dass mein Haus eher gemütlich als besonders prunkvoll war. Ich war mir nicht sicher, ob ich es noch viel weiter geschafft hätte, ohne hinzufallen. Ruh dich lieber gut aus, bevor du das nächste Mal einen Dämon der zwölften Ebene beschwörst!, nahm ich mir vor.

Der Dämon knurrte und wandte sich mir zu. Er hatte einen spindeldürren Mann am Kragen gepackt, der wirres Zeug plapperte, und wirkte unglaublich fehl am Platz vor den gedeckten, salbeigrün gestrichenen Wänden und den Kirschholzmöbeln meines Wohnzimmers. Eine Flügelspitze streifte den Computer auf meinem Schreibtisch, und ich unterdrückte den Impuls, den Flügel zu packen und ihn dort wegzuziehen. Wahrscheinlich war das keine gute Idee, solange ich mir noch nicht sicher war, ob der Dämon sich meinem Willen fügen würde.

»Ihr solltet mich ihn töten lassen, Beschwörerin«, sagte der Dämon mit einer Stimme, die wie rollende Felsbrocken klang. Ohne sichtbare Anstrengung ließ er seinen Gefangenen ein paar Zentimeter über dem Boden baumeln. Er war größer als ich, mindestens zehn Zentimeter, mit ledrigen Flügeln in der Farbe von poliertem Kupfer, die uns beide noch weit überragten. In einem Haus mit einer Deckenhöhe von zwei Meter fünfzig wäre der Dämon gezwungen gewesen, seine Flügel einzuziehen und sich ziemlich unbeholfen zu bewegen. Zu seinem Glück waren die Decken in meinem Haus aber knapp fünf Meter hoch, gebaut für das subtropische Klima im Süden von Louisiana, wo sie halfen, die Räume des Hauses kühl zu halten.

Ich atmete einmal tief durch. Der Dämon widersetzte sich meiner Kontrolle nicht. Jetzt gab es nur noch ein kleines Problem.

»Nein, Kehlirik«, sagte ich behutsam. »Unsere Gesetze in dieser Sphäre funktionieren anders. Aber ich danke dir für deine Hilfe.«

Der Gefangene des Dämons hatte zumindest aufgehört zu schreien und stöhnte nur noch schluchzend. Ich rieb über die Gänsehaut auf meinen Armen, da mir immer noch auf schreckliche Weise bewusst war, wie knapp ich einer Katastrophe entgangen war. Nur ein paar Sekunden früher … Ich schüttelte mich kurz und zwang meine Aufmerksamkeit zurück in die Gegenwart.

Ein vibrierendes Knurren entrang sich der Kehle des Dämons. »Er ist ein Dieb. Wertlos. Er besitzt keine Ehre.« Er beugte sich vor, ließ den Mann zu Boden fallen und hielt ihn dort mit einem Fuß fest. Er faltete seine Schwingen auf dem Rücken zusammen und verschränkte die klauenartigen Hände ineinander. Ein dicker, geschmeidiger Schwanz schlang sich um seine Beine, und an der zuckenden Spitze war deutlich seine Stimmung zu erkennen. Ein dunkler, würziger Duft hüllte ihn ein, fremd und wild. So vorgebeugt befand sich sein Kopf mit meinem auf einer Höhe, und ich war erleichtert, dass ich aufhören konnte, meinen Hals zu verrenken, wenn ich mit ihm sprechen wollte. Er war erst der zweite Reyza, den ich je gesehen hatte, und ich war immer noch erschrocken, wie groß sie waren.

»Hier ist das … anders«, erklärte ich, obwohl ich mit der Einschätzung des Dämons, was seinen Gefangenen anging, absolut übereinstimmte. »Ich werde genug Probleme damit haben, seine Geschichten von geflügelten Monstern unglaubwürdig erscheinen zu lassen.«

»Wenn ich ihn töte, kann er nichts von geflügelten Monstern erzählen«, erwiderte Kehlirik mit unwiderlegbarer Logik. Dann blähten sich seine mächtigen Nasenlöcher, als er schnaubte. »Was nicht heißen soll, dass ich ein Monster bin.«

Ich musste lächeln. »Nein, Reyza. Du bist kein Monster.« Obwohl der Dämon eine wirklich monströse Erscheinung war – mit einer flachen Nase in einem tierähnlichen Gesicht, einem breiten Mund, der durch gebogene Reißzähne betont wurde, und einem dicken Hornkamm, der sich von seiner Stirn über den Schädel und die Wirbelsäule hinunterzog –, wusste ich doch nur zu genau, dass er alles andere war als ein Monster. »Aber es wäre sehr viel schwieriger für mich, eine Leiche zu erklären«, fuhr ich fort. »Mord ist bei uns ein ernsthaftes Vergehen.«

Er bleckte die Zähne, als sich seine Lippen von den Reißzähnen zurückzogen. »Niemand würde eine Leiche finden, Beschwörerin. Aber ich werde Euren Wunsch respektieren.« Er neigte den Kopf zu mir herunter, dann breitete er seine Schwingen aus, und irgendwie gelang es ihm, keins meiner Bilder aus den Regalen zu reißen. Ich betrachtete ihn mit unverhohlener Freude. Fast zehn Jahre hatte ich mit den Vorbereitungen und dem Training für diesen Moment verbracht. Meine Mentorin und Tante hatte mich dabei behutsam durch die Beschwörungsrituale jeder Ebene begleitet. Allmählich war ich so weit, dass ich auf eigene Faust arbeiten konnte. Einen Reyza ganz allein zu beschwören, kam einer Abschlussprüfung gleich. Und nun stand ich mit einem hier in meinem Wohnzimmer.

Ich hockte mich hin, um mir den Mann unter Kehliriks Fuß anzusehen, der die Augen weit aufgerissen hatte. Er war blass und hager, und sein zerzaustes Haar stand in alle Richtungen ab. Er war ungefähr Anfang dreißig, obwohl ich wusste, dass ich mich auch um ein Jahrzehnt verschätzen konnte. Wer viele Drogen nahm, alterte schneller, und ihm war deutlich anzusehen, dass er Meth oder vielleicht auch Crack nahm. Außerdem verströmte er den leicht säuerlichen Geruch eines Menschen, der sich eine ganze Weile nicht um seine Körperhygiene gekümmert hatte, und ich merkte, dass ich unwillkürlich etwas dichter zu dem Reyza rückte, dessen Duft weitaus anziehender war.

»Mann, du hast dir heute Abend ja wirklich das falsche Haus ausgesucht«, meinte ich. Dann musste ich lachen, als mir plötzlich etwas klar wurde. »Warte mal. Ich wette, du bist derjenige, der letzte Woche auch in die anderen zwei Häuser in der Straße eingebrochen ist. Habe ich recht?«

Der Mann winselte und schüttelte mit weit aufgerissenen Augen den Kopf. »Nein! Nein, das war ich nicht! Ich … dachte, das hier sei das Haus meines Kumpels …«

Kehlirik knurrte den Mann kurz an, woraufhin der vor Entsetzen erneut aufschrie. »Ich bin nicht dämlich«, ließ der Dämon den Einbrecher wissen. »Beleidige mich nicht noch einmal.«

Der Mann begann haltlos zu schluchzen. »Ohgottohgottohgott, b… bitte lassen Sie nicht zu, dass es mich frisst! Ich werde es auch nie wieder tun, ich schwöre es. Ich brauchte nur etwas Geld. Oh Gott!« Ich wandte meine Aufmerksamkeit wieder dem Dämon zu. Kehlirik ließ ein tiefes Grollen hören und erwiderte meinen Blick. Seine Augen waren klug und listig. Es juckte mir in den Fingern, meinen Einbrecher ein bisschen zu foppen und den Dämon zu fragen, ob er hungrig sei, aber ich war mir nicht vollkommen sicher, ob Kehlirik auch merken würde, dass ich nur einen Witz machte. Ich wusste, dass Dämonen normalerweise kein Menschenfleisch mochten, trotzdem war es wohl besser, es nicht darauf ankommen zu lassen. In Bezug auf Dämonen war uns noch vieles nicht bekannt.

Ich stand da und schüttelte einen leichten Krampf aus meinem Bein. Ich durfte nicht zulassen, dass der Dämon den Mann tötete. Der Kerl war ein Junkie und hatte wahrscheinlich ein ellenlanges Vorstrafenregister, aber ich bezweifelte, dass seine Vergehen als Kapitalverbrechen einzuordnen waren – wahrscheinlich handelte es sich um reine Beschaffungskriminalität, mit der er seine Sucht finanzierte. Außerdem gehörte ich schließlich zu den Guten.

Ohne Zweifel würde er ausplaudern, was er gesehen hatte. Also würde ich mich einfach darauf verlassen müssen, dass niemand seinem irren Gerede über geflügelte Monster Beachtung schenken würde.

Außerdem war es seine eigene verdammte Blödheit, dass er sich gerade mein Haus ausgesucht hatte, um dort ausgerechnet in einer Nacht einzubrechen, in der ich einen Dämon beschwor.

Plötzlich kam mir eine Idee. »Reyza, ich möchte nicht, dass er getötet wird, aber vielleicht könntest du mir einen kleinen Dienst erweisen.«

Die Augen des Dämons glühten im spärlichen Licht meines Wohnzimmers rotorange. »Nennt mir Euren Wunsch, Beschwörerin.«

Ich musste mir Mühe geben, mir nichts anmerken zu lassen. »Ich möchte, dass er für seine Tat bestraft wird, aber er muss mir körperlich unverletzt wieder übergeben werden.«

Ernst neigte der Dämon den Kopf, aber ich war mir ziemlich sicher, ein vergnügtes Funkeln in seinen Augen gesehen zu haben. »So wird es geschehen, Beschwörerin.«

Ich schaffte es kaum, dem Dämon den Weg frei zu machen, da hatte er den armseligen Kerl auch schon geschnappt und stürmte mit ihm zur Vordertür hinaus. Ich ging den beiden nach und hielt nur inne, um mein Handy und die Handschellen vom Schreibtisch zu nehmen. Ich trat gerade noch rechtzeitig hinaus auf die Veranda, um zu sehen, wie Kehlirik in die Luft schoss, meinen Einbrecher fest zwischen seinen Klauen.

Ich kicherte, setzte mich auf die Stufen der Veranda und lauschte den panischen Schreien, die allmählich in der Nacht verhallten. Dann wählte ich die Nummer des Sheriffs der Gemeinde von St. Long.

»Hi, hier ist Detective Kara Gillian«, sagte ich, als sich die Vermittlung meldete. »Könnten Sie bitte einen Streifenwagen zu meinem Haus schicken? Ich habe einen 10/15 wegen eines 62R.« Ein 10/15 war eine Verhaftung und ein 62R ein Einbruch. Obwohl ich für die Polizei von Beaulac arbeitete, lebte ich außerhalb der Stadtgrenzen, was bedeutete, dass ein Gesetzesverstoß, der sich in meinem Haus ereignete, in den Zuständigkeitsbereich des Sheriffs fiel.

»Ein 62R … Kara, jemand ist in dein Haus eingebrochen? Ganz da draußen?« Ich erkannte die Stimme der Frau. Sie hatte früher einmal für das Police Department gearbeitet, war etwas pummelig, und ihr Haar war in einem schrillen Rot gefärbt, aber ich konnte mich beim besten Willen nicht an ihren Namen erinnern.

»Ja, aber es ist ihm lediglich gelungen, ein Fenster neben der Tür einzuschlagen.«

Die Frau in der Zentrale lachte. »Da hat er sich ja genau das richtige Haus ausgesucht!«

Wenn du wüsstest, dachte ich. »Ohne Witz«, sagte ich stattdessen. »Zum Glück hat mich der Lärm geweckt.«

»In Ordnung, ich schicke eine Streife vorbei.«

Ich legte das Telefon zur Seite und umfasste meine Knie, während ich zum Mond hinaufblickte, der durch eine dünne Wolkendecke voll und hell auf mich herunterschien. Eine laue Brise raschelte in den düster aufragenden Bäumen und trug den schweren Duft von Erde und Kiefer zu mir herüber. Ich fröstelte etwas und schlang die Arme um meinen Oberkörper, während ich dem leisen Summen einer Mücke und dem Gesang einer Grille ganz in der Nähe lauschte. Ein Gefühl von Frieden und Glück breitete sich in mir aus. Ich hatte schon mein ganzes Leben in diesem Haus verbracht – mit Ausnahme jenes schrecklichen Monats, nachdem mein Vater von einem betrunkenen Autofahrer getötet worden war. Ich war elf Jahre alt gewesen und bei Pflegeeltern untergebracht worden, bis meine Tante Tessa aus Japan zurückkommen konnte, um sich als Vormund um mich zu kümmern. Meine Mutter war schon drei Jahre zuvor an Eierstockkrebs gestorben. Man hatte ihn viel zu spät entdeckt. Und andere Verwandte, die sich meiner hätten annehmen können, gab es nicht – nicht einmal enge Freunde. Meine Tante war damals nicht besonders erfreut darüber gewesen, denn sie hatte mich bis zu jenem Zeitpunkt nur ein einziges Mal gesehen, und da hatte ich noch Windeln getragen. Aber sie hatte getan, was in ihrer Macht stand, um mich zu beschützen. Sie war zu mir in dieses Haus gezogen, damit ich nicht aus meiner vertrauten Umgebung gerissen wurde, denn sie wusste, dass die Trauer mit der Zeit vergehen, aber das Gefühl von Heimat bleiben würde.

Ich war jetzt fast dreißig und begriff endlich so langsam, wie wichtig dieses Gefühl für mich war. Ich liebte das Leben hier draußen einfach, weit weg von der Stadt. Das Haus stand an einer selten befahrenen Straße, meine Zufahrt war lang und gewunden, und der nächste Nachbar war fast zwei Kilometer entfernt. Es war das perfekte Haus für jeden, der seine Privatsphäre schätzte.

Erst nachdem ich fünfzehn geworden war, erfuhr ich den anderen Grund, der meine Tante Tessa dazu veranlasst hatte, mich in diesem Haus großzuziehen. Sie beschwor nämlich Dämonen, und der Keller dieses Hauses eignete sich ideal für eine Beschwörungskammer.

Ein paar Minuten später kam der Dämon vom Himmel herabgeschossen und landete leichtfüßig direkt vor mir. Seinen aschfahlen Gefangenen hielt er an einem Fuß in die Luft. »Ich glaube, er ist ausreichend eingeschüchtert.«

Es war wirklich schade, dass ich nicht allen Verbrechern, die ich verhaftete, eine solche Behandlung zukommen lassen konnte. Wahrscheinlich hätten wir dann entschieden weniger Wiederholungstäter. Ich legte dem Mann, der keinerlei Widerstand leistete, Handschellen an. Ich ließ ihn auf der Veranda zurück, wo er winselnd mit auf dem Rücken gefesselten Händen liegen blieb, dann wandte ich mich wieder dem Dämon zu. »Ich danke dir, Kehlirik.«

Der Dämon sank langsam auf ein Knie nieder. »Beschwörerin, heute war das erste Mal, dass Ihr ohne Hilfe einen Reyza gerufen habt, oder?«

Ich nickte argwöhnisch. Hatte ich etwas falsch gemacht?

Er schnaubte und blähte die Nasenflügel. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr mich nur gerufen habt, um einen Einbruch zu vereiteln. Gab es noch ein anderes Begehren für Eure Beschwörung?«

Ich rieb mir den Nacken. »Ich … hatte gehofft, dass ich lernen würde, wie man ein Portal umkehrt, ohne es erst schließen und dann wieder öffnen zu müssen.« Das war der Grund, warum man sich die Mühe machte, die Dämonen von den höheren Ebenen zu beschwören. Wenn man geschickt mit ihnen verhandelte, waren sie durchaus dazu bereit, ein gewisses Maß ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten weiterzuvermitteln.

Der Dämon tippte nachdenklich mit den Klauen gegen sein Bein. »Und Ihr wart dazu gezwungen, das Portal zu schließen, als ich mich Eurer Kontrolle entzogen habe, um den Eindringling zu fassen. Vergebt mir. Ich hätte mich zuerst nach Euren Wünschen erkundigen sollen.«

»Nein, es ist alles in Ordnung«, versicherte ich ihm, ziemlich geschockt von seiner Entschuldigung. »Glaub mir, ich bin hocherfreut, dass du den Kerl geschnappt hast, bevor er irgendwelchen ernsthaften Schaden anrichten konnte.«

»Trotzdem hätte ich erst in Erfahrung bringen müssen, was Euer Wille ist.« Er verneigte sich kurz und die gebogenen Hörner auf seinem Schädel schimmerten im Mondlicht. »Wenn Ihr mich das nächste Mal ruft, werde ich Euch in der Technik unterweisen, um meine Scham darüber zu verringern, dass ich Euch enttäuscht habe.«

Ich hatte Mühe, meinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu halten. Ich wusste, dass ihre Ehre für Dämonen eine todernste Sache war, aber noch nie hatte jemand in dieser Weise in meiner Schuld gestanden.

»Du hast mich nicht enttäuscht«, erwiderte ich und wählte meine Worte sorgfältig, um meine Freude nicht zu zeigen, »aber es wäre mir eine Ehre, es zu lernen, und damit wäre jede Schuld getilgt.«

Kehlirik erstarrte plötzlich und zischte leise.

Vorsichtshalber trat ich einen Schritt zurück. »Stimmt etwas nicht?« Mist! Was hatte ich jetzt gemacht?

Der Dämon gab ein tiefes Knurren von sich. »Jemand berührt in dieser Sphäre das Portal.«

Ich entspannte mich wieder, dann runzelte ich die Stirn. »Was meinst du damit? Noch eine Beschwörung?« In dieser Gegend gab es nicht viele, die ein solches Ritual durchführen konnten. Eigentlich kannte ich außer meiner Tante niemanden südöstlich von Louisiana, obwohl ich davon ausging, dass es in New Orleans wahrscheinlich ein paar gab. Natürlich hängten Leute, die sich damit beschäftigten, Dämonen zu beschwören, nicht unbedingt ein Schild an ihre Tür, und es war ohnehin keine weitverbreitete Fähigkeit. Zudem brauchte man jemanden, der einen diese Kunst über mehrere Jahre hinweg lehrte, und man musste bereit sein, hin und wieder auch mal etwas Blut zu vergießen.

Ich war natürlich von meiner Tante Tessa unterwiesen worden. Als ich in die Pubertät kam, begriff ich, dass die Welt – und auch meine Tante – mehr für mich bereithielt, als mit bloßem Auge zu erkennen war. An dem Tag, nachdem ich meinen Führerschein gemacht hatte, stellte mir meine Tante meinen ersten Dämon vor. Er bestätigte ihre Vermutung, dass ich ebenfalls die Fähigkeit besaß, Beschwörungen durchzuführen. Bald nachdem ich meine Ausbildung begonnen hatte, erkannte ich, dass es endlich etwas gab, worin ich gut war. Die Rituale, die Beschwörungen – all das fühlte sich so selbstverständlich an wie Atmen. Die Ausbildung bei meiner Tante verlief nicht immer vollkommen problemlos, aber ich habe es niemals bedauert, diesen Weg eingeschlagen zu haben und eine Beschwörerin geworden zu sein.

Vielleicht hatte Tante Tessa ja heute Abend ebenfalls einen Dämon gerufen? Die Ausrichtung der Sphären war zurzeit perfekt, um die höheren Ebenen zu beschwören, und auch der Vollmond trug zu den günstigen Umständen bei.

Kehlirik faltete seine Schwingen zusammen, als wäre er unsicher. »Ich kann es nicht genau sagen, aber es schwingt etwas Sonderbares mit.«

»Und was?«

Kehlirik knurrte erneut, es war ein tiefer, vibrierender Laut, bei dem sich die Härchen auf meinen Armen aufstellten wie Zinnsoldaten, obwohl ich mich mit Dämonen nun wirklich auskannte. »Blut und Tod.« Er zog die Augenbrauen zusammen. »Mehr nehme ich nicht wahr. Ich bin nicht geübt darin. Ihr werdet einen anderen rufen müssen, um mehr zu erfahren.«

Mist! In dieser Nacht würde ich keinen weiteren Dämon beschwören können. Zwei Rituale in einer Nacht waren viel zu anstrengend und gefährlich. Ich warf einen Blick hinauf zum Mond. Morgen würde er immer noch voll genug sein.

Kehlirik gab ein lautes Schnauben von sich. »Ein Gefährt nähert sich diesem Haus. Wünscht Ihr, dass ich Euch weiter zur Verfügung stehe?«

»Nein«, erwiderte ich nach kurzem Zögern. »Noch einmal vielen Dank, Reyza. Deine Hilfe heute Nacht war von unschätzbarem Wert.« Mein eigentlicher Grund, warum ich den Dämon beschworen hatte, war nun hinfällig, aber sein Versprechen, mich in den fortgeschrittenen Techniken zu unterweisen, glich das mehr als aus. Sobald der nächste Vollmond kam, würde ich ihn auf jeden Fall erneut rufen.

Kehlirik faltete seine Schwingen eng an seinen Körper und verneigte sich. Ich holte tief Luft und konzentrierte mich, dann hob ich meine Arme und begann die Worte der Entlassung zu sprechen, während ich alle Kraft auf mich zog. Aus dem Nichts erhob sich ein heftiger Wind, der mir Staub ins Gesicht wehte und einen beißenden Geruch nach Schwefel, der in meiner Nase brannte. Ich blinzelte gegen den Wind und achtete sorgfältig darauf, meine Konzentration nicht zu verlieren, während ich die Beschwörung beendete. Mit einem Brüllen erhob sich Kehlirik, breitete seine Schwingen aus und warf den Kopf in den Nacken. Ein blendendes Band aus Licht erschien hinter ihm, und im Bruchteil einer Sekunde war er mit einem scharfen Knacken verschwunden, als würde Eis brechen. Das Licht zerstreute sich und verblasste, ein paar kleine Funken tanzten noch am Rand meines Gesichtsfeldes herum, bevor sie verloschen.

Der Wind verstummte auf der Stelle. Ich fuhr mir mit den Fingern durch mein schulterlanges braunes Haar und kämmte es, so gut ich konnte. Gerade rechtzeitig. Ich sah Scheinwerfer meine lange Auffahrt heraufkommen und hörte das Knirschen der Reifen auf dem Kies. Mir wurden die Knie weich, und ich ließ mich schwer auf meine Verandastufen sinken, während ich tief durchatmete, damit sich die schwarzen Punkte, die noch vor meinen Augen tanzten, verzogen. Entlassungen waren fast genauso anstrengend wie Beschwörungen, allerdings bei Weitem nicht so gefährlich.

Der Streifenwagen des Sheriffs hielt ein paar Meter vor meiner Veranda, und Justin Sanchez stieg aus – ein kleiner und magerer Deputy mit schiefen Zähnen und dunklem Haar, das immer zerzaust wirkte, egal, wie kurz er es auch schnitt. Er hatte einen struppigen Schnurrbart, der aussah wie eine Raupe, der die Haare ausgingen, unter seiner Nase, die leicht schief war. Bevor er zum Büro des Sheriffs versetzt worden war, hatte er für das Police Department gearbeitet und war in meinem Team gewesen, als ich als Cop angefangen hatte. Von ihm hatte ich schnell gelernt, dass Größe in einem Kampf nicht alles war. Aber noch viel wichtiger war, dass er mir beigebracht hatte, Kaugummiblasen zu machen – womit ich meiner Tante so lange auf die Nerven gefallen war, bis sie mir gedroht hatte, mich nicht weiter zu unterrichten, wenn sie noch jemals ein Kaugummi in meinem Mund entdecken würde.

Er grinste mich an. »Scheint, als hätte der Schwachkopf sich das falsche Haus ausgesucht, wie?«

Ich klimperte mit den Wimpern und machte ein unschuldiges Gesicht. »Aber wieso, Officer? Ich bin doch nur ein hilfloses kleines Mädchen. Ich hatte wirklich Todesangst!«

Er lachte. »Ja, klar. Aus irgendeinem Grund tut mir der Kerl fast leid.«

Wenn du wüsstest.

»Übrigens … hübscher Pyjama«, bemerkte er mit einem schiefen Grinsen.

Schnell verschränkte ich meine Arme vor der Brust. Der »Pyjama« waren das Hemd und die Hose aus Seide, die ich bei den Beschwörungen trug, aber ich hatte völlig vergessen, mir etwas anderes anzuziehen. Oder wenigstens einen BH. Ich war zwar oben herum nicht so gut ausgestattet, dass es unweigerlich aufgefallen wäre, aber Justin war ein Cop und ein Mann. Und draußen war es kalt. Es war ihm aufgefallen.

Und obwohl mir klar war, dass er mich nur neckte, wusste ich nie genau, wie ich mich verhalten sollte, wenn Männer irgendwelche erotischen Anspielungen machten. Meine Tante Tessa war noch nie besonders kontaktfreudig gewesen, und so hatte ich mir selbst beibringen müssen, wie man mit Menschen umging – mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Einer der Gründe, warum ich meinen Job als Polizistin so liebte, war das lange vermisste Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit.

Und deswegen war ich auch gern eine Beschwörerin – es gab eindeutige Regeln, wenn man mit Dämonen umging. Bei Menschen war das nie so einfach oder so direkt.

Justin schien meine Sorge nicht zu bemerken – er lachte nur über meine Reaktion, dann begann er meine Aussage aufzunehmen und den Bericht über den Einbruch vorzubereiten. Er knipste ein paar obligatorische Fotos von dem Schaden am Fenster neben der Eingangstür, machte sich aber nicht die Mühe, ins Haus zu gehen. Das war auch gut so, denn die Tür zum Keller stand immer noch einen Spaltbreit offen. Da hätte ich einiges zu erklären gehabt – der Kreidekreis, die sorgfältig aufgestellten Kerzen, der leichte Duft nach Weihrauch. Ich zwang mir weiterhin ein Lächeln ins Gesicht, während ich mir in Gedanken eine Ohrfeige verpasste. Ich hatte keine Lust, von Leuten, die absolut keine Ahnung von Dämonen hatten, als »Satanistin« bezeichnet zu werden. Obwohl es ein Wesen wie »Satan« oder »Luzifer« oder den »Prinz der Dunkelheit« nicht gab – zumindest nicht unter den Kreaturen, mit denen ich es zu tun hatte –, würde mir diese Tatsache nicht dabei helfen, meine Vorliebe zu erklären, Dämonen zu beschwören.

Schließlich hatte Justin alle Informationen zusammengetragen, die er brauchte, und den Täter auf seiner Rückbank verstaut. Er machte ein finsteres Gesicht, als er die Tür zuschlug. »Dämlicher Kiffer. Er ist völlig neben der Spur.« Er warf mir einen Blick zu, während er auf den Fahrersitz kletterte.

»Äh, ich glaube, du hast dich an einem Glassplitter geschnitten.«

Ich folgte seinem Blick zu meinem linken Unterarm, an dem Blut in einem dünnen Rinnsal zu meiner Hand hinunterfloss. Schnell wischte ich es mit dem Saum meines Hemds fort. Es war nicht das erste Mal, dass ich das Hemd mit Blut besudelte. »Ja, offenbar bin ich irgendwo dagegen gekommen. Sieht aber nicht so schlimm aus.« Ich wusste, dass es kein ernsthafter Schnitt war. Das Messer, das ich benutzt hatte, war teuflisch scharf, und ich hatte gelernt, den notwendigen Schnitt nicht tiefer zu setzen als unbedingt nötig. Es war den kleinen Schmerz immer wert, wenn ich hinterher die unglaubliche Befriedigung über eine erfolgreiche Beschwörung verspürte und wusste, dass ich in der Lage war, einen Dämon zu beherrschen, solange ich bei dem Ritual nichts vermasselte. Auch wenn ich nichts anderes in meinem Leben unter Kontrolle hatte, hierbei fühlte ich mich sicher.

»Sei froh, dass du heute Nacht nicht arbeiten musst. Offenbar hat der Nachtwächter in der Kläranlage eine Leiche gefunden.«

Ich lehnte mich gegen den Wagen. »Solange der Typ nicht mit einem geplatzten Scheck getötet worden ist, bezweifle ich, dass ich etwas damit zu tun gehabt hätte.« Das war die gute Seite daran, hauptsächlich bei Wirtschaftsverbrechen zu ermitteln. Ich wurde nur sehr selten mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt.

Okay, das war das einzig Angenehme. Ansonsten langweilte mich der Job zu Tode. Zwei Jahre lang hatte ich mir als Ermittlerin für Eigentumsdelikte den Arsch aufgerissen, und vor drei Wochen war ich endlich mit einer Versetzung in die Abteilung für Gewaltverbrechen belohnt worden. Allerdings war mir noch kein Fall übertragen worden, und da es immer noch jede Menge Scheckbetrügereien und Identitätsdiebstähle gab, arbeitete ich die nebenbei ab, während ich mich mit den Grundlagen der Mordermittlung beschäftigte.

Aber damit konnte ich leben. Das Gefühl, mir diese Beförderung verdient zu haben, war fast so süß wie eine erfolgreiche Beschwörung. Hier war ich nun, mein dreißigster Geburtstag näherte sich mit großen Schritten, und ich konnte tatsächlich behaupten, in meinem Leben endlich etwas erreicht zu haben. Ich hatte einen soliden Beruf und so etwas wie eine Zukunft, trotz meiner wiederholten Bemühungen, mein Leben zu zerstören, als ich noch jung und ziemlich dämlich gewesen war.

»Es ist ein Mädchen«, korrigierte mich Justin, während er seinen Sicherheitsgurt anlegte. »Kein Typ. Verstümmelt, soviel ich gehört habe, mit einem großen Zeichen auf der Brust.«

Ich bekam plötzlich eine Gänsehaut. »Du meinst, verstümmelt wie bei einer Folterung? Ist das Zeichen auf ihrer Brust ein Symbol?«

Justin schnaubte. »Warum machst du dir Gedanken darüber? Es ist wahrscheinlich irgendeine Crackhure, die sich mit dem falschen Dealer angelegt hat.«

»Oder es könnte wieder der Symbolmörder …«

»Ja, ja, du bist genauso schlimm wie der Anfänger, der den Fall gemeldet hat«, tadelte er mich lächelnd. »Der hat auch gleich geschrien, dass der Symbolmörder wieder zugeschlagen hat. Also übertreib es nicht und zieh keine voreiligen Schlüsse. Ich meine, es ist drei Jahre her, seit das letzte Opfer von diesem Verrückten gefunden worden ist. Und der Tatverlauf ist auch ein anderer. Sämtliche anderen Leichen sind in abgelegenen Gegenden und schon ziemlich verwest aufgefunden worden. Diese ist frisch abgelegt worden, und zwar an einer Stelle, wo es sogar einen Sicherheitsmann gibt, also mit einer Garantie dafür, dass sie schnell gefunden wird.« Er nahm das Mikrofon aus der Halterung am Armaturenbrett und informierte die Funkzentrale darüber, dass er mit einer Verhaftung unterwegs ins Büro war. »Wenn überhaupt, dann ist es vielleicht ein Trittbrettfahrer«, meinte er noch, nachdem er das Mikrofon wieder zurückgehängt hatte. »Er hat zwölf Menschen umgebracht und dann von heute auf morgen einfach aufgehört. Warum sollte er nach drei Jahren wieder anfangen?«

»Dreizehn«, korrigierte ich und spürte, wie mich eine unerklärliche Erregung erfasste. »Es sind dreizehn Opfer gefunden worden. Ich habe die Akten gerade vor zwei Wochen durchgelesen. Und vielleicht hat er aufgehört, weil er krank geworden ist oder im Gefängnis gesessen hat.« Oder er hat einfach nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um wieder zuzuschlagen. Bei dem Gedanken kroch mir die nackte Angst den Rücken hinauf. Ich wollte einfach nicht, dass meine ganz persönliche Theorie zutraf.

Die Mondphase war nur einer von mehreren notwendigen Faktoren, wenn man einen Dämon beschwor. Die Sphären von dieser Welt und der Welt der Dämonen bewegten sich in gewissen Mustern, wie die Umläufe von Planeten, und Beschwörungen gelangen nur dann, wenn die Sphären sich überschnitten. Je weiter sie sich überlappten, desto leichter war es, die komplexeren Beschwörungen durchzuführen. Doch die Annäherung war in den vergangenen Jahren so gering gewesen, dass es fast unmöglich gewesen war, höher als bis zur achten Ebene zu kommen.

Aber jetzt war die Konvergenz so groß, wie sie überhaupt nur sein konnte, und würde das auch noch mindestens einen Monat lang sein.

Wenn diese Morde Teil einer Art von Beschwörung waren, würde das erklären, warum er aufgehört hatte. Und warum er jetzt wieder zuschlug. Unruhig rieb ich meine Arme.

»Wie auch immer. Wahrscheinlich werden wir es irgendwann herausfinden«, sagte Justin und warf einen Blick auf die Rückbank, um sicherzugehen, dass sein Gefangener sich immer noch ruhig verhielt. »Okay, dann bringe ich diesen Affen mal ins Gefängnis. Und du legst dich wieder in dein schönes gemütliches Bett und zerbrichst dir deinen kleinen Kopf nicht weiter über böse alte Männer, die in dein Haus einsteigen.«

Ich schob meine Unsicherheit beiseite und schenkte ihm das Lachen, dass er erwartete. »Ich fühle mich ja so sicher.«

»Schützen und dienen und all dieser Mist«, erwiderte er und grüßte aufgesetzt zackig. Dann schloss er sein Fenster und fuhr rückwärts die gewundene Auffahrt hinab. Mein Lächeln erstarrte, sobald er außer Sichtweite war. Ich kehrte auf die Veranda zurück, schnappte mir mein Handy und ging den Nummernspeicher durch.

»Turnham«, meldete sich mein Captain munter nach dem ersten Klingeln. Ich atmete innerlich auf, dass ich ihn nicht geweckt hatte. Ich war einfach davon ausgegangen, dass er, falls auch nur der vage Verdacht bestand, es könne sich um die Tat des Symbolmörders handeln, vor Ort sein würde.

»Captain, hier ist Kara Gillian. Ich habe gehört, dass in der Kläranlage vielleicht ein neues Opfer des Symbolmörders gefunden worden ist.« Ich versuchte, meine Stimme ruhig und professionell klingen zu lassen, aber ich fürchtete, dass meine Aufregung nicht zu überhören war.

»Wie zum Teufel haben Sie davon erfahren? Haben Sie Ihren Funk vierundzwanzig Stunden am Tag laufen?«

Ich musste lächeln. Es gab eine Menge Cops, deren ganzes Leben sich um die Polizeiarbeit drehte und die tatsächlich ununterbrochen den Polizeifunk laufen hatten. Auch ich hatte am Anfang dazugehört, weil ich unter keinen Umständen hatte verpassen wollen, was in der Welt da draußen vor sich ging. Ich liebte meinen Job als Polizistin, und es hatte sich nach mehr als zehn Jahren oft bitterer Einsamkeit wie ein tiefer Atemzug frischer Luft angefühlt, endlich Teil von etwas Besonderem zu sein. Ich hatte fast ein Jahr gebraucht, um schließlich zu akzeptieren, dass ich mein Funkgerät gelegentlich auch ausstellen konnte und trotzdem eine vollwertige Polizistin war.

»Nein, Sir«, erwiderte ich. »Ich hatte einen 62R in meinem Haus, und Deputy Sanchez hat mich in Kenntnis gesetzt, als er den Täter abgeholt hat.«

»Ach so. Ich verstehe.« Er klang besänftigt. »Und ich freue mich zu hören, dass Sie den Kerl geschnappt haben. Ich nehme an, Sie würden gern bei diesem Fall dabei sein?«

»Nun ja, Sir, wenn Sie nicht der Meinung sind, dass ich im Weg bin. Es ist einfach so, dass ich im Moment mit den Akten sehr vertraut bin und denke, ich könnte vielleicht helfen.« Ich hielt den Atem an, während ich auf seine Antwort wartete. Wahrscheinlich würde er mir sagen, dass ich mich am Morgen mit dem Leiter der Ermittlungen treffen solle, um ihn auf dem Laufenden zu halten, aber ich wollte unbedingt die Leiche sehen.

»Wenn es Ihnen nichts ausmacht, um diese Zeit noch an den Tatort zu kommen, hab ich damit kein Problem. Sie können etwas beitragen, und Sie sammeln Erfahrung«, erklärte er zu meiner Erleichterung.

»Ich bin in zwanzig Minuten da«, versprach ich. Ich legte auf und rannte ins Haus, um mich umzuziehen. Und plötzlich war ich meinem drogenabhängigen Einbrecher zutiefst dankbar, dass er sich ausgerechnet diese Nacht ausgesucht hatte, um in mein Haus einzudringen.

2

Wie stehen die Chancen, dass es wieder der Symbolmörder ist? Diese Frage kreiste unaufhörlich in meinem Kopf. Die hohen Kiefern rechts und links der Straße schufen die unheimliche Illusion eines dunklen Tunnels, während ich den Highway entlangfuhr. Nur weil eine Leiche mit ähnlichem Verletzungsmuster gefunden worden ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich um denselben Mörder handelt. Und ich war mir nicht sicher, ob ich erleichtert oder enttäuscht sein würde, wenn herauskäme, dass es jemand anders gewesen war. Natürlich wollte ich nicht, dass noch mehr Menschen ums Leben kamen, aber gleichzeitig brannte ich seit nunmehr drei Jahren darauf herauszubekommen, wer es war.

Die Lenkung des klapprigen Ford Taurus flatterte unangenehm, als wir einen flachen Hügel hinaufkletterten. Vor mir sah ich die Lichter von Beaulac. Unterhalb der Stadt spiegelte sich das Mondlicht im Lake Pearl. Es war ein atemberaubend schöner Anblick, doch ich war nicht in der richtigen Stimmung, um ihn zu genießen. Vielleicht war es purer Zufall, dass der Kerl jetzt wieder auftauchte und dass sich die dreijährige Unterbrechung so genau mit der Überlappung der beiden Sphären deckte. Alles ist möglich, versuchte ich mich selbst zu überzeugen, aber mein Bauchgefühl sagte mir etwas anderes.

St. Long lag in einer ländlichen Gegend, aber New Orleans war mit dem Auto immer noch gut zu erreichen – was der Grund war, dass ich dort so gern lebte. Eine kleine, ruhige Gemeinde mit Anbindung an Beaulac als nächstgrößere Stadt. Es gab hier nur ein paar Morde pro Jahr und kaum andere Kriminalität außer den üblichen Dingen wie Drogenmissbrauch und Einbrüchen. Die wenigen Morde waren meistens das Ergebnis irgendwelcher Streitereien, die durch Alkohol und Testosteron angefeuert worden waren.

Lake Pearl hatte sich vor Jahrhunderten am Zusammenlauf mehrerer Flussarme gebildet, und an seinem Ufer war Beaulac entstanden, das heute ziemlich gut von Sportlern und Wochenendtouristen lebte. Obwohl Beaulac fast nicht als Stadt bezeichnet werden konnte, hatte es für ein paar Jahre traurige Berühmtheit erlangt – wegen eines Serienkillers, der als der Symbolmörder bekannt geworden war.

Ich schlug mit der flachen Hand auf das Armaturenbrett des Taurus in dem vergeblichen Versuch, das laute Klappern zum Schweigen zu bringen. Selbst wenn das neueste Opfer tatsächlich mit dem gleichen Symbol gebrandmarkt worden war, musste ich mit der Möglichkeit rechnen, dass der Mörder nur ein Trittbrettfahrer war. Ich verzog das Gesicht und hieb noch einmal auf das Armaturenbrett ein. Fluchend musste ich daraufhin mitansehen, wie der Drehknopf des Radios abflog und unter den Sitz hüpfte.

Selbst wenn es ein Trittbrettfahrer ist, müsste es jemand sein, der die vielen Einzelheiten des Symbols kennt. Bilder oder detaillierte Beschreibungen waren niemals offiziell veröffentlicht worden, aber ich wusste, dass manche Sachen immer irgendwie durchsickerten. Da reichte es schon aus, dass ein Polizist nach Feierabend in einer Bar darüber redete, und am nächsten Tag wusste es die ganze Stadt. Aber Captain Turnham würde jeden zur Schnecke machen, der vertrauliche Informationen über diesen Fall in Umlauf brachte. Er hielt sich immer strikt an alle Regeln, weswegen ich besonders erfreut war, dass er mir erlaubt hatte, zum Tatort zu kommen.

Ich bog auf die Schotterstraße ein, die zum Klärwerk führte. Es war von einem hölzernen Zaun umgeben, den ein großes rotes Schild schmückte, auf dem stand: City of BeaulacAbwasseraufbereitungsanlage. Ein weißes Metallgebäude beherbergte die Büros, und dahinter befanden sich eine ganze Reihe einander sehr ähnlicher Behälter, in denen wahrscheinlich das Wasser aufbereitet wurde. Ich stieß einen leisen Pfiff aus, als ich bemerkte, wie viele Polizeiwagen bereits dort waren. Allein vor dem hölzernen Zaun standen fünf Streifenwagen, ein halbes Dutzend ziviler Autos und ein Van der Spurensicherung. Ich versuchte, noch irgendwo einen freien Platz zu finden, gab aber schließlich auf und stellte meinen Wagen auf der Straße ab. Es konnte mir ohnehin nicht schaden, ein paar Schritte zu laufen.

Ich stieg aus dem Auto, schob die Wagenschlüssel in meine Jeanstasche und zog mein T-Shirt mit der Aufschrift Beaulac PD straff. Dann griff ich nach meinem Notizbuch, prüfte, ob ich einen funktionierenden Kugelschreiber dabeihatte, und holte noch einmal tief Luft, um meiner plötzlichen Nervosität Herr zu werden. Ich hatte mir so lange den Arsch aufgerissen, um an diesen Punkt zu kommen, dass es fast ein surreales Gefühl war, tatsächlich angekommen zu sein. Und dann war es vielleicht auch noch ein Fall des Symbolmörders … doppelt surreal.

Ich zog das Band um meinen Hals zurecht, an dem mein Ausweis hing, während ich zum Tatort ging. Seit ich als Streifenpolizistin bei einem Einsatz zu einem seiner Opfer gerufen worden war, hatte mich das Interesse für den Symbolmörder nie wieder losgelassen. Ich hatte die Leiche nur aus einiger Entfernung gesehen, aber trotzdem hatte ich die leichte Lichtstreuung wahrgenommen und die Resonanz gespürt, die nur jemand bemerken konnte, der Verbindungen zur arkanischen Welt pflegte. Es hatte mich schockiert und verwirrt und das unangenehme Gefühl bei mir hinterlassen, dass die Morde etwas mit dem Reich der Dämonen zu tun haben könnten. Auch wenn ich damals nur wenig von der arkanischen Resonanz hatte aufnehmen können, so war sie mir doch unglaublich vertraut vorgekommen, und ich hatte mit einer gewissen morbiden Spannung darauf gewartet, dass eine weitere Leiche auftauchte, um unter welchem Vorwand auch immer nahe genug an sie heranzukommen, um diese Resonanz erneut zu spüren.

Und dann hatte es plötzlich aufgehört. Kein einziges Opfer war mehr gefunden worden, und in den letzten drei Jahren hatte ich sogar schon begonnen an dem zu zweifeln, was ich gesehen und bei der Leiche gespürt hatte. Ein Jahr nach dem letzten Mord war ich zum Detective befördert und dem Dezernat für Eigentumsdelikte unterstellt worden, und jetzt – endlich – war ich bei der Mordkommission. Ich konnte kaum glauben, dass ich in nur wenigen Minuten vielleicht ein paar Antworten auf meine vielen Fragen erhalten würde.

Was ich dann mit diesen Antworten anfangen konnte, war eine völlig andere Sache.

Der Officer an der Absperrung warf mir einen mürrischen Blick zu, während er mir ein Klemmbrett entgegenstreckte. Ich erkannte ihn nicht, was bedeutete, dass er wahrscheinlich erst in den letzten zwei Jahren bei der Polizei angefangen hatte – nachdem ich bereits Detective geworden war.

»Ist es wirklich das gleiche Symbol?«, fragte ich, nahm ihm das Klemmbrett ab und trug mich in die Anwesenheitsliste ein.

»Keine Ahnung«, meinte er finster und verzog das Gesicht. »Ich hatte keine Möglichkeit, die Leiche aus der Nähe zu sehen. Die Schlipsträger wollen nicht, dass das Fußvolk sich am Tatort umsieht.« Ich sah ihm an, dass er tief beleidigt war, weil man ihn davon abgehalten hatte, einen wichtigen Tatort zu kontaminieren. Armes Baby.

Ich lächelte unverbindlich. Ja, ich war jetzt auch ein »Schlipsträger«, aber auch ich hatte fünf Jahre lang mein Lehrgeld als Streifenpolizist bezahlt, bevor ich Detective wurde. Er schien ohnehin nicht besonders an dem interessiert zu sein, was ich dazu zu sagen hatte, also gab ich ihm das Klemmbrett zurück und bückte mich unter dem Absperrband hindurch.

Der Auffindeort der Leiche war nicht zu übersehen. Mit Halogenstrahlern hatte man den Bereich zwischen zwei riesigen Kesseln ausgeleuchtet. An beiden führten eiserne Treppen hinauf bis zum Rand, und in der Mitte zwischen diesen Leitern lag ein kleines Bündel auf dem dreckigen Beton. Als ich in einem weiten Bogen darum herumging, konnte ich einen ausgestreckten Arm sehen, dunkelblondes Haar und einen menschlichen Körper, der mit einer Art Netz oder hauchdünnem gemustertem Stoff bedeckt war. Ich wollte die Leiche unbedingt aus der Nähe sehen, um herauszufinden, ob irgendwelche arkanischen Spuren an ihr hafteten. Aber ich zügelte mich mit der Disziplin, die ich mir im Laufe von zehn Jahren bei der Beschwörung von Dämonen antrainiert hatte. Dies hier war nicht mein Tatort, und nur der Großzügigkeit meines Captains hatte ich es zu verdanken, dass ich überhaupt hier sein durfte. Ich würde es nicht riskieren, nach Hause geschickt zu werden, bevor ich nicht die Chance gehabt hatte, so viel mitzubekommen wie möglich.

Ich versuchte, mit meiner Andersicht etwas herauszufinden, aber ich stand fast fünfzehn Meter von der Leiche weg und war mit absoluter Sicherheit nicht sensibel genug, um auf diese Entfernung etwas zu spüren, selbst wenn die Spuren aus der arkanischen Welt noch frisch und stark gewesen wären.

Eine zierliche Mitarbeiterin der Spurensicherung in dunkelblauen Hosen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck der Polizei kam um den Tank links von mir herum. Sie machte ein ziemlich mürrisches Gesicht, während sie ein langes Maßband aufrollte. Ihre Miene hellte sich allerdings auf, als sie mich entdeckte.

»Hey, Süße, was machst du denn hier?«, fragte sie. »Ich dachte, du bist immer noch bei den Eigentumsdelikten.«

Ich erwiderte das Lächeln. Die Kriminaltechnikerin Jill Faciane war nicht nur eine ausgesprochen coole Frau, sie wusste auch genau, was sie tat, und würde weder Spuren verwischen noch zulassen, dass es jemand anders tat. Jill war zwei Jahre nach dem Wirbelsturm Katrina von New Orleans herübergekommen und hatte sowohl eine Menge Erfahrung als auch einen scharfzüngigen Humor mitgebracht. Sie war eine schlanke Frau mit rotem Haar, einem elfenhaften Gesicht, energischem Kinn, freundlichem Lächeln und durchdringenden blauen Augen, denen so manches auffiel, was anderen entging. Außerdem war sie klug und ziemlich sarkastisch, was bedeutete, dass wir beide wunderbar miteinander auskamen.

»Man hat mich vor drei Wochen zu den Gewaltverbrechen versetzt«, erklärte ich. »Und da ich mit den Fällen des Symbolmörders ziemlich vertraut bin, hat der Captain mir erlaubt, herzukommen und zu helfen.«

»Gut. Es ist wieder eine unglaubliche Sauerei! Hier, mach dich nützlich«, sagte sie und gab mir ein Ende des Maßbandes. »Ich muss noch eine ganze Menge vermessen, und diese nutzlosen Klugschwätzer da drüben …«, sie deutete mit dem Kopf auf eine Gruppe von Leuten beim Hauptgebäude, »… sind viel zu wichtig, um hier mal mit anzufassen.«

Gehorsam hielt ich das eine Ende des Maßbandes und sagte: »Sie sind eben Detectives. Hör mal, du erwartest doch nicht ernsthaft, dass die tatsächlich arbeiten, oder?«

»Ha!«, entgegnete sie, während sie mich in die Nähe eines dicken Rohrs schob, das aus dem Boden ragte. »Du bist Detective, und du arbeitest auch!« Sie ging mit dem Maßband bis zu der Leiche, notierte etwas auf ihrem Block und kam wieder zurück. »Mein Gott, die Medien hätten sich auch etwas Aufregenderes einfallen lassen können als einfach nur Symbolmörder.«

»Na ja, das ist schon lange her. Es war genau zu der Zeit, als ich bei der Polizei angefangen habe. Und für eine Weile war es eben die Geschichte in der Presse.«

»Stell dich an den Zaun«, befahl sie mir und machte sich weitere Notizen. »Jedenfalls ist es wirklich ekelhaft. Und was hat das Ding auf ihrer Brust zu bedeuten?«

Ich ging zum Zaun und hielt brav mein Ende des Maßbands, als sei ich dafür geboren worden. »Du meinst das Symbol? Ich weiß es nicht …« – und genau das machte mich eben völlig verrückt – »… aber alle Opfer hatten das gleiche Symbol irgendwo am Körper, entweder ins Fleisch geschnitten oder eingebrannt. Dreizehn Morde in vier Jahren und alle verbunden durch dieses Symbol. Danach hat er einfach aufgehört.« Ich zuckte die Schultern und breitete die Arme aus, wodurch das Maßband Wellen schlug und ich mir einen tadelnden Blick von Jill einfing.

»Fast fertig«, sagte sie und sah auf ihre Notizen. »Lass mich noch den Abstand bis zum Tor messen. Hast du viele seiner Opfer gesehen?«

»Nein«, erwiderte ich und ging zum Tor. »Gerade als ich Detective geworden war, hat er aufgehört zu morden, und seine Akte ist ganz schnell nach unten in den Stapel mit den ungelösten Fällen gerutscht.« Ich warf einen Blick auf die Leiche, dann wandte ich mich wieder Jill zu. »Und dass seine Opfer alle obdachlos waren oder drogenabhängig, hat uns auch nicht unbedingt weitergeholfen.«

Jill verzog das Gesicht und wickelte das Band auf, während sie zu mir kam. »Es gab also keinen großen Druck, die Fälle zu lösen.«

Genau das war der Punkt. »Nicht besonders«, bestätigte ich. »Hin und wieder wurde mal eine Sonderkommission auf den Fall angesetzt, aber eher lustlos.« Ich zuckte die Schultern. »Ohne einen Aufschrei in der Bevölkerung waren die Behörden nicht besonders willig, viel Zeit und Geld zu investieren. Du weißt ja, wie das ist.«

Eine steile Falte erschien auf ihrer Stirn. »Oh ja, das weiß ich.« Sie nahm mir das Band aus der Hand und schob die Rolle in eine der großen Taschen an ihrer Hose. »Und woher weißt du so viel über die Morde?«

»Das war einfach Glück, schätze ich. Ich bin ja ganz neu im Dezernat – ich habe noch nicht mal meinen ersten Fall bekommen –, deswegen dachte ich mir, vielleicht kann ich was lernen, wenn ich alte Akten lese. Da die Symbolmorde immer noch nicht aufgeklärt sind, habe ich mit denen angefangen.« Wie lange ich schon darauf brannte, diese Akten in die Finger zu kriegen, erwähnte ich nicht. Bis ich ins Morddezernat versetzt worden war, hätte ich eine Bitte um Akteneinsicht durch nichts rechtfertigen können. »Und da ich ein bisschen freie Zeit hatte …«

»Du hattest was?« Jill gluckste. »Man hat Freizeit? Oh Mann, ich muss mich unbedingt versetzen lassen!«

»Wir können tauschen«, erwiderte ich. »Wie hart kann dein Job schon sein? Ein paar Bilder machen, irgendwas vermessen und ein bisschen mit Fingerabdruckpulver um sich werfen.« In gespielter Wut riss Jill die Augen auf, und ich lachte. »Jedenfalls hat mir Captain Turnham eine große Kiste voller Akten, Bilder und Notizen übergeben und gesagt: ›Hauen Sie rein. Aber lassen Sie keinen Ihrer anderen Fälle darunter leiden.‹«

»Du hast also tatsächlich freie Zeit!«, krähte Jill.

»Nein. Ich habe nur kein Privatleben.« Etwas hilflos zuckte ich die Achseln. »Manche Leute haben Rendezvous. Ich beschäftige mich lieber mit Serienkillern.«

»Grundgütiger«, stöhnte Jill. »Du musst unbedingt mal wieder flachgelegt werden.« Sie warf einen Blick über meine Schulter. »Da kommt Crawford«, stellte sie fest, bevor ich ihrem Urteil über mein Leben etwas entgegensetzen konnte.

Ich hätte auch gar nicht gewusst, was ich antworten sollte, da sie frustrierenderweise auch noch recht hatte. Aber was sollte ich tun? Ich hatte viel zu viele Geheimnisse, um irgendjemanden näher kennenzulernen, und auf gar keinen Fall durfte ich es riskieren, dass jemand von dem Beschwörungsraum in meinem Keller erfuhr. Ich hatte einfach akzeptiert, dass eine gewisse Einsamkeit der Preis dafür sein würde, Dämonen beschwören zu können.

In meinem ganzen Leben hatte ich nur zwei Beziehungen gehabt, und keine hatte länger als ein paar Monate gedauert – beide Männer hatten sie mit dem Vorwurf beendet, dass ich mich ihnen nicht genügend öffnen würde. Ich hatte mir Entschuldigungen ausgedacht und Lügen erfunden, warum ich am Vollmond immer beschäftigt war oder warum sie nicht bei mir übernachten konnten. Aber diese ständigen Täuschungsmanöver waren ermüdend gewesen. Es gibt Schlimmeres. Das redete ich mir nicht zum ersten Mal ein. Eine Beschwörerin zu sein, ist diese Entbehrungen wert.

Damit drehte ich mich zu dem Mann um, der auf uns zukam. Jill setzte eine möglichst neutrale Miene auf. Ich wusste, dass sie Detective Cory Crawford nicht besonders mochte. Er stammte ebenfalls von der Südküste, allerdings kam er aus dem Landkreis Jefferson. Jefferson lag ein wenig westlich von New Orleans und hatte eine Kriminalitätsrate, die fast so hoch war wie in der Stadt. Er hatte fast fünfzehn Jahre für die Polizei gearbeitet und allein zehn davon im Morddezernat, was bedeutete, dass er die meiste Erfahrung beim Beaulac PD hatte, vom Captain einmal abgesehen.

Und er sorgte dafür, dass das auch jeder wusste.

»Zeig ihm, dass dich seine Brillanz völlig umhaut«, flüsterte Jill mir aus dem Mundwinkel zu, bevor Crawford uns erreichte, und ich musste mir auf die Lippe beißen, um nicht zu lachen.

Cory Crawford war ein kräftig gebauter Mann. Obwohl er nicht fett war, hatte er deutlich gegen seinen zunehmenden Bauch zu kämpfen. Sein Haar war ergraut, doch er färbte es starrköpfig in einem stumpfen Braun, genauso wie seinen sorgfältig getrimmten Schnurrbart. Das Braun seiner Augen war dem seiner Haare so ähnlich, dass viele vermuteten, er habe den Ton abgestimmt. In völligem Gegensatz zu diesem Braun trug er gern sehr farbenprächtige Krawatten. Dazu umwehte ihn immer ein Duft nach Wintergrün und Tabak. Ich war außerordentlich dankbar, dass wir uns an einem Tatort befanden und ich deswegen nicht würde zusehen müssen, wie er seinen Kautabak auf den Boden oder in eine leere Flasche spuckte.

Detective Crawford nickte Jill kurz zu und musterte mich dann düster. »Wie ich höre, sind Sie die hiesige Expertin, was den Symbolmörder angeht.«

Ich riss meinen Blick von dem schreiend rot-blauen Muster auf seiner Krawatte los. »Expertin? Ich habe die alten Akten gelesen. Das ist aber auch schon alles.«

Crawfords Miene wurde noch mürrischer. »Und damit wissen Sie mehr als alle anderen hier. Oder zumindest behauptet das unser Captain.«

Offensichtlich schien es ihn zu quälen, dass er nicht die einzige Quelle allen Wissens war. Aber der Detective, der die Ermittlungen früher geleitet hatte, war in Pension und lebte inzwischen in North Carolina. Und die beiden Detectives, die mit ihm zusammengearbeitet hatten, waren versetzt worden. Ich wusste, dass ich so ziemlich die Einzige im Dezernat war, die einigermaßen auf dem Laufenden war, aber ich hatte mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass der Captain mir eine derartige Position zuweisen würde. »Äh … ich schätze, das ist dann wohl so.« Etwas verwirrt fuhr ich mir mit den Fingern durchs Haar. Kein Druck. Na sicher. »Und wer hat das Symbol erkannt?«

»Niemand«, wies Crawford mich schroff zurecht. »Es ist noch nicht einmal klar, ob der Symbolmörder überhaupt dahintersteckt. Aber Captain Turnham hat mir gesagt, ich solle Sie mal einen Blick darauf werfen lassen.«

Verdammte Scheiße! Das musste ihn tief getroffen haben. »Okay. Dann sehe ich es mir kurz an«, sagte ich und versuchte, so gleichgültig wie möglich zu erscheinen. Er sollte auf keinen Fall merken, wie sehr ich danach gierte, genau das zu tun.

Crawfords Lippen wurden schmal, dann sah er Jill an. »Sind Sie hier so weit fertig, dass sie einen Blick auf die Leiche werfen kann?«

Jill nickte und wirkte äußerlich völlig ruhig. »Ja, natürlich.«

Crawford drehte sich um und marschierte in Richtung der Leiche. Jill und ich wechselten einen Blick, der, wie wir beide wussten, bedeutete: Was für ein Blödmann! Und dann folgten wir dem Blödmann, während wir uns das Lachen verkniffen.

Das Lachen blieb mir allerdings im Hals stecken, als ich sah, was man der jungen Frau angetan hatte. Ich musste tief durchatmen, während sich mein Magen zusammenkrampfte. »Ach, du Scheiße!«

Ein Muskel an Crawfords Wange zuckte. »So was hab selbst ich noch nicht gesehen, Kara. Mir ist speiübel. Und Sie wissen, dass ich eine Menge aushalte.«

Die Leiche war völlig nackt. Was ich für ein Netz gehalten hatte, waren in Wirklichkeit exakte, genau parallel gesetzte Schnitte, die über den gesamten Körper der Frau verliefen, über die Arme, die Beine, den Oberkörper – alle anderthalb Zentimeter ein Schnitt, vom Hals bis zu den Füßen, so akkurat gesetzt, dass ich sie als Lineal hätte benutzen können. Die einzige Unterbrechung bildete das Symbol, das ihr genau zwischen den Brüsten in die Haut geschnitten worden war.

Ich atmete flach, während ich die unzähligen dünnen Schnitte betrachtete. Keiner war tiefer als einen halben Zentimeter, aber mir war klar, dass das Opfer tagelang gelitten hatte. Es war fast erleichternd, meinen Blick auf die Strangulationsmarken am Hals zu lenken – tiefe Einkerbungen unter einem rot gesprenkelten Gesicht. Zumindest hatte die Strangulation ihren Qualen ein Ende gesetzt, auch wenn das gleichbedeutend mit dem Ende ihres Lebens gewesen war.

Zu dem Zeitpunkt hat sie wahrscheinlich längst darum gebettelt.

Ich musste mit mir kämpfen, um äußerlich unbewegt und emotionslos zu wirken, während ich diesen geradezu penibel verstümmelten Körper betrachtete, aber es kostete mich auch jedes Quäntchen Selbstbeherrschung, das ich aufbringen konnte. Ich schluckte, denn meine trockene Kehle schmerzte. Dann hockte ich mich hin, um mir alles genauer anzusehen. Es war keine brutale, grobschlächtige Verstümmelung. Sie wirkte fast elegant und künstlerisch, so entsetzlich sie gleichzeitig auch war. Alle diese Schnitte … jeder einzelne ist gesetzt worden, als sie noch lebte. Und das passte zu den anderen Opfern. Obwohl diese schon in das Stadium der Verwesung übergegangen waren, hatte man auch an ihnen unübersehbare Folterspuren gefunden.

Ich holte tief Luft, um noch einmal genauer hinsehen zu können. Wichtiger als die Strangulationsmarken und die Verstümmelungen waren jene Dinge, die ich im Gegensatz zu den meisten anderen erkennen konnte. Ich öffnete meine Andersicht und spürte eine Mischung aus Erleichterung und Abscheu, als sich das flackernde Licht jener fremden Welt in kleinen zuckenden Feldern an der Leiche zeigte. Sie verblassten schon, aber ich konnte definitiv Spuren von arkanischer Energie an ihrem Körper erkennen.

Es war genau wie bei der Leiche, die ich vor drei Jahren gesehen hatte.

Und dann spürte ich auch die arkanische Resonanz – ein Summen der Macht, wie ein Basslautsprecher im Raum nebenan. Ich streckte meine Hand ein paar Zentimeter über der Leiche aus und spreizte die Finger über dem Symbol, das man in ihre Brust geschnitten hatte. Dann öffnete ich mich noch weiter für die Resonanz. Mir war klar, dass es für jeden, der mich beobachtete, völlig irre aussehen musste, aber ich wollte so viel von dieser arkanischen Macht in mich aufsaugen, wie ich nur konnte.

Ich zog meine Hand zurück und sah mich nach Jill und Crawford um. Erleichtert stellte ich fest, dass sie damit beschäftigt waren, die Umgebung der Leiche abzusuchen. Hätten sie mich beobachtet, hätten sie mich wahrscheinlich für eine Wunderheilerin gehalten. Aber selbst das wäre es wert gewesen. Wer immer diese Frau getötet hatte, war zur gleichen Zeit tief mit der arkanischen Welt verbunden gewesen. War es diese Verbindung gewesen, die Kehlirik gespürt hatte? Den Geschmack von Blut und Tod? Davon gab es hier mit Sicherheit eine Menge.

Innerlich zog ich mich wieder zurück. Zwar spürte ich die Resonanz immer noch, aber zumindest fühlte es sich jetzt nicht mehr so an, als vibriere mein Schädel derart, dass mir gleich die Zähne ausfallen würden.

»Wenn es nicht der Symbolmörder ist, dann ist es auf jeden Fall ein verdammt guter Trittbrettfahrer«, sagte ich zu Jill und Crawford. Aber ich wusste, dass es kein Trittbrettfahrer war. Nicht mit diesem Symbol und den arkanischen Spuren und dem Timing, das so perfekt mit der Überlappung der beiden Sphären zusammentraf. Das waren einfach zu viele Zufälle.

»Sieht so aus, als hätten wir jetzt eine Menge zu tun«, bemerkte Crawford, als ich mich erhob. »Oh, der Captain hat übrigens gesagt, dass er Sie sehen möchte, sobald Sie hier sind.«

Ich nickte.

»Ist er hier am Tatort?«

Crawford schnaubte. »Schön wär’s. Nein, er konferiert mit dem Chief und ein paar anderen von den hohen Tieren.«

Ich suchte den Bereich jenseits des Absperrbandes nach der unverkennbaren Silhouette meines Chefs ab. Den Tatort selbst betrat Captain Turnham nur, wenn seine persönliche Anwesenheit unbedingt erforderlich war. Er verabscheute es nämlich, später während der Verhandlung lediglich deswegen vorgeladen zu werden, weil sein Name auf dem Protokoll erschienen war. Ebenso verabscheute er es, Leute an einem Tatort zu sehen, die dort überflüssig waren, und er wollte schon gar nicht zu ihnen gehören.

Ich nehme an, dass er mich nicht für überflüssig hält. Ich genoss die Zufriedenheit, die dieser Gedanke in mir auslöste.

Da der Captain fast einen Kopf größer war als alle anderen vor Ort, war er leicht zu entdecken. Wie erwartet, stand er außerhalb des Absperrbandes – zusammen mit Boudreaux, Pellini und Wetzer, den anderen drei Ermittlern des Dezernats für Gewaltverbrechen. Wie werden die wohl damit umgehen, was ich zu sagen habe? Werden sie mich überhaupt ernst nehmen? Ich zweifelte daran. Ein- oder zweimal war es im Zusammenhang mit meinen Eigentumsdelikten auch um einen bewaffneten Raubüberfall oder einen Mord gegangen, und die drei hatten mir dabei mehr als deutlich gemacht, dass ich in ihren Augen keine Ahnung davon hatte, was sie taten, und meine Meinung absolut unwillkommen und überflüssig war. Gerade Crawford konnte ein unglaubliches Arschloch sein, aber zumindest machte er seinen Job ziemlich gut und er war in der Regel auch bereit, sich andere Meinungen anzuhören.

Ich ließ Crawford und Jill bei der Leiche zurück und ging zu Captain Turnham. Er entfernte sich von den anderen Detectives, als ich näher trat, und schenkte mir seine volle Aufmerksamkeit. Er war ein schlanker Farbiger, dessen Arme und Beine irgendwie zu lang für seinen Körper geraten waren. Fünfzehn Jahre hatte er als Polizist in New Orleans gearbeitet, bevor er in die Provinz gekommen war. Inzwischen war er seit fast zehn Jahren beim Beaulac PD. Allen, die ihn nicht kannten, erschien er humorlos und mürrisch. Aber die Leute, die mit und für ihn arbeiteten, wussten, dass er lediglich äußerst engagiert und unglaublich akribisch war. Selbst jetzt, um drei Uhr morgens, trug er ein perfekt gebügeltes weißes Hemd und dazu Kakihosen mit einer Bügelfalte, die so scharf war, dass man Brot damit hätte schneiden können. Alle anderen Detectives waren lediglich in Jeans und Polizei-T-Shirts.

»Morgen, Gillian.« Captain Turnham sah mich über den Rand seiner Brille hinweg an.

»Morgen, Captain«, erwiderte ich mit einem kurzen Nicken. »Danke, dass ich herkommen durfte.«

Um seine Lippen zuckte eine Art Lächeln. »Ich werde Ihnen diesen Fall übertragen, da Sie im Moment diejenige sind, die am meisten über den Symbolmörder weiß.« Mehrere Herzschläge lang starrte ich ihn einfach nur an, weil ich mir sicher war, mich verhört zu haben. »Sie wollen, dass ich zusammen mit Crawford und den anderen an diesem Fall arbeite?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Ich möchte, dass Sie bei diesem Fall die Ermittlungen leiten.«

Plötzlich war ich irrsinnig dankbar, dass Crawford bei der Leiche geblieben war. Ich hatte keine Lust, mir auch nur vorzustellen, wie seine Reaktion auf diese Nachricht wohl ausgefallen wäre. »Sir, Sie erinnern sich aber schon, dass ich keinerlei Erfahrung mit Mordfällen habe?«

»Und die werden Sie auch nie bekommen, wenn Sie nicht langsam mal anfangen, an einem zu arbeiten«, erwiderte er mit unschlagbarer Logik.

»Ja, schon, aber …«

Er hob die Hand, um mich zu unterbrechen. »Gillian, Sie machen das schon. Sie haben bei den Eigentumsdelikten bewiesen, was Sie können, und deswegen ist Ihre Versetzung ins Dezernat für Gewaltverbrechen befürwortet worden. Und Sie stehen ja nicht allein da. Crawford und Boudreaux können Ihnen ein wenig auf die Sprünge helfen. Außerdem habe ich vor, den Chief zu überreden, eine Sonderkommission zu bilden.«

»Ja, Sir.« Verdammte Scheiße! Er gibt mir wirklich den Symbolmörderfall. Ich versuchte, ein möglichst selbstsicheres Lächeln aufzusetzen, weder großspurig noch nervös. Ich hatte gehört, dass Captain Turnham neue Detectives gern ins kalte Wasser stieß. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, so schnell selbst schwimmen gehen zu müssen.